Die Superheldin als Mörderin

Das hier ist der zweihundertzweiundzwanzigste Text, der in diesem Blog veröffentlicht wird. Eine gute Gelegenheit für eine Veränderung. In den letzten Woche haben sich nämlich gehäuft Kommentatoren bei mir gemeldet, die sagten, dass sie Schwierigkeiten mit dem Kommentieren hier hätten. Daher werde ich – wenn alles klappt, wie ich es vorhabe – demnächst bei WordPress weitermachen.

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Die Information, dass James aus Mamis Herz entsprungen ist, vermittelt Kindern möglicherweise etwas einseitige Vorstellungen über die Natur der menschlichen Fortpflanzung. Aus einem Kinderbuch der Happy Family-Serie, die in Kinderbüchern das Leben bei alleinerziehenden Müttern preist. Kindgerecht, natürlich.

Vorher aber wollte ich mich noch bei einer internettypischen, beliebten Textsorte bedienen, die hier in den letzten zweieinhalb Jahren schmerzhaft zu kurz gekommen war: beim Rant. Schließlich hatte ich schon viele verschiedene Arten von Texten veröffentlich, sogar Gedichte – da wäre zum Ausgleich solch eine ungehemmte Wutrede eigentlich einmal ganz passend gewesen.

Gerade war ich auch richtig schön wütend, unbekümmert aus dem Bauch heraus, wie es für solche Situationen bzw. Textsorten allgemein als angemessen erachtet wird – als mein ungeschickter Kopf im unpassenden Moment ungefragt dazwischenredete und die ganze effektiv aufgebaute Wut auf das Unangenehmste verwirrte. Aber von vorn – –

Die Reue einer Mörderin Ich habe vor einer Weile einen Text gelesen, der in Blogs mehrfach kommentiert worden ist – ein Interview mit einer Mutter, die sich selbst als Mörderin bezeichnete. Im Interview wird sie Anna genannt. Ihr Ex-Mann hatte sich das Leben genommen, nachdem sie lange Zeit den Kontakt zwischen ihm und den Kindern verhindert hatte. Sie machte dafür einen Berliner Mütterverein mitverantwortlich, der sie massiv beeinflusst hätte.
„Damals wurde mir eingeredet, dass er sie nur so oft sehen will, damit er keinen Unterhalt zahlen muss, und das ein solcher Umgang für die Kinder grauenhaft ist, dass sie darunter wahnsinnig leiden würden und ich das aufjedenfall verhindern soll.“
Aus allen Ecken seien ihr Horrorstories aufgetischt worden – und erst, als es zu spät gewesen sei, habe sie gemerkt, was sie da eigentlich anrichte.

„Heute weiß ich, dass ich ihn ermordet habe, nicht direkt, aber ich habe ihn dazu getrieben. Heute verstehe ich auch, wie sehr ich meine Kinder habe leiden lassen.“

Was für ein gottverdammtes Arschloch, dachte ich unbeeindruckt, aber ungekünstelt wütend und in angenehm passender Rantstimmung. Ganz offensichtlich gibt es nicht nur einen Gratis-Mut, sondern auch eine Gratis-Zerknirschung. Was passiert ihr denn, wenn sie sich jetzt offen als Mörderin hinstellt? Kein Mensch wird auf die Idee kommen, sie dafür tatsächlich wegzusperren – und den Leuten, von denen sie so bearbeitet wurde, wird schon gar nichts passieren.

Alleinerziehen als Befreiung: Lieber erziehe ich ein Kind, als eines zu heiraten…

Aber überhaupt: wie billig, alles auf die Beeinflussung durch böswillige, sektenartige Vereine zu schieben.

Eltern willkürlich die Kinder zu entziehen, und Kindern willkürlich die Eltern – das sind Gewaltakte, wie sie in solchen antihumanen Kontexten wie der amerikanischen Sklaverei normal waren. In einem halbwegs humanen, halbwegs demokratischen, halbwegs rechtsstaatlich organisierten Gemeinwesen hingehen gehört nun wirklich keine besondere moralische Qualität dazu, zu wissen, dass solch eine Gewalt nicht in Ordnung ist. Den Kindern gegenüber nicht, den Eltern gegenüber nicht.
 
Wer sich etwas anderes einreden lässt, ist dafür vollkommen selbst verantwortlich und möchte es sich offenkundig einreden lassen. Man stelle sich einmal vor, Anna hätte ihren Mann nicht durch den Kindesentzug langsam in den Tod getrieben, sondern erschossen – und dann erzählt, ein Nachbar hätte ihr gesagt, das sei eigentlich ganz in Ordnung und eigentlich auch gut so. Das hätte sie ihm leider, leider geglaubt, was sie erst jetzt zutiefst bedauere, nachdem es zu spät ist.
 

Wäre irgendjemand so bescheuert, das ernst zu nehmen?

Mir und MEINEM Sohn geht es gut ohne Dich.

Dergestalt elegant und durchschlagend hatte ich gerade meine Wut aufgebaut, als ungeschickt mein Kopf dazwischenstolperte, den Text unbedingt noch ein zweites Mal lesen wollte und dabei dann ständig nervtötend dazwischenfragte: „Glaubst Du das wirklich?“

Naja…
„Im Ernst?“
Ist ja schon gut…

Verbrechen in Zeitlupe Vielleicht tu ich dem Autor damit sehr Unrecht, aber ich bin mir einfach nicht sicher, ob das Interview tatsächlich so geführt wurde, wie es erschienen ist. Dabei sind die Einzelteile völlig stimmig. Ich kenne reihenweise Väter, die unter dem willkürlichen Entzug ihrer Kinder leiden, die es auch nicht schaffen, dazu Distanz aufzubauen und die Situation einfach hinzunehmen. Meldungen über entsorgte Väter, die sich angesichts ihrer Situation das Leben genommen haben, gibt es immer wieder. Noch mehr Väter werden langsam und unauffällig daran eingehen – ein Verbrechen in Zeitlupe.

Jetzt auch als Postkarte: Aber ja, ICH BIN SINGLE. Eine Single Mom, eine alleinerziehende Mutter. Aus freiem Willen! Ich widme meine wertvolle Zeit lieber jemandem, der mich braucht und der eine Bedeutung hat, meinem Kind. Sorry dafür, dass mir meine Prioritäten und Verantwortungen so klar sind.

Ich kenne andere Väter, die sich von ihren Kindern ganz distanzieren, weil sie die Situation nicht mehr durchhalten, ihre Kinder nur zwischendurch ab und zu sehen und dabei von den Launen einer Mutter abhängig zu sein. Die werden dann gern als Beispiele für Gutwetterväter verwendet, die nur dann den Kontakt zu ihren Kindern suchen würden, wenn es für sie bequem ist.

Natürlich gibt es solche Väter auch – so wie es eben auch Väter gibt, die sich überhaupt nicht um ihre Kinder kümmern, zu deren Schaden und zum Schaden der Mütter. Auffällig ist gleichwohl, wie wenig institutionelles Interesse es daran gibt, solche Väter stärker einzubinden – Mütter, die das versuchen, stehen in der Regel allein da. Statt dessen wird der Hinweis auf verantwortungsverweigernde Väter ausgerechnet als Begründung dafür verwendet, die Rechte derjenigen Väter einzugrenzen, die ihre Verantwortung wahrnehmen wollen.
 
Es gibt tatsächlich Organisationen, die Mütter gegen Väter in Stimmung bringen oder die Tipps geben, wie Väter möglichst aus der Beziehung zu den Kindern herausgehalten werden können. Die Mütterlobby ist ein solcher Verein. Er hat sich gegründet, nachdem die deutsche Gesetzgebung die Situation nichtehelicher Väter ein winziges bisschen verbessert hat.

Zweck der Mütterlobby ist es offenbar, diese winzigen Verbesserungen durch Behinderungen der alltäglichen Elternbeziehung so weit wie nur möglich zu konterkarieren. Im Forum des Vereins heizen sich Mütter bis zur Grenze der Strafbarkeit gegenseitig gegen Väter auf.

Noch ein Buch aus der Happy Family-Edition, aus der Kinder Alleinerziehender lernen können, wie gut sie es haben – sogar mit beigelegtem Malbuch. Ganz deutlich ist hier, wie sehr die Interessen des Kindes im Mittelpunkt stehen…oder so.

Auch der sehr viel größere Alleinerziehendenverband VAMV hat schon Tipps gegeben, wie Mütter trotz der verbesserten Rechtslage Väter weiter ausgrenzen und eine gemeinsame Sorge verhindern können.

Doch auch wenn ihre einzelnen Bestandteile real sind – die Geschichte insgesamt kommt mir zu glatt vor. Ich lasse mich natürlich sehr gern davon überzeugen, dass ich mich irre…nur habe ich das Gefühl, dass diese Geschichte einer Frau und ihrer inneren Umkehr von der Saula zur Paula – von ihrer großen Reue angesichts der Tatsache, dass diese Umkehr zu spät kam –

– dass diese Geschichte allzu sehr eine Wunschvorstellung ist.
 
Sie ist getragen von der Väterhoffnung, dass irgendwann einmal eine Mutter, die ihnen willkürlich den Kontakt zu den Kindern nimmt, einsieht, was sie damit tut. Dass eine solche Mutter sich dem großen Schmerz stellt, den sie anrichtet – dass sie den Wunsch hat, wieder gut zu machen – und dass sie die Verantwortung für die Konsequenzen ihres Agierens selbst trägt und nicht mehr auf andere abwälzt.Dass zudem auch einmal die institutionellen Organisatoren und Profiteure des Vater- und Kindesentzugs mit ihrer Verantwortung konfrontiert werden.
 
Eine solche Hoffnung halte ich für illusorisch. Das liegt nicht daran, dass ich Müttern eine solche Einsicht prinzipiell nicht zutrauen würde – es ist kein geschlechtsspezifisches Problem, sondern ein innerer Widerspruch der Reue.Wer die moralische und menschliche Reife besitzt, freiwillig, offen und ohne äußeren Druck eine solche Schuld einzuräumen, wie Anna es tut – der wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit gar nicht erst in dieser Weise schuldig geworden. Je größer die Schuld, desto größer die Reue: Das ist ein Zusammenhang, der vielleicht deshalb so plausibel wirkt, weil er so etwas wie einen moralischen Trost verspricht.Sehr viel realistischer aber ist es, davon auszugehen, dass die Reue umso unwahrscheinlicher wird, je größer die Schuld ist.
Single Mothers by Choice – Alleinerziehende Mütter aus freiem Willen: Das ist der Name der hier abgebildeten Buchreihe. Eine Wahlmöglichkeit hat hier natürlich nur die Mutter allein. Das Kind allerdings ist von der mütterlichen Willensentscheidung, wie wir sehen können, hellauf begeistert – und kein störender Vater drängt sich ins Bild.

Wenn eine Mutter den Kontakt zwischen Vater und Kindern willkürlich für einige Monate unterbindet, dann ist das eine offenkundige, ungeheure Sauerei, Kindern wie Vätern gegenüber. Wenn sie hingegen den Kontakt für viele Jahre unterbindet, dann macht sie aus der Riesensauerei eine neue Form von Normalität. Die Trennung zwischen Kindern und Vätern wird dann gleichsam zur Default-Einstellung, und nicht mehr diese Trennung ist begründungsbedürftig – sondern der Kontakt zwischen Kindern und Vater.

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass eine Mutter, die so etwas tut, irgendeine Art von Reue empfindet. Ich habe jedenfalls noch niemals einen Fall kennen gelernt, in dem eine Mutter den Kontakt zwischen Vater und Kindern lange Zeit erschwert oder verhindert hatte – und in  dem ihr das angesichts der Folgen für ihn und die Kinder schließlich leid getan hätte. (Es wäre schön, wenn diejenigen, die solche Fälle kennen, darauf in den Kommentaren hinweisen würden.)Dasselbe gälte umgekehrt für Väter – nur haben die bei solch einem Agieren eben weitaus seltener institutionelle Unterstützung.

Warum Rückständigkeit modern ist Damit aber bin ich bei einem Thema, bei dem sich die Wut dann doch erneut konzentrieren kann und ihr Thema wiederfindet. Etwa zur gleichen Zeit, in der ich das Interview mit Anna gelesen habe, erschien auch ein Interview mit der Familienministerin Manuela Schwesig, das sie der Bild am Sonntag gegeben hatte. Der Spiegel veröffentlichte sogleich Auszüge daraus.
Ich bin eine alleinerziehende Mutter – was ist deine Superkraft?

Eine erhebliche Mitschuld an der sehr niedrigen deutsche Geburtenrate gibt Schwesig darin der deutschen Wirtschaft. Befristete Arbeitsverträge würden Unsicherheiten produzieren, in denen Menschen einfach keine Kinder bekommen wollten.

Frankreich hingegen habe, so die Ministerin, eine höhere Geburtenrate, weil das Land deutlich gelassener mit Kindern umginge und die Mütter dort nicht so unter Druck stünden wie in Deutschland. Dass in Frankreich traditionell die Rechte von Vätern sehr viel größer sind als in Deutschland, dass dort bei Trennungseltern das in Deutschland noch verpönte Wechselmodell normal ist – das ist für Schwesig hier nicht interessant.

Nur nebenbei erwähnt sie die Bedeutung von Vätern für Kinder – ohne aber darauf einzugehen, dass die Möglichkeiten von Vätern rechtlich noch immer erheblich eingeschränkt sind.

Was immer Menschen über sie denken mögen – eigentlich ist die Single Mom eine Superheldin: Wonder Woman (hier rechts unten im Bild).

Pointiert formuliert: Im kinderfreundlicheren Frankreich ist Kindeserziehung eine Verantwortung der Eltern – im rückständigeren Deutschland ist sie ein Vorrecht der Mütter. Daran möchte Schwesig nichts ändern, sie möchte es nicht einmal ansprechen.

Trotz der offenkundigen Probleme und trotz der damit einhergehenden Rechtsverletzungen haben sich die deutschen Verhältnisse über Jahrzehnte halten können – kleine Veränderungen waren nicht durch die deutsche Politik, sondern nur durch Interventionen von außen möglich, insbesondere durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs 2009.

Diese Betoniertheit der deutschen Verhältnisse hat einen wesentlichen Grund eben darin, dass sich hier die Verteidigerinnen der Rückständigkeit weitgehend unangefochten als Vertreterinnen einer modernen Familienpolitik verkaufen können. Der Professor und Erziehungswissenschaftler Markus Meier hat das in einem Interview gerade so formuliert:

„Dass die neue Autonomie der Frauen nicht zu einer Emanzipation von Männern in Familiendingen geführt hat, dass also Frauenerwerbstätigkeit nicht zur Entlastung von Männern im Arbeits- und Stärkung im Familienbereich geführt hat, sondern mit viel akademisch-moralischem Blabla die Familie vollständig in die Deutungsmacht der Frauen überging, das ist, glaube ich, der eigentliche Knackpunkt des gegenwärtigen Geschlechterverhältnisses, da hakt es.“ (Bei Manndat, über Genderama)
Diese Auflösung des realen Vaters ist notorisch mit dem Aufbau eines abstrakten staatlichen Übervaters verbunden, der die traditionellen väterlichen Versorgungsaufgaben übernimmt. Hätte sie ein unbegrenztes Budget, würde die Ministerin zu Anhebung der Geburtenrate daher gleich drei Maßnahmen durchführen:
„Deutschlandweit gebührenfreie Kitas und Ganztagsschulen. Eine 32-Stunden-Woche für Eltern als Familienarbeitszeit mit einer kleinen Finanzspritze vom Staat. Ein moderneres Steuerrecht, was alle Familien besser unterstützt und nicht nur einseitig auf das Ehegattensplitting setzt.“
Das ist durchaus begründet: Der Kita-Ausbau beispielsweise ist auch in meinen Augen wichtig, und Ganztagsschulen sind mittlerweile ohnehin normal geworden. Interessant ist aber nicht, was Schwesig fordert – sondern vor allem, was sie nicht fordert. Gleichberechtigung von Vätern und Müttern – eine Verantwortung von Eltern für Kinder, statt eines Vorrechts von Müttern – das interessiert sie nicht.
 

Die staatlich finanzierte Begrenzung der Wochenarbeitszeit für Eltern begünstigte so vor allem Mütter – und sie würde sich nur finanzieren lassen, wenn es weiterhin viele Männer mit und ohne Kinder gibt, die weitaus mehr als diese 32 Stunden arbeiten. Die geforderte Unterstützung für „alle Familien“, also ganz besonders auch für die von Schwesigs Partei so sehr zu Superheldinnen und Ikonen gemachten „alleinerziehenden“ Mütter, macht die Ausgrenzung von Vätern eher zur Normalität, als sie zu verhindern.

Wonder Woman: Die Alleinerziehenden-Kampagne der SPD bedient sich ungebrochen bei idealisierenden Selbstbildern aus Webseiten alleinerziehender Mütter – und sie bedient ihrerseits diese Selbstbilder.

Das ist irreal. Die Vereine Eltern für Kinder im Revier und Gleichmaß haben gerade gefordert, den Begriff der „Alleinerziehenden“ durch den wesentlich realistischeren der „Getrennterziehenden“ zu ersetzen, mit dem eben beide Eltern gemeint sind.

Mehr noch: Alleinerziehung ist eine Fiktion. Nicht nur sind Väter, Großeltern oder Freunde erheblich an der Erziehung beteiligt – das Modell der alleinigen Mutterschaft trägt sich im Allgemeinen auch nur dann, wenn es finanziell von außen mitgetragen wird. Da weiterhin Männer den Löwenanteil des Steueraufkommens erarbeiten, und da Väter vor allen Sorgerechten zunächst einmal unterhaltspflichtig sind, würden es bei Schwesigs Modellen vor allem Männer sein, durch deren Arbeit die mütterliche „Alleinerziehung“ finanziert wird.

Diese Mutter wiederum wird vor allem von Männern getragen – das aber ist praktischerweise nicht im Bild zu sehen.

Väter finanzieren damit durch ihre Arbeit ihre eigene Ausgrenzung und ermöglichen mit ihr erst die willkürliche Trennung von ihren Kindern. Als Entfremdung hat Karl Marx es beschrieben, wenn den Arbeitern die Produkte ihrer eigenen Arbeit als feindlich und destruktiv entgegentreten – wenn sie also unter gesellschaftlichen Bedingungen arbeiten, unter denen ihre eigene Arbeit zum Instrument ihrer Unfreiheit wird. Die Sozialdemokratin Schwesig sieht es im Jahr 2015 gar nicht ein, sich mit solchen bleibend bedeutsamen Konzepten näher zu beschäftigen.

Sie hat Wichtigeres zu tun. Es gibt schon so viele staatliche Unterstützungsleistungen für Familien, dass das Familienministerium einen Wegweiser durch die unübersehbare Menge der Maßnahmen eingerichtet hat. Zudem erscheinen in regelmäßiger Neuauflage Ratgeberbücher für Eltern, die Überblicke über die Menge an Maßnahmen ermöglichen.

All das hat nichts Relevantes zur Hebung der deutschen Geburtenrate beigetragen. Der Ministerin jedoch fällt dazu trotzdem nichts weiter ein als ein einfältiges „Mehr davon“. Dass immer mehr staatliche Maßnahmen die Ausgrenzung von Vätern bestenfalls finanziell lindern, die Väter aber nicht ersetzen können – das ist hier ein ebenso unmöglicher Gedanke wie die Idee, dass vielleicht deswegen immer weniger Kinder geboren werden, weil unter den deutschen Bedingungen immer weniger Männer Väter werden wollen.

Dabei wäre das ein sehr einfacher Perspektivwechsel: Sich zu fragen, ob sich eigentlich irgendein auch nur halbwegs vernunftfähiger Mensch gern freiwillig in eine Situation wie die von Annas Mann begeben möchte.So stehen wir denn schließlich, einerseits, vor großem Leid von Kindern und von Vätern, auch vor erheblichen, eigentlich leicht vermeidbaren Schädigungen vieler Tausender Kinder – und auf der anderen Seite vor lauter Menschen, die gar nichts dafür können. Menschen wie Anna, die sich leider haben verhetzen lassen. Mütterorientierten Lobbyarbeitern, die davon überzeugt sind, dem Kindeswohl zu dienen. Einer Ministerin und ihren Mitarbeitern, die alle nur das Beste wollen, aber leider nicht ganz überblicken, was sie eigentlich tun.
 
Natürlich stimmt daran gar nichts. Anna mag vielleicht eine Kunstfigur sein, aber Mütter, die so agieren wie sie, sind auf jeden Fall real – wenn wohl auch fast immer abzüglich der Reue Annas. Ohne solche Mütter könnten Lobbys keinen Schaden anrichten.
 
Ohne einen Rahmen aber, der sie unterstützt und fördert, wären Mütter wie Anna zahnlos. Wenn Väter deutlich seltener Müttern die Kinder entziehen als umgekehrt, dann liegt das nicht daran, dass Väter bessere Menschen sind – sondern dass ihnen einfach fast durchgehend die Möglichkeit dazu fehlt. Müttern aber werden solche Möglichkeiten heute immer noch institutionell bereitgestellt.
 
Es ist also sinnlos, die Schuld zwischen einzelnen Müttern und Institutionen hin- und herzuschieben. Die Schuld ist ein Produkt des Zusammenspiels beider. Das Interview mit Anna mag fiktiv sein oder nicht – aber das Leid, von dem es erzählt, ist real.
  1. @Lucas mehrere Teile/Teil 1

    Toller Text! 🙂

    Ein paar Kommentare zu deinen Zitaten als Rant:

    1. Das von Schwesig vorgeschlagene Modell der Arbeitszeitverkürzung für Familien entstammt nicht ihrem Hirn, sondern dem von Meinhardt Creydt.
    Und sie PLAGIIERT seine Vorschläge von 2001 (!!!) und natürlich kann sie den Text nicht nennen, aus dem sie stiehlt, er heißt nämlich „Zur Kritik feministischer Wirklichkeitskonstruktionen“.

    Lest selbst:

    „Annahmemotive für die Beibehaltung des status quo liegen nicht nur in männlicher Vorteilsnahme (vgl. Hinrichs, Offe 1977) oder Kapitalinteressen an billiger Reproduktion der Arbeitskraft, an Frauen als Reservearmee, an Spaltung der Arbeitenden, an Mäßigung der männlichen Arbeitnehmer als Familienväter. Es läßt sich durchaus auch von Frauen eine Gegenrechnung aufstellen, die Kosten männlicher Selbstinstrumentalisierung, Leistungsorientierung, Abstraktion von sozialen Beziehungen zugunsten monokultureller Berufsorientierung betreffend.

    Anscheinend werden im gegenwärtigen Erwerbsleben die Kompetenzen und Sinne zu einem pfleglichen Umgang mit sich und anderen weniger ausgebildet als außerhalb (vgl. a. Prokop 1976/67). Die Frauen haben also mehr zu verlieren als einen Status als Unterprivilegierte und es stellt sich als Problem, inwiefern sie mit der Teilhabe am Karrieremodell anderweitige Verluste erleiden.

    Einzutreten ist für

    – eine drastische Arbeitszeitverkürzung, die es für Männer und Frauen erlaubt, neben der Erwerbsarbeit die gesellschaftlich und individuelle relevante Arbeit der Kinder-, Kranken- und Altenbetreuung zu erfüllen;
    – Einrichtungen, die, soweit von den Eltern erwünscht, Kinderbetreuung kollektiv gestalten, mehr Mittel für Kinderbetreuungsplätze und Ganztagesschulen sowie für deren Ausgestaltung über eine lieblose Aufbewahrungsanstalt hinaus,
    – die Gestaltung von Erwerbsarbeitsbedingungen nach Maßgabe ihrer Vereinbarkeit mit den Wechselfällen der Betreuung von Hilfsbedürftigen und Abhängigen,
    – eine Gestaltung der Erwerbsarbeit, in der die diskontinuierliche Teilnahme an ihr nicht automatisch auf minderwertige Laufbahnen verweist,
    – eine Überwindung der dem abstrakten Reichtum gehorchenden Erwerbsarbeit, in der aus jungen Arbeitskräften besonders viel herausgeholt wird, so daß sie besonderen beruflichen Anforderungen gerade dann unterliegen, wenn sie am dringendsten für Familienarbeit Zeit nötig hätten.
    – eine gesellschaftliche Kompensation der Ausgabensteigerung, die Kinder darstellen, so daß nicht mit Überstunden, Schichtarbeit, Nebenjobs usw. finanzielle Einbußen auf eine Weise aufgefangen werden müssen, die die “Erwerbsperson” der Familie entzieht;
    – eine eheunabhängige Vergütung und Alterssicherung von Erziehungs-und Betreuungsarbeiten, die der Altersarmut unter Frauen den Boden entzieht,
    – die Abschaffung der steuerlichen Privilegierung der Hausfrauenehe,
    – ein anderes Wohnen, das notwendig wird, wenn die Arbeit, Kinder in die Welt und nicht einfach nur in die Familie zu bringen, gesellschaftlich an Bedeutung gewinnt.“

    http://www.meinhard-creydt.de/archives/13

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  2. @Lucas Teil 2

    Den kann ich (bisher) ohne Hemmungen empfehlen – der ist Marxist *geblieben*.

    Der Punkt bei Schwesig – Spd – ist nun, aus einer Forderung nach *genereller* Arbeitszeitverkürzung für Männer *und* Frauen eine ausschließlich biopolitischen Maßnahme zu machen.

    „Biopolitik“ unter gynozentrischem Vorzeichen – das reproduktive Nadelöhr der Gesellschaft ist heutzutage ganz ausschließlich „Frau“.
    Nichts ist – das ist Ironie – Frauen auf ihre Biologie reduzierender als diese Sichtweise.
    Wenn Familie keine Rolle mehr spielt in diesem Denken, Partnerschaft nicht und Liebe erst recht nicht, dann muss der *Uterus* bei Laune gehalten werden.
    Dem Uterus muss das Funktionieren schmackhaft gemacht werden.

    Erinnert sich eigentlich überhaupt noch jemand an den Kampf um die 35-Stunden-Woche????

    Das ist nämlich der Witz – schaut doch mal, wo die wöchentlichen Arbeitszeiten in den Bundesländern bei den öffentlich Bediensteten inzwischen angekommen sind! Wer über 40 Stunden die Woche arbeiten MUSS, für den sind die 32 Stunden im Angebot natürlich ein Angebot, das man nicht so leicht ablehnen kann.

    D.h. die *staatlich subventionierte* – ergo von allen anderen Männern subventionierte – Arbeitszeitverkürzung gibt es – angedacht – als *weitere* Gebärprämie für eine Klientel.
    Es stellt die miesen Arbeitsbedingungen aller Anderen überhaupt nicht in Frage, sondern zeigt einen Ausweg, der zu 110% Gewissheit besonders Frauen im öffentlichen Dienst einseitig bevorzugen wird.

    Was Schwesig in der Tat geflissentlich übersehen MUSS ist die Tatsache, dass über 20% aller jungen Männer gar keine Kinder mehr haben wollen.
    Eine solche Entwicklung findet sich in den Medien aber nirgends wieder.
    Bei einer Geburtenrate von 1,36 Kindern pro deutscher Frau mündet die Entwicklung somit langsam in eine nicht mehr umkehrbare Abwärtsspirale.

    Und Schwesig ist in einer Endlosschleife bemüht, einseitig *Fraueninteressen* zu bedienen, wenn sie über *Familieninteressen* spricht.
    Ich kann eigentlich nur feststellen, dass der Feminismus so langsam ins pathologische Stadium übertritt – „Der pathologische Feminismus als höchstes Stadium des Feminismus“.

    Schönen Gruß, crumar
    Der narzisstische Gynozentrismus

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  3. @Lucas Teil 3

    Der „narzisstische Gynozentrismus“ – wie offeriert durch aktuellen, „embedded feminism“ ist aber nichts, was den Frauen nützt, sondern er ist die Schnittstelle zu den Bedürfnissen des Kapitals.

    Ich möchte hier einen Mann zu Wort kommen lassen, der garantiert kein Marxist ist, aber ein Dialektiker vor dem Herrn, den ich ebenfalls empfehle:

    „The single greatest obstacle to turning women into fully productive members of the workforce, i.e. batteries (Anm.: Hier bemüht er die „Matrix“-Metapher), is not men obstructing them but their persistent belief in metaphysics. If the thing that is keeping women out of the underpaid labor force is „family“, then family must go, and if what pulls them towards family is love then love has to be a fantasy.“

    (…)

    „The system's ideal woman is the single mother, she's produced with her uterus and is willing to go all in on production/consumption, she has no choice. I'm not saying she wants to be a single mother, I'm saying that's what the system wants her to be. That's feminism. You can get married too, as long as he'll make it so you get in at 8 (Anm.: Womit er darauf anspielt, sie würde ihre Arbeitszeit ausdehnen über „from 9-5“, weil sie es MUSS).

    Unfortunately– and this is exactly the trick of it all– it sounds crazy to say, „wait for true love!“– it sounds regressive to say that pushing yourself at work might not be worth trading your family, but that's the trick, the system has framed that question as binary, as if there were no other possibilities, no middle ground. The system has made it so that you can only choose one side, „aspire to be a COO!“ or „don't be a COO– you should be home with your kids!“ It is a classic double bind, and you can't ask: for the entirety of my life, these are the only two choices?

    Love is dying, the system is killing it. The only acceptable portrayal of fulfilled love is with vampires and BDSM billionaires, not because those men are great but because there's no worry you'll meet one, enjoy your little fantasy. Now back to work, whore, you need fulfillment.“

    http://thelastpsychiatrist.com/2013/03/dont_hate_her_because_shes_suc.html

    An dieser Stelle bedient feministische Rede und Handlung also ganz klar Kapitalinteressen – sind die Individuen erst einmal völlig entwurzelt und *scheinbar* frei, so geraten sie ebenso *scheinbar* automatisch in (Handlungs-)Zwänge, die – Überraschung! – in völliger Übereinstimmung mit Kapitalinteressen stehen.

    Die perfide Logik ist nun, den alleinerziehenden Müttern zu suggerieren, ihre Freiheit der Wahl zu einem Status als „alleinerziehende Mutter“ wäre a. logisch, weil Männer per se Schweine sind und ihr Status als „alleinerziehende Mutter“ wäre deshalb b. erstrebenswert und c. die lieben Staatsschwestern in den ideologischen Staatsapparaten würden sich nun um diese „alleinerziehenden Mütter“ aus diesem Grund besonders kümmern.

    Noch einmal zur Kantschen „Unmündigkeit“: Es erspart solch eine Herangehensweise diesen Frauen die Frage, warum sie alleinerziehend *geworden* sind und welchen Beitrag sie zu diesem Umstand beigetragen haben und es suspendiert jede Anstrengung, über die Gründe nachzudenken und eigenes Verhalten zu ändern.

    „Ich will so bleiben, wie ich bin! Du darfst!“ – as presented by Staatsfeminismus.
    Das klappt jedoch nur so lange, wie eben der Zugriff oder der moralische Anspruch auf solche materiellen Ressourcen existiert.

    Wenn MÄNNER darüber nachzudenken beginnen, dass in der Regel diejenigen die Musik bestimmen, die sie auch bezahlen…dann wird es noch sehr lustig werden in Zukunft.

    Schönen Gruß, crumar

    Antwort

  4. Sehr interessanter Text. Zum Glück sind ja die meisten Eltern bei Scheidungen einigermaßen vernünftig (soviel ich weiß). Ich versuche mal, ein Management summary ;-), das ich bei Gelegenheit in meine Seiten einbaue:

    A. Bei der Problematik des Alleinerziehens werden Männer und Frauen materiell und ideell extrem ungleich behandelt, obwohl Ursachen wie der Tod des Ehepartners beide betreffen können: logistische und moralische Unterstützung ist fast ausschließlich für Frauen vorhanden.

    B. Von dem Problem sind statistisch gesehen weit überwiegend Frauen betroffen [hier wäre ein Verweis auf eine Statistik gut]. Hauptursachen hierfür sind [Belege notwendig] bei Trennungen / Scheidungen:

    1. Psychologie: eine höhere Bindung von Frauen an ihre Kinder bis hin zu einem Besitzanspruch bzw. Alleinzuständigkeitsanspruch bei der Kindererziehung. Wo diese Ursache überwiegt, haben die Frauen auch eine erhöhte Verantwortung für den unerwünschten Zustand.

    2. Gesellschaftliche Strukturen: einseitige Gesetzgebung, voreingenommene Gerichte, tw. Infrastrukturen, die den systematischen Mißbrauch von Gesetzen fördern, etc.

    Insofern ist die überwiegende Betroffenheit von Frauen zu wesentlichen Teilen sozial konstruiert und kein Argument für die einseitige Unterstützung von Frauen (Punkt A).

    C. Das Phänomen alleinerziehender Mütter wird propagandistisch dahingehend glorifiziert, diesen Zustand als normal und gleichwertig zu einer intakten Familie zu positionieren. Dies widerspricht diametral den Wertvorstellungen normaler Frauen, die eine intakte Familie haben möchten, und der ständigen Forderung, mehr Männer in der Kindererziehung zu haben. D.h. hier wird ein grundsätzlich unerwünschter Zustand glorifiziert und damit gefördert, anstatt darüber nachzudenken, wie man ihn vermeidet oder ggf. behebt.

    Antwort

  5. Ein sehr starker Text, Lucas, den ich gerne bei mir verlinkt habe!

    Es ist im Grunde so klar ersichtlich und dennoch unerträglich zu sehen, wie sehr die Kinder in Mitleidenschaft gezogen werden und wie man Väter tagtäglich, wie du zurecht schreibst, langsam in den (seelischen) Tod qiält.

    Als indirekte Antwort auf Anna, hatte ich neulich einen anderen Artikel geschrieben:
    Du – der tote Einzelfall

    Da schreiben ebenfalls ein paar, real nicht mehr existierende Papas, was das Leben mit ihnen gemacht hat – und wie sie sich dem, mit bitterem Ausgang entzogen.

    Es macht einen nur noch wütend und traurig, wenn man sieht, wie in Politik, NGOs, beim VAMv und anderen Ideologinnen-Häusern eine Propaganda betrieben wird, welche man auch als latenten Hass gegen Familie und Vaterschaft bezeichnen könnte.

    Nicht nur deshalb ist dein 'Rant' mehr als berechtigt – zumal er auf hohem Niveau geschrieben wurde und eine Wirklichkeit beschreibt, die es zuletzt in den Zeiten der Sklaverei gab.

    Mit bestem Gruss
    Emannzer

    PS: Willkommen demnächst bei WordPress und einen guten Umzug

    Antwort

  6. Wenn der Kapitalismus an der alleinerziehenden Mutter interessiert ist und die Familienpolitik, vom Feminismus flankiert, dieses Interesse unterstützt. Wenn außerdem die biologistische Interpretation des weiblichen Sexual- und Reproduktionsverhaltens einer monogamen Beziehung entgegensteht, dessen herausragende Bedeutung aus der Sicht der Frau die ökonomische Absicherung war, die jetzt vom Staat bereitgestellt wird. Wenn immer mehr Männer sich diesem Trend anschließen und eine monogame Ehe verweigern und damit keinen Protest bekunden, sondern die Verstärkung des Alleinerziehermodells bewirken und sich aus dem Genpool entfernen. Dann ist die Frage: welches Interesse kann stark genug sein, diese Entwicklung aufzuhalten? Ein Kandidat, nämlich das Interesse an der Vermeidung des Bevölkerungsschwundes, ist zahnlos und abstrakt. Der andere Kandidat ist das Reproduktionsinteresse der Männer. Könnte man die These aufstellen, dass das vermeintliche Patriarchat die Gleichwertigkeit des männlichen und des weiblichen Reproduktionsinteresses meint? In einer vernetzten Gesellschaft, die sich durch Technik, Reichtum und Immigration aus anderen Reproduktionsquellen bedienen kann, verliert das männliche Reproduktionsinteresse an gesellschaftlicher Bedeutung und zwar nicht nur von der Gesellschaft her, sondern auch von den Männern selbst. Eine logische Schlussfolgerung ist die Förderuing des männlichen Reproduktionsinteresse und die Angleichung der Reproduktionsrechte zwischen Männern und Frauen. Selbst die Abtreibung müsste wieder zur Diskussion gestellt werden, da sie unmittelbar das Reproduktionsinteresse der Männer berührt.

    Antwort

  7. Mein Beitrag ist im digitalen Nirwana entschwunden. 😦

    Antwort

  8. @Quellwerk

    Vielen Dank für deinen Kommentar – ich muss gerade erst mal verdauen, dass meine Antwort gerade in die ewigen digitalen Jagdgründe gegangen ist….

    ;(, crumar

    Antwort

  9. @Quellwerk Teil 1 von mehreren

    Deine Aussage:

    „Eine logische Schlussfolgerung ist die Förderuing des männlichen Reproduktionsinteresse und die Angleichung der Reproduktionsrechte zwischen Männern und Frauen.“

    ist weder das, was politisch (ohne Druck) passieren wird, noch ist dies hier:

    „Könnte man die These aufstellen, dass das vermeintliche Patriarchat die Gleichwertigkeit des männlichen und des weiblichen Reproduktionsinteresses meint?“

    m.E. jemals der Fall gewesen.

    Zum ersten Punkt zuerst: Obwohl bspw. in UK die sozialen Folgen eines Zusammenbruchs der Familie berechnet worden sind und dem Steuerzahler die jährliche Kleinigkeit von 46 Milliarden Pfund oder 64 Milliarden Euro im Jahr kosten, nimmt die Anzahl alleinerziehender Frauen (Anteil 92%) Jahr für Jahr zu.

    Man muss sich das vorstellen: Es ist ein Betrag, größer als der dortige Verteidigungshaushalt.

    Beide werden aus Steuermitteln geleistet und für beide zahlen überproportional Männer – für Frauen, die in diesen Topf absehbar *nicht* einzahlen werden.
    WEDER für sich, NOCH für ihre Kinder.

    D.h. es ist Frauen gelungen, alle Reproduktions*rechte* in Beschlag zu nehmen und alle *Verpflichtungen* auf Männer abzuwälzen.

    Es ist Frauen weiterhin gelungen, sich von ihren biologischen Zwängen weitgehend zu befreien (von Abtreibung, über Pille, Pille danach usw.), jedoch alle resultierenden Verpflichtungen bei einem Kind nach *Wunsch* auf den Mann abzuwälzen.
    Am Beispiel England: Es kann mir niemand erzählen, dass drei Millionen Kinder in alleinerziehenden Haushalten alle Verhütungsunfälle waren.

    Was hier stattfindet, hat für mich alle Charakteristiken einer stillschweigenden und weitgehend konsensuellen Enteignung von Männern.
    Brich den Betrag herunter auf die Anzahl erwerbstätiger Männer und sieh es als „Männersteuer“ – den Betrag haben Männer im Jahr zu zahlen für die völlige reproduktive Entscheidungsfreiheit der dortigen Frauen.

    Und das, Quellwerk, ist der Witz: So lange dich der „patriarchale“ Staat zwingen kann, diese Steuer zu bezahlen, die ausschließlich im weiblichen Interesse ist, kann von einem patriarchalen Staat nicht die Rede sein, den Reproduktionsinteressen von Männern JEMALS interessiert hat.

    Schönen Gruß, crumar

    Antwort

  10. Dem ist nichts hinzuzufügen 🙂

    Antwort

  11. Tut mir leid! ich hatte ja schon oben, eingangs des Textes, etwas dazu geschrieben…

    Antwort

  12. „Love is dying, the system is killing it.“ Zugleich taucht Liebe aber wieder auf, als destruktive Travestie ihrer selbst – nämlich als Liebe zwischen der erwachsenen Mutter und IHREM Kind, als innige, romantische Einigkeit, die durch keinen Vater gestört wird. Die Kontrollierbarkeit und Verfügbarkeit von Menschen für den Arbeitsmarkt verschmilzt mit dem Ideal einer romantischen Liebe – und heraus kommt die romantische Verfügbarkeit eines Menschen, der sich nicht dagegen wehren kann.

    Das macht die Bilder im Text für mich eben so unangenehm und übergriffig: Hier werden die etablierten Muster einer romantischen Liebe ZWISCHEN ERWACHSENEN benutzt, um ein Mutter-Kind-Verhältnis darzustellen.

    Noch etwas anderes als die Liebe – als Liebe zwischen Erwachsenen, die sich frei in diese Liebe begeben – geht verloren, nämlich der Wille, „das System“ überhaupt noch im Interesse von Menschen zu modifizieren. Stattdessen werden die Bedingungen ökonomischer Verfügbarkeit einfach kitschig aufgeladen. Das gilt für die oben dargestellten Mutter-Kind-Beziehungen ebenso wie für die romantisierten Vampirgeschichten und die romantisierte SM-Geschichte – jeweils wird Liebe als Verfügbarkeit zelebriert und travestiert.

    Es geht dabei eben auch jeder Wille verloren, zu überprüfen, ob gegenwärtige Bedingungen das Potenzial enthalten, FÜR ALLE Erleichterungen zu schaffen, nicht nur für einige Glückliche.

    An der Stelle dieses Willens tritt eine Haltung, die entschlossen reaktionär ist: Gegen die Zumutungen des Arbeitsmarktes das hoffnungslos aufgeladene Ideal einer menschlichen Beziehung aufrecht zu erhalten, die angeblich von den Marktgesetzen nicht berührt sei. Als solch eine Beziehung hat schon Mitscherlich die Mutter-Kind-Beziehung beschreiben.

    Schwesig kritisiert die Möglichkeiten zeitlich befristeter Arbeitsverträge scharf und meint, solche Befristung dürfe es nur aus besonderen Gründen geben – und ausdrücklich nennt sie ausgerechnet Schwangerschaftsvertretungen. Als ob diejenigen, die hier vertreten, nicht auch Interessen haben könnten, ihrerseits Kinder zu bekommen.

    Das ist durchaus typisch und sorgt zunehmend für Ärger: Die Frage danach, wer die Kosten für die Idealisierungen der Mutterschaft trägt, wird verbissen vermieden. Dass diese Idealisierungen durch umso größere Verfügbarkeit anderer – der weiblichen und besonders der männlichen Nicht-Mütter nämlich – erkauft sind, ist noch ein Tabu. Dazu gerade in Fall aus der englischen Presse ).

    (wird fortgesetzt)

    Antwort

  13. (Fortsetzung) Die Rechnung dahinter ist leider ziemlich typisch für eine Politik, die sich heute als „links“ versteht. Man geht einfach davon aus, dass aus irgendwelchen Gründen immer schon Güter im Überfluss vorhanden sind – und dass eine VERWEIGERUNG dieser Güter für die, die sie dringend brauchen (wie die „Alleinerziehenden“), allein auf bösem Willen beruhen kann.

    Dabei war die klassische Arbeiterbewegung, nicht nur die marxistische, ja niemals einfach eine Bewegung zur Umverteilung von Gütern. Pointe war, dass diejenigen, die gesellschaftlichen Wohlstand überhaupt erst PRODUZIEREN, zugleich diejenigen sind, die am wenigsten von ihm profitieren. Mehr noch: Der von ihnen produzierte Wohlstand würde zu einem Instrument ihrer Unterdrückung und Unfreiheit.

    Ohne diese Hintergründe hätten Slogans wie „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will“ niemals einen Sinn ergeben. Daher kann eine Politik wie die von Schwesig auch gar nicht auf diese Traditionen zurückgreifen: Denn was, außer Kosten für die meisten Beteiligten, wird denn bitteschön durch eine Politik produziert, die „Alleinerziehung“ glorifiziert?

    Da sich hier niemand darauf berufen kann, gesellschaftlichen Reichtum überhaupt erst zu produzieren, da so auch niemand dadurch Druck aufbauen kann, muss eine solche Politik anders vertreten werden: Durch eine beständige PR, die idealisierte Bilder verkauft und die Kritik an ihren Positionen moralisch so grundsätzlich wie möglich abwertet. So ist dann in der heutigen, „linken“ Politik der ständige moralisierende Overkill an die Stelle der ökonomischen Analyse getreten.

    Was damit aber verloren wird, ist eben der Wille, die ökonomischen Bedingungen im Interesse aller zu nutzen.

    Antwort

  14. @ Quellwerk Och, ein bisschen was hinzufügen kann man immer… 🙂

    Antwort

  15. D.h. hier wird ein grundsätzlich unerwünschter Zustand glorifiziert und damit gefördert, anstatt darüber nachzudenken, wie man ihn vermeidet oder ggf. behebt.“ Insbesondere gilt das auch für die Konsequenzen, die eine „Alleinerziehung“ für Kinder hat. Ich versuche es einmal mit einem Vergleich:

    Bei bestimmten Verletzungen und Krankheiten kann es richtig sein, einem Menschen Gliedmaßen, z.B. ein Bein zu amputieren. Es würde diesem Menschen dann alles nur noch schwerer machen, wenn andere ihn nun als einen minderwertigen Menschen ansehen.

    Trotzdem käme kein Mensch, der noch alle Tassen im Schrank hat, auf die Idee, das Leben mit nur einem Bein sei eine gleichwertige Option im Vergleich zum Leben mit beiden Beinen. Niemand würde fordern, dass Menschen sich allgemein zwischen einem Leben mit einem oder einem mit zwei Beinen entscheiden sollten – und dass die Krankenkassen und andere staatliche Institutionen verpflichtet wären, die Konsequenzen zu finanzieren.

    Gleiches gilt, wenn ein Kind bei nur einem Elternteil aufwächst, weil das andere gestorben ist oder nachhaltig die Sorge für das Kind verweigert. Es würde alles nur schwerer machen, nun beständig zu betonen, dass diese Art des Aufwachsens gegenüber dem in einer intakten Familie minderwertiger ist.

    Es aber deshalb als eine Option unter anderem hinzustellen, die ohne Verluste ebenso gewählt werden könne wie das Aufwachsen in einer vollständigen Familie – das ist irrational und kinderfeindlich.

    Und: es funktioniert nur dann, wenn von Vornherein festgelegt wird, WER hier diese Wahl hat. Denn was wäre z.B., wenn der Vater sich entschließen würde, das Kind lieber allein aufzuziehen? Müsste er dieses Recht nicht auch haben, wenn die Mutter es doch so selbstverständlich hat? (Natürlich nicht – es ist irrational, dass überhaupt ein Elternteil dieses „Recht“ hat.)

    Antwort

  16. @Schoppe

    „Man geht einfach davon aus, dass aus irgendwelchen Gründen immer schon Güter im Überfluss vorhanden sind – und dass eine VERWEIGERUNG dieser Güter für die, die sie dringend brauchen (wie die „Alleinerziehenden“), allein auf bösem Willen beruhen kann.“

    Es ist leider – aus der Sicht eines Marxisten – noch viel schlimmer geworden.

    Gabriele Winker, die care „Revolutionärin“:

    „Die täglichen Reproduktionsarbeiten für Kinder und für unterstützungsbedürftige Erwachsene werden vor allem von Frauen erbracht. In ihrem Umfang überschreiten all die genannten Reproduktionsarbeiten in Deutschland die Erwerbsarbeit um mindestens ein Drittel. Allerdings gibt es im Gegensatz zur Erwerbsarbeit nach wie vor keinen politischen Diskurs dazu, wie und unter welchen Bedingungen Reproduktionsarbeit sinnvoll und Menschen angemessen ausgeführt werden kann.“

    Das ist bestimmt „richtig“, wenn man nämlich SCHLAF, der zur körperlichen Reproduktion unabdingbar ist, als ARBEIT zählt und „vergisst“, dass Kinderbetreuung auf die ökonomischen Mittel angewiesen ist, die durch ordinäre Erwerbsarbeit erbracht worden sind.
    Und NEBENBEI „vergisst“, dass Kinderbetreuung nur als „Frauensache“ zählen kann, wenn diese komplett TRADITIONELL damit betraut sind.
    Irre, oder?!
    Oder wenn ich „vergesse“, dass Männer an der Gleichverteilung der Pflege ihrer Partnerinnen NUR dadurch „gehindert“ werden, dass sie früher versterben.
    Man könnte das – mit der „Revolutionärin“ Winker aber auch so sehen, dass sich Männer ihrer Verantwortlichkeit für diese Pflege durch ihre frühere Sterblichkeit einfach nur entziehen – ich werfe eine solche „alternative Deutung“ nur mal so in den Raum.
    Nachdem alle Ekelschwellen sinken, warum nicht eine solche Begründung???

    Wenn nämlich *emanzipierte* Männer ihren Teil der care-Arbeit gleichberechtigt verrichten, dann ist der Adressat dieser Botschaft nicht mehr ganz so eindeutig…

    Was sich hier als Marxismus ausgibt ist eine Farce – mit diesem Makel werde ich Zeit meines Lebens leben müssen.
    Das ist reiner JARGON.

    Rate mal, an welche Klientel, an welches Geschlecht sich dies hier wendet – Hervorhebung von mir:

    „Im Rahmen konkreter Realpolitik (!!!) geht es also zum einen darum, einen Ausbau von personennahen Dienstleistungen (!!!) zu realisieren, die zeitliche Reduktionen von Erwerbsarbeit durchzusetzen und damit Arbeit im ganz umfassenden Sinne umzuverteilen (!!!) bei gleichzeitiger sozialer Absicherung (!!!).“

    Wenn – übersetzt – Reformismus mein höchstes Ziel ist, warum nicht auch den historischen Materialismus gleich mit beerdigen?

    Warum nicht gleich so tun, als gäbe es gar keinen gesellschaftlichen Reichtum, der von irgendwem ermöglicht wird, der „gesellschaftlichen Wohlstand überhaupt erst PRODUZIEREN“ muss?

    Warum nicht?

    Dieser Schwachsinn gilt heute als LINKS.
    Ich wiederhole einen alten Spruch: Ich habe die Linke *nicht* verlassen, sondern *sie* *mich*.
    Ich hab keinen Jota meiner Prinzipien aufgegeben, die mich als Linken ausmachen – radikalen Humanismus, Internationalismus, Pazifismus, Gleichheit, Freiheit, Menschlichkeit, eine klassenlose Gesellschaft.

    Wenn aber unsere PRINZIPIEN uns damit zur außerparlamentarischen Opposition machen?!
    Scheiß drauf!
    Dann sind wir eben die NEUE außerparlamentarische Opposition. 🙂

    Schönen Gruß, crumar

    Antwort

  17. @Lucas Teil 1/2

    Ich glaube, ich muss noch ein wenig Links und Informationen hinterher schicken, damit meine Argumentation verständlicher wird.

    „Care-Revolution“:
    http://care-revolution.org

    Dazu gleich noch ein wenig mehr.

    Was mich hat hellwach werden lassen, ist der Präfix „care“, denn den kannte ich durchaus schon von Carol Gilligan:

    „Die US-amerikanische Psychologin und feministische Ethikerin Carol Gilligan, die eng mit der Care-Ethik verknüpft ist, entwickelte 1982 in Auseinandersetzung mit Lawrence Kohlberg eine Theorie der zwei Moralen, in der sie von sich unterscheidenden Moralentwicklungen zwischen dem weiblichen und männlichen Geschlecht ausging.
    Die aus der Entwicklungspsychologie stammende Konzeption ist auch in der Philosophie und in der Pflegewissenschaft diskutiert worden.“

    Wikipedia

    Und weiter:

    „Carol Gilligan schilderte in ihrem Buch Eine andere Stimme (engl. In a Different Voice, 1982) Versäumnisse und Fehler der psychologischen Forschung in Bezug auf Moralentwicklung. Sie stellte ihre Untersuchungsergebnisse vor, gemäß derer die meisten Frauen sich nicht auf die männliche Gerechtigkeitsmathematik einließen, wenn sie vor moralischen Konflikten stünden. Statt Rechtsansprüche gegeneinander abzuwägen, wollten demnach die weiblichen Probanden vermeiden, andere zu verletzen und Bindungen zu zerstören. Für sie schien die Fürsorge für andere Menschen Kern ihrer Moralüberlegungen zu sein. Gilligan bezeichnete die Care-Ethik als „typisch weibliche Ethik“.“

    Gilligan siedelt die Entwicklung eines männlichen „Gerechtigkeitsethik“ *entwicklungspsychologisch* auf der zur Entwicklung von Männlichkeit notwendigen Ab- und Loslösung von der Mutter an.

    Diese Sichtweise ist natürlich traditionell (s.o.) und unterstellt im Grunde, die Entwicklung einer autonomen (wenn auch noch kindlichen) Persönlichkeit sei sowohl Privileg der Männer, als auch deren Schaden – denn im Kern ergibt sich damit eine frühkindliche Abwehr von Intimität seitens der Mutter (=Frauen), die entwicklungsnotwendig sei für die Herausbildung einer spezifisch männlichen Identität.
    Vor diesem Dilemma stehen Mädchen demnach nicht.
    Die zur Entwicklung anscheinend keinerlei Loslösung von der Mutter benötigen und in natürlich geschlechtlicher Symbiose (konfliktfrei!) mit der Mutter verharren.
    Bullshit, versteht sich von selbst.
    Addiere noch eine tendenziös unterstellte Frauenverachtung auf der Grundlage dieser Ablösung und du hast 90% aller idiotisch feministischen Texte als Beifang.

    Und natürlich, selbstverständlich spielen Väter in dieser differenzfeministischen (konservativ bis auf die Knochen) Frauenlogik keine Rolle – weder für den Jungen, noch für das Mädchen.

    Es war der Job von Matthias Stiehler, Hans-Joachim Maaz in „Männerversteher“ herauszustellen, dass dies die Funktion des Vaters ist, nämlich in einer Beziehungs-Triade, diesen mit kindlicher Angst (und explorativer Lust) besetzten Schritt aus der symbiotischen Bindung mit der Mutter zu ermöglichen und dessen Gelingen zu gewährleisten.

    Und Mädchen haben es in diesem Vorhaben genauso, aber eben anders schwer.

    Schönen Gruß, crumar

    Antwort

  18. @ crumar u.a.
    Diese Schwelgerei in Marxismus-Phrasen scheint mir, mit Verlaub, bizarr.
    Wie war das denn in der DDR? (Wo die Schwesig übrigens herkommt!)
    Klar, da gab es Kindergärten en masse. Aber nicht, damit Mutti entlastet wird und sich selbst verwirklicht – sondern damit sie in Fabriken für den Aufbau des Sozialismus schuftet. Familie störte da nur!
    Nicht von ungefähr wollten doch Marx und Co. die bürgerliche Familie zerschlagen. Erziehung war und ist für Linke vor allem STAATS-Aufgabe. In ihren vielen tollen Kindergärten konnte dann auch Erichs Margot schön darüber wachen, was in die kleinen Köpfchen eingetrichtert wird. Und noch heute faselt ein Olaf Scholz (SPD) von der „Lufthoheit über den Kinderbetten“.
    Vor diesem Hintergrund scheint mir das Gerede vom bösen Kapital und seinen „Interessen“ irreführend. „Interessen“ hat ein sozialistischer Arbeitsmarkt ebenfalls. Es geht um Wertschätzung von Familie – zu der eben auch Männer gehören. Genau diese Wertschätzung empfindet unsere bigotte Ministerin eben nicht.
    Die Reduzierung der gesamten Arbeitszeit (5-Stunden-Arbeitstag) bei Ausweitung auf ALLE hat übrigens schon Esther Vilar in den 70er Jahren vorgeschlagen. Und meines Wissens brauchte sie Marx und Co. dafür nicht.
    Beste Grüße
    Arnie

    Antwort

  19. @Lucas Teil 2

    Winker und ihre „Care-Revolution“ ist für mich deshalb interessant, weil sich in ihrer Logik alle Idiotien der Linken im Pseudo-Linken Jargon wiederfinden lassen und sich in ihrem Schreiben eine Interessengruppe wiederfindet.

    Ich komme mal zu den praktischen Resultaten dieser Interessengruppe:

    „Hunderttausende Erzieher fordern bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung. Dabei sind die Löhne seit 2009 schon um 30 Prozent gestiegen.“

    http://www.zeit.de/karriere/beruf/2015-04/beruf-erzieher-gehalt-arbeitszeit-arbeitsbedingungen

    30%, Lucas, in 6 Jahren – davon kann die GDL nur träumen.

    Aber weiter:

    „Die Gewerkschaften ver.di, GEW und dbb fordern eine höhere Eingruppierung der Beschäftigten. Das würde im Durchschnitt zu Einkommensverbesserungen von rund zehn Prozent führen.“

    http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-04/kita-verdi-streik-tarifverhandlungen

    Zehn Prozent, Lucas, in EINEM Jahr – aufgesattelt auf die *bisherigen* 30%.
    Welchen andere gewerkschaftliche Interessenvertretung kennst du, die mit solch abenteuerlichen Vorstellungen NICHT medial in Bausch und Bogen verdammt worden wäre?

    „Nach Ver.di-Berechnungen könnte dies wie folgt aussehen: Eine Kinderpflegerin, die derzeit 2.433,58 Euro verdient, soll heraufgestuft werden und 2.756,93 Euro brutto bekommen. Eine Erzieherin, die eine Gruppe leitet, soll statt 2.768,08 Euro künftig 2.991,07 Euro erhalten.

    Erzieher seien vom Ausbildungs- und Anforderungsprofil mit Meistern oder Technikern im öffentlichen Dienst zu vergleichen, sagt Ver.di-Sprecher Christoph Schmitz. Ein Meister verdient bis zu 3.920 Euro brutto. Erzieher erhielten in der höchsten Stufe, also nach etwa 16 Jahren Berufserfahrung, 3.289,06 Euro.“

    http://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2015-04/erzieher-kitas-streik

    Hast du dir das Wort „Kinderpflegerin“ gemerkt?
    Prima.
    Das ist die *Ausbildung* einer Kinderpflegerin:

    „Die Ausbildung zum Kinderpfleger findet in Berufsfachschulen statt. Doch auch an der Praxisluft wirst du während der Ausbildung schnuppern, so absolvierst du verschiedene Praktika. Zwei Jahre dauert die Ausbildung – dann darfst du dich ganz offiziell staatlich geprüfter Kinderpfleger nennen.“

    Was für eine Schulausbildung benötigt diese:

    „Um Kinderpfleger werden zu können, benötigst du einen Hauptschulabschluss und ein Gesundheitszeugnis. Das Tolle: Beendest du die Ausbildung mit einem Schnitt von 3,0 oder höher hast du damit gleichzeitig den Realschulabschluss erworben. Nun kannst du auch darüber nachdenken, ob du noch an einer Weiterbildung für einen medizinischen oder sozialen Fachberuf teilnehmen möchtest, beispielsweise in den Bereichen Altenpflege, Familienpflege, Erzieher, Sozialpädagoge, Heilpädagoge oder Heilerziehungspflege. Wie du siehst – mit einer Ausbildung als Kinderpfleger machst du nicht nur das Leben der Kinder bunter – sondern auch dein eigenes.“

    http://www.ausbildung.de/berufe/kinderpflegerin/

    Mein Kumpel ist gelernter Koch mit 20 Jahren Berufserfahrung einem 1-Sterne-Michelin Hintergrund und verdient bei schlechteren Arbeitszeiten 600.- Euro weniger als eine Kinderpflegerin JETZT.

    Antwort

  20. @Lucas Teil 3 (blöde Zeichenbeschränkung)

    Was ist eine Erzieherin:

    „Erzieher/in ist eine landesrechtlich geregelte schulische Aus- bzw. Weiterbildung an Fachschulen , Fachakademien , Berufsfachschulen und Berufskollegs , die in Vollzeit i.d.R. 2-3 Jahre, in Teilzeit 3-6 Jahre dauert.“

    http://berufenet.arbeitsagentur.de/berufe/start?dest=profession&prof-id=9162

    DAS ist das Anforderungsprofil eines MEISTERS?

    „In Deutschland einigten sich Bund und Länder sowie weitere Partner im Februar 2012 darauf, an Handwerks-, Industrie- und Handelskammern erworbene Meisterbriefe im Rahmen der Erstellung des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) auf die Stufe 6 von 8 einzuordnen. Damit steht ein Meisterabschluss mit dem Bachelor (B.Eng., B.Sc.) auf der gleichen Stufe, ebenso der Techniker.“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Meister#Handwerksmeister

    Eine *Vollzeit* Meister-Ausbildung dauert ein Jahr, setzt einen Gesellenbrief, mehrjährige Berufserfahrung und Gebühren zwischen 5000-10.000 Euro voraus – von was du in diesem Jahr lebst, ist dein Problem.

    Hier wird ganz offensichtlich versucht, eine Sonderbehandlung weiblicher Arbeitskraft durchzusetzen. Deren klägliches Qualifikationsniveau eine solche Bezahlung niemals hergeben würde, hätte tatsächlich ein objektiver Vergleich zweier Qualifikationen stattgefunden.

    Und das ist auch der Klassiker feministischer Lügen: Warum vergleicht eigentlich niemand das Gehalt einer Erzieherin mit dem einer GRUNDSCHULLEHRERIN?
    Weil letzteres a. ein Abi und ein Hochschulstudium erfordert und b. 85% aller Grundschullehrer Lehrerinnen sind.
    Da will man sich logische Argumente und (passende) Vergleiche lieber ersparen.

    So läuft Feminismus.

    Schönen Gruß, crumar

    Antwort

  21. „Diese Schwelgerei in Marxismus-Phrasen scheint mir, mit Verlaub, bizarr.“

    Also ich würde mir eigene Artikel von Crumar wünschen und am besten einen eigenen Blog und wünsche dem marxistischen Maskulismus viel Erfolg (solange es sich um einen freiheitlichen Marxismus handelt).

    @ Crumar

    Ein bißchen mehr Wertschätzung für freiheitliche Erziehungsformen – an deren Errungenschaften ja auch einige Marxisten mitgewirkt haben – fände ich allerdings nicht schlecht.

    Anarchistische Grüße 🙂

    Antwort

  22. @Arnie

    Ich fange mit deinem letzten Argument an:

    „Die Reduzierung der gesamten Arbeitszeit (5-Stunden-Arbeitstag) bei Ausweitung auf ALLE hat übrigens schon Esther Vilar in den 70er Jahren vorgeschlagen. Und meines Wissens brauchte sie Marx und Co. dafür nicht.“

    Vilar ist eine kluge Frau – das will ich nicht in Abrede stellen.
    Was sie jedoch aufgegriffen hat ist – nachweislich – eine Marxsche Denkfigur.

    Nämlich die Frage zu stellen, wie viel Stunden am Tag arbeiten Menschen für die *eigene* Reproduktion, ein eigenes Leben und die Reproduktion einer bestehenden Gesellschaft und wie viele Stunden arbeiten sie davon, um die Interessen von „shareholdern“ zu bedienen.

    Die letzte große politische Anstrengung, dieses Ziel zu erreichen war der gewerkschaftliche Kampf um die Einführung der 35-Stunden-Woche.und da reden wir über das Jahr 1984.
    Hier reden wir über 7 Stunden am Tag und nicht über die – bessere – Forderung nach 5 Stunden am Tag.

    Die Ziele und Erfolge sind sukzessive kassiert worden.
    DAS hier ist die aktuelle Realität im öffentlichen Dienst:

    „Danach ergibt sich in den Bundesländern im Tarifgebiet West eine regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit im Rahmen von 38,7 bis 40,1 Stunden. Im Tarifgebiet Ost verbleibt es bei 40 Wochenstunden.“

    Die Überschrift heißt auch: Einigung auf LÄNGERE Arbeitszeiten.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Tarifvertrag_für_den_öffentlichen_Dienst_der_Länder#Einigung_auf_l.C3.A4ngere_Arbeitszeiten

    Um die – in meinen Augen – richtige politische Forderung von Vilar umzusetzen muss man politisch eine Menge Druck entwickeln, um diese Logik der Ausweitung der Arbeitszeit zu konterkarieren.
    Alle Bestrebungen der meisten Parteien gingen und gehen in eine andere Richtung: Nämlich die Arbeitszeit zu verlängern.

    Was dann noch als Zeit für Familien bleibt – rechne es dir selber aus.

    Nächstes Argument:

    „Aber nicht, damit Mutti entlastet wird und sich selbst verwirklicht – sondern damit sie in Fabriken für den Aufbau des Sozialismus schuftet. Familie störte da nur!“

    Auch wenn es dir anscheinend nicht auffällt, aber du diskutierst hier mit Menschen, die *Männer*rechte und männliche Interessen thematisieren.
    Aus welchem schrägen Grund ist für dich „Selbstverwirklichung“ eine FRAUENSACHE?
    Wieso ist es eigentlich *kein* Skandal, dass *Männer* in den Fabriken für den Aufbau des Kapitalismus schuften, um damit *Frauen* ihre Selbstverwirklichung zu ermöglichen?

    WER hat dir denn eingetrichtert, dass es DEIN Job ist, anderen ein Glück zu ermöglichen, indem du auf DEINES verzichtest?

    Du redest über „Phrasen“ und „sozialistische Ideologie“?!
    Arnie, aus meiner Sicht badest du geradezu in Ideologie!

    Wenn du 8 oder 9 Stunden am Tag arbeitest und eine Stunde am Tag brauchst für den Weg zur Arbeit, dann musst du kein Genie sein, um dir auszurechnen, wie viel VATER du in deiner FAMILIE überhaupt noch sein kannst.

    DAS ist Realität und wenn du dich in einer anderen, nicht existierenden Realität bewegen willst bleibt dir immer noch ein Ausweg: Werde doch einfach Feminist. 😉

    Was Marx und Engels gegen die bürgerliche Familie vorbrachte war richtig – zu seiner Zeit. Nur bestand das „Bürgertum“ damals aus Pi mal Daumen 15% der Bevölkerung.
    Das ist die „Kleinigkeit“, die gerne vergessen wird.
    Wenn Marx heute noch leben würde, würde er sich an der EMPIRISCHEN Realität der heutigen zeit orientieren.
    Nur linke VOLLIDIOTEN tun so, als wäre Marx 1:1 in die heutige Zeit zu übersetzen.
    Zu diesen Vollidioten gehöre ich nicht.

    Schönen Gruß, crumar

    Antwort

  23. @Leszek

    Ich glaube, ich muss es hier mal ganz klar sagen: Uns verbindet in unseren politischen Vorstellungen weitaus mehr, als uns trennt.

    Und mit „Vorstellungen“ meine ich politische Ziele – ich glaube, unser Disput wir darauf hinauslaufen, inwiefern bestimmte *Etappen* formulierbar und *realistisch* zu erreichen sind.

    That´s it.

    Und nun zum nächsten Punkt – gesprochen in unser ALLER Namen:

    „Also ich würde mir eigene Artikel von Leszek wünschen und am besten einen eigenen Blog und wünsche dem libertären (und sozialistischen) Maskulismus viel Erfolg.“

    😉 – zeigst du mir deinen Blog, zeig ich dir meinen!

    Und zu den Erziehungsformen: Also ich habe Makarenko gelesen und fand ihn super!
    (gnihihi)

    An bestimmten Form des Zwangs, sich bestimmte Minimalanforderungen einer Kultur anzueignen werden wir niemals vorbeikommen – das ist meine These.
    Schule an sich ist Zwang.
    Lernen an sich ist Zwang.

    Egal, wie du es verpackst.

    Es gibt sicherlich immer eine bessere *Methode*, um diesen Zwang zu verschleiern, damit das Lernen mehr Spaß macht – gar keine Frage.
    Aber letztlich BENUTZT jedes System die explorative Neugier des Kindes und seinen Hunger nach „Welt verstehen“.

    Ich denke nicht, dass man um dieses Dilemma herumkommt.

    Schönen Gruß (marxistische und libertäre) an dich, crumar

    Antwort

  24. „In den letzten Woche haben sich nämlich gehäuft Kommentatoren bei mir gemeldet, die sagten, dass sie Schwierigkeiten mit dem Kommentieren hier hätten. Daher werde ich – wenn alles klappt, wie ich es vorhabe – demnächst bei WordPress weitermachen.“

    Das ist ein alter Hut. Wer keine Cookies von Drittanbietern einschaltet, kann nicht kommentieren. Blogspot ist da technisch zurückgeblieben. Und meine innere Trägheit verhindert, dass ich extra für 1-2 Kommentare bei Dir, Miria oder dem Jüngling das jeweils immer einschalte. (Wie ich auch schon bei Miria oder dem Jüngling schrieb.) Es gibt übrigens Lösungen, um das Blog zu portieren und ebenfalls die Kommentare. Also reserviere Dir man-tau.wordpress.com und weiter geht's… (Hier würde ich dann einfach zumachen, aber die bisherigen Beiträge stehenlassen und in einem letzten Artikel auf die neue URL verweisen. Ansonsten gehen alle Links zu Dir ins Leere und das wäre doch schade.)

    Antwort

  25. Ich gebe zu, dass mein Text im Aufbau etwas missverständlich war.
    Selbstverständlich glaube ich NICHT, dass Selbstverwirklichung Frauensache ist oder sein sollte – im Gegenteil.
    Ich wollte darauf hinaus, dass hier marxistisch argumentiert wird – und andererseits Schwesig kritisiert wird, die ja aus einem marxistisch orientierten Staat kommt. Dieser Widerspruch ist da und wird von dir auch nicht aufgelöst. Du magst von Marx und Co. mehr Ahnung haben, aber ich habe schlichtweg Panik, wenn die Familie (als Keimzelle des Lebens und der Gesellschaft) in die Hände des Staates wandern soll. Davon träumen Linke doch nahezu alle.
    Ich begreife nicht, wie man verkennen kann, dass Feminismus nur eine Spielart des Sozialismus ist. Da kommt die ganze Grütze doch her!
    Andere vor mir haben es volkstümlich zugespitzt: „Feminismus ist Sozialismus mit Titten“.
    Irgendwann merkt ihr's auch noch.
    Bis dahin beste Grüße
    Arnie

    Antwort

  26. @ Arnie Ich träume ganz gewiss nicht von einer Verstaatlichung der Familie, und ich sehe mich eindeutig als Linken an. Staatliche, oder zumindest nicht-familiäre Kinderbetreuung ist notwendig, damit beide Eltern den Kontakt zur Arbeitswelt behalten können – und das finde ich für Frauen UND Männer wichtig.

    Wenn die Frau ganz aus dem Beruf ausscheidet und die alleinige Verantwortung für die finanzielle Versorgung der ganzen Familie beim Mann liegt, bringt das auch ihn in eine Position, die sein Leben enorm einschränkt. Um FÜR seine Familie da zu sein, nämlich um sie zu versorgen, bekommt er seine Familie kaum noch zu Gesicht (diesen Widerspruch hat Farrell einmal als „die männliche Tragödie“ bezeichnet).

    Es geht mir dabei aber nicht um eine Verstaatlichung der Familie, sondern darum, familiäre Belastungen fair zwischen den Partnern aufzuteilen. Dafür brauchen Familien nun einmal Unterstützung durch andere.

    Ansonsten halte ich es für eine der strategisch wichtigsten Leistungen feministischer Akteurinnen, dass sie damit erfolgreich waren, sich selbst als irgendwie „links“ zu präsentieren. Was diffus bedeutet: FÜR soziale Gerechtigkeit, GEGEN Ungerechtigkeit, FÜR Zukunftszugewandtheit, GEGEN ein Beharren in Formen, die sich überlebt haben.

    Feminismus hatte in meine Augen eine Funktion, weil er den Übertritt bürgerlicher Frauen in das Berufsleben politisch orchestriert hat. Er war damit sowohl die Angelegenheit einer bestimmten Generation (die mittlerweile in Rente ist) als auch einer bestimmten, eben bürgerlichen Schicht. Links war auch das nicht, aber auch nicht unbedingt rechts oder reaktionär. Heute hingegen beziehen Feministinnen Positionen, die linker Politik direkt entgegengesetzt sind.

    Antwort

  27. Wieder mal schlüssig und moderat argumentiert, keine Frage.
    Wir haben mehrere Widersprüche, die kaum aufzulösen sind: Ist Familie „Belastung“ (wie du auch schreibst) oder Erfüllung?
    Ist Arbeit Erfüllung oder nur Maloche?
    Und da ist eben von Fairness nix zu sehen. Arbeit als Verpflichtung darf gern „Männerdomäne“ bleiben. Und frau tummelt sich seit Jahrzehnten im Bereich Selbstverwirklichung. Und so soll's bitteschön auch bleiben, wenn es nach Schwesigs Schwesternschaft geht (sei sie links oder nicht).
    Und hier liegt doch die Wurzel der „männlichen Tragödie“ wie Farrell sie erkannte: Einer, der sich der Ernährerrolle a priori verweigert, kriegt gar keine ab – und kommt so auch nie in die Verlegenheit, sich über Vereinbarkeit von Vaterschaft und Beruf den Kopf zu zerbrechen. So kommt es dann zur „klassischen“ Rollenverteilung unserer Gegenwart, wie Meike Winnemuth sie beschrieben hat: Der Ernährer ist nach wie vor der Mann – Mutti arbeitet halbtags für Taschengeld und Selbstverwirklichung.
    Ich zitiere (sinngemäß) nochmals Esther Vilar: „…aber vielleicht WOLLEN die Männer gar nicht frei sein? Um das zu klären, müsste man ihnen die Freiheit erst einmal anbieten. Und genau das werden die Frauen niemals tun.“

    Antwort

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