Wie ich einmal den neuen Mad Max-Film nicht boykottierte

„Ja, ich bin ein Feminist“, erklärt gerade der Schauspieler Ryan Gosling im Magazin der Süddeutschen Zeitung (S. 20) und hat dafür auch eine überraschend einfache Begründung: „Frauen sind besser als Männer.“

Keine umständlichen Reden also darüber, dass es um Gleichberechtigung gehe und um eine Öffnung der Geschlechterrollen und dass all dies auch für die Männer gut sei – stattdessen kommt Gosling sympathisch-unbekümmert gleich zur Sache.Skandalös ist seine Aussage trotzdem nicht. Gosling erklärt mit ihr nämlich seine eigene familiäre Erfahrung, nach der Mutter und Schwester im Unterschied zum Vater für ihn da gewesen seien. Es wäre allerdings hübsch, wenn sich nun aus Gründen der Symmetrie auch eine bekannte Schauspielerin zur Maskulistin erklären würde, weil schließlich Männer einfach besser wären als Frauen, irgendwie.

Deutlich schwerwiegender als solche persönlichen Einschätzungen sind politische Ideologien der Höherwertigkeit eines der Geschlechter, oder kulturelle Klischees, die ganz abgelöst von aller konkreten Erfahrung weiter transportiert werden.

Feministische Klischees eben dieser Art entdeckt der Blogger Aaron Clarey im vierten Mad Max-Film, Mad Max: Fury Road. Genauer: Er entdeckt sie in den Trailern des Films, da er den Film selbst nicht gesehen hat, aber prophylaktisch trotzdem schon einmal zu seinem Boykott aufruft.

Da nämlich die Figur des Max, so Clarey nach Ansicht der Trailer, hinter der Frauenfigur der Imperator Furiosa offenbar zur Staffage werde, da an dem Film die feministische Autorin Eve Ensler beteiligt gewesen sei, sieht der Blogger den Film als „feministisches Propagandastück“ (feminist piece of propaganda), als „Trojanisches Pferd“ (Trojan Horse) und als Vehikel, mit dem den Zuschauern eine Lektion in Feminismus in den Hals gestopft werde (to force a lecture on feminism down your throat).Darauf antwortet sogleich der feministische Blogger David Futrelle, der den Film ebenfalls nicht gesehen hat und der nun einen noch längeren Text darüber verfasst – um ihn gegen „diese Arschlöcher“ (these assholes) zu verteidigen. In weiteren Texten legt Futrelle nach und macht sich beispielweise über die „Mann-Babies mit Anspruchshaltung“ (entitled manbabies) lustig, die sich durch starke Frauenfiguren in einem Film bedroht fühlen würden.

Diese von beiden Seiten unseriös geführte Auseinandersetzung über einen ungesehenen Film hätte einfach eine von vielen Internet-Absurditäten bleiben können – wenn etablierte Medien sie nicht in großer Zahl aufgegriffen und aufgeregt über die Wut von „Männerrechtlern“ über den neuen Mad Max-Film und über Boykottaufrufe gegen ihn berichtet hätten.

Woher aber kommt eigentlich diese Aufregung?

Um das beantworten zu können, habe ich mir – auch wenn das in engagierten Geschlechterdebatten über einen Film möglicherweise als ungewöhnliche und unverständliche Idee erscheinen mag – erst einmal den Film angesehen.

Von den tiefgreifenden Botschaften spektakulärer Action-Szenen Mad Max: Fury Road ist der vierte Teil eine Reihe, die eigentlich schon 1985 als Trilogie abgeschlossen war. In einer postapokalyptischen Wüstenwelt herrscht der Tyrann Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne) und hat in seiner „Zitadelle“ Kontrolle über größere Wasservorräte. Eine seiner Kriegerinnen, Imperator Furiosa (Charlize Theron), entführt ihm einen Tankwagen. Darin: fünf befreite „Breeders“, junge modelhafte Frauen, deren Zweck es ist, die Kinder des Tyrannen auszutragen.

Die Frauen werden von dessen uniform aussehenden Kriegern durch die Wüste verfolgt, der Einzelgänger Max (Tom Hardy) hingegen hilft Furiosa. Das ist eigentlich auch schon die gesamte Handlung in dem über zwei Stunden langen Film –

„Es geht ausschließlich darum, in der Wüste herumzurasen“ (Daniel Kothenschulte in der Frankfurter Rundschau, Bildunterschrift)
Furiosa möchte die Frauen in eine „grüne Oase der Mütter“ bringen, aus der sie einst als Kind entführt worden sei – trifft schließlich auch noch einige dieser Mütter an, die auf Motorrädern durch die Wüste reisen, stellt aber fest, dass sich die Oase in ein von Krähen besiedeltes Sumpfland verwandelt hat – und folgt dann dem Plan von Max, zur Zitadelle zurückzufahren und sie zu erobern.
Der Film ist so tatsächlich eine einzige überlange Verfolgungsjagd ohne echtes Ziel – eine permanente rasende Bewegung, die schließlich eben dort ankommt, wo sie begonnen hatte. Die Vorwürfe aber, dieser Film sei ein Vehikel für eine männerfeindliche feministische Propaganda, sind nicht haltbar, auch wenn er Geschlechterklischees und einfachen Freund-Feind-Mustern folgt.
Sicherlich: Die Männer in dem Film sind, mit Ausnahme von Max, entweder gierige Herrscher, oder sie sind uniforme Krieger, die den gierigen Herrschern gedankenlos folgen. (Hegemoniale Männlichkeit!) Bevor die Frauen des Tyrannen fliehen, schreiben sie ihm zudem den Slogan „We are no things“ (Wir sind keine Gegenstände) an die Wand. (Objektifizierung!) Als eine Frau zu ihm zurückkehren will, wird sie von den anderen zurückgehalten. (Gewalt als patriarchales Herrschaftsinstrument!)
Wer unbedingt will, kann zudem auch den Plot politisch deuten: Es gibt keine Rückkehr in das gute matriarchale Paradies, daher ist der einzige noch mögliche Weg der, die Zitadelle des Patriarchats einzunehmen. (Patriarchatskritik!)

Doch tatsächlich interessiert sich der Film für diese Aspekte kaum.

„Befreit von Plot, Sinn und Verstand verschreibt sich ‚Mad Max: Fury Road‘ einem absurd hochtourigen Bewegungsvektor.“ (Simon Rothöhler in der taz)
Auch die Vorwürfe einer von Arne Hoffmann veröffentlichten Lesermail lassen sich daher nicht halten,  der Film würde einen Kult des männlichen Opfers für die Frau inszenieren und Gewalt von Frauen verharmlosen.

Sowohl Männer als auch Frauen opfern sich hier, ihr Tod wird jeweils irgendwie ergreifend, aber vor allem hastig abgefilmt und ist dann nach wenigen Minuten schon wieder vergessen. In einer Szene beklagt zudem eine der jungen befreiten Model-Frauen, dass Frauen – was den Umgang mit Gewalt betrifft – auch nicht weiter und friedlicher seien als Männer.Der Film enthält so zwar männerfeindliche Klischees, aber er ist in etwa derselben Weise männerfeindlich und feministisch, wie die alten James Bond-Filme oder die mittleren Rambo-Filme antikommunistisch sind. Die simplen politischen Freund-Feind-Muster stellen lediglich einen Rahmen zur Verfügung, ohne den die Nummernrevue spektakulärer und noch spektakulärerer Szenen in die Zusammenhanglosigkeit auseinanderfallen würde.

„Ja, genau genommen ist dieser ‚Mad Max‘ ein Frauenfilm, der – wenn man sich darauf einlässt – tiefgreifend von Weiblichkeit erzählt,“

schreiben Sophie Albers und Ben Charmo trotzdem im Stern. Mit demselben Recht könnten dann auch Liebesgrüße aus Moskau oder Rambo II – Der Auftrag als tiefgreifende Reflexionen über den Kampf der Demokratie gegen den Totalitarismus gepriesen werden.Für die feministische Botschaft, deren Vehikel der Action-Film angeblich ist, interessiert sich hier jedenfalls niemand. Die Welt der Mütter ist reduziert auf die knappe Pointe, dass Großmütter auf Motorrädern durch die Wüste fahren – ansonsten aber wird die Welt der männlichen Tyrannen wesentlich liebevoller und faszinierter ausgestaltet.

„Zu den herrlichsten Regie-Einfällen zählt der E-Gitarren-Virtuose, der sich an der Rückseite des mit Stadionboxen bestückten Monstertrucks des Schurken festgeschnallt hat. Tosend vertont er das Geschehen wie ein Stummfilmmusiker.“ (Daniel Kothenschulte, FR)

Impotente, reaktionäre, idiotische Versager (und weitere Beispiele emanzipatorischen Vokabulars) Umso erstaunlicher ist es, wie schnell und umfassend Vertreter vieler etablierter Medien zur Verteidigung des Films gegen einen einzigen Blogeintrag anrücken. CNN (!) berichtet aufgeregt, Männerrechtler würden zum Boykott des Filmes aufrufen.  Dass Clareys Blog Return of Kings sich selbst von Männerrechtlern scharf distanziert, spielt dabei aus noch nicht ganz geklärten Gründen überhaupt keine Rolle.Jason Wilson wundert sich im Guardian überhaupt nicht darüber, dass „Männerrechtler“ Mad Max: Fury Road ablehnen – schließlich konfrontiere der Film sie mit ihrer Machtlosigkeit (oder: Impotenz) und ihrem Versagen (impotence and failure). In Anspielung an das „male tears“-Gerede seiner Guardian-Kollegin Jessica Valenti wünscht er sich Popcorn, gesalzen mit den Tränen von Reaktionären (salted with reactionary tears), um dem Spektakel weiter genüsslich zusehen zu können.

Dass er sich dieses Spektakel bloß fantasiert, ist für ihn ebenso unwichtig wie für David Edelstein, der bei Vulture über die Proteste „sogenannter Männerrechtsgruppen“ (so-called men’s-rights groups) räsoniert und gar nicht darüber hinwegkommen kann, „dass solche Vollidioten tatsächlich existieren“ (that such morons actually exist).Alice Vincent erklärt im Telegraph, „warum Männerrechtsgruppen Mad Max: Fury Road hassen (Why men’s-rights groups hate Mad Max: Fury Road), und zitiert aus Leserkommentaren aus dem Return of Kings-Blog, die sie offenbar gar nicht selbst gelesen, sondern bloß aus Futrelles Artikel übernommen hat.

Auch andere Texte etablierter Medien wirken so, als würden die Autoren beständig voneinander abschreiben, ohne ihre Informationen zwischendurch probehalber einmal zu überprüfen. The Independent beispielweise stellt ganz ohne unnötige Faktenrecherche klar, dass Männerrechtsgruppen ungeheuer wütend auf den Film seien.

Arne Hoffmann findet bei einer Google-Suche über die angebliche Wut von Männerrechtlern auf den Film weitere Beiträge gleich reihenweise.Es gibt allein schon im seltsamen Blog Return of Kings andere Texte, bei denen eine solche Kritik angemessener und wichtiger wäre – etwa bei einem dort veröffentlichten kenntnisfreien, aber tief ressentimentgeladenen Beitrag über die angebliche Zerstörung der westlichen Kultur durch jüdische Intellektuelle. Warum also diese ungeheure Aufregung über eine Filmkritik, die zwar schlecht begründet ist, die aber doch als Einzelmeinung eigentlich problemlos akzeptiert werden könnte?

Von guten Beschimpfungen und böser Kritik Noch fragwürdiger wird diese Aufregung im Vergleich zu Reaktionen auf einen anderen neuen Film. Der eigentlich feministische Regisseur Joss Whedon wurde in sozialen Medien von feministischer Seite gerade erst ungeheuer maßlos und öffentlich beschimpft:
„Alles an dir ist Scheiße“, „Du bist Müll“, „Sexistisches Arschloch“, „Ich hasse dich und dein beschissenes sexistisches Schreiben“, „Du kannst meinen ganzen Arsch lecken“, „Schwein“, „ekelhafte kleine Ratte“, „Meister der Frauenfeindlichkeit“, „Fick dich du idiotisches verficktes Stück Scheiße“, „Mülleimer“, „Schwachkopf“, etc.pp.

Der Grund für diese maßlose Wut: In Whedons neuem Superhelden-Film Avengers: Age of Ultron war eine weibliche Hauptfigur in den Augen der feministischen Kritikerinnen (und Kritiker) nicht ausreichend weiterentwickelt worden.Die ungeheure und narzisstische Aggression gegen Whedon ist, anders als die herbeigeredete männerrechtliche Aggression gegen den Mad Max-Film, real – ohne dass aber in diesem Fall irgendeiner der aufrechten Journalisten sogleich zur Stelle gewesen wäre, um die Freiheit der Kunst gegen politisierende Anfeindungen zu verteidigen.

Warum also greifen sie jetzt plötzlich so entschlossen ein?

Zwischen dem Rambo-Antikommunismus und dem Mad Max-Feminismus gibt es einen wichtigen Unterschied. Wer schroffe Freund-Feind-Muster auf die eigene soziale Gruppe projiziert, also beispielsweise die Angehörigen eines Geschlechts als Feinde präsentiert, schafft damit ganz besondere Probleme.

Wie können denn Jungen oder Männer, die einen Film wie Mad Max: Fury Road sehen, darauf reagieren, dass sie selbst oder die Angehörigen ihres Geschlechts hier weit überwiegend als primitive Feinde dargestellt sind? Wie können Mädchen oder Frauen darauf reagieren, dass hier ihre Partner, Brüder, Freunde, Väter oder Söhne als Feinde präsentiert werden?Zumindest den männlichen Teil kann ich beantworten, auch wenn mich der Umgang von Frauen mit solchen Klischees sehr interessieren würde. Die meisten Männer oder Jungen, die den Film sehen,  werden nach meiner Einschätzung eine sehr einfache Lösung finden – nämlich die feministischen und männerabwertenden Anteile nicht ernst zu nehmen, sie zu ignorieren und sie gleichsam in ein Hintergrundrauschen umzurechnen.

Ausgerechnet den entschlossenen Verteidigern des Films aber steht diese einfache Möglichkeit nicht zur Verfügung – wer möchte sich schon nachsagen lassen, einen wichtigen feministischen Film nicht ernst genug zu nehmen?

Da sich aber niemand auf Dauer selbst als Feind ansehen kann, gegen den er aufbegehren müsste, bleibt ihnen die Möglichkeit einer Spaltung in gute und schlechte Männer: Ja, Männer sind so, aber ICH bin anders. Max selbst, der als Einzelgänger seine Integrität bewahrt hat, kann hier als Identifikationsfigur dienen.Wer den Film so als feministische Botschaft interpretiert, ist also angewiesen auf Männer, gegen die er sich abgrenzen kann – und seien es auch nur die Männerfantasien über eine niemals existierende Boykottfront wütender Männerrechtler.

Das aber überfrachtet den Film heillos: Er ist visuell beeindruckend, aber intellektuell würde er schon Sechstklässler erheblich unterfordern. Er ist eben gerade kein Vehikel für eine feministische Botschaft, es ist genau umgekehrt:

Mad Max: Fury Road funktionalisert feministische Klischees als gedankenbefreite Rahmung für einen Film, dessen einziges ernsthaftes Anliegen die unschuldige Freude daran ist, möglichst viele schnell fahrende Gegenstände möglichst effektvoll in die Luft zu jagen. Es ist durchaus entlarvend, dass dies als emanzipatorische Botschaft ernst genommen wird.
Es ist dabei aber auch ein ganz eigenes, absurdes Vergnügen zu sehen, wie wackere feministische Kämpen aus vielen Richtungen zu Hilfe eilen, um ausgerechnet diesen Film gegen eigens herbeiphantasierte, verbissen-verbitterte Männerrechtler zu verteidigen.

Das wird vermutlich noch einige wenige Tage so weitergehen, bis zur nächsten großen Aufregung.Also: Noch etwas Popcorn, bitte!

  1. Nur noch verrückt das ganze.

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  2. „.. als ungewöhnliche und unverständliche Idee erscheinen mag – erst einmal den Film angesehen.“

    :_)) :_)) :_))

    Du betreibst schon wieder „Derailing durch Differenzierung (DdD)“ !!elf11. Ich habe mich vor ein paar Tagen auf marenleinchens Blog blog verlaufen. Sie hatte ebenfalls diese Sünde begangen und war deshalb von einer Twitteraktivistin wüst angefeindet worden, da fiel mir der Begriff wieder ein. In diesem Sinne eine kleine Berichtigung:

    „Dass Clareys Blog Return of Kings sich selbst von Männerrechtlern scharf distanziert,…“

    Besitzer von Return of Kings ist Roosh V, nicht Clarey.

    Dieser Blog ist in erster Linie ein PUA Blog. Er hat ca. 1000 Posts p.a. und sehr viele Autoren. Ich bin nicht sicher, ob irgendjemand von denen für den Blog insgesamt spricht (eventuell nicht einmal der Besitzer) oder jeder nur für sich privat.

    Der Skandal-Post Why You Should Not Go See „Mad Max: Feminist Road“ stammt wie erwähnt von Aaron Clarey, der aber ansonsten einen eigenen Blog Captain Capitalism hat.

    Der beiden sich von den MRs distanzierenden Posts stammen von anderen Autoren: 5 Reasons I'm Not a Men's Rights Activist von einem Billy Chubbs und The Men's Right Movement Is no Place for Men von Emmanuel Goldstein. Sie sind jedenfalls nicht unter den Top 35 Posts erwähnt.

    Return Of Kings ist mit Sicherheit sehr feminismuskritisch (was nicht exakt dasselbe ist wie männerrechtsaktivistisch, aber nahe daran). So oder so dürfte Return Of Kings eine der meistgehaßten Adressen in feministischen Kreisen sein, das triggert schon mal sehr schnell Standardreflexe.

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  3. Sehr schön ausdifferenziert, Herr Schoppe!
    Nur bin ich etwas skeptischer, was die Harmlosigkeit solchen Popcorn-Kinos angeht. Ich glaube, Sie liegen mit dem Begriff „Hintergrundrauschen“ goldrichtig! Gerade WEIL die platte Botschaft en passant daherkommt und einem nicht mit dem Theorie-Gesülze des Anspruchskinos verabreicht wird, kann sie ihr vermeintlich „heilsames“ Gift wirkungsvoll injizieren. Da hat die feministische Beraterin ganze Arbeit geleistet.
    Auch der Verweis auf Bond und Rambo kann ganz anders gelesen werden: Gerade WEIL das Unterhaltungskino des Kalten Krieges seine Botschaft immer nur subkutan verabreichte – und dies permanent, wieder und wieder -, wurde sie gar nicht als Propaganda empfunden. Und war um so wirkungsvoller.
    Wobei sicher die Systemtreue der „Kapitalisten“ im Publikum damals ebenso vorausgesetzt wurde wie die der „Feministen“ des heutigen Popcorn-Publikums. Das ist ja das Deprimierende: Hier soll niemand überzeugt werden – das Einverständnis des Massenpublikums wird a priori vorausgesetzt.
    Gerade habe ich einen der Video-Kommentare von Karen Straughan gesehen, an dessen Ende sie ausnahmsweise nicht schelmisch lächelte, sondern den Tränen nahe schien. (Ich übersetze vage aus dem Gedächtnis) „Wie unglaublich RICHTIG der Masse die feministische Zerstörung vorkommt. Ich sehe keinen Ausweg daraus. Keinen….“
    Schöne Grüße
    P.S.
    Der filmischen Propaganda ließ Darstellerin Charlize Theron übrigens noch eine „reale“ folgen. Sie verkündete in sämtlichen Interviews ganz stolz, dass sie hammerhart verhandelt und auf gleicher Gage bestanden habe wie der von „Mad Max“ Tom Hardy. Denn Frauen seien in Hollywood – na was wohl? – viel schlechter bezahlt. Was für 'ne Heldin….

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  4. Als ich zum ersten Mal vom Bechdel-Test erfuhr, kam ich nicht umhin zuzugeben, dass da etwas dran ist. Tatsächlich kommt weiblichen Protagonisten im Schnitt eine ganz signifikant passivere Rolle zu mit weniger Sprechzeit etc.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Bechdel_test

    Ich kann verstehen, dass sich die feministische Seite darüber beschwert. Mir ist dann aber schnell aufgefallen, dass die Darstellung von Männern ebenso jede Menge Stereotype und Sexismus bereithält. Und um das vorwegzunehmen: müsste ich mich entscheiden, entweder passiv dargestellt zu werden, oder zwar häufig als Held, aber eben auch häufig als Monster … ich würde eindeutig die passive Darstellung bevorzugen.

    1) Wenn es in einem Film „Kanonenfutter“ gibt, also irgendwelche Handlanger, Schergen oder auch Wachleute etc., die massenhaft und völlig bedenkenlos abgeschlachtet werden, so handelt es sich dabei stets um männliche Rollen. Mich würde mal die Statistik interessieren, wie viele männliche Figuren in ein einem Kinojahr sterben vs. wie viele es bei den weiblichen Figuren sind.

    2) Männer als Gewalttäter & (Sexual-)Straftäter. Zur Einordnung: Es hat sich ja mittlerweile der Typus des weiblichen Oberschurken etabliert. Siehe bspw. Eva Green als Artemisia in „300: Rise of an Empire“. Abseits dieser Ausnahmen sind es jedoch männliche Figuren, die als problematisch dargestellt werden.
    Mir fällt spontan kein einziger Film ein, der weibliche Sexualtäterschaft thematisiert. Ganz zu schweigen von Szenen, die Sexualtäterschaft abbilden, ohne dass es sich dabei um ein zentrales Thema des Plots handelt. In solchen Szenen sind 99% männliche Täter zu sehen.

    Nun wissen wir ja aber aus der Kriminologie und der Sexologie, dass weibliche Täterschaft auch in diesen Bereichen einen weit größeren Anteil ausmacht, als gemeinhin angenommen. Täterschaft ist in der verkürzten, häufig plakativen Filmsprache stets männlich. In der Realität aber nicht. Und ja, das ist ein riesiges Problem. Filme drehen sich nun mal häufig um Kriminalität, Gewalt und Milieu, weil solcher Stoff Spannung und Unterhaltung verspricht. Und: Filme erreichen Millionen. Ein Massenmedium also, welches natürlich auch Spuren im kollektiven Bewusstsein hinterlässt und einen starken Einfluss darauf hat, was Menschen als weiblich – und was als männlich assoziieren. Täterschaft ist männlich. Man sieht es schließlich jeden Tag im Fernsehen.

    kafü (wird fortgesetzt)

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  5. Ich erinnere daran, dass Männer härter belangt werden, wenn sie vor Gericht stehen. Frauen kommen häufiger davon, schlicht weil ihnen bestimmte Taten gar nicht erst zugetraut werden. Und werden sie doch gefasst, fällt die Strafe geringer aus. Die Unschuldigen, die in absurden Indizienprozessen verurteilt werden, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren? Durchweg Männer. Allein schon das männliche Geschlecht zu haben, macht Täterschaft irgendwie plausibel. Tja, auch Staatsanwälte und Richter werden mit den Stereotypen groß, die Tag für Tag in den Unterhaltungsmedien gezeichnet werden.

    Ich stimme also „Anonym“ zu. Als Maskulist könnte ich mich durchaus über die Darstellung des Männlichen im Kino ereifern. Tu ich aber nicht. Zwecks Zeitmangel. 😉 Und ob Fury Road (den ich nicht gesehen habe) als Stein des Anstoßes taugt? Wohl eher nicht. Trotzdem stimme ich „Anonym“ ganz entschieden zu. Dass es sich um ein „Hintergrundrauschen“ handelt, macht es nicht besser.

    „Ich bin zunehmend schockiert über die gedankenlose Abwertung von Männern, die so sehr Teil unserer Kultur geworden ist, dass sie kaum noch wahrgenommen wird.“

    Dieses Zitat Lessings ist ja geläufig, aber hier passt es gerade allzu sehr, weshalb ich es mal hervorkrame.

    Es ist also mMn gar nicht so weit hergeholt, auch den Plot eines so belanglosen Streifens zu politisieren. Empört hat sich aber niemand – und es ist bezeichnend und blamabel, dass die nächste Presseente umgeht und Lügen über Maskulisten verbreitet werden. Für abwegig halte ich aber eine solche Empörung nicht. Die kriminalisierende und dämonisierende Darstellung von Männern in den Unterhaltungsmedien ist ein bedeutendes Problem.

    kafü

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  6. Das ist in meinen Augen hier eine zentrale Frage: Ist die politische Botschaft des Films nicht allzu wichtig, weil sie ohnehin nicht weiter auffällt – oder ist sie eben gerade deshalb so wirkungsvoll, weil sie „subkutan verabreicht“ und daher nicht einmal reflektiert wird?

    Ich glaube, dass die Hoffungen verfehlt sind, mit einem Film wie diesem politische Einstellungen prägen zu können. Filme haben eine Eigenlogik, um ALS FILME funktionieren zu können – und sie brauchen politische Inhalte nur so weit, wie sie dieser Eigenlogik dienen. Das gilt auch für Romane, Gedichte, Comics etc. Einige Bücher, die ich z.B. von Günter Grass gelesen habe (bzw. durchzulesen versuchte), fand ich eben deshalb so langweilig, weil sie bloßes Mittel für eine politische Botschaft waren. Auch wenn das eine gute Botschaft gewesen sein mag – „Die Rättin“ z.B. war wohl das langweiligste Buch, das ich je gelesen habe.

    Ein Action-Film wie „Mad Max“ ist gegenüber politischen Inhalten m.E. regelrecht parasitär, und mit gutem Grund – er holt sich nur das, was er für sich selbst braucht. Das sind hier simple Freund-Feind-Muster, über die niemand lange nachdenken muss, um nicht vom begeisterten Zuschauen abgelenkt zu werden. Es ist eigentlich völlig egal, ob diese Muster vom Antikommunismus, vom Antiislamismus, vom Feminismus oder sonstwoher geliefert werden.

    Feministinnen aber müsste das eigentlich peinlich sein – ihre emanzipatorische Haltung ist so weit gekommen, dass sie sich gerade noch als Lieferant für denkbefreite Freund-Feind-Muster eignet, wie sie für die Materialschlacht eines solchen Action-Filmes wichtig sind. Die Hoffnung, dass dabei allen Ernstes Botschaften transportiert werden, halte ich für albern.

    Wichtig ist aber, dass es noch genügend andere Werke der Popkultur gibt, die anders funktionieren. Dabei geht es nicht einmal um Feminismus oder Feminismuskritik, sondern um die Reflektion von simplen Gut-Böse-Mustern. Die (ungeheuer gute) Serie „The Walking Dead“ z.B. spielt wie „Mad Max“ in einer postapokalyptischen Welt, stellt aber sehr variantenreich eben die Fragen, die bei Mad Max überhaupt nicht von Belang sind: Was wird aus Menschen, aus menschlichen Beziehungen und aus moralischen Regeln, wenn alle gewohnten sozialen Ordnungen zusammengebrochen sind?

    Oder ein noch erfolgreicheres Beispiel, eher aus der Jugendliteratur: Im Band (und Film) „Der Gefangene von Askaban“ aus der Harry Potter-Reihe, der mir dort am Besten gefällt, werden eben die Freund-Feind-Muster völlig verwirrt, die am Anfang noch klar und unbezweifelbar erscheinen.

    Solange es noch genügend solcher Bücher, Filme, Comics etc. gibt, finde ich einen Film wie „Mad Max“ nicht sonderlich problematisch. Man kann einfach die irrwitzigen Bilder und den Soundtrack genießen und souverän ignorieren, dass der politische Hintergrund klischeehaft und bescheuert ist („guilty pleasure“ nennt man sowas meines Wissens im Englischen).

    🙂

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  7. Ob der Film wohl floppt?

    Zwar mag das Actionspektakel spitze sein, aber ob das reicht? Der Film, vom teaser her, macht einen recht sterilen Eindruck. Vermutlich ohne besonderen Ausdruck von Individualität oder gar Selbstironie (auch unfreiwilliger)… Dieses hat mE aber jeder gute Actionfilm ganz arg nötig, sonst wird er schnell dröge. Vor allem wenn er über 2 Stunden lang ist, da reicht keine Popcorntrommel XXL drüber hinweg.

    Diese Art von figürlicher Sterilität scheint ein generelles Problem feministischer Popkunst zu sein, wie zB bei deren Versuchen, Videospielfiguren zu entwerfen augenscheinlich wird. Weil diese sich den Ansprüchen des Publikums an klischeehafte Idealbilder bewußt versagen und ihr Publikum mit eigenen, ideologisch konstruierten Bildern gewissermaßen bevormunden will, erzielt sie vor allem Langeweile.

    Na, wenn der Film floppt, sind bestimmt die bösen BOYkotteure (kleines Wortspiel) schuld…

    Hier eine Filmanalyse von „Aliens“, mit bekanntlich absolut starker Frau (und ungeheurem Erfolg aller Sequels!) zum Kontrast: „It's a film full of strong, independent women who pull their weight…which is probably why feminists never mention it.“
    http://www.youtube.com/watch?v=0UbvxUkQYm4

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  8. Auf der Wikipedia-Seite des Films sind zwei Metakritiken verlinkt:

    http://www.metacritic.com/movie/mad-max-fury-road
    http://www.rottentomatoes.com/m/mad_max_fury_road/

    Beide fallen sehr gut aus, an Promotion mangelt es also nicht.

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  9. „Die kriminalisierende und dämonisierende Darstellung von Männern in den Unterhaltungsmedien ist ein bedeutendes Problem.“ Ja. Sie wird aber vor allem dann zum Problem, wenn sie von einem politischen und auch sonstigen massenmedialen (also journalistischen) Rahmen umgeben ist, der mit eben denselben Klischees arbeitet.

    Was Filme, Romane, Lieder etc. angeht, bin ich mit politischen Erwartungen an sie zurückhaltend, weil sie dort vieles zerstören würden. Das ist, wenn ich es richtig verstanden habe, auch eines der wesentlichen Anliegen von Gamern in der Auseinandersetzung mit Sarkeesian und co: Nicht die Unterstützung von Frauenfeindlichkeit, sondern die Verteidigung des SPIELS gegen politisch-moralische Eindeutigkeiten.

    Dass Spiele eben gerade davon leben, solche Eindeutigkeiten aufzuheben, ist ja kein Gedanke von seltsamen Männerrechtlern oder nerdigen Gamern, sondern von Schiller, der ihn wiederum im Anschluss an Kant entwickelt. Soll heißen: Es ist keine abseitige oder einseitige Position, sondern eine, die mit guten Gründen schon lange etabliert ist.

    Ich selbst würde nur in extremen Fällen Kunst (die ja auch eine Art Spiel ist) nach ihrer politischen Aussage bewerten. Dass z.B. „Birth of a Nation“ als filmisches Meisterwerk gehandelt wird, wird mir durch den Rassismus des Films verdorben. Und gegen Filme von Veit Harlan gab es nach dem Krieg völlig zu Recht Boykottaufrufe – der hatte sich durch „Jud Süß“ eben für alle Zeit disqualifiziert.

    Selbst in dem Fall aber entstand ein großer Teil der Problematik eben dadurch, dass der Film eingepasst war in ein gleichförmiges System, in dem Politik und Propaganda eben dieselben brutalen Ziele verfolgten wie der Film.

    Heute, in einer ganz anderen Situation, sehe ich das wesentliche Problem darin, dass Politiker und Journalisten eben dieselben Klischees bedienen wie „Fury Road“. Von denen müsste aber ganz anderes erwartet werden als von einem Action-Film.

    Regelrecht beunruhigend finde ich, wie schamamputiert Journalisten ungeprüft voneinander abschreiben, solange es nur politisch genehm ist. Abstoßend ist, zum Beispiel, auch die genüssliche Geilheit, mit der Jason Wilson im Guardian mit der Mehrdeutigkeit des Begriffs „impotence“ spielt – auf Kosten von Leuten, die eigentlich nichts anderes getan haben, als sich an einem Action-Film zu stören. Das Ganze in einer der wichtigsten Tageszeitungen des Landes, die eine lange linksliberale Tradition hat.

    Politisch ist die Situation ähnlich. Regelrecht verrückt ist es, wie ausdauernd Schwesigs „Familien“ministerium Veranstaltungen fördert, in denen normale Kritik als Ausdruck von Hass denunziert wird. Aus öffentlichen Geldern, selbstverständlich. Die Ministerin selbst propagiert dieselben Freund-Feind-Bilder wie der (politisch) primitive Action-Film „Fury Road“, wenn sie regelmäßig und verbissen mit den Klischees der unschuldig-schutzbedürftigen Frau und des mächtigen, gewalttätigen Mannes arbeitet.

    Von Journalisten und Politikern aber kann man sehr wohl reflektiertere politische und moralische Eindeutigkeiten verlangen. Wenn wir uns stattdessen auf Filme, Bücher und andere Produkte der (Pop-)Kultur konzentrieren, dann wohl deshalb, weil sie uns irgendwie näher erscheinen als politische oder journalistische Strukturen. Es ist ja auch lohnend, sie zu analysieren und zu kritisieren und sie nicht NUR zu genießen. Aber ich finde es wichtig, im Kopf zu behalten, dass sie nicht das wesentliche Problem sind.

    Antwort

  10. Danke für die Verlinkungen! Die Aliens-Kritik ist ein gutes Beispiel dafür, dass eine feminismuskritische Position eben nicht in der unterstellten „Angst vor starken Frauen“ begründet ist.

    „Fury Road“ wird m.E. ein ziemlich großer Erfolg werden. Bei den selbstironischen Passagen war ich mir allerdings nicht ganz sicher, ob sie freiwillig waren oder dem Regisseur nur unterlaufen sind.

    Regelrecht lächerlich war z.B. eine Szene, in der Max nach langen Verfolgungsjagden in der Wüste ungläubig die fünf befreiten Model-Frauen ansieht, die sich gerade fotogen mit Wasser bespritzen. Als ob aus Versehen Germany's Next Top Model in den Film reingerutscht wäre.

    Ich weiß, dass einige Kritiker dem Film Humor zusprechen – ich selbst fand ihn nicht besonders lustig. Trotzdem: Obwohl ich mich bei Verfolgungsjagden im Film schnell langweile, fand ich „Fury Road“ doch über zwei Stunden lang zumindest unterhaltsam. Die Bilder sind z.T. einfach sehr eindrucksvoll, und der visuelle Einfallsreichtum mancher Szenen ist schon sehr groß.

    Bei der verlinkten Filmkritik-Sammelseite rottentomatoes.com hat der Film ja auch ein Traumergebnis – es gibt kaum einen Kritiker, dem er nicht gefällt. Finde ich überbewertet, aber trotzdem nachvollziehbar. Er ist ein Ereignis, dass es so wirklich nur im Kino geben kann – am Bildschirm würde er nicht wirken, im Theater ginge es nicht, bei einem Buch zum Film würde das Wichtigste fehlen.

    Antwort

  11. Danke für die Hinweise! In meinen Augen ist „Return of Kings“ ein Beispiel dafür, dass Texte nicht schon allein dadurch vernünftig sind, dass sie Kritik am Feminismus äußern. Es ist aber ein unglaublich erfolgreiches Blog – allein der Mad Max-Text hat weit über 3000 (dreitausend, tatsächlich) Kommentare.

    Roosh Valizadeh, den ich bislang nur als PUA kannte, ist übrigens auch der Autor des erwähnten Textes über jüdische Intellektuelle, der wirklich richtig schlecht ist.

    Marens Auseinandersetzungen hatte ich bei Twitter schon am Rande mitbekommen. Ein Zitat aus ihrem verlinkten Text gefällt mir besonders gut:

    „Es gibt andere Menschen. Manche davon sind Ärsche, Männlein wie Weiblein. Man muss aber lernen sich mit diesen Menschen zu arrangieren/sich gegen diese Menschen durchzusetzen.“

    Klingt selbstverständlich, aber: Allein schon eine Aussage wie „Es gibt andere Menschen“ wird nach meinem Eindruck von manchen durchaus als unerträgliche Provokation verstanden. Und die Forderung, sich zu arrangieren oder sich durchzusetzen (oder das zu lernen), wird in geeigneten Kontexten wahrscheinlich schnell zum „victim blaming“ erklärt werden.

    Antwort

  12. Nachtrag: Der Mad Max-Artikel bei RoK hat mittlerweile fast 5000 Kommentare. das ist aber noch gar nichts gegen einen brachial-dämlichen Artikel dort, der zu erklären versucht, warum ein Mann mit einer tätowierten oder gepiercten Frau nichts Ernsthaftes anfangen sollte. Der hat fast 42.000 Kommentare.

    Antwort

  13. Nach den Kritiken zu urteilen, sollte der Film toll sein.
    Doch die besonders guten Kritiken sind auffallend eindimensional und nicht nachvollziehbar, besonders die der Presse. Auf der anderen Seite sind die schlechten Kritiken einzelner Filmbesucher detailliert, wirken aufrichtig und cineastisch inspiriert.

    Daher vermute ich mal mutig, daß das Interesse an dem Film schnell abflauen wird.

    Es gab mal einen „Spätwestern“, Heaven´s Gate, ein sehr langatmiger Film mit fantastischen Bildern, die die Kritik auch in den Himmel lobte, aber beim Publikum völlig abstürzte. Der lief neulich im Fernsehen, habe ich auch nicht lange ausgehalten. Ich denke, weil einfach die herausstechende Charaktere fehlten.

    Antwort

  14. @schoppe
    >… dass Texte nicht schon allein dadurch vernünftig sind, dass sie Kritik am Feminismus äußern.

    Schön gesagt ;-). Würde sich diese Einsicht durchsetzen, könnte man manche Blogs mehr genießen.

    Ich denke auch, man sollte die Eigenarten des Mediums Film, seine Art, wie er nun mal funktioniert, nicht ideologisch plattmachen. Der erzielt seine Durchschlagkraft mit visuellen und erzählerischen Qualitäten – oder er scheitert an der Kasse. Diese Eigenlogik zu ignorieren, würde zum „mentalen Taliban“ machen.

    Antwort

  15. Hallo Lucas,

    ich habe den Film gestern geguckt und bin begeistert! Ich wußte vorher, daß die Feministin als „Beraterin“ fungiert hat, davon merkt man zum Glück während des Sehens aber nichts.
    Daß Charlize Theron um sich prügelt wie ein Wirtshausschläger, fällt gar nicht mehr als besonders auf, weil Sigourney Weaver und Angelina Jolie das Feld schon vor langem bereitet haben.
    Ansonsten fand ich den Film bezüglich des Frauenbildes eher konventionell bzw. realistisch. Die anderen weiblichen Darsteller neben Theron sehen ganz klassisch weiblich aus in ihren „Modell“-Kleidern, verstecken sich in der Kemenate des LKW und werden von Furiosa, Max und Nux gegen die Schergen von Immortan Joe verteidigt. Nur die Wüstenomis auf ihren Motorrädern langen ganz ordentlich zu, was wiederum nicht sehr wirklichkeitsnah ist.

    Aber egal: Das ist ein Science-fiction-Film mit absurdem Elementen. Und so soll es sein. Meine Empfehlung: Guckt euch den Film an und eßt Popcorn dabei. Der streifen ist zwar nur eine Verfolgungsjagd einmal hin und zurück, aber gut gemacht. Politik interessiert den Drehbuchschreiber offensichtlich nicht.
    Axel, AE

    Antwort

  16. @Lucas „Abstoßend ist … im Guardian … in einer der wichtigsten Tageszeitungen des Landes, die eine lange linksliberale Tradition hat.“

    Der Guardian ist eine der Zeitungen, die sich mit der Dehumanisierung der Männer besonders hervortun. Auch ist der Guardian schon lange eine der antisemitischsten Zeitungen der westlichen Welt, immerfort auf die Deligitimierung Israels zielend. Glaube nicht, daß das Zufall ist. Die ganze „links-liberale“ Presse ist nämlich ähnlich gestrickt. Die Männerfeindschaft ist aber relativ neu.

    Antwort

  17. @ Schoppe

    Roosh ist sehr, sehr viel extremer als die Beispiele, die du aufgeführt hast. Er setzt sich allgemein spezifisch z.B. für die Aufhebung des Frauenstimmrechts ein; das natürlich ohne Ironie.

    Seine „Webseite“ und „Bewegung“ wächst dabei in Amerika grundsätzlich schneller als vergleichbare Seiten des MRM (ist z.b grösser und hat mehr Traffic als AVFM), was leider aufgrund des dort herrschenden Klimas und der Einstellung des MRM nicht wirklich verwunderlich ist. Solche virtuellen Räume füllen sich schnell mit den Männern, die sich von der Gesellschaft verstossen fühlen und ist der Nährboden für viele extreme Positionen.

    Aaron Clarey ist verglichen dazu absolut harmlos, ein verheirateter Familienvater, der dem vermeintlichen Untergang der amerikanischen Kultur nachtrauert und einige Bücher darüber geschrieben hat, wie es weitergehen muss/soll/kann – seine Kritik an Mad Max ist eher reflexiv und kaum durchdacht, weil das auch gar nicht sein Anspruch ist.

    Antwort

  18. Also ich war jetzt gestern Abend auch drin.
    Ganz lustige, kurzweilige Unterhaltung. So viel Feminismus hab ich da auch nicht gefunden. Ja, klar. Furiosa die tolle Kämpferin und das die Frauengruppe auch gut austeilen kann… mehr starke Frauen kamen da nicht vor.
    Das Mad Max halt verrückte Kämpfer hat, die sich um Ressourcen abschlachten, ist ja jetzt nichts neues. Es ist halt eine Endzeitdystopie!
    Und im Prinzip kann man sich ja streiten, welche „Lösung“ darauf jetzt besser ist, die gezeigt wird:
    Die „weiblich, feministische“ Variante der freien Frauen in den „Grünen Landen“, das aber inzwischen nur noch ein ungemütliches und nahezu unbewohnbares Sumpfland ist und auch die Gruppe ist nur noch ne Handvoll…
    Oder die „männlich, patriarchalische“ Seite, wo zwar in einer brutalen Diktatur geherrscht wird, aber anscheinend Zehntausende überleben können und „ironischerweise“ Frauen – vor allem gesunde (aka, nicht von Nuklearem Fallout betroffene) – die wichtigsten Schätze sind und behütet werden – zugegebenermaßen in „Hausarrest“, damit keine Mutationen sich in die Gene schleichen! (wobei der Herrscher jetzt auch nicht wie der perfekte „Genspender“ aussieht…)
    Und man weiss ja jetzt nicht die Vorgeschichte, wie diese ganze Zitadelle erbaut wurde mit all seiner Technik und den Wasserpumpen etc. aber vermutlich waren es Männer die da im Schweiße ihres Angesichts geackert haben! Und zum Schluß kommen die Frauen und übernehmen das, was die Männer aufgebaut haben. Letztlich eine schicke Parabel zur Frauenquote in DAX-Vorständen, denn da wollen ja auch irgendwelche Frauen ins „gemachte Bett“, weil es ja mit Frauen viel besser läuft oder so …

    Oder auch interessant fand ich, dass Max den Frauen erstmal klar machen musste, dass zum überleben „umkehren“ die bessere Lösung ist. Aber das wird ja gerne mal „vorgeworfen“, dass Männer mehr Zielorientiert arbeiten. Und in diesem Falle/Film ist das Ziel wohl: „Wir wollen überleben!“ Max zeigt ihnen auf, wo das direkt möglich ist. Die Frauen wollten eigentlich „auf gut Glück“ in die Wüste fahren. Ob sie damit dieses Ziel erreicht hätten… wir werden es nie erfahren!

    Antwort

  19. „Er setzt sich allgemein spezifisch z.B. für die Aufhebung des Frauenstimmrechts ein; das natürlich ohne Ironie.“

    Er, Daryush Valizadeh aka Roosh V, begründet es hier:

    http://www.rooshvforum.com/thread-36113.html

    Vielleicht sollte man sich damit einmal kritisch auseinandersetzen?

    Antwort

  20. „..damit einmal kritisch auseinandersetzen?“

    Sogar sehr kritisch: das ist eindeutig verfassungswidrig, da komme ich unter einer Sekunde zu einem definitiven Endergebnis der Auseinandersetzung.

    Antwort

  21. Wär ja schön, wenn sich einige auch für verfassungswidrige Forderungen und Gesetze gegen Männer so klar einsetzen würden.

    Auch hier ist es scheinheilig. Und seit langem mit zunehmender Tendenz. Nur da kommt nicht so schnell so eine klare Reaktion. Es wird endlos debattiert und gedreht.

    Trotz krassester Verstöße und offensichtlicher offener Verhetzungspropagnda, die in den USA noch drastischer sind bzw. ist.

    Bis auf seine Schlussfolgerung, die ich auch nicht teile, ist seine Herleitung/Hinleitung denn komplett falsch? Ein nicht erlaubter Betrachtungswinkel?

    Sollte man das nicht tatsächlich einmal näher betrachten und sich damit auseinandersetzen? Vielleicht auch um das zu entkräften? Oder ist das ein Tabu und weiter so?

    Antwort

  22. „Auch hier ist es scheinheilig.“ Das verstehe ich nicht – was ist scheinheilig? Man.in.th.middle kritisiert Verstöße gegen die Verfassung, die auf Kosten von Männern geschehen, und er kritisiert Verstöße, die auf Kosten von Frauen geschehen würden. Das ist doch eine stimmige Haltung, die ich so völlig teile.

    Roosh hat ein idealisiertes Bild vom England des 19. Jahrhunderts, das viele wesentliche Aspekte ausblendet. Das kontrastiert der dann mit der heutigen Situation, sucht sich dabei die krassesten Idiotien heraus (und übersieht natürlich die unendlichen Vorteile, die wir heute gegenüber dem England des vorletzten Jahrhunderts haben – und das gilt gerade für die Ärmsten) – und dann suggeriert er, diese (ihrerseits schon bloß suggerierte) Abwärtsbewegung sei durch die Einführung des Frauenwahlrechts losgetreten worden.

    Was Roosh – als eines von vielen Beispielen – verschweigt, ist, dass in seinem so idealisierten England auch viele Männer kein Wahlrecht hatten – weil das Recht nämlich an Besitz gekoppelt war. Das allgemeine Wahlrecht für Männer wurde dort erst 1918 eingeführt – also in eben der Zeit, in der für Roosh der Abstieg begann. Zur selben Zeit wurde nämlich auch das Frauenwhlrecht eingeführt – erst mit dem Vorbehalt des Besitzes (wie vorher bei Männern), 1928 dann auch allgemein.

    In Deutschland sah es in vielen Ländern auch nicht viel besser aus – in Preußen z.B. galt bis 1918 das Dreiklassenwahlrechts, eine Form des Zensuswahlrechts, das wie in England das Wahlrecht vom Besitz abhängig machte.
    http://www.demokratiezentrum.org/fileadmin/media/pdf/bz_wahlrecht.pdf

    Damit also könnte man durchaus argumentieren: Es ist historisch einfach falsch, die Einführung des Frauenwahlrechts zu feiern, wenn dabei der Eindruck erweckt wird, vorher hätten alle Männer völlig selbstverständlich das Wahlrecht gehabt. Auch ein großer Teil der Männer war ganz oder weitgehend ausgeschlossen.

    Das aber interessiert Roosh gar nicht – er hat nur eine selbstgebastelte Geschichte vom Abstieg einer großen Zivilisation parat, für den er einen einzigen Faktor verantwortlich macht. Das ist dämlich. (wird fortgesetzt)

    Antwort

  23. (Fortsetzung) Gerade hat Aranxo in einem Artikel bei Geschlechterallerlei die Vorwürfe Jasna Stricks kritisiert, unter Männerrechtlern gäbe es Breivik-Anhänger und Leute, die eine Abschaffung des Frauenwahlrechts fordern. Beides, so Aranxo, sei ihm noch nie begegnet.

    Das kann ich leider nur halb bestätigen. Mir ist auch tatsächlich noch nie jemand begegnet, der so irre gewesen wäre, Sympathie für den Massenmörder Breivik aufzubringen. Aber Diskussionen über eine Abschaffung des Frauenwahlrechts hab ich schon ab und zu – selten – erlebt.

    Dazu: Dass Menschenrechte von Männern ohne Wimpernzucken verletzt worden sind und verletzt werden, vor allem im Familienrecht, ist absolut verwerflich (das sind übrigens in aller Regel zugleich auch Verletzungen der Menschenrechte von Kindern). Ich verstehe aber nicht, weshalb es vernünftig sein sollte, als Gegenstück dann auch eine Verletzung der Menschenrechte von Frauen zu fordern.

    Eben das stört mich so auf der Return of Kings-Seite, in die ich – zugegeben – nur kurz hineingeschaut habe. Es gibt dort offenbar gar kein Vertrauen mehr in einen allgemeinen Rechtsrahmen, auf einen common sense oder einen common ground, auf den sich bis auf ein paar Extremisten alle einigen könnten.

    Statt dessen wird der Eindruck vermittelt, dass jeder für sich allein kämpfen müsse – vertreten mit den ressentimentgeladenen Attitüde, dass WIR uns doch von niemanden vorschreiben lassen, WIE wir zu kämpfen haben. In meinen Augen ist das eine gefährliche Haltung.

    Forderungen nach einer Abschaffung des Frauenwahlrechts gehören dazu. Sie untergraben die eigene Legitimation – sie lassen den, der sie vertritt, außerhalb seiner Filterblasen (zu Recht) als Idioten dastehen – und sie sind politisch nicht ansatzweise durchsetzbar. Was also soll das?

    Es gibt nur einen einzigen Sinn, den ich darin erkennen kann. Es ist nämlich eine hohle Geste, mit der Frauen bedeutet wird: Euer Wahlrecht ist allein von UNSEREM Wohlwollen abhängig.

    Und das ist einfach bescheuert.

    Antwort

  24. @Schoppe

    Ich sehe das auch differenzierter als Roosh. Und mitm's Seiten find ich auch hervorragend.

    Dennoch ist mein Misstrauen geweckt. Auch ich habe da kein Vertrauen mehr.

    Denn im Rückblick auf die letzten sagen wir 40 Jahre ist es schon sehr wohl so, dass es an der notwendigen Verantwortungszuschreibung an wirklich schlechtem Verhalten von Frauen und sich andienenden Männern in Bezug auf Status und Rollen der Geschlechter mehr als mangelt.

    Jetzt sind wir sogar mit dehumanisierendem Sozialkonstruktivismus konfrontiert.

    Es ist einfach mittlerweile zu offensichtlich. Und deshalb ist es m.E. auch nicht mehr ganz so einfach vom Tisch zu wischen.

    Mir ist jenes Letztere dann allzusehr schwarz-weiß gedacht.
    Hier schwingt vermutlich oft die Angst mit sich nur nicht eine Blösse zu geben, das auch geradeheraus anzuprangern. Eben weil da ja eine enorme Stigmatisierung drauf gebunden ist.

    Es wird nicht besser werden. So fein ziseliert und richtig vieles ist, was z.B. auch hier angeführt wird. So wenig kümmern sich viele drum. Es geht um Vorherrschaft und Macht. Ob da nun Bigotterie, Dehumanisierung ja gar Faschistoides ist oder nicht. Man weicht immer noch der eigentlichen Konfrontation aus. Vielleicht sogar richtig.

    Z.B. der Utopie, der wir hier fast alle anhängen, dass das alles irgendwie doch gut und gleichberechtigt gehen könnte.

    Ich finde sie hat mindestens Risse. Und Leute wie Roosh legen schmerzhaft den Finger in diese offene Wunde. Die historische und derzeitige Entwicklung untermauert es. Leider.

    Antwort

  25. „müsste ich mich entscheiden, entweder passiv dargestellt zu werden, oder zwar häufig als Held, aber eben auch häufig als Monster … ich würde eindeutig die passive Darstellung bevorzugen.“

    Ich nicht. Ich würde bevorzugen, sowohl als das eine, als auch als das andere und als alle möglichen Zwischentöne dargestellt zu werden. Das ist nämlich am ehesten realistisch. Es gibt männliche und weibliche Monster und Helden. Auch im Film, besonders gerne in Kinderfilmen. Siehe etwa „Seventh Son“ oder „Der König von Narina“ „101 Dalmatiner“, „Arielle“, und so weiter, und so fort.

    Antwort

  26. […] seit dem letzten Mad Max-Film bin ich allerdings zurückhaltend damit, mich bei solchen Aussagen vertrauensvoll mitzuempören. […]

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