Biedermeier und Größenwahn – Ein Brief an einen deutschen Journalisten

Vor einer Woche forderte der Spiegel-Autor Cordt Schnibben seine Leser auf, ihm zu schreiben, was Journalisten besser machen sollen. Ich bin dieser Einladung einfach einmal gefolgt.

Sehr geehrter Herr Schnibben,

„seit einiger Zeit verschärft sich der Ton der Zuschriften. Es ist etwas passiert zwischen mir und Ihnen, zwischen uns Journalisten und Ihnen, den Leserinnen und Lesern.“
Das schreiben Sie im Spiegel der vergangenen Woche (10/2015) und verbinden das mit einer Aufforderung:
„Schreiben Sie mir, was wir besser machen sollen, loben Sie, wenn es nicht anders geht.“
Falls ich Sie richtig verstehe, nehmen Sie an, dass sich der Ton bloß von einer Seite aus verschärft hat. Das ist wohl ein Irrtum. Gerade eben erst hat mich beispielweise ein Spiegel-Kollege von Ihnen, ohne mich zu kennen und gleichsam prophylaktisch, in einem Text als „opportunistisches Arschloch“ beschimpft.
Ich bin nämlich Vater eines kleinen Jungen, fahre alle zwei Wochen mehr als tausend Kilometer, um ihn wenigstens am Wochenende sehen zu können. Obwohl ich ihn selbst gern versorgt hätte und dazu auch vollkommen in der Lage bin, wurde die Frage, ob er es bei seiner Mutter oder bei mir besser hat, in den Jahren seit der Trennung niemals irgendwo gestellt – schließlich gehört ein Kind in den Augen des deutschen Gesetzgebers grundsätzlich zur Mutter.

Ich hätte vor dieser Erfahrung niemals für möglich gehalten, dass in Deutschland allein aufgrund der falschen Geschlechtszugehörigkeit – oder, aus der Perspektive unseres Kindes: der falschen Geschlechtszugehörigkeit eines Elternteils – jemand so rechtlos sein kann. Ich bin schon seit Jahren im Väteraufbruch und habe auch ein kleines Blog, das sich mit solchen und ähnlichen Problemen beschäftigt.

Für Ihren Kollegen Georg Diez bin ich deshalb ein „Reaktionär“. In seinen Augen sind Reaktionäre Leute, die nicht an den Klimawandel glauben oder an die Evolutionstheorie, oder Leute, die meinen, dass in mancher Hinsicht auch Männer gegenüber Frauen benachteiligt sein können. Was ja erkennbar alles irgendwie dasselbe ist.

„Was für opportunistische Arschlöcher“ – das ist der letzte Satz seines Textes.
„Was wir uns nicht mehr leisten können, (…) ist der Eindruck beim Zuschauer: was die machen, kriege ich alles auch irgendwo im Netz.“

So zitieren Sie den Fernsehmoderator Claus Kleber. Der Text von Diez ist bei Spiegel-Online erschienen, nicht in der gedruckten Ausgabe – aber er prägt natürlich die Erwartungen, die ich als Leser auch an den gedruckten Spiegel habe.

Warum aber sollte jemand so etwas kaufen? Was bietet der Spiegel, das nicht überall im Netz kostenfrei zu finden ist?

Sicherlich, auch in den Kommentarspalten nach Diez‘ Text wird ab und zu deutlich: Viele Menschen haben ein dringendes Bedürfnis nach der Bestätigung, dass viele andere Menschen Arschlöcher seien, sie selbst aber nicht. Doch selbst diese Menschen werden deswegen bestenfalls ein paar Magazine und Zeitungen kaufen – und für jeden Einzelnen von ihnen werden sich vermutlich zwanzig andere stillschweigend verabschieden.

Das waren noch Zeiten: Zeitungen wurden einstmals in idyllischer Umgebung als Morgenritual gelesen, und niemandem wäre eingefallen, sich wie ein „Arschloch“ zu verhalten und ein gelegentliches Missfallen über Journalisten offen zu äußern. Die Zeitungen hatten auch keine Kommentarspalten, in denen der Mob sich austobte, sondern höchstens einmal als Zeichen guten Willens eine kleine Rubrik mit ausgesuchten Passagen aus Leserbriefen. Schön war’s. Carl Spitzweg: Zeitungsleser im Hausgärtchen, 1845-58

In ihrer unbekümmerten Dumpfheit ist die Kolumne von Diez zwar extrem, aber gerade damit macht sie Tendenzen deutlich, die nach meinem Eindruck den heutigen Journalismus weithin prägen. Er verhält sich geradezu verachtungsvoll gegenüber zwei entscheidenden Vorteilen, die Journalisten in den überregionalen Zeitungen gegenüber Bloggern und Betreiber von Internetforen haben.

Während Blogger und andere im Netz dort in aller Regel nebenberuflich schreiben, haben die meisten von ihnen natürlich auch deutlich weniger Zeit als professionelle Journalisten, ihre Texte vorzubereiten oder für sie zu recherchieren. Es fehlen den meisten sowohl die Verbindungen zu etablierten Institutionen, etwa zu Parteien oder Ministerien, als auch Mitarbeiter, die ihnen zuarbeiten und die ihre Texte noch einmal überprüfen können.

Sie haben als professionelle Journalisten also die Chance, wesentlich gehaltvollere, verlässlichere und einfach bessere Texte zu schreiben als die meisten Blogger.

Zudem haben Sie in Magazinen und Zeitungen wie dem Spiegel, der Zeit, der Süddeutschen oder der FAZ tatsächlich die Chance, ein Forum aufzubauen, in dem sich Menschen mit ganz verschiedenen Hintergründen treffen und austauschen können. Blogs oder Internetforen hingegen ziehen meist Menschen an, die ohnehin schon jeweils an ganz bestimmten gemeinsamen Themen interessiert sind. Konflikte zwischen ihnen sind meist interne Konflikte, die für Außenstehende kaum nachvollziehbar sind.

Während wir Blogger also lediglich unsere Filterbubbles ein wenig tapezieren und hübsch gestalten können, hätten Sie die Chance, tatsächlich ein allgemeines Forum aufzubauen.

Warum tun Sie das eigentlich nicht?

Ordnungshüter statt Abenteurer Sie schreiben, Journalisten hätten einen Informationsvorsprung,

„eben weil wir – oft in großen Teams, mit großem Aufwand – vor Ort gehen und mit Augenzeugen reden. Wir bekommen Zugang zu Verantwortlichen, haben Zeit für Recherchen, können Beteiligte sprechen, Opfer hören, Täter zur Rede stellen, um der Wirklichkeit am Ende so nah wie möglich zu kommen.“

Zudem würden beim Spiegel 60 Experten die Dokumente auf Richtigkeit überprüfen, bevor sie in Druck gehen.

Natürlich glaube ich Ihnen das. Nur kann ich mir dann die Qualität vieler journalistischer Texte noch weniger erklären als zuvor. Sobald ich von einem Thema zumindest ein wenig verstehe, macht das meiste, das ich in den Qualitätsmedien lese, höre oder sehe, auf mich immer denselben Eindruck: Wenn ein Journalist zu einem Thema schreibt, bestehe seine Recherche vorwiegend daraus, zwei oder drei andere Texte zu lesen, die andere Journalisten zum selben Thema verfasst haben.

Nach vielen Gesprächen mit anderen glaube ich: Leser merken schnell, wenn Journalisten nicht nur große Wissenslücken haben oder erhebliche Fehler machen – sondern wenn eben diese Lücken oder Fehler von anderen oft ungeprüft und selbstverständlich übernommen werden.

Ich habe mir so etwas immer damit erklärt, dass unter den massiven Sparzwängen der Zeitungen und Magazine Journalisten oft einfach nicht mehr die Zeit für eine saubere Recherche oder für eine Überprüfung ihrer Ergebnisse haben. Nach dem, was Sie schreiben, muss ich mir nun allerdings eine andere Erklärung einfallen lassen.

Ich kann mich nur an ungeheuer wenige jounalistische Texte der letzten Jahre erinnern, nach deren Lektüre ich das Gefühl hatte, ich würde etwas anders sehen als vorher – ich hätte eine neue Perspektive kennen gelernt – oder hätte mich mit Fragen beschäftigt, auf die ich nicht von allein gekommen wäre. Eine der wenigen Ausnahmen in letzter Zeit war David Brooks’ Text „I Am Not Charlie Hebdo“ in der New York Times. Kein investigativer Text, sondern ein Kommentar – und dabei umsichtig, selbstkritisch und eigenständig.

Eben das fehlt mir in den Texten der meisten Journalisten: der Wunsch, Neuland zu betreten – etwas Neues zu erfahren und weiter geben zu können – vertraute Themen auf eine Weise zu sehen und zu beschreiben, die neue Perspektiven auf sie ermöglicht – Themen in den Fokus zu rücken, die wichtig sind, die aber aus Desinteresse oder mit Vorsatz weithin übersehen werden.

Die große Mehrheit der heutigen Journalisten sieht ihre Aufgabe offenbar eben nicht darin, mit ihren Lesern neue Gegenden zu erkunden – sondern ganz im Gegenteil darin, den Lesern Grenzen zu ziehen, ihnen deutlich zu machen, wie sie die Welt sehen sollten und wie nicht. Wer sie falsch sieht, ist dann eben ein Reaktionär, oder der Einfachheit halber gleich ein Arschloch.

Das erklärt dann auch die seltsame Angewohnheit, lieber von anderen abzuschreiben, als ein Thema selbstständig zu bearbeiten: Wer selbstständig arbeitet, ist immer in Gefahr, Grenzen zu überscheiten – wer hingegen Konventionen zementieren möchte, muss sich dieser Konventionen rituell wieder und wieder vergewissern.

Wären Sie Polizisten, dann würden Sie sich vermutlich als Ordnungshüter verstehen, nicht als Detektive.

Von Aufklärern und Arschlöchern Es ist eine biedermeierliche Welt, die dabei in den Sendern, Zeitungen und Magazinen entsteht – aber die Welt eines größenwahnsinnigen Biedermeiers. So wie es Journalisten – das ist zumindest mein Eindruck – an einem idealistischen Zutrauen zur eigenen Arbeit fehlt, so fehlt es ihnen zugleich an Vertrauen zu ihren Lesern.

In Blogs lässt ich dann manchmal nachlesen, welche Leserkommentare gelöscht wurden: Es sind keineswegs durchweg wüste Beschimpfungen, Drohungen oder Falschbehauptungen, sondern sehr häufig ganz einfach andere Meinungen, Ergänzungen, richtigstellende Informationen oder Hinweise auf weiterführende Quellen, die der Autor übersehen hatte. Manchmal werden dann sogar gleich ganze Accounts gelöscht.

Zu Diez’ Text konnte beispielweise ein Kommentar nicht erscheinen, dessen Verfasser – in wesentlich sachlicherem Ton als der Autor selbst – darauf hingewiesen hatte, dass es ganz gegen dessen Meinung ausgesprochen reaktionär sei, Männern die Möglichkeit zu verweigern, eigene Leiderfahrungen oder Benachteiligungen zu artikulieren.

Die Süddeutsche Zeitung hat die Möglichkeit der Kommentare nach ihren Artikeln, von wenigern handverlesenen Ausnahmen abgesehen, gleich ganz gestrichen – die Moderationspraxis in den anderen großen Zeitungen ist undurchschaubar und wirkt willkürlich.

Ich glaube ja, dass viele Kommentare eintreffen, die unsachlich, beleidigend, desinformierend oder möglicherweise sogar strafrechtlich relevant sind. Nach allem, was ich lese, bleiben aber immer noch genügend übrig, für die sich ein Kommentarbereich lohnt.

Gibt es eigentlich jemanden, der die Informationen dort nicht nur moderiert, sondern ab und zu auch auswertet? Wenn ja, warum wird das nicht wiederum den Lesern zugänglich gemacht, zum Beispiel in einem kurzen Artikel, der wesentliche Positionen aus den Kommentaren zusammenfasst?  Schließlich werden Kommentarstränge gerade zu bedeutenden Themen sehr schnell sehr lang, so dass kaum noch jemand die Zeit hat, sie ganz zu lesen. So gehen dann auch Kommentare unter, die ein größeres Publikum verdient hätten.

Statt aber dieses Angebot der Leser zu nutzen, blicken Journalisten – so scheint es – von sehr weit oben darauf hinab, oft mit demonstrativ angewiderter Miene. Die Süddeutsche Zeitung hat die Kommentarfelder schon 2011 als „Trollhaus“ bezeichnet, und die Zeit arbeitet mit Tiermetaphern: „Im Internet wie im Feuilleton suhlen sich rechte Meinungskrieger in ihren Ressentiments“ und „schließen sich in Horden zusammen“.

Für wen schreiben eigentlich Menschen, die ihre Leser als Tiere ansehen?

Das ist ein seit Jahrhunderten eingeübter Blick von oben auf den Pöbel –  nur dass aufgeklärte Menschen in aufgeklärten Zeiten natürlich nicht mehr vom Pöbel sprechen, sondern von Reaktionären, oder von Hatern, oder von Arschlöchern oder (wie der Journalist Michael Seemann) von menschlichem Abschaum„.

Diese Blick von ganz oben nach ganz unten gibt sich selbst zivil, und in ihm erscheinen immer die anderen als unzivil. Das ist nicht nur dann absurd, wenn ein Journalist so ausrastet wie Ihr Kollege Diez.

Zwischen Lügenpresse und Pegida-Nazis Der „Prozess der Zivilisation“ ist bei Norbert Elias ja unter anderem damit verbunden, dass die Spanne zwischen den institutionalisierten und den informellen Bereichen der Gesellschaft kleiner werde. Die Institutionen würden sich verflüssigen, offener und zugänglicher werden – die informellen Bereiche würden klarere Strukturen ausbilden, anschlussfähig werden für die Institutionen.

Zivilisation bedeutet eben nicht, dass sich eine zivilisierte Kaste vom Pöbel abgrenzt – sondern Zivilisation bedeutet ganz das Gegenteil: eine tragfähige Vermittlung zwischen den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft. Zivilisierung ist Demokratisierung.

Eben hier ist mein Eindruck, dass fast niemand unter den deutschen Journalisten sich dafür interessiert, welches unter heutigen Bedingungen seine Aufgabe bei einer solchen Vermittlung sein könnte. Stimmt das, dann fehlt Ihnen vor allem so etwas wie ein demokratischer Idealismus. Ohne diesen Idealismus nämlich entsteht auch der Wunsch gar nicht erst, Neuland zu betreten – und auch nicht das Zutrauen zu anderen, zu den Lesern, zu denen, die ganz anderer Meinung sind.

Augenscheinlich haben viele von Ihnen das Gefühl, ihr Soll an Idealismus schon erfüllt zu haben, wenn sie nur diffus eine rot-grüne Politik unterstützen. Natürlich ist das falsch – eine Unterstützung für SPD, Grüne oder auch Linke hat mit demokratischen Idealen grundsätzlich ebenso wenig oder viel zu tun wie eine Unterstützung der Union oder der FDP: Jemand definiert dabei seine eigene Position, indem er sich an bereits bestehenden Institutionen ausrichtet – das ist alles.

Anstatt zu vermitteln, inszenieren dabei viele Texte selbst hingebungsvoll Freund-Feind-Logiken und laden ihrerseits zu solchen Logiken ein. Hier steht dann die „Lügenpresse“, dort stehen die „Pegida-Nazis“: Eine zivile Demokratie braucht aber eben den Raum dazwischen, doch der wird zusehends kleiner. Dazu tragen Journalisten erheblich bei.

Das wird eher schlimmer als besser, wenn sie sich selbst eine aufgeklärte, gar irgendwie linke Haltung attestieren. Wer sich selbst diffus als links einschätzt, beschreibt dann seine Feinde eben als „reaktionär“, wer sich für gesittet hält, beschreibt sie als „Horde“. Diez’ Text ist dabei nur ein extremes, aber ansonsten typisches Beispiel: Er bestätigt diejenigen, die schon überzeugt sind, und beschämt öffentlich die, die anderer Meinung sind.

Kein Überzeugter findet Anlass zum Selbstzweifel – und kein Ungläubiger findet Argumente, die ihn überzeugen könnten.

Anstatt sich aber zu fragen, warum ihnen eigentlich irgendjemand so etwas abkaufen sollte, leben viele Journalisten offenbar in dem Gefühl, es sei vor allem das Internet, das zum Niedergang der Zeitungswelt führe. Anstatt hier Vermittlungen und Anschlüsse zu suchen, anstatt an dem Idealismus teilzuhaben, den es im Netz – zugegeben, neben vielen kleinen und großen Beklopptheiten – gibt, schotten sie sich eher ab. Bestenfalls scannen Journalisten das Netz auf mögliche Geschäftsmodelle. Nur ganz wenige bewegen sich dort so engagiert wie der von Ihnen interviewte Richard Gutjahr – und kaum jemand sieht das Netz als demokratische Chance.

Dieser in Konventionen vertüdelte und dabei zugleich herrisch austeilende Journalismus ist im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gleichsam ganz zu sich selbst gekommen. Er muss niemanden als Kunden behandeln und von der Qualität seiner journalistischen Arbeit überzeugen. Stattdessen sind einfach alle Menschen per Gesetz verpflichtet, ihm diese Arbeit abzukaufen, ob sie es nun wollen oder nicht, und unabhängig von aller journalistischen Qualität.

Ich wünsche mir sehr, dass viele Journalisten zu einem demokratischen Idealismus zurückfinden. Für deutlich wahrscheinlicher halte ich es allerdings, dass sie sich den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zum Vorbild nehmen und irgendwann nach staatlichem Beistand rufen. Nach steuerlichen Vergünstigungen – nach finanzieller Unterstützung für notleidende Zeitungen, die doch für den Fortbestand der Demokratie so wichtig seien – oder auch nach Beschränkungen für die lästigen Konkurrenten im Netz. Es gibt ja heute schon Zeitungen, die kaum verhohlen eine Zensur fordern.

Es ist in meinen Augen aber ein gutes Zeichen, dass Sie in der letzten Woche Ihre Leser einmal um Ihre Meinung gebeten haben. Ich hatte schon den Eindruck gewonnen, viele Journalisten würden sich nur dann für ihre Leser interessieren, wenn ihnen aus Sorge um den eigenen Arbeitsplatz klar wird, dass irgendjemand ab und zu ihre Zeitung kaufen muss.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie viele gute Briefe bekommen  – und auch, häufiger als in meinem Text, ab und zu ein Lob.

Mit freundlichen Grüßen,
Lucas Schoppe

  1. Ein sehr schöner Text. Hat eigentliche schon mal jemand auf einen der Brief komplett geantwortet? Also mehr als eine Standardantwort?

    Antwort

  2. Ein ganz starker „Offener Brief“, Lucas

    Ich hoffe er findet die verdiente Resonanz und eine hohe Verbreitung. Deshalb habe ich ihn bei mir aktuell verlinkt und hoffe, andere werden folgen.

    In der Überschrift war ich, entgegen meiner Art eher rustikal: „Ihr Arschlöcher!“ aber ich habe mir die „Vorbildfunktion“ der Medien angeeignet, das es wohl nun legitim ist, seine Meinung mit Injurien zu spicken.

    Antwort

  3. Dieser Brief gehört im SPIEGEL abgedruckt. Das wird aber nicht passieren.

    Antwort

  4. Nein, natürlich nicht. Das hab ich auch nicht erwartet. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk gehört zu einem modernen Adel: Man lässt sich vom Volk das Leben finanzieren – aber das heißt ja noch lange nicht, dass man mit diesen Leuten darüber hinaus etwas zu tun haben muss.

    Antwort

  5. Würde mich wundern, wenn Schnibben darauf antworten würde. Lucas Schoppe ist ja schließlich ein reaktionäres A….

    Obwohl, wer weiß, vielleicht kriegt der Spiegel gerade tonnenweise geharnischte Briefe mit ähnlichem Inhalt.
    Und: Wenn´s ums Geld geht, wird die Ideologie meist schnell über Bord geworfen. Bei den Verkaufseinbrüchen der letzten Jahre könnte daher ein schmerzhaftes Umdenken einsetzen.

    Merkwürdig, daß Diez so was überhaupt noch schreiben konnte. Evolutionsleugner = Antifeministen = Reaktionäre = A…lö..? Das hätte selbst einen verbohrten Politkorrekten eigentlich zum Nachhaken anregen müssen.

    Axel von AE

    Antwort

  6. Schöner Text, aber fruchtlos. Um mich selbst zu zitieren:

    Als aktiver Funktionsträger einer gleichgeschalteten Öffentlichkeit ist der Journalist ein Meinungssoldat (heißt, er würde gerne was anderes schreiben, aber er muss auch an seine Familie denken).

    Antwort

  7. Stephan Fleischhauer 9. März 2015 um 10:24 pm

    Gibt es eigentlich jemanden, der die Informationen dort nicht nur moderiert, sondern ab und zu auch auswertet? Wenn ja, warum wird das nicht wiederum den Lesern zugänglich gemacht, zum Beispiel in einem kurzen Artikel, der wesentliche Positionen aus den Kommentaren zusammenfasst?

    Das wäre in der Tat sehr sinnvoll. Ärgert mich schon seit eh und je, dass man nur stichprobenartig etwas über die Lesermeinungen in Erfahrung bringen kann. Im Print ist das noch unerfreulicher, man hat nur eine kleine Auswahl an Leserbriefe, die möglicherweise nicht repräsentativ ist.

    Antwort

  8. Leserbeschimpfung. Es ist schon eigentümlich, dass Journalisten ihre Leser wegen deren abweichender Meinung beschimpfen. Die jüngsten Attacken publizierender Bellizisten gegen die „Putinversteher“ war ja nicht der Anfang. Das, was zuletzt bei SPON geschah, war pennälerhafte Rüpelei. Eigentlich nicht wert, es noch zu rügen. Galt es doch eher der eigenen Bande als Bestätigung; so wie bei anderen Kolumnisten dort auch. Die negative Reaktion auf ihre Schreibe ist dabei wohlkalkulierte Selbstbestätigung.

    Dass solche Artikel polemisch sind, gehört zur Machart. Der Treppenwitz dabei ist, dass diese Figuren sich dann über Akif Pirinçci echauffieren – wobei dessen Polemik bei aller Deftigkeit noch Witz besitzt. Dass diese Artikel aber intellektuell noch so dünn wie Klarsichtfolie sind, ist erbärmlich. Da schimpft das Diez über Reaktionäre und verabschiedet sich mit „opportunistische Schließmuskel“. Wie kann ein Reaktionär opportunistisch sein?? Nein, da hinkt der Verstand, des opportunistischen Kolumnisten …

    Doch zu viel der Worte für dieses Pamphlet. Das Spiegellesen habe ich vor rund 40 Jahren mit 16 Jahren bereits eingestellt, da mir die Vermischung von Meinung und Nachricht damals bereits als unseriös erschien.

    Antwort

  9. „Wie kann ein Reaktionär opportunistisch sein?? Nein, da hinkt der Verstand, des opportunistischen Kolumnisten …“

    Stimmt eigentlich! Nehmen wir an, Schoppe ist ein Reaktionär. Mit seiner Meinung stellt er sich gegen die Öffentlichkeit, gegen die Medien, gegen die gängige Praxis in den Behörden, gegen die Rechtssprechung, gegen die Gesetzeslage, kurzum – gegen den Zeitgeist.

    Und in der Tat, worin dabei Opportunismus liegen soll, bleibt das Geheimnis von Herrn Diez.

    „Dass solche Artikel polemisch sind, gehört zur Machart. Der Treppenwitz dabei ist, dass diese Figuren sich dann über Akif Pirinçci echauffieren – wobei dessen Polemik bei aller Deftigkeit noch Witz besitzt.“

    Auch ich kann mich der Komik Pirinçcis nicht entziehen. Einige halten ihn ja für den Antichristen. Ich sehe ihn eher als Punk, als Rebellen. Die kurzen Texte die er gelegentlich via Facebook absondert (und vllt noch über andere Kanäle, keine Ahnung) lese ich sehr gerne.

    Mitunter geschmacklos? Kann man wohl so sehen. Aber: brüllend komisch!

    kafü

    Antwort

  10. „Wären Sie Polizisten, dann würden Sie sich vermutlich als Ordnungshüter verstehen, nicht als Detektive.“

    Ein schöner, ein treffender Vergleich!

    „Gibt es eigentlich jemanden, der die Informationen dort nicht nur moderiert, sondern ab und zu auch auswertet? Wenn ja, warum wird das nicht wiederum den Lesern zugänglich gemacht, zum Beispiel in einem kurzen Artikel, der wesentliche Positionen aus den Kommentaren zusammenfasst?“

    Mir gefällt dieser Vorschlag sehr. Dafür würde ich auch gerne zahlen, also z.B. im Rahmen eines Online-Abos. Das könnte wirklich funktionieren.

    „Diese Blick von ganz oben nach ganz unten gibt sich selbst zivil, und ihn ihm erscheinen immer die anderen als unzivil.“ Da hat sich ein Fehler eingeschlichen, Schoppe. Auch hier fehlt etwas: „Ich hätte vor dieser Erfahrung niemals für möglich gehalten, dass in Deutschland allein aufgrund der falschen Geschlechtszugehörigkeit – oder, aus der Perspektive unseres Kindes: der falschen Geschlechtszugehörigkeit eines Elternteils – so rechtlos sein kann.“

    Hast du jemanden, der Korrektur liest, Schoppe? Falls nicht biete ich mich gerne an. Ich bin Student und habe Zeit. 😉 Andererseits, die Fehler stören auch niemanden.

    Insgesamt mal wieder ein sehr starker Text. Chapeau!

    LG, kafü

    Antwort

  11. Es ist schlimm, dass Sie 1000 Kilometer fahren müssen, um Ihr Kind zu sehen. Ich kann das nachvollziehen. Allein der Kinder wegen, damit ihnen dieses gleiche Schicksal eines Tages erspart bleibt, lohnt es sich zu kämpfen. Mein bitteres Fazit habe ich kürzlich auf einer Internetseite in diesem Satz gelesen: „Man kann sie nicht abwählen, nur davon jagen.“

    Viele Grüße von http://www.vaeter.fall.vn

    Antwort

  12. Auch gut zum Thema passt die Rechtskolumne von Bundesrichter Thomas Fischer in der ZEIT.

    http://www.zeit.de/serie/fischer-im-recht

    Fischer ist authentisch, moderiert die Kommentarspalte unter seinen Beiträgen teilweise selbst. Dort, mitunter leidenschaftlich und wütend den Usern widersprechend, wirbt er für eine prinzipientreue und vernunftbegabte Rechtsstaatlichkeit.

    Er versteckt sich dabei nie, wagt sich auch an Schwieriges und Unbequemes. Bestes Beispiel ist sein jüngster Beitrag zur Edathy-Prozesseinstellung, dessen Lektüre ich unbedingt empfehle.

    Es dürfte sich erschließen, welchen Zusammenhang zur allgemeinen Medienkritik ich hier sehe: DAS authentische, aufsehenerregende Feature, das tatsächlich eine Plattform zum Diskurs darstellt (Fischer moderiert die Kommentare selber; und wirbt als Jurist im offenen Schlagabtausch mit den Menschen für die Funktionsweise der Justiz im Detail) wird von jemandem verfasst, der bislang kein Medienschaffender war. Und das ist auf eine sehr bezeichnende Weise traurig.

    Keiner der vielen gleichgeschalteten Journalisten hätte eine solche Kolumne auf die Beine gestellt, die in bester Weise fundierte Sachkenntnis UND Diskussionsplattform bereitstellt.

    kafü

    Antwort

  13. @ kafü Ganz herzlichen Dank – für den Kommentar, die Korrektur (ich hab's berichtigt) und das Angebot. Entschuldigung für die verspätete Antwort – ich war viel unterwegs.

    Eine Korrektur könnte ich oft gebrauchen: Im eigenen Text sieht man Fehler ja nicht mehr. Es liest auch oft noch jemand gegen, aber nicht immer. Ich würde auch von niemandem erwarten, alle Texte Korrektur zu lesen – meist arbeite ich ja abends dran und bin spät fertig, wenn anständige Menschen schon längst schlafen. 😉

    Ich bin aber für Hinweise wie die beiden oben dankbar – das eine war eine Unkonzentriertheit, im zweiten Fall hatte ich den Satz so kompliziert gebaut, dass ich mich selbst darin verhedderte. Wenn in den Kommentare oder per Mail (lucasschoppe@email.de) solche Hinweise kommen, bin ich, wie gesagt, sehr dankbar dafür. Das hilft mir schon sehr.

    Antwort

  14. Kann „kafü“ nur zustimmen: die Kolumne ist ein herausragendes Beispiel, wie Kommunikation mit den Lesern funktionieren kann.

    Antwort

  15. […] zu einem Ort der Vermittlung wird die Öffentlichkeit, die von den Medien gestaltet wird, zu einem Ort politischer Instruktion. Wenn Journalisten mitten darin aber die Verschärfung und Verrohung politischer Konflikte […]

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