Eine Kultur der Verharmlosung – Warum Lena Dunham um jeden Preis ein guter Mensch sein muss

„Grace saß aufrecht, brabbelnd und lächelnd, und ich lehnte mich zwischen ihren Beinen herunter und untersuchte ihre Vagina. Sie wehrte sich nicht, und als ich sah, was darinnen war, schrie ich. Meine Mutter kam angelaufen. ‘Mama, Mama! Grace hat etwas da drin!’ Meine Mutter kümmerte sich gar nicht darum zu fragen, warum ich Graces Vagina geöffnet hatte. Das war ganz innerhalb des Spektrums der Dinge, die ich so tat.“ (1)
Was hier Lena Dunham, die mit ihrer Fernsehserie Girls zu Ikone wurde, in ihrer Autobiografie beschreibt, könnte eigentlich im Rahmen normalen kindlichen Verhaltens eingeordnet werden – wenn nicht Grace zum Zeitpunkt des Geschehens gerade einmal ein Jahr alt, Lena schon sieben Jahre alt gewesen wäre.
Über spätere Zeiten – Grace ist jetzt etwa fünf Jahre alt, Lena etwa elf – schreibt Dunham:
„Während sie heranwuchs, ging ich dazu über, ihre Zeit und Zuneigung durch Bestechung zu gewinnen: einen Dollar in Quarters, wenn ich sie als Motorradbraut schminken und ausstaffieren könnte. Drei Süßigkeiten, wenn ich sie für fünf Sekunden auf den Mund küssen konnte. Sie konnte im Fernsehen sehen, was sie wollte, wenn sie sich bloß ‚auf mir ausruhte’. Eigentlich versuchte alles, was ein Sexualtäter (sexual predator – sexuelles Raubtier) zu Werbung um ein kleines Vorstadtmädchen tun würde.“ (2)
Vor einem Jahr, also sechzehn Jahre später, veröffentlichte die mittlerweile sechsundzwanzigjährige Lena Daunham bei Instagram ein Foto ihrer geschminkten kleinen Schwester.
„Zu der Zeit zog ich meine fünfjährige Schwester als ein Hell’s Angels Sexeigentum  an.“ (that time I dressed my 5 year old sister as a Hell’s Angel’s sex property)
Die Fünfjährige ist auf dem Foto – mit Makeup und falschen Brüsten –  deutlich sexualisiert. Das Bild hat über 28.000 Likes auf Instagram.
Wer diesem Menschen Böses unterstellt, kann nur eine dreckige Fantasie haben
Als Lena Dunham siebzehn ist, kommt ihre elfjährige Schwester jede Nacht zu ihr ins Bett.
„Ihr klebriger, muskulöser Körper schlug jede Nacht neben mir ein, während ich Anne Sexton las, Wiederholungen von Saturday Night Life sah, manchmal sogar, während ich die Hand in meiner Unterwäsche hatte, um Sachen herauszufinden.“ (3)
In einer Zeit, in der sexuelle Übergriffigkeit extrem weit definiert wird, in der Männer schon als Belästiger dastehen, wenn sie einer Frau nachschauen – in der amerikanische Universitäten von ihren erwachsenen Studenten erwarten, sich vor dem einvernehmlichen Sex die Bereitschaft zum Sex ausdrücklich zu bestätigen, und in der dieselben Universitäten bei Anschuldigungen sexueller Übergriffe die Regeln fairer juristischer Verfahren abschaffen  – und in der Vierjährige,  Fünfjährige oder Sechsjährige wegen sexuellen Fehlverhaltens belangt werden –
–  in einer solchen Zeit wäre zu erwarten, dass Dunhams offene Äußerungen zu einem großen Skandal werden, von dem sich ihre Karriere nur schwer erholen kann. Doch seltsamerweise geschieht etwas ganz anderes.

Von ganz normalen sexuellen Grenzverletzungen und ganz normalen Millionenklagen Zunächst scheint überhaupt niemand Dunhams Verhalten problematisch zu finden. Dabei ist es das eindeutig: Die junge Lena Dunham ist deutlich älter als die kleine Schwester, sie manipuliert sie dabei gezielt, und ihr Verhalten ist sexuell deutlich grenzverletzend. Auch im Hinblick auf sie selbst war es ein starkes Alarmsignal.
Die erwachsene Lena Dunham wiederum schreibt völlig distanz- und kritiklos darüber, und sie veröffentlicht ihrer begeisterten Anhängerschaft sogar ein Foto der fünfjährigen Schwester als „sexual property“. Das ist eine Verharmlosung und, auf anderer Ebene, auch eine Fortsetzung sexuell grenzverletzenden Verhaltens gegenüber einem Kind. Auch wenn sich in Zeiten von Facebook und Instagram die Maßstäbe für die Veröffentlichung von Kinderbildern verschoben haben: Verwunderlich ist nicht, dass dieses Verhalten kritisiert wird – sondern dass die offene Kritik ausbleibt.
Schließlich wird Dan Shapiro von einer konservativen amerikanischen Website aktiv, die ansonsten so seltsame Publikationen vertreibt wie ein Buch des Autors, in dem er irgendwie nachweist, dass linke Politik gegen alle zehn Gebote verstoße. Er weist in einer Rezension von Dunhams Autobiographie auf die erste oben zitierte Passage hin, bezeichnet das Verhalten als sexuellen Missbrauch – und wird postwendend von Dunhams Anwälten unter Androhung einer Millionenklage aufgefordert, den Artikel zurückzuziehen.
Das tut er nicht, er legt stattdessen mit den anderen Zitaten nach, und Kevin D. Williamson formuliert ganz ähnliche Vorwürfe gegen Dunham in der National Review.
Nun wird sie in anderen Publikationen wütend verteidigt. Das Blog Toy Soldier, das sich auch mit sexueller Gewalt gegen Kinder intensiv auseinandersetzt, reagiert stellvertretend auf eine dieser Verteidigungsschriften, auf Melinda Wenner Moyers Slate-Artikel: Lena Dunham’s Totally Normal Childhood.
Der Toy Soldier-Autor zeigt, wie Wenner wissenschaftliche Schriften selektiv zitiert und eben gerade die wesentlichen Aspekte der Geschichte auslässt, wenn sie Dunhams Verhalten als ganz normales kindliches Verhalten präsentiert.
Sie beruft sich beispielweise auf die American Academy of Pediatrics, die Organisation amerikanischer Kinderärzte, die Verhalten wie das von Dunham als „normales, gewöhnliches“ (normal, common) Verhalten von zwei- bis sechsjährigen Kindern bewerte. Sie lässt aber die ausdrückliche Einschränkung der AAP aus, dass dieses Verhalten „kaum normal“ (rarely normal) sei, wenn zwischen den Kindern ein Altersunterschied von mehr als vier Jahren bestünde und wenn dabei Druck ausgeübt werde.
Statt aber ihre eigene Position sorgfältig zu belegen, attackiert sie Williamson und werfe ihm vor, er würde Millionen anderer, die ganz ähnliche Dinge getan haben, angreifen und demütigen. Übrigens eine für feministische Positionen ansonsten ganz unübliche Sorge darum, dass Menschen nicht mit ungerechten Schuldzuweisungen konfrontiert werden sollten.
Wichtig ist nicht, WAS getan wird – sondern WER es tut Auch deutsche Medien schreiten in heftigen Reaktionen zur Verteidigung Dunhams. Im Stern werfen Sophie Albers und Ben Chamo den Kritikern Dunhams schlicht vor, „eine dreckige Fantasie“ zu haben. Dunham müsse sich gegen „abstruse Vorwürfe von Radikalkonservativen“ verteidigen, die von „rechtsradikalen Verwirrten“ erhoben worden seien. Dunham sei
„eine schillernde, hüpfende, selbstironische, grenzenreißende Gallionsfigur des Post-‚Sex and the City‘-Feminismus“
und werde unter andrem deshalb zur Zielscheibe, weil sie „liberal denkt und spricht“.
Ganz ähnlich ist sich auch Julia Rothhaus in der Süddeutschen Zeitung ohne weitere Begründung sicher, dass der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs an Dunham „absurd“ sei und dass es den Kritikern vor allem um „die Bekämpfung linker Meinungsmacher“ ginge.
Anne Waak formuliert in der Welt noch drastischer.
„Für jeden und jede der jetzt heranzitierten Sexualpädagogen und Entwicklungspsychologinnen gehört der in aller Unschuld beschriebene Vorfall zum Spektrum gesunder kindlicher Neugier. Gestört sind ganz offenbar diejenigen, die einer Siebenjährigen Missbrauch unterstellen.“
Das stimmt zwar nicht, aber es geht schließlich um eine gute Sache, nämlich um die Verteidigung einer Pop-Ikone gegen „konservative US-amerikanische Spinner“. Anders ausgedrückt: „Die Antifeministen schlagen zurück.“ Natürlich ist es gar nicht erst nötig, sich über deren Vorwürfe Gedanken zu machen:
„Dunham selbst hat die Anschuldigungen zu Recht vollkommen lächerlich genannt. Widerlich und verletzend sind sie allerdings auch.“
Dass jemand die Vorwürfe gegen Dunham unbegründet findet, ist durchaus noch verständlich. An diesem Fall könnte also eigentlich diskutiert werden, ob die enorme Ausweitung der Kriterien für sexuelle Übergriffe, die gerade von feministischen Aktivistinnen propagiert wird, eigentlich sinnvoll ist – und ob dabei nicht Handlungen, die durchaus unschädlich sind, zu schwerwiegenden Übergriffen erklärt werden.
Aber eben um eine solche Diskussion geht es den Verteidigerinnen von Dunham nicht. Als hätte es nie feministische Angriffe auf naive Konzeptionen von Normalität gegeben, erklären sie Dunhams Verhalten mit großer Selbstverständlichkeit für normal, lassen dabei unbekümmert wesentliche Fakten aus und verzerren Stellungnahmen von Fachleuten. Achdomina kommentiert in einem Blogbeitrag völlig zutreffend:
„Aber die Liberalität und Empathie, mit der jetzt Lena Dunhams Umgang mit ihrer kleinen Schwester diskutiert wird, fehlen völlig, wenn es um Fälle geht, an denen ein Mann und eine Frau beteiligt sind, und diese Fälle machen nun einmal den Großteil menschlicher Sexualität aus.“
Hätte eine Frau berichtet, dass ein sechs Jahre älterer Bruder das mit ihr gemacht hat, was Dunham mit ihrer Schwester machte – hätte dieser Bruder gar, als erwachsener Mann, seiner begeisterten und vieltausendfachen Anhängerschaft ein aufbewahrtes Foto seiner kleinen Schwester als „sex property“ wie eine Trophäe bei Instagram gepostet – dann hätte mit Sicherheit niemand in der feministischen Blogosphäre und in feministisch orientierten Medien daran gezweifelt, dass diese Frau zum Opfer sexuell missbräuchlichen Verhaltens geworden ist.
Das eben ist ein enormes Problem solcher Stellungnahmen wie der von Rothhaus, von Waak, von Albers und Chamo: Ihnen geht es gar nicht darum, anhand des Falles Dunham allgemein die Tragfähigkeit der Missbrauchskriterien zu diskutieren. Für sie geht es lediglich darum, WER sich gegenüber Kindern grenzverletzend verhält.
Unterschwellig, aber deutlich vermitteln die Journalistinnen der Süddeutschen Zeitung, der Welt und des Stern wie ihre amerikanischen Kolleginnen damit eine fatale Botschaft: Sexuelle Verletzungen der Grenzen von Kindern wären nicht weiter schlimm, wenn die Grenzen nur von den richtigen, guten Menschen verletzt würden, zum Beispiel eben durch eine „schillernde, hüpfende, selbstironische, grenzenreißende Gallionsfigur“.
Eine Kultur der Verdächtigung und eine Kultur der Verharmlosung Achdomina schreibt über die erheblichen Ausweitungen des Gewaltbegriffs, gerade in sexueller Hinsicht:
„Diese expandierenden Definitionen verwischen nicht nur die Grenze zwischen traumatischen und bloß unangenehmen Erfahrungen und zwischen Verbrechen und Ungeschicklichkeiten. Die Aufweichung der Rechtsstaatlichkeit, die mit ihnen einhergeht, könnte sich für die Verantwortlichen schneller und direkter rächen als gedacht – sie haben nämlich auch den Nebeneffekt, dass ihnen zufolge auch immer mehr Frauen als Vergewaltigerinnen einzustufen sind.“
Offensichtlich aber rächt es sich nicht. Es ist erstaunlich, wie selbstverständlich Dunham in einer aufgeheizten, gegenüber sexuellen Übergriffen hypersensiblen öffentlichen Debatte offenbar davon ausging, dass ihre Sexualisierung der viel jüngeren Schwester kommentarlos hingenommen, vielleicht gar als prickelnde Sensation ihre Autobiographe attraktiv machen würde.
Erstaunlich ist auch, wie sehr sie damit recht behielt. Was Wenner, Waak und andere publizieren, ist von einer radikalen Kritiklosigkeit, die sich an sich selbst immunisiert. Von Publizisten mit einem irgendwie „linken“ Selbstverständnis kommt kein Wort des Einspruchs, die naheliegende Kritik wird zunächst völlig selbstverständlich Konservativen überlassen. Das aber eine „linke“ Kritik fehlt, wird von ihnen dann nicht etwa als Problem wahrgenommen, ganz im Gegenteil: Da die Kritik ja offensichtlich „rechts“ sei, sei es gar nicht nötig, sich ernsthaft mit ihr zu befassen.
Dass die
„Grenze zwischen traumatischen und bloß unangenehmen Erfahrungen und zwischen Verbrechen und Ungeschicklichkeiten“
verwischt wird, hat offenbar eine doppelte Wirkung, von der auch in der männerrechtlichen Diskussion bisher vor allem eine Seite betont wird. Einerseits nämlich führt diese Verwischung dazu, dass auch bloß unangenehmes, ungeschicktes Verhalten als schwerer Übergriff präsentiert werden kann. Andererseits – und dieser Aspekt verdient wohl größere Aufmerksamkeit – führt es auch dazu, dass tatsächlich übergriffiges Verhalten als harmlos dargestellt werden kann.
Auf der einen Seite entsteht so eine Kultur der Verdächtigung und der beliebigen Unterstellung – getrieben von der Annahme, wir würden in einer rape culture leben, in der die Vergewaltigung von Frauen durch Männer bestenfalls als Kavaliersdelikt erscheine.
Andererseits wird aber tatsächlich eine Kultur der Verharmlosung etabliert, die Gewalt, darunter auch erhebliche sexuelle Grenzverletzungen gegenüber Kindern, als harmlos erscheinen lässt – solange diese Grenzen nur nicht von den angeblich Herrschenden verletzt werden.
Die Idee eines Patriarchats, einer umfassenden Männerherrschaft wirkt sich hier also doppelt destruktiv aus.
Zu der beschriebenen Kultur der Verharmlosung gehört natürlich nicht jeder, der Dunhams Äußerungen nicht so skandalös findet wie die Kritiker. In meinen Augen ist beispielweise das dritte Zitat nicht notwendig gravierend – Dunham beschreibt hier schließlich nicht, dass sie beständig neben ihrer kleinen Schwester masturbierte, sondern dass ihre Schwester auch dann zu ihr in Bett steig, wenn sie gerade ihre Hand in ihrer Unterwäsche hatte. Das reicht für Missbrauchsvorwürfe nicht aus.
Zu einer Kultur der Verharmlosung gehört aber gewiss die „gleichgeschaltet“ (Arne Hoffmann) wirkende, gedankenlose Selbstverständlichkeit, mit der viele Journalistinnen in Massenmedien Dunham völlig kritiklos verteidigen und die eigentlich unverkennbare Problematik ihres Verhaltens herunterspielen.
Vorläufig lassen sich zwei Aspekte dieser gewaltverharmlosenden Kultur beschrieben:
1. Die Bewertung gewalttätigen oder sexuell grenzverletzenden Verhaltens ist in feste, betonierte Freund-Feind-Strukturen eingebettet. Selbstkritik oder Kritik an den eigenen Ikonen erscheint hier als Verrat, der dem „Feind“ in die Hände spielt. Dessen Kritik wiederum könne grundsätzlich nicht gut begründet sein, weil sie schließlich lediglich vorgeschoben sei, um anderen, illegitimen Interessen zu dienen.
2. Wesentlicher Bezugspunkt ist nicht das, WAS Menschen und insbesondere Kindern getan wird, sondern WER es tut. Das Verhalten einer feministischen Pop-Ikone müsse offenkundig anders bewertet werden als das eines beliebigen heterosexuellen Mannes. Keineswegs bedeute das übrigens, dass hier double standards angelegt würden. Schließlich sei das Verhalten von Menschen, die zu den Machtlosen in der heterosexuellen, patriarchalen Ordnung zählen, ganz anders zu bewerten als das Verhalten derjenigen, die sich unentwegt ihre patriarchale Dividende auszahlen lassen könnten.
Dass gleichgeschaltet wirkende, wütende Verteidigungen sexuell missbräuchlichen Verhaltens völlig problemlos in deutschen Massenmedien erscheinen konnten, ist ein starkes Indiz dafür, dass die Rede von einer Kultur der Verharmlosung begründet ist. Es gibt viele weitere Beispiele für eine solche Kultur –  es ist also wichtig, auf das Thema zurück zu kommen.
Die längeren Passagen aus Dunhams Autobiografie habe ich aus dem Artikel übernommen, den Christian bei Alles Evolution zu dem Fall veröffentlicht hat. Ich habe sie selbst übersetzt, hier sind die Originalversionen:

(1) Grace was sitting up, babbling and smiling, and I leaned down between her legs and carefully spread open her vagina. She didn’t resist, and when I saw what was inside I shrieked. My mother came running. “Mama, Mama! Grace has something in there!” My mother didn’t bother asking why I had opened Grace’s vagina. This was within the spectrum of things that I did.

(2) As she grew, I took to bribing her for her time and affection: one dollar in quarters if I could do her makeup like a “motorcycle chick.” Three pieces of candy if I could kiss her on the lips for five seconds. Whatever she wanted to watch on TV if she would just “relax on me.” Basically, anything a sexual predator might do to woo a small suburban girl I was trying.

(3) Her sticky, muscly little body thrashed beside me every night as I read Anne Sexton, watched reruns of SNL, sometimes even as I slipped my hand into my underwear to figure some stuff out.

  1. Mit denselben Begründungen, die hier zitiert werden, hätte man die Odenwaldschule weitermachen lassen müssen: Deren Führungskräfte und die pädophilen Lehrer haben /alles/, was den Kindern und Jugendlichen angetan wurde, mit dem angeblich fortschrittlichen »pädagogischen Ethos« begründet.

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  2. @stefanolix
    Das ist genau der Punkt – sie heben eine Karte in die Luft und darauf steht, „fortschrittlicher Ethos“ aka „schwule Minderheit“.

    Und prompt fragt keiner mehr nach, was denn eigentlich wirklich „fortschrittlich“ ist oder „ethisch“ – weil nämlich genau die, die diesem Markenlabel folgen auch die sind, die es geprägt haben.
    Und die waren gar nicht schwul oder lesbisch, sondern nur unglaublich denkfaul und narzisstisch.
    Welche fortschrittliche oder ethische Haltung verbirgt sich hinter „schwul“ oder „lesbisch“?
    Gar keine. Es ist eine sexuelle Orientierung keine politische Haltung, es ist noch nicht einmal eine politische Meinung.
    Genau die, die jedoch „Theorie“ basiert feststellten, eine minoritäre sexuelle Orientierung führe automatisch zu einer widerständigen Haltung, haben logisch deduziert, dass „schwul“ oder „lesbisch“ fortschrittlich ist.
    Damit wurde „Fortschritt“ zu einer essentiellen Eigenschaft einer sexuellen Orientierung – man wird also in den Fortschritt quasi hineingeboren.
    Westerwelle ist es, wie auch Ole von Beust und Wowereit – FDP, CDU, SPD – alles ein und derselbe Fortschritt.
    Und niemand braucht für „Fortschritt“ wirklich etwas fortschrittliches zu tun oder zu begründen, warum es überhaupt einen Fortschritt im Verhältnis zu irgendwas ist!
    Ist das nicht toll?

    Meine persönliche Theorie ist, dass alle BefürworterInnen eine leistungslosen Grundeinkommens das haargenauso sehen.

    Und weil es immer noch blöder geht, sieht der heutige Fortschritt eines durchschnittlichen Pseudo-Linken Hirnwurms so aus:
    Eine „schillernde, hüpfende, selbstironische, grenzenreißende Gallionsfigur“.

    Womit Lena Dunham hinreichend beschrieben ist – oder Eva Braun.

    Das ist keine reine Provokation von mir und auch keine Gleichsetzung von Lena Dunham mit einer Nazi-Frau, sondern nur der Beweis, dass hier eine Debatte stattfindet, die auf jegliche inhaltliche Rechtfertigung der eigenen Position verzichtet.

    Und meine Mutmaßung ist, dass sich da auch nichts befindet.
    Ergo genau deshalb die Diskussion so geführt wird, wie sie geführt wird.

    Gruß, crumar

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  3. @ stefanolix Ich hab auch an die Odenwaldschule gedacht. Dabei geht es ja nicht darum, dass etwa das, was Dunham gemacht hat, genauso schlimm wäre wie die Verbrechen der Odenwald-Lehrer. Sondern um die Begründung: Wir befinden uns in einem harten politischen Kampf, mit gewissenlosen Feinden – da spielt Kritik an uns nur der Reaktion in die Hände. Sogar die Wortwahl ist ähnlich – gleich in zweien der zitierten Artikel werden die Kritiker Dunhams schlicht als „verklemmt“ hingestellt.

    Wer hingegen für eine progressive Position steht, kann eigentlich ja gar nichts wirklich böse meinen, oder?

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  4. @ crumar Muss gleich zur Schule, daher jetzt erstmal nur ganz kurz: Ich sehe das ganz genauso, dass es bei diesen Positionen um Posen geht, nie um Analysen. Dafür ist Wizorek ein herausragendes Beispiel. Es ist überhaupt nicht verwunderlich, dass kaum jemand ihrer Anhänger an ihrem Buch interessiert ist, auch wenn es intensiv in den Medien beworben wurde. Um eine Pose einzunehmen, ist die Länge eines Buches eher hinderlich – 140 Twitterzeichen hingegen sind dafür genau das Richtige.

    Antwort

  5. @Lucas
    „Ich sehe das ganz genauso, dass es bei diesen Positionen um Posen geht, nie um Analysen. Dafür ist Wizorek ein herausragendes Beispiel.“

    Wizorek steht m.E. nur für den beschleunigten Verfall (selbst der Posen) und sie kann auf gar keinen Fall alleine daran Schuld haben. Irgendwer muss ihr an der Uni oder im realen Leben doch gesagt haben, dass alleine ihr Stil eine Katastrophe ist. Oder nicht?! Und wenn nicht, warum nicht?

    „Sexistische Kackscheiße“, „Kackscheiße“, „verkacken“ – wir könnten ein großes Telefon Ratespiel starten (jeder Anruf 50 Cent): „Mit Freud gedacht, in welchem Stadium der psychischen Entwicklung sind diese Menschen stecken geblieben?“
    a. banale Phase b. anale Phase
    Infantil ist das neue feministisch…

    Meines Erachtens geht es seit einigen Jahren intellektuell nur noch bergab. In dem Buch „Tussikratie“ (auf S. 43) steht ja die wunderschöne Passage, wonach Frauen und Männer gar keine erheblichen Unterschiede in ihrem räumlichen Denkvermögen aufweisen, sondern das wäre nur eine Frage der geschlechterspezifischen Strategie. Sie meinen das Folgende wirklich ernst und äußern zustimmend:
    „Männer dächten eher abstrakt in Metern und Himmelsrichtungen, Frauen orientierten sich häufiger an Bäumen und Supermärkten.“
    Himmel hilf. Hätte ich das in meiner marxistischen community von mir gegeben, hätte man mich an den Eiern aufgehängt.
    Frauen zu unterstellen, sie würden sich letztlich nicht mit Abstraktionen orientieren können und das wäre gleichwertig zur Orientierung an Bäumen und Supermärkten (!!!).

    Zurück zu Lena Dunham und deinem Beitrag – ich bleibe auch hier dabei, dass sich die Vorgehensweise letzlich aus ihrer genderistischen / poststrukturalistischen Theorie ableiten lässt.

    Der epistemische Relativismus erschafft notwendig die Ursuppe, die sie dann wiederum durch die (subjektivistische) Standpunkttheorie in eine Form bringen müssen. Also die Leugnung der Möglichkeit, es ließen sich aus einer empirischen Realität Erkenntnisse gewinnen oder Aussagen über diese Realität. Über die dann an Hand dieser Realität ein Urteil wie „richtig“ oder „falsch“, „wahr“ oder „unwahr“ gefällt werden kann.

    Jedoch gibt es Subjekte oder Gruppen von Subjekten, die „bessere“ oder „schlechtere“ Erkenntnisse gewinnen können.
    Wikipedia zu dieser feministischen Standpunkttheorie: „Tendenziell sei der Blickwinkel einer dominierten Gruppe für eine objektive Wahrnehmung besser geeignet als
    die Perspektive vom Standpunkt einer herrschenden Gruppe.“

    Und welches Geschlecht ist die Dominanz vor dem Herrn?
    Und wer wird immer und immer nur dominiert? Na bitte!

    Teil 1

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  6. @Lucas Teil 2

    Die Identitätspolitik (vor allem in den USA) hat es m.E. mit sich gebracht, dass nicht mehr die Linke Vorgaben macht und orientiert an Hand von Prinzipien bspw. der französischen Revolution, sondern dass die Linke sich orientiert an der kleinsten gemeinsamen Schnittmenge von identitären Grüppchen.
    Da hat es sich dann mit „Freiheit, Gleichheit und Menschlichkeit“ (allein in „Menschlichkeit“ ist viel zu wenig gender und zu viel patriarchale Konstruktion) und übrig bleibt der WHM.

    Seit Michael Kimmel spätestens wissen wir, dass wir alle übel ärgerliche Ärgernisse sind und Rosowski ordnet uns politisch sauber ein: „Mit besonderem Bezug auf den von Kimmel in seinem Vortrag gewählten Fokus auf rechtsextreme Männlichkeitsinszenierungen unterstrich Rosowski, dass sich im „weltanschaulichen Gebilde“ des „Maskulismus“ einige zentrale Bezugspunkte finden, die auch „in den Ideensystemen nationalistischer und neonationalsozialistische Bewegungen“ vorhanden seien, etwa „Antifeminismus sowie mytho-poetisch inspirierte Männlichkeitsstereotype“. 

    Antifeminismus ist irgendwie auch neonationalsozialistisch (was auch immer das ist); also auf jeden Fall rechts. Hingegen „eine schillernde, hüpfende, selbstironische, grenzenreißende Gallionsfigur des Post-'Sex and the City'-Feminismus“ selbstredend links. Was auch immer das bedeutet. Im Zweifelsfall würde ich meinen: Gar nichts und ebenso wenig existent wie „grenzenreißend“.

    Lena Dunham unterscheidet sich also als WHF wenigstens in ihrem Geschlecht, also dem sex, und das reicht aus für diese feinsinnige Unterscheidung: „Wichtig ist nicht, WAS getan wird – sondern WER es tut.“
    Genau. Auf das lässt es sich dann reduzieren.
    Eine Frau, eine Frau, die hat immer Recht…
    Da stand früher „Partei“, man kann es aber auch so mitsingen – die Standpunkttheorie hieß ja früher auch „Klassenstandpunkt“. Warum selber nachdenken, wenn man einfach nur plagiieren kann?

    Mein Vorschlag: Das höchste Stadium des Post-“Sex and the City“-Feminismus ist der pathologische Feminismus (bzw. pathologische FeminismEN).

    Schönen Gruß an Dich, crumar

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  7. Die hier sichtbare Doppelmoral hat eine Begründung. Im Feminismus. Denn da wird das z.B. so durchdekliniert:
    Sexuelle Belästigung oder gar Gewalt ist etwas, was Männer machen. Das ist nicht so, weil Männer so sind, sondern weil Männer die vom Patriarchat Begünstigten sind. Sexuelle Belästigung ist ein Teil der patriarchalen Machtstrategie. Sie wird durch Männer vorgenommen, um Frauen kleinzuhalten, um sie überhaupt zu Frauen in ihrem Sinne zu machen.

    Deshalb ist die Sache scheinbar klar:
    Belästigung und Vergewaltigung als Herrschaftspraktiken können nur durch die Herrschenden ausgeübt werden. Für die Unterdrückten gilt das nicht. Was sie tun, ist ja keine Herrschaftsausübung. Wenn Männer etwas tun, ist es Ausdruck von Macht. Wenn Frauen etwas tun, auch sexuell, ist es immer eher Ausdruck der Befreiung von Herrschaft. Demnach sind Frauen nicht schuldig, weil sie nicht herrschen.

    Hier mal der feministische O-Ton dazu:

    „In der gegenwärtigen Gesellschaft kommt der Kategorie Geschlecht eine zentrale Funktion als Ordnungskriterium und Orientierungsmuster in Vergesellschaftungsprozessen zu. Die patriarchale Geschlechterordnung ist dabei fundamental von Machtstrukturen durchdrungen, in der das Männliche die dominante Position einnimmt. Mit der Naturalisierung und Normalisierung dieser Hierarchisierung der Differenz wird die Ungleichheit in die Körper eingeschrieben. Die dichotome Unterschiedlichkeit der Geschlechter mit der damit einher gehenden Zwangsheterosexualität erscheint damit als natürliche, unveränderliche Tatsache, die kaum mehr hinterfragt werden kann.

    Hegemoniale Männlichkeit ist eng mit Vorstellungen von Stärke, Macht und Aggressionen verknüpft und die Demonstration von Gewaltbereitschaft gehört zum herrschenden Selbstverständnis. Männlichkeit wird über die Abwertung des Weiblichen konstituiert und wird in alltäglichen Praxen der Unterwerfung reproduziert. Die Dominanz wird dabei vor allem über sexuelle Potenz vermittelt, es kommt so zu einer Koppelung von Sexualität und Gewalt. In patriarchalen Gesellschaften ist Sexualität mit der Macht von Männern verbunden, ein Recht auf deren Ausübung zu postulieren. In sexistischen Vorstellungen werden Frauen zu Objekten gemacht, in denen sich Minderwertigkeit mit Passivität und sexuelle Verfügbarkeit vermeintlich vereinen. Mit der Sexualisierung von Gewalt werden dabei erst die Voraussetzungen produziert, um einen Penis als Waffe benutzen.
    Sexuelle Gewalt ist konstitutiver Kern und strukturelles Merkmal der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung, über die Menschen erst zu Männern und Frauen gemacht werden. Sexuelle Gewalt findet alltäglich und in den verschiedensten Formen statt. Es ist eine gesellschaftlich verankerte Praxis, in der männliche Macht immer wieder erzeugt wird und Frauen in einem Zustand der Angst und Minderwertigkeit gehalten werden sollen.“

    http://asbb.blogsport.de/2008/03/23/when-my-anger-starts-to-cry/

    Antwort

  8. Wenn ich das lese, dann könnte ich den Eindruck bekommen, die westliche Welt befindet sich in einem schrecklichen Bürgerkrieg. Welch' eine verzerrte Wahrnehmung! [KlausT]

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  9. Lieber crumar,

    einen schönen Gruß zurück!

    Du hast natürlich recht – Wizorek ist natürlich nicht Schuld an der beschriebenen Entwicklung. Ich fand es nur so interessant, dass es zwar einen großen Wirbel um ihr Buch gab – dass sich aber eigentlich kaum jemand dafür interessierte, es tatsächlich auch zu lesen. Mit Ausnahme von ganz wenigen Anhängerinnen- und mit der Ausnahme von Kritikern, die wohl weit und breit die einzigen waren, die sich mit dem Text ernsthaft auseinandergesetzt haben.

    Meine Erklärung dafür ist eben: Eigentlich erwartet niemand von Wizorek irgendwelche ernstzunehmenden Analysen es geht um Posen. Und für eine Pose ist so ein Buch eigentlich viel zu dick.

    Ich hab mich beim Lesen deines Kommentars gefragt, worauf der „epistemische Relativismus“, also die Leugnung gültiger Erkenntnis eigentlich basiert. Mir fallen zwei Grundlagen ein.

    Einerseits bewegen sich Menschen, die ihn vertreten, offenbar in sehr engen sozialen Kontexten. Wer eine umfassende soziale Interaktion sinnvoll gestalten will, über verschiedene Milieus und Kulturen hinweg – der muss schon mit der Perspektive arbeiten, dass es eine allen gemeinsame Realität gibt (auch wenn die Perspektiven darauf vielleicht verschieden sind). Dass kann man auf Dauer eigentlich nur dann leugnen, wenn man der Notwendigkeit enthoben ist, über die Grenzen des eigenen Milieus hinweg mit anderen Menschen sinnvoll interagieren zu müssen.

    Zweitens ist der „epistemische Relativismus“ nur dann haltbar, wenn man wesentlichen pragmatischen Handlungszwängen enthoben ist. Wenn man hingegen beständig basale Notwendigkeiten des Lebens absichern muss, dann ist man darauf angewiesen, dass die eigenen Handlungshypothesen tragfähig sind.

    Man kann die Vorstellung einer gültigen, vernünftig zwingenden Erkenntnis eigentlich nur dann leugnen, wenn man sich gar nicht groß darum kümmern muss, ob das, was man sich so überlegt, eigentlich auch FUNKTIONIERT.

    Beide Aspekte, sowohl die Begrenzung auf enge Milieus als auch die Entkopplung von pragmatischen Handlungszwängen, machen eigentlich deutlich, dass dieser epistemische Relativismus sich nur in relativ engen und privilegierten sozialen Gruppen entwickeln kann – deren Mitglieder es als ganz selbstverständlich wahrnehmen, dass ihnen unangenehme lebensnotwendige Arbeiten von anderen abgenommen werden.

    (Ziemlich genau so hat übrigens Dewey das Dilemma der klassischen griechischen Philosophie beschrieben – und ihre ungelösten Dichotomien auf soziale Spaltungen zurückgeführt. Aber zugegeben, die klassischen griechischen Philosophen haben auf höherem Niveau argumentiert als heutige Helden wie Kimmel oder Connell :-).

    Antwort

  10. @ Klaus Bei dem Wort „Bürgerkrieg“ hab ich zunächst ein wenig gezuckt, es passt hier aber sehr gut. Es gibt einen solchen Krieg nicht, aber er wird beschrien (die demokratische Partei in den USA ist damit allerdings ja gerade auf Sand gelaufen). Die Beschreier wiederum fühlen sich, da ja Krieg herrscht, an zivile Regeln nicht mehr gebunden – z.B. die Erwartung, Situationen ab und zu auch aus der Perspektive der anderen Beteiligten zu sehen. Solch eine Perspektivübernahme hat man bei Feinden natürlich nicht nötig.

    @ LoMi Ein ziemlich erschreckendes Zitat. Ich hab mir auch den Link angeschaut – in diesem Stil geht es Absatz um Absatz weiter. Eigentlich wirkt das wie ein Spiel: Hier hast Du verschiedene Versatzstücke, und jetzt musst Du damit begründen, warum wir in einer Männerherrschaft leben.

    Aber Achtung: Männer in DEM Sinne gibt's gar nicht, Geschlechter sind alle nur sozial konstruiert. Und: Du musst unbedingt Sex und Gewalt mit einbauen. Also, denn man los….

    Es entwickelt sich dabei aber eine Weltsicht, die sich gleichsam an sich selbst gegen Einwände immunisiert.

    „Die zusammengetragenen Einwände gegen die Definitionsmacht stellen in ihrer Gesamtheit einen Angriff auf diejenigen Menschen dar, die von sexueller Gewalt betroffen sind. Sie werden durch das Nicht-Einräumen ihrer Definitionsmacht wiederholt mit ihren bitteren Erfahrungen und den daraus resultierenden Traumatisierungen konfrontiert. Dabei werden die Betroffenen doppelten und dreifachen Grenzüberschreitungen, die die erlebte erste Aggression und Gewalterfahrung wiederholen, ausgesetzt.“

    Also mit anderen Worten: Wer nicht dem Opfer von Gewalt Definitionsmacht darüber einräumt, was Gewalt ist und wie sie ausgeübt wurde – wer darauf beharrt, dass es noch eine gemeinsame Realität gibt, zu der alle Zugang haben – der wiederholt die Gewalt, der handelt wie ein Vergewaltiger.

    Das ist möglicherweise ein wichtiger Bestandteil des „epistemischen Relativismus“, von dem crumar oben schreibt – dass Erkenntnis (nicht höhere Erkenntnis, sondern ganz einfache pragmatische Erkenntnis alltäglicher Realitäten) dort beständig massiv moralisiert wird.

    Dass es daher regelrecht eine BÖSE Art von Erkenntnis gibt. Nämlich die, die sich dem Definitionsmacht-Konzept nicht beugt.

    Antwort

  11. Ich denke man kann Lena Dunham als Versuch eines weibliche/feministischen Äquivalents zum männlichen BadBoy oder sogar Villain verstehen, der/die durch unbekümmerte Grenz- und Regelverletzungen Stärke und Unabhängigkeit demonstriert. Viele Medien scheinen diese Rollenschöpfung mitzuspielen und eine der weiblichen Begeisterung für diese männliche Rolle ähnliche Zustimmung kreieren zu wollen. Aber ich bezweifele irgendwie sehr stark, dass irgendein echter Mann das sexy finden wird, was jenseits des Beweises, dass eine Frau das tun kann, wohl der Zweck sein müsste? Ich frage mich wie lange der Feminismus braucht um zu begreifen, dass so eine weibliche Rolle einfach nicht funktioniert?

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  12. @Lucas
    Du bist einfach noch viel zu männlich.
    Du willst ein Problem lösen – dabei wissen wir doch seit sehr langer Zeit, dass Frauen nur umarmt werden wollen…
    Hach!

    Lucas. folgende Rechenaufgabe: dein Sohn hat dir Kindergeld in Höhe von Summe X gebracht, die realen Kosten deines Sohns waren Summe Y pro Monat.
    WER hat die Differenz bezahlt und welches Geschlecht hatte dieser Mensch.
    Was hast du, was habt ihr darauf folgend darauf folgend getan?
    Wer hat die Erziehungsarbeit verrichtet und (im Schnitt der Bevölkerung) welche Qualifikation hatte er oder sie für diese Arbeit?
    Wenn im Gesetzbuch steht, das Familieneinkommen wird hälftig geteilt, wer profitiert von welcher Hälfte auf der Basis der letzten Frage?
    Mache einen Stapel „gesellschaftlicher Wert“ der Arbeit und schaue dir an, in welche Richtung das Geld fließt.

    Angenommen ihr trennt euch, wie hoch ist der Betrag, der in Richtung Kind fließt – errechne die Differenz zwischen dem Kindergeld und dem dann fälligen Betrag.
    Mach dir klar, welche Summen fällig werden, wenn „Betreuung“ = Erziehung genannt werden und welche Summen vorher fällig wurden unter der Fragestellung qualifizierte vs. unqualifizierte Arbeit (im gesellschaftlichen Schnitt).
    Unter welchem Vorzeichen genau wird de Summe eigentlich eine Summe – wie wird die Arbeit zu Geld?

    Wer rechnet beim Kindergeld vs. realen Kosten mit einem Geschlecht und wer stellt dann die realen Kosten in Rechnung?

    Tipp: Fängt mit P. an – endet aber nicht zu unseren Gunsten.

    Liebe Grüße, crumar

    Antwort

  13. Schoppe

    ja, diese Webseite ist gruselig. Sie löst unangenehme Gefühle aus. Ich habe in den letzten Tagen mehrere solche Texte gelesen. Sie alle erzeugen das Gefühl von Überwachung und Rechtfertigungspflichten.

    Gegen Männer wird ein Generalverdacht erhoben:

    „In einer Gesellschaft, in der Männlichkeit über sexuelle Potenz demonstriert wird und Frauen als minderwertig und entweder ohne eigene oder aber mit einer suspekten, gefährlichen Sexualität gesehen werden, gibt es einen fließenden Übergang von ´normalen´ sexuellen Praktiken und Vergewaltigungen. Obgleich übergriffiges Verhalten in dieser Gesellschaftsordnung grundsätzlich in männliche Sexualität eingeschrieben ist…“

    Männliche Sexualität = grundsätzlch übergriffig. Damit ist also männliches Verhalten immer schon schuldbehaftet.

    Das Problem dieser Texte:
    Es wird letztlich gewöhnliches sexuelles Verhalten kriminalisiert, denn wer ein „Nein“ nicht akzeptiere, sei bereits „Täter“. Hier werden sämtliche Unterscheidungen zwischen unterschiedlichen Schweregraden der „Tat“ komplett verwischt. Vergewaltigung ist die rohe Gewalt, aber auch schon das Nichtakzeptieren eines „Nein“ und sei es nur kurzfristig, wird auch schon als Vergewaltigung gelabelt.

    Männer als Profiteure und Herrscher werden allesamt als potenzielle „Täter“ gesehen. Der Tat wird gleichzeitig generell eine Absicht unterstellt, sie gilt in jedem Fall als Herrschaftsinstrument, so dass man die „Täter“ gar nicht mehr fragen muss.

    Der Tatcharakter ergibt sich aus den Herrschaftsverhältnissen, so dass harmlose Aktivitäten eben „Tat“ sind, weil Teil der Machtstrategie. Nicht der Schaden, der durch eine Tat entsteht, macht diese zum Skandalon, sondern dass sie Teil der Herrschaft sei.

    Weil Frauen nicht herrschen, sind ihre Handlungen keine „Taten“ im kriminalistischen Sinne. Ihre Absichten sind lauter und das generell, weil sie ja komplett von der Herrschaft ausgeschlossen sind.

    Wenn man das alles glaubt, dann kann man Frau Dunham auch unschuldig finden oder es richtig finden, dass man Frauen generell nie mehr ins Gefängnis steckt.

    Ich frage mich freilich: Wie hält die Szene das selber aus? Das sind ja Texte, die auch im Zusammenhang mit Verhaltensregeln in Jugendzentren der Szene stehen und die als „Hausordnung“ dafür sorgen sollen, dass es keine „sexistischen Übergriffe“ etwa bei Konzerten gibt. Das muss doch anstrengend sein, weil man sich als Mann sehr schnell Rechtfertigungserwartungen gegenüber sieht.

    Antwort

  14. Sorry für den Spam, aber ich bin so dermaßen negativ fasziniert von dem Zeug.
    Der oben zitierte Text klingt sehr ähnlich wie das hier von Anita Heiliger:

    „Dieses in den meisten Gesellschaften in der Welt vorherrschende System der Geschlechterhierarchie gilt weitgehend als quasi natürlich und suggeriert eine Selbstverständlichkeit der Verfügung von Männern über Frauen, die sich in alltäglichen Formen der Unterdrückung, Entwertung und Funktionalisierung bis hin zu Übergriffen und massiver Gewalt niederschlägt (vgl.Bericht.. 1995). […].
    Die alltäglichen Formen der Männergewalt sind es, die das Verhalten aller Frauen steuern, aber sie stehen auf dem Hintergrund der Angst vor brutaleren Formen der (insbesondere sexuellen) Gewalt (vgl. Brownmiller 1978). Die Duldung der alltäglichen Formen der Gewalt auf der Seite der Frauen dient u.a. der Hoffnung, schlimmeren Formen der Gewalt zu entgehen. Bagatellisierung oder Leugnung von Männergewalt durch Frauen selbst kann daher als Unterwerfung und Angstvermeidung interpretiert werden: Täterschutz soll Selbstschutz erzielen.“

    http://www.anita-heiliger.de/htm/Aktiv%20gegen%20M%E4nnergewalt.%20Artikel.pdf

    Immer wieder dieser pauschal unterstellte Konnex zwischen Herrschaft und Gewalt als deren Ausübungsform. Alles wird zu einem systemischen Problem gemacht. Männer erscheinen hier nie als Individuen, sondern gewissermaßen als Automaten, die strikt die Imperative des Patriarchats umsetzen. Nicht einmal im Konfliktfall handeln sie eigensinnig, sondern folgen lediglich der für die „männlichen Herrschaft“ angeblich unabdingbaren Unterwerfungsstrategien. Ihnen wird dabei nicht einmal Impulsivität und Emotionalität zugestanden, sondern bloß Machtkalkül.

    Antwort

  15. @Lucas Teil 1

    Mist, das ist ohne eine ellenlange Erläuterung der Voraussetzungen komplett unverständlich, ist mir gerade klar geworden!
    Ich schreib es mal ein wenig ironisch um.

    Was ich damit sagen wollte, das „Patriarchat“, unsere legendär patriarchalische Gesellschaft, kann sich auf folgendes verlassen:

    1. Wenn der Betrag, der als Kindergeld gezahlt wird noch nicht einmal existenzsichernd ist, geschweige denn die realen Kosten eines Kindes abdeckt, dann wird dafür ein Geschlecht bezahlen und das Geschlecht heißt MANN.

    Ist das Kindergeld 180.- und existenzsichernd sind 320.-, real 550.- Euro pro Monat und Kind, dann wird für die Erarbeitung der Differenz mit größter Wahrscheinlichkeit der Mann aufkommen.

    2. Das Patriarchat weiß das deshalb so genau, weil es ihm das statistische Bundesamt gesagt hat (eine begabte patriarchale Institution). Aber das Patriarchat hat es völlig vergessen bei der Auszahlung des Kindergeldes. Weil es sich wohl darauf verlassen kann, dass für die Differenz zwischen den Beträgen ein Geschlecht aufkommt. Und das Geschlecht heißt MANN.
    Die Beweisführung ist komplett simpel, schaut man sich die Verteilung von Voll- und Teilzeitarbeit nach Geschlecht an und die Arbeitsstunden pro Woche, speziell nach Geburt eines Kindes.

    3. Dem Patriarchat fällt plötzlich wieder auf, wie viel ein Kind existenzsichernd kostet, wenn sich das Paar trennt, das dieses Kind produziert hat.
    Da leider die Arbeit für die Differenz zwischen den Beträgen männliche Mehrarbeit erfordert hat, konnte sich der Mann um den Nachwuchs weniger kümmern, es ist also naheliegend, wer das Sorgerecht erhält.
    In diesem Moment dämmert dem Patriarchat, wie hoch die existenzsichernden Kosten eines Kindes sind und die muss ein Geschlecht bezahlen = MANN.

    Antwort

  16. Teil 2
    Halten wir an dieser Stelle fest, dass meine Interessenvertretung (= Patriarchat) irgendetwas missverstanden haben muss, denn egal wie ich es betrachte, ein Kind läuft immer auf männliche Mehrarbeit hinaus.

    4. Kommen wir zur Institution der Ehe als institutionell geregelter Paarbeziehung im Patriarchat. Ökonomisch betrachtet ist es egal, wer welche (Erwerbs-) Arbeit verrichtet, denn alles Einkommen ist Familieneinkommen und wird hälftig verteilt.

    Dazu aus meiner Sicht zwei Grundlagen:
    – Haus- und Familienarbeit ist für Mann und Frau (im gesellschaftlichen Schnitt) gleichermaßen unqualifizierte Arbeit.
    – Erwerbsarbeit ist qualifizierte Arbeit (ebenfalls im gesellschaftlichen Schnitt).

    Was damit rechtlich durchgesetzt worden ist, ist die Sichtweise, wonach unqualifizierte Arbeit genauso viel WERT ist wie qualifizierte Arbeit.
    Am Beispiel des statistischen Normalfalls: Rein rechtlich hat damit das Patriarchat durchgesetzt, dass eine Stunde putzen der Frau ebenso viel wert ist wie eine Stunde Lehre des Mannes.
    Denn es steht ihr das Familieneinkommen zur HÄLFTE zu.

    Angenommen die Frau arbeitet in Erwerbsarbeit 4 Stunden und der Mann 8, so hat sie den materiellen Anspruch auf 6 Stunden der geleisteten Erwerbsarbeit, bzw. die Hälfte der Einkünfte. Angenommen, sie hätte kompensatorisch in dieser Zeit, also an zwei Stunden pro Tag das Kind betreut, so ist das im Rahmen dieses Beispiels ein fairer deal (abgesehen von der Tatsache, dass sich unqualifizierte gegen qualifizierte Arbeit tauscht).

    Und deal heißt: ihre Arbeit hat durchaus einen Wert für sie, nämlich den Gegenwert von zwei Stunden Erwerbsarbeit des Mannes.
    D.h. ihre Arbeit ist durchaus bezahlt, sie wird als Lohn jedoch nicht sichtbar, denn sie verbirgt sich im Lohn der Erwerbsarbeit des MANNES.
    Das hat das Patriarchat aber so lange vergessen, so lange alles gut läuft in der Ehe.

    Dem Patriarchat fällt der Sachverhalt erst wieder ein, wenn sich beide trennen. Denn dann bekommt die Erziehungsarbeit der Frau einen eigenständigen WERT und den kann sie als Anspruch gegenüber dem Mann geltend machen = Betreuungsunterhalt.

    Und Betreuung als unqualifizierte Arbeit bemisst sich am Einkommen des Mannes aus qualifizierter Arbeit. Der eigentliche Clou aber ist, selbst wenn ihr in völliger materieller Gleichheit (Einkommen) in eine Ehe eingestiegen seid und alle Kosten gleich geteilt habt, ist es überaus wahrscheinlich, dass nach der Trennung die Kosten zum größten Teil beim Mann auflaufen. Um so größer die Differenzen des Einkommens vorher waren, desto wahrscheinlicher ist die Summe der Beträge höher als je ein möglicher Verdienst der Frau hätte sein können.

    Wie Warren sagte: Heterosexualität ist für Männer ein ganz mieses Geschäft.

    Schönen Gruß, crumar

    Antwort

  17. @Lucas

    Worum es mir ging, war eine Antwort auf deine folgende Bemerkung: „Wer eine umfassende soziale Interaktion sinnvoll gestalten will, über verschiedene Milieus und Kulturen hinweg – der muss schon mit der Perspektive arbeiten, dass es eine allen gemeinsame Realität gibt (auch wenn die Perspektiven darauf vielleicht verschieden sind).“

    Was ich oben versucht habe zu skizzieren, war die ökonomische Realität einer Partnerschaft im Rahmen der Ehe samt Kind im Rahmen eines Systems, welches der Feminismus nicht müde wird zu unterstellen, es benachteilige einseitig Frauen.

    Das wird logisch daraus geschlossen, da es sich um ein patriarchales System handelt, welches logischerweise Männern nützt.
    In der empirischen Realität verhält es sich jedoch m.E. beweisbar genau anders herum.

    Was Feministinnen also gar nicht – nämlich zwangsläufig nicht – gebrauchen können, sind verschiedene Perspektiven auf die Realität.
    Von daher kämpfen sie nicht primär um die Richtigkeit ihrer Perspektive, sondern um die Alleingültigkeit ihrer WAHRNEHMUNG von der Realität.

    Die Feministinnen „entdecken“ nicht etwa eine „Dichotomie“ der Geschlechter in der Gesellschaft, sondern sie müssen sie notwendig immerfort und überall „entdecken“.
    Der Konstruktion von Dichotomien geht deren Dekonstruktion aber voraus.

    Wenn sie schreiben: „In der gegenwärtigen Gesellschaft kommt der Kategorie Geschlecht eine zentrale Funktion als Ordnungskriterium und Orientierungsmuster in Vergesellschaftungsprozessen zu.“, ist die logische VORAUSsetzung: „Die patriarchale Geschlechterordnung ist dabei fundamental von Machtstrukturen durchdrungen, in der das Männliche die dominante Position einnimmt.“

    Männliche Dominanz ist allen Männern eingeschrieben und die hegemonial männliche Gesellschaft hat „Voraussetzungen produziert, um einen Penis als Waffe“ zu benutzen. Eine biologistische Tautologie!

    Sie können weder männliche Machtlosigkeit einräumen und dass Frauen und nicht Männer von der patriarchalen Gesellschaft profitieren ist ebenfalls unmöglich.
    Es ist also völlig unmöglich, dass sie eine gemeinsame Realität mit uns teilen, denn ihre Realität existiert nicht als materielle Realität.

    Es handelt sich um eine theoretische Konstruktion, die nur autoritär durchgesetzt werden kann.
    Und wenn die Meinungsfreiheit stört, dann muss sie eben weg.
    Wenn Kritik am Feminismus als frauenfeindlich wahrgenommen wird (siehe Kampf um die Wahrnehmung) dann muss die Kritik eben geahndet werden.

    Das macht diese Theorie politisch so nützlich, geradezu wegbereitend.

    Schönen Gruß vom crumar, der sich dafür entschuldigt einen ellenlangen Text hinterlassen zu habe, den man auch noch von hinten nach vorne lesen sollte. Sorry! 😦

    Antwort

  18. Männer müssen das nicht sexy finden, es reicht doch, wenn lesbische Feministinnen das sexy finden, oder? 😉

    Antwort

  19. @Lomi

    Das lässt sich m.E. gut unter die „3K des Feminismus“ subsumieren:

    1. Kollektivsubjekt bzw. -objekt (als Unterdrückte)
    2. Kollektivopfer (männlicher Herrschaft)
    3. Kollektivunschuld (an den Folgen der patriarchalen Gesellschaft)

    Dem stehen Männer dichotom gegenüber – und das ist das schöne an der Dekonstruktion, sie erzeugt erst die Dichotomien, die dann von ihr beklagt werden:

    1. Kollektivsubjekt (der Unterdrückung von Frauen)
    2. Kollektivtäter (der Ausübung männlicher Herrschaft)
    3. Kollektivschuld (an den Folgen der patriarchalen Gesellschaft)

    Du schreibst:

    „Immer wieder dieser pauschal unterstellte Konnex zwischen Herrschaft und Gewalt als deren Ausübungsform. Alles wird zu einem systemischen Problem gemacht. Männer erscheinen hier nie als Individuen, sondern gewissermaßen als Automaten, die strikt die Imperative des Patriarchats umsetzen.“

    1. Sind – wie wir alle wissen – Männer nur Marionetten und Erfüllungsgehilfen des Patriarchats und setzen widerspruchslos um, was auch immer das göttliche Patriarchat will, denn Wirmänner wissen haargenau, dass das Patriarchat uns nützt (was empirisch natürlich eine Farce ist. /sarcasm off

    2. Die eigentliche Frage, die sich die Feministinnen stellen und nicht beantworten wollen: Wenn das System so offensichtlich Frauen benachteiligt und diskriminiert, warum stehen sie dann nicht geschlossen auf? Wo bleibt der WIDERSTAND, die Erhebungen, die Revolten der Frauen?
    Der Ansatz ist nun, eine überwältigende Repression durch männliche Gewalt zu behaupten, dass Männergewalt (individuell und systematisch) bewirkt das „Verhalten aller Frauen steuern“. Wonach nun Frauen Männer *dulden*, um nicht noch schlimmerer Gewalt ausgesetzt zu sein – eine sehr schöne Volte und so fein wird die „Struktur“ personalisiert.
    Leider findet sich dafür kein empirischer Nachweis, also muss er erst hergestellt werden, „konstruiert“ sozusagen. Zu diesem Zweck muss der Begriff der „sexuellen Gewalt“ erst sehr gedehnt und dann noch viel mehr gestreckt werden und dann erhält man die Zahlen, die man braucht…

    Der Clou ist m.E., du erhältst nun eine hochgradig aggressive Theorie der Unterstellung und eine ebenso hochgradig resignative, die sich immer wieder im Appell an die Männer ergehen muss, gewaltförmige Taten zu unterlassen, von denen ich vorab unterstelle, sie wären notwendig zur Absicherung der Herrschaft genau dieser Männer.

    Wie auch immer das klappen soll #heforshe

    Aber Weiter: „Weil Frauen nicht herrschen, sind ihre Handlungen keine „Taten“ im kriminalistischen Sinne. Ihre Absichten sind lauter und das generell, weil sie ja komplett von der Herrschaft ausgeschlossen sind.“

    1. Nachdem ich die patriarchale Gesellschaft so konstruiert habe, befinden sich streng genommen gar keine Frauen mehr in dieser Gesellschaft und auch nicht in ihrer Geschichte.
    Zumindest nicht als handelnde Subjekte, die diese Gesellschaft mit produzieren und reproduzieren (mussten und müssen).
    Du kannst nur als Subjekt (der Geschichte) an deinen Taten gemessen werden und demnach schuldig oder nicht schuldig an deren Folgen sein und musst die Verantwortung für deine Handlung (oder dein nicht-handeln) tragen.
    Was die These der Kollektivunschuld voraussetzt ist also, dass Frauen keine Subjekte der Geschichte und Gesellschaft waren und sind.

    Und deshalb braucht das unmündige Kollektivsubjekt Frau auch engagierte Vertreterinnen, die für das Kollektivsubjekt sprechen und handeln. #aufschrei

    2. Die Absichten der Frau sind lauter, weil die Frau friedfertig ist von Natur aus, die natürlich auch nur eine Konstruktion ist, welche zuerst Frauen benachteiligt und dann Männern nützt.

    Schönen Gruß, crumar

    Antwort

  20. Da könntest Du Recht haben. Danke.

    Antwort

  21. „Die eigentliche Frage, die sich die Feministinnen stellen und nicht beantworten wollen: Wenn das System so offensichtlich Frauen benachteiligt und diskriminiert, warum stehen sie dann nicht geschlossen auf? Wo bleibt der WIDERSTAND, die Erhebungen, die Revolten der Frauen?
    Der Ansatz ist nun, eine überwältigende Repression durch männliche Gewalt zu behaupten, dass Männergewalt (individuell und systematisch) bewirkt das „Verhalten aller Frauen steuern“.“

    Genau. Hier zum Beispiel eine gewisse Christina Oppenheimer im Zusammenhang mit sexueller GEwalt:

    „Die Frage drängt sich auf, warum Frauen so lange ihre Unterdrückung und Minderbewertung hinnahmen, in untergeordneter Position über Jahrtausende Geschichte mitprägten, darin aber dennoch unsichtbar blieben. Frauen nur als Opfer der Menschheitsgeschichte
    anzusehen, wäre ein großer Irrtum, auch sie sind Handelnde und Trägerinnen des Geschichtsprozesses und der Kultur – ebenso wie Männer. Die Strukturen haben sie gehindert, ihre Geschichte als die eigene zu erkennen und in einer eigenen symbolischen Ordnung zu installieren.“

    Dem ging das hier voraus:
    „Gewalt spielt eine zentrale Rolle zur kulturellen Entwaffnung von Frauen und zur Dominanzsicherung der Männer. Um Ursachen, Motive und auch Akzeptanz dieser (sexualisierten) Gewalt zu verstehen, vor allem aber auch deren Fortschreibung, ist es notwendig, die
    Geschlechterhierarchie als Herrschaftsverhältnis, d.h. asymmetrisches, nicht-reziprokes Anerkennungsverhältnis, zu verstehen. Frauendiskriminierung ist im sozialen Raum entstanden und
    verankert.“

    Antwort

  22. @Lomi
    Ich habe spaßeshalber den Text gegoogelt und werde ihn mal heute Abend durchlesen, obwohl ich sicher bin, ich weiß schon, was drin steht.

    Ich wette einen Arsch voll Kohle es wird weder Gewalt gegen Männer thematisiert, von der Frauen profitieren.
    Damit meine ich die Würdigung der Tatsache, dass der männliche Beitrag zur Zivilisierung des Weibes darin bestand, sie von der Teilnehme an Krieg zu verschonen. Sie also nie gezwungen waren, unmittelbar tödliche Gewalt auszuüben oder zu erleiden.

    Noch wird es um eine Produktionsweise gehen, der beide Geschlechter gleichermaßen ausgeliefert waren und sind – aktuell die kapitalistische z.B.
    In der auch die Lebensverhältnisse, die Arbeitsbelastung und auch die Erfahrung von „struktureller Gewalt“ von Frauen sich extrem unterschieden und unterscheiden, je nach sozialem Standort der Frau.

    Aber noch einmal zu den beiden Zitaten: Wenn das (überhistorische) *Ziel* die Sicherung der Dominanz der (aller) Männer ist und das *Mittel* Gewalt, dann dann ist das Herrschaftsverhältnis zwangsläufig ein auf Gewalt basierendes.
    Ein „nicht-reziprokes Anerkennungsverhältnis“ oder eine „Akzeptanz“ ist demnach 1:1 zu lesen als „Duldung“ (s.o.) und es entsteht ebenfalls eine erklärungsbedürftige Leerstelle.

    „Frauen nur als Opfer der Menschheitsgeschichte anzusehen, wäre ein großer Irrtum“ – ist zwar ein richtiger Satz, aber im Rahmen dieser Theorie nicht.

    Wenn sie schließt: „Die Strukturen haben sie gehindert, ihre Geschichte als die eigene zu erkennen und in einer eigenen symbolischen Ordnung zu installieren.“, dann verkauft sie die Prämisse ihrer Theorie als Konsequenz.

    Schönen Gruß, crumar

    Antwort

  23. @ crumar Nein, keine Entschuldigung nötig – ich habe (glaube ich) gut mitbekommen, worum es geht.

    „Die Feministinnen „entdecken“ nicht etwa eine „Dichotomie“ der Geschlechter in der Gesellschaft, sondern sie müssen sie notwendig immerfort und überall „entdecken“.
    Der Konstruktion von Dichotomien geht deren Dekonstruktion aber voraus.“
    Dazu gabe es ja bei Christian neulich schon einen interessanten Text, in dem er z.B. Schrupp zitierte.

    In deren Augen akzeptieren Frauen, die nicht-feministisch sind, eine vom Mann bloß abgeleitete Existenz, eine Existenz zweiter Ordnung. Der Gedanke, dass die Realität so möglicherweise gar nicht aussieht – dass also die Feministin à la Schrupp die Frauen überhaupt erst als Mensch zweiter Ordnung konstruiert, um dann als ihre Befreierin auftreten zu können – das fällt ihr gar nicht auf. Wäre auch schlecht für ihre Position.

    Wenn damit grundlegend eine gemeinsame Realität geleugnet wird und geleugnet werden MUSS, dann ist es ja vielleicht interessant, das mal nicht im Hinblick auf Erkenntnis, sondern ÖKONOMISCH zu verstehen.

    Ökonomisch ist eine gemeinsame Realität aber vor allem – ein gemeinsamer Markt, auf dem Männer und Frauen gleichermaßen agieren.
    (wird fortgesetzt)

    Antwort

  24. (Fortsetzung) „Was damit rechtlich durchgesetzt worden ist, ist die Sichtweise, wonach unqualifizierte Arbeit genauso viel WERT ist wie qualifizierte Arbeit.“ Das lässt sich moralisch so vielleicht halten, aber eben nicht marktlogisch. Und eben das ist vielleicht ein wesentliches Problem der traditionellen Versorgerehe.

    Denn grundsätzlich können Mann und Frau dort ja davon ausgehen, dass sie sich eigentlich gegenseitig versorgen – und beide mit dem Arrangement grundsätzlich einverstanden sein. Der Mann versorgt die Frau finanziell und gibt ihr die Möglichkeit, sich um die Kinder zu kümmern, ohne selbst arbeiten zu müssen – die Frau versorgt den Mann im Alltag (ich fand es manchmal faszinierend, gestandene, erfolgreiche Männer zu erleben, die im Notfall nicht mal in der Lage sind, sich einen Knopf an der Jacke anzunähen) und gibt ihm die Möglichkeit, Kinder zu haben und sich zugleich auf die berufliche Konkurrenz konzentrieren zu können.

    Nur: Auf dem Markt ist die Position des Mannes nach einer Weile in aller Regel wesentlich besser als die der Frau. Ihre Tätigkeit könnte im Notfall wesentlich besser ersetzt werden als seine, weil ihre Arbeit wesentlich eine ungelernte Arbeit ist, seine aber nicht nur eine Ausbildung, sondern auch schon eine (erfolgreiche) berufliche Vergangenheit erfordert.

    Je länger also die Ehe dauert, desto besser wird die Marktposition des Mannes – und desto schlechter wird die der Frau. Die biologischen Voraussetzungen, insbesondere die Entwicklung der Fortpflanzungsfähigkeit mit den Jahren, verschärfen diese Situation auch noch.

    Das hat mit Patriarchat gar nichts zu tun, eher im Gegenteil: Die klassische Versorgerehe hat auf der Hoffnung gebaut, die wesentlichen – nämlich familiären – menschlichen Beziehungen aus der Marktlogik heraushalten zu können. Die angebliche Stärke der männlichen Position dabei spiegelt eigentlich die Stärke seines Verzichts: In einer Zeit, in der Ehen weitgehend stabil und die Trennung eine Ausnahme war, war es eben auch in aller Regel der Mann, der darauf verzichtet hat, seine überlegene Marktposition auszuspielen.

    Dass die Ehe an Bindekraft verloren hat, hat uns bekanntlich nicht einfach alle befreit, sondern vor allem die Durschlagkraft dieser Marktlogik vergrößert. Was als Unterstützung der Frau gegen eine patriarchale Allmacht verkauft wird, ist tatsächlich der Versuch, ihre relativ schwächere Stellung auf dem Markt durch – immer problematische – staatliche Eingriffe auszugleichen.

    Dabei werden insbesondere die Kinder regelrecht als Geiseln benutzt, und das nicht in Ausnahmefällen, sondern prinzipiell: Der Mann, der sich trennt, muss damit rechnen, den Kontakt zu seinen Kindern zu verlieren und trotzdem weiterhin für sie und seine Ex arbeiten zu müssen. Es ist daher auch völlig illusorisch zu meinen, das feministische Reden von „Gleichberechtigung“ würde auch gleiche Rechte von Müttern und Vätern einschießen – das wird es nie, eben gerade das nicht.

    Das lässt sich noch an anderen Beispielen durchdeklinieren, aber erst einmal auch so zuspitzen: Eigentlich ist die feministisch geführte Diskussion ein politisches perpetuum mobile. Sie nimmt die Schwierigkeiten der Marktlogik regelmäßig grob verzerrt, nämlich als patriarchale Allmacht wahr – bekämpft dabei eben gerade die Strukturen, die Frauen eine bessere Position in dieser Marktlogik verschaffen würden – und sorgt damit beständig dafür, selbst notwendig zu bleiben.

    Schöne Grüße zurück!

    Antwort

  25. @ LoMi, crumar Die Erklärung des ausbleibenden Widerstands hat sich ja – z.B. bei Connell – gut mit dem Hegemonie-Begriff arrangieren können. Herrschaft sei kulturell so tief verankert, dass sie die Einwilligung der Beherrschten in eben diese Herrschaft herbeiführe. So kann dann praktischerweise die ganze Kultur (=alles, wenn es gerade passt) als Ausdruck dieser Herrschaft _entlarvt_ werden.

    Dass dabei die Frauen als Subjekte regelrecht verschwinden, kann dann ja wiederum umstandslos als Wirkung dieser allgegenwärtigen männlichen Herrschaft verstanden werden. Das ist ja gerade das schöne an Hegemonie-Theorien – sie lassen sich prima gegen alle möglichen Einwände immunisieren, weil sie zeigen können, dass eben diese Einwände wieder Teil der Reproduktion von Herrschaft sind.

    Das ist m.E., wenn man sich in die Logik hineinbegibt, nicht zu knacken – es wäre aber gut, unabhängig davon zu überlegen, was eigentlich dabei herauskommt. Das ist in meinen Augen: Männer werden in ihrer traditionellen Rolle festgetackert, als SchutzHERREN, als Versorger – und zugleich müssen sie beständig begreifen, was sie Frauen mit dieser Rolle antun.

    Das ist tatsächlich „eine hochgradig aggressive Theorie der Unterstellung und eine ebenso hochgradig resignative, die sich immer wieder im Appell an die Männer ergehen muss, gewaltförmige Taten zu unterlassen, von denen ich vorab unterstelle, sie wären notwendig zur Absicherung der Herrschaft genau dieser Männer.“

    Tatsächlich glaube ich, dass das Ziel eigentlich ganz simpel ist: Wir haben längst die ökonomischen Voraussetzungen, um Geschlechterverhältnisse anders zu organisieren. Das bedeutet aber eben auch, dass Frauen die Position der finanziell Versorgten verlassen müssen.

    Für die männliche Versorgerrolle gibt es keine Notwendigkeit und daher auch keine Legitimation mehr (es sei denn, Menschen einigen sich privat und von sich aus darauf – das ist dann ihre Sache). Die Imagination einer umfassenden männlichen SCHULD konserviert diese Versorgerrolle aber: Männer haben auf ewig an Frauen etwas gutzumachen.

    Daher finde ich auch diesen Satz besonders wichtig: „Es wird letztlich gewöhnliches sexuelles Verhalten kriminalisiert (…)“ Es geht eben gar nicht darum, gemeinsame Grenzen gegen sexuelle Übergriffe zu setzen, die nach meiner Überzeugung übrigens in Windeseile gezogen werden könnten (und ja auch schon gezogen sind). Es geht ganz im Gegenteil darum, Grenzen zu verwischen.

    Ziel dabei kann gar nicht sein, sexuelle Belästigung einzudämmen – dafür ist es viel zu offensichtlich ungeeignet. Geeignet ist diese Grenzverwischung aber dafür, eine Kultur der Verdächtigung zu etablieren, in der Männer beständig die aggressiven Akteure, Frauen beständig die unschuldigen Opfer sind.

    Antwort

  26. @Lucas – Aufgerollt von der Seite der Ökonomie Teil 1
    Was ich oben – allerdings im Zustand hochgradiger Verwirrung 😉 – versuchte zu sagen ist, dass bereits im *aktuellen* „Patriarchat“ alle ökonomischen, materiellen Transfers von Männern hin zu Frauen aus den Sozialsystemen und institutionellen, juristischen Fixierungen (Ehe), die dies ebenfalls gewährleisten vom Staat so ausgestaltet sind, dass die materielle Absicherung von „Frau“ und „Frau plus Kind“ gesichert worden ist.
    Das geht auch immer fröhlich weiter – siehe „Unisex-Rente“, siehe identische Beiträge zur Lebensversicherung. „Bei einem Unisex-Tarif ist die Beitragssumme eines jeden Geschlechtes systematisch ungleich zu der Leistungssumme an das gleiche Geschlecht. Es erfolgt ökonomisch eine Quersubventionierung des einen Geschlechtes an das andere.“ Wikipedia
    Es ist diese „Quersubventionierung“ eine umfassende Vollversorgung des Lebensmodells „Frau“ mit allen Wahlmöglichkeiten bezüglich ihres Lebensentwurfs, bei gleichzeitiger Schleifung des Sozialstaats. Selbstverständlich konserviert dies die Versorgerrolle des Mannes – das m.E. der tiefere Sinn, es ist staatlich gewollt. Für die eine Klientel gibt es das Elterngeld, für die andere die Herdprämie und warum nicht noch eine Mütterrente hinterher? Eine Kultur der Vielfalt…
    Wie Manndat zeigte (und die folgten Berechnungen aus AU und CH), sind das bereits jetzt über 90 Milliarden Euro im Jahr, auch die „Ehe“ wird noch einmal mit 20 Milliarden pro Jahr (was Frauen hälftig zusteht) subventioniert und *dazu* kommen dann noch die materiellen Transfers vom Mann zur Frau in Form des Bezugs der Hälfte des Familieneinkommens.

    Antwort

  27. Teil 2
    Die Rede vom „Herrschaftssystem“ ist Angesichts der materiellen Transfers ohnehin ein Witz, es wäre die teuerste Form der Unterdrückung aller Zeiten.

    Ich wiederhole mich da immer wieder: Welches Unterdrückungssystem nützt den Unterdrückten?

    Man könnte es aber mit einiger Berechtigung ein umfassendes KORRUPTIONSsystem nennen. Und das würde auch erklären, warum Frauen unverdrossen CDU wählen und eben nicht rebellieren – weil ihnen der jetzige Zustand NÜTZT.
    Aber dieses Eingeständnis würde den Feministinnen schaden, die sich als Interessenvertretung des Kollektivsubjekts Frau *empfinden* und dann und wann irritiert feststellen, dass Frauen ihre Politik nicht goutieren. Feministinnen besitzen ein solides Eigeninteresse und müssen auch Klientelinteressen vertreten: sie sind verankert im Reproduktionssystem dieses Staates (s. Frauenanteil Erziehungs-, Sozial- und Gesundheitswesen und in den Parteispitzen). Und sie machen sich – wie ich übrigens auch 😉 – große Gedanken über ihre Zukunft und den ihres ideologischen Nachwuches.

    Denn auf die „Quersubventionierung“ durch Männer sind sie angewiesen.
    Da wäre die moralische Frage nach der endlich (!!!) einsetzenden Kompensation für mindestens 50.000 Jahre währende Unterdrückung auch die, die ich lieber stellen würde. Das ist m.E. der ökonomische Grund, eine „Kultur der Verdächtigung zu etablieren, in der Männer beständig die aggressiven Akteure, Frauen beständig die unschuldigen Opfer sind.“
    The game must go on.

    Schönen Gruß, crumar

    Antwort

  28. Schoppe

    „Es geht ganz im Gegenteil darum, Grenzen zu verwischen.“

    In der Tat. Das scheint ein sehr starkes Anliegen zu sein. In dem Text „Gleichheit – ein systematisches Argument“ legt Rainer Paris dar, wie Begriffsbedeutungen vom Feminismus verschliffen werden. Mir ist das auch an vielen Beispielen aufgefallen. In allen Bereichen dominieren weite Fassungen, Fassungen, die Unterscheidungen aufheben, Fassungen, die Differenzierungen verschwimmen lassen. Das Aufweichen von Grenzen findet sowohl praktisch als auch begrifflich statt und ist in meinen Augen eines der hervorstechendsten Merkmale der feministischen Lehre.

    Antwort

  29. @Lomi @Lucas
    Irgendwie scheint ihr euch darauf festzulegen, eine Debatte zu ignorieren, die seit 30 Jahren läuft und ich habe keine Ahnung, warum ihr das tut.

    Du schriebst: „Das Aufweichen von Grenzen findet sowohl praktisch als auch begrifflich statt und ist in meinen Augen eines der hervorstechendsten Merkmale der feministischen Lehre“ – nein, ist es nicht.

    „Um so weiter die Fassung des Begriffs“ nützt nur demjenigen oder derjenigen, der die *Kontrolle* über die Be- und Vernutzung des Begriffs hat.

    „Dichotomien“ permanent zu entdecken setzt voraus, dass wirklich jeder davon überzeugt ist, die gesamte (Philosophie-) Geschichte des „Abendlands“ würde auf binärer Logik beruhen. Mich beunruhigt, dass das *geglaubt* wird und dieser Glaube existiert m.E. aus einem bestimmten Grund (Hervorhebung von mir):

    „Furthermore, the lives of such people are made much easier than they had previously supposed, because now they don't have to worry about an author's intentions, about precisely what a text means, or about distinctions within a text between the metaphorical and the literal, or about the distinction between texts and the world because everything is just a free play of signifiers. The upper limit, and I believe the reductio ad absurdum, of this „sense of mastery“ conveyed by deconstruction, is in Geoffrey Hartman's claim that the PRIME creative task has now passed from the literary ARTIST to the CRITIC“.

    Das ist der letzte Satz über Derrida aus einer Kritik von John Searle und das macht auch ziemlich klar, warum der Dekonstruktivismus m.E. eine solche Popularität gewonnen hat – es ist völlig unerheblich, wie der Begriff vom Autor gemeint war, es ist vielmehr wichtig, wie wir den Begriff wahrnehmen oder empfinden.
    Die Bedeutung des Begriffs ist demnach letztlich eine MACHTfrage.
    Und genau deshalb dient sich der herrschende Feminismus auch der Macht so entschieden an. Sie sind DA (siehe Reproduktion der Gesellschaft) und sie sind WILLIG.

    Ich bitte euch wirklich inständig, LEST DIE VERDAMMTE KRITIK!

    http://free–expression.blogspot.de/2007/10/john-searle-on-derrida.html

    Lieben Gruß, crumar
    Lieben Gruß, crumar

    Antwort

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