Medien

Plädoyer für eine zivile Debatte – Ein offener Brief an den SWR

Mann der schreibt
geschrieben von: Lucas Schoppe
RSS
Follow by Email
Google+
https://man-tau.com/2015/03/01/pladoyer-fur-eine-zivile-debatte-ein-offener-brief-an-den-swr/
PINTEREST
LINKEDIN
Whatsapp
An den Rundfunkrat des SWR
sowie an Herrn Peter Boudgoust (Intendant des SWR)

und Herrn Gerold Hug (Hörfunkdirektor des SWR)

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir schreiben Ihnen anlässlich der Sendung Maskulinisten Krieger im Geschlechterkampf“, die in diesen Tagen bei SWR2 mehrfach ausgestrahlt wird. Mit einem überraschend konsequenten Freund-Feind-Denken und vielen offenbar bewusst gesetzten Falschinformationen macht diese Sendung Stimmung gegen eine politische Entwicklung, die wir ausdrücklich begrüßen und die zur demokratischen Öffnung von erstarrten Debatten führen kann.

schreibender mann

 

Der SWR illustriert seine Sendung mit dem torsohaften Bild eines nackten, muskulösen männlichen Oberkörpers. Es wird Zeit für ein zivileres, vollständigeres und weniger gewaltsames Bild.
Die Entwicklung, gegen die Ihre Sendung so massiv ausschlägt, lässt sich knapp so darstellen:

Männer äußern sich weitaus häufiger und selbstbewusster zu geschlechterpolitischen Themen als noch vor einem Jahrzehnt, und sowohl Männer als auch Frauen greifen die Vorstellung an, Geschlechterdebatten könnten legitim nur aus einer feministischen Perspektive geführt werden.

Ein Motor dieser Entwicklung war die Erfahrung Tausender von Vätern, die aufgrund geschlechtsspezifischer rechtlicher Benachteiligungen willkürlich von ihren Kindern getrennt wurden.

Es äußern sich Männer, die selbst Opfer häuslicher Gewalt wurden und zugleich erleben, dass sie in offiziellen Darstellungen zu diesem Thema, bloß weil sie Männer sind, allein als Täter in Frage kommen.
Männer und Frauen weisen darauf hin, dass Jungen an den Schulen offenkundig große geschlechtsbedingte Nachteile erleben.
Männer und Frauen diskutieren gesundheitspolitische Nachteile von Männern, sie fragen, warum Männer so viel häufiger als Frauen obdachlos werden oder Selbstmord begehen – und ob es dafür auch soziale Ursachen gibt.

Männer und Frauen stellen offen die Frage, was es eigentlich mit „linker“ Politik und mit sozialer Gerechtigkeit zu tun hat, wenn die Familienministerin eine Frauenquote in Aufsichtsräten als oberste Priorität ihrer Politik vorstellt, von der nur eine kleine Handvoll ohnehin schon privilegierter Frauen profitiert.

Eben diese Kritik wird von Ihnen massiv diffamiert – bis hin zu Vergleichen mit völkermörderischen Antisemiten und dem Massenmörder Anders Breivik. Die Logik der Sendung kulminiert in der tief inhumanen, von gruppenspezifischer Feindseligkeit geprägten Unterstellung, dass Männer nur deshalb über eigene Leiderfahrungen sprechen würden, weil sie damit ihre männertypischen Gewaltausbrüche legitimieren und vertuschen wollten.

Dabei ist diese Sendung gegenüber vermeintlichen Experten der sozialdemokratischen Friedrich Ebert Stiftung und der grünen Heinrich Böll Stiftung so ungehemmt distanzlos, dass dies mit einem journalistischen Ethos nicht zu vereinbaren ist.

Zur einen Seite hin also Hetze gegen Bürger, die diese Hetze auch noch selbst finanzieren müssen – zur anderen Seite hin ebenso bedenkenlose politische Liebedienerei: Ihre Sendung wirkt, als würden sich die Autorin Bust-Bartels und der ganze SWR um den Karl Eduard von Schnitzler-Gedächtnispreis bewerben.

Die politische Unabhängigkeit aber ist ja eine der Bedingungen dafür, dass der Bestand öffentlich-rechtlicher Sender überhaupt legitimiert werden kann. Um zu dieser Unabhängigkeit zurückzukehren, braucht es keine Lobhudeleien für eine offenere, nach allen Seiten hin antisexistische Politik. Aber es ist wichtig, dass Sie denjenigen, die Sie so erheblich diffamiert haben, eine reale Möglichkeit geben, sich auch selbst zu äußern.

Wichtig dabei ist auch, dass diejenigen auf allen Seiten, die bei allen politischen Differenzen an einer zivilen Auseinandersetzung interessiert sind, sich gemeinsam gegen diejenigen (ebenfalls auf allen Seiten) stellen, die mit Verleumdungen, Drohungen, Beleidigungen und primitiven Freund-Feind-Logiken operieren.

Dazu fordern wir Sie ausdrücklich auf.

Oder auch, ganz einfach formuliert: Kehren Sie zurück zur ernsthaften journalistischen Arbeit – und hören Sie auf, sich weiter zwischen politischer Hetze und politischer Liebedienerei zu verirren.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Günter Buchholz (Frankfurter Erklärung)
Arne Hoffmann (Genderama, Autor u.a. vom Plädoyer für eine linke Männerpolitik)
Johannes Meiners (Mitverfasser der Club of Vienna-Studie Die Teilhabe von Männern und Frauen am Geschlechterdiskurs und an der Neugestaltung der Geschlechterrollen)
Christian Schmidt (Alles Evolution)
Lucas Schoppe (man tau)
Dr. Alexander Ulfig (cuncti)
RSS
Follow by Email
Google+
https://man-tau.com/2015/03/01/pladoyer-fur-eine-zivile-debatte-ein-offener-brief-an-den-swr/
PINTEREST
LINKEDIN
Whatsapp
Unsere Plattform ist frei von Werbung oder Paywalls und stellt alle Inhalte kostenlos zur Verfügung. Sie können unsere Arbeit unterstützen, indem Sie Artikel, die Ihnen gefallen haben, in Social-Media-Kanälen, liken oder kommentieren. Sharing is caring!

16 Comments

  • Hallo Lucas,

    als offener Brief ne gute Idee. Wird das auch noch auf ner anderen Seite veröffentlicht?
    Da die ÖR-Oberen Euch sowieso sch…und nazi finden, werden sie wohl nicht reagieren wollen.
    In Anbetracht der aktuellen Kritik bzgl. Einseitigkeit und „Lügenpresse“ könnten sie sich aber genötigt fühlen.

    Das finde ich allerdings problemastisch: „Ihre Sendung wirkt, als würden sich die Autorin Bust-Bartels und der ganze SWR um den Karl Eduard von Schnitzler-Gedächtnispreis bewerben.“ Sachlich korrekt, aber zu pirincig.

    Grüße, Axel von AE

  • Guten Abend,
    im Grunde finde ich es eine gute Idee, zu versuchen, den SWR mit einem offenen Brief aufzurütteln.
    Aber: Die, die schon überzeugt sind, braucht man nicht mehr zu überzeugen wohingehend die, die noch nicht überzeugt sind, durch diesen Brief nicht überzeugt werden.
    Weder wird die Kritik des Briefes an der Sendung in nachvollziehbarerweise mit den Inhalten der Sendung in Zusammenhang gebracht, noch dargelegt, inwiefern die Anliegen der Männerrechtler zurecht ein Schwerpunkt dieser Sendung hätten bilden sollen, warum sie die Realität besser als die Moderatoren erfasst hätten.

    Stattdessen hagelt es Anschuldigungen und Behauptungen, die man nur nachvollziehen kann, wenn man sich bereits selbst umfangreich in Geschlechterdebatte und Medienkritik eingarbeitet hat.

    Gruß,
    Enailu (Anmeldung als wordpress-account funktioniert mal wieder nicht)

  • Nachtrag:
    Was soll denn genau erreicht werden mit dem Brief? Soll die Sendung aus dem Programm genommen werden?
    Was ist denn an der Sendung keine „ernsthaften journalistischen Arbeit“?
    Gruß,
    Enailu

  • Hallo Enailu, die Sendung ist ja weitgehend gelaufen, und es bringt auch nichts, beleidigt ihre Absetzung zu fordern. Dann läuft sie einfach weiter wie geplant, und man steht wütend daneben und sieht albern aus.

    Die Forderung ist eigentlich etwas sehr Selbstverständliches: MIT Menschen zu reden, nicht bloß ÜBER sie.

    Dass es unverständlich sein kann, wenn man sich lange mit einem Thema beschäftigt hat, zudem mit einem persönlich durchaus bedrückenden – und wenn man sich dann Außenstehenden gegenüber äußert und die sich verwundert fragen, worum’s eigentlich geht und was eigentlich los ist. Das wird hier zum Teil sicher auch so sein.

    Andererseits: Wer eine Sendung zu einem Thema macht, muss sich in irgendeiner Hinsicht auch schon einmal selbst eingearbeitet haben. Zudem finde ich: Völlig unabhängig von der Kenntnis eines Themas oder der Kenntnis bestimmter Positionen ist es eigentlich prinzipiell nachvollziehbar, dass Leute es nicht mögen, wenn sie beliebig und öffentlich mit Antisemiten und einem Massenmörder an Jugendlichen gleichgesetzt oder mal eben pauschal als Frauenschläger hingestellt werden.

    Dass es keine ernsthafte journalistische Arbeit ist, wenn Quellen kritiklos geglaubt wird, selbst bei sehr unwahrscheinlichen Aussagen – oder wenn ein Bericht fast ausschließlich auf einer Perspektive aufbaut und Gegenpositionen faktisch kaum gehört werden, wenn also schon die Recherche sehr einseitig ist – das könnte auch ohne größere Erklärungen deutlich sein.

    Diese Punkte müssten eigentlich verständlich werden können. Die Hintergründe vielleicht nicht, aber die könnten ja weiter beredet werden, wenn denn jemand mal Interesse hätte.

    Doch damit rechne ich eigentlich gar nicht – wichtig ist erst einmal nur das Minimum, dass auf eine solche öffentliche Diffamierung überhaupt eine Reaktion erfolgt und dass sie nicht stillschweigend zur Kenntnis genommen wird.

    Aber wichtig ist der Hinweis trotzdem, dass wir (oder ich, zumindest) in unserer Filterblase möglicherweise überhaupt nicht mehr mitbekommen, wie übertrieben es nach außen ggfs. aussieht, was wir hier so machen.

  • Hallo enailu,
    ich empfinde Deine Haltung als extrem kontraproduktiv. Auf der einen Seite sagst Du „gute Idee, aber bringt ja doch nichts“, andererseits forderst Du dann aber doch eine umfassende Auseinandersetzung mit den Inhalten der Sendung, und ausführliche Darlegung aller Gegenargumente. Dieses widersprüchliche Herumkritteln an denen, die wenigstens versuchen etwas Aussenwirkung zu erreichen bringt einfach gar nichts. Ich bin jedenfalls dankbar für jeden einzelnen offenen Brief, Leserbrief und jede sonstige Äusserung, die das Anliegen des Maskulismus gegen die feministisch dominierten Medien vertritt.
    Mirco Geyer

  • Hallo @Enailu,
    ich weiß nicht, was du mit dem Kommentar bezwecken willst. Einmal findest du den Brief gut, dann aber wieder sinnlos. Ja was denn nun? Es wird doch nicht dadurch besser, dass wir hier nur im eigenen Saft schmoren. Wir müssen schon an die Öffentlichkeit, damit sie auch merkt, dass es uns gibt.

    Und es wird ja langsam besser. Das Unwesen zur Befreiung der Frau zur egomanen Selbstverwirklichung ohne jede Verantwortung währt nun schon 40 Jahre. Den größten Teil dieser Zeit konnten sie ihre Lügen und Märchen von einer besseren Welt einfach verbreiten ohne jede Kritik. Wenn es das ist, was dir vorschwebt, dann braucht mann solche Briefe natürlich nicht zu schreiben. Was dabei aber herausgekommen ist, das siehst du. Das Genderunwesen hat sich wie ein Krebsgeschwür über die Gesellschaft gelegt und droht, sie zu ersticken.

    Anfangs, ab den 70er Jahren hatten sie den Diskurs ganz für sich alleine. Es gab dann nur Arne, Mikael den Maskulisten und MANNdat, das wars, noch ein paar Foren, von denen nur eins noch besteht. Heute gibt es mehr. Sieh dir an, wer da unterschrieben hat. Und das ist auch nur ein Teil, wenn auch ein bedeutender. Und die sollen still halten, nur unter sich diskutieren? Das kann doch nicht dein Ernst sein.

    Es hat sich nun doch eine beachtliche Szene entwickelt, ein Untergrund, wenn du so willst, eine APO, die nicht mehr ganz so einfach zur Seite geschoben werden kann, wie noch vor 20 oder 30 Jahren. Es ist eine Graswurzelbewegung, die ihre Kraft daraus schöpft, dass sie der Wahrheit dienen will und der Gerechtigkeit. Die Leserkommentare bei der Qualitätspresse sind ein beredtes Beispiel. So sehr flattern den Medien inzwischen die Hosen, dass diskutiert wird, gar keine Kommentare mehr zuzulassen. „Na“, sagte der Optimist, der gerade am 10. Stock des Hochhauses vorbeiflog, „bis jetzt ist ja alles gut gegangen.“

    Gruß Reiner H

  • Ich hatte den Artikel zu der Sendung zuerst als offenen Brief geschrieben – der war aber, als differenziertere Auseinandersetzung, für einen Brief viel zu lang. Der SWR hat den Artikel und den von Arne als Link mitbekommen – bei Interesse kann es gelesen werden, und wenn kein Interesse da ist, hätten die Informationen im Brief auch nichts genützt.

    Abgesehen davon finde ich den Hinweis schon wichtig: Was für jemanden, der sich schon lange in unseren Filterbubbles bewegt, ganz selbstverständlich sein kann, wirkt womöglich nach außen hin verschroben – unnötig aggressiv – larmoyant – oder ähnliches. Deswegen muss man nicht gleich den Mund halten, aber man kann es mit einkalkulieren.

  • Schön, dabei zuschauen zu dürfen, wie Sie sich alle von der journalistischen Arbeit des SWR so persönlich getroffen und angegriffen fühlen. Und Sie sich auch noch so herrlich im Ton vergreifend öffentlich darüber aufregen. Eine bessere Presse kann sich der SWR nicht wünschen. Und als Hörer kann ich mich für Ihr sehr anschauliches Beispiel zum Thema ebenfalls nur bedanken.

  • Könnten sie den Vorwurf des Sich-im-Ton-Vergreifens eventuell konkretisieren? Ich finde Herrn Schoppes Ausführungen eigentlich ganz moderat, gemessen an den diffamierenden Vorwürfen, die gegen ihn als Protagonisten einer „Szene“ in der Sendung erhoben werden. (Ausgenommen vielleicht das mit dem Karl-Eduard).

  • „eventuell konkretisieren“ Denke ich auch. Wer klare Kritik üben will, kann sie auch klar äußern. Einfach mal allgemein was in den Raum zu stellen und zu erwarten, dass andere das dann schon konkretisieren werden (Wo haben wir uns denn im Ton vergriffen…?) – das ist allzu einfach.

    In der vorliegenden Form ist der Kommentar von Herrn Greene einfach eine autoritäre Häme über andere, die wichtige oder sogar existenzielle Interessen öffentlich vertreten – und die dafür willkürlich, und aus überlegener medialer Position heraus, mit Nazis und Massenmördern gleichgesetzt werden.

  • Reiner,
    lies erstmal genau WAS ich geschrieben habe bevor du dich so sinnlos aufregst.;-)
    Ich habe mit keinem Wort gesagt, dass die Herren „die Klappe“ halten sollen, sondern die Art und Weise kritisiert.
    Gruß,
    Enailu

  • Glauben Sie wirklich, dass sich der SWR keine bessere Presse wünschen könnte, als wenn sich Menschen von ihm persönlich getroffen und angegriffen fühlen? Nach dieser Logik wäre es für den SWR eine sinnvolle Strategie, möglichst viele Menschen und Gruppen zu beleidigen. Ich bezweifle aber, dass es viele Hörer wie Sie gibt, die großen Spaß empfinden, wenn sie dabei zuschauen dürfen, wie andere Menschen fertig gemacht werden. Der Anteil von Soziopathen in der Bevölkerung liegt immer noch im Promillebereich.

  • @ Lucas Schoppe:

    > In der vorliegenden Form ist der Kommentar von Herrn Greene einfach eine autoritäre Häme über andere

    Heinrich Mann hat Menschen mit dieser Haltung ja ein literarisches Denkmal gesetzt:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Untertan

    Was die interessante Frage aufwirft, ob das Programm des SWR im allgemeinen oder solche Sendungen im besonderen solche Diederich Heßlings besonders anziehen bzw. produzieren.

  • Wow, das Selbstverständnis der Nina-Marie Bust-Bartels:

    „Ja, historisch betrachtet waren SchriftstellerInnen und freie SchreiberInnen schon immer prekär. Der Preis des Traumjobs, könnte man einwenden. Und er ist ja wirklich toll: mich mit Themen beschäftigen, die mich bewegen, spannende Menschen treffen, Orte erkunden, meine Tage gestalten, für verschiedene Medien schreiben. Vor allem aber will ich Diskurse und Debatten mitgestalten. Denn das schafft erst den Rahmen, in dem politische Akteure handeln. Wer den Rahmen verändert, hat auch Einfluss auf politische Entscheidungen. Dafür bin ich schon bereit, viel zu arbeiten und wenig Geld zu haben.“

    Die Frage ist halt, warum irgendein vernünftiger Mensch auch nur einen Cent dafür bezahlen soll, dass ihm der Rahmen gesetzt wird.

    Wie schön, dass es den Zwangsfunk gibt.

    Grüße, Nick

  • Prof. Dr. Günter Buchholz
    Arne Hoffmann
    Johannes Meiners
    Christian Schmidt
    Lucas Schoppe
    Dr. Alexander Ulfig

    Ihr Bemühen in allen Ehren, aber dennoch kommt mir dieser offene Brief wie der Kampf gegen Windmühlen vor. Ich wünsche ihnen viel Erfolg, glaube aber nicht daran.

    vortex

Kommentar verfassen

close

Enjoy this blog? Please spread the word :)