Wissenschaft

Polemischer antifeministischer Backlash, gruselige Verschwörungs-Theorien …

Zeigt 8 Figuren mit den Männer- und Frauensymbolen und gewisse haben beide Symbole vereinigt.
geschrieben von: Lucas Schoppe
…und andere sachliche Worte der Zeit für Kritik an den Gender Studies
In der Zeit hat die Kulturjournalistin und Deutschlandradio Kultur-Redakteurin Catherina Newmark gerade einen Text veröffentlicht, in dem sie Kritikern der Gender Studies vorwirft, ihre Kritik lediglich Aus Angst vor einem anderen Leben zu üben: aus Angst also vor einer Änderung bestehender Verhältnisse, aus Angst davor, das Menschen anders leben könnten, als es gängigen Normen entspricht.
Da der Kommentarbereich nur knappe Texte erlaubt, schreibe ich hier meinen Kommentar dazu.
Erzeugt solch ein Bild tatsächlich Angst? Auch diese Illustration einer bunten Geschlechtervielfalt variiert immer dieselben beiden Grundmuster: Mann und Frau. Sollten sich Traditionalisten am Ende durch Gender Studies bestätigt fühlen können?

Der Text in der Zeit ist durchgehend von dem Bemühen geprägt, die Gender Studies als grundsätzlich unproblematisch darzustellen – obwohl doch Probleme bei einem sehr jungen Fach eigentlich zu erwarten und zudem völlig verständlich sind. Kritiker erscheinen durch diese Darstellung als unlautere, unsachliche Ideologen, die bloß persönlichen Interessen folgen.

„Antifeministische Rhetorik“, also natürlich keine Argumente, führten sie an, und das ist denn natürlich als „Backlash“ zu verstehen – als ob Kritik durch nichts anderes begründet sein könnte als durch die Angst von Männern, die um ihre Machtpositionen fürchten und nun gegen emanzipatorische Positionen zurückschlagen.

Das ist selbst argumentfreie Rhetorik: Denn feministische Positionen sind politische Positionen, und in einem demokratischen Rahmen dürfen und SOLLEN politische Positionen natürlich einer offenen Kritik unterzogen werden. Wenn ich bestimmte Positionen des Feminismus kritisiere, macht das aus mir noch keinen „Antifeministen“ – Angela Merkel betitelt ja auch nicht jeden, der mal Kritik an ihr übt, deswegen gleich als „Antichristdemokraten“, oder der Einfachheit halber kurz als „Antichristen“.

Dass niemand, wie eine Zwischenüberschrift das ausdrückt,  Biologie bestreite, was immer das auch heißen mag – das mag sein, ist aber irreführend. Wo ist denn der systematische Platz der Biologie in den Gender Studies?

„Mit den Nazis kam die Theorie einer weitgehend klaren biologi­schen Zweiteilung, die auch immer noch im Biologiestudium vermittelt wird“

– das erklärt im Interview ein Gender-Professor mit Biologiestudium.  „Mann“ und „Frau“ sind hier nicht nur bloß soziale Konstruktionen – es sind auch soziale Konstruktionen der Nazis. Wer hätte das gedacht?

Das hat der Professor sicherlich außergewöhnlich ungeschickt formuliert, es spiegelt aber Grundlagen der Gender Studies wieder, die sich auch bei Judith Butler finden lassen: Es gäbe keine selbstständigen biologischen Geschlechter (sex), sondern auch diese seien soziale Konstruktionen (gender). Sex kollabiert in Gender, sozusagen.

Wichtiger noch: Diese sozialen Konstruktionen werden tatsächlich nicht unvoreingenommen auf ihre Funktion hin untersucht, sondern Butler unterstellt, dass sie Herrschaftsinteressen dienten, „als Macht/Diskurs-Regime“ (Butler, Unbehagen der Geschlechter).

Vor diesem Hintergrund sind biologische Auskünfte zu Geschlechtern mit dem pauschalen Vorwurf konfrontiert, sie seien bloß eine Naturalisierung von Herrschaftsstrukturen: Sie würden also diese Strukturen zugleich verschleiern und legitimieren. Dass Biologen diesen Pauschalvorwurf, den zu erheben übrigens keine biologischen Kenntnisse voraussetzt, seinerseits als unwissenschaftlich und ideologisch ansehen – das ist bei Licht betrachtet nicht sonderlich überraschend und völlig nachvollziehbar.

Mir sind übrigens „maskulinistische Verschwörungstheorien von der feministischen Weltherrschaft“ nicht bekannt, und offenkundig baut die Autorin auch hier einen Strohmann auf.  In einem argumentativen Kniff, der schon aus Kindergartentagen vertraut ist („Wer’s sagt, isses selber“), unterstellt sie die pauschale Herrschaftsunterstellung ihrerseits den Kritikern.

Dabei würde es völlig reichen, wenn sie und Vertreter der Gender Studies anerkennen könnten, dass natürlich auch Männer und Jungen unter geschlechtsspezifischen Benachteiligungen leiden können. Newmarks Formulierung allerdings, dass Frauen nicht nur ihre Probleme, „sondern auch die aller anderen Geschlechter ernst nehmen wollten“, verschleiert bloß, dass Fragen nach spezifischen männlichen Belastungen in den Gender Studies keinen Platz haben.

Eine Ausnahme ist dann möglich, wenn sie sich als Probleme darstellen lassen, die durch patriarchale oder heterosexistische Strukturen selbst verursacht worden seien, etwa als Probleme der „marginalisierten Männlichkeiten“, die unter der „hegemonialen Männlichkeit“ litten (Connell).

Die spezifischen, ungeheuer bedrückenden Probleme von Trennungsvätern spielen beispielweise in den Gender Studies ebenso wenig eine Rolle wie die deutlichen schulischen Nachteile von Jungen. Eine gerade erschienene Ausgabe einer renommierten didaktischen Fachzeitschrift zum Thema „Negotiating Gender“ hat etwa die Frage nach einer besonderen Förderung von Jungen ausdrücklich ausgeschlossen und ist damit durchaus repräsentativ für gendertheoretischen Ansätze.

Angesichts von mittlerweile mehreren hundert Lehrstühlen ist eine solche Ausblendung sozialer Probleme natürlich ihrerseits Teil einer Herrschaftspolitik, die auch dann illegitim ist, wenn sie kein Teil einer Weltherrschaft ist…

In meinen Augen sind Gender Studies trotz der Einwände grundsätzlich ein sehr interessantes, lohnendes Forschungsfeld –

sie müssten allerdings erstens tatsächlich offene Fragen stellen und nicht alle Antworten immer schon kennen,
sie müssten  zweitens gegenüber anderen Wissenschaften, und der Überprüfung durch sie, offen sein,
und sie müssten drittens ihre erheblichen, aber kaum einmal thematisierten Ressentiments gegenüber Männern und Jungen ablegen.
Wer Männlichkeit routiniert mit Herrschaft oder Hegemonie  verknüpft, wird diese Ressentiments jedoch beständig reproduzieren. Das ist eine Haltung, die sich selbst immunisiert: Weil dann jede Kritik zum Ausdruck von Herrschaftsinteressen umgedeutet werden kann und daher sachlich nicht überprüft werden müsse.

Ich hatte hier einmal eine kleine Serie zu den Gender Studies:

1. Gender Studies als Wissenschaft von allem und jeder
2. Gender Studies: Wissenschaft von unten, installiert von oben
3. Gender Studies und die Logik der Feindschaft

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85 Comments

  • Bei dem Text von Newmark habe ich mich gefragt, was ist das für eine Textsorte, und natürlich die klassische Deutschlehrerfrage: Was will uns der Künstler damit sagen? Ist das Belletristik, die über die Befindlichkeit einer feministischen Schicht erzählt, die ihre Umwelt nicht mehr versteht? Oder der Versuch einer Medienanalyse, zumal das Interview von Kutschera den Ankerpunkt bildet? Oder ein Werbeshow für feministische Ideologie? Das geht in diesem Text alles wirr durcheinander.

    Zwischenbemerkung: diese neue Kolumne der ZEIT 10nach8 war bis vor kurzem mit dem gleichen Autorenteam bei der FAZ: http://blogs.faz.net/10vor88. Über die Gründe für den abrupten Wechsel kann man rätseln, es gab bei der FAZ nur sehr wenige Kommentare, insb. der dort gefürchtete (und von mir geschätzte) Vielkommentator Thorsten Haupts nahm die Beiträge der Damen regelmäßig auseinander, soweit ich das verfolgt habe. Durch den Umzug zur Zeit wollte man vielleicht weg von einem ideologisch eher frostigen Umfeld hin zur feministischen Zeit. Wenn man neu ist, muß man sich erst mal bekannt machen und das Umfeld testen und dieser Text war vielleicht so eine Art Versuchsballon.

    Vielleicht mache ich mir aber mehr Gedanken über diesen Text als Frau Newmark selber. Nachdem die Unwissenschaftlichkeit der Gender Studies sogar in diversen Zeit-Artikeln der letzten Jahre wiederholt heftig diskutiert worden ist, kommt es mir schon fast wie kindliche Einfalt vor, eine in weiten Teilen derart schlampige Argumentation abzuliefern.

    Kutscheras Attacken, die den Aufhänger bilden, sind ja vor allem wissenschaftstheoretische Kritik, ebenso der zitierte Hirschauer, den sie offenbar überhaupt nicht verstanden hat. Hirschauer klagt ja unmißverständlich an, daß das Personal der Gender Studies mehr nach richtiger ideologischer Voreingenommenheit und weniger nach wissenschaftlicher Qualifikation ausgewählt wurde und daß die Forschungsthemen, -Methoden und -Ergebnisse parteipolitischen Vorgaben unterliegen. Daraus wird bei Newmark die „die Inklusivität von Gender Studies“. Da muß man erst mal drauf kommen! Junk-Science als Inklusionsproblem! Das ist wirklich eine Sternstunde der Wissenschaftstheorie. Ich rätsele, ob Frau Dr. Phil (2007) Newmark bewußt ist, was sie da schreibt.

    Man könnte jetzt noch weitere Stellen ihres Textes ähnlich verreißen, dazu fehlt mir die Zeit und Lust. Der ganze Text ist völlig unqualifiziert und kommt zu allem Überdruß auch mit altbekannter feministischer Propaganda („Die Geschlechterordnung muss vielleicht nicht notwendigerweise zentral sein, aber in unseren Gesellschaften ist sie es.“) daher.

    Wen glaubt Frau Newmark nach Jahren intensiver Diskussion dieser Themen mit so einem Text noch über den Tisch ziehen zu können?

    • @mitm

      Thorsten Haupts ist also nicht nur mir aufgefallen….Naja, vielleicht zieht der Soldat ja auch mit zur ZEIT um.
      Ich fand dessen Beiträge manchmal ganz interessant, aber das Wort „Männerrechtsbewegung“ brauchen Sie bei einem Feministin vom Schlage Haupts gar nicht erst zu erwähnen.

      • @FocusTurnier: erst mal nachträglich besten Dank für die diversen Verlinkungen auf meinen Blog in der Vergangenheit 🙂

        „das Wort „Männerrechtsbewegung“ brauchen Sie bei einem Feministin vom Schlage Haupts gar nicht erst zu erwähnen“

        Also ein Feminist ist er sicher nicht, bspw. die scharfe Kritik hier brächte ein Feminist nicht über die Lippen.

        Daß er auch die MRB kritisiert (ich habe nur dunkel in Erinnerung, daß ihm das alles zu weinerlich und eine Imitation des Feminismus ist), ist völlig in Ordnung, teilweise hat er sogar recht und man kann seine Kritik durchaus als Hinweise auf Verbesserungsmöglichkeiten auffassen.

      • @mitm

        Bitte bitte, nichts zu danken. Immer wieder gern…:=)
        Hr. Haupts scheint eine polarisierende Figur zu sein. In den Kommentaren unter diesem Artikel

        https://blogs.faz.net/deus/2015/07/27/generation-y-zu-bloed-fuer-die-liebe-2741/

        schien er erst Ruhe zu geben, als man ihn darauf hinwies, daß Frau Wizorek derzeit höheren Tätigkeiten in Schwesig’s Ministerium nachgeht. Das war ihm vielleicht doch nicht ganz geheuer und er hat sich dann sein übliches „Bäh…, male tears“ gespart.

  • „gegenüber *anderen* Wissenschaften“

    Seit wann ist denn die Gendergrütze eine Wissenschaft?

    „In meinen Augen sind Gender Studies trotz der Einwände grundsätzlich ein sehr interessantes, lohnendes Forschungsfeld –“

    Eine gute Alternative dazu wäre die Evolutionpsychologie/physiologie. Dort findet man einen reichhaltigen Fundus an geschlechterspezifischen Informationen. Und die Politik hat es schwieriger in tatsächliche Wissenschaft einzubrechen.

    „…obwohl doch Probleme bei einem sehr jungen Fach eigentlich zu erwarten…zudem völlig verständlich sind“

    Warum das? Saubere Methode und wissenschaftliches Arbeiten stehen am Anfang jeder Wissenschaft. Ich würde sogar vom Gegenteil ausgehen. Ein junges Fach sollte wegen der fehlenden Orthodoxie eigentlich wesentlich Ergebnisreicher sein als die Klassiker des akademischen Establishments.

    Nur meine paar Widersprüche, ansonsten gute Arbeit wie immer.

    Gruß vortex

  • „Haben wir Emanzipierten einen großen Fehler gemacht?“

    Dieser Satz alleine macht schon deutlich warum Gender-bewegten so viel Unverständniss und Ablehnung entgegen kommt.

    Er impliziert nämlich das nur diejenigen die Gender für gut finden, emanzipiert sind. Alle anderen sind reaktionär, rückständig (und vermutlich sowieso Nazis, um bei der gerne genutzten Kampfrethorik des Genderlagers zu bleiben).

    Glauben die wirklich das man einen Großteil der Bevölkerung, der eben andere Ansichten hat als sie, einfach so als rückständige Höhlenmenschen runtermachen kann ohne dass das eine Reaktion hervorruft?

    Dazu kommt noch dass das Genderlager immun gegen jegliche Kritik ist, nach dem Motto „wir vertreten die alleinige Wahrheit“, woraus auch der Anspruch folgt das alle anderen ihren Vorstellungen zu folgen haben (siehe gegenderte Sprache). Und wer das nicht tut der wird von den Social Justice Warriors auf Lynchmob artige Weise wenn er Pech hat aus Lohn und Brot gejagt und seine Familie zerstört.

    Das letzte Mal als sich das eine Weltanschauung herausnahm nannte sich das noch Faschismus …

  • „In meinen Augen sind Gender Studies trotz der Einwände grundsätzlich ein sehr interessantes, lohnendes Forschungsfeld“

    Da ist NICHTS lohnendes, diese kriminelle Vereinigung muss vollstaendig von den Universitaeten eliminiert werden.

    Die Unterstellung, dass da was lohnendes sei, ist sehr aehnlich der Unterstellung, dass Homoeopathie doch lohnend sei, da der Mensch ja wichtig sei etc. — dass da irgendwo am Horizont was interessantes ist, kann ueberhaupt nichts dran aendern, dass die, die diesen Wahnsinn betreiben, Quacksalber (im besten Falle!) sind.

  • Ich finde die Frau hat in vielen Teilen Recht!!!
    Auch ich sehe den Backlash, von dem im Artikel die Rede ist, sehr deutlich! Aber fangen wir von hinten an…
    Die Einführungsfrage:
    „Die akademischen Gender Studies werden polemisch als Ideologie beschimpft – mit breitenwirksamem Erfolg. Haben wir Emanzipierten einen großen Fehler gemacht?“
    Hier kann man nun ganz einfach sagen, nein, ganz bestimmt haben die Emanzipierten keinen Fehler gemacht, wie auch? Man kann auch die Kritiker beschimpfen oder ihnen unwissenschaftliches Arbeiten vorwerfen…
    Doch mal ehrlich, wie hätte z. B. ein Charles Darwin gemacht, nachdem seine Kritiker z. B. solches
    https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Darwin#/media/File:Editorial_cartoon_depicting_Charles_Darwin_as_an_ape_(1871).jpg
    veröffentlicht hätten? Er hätte seine Studien und Aufzeichnungen ausgepackt und sie den Kritikern um die Ohren geschlagen, Seite für Seite, Zeile für Zeile, Erkenntnis für Erkenntnis!

    Und was machen die GenderjüngerInnenUndAussen? Sie dreschen auf die Kritiker ein, anstatt ihre Beweise für ihre bahnbrechenden Erkenntnisse aus der Schublade zu holen und uns diese Seite für Seite… Das nennt sich dann wirkliche Grösse, denn anscheinend wollen sie uns nur nicht mit diesem Wissen verunsichern… oder man nennt es Backlash, in eine Welt, in der z. B. auch so Forscherpersönlichkeiten wie Galilei ihre Kritik an der herrschenden Meinung nicht mehr öffentlich zu sagen wagten, weil sie mit Tod, Gefängnis oder dem Pranger auf dem Marktplatz rechnen mussten. Ähnlich wie man uns hier vorführen will, alle Kritiker sind Gaga, zumindest aber Baba um auf dem Sprachniveau zu bleiben, mit dem uns die GendermenschInnenUndAussen hier verwöhnen.

    Jeder Idiologie versucht einen Backlash in die Zeit vor der Aufklärung… Somit ist die Antwort auf die Eingangsfrage klar zu beantworten: Nein, ihr habt keinen Fehler gemacht, Ihr seid der Fehler!

  • >>In meinen Augen sind Gender Studies trotz der Einwände grundsätzlich ein sehr interessantes, lohnendes Forschungsfeld –

    sie müssten allerdings erstens tatsächlich offene Fragen stellen und nicht alle Antworten immer schon kennen,

    sie müssten zweitens gegenüber anderen Wissenschaften, und der Überprüfung durch sie, offen sein,

    und sie müssten drittens ihre erheblichen, aber kaum einmal thematisierten Ressentiments gegenüber Männern und Jungen ablegen.< < Also kurzum: Geschlechterforschung sollte nicht von Feministen/Genderisten betrieben werden, da ihre ideologische Borniertheit jedem Erkenntnisgewinn im Weg steht.

  • „Geschlechterforschung sollte nicht von Feministen/Genderisten betrieben werden, da ihre ideologische Borniertheit jedem Erkenntnisgewinn im Weg steht.“

    Das stimmt.

    Allerdings wäre Gender Studies ohne den politischen Druck seitens der Feministinnen (und den erhofften Nutzwert seitens der Ökonomie) nichts weiter als eine von vielen Unterabteilungen der vergleichenden Kulturwissenschaft.

    Es verwundert also nicht, dass hier Feministinnen diese Option ziehen um sich abzuheben und nicht ein Nischendasein gleichwertig neben so interessanten Themengebieten wie Nahrungsethnologie oder Ritual- und Brauchforschung führen zu müssen…

    Max

  • Das fänd ich allerdings wirklich interessant: Was bliebe von der Geschlechterforschung ohne die stereotype Herrschaftsunterstellung – und ohne den damit verbundenen Anspruch, selbst „emanzipatorisch“ zu sein?

    Was bliebe, wenn schlicht ergebnisoffen untersucht werden würde, welche Auswirkungen die Geschlechtszugehörigkeit auf das Leben von Menschen hat – und wo die Geschlechtszugehörigkeit irrelevant ist? Oder wenn einfach untersucht würde, welches Spektrum an weiblichen UND männlichen Verhalten möglich ist, ohne dass andere einschreiten?

    Meine persönliche Erfahrung als Lehrer ist jedenfalls, dass Mädchen in dieser Hinsicht mit anderen oft deutlich strenger umgehen als Jungen – was ja nicht unbedingt für die Idee eines „Patriarchats“ spricht (aber SO natürlich, als ein persönliche Erfahrung, auch noch nicht aussagekräftig ist).

  • „Ein junges Fach sollte wegen der fehlenden Orthodoxie eigentlich wesentlich Ergebnisreicher sein als die Klassiker des akademischen Establishments.“ Zumindest wäre eigentlich zu erwarten, dass ein junges Fach unter deutlich größerem Druck steht, sich als ertragreich zu erweisen. Etablierte Fächer haben diesen Nachweis ja in aller Regel schon erbracht.

    Es geht dabei aber ja nicht nur um das Einhalten formaler Prinzipien der Wissenschaftlichkeit. Es geht auch im Routinen, um die Entwicklung ganz unterschiedlicher Positionen in demselben Fach, auch um Erfahrungen damit, worauf bestimmte Argumente und Auseinandersetzungen hinauslaufen. Dass Fächer, die sich erst noch etablieren, hier Schwächen haben, ist eigentlich selbstverständlich.

    Umso seltsamer ist das irrationale Beharren darauf, dass die Gender Studies gleichsam makellos seien und dass Kritik an ihnen bloß durch illegitime Motive (Backlash!) begründet sein könne.

  • Hier die Emanzipierten – dort die Feinde der Emanzipation, die auf althergebrachten Herrschaftsstrukturen beharren. Die Selbstbezeichnung als „emanzipiert“, die Plakatierung der eigenen Positionen als „emanzipatorisch“ gehört ganz offenkundig zum guten Ton in den Gender Studies. Newmark könnte auch ganz einfach klarstellen: Wir sind die Guten, die anderen die Bösen.

    Interessant ist aber auch, WAS sie in rhetorischen Fragen als „Fehler“ beschreibt:

    „Haben wir – Feministinnen, Emanzipationsinteressierte, Gender-Studies-Affine – es vielleicht irgendwie versäumt, unsere generell nicht weltzerstörerische Absicht deutlich genug kundzutun? Kommunizieren wir unsere umfassende Akzeptanz des männlichen Geschlechts unzureichend? Machen wir zu viel Gedöns um das bisschen Rolleneinschränkung und Geschlechterhierarchie? Sind wir, um es in ganz traditioneller weiblicher Manier zu formulieren, vielleicht selber schuld? Als wir aus „feministischer Theorie“ und „Feminismus“ „Gender Studies“ gemacht haben, weil wir nicht mehr nur unsere Probleme, sondern auch die aller anderen Geschlechter ernst nehmen wollten, haben wir da übersehen, dass es eine Menge Menschen gibt, die gar nicht befreit werden wollen?“

    Das heißt: An keiner Stelle kommt sie auf den Gedanken, dass eigene Positionen falsch, eingeschränkt, vorurteilsbeladen, zu wenig stichhaltig etc. sein könnten. Statt dessen geht es ihr nur um zwei Punkte:

    1. Unsere Position ist gut und richtig, aber wir haben sie vielleicht nicht gut genug verkauft.

    2. Wir haben sie deshalb vielleicht nicht gut genug verkauft, weil wir, die Freien und die Befreier*innen, unterschätzt haben, wie viele von diesen Menschen um uns herum dumpf in ihrer Unfreiheit beharren wollen.

    Noch in der scheinbaren Selbstkritik drückt sich so eine unbeirrbare Selbstverherrlichung aus – und eine Verachtung für die, die anders denken. Das ist noch kein „Faschismus“ – aber demokratisch ist es ganz sicher auch nicht.

  • Die Gender Studies legitimieren sich schon seit Längerem weniger durch Hinweise auf ihre Ergebnisse (dazu vor allem der Kommentar von Kai unten), sondern durch den Hinweis darauf, dass die eigenen Gegner aggressiv und von unlauteren Absichten getrieben seien. „Wir haben Arschlöcher zu Feinden – wollen sich seriöse Menschen etwa auf die Seite dieser Arschlöcher schlagen und uns kritisch untersuchen?“

    Heftige Attacken haben den Nachteil, dass sie diese Konstruktion bedienen. Deshalb – aber, zugegeben, auch aus persönlichen Vorlieben – finde ich es wichtig, die Auseinandersetzung möglichst sachlich zu führen. Weniger Kickboxen, mehr Judo.

    Die Gender Studies werden eh niemals als „kriminelle Vereinigung“ verurteilt werden. Was aber möglich ist: Sie sollten in die Situation gebracht werden, das zu tun, was für Wissenschaften und Forschungsrichtungen eigentlich selbstverständlich ist – sich klar und offen zu legitimieren und ihre eigenen Erträge vorzuführen.

    Darum geht es mir in dem ersten Punkt: Eine offene Forschung zu betreiben, die auch echte Erkenntnisgewinne bringen kann. Jede „Erkenntnis“, die mir aus gendertheoretischer Richtung begegnet ist, war dagegen eigentlich bloß eine überaus voraussehbare, recht eingegrenzte INTERPRETATION sozialer Daten. Dabei geht es dann aber eher um politische Opportunität als um wissenschaftliche Forschung.

    Offen eigene Ergebnisse auszuweisen, sie auch offen überprüfbar zu machen, in eine echte wissenschaftliche Diskussion zu treten – das ist das Anliegen meines zweiten Punktes. Entweder wir betreiben Wissenschaft, oder wir ziehen uns auf Dauer in „Safe Spaces“ zurück, in denen wir vor offenen Debatten geschützt sind – beides geht nun einmal nicht.

    Durch die gruppenbezogenen Ressentiments, die in den Gender Studies einen festen Platz haben, sind sie nicht nur wissenschaftlich, sondern auch politisch und ethisch unakzeptabel. Daher müssen sich ihre Vertreter*inn_en von diesen Ressentiments deutlich distanzieren, weil sie andernfalls einfach nur eine Art Rassenkunde 2.0 betreiben. Dritter Punkt.

    Das bedeutet: Sachlich nachvollziehbare Bedingungen zu beschreiben, die Gender Studies als Wissenschaft natürlich zu erfüllen hätten, ist in meinen Augen deutlich sinnvoller, als sie grundsätzlich und radikal als kriminell abzustempeln.

    Angesichts solcher Angriffe können sich die Vertreterinnen der Gender Studies dann einfach als bedrohte Wissenschaftlerinnen darstellen, die Beistand verdient haben. Tatsächlich käme es aber darauf an, dass sie entsprechend ihrer Verantwortung ihre eigenen Positionen offen darlegen, ihre Ergebnisse präsentieren und die Verwendung öffentlicher Mittel legitimieren.

  • Hallo Lucas,

    „In meinen Augen sind Gender Studies trotz der Einwände grundsätzlich ein sehr interessantes, lohnendes Forschungsfeld“

    – ?????? Aua.

    Was meinst Du denn damit? Psychologische Rollen, biologische Grundlagen von geschlechtstypischem Verhalten, ja, aber das gibt es bereits seit langem.

    Der Begriff „Gender“ aber kommt, wie wir wissen, vom Lernpsychologen John Money, einem Antiwissenschaftler und Verbrecher (Menschenversuche…).
    Dem folgt der ganze soziologistische Genderplex.

    Schauen wir doch mal auf die Details:
    Gender bedeutet:
    a) Frauen werden grundsätzlich überall (!!!) benachteiligt oder sogar unterdrückt; Männer sind die Unterdrücker
    b) LSBTTIQxyz.. werden grundsätzlich überall (!!!) benachteiligt oder sogar unterdrückt; Hetero-Männer sind die Unterdrücker
    c) trotzdem gibt es eigentlich kein Geschlecht, weil von den Nazis (?) sozial konstruiert (aha). Alternativ schafft die Biologie trotz mannfrau-basierter Fortpflanzung „unzählige“ Geschlechter (puah).

    Alle drei Punkte sind aus westlicher Sicht kompletter Unfug und sogar in sich widersprüchlich. Wie kann daraus etwas Lohnendes und Sinnvolles erwachsen?

    Außerdem muß gefragt werden, wieso selbst an Provinz-Unis wie in Merseburg gleich mehrere mehr oder minder gut getarnte Gender(Diversity)-Professuren existieren müssen. Das riecht doch geradezu nach Arbeitsbeschaffung für dunkelrote oder grüne Netzwerk-Pseudowissenschaftler, die nichts Richtiges arbeiten wollen oder können.

    Und gibt es Gender“forscher_*Innen“, die etwas Sinnvolles sagen? Also, so öfters. Gibt es welche unter denen, die nicht ultralinks sind? Gibt es welche unter denen, die keine politische Agenda haben?

    Daher mein Fazit: Gender studies und ähnlich gelagerte „Wissenschaften“ sind ersatzlos zu streichen.
    Die klassische Psychologie leistet genug echte Geschlechterforschung. Die Soziologie früher auch mal ein bißchen; heute aber tendenziell nicht mehr.

    Grüße,

    Axel (AE)

  • „Ich rätsele, ob Frau Dr. Phil (2007) Newmark bewußt ist, was sie da schreibt.“

    – Mh, vor allem als Filosofin. Schaut man sich ihr Portfolio an (http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/we01/institut/mitarbeiter/ehemalige/newmark/index.html), wirkt sie eigentlich nicht stramm genderfeministisch.
    Denke, daß in der Soziologie/Filosofie/Politologie/Pädagogik/etc. die wissenschaftlichen Standards seit langem abhanden gekommen sind. Wenn sie denn mal existierten.

    Ohne Druck durch fachneutrale Evaluationskommissionen, die auch disziplinarische oder Sanktionsrechte besitzen, wird das nix mehr.

  • „Nein, ihr habt keinen Fehler gemacht, Ihr seid der Fehler!“

    – Hatte dazu gerade eine kleine Diskussion mit einer Kollegin (aus der Chemie).
    Denke, es gibt zwei Sorten Akademiker:
    1. Die rationalen Denker, die die Wirklichkeit erforschen wollen, und darauf basierend eventuell manipulativ einwirken. Zum Beispiel: ein Arzt findet einen Stoff, der Krebszellen tötet. Und den testet er dann klinisch.
    2. Die ideologischen Gläubigen, die sich fantasievoll eine schöne neue Welt ausdenken (oder Erdachtes übernehmen), und ihr Konzept dann zu Wirklichkeit machen wollen. Zum Beispiel: Eine junge Frau aus gutem Hause denkt, daß alles Schlechte in der Welt vom Kapitalismus und Sexismus komme. Schafft man beides ab, werde unsere Seele gesund. Dafür kämpft sie!

    Typ 2 ist für die Wissenschaft eigentlich völlig ungeeignet. Menschen mit so einer Persönlichkeit in Massen in einem Fachbereich führen automatisch zu einem Systemfehler.
    Man kann solche Typen an einer Uni eigentlich unter strengster Aufsicht arbeiten lassen und muß ihnen bei Abweichungen von wissenschaftlichen Standards sofort empfindliche Strafen angedeihen lassen.

  • @Axel (AE): Dieser Vergleich ist unfair. Typ 2 ist die Negativvariante eines Philosophen oder Soziologen. Die gibt es natürlich, speziell auch unter den Schreihälsen, aber fairerweise muß man den seriösen Naturwissenschaftler mit einem seriösen Geisteswissenschaftler vergleichen. Und letztere können leider prinzipell nicht klinisch testen. Wenn mit „testen“ der Falsifikationismus gemeint war: den kann man als Wissenschaftstheorie nur in den Naturwissenschaften anwenden, in den Geisteswissenschaften prinzipiell nicht, mehr dazu hier.

  • „An keiner Stelle kommt sie [Newmark] auf den Gedanken, dass eigene Positionen falsch, eingeschränkt, vorurteilsbeladen, zu wenig stichhaltig etc. sein könnten.“

    Zumindest vermittelt der Artikel diesen Eindruck, und damit den gleichen Eindrück über Newmark. Das muß allerdings nicht unbedingt stimmen. Je länger ich die Szene beobachte, umso öfter habe ich den Eindruck, daß sich manche Leute verstellen und entweder nur klick-baits schreiben oder die Diskussion auf Nebenkriegsschauplätze umlenken wollen. (Am Rande: In diesem Zusammenhang hochinteressant ist ein Vortrag von Prof. Mausfeld über Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagements.)

    Ich frage mich, ob Newmark wirklich so unterqualifiziert ist, wie sie sich hier darstellt. Dermaßen blamiert sich doch niemand freiwillig. Ich greife einen der letzten Kommentare heraus: #762: „nach überschlägiger Lektüre der Kommentare zu diesem Artikel muss ich feststellen, das diese in weiten Teilen besser argumentieren als die Verfasserin des Artikels“. Dazu die schon oben erwähnten konfusen Themenwechsel und dieses teilweise kindchenhafte Gebaren „hach, wir meinen das doch nur gut mit Euch“.

    Ich stehe hier vor einem Rätsel. Hat die Dame nur einen schlechten Tag gehabt? Oder wirkt sie auch sonst so unterqualifiziert? Wie kommt sie dann in solche medialen Machtpositionen? Denn machen wir uns nichts vor: die meisten Leute lesen nur die redaktionellen Beiträge und glauben das alles. Wer sucht sich schon aus 100en Kommentaren (von denen viele Unfug sind) die Gegenargumente heraus?

  • „Wie kommt sie dann in solche medialen Machtpositionen?“

    Durch Netzwerken. netzwerken, netzwerken.
    Vergiss auch nie die massive Ausstattung mit Mitteln durch EU Programme, MiniGleich und andere Institutionen. Das führt einerseits zu nahezu Vollbeschäftigung bei GS Absolventinnen als auch ausreichenden Mitteln zur Bezahlung von Propagandamunition. Zweckentfremdung von Geldern mittels korrupter Strukturen et cetera.

  • „Der Begriff „Gender“ aber kommt, wie wir wissen,…“

    Also m.W. wurde der Begriff von Harold Garfinkel geprägt und anhand konkreter Fallbeispiele definiert

    „Gender bedeutet:
    a) Frauen werden grundsätzlich überall (!!!) benachteiligt oder sogar unterdrückt; Männer sind die Unterdrücker“

    In unserer Welt sind Menschen mit schwächerer Konstitution grundsätzlich gegenüber Menschen mit stärkerer Konstitution benachteiligt. Dies macht sich insbesondere bei der Konkurrenz um Ressourcen (angefangen von der Nahrung) bemerkbar.

    Das sich aufgrund dieses Umstands eine Machtdynamik zwischen Menschen entwickelt und diese Dynamik aus einer Betroffenenperspektive heraus als Unterdrückung interpretiert werden kann, ist ebenfalls plausibel und empirisch belegbar.

    Insofer ist die erste Aussage zutreffend. Die zweite Aussage („Männer sind die Unterdrücker“) ist eine Überinterpretation von Psychotikerinnen. Aus psychopathologischer Sicht interessant, aber ungeeignet um an die Kernthesen gekoppelt zu werden.

    „b) LSBTTIQxyz.. werden grundsätzlich überall (!!!) benachteiligt oder sogar unterdrückt; Hetero-Männer sind die Unterdrücker“

    Das eine Abweichung von der heterosexuellen Gesellschaftsnorm in der Sozialdynamik Nachteile für die Abweichler bringt, ist empirisch belegbar. Das es teilweise extrem aggressive und anlasslose Ablehnung gibt, die dann in der Folge gegen das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit oder sogar gegen das Grundrecht auf Leben der Betroffenen verstößt ist ebenfalls belegbar.

    Da die entsprechenden Straftaten zumeist von – körperlich stärkeren oder in Gruppen auftretenden – Männern begangen werden, ist die Wahrnehmung „Hetero-Männer sind die Unterdrücker“ nachvollziehbar.

    Definiert man „Unterdrückung“ als aktiven Vorgang oder als glaubhafte Abdrohung eines solchen, fallen passive Sanktionsmechanismen automatisch weg.

    „c) trotzdem gibt es eigentlich kein Geschlecht, weil von den Nazis (?) sozial konstruiert (aha). Alternativ schafft die Biologie trotz mannfrau-basierter Fortpflanzung „unzählige“ Geschlechter (puah).“

    Verzerrte Wahrnehmung Deinerseits? Oder nur angstgetrieben Polemik? Wenn Du den Gender-Apologeten derartige Plattitüden unterstellst, kommt der Verdacht aus, Du möchtest einen kritischen Diskurs von vornherein unterbinden, da er für Dich unangenehme Realitäten offenbaren würde…

    „Und gibt es Gender“forscher_*Innen“, die etwas Sinnvolles sagen? Also, so öfters. Gibt es welche unter denen, die nicht ultralinks sind? Gibt es welche unter denen, die keine politische Agenda haben?“

    Noch eine Plattitüde. Was ist „ultralinks“? Und inwiefern behindert eine politische Agenda von jemanden einen kritischen Diskurs?

    „Die klassische Psychologie leistet genug echte Geschlechterforschung. Die Soziologie früher auch mal ein bißchen; heute aber tendenziell nicht mehr.“

    Idealerweise sollte Geschlechterforschung interdisziplinär sein und von der Klassifizierung her ein Teil der vergleichenden Kulturwissenschaft.

    Max

  • ät mitm: Ich gebe Dir recht, daß die Sozialwissenschaften durchaus brauchbare Aussagen liefern können. Daß dabei nicht zwingend die Modelle von MINTlern Anwendung finden können, ist klar.

    Soweit die Theorie. Die Praxis sieht leider so aus, daß sich in den „roten“ und hochpolitisierten Sozialwissenschaften (sozio, Polito, Ethno) die Gläubigen sammeln. Es mag vor allem bei den Quantitativen auch ehrbare Wissenschaftler geben. Die Mehrheit ist das aber nicht; den Ton geben die Überzeugten an.
    Man sieht das ja an den nicht so stark politisierten Disziplinen wie der Geschichtsforschung oder der Ökonomie: Hier sind nicht alle grün oder dunkelrot. Daher ist der Anteil von Pseudo-Forschung à la Gender deutlich geringer.

    Axel AE

  • ät Max:

    Garfinkel war später als Money. Es gibt keine frühere Quelle als ihn. Das Argument kenne ich allerdings von Genderologen: Sie wollen den peinlichen Money unter den Tisch kehren und lieber den „ehrenhaften“ Garfinkel als erfinder haben. Vergiß es; den Trick kennen wir schon.

    Zu a) und b): Wenn Du Dich auf Saudi-Arabien und ähnlich fortgeschrittene Länder beziehst, hast Du recht. Wir sind aber in Mitteleuropa. Hier dient das Unterdrückungsargument ausschließlich als politisches Kampfmittel und Rechtfertigung für Sozialindustrie-Jobs. Daß dies so ist, bezeugen die grotesken Forderungen der Genderisten: Ampelfrauen etc. nützen schlicht niemandem etwas.

    Zu c) „Verzerrte Wahrnehmung Deinerseits? Oder nur angstgetrieben Polemik?“
    – Hm? Gehört der Poststrukturalismus plötzlich nicht mehr zur Genderologie? Seit wann das?
    Deine Denunziation mit „Angst“ entspricht genau der Pseudo-Argumentation im ZON-Artikel. Angst habe ich in der Tat, und zwar vor zu viel Macht von totalitär Gesinnten wie Euch.

    „Was ist „ultralinks“? Und inwiefern behindert eine politische Agenda von jemanden einen kritischen Diskurs?“
    – Dein Dummstellen kauft Dir keiner ab. Daß die üblichen Diffamierungen linkerseits wie „rechts“, „frauenfeindlich“ oder „homophob“ gegenüber konservativen Kritikern dazu dienen, eine kritische Diskussion zu verhindern, ist allen klar. Genau deswegen sind Extremisten als Diskursteilnehmer so problematisch.

    „Idealerweise sollte Geschlechterforschung interdisziplinär sein“
    – Jaja, so wie am ZtG der Humbug-Universität. Wie „inter“ oder „trans“ die sind, hat der Kommentator, der die Geschlechtszugehörigkeit zählte, ja dargestellt: fast alles Frauen. So sieht Vielfalt aus….

    Axel AE

  • @ Axel AE

    Dabei teile ich ja eigentlich die Meinung, dass „Gender Studies“ in der Hochschullandschaft heute keine wissenschaftliche sondern lediglich eine politisch-ideologische Bedeutung haben und bestenfalls übergeordneten, systemischen Zwecken dienen.

    Aber über die doch teilweise sehr polemische und inhaltsarme Kritik an dem Kategorie-Begriff Gender bin ich genauso erstaunt. Letzlich bestätigt dies die Feststellung der ZON Autorin.

    Meine Erwiderung auf die Punkte a) und b) einfach mit Hinweis auf Saudi-Arabien wegzuwischen scheint mir dann doch etwas arg selbstgefällig.

    Und auch der dezente Hinweis auf die eigenen Ängste, die eventuell berührt werden, wenn als selbstverständlich empfundene Selbstbeschränkungen auf gesellschaftlicher Ebene in Frage gestellt werden, ist keine Polemik sondern psychologisch begründbar.

    Was oft verdrängt wird: Faktisch ist es schlicht Selbstbeschränkung wenn ein biologische Mann die gesellschaftliche Geschlechterrolle Mann an- und übernimmt. Er verzichtet (freiwillig?, unfreiwillig? Gute Frage) auf Teile seiner möglichen Selbstverwirklichung oder Selbstdarstellung, gar auf Teile seiner Handlungsautonomie, um die Rolle Mann darstellen zu können.

    Wird mann automatisch zum Mann oder wird mann von der Umwelt dem Umfeld und der Gesellschaft zum Mann gemacht?

    Seriöse (im Sinne von wissenschaftlich) Gender-Studies hätten auch diesen Themenkomplex mitsamt den Implikationen und Komplikationen auf der Forschungsagenda.

    Alleine diese Einäugigkeit enttarnt die derzeitigen Gender-Studies als rein ideologische Installationen.

    Max

  • „Ich frage mich, ob Newmark wirklich so unterqualifiziert ist, wie sie sich hier darstellt. Dermaßen blamiert sich doch niemand freiwillig.“ Den Punkt finde ich auch interessant. Ich habe den Eindruck, dass Verteidigungen der Gender Studies oft, oder eigentlich immer, regelrecht provokativ simpel sind: Anstatt beispielsweise die eigenen Positionen darzustellen und damit klarzumachen, dass die Gegner mit haltlosen Verallgemeinerungen arbeiten (siehe den Kommentar von Kai), werden diese Gegner einfach nur diffamiert: als primitiv, als amoralisch, als emanzipationsfeindlich. Starre Freund-Feind-Muster statt offener Debatte.

    Zunächst dachte ich, die schwache Qualität von Texten zur Verteidigung der Gender Studies hätte ihren Grund darin, dass die Verfasserinnen offene Debatten gar nicht gewohnt sind. Wer sich mit Gegenargumenten nicht auseinandersetzt, beschädigt damit schließlich auch die eigene Position, weil er sie überhaupt nicht weiterentwickeln und verfeinern muss.

    Das mag auch so sein – ich glaube aber, es gibt noch einen anderen Grund für diese mutwillig wirkende Unterschreitung eines wissenschaftlichen Niveaus. Wer seriös argumentiert, wer sich mit der Argumentation auch Mühe gibt, sie schlüssig und überzeugend macht – der räumt eben unwillkürlich ein, dass die möglichen Gegner der eigenen Position eine seriöse Argumentation VERDIENT haben. Er, bzw. sie, räumt ein, dass diese Gegner einen Anspruch darauf haben, überzeugt zu werden – anstatt sie einfach nur zu beschimpfen.

    Zugleich würden Newmark und andere, wenn sie sachliche Gründe für ihre Position angeben, unwillkürlich einräumen, dass diese Position sich nicht von selbst versteht, sondern legitimiert werden muss. Wer Gründe angibt, macht sich zudem angreifbar: Er beschreibt damit unvermeidlich die Bedingungen, unter denen die eigene Position gültig ist – und lädt andere damit regelrecht dazu ein, zu überprüfen, ob diese Bedingungen tatsächlich zutreffen. (So funktioniert eben Wissenschaft, wenn sie seriös ist.)

    Das heißt: Sachlich für die eigene Position zu argumentieren, wäre regelrecht ein Slippery Slope der Gender Studies – ihre Vertreterinnen würden sich gleichsam auf eine schiefe Ebene begeben und unweigerlich mit immer weiteren Problemen konfrontiert werden.

    Wenn sich die Position nicht mehr halten lässt, dass Kritiker lediglich emanzipationsfeindliche Antifeministen seien, dann müsste auch bald der eigene wissenschaftliche Ertrag einer kritischen Überprüfung zugänglich gemacht werden – dann müssten sich die Vertreter des Fachs intensiver mit den Argumenten anderer Fächer auseinandersetzen – und sie könnten den faktischen Ausschluss der sozialen Benachteiligungen von Männern und Jungen nicht mehr halten.

    Wer seriös argumentiert, oder sich zumindest um eine seriöse Argumentation bemüht, erweist damit unwillkürlich den eigenen Gegnern einen Respekt, den sich die Vertreter der heutigen Gender Studies offenbar nicht leisten können.

  • @Axel Teil 1/2

    Es gab einmal eine Zeit, da waren die linken Vertreter und Vertreterinnen der (empirischen) Sozial-Forschung die mit den besten sozialen und ökonomischen Theorien und den solidesten Analysen der empirischen Wirklichkeit. UND den weitreichenden politischen Forderungen.

    Aber die Forderungen wurden ausgehend vom wissenschaftlich erforschten Material erstellt – und nicht umgekehrt, wie es der Feminismus es betreibt. Erst sind die politischen Forderungen (mit geldwertem Vorteil für sich selbst und die eigene Klientel da) existent und dann betreibt man eine „Forschung“, die lediglich eine Pseudo-Legitimation der Forderungen darstellt.

    Das die ehemals linke Theorie so in (zu einem guten Teil berechtigt) Verruf geraten ist, hat mit dem Einzug des a. Poststrukturalismus und des b. Feminismus in die Linke zu tun.

    Beide haben erheblich dazu beigetragen, problematische Elemente der Linken (insbesondere des „real-sozialistischen“ Lagers) noch zu verstärken.

    So z.B. die „ethische“ Auffassung, die *gerechte Sache* zu vertreten rechtfertige jede Lüge, Halbwahrheit für den eigenen taktischen Vorteil.
    Gegen eine solche, wissenschaftlich verbrämte Lügerei hat sich bereits Lenin entschieden gewendet.

    Wenn aber generell in Frage gestellt wird, es gäbe so etwas wie „Wahrheit“ oder „objektive Realität“, dann reduzieren sich damit zwangsläufig moralische Skrupel, Halbwahrheiten, Fälschungen oder blanke Lügen zu verbreiten.

    Gruß, crumar

  • Der Begriff „Gender“ hat eine vernünftige Funktion, weil er die soziale Seite der Geschlechtszugehörigkeit von der biologischen, „Sex“, unterscheidet. Grundsätzlich ist das doch völlig einleuchtend: Dass Männer deutlich eher als Frauen kurze Haare haben, keine Röcke tragen, sich deutlich seltener schminken etc. – das gehört ja in ganz anderer Weise zur „Männlichkeit“, als es beispielweise die primären Geschlechtsmerkmale oder die Hormone tun.

    Wenn aber ein Begriff funktional ist, dann ist es nicht sonderlich wichtig, wo er seinen Ursprung hatte – auch nicht, wenn er von jemandem wie Money stammt, den ich ebenfalls für unseriös und inhuman halte.

    Insgesamt stimme ich Max zu: Qualitätsmerkmale seriöser Gender Studies zu beschreiben, ist wesentlich sinnvoller, als rundweg zu behaupten, dass solche Studien grundsätzlich nicht seriös sein könnten.

    Die Gefahr dabei ist allerdings vor allem, dass Fächer – allein schon, um besser Mittel requirieren zu können – grundsätzlich dazu tendieren, ihre eigene Bedeutung zu überschätzen. Das wäre aber wichtig: Auch die Grenzen von Geschlechterkategorien zu beschreiben – oder zu zeigen, wie Geschlechterdebatten benutzt werden, um andere soziale Probleme zu verdecken.

    Statt dessen gibt es tatsächlich Positionen, nach denen Gender „omnirelevant“ sei – also immer und überall eine Bedeutung habe. „Omnirelevanz“ ist aber eigentlich ein Göttlichkeitsmerkmal – in politischen oder wissenschaftlichen Zusammenhängen ist das deplatziert.

    Gender Studies, die ihre eigenen Möglichkeiten und Grenzen reflektieren, könnten sehr hilfreich sein. Ich würde beispielweise auch Texte von Warren Farrell (zumindest als reichhaltiger Ideenproduzent) oder Christoph Kucklick („Das unmoralische Geschlecht“) als Texte der Gender Studies ansehen – Kucklick ordnet seinen Text dort sogar ausdrücklich ein. So etwas ersatzlos zu streichen – oder nur zu akzeptieren, wenn es sich bei klassischer Psychologie (oder wahlweise der Evolutionspsychologie) einordnen lässt – das wäre ein Verlust.

  • @Axel Teil 2/2

    D.h. Propaganda (der Fluch aller single-point Bewegungen und der Kampagnenpolitik) ist von der Realität (wie sie sich *den Propagandisten* darstellt) eigentlich gar nicht mehr unterscheidbar – sie fallen in Eins.

    Und die Propaganda der letzten Kampagne ist die Voraussetzung der nächsten – ist erst einmal „rape culture“ gesetzt, dann gibt es kein zurück mehr.

    Wenn dazu noch der biologisch „fundierte“ Anspruch eines Teils des Feminismus kommt, wonach Frauen per se (als selbstverständlich *biologisches* Geschlecht) moralisch überlegen (weil bspw. das friedfertige Geschlecht usw.- es ist eine ganz ordinäre, biologistische und bürgerliche Elitetheorie – dann hast du ohnehin eine hochexplosive Mischung.

    Und diese Mischung geht vor dem Hintergrund der Patriarchats-Hypothese, wonach *alle* Frauen in *jedem* Land und in der *kompletten* Menschheitsgeschichte Opfer aller Männer geworden sind irgendwann hoch.

    Weil irgendwann Frauen wirklich GLAUBEN, ihr außergewöhnliches Dasein – als universelles und ideelles *Gesamtopfer* der Geschichte der Menschheit – versetze sie in die (politische) Position, mit jeder noch so absurden Forderung im moralischen Recht auf Entschädigung von der „patriarchalen Gesellschaft“ exklusiv *ihnen* angetanen Leiden zu sein.

    Das Problem ist umfassend: Diese Geschichte ist nicht nur eine komplette *Fälschung*, der Beitrag und das Nutznießertum der Frauen ist unterschlagen und damit auch die weibliche (Mit-) Verantwortung für die Resultate dieser Geschichte.

    Und da trifft es sich mit der „Definitionsmacht“ ganz hervorragend, diese Teile der (historischen) Realität offensiv verleugnen zu können – das narzisstische Selbst (als besseres Wesen) bleibt unbeschädigt.
    Krankenschwestern wollten nur helfen im Dritten Reich – dass sie nebenbei im Umfang einer halben Million – Mitglieder_innen der Wehrmacht waren fällt bei den „Verbrechen der Wehrmacht“ völlig unter den Tisch.

    Ich glaube, bei einem solchen Vorwurf kann es sich nur um „hate speech“ handeln, bzw. ich *empfinde* besser so. 😉
    M.E. ist die Immunisierung gegenüber Kritik folgerichtig in die „Theorie“ selber eingeschrieben.

    Weil die Theorie kein Produkt der Auseinandersetzung mit der empirischen Realität ist und sich durch einen Verweis auf diese gar nicht rechtfertigen lässt.
    Die „Theorie“ ist Produkt normativer Sätze und deren umfassender Propagandierung und Produkt der normativen Propagandierung dieser Sätze.
    Irgendwann geht der gesamte Laden einfach hoch – immer getreu dem alten Motto: Die Herrschenden_innen können nicht und die Beherrschten wollen nicht mehr.

    Schönen Gruß, crumar

  • Ich denke auch, dass es wichtig ist, „Gender“ als einen rein ideologischen Kampfbegriff zu entlarven — wenn man diesen Begriff akzeptiert, hat man schon den gesamten metaphysischen Unsinn akzeptiert von der „sozialen Konstruktion“ etc.

    ALLES, was den Menschen angeht, ist auch gesellschaftlich geformt. Der Begriff „Gender“ erzeugt einen Popanz, ein typischer metaphyischer Taschenspielertrick: man absolutiert (hypostasiert) einen blossen Aspekt, und kann dann, praktischerweise, mit dieser leeren Huelse alles machen — wie man ja am Feminismus sieht.

    Es gibt kein „Gender“, und hat es nie gegeben — ausser dass es jetzt diese Vorstellung in den Koepfen einiger gibt.

  • @Lucas

    Wir sollten noch einmal nachsinnen, wann zum ersten Mal überhaupt der Begriff „backlash“ seitens des Feminismus verwendet worden ist.

    Es handelte sich dabei m.E. um die feminismusinterne Verarbeitung der sogenannten „sex wars“. Genauer gesagt war es keine Verarbeitung in unserem, männlichen Sinne – es war die (übliche) weiblich-feministische Projektion.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Feminist_Sex_Wars

    Die dort skizzierte Auseinandersetzung ist zwar prinzipiell richtig, der Anlass jedoch falsch dargestellt.

    Es geht m.E. nur oberflächlich um Pornographie oder „sex positive“ oder ganz gegen Sex mit z.B. Männern.

    Sondern es geht a. um die *Definitionsmacht“, eine *ideale* Frau mit ihren Interessen, Bedürfnissen, Ansprüchen und (politischen) Forderungen zu beschreiben.
    Und b. um die Fragestellung, wer ist „revolutionäre Avantgarde“ der Frauenbewegung und hat das Recht, diese ideale Frau zu beschreiben.

    Über diese Frage ist der Feminismus gestolpert und hat das Taumeln nie wieder eingestellt.
    Wenn Lesbianismus die (politische) Lösung ist, dann ist *Separatismus* die konsequente Antwort. PUNKT.
    Diesen – konsequenten – Schritt hat es jedoch NIE gegeben.
    Dem radikal lesbischen Flügel wurde zwar auf der einen Seite zugestanden, dieser (immer daran denken, sexuelle Orientierung ist BIOLOGIE) der radikale, revolutionäre Flügel der Frauenbewegung zu sein – auf der anderen Seite war klar, dies ist ein Schritt, der der überwiegende Teil der heterosexuellen Feministinnen weder gehen können, noch WOLLEN.

    Wenn Separatismus für heterosexuelle Frauen keine Antwort ist (warum auch?), dann hat der Feminismus die schizophrene Antwort in der Tasche, die Farrell so skizzierte: „Heirate den Feind!“

    Diese Schizophrenie ist a. sowohl kultiviert worden, als auch deren Ursachen b. Männern als „backlash“ aufgehalst worden ist.
    Nicht die blöde, heterosexuelle Realität der überwiegenden Mehrheit aller Frauen ist dem Feminismus zwischen die Füße geraten, sondern es waren Männer Schuld an dieser Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Lagern des Feminismus.

    Amen.

    Und dieses „Verarbeitungsmuster“ *empfundener* Realität hatte 30+ Jahre Zeit. zur VORAUSSETZUNG feministischer Wirklichkeitskonstruktion zu werden.

    KABUMM!

    Schönen Gruß, crumar

  • @Lucas: „Heftige Attacken haben den Nachteil, dass sie diese Konstruktion bedienen.“
    Kein Problem, lass die machen — es ist ein schwerer Fehler im Kampf, sich die Methoden des Gegners aufzwaengen zu lassen.

    „Weniger Kickboxen, mehr Judo.“: Solche Vergleiche hinken immer. Unter anderem ist Judo nicht effektiv im wirklichen Kampf. Angriff ist die beste Verteidigung, denn dadurch beherrscht man das Geschehen.

    „Die Gender Studies werden eh niemals als „kriminelle Vereinigung“ verurteilt werden.“
    Das ist eine Frage des politischen Kampfes. Ich halte das Wirken von Hadmut Danisch hier fuer vorbildlich.
    Von „den Gender Studies“ spricht hier auch niemand — sondern von den Menschen, die dies betreiben.

    „sich klar und offen zu legitimieren und ihre eigenen Erträge vorzuführen.“
    Dafuer sind zum einen die Menschen, die in den „Gender studies“ drin stecken, nicht im mindesten in der Lage. Und ferner gibt es schlichtwegs jene Legitimation nicht. Es handelt sich um grosse Betrugs-Netzwerke.

    „Das bedeutet: Sachlich nachvollziehbare Bedingungen zu beschreiben, die Gender Studies als Wissenschaft natürlich zu erfüllen hätten, ist in meinen Augen deutlich sinnvoller, als sie grundsätzlich und radikal als kriminell abzustempeln.“
    Halte ich fuer einen ganz typischen Trugschluss hier: Erst wird richtig dargestellt, was fuer ein Wahnsinn das Ganze ist, um dann ploetzlich irgendwie doch die Moeglichkeit einer „Gesundung“ herbeizuphantasieren.
    Identifikation mit dem Agressor?? Zurueckschrecken vor dem eigenen Mut??

    „Angesichts solcher Angriffe können sich die Vertreterinnen der Gender Studies dann einfach als bedrohte Wissenschaftlerinnen darstellen, die Beistand verdient haben.“
    Kein Problem, das machen die so oder so. Typisches Lavieren zwischen Herrenmenschen und ewigem Opfer. Das IST die Struktur des Feminismus, und den gilt es, wie Alexander, einfach zu durchschlagen.

    „die Verwendung öffentlicher Mittel legitimieren.“
    Es HAT schon ein gewaltiger Diebstahl stattgefunden, ueber Jahrzehnte.

  • @Lucas: Die Analyse „… [wer] sich zumindest um eine seriöse Argumentation bemüht, erweist damit unwillkürlich den eigenen Gegnern einen Respekt, den sich die Vertreter der heutigen Gender Studies offenbar nicht leisten können“ kann ich nach einiger weiterer Lektüre nur bestätigen.

    Da Frau Newmark ja durchaus eine mediale Machtposition innehat, sprich eine große mediale Reichweite, mit der sie ihre Meinung verbreiten kann, habe ich mir neugierdehalber einige andere Texte von ihr, anhand https://www.torial.com/catherine.newmark, angesehen, insb. solche mit Bezug zur Geschlechterdebatte.

    Sie moderiert u.a. die Sendereihe Sein und Streit – Das Philosophiemagazin [ganz schöner Anspruch!]. In der Sendung vom 08.03.2015 präsentiert sie u.a. einen Beitrag einer Stephanie Rohde, der unter Nutzung einiger mMn krasser Denkfehler [in einem Philosophiemagazin!!] die Frauenquote anpreist. Newmark scheint das nicht aufzufallen.

    In dem schon erwähnten FAZ-Blog 10vor8 publiziert sie einen Blogpost am 13. November 2014 , der ist sehr aufschlußreich. Anlaß war die Twitter-Aktion #EMMAistfuermich, Newmark freut sich, daß die Gender-Debatten angeheizt wird. Sie berichtet von ihrem „Überdruss an Gender-Debatten“, fühlt sich zermürbt von „immer lautstärkeren Backlash-Kohorte von ressentimentgeladenen Maskulisten“ (von denen sich in der Tat leider einige im Ton vergreifen). Generell sind Maskulisten bei ihr Teil einer „lautstarken 'Maskulisten'-Szene“ oder „reaktionäre 'Maskulisten'“: klares Feindbild. Sie glaubt, „die Härte, mit der gestritten wird“ würde die „Argumente [für den Feminismus] schärfen“.

    Nun ja. Mehrere Nasenstüber von Thorsten Haupts folgen prompt. Die weiteren Kommentare ähneln denen im jetzigen Zeit-Artikel. Sie bügelt Sachargumente damit ab, das seien wohl etablierte Motive der antifeministischen Maskulisten-Szene oder Pappkameraden. Ein gewisser Dirk Lehmann weist ihr minutiös diverse Denkfehler nach. Wegen ihrer zwei Kinder fehlt ihr aber die Zeit, sich damit auseinanderzusetzen (immerhin hat sie überhaupt geantwortet, so selbstverständlich ist das nicht). Zentral für ihr Weltbild scheint die Anerkennung, dass wir in einer asymmetrisch ungerechten Welt leben, was die Entfaltungsmöglichkeiten mit Blick auf Geschlecht betrifft, was ich eher als Glaubensbekenntnis bezeichnen würde. …

  • … Spätestens an dieser Stelle diagnostiziere ich einen Realitätsverlust, der typisch für eine fortgeschrittenes Stadium der Ideologisierung ist. Wenn man von dieser fixen Idee des weiblichen Opfer-Abos ausgeht, dann wird auch der ZEIT-Text plausibel: sie kann gar nicht begreifen, was um sie herum passiert, sie hat auch die Kommentare zum ihrem FAZ-Blog-Post vermutlich nicht wirklich verstehen können.

    In 2012 war sie Mitherausgeber eines Buchs Philosophie und die Potenziale der Gender Studies. In dessen Vorwort schreiben die Herausgeber „Geschlecht und Geschlechtlichkeit gehören ohne jeden Zweifel zu den gesellschaftlich und politisch drängendsten Themen unserer Zeit“ – was ich stark bezweifle – und fragen „Was also müsste sich ändern, damit Peripherie und Zentrum, dominante geschlechtsvergessene Philosophie und von dieser marginalisierte Genderstudies, in Bewegung und Interaktion geraten? Damit sowohl feministische Theorien in der Philosophie Raum bekommen, …„. Denn Frauen bzw. der Feminismus haben ein Grundrecht auf Raum, Aufmerksamkeit und Wahrgenommenwerden. Das Opfer-Abo in der Wissenschaft.

    Das ganze ergibt ein Gesamtbild von jemandem, der komplett in der feministischen Filterblase lebt, der sich gut in der Geschichte des Feminismus und den dortigen Diskursen auskennt, die alle konsistent auf den gleichen Dogmen und Denkfehlern basieren, und der diese Vorurteile und Denkfehler komplett verinnerlicht hat. Ihre trockene Feststellung „Die Schlagkraft der Anti-Gender-Front lässt Fragen aufkommen“ ist glaube ich wörtlich zu nehmen: die offensichtlichen Antworten, die ihr schon früher im Detail vorerzählt worden sind, sind gar nicht denkbar, die prallen alle an inneren Widertständen ab.

    Daß ich und andere „den Feminismus“ für die gefährlichste heutige verfassungsfeindliche Bewegung halten, weil sie erfolgreich Grundrechte für Männer außer Kraft setzen konnte und das weiter ausbauen möchte, ist genausowenig denkbar. Das können nur emanzipationsfeindliche Antifeministen denken. Letztlich präsentiert sie mit ihrer selektiven Wahrnehmung und der Blindheit gegenüber krassen Argumentationsfehlern die Hauptmerkmale des klassischen Psychogramms von radikalisierten Feministinnen.

    Immerhin ist mir jetzt klarer, unter welchen Annahmen man künftige Diskussionen mit ihr führen muß, denn sie wird ja regelmäßig weitere mediale Auftritte haben.

  • ät Lucas, Max, Oli:

    MAX „Aber über die doch teilweise sehr polemische und inhaltsarme Kritik an dem Kategorie-Begriff Gender bin ich genauso erstaunt. „
    – Dazu zwei Einwände: Es gibt Wünschelrutengänger und Klangschalentherapeuten. Und vieles mehr. Will man als Wissenschaftler das wirklich inhaltlich bearbeiten?

    Darüberhinaus haben die Genderisten als Inhalt tatsächlich nur groteske Fantasien und absurde Forderungen (abc oben von mir). Heißt: Inhalt null. Daher: Was will man da inhaltlich groß auseinandernehmen? Der Mist ist schnell widerlegt.

    „Faktisch ist es schlicht Selbstbeschränkung wenn ein biologischer Mann die gesellschaftliche Geschlechterrolle Mann an- und übernimmt.“
    – Wenn ich das lese, werde ich zornig, weil Du die menschliche Natur völlig ignorierst. Es gibt keine Trennung zwischen Biologie, Psychologie und Soziologie (wenn man diese Disziplin noch ernst nehmen will). Unser Verstand ist anpassungsfähig, unsere Motivation, die viel weiter unten im Hirn erzeugt wird, nicht.
    Es ist daher zB völlig unmöglich (und inhuman!), Frauen mit 50% Anteil in Macht- und Technikjobs zwängen zu wollen.

    „Alleine diese Einäugigkeit enttarnt die derzeitigen Gender-Studies als rein ideologische Installationen.“
    – Richtig. Und es wird auch keine wissenschaftlichen Geschlechterstudien geben. Außer den Gläubigen wird da niemand zugelasssen.
    Zudem gibt es bereits Geschlechtsuntersuchungen in der Psychologie, Evolutionspsychologie, wie ich erwähnte. GS ist schlicht überflüssig, wenn nicht gefährlich.
    —————
    LUCAS „Der Begriff „Gender“ hat eine vernünftige Funktion, weil er die soziale Seite der Geschlechtszugehörigkeit von der biologischen, „Sex“, unterscheidet.“
    – Um Gottes Willen! „Gender“ bedeutet „sozial konstruiertes Geschlecht“, definiert von John Money. Was Du schreibst, ist die weichgespülte Variante fürs Volk, weilo man den Wahn vor kritischem Publikum nicht so offen rauslassen kann.
    Daß Du als kritischer Geist und Lehrer so etwas nacherzählst, schockiert mich.

    „Qualitätsmerkmale seriöser Gender Studies zu beschreiben, ist wesentlich sinnvoller“
    – Na dann, bitte. Ich höre. Aber nicht irgendwas Sinnvolles erfinden, sondern auf die Genderpraxis Bezug nehmen.

    „Auch die Grenzen von Geschlechterkategorien zu beschreiben – oder zu zeigen, wie Geschlechterdebatten benutzt werden, um andere soziale Probleme zu verdecken. „
    – Äh, Geld für faule und dumme Mitarbeiter in der Sozialindustrie zu erschleichen.

    „Ich würde beispielweise auch Texte von Warren Farrell (zumindest als reichhaltiger Ideenproduzent) oder Christoph Kucklick („Das unmoralische Geschlecht“) als Texte der Gender Studies ansehen“
    – Auch Maskulismus ist eine politische Agenda. Wobei der Inhalt hier wesentlich mehr realistische Elemente enthält. Daher: Nein, Farrell gehört in die Politik, nicht an die Uni.
    ————–

    OLI „Es gibt kein „Gender“, und hat es nie gegeben — ausser dass es jetzt diese Vorstellung in den Koepfen einiger gibt.“
    – Natürlich – ein paar Rollenänderungen sind längst bekannt und durchgesetzt; das auch ganz ohne Genderismus. Der Genderbegriff ist ganz klar durch absurde Konstrukte definiert. Und er ist totalitär – längst wird das Wort „Geschlecht“ durch den Anglizismus ersetzt und zeigt damit die ideologische Hirnwaschung ganzer Berufsgruppen an.

    Axel AE

  • ät crumar:

    „Es gab einmal eine Zeit, da waren die linken Vertreter und Vertreterinnen der (empirischen) Sozial-Forschung die mit den besten sozialen und ökonomischen Theorien“
    – Karl Marx? Na ja, da kann ich so halb zustimmen. Aber bei Adorno ging´s doch schon los mit der Politreligion. Marxismus, Hegelismus und Freudianismus in einen Topf und kräftig umgerührt – so ein Unfug.

    „Das die ehemals linke Theorie so in (zu einem guten Teil berechtigt) Verruf geraten ist, hat mit dem Einzug des a. Poststrukturalismus und des b. Feminismus in die Linke zu tun.“
    – Finde ich nicht. Radikalismus ist immer unwissenschaftlich; gleich, welcher Mode gerade hinterhergerannt wird. Hat die SU funktioniert? Die sind wirtschaftlich doch sofort abgeschmiert.

    „Gegen eine solche, wissenschaftlich verbrämte Lügerei hat sich bereits Lenin entschieden gewendet.“
    – Autsch. Der hat den Mist doch schon vor Stalin erfunden.

    „Und die Propaganda der letzten Kampagne ist die Voraussetzung der nächsten – ist erst einmal „rape culture“ gesetzt, dann gibt es kein zurück mehr“
    – Evochris nannte das mal „race to the bottom“: Die Gläubigen stehen im Wettstreit miteinander – wer die absurdeste Theorie erfindet, ist der König.

    „Und diese Mischung geht vor dem Hintergrund der Patriarchats-Hypothese, wonach *alle* Frauen in *jedem* Land und in der *kompletten* Menschheitsgeschichte Opfer aller Männer geworden sind irgendwann hoch. „
    – Daher die Kritik des Neomarxismus: Früher waren die „Arbeiter und Bauern“ immer Opfer der Herrscher, heute halt „die Frauen“. Prima als Vorwand, sich selbst als „Anwalt“ aufzuspielen (mit allen Privilegien natürlich….)

    „Krankenschwestern wollten nur helfen im Dritten Reich – dass sie nebenbei im Umfang einer halben Million – Mitglieder_innen der Wehrmacht waren“
    – „Mitglieder“ ist schon neutral („DAS Mitglied“) – wieso der Gendersprech? Oder ist das Spaß?

    „M.E. ist die Immunisierung gegenüber Kritik folgerichtig in die „Theorie“ selber eingeschrieben.“
    – Würde zudem sagen, daß ein Teil der Bevölkerung einfach zum Aberglauben neigt. Wenn man dann noch Oberschichtkind ist und zu viel Zeit und Geld hat, lebt man den Trieb natürlich aus.

    „Die „Theorie“ ist Produkt normativer Sätze und deren umfassender Propagandierung und Produkt der normativen Propagandierung dieser Sätze.
    Irgendwann geht der gesamte Laden einfach hoch“
    – Äh, das Soziologenlatein versteh ich nicht so ganz. Meinst Du, daß der Genderismus sich selbst zerstört? Glaub ich nicht – die Endlosigkeit der Entdeckung von „Diskriminierung“ ist ebenfalls theorieimmanent. Man kann NIEMALS zu einem Ende kommen.
    Nein, das genervte Volk muß eine Konterrevolte anzetteln und die Genderisten aus ihren Machtpositionen entfernen. Hat '89 doch auch geklappt.

    Axeline AE

  • @ Crumar

    Jetzt kannst du selbst mal mit ein paar antilinken Phrasen von Axel Bekanntschaft machen.
    Ich finde es oft schwer sowas unwidersprochen stehen zu lassen. 🙂

    Axel hat generell keine Ahnung von linker Theorie und Ideengeschichte, aber plappert gerne ungeprüft nach, was er in irgendwelchen rechtskonservativen Propagandaschriften aufgeschnappt hat. Davon abgesehen ist er eher umgänglich, ihm eine um Objektivität bemühte Haltung bei geistes- und sozialwissenschaftlichen Themen zu vermitteln wäre allerdings eine Lebensaufgabe.

    @ Axel

    „- Karl Marx? Na ja, da kann ich so halb zustimmen. Aber bei Adorno ging´s doch schon los mit der Politreligion. Marxismus, Hegelismus und Freudianismus in einen Topf und kräftig umgerührt – so ein Unfug.“

    Theodor W. Adorno war Philosoph und Soziologe.
    Warum darf man als Philosoph keine Synthese von Erkenntnissen und Theorien von Hegel, Marx und Freud entwickeln?

    Eine Kritik daran könnte sein, dass Adorno seine Quellen grob mißinterpretiert habe oder dass seine Synthese von Ideen dieser Denker inkohärent wäre. Das scheint mir allerdings nicht der Fall zu sein.

    Eine weitere Kritik könnte sein, dass Adornos Philosophie falsche Annahmen enthält, dies wäre aber zu begründen.

    Zudem enthält natürlich jede Philosophie auch falsche Annahmen, da kein bedeutender Denker immer zu 100 % Recht haben kann. Allerdings gilt dies auch umgekehrt: Kein bedeutender Denker hat immer zu 100 % Unrecht. Wäre es nicht möglich, dass sich in Adornos Werk auch zutreffende Erkenntnisse und wichtige Teilwahrheiten finden? Das hättest du zuerst einmal zu prüfen?

    Ansonsten handelst du genauso stümperhaft wie jene Genderisten, die z.B. blind für alles Wertvolle im philosophischen Werk von Kant sind und dieses gerne entsorgen möchten.

    Adorno war auch Soziologe. Seine „Studien zum autoritären Charakter“ waren eine bedeutende Pionierleistung der empirischen Sozialforschung zu diesem Thema. Adorno hat damit die empirische Autoritarismusforschung in soziologischer und sozialpsychologischer Perspektive wesentlich mitbegründet.

    Die heutige sozialpsychologische und soziologische empirische Autoritarismusforschung hat sich natürlich weiterentwickelt, steht aber in der Tradition von Adornos wissenschaftlicher Pionierarbeit.
    Siehe hierzu z.B. das Buch von Susanne Rippl, Christian Seipel & Angela Kindervater (Hrsg.) Autoritarismus. Kontroversen und Ansätze der aktuellen Autoritarismusforschung, Leske & Budrich, 2000

  • @ Axel

    „Das die ehemals linke Theorie so in (zu einem guten Teil berechtigt) Verruf geraten ist, hat mit dem Einzug des a. Poststrukturalismus und des b. Feminismus in die Linke zu tun.“
    „- Finde ich nicht.“

    Doch, ganz eindeutig.

    „Radikalismus ist immer unwissenschaftlich;“

    Nein, linksradikal zu sein, also einen radikalen Humanismus von links zu vertreten, ist potentiell gut mit Wissenschaftlichkeit in Einklang zu bringen. Ob jemand ein guter Wissenschaftler ist oder nicht, ist keine Frage der politischen Weltsicht. Was würdest du von einem Linken halten, der Wissenschaftler mit konservativer politischer Weltsicht allein schon deshalb für unwissenschaftlich hält, weil diese in politischer Hinsicht konservativ sind. In politischer Hinsicht linksradikal zu sein, also einen radikalen Humanismus von links zu vertreten, sagt genauso wenig über Wissenschaftlichkeit aus wie politisch konservativ zu sein. Ob jemand wissenschaftlich arbeitet oder nicht, ist anhand des wissenschaftlichen Werkes einer Person zu entscheiden, nicht anhand seiner politischen Weltsicht.

    „Hat die SU funktioniert? Die sind wirtschaftlich doch sofort abgeschmiert.“

    Das sagt nun allerdings überhaupt gar nichts über Philosophen und Wissenschaftler aus, die inhaltlich nichts mit der SU zu tun haben.

    „- Daher die Kritik des Neomarxismus: Früher waren die „Arbeiter und Bauern“ immer Opfer der Herrscher, heute halt „die Frauen“. Prima als Vorwand, sich selbst als „Anwalt“ aufzuspielen (mit allen Privilegien natürlich….)“

    Es gibt keine einzige Strömung des sogenannten Neomarxismus, die Frauen analog zu Arbeitern und Bauern im klassischen Marxismus betrachtet. Und das habe ich dir auch schon mehrfach erklärt.

    Sogenannte Strömungen des Neomarxismus sind nicht pro-feministischer als andere linke Strömungen. Sie sind zwar meistens über die Fehler und Irrtümer des Mainstream-Feminismus nicht informiert und haben daher eine unkritische Haltung zum zeitgenössischen Feminismus, andererseits ist Feminismus in neo-marxistischen Strömungen aber kein Schwerpunktthema. Neo-Marxisten befassen sich schwerpunktmäßig mit Kritiken des neoliberalen Kapitalismus und soziologischen Analysen der Gesellschaft und ihren Teilsystemen, auch mit Widerstandsbewegungen gegen den Kapitalismus und mit Klassenkämpfen. Feminismus ist bei neo-marxistischen Strömungen dagegen in der Regel nur ein Randthema, außer bei explizit marxistischen Feministinnen. Marxistische Feministinnen sind aber heutzutage selten und die wenigen, die es gibt, sind oft Kritikerinnen des Gender-Feminismus, weil sie diesen – zu Recht – für neoliberalismuskompatibel halten.

  • @ Axel

    „Ich würde beispielweise auch Texte von Warren Farrell (zumindest als reichhaltiger Ideenproduzent) oder Christoph Kucklick („Das unmoralische Geschlecht“) als Texte der Gender Studies ansehen“
    „- Auch Maskulismus ist eine politische Agenda. Wobei der Inhalt hier wesentlich mehr realistische Elemente enthält. Daher: Nein, Farrell gehört in die Politik, nicht an die Uni.“

    Doch, Axel. Sozialwissenschaftliche Forschung zu Diskriminierungen, sozialen Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen darf es geben. Sie muss, um wissenschaftlich zu sein, aber um Objektivität bemüht sein und ernsthaft wissenschaftlich arbeiten.

    Geht es um geschlechtsbezogene Diskriminierungen, dann wäre außerdem ein geschlechtsübergreifender Ansatz als theoretische Grundlage ideal, damit nicht versucht wird, ein Geschlecht zum Opfer, das andere als „privilegiert“, „Täter“ etc. abzustempeln.

    Beide Aspekte (Bemühen um Objektivität und geschlechtsübergreifende Perspektive) sind bei Warren Farrell und Christoph Kucklick vorhanden,(abgesehen von einer gewissen Biologieblindheit bei Kucklick, aber die biologische Perspektive ist für sein zentrales Forschungsthema – der männerfeindliche Diskurs in historischer Perspektive – auch nicht so wichtig.)
    Daher: Farrell und Kucklick an die Uni.

  • ät Genosse L:

    Soso, Du verfolgst mich auch hier schon.

    Die JF ist übrigens das einzige rechte „Propaganda-Organ“, das ich lese. Da Du ja sogar den Mumpitz von Kemper liest, bist Du eindeutig stärker manipuliert als ich.

    „Warum darf man als Philosoph keine Synthese von Erkenntnissen und Theorien von Hegel, Marx und Freud entwickeln?“
    – Lala-Philosophie, Politradikalismus und Psychologie mit schweren Mängeln synthetisiert? Na super. Was da rauskommt, sieht man. Kennst Du Gender-Katholizismus? Wie wäre es mit Quanten-Soziologie?

    „Wäre es nicht möglich, dass sich in Adornos Werk auch zutreffende Erkenntnisse und wichtige Teilwahrheiten finden? „
    – Jaja, die berühmten Teilwahrheiten. Ein Gummi-Argument, das sich mit genügend Glauben sogar bei Gender studies anwenden läßt. Tatsache ist: Wer ultralinks (-rechts, religiös) ist, ist von vornherein völlig unwissenschaftlich. Oder möchtest Du Dich ernsthaft mit dem Inhalt von Wünschelrutengängern beschäftigen?

    Wenn Du seine „Studien zum autoritären Charakter“ gut findest, will ich Dir glauben. Der Witz ist allerdings, daß er sich dabei ja auf den preußischen Ungeist bezog. Daß seine Genossen psychologisch genauso drauf sind, übersieht er weitgehend. Ein Stückwerk.

    „Doch, ganz eindeutig. „
    – Quark. Die 68er waren überwiegend hirnlose Spinner, die eine RAF-begünstigende Atmosphäre schufen. Da war noch nix mit Poststrukti & Co.
    Deine Strategie ist durchsichtig wie die von Chruschtschow: Such Dir einen Sündenbock (Stalin, Butler etc), und wasche den Rest der Baggage rein.

    „Nein, linksradikal zu sein, also einen radikalen Humanismus von links zu vertreten, ist potentiell gut mit Wissenschaftlichkeit in Einklang zu bringen.“
    – Pure Soziologen-Apologese. Extremismus in der Wissenschaft kann nicht gutgehen. Deine Genossen im Fachbereich lehnen die menschliche Natur weitgehend ab und rennen der Theorie vom unbeschriebenen Blatt hinterher. Nicht meine Erkenntnis, sondern die von Robert Trivers.

    „Das sagt nun allerdings überhaupt gar nichts über Philosophen und Wissenschaftler aus“
    – Es sagt etwas über die Wirklichkeitstreue von Ideologien aus. Weitgehend 0.

    „Es gibt keine einzige Strömung des sogenannten Neomarxismus, die Frauen analog zu Arbeitern und Bauern im klassischen Marxismus betrachtet. Und das habe ich dir auch schon mehrfach erklärt.

    – Jaja. Ich glaube Deiner Expertise dummerweise nicht. Wie ich Dir schon xmal erklärt habe, ist die Oberfläche Eurer Ideologien ziemlich gleichgültig. Die Psychologie dahinter hingegen ist entscheidend. Weißt Du was, Leszek? Politfanatiker lügen hin und wieder. Sogar edle Neomarxisten.

    Axeline

  • >>Allerdings wäre Gender Studies ohne den politischen Druck seitens der Feministinnen (und den erhofften Nutzwert seitens der Ökonomie) nichts weiter als eine von vielen Unterabteilungen der vergleichenden Kulturwissenschaft.< < In diesem Fall wären mir die gender studies egal. Problematisch – um es mal moderat auszudrücken – ist ihr politischer Einfluss, ihr gesellschaftsumfassender Gestaltungsanspruch, der auf demokratische Legitimation pfeift und die sogenannte top-down-Implementierungsstrategie umzusetzen versucht. Wir reden hier von einer gesellschaftlichen „Querschnittsaufgabe“, die prinzipiell alle gesellschaftlichen Bereiche gemäss ihrer politischen Doktrin umgestalten will. Ganz schön totalitär! Selbst wenn gender studies seriöse Wissenschaft wäre, müsste eine derart umfassende gesellschaftliche Umgestaltung von einer klaren Mehrheit der Bürger gutgeheissen und damit legitimiert werden. Das wäre dann bottom-up – das genaue Gegenteil der anmassenden Implementierungsstrategie der Genderisten. Es ist für die Kritik an GS irrelevant, ob der Begriff „gender“ sinnvoll ist oder nicht. Es ist irrelevant, ob, wann, wie sie möglicherweise recht haben.

  • @Oliver

    „ALLES, was den Menschen angeht, ist auch gesellschaftlich geformt.“

    Zustimmung.

    Aber du solltest dir bei Gelegenheit die Neo-Biologisten zu Gemüte führen, die tatsächlich Geschlechterverhältnisse naturalisieren und jedem beliebigen (!!! Betonung) Aspekt menschlichen Verhaltens eines der beiden Geschlechter aus beliebigen (!!!) Gründen das bspw. Label evolutionärer „Selektionsvorteil“ aufpappen.

    Denn alleine die bloße Tatsache, dass das Verhalten existiert ist schon der Beweis, es habe sich um eines gehandelt, welches evolutionäre Vorteile geboten hätte.

    Diese Ex-Post Tautologie ist haargenauso Metaphysik und verkauft sich *ebenfalls* als Wissenschaft.

    Insofern ist mein POLITISCHES Dilemma, ich finde die Trennung von sex und gender ebenso problematisch wie du – nur findet alleine in dieser absurden Trennung die gesellschaftliche Formung menschlicher Individualität überhaupt statt.

    In der anderen Variante existiert noch nicht einmal ein zweite menschliche Natur; Mensch ist nur als Naturwesen existent und verbleibt in ihm.

    Schönen Gruß, crumar

  • Die Diskussion zeigt vor allem, dass Geschlechter eben keine besonders sinnvollen sozialen Kategorien sind. Die – sozialen, politischen, ökonomischen, weltanschaulichen etc. – Unterscheide zwischen Männern sind so groß, dass es albern ist, von einer auch nur halbwegs uniformen Gruppe auszugehen, die dominierende gemeinsame Interessen hätte.

    Der Eindruck, dass das bei Frauen anders ist, hat wohl nur dadurch entstehen können, dass Frauen sich an politischen Diskussionen traditionell deutlich zurückhaltender beteiligen als Männer. Einfach formuliert: Der Feminismus braucht vor allem viele, viele schweigsame Frauen.

    Bei aller Kritik an Marx finden sich dort einige wichtige Konzepte, die heutigen Gender-Positionen regelrecht entgegengesetzt sind – und an die zu denken generell in der Politik wichtig wäre, nicht nur für Linke.

    Erstens die konsequente Frage nach der ökonomischen Basis politischer, moralischer oder auch künstlerisch/kultureller Positionen. Das bedeutet übrigens nicht, dass sich alles einlinig aus der Ökonomie ableiten lässt. Man kann sich mit Marx aber kaum im Moralisieren verlieren, und auch nicht in irgendwelchen diffusen Geschlechter-Metaphysiken.

    Zweitens, und das hängt eng mit dem ersten Punkt zusammen: Die Frage der sozialen Gerechtigkeit ist bei Marx nie nur eine Frage der Verteilungsgerechtigkeit. Er erweckt nie den Eindruck, dass alle Güter irgendwie immer schon da wären und nur noch gerecht aufgeteilt werden müssten. Der Skandal gesellschaftlicher Ungerechtigkeit ist bei Marx der, dass eben diejenigen, die den gesellschaftlichen Wohlstand überhaupt erst produzieren, von diesem Wohlstand am Wenigsten profitieren.

    Mehr noch, und das ist der dritte Aspekt, nämlich die „Entfremdung“: Der Wohlstand (oder genauer: der „Mehrwert“) begegnet denen, die ihn produzieren, schließlich als etwas Fremdes, Feindseliges. Ihre eigene Arbeit wird zum Instrument ihrer Unterdrückung – sie ermöglichen damit überhaupt erst die Bedingungen, unter denen sie und ihre Familien leiden.

    In meinen Augen können Männer, oder überhaupt Menschen, die sich mit der heute dominanten (Geschlechter-)Politik auseinandersetzen wollen, mit diesen Punkten eine Menge anfangen. Marx’ Entfremdungs-Begriff ist mir als Trennungsvater zum Beispiel unmittelbar einleuchtend – auch wenn Marx diese Situation damit gar nicht im Auge hatte.

  • @ Axel „Um Gottes Willen! „Gender“ bedeutet „sozial konstruiertes Geschlecht“, definiert von John Money.“ Die Kritik Olivers an diesem Begriff, siehe oben, finde ich sehr gut. Dass alles Mögliche sozial konstruiert ist, ist überhaupt nicht widersinnig, tiefsinnig, absurd, überraschend o.ä. – es ist einfach banal.

    Auch biologische Kategorien, zum Beispiel, sind natürlich sozial konstruiert – was denn sonst? Sie wachsen ja nicht auf Bäumen.

    Vorzuwerfen ist der üblichen Verwendung des Gender-Begriffs erstens, dass damit der Eindruck erweckt wird, soziale Konstruktionen hätten NICHT den Zweck, in einer realen Welt reales Handeln sinnvoll zu ermöglichen – sondern als ob sie eine irgendwie scheinhafte Welt aufspannen würden, die keinen anderen Zweck hat als den der Reproduktion von Herrschaft. Das ist nicht einmal mehr banal, sondern engstirnig und eindimensional.

    Und zweitens, und da hat Oliver in meinen Augen völlig Recht: Warum sollte denn unter all den sozialen Konstruktionen, mit denen wir überall zu tun haben, ausgerechnet das Geschlecht eine so ungeheuer besondere, herausgehobene Bedeutung haben? Was macht denn ausgerechnet die Kategorie „Geschlecht/Gender“ zur Superkategorie, herausgehoben aus allen anderen und zugleich mit gravierenden Auswirkungen auf alle anderen?

  • @Axeline

    Ich habe keine Ahnung, was „Soziologen-Apologese“ ist oder was du damit meinst. Du schienst das wie ein Schimpfwort zu verwenden. Kannst du mir das verdeutlichen?

    Meine Aussage, linke Sozialforschung war Avantgarde von Forschung überhaupt bezieht sich auf die hiesigen 70er und frühen 80er Jahre.
    In dieser Zeit wurden m.E. die klügsten, kritischsten (und weitgehend unrezipierten) Werke geschrieben, die es weltweit gegeben hat (Franz Dick, Ute Osterkamp, Klaus Holzkamp bspw.).

    Es ist völlig unmöglich zu den hiesigen 68ern ff Stellung zu beziehen, ohne den Faschismus (bzw. das Schweigen über diesen im Westteil Deutschlands), die Folgen des verlorenen Weltkriegs und der Zweiteilung Deutschlands mit zu behandeln.

    Und mitbehandeln sollte man auch, dass der Faschismus eine komplette linke *Kultur* der 20er und 30er vollständig vernichtet hatte.
    Das war kein Kollateralschaden, sondern erklärtes Ziel.
    Schau dir einfach mal alle kulturellen Organisation mit dem Präfix „Arbeiter“ an – es gab sogar einen „Arbeiter Radio Bund“.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiter-Radio-Bund_Deutschlands

    D.h. es existierte eine offizielle und eine weitere, flächendeckend organisierte GEGENKULTUR.

    Es wurden nicht nur linke Politiker ins KZ geworfen oder ins Exil getrieben, sondern bspw. linke Literaten, Künstler, Sexualwissenschaftler und natürlich alle Arbeiter Kulturvereine verboten.
    Und das nicht ohne Grund.

    Dem Paragraphen 218 hatte ein Autor wie Friedrich Wolf bereits 1929 den Kampf angesagt http://nemesis.marxists.org/wolf-cyankali-218-druckversion.htm
    Niemand brauchte Feministinnen, die den Kampf um die Legalisierung der Abtreibung auf einmal zur ureigenst weiblichen Domäne erklärten.

    Schwarzers Erfolg Mitte der siebziger lässt sich nur so erklären, dass die Faschisten es erfolgreich geschafft hatten, diese politischen Bestrebungen komplett aus dem kollektiven Gedächtnis zu tilgen (dazu (!!!) kam der reaktionäre Schwenk der SU unter Stalin).

    M. E. versuchten die deutschen 68er auf der einen Seite den theoretischen Brückenschlag zu dieser Zeit (und reflektierten nicht ausreichend die veränderten gesellschaftlichen Verhältnisse) und auf der anderen Seite griffen sie aktuelle popkulturelle Trends und demokratische Aktionsformen aus den USA auf, ohne auch dort wirklich begriffen zu haben, wie sehr diese für spezifisch US-amerikanische Verhältnisse, -Geschichte standen.

    Und dieser Irrtum setzt sich bis heute fort und ist damit auch nicht ein spezieller Irrtum der 68er.

    Dass all diese 68er klimatisch die RAF vorbereitet hätten ist ein Mythos – die RAF wurde vom Staat benutzt, um die Linke zu spalten und zu schädigen.
    Du brauchst einfach nur auf die historischen Daten zu schauen – den Radikalenerlass gab es bereits im Januar 1972 und es wurden nachfolgend beinahe 1,5 Millionen Menschen überprüft.
    Hatte die RAF diese Menge an Tätern und Sympathisanten auch nur JEMALS gehabt?

    Das ist doch ein schlechter Witz.

    Deine Aversion gegen „Extremismus“ ist eine Sache; schwierig wird es, wenn es komplett beliebig wird, was eigentlich „extrem“ ist.
    Wie sehr sich diese Beliebigkeit im Umgang mit „extrem“ rächt, kannst du aktuell im Umgang mit Männerrechtlern nachvollziehen.

    Das label „rechtsextrem“ wird uns heute ebenso irreal verliehen, wie den damaligen 68ern das label „Terrorist“.
    Wusstest du nicht, Axeline, dass aus dir jederzeit auch ein Breivik (Baader) hätte werden können oder werden wird???!!!

    Falls es dir nicht auffällt: Die Argumente sind komplett austauschbar.

    Schönen Gruß, crumar

  • ät Lucas:

    „Die Diskussion zeigt vor allem, dass Geschlechter eben keine besonders sinnvollen sozialen Kategorien sind.“
    – Anita Sarkeesian sagte sogar mal, daß Frauen eine „soziale Klasse“ seien. DAS nenne ich mal ein Konstrukt. Dabei kenne ich keinen normalen Menschen, der sich und andere ernsthaft nach der Kategorie „Geschlecht“ einteilt. Geschiedene Väter und Mütter vielleicht noch.

    „Der Feminismus braucht vor allem viele, viele schweigsame Frauen.“
    – Hihi, stimmt. Paradoxerweise lebt der Radfeminismus von klassisch weiblichem Verhalten. Würden sie mehr Frauen zur politischen Äußerung bewegen, wäre es ihr politischer Tod!

    „Erstens die konsequente Frage nach der ökonomischen Basis politischer, moralischer oder auch künstlerisch/kultureller Positionen.“
    – Man darf aber nicht vergessen, daß der Genderfeminismus bzw. dessen Erfolg pikanterweise eine erhebliche Komponente hat – Berufsgenderer wie Anne Wizorek verdienen ihr Geld damit.

    „Der Skandal gesellschaftlicher Ungerechtigkeit ist bei Marx der, dass eben diejenigen, die den gesellschaftlichen Wohlstand überhaupt erst produzieren, von diesem Wohlstand am Wenigsten profitieren.“
    – So gesehen ist unsere Gesellschaft reichlich antimarxistisch, weil Frauen an der Wertschöpfung bekanntlich nur marginal beteiligt sind.

    Daher: „In meinen Augen können Männer, oder überhaupt Menschen, die sich mit der heute dominanten (Geschlechter-)Politik auseinandersetzen wollen, mit diesen Punkten eine Menge anfangen. „

    Sagen wir, Linke wie Leszek könnten daraus einige Genderkritik ableiten.

    Axlix

  • ät Crumar:

    ———————-

    „Soziologen-Apologese“: Selbstkritik ist den roten Sozialwissenschaftlern völlig fremd. Die eigenen Erkenntnisse sind daher natürlich ungemein wichtig und richtig.

    „Meine Aussage, linke Sozialforschung war Avantgarde von Forschung überhaupt bezieht sich auf die hiesigen 70er und frühen 80er Jahre.“
    – Die erwähnten Autoren kenne ich nicht, aber ich kann mir kaum vorstellen, daß es nach der 68er Revolte zwischendurch mal eine nicht-politisierte Soziologie gegeben haben soll.

    „Es ist völlig unmöglich zu den hiesigen 68ern ff Stellung zu beziehen, ohne den Faschismus…“
    – Das ist schon wieder eine Apologese! Schuldverschiebung an die bösen Nazis, wie immer. Die alte BRD war einzigartig frei, demokratisch und sozial. Außerdem hatte die Generation Kohl '61 schon angefangen, die SS-Killer einzubuchten. Es bedurfte keiner kommunistischen Gesinnung und keiner RAF, die Geschichte aufzuarbeiten.

    „Und mitbehandeln sollte man auch, dass der Faschismus eine komplette linke *Kultur* der 20er und 30er vollständig vernichtet hatte.“
    – Stimmt nicht. Adornix u.a. sind getürmt.

    „Schwarzers Erfolg Mitte der siebziger lässt sich nur so erklären, dass die Faschisten es erfolgreich geschafft hatten,…“
    – Du bist aber nazifixiert. Nee, tut mir leid, das sind linksideologische Erklärungsmuster. Die 68er waren eine riesige wohlhabende junge Generation. Die neigten schlicht zur Revolte und zum Fanatismus. Ein nicht völlig neues Phänomen: Junge Gymnasiasten waren im 1. WK besonders geil auf Krieg.

    „Dass all diese 68er klimatisch die RAF vorbereitet hätten ist ein Mythos – die RAF wurde vom Staat benutzt, um die Linke zu spalten und zu schädigen.“
    – Oh mann, bist Du Baader-Fan? Das ist ja gruselig. Die RAF wurde von gewaltbereiten fanatischen Studi-Revoluzzern gegründet. Daß das möglich war, liegt an der Atmosphäre der 68er. Nicht viele trauten sich, selber zu schießen, aber etliche fandas das super! (Wie heute die Anarcho-SAntifas.) Wie alt bist Du? Von Leuten, die um 45 geboren sind, und die NICHT zur Revolte gehörten, wissen wir, daß es seeeehr viele klammheimliche oder nicht so heimliche Bewunderer des Baaders gab.

    „Deine Aversion gegen „Extremismus“ ist eine Sache; schwierig wird es, wenn es komplett beliebig wird, was eigentlich „extrem“ ist.“
    – Das ist nicht schwer: Wer die Gesellschaft, die Wirtschaft und das politische System revoluzzerisch umschmeißen will, ist extrem. Es reichen auch zwei der Punkte.

    „Wusstest du nicht, Axeline, dass aus dir jederzeit auch ein Breivik (Baader) hätte werden können oder werden wird???!!!“
    – Jaja, die übliche Nazikeule für den Andersdenkenden. Psychologisch aber eigentlich gar nicht so falsch: Junger Mann, gute Bildung, falsches Umfeld – da ist man tatsächlich in der Gefahr, Extremist zu werden. Heute aber nicht mehr, da ist die Biologie vor: Ich bin schlicht zu alt.

    Euer Axlix AE

  • ät Lucas:

    „Auch biologische Kategorien, zum Beispiel, sind natürlich sozial konstruiert – was denn sonst? Sie wachsen ja nicht auf Bäumen. „
    – Nun gerade Bäume wachsen von ganz alleine; auch ohne Gesellschaft.

    Was meinst Du denn damit? Unser Körper und unser Verhalten sind DNS-kodiert – allerdings mit einer gewissen Bandbreite, was Einflüsse von außen zuläßt. Das hast aber Grenzen, gerade was grundlegendes Verhalten wie das sexuelle angeht.

    „dass damit der Eindruck erweckt wird, soziale Konstruktionen hätten NICHT den Zweck, in einer realen Welt reales Handeln sinnvoll zu ermöglichen …“
    – Ein guter Satz. Der Genderbegriff ist allerdings de facto fest definiert, nämlich engstirnig und eindimensional auf Herrschaftstralala bezogen. Da er zudem von Money, einem Antiwissenschaftler, stammt, verbietet sich der Gebrauch außerhalb der Ideologenszene.

    „Was macht denn ausgerechnet die Kategorie „Geschlecht/Gender“ zur Superkategorie, herausgehoben aus allen anderen und zugleich mit gravierenden Auswirkungen auf alle anderen?“
    – Eben. Warum fahren die Ultralinken und die Hirngewaschenen zur Zeit alle so extrem und ausschließlich auf Geschlecht ab?
    Na ja, wir sind Affen-Herdentiere und übernehmen die Grütze unserer Gruppe. Das hat schon Jane Goodall nachgewiesen. Außerdem ist die Gender-Ideologie ja nicht ganz uneigennützig: Es gibt (nutzlose) Transfer-Jobs ohne Anstrengung, als Mann kann man Szene-Frauen rumkriegen, wenn man das richtige sagt…etc

    Axlix

  • Das was Axlix hier schreibt, ignoriere ich mal, da dies hier ja ein „linker Blog“ ist, was mal bedeuten solle dass man auf Kommunistenfresser etc. nicht einzugehen braucht (als Kommunistenfresser — da Zeitverschwendung).

    „Mann“ ist keine soziale Kategorie, sondern ein politische. „Mann“ ist vorwaertsgewandt, „Frau“ rueckwaerts.

  • @Lucas Teil 1/2

    Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich bei deinem Beitrag anfing, ziemlich unruhig auf meinem Stuhl hin und her zu rutschen.

    Die klassisch Marxsche Fehlinterpretation von Marx sieht in der Tat so aus:

    „Das bedeutet übrigens nicht, dass sich alles einlinig aus der Ökonomie ableiten lässt.“

    Diese Form von Reduktionismus nennt man auch „Ableitungsmarxismus“.
    Und er ist – gelinde gesagt – die Pest.
    Das Problem an dieser Denkweise ist, sie ist ebenso falsch, wie auch naheliegend – das Hauptwerk von Marx trägt nicht ohne Grund den Untertitel „Kritik der politischen Ökonomie“.

    Eine Präzisierung und Einschränkung leistete Engels noch zu seinen Lebzeiten und verdeutlichte damit nebenbei auch noch einmal, was dialektisches Denken ist:

    „Nach materialistischer Geschichtsauffassung ist das in letzter Instanz bestimmende Moment in der Geschichte die Produktion und Reproduktion des wirklichen Lebens. Mehr hat weder Marx noch ich je behauptet.

    Wenn nun jemand das dahin verdreht, das ökonomische Moment sei das einzig bestimmende, so verwandelt er jenen Satz in eine nichtssagende, abstrakte, absurde Phrase.

    Die ökonomische Lage ist die Basis, aber die verschiedenen Momente des Überbaus – politische Formen des Klassenkampfs und seine Resultate – Verfassungen, nach gewonnener Schlacht durch die siegende Klasse festgestellt usw. – Rechtsformen, und nun gar die Reflexe aller dieser wirklichen Kämpfe im Gehirn der Beteiligten, politische, juristische, philosophische Theorien, religiöse Anschauungen und deren Weiterentwicklung zu Dogmensystemen, üben auch ihre Einwirkung auf den Verlauf der geschichtlichen Kämpfe aus und bestimmten in vielen Fällen vorwiegend deren Form.

    Es ist eine Wechselwirkung aller dieser Momente, worin schließlich durch alle die unendliche Menge von Zufälligkeiten (d. h. von Dingen und Ereignissen, deren innerer Zusammenhang untereinander so entfernt oder so unnachweisbar ist, dass wir ihn als nicht vorhanden betrachten, vernachlässigen können) als Notwendiges die ökonomische Bewegung sich durchsetzt. […]

    Wir machen unsere Geschichte selbst, aber erstens unter sehr bestimmten Voraussetzungen und Bedingungen. […]

    Zweitens aber macht sich die Geschichte so, dass das Endresultat stets aus den Konflikten vieler Einzelwissen hervorgeht, wovon jeder wieder durch eine Menge besonderer Lebensbedingungen zu dem gemacht wird, was er ist; es sind also unzählige einander durchkreuzende Kräfte, eine unendliche Gruppe von Kräfteparallelogrammen, daraus eine Resultante – das geschichtliche Ergebnis – hervorgeht, die selbst wieder als das Produkt einer, als Ganzes bewusstlos und willenlos wirkenden Macht angesehen werden kann.“

    Friedrich Engels: Brief an Joseph Bloch. vom 21.–22. September 1890. MEW 37, S. 462

    Nichts verdeutlicht m.E. mehr, an welchen Fallstricken der deutschen Sprache und der (nicht erfolgten) Schulung in der Philosophie Hegels man in seiner „Lesart“ scheitern kann.
    Wer hier nämlich „angesehen werden kann“ unwillkürlich übersetzt in „das kann man so sehen“, verkennt die Ausgangslage.
    „Zweitens aber macht sich die Geschichte so“ – „die Geschichte“ aber existiert nicht in einer materialistischen Geschichtsauffassung.

  • @Lucas Teil 2/2

    Hingegen ist „Geschichte“ „Endresultat (..,) aus den Konflikten vieler Einzelwissen (…), wovon jeder wieder durch eine Menge besonderer Lebensbedingungen zu dem gemacht wird, was er ist.“

    D.h. „Geschichte“ ist zugleich Voraussetzung und Resultat unser mehr oder weniger bewussten Willensäußerungen/Handlungen.

    Wobei: „Wir machen unsere Geschichte selbst, aber erstens unter sehr bestimmten Voraussetzungen und Bedingungen.“ – nämlich auch unter den Voraussetzungen, dass wir gar nicht (bewusst) WISSEN, wir machen unsere eigene Geschichte selbst.

    D.h. auch wer an das allmächtige Spaghetti-Monster glaubt, welches die Welt erschaffen hat (Pastafari), macht trotzdem diese Geschichte SELBST; auch mit dieser ideologischen Voreingenommenheit.
    Auch die Produktion der Ideologie einer Spaghetti-Gottheit verdankt sich zwar bestimmten ökonomischen Bedingungen, ist aber durch diese allein nicht erklärbar (Ravioli). 😉

    Somit ist „angesehen werden kann“ umgangssprachlich zu übersetzen mit „scheinbar“.
    Nämlich: Dies „erscheint“ uns unmittelbar so, erklärt aber die Sache (deren Wesen) nicht.

    Und rückwärts übersetzt erschließt sich nun dieser Teil seiner Aussage völlig anders: Geschichte „das Produkt einer, als Ganzes bewusstlos und willenlos wirkenden Macht angesehen werden kann.“

    Nämlich: Nur INDEM wir Geschichte als bewusstlos und willenlos agierende Macht *ansehen*, indem SCHEINBAR eine bewusstlose und willenlose Macht (unabhängig von den handelnden Subjekten) agiert, existiert eine Geschichte, die von dem Handeln dieser Subjekte entkoppelt *ist*.
    Die Subjekte sehen (ihnen *erscheint*) „Geschichte“ als entfremdete *Resultat* ihres Handelns, weil „Geschichte“ – ihres subjektiven Handelns, dem (inter-) subjektiven Prozess beraubt – gar nicht mehr als *Resultante* *gilt*.
    Und in diesem Fall kann *gilt* übersetzt werden in die Macht, sich „Geltung“ zu verschaffen – d.h. eine bestimmte *Auffassung* von Geschichte als bewusstloser und willenloser Prozess (also die Ideologie von Geschichte) ist kennzeichnend für „die Geschichte“ und ihre Produzenten (in dieser) selbst.

    Nämlich nur INDEM ihnen „Geschichte“ als willen- und bewusstloser Prozess vermittelt wird, kommt dieser ohne IHRE, UNSERE bewusst artikulierte Interessen, Anstrengungen aus.

    Auf der (entfremdeten) *Erscheinungs*ebene ist Geschichte immer Resultat und nicht Resultante – immer Produkt und nicht Prozess.

    „Geschichte“ als Ideologie einer willen- und bewusstlosen Macht tritt den Individuen ALS diese erst entgegen, wenn sie des *Bewusstseins* ihrer gestalterischen historischen Macht entfremdet worden sind.
    INSOFERN tritt ihnen „Geschichte“ als willen- und bewusstlose Macht gegenüber auf und gegenüber.
    Nämlich nicht als ihre eigene Geschichte, sondern als „Geschichte“ (Ideologie).

    Schönen Gruß, crumar

  • Eure Diskussion erinnert mich an meine Standardkritik an den Gender studies (oder dem Feminismus), daß diese unangemessen viel Zeit und Platz dafür verwenden. Vergangenes nachzuerzählen und alte Wunden zu lecken, die längst verheilt sind, und daß man sich lieber auf die Analyse der heute vorhandenen Zustände konzentrieren sollte.

    Beschäftigung mit der Vergangenheit halte ich nur für sinnvoll, wenn es klare plausible Gründe dafür gibt, z.B.:

    * Man kann daraus zeitunabhängiges, auch heute gültiges Wissen ableiten. Nach meinem Eindruck sind das typischerweise soziologische, massenpsychologische o.ä. Theorien, die man anhand historischer Beispiele „beweist“. Die Vertrauenswürdigkeit und Übertragbarkeit dieser Theorien halte ich generell für gering, aber immerhin besser, als gar keine zu haben.

    * Es gibt relevante, heute lebende soziale Gruppen, die direkt durch ihre Geschichte geprägt sind, die man also ohne Kenntnis ihrer Geschichte nicht versteht. Ob die legendären 68er – die oben wieder mal ausführlich diskutiert wurden – dieses Kriterium erfüllen, scheint mir zweifelhaft.

  • >>Denn alleine die bloße Tatsache, dass das Verhalten existiert ist schon der Beweis, es habe sich um eines gehandelt, welches evolutionäre Vorteile geboten hätte.

    Diese Ex-Post Tautologie ist haargenauso Metaphysik und verkauft sich *ebenfalls* als Wissenschaft.< < Genau das wollte ich Evo-Chris und Roslin immer klar machen, dass diese just-so-storys auf der Prämisse aufbauen, dass jedes beobachtbare Verhalten einen evolutionären Vorteil haben müsse, da es dieses Verhalten sonst nicht gäbe. Es ist in der Tat tautologisch. Reiner Glaube. Alles wurde von Gott erschaffen, also sind alle Dinge Beweis für die Existenz Gottes oder so ähnlich.

  • ät Peter und Crumar:

    Eure Argumentation riecht reichlich nach dem „Unbeschriebenen Blatt“.
    Die Evolutionsbiologie ist eine historische Wissenschaft. Daß Erklärungen zur Evolution komplexer Systeme in der Vergangenheit heute nicht experimentell nachvollzogen werden können, liegt auf der Hand. Mit einfachen System klappt es aber: Enzyme lassen sich nach dem Darwinschen Prinzip gestalten.

    Weiterhin ist die Evolutionstheorie eine der bestbewiesenen in den MINT-Fächern. Zudem ein Satz von Steven Pinker: Eine gute Theorie ist eine, die tatsächlich etwas erklärt. Und genau das tut die Darwinsche Theorie. Im Gegensatz zu radikalen Ideologien wie Marxismus oder Genderismus, die tatsächlich nur realitätsferne Geschichten erzählen, wie die, daß man Menschen grundsätzlich zu Altruisten erziehen könnte.

    Die Vorhersagen der Evolutionstheorie hingegen bewährten sich bestens.

    Axlix

  • In den Aussagen von Axlix findet wir die typische Antiwissenschaft, die heute die allgemeine Vorstellung beherrscht Biologie, die untererste Wissenschaft, und wenn man genau ist, noch sehr weit von einer Wissenschaft entfernt, nimmt hier die zentrale Stellung ein (die Anbetung des Koerpers, religioese Vorstellungen etc. spielen hier wohl eine grosse Rolle).

    Um mal wirkliche Wissenschaft zur Evolutionstheorie, auf relativ allgemeinverstaendlichem Niveau erklaert, zu sehen:


    Computational Insights and the Theory of Evolution – Dr. Christos Papadimitriou
    Das sollte das ganzen Geschwaetz vom „survival of the fittest“ etc. vom Sockel stossen: In der Evolution geht es darum, dass sich ganze Populationen unter mannigfaltigen Umstaenden *einigermassen* bewaehren — nichts mit dem Schwachsinn von permanenter Optimierung etc.

  • ät Oli:

    Genau, die Biologie, insbesondere der Darwinismus, ist absolute Antiwissenschaft. Die Theorie des egoistischen Gens, alles biologistische Propaganda. Sie genügt nicht den politischen Ansprüchen der Moralisten; also MUSS sie falsch sein! Jawoll!

    Heute habe ich übrigens einen Kommunisten gefrühstückt. Zum Mittag gab es Anarcho; der war etwas leckerer, weil jünger und nicht so zäh.
    Freue mich schon auf heute Abend: Da gibt es Neonazi. Die schmecken am besten, weil meist muckibude-gestählt. Viel Fleisch, wenig Fett.

    Axlix, der politisch unkorrekte Bösmensch

  • >>Die Vorhersagen der Evolutionstheorie hingegen bewährten sich bestens.< <
    Dein Schattenboxen ist beeindruckend. Imponierend, wie Du auf Deinen imaginierten Gegner, die Zweimeterstrohpuppe, eindrischst!

  • “Die Diskussion zeigt vor allem, dass Geschlechter eben keine besonders sinnvollen sozialen Kategorien sind. Die – sozialen, politischen, ökonomischen, weltanschaulichen etc. – Unterscheide zwischen Männern sind so groß, dass es albern ist, von einer auch nur halbwegs uniformen Gruppe auszugehen, die dominierende gemeinsame Interessen hätte.”
    Warum nicht? Sicherlich nicht, wie es die Genderstudies heute durchexerzieren, Frauen weniger in Vorstandsetagen, also sind alle Frauen bis hin zur Tütenkleberin am Fliessband benachteiligt, ist sicherlich Gaga. Natürlich macht es Sinn innerhalb einer untersuchten Gruppe auch auf Männer und Frauen, oder Migranten und Einheimische etc. und deren Unterschiede hinzuweisen.
    Diese auch zu erforschen und Begründungen für solch unterschiedliches Verhalten (oder Ergebnisse) zu suchen, wäre eine Aufgabe der Genderstudies. Das sollte mit vernünftigen Teststellungen einfach und nach wissenschaftlichen Methoden möglich sein. Doch genau da ist der Knackpunkt, und nicht nur bei den Genderstudies. Gerade bei den Sozialwissenschaften ist die eigene Verbohrtheit oftmals eben ein Hemniss…
    Sowas gibt es auch in anderen Bereichen, z. B. bei Historikern…
    http://www.welt.de/wams_print/article1206414/Eine-Kirche-voller-Ueberraschungen.html
    Hieraus:
    “Denn wer in Ostwestfalen von römischen Siedlungen spricht, wird von den Amtsarchäologen grundsätzlich als Scharlatan abgetan – und ignoriert. Rechts des Rheins gibt es keine Mauern römischer Herkunft, so lautet das Dogma, auf das die gesamte Zunft eingeschworen ist. Und wer behauptet, in Corvey hätten Römer eine Tempelanlage gebaut, „der kann genauso gut sagen, dass hier Außerirdische gebaut haben“, sagt Lobbedey.”
    Die Römer haben auf der anderen Rheinseite nicht gebaut, es gibt ein Patriarchat das an allem Schuld ist und die Erde ist rund… Das alles sind Thesen, die bei einigen Wissenschaftlern sofort auf Ablehnung stossen…

    Ach ja, in Waldgirmis hat man Reste einer römischen Civitas gefunden und die Erde ist Rund… Irgendwann wird auch die letzte Dummheit fallen…

    Ansonsten hat sich die Politik und die Lobbygruppen immer schon willenlose Wissenschaftler gehalten, egal ob im Kaiserreich, bei den Nazis oder sonstwo. Hier haben sie jetzt noch eine eigene Gruppe geschaffen…

  • @Axlix

    Ich sehe daran:

    „- Eben. Warum fahren die Ultralinken und die Hirngewaschenen zur Zeit alle so extrem und ausschließlich auf Geschlecht ab?“

    Dass du argumentativ absolut willkürlich verfährst.

    Du diskutierst hier in einem Blog eines Linken, für andere Linke und immerhin ignorierst du unsere recht kontroverse Debatte zum Thema „Gender“ auffallend.

    Und auch wenn du es weiterhin ignorieren willst, uns ist selber nicht wirklich erklärlich, warum die „Ultralinken“ extrem und ausschließlich auf das Geschlecht abfahren.

    Das heißt nämlich, es wurden klassisch LINKE Positionen mehr oder weniger bewusst VERLASSEN.
    Wenn sich soziale Positionen in einer Gesellschaft ausschließlich dem Geschlecht verdanken würde, dann sollte mit Merkel, von der Leyen, Mohn, Springer, Piech so langsam Erklärungsnot auftauchen.

    D.h. – mir zumindest geht es so – ich halte solche Erklärungsansätze weder für „ultralinks“, noch überhaupt für „links“.
    Das ist in meinen Augen Pseudo-Links.
    Sie haben den linken JARGON gekapert und betreiben damit eine Politik, die in meinen Augen reaktionär ist.

    Wenn du hier also schreibst:

    „Na ja, wir sind Affen-Herdentiere und übernehmen die Grütze unserer Gruppe.“

    Dann ist das einfach nur widersinnig.
    Lies noch einmal die Beiträge – weder übernimmt die „Horde“ der „Ultralinken“ unsere Positionen, noch verfahren wir umgekehrt so.
    Was jetzt?

    Tut mir leid, dass ich deine Klischees nicht bedienen kann, aber die Differenzen zwischen den Genderisten und uns sind ziemlich auffällig – und deine Ignoranz noch auffälliger.

    Gruß, crumar

  • @ Axlix

    Die Theorie des „egoistischen Gens“ von Dawkins in Bezug auf die Geschlechterverhältnisse ist wirklich blöd, sogar saublöd – er widerspricht sich in seinem eigenen Buch permanent und merkt es nicht.

    Was soll ich tun?
    Willst du die Seitenangaben?
    JEDER kann das nachprüfen, wie bekloppt seine Aussagen sind.

    Sollen wir Wissenschaft so redefinieren, dass wie alle keinen Anspruch mehr auf Widerspruchsfreiheit in einer Theorie haben?
    Dann wären wir auf der Höhe poststrukturalistisch-feministischer Theorie.

    Friss Stachelschwein, übrigens.
    Die sind so knusprig – besonders roh.

    Gruß, crumar

  • ät Peter und Crumar:

    „Dein Schattenboxen ist beeindruckend.“
    „Die Theorie des „egoistischen Gens“ von Dawkins in Bezug auf die Geschlechterverhältnisse ist wirklich blöd, sogar saublöd“
    – Also, diese Aussagen sind einfach nur wertend und völlig inhaltsleer. Das könnt Ihr zwei doch besser, oder?

    Daher:
    „Willst du die Seitenangaben?
    JEDER kann das nachprüfen, wie bekloppt seine Aussagen sind.“
    – JA BITTE. Eine einzelne Aussage zu „widerlegen“ würde mir auch reichen.

    „Friss Stachelschwein, übrigens.
    Die sind so knusprig – besonders roh.“
    – Nein, Stachelschweine mag ich.

    Axlixia AE

  • ät Crumar:

    „Du diskutierst hier in einem Blog eines Linken, für andere Linke und immerhin ignorierst du unsere recht kontroverse Debatte zum Thema „Gender“ auffallend. „
    – Ich nehme die Genderkritik von links in diesem Blog und bei AE (Leszek) wohlwollend zur Kenntnis. Allerdings scheint Ihr paar linken Netz-Genderkritiker keineswegs repräsentativ zu sein.
    Was ich in vivo erlebe, sieht ganz anders aus. Gleich, auf welche Linken ich treffe, politisch korrekte Katholiken, grüne Evangelen oder atheistische Anarchos (u.v.a.), überall ist der Genderwurm drin.

    Wenn mehr so wie Ihr wären, wäre das supetr. Ist aber leider nicht so.

    Und die Genderer als reaktionär zu bezeichnen, trifft die Sache gar nicht. Reine Abwertung.
    ICH bin nämlich reaktionär. Und in meinen Kreisen ist die Genderologie alles – nur nicht beliebt.

    Axlix AE

  • Seht doch mal das Video an, das ich angegeben habe: da findet wirkliche Wissenschaft statt. Es wird ueberzeugend argumentiert, dass Evolution nicht viel mit „survival of the fittest“ zu tun hat, nichts mit „egoistischen Genen“ blabla, sondern mit der Entwicklung des *Mittelmasses* (grob gesprochen). Ist ja auch sonnenklar: Natur ist ein riesiger Ramschhaufen, wo es auf Stabilitaet ankommt. Praezision und Fortschritt, das kommt nur vom Menschen.

    Das ganze dumme Geschwaetz von „Evolution als Wissenschaft“: wenn man wirkliche Wissenschaft betreibt, loest sich alles auf, was so komplexe Dinge wie Gesellschaft angeht. Aber so Leute wie „AX“ haben eben nie Wissenschaft selbst betrieben, und dann ist das in der Tat genau so ein Religionsersatz wie Gender.

  • >>“Zweitens aber macht sich die Geschichte so“ – „die Geschichte“ aber existiert nicht in einer materialistischen Geschichtsauffassung.< < Was zur Einsicht führt, dass die russische Gesellschaft zur Jahrhundertwende (1900) eine bäuerlich geprägte Gesellschaft war und in keiner Weise einer Gesellschaft entsprach, die am historischen Wendepunkt zum Sozialismus stand.
    Das verstehen aber selbst die meisten Marxisten nicht, die glauben, der Sozialismus werde mal eben so per ordre de mufti einst eingeführt.
    OT – so nebenbei

  • ät Oli:

    Kleiner Evolutionsleugner, was? Daß viele Linke eine Art nicht-religiösen Kreationismus pflegen, ist nicht neu. Die Genderer haben (u.a. laut Pinker und Trivers) die Ablehnung der menschlichen Natur nicht erfunden, sondern von ihren linken Vorläufern übernommen.

    In Dein Video guck ich mal rein, weil Wissenschaft bekanntlich über Kritik funktioniert. Aber etablierte Konzepte wie das Überleben des am besten Angepaßten und das egoistische Gen abzulehnen, riecht schon gewaltig nach prinzipieller Evolutionsleugnung.

    ZB.: „Präzision und Fortschritt, das kommt nur vom Menschen.“
    – Sicher, natürlich, die komplexen Chordatiere wurden vom Menschen entwickelt. Wir sind zwar selber Chordatiere, aber egal, ist halt so. Muß. Darwin böse.

    „Aber so Leute wie „AX“ haben eben nie Wissenschaft selbst betrieben“
    – Woher willst Du das wissen? Aber hast recht, Biologie ist ja nur ein esoterisches Blümchenfach, ganz im Gegensatz zu solch harten Disziplinen wie Soziologie oder Kulturantropologie…..

    Axlix

  • @ Axlix

    Ich habe mir die gesamte Liste der Buchempfehlungen von Evo-Chris gekauft, so ich sie nicht schon besaß – und durchgelesen.

    Ich fand einige anregend (Blank Slate bspw.), andere jedoch saudoof (Brainsex) und andere absolut durchwachsen (Das egoistische Gen).

    Es muss doch gestattet sein, auch Dawkins zu kritisieren, ohne dass eure Fraktion Schanppatmung bekommt!

    Seine Auslassungen zum Geschlechterkonflikt widersprechen seiner eigenen Theorie.
    PUNKT.
    Ich kann meine Behauptung mit jeder Zeile und Seite seines EIGENEN Buches BEWEISEN.

    Und dich wünsche mir, dass die knallharten „Marx-Kritiker“ unter euch auch endlich anfangen Marx zu LESEN.
    Es kann doch nicht sein, dass die Beschäftigung mit Thesen unseres Gegenübers zur ARBEIT von EINER Seite führt und die andere FAULE SCHWEINE sind, die ihre VORURTEILE kultivieren, ohne auch nur eine einzige Zeile von dem gelesen haben, was sie vorgeblich kritisieren.

    Vielleicht bin ICH im Grunde der KONSERVATIVE von uns beiden.
    Für meine Familie galt immer das Motto:
    SAGE, WAS DU TUST UND TUE, WAS DU SAGST.

    Was ich völlig abgefahren finde: Dies Motto isoliert einen inzwischen nicht nur von den Linken, sondern auch von den Rechten.
    Was mich früher an den Linken genervt hat: Unzuverlässigkeit, Illoyalität, offensive Faulheit und Hedonismus, Unpünktlichkeit, konfuses Denken, Irrationalität, etc. ist inzwischen der neue STANDARD geworden.

    Niemand kann sich mehr darauf verlassen, dass wenigsten Konservative SEKUNDÄRTUGENDEN hochhalten.

    Es scheint sich eine intellektuell narzisstische SCHLAMPENKULTUR durchgesetzt zu haben – und zwar für beide politischen Lager.
    Ich akzeptiere das NICHT.

    Ich bin NICHT bereit, das hier hinzunehmen.
    Wer auch immer anfängt, diese Us-amerikanische Verrohung und Vulgarisierung einzuführen, der bekommt es mit mir zu tun.

    NO PASARÁN.

    Gruß, crumar

  • @Axlix

    Nein, wir sind nicht die Mehrheit der Linken – wer wollte das bestreiten?!
    Wir sind die Minderheit.

    Wir waren damals nur ein paar versprengte Gestalten gewesen im Forum von telepolis.
    Dass war ungefähr 2006-7 und folgende (djadmoros habe ich so kennengelernt) und die Mehrheitsmeinung war gegen mich.
    Ich habe von jedem meiner Beiträge nur Ablehnung erfahren und genauso ging es mir im Forum des „Freitag“.

    Ich bin aber einfach nur meinen (linken) Prinzipien treu geblieben.
    Eine ziemlich irre Erfahrung.
    Aus meiner subjektiven Sicht hatte ich mich ja gar nicht verändert.

    »Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, daß der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist. Verhältnisse, die man nicht besser schildern kann als durch den Ausruf eines Franzosen bei einer projektierten Hundesteuer: Arme Hunde! Man will euch wie Menschen behandeln!«

    Marx: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung

    DER MENSCH das höchste Wesen für den Menschen sei – für mich gibt es einfach kein gender.
    In diesem RADIKALEN Humanismus gibt es das nicht.
    Von daher – ich muss das ehrlich sagen – habe ich ursprünglich den Feminismus auch missverstanden.
    Ich hatte damals geglaubt, wir sind auf der gleichen Seite der Barrikade,
    Und das war mein Irrtum.

    Schönen Gruß, crumar

  • @Peter

    Das ist komplett richtig.
    Sie war nicht nur irgendwie „bäuerlich geprägt“, sondern (aus diesem Grund) hochgradig analphabetisch.
    JEDER Sozialist hätte bei der Einführung des Sozialismus auf die deutsche oder auf die französische Gesellschaft getippt.

    Es ist nicht wirklich bizarr zu konstatieren, dass der KRIEG diese Entwicklung verhindert hat.

    Wie verbreitet der Gedanke an de Sozialismus davor gewesen ist, soll dir mein Literaturrätsel verdeutlichen.

    WER hat das hier WANN geschrieben:

    „Der Mensch verlangt danach, intensiv, ganz und vollkommen zu leben. Wenn er das vermag, ohne auf andere Zwang auszuüben oder selbst Zwang zu erleiden und wenn ihn alle seine Arbeiten befriedigen, dann wird er geistig gesünder, stärker, zivilisierter und mehr er selbst sein. In der Freude drückt sich die Natur aus, ihr stimmt sie zu. Wenn der Mensch glücklich ist, lebt er im Einklang mit sich und seiner Umgebung. Der neue Individualismus, in dessen Diensten der Sozialismus wirkt, ob er es wahrhaben will oder nicht, wird vollkommene Harmonie sein. Er wird die Erfüllung dessen sein, wonach sich die Griechen sehnten und was sie nur in Gedanken vollkommen zu verwirklichen vermochten, weil sie sich Sklaven hielten und sie ernährten; er wird die Erfüllung dessen sein, wonach sich die Renaissance sehnte, aber nur in der Kunst wahrhaft verwirklichen konnte, weil sie sich Sklaven hielt und sie verhungern ließ. Er wird vollkommen sein, und durch ihn wird jeder Mensch zu seiner Vollkommenheit gelangen. Der neue Individualismus ist der neue Hellenismus.“

    Schönen Gruß, crumar

  • Ich wusste es nicht. Mit einer Suchmaschinenabfrage war es aber leicht heraus zu finden: Oscar Wilde – The soul of man – 1891.

    >>Es ist eine Wechselwirkung aller dieser Momente, worin schließlich durch alle die unendliche Menge von Zufälligkeiten (d. h. von Dingen und Ereignissen, deren innerer Zusammenhang untereinander so entfernt oder so unnachweisbar ist, dass wir ihn als nicht vorhanden betrachten, vernachlässigen können) als Notwendiges die ökonomische Bewegung sich durchsetzt.>>

    Das entspricht ziemlich genau meiner Auffassung. Selbst bei denjenigen, die sich einbilden, linke Politik zu betreiben, fühlt man sich mittlerweile wie der letzte Mohikaner mit einer primär auf die ökonomischen Verhältnisse fokussierenden Analyse.
    Mein Urteil über die realexistierende (Pseudo-)linke und ihre hedonistische Identitätspolitik ist vernichtend: Nützliche Idioten des Kapitals.

  • ät Crumar:

    „NO PASARÁN.“
    – Och nö, bitte keine Antifa-Parolen.

    „Es muss doch gestattet sein, auch Dawkins zu kritisieren, ohne dass eure Fraktion Schanppatmung bekommt!“
    – Übertreib mal nicht. Dawkins zB finde ich gar nicht so gut, weil er mit seinem „Evolutionshumanismus“ quasi-religiöse Missionierung betreibt und mit linksradikal-atheistischen Organisationen zusammenarbeitet.

    Die Theorie des „egoistischen Gens“ (Einzelgen ist Selektionsebene) ist allerdings schon rein logisch kaum angreifbar. Daß Einzelgene im Bündel auf Gruppenebene selektiert werden, ist vielleicht möglich, aber unwahrscheinlich. Sonst wäre der umfassende Egoismus außerhalb der eigenen Familie/Freundesgruppe kaum erklärbar.

    „Seine Auslassungen zum Geschlechterkonflikt widersprechen seiner eigenen Theorie.“
    -?????? Im Gegenteil. Die EP erklärt sexuelles Verhalten besser als Genderologie oder sonstige Polittheorie.

    „Und dich wünsche mir, dass die knallharten „Marx-Kritiker“ unter euch auch endlich anfangen Marx zu LESEN.“
    – Ich bin kein Wirtschaftler/Philosoph etc. Daß Marx zB mit seinem Anti-Idealismus und seiner Verbesserung des Hegel-Geschwurbels verdammt gute Arbeit geleistet hat, erkenne ich an. Daß monokausale Prinzip „Klassenopfer- Klassenfeind“ , das wir in verschiedenster Form linkerseits immer wiederfinden, ist ideologischer Flachgeist.

    „SAGE, WAS DU TUST UND TUE, WAS DU SAGST.“
    – Na ja, komm, nun trag mal nicht so dick auf. Dieses schöne Prinzip kann kein Mensch durchhalten. Du betrügst Dich selbst. Es hat noch keinen Marxisten gegeben, der nicht bei den eigenen Bedürfnissen sehr, sehr bodenständig wurde. Soll er ja auch. Man soll sich um die eigene Familie und die eigenen Angelegenheiten kümmern.
    Die ganze Welt betutteln geht einfach nicht.

    „Was mich früher an den Linken genervt hat: Unzuverlässigkeit, Illoyalität, offensive Faulheit und Hedonismus, Unpünktlichkeit, konfuses Denken, Irrationalität,“
    – Diese Offenheit ist wirklich würdigenswert. Ich sehe diese Eigenschaften laufend: bei den Intrigen gegen den SPD-Vorsitzenden, bei ultralinken aggressiven Studenten (Münkler-Watch) etc.

    „Niemand kann sich mehr darauf verlassen, dass wenigsten Konservative SEKUNDÄRTUGENDEN hochhalten. „
    – Wie kommt dieser Eindruck zustande?
    Bis heute registrieren Wahl-Zähler sonntags morgens um 9 ein starkes Übergewicht der CDU-Stimmen, weil die Konservativen diszipliniert frühs in die Kirche und vorher schnell wählen gehen. Die ausschlafenden Linken rollen erst ab Mittag in die Wahllokale.

    In den MINT-Fächern, wo ich arbeite, sind die meisten eher konservativ; Linke gibt es kaum. Und da war im Studium Lehrbeginn um 7.30 oder 8 nicht selten. Eine Studentin der Soziologie hingegen bestätigte mir, daß es bei ihr nicht vor 10,11 losginge.

    Dann die innere Politisierung: An meinem Uniklinikum hat der Chef jede politische Reklame oder Bekennung untersagt. Ich bekam schon nen Anschiß, weil ich mit nem FDP-Kuli rumgelaufen bin.
    Bei den SoWis/PoWis um die Ecke hingegen hängen ganz gerne mal Werbeplakate für marxistische Veranstaltungen und ähnliches.

    Nun, wer ist hier schlampig und konfus?
    Wenn Du Soziologe u.ä. bist, wirst Du das bei Deinen Kommilitonen und Dozenten bemerkt haben.

    Grüßl, Axel

  • ät Crumar:

    „Wir sind die Minderheit.“
    – Leider. Ich hoffe, daß die linke Männerbewegung (wenn es sie denn gibt), in den roten und grünen Parteien allmählich an Boden gewinnen.

    „Ich habe von jedem meiner Beiträge nur Ablehnung erfahren und genauso ging es mir im Forum des „Freitag“.“
    – Ihr habt in Kempers Forum Antigender verbreitet? Uiui. Klar, daß das schief ging.
    Ich denke, man darf extremistische Politfanatos inhaltlich nicht ernst nehmen. Das zeigt die Geschichte: Die Ideologie dient nur als „Evangelium“, also als Speck, um die Mäuse zu fangen. Am Ende geht es um eigene Interessen (Macht, Sex…). Sieht man an Kemper oder auch an #aufkreisch-Anne-Jasna: Berufliche Totalversager, wertlose Abschlüsse, zu alt für den freien Arbeitsmarkt. Mit Genderismus hingegen läßt sich noch was an Bestätigung und Euros rausholen. Somit überwiegen die Vorteile die Nachteile.
    Da die Fanatos innerhalb der Gruppe miteinander konkurrieren, ist es kein Wunder, daß es Untergrüppchen gibt, die einander bekämpfen. Die überbieten einander teils mit Spinnerei und Absurditäten. So kommt es, daß die linksextremen „Feministen“ Euch Maskulisten beschimpfen. Obwohl Jungs und Männer tatsächlich in der Bildung ungerechterweise ins Hintertreffen geraten sind und um Chancen gebracht werden.

    „DER MENSCH das höchste Wesen für den Menschen sei – für mich gibt es einfach kein gender.“
    – Wie kommt der Satz in der Szene an? Ich würde da noch den Tierrechtsgedanken einfließen lassen.

    Grüße

    Axel

  • @Peter

    „Selbst bei denjenigen, die sich einbilden, linke Politik zu betreiben, fühlt man sich mittlerweile wie der letzte Mohikaner mit einer primär auf die ökonomischen Verhältnisse fokussierenden Analyse.“

    Wem sagst du das…

    Ich habe das Gefühl, es wird eigentlich immer schlimmer.
    Siehe meine Kommentare zum letzten Beitrag von Lukas – der großen „Care-Revolution“.

    Die nutzen inzwischen Marxismus nur noch als Jargon und behaupten in ihren Aussagen das komplette Gegenteil von dem, was marxistisch *ist*.
    Das ist reiner Klientelismus, der sich einen progressiven Anstrich gibt.

    Hier ein „schöner“ Artikel über eine „marxistische“ Feministin (die selbstredend eine Kritik an Marx formuliert hat) und aus diesem Interview ein Satz, bei dem sich mir die Zehennägel hochgerollt haben.
    http://www.thenorthstar.info/?p=11947

    Das Thema ist „wages for housework“ (bezahlte Hausarbeit):

    „But I’ve noticed a change in recent times, and I think your question reflects this, there’s a new interest that I think has to do with the fact that thirty years later the grand illusion that the women’s movement had about the emancipating power of working for wages outside the home has very much declined.“

    Während bei Männern selbstverständlich der Aspekt der emanzipativen Kraft der Erwerbsarbeit immer größer geworden ist.
    Also rein anteilsmäßig.
    Seit Jahrhunderten war das männliche Motiv für die Erwerbsarbeit selbstredend ihre Emanzipation – die man Frauen nicht gewährt hat.
    Das war sehr böse von den Männern.

    Und kaum dürfen Frauen seit dreißig Jahre an der Emanzipation schnuppern, fällt ihnen auf, wie sehr diese Hoffnung auf einer Illusion beruhte.
    Was auch sehr böse war und ist von den Männern.

    Weil: Wie kann man Frauen nur solche Illusionen machen?
    Selbstverständlich nur Frauen (oder insbesondere Frauen).
    Und haben die nicht das Recht, einfach keinen Bock mehr auf diese Illusion von Emanzipation zu haben?

    Zumal wenn Emanzipation ohnehin nur ein patriarchales Konstrukt ist?
    Eben!

    Wäre es jetzt nicht an der Zeit, es sich noch einmal gründlich anders zu überlegen mit „wages for housework“?
    Ich denke schon.
    Und besonders wenn Männer diese bezahlen dürfen.

    Oft denke ich z.B. – und sage mir das auch – „Crumar, zahl mir sofort einen Mindestlohn, wenn ich das Bad für dich putze!“
    Und dann antworte ich mir oft: „Es ist auch dein Bad! Mehr als 4,25.- ist nicht drin.“
    Oft nehme ich mir auch mit einer Hand wieder, was ich mir gebe – es ist die Hölle an patriarchaler Ausbeutung!
    Dann fällt mir leider wieder ein, dass ich ja ein Mann bin. 🙁

    Aber so etwas wie „Single-Haushalte“ kommt im Denken von Feministinnen nicht vor. Es scheint eine wenig verbreitete Lebensweise zu sein.

    „Mehr als 50 Prozent Single-Haushalte in Berlin
    In mehr als jedem zweiten Berliner Haushalt lebt nur eine Person. Der Anteil der Single-Haushalte in der Hauptstadt stieg im vergangenen Jahr auf 54,3 Prozent, wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg am Dienstag mitteilte.“
    http://www.berlin.de/aktuelles/berlin/3237169-958092-mehr-als-50-prozent-singlehaushalte-in-b.html

    Oooops.
    Da müsste Frau Federici allerdings noch einmal erklären, von welcher Gesellschaft sie eigentlich spricht – es scheint keine moderne zu sein.
    Genauer gesagt, es sollte dann eher eine traditionelle sein, was allerdings gewissen Vorstellungen von gleichen Rechten und Pflichten der Geschlechter widerspricht.

    In diesem Sinn würde die Illusion der Emanzipation einen ganz neuen Sinn ergeben – für Männer.

    Schönen Gruß, crumar

  • @crumar
    >Von daher – ich muss das ehrlich sagen – habe ich ursprünglich den Feminismus auch missverstanden.
    Ich hatte damals geglaubt, wir sind auf der gleichen Seite der Barrikade,
    Und das war mein Irrtum.

    Nicht nur deiner. Wenn man mal schaut, wer heute zu den pointiertesten Feminismuskritikern gehört, dann findet man da sehr viele, die einst dachten, es gäbe ein gemeinsames Interesse an mehr Gerechtigkeit für Menschen – und nicht für eine kleine elitäre Gruppe.

    Interessanterweise gibt es deshalb nicht mehr nur konservative Kritiker, die davon träumen, das alles beim Alten bleibt.
    Sondern auch die, die diesem Feminismus Verrat an humanistischen Werten vorwerfen – und es gut begründen können!

    Ich finde es deshalb auch sehr gut und einleuchtend, wenn Schoppe immer wieder darauf hinweist, wie reaktionär das Männer- und Frauenbild im Selbstbedienungs- und Radikalfeminismus ist.

    Ich jedenfalls sehe die Reaktionäre heute an Stellen, wo ich sie vor 10 Jahren nie vermutet hätte.
    Und da bin ich wohl nicht der einzige.

    PS: Ich habe im Heise-Forum fast nie mitdiskutiert, aber vor Jahren fielen mir da zwei Kommentatoren durch ihre lesenwerten Beiträge positiv auf. Passt schon, dass du und dj euch dort getroffen habt ;-).

  • @Axel

    „DER MENSCH das höchste Wesen für den Menschen sei – für mich gibt es einfach kein gender.“
    – Wie kommt der Satz in der Szene an? Ich würde da noch den Tierrechtsgedanken einfließen lassen.“

    Du hast – scheint mir – irgendetwas an meinen oben geäußerten Sätzen missverstanden.
    Diese Szene gibt es für mich nicht mehr.
    Entweder man hat Prinzipien oder man hat sie nicht.

    @Seitenblick

    „Ich jedenfalls sehe die Reaktionäre heute an Stellen, wo ich sie vor 10 Jahren nie vermutet hätte.
    Und da bin ich wohl nicht der einzige.“

    Ja.
    Wie viele Linksradikale (m/f) mich (Revisionist!) in meinem Leben rechts überholt haben kann ich schwer schätzen.
    Es dürften eine Menge gewesen sein.

    Ich hätte aber nie gedacht, wie tief das Niveau sinken kann – als die „Antideutschen“ Einzug hielten, ging es moralisch und intellektuell steil abwärts für die radikale Linke. Und die Poststrukturalisten befeuerten dies und die Feministinnen ebenfalls (wechselseitig).
    Seitdem geht es m.E. für die Linke allgemein in den Abgrund.

    Das Problem ist, wenn man sie brauchen könnte, um den kommenden Faschismus abzuwehren, ist sie nicht da.
    Was ärgerlich ist.
    Immer wenn es um den Erhalt von Demokratie und Menschenrechten geht, dann sollte man sich auf die Existenz einer gesunden Linken verlassen können.

    Ich kann leider nur zusagen, dass ein verteidigungsbereiter humanistischer, liberaler und linker Maskulismus existiert.
    Weil ich das zusichern kann, weil ich nämlich existiere.

    Das ist nicht wirklich viel – weiß ich.

    Schönen Gruß, crumar

  • @ crumar „Das Problem ist, wenn man sie brauchen könnte, um den kommenden Faschismus abzuwehren, ist sie nicht da.
    Was ärgerlich ist.
    Immer wenn es um den Erhalt von Demokratie und Menschenrechten geht, dann sollte man sich auf die Existenz einer gesunden Linken verlassen können.“

    Das sehe ich auch als eine reale Gefahr an. Einige rot-grüne Politiker verhalten sich so, als ob Faschismus und Rechtsradikalismus eigentlich bloß virtuelle Größen wären, die allein dafür da sind, politische Gegner möglichst massiv diskreditieren zu können. Von dort aus werden beständig Kulturkämpfe „Links gegen rechts“ inszeniert, die eigentlich bloß die eigene inhaltliche Dürftigkeit überdecken. Was bliebe denn z.B. von den Grünen übrig ohne die Fantasie, sie wären eine „progressive“ Bastion gegen die Reaktionäre und neuen Rechten.

    Anstatt also auf einen großen demokratischen Konsens zu setzten und den auszubauen, leugnen rot-grüne Politiker diesen Konsens, um sich selbst als Verteidiger progressiver Politik inszenieren zu können.

    Es gäbe z.B. ganz sicher einen sehr großen Konsens gegen die Diskriminierung von Homosexuellen – anstatt den aber in der Bildungspolitik zu nutzen, legt Rot-Grün Bildungspläne vor, von denen sie sich denken können, dass sie zu Irritationen und Widerstand führen müssen. Wenn sich dann Eltern aber, was ja verständlich ist, über die Sexualitätsfixiertheit der rot-grünen Anti-Diskriminierungspolitk beschweren, werden sie flugs als „homophob“, „reaktionär“ u.ä. beschimpft. „Linke“ reden sich Nazis herbei, als ob es keine echten Nazis gäbe.

    Noch schlimmer im Gerede von „Hate-Speech“. Anstatt den breiten Konsens zu nutzen und auszubauen, den es gegen aggressive, beleidigende, verletzende oder bedrohende Sprache im Internet gibt – wird der Eindruck erweckt, schon bloße sachliche Kritik sei „Hate Speech“. Wieder geht es gar nicht um das Problem antizivilen Verhaltens – sondern bloß um eine beliebige Diskreditierung politischer Gegner.

    Dabei ist den „Verantwortlichen“ offenbar gar nicht mehr bewusst, dass es auch tatsächlich Rechtsradikalismus und Fremdenhass gibt. Im Osten hab ich den öfter schon in seiner ganzen Irrationalität und Härte kennengelernt, bin mir aber sicher, dass das nicht auf den Osten beschränkt bleibt. Das hindert etwa den grünen Ministerpräsidenten Kretschmann natürlich nicht, von seinem bequemen Stuttgarter Sessel aus zu fordern, Flüchtlinge sollten doch einfach in die entvölkerten ostdeutschen Städte geschickt werden. Der Biedermann als Brandstifter – der dann, wenn es brennt, empört „Feuer“ ruft.

    Wenn es um eine rechte Gefahr geht, ist das Problem nicht allein, dass die deutsche Linke nicht wehrhaft ist. Rot-grüne Politiker betätigen ich regelrecht als Steigbügelhalter für Rechtsradikale – weil sie wohl kalkulieren, dass ein Rechts-gegen-Links-Kulturkampf ihre eigene programmatische Dürftigkeit überdecken kann.

  • >>Anstatt also auf einen großen demokratischen Konsens zu setzten und den auszubauen, leugnen rot-grüne Politiker diesen Konsens, um sich selbst als Verteidiger progressiver Politik inszenieren zu können.< < @ Schoppe Genau so ist es. Rot-Grün muss, um ihr Selbstbild, ihre Fiktion der „progressiven Kraft in einem Meer von reaktionären Kräften“ zu erhalten so ziemlich jeden Konsens zerstören. Sie treten für Homosexuelle ein, weil es eine der wenigen Politikfelder ist, in denen sie sich profilieren und noch deutlich abgrenzen können, weil der Widerstand von Religiösen vorprogrammiert ist. Falls dieser Widerstand zu schwach ausfällt, werden die Forderungen einfach so weit hochgeschraubt, bis sich merklicher Widerstand formiert. Dazu eignet sich die Umgestaltung der Lehrpläne gemäss genderistischen Vorgaben natürlich vorzüglich, da Sexualität und Erziehung emotional besetzte Themen sind.

  • @Schoppe

    >Noch schlimmer im Gerede von „Hate-Speech“. Anstatt den breiten Konsens zu nutzen und auszubauen, … wird der Eindruck erweckt, schon bloße sachliche Kritik sei „Hate Speech“.

    Ja, es ist übel und es zerstört vor allem die Basis für rationale Diskussionen. Wer sich so verhält, verhindert jede konstruktive Diskussion. Und fördert die Abwanderung in irrationale Zirkel, in denen die Teilnehmer sich nur noch gegenseitig darin bestärken, dass man von Lügenpresse und Lügenpolitikern umgeben ist.

    Das Problem ist: Es ist ja kein Zufall, dass Grüne und Co so diskursunfähig geworden sind. Man müsste offen die Lanze brechen für die Notwendigkeit einer rationalen Debatte für eine aufgeklärte Gesellschaft, nur dann kann man Pluralität produktiv nutzen.
    Es als Grundtugend betonen, einfordern und einüben.
    Aber was wir erleben, ist nur Neo-Dogmatismus.
    Frustrierend.
    Jede Zeit hat wohl ihr Sedativum für den Schlaf der Vernunft.

    @Crumar
    >Weil ich das zusichern kann, weil ich nämlich existiere.

    Immerhin. Aber komm, so ganz alleine bist du ja auch nicht ;-). Sind ja noch ein paar mehr, die Konsistenzanforderungen auch an sich selber haben.

  • „Wer sich so verhält, verhindert jede konstruktive Diskussion.“ Ich vergleiche das mal mit meinem Beruf. Wenn ich eine Klasse leite, muss ich einen Mindestkonsens herstellen, oder den bestehenden festigen – und zwar einen, der von möglichst vielen mitgetragen und nicht ständig in Frage gestellt wird.

    Wenn ich die Klasse in mehrere Teile spalte und beständige Kämpfe gegeneinander inszeniere, dann blockiere ich Entwicklungen, verhindere Kommunikation und vereitele sachliche Auseinandersetzungen.

    Wenn Einzelne sich nachhaltig in ihren Rechten verletzt sehen, richte ich Schaden an, und zwar für alle, wenn ich ihnen einfach nur den Mund verbiete. Sie würden sich entweder murrend zurückziehen (auch als „Abwanderung in irrationale Zirkel“) oder ihrerseits beständig Konflikte inszenieren.

    Würden Lehrer ihre Klassen so leiten, wie Rot-Grün regiert, dann würden sie beständig Chaos anrichten (allerdings nicht das Chaos, das nach Nietzsche „einen tanzenden Stern“ gebiert – sondern einfach nur Chaos, das vernünftige Entwicklungen blockiert).

    Mag sein, dass ich die Parallele Schule-Politik zu weit treibe. Ich kann trotzdem nur schwer nachvollziehen, warum so viele Kollegen noch SPD oder Grüne wählen. Dabei haben sie vermutlich eher die Hoffnung auf eine irgendwie „bessere Politik“ im Auge – nicht die reale Politik dieser Parteien.

    • Hier noch zwei Kommentare vom Blogspot-Blog, die gepostet wurden, nachdem ich alle Texte und Kommentare übertragen hatte. ich will sie natürlich nicht untergehen lassen…

      Peter 28. Juli 2015 um 23:16

      Ich kann leider nur zusagen, dass ein verteidigungsbereiter humanistischer, liberaler und linker Maskulismus existiert.
      Weil ich das zusichern kann, weil ich nämlich existiere.<<

      @ Crumar

      Jetzt sei mal nicht so desillusioniert. Immerhin sind wir schon zu zweit – mindestens! Das reicht doch schon für ein kleines Revolutionstribunal. Du der Richter, ich der Ankläger. Mehr brauchts nicht. 😉
      Löschen

      Seitenblick 29. Juli 2015 um 00:01

      @Schoppe
      Völlig d’accord, es geht nun mal nicht ohne einen Mindestkonsens. Und diese kleinkindliche Verweigerung demgegenüber geht mir zunehmend auf den Geist.

      Mag sein, dass ich die Parallele Schule-Politik zu weit treibe.
      Nein, warum? Soziale Systeme haben bei allen Unterschieden gemeinsame Strukturen. Da kann man schon einiges übertragen.

      Ich kann trotzdem nur schwer nachvollziehen, warum so viele Kollegen noch SPD oder Grüne wählen.

      Aus eigener Erfahrung: Ich war damals, als Strauß noch Kanzler werden wollte, einer der Jungwähler der Grünen. Weil der Gesichtspunkt, dass wir in einer Welt mit endlichen Ressourcen leben, noch lange nicht in den Köpfen angekommen war.
      Ich glaube auch, es war damals richtig, die Gruppen zu stärken, die derartige Gesichtspunkte überhaupt erst in den Fokus gerückt haben.
      Und ich gebe zu: Über Geschlechterfragen bei den Grünen habe ich mir damals keine Gedanken gemacht. Damals ging es um andere Sachen.

      Nur: Was in einer bestimmten Situation richtig war, muss es später nicht mehr sein. Heute sage ich bei einigen Punkten „the work is done“, und heute schätze ich den Schaden, der inzwischen durch eine selbstgerechte Blockadehaltung gegenüber einem rationalen Diskurs angerichtet wird, wesentlich größer ein. Nur weil es mal eine Berechtigung dafür gab, ist das keine Pfründe für alle Ewigkeit.

      Deine Kollegen hängen da vielleicht noch in alten Konstellationen und wollen nicht wahrnehmen, wie viel sich geändert hat. Etwas bösartig formuliert: Da hat der innere Redaktionsschluss zugeschlagen.

      Aber hier gilt nun mal die Grundregel der Systemtheorie: Wenn sich die Umwelt ändert, muss ich als System mich darauf einstellen. Oder ich fahre gegen die Wand.

  • KAPIERT ENDLICH !!!, dass die Lügenpresse und viele Politiker gekauft sind und uns seit Jahrzehnten manipulieren. Die verfolgen die geopolitischen Interessen ihrer Geldgeber und haben kein Interesse an „der Wahrheit“.

  • Ergänzung: Der Feminismus ist und war schon immer ein Projekt der US-gesteuerten Politiker und Massenmedien. Er ist lediglich ein Instrument, um geopolitische Ziele zu erreichen (z.B. das Bevölkerungswachstum im Zaum zu halten und/oder bestimmte Länder strukturell (Quote, Bevölkerungsstruktur etc) zu schwächen).

    Und, es funktioniert hervorragend.

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