Die Gewalt der vierten Gewalt (Ein Rückblick auf den September)

Der Monat Oktober begann bekanntlich erschüttend: Vor lauter Amazongate hätte ich fast vergessen, dass wir ja schon im Monat September von einem großen Ereignis zum nächsten gestolpert waren, die hier rechtmäßigerweise in dem traditionellen Monatsrückblick hätten festgehalten werden müssen.
„Es geht an diesem Abend um Inhalte, Lösungen, um eine akute Gefahr im Land: Die Frauenlobby. Stark und autoritär sei sie. Organisierte Frauennetzwerke dominieren demnach Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland. Es ist so schlimm, etwas müsse dagegen getan werden. Bei Ingwertee und Cola kennt die Liste, was alles in der Bundesrepublik so schief laufe, kein Ende (…)“
So der Tagesspiegel über eine Gruppe von Berliner „Nicht-Feministen“. Bloß weil einige Fakten in dem Artikel nicht völlig akkurat waren und der Interviewer Mohamed Amjahid ihnen Sätze in den Mund gelegt hatte, die sie bei Licht besehen gar nicht gesagt hatten, waren die Mitglieder der kleinen Gruppe von „Nicht-Feministen“ über ihre Darstellung in der großen, seriösen Berliner Tageszeitung nicht rundum zufrieden (ausführlich dazu der Autor Gunnar Kunz).
Eigentlich ist es gar nicht nötig, Lärm zu machen, Kommentare zu schreiben, bei Debatten dabei sein zu wollen. Den Verständigen ist ohnehin immer schon klar, was richtig und was falsch ist.
Das war ein wiederkehrendes Thema in diesem vergangenen September, das auch im Oktober wichtig blieb: Wie stellt die Presse Menschen dar, die an Geschlechterdebatten ohne die Selbstverpflichtung auf gewohnte Deutungsmuster – „Patriarchat“, Männerherrschaft, Frauenunterdrückung – teilnehmen möchten? Für Männerrechtler, Feminismuskritiker, Väterrechtler, MHRAs (Men’s Human Rights Activists) gibt es dabei vorerst drei erlaubte Kategorien: Sie sind lächerlich, sie sind bedrohlich, oder sie sind beides.


Abgehängt und zornig beim Ingwertee Die Präsentation als ingwerteetrinkende, versponnene Verschwörungstheoretiker bedient sich dabei großzügig aus dem ersten dieser Vorräte. Der Artikel im Tagesspiegel beginnt damit, dass eine „queer-feministische-orientalische Boygroup“ am Kottbusser Tor getanzt habe und sich auch durch den einsetzenden Regen ihre Fröhlichkeit nicht habe verdrießen lassen.

Ob es diese Gruppe tatsächlich auch außerhalb der Fantasie des Tagesspiegel-Autors gab, ist durchaus umstritten, aber auch unwichtig – sie hat ihre Funktion ohnehin nur im Kontrast zu den verdrießlichen älteren Herren, die sich vor der  Imagination einer allgegenwärtigen Frauenherrschaft hilflos zum Ingwertee flüchten.

Einer dieser Herren erzählt dann, beispielweise, von der häuslichen Gewalt, die er durch seine Partnerin erfahren habe, davon, dass ihm lange niemand geglaubt habe, bis er dann blutüberströmt auf der Polizeiwache erschienen sei, und eigentlich ist das alles gar nicht lächerlich. Es ist  ebenso wenig lächerlich wie die Sorgen, die er sich um seinen Sohn macht, oder das Gefühl, gerade in Parteien mit einem linken politischen Selbstverständnis mit diesen Sorgen kein Gehör zu finden.

Amjahid jedoch fragt:

„Doch welcher Mann lässt sich von Frauen so dermaßen piesacken, dass er sein Leben damit verbringt gegen das Matriarchat zu philosophieren, zu agieren, zu streiten?“
Wer schon: ein Loser natürlich, der aus irgendwelchen Gründen nicht imstande ist, für sich selbst zu sorgen, der aber – anstatt das Naheliegende zu tun und einfach damit aufzuhören, sich piesacken zu lassen – den Grund für seine Probleme auf ein allmächtiges Matriarchat schiebt. Dass der Begriff „Matriarchat“ nach Angaben der Interviewten gar nicht gefallen sei, kann angesichts der sonstigen Schlüssigkeit dieser Beweisführung natürlich nicht berücksichtigt werden.
Ganz ähnlich präsentierte auch die noch wesentlich größere Wochenzeitung Die Zeit Männer, die feministische Positionen kritisieren. „Vom Zorn abgehängter Männer“ schrieben da Anna-Katharina Meßmer und Christina Schildmann. Damit niemand auf falsche oder überhaupt auf Gedanken kommt, machen sie also schon im Titel klar, wie das Folgende zu verstehen ist: Es geht um Männer, die nicht mehr mithalten können, die aber den Grund für allerlei daraus resultierende Misslichkeiten nicht etwa bei sich selber suchen, sondern wütend auf Frauen losgehen.
Der amerikanische Soziologe Michael Kimmel, auf den sich die Autorinnen direkt und ohne unnötige journalistische Distanz beziehen, erklärt das in seinem Buch Angry White Man so: In einer patriarchalen Gesellschaft seien alle Karten zu Gunsten von Männern gezinkt gewesen, das Spielfeld zu ihren Gunsten geneigt – eine faire, gleichberechtigte Gesellschaft mit einem fairen Wettbewerb mache den sieggewohnten Männern daher Angst.
„Maybe actually having to play evenly matched, on a level playing field, is too frightening for a gender that stakes it entire identity on making sure it wins every time“ (Seite 8)

Die etwas überraschende historische Einsicht des berühmten Soziologen, dass alle Geschichte der Männer bislang eine Geschichte von lauter Siegern gewesen sei, erlaubt es ihm, alle Hinweise auf tatsächliche oder empfundene Benachteiligungen von Männern als Ausdruck eines blinden Anspruchsdenkens abzutun. Vätern beispielsweise, die ihre Kinder nicht mehr sehen können, gesteht er zwar realen Kummer, aber keine ernsthaften politischen Interessen zu.

Wie man eine Debatte ganz allein führt Die Zeit-Autorinnen folgen ihm in diesem Punkt entschlossen. Bei ihnen erscheinen Männer als tierische oder vor-zivile Wesen (sie „suhlen“ sich, sie kommen „in Horden“ zusammen), die niemals vernünftige Gründe für Kritik haben, sondern mit ihrer Wut kleinhirngesteuert der Menschenwelt zur Last fallen.

Unterstützung fänden diese Verlierer durch die Beiträge „eines saturierten, einflussreichen konservativen Feuilletons“. So lustig es auch sein mag, Männer rundweg als Loser hinzustellen – es darf natürlich nicht der Eindruck entstehen, wir würden nicht mehr in einer Männerherrschaft leben.

Dieser Text bricht unbekümmert gleich mit mehreren Grundsätzen eines seriösen Journalismus. Die redaktionelle Darstellung macht an keinem Punkt deutlich, wie intensiv die beiden Autorinnen selbst Partei sind. Der Text liefert keine Belege für seine extrem starken Behauptungen, ist aber so verfasst, als ob das überhaupt kein Problem wäre. Vor allem aber: Er diffamiert politische Gegner unmäßig und greift dabei Mittel auf, für die einmal politische Rechtsaußen bekannt waren – etwas Franz Josef Strauß mit seiner Beschimpfung linksliberaler Schriftsteller als „Ratten und Schmeißfliegen“.

Zu allem Überfluss ist der Text auch noch unter dem Stichwort „Gender-Debatte“ rubriziert. Wie sich die Zeit diese Debatte vorstellt, macht sie dankenswerterweise auch gleich klar. Die Kommentarfunktion unter dem Artikel wird wenige Stunden anch seinem Erscheinen de-aktiviert, Proteste gegen die hetzerische Veröffentlichung und Kritik an ihr bleiben ebenso unbeantwortet wie ein offener Brief an die Redaktion oder der Vorschlag, doch auch einmal der Gegenseite – etwa Arne Hoffmann – Raum in der Zeitung zu geben.

In der Zeit ist „Debatte“ ein anderes Wort für „Selbstgespräch“.

Ganz ähnlich verhält sich die Zeitung auch, als Emma Watson ihre Rede vor der UN hält und Männer dazu auffordert, bei der HeForShe-Kampagne mitzumachen und sich für Frauen einzusetzen. Die im Internet kursierenden Drohungen, gehackte Nacktbilder von Watson zu veröffentlichten, wertet die Zeit-Journalistin Marie Schmidt umgehend als Versuch,
„ein Machtgefälle wiederherzustellen, für dessen Abschaffung sich Emma Watson gerade bei einer der höchsten Institutionen eingesetzt hat.“
Wenn eine Frau es wage, den Mund aufzumachen, dann würden statusfixierte Männer sofort erbarmungslos zuschlagen – bei dieser Darstellung bleibt die Zeit auch dann noch, als schon längst deutlich geworden ist, dass diese Drohungen keine Reaktion auf die Rede, sondern ein aggressiver Marketinggag eines Unternehmens waren.
Am Beispiel der Rede zeigt sich aber auch, dass die Gender-Debatte längst wesentlich vielfältiger und ambivalenter ist, als sie in der deutschen Qualitätspresse erscheint. Die feministische Bloggerin Nadine Lantzsch beispielsweise kritisiert Watson scharf und mit großzügigem Gebrauch von szenetypischem Jargon. Sie würde
„eine typen-zentrierte und hetero_cis_sexistische Kampagne“ unterstützen und „um die Gnade von Typen betteln“.

Dass Watson überhaut Männer angesprochen hat, wenn auch vorwiegend als Unterstützer von Frauen, ist für Lantzsch schon eine Selbstauslieferung an patriarchale Strukturen.

Christian Schmidt beschriebt Lantzschs Text als Ausdruck eines

„deutlichen Gruppendenkens: Die anderen verlieren ihre Menschlichkeit (…).“

Ganz anders als Lantzsch diskutieren einige Beiträge im anglo-amerikanischen Raum Watsons Rede. Cathy Young stellt beispielweise für das TIME-Magazine klar, dass Watsons Feminismus für Männer keineswegs so günstig ist, wie sie es darstellt. Andrea Peyser stellt für die New York Post heraus, dass Watson eine falsche, nämlich allzu idealisierende Vorstellung vom Feminismus habe.

Wie man sich in Schützengräben häuslich einrichtet Deutlich distanzloser als in solcher Kritik wird die Rede in deutschen Medien präsentiert. Hier sind Journalisten in Geschlechterdebatten offenbar  auch weiterhin vorwiegend mit dem Ausbau von Schützengräben beschäftigt. Warum eigentlich?

Die Zeit hat zwar eine vergleichsweise große weibliche Leserschaft, aber auch sie wird – wie der Spiegel, der Stern oder Focus – in größerem Maße von Männern gelesen. Möglicherweise spekuliert die Redaktion darauf, dass viele Frauen männerfeindliche Texte bei Gelegenheit ganz gern genießen, während Männer sie als „Gedöns“ abtun und nicht weiter ernst nehmen.

Das wäre kein sonderlich günstiges Bild von der eigenen Leserschaft – aber das Problem ist möglicherweise ohnehin umfassender. Auch bei Themen, die mit Geschlechterdebatten gar nichts zu tun haben, erschienen in der deutschen Qualitätspresse während der letzten Monate Texte oder Headlines, die so heute kaum noch in der Bild-Zeitung gedruckt werden.

Regelrecht irre war ein Spiegel-Titel, der – ohne dass Genaueres bekannt war – Bilder von Menschen zeigte, die beim Flugzeugabschuss über der Ukraine getötet worden waren, und der dazwischen groß die Aufforderung „Stoppt Putin jetzt!“ formulierte.

Auch hier ein bedingungsloses Gut-Böse-Schema, auch hier ein Versuch, Empörung aufzupeitschen, anstatt den Verstand zu beschäftigen, auch hier ein völlig unbekümmertes Lagerdenken. Natürlich, Schröders Spruch, das Putin ein „lupenreiner Demokrat“ sei, sagt mehr über das kaputte Demokratieverständnis des Ex-Kanzlers aus als über Putin selbst – doch auch dessen Autoritarismus, Militanz und Nationalismus können einen Titel wie den des Spiegel nicht erklären.

Selbst wenn das Magazin sicher gewusst hätte, dass Putin höchstpersönlich für den Absturz verantwortlich gewesen wäe – wie sollte er denn „jetzt“ gestoppt werden, und von wem? Einmarschieren?

Vermutlich sind die radikalen Einseitigkeiten deutscher Medien in der „Geschlechterdebatte“ also Ausdruck eines größeren Problems. Hanns Joachim Friedrichs wird der Satz zugeschrieben, ein guter Journalist solle sich mit keiner Sache gemein machen, auch nicht mit einer guten – eigentlich habe ich erst in den letzten Monaten verstanden, wie wichtig dieser etwas altbacken wirkende Satz ist.

Ein gemeinsames Problem der genannten Beispiele ist, dass Journalisten in der Überzeugung, für eine gute und richtige Sache einzutreten, Tatsachen verdrehen oder verschweigen, Freund-Feind-Bilder betonieren, niemals an mehreren Perspektiven auf dasselbe Problem interessiert sind und dabei ihre Leser entweder manipulieren oder vor den Kopf stoßen, aber weder informieren noch überzeugen.

Damit aber geben Journalisten eben die Vorteile preis, die sie gegenüber Bloggern oder selbstständigen Online-Journalisten haben.

Wer ein Blog betreibt, verdient daran in der Regel kein Geld, hat also andere Motive für seine Arbeit – zum Beispiel politische Interessen. Wer Blogs liest, weiß das und wird das meist auch mit einberechnen.

Journalisten aber, die mit ihrer Arbeit – sei es durch Abonnements, durch Kiosk-Verkäufe oder durch Werbung – Geld verdienen wollen, müssen in ihren Texten irgend etwas bieten, das sie von der kostenfreien Arbeit der Blogger unterscheidet. Im Sinne von Friedichs Satz könnte das eine größere Distanz zu den Themen der Texte sein.

Qualitätsjournalisten müssten zudem eine Chance nutzen, die nebenberuflich abeitende Blogger in der Regel nicht haben – nämlich sehr umfassend, sorgfältig und eigenständig zu recherchieren.

Das Gegenteil ist der Fall. In Blogs und bei Twitter waren beispielsweise die Informationen über die angeblichen Akte männlicher Rache an Watsons Rede schon längst korrigiert, als sie von der Zeit noch immer verbreitet wurden. Wer mehrere Online-Publikationen liest, bekommt heute vermutlich zu vielen Themen ein besseres und ausgewogeneres Bild als jemand, der sich auf traditionelle Qualitätsmedien stützt.
Noch in einer anderen Hinsicht verspielen große Medien regelrecht gezielt die Chance, die sie gegenüber dem privaten Online-Journalismus haben. Diskussionen in Kommentarspalten von Blogs sind selten umfassend, es sammeln sich dort meist Kommentatoen, die derselben Internet-Blase angehöen. Kommentarspalten der großen Zeitungen sind demgegenüber noch immer viel umfassender – sie kommen so der Idee eines allgemeinen Forum wesentlich näher.

Anstatt das aber zu nutzen, schließen große Zeitungen ihre Kommentarbereiche – wie die Süddeutsche Zeitung – oder moderieren sie so willkürlich und gängelnd, dass ein Perspektivenreichtum behindert wird. Ein Beispiel dafür sind Erzählungen eines häufigen Kommentators bei Zeit-Online.

Das wieder und wieder in den „Qualitätsmedien“ verbreitete Bild des wilden, fast immer männlichen Internet-Mobs, der die seriösen Kommentarspalten zu stürmen versucht, ist Ausdruck eines ganz eigenen Problems der Zeitungen: Sie haben es noch nicht geschafft, sich auf die Konkurrenz aus dem Netz einzustellen, und sie sind sich ihrer eigenen Stärken entweder nicht bewusst, oder sie verspielen sie vorsätzlich.

Gestern war ich auf einer Veranstaltung von Gerhard Amendt im Haus der Wissenschaft in Bremen. Amendt hatte kein großes Publikum, etwa 40 Personen, aber ein sehr durchmischtes: jeweils etwa zur Hälfte Männer und Frauen, viele Altersstufen vom Studenten- bis ins Rentneralter. Angetan war ich vor allem von der Atmosphäre.

Amendt berichtete, dass er bei Vorträgen an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldof zwei Mal massive Schwierigkeiten hatte, dass er das eine Mal wegen erheblicher Gewaltdrohungen nur mit Bodyguard erscheinen konnte und sich das andere Mal unerkannt durch eine Gruppe von Störern hindurchschlängeln musste, die den Eingang blockierten.

In Bremen nichts davon. Das Publikum war durchaus nicht einhellig Amendts Meinung, aber Kritik gab allein in ziviler Form – eben als direkte Kritik, als skeptische Nachfragen, oder auch als deutliches Kopfschütteln während des Vortrags.

Vielleicht, dachte ich, ist die Situation eben genau andersherum, als sie in Massen-Qualitäts-Medien präsentiert wird. Es ist möglicherweise nicht so, dass die zivilen Strukturen der Zeitungen gegen den wilden Mob des Netzes geschützt werden müssen – sondern dass die Diskussionen von Männern und Frauen außerhalb der veröffentlichten Meinung schon längst ziviler, offener und von Feindbildern freier ist, als es die Texte in unsere Qualitätspresse sind.

Das Kimmel-Zitat stammt aus der kindle-Ausgabe von

Michael Kimmel: Angry White Men. American Masculinity at the End of an Era, New York 2013

 

  1. Nur eine kurze Anmerkung:
    * „….drei erlaubte Kategorien: Sie sind lächerlich, sie sind bedrohlich, oder sie sind beides.“ Eine weitere „erlaubte“ ist, dass Männerrechtler und Feminismusmuskritiker pauschal als „rechts“ abgetan werden. Diese politisch „vernichtende“ Einordnung halte ich für die gefährlichste. Zumal sie auch staatlich subventioniert verbreitet wird: Durch vermutlich bezahlte Schreiberlinge in Wikipedia, durch Radiosendungen, durch „Gutachten“ der Parteistiftungen von SPD und Grüne.[KlausT]

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  2. Klasse, ein sehr durchdachten Monatsrückblick, Lucas,
    1 ++ würde ich mal sagen.

    Speziell der zweite Teil hat es mir angetan, wo auf die Rolle der Medien und dem Verschwinden journalistischer Tugenden bzw. Demokratieverständnis eingegangen wird. Eine gute Freundin von mir, ebenfalls in der Presse tätig sieht es mittlerweile übrigens genauso.

    Danke für deinen Monatsrückblick auf einen bedrückenden September.

    Viele Grüße vom emannzer

    Antwort

  3. Nun, wenn ich mir die vielen Artikel bezgl. Quote anschaue, dann läuft da durchaus schon eine Kampagne für selbige…Und das wird nicht so ganz unkoordiniert laufen (zum ersten Teil des Monatsrückblicks)…
    chris

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  4. „Qualitätsjournalisten müssten zudem eine Chance nutzen, die nebenberuflich abeitende Blogger in der Regel nicht haben – nämlich sehr umfassend, sorgfältig und eigenständig zu recherchieren.“

    Angesichts der Finanz- und Zeitknappheit der Medien existiert diese Chance längst nicht mehr. Diese Chance ist gegenwärtig nur noch eine Illusion. Journalisten tragen durch die Sparlogik im Medienbetrieb ein zu enges Korsett, so dass Recherche mittlerweile Luxus ist.

    Deshalb kann ein Blogger tatsächlich mehr leisten, weil er sich auf sein Thema konzentriert und hier keine Redaktionsschlüsse beachten muss.

    Man muss bei der Beurteilung des Journalismus die Logik des Mediensystems immer mitbedenken. Erstens sind Medien marktabhängig. Zweitens haben sie spezifische Selektionskriterien: Die Erzeugung von Aufmerksamkeit durch Konzentration auf Abweichungen von der Norm.

    Insofern verwundert es nicht, wenn im Dienste der Auflagen- oder Quotensteigerung die Dinge so inszeniert werden, dass am Ende eine Story bei herauskommt: Es wird dann skandalisiert und zugespitzt, hingegen werden Differenzierungen, weil langweilig, vermieden.

    Antwort

  5. Parzival von der Dräuen sagt: Einerseits werden bei der ZEIT Leserkommentare seit je harsch zensiert, wenn sie, obwohl hoch sachlich und rein argumentativ, dem Inhalt (oder der Weltsicht des Artikel-Autors) widersprechen, andererseits ist das Schließen oder Eingrenzen der Kommentarfunktion bei den Online-Auftritten verschiedener Zeitungen nicht Zug um Zug entstanden, sondern zeitgleich. Das ist eine konzertierte Aktion, die von oben angeordnet sein muss – welches „oben“ dafür verantwortlich ist, überlasse ich den Verschwörungstheoretikern, aber eine falsche Theorie darüber, muss nicht heißen, es gäbe keine Verschwörung.

    Dass auch ehemalige Qualitätsmedien ins Plakative überwechseln, dürfte ein „Verdienst“ des Internets sein. In Tagen sinkender Auflagen und einbrechender Abonnenten-Zahlen, entlassener Journalisten, zusammengefasster Redaktionen, eingesparter Korrekturleser vom Dienst, etc. muss man lauter schreien, um Aufmerksamkeit zu erregen. Die Misere, dass die Printredaktionen niemals mehr ein hinreichendes Mittel finden werden, dem Leserschwund entgegen zu treten, weil Papier erst bedruckt werden muss, während ein Smartphone aktuelle Meldungen bietet, wird langfristig Online begünstigen. Beim SPIEGEL streiten sich die Printredakteure mit den Online-Redakteuren, das Hierarchiegefälle äußert sich nicht nur in der Bezahlung, sondern zeigt die Eitelkeiten der Nomenklatura auf, Qualität könne nur auf Papier existieren. Auf die Idee, dass das eine Medium alternativlos in das neue überführt werden müsse, kommt keiner: Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Tröpfchen, beherrscht die Denke, ist Distinktionsvorteil, schließlich hält den Printjournalismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf. Welch ein Illtum!

    Antwort

  6. Hallo

    und danke für den Monatsrückblick!

    In meinem Blog habe ich übrigens noch mal grundsätzlicher Stellung genommen zu dem Tagesspiegel-Artikel, der unser Interview verfälscht hat:
    http://pfuetzenfische.blogspot.de/2014/09/qualitaetsjournalismus.html

    Viele Grüße

    Gunnar

    Antwort

  7. Wenn man sämtliche Leistungen – wirtschaftliche, kulturelle, wissenschaftliche und forschende- des weissen Mannes entfernen wuerde, besäß diese verbiesterte kleine Clique von Feministinnen weder Zeit noch Mittel noch Begriffe, um den Mann mit all diesen uebelsten Vorwürfen zu belegen.

    Antwort

  8. Hallo Gunnar, danke für den Hinweis! Ich habe den Artikel auch im Text noch einmal verlinkt.

    Viele Grüße!

    Antwort

  9. Ja, das stimmt. Es passt aber vielleicht trotzdem dazu: Wer „rechts“ ist, ist irgendwie lächerlich, hat den Anschluss verpasst und hängt altertümlichen Ideen nach.

    Und natürlich ist er auch gefährlich. Zumindest habe ich den Eindruck, dass „rechts“ in diesem Kontext immer auch irgendwie „rechtsradikal“ bedeutet – der Schritt zu kranken Verbrechern wie Breivik geht für Rosenbrock, Claus und co. ja sehr schnell.

    Das schreib ich ja als Linker. Mir geht es gar nicht darum, die „Rechten“ zu verteidigen – aber wer sich selbst als politisch links einschätzt, sollte schon ein paar mehr Argumente haben, als seine Gegner einfach als „rechts“ einzuordnen und zu meinen, damit sei dann jede Diskussion erledigt.

    Übrigens hat Gunnar Kunz in seinem (hier in den Kommentaren verlinkten) Text über den Tagesspiegel-Artikel gezeigt, wie wenig es manchmal nützt, wenn man sich ausdrücklich von dieser Einordnung als „rechts“ distanziert: „Da es für ihn schwierig wäre, uns rechtes Gedankengut anzuhängen, weil wir kein Hehl aus unseren politischen Überzeugungen machten, blieb ihm nur die Möglichkeit, mit Andeutungen zu operieren, die nichts aussprechen, aber alles suggerieren, für die er sich folglich auch nicht verantworten muss. Zum Beispiel erfand er eine „queer-feministisch-orientalische Boygroup“ vor der Tür des Cafés, auf die wir angeblich negativ Bezug genommen hätten, vermutlich, um uns eine Abneigung gegen Minderheiten zu unterstellen.“

    Antwort

  10. Danke, und viele Grüße zurück!

    Antwort

  11. @ LoMi „Journalisten tragen durch die Sparlogik im Medienbetrieb ein zu enges Korsett, so dass Recherche mittlerweile Luxus ist.“ Ja, das kann gut sein. Das ist dann allerdings m.E. ein Programm des Kaputtsparens. Denn auf dem Markt, auf dem sich Zeitungen behaupten müssen, kommt es ja erst einmal gar nicht darauf an, unter welchen günstigen oder ungünstigen Bedingungen eine Ware – hier die Zeitung – hergestellt wurde. Es geht nur darum, dass sie etwas zu bieten hat, das den Preis rechtfertigt. Das gilt natürlich umso mehr, wenn es kostenlose Alternativprodukte gibt.

    Prinzipiell hätten hier hauptberufliche Journalisten durchaus erhebliche Vorteile gegenüber Bloggern, die ihre Texte in der Freizeit und neben einem Beruf verfassen – Journalisten könnten eigentlich wesentlich substanziellere Texte verfassen.

    Zeitungen nehmen dies aber offenbar nicht als Vorteil wahr, sondern ergeben sich einer Dynamik, in der sie diese Vorteile regelrecht demonstrativ preisgeben. Sie fahren m.E. offenes Auges an die Wand.

    Und dass die relativ erfolgreiche „Zeit“ einen so substanzlosen, aber hetzerischen Artikel wie den von Meßmer und Schildmann veröffentlicht – das ist sicher kein Resultat von Sparzwängen. Eher eines der Skandalisierungslust, die Du auch beschreibst.

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  12. „Journalisten könnten eigentlich wesentlich substanziellere Texte verfassen“

    Ein großer Teil der Journalisten scheint seine Hauptkompetenz darin zu sehen, „Geschichten zu erzählen“, also Wortakrobat zu sein, Emotionen zu erzeugen. Die Substanz wäre dann die literarische. Wenn man mit wenigen Leuten täglich viele Seiten füllen miuß, dann darf man thematisch auch nicht zu eng aufgestellt sein.
    Fachliche oder inhaltliche Substanz stellt höhere Anforderungen, das machen nur noch Wissenschaftsjournalisten, Literaturkritiker o.ä., die bereits spezialisiert auf ein Wissensgebiet sind. Noch einen Schlag fachlich spezialisierter und kompententer ist ggf. investigativerJournalismus, der die Tricks der hauptberuflichen Fachleute durchschaut. Die bekommen aber die Zeitungsseiten mit ihren Themen nicht voll.

    Die „eigentlich wesentlich substanzielleren Texte“ sind vermutlich in der fachlichen Ausrichtung gemeint. Dieser Typus Journalist scheint mit aber nur in Ausnahmefällen wirtschaftlich überlebensfähig. Das gilt sogar für ein Thema wie den Geschlechterkrieg: da kann zwar jeder irhgendwie mitreden, aber auf diesem Gebiet richtig qualifiziert zu sein ist eine große Herausforderung.

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