Geschlechterdebatte

Am Grabbeltisch der Politik

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geschrieben von: Lucas Schoppe

Ein kurzer Briefwechsel zwischen Johannes Meiners und Lucas Schoppe

Dieser Text hat schon eine längere Geschichte. Johannes hatte mir vor Wochen einen Text geschickt zu einem Interview, das in der FAZ erschienen war. Ich war gerade mitten in den Schuljahresendarbeiten und brauchte eine ganze Weile, um darauf zu antworten – antworten aber wollte ich, einiges sah ich nämlich ganz anders als Johannes. Die Antwort erreichte Johannes dann gerade, als er seinerseits unterwegs war – so hat der ganze kurze Briefwechsel am Ende einige Wochen gedauert. Als er dann druckreif war, kochte gerade die Diskussion über einen Zeit-Artikel hoch…

Das Thema aber bleibt wichtig, trotz des Aufhängers über ein FAZ-Interview. Der Briefwechsel dreht sich nämlich um die Frage: Hat es überhaupt einen Sinn, sich in einer Partei zu engagieren?
LS
 
Johannes Meiners: Als Herr Tauber einmal verführen sollte

„Es ist Zeit für einen Test. Ich will, dass Peter Tauber mich dazu verführt, in die CDU einzutreten, oder es zumindest versucht.“

Eine junge, fesche Akademikerin – natürlich mit „Migrationshintergrund“ – interviewt für die einst seriöse, im Selbstverständnis bürgerlich-liberale Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) den neuen, jungen CDU-Generalsekretär Peter Tauber.

Sie fragt, was seine Partei ihresgleichen verspreche, um sie zum Beitritt zu bewegen.

Da hat die sich für stark und selbstbewusst haltende Dame wohl etwas falsch verstanden:

Sie will als Mitglied geködert werden – und Männer (!) sollen ihr alles Mögliche dafür versprechen, natürlich vollkommen leistungsentkoppelt und ohne, dass sie eine innere Überzeugung, eine Werthaltung oder gar ein Welt- und Menschenbild mitbringen müsste, die auch nur ansatzweise zur Union zu passen hätte.

Nicht sie, die Frau, soll etwas leisten müssen, sich anstrengen, kämpfen, frustriert sein, scheitern, nachdenken, neu ansetzen, wieder Klinken putzen, Ideen einbringen, innovativ sein, Mut zeigen, Einsatz und Energie, Reden halten, Andere anwerben und sich immer wieder um Kandidatenplätze bemühen, sondern die CDU, sprich die darin oder in jeder beliebigen anderen Partei wie obig beschriebenen Männer, sollen ihr, der Frau, jedes Hindernis präventiv aus dem Weg räumen – und dann wird suggeriert, die Frau sei „stark und selbstbewusst“.

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Das Angebot der Parteien ist reichhaltig und vielfältig, und wir müssen nur zugreifen. Wer aber die bunten Wagen jeden Tag so schön bepackt, bleibt ein Mysterium.
Interessant auch, dass es nicht um große Fragen der Zeit geht, die eigene Biographie, Überzeugungen des Interviewpartners, aktuelle Geschehnisse, Abgrenzungen zu anderen Parteien u. V. m., sondern ein Detail einer (Nach)Verhütungsmethode zum Kern des Gesprächs erkoren wird.

„Sie wollen mich überzeugen, in Ihre Partei einzutreten, ich will die „Pille danach“ ohne Rezept, und um die Nebenwirkungen möchte ich mir selber Gedanken machen.“

Generalsekretär Tauber legt meines Erachtens viel zu wenig Wert darauf, dass die Forderung „Pille danach ohne Rezept“ die ohnehin schon hegemoniale Kultur der Verantwortungslosigkeit bei Intimkontakten weiter fördert.

Diese normative Stoßrichtung obliegt der Suggestion, weibliche Geschlechtsteile zu haben sei ein biologischer Nachteil gegenüber den männlichen, unfair und daher „gesellschaftlich auszugleichen“. Nett gesprochen und den so Argumentierenden mehr Weitsicht zutrauend als sie vermutlich aufbringen, ist dies die Gedankenwelt des Sozialkonstruktivismus.

Abgesehen auch von der fortschreitenden Asymmetrie im Kräfteverhältnis von Männern und Frauen bei jeder Form der Sexualkontakte: Schon jetzt lasten hierbei die wesentlichen Teile der Verantwortung für mögliche Folgen, ohne darüber entscheiden zu können, ohne Abtreibungsmöglichkeit oder Unterhaltsentzug, auf den Männern.

Die öffentliche Meinung suggeriert dabei Gegenteiliges, oft vertreten von Redakteurinnen, die bewusste Falschaussagen tätigen und erst recht Zusammenhänge verzerren, nicht zwischen Korrelation und Kausalität differenzieren (können/wollen).

Und – natürlich – wurden alle wirksamen Verhütungsmethoden immer und ausschließlich von Männern entwickelt, produziert, verkauft, finanziert und verbessert.

Alles in dem Interview ist also wie im richtigen Leben – und das nennt sich dann „feministisch“, „emanzipatorisch“ oder gar „progressiv“…;

Wie sehen die Leser das? Konstruktive Kommentare und Diskussionen untereinander sind herzlich willkommen!

Lucas Schoppe: Frage nicht, was Du für Deine Partei tun kannst…

Lieber Johannes,

ich nehme mir als Leser und Blogger einfach die Freiheit, gleich selbst zu antworten. Ich sehe nämlich mindestens einen Punkt ganz anders als Du.

Du wirfst der Interviewerin Anna Prizkau vor, sie würde vor einem Eintritt in eine Partei leistungsentkoppelt Versprechen von Männern einfordern. Sie würde also nach ihrem eigenen Verständnis nicht etwa

„etwas leisten müssen, sich anstrengen, kämpfen, frustriert sein, scheitern, nachdenken, neu ansetzen, wieder Klinken putzen“,

sondern an die Partei mit der Attitüde einer selbstbewussten, wohl auch verwöhnten Konsumentin herantreten, die sich mal umschaut, was ihr hier so geboten wird.

Das ist eigentlich der Vorwurf, sie würde Kennedys berühmten Satz einfach umdrehen, nur eben auf die Partei und nicht auf das Land bezogen:

„Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann, sondern was Du für Dein Land tun kannst.“

Dass diese Haltung spezifisch als Haltung einer Frau gegenüber einem Mann, oder allgemein den Männern der Partei erscheint, liegt natürlich auch an Prizkau selbst. Schließlich erwartet sie gleich zu Beginn, „verführt“ zu werden, und spielt damit auf eine Balz-Situation an.

Das passt natürlich zu dem Missverhältnis zwischen den garantierten Frauen-Quoten bei den Partieposten der SPD und der Grünen und dem jeweils deutlich kleineren Anteil von Frauen, die dafür die Arbeit an der vielgerühmten und wenig beachteten Parteibasis erledigen.

Du reagierst darauf, indem Du diese Konsumentenhaltung, die hier deutlich weiblich konnotiert ist, als eigentlich unpolitische Haltung eines Menschen abwertest, der gar nicht weiß, wie Parteiarbeit wirklich funktioniert. Ich möchte hingegen einfach mal das Gegenteil vorschlagen – nämlich, sich die Haltung von Prizkau zum Vorbild zu nehmen.

Anstatt den Kopf zu schütteln über eine Frau, die sich in einer Partei wie an einem Grabbeltisch verhält, könnten sich eigentlich auch Männer fragen, was ihnen denn eigentlich eine Partei so zu bieten hat, ohne dass sie sich dabei allzu viele Gedanken über die Bezahlung machen.

Anstatt den selbstlosen Einsatz für das Ganze als Vorbild hinzustellen, sollte klarer werden, dass solch ein Einsatz nur dann einen Sinn hat, wenn er eingebunden ist in allgemeine Erwartungen der Solidarität, die sich an ALLE Beteiligten richten.

Der Einsatz für andere ist nur dann keine Einwilligung in meine eigene Ausbeutung, wenn ich erwarten kann, dass die anderen sich in vergleichbarer Situation ebenso für mich einsetzen.

Das aber können Männer, als Männer, von Frauen in der Parteipolitik allgemein nicht erwarten. Ich kann mich an keine einzige halbwegs namhafte Politikerin erinnern, die jemals von sich aus spezifische Benachteiligungen von Männern oder Jungen offen als Problem beschrieben hätte. Statt dessen beginnt die SPD jetzt sogar, das Frauen-Statut der Grünen zu kopieren – die SPD von Berlin-Mitte hat beschlossen, dass auf ihrer Kreisdelegiertenversammlung Männer kein Rederecht mehr haben, wenn sich keine Frauen mehr an der Diskussion beteiligen wollen.

Männer dürfen nur reden, wenn auch Frauen reden wollen – anstatt das die Genossinnen solidarisch sind mit ihren Genossen und für deren Rederecht kämpfen, passen sie lieber auf, dass Männer auch bloß nicht mehr sagen können als Frauen. Was angesichts des großen Männerüberschusses an der Parteibasis übrigens bedeutet, dass der einzelne Mann wesentlich weniger Redechancen erhält als die einzelne Frau.

Das ist nicht nur die Schuld der Frauen, sondern vor allem die der Männer. Wenn mir ständig angeboten werden würde, dass ich etwas umsonst oder zu geringem Einsatz bekomme – dann könnte ich es früher oder später auch nicht mehr verstehen, wenn dann irgendwann und plötzlich jemand daherkommt und für dieselbe Leistung Gegenleistungen sehen will.

Das heißt: Durch das Ethos des selbstlosen Einsatzes für das große (Partei-)Ganze, das Du vertrittst, trägst Du in meinen Augen eben zu der Konsum-Haltung bei, die Du kritisierst.

Noch ein weiterer Kommentar zu Deinen Bemerkungen zur „Pille danach“: Es gibt ja tatsächlich ein erhebliches Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern beim Recht, darüber zu entscheiden, ob man Kinder bekommen möchte. Dieser Unterscheid bei den „Reproduktivrechten“ ist in meinen Augen ein zentrales Thema, wenn es um Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern geht – und eines, das von Männerrechtlern noch relativ wenig aufgegriffen wird.

Ich finde aber, dass es kein Problem des „Sozialkonstruktivismus“ ist. Ganz ehrlich: Die Idee, Institutionen aller Art, geteilte Moralvorstellungen, auch Vorstellungen von Männern oder Frauen als soziale Konstruktionen zu verstehen, finde ich völlig sinnvoll. Sinnlos wird diese Idee erst, wenn so getan wird, als ob es gar nichts anderes gäbe und als ob diese Konstruktionen völlig beliebig wären und ebenso beliebig geändert werden könnten. Aber das sind eigentlich schon zwei Themen für weitere Artikel…

Viele Grüße,

Lucas Schoppe

Johannes Meiners: Bequemes Wandern auf dem Holzweg

Lieber Lucas,

vielen Dank für Deine Antwort! Sehr gern schreibe ich dazu eine Replik:

Im Kern stimme ich Dir vollkommen zu: Auch „wir“ Männer sollten unser Verhältnis zur Politik „opportunisieren“: Damit meine ich, wie von Dir umrissen, dass (auch) Männer sich zunächst darüber informieren sollten, welche Partei das, was ihnen wichtig ist, (glaubhaft) vertritt. Das muss keineswegs zwingend mit dem „Geschlechterthema“ zu tun haben; doch wenn es Fragen dazu sind, gilt die Notwendigkeit zum „geschärften Blick“ erst recht.

Leider ist es so, dass die systematische Bevorzugung von Frauen nicht auf „rot-rot-grün“ beschränkt ist. Vielmehr läuft es bei der Union inzwischen genauso ab: Frauen stellt man(n) sich als „ewig unterdrückt“ vor und gleichzeitig als „bessere Menschen“. Sie werden glorifiziert, Männer dämonisiert (vgl. Christopher Kucklick, Zeit Dossier vom 12. April 2012) – Gerechtigkeit mit Gleichheit verwechselt, Chancen mit Ergebnissen.

Da sich jedoch kaum Frauen für Politik interessieren, schon gar nicht für Parteipolitik, und erst recht nicht, wenn ein solches Engagement persönliche Entbehrungen für sie bedeuten würde, sind Männer bei jeder Veranstaltung in der deutlichen Mehrheit. Es sei denn, sie wurden „wegquotiert“. Dies gilt orts-, generationen- wie weltanschauungsunabhängig und wird darauf zurückgeführt, dass „Männerbünde“ Frauen aus verantwortlichen Positionen heraushalten und es deswegen kaum Vorbilderinnen für nachwachsende weibliche Menschen gebe. Wäre dies anders, gäbe es genauso viele politisch aktive Frauen wie Männer, so die Erzählung.

Die Realitäten liegen anders, wie es Klaus Funken für die SPD beschrieben hat („25 Jahre sind genug“/ „Weiter auf dem Holzweg“): Männer schämen sich dafür, Männer zu sein und breiten Frauen Teppiche aus, wie sie röter nicht sein könnten. Alle unangenehmen, aufwendigen, konflikthaften Tätigkeiten im ehrenamtlichen Bereich werden nach wie vor beinahe ausschließlich von Männern erledigt, in allen Parteien. Ohne Geld, oft auch ohne Dank und mit wenig Anerkennung – wenn, dann nach Jahrzehnten durch eine Ehrennadel.

Frauen hingegen beginnen ihre „Karriere“ immer öfter mit der Aufstellung zur Kandidatin für ein Parlament. Landtagsabgeordnete, die erst im selben Jahrzehnt in die Partei eintraten, sind keine Seltenheit mehr. Ohne Ochsentour. Natürlich nur auf der Frauenseite.

Hier kommen der Sozialkonstruktivismus und die negative Wirkung seiner Hegemonie ins Spiel: Er suggeriert, alle Verhältnisse auf der Welt seien auch in ihren tiefsten Ursachen lediglich „menschengemacht“ – und von Männern. Dies sei ungerecht, frauenfeindlich und müsse geändert werden – und zwar so wie es sich Feministinnen, die sich anmaßen, für „die“ Frauen zu sprechen, vorstellen.

Dass sie nie auch nur ansatzweise eine Mehrheit der weiblichen Menschen unserer Gesellschaft hinter sich hatten, ist eine andere Geschichte. Ebenso, dass es über das Konzept des „Gender Mainstreaming“ nie parlamentarische Debatten oder gar öffentliche Diskussionen gab oder gar Abstimmungen – vgl. die Replik von Professor Günter Buchholz auf Heribert Prantl.

Viele Menschen haben noch nie von den beschriebenen „genderistischen“ Ideologemen gehört, Andere sie nicht verstanden. Und nicht aus eigener Schuld: Denn der „Genderismus“, wie wir als feminismuskritische, progressive Männerrechtler ihn nennen, ist in der Tat völlig unklar, verschwurbelt und schleierhaft – eben reine Ideologie, unwissenschaftlich, da nicht zu verifizieren. Auf der Meta-Ebene besteht ja ein regelrechtes „Forschungsvorbot“ zur Relevanz der „Gender Studies“ und der Richtigkeit ihrer „Lehren“.

Glaube statt Wissen: Die Universitäten sind dafür der falsche Ort!

Dies sahen wohl auch die Sozialkonstruktivisten so: Doch sie archivierten ihre längst widerlegten Ideologeme nicht. Sie generierten – im Sinne von These und Antithese – keine neuen Synthesen aus vorhandenen neuen Erkenntnissen. Stattdessen gingen sie dazu über, politische Forderungen zu stellen, die sich aus der Anwendung ihrer (widerlegten) Axiome ergaben. Für die beanspruchten sie – unter redlichen Wissenschaftlern ein „No-Go“ – unwiderrufbare Gültigkeit.

So gingen sie vor Jahrzehnten, hinaus aus dem Elfenbeinturm ihrer pseudoakademischen Gleichgesinnten, in die Politik. Dort fanden sie willige Unterstützer, die sie mit reichlich Steuergeld dafür eindeckten, dass sie unentwegt – methodisch haltlose – „Studien“ anfertigen, um die normativen Forderungen jener Politiker(innen) vermeintlich stichfest zu legitimieren. Dies gilt ganz besonders für die gesamte feministische Mythologie, die das Geschlechterverhältnis beherrscht und jede Form des Pluralismus im Vorhinein verunmöglicht – ganz bewusst und systematisch.

Dass diese Tabus im öffentlichen Raum bestehen, unter denen wir als „Antigenderisten“ (dazu gehören alle Menschen, die ihren sprichwörtlichen „gesunden Menschenverstand“ einsetzen) und Männerrechtler besonders zu leiden haben, verhalf der sozialkonstruktivistischen Gedankenwelt und ihren Vertretern erheblich beim Durchbruch zur Vorherrschaft.

Die Politik ist nach wie vor eine viel zu wichtige Angelegenheit, die dort getroffenen Entscheidungen mit ihren Folgen zu weitreichend als dass sie solchen Leuten überlassen werden dürfte. Genau hier sehe ich auch einen deutlichen Lichtblick: Diejenigen, die ernsthaft Politik betreiben, leidenschaftlich, authentisch, voller Überzeugungen, mit einer gefestigten Werthaltung, mit Überzeugungskraft und Durchsetzungsfähigkeit genauso wie mit Kompromissbereitschaft, diejenigen, die sich für andere Menschen einsetzen, die sich auskennen und sich über lange Zeit einbringen, sind – in allen Parteien, an allen Orten und in jedem Lebensalter – weit überwiegend Männer.

Solche Menschen brauchen wir. Und man kann nur hoffen, dass sie sich von den allfälligen Quotierungen nicht abschrecken lassen. Zugleich müssen sie lauter werden, wenn es um sie selbst geht, der eigenen Leistungen und der eigenen Unentbehrlichkeit bewusst: Einfordern, dass man – und frau – ihnen dankt, dass sie Gelegenheit erhalten, parlamentarisch zu arbeiten und Vieles mehr. Die große Mehrheit der Frauen hat übrigens auch keine Schwierigkeiten damit, ihren Männern dies zuzugestehen.

Und die aktiven Frauen, die brauchen wir – natürlich – auch; besonders schön ist: Die wirklich Überzeugten und Überzeugenden unter ihnen meckern meist auch gar nicht, sondern schämen sich für die egozentrischen Ausflüge ihrer Geschlechtsgenossinnen, wie es die junge Migrantin Anna Prizkau, deren Namen noch einmal zu nennen, angesichts ihrer Dreistigkeit und ihrer bescheidenden kognitiven Fähigkeiten wohl bereits zu viel der Ehre für sie ist, im FAZ-Interview vormachte.

Uns beiden und unserer ganzen, entstehenden Männerrechtsbewegung, den progressiven, den liberalen, den konservativen, im deutschsprachigen Raum wie weit darüber hinaus, wünsche ich für mögliche Erfolge unseres wirklich altruistischen Einsatzes alles erdenklich Gute und würde mich freuen, wenn wir auch künftig so gut zusammenwirken, zunehmend auch jenseits des Netzes wahrgenommen!
Viele Grüße,
Johannes
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7 Comments

  • Lieber Johannes, ich antworte noch einmal auf einen Punkt, den ich oben schon angeschnitten hatte. Du schreibst über „Sozialkonstruktivisten“, die „hinaus aus dem Elfenbeinturm ihrer pseudoakademischen Gleichgesinnten, in die Politik“ gegangen seien.

    Da der Begriff „Sozialkonstruktivismus“ von Männerrechtlern häufig so oder ähnlich benutzt wird, nämlich als bezeichne er etwas ganz Übles, greife ich den Punkt noch einmal auf. Ich habe den Eindruck, dass für Dich „Sozialkonstruktivismus“ drei Aspekte hat, von denen aber eigentlich nur einer tatsächlich etwas mit Sozialkonstruktivismus zu tun hat.

    Erstens steht der Begriff als Bezeichnung für die Überzeugung, dass die soziale Umwelt, die uns begegnet, menschengemacht, von Menschen konstruiert ist. In doppeltem Sinn sogar: Menschengemacht sind die Phänomene, die wir wahrnehmen – aber auch unsere Interpretationsmuster, mit denen wir sie deuten.

    „SOZIALonstruktivistisch“ ist dabei die Vorstellung, dass diese Konstruktionsmuster nicht beliebig und jeweils individuell sind, sondern sozial geteilt.

    In meinen Augen ist diese Vorstellung absolut plausibel und schlüssig. Absurd wird sie erst in Übersteigerungen, wenn beispielweise andere als soziologische Erklärungen für soziale Phänomenen – z.B. biologische – überhaupt nicht mehr akzeptiert werden. Oder wenn jemand davon ausgeht, so etwas wie eine reale oder materielle Welt gäbe es eigentlich nicht.

    Das aber ist nicht spezifisch sozialkonstruktivistisch. Ein Haus, beispielsweise, ist zweifellos eine Konstruktion, auch eine sozial hergestellte – aber das bedeutet ja nicht, dass es nicht real ist.

    Ein zweiter Aspekt hat schließlich eigentlich überhaupt nicht mehr viel mit Sozialkonstruktivismus zu tun: nämlich die Überzeugung, dass die vorgefundenen Konstruktionen ganz gewiss nur einem Zweck dienen könnten, nämlich dem der Reproduktion von Herrschaft. Was dann, natürlich, aus irgendwelchen Gründen immer eine männliche Herrschaft bedeutet.

    Damit wird eigentlich nur die unendlich komplexe, unüberschaubare, auch überfordernde soziale Wirklichkeit der Moderne auf ein simples, leicht fassbares Muster eingedampft. Sicherlich bedient sich diese Versimpelung aus sozialkonstruktivistischen Vorstellungen, sie bedient sich aber, wenn es passt, ebenso aus biologischen oder anderen Theorien.

    Drittens geht es bei Dir, wenn ich es richtig sehe, um ein ganz bestimmtes Staatsverständnis, das ich tatsächlich auch nie verstanden habe. Der Staat wird demnach zu einem Super-Akteur, der tiefes gesellschaftliches Unrecht beherzt ausgleicht. (Fortsetzung folgt)

  • (Fortsetzung)
    Was ich nie verstanden habe: Wenn wir denn in einem „Patriarchat“, einer umfassenden Männerherrschaft leben – wie sollte es dann möglich sein, dass ausgerechnet die mächtigste Institution sich gegen diese Herrschaft stellt, anstatt ihr wichtigstes Instrument zu sein?

    Es passt nicht. Staatliches Agieren kann, und oft mehr schlecht als recht, sicherlich begrenzte soziale Ungerechtigkeiten etwas moderieren und abfedern – aber staatliches Handeln kann nicht aus einer rundum falschen Welt eine richtige machen.

    Statt staatlichen Institutionen gegenüber, wie es zu einer Demokratie passt, misstrauisch zu sein, steht hier der Staat gleichsam als ein guter weiser Super-Papa da.

    Wenn der Begriff „Patriarchat“ überhaupt einen Sinn hat, dann ist es ironischerweise also ausgerechnet eine feministisch inspirierte Geschlechterpolitik, die ein autoritäres und patriarchales Staatsverständnis revitalisiert.

    Weshalb ich darauf noch einmal so ausführlich schreibe: Tatsächlich gibt in meinen Augen nur der erste Punkt den Sozialkonstruktivismus angemessen wieder, die beiden anderen haben nichts Spezifisches damit zu tun. Der erste Punkt aber ist weitgehend unproblematisch.

    Ich glaube, dass sich Männerrechtler selbst ins Bein schießen, wenn sie Feindschaften gegen den „Sozialkonstruktivismus“, manchmal noch allgemeiner gegen die Soziologie überhaupt kultivieren. Es wäre in meinen Augen wesentlich besser, zu überprüfen, was denn eine nicht-sexistische Analyse sozialer Verhältnisse mit sozialkonstruktivistischen Annahmen anfangen kann.

    Christoph Kucklick beispielweise beschreibt ja eigentlich das vernichtende Männerbild, dass sich zum Beginn der Moderne um 1800 herum entwickelt, als eine komplexe soziale Konstruktion. (Er versteht seine Arbeit „Das unmoralische Geschlecht“ sogar, was manchen aufrechten Männerrechtler schockieren wird, ausdrücklich als Beitrag zu den „Gender Studies“.) In meinen Augen ist das, was er macht, sehr lohnend, und es ist schade, dass es nicht noch mehr davon gibt.

  • Puh, langer und guter Artikel und ich bin nun durch. Hängen geblieben ist u.a. dieses hier:

    -> Sie will als Mitglied geködert werden – und Männer (!) sollen ihr alles Mögliche dafür versprechen, natürlich vollkommen leistungsentkoppelt und ohne, dass sie eine innere Überzeugung, eine Werthaltung oder gar ein Welt- und Menschenbild mitbringen müsste, die auch nur ansatzweise zur Union zu passen hätte.

    Nicht sie, die Frau, soll etwas leisten müssen, sich anstrengen, kämpfen, frustriert sein, scheitern, nachdenken, neu ansetzen, wieder Klinken putzen, Ideen einbringen, innovativ sein, Mut zeigen, Einsatz und Energie, Reden halten, Andere anwerben und sich immer wieder um Kandidatenplätze bemühen, sondern die CDU, sprich die darin oder in jeder beliebigen anderen Partei wie obig beschriebenen Männer, sollen ihr, der Frau, jedes Hindernis präventiv aus dem Weg räumen – und dann wird suggeriert, die Frau sei „stark und selbstbewusst“. < - Das trifft in meinen Augen den Kern des Problems. Es wird etwas laut (#HeforShe) oder stillschweigend erwartet und eingefordert bzw. vorausgesetzt. So läuft das Spiel zwar noch – aber eventuell dauert es ein Momentum. Hier meine Meinung dazu, zum Fordern & zur Erwartungshaltung als Kontrapunkt: http://emannzer.wordpress.com/2014/09/22/manner-fordert-endlich/

    Vieleicht hat man damit sogar bei 'Angie' Erfolg, denn bei UvdL und der dicken Pippi-Langstrumpf-Sängerin ist wohl Hopfen und Malz von vornherein verloren. Merkel deshalb, weil sie als lupenreine Opportunistin gilt und ihre Entscheidungen von Meinungsumfragen (belegt) abhängig macht.

    Den Gang durch die Politik habe ich nach Monaten entnervt bei z.B. den Piraten aufgegeben.

  • Ergänzung zu Lucas' Überschrift, welche ich übrigens sehr gelungen und, für dieses Land passend, finde:

    „Männerhalde: Bundesverdienstkreuz“

    Dass verdiente Männer nicht ausgezeichnet werden können, sei “nicht erfreulich”, räumt Regierungssprecher Matthias Schuppe ein. Derzeit stünden 30 Namen auf der Warteliste. Weil die Quote aber gelte, sei der einzig praktikable Weg, mehr Frauen zu finden, die den Orden verdient haben. (Absatz via Danisch.de zitiert)

    http://emannzer.wordpress.com/2014/06/14/mannerhalde-bundesverdienstkreuz/

  • Hallo zusammen,

    mir hat sich bei der Lektüre ihrer Debatte rund um den Sozialkonstruktivismus immer deutlicher der eigentliche Streitpunkt herauskristallisiert.
    Ganz simpel gefasst: Herr Meiners beschreibt all das Schlechte, zu dem sich der Sozialkonstruvismus entwickelt hat. Er beschreibt, wofür dieses Theorem heute steht. Nämlich Unwissenschaftlichkeit und Ideologie. Herr Schoppe auf der anderen Seite legt dar, dass der Sozialkonstruktivismus doch in der Theorie -also „eigentlich“- schlüssige Gedanken enthält.

    Bevor man mich falsch versteht: was Schoppe da schreibt ist gewohntermaßen intellektuell vom Feinsten und inhaltlich in jedem Punkt richtig. Dadurch aber, dass kein Bezug zu tatsächlichen Gegebenheiten hergestellt wird, sind Lucas Ausführungen letztlich unvollständig. Ich denke, Sie, Herr Schoppe, würden ja auch nicht sagen, man dürfe den Feminismus nicht kritisieren, denn „eigentlich“, theoretisch, sei er ne feine Sache. Vermutlich würden sie auch keine Koranstellen zitieren, die „belegen“, dass der Islam – theoretisch- eine vollkommen friedfertige Religion sei.

    Und vermutlich würden sie auch nicht seitenlang beschreiben, was sie alles romantisierend mit einem linken Weltbild verbinden, während sie an einer winzigen Stelle in ihrem Text selbst feststellen, dass es im kompletten linken Parteispektrum keine einzige Kraft gibt, die auch nur ansatzweise eine solche Linke noch repräsentiert, dabei gleichzeitig aber eine linke Männerpolitik fordern … Oh halt, doch! Kommando zurück, DAS haben sie ja gemacht, nämlich hier: http://man-tau.blogspot.de/2014/08/coke-contra-pepsi-oder-wozu-ist-nochmal.html

    Egal. Danke für das Posten der Korrespondenz, ich habe die Lektüre genossen.
    Es grüßt kafü, ein konservativer Männerrechtler, der Ihre Arbeit sehr schätzt!

  • @ emannzer Ja, der Bezug zu HeForShe passt. Ich bin ja zurückhaltender als Johannes darin, Frau Prizkaus Haltung als typisch – als typisch für sehr viele Frauen – anzusehen. Aber bei „HeForShe“ ist die Verallgemeinerung ja tatsächlich schon Programm.

    Verrückt ist, dass so ein ausdrücklich auf Ungleichheit, auf ungleiche Rechte UND ungleiche Pflichten angelegtes Programm ausdrücklich als Programm für Gleichberechtigung verkauft wird. Tatsächlich ist es ein völlig unverblümt vorgetragener Versorgungsanspruch, eine Verstärkung traditioneller bürgerlicher Geschlechterrollen, die zumindest in westlichen Ländern längst ihre Funktionalität eingebüßt haben.

  • Hallo kafü, danke für die Nachricht!

    Es ist tatsächlich so, dass ich den Begriff „Sozialkonstruktivismus“ in der Uni kennengelernt habe, nicht in der Politik. Dass das abgehoben wirkt, wenn man auf die politischen Konsequenzen achtet, glaube ich gern. Nur hat es eben auch einen Wert, zwischendurch mal darauf zu achten, dass der Begriff „Sozialkonstruktivismus“ eigentlich nicht auf so platte Glaubenssätze zu reduzieren ist wie den, dass Geschlechter allesamt nur Konstruktionen zur Reproduktion einer männlichen Herrschaft sein, etc.pp.usw.

    Dass zudem ein linkes Verständnis von Politik heute romantisierende, vielleicht auch nostalgische Züge trägt, ist nicht von der Hand zu weisen. Mir war in dem von Ihnen verlinkten Text allerdings ein anderer Punkt besonders wichtig, nämlich dass der Vorwurf der „linken Gleichmacherei“ völlig an dem vorbei geht, was ich als linke Politik kennen gelernt habe.

    Schöne Grüße zurück!

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