Geschlechterkampf

Amazongate! Wie Anne Wizorek einen „Feminismus von heute“ inszeniert

Bild zeigt irgendwie etwas wie Schutt.
geschrieben von: Lucas Schoppe
Der einst so erschreckende, präsidentenstürzende Watergate-Skandal ist bekanntlich mittlerweile ein wenig heruntergekommen. Erst kürzlich waren wir bei einem „Fappygate“ gelandet und dann bei einem „Dirndlgate“, also bei Aufregungen, die nur noch Eingeweihten verständlich und auch bald darauf vergessen waren. Jetzt aber kommt ein Skandal hinzu, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt, zumindest für ein, zwei Tage: Amazongate!
Die ironische Bezeichnung stammt aus einem Kommentar zu einem Artikel des Blogs Mein Senf, der sich ebenso wie ein anderer Blog-Artikel schon früh mit dem Skandal auseinandersetzte. Allerdings sind sich die Beteiligten bis heute nicht ganz einig darüber, worin nun eigentlich genau der Skandal besteht – aber dass etwas Empörendes geschehen ist, ist allen Seiten klar.
Ein „Dauersturm an Hass“ (Anatol Stefanowitsch, Berliner Linguistik-Professor). Seelenlose „Maskus“ erstürmen Anne Wizoreks Amazon-Seite. Es besteht allerdings die entfernte Möglichkeit, dass der erste Eindruck ein wenig trügt.
Was aber ist nun eigentlich passiert?
Anne Wizorek, nach ihren eigenen Angaben tätig im „Digital Media Consulting“, Bloggerin, Aufschrei-Initiatorin, schreibt ein Buch: Warum ein Aufschrei nicht reicht. Für einen Feminismus von heute. Das Buch wird in etablierten Medien beflissen beworben: Der Spiegel blickt auf den Aufschrei zurück und bringt bei der Gelegenheit das Buch ins Spiel, Die Zeit veröffentlicht einen als Rezension getarnten Werbetext („Ein Buch mit der Wucht von Der kleine Unterschied“), die taz ebenso, der Stern veröffentlicht ein Interview mit der Autorin, die Frankfurter Rundschau zieht mit einem eigenen Interview nach, wenn auch ein wenig spät.
Ab und zu ein paar etwas kritische Fragen im Stern, ohne weiteres Nachhaken – ansonsten aber sind die Texte so distanzlos und unkritisch, so weit von jedem Versuch einer Analyse des Buchs entfernt, als ob die Werbeabteilung von Wizoreks Verlag sie verfasst hätte. Allein Marlen Hobrack bemüht sich im Freitag um eine eigenständige Position:
„Warum sprechen wir also nicht über weibliche Diskursmacht? Sie sollte uns Mut machen. Und die Augen dafür öffnen, dass unsere Gesellschaft (deren Teil wir Frauen ja sind) eben nicht blind gegenüber Ungerechtigkeiten ist. Doch wir erleben das Gegenteil: Wir schreien, obwohl eine ruhige Debatte vonnöten wäre. Wir stürmen auf scheinbar verschlossene Vorstandstüren zu, obwohl sie längst geöffnet sind. Wir ziehen uns auf die Position wehrloser Opfer zurück, obwohl wir längst zur Selbstermächtigung fähig wären. Und wir sehen Feinde in jenen, die kein geringeres Interesse an Gleichheit (die auch gleiche Pflichten einschließt!) haben, als wir selbst: Männer.“
Dass aber der Aufschrei eher ein Medien-Hype als eine echte Graswurzel-Bewegung war, dass Analysen die Legende längst widerlegen, hier hätten zehntausend Frauen über Alltagssexismus berichtet – das spielt im Feuilleton der deutschen Qualitätspresse nirgendwo eine Rolle.
Dann aber geschieht etwas Unerhörtes.

Einfälle der Maskulisten Das Buch wird auch beim Großversand amazon verkauft, und der bietet Lesern die Möglichkeit, Rezensionen zu veröffentlichen. Arne Hoffmann beschäftigt sich im Unterschied zu den Rezensentinnen der Presse intensiv mit Wizoreks Buch, hält ihm aus männerpolitischer Sicht viele Fakten entgegen, schreibt eine lange, kritische Rezension und veröffentlicht sie auf der amazon-Seite, auf der das Buch angeboten wird.
Der zentrale Satz seiner Rezension kritisiert nicht allein einzelne Aspekte von Wizoreks Text, sondern greift seine ganze politischer Ausrichtung an:
„Wer Antisexismus ernst nimmt, würde sich für Opfer beiderlei Geschlechts einsetzen statt nur für die Opfer des eigenen.“
Die Bloggerin, Autorin und Feministin von heute Wizorek hätte nun viele Möglichkeiten gehabt, auf diese intensive Kritik zu antworten, die Sachargumente Hoffmanns elegant und wirkungsvoll zu widerlegen und so die Zukunftstauglichkeit ihres Feminismus vorzuführen.
Sei es, weil ihr dafür momentan die Argumente fehlten, sei es, weil sie gerade bloß die Zeit für einen kleinen Tweet bei Twitter hatte – sie entscheidet sich dann doch lieber gegen eine sachliche Auseinandersetzung. Am Morgen des Tages, an dem irgendwann schon die dritte (!) negative Rezension zu ihrem Buch bei amazon erscheinen wird, also dergestalt „von negativen Rezensionen überrollt, schickt sie entnervt und hilfesuchend eine Nachricht bei Twitter in die Welt:
Dass eine Autorin öffentlich zu positiven Rezensionen für ihr Buch bei amazon auffordert, mag ein wenig ungewöhnlich sein, ist aber ja doch verständlich angesichts der Tatsache, dass sie zuvor überhaupt keine Chance hatte, sich auch einmal mit negativen Reaktionen auf ihr Buch beschäftigen zu müssen.
Als ob aber nicht schon alles schlimm genug wäre, geschieht nun jedoch etwas wirklich Entsetzliches: Ein „Thorsten“ hat Wizoreks Tweet entdeckt und veröffentlicht ihn im „Forum Männerrechte“, also mitten im Lager des Feindes, sozusagen. Bösartig kommentiert er dann noch, mit einem Direktlink zu amazon:
„Wer Anne helfen möchte, kann das hier tun, Arne ist bereits vor einer Woche mit gutem und lesenswertem Beispiel vorangegangen.“
Anstatt dass ihre Twitter-Gefolgschaft ihr wie gewünscht beispringen würde, häufen sich nun Rezensionen auf amazon, die bei näherem Hinsehen eigentlich nicht hilfreich sind. Eine positive Rezensentin rümpft die Nase:
„Dass nun hier in den Rezensionen die Maskulisten einfallen, erschreckt — und wundert doch gleichzeitig nicht, wenn man weiß, wie sehr und mit welchen Mitteln sie gegen eine geschlechtergerechte Welt kämpfen. Gleichzeitig zeigt es aber auch, wie wichtig und notwendig das Engagement von Menschen wie Anne Wizorek ist.“
Dass gerade die Aufregung über das Buch belege, wie notwendig es doch sei, wird fortan zu einem Generalthema der Verteidiger Wizoreks. Irgendwo habe ich dazu dann den hübschen Kommentar gelesen, dass mit demselben Argument auch die Notwendigkeit von Hundehaufen auf der Straße bewiesen werden könnte.
Anne zwischen Nazi-Herrschaft und Kulturkampf Was aber blieb Wizorek nun übrig, angesichts der Fülle negativer Rezensionen, als eine verzweifelte Gegenwehr per Tweet:
Unglücklicherweise könnte das nun uninformierten Beobachtern durchaus ein wenig anstößig erscheinen: Eine Autorin ruft nicht nur öffentlich zu Gefälligkeitsrezensionen auf, sondern fordert auch dazu auf, positive Rezensionen bei amazon positiv zu bewerten und kritische abzuwerten. Eine naheliegende Folge davon wäre dann übrigens, dass die intensive sachliche Auseinandersetzung Arne Hoffmanns mit ihrem Buch aus dem Blick verschwinden würde.
Da das einigen etwas, wie soll ich sagen, etwas problematisch erscheinen mag, sieht sich Wizorek offenbar zu einer Erklärung veranlasst.
Dass „Maskus“ – also Leute, für die Geschlechtergerechtigkeit sich aus irgendwelchen Gründen nicht auf Frauenrechte beschränkt – zur Hetze gegen ihr Buch aufrufen, belegt Wizorek mit einem englischen Blogeintrag. Der wiederum führt als Beleg genau eine Verlinkung zu amazon an – die bereits zitierte von „Thorsten“, in der er Wizoreks Aufruf zu Gefälligkeitsrezensionen verlinkt (dazu noch einen weiteren Kommentar von ihm im Forum Männerrechte, in dem er darauf hinweist, dass Wizoreks Buch auch bei google-Books gelesen werden könnte).
Das nun ist eigentlich durchaus amüsant und, wenn wohl auch aus Versehen, regelrecht tiefgründig: Der einzige Nachweis, den Wizorek für die Behauptung hat, „Maskus“ würden gezielt zur schlechten Bewertung ihres Buches aufrufen, ist ausgerechnet – ihr eigener Tweet, der zu positiven Bewertungen aufruft und der in einem einzigen Forum ironisch zitiert wurde.
Sonst: nichts. Ich habe auch im berüchtigten wgvdl-Forum nachgesehen, in das ich mich sonst recht selten verlaufe – auch dort gibt es keine Aufrufe zu schlechten Rezensionen. Gleichwohl hat Wizorek erfolgreich eine Legende begründet. Selbst ein Kommentator, der die Autorin deutlich kritisiert, schreibt:
„Gleichwohl finde ich es auch nicht richtig, dass in verschiedenen Foren von – nennen wir sie mal frauenfeindlichen – Kreise dazu aufgerufen wird, negative Rezensionen über das Buch zu schreiben.“
Gerne nehme ich Hinweise entgegen, um welche Foren es sich dabei handelt, und leite sie weiter.
Nun endlich springen viele Wizorek beherzt bei. Dass unangenehm viele Verteidiger Wizoreks offen eingestehen, ihr Buch gar nicht zu kennen, spielt natürlich keine Rolle, wenn es um die gute Sache geht – schließlich kennen es manche Kritiker ja auch nicht. Eine „Hasskampagne“ gegen ihr Buch entlarvt beispielweise der Berliner Lingusitik-Professor Anatol Stefanowitch und stellt mit deutlichem Bezug zum Nazi-Gerede vom „Weltjudentum“ klar, dass die Kritiker wie Nazis gegen ein „Weltfrauentum“ kämpfen würden.
Nein, es geht natürlich keine Nummer kleiner – wie auch?
In der gewohnt besonnenen und faschismusfernen Sprache des Sprachwissenschaftlers klingt das dann übrigens so: Männer würden
„sich auf allen Kanälen zusammenrotten und einen lauten Dauersturm an Hass, Drohungen und Lügen veranstalten“.
Es ist, wenn ich das persönlich mal anmerken darf, eine große Erleichterung für mich zu wissen, dass es in Deutschland Professoren gibt, die so beherzt für Demokratie und Meinungsfreiheit eintreten.
Dem Blogger Sascha Pallenberg, der Wizorek kritisiert und ihr Buch doch glatt „sprachlich einfach fuerchterlich platt und naiv“ findet, entgegnet der Blogger und Journalist Michael Seeman beherzt:
„du machst dich mal wieder zu horst. nicht nur, dass das, was dort aufläuft keine rezensionen sind (die meisten negativbewertungen haben das buch nicht gelesen), sondern ein kulturkampf, nein, du stellst dich hier auf die falsche seite dieses kulturkampfes.“
Das ist ganz derselbe Seemann, der „Maskus“ auch schon mal als „ideologische dummbratzen, die menschenverachtenden hass mit brachialer idiotie verbinden“, bezeichnet, und der die Situation ebenso eindrucksvoll wie Stefanowitsch historisch einordnen kann:
„ich halte die nazi- und masku-mobs im internet übrigens für die größere freiheitseinschränkung im internet als die nsa-überwachung.“
So klar wird alles, wenn man nur auf der richtigen Seite steht. Kein Wunder übrigens, dass Seemann um Kultur kämpft, wenn er auch unglücklicherweise nicht bemerkt, dass er diesen Kampf schon vor recht langer Zeit verloren hat.
Immerhin ist das Amazongate damit zwischen Nazi-Herrschaft, Kulturkampf und NSA-Überwachung überzeugend und bleibend in seiner geschichtlichen Dimension erfasst.
Von dem, was verschwindet Aber jetzt einmal ganz im Ernst. Die krankhafte rhetorische Aufrüstung, die sich bei Semann, Stefanowitsch und anderen – auch auf der Seite der Kritiker Wizoreks – findet, hat eigentlich nur eine Konsequenz: nämlich die, dass sachliche Kritik völlig untergeht.
Auf amazon hat sich zu dem Zeitpunkt, zu dem ich den Text hier schreibe, ein unwürdiger Wettstreit entwickelt, bei dem auf der einen Seite Unterstützer Wizoreks versuchen, das Buch aufzuwerten, während Kritiker versuchen, die Bewertung niedrig zu halten. Die vorangehende Lektüre des Textes ist dabei Akteuren hier wie dort nicht so wichtig. „Kindergarten von allen Seiten“ – kein Wunder, dass bei dem bereits zitierten Blogger severin tatarczyk dieser Eindruck hängenbleibt.
Immerhin gibt es mittlerweile einige ironische, überzogen positive Reaktionen, die diese Dynamik unterlaufen. Ähnliche Ironie findet sich auf der anderen Seite nicht.
Nützlich kann dieser verbissene Freund-Feind-Clash nur für die Autorin sein. Sie bringt ihr Buch ins Gespräch, und sie vermeidet eben die Ebene der Auseinandersetzung, auf der sie allem Anschein nach keine Chance hätte: nämlich die Ebene der sachlichen Diskussion. Es mag sein, dass ihr dieser inszenierte Schaukampf auf amazon daher auch sehr recht ist.
Was dabei verschwindet, ist nicht nur die Möglichkeit, mit sachlicher und ruhiger Kritik Gehör zu finden. Was verschwindet, ist insbesondere der Versuch, eine Geschlechterdebatte zu führen, die nicht von Klischees geprägt ist, die Männer nicht als gewalttätige Herrscher, Frauen nicht als unschuldige Opfer präsentiert.
Eben die Inszenierung einer erhitzen Konfrontation verhindert wieder und wieder eine solche Öffnung der Debatte. Kai Vogelpohl dazu auf Genderama:
„Es ist ein Clash von Feministinnen und Gendergegnern aller Couleur. Die haben schon den Aufschrei mit hochgehyped, ohne es zu wollen, nun passiert es bei Wizoreks Buch noch mal.“
Hetzer wie Seemann oder Stefanowitsch machen dabei unweigerlich den Eindruck, sich nach Feinden zu sehnen, denen sie Nazismus, Hass und Gewalt nachsagen können. Als würden die Beteiligten traditionelle Geschlechterrollen gezielt persiflieren, stehen dann Frauen wie Wizorek als potenzielle Opfer dieser Unholde da, die nur durch den beherzten Einsatz der männlichen Helden gerettet werden können.
Und gegen solche Feinde ist natürlich alles erlaubt.
Dabei wäre eigentlich etwas ganz anderes wichtig, nämlich eine Perspektive, die Abstand nimmt von solchen Inszenierungen der Feindschaft. Es geht nicht darum, das Narrativ der Frauenunterdrückung durch eines der Männerunterdrückung zu ersetzen – aber darum, deutlich zu machen, dass es spezifische Benachteiligungen von Männern und Jungen gibt.
Männer, die in vielfach höherer Zahl als Frauen drogensüchtig sind oder sich selbst töten, zum Beispiel. Jungen, die in der Schule flächendeckend zurückfallen. Väter, die ihre Kinder nicht mehr sehen, weil sie die falsche Geschlechtszugehörigkeit haben. Männer, die häusliche Gewalt erleben, aber anders als Frauen keine Lobby und keine Hilfsangebote haben.
Ein Feminismus wie der Wizoreks hat zu solchen und anderen Problemen offenkundig nichts zu sagen – er wiederholt ganz einfach Klischees, die diese Probleme verdecken, statt sie zu lösen. Es ist ein Feminismus, der sich nicht weiter entwickelt hat, der seine Perspektive nicht ändern kann und der als ernstzunehmende emanzipatorische Bewegung seit vielen Jahren tot ist.
Er wandert gleichwohl weiter durch die Lande, aufrecht erhalten durch seine Verankerung in Institutionen und durch mediale Inszenierungen, die zwanghaft immer wieder dieselben Freund-Feind-Muster repetieren. Ein politischer Zombie.
Eine narzisstische Inszenierung wie die Wizoreks wäre noch durchaus erträglich, wenn sie – wie die Seite Meedia mutmaßt – einfach nur „gute Publicity“ für ihr Buch generieren würde. Dabei aber bleibt es nicht. Sie verdeckt eben auch enorm viel Leid – Leid, das durchaus gelindert werden könnte.
Es könnte aber eben nur gelindert werden, wenn mehr Menschen darauf aufmerksam würden – und wenn sie ihre Aufmerksamkeit von Inszenierungen abzögen, wie sie Wizorek, Stefanowitsch und andere wieder und wieder öffentlich aufführen.
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51 Comments

  • Ja, ja, Maskus sind böse, weil sie gegen Feminismus sind und Feminismus steht für Feministen für Gleichberechtigung und wer somit gegen Feminismus ist, ist auch gegen Gleichberechtigung und solche Leute ist böse, hasserfüllt und Nazis. Das mag für einige sogar logisch sein… steht und fällt damit, was man persönlich für einen Eindruck vom Feminismus hat.

  • „Was dabei verschwindet, ist nicht nur die Möglichkeit, mit sachlicher und ruhiger Kritik Gehör zu finden.“

    Der Satz impliziert, dass die Möglichkeit vorher bestand.
    Davon bin ich nicht überzeugt.

    Arne versucht seit ich weiß nicht wie vielen Jahren, mit sachlicher und ruhiger Kritik Gehör zu finden. Seine Kritik bzw. Gedanken, die er schon vor 10 Jahren äußerte, sind jetzt allmählich und vereinzelt auch in anderen Blättern zu lesen.

    (z.B. http://genderama.blogspot.de/2014/10/der-spiegel-manner-neues-prekariat-auf.html: „Es ist schön, wenn „Experten“ endlich das Thema entdecken, über das Genderama seit über zehn Jahren berichtet.“)

    Ich finde es nicht abwegig, dass es den Lärm braucht, damit Menschen, die Männerthemen bisher nicht wahrgenommen hatten, mal in diese Richtung schauen. Das Wichtige dann ist, dass sie auch etwas anderes finden können als Lärm. Und diese Aufgabe übernehmen Man-Tau und Genderama etc.

    Aber, so vermute ich, ohne den Lärm wird nicht geschaut.

    Schon gar nicht werden Politiker an ihrer Einstellung irgendwas ändern, wenn sie nicht das Gefühl bekommen, dass es ziemliche viele sind, die auf Gendersens, feministischen Sexismus und Diskriminierung keine Lust mehr haben.
    Wohlgemerkt: „Gefühl“. Da geht m.E. es nicht darum, ob jemand gute Argumente hat. Da geht es darum, wieviele den Politiker nicht mehr wählen.

    Insofern stehe ich denen, die sich auf Amazon austoben – und schon gar nicht denen, die es mit Humor nehmen wie Martha Diel – deutlich weniger kritisch gegenüber.

    Etwas in Bewegung zu setzen ist ohne Emotionen sehr schwer, vielleicht unmöglich. Eine andere Reaktion als: „Hach, wieso verhalten die sich bloß so? Geht das nicht mit Vernunft?“ könnte also auch sein: „Gut, das bringt Aufmerksamkeit. Vielleicht schauen bei diesem Anlass 3% all derer, die uns bisher abgetan haben, genauer hin und hören auch die vernünftigen Stimmen. Dann braucht es nur noch 20 solche Anlässe, bis wir eine Mehrheit erreicht haben.“

    Auch relevant: Der Maskulismus gilt in den Mainstresmmedien bereits weitgehend diskreditiert. Das kann die Amazongeschichte kaum verschlimmern.
    Bei diesem gate besteht die größte Änderung also darin, wie der Feminismus sich diskreditiert. Denn da ist ja nichts. Da ist keine vernünftige Stimme. Nur Kinderkram.

  • „Die vorangehende Lektüre des Textes ist dabei Akteuren hier wie dort nicht so wichtig.“

    — und zwar aus gutem Grund: keine Zeit mit dem Lesen eines solchen Drecks verschwenden!

    Es ist absurd, wie viele Zeit mit der Diskussion des F-Schwachsinns draufgeht, und dass eigentlich gar nichts positives mehr geleistet wird. Als ob er klar waere, wo wir hin muessten — da ist aber ueberhaupt nichts klar.

    Und es ist doch ganz klar, dass sich ob eines solchen Schwachsinns (um das sieht man ruckzuck) einige melden, und dies auch so sagen, dies einfach bestaetigen, und nichts weiter. Weil eben der F-Dreck in vielen Teilen der Gesellschaft steckt, und dies bei solcher Gelegenheit rauskommt. Scheint mir das normalste auf der Welt.

    „Nützlich kann dieser verbissene Freund-Feind-Clash nur für die Autorin sein.“ Dieses Standardargument, das auch Arne Hoffmann, ist doch wirklich unsinnig. Weil es eben voellig egal ist, was es solchen Idioten wie der Autorin bringt! Mehr und mehr Leute trauen sich, was gegen den F-Wahnsinn zu sagen, und alleinig darauf kommt es an. Man kann ja bei jedem Protest sagen: „Oh Gott, bloss nichts sagen, dass macht nur die bekannter, gegen die wir protestieren.“ Und das mag auch richtig sein, nur ist diese „Bekanntheit“ keine positive.

  • Noch ein Nachtrag: Es ist ja nicht so, dass es hier um subtilste Effekte jenseits von unglaublichster Quantenphysik und allgemeinster Relativitaetstheorie ginge, sondern ganz im Gegenteil darum, dass man sich ploetzlich an den Kopf schlaegt, und sagt: Mein Gott, wie konnte ich diesen ganzen F-Scheiss fuer Jahre irgendwo fuer berechtigt halten?? Ich Idiot.

  • Das ist grundsätzlich der beste Ansatz den ich in der Männerrechtlerszene seit langem gelesen habe.
    Statt sich von möglw. radikaleren Standpunkten immerzu zu entfernen (nicht das ich die teilen würde), müsste man es jeder Sozialen Bewegung des 20. Jahrhunderts nachmachen: Erst die Radikalen bringen Publicity und erst mit Publicity hat man überhaupt die Chance eine Machtbasis (mit Öffentlichkeit, Menge an Unterstützern,…) aufzubauen, denn Politik scherrt sich einen feuchten Dreck um logische Argumente, es geht einzig und allein um Macht und Wählerstimmen, welche man als Soziale Bewegung nur durch Aufmerksamkeit und Wiederholung bekommt.
    Diskutieren im Salon braucht man zwar auch, aber am Anfang möglichst nur als Feigenblatt um nicht schwach aber auch nicht zu durchgeknallt zu wirken. Wenn man (große) Aufmerksamkeit hat, gibt es natürlich das übliche Paradox, man müßte in Windeseile alle Radikalen gegen Gemässigte austauschen, da man zwar nur auf Radikale reagiert, aber sie nicht sehen will. Bei Misserfolg zurück tauschen.

    Oder anders gesagt: Warum sind die radikalen Feministinnen, obwohl sie mit großer Sicherheit wirklich eine Minderheit im Feminismus darstellen, so präsent? Weil sie laut sind!

    chapel

  • Um zu wissen, woran man mit Frau Wizorek und ihrem Buch ist, muß man als „Masku“ gar keine Hitler-Vergleiche strapazieren. Es geht auch einige Nummern kleiner. Aktueller auch.

    Die ganze Medienposse erinnert stark an die „Sarrazin-Debatte“. Da schreibt also jemand, der sich im ideologischen Bunker verbarrikadiert hat, ein vollkommen realitätsfernes Hetzpamphlet, bei dem jeder, der Ahnung vom Thema hat, die Hände über dem Kopf zusammenschlägt.

    Dieses Buch wird dann von einer kleinen, aber lautstarken Truppe ergebenster Jubelperser zum „wichtigsten Sachbuch des Jahres“ hochgejazzt.

    Und noch während nahezu sämtliche Leitmedien Deutschlands in den Jubelchor einstimmen und dem Verfasser bereitwillig die roten Teppiche ausrollen, geht bereits beim allerersten Widerspruch ein weinerliches Geplärr los, daß der Verfasser „verfolgt“ und „unterdrückt“ würde, zu einer „systematisch benachteiligten Minderheit“ gehöre, usw., usf.

    Zum „Beweis“ dieser Behauptung werden dann bevorzugt die Proleten unter den Kritikern vorgeführt. Die wirklich vernichtende (weil sachliche) Kritik hingegen wird konsequent ausgeblendet, und wer weiterhin den Mund aufmacht, muß damit rechnen, vom Jubelpersermob niedergebrüllt zu werden.

    Alles schon mal dagewesen, vor vier Jahren, mit Thilo Sarrazin und seinen Rassentheorien. Und ironischerweise war bereits in der Sarrazin-Debatte einer der energischsten und fundiertesten Kritiker unter den deutschen Journalisten: Arne Hoffmann!

    Man sieht also, es hat sich nicht viel geändert. Armes Deutschland!

  • Die differenzierte Rezension im »Freitag« ist leider kein Zeitungsartikel, sondern ein Beitrag einer Kulturwissenschaftlerin aus der Gemeinschaft der angemeldeten Leser. Inhaltlich ist er zu begrüßen. Besser wäre es aber, wenn die Presse das Buch differenziert rezensieren würde.

  • Als nicht gleicherberechtigte Unfrau sollte man sich doch bitte des Diskurses höherer , ja höchster Wesen enthalten. Das argumentative Niveau von solch schwindelerregender Höhe ist für Un und Untermenchen einfach nicht zu halten.

  • Eine differenzierte Besprechung wäre nicht nur besser, sondern gemäß journalistischer Prinzipien. Stattdessen flächendeckend borniertes Lager“denken“ vom Kaliber eines Kulturoffiziers Michael Seemann. Da zeigt sich einmal mehr, wie stark die konservativen Kräfte gleich Politkadern einer tatsächlichen Emanzipation entgegen wirken. Die staatlichen Pfründe und comfort spaces werden mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigt: Demagogie, Zensur, Lüge. Und wenn zeit-online auf seiner FB-Präsenz den Wizorek-Eintrag einfach mal komplett löscht, nur weil die meist gelikten Kommentare nicht der vorgegebenen Linie entsprechen, dann ist dieses ehemalige Flaggschiff des deutschen Journalismus vom Niveau der DDR-Einheitspresse nicht mehr weit entfernt.

  • „Die krankhafte rhetorische Aufrüstung, die sich bei Semann, Stefanowitsch und anderen – auch auf der Seite der Kritiker Wizoreks – findet, hat eigentlich nur eine Konsequenz: nämlich die, dass sachliche Kritik völlig untergeht.“

    … und das ist der wesentliche Zweck der 'krankhaften rhetorischen Aufrüstung'. Wenn man keine Argumente hat, kann man den 'Diskussionspartner' eben nur noch als wahlweise 'Rechten', 'Ewiggestrigen', 'Nazi' oder geisteskrank bezeichnen. Und je weniger Argumente, desto extremer muß die Unterstellung sein. Gell, Anatol?

  • „Und gegen solche Feinde ist natürlich alles erlaubt.“

    Das ist das zentrale Problem. Man meint, es besser zu wissen als die Kritiker. Man glaubt, einen glasklaren moralischen Maßstab zu besitzen und daher gut und böse unzweifelhaft erkennen zu können. Recht denkwürdig ist das manichäische Muster, nach dem Feinde eben auch nur Feinde und nichts anderes sind. Der Feind ist böse, er hat in keinem Punkt gute Gründe für seine Kritik, sein Interesse richtet sich nur auf die Schädigung des Feminismus, seine Intentionen sind also schlecht. Grauschattierungen gibt es bei den Stefanowitschens nicht. Ebenso geht ihm der Selbstzweifel ab.

    Dazu passt die kurze Zusammenfassung der Hauptthesen Wizoreks, die Stefanolix dargestellt hat. Wizorek arbeitet auch mit dem Gefühl, unbedingt die Wahrheit zu kennen. Deshalb kann sie eine belehrende Position einnehmen und diese untermauern mit einem hohen Anspruch, gehört zu werden und zwar unbedingt. Ein Sowohl-Als-Auch kennen diese Leute offenbar nicht. Das macht sie sehr unangenehm.

    Der zitierte Kai hat natürlich recht, wenn er Wirrköpfigkeit auf beiden Seiten ausmacht. Die zweifelsbefreite Annahme, die Wahrheit zu kennen, findet sich in Gruppierungen unterschiedlicher Etikettierungen.

    Ich empfinde diese Anmaßungen hüben wie drüben immer irritierender und wundere mich über diese Selbstsicherheit. Gewiss, ich neige zum Grüblertum, das hat seine Nachteile und ist eben auch persönliche Disposition. Aber wenn man sich mal mit der Komplexität der Sozialwelt befasst hat, ist es recht schwer, noch an allgemeine Wahrheiten zu glauben.

  • Übrigens: In der Frankfurter Rundschau ist dieses distanzlose Interview nicht etwa von einer unabhängigen Redakteurin geführt worden. Nein: Es ist die Chefredakteurin des feministischen »Missy Magazine«.

  • @LoMi, der schrieb: „Wizorek arbeitet auch mit dem Gefühl, unbedingt die Wahrheit zu kennen. Deshalb kann sie eine belehrende Position einnehmen und diese untermauern mit einem hohen Anspruch, gehört zu werden und zwar unbedingt. Ein Sowohl-Als-Auch kennen diese Leute offenbar nicht. Das macht sie sehr unangenehm.“

    Sehr genau und präzise beschrieben. Und ich finde auch die Aspekte vo Schoppe nachdenkenswert, wie z.B. man nun u.a. ein Eingehen auf eine Kritik beantwortet. Keine Ahnung, ob das eine „hidden agenda“ ist – denn ich tippe eher auf „attention whore“.

    Wizorek ist ein Twitterkind – und nichts anderes kann sie oder hat es jemals gelernt. @Lucas meinen Dank für seine Zusemmenfassung, meine steht hier, so als Chronologie, da ich die Sache intensive verfolgt habe über das längere Wochenende: http://emannzer.wordpress.com/2014/10/07/aufkreisch-chronolgie-eines-desasters/

    Bei der ganzen Diskussion sollte man nicht vergessen, dass Anne Wizorek Geld dafür sehen wollte, auf negative Rezensionen zu reagieren (steht auf Twitter). Nun mag man von einer gekränkt narzisstischen Persönlichkeit sprechen – was allerdings und mittlerweile ein gesellschaftliches Problem zu sein scheint.

    Wer nun Bücher in die Welt 'pupst' und sich wundert, dass die Menschen jetzt pusten, der (bzw. die) sollte sich nicht wundern.

    „Das steht mir zu!“ ist u.a. nur ein Auswuchs dessen, was u.a. Lucas als Ich-darf-Alles-Haltung bezeichnet.

  • Ich sehe das ganze durchaus optimistisch. Sicher ist es einerseits bedauerlich, dass durch krawallige Kommentare, seriöse Stimmen in den Hintergrund gedrängt werden.
    Aber der positive Effekt ist unübersehbar: Der Feminismus verliert langsam aber sicher die Diskurshoheit, zumindest im Internet. Vor wenigen Jahren noch, konnten Feministen ungehindert und ohne Widerspruch ihre Thesen in der Welt verbreiten. Jetzt ernten Sie Widerspruch. Das ist ein ermutigendes Zeichen.

  • Zitat: Was verschwindet, ist insbesondere der Versuch, eine Geschlechterdebatte zu führen, die nicht von Klischees geprägt ist, die Männer nicht als gewalttätige Herrscher, Frauen nicht als unschuldige Opfer präsentiert.
    Es ist eigentümlich, dass über die wunderbaren Ergänzungsmöglichkeiten von Frau und Mann bei der ideologisch geprägten, zerstörerischen Debatte kaum oder nicht gesprochen wird, denn das Gehirn ist das größte „Geschlechtsorgan“. Dort finden sich die wichtigsten, prägendsten und auch bereicherndsten Unterschiede zwischen Frau und Mann in den Bereichen „physiologische Abläufe“, „zentralnervöse Informationsverarbeitung“ und „genuinen, also angeborenen Denk- und Bewertungsprinzipien“. In Denk- und Bewertungsprinzipien.
    Frauen haben z. B. mehr graue Gehirnzellen und weniger verknüpfende Nervenfasern im Gehirn: „Frauen können die einen Dinge besser, Männern die anderen; wir müssen lernen, einander zu helfen“.
    Damit und mit weiteren Unterschieden in den männlichen und weiblichen Gehirnen ist eine optimale Ergänzungsmöglichkeit der beiden Geschlechter trotz Konfliktstoff gegeben; Gleichheit kann sich höchstens addieren, Verschiedenheit kann wesentlich mehr erreichen (siehe Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 4. erw. Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2014: ISBN 978-3-9814303-9-4)

  • @emannzer

    „Wizorek ist ein Twitterkind – und nichts anderes kann sie oder hat es jemals gelernt.“

    Ich nehme sie wie die neuen mit Twitter, Tumblr, Youtube etc. möglich gewordenen missbräuchlichen sog. „Social Justice Warriers“ (SJWs) war.

    Etwa wie Jessica Valenti, Rebecca Watson, Anita Sarkeesian, Suey Park, Luci Green, … und mittlerweile viele andere mehr. Sie haben immer eine große Gefolgschaft, die sie dann aktivieren um über andere herzufallen.

    Eine Art (Girlie)Vulgärfeminismus, der auch ziemlich viel gesellschaftlich-mediale Gewalt beinhaltet. Teilweise offen rassistisch gegen den sog. „White Heterosexual Male“, ihr Feindbild.

    Mit verwischten Grenzen auch hin zum gesellschaftlichen Amusement und zur ruchlosen Eigenvermarktung und Benutzung bzw. Ausbeutung von allem was mit Geschlechterthemen zu tun hat.

  • „Vernichtend“ war die Kritik an Sarrazin seinerzeit nur auf der Ebene der politischen Korrektheit. Sachlich gab es zwar auch Kritik, die war, soweit ich weiß, in den meisten Fällen jedoch nicht grundsätzlich.
    Bei Frau Wizorek ist es eher umgekehrt. Sachlich falsch, bestenfalls halbwahr, was auch nicht besser ist, dafür faktisch kritiklose Aufnahme beim politisch korrekten Müllstrom.
    Ganz grundsätzlich bin ich froh, dass es Männer wie Lukas, Arne und Christian gibt, die intellektuell und handwerklich in der Lage sind, fundiert zu argumentieren. Nur, es kommt keine Reichweite zustande.
    Ich bin mir sicher, dass es etliche Journalisten gibt, die Genderama, Mantau oder Alles Evolution lesen, diese Seiten werden ja oft genug in den Leserkommentaren der Onlinemedien verlinkt. Es gibt aber nicht annähernd so eine Resonanz wie bei Wicorek.
    Hatte Arne schon mal ein Interview mit der Tagesschau? http://www.tagesschau.de/inland/interview-anne-wizorek100.html
    Frau W. (kann auch Watson heißen) ist eine nützliche Idiotin, die die wahren Machtverhältnisse in real existierenden kapitalistisch wirtschaftenden FDGOen verschleiern hilft.
    Da das Sein das Bewusstsein bestimmt und jenes darüber hinaus von unseren Instinktdispositionen abhängig ist, erreicht man bei Menschen auch nur sehr begrenzt mit Agitation und Propaganda eine Standpunktänderung. Die meisten sind eh im Wachkoma und übernehmen die einfachen Wahrheiten nur scheinbar aufgrund von Überforderung mit einer hochkomplexen Welt.

  • Parzival van der Dräuen sagt: Wenn es um Kampa geht, dann geht es um verschiedene Kanäle, derer man sich bedienen kann und muss. Wenn man Eis- oder Schuhcreme verkaufen wollte, gäbe es verschiedene Container, um das Produkt an den Mann zu bringen. Im Kino würde ich mit kleinen Filmchen die Vorzüge oder den Alleinstellungsnutzen hinter angenehmer Stimmung verbergen oder dito nebenher stellen. Bei einer Litfaß-Säule muss die Werbung markant und knackig in Schlagworten auf den Punkt gebracht werden. Darauf kann man sich bestimmt grob einigen.

    Im pluralistischen Spiel der Meinungen und Systemkonzepte ist der Widerstand oder die Fürsprache in Sachen Feminismus nicht anders genordet. Natürlich gibt es protegierte und von der Presse gehypte Doofchen wie die Wizorek, die den altbackenen Müll eines manichäischen Feminismus in jugendlicher und netzaffiner Sprache aufwärmt. Nun sei aber nicht vergessen, dass eben dieser Feminismus seit der 68er-Bewegung Gedankenheimat der Linken ist. So wie viele Linke immer noch die gleichen Zeitungen wie vor 30 Jahren lesen, vertreten sie nicht anders als sonstige Spießer ihre Meinung in einer inzwischen wohlgeordneten Welt altbekannter Chiffren. Man wirft sie sich untereinander als Abgrenzungs- und Heimatmerkmale zu, um die Gruppenidentität gegen Gegenwart und Zukunft bis in den Tod zu verteidigen.

    Ebenso ist es Clash of Generations, sich der Kommunikationsmittel unsicher zu sein, die sich da mit Internet, Smartphone, Twitter oder Facebook auftun, während man sich Ostermärsche, Sitins, Demonstrationen für oder gegen eine Sache nostalgiesiert. Soweit sicher auch bekannt.

    Insofern besitzen die Proleten des Internets und Maskulismus nicht weniger als die sachlich-gemäßigten Kräfte wie Lukas Schoppe oder Arne Hoffmann eine Türöffnerfunktion. Eben keine Rose ohne Dornen und wer die Hitze in der Küche nicht erträgt, sollte nicht Koch werden.

    Die Gründungsgrünen hatten Nazis, Kinderschänder, Kommunisten, Maoisten oder Katholiken unter sich. Realos und Fundikämpfe hätten die Partei zerreißen können. Dennoch blieben sie über und inzwischen sind sie allen über wie der Feminismus. So gesehen, nach ca. 14 Jahren, hat der Maskulismus als Pendant zum Feminismus zwar nicht so schnell einen politischen Ausdruck wie beispielsweise die AfD gefunden, aber immerhin aus der Nische heraus einen Widerhall in den Leitmedien gefunden. Und wer hat je behauptet, der Weg würde ein leichter sein?

    Amazongate aka Wizorek ist wie der Streisand-Effekt eine gute Plattform im Politischen. Die breiten Massen werden noch nicht erreicht, evtl. sogar nie erreicht. Die breite Masse begreift aber auch nicht mit welchen Mitteln der Feminismus oder Gender-Mainstreaming in den Bundestagsparteien dafür sorgen, dass Kinder in die Krippe gezwungen werden sollen oder die Politik Eltern entmachtet und nach den Kleinsten greift. Jeder Diskurs, jede Debatte über Maskulismus oder Feminismus ist und bleibt horizontal-gesellschaftlich in Sphären, die das topdown weiterreichen werden. Und wenn jetzt schon der Punkt erreicht ist, dass alle Angriffe auf das bestehende System nur und auschließlich ad hominem beantwortet werden, ist zumindest eine Partei am Ende. Keine Frage, welche das ist.

  • Nur eine kurze Ergänzung: Diese Nummerierung gibt nur die Thesen der Autorin zum Umgang mit den sogenannten »Allies« (Verbündeten des Feminismus) wider. Und dort erkennt man eine frappierende Ähnlichkeit mit Fundamentalisten anderer Art, auch mit sektenähnlichen Strukturen.

  • @ mundd & chapel
    ich teile Eure Sichtweise und möchte sie um folgende Ausführung ergänzen:

    Ich finde den Eiertanz absurd, den mancher Maskulist um die eigenen Überzeugungen herum aufführt. Allein den Hickhack um die richtige Bezeichnung. „Maskulist“, da springen schon einige ab, aber „Antifeminist?“ UM GOTTES WILLEN! Steinigt sie! Mit Antifeministen habe ich nichts zu tun! Alles Nazis!

    Die Ursache darin liegt in der Beschämungsrhethorik, zu der ja auch Lukas hier schon Wunderbares ausgeführt hat. Es gibt einen nur schwachen Zusammenhalt unter Männern und beschämender Weise auch unter Männerrechtlern. Es steckt ganz tief in den Köpfen. Selbst Personen, die sich dezidiert und kritisch immer und immer wieder in ihren Blogs mit dem Feminismus auseinandergesetzt haben, verfallen allzu gerne in das Muster:

    „Du bist schuld, an meinem schlechten Ruf als Mann“ Eine innere Einstellung, die als peinlich zu betrachten ist, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Person sich ausführlich damit beschäftigt hat, dass der schlechte Mann eine feministische Konstruktion ist bzw. eine gewisse Funktion im Moralhaushalt der Gesellschaft erfüllt, ohne sich aber mit Realitäten zu decken.

    Deshalb gibt es auch unter den Bloggern keinen Gemeinschaftssinn, sondern vermehrt Feindschaften. Und ich sage: wenn selbst diejenigen, die das Konstrukt des schlechten, des problematischen Mannes enttarnt haben und intellektuell oder sonstwie auseinander genommen haben, wenn selbst diejenigen bei jeder Meinungsverschiedenheit unter Maskulisten in das besagte Schema verfallen („Die anderen Männer sind Schuld an meinem schlechten Ruf“), dann sollte jedem die ernüchternde Erkenntnis kommen, wie weit wir von einem Durchbruch entfernt sind.

    Genau dasselbe Schema sehe ich daher, wenn sich jetzt viele beschämt zeigen und sich echauffieren, dass sich mancher zB auf amazon den Frust von der Seele schreibt. Wir haben nunmal jetzt diese (Netz-)Zustände, dass sich jeder äußern kann. Und es äußern sich eben auch diejenigen, die sich nicht konstruktiv-argumentiv äußern können oder wollen. Das ist ja wohl kein Problem der Maskulisten, sondern ein allübergreifendes Netzphänomen. Ich für meinen Teil bin hingegen regelrecht stolz aus uns, ja: auf Uns (Achtung: Gemeinschaftssinn). Bspw. wenn ich femikrtische Kommentare, gerade in den Kommentarspalten der Onlineportale der großen Zeitungen lese. Denn ohne Ausnahme sind 80-100 % sachlich und konstruktiv. Ich wüsste keine andere Gruppe im Netz, die das so von sich behaupten könnte.

    In diesem Sinne: bekennt Euch mal! Und ja, ein bisschen Lärm kann dabei auch nicht schaden!

    Beste Grüße

    kafü

  • „Das Wizorek-Interview der FR wurde entfernt. Dein Link, Lucas, führt zumindest ins Nichts.“ Ja, es wurde wohl tatsächlich entfernt. Ich hab auch bei Anne Wizorek selbst nachgeschaut, die hatte es natürlich auch verlinkt – ihr Link führt ebenfalls ins Leere.

    Es ist jetzt natürlich reizvoll, über die Gründe zu spekulieren: Vielleicht ist die offenkundige Kritiklosigkeit des Interviews, über die sich bei Twitter ja schon einige lustig machten, ja auch bei der FR jemandem unangenehm gewesen.

    Schade aber, dass damit Wizoreks Forderung nach einer „starken Moderation“ nicht mehr gut zugänglich ist – in meinen Augen ist es de facto die Forderung nach mehr Zensur. Hier Wizoreks eigenes Bild der Passage bei Instagram: http://instagram.com/p/t4rEaFIPFK/

    „Was ist denn diese Meinungsfreiheit wert, wenn in solche Kommentaren gegen Menschen gehetzt wird, die sich daraufhin gar nicht mehr trauen, sich zu äußern:“ Das ist wohl ein Spiel mit vorgeschobenen Gründen. Denn dass Hetze gegen Menschen, Beleidigungen, Drohungen etc. moderiert werden sollten, sehe ich sogar genauso – obwohl ich trotzdem selbst Stefanowitsch natürlich ein Recht auf freie Rede einräume.

    Aber was in den Zitaten des Textes oben und anderswo von ihm, Wizorek selbst und anderen als „Hetze“ hingestellt wird, sind ja einfach nur Äußerungen abweichender Meinungen, Kritik an ihren Positionen. Das möge man doch bitte wegmoderieren – im Interesse der „Meinungsfreiheit“.

    Es bräuchte eben allgemein zugängliche, verständliche Regeln für das, was nicht geht, eben Beschimpfungen, Drohungen, Verleumdungen. Dass jemand hingegen subjektiv das Gefühl hat, ihm (oder eigentlich ja: ihr) würde durch die Äußerungen anderer die eigene Äußerung schwerer gemacht – das kann doch kein Grund für „starke Moderationen“ sein. Dann dürfte bald niemand mehr reden – ich hab z.B. durchaus auch manchmal das Gefühl, die Äußerungen anderer machen mir das Leben und das Reden schwerer.

    Aber ich hab den unbestimmten Eindruck, MEIN subjektives Empfinden ist es irgendwie nicht, das Wizorek im Auge hat…

  • Hm. Aber was beweist das nun, daß *Sie* sich nicht erinnern können, eine wirklich fundierte Kritik an Sarrazin gelesen haben? Daß es auch tatsächlich keine gibt?

    Es gab an Sarrazin nämlich eine ganze Menge Kritik, die nicht im Mindesten politisch korrekt motiviert, sondern a) sachbezogen b) grundsätzlich c) vernichtend war. Nur ging die damals eben im Chor der beiderseitigen Gehässigkeiten unter – so wie heute Arnes sachliche Rezension im Gepöbel untergeht. Mit Gepöbel erzielt man eben Schlagzeilen. Mit Sachlichkeit nicht.

    Sarrazin mag seine Vorurteile zu „beweisen“ versuchen, indem er mit einer gewaltigen Menge an willkürlich interpretierten Zahlen und Statistiken aufwartet, die man alleine schon wegen ihrer schieren Masse schwer alle widerlegen kann. Wohingegen Wizorek sich in ihrem medial und gesellschaftlich akzeptierten Männerhaß so sicher fühlen darf, daß sie sich nicht mal mehr die Mühe zu machen braucht, wenigstens Scheinbelege für ihre Meinung zu suchen.

    Aber sowohl Sarrazin als auch Wizorek haben eines gemeinsam: Die Neigung zum gigantomanischen Pauschalurteil. So wie Sarrazin mal eben eine Milliarde Moslems über einen Kamm schert, so stellt Wizorek genauso locker drei Milliarden Männer unter Generalverdacht, für die größten Übel dieser Welt verantwortlich zu sein. Dergleichen ist stets ein untrügliches Zeichen für totalitäres Denken, political correctness hin oder her.

    Im Übrigen sollte zu denken geben, daß Alice Schwarzer sich in der Sarrazin-Debatte lautstark gegen „den“ Islam engagierte, und daß zahlreiche Feministinnen und „Pudel“ den „islamischen Mann“ für den Archetyp der „patriarchalen und frauenfeindlichen Gesellschaft“ halten. Ein besonders anschauliches Beispiel für diese Haltung war erst vor zwei Wochen hier zu lesen: http://www.heise.de/tp/artikel/42/42888/1.html

    IS-Terror hin oder her, es fällt doch eines auf: Es sind immer wieder bindungslose, unsichere und wütende junge Burschen, die in den „Heiligen Krieg“ ziehen!

    Ich gehe jede Wette ein, daß diese jungen Männer in ihrem Zorn weit eher von der allgegenwärtigen Misandrie in der Gesellschaft geprägt sind, als von der „islamischen Kultur“. Bei Lichte betrachtet ist selbst in der islamischen Gesellschaft der vermeintlich allmächtige „patriarchale Mann“ das Hauptopfer von Gewalt und der Packesel für die übelsten Drecksarbeiten.

    Und ich meine, daß die Religion eben nicht Ursache für den Terrorismus ist, sondern umgekehrt: Weil Männlichkeit vielfach abgewertet wird, suchen verunsicherte junge Männer an der Schwelle zum Erwachsenwerden nach einem Sinn im Leben, nach einer Rechtfertigung für ihr Dasein, und wenden sich – unter anderem – der Religion zu. Je verunsicherter, umso fanatischer.

    Siehe dazu auch: Heiliger Krieg als Familienersatz? – http://www.heise.de/tp/artikel/42/42848/1.html

  • Diesen Text les ich hier jetzt zum wiederholten Male. Vernünftige, sachbezogene Hinweise auf Texte können in den Kommentaren natürlich gern gegeben werden – aber bitte posten Sie hier keine Werbetexte.

  • @stefanolix

    Ich hatte nicht gesagt, dass Mika das Interview geführt hat. Sie ist jedoch hinlänglich für ihre feministische Überzeugung bekannt. Als Chefredaktöse der FR platziert sie dann eben nicht ein Interview mit Arne, sondern mit Wizorek.

    @Lucas
    Sowohl ZEIT als auch FR haben jetzt Wizorek-Artikel entfernt. Das ist zumindest bemerkenswert.
    Wizorek selbst scheint vollkommen blind für die Realität – geradezu autistisch. Ihr ganzer Auftritt, selbst das Vokabular (Hetze…) zeugt von einer hoffnungslos totalitären Geisteshaltung und gleicht aufs Haar dem eines kommunistischen Kulturoffiziers.
    Rosa Luxemburgs „Freiheit ist immer auch die Freiheit des Andersdenkenden“ fiele unter Genossin Wizorek der „starken Moderation“ zum Opfer. Schon jetzt ist das Diskussionsklima im ZEIT-Forum unerträglich, weil nach feministischer Linie „stark moderiert“. Aber selbst das ist jener geschichtsvergessenen Politoffizierin noch zuviel, denn abweichende subjektive Wahrnehmungen und faktische Bezugnahme haben innerhalb stalinistischen Despotismus nunmal keine Daseinsberechtigung und gehören ausradiert.

  • Danke für die Klarstellung.
    Ja, die Ähnlichkeit ist frappierend. Insgesamt ist dieser Anspruch schon frappierend. Im Grunde sagt sie da ja nur, was Jasna Strick schon zum Thema Allies gebloggt hat. Dass diese Damen glauben, es gäbe tatsächlich Leute, die sich auf solche Bedingungen einlassen, ist auch irgendwie interessant. Jemand mit einem gewissen Stolz wird sich einem solchen Regime nicht unterwerfen.

    Ich finde freilich, dass diese Anmaßung nicht nur im Feminismus vorkommt. Ich habe ihn auch im Bereich Erziehung so erlebt: Mütter wissen es ihrer Meinung nach oft ganz genau, wie es geht, während alle anderen irren (vor allem Väter). Da bin ich fast geneigt, in diesem Punkt den „Biologisten“ recht zu geben und danach zu fragen, ob das wohl eine Disposition ist. Zumindest ist es ein Phänomen, das ich in einem gewissen Milieu häufiger beobachte bei unterschiedlichen Themen:
    – Erziehung im allgemeinen
    – gesunde Ernährung (bezogen auf Kinder wird das dann zu einer ganz hohen Moral)
    – Naturheilkunde, Homöopathie, Esoterik
    – Standards häuslicher Ordnung

    Hier beobachte ich häufig die vollkommene Freiheit von Selbstreflektion und die Abwesenheit von Selbstzweifeln. Folglich werden die Ansprüche absolut gesetzt. Die eigenen häuslichen Standards der Frau erscheinen nicht als subjektive, sondern als allgemeingültige, weshalb man sie auch rigoros durchsetzen darf. Das gilt auch für die anderen Themen.

    Das wundert mich schon etwas. Als Mann, insbesondere als Vater bin ich da erheblich defensiver. Was die Kinder angeht, bin ich freilich als Trennungsvater auch zu Kompromissen gezwungen. Jedenfalls würde ich nie mit der gleichen Verve meine häuslichen Standards als absolut durchzusetzen versuchen, sondern immer irgendwie einen Ausgleich suchen. Auch das wird milieuabhängig sein, denn ich vermute, eher arbeiterliche Männer sind da selbstbewusster (und oft auch dogmatisch). Aber in „meinem“ Milieu funktioniert das scheinbar oft so: Sie fährt eine harte Linie, er bemüht sich, ihre Erwartungen zu erfüllen.

  • @Lomi
    >Da bin ich fast geneigt, in diesem Punkt den „Biologisten“ recht zu geben und danach zu fragen, ob das wohl eine Disposition ist

    Da brauche ich aber keine Biologie für ;-): Menschen okkupieren nun mal gerne Gebiete als „ihre Domäne“, weil sie sich damit eine kleine Machtbasis schaffen („hier habe ich das sagen, hier bin ich die Autorität/das Kompetenzzentrum“). Das kann man pragmatisch sehen im Sinne von „jeder hat so seine Gebiete, wo er sich so inszeniert“. Bei manchen Männern gibt es ja die seltsame, dem Pathos nach biologisch-naturfundierte Kompetenz für das Wohlergehen des Autos ;-).

    Dass fraulicherseits gerade diese Gebiete genommen werden, knüpft zwar an die Biologie an (Kinderkompetenz: wieso, ich war doch schon bei der Geburt einige Zentimeter näher dran als du, das muss doch was zu sagen haben), ist aber mindestens genau so sehr Ausdruck eines kulturellen Mutterkultes. Manche Kultur braucht halt ihre schlechte Mystik.

  • „Aber ich hab den unbestimmten Eindruck, MEIN subjektives Empfinden ist es irgendwie nicht, das Wizorek im Auge hat…“
    Nein. Du bist schließlich ein weißer heterosexueller Dude Bro.

  • Seitenblick

    ich sehe die Ursache ja auch eher in der Kultur.
    Selbstreflektion und Zweifel sind zwar hohe Ideale. Aber ich erlebe das selten. Es wird selten gedacht, also eine Meinung so geäußert, dass dies ein lauter Denkprozess ist. Es wird meistens behauptet und dabei so getan, als gäbe es an den Behauptungen nichts mehr zu rütteln. Ich glaube, dass die Mehrheit der Menschen so funktioniert und dass Reflektion und Zweifel eine kulturelle Besonderheit bei wenigen Leuten ist.

    Insofern ist weibliche Zweifelsfreiheit auch nur ein Sonderfall eines allgemeinen Phänomens, aber einer, der kulturell gefördert worden ist.

  • Kafü,

    es positiv zu sehen, finde ich richtig. Wir können auch mal bilanzieren, was auf diese Weise schon erreicht ist.

    Andererseits hilft es auch nichts, sich selbst auf die Schulter zu klopfen, und an den Tatsachen vorbeizusehen. Es gibt schon eine Reihe von problematischen Ansichten und Ausfällen, die ich nicht mittragen kann und die mir persönlich dann auch peinlich sind. Mit dieser Realität muss man sich abfinden. „Wir Maskulisten“ sind keineswegs die besseren Menschen, genauso wenig wie Frauen. Es gehört zur Gruppendynamik, sich auch zuweilen eine höhere Moral zuzuschreiben. Aber das ist meist unzutreffend. Wir als Maskulisten haben sie nicht und wir haben noch einen hohen Anteil an Krawallerie. Das muss jetzt nicht dazu führen, dass man hier Leute auf Linie bringen will oder dergleichen. Mir ginge es nicht um Disziplinierung. Aber ich selbst möchte mich gerne von Krawallisten abgrenzen, denn ich möchte nicht mit ihnen identifiziert werden. Der Sache schadet diese Abgrenzung nicht, jedenfalls kaum mehr als die Krawallerei eines nicht unwesentlichen Teils der Feminismuskritiker.

  • @kafü

    „Es steckt ganz tief in den Köpfen. Selbst Personen, die sich dezidiert und kritisch immer und immer wieder in ihren Blogs mit dem Feminismus auseinandergesetzt haben, verfallen allzu gerne in das Muster:

    „Du bist schuld, an meinem schlechten Ruf als Mann“ Eine innere Einstellung, die als peinlich zu betrachten ist, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Person sich ausführlich damit beschäftigt hat, dass der schlechte Mann eine feministische Konstruktion ist bzw. eine gewisse Funktion im Moralhaushalt der Gesellschaft erfüllt, ohne sich aber mit Realitäten zu decken.“

    Yup. Ganz genau.

    Hier ist m.E. aber noch etwas anderes mit im Spiel. Etwas, dass zumindest hierzulande fast gar nicht diskutiert wird.

    Hab dazu kürzlich folgendes geschrieben (zitiere einfach mal)

    (http://suwasu.wordpress.com/2014/10/08/am-ende-zahlt-der-wille/comment-page-1/#comment-1253)

    „Ein ganz großes Thema, dass mit der m.E. notwendigen Auseinandersetzung mit der zerstörerischen feministischen Ideologie viel zu kurz kommt, ist das männliche Selbstverständnis ohne bestimmende Elemente durch Frauen. Zum Beispiel, der Mann als Mensch mit Berechtigung auf geachtetes selbstwertes Dasein aus sich heraus (Stichwort Disponibilität, Farrell betont dies z.B. recht stark). Sehr wichtig auch für Jungen und Zukunft, aber auch die Mann-Frau Beziehung auf allen Ebenen. Dies zunächst wirklich ohne Frauen.

    Hier hat die z.B. die MGTOW Bewegung mit ihrem Fokus auf den sog. “gynozentrischen Abgrund”, die Desillusionierung und die reale Sicht auf die Wahrnehmung von einem Mann oder Jungen als Mensch, von Frauen aber auch von (insbesondere von noch illusionierten) Männern, Breschen geschlagen (red vs. blue).

    Das nehme ich als sehr wesentlich und tief wahr. Hier ist m.E. die eigentliche psycho- und sozio-kulturell notwendige Veränderung angesiedelt. Farrell liegt hier wohl richtig. Aber auch die MGTOW Philosophen. Wir müssten erst einmal selbst wissen wer wir sind etc., denn die kulturell verankerte Disponibilität des Mannes beruht ja darauf, dass hier eben genau nicht nachgedacht sondern verdrängt wird, von Männern wie auch von Frauen.“

    M.E. tatsächlich mit ein wesentlicher Aspekt.

  • @kafü

    Sehe ich ähnlich. Dieses umgehende intervenieren, sobald Frau mal als das nurmehr Opfer-Geschlecht mithin allerlei comfort spaces in Anspruch nehmende Kollektiv in die Verantwortung genommen wird, halte ich vor dem Hintergrund einer hierzulande bereits umgangssprachlich bekannten „Tussikratie“, für unangebrachte Disziplinierungsversuche.

  • Also, Sarrazin interessierte mich nur am Rande („soweit ich weiß“) – weshalb ich auch nur zwei Sätze zu ihm geschrieben habe. Geschrieben habe ich diese, weil mein Eindruck war, das, vergleichbar mit der Geschlechterforschung, biologische Erklärungsansätze Standardreaktionen auslösen und das selbst bei solchen Wissenschaftlern, die es eigentlich besser wissen. Sarrazin scheint aber bei Ihnen ein Triggerwort zu sein.

  • Off Topic:
    Passt nicht ganz, aber bevor es „untergeht“ hier noch was zur Quote:
    http://www.sueddeutsche.de/politik/gleichberechtigung-warnung-vor-der-maennerquote-1.2160933 (eben doch keine Gleichberechtigung…) Am besten gefällt mir der Satz von Ramona Pisal: „Eine strukturelle Benachteiligung von Männern kann ich nicht erkennen.“. Sie soll sich als Mann verkleidet bitte auf eine Stelle als Erzieher in einer Kita bewerben, oder als Grundschullehrer ;o)… . Mal sehen ob sie dann bei Ihrer Meinung bleibt…
    chris

  • @Chris

    Natürlich wird sie das.

    Auch bei groteskesker Offensichtlichkeit. Nur dann nicht, wenn sie selbst davon negative Folgen haben könnte.

    Männer haben hier offenbar eine Wahrnehmungssperre und hoffen immer noch auf den Weihnachtsmann. Wahrscheinlich ist es die kulturell indoktrinierte gynozentrische Disponibilität. Oder gar angeboren? Genetisch?

    Der ganze Duktus des Textes ist ja gegenüber Männern herablassend und paternalistisch. Vermeintliche Zugeständnisse werden sofort ins Gegenteil verkehrt.

    Ähnlich wie bei Watson's HeforShe. So verstehen sie „Gleichberechtigung“. Es ist sehr selten, dass eine Frau diese innere Haltung nicht hat. Aber Ausnahmen gibt es immer.

  • @petpather: Jo, warscheinlich hast du recht… Solche Personen verfügen über eine gestörte Selbstwahrnehmung bzw. über so gut wie keine Selbstreflektion… und falls doch. liegen rosafarbene Filter dazwischen.
    chris

  • A.S ist ein Schwachmat. Selbst ich als absoluter Linguistiklaie erkenne, dass er auf seinem ureigensten Gebiet eine Null ist, da seine Argumentationen hanebüchen sind. Der Mann will sich profilieren, vorzugsweise auf Kosten anderer. Wir sollten seine Profilierungsneurose nicht auch noch bedienen. Es ist seine Masche, sich als Kämpfer gegen Nazis, Xenophobe, Frauenfeinde und Rechtsradikale aufzuspielen. Der Mann ist einfach nur albern. Einfach mal gähnen und ignorieren,

  • Dieser Artikel, genauer gesagt der berichtete Vorgang ist ein Knüller, den habe ich schon vorgestern sofort auf meine Seite aufgenommen, Abteilung feministisches Doublespeak im Zusammenhang mit Quoten.
    Mein persönlicher Hit war der Satz „Auch wenn Männer in manchen Bereichen unterrepräsentiert seien, bedürften sie keiner Förderung.“
    Klare Prinzipien! Nur leider diametral entgegengesetzt zum Fall, daß Frauen betroffen sind.

  • „Was dabei verschwindet, ist nicht nur die Möglichkeit, mit sachlicher und ruhiger Kritik Gehör zu finden.“

    Das sollte am Anfang in der Mitte und am Ende stehen.

    Dazwischen braucht es aber auch eine Füllmenge.
    Oder anders gesagt: es braucht auch Indianer, die fordern, dass ihre Häuptlinge auf die Bühne des Geschehens gehören.
    Damit meine ich eine Bühne, die eine größere Reichweite hat.

  • @ LoMi
    Natürlich bleibt es einem unbenommen, sich persönlich von entsprechend peinlichen Kommentaren und Netzkrawall zu distanzieren! Ich meinte aber auch eher etwas anderes, eine empfindliche Grundstimmung nämlich, einen Schamreflex gegenüber den „eigenen Leuten“, während die sich doch sogar wesentlich besser verhalten als der „Netz-Durchschnitt.“

    Wie petpanther unter meinem Kommentar zutreffend ergänzt hat, ist das ein Ausprägung des „disposable sex“, wie es Ferrell benannt hat. Das entbehrliche Geschlecht. Dass Männer entbehrlich sind und folglich die schlimmste Entbehrungen klaglos auf sich zu nehmen haben, ist etwas – und darauf wollte ich nur hinweisen, ganz ohne ignorantes sich selbst auf die Schulter klopfen im Übrigen – ist eine Wahrnehmungsschablone, die selbst Männerrechtler, die es zumindest besser wissen könnten, nicht aus ihren Köpfen kriegen.

    Abhilfe würde ein größeres Selbstverständnis für uns und unsere Anliegen bringen. Dazu gehört sich zur eigenen Wut zu bekennen und anderen Wut zuzugestehen. Wenn man sieht, wie Männer z.B. im Strafrecht benachteiligt werden und kategorisch härter bestraft werden bzw. im Vergleich zu mancher weiblicher Delinquentin überhaupt bestraft werden, ist Wut angesichts solcher Ungerechtigkeiten doch eine menschliche, ja eine vernünftige Reaktion.
    Wut hat nichts mit Hass/Gewalt/Radikalität zu tun. Ich bin mir sicher, auch Mahatma Gandhi war wütend angesichts zutiefst ungerechter gesellschaftlicher Verhältnisse. Was schert es mich da, wenn die Gegenseite gegen „abgehängte Wutmänner“ ätzt?

    Frauen kennen den männlichen Schamreflex anscheinend sehr gut. Wie oft schon haben wir in Talkshows das hämisch-mitleidige „Ohhhhh“ gehört. Nur Frauen dürfen sich beschweren. Ein Mann der sich beschwert, jammert! Abstellen können wir das nur selbst. Indem wir uns vor uns selbst und vor anderen bekennen!

    @petpanther
    In der Tat war es etwas dünn von mir begründet, nur die Beschämungsrhetorik als Ursache zu benennen. Insofern danke ich für die zutreffende Ergänzung! Denn feminine Beschämungsrhetorik ist natürlich nur Ausprägung, nicht Ursache. Eine Ursache wohl, die tief in der Psyche der Gesellschaft verschüttet liegt.

    kafü

  • Mich würde ja interessieren wie Frauen darauf reagieren, wenn sie sich zu erlebter sexueller Belästigung oder Gewalt per Email gegenüber Anne Wizorek äußerten und nun durch das Interview in der Frankfurter Rundschau erfahren haben, dass diese Emails erstmal Anne`s Freund liest.

    Zitat Anne Wizorek in diesem Interview:

    ….auf welchen Kanälen kann ich mich wie schützen? Das geht nur mit Menschen, die meinen Twitter- oder E-Mail-Account filtern. Bei letzterem übernimmt das zum Beispiel mein Freund. Der leitet mir wichtige Sachen weiter und alles andere sieht nur er.

    …Es war mir vor allem aber auch wichtig, dass das Männer sind, die das Filtern, weil es einfach einen Unterschied macht, so etwas zu lesen, wenn man selbst nicht von Sexismus betroffen ist.

  • Kafü,

    ok, diesen Punkt finde ich richtig. Man sollte nicht überängstlich sein und die vorhandene Wut nicht voreilig als Problem ansehen.

    Oliver K. hatte vor einiger Zeit dazu kommentiert, dass wir oft einen Fehler machen: Wir behandeln viele Standpunkte eher wie eine Krankheit, wie einen Virus. Dagegen betrachten wir zu selten diese als Interesse. Es geht uns der Blick verloren dafür, dass Debatten im Grunde Kämpfe zwischen Interessengruppen sind. Zu oft würden wir aber mehr geistige Hygiene betreiben: Die einen sehen die Bedrohung im „Gutmenschentum“ oder „Kulturmarxismus“, die anderen in „konservativen bzw. rechten Ideologien“. Die Rhetorik der Vertreter der jeweiligen Standpunkte begünstigen das, weil auch diese ja immer als Bewahrer des Guten gegen die Bedrohung anargumentieren. Der Rat von Oliver war, eben nicht mehr „Krankheiten“ zu bekämpfen, sondern Interessen miteinander auszuhandeln.

    Das müsste man eben auch innerhalb der Männerrechtler tun.

  • „…wenn man selbst nicht von Sexismus betroffen ist.“

    Oh so horny. Nein, Sexismus = auf das Geschlecht bezogene Diskriminierung. Was ist das Beschneidungsgesetz? Sexismus. Was ist Väterdiskriminierung? Sexismus. Was sind Quotensänften ins Amt? Sexismus. Was bedeutet 6 Jahre geringere Lebenserwartung? Struktureller Sexismus. Und wie kann ich mich davor schützen?

  • Also die Widerlegung von Sarrazins Thesen würden mich intersessieren. Gibts da was seriöses? Immer her damit. Wohl nur Dampfgeplauder.

    „Und ich meine, daß die Religion eben nicht Ursache für den Terrorismus ist, sondern umgekehrt.“
    Ein Dutzend muslimischer und ex-muslimischer etc. Autoren beiderlei Geschlechts behaupten das Gegenteil. Mir ist auch rätselhaft wie wie man das noch bei Verstand bestreiten kann.

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