Wissenschaft

Die Marktlogik der Gender Studies

Bild zeigt einen Comic mit Verarschung der Gender studies.
geschrieben von: Lucas Schoppe

Als vor einem Monat schon wieder ein Text zur Verteidigung der Gender Studies in einer überregionalen Zeitung erschien, hatte ich keine Lust mehr. Die Vielfalt zum Schweigen bringen heißt dieser Text, verfasst von der Gender-Forscherin Franziska Schutzbach, erschienen in der Schweizer Wochenzeitung.

Dass es Kritikern der Gender Studies irgendwie bloß um eine „Verunsicherung“ angesichts der „Vielfalt“ heutiger Lebensentwürfe ginge, ist mittlerweile so variantenarm, häufig und einfältig wiederholt worden, dass es sich kaum lohnt, darüber noch einmal zu schreiben. In der Süddeutschen Zeitung hatten schon vorher Männer „Angst“ vor der Vielfalt, und in der Zeit sind Gender-Kritiker selbstverständlich bloß von der „Angst vor einem anderen Leben“ motiviert. Wie könnte es auch anders sein?

Wie gewohnt geht es Menschen, die auf wissenschaftlichen Standards beharren, auch bei Schutzbach bloß um die „Definitionsmacht über Wissenschaft“, selbstverständlich verraten sie eine „antiintellektuelle, ja autoritäre Geisteshaltung“, und selbstverständlich gehören sie zu einer großen reaktionären Koalition von Rechten, konservativen Christen und Liberalen.

Selbst die raunende Form der Unterstellungen, mit dem auffällig häufigen Gebrauch des verschleiernden Passivs und dem auffällig weitgehenden Verzicht auf seriöse Zitatbelege, findet sich bei Schutzbach wieder – als ob diese stilistischen Marotten für Verteidigungsschriften der Gender Studies aus seltsamen und unerklärten Gründen verpflichtend wären.

„Proklamiert wird letztlich eine dogmatische Erstarrung des Denkens, von Wissenschaft wird nicht Diskurs, sondern Offenbarung erwartet.“

Es bleibt unklar, warum es eine dogmatische Erstarrung proklamiert (als ob das überhaupt schon jemals jemand ernsthaft getan hätte), wenn Kritiker frecherweise für wissenschaftliche Behauptungen auch Belege erwarten. So wie eigentlich alles andere auch unklar bleibt.

stem

Der Geschlechterunterschied in den STEM-Fächern erklärt…

Vor allem aber hat die Bloggerin drehumdiebolzeningenieur (ein Begriff aus Astrid Lindgrens Bullerbü-Büchern übrigens) sich mit der wesentlichen Position von Schutzbachs Text schon auseinandergesetzt. Die Formel Schutzbachs,

„Wissen und damit auch Gesellschaft als immerwährenden Prozess von Aushandlungen zu verstehen“,

nimmt die Bloggerin mit passenden Zitaten Karl Raimund Poppers so ausreichend auseinander, dass ein weiterer Text eigentlich überflüssig ist.

Dann aber fiel mir eine Passage an Schutzbachs Text wieder ein, die doch noch einen näheren Blick lohnt. Die Forscherin schreibt dort über den Zusammenhang „zwischen Antiintellektualismus und dem Imperativ des Markts“ – und bei der selbstverständlich kritischen, emanzipatorischen, aber dann leider nicht weiter erläuterten Haltung zum Marktimperativ bin ich dann doch hängen geblieben.

Denn was eigentlich haben die Gender Studies mit dem Markt zu tun?

„Ich habe viele Feinde, aber das sind alles Arschlöcher!“

Auffällig ist, immerhin, die durchgängig selbstbewusste Weigerung der Gender Studies-Verteidigerinnen, diese Forschungsrichtung entsprechend herkömmlicher Erwartungen zu vermarkten. Kein einziges Mal macht sich eine der Verteidigerinnen die Mühe, vorzustellen, wofür sich die investierten Millionen aus öffentlichen Geldern lohnen – niemand stellt wesentliche Resultate dieser Forschungen vor – manchmal werden die Erfolge der Gender Studies bei der Schaffung und Besetzung von Lehrstühlen sogar kaschiert. Stattdessen stehen immer wieder die Kritiker im Mittelpunkt, die immer wieder irgendwie rechts sind und natürlich Angst vor der Vielfalt haben.

Ich habe viele Feinde, aber das sind alles Arschlöcher! Wer in einem Vorstellungsgespräch gebeten würde, einmal kurz von sich zu erzählen, dem könnte kaum eine dämlichere Antwort einfallen als diese. Wenn aber Gender-Forscherinnen in überregionalen Medien für ihre Forschung werben, haben sie aus unerfindlichen Gründen den Eindruck, es gäbe zu diesem Satz überhaupt keine vernünftige Alternative.

Es ist tatsächlich eine Anforderung des Marktes, die sie hier ignorieren. Sie kommen gar nicht erst auf die Idee,  Menschen zu demonstrieren, dass es sich lohnt, Geld in das zu investieren, was sie anzubieten haben. Stattdessen moralisieren sie unbekümmert und erwecken den Eindruck, dass jeder der Reaktion zuarbeite, der sie nicht unterstützt.

Würde Coca Cola damit Werbung machen, dass ganz gewiss die Nazis bald an die Macht kommen, wenn Menschen Pepsi statt Coke kaufen – dann würde diese Werbung recht bald recht vielen Menschen ausgesprochen unseriös vorkommen. Zur Verteidigung der Gender Studies hingegen ist, so scheint es, eine andere Werbestrategie nicht einmal denkbar.

„Die Gender Studies sind das Fach, in dem Studentinnen lernen, dass es zu wenige Frauen in den MINT-Fächern gibt“

Durch das unbekümmerte Moralisieren entziehen sich die Autorinnen allerdings tatsächlich einer erheblichen Provokation, die mit dem Denken in Kategorien des Marktes verbunden ist. Wer sich auf dem Markt behauptet, muss lernen, sich selbst im Lichte der Interessen anderer zu sehen. Es reicht nicht, wenn ich etwas zu bieten habe, dass ich ungeheuer wertvoll finde – wenn es für andere keinen Wert darstellt, kann ich nicht erwarten, dass sie mir dafür eine Gegenleistung bieten oder mir etwas dafür bezahlen.

Ein Beispiel: Für mich gehört die Tatsache, dass unser Sohn existiert, zum größten Glück, das ich erlebe und jemals erlebt habe. Dass ich ihn aber als Trennungsvater alle zwei Wochenenden besuche, dafür Geld, Zeit und Nerven investieren muss – das ist in einer neuen Beziehung zu einer Frau eher eine Belastung. Was für mich ein ungeheures Glück ist, ist zugleich geeignet, auf dem Partnermarkt meinen Wert einzuschränken.

Das ist nicht böse, inhuman oder kinderfeindlich. Wenn eine Partnerin erlebt, dass sie sich auf Einschränkungen meiner Zeit einstellen muss – wenn sie miterlebt, wie abhängig ich oft von den Vorgaben und auch Launen der Mutter bin, wenn sie gar mit in diese Abhängigkeiten gerät – dann ist es völlig nachvollziehbar, dass sie, in Begriffen des Markts formuliert, ihre Nachfrage gegebenenfalls überdenkt oder selbst nur ein kleineres Angebot macht.

Ich schreibe das überhaupt nicht verbittert (ich komme ganz gut klar damit). Es ist aber ein wichtiger Punkt: In keinem einzigen Text zur Verteidigung der Gender Studies habe ich auch nur den Versuch gefunden, vorsichtig zu erwägen, was diese Forschungen denn eigentlich denjenigen Menschen bedeuten könnten, die sie finanzieren müssen. Die Autorinnen beharren jeweils, wie festgetackert, auf ihrer eigenen Perspektive – und sie skandalisieren die Idee, dass sie auch die Perspektiven anderer berücksichtigen müssten.

Dabei sind sie diese Überlegung, wenn schon nicht der Öffentlichkeit, vor allem ihren Studentinnen schuldig. Wer sollte denn eigentlich, und wo, und wofür, Menschen brauchen, die es gelernt haben, Geschlechter als Herrschaftskonstruktionen einer heterosexuellen Matrix zu interpretieren oder nachzuweisen, dass selbst der Unterstrich in Student_innen noch sexistisch ist und eigentlich alle Worte mit einem x enden könnten.

Sicherlich: Es gab an Universitäten lange schon Orchideenfächer, deren Nutzen für die Allgemeinheit nicht unmittelbar einleuchtend war und ist. Deren Vertreter können aber immerhin argumentieren, dass die Aufrechterhaltung von ein bis zwei Lehrstühlen sich lohnt, wenn dadurch ein Wissen bewahrt bleibt, das sonst verloren ginge.

In den Gender Studies aber geht es nicht um einen oder zwei Lehrstühle, sondern um weit über hundert. Es ist völlig erwartbar, das angesichts dieser Größenordnung Nachfragen drängender werden – und so ist es auch folgerichtig, dass Vertreterinnen des Faches versuchen, mit Definitionstricks die Zahl der eingerichteten Gender-Lehrstühle so weit wie möglich herunterzurechnen.

Was aber haben die vielen Studentinnen und wenigen Studenten dieses Faches davon? Die Gender Studies sind das Fach, in dem Studentinnen lernen, dass es zu wenige Frauen in den MINT-Fächern gibt: Diese Sottise macht ja immerhin deutlich, dass hier Hunderte von Menschen vermutlich weitgehend am Markt vorbei studieren.

Die einzige erkennbare Strategie dagegen ist, mit noch größerem politischen Druck öffentliche Institutionen und Unternehmen zur Einrichtung von Stellen zu zwingen, von denen die dann meist selbst gar nicht wissen, wozu sie sie brauchen. Das ist unredlich gegenüber denen, die das finanzieren – und es ist verantwortungslos gegenüber denen, die das Fach studieren und die dann völlig verständnislos auf die Erfahrung reagieren, dass ihre Ausbildung am Arbeitsmarkt einen sehr geringen Wert hat.

Studienziel bürgerliche Ehefrau

Gerade weil Gender-Vertreterinnen Marktlogiken ignorieren, geraten sie so umso tiefer und rettungsloser in diese Logiken hinein. Wer Gender Studies studiert, begibt sich damit offenkundig in eben die klassische Position bürgerlicher Frauen, die dort doch angeblich so entschlossen dekonstruiert wird. Es ist ein Studium in die finanzielle Abhängigkeit von Männern hinein: Entweder in die Abhängigkeit von einem Partner, der eine marktgerechtere Ausbildung hat, oder in die Abhängigkeit von öffentlichen Mitteln, deren Löwenanteil ja auch von Männern erwirtschaftet wird.

Eben das ist aber eine wesentliche Funktion einer bürgerlichen Ehefrau: Sie erhält die Illusion aufrecht, ein Leben außerhalb der Marktzwänge sei möglich – doch um ihr diesen Freiraum freizusperren, muss der Mann sich nur umso intensiver diesen Zwängen unterwerfen, weil er nicht allein sich selbst, sondern auch sie finanzieren muss.

Wenn sie ihm das dann auch noch moralisierend zum Vorwurf macht, ihre eigene scheinhafte Distanz zum Markt als kritisch, seine Verstrickung in Marktlogiken als „antiintellektuell“ oder „gefährlich“ hinstellt – dann ist die Verkehrtheit ihrer Position gegen Kritik weitgehend immunisiert und kaum noch aufzulösen.

Die Distanz, die Schutzbach zum „Imperativ des Markts“ herstellt, entspricht so der traditionellen Verachtung des Adels für die Zwänge bürgerlicher Erwerbsarbeit. Es ist keine emanzipatorische, sondern eine reaktionäre Distanz – und so ist es auch schlüssig, dass Schutzbach ganz darauf verzichtet, ihre eigene Position darzustellen, sondern sich stattdessen über die Diffamierung von Kritikern definiert.

Dabei gäbe es ja dringliche Gründe für eine Kritik an Marktlogiken – es ist nur illusorisch zu glauben, dass es simple Alternativen zu ihnen gäbe, wenn Menschen denn einfach nur den guten Willen dazu hätten. Verglichen mit den Alternativen der Verhaftung in dörflichen oder familiären Strukturen ist die Logik des Marktes beispielweise für die von Schutzbach schlagworthaft geforderte „Gleichheit in der Differenz“ deutlich besser geeignet.

Mörderisch aber wird die Marktlogik, wenn die Positionen der Beteiligten massiv ungleich sind. Diejenigen, die in einer schwachen Position leben, werden dadurch unendlich erpressbar, müssen immer mehr investieren, um immer weniger zu erhalten – während diejenigen, die in einer starken Position agieren, schlicht ihren Besitz für sich arbeiten lassen können.

Problematisch ist die Marktlogik also nicht durch die Provokation, dass Menschen sich selbst im Lichte der Interessen anderer beurteilen müssen. Diese Provokation ist prinzipiell zivilisierend – und doch ist es ausgerechnet dieser zivilisierende Aspekt, der Verteidigerinnen der Gender Studies offenkundig abschreckt.

Dafür ignorieren sie etwas Offensichtliches: Dass die rapide wachsenden ökonomischen Ungleichheiten zivile Marktlogiken sprengen und Menschen in Erpressbarkeit und Elend treiben. Von dieser Inhumanität lenkt eine Geschlechterforschung und -politik durchaus systematisch ab, wenn sie die ihrerseits inhumane Illusion zementiert, ein Leben außerhalb von Marktlogiken sei möglich und stünde einigen Menschen schlicht zu – während andere Menschen sich umso mehr zu veräußern hätten, um ihnen das zu ermöglichen.

Die Gender Studies, die Schutzbach präsentiert, kritisieren nicht das, was an Marktlogiken verkehrt ist, ganz im Gegenteil. Sie reproduzieren diese Verkehrtheit, zementieren sie und kaschieren sie zugleich durch die Fixierung auf Geschlechterkategorien, die für Marktlogiken unerheblich sind. Sie analysieren keine Verkehrtheit, sondern produzieren gleichsam eine Verkehrtheit zweiter Ordnung – offenbar abgeschottet gegen Kritik und hoffnungslos in sich selbst vertüdelt.

So ist es denn auch verständlich, dass Verteidigerinnen der Gender Studies eher verstecken, was dort getan wird, als dass sie es selbstbewusst und stolz präsentieren würden.

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23 Comments

  • Ich hatte übrigens den Eindruck, dass wenn Schutzbach zwischen Marktlogik und Anti-Intellektualismus einen Zusammenhang sieht, dies eher darum geht, um hier ein bisschen ein Feindbild zu reproduzieren und Sympathien bei den Linken zu holen, worauf natürlich die Linken dann gerne anspringen, weil sie sich ja eben auch gegen eine ubiquitäre Verwertungslogik des Gesellschaftlichen wenden; habe das also anders gelesen als Du.

    Ich selbst habe mich aber auch vor allem an diesem Satz gestossen, wenn Schutzbach schreibt:

    „Wissen und damit auch Gesellschaft als immerwährenden Prozess von Aushandlungen zu verstehen“,

    Nun, interesssant an dieser Aussage finde ich, dass sie hier das Wort „Wissen“ braucht und nicht „Wissenschaft“. Weil meine Frage an Schutzbach wäre dann sogleich: „Was unterscheidet einen wissenschaftlichen Diskurs“ von anderen nichtwissenschaftlichen Diskursen oder Narrativen?“ Wenn sie keinen Unterschied sieht, dann wäre ja der Begriff „Wissenschaft“ obsolet, weil dann ist alles Wissenschaft oder überhaupt nichts Wissenschaft. Wenn sie doch eine Grenze zieht bzw. sieht zwischen einem wissenschaftlichen und einem unwissenschaftlichen Diskurs, dann kann man ihr natürlich auch Dogamtismus vorwerfen, weil sie schränkt ja dann die Vielfalt ein,weil doch nicht jedes Narrativ als Wissenschaft angesehen werden kann. 🙂

    Aber noch kurz zur Marktlogik: Ich glaube, Deine Ausführungen müsste man auch ein bisschen grundlegender diskutieren. Wenn ich z.B. sehe, dass bei den Medien offenbar folgendes gilt:

    „Unterhaltung schlägt Informationsjournalismus hinsichtlich
    Werbe- und Kaufeinnahmen: Es ist zu konstatieren,
    dass die Werbeeinnahmen bevorzugt den
    Unterhaltungsangeboten auf Kosten des Informationsjournalismus
    zufallen und dass auch die Kaufbereitschaft
    des Publikums für Unterhaltungsangebote
    grösser ist. Die Gratiskultur hat das Preisbewusstsein
    für Journalismus weitgehend aufgelöst.
    Die Medienbudgets der Konsumenten wachsen
    zwar, die Ausgaben für Informationsjournalismus
    sinken aber weiter.
    II. Innerhalb des Journalismus verdrängt Reichweite*
    die Qualität: Auch innerhalb des Informationsjournalismus
    setzt sich der Trend zur Unterhaltung fort.
    Die Werbung bevorzugt diejenigen Angebote in
    Print, TV und Online, die mit kurzen Softnews*
    Unterhaltungsbedürfnisse befriedigen und dadurch
    hohe Reichweiten erzielen. Diese Entwicklung
    wird durch den wachsenden mobilen Konsum
    und durch die Human-Interest-Bedürfnisse in den
    Social Networks verstärkt: «Virale News» sind zum
    überwiegenden Teil Softnews.“

    Nach der Marktlogik ist das Bedürfnis nach Unterhaltung viel görsser als Information. Und auch das Bedürfnis nach „Qualittä“ist offenbar ein geringes Bedürfnis. Hier wird es m.E. einfach problematisch: Wenn der öffentliche Diskurs quasi nur noch aus Unterhaltung besteht, dann wird es kritisch für eine demokratische Öffentlichkeit und für die Demokratie selbst.
    http://www.foeg.uzh.ch/jahrbuch/ausgabe2014/Hauptbefunde_2014.pdf

  • Gender Studies sind nach meiner Meinung ein Ergebnis des Kapitalismus, weil beide mit dem Konzept der Gleichheit arbeiten. Wirtschaft verwendet Gleichheit, um die Gegenstände des Wirtschaftens kommensurabel zu machen. Kapitalismus als eine spezielle Form des Wirtschaftens muss permanent wachsen und neue Verdienstmöglichkeiten schaffen, um einen Kollaps zu vermeiden. Das ist eine wertneutrale Feststellung.
    Genderismus und Kapitalismus haben das gemeinsame Konzept der Gleichheit, die sie dazu bringen, sich gegenseitig zu stützen, aber auch unterschiedliche Interessen. Genderismus will am Profit des Kapitalismus teilhaben, ohne sich im Verwertungszusammenhang zu opfern. Kapitalismus will an das Humankapital der Frauen, ohne das Ziel weiblicher Zufriedenheit/ Erfüllung zu verfolgen.
    Die Ergebnisse dieser Interaktion sehen entsprechend skurril aus: eine emanzipatorische Gleichheitsfeministin verhält sich so, als ob sie eine Vertreterin des Adelsgeschlechts wäre, die das Kastensystem einführen möchte. Die Idee der Gleichheit des Kapitalismus ist substanzlos aber funktional, weil sie nur an an der Vereinheitlichung der Oberflächestruktur der Unterschiede interessiert ist. Kapitalismus fördert Unterschiede, soweit sie sich monetarisieren lasse, Ob Unterschiede ansonsten Bedeutung haben ( essentiell sind), ist ihm egal. Insofern ist er liberal. Die Idee der Gleichheit des Feminsmus will Gleichheit auf Kosten des Unterschiedes. Der Feminismus hat in dieser Hinsicht mehr Substanz, weil er nicht nur die Oberfläche der Unterschiede angleichen, sondern das Männliche zugunsten des Weiblichen ausmerzen oder ihm eine negative Bedeutung geben will. Gleichheitstellung des Feminismus ist die Aufwertung des Weiblichen zur Leitkultur und Abwertung des Männlichen zum Anhängsel. Es wird jetzt geschaut, wo der maximale Punkt des Nutzens für den Kapitalismus liegt. In welchem Verhältnis Weiblichkeit/ Männlichkeit ist der Funktionsgrad des Kapitalismus am höchsten? Genderismus rekrutiert sich aus Frauen des gebildeten Bürgertums, die mit ihren Vätern und Männern aushandeln, wie sich der gegenseitige Nutzen im Umfeld des Kapitalismus am besten maximieren ließe. Die Klassengesellschaft, zu der reiner Kapitalismus führt, hat im Genderismus noch mal eine Rationalisierung und Legitimierung gefunden. Wenn sich der Genderismus gegen Anti-Intellektualismus ausspricht, entspricht dies einer religiösen Haltung, die gottgegebene Klassenunterschiede verteidigt. Genderismus und Feminismus sind der totale Widerspruch und nur durch machtvolle ökonomische Interessen am Leben zu erhalten.

  • …dass hier Hunderte von Menschen vermutlich weitgehend am Markt vorbei studieren.

    Die einzige erkennbare Strategie dagegen ist, mit noch größerem politischen Druck öffentliche Institutionen und Unternehmen zur Einrichtung von Stellen zu zwingen, von denen die dann meist selbst gar nicht wissen, wozu sie sie brauchen. Das ist unredlich gegenüber denen, die das finanzieren – und es ist verantwortungslos gegenüber denen, die das Fach studieren und die dann völlig verständnislos auf die Erfahrung reagieren, dass ihre Ausbildung am Arbeitsmarkt einen sehr geringen Wert hat.

    Du schreibst es doch selbst: Es werden extra Stellen für diese Studentinnen geschaffen. Gender-Mainstreaming sagt von sich selbst, dass es in jedem Bereich, bei jedem Entscheidungsprozess wirken will. Nix geht mehr ohne Gender. Und da braucht man dann auch viele, viele Genderistinnen, um das umzusetzen. In der Gender-Diktatur werden Genderistinnen locker einen Job bekommen, als Systemfunktionärin halt.

    Gender-Studies: Ein Job mit Zukunft!

  • Interessanter Artikel. Ich habe hierzu eine kleine Provokation. Du, Lucas, schreibst: „Dafür ignorieren sie etwas Offensichtliches: Dass die rapide wachsenden ökonomischen Ungleichheiten zivile Marktlogiken sprengen und Menschen in Erpressbarkeit und Elend treiben.“

    Ist das nicht auch eine „raunende Form der Unterstellungen, mit dem (…) auffällig weitgehenden Verzicht auf seriöse Zitatbelege“?

    Nichts für ungut, Nick

    • Welche Zitate benötigst du? Nimm eine beliebige Statistik, in der die Anzahl von Hartz IV Empfängern ausgewiesen wird oder die gerade veröffentlichte Anzahl verarmter Ich-Ag’s. Es wird wachsende Ungleichheit festgestellt. Es wird nicht festgestellt, dass Ungleichheit sich verringert. Die gender-Kaste macht die Schotten dicht gegen männliche junge Aufsteiger aus den unteren Schichten. Hast du andere Informationen?

      • Ich schaue mir mal vier Indikatoren an.

        Erstens die deutsche Armutsgefährdungsquote (welcher Anteil an der Bevölkerung hat weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens zur Verfügung). Diese Quote lag 2005 bei 14,7% und 2015 bei 15,4%. Ein Anstieg, ja, aber kein dramatischer.
        Quelle: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Soziales/Sozialberichterstattung/Tabellen/ArmutsgefaehrungsquoteBundeslaender.html

        Zweitens die Anzahl derjenigen, die soziale Mindestsicherung beziehen (das sind vor allem Arbeitslosengeld II / Sozialgeld, Sozialhilfe, Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung). Das waren 2006 insgesamt 8,3 Mio Personen in Deutschland. 2013 waren es 7,4 Mio. Personen.
        Quelle: http://www.amtliche-sozialberichterstattung.de/mindestsicherung.html

        Drittens die Anzahl der Arbeitslosen, die in 10 Jahren von 5 Mio. auf 2,7 Mio. gesunken ist. Gerade hier gilt: Je weniger Arbeitslose es gibt, desto geringer ist das Potential, Menschen in „Erpressbarkeit“ zu bringen, denn um so weniger Menschen konkurrieren mit mir um meinen Job. Zugegebener Maßen ist das Erpressungspotential je nach Erwerbstätigkeit sicherlich immer noch sehr hoch.
        Quelle: (www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Indikatoren/Konjunkturindikatoren/Arbeitsmarkt/arb110.html

        Und viertens eine internationale Betrachtung. International gesehen sind Armut und Einkommensungleichheit nämlich deutlich gesunken. Zu sehen zum Beispiel hier:
        http://ourworldindata.org/VisualHistoryOf/Poverty.html#/declining-world-poverty-1820-2015-step2
        http://ourworldindata.org/VisualHistoryOf/Poverty.html#/Global-Income-Distribution-1988
        http://ourworldindata.org/VisualHistoryOf/Poverty.html#/Global-Income-Distribution-2011

        Das liegt u.a. an Kapitalismus und Globalisierung. An Globalisierung dadurch, dass
        – weite Gegenden der Welt sich seit 1990 gegenüber Investitionen geöffnet haben (Ostasien, Russland)
        – Informationsströme sich extrem beschleunigt haben
        – durch die Optimierung des Seehandels der weltweite Transport von Produkten deutlich billiger geworden ist.

        Und durch Kapitalismus dadurch, dass die Kapitalgeber unter anderem eine hohe Rendite suchen. Und wenn die eben mit ostasiatischen Arbeitnehmern besser erreichbar ist, als mit mitteleuropäischen, wandert Kapital von Deutschland nach z.B. China. Mit den entsprechenden Effekten auf die deutschen Löhne und Gehälter (sinken tendenziell), aber auch auf die chinesischen (steigen tendenziell). Und, das darf man nicht verschweigen, mit den Effekten auf die Kapitalrenditen (steigen). Gerade durch letzteres haben wir einen Anstieg der Vermögen der Superreichen, also der reichsten 0,1 Prozent der entwickelten Staaten.

        Gruß, Nick

      • @Nick
        Ich hatte Hartz IV und die Ich-AG erwähnt, um die Gefährdung erheblicher Anteile der Bevölkerung hervorzuheben. Impliziert habe ich dabei, dass Männer dieser Gefährdung zunehmend mehr ausgesetzt sind und der Feminismus an dieser Entwicklung nichts auszusetzen hat. Dieser letzte Punkt ist relevant. Es geht um die Tendenz, nicht um absolute Zahlen. Es geht um Entwicklungen, die zu Lasten von Männern gehen. Deine Antwort bezieht sich nicht auf diese Implikation, die man im männerrechtlichen Kontext eigentlich voraussetzen kann, sondern auf eine allgemeine Beurteilung der Kapitalismusform. Insofern bestätigst du die Analyse des Textes von Schoppe, der eine Aussetzung der Marktlogik dort feststellt, wo es dem Genderismus schadet. Wenn Männer im Verhältnis zu Frauen benachteiligt sind, weil feministischer Lopbbyismus Vorteile mit Methoden erpresst, die inkompatibel zu reinen Lehre des Kapitalismus sind, dann gibt dein Hinweis, dass sich durch den Kapitalismus der Wohlstand in Indien vermehrt habe, keinen Grund zu dem Schluss, die Benachteiligung von Männern beizubehalten, weil die Wohlstandmehrung in Indien eine Folge des feministischen Lobbyismus sei.

        Die Armutsgefährdungsquote steigt. Das Senken der Arbeitslosenquote wird zum Teil durch prekäre Beschäftigungsverhältnisse erreicht. Die Durchlässigkeit des Schulsystems für männliche Aufsteiger nimmt ab. Parallel dazu werden Mädchen und Frauen gefördert. Junge Frauen besetzen einem immer größer Teil der Studienplätze. Die geringeren Ressourcen werden zu Lasten von Jungen und jungen Männern verteilt.

        Feminismus und Genderismus interessieren sich nicht für die negative Entwicklung bei Jungen und jungen Männern. Diefenbach hat die Benachteiligung der Jungen im Schulsystem nachgewiesen. Es ist zu erwarten, dass auch das Studium ein hostile environment für männliche Studenten wird.

        Aus linker männerrechtlicher Perspektive ist die Abschwächung negativer Folgen des Kapitalismus nur zum Vorteil für Frauen kritikwürdig. Die feministische Forderung nach Quoten entspricht dem Grundgedanken, die kapitalistische Wertschöpfung Männern zu überlassen, welche sie dann Frauen zu übergeben haben. Alleinige Nutznießer sind Frauen aus privilegierter Schicht.

        Etablierter (institutionalisierter) Feminismus kann durchaus zur Überzeugung kommen, dass eine Quotierung von Ressourcen zum Vorteil für Frauen und ein relatives Abdrängen junger Männer aus der Bildung mehr Nutzen verspricht, als eine Veränderung struktureller Voraussetzungen der derzeitigen Kapitalismusform, die geschlechtsneutral vorgehen würde.

        Deine Argumente beschreiben die Vorteile des Kapitalismus (internationaler Anstieg des Wohlstandes, geringe Arbeitslosenquote in Deutschland, ein nur mäßiges Anwachsen der Armutsgefährdung, eine Abnahme von Hartz IV Empfängern). Ich bin kein Kapitalismusgegner. Worum es geht, ist das Vorgehen des Feminismus in seiner genderistischen Verkleidung hinsichtlich der Chancen von Menschen aus unteren Gesellschaftsschichten.
        Diese Lobbygruppe für privilegierte Frauen will die Folgen der vermehrten Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt von sich abwenden. Einerseits wollen sie, dass jede Frau arbeitet und möglichst keine Familie gründet, andererseits soll der daraus sich ergebende Kampf um knapper werdende Ressourcen sich nicht auf sie selbst, sondern nur auf alle Männer einerseits und Frauen aus den unteren Schichten andererseits auswirken. Gender studies sollen aus der Marktlogik herausgenommen werden und Frauen aus dem bürgerlichen Milieu ein komfortables Leben ermöglichen, in dem sie mindestens von der Konkurrenz mit Männern, als auch die von Unterschichtsfrauen verschont bleiben.

        Du schreibst weiter unten zu einem Kommentar von crumar:

        „Ich habe leider nicht verstanden, was der Deutschunterricht mit kapitalistischer Marktlogik zu tun hat.
        Vielleicht meinst Du Folgendes: Der Markt beruht auf freiwilligen Austauschbeziehungen. Schulunterricht ist aber aufgrund des Schulzwang nichts Freiwilliges. Der Zwang ermöglicht es dem Anbieter (Lehrer), am Interesse des “Kunden”, also des Schülers, vorbeizuarbeiten. Viele Lehrer tun dies. Dies führt zum mit der Zeit sinkenden durchschnittlichen Interesse der Schüler am Unterricht.
        Meintest Du das?“

        Aus meiner Perspektive würde ich antworten, dass der feministische Lobbyismus bis in die Grundschule reicht. Jungen werden mehr oder weniger bewusst von den Chancen des Marktes (Marktlogik) ferngehalten. Crumar weist auf eine anfängliche Gleichverteilung beim Leseinteresse von Jungen und Mädchen hin, die sich dann zu Lasten der Jungen verändert. Natürlich liegt das am jungenfeindlichen Schulsystem, das die Chancen von Jungen relativ zu Mädchen beschneidet. Dieser Lobbyismus will faire Marktregeln aushebeln, wenn man die Metapher des Marktes auf den Schulunterricht anwenden will, indem er die Chancen einer Gruppe der Marktteilnehmer beschneidet. Hier ist die Beziehung zur Marktlogik und nicht, wie du unrichtiger Weise vermutest, in einem Vergleich der Klassensituation mit einem durchregulierten Markt, der das Kundeninterresse ignoriert. Es wird hier nicht kritisiert, dass die Schüler zuwenig Macht hätten, um ihr Interesse durchzusetzen, sondern, dass es dem Feminsmus erlaubt wird, einen vom Wesen hierarchischen Raum zu besetzen, um die Chancen verletzbarer Jungen zu verringern.

      • @quellwerk:

        „Ich hatte Hartz IV und die Ich-AG erwähnt, um die Gefährdung erheblicher Anteile der Bevölkerung hervorzuheben. Impliziert habe ich dabei, dass Männer dieser Gefährdung zunehmend mehr ausgesetzt sind“

        Ist das so? Noch ein Blick auf Zahlen: 1998 waren 47 Prozent der Arbeitslosen Frauen. 2014 waren es 46 Prozent. 2014 lag die Erwerbslosenquote von Männern in Deutschland bei 5,4%, die von Frauen bei 4,7%. Die Arbeitslosenquote von Männern lag bei 6,8%, die der Frauen bei 6,6%. Quelle: Arbeitsmarkt 2014, Bundesagentur für Arbeit. Fazit: Ja, Frauen sind seltener arbeitslos gemeldet als Männer. Ob die Gefährdung der Männer steigt, ist aus den Zahlen, die mir vorliegen, nicht zu erkennen.

        „und der Feminismus an dieser Entwicklung nichts auszusetzen hat.“

        Warum sollte er? Feminismus dient primär der Durchsetzung der Interessen derjenigen, die diesen propagieren, und das sind in ihrer Mehrzahl Frauen.

        „Wenn Männer im Verhältnis zu Frauen benachteiligt sind, weil feministischer Lopbbyismus Vorteile mit Methoden erpresst, die inkompatibel zu reinen Lehre des Kapitalismus sind, dann gibt dein Hinweis, dass sich durch den Kapitalismus der Wohlstand in Indien vermehrt habe, keinen Grund zu dem Schluss, die Benachteiligung von Männern beizubehalten, weil die Wohlstandmehrung in Indien eine Folge des feministischen Lobbyismus sei.“

        Ich komme hier durcheinander. Ich glaube Folgendes:
        – Die Wohlstandsmehrung in Indien ist nicht die Folge des feministischen Lobbyismus.
        – Es gibt keinen Grund, Benachteiligungen von Männern beizubehalten.

        „Die Armutsgefährdungsquote steigt. Das Senken der Arbeitslosenquote wird zum Teil durch prekäre Beschäftigungsverhältnisse erreicht.“

        Noch ein Blick auf Zahlen: Wir hatten 2002 27,7 Mio. Sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse. 2014 waren es 30,2 Mio. Was die geringfügige Beschäftigung angeht, habe ich keinen so langen Überblick. 2010 hatten wir 5,1 Mio. geringfügig Beschäftigte, genauso viele in 2014. Quelle: Arbeitsmarkt 2014, Bundesagentur für Arbeit.

        „Die Durchlässigkeit des Schulsystems für männliche Aufsteiger nimmt ab. Parallel dazu werden Mädchen und Frauen gefördert. Junge Frauen besetzen einem immer größer Teil der Studienplätze. Die geringeren Ressourcen werden zu Lasten von Jungen und jungen Männern verteilt.“

        Ich lasse das Zahlensuchen jetzt und schreibe kurz: Das ist auch mein Eindruck.

        „Feminismus und Genderismus interessieren sich nicht für die negative Entwicklung bei Jungen und jungen Männern.“

        Wie oben: Warum sollten die meist weiblichen Vertreter von Feminismus das tun, wenn die allermeisten Feministinnen eben vor allem die INteressen der Frauen in den Blick nehmen? Erwarten wir etwa von der IG Metall, dass sie sich genauso um die Unternehmensgewinne sorgt wie um den Lohn der Arbeiter?

        „Aus linker männerrechtlicher Perspektive ist die Abschwächung negativer Folgen des Kapitalismus nur zum Vorteil für Frauen kritikwürdig.“

        Nicht nur aus linker Perspektive. Auch z.B. aus liberaler Perspektive.

        „Etablierter (institutionalisierter) Feminismus kann durchaus zur Überzeugung kommen, dass eine Quotierung von Ressourcen zum Vorteil für Frauen und ein relatives Abdrängen junger Männer aus der Bildung mehr Nutzen verspricht, als eine Veränderung struktureller Voraussetzungen der derzeitigen Kapitalismusform, die geschlechtsneutral vorgehen würde.“

        Hier werde ich neugierig: Hältst du solche Veränderungen für notwendig? Und wenn ja: Welche sollten das Deiner Meinung nach sein?

        „Gender studies sollen aus der Marktlogik herausgenommen werden und Frauen aus dem bürgerlichen Milieu ein komfortables Leben ermöglichen, in dem sie mindestens von der Konkurrenz mit Männern, als auch die von Unterschichtsfrauen verschont bleiben.“

        Wie oben gesagt: Das ist nun auch nicht völlig erstaunlich, da interessensgeleitet.

        „Aus meiner Perspektive würde ich antworten, dass der feministische Lobbyismus bis in die Grundschule reicht. Jungen werden mehr oder weniger bewusst von den Chancen des Marktes (Marktlogik) ferngehalten. Crumar weist auf eine anfängliche Gleichverteilung beim Leseinteresse von Jungen und Mädchen hin, die sich dann zu Lasten der Jungen verändert. Natürlich liegt das am jungenfeindlichen Schulsystem, das die Chancen von Jungen relativ zu Mädchen beschneidet. Dieser Lobbyismus will faire Marktregeln aushebeln, wenn man die Metapher des Marktes auf den Schulunterricht anwenden will, indem er die Chancen einer Gruppe der Marktteilnehmer beschneidet. Hier istdie Beziehung zur Marktlogik und nicht, wie du unrichtiger Weise vermutest, in einem Vergleich der Klassensituation mit einem durchregulierten Markt, der das Kundeninterresse ignoriert. Es wird hier nicht kritisiert, dass die Schüler zuwenig Macht hätten, um ihr Interesse durchzusetzen, sondern, dass es dem Feminsmus erlaubt wird, einen vom Wesen hierarchischen Raum zu besetzen, um die Chancen verletzbarer Jungen zu verringern.“

        Na, die beiden Argumente lassen sich ja verbinden. Der Lehrer erhält qua Amt Macht (keine Freiwilligkeit). Und falls Lehrer hier feministisch agieren in dem Sinne, dass sie Jungen (wie auch immer) benachteiligen, dann wirkt sich diese Macht sexistisch aus.

      • @Nick

        Ich bin z.Zt. in einem Softwareprojekt eingespannt und habe nicht so viel Zeit – daher kommen meine Antworten scheinbar zögerlich.

        Ich bin an der Diskussion mit dir dran, weil ich deine Argumentation bemerkenswert finde. Du bestätigst, dass Jungen systematisch benachteiligt werden („Ich lasse das Zahlensuchen jetzt und schreibe kurz: Das ist auch mein Eindruck“). Der Grund soll nach deiner Einschätzung nicht in der Marktlogik liegen:

        „Aber ich glaube nicht im Entferntesten daran, dass die “Branchen der prekären Beschäftigung” gezielt daran arbeiten, Jungs als billige Arbeitskräfte zur Verfügung zu haben. Zumal das den Interessen von Branchen gegenüberstünde, die politisch sicherlich weit besser vernetzt sind: Maschinenbau, KFZ-Fertigung, IT, Banken…“

        Unterstützend gibst du Statistiken des Arbeitsministeriums, die eine Benachteiligung von Männern widerlegen. Du suchst nicht nach Statistiken, die eine Benachteiligung von Jungen und jungen Männern nachweisen. Im Gegenteil erwähnst Du, dass es mehr männliche Eigentümer von Firmen gäbe. Der Sinn dieser gegenläufigen Argumentation liegt wohl darin, dass du eine Beteiligung der „Marktlogik“ an der Benachteiligung von Jungen ausschließt. Als wahre Ursache der Benachteiligung nennst du eine marktkritische Geisteshaltung, „weil die breit links geprägte Lehrer-Pädagogen-Studentengeneration der 1970er und 1980er nun mal seit ca. 30 Jahren in Verantwortung ist“.

        Du „glaubst nicht im Entferntesten daran, dass die Branchen der prekären Beschäftigung gezielt daran arbeiten, Jungs als billige Arbeitskräfte zur Verfügung zu haben.

        Nun sehe ich eine Verbindung des Genderismus mit dem Kapitalismus. Viele Indizien sprechen dafür, wovon das wichtigste der Umfang der finanziellen Mittel ist, die dem Feminismus zur Verfügung gestellt wird. Nachrangiger in der Bedeutung, aber nicht weniger aussagekräftig, sind die Akteure der Wirtschaft selbst und hier die Personaler: sie stellen Frauen bevorzugt ein. Eine Frau hat z.B. eine 2.5 fache Chance in einen STEM – Beruf eingestellt zu werden, als ein Mann. Offenbar verhält sich der Markt nicht neutral gegen über den Geschlechtern.

        Du verwendest das Bild eines Turbokapitalismus, der sich eine Reservearmee von unqualifizierten Arbeitskräften hält, um die These der Beteiligung des Marktes an der Benachteiligung von Jungen lächerlich zu machen. Die Überzeichnung ist völlig unpassend. Der Markt sucht zum Beispiel nach Fachkräften im Handwerk (Maler, Klempner, etc.) und findet keinen Nachwuchs. Diese Branche hat durchaus ein Interesse an jungen Männern, die nicht studieren. Hier scheint sich eine neue Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern abzuzeichnen, ähnlich wie im Iran, wo hauptsächlich Frauen studieren (soweit ich davon Kenntnis habe)

        Ich werde mir Gedanken zur Interdependenz Ökonomie, Feminismus, Genderismus und Geschlechtersegregation bzgl. der kommenden neuen Generation machen und ggf. dir meine Erkenntnisse dazu, am besten statistisch abgesichert, mitteilen.

        Ich will noch mal darauf hinweisen, dass diese Erörterung von meiner Seite nicht unter links-sozialistscher Perspektive stattfindet. Ich sehe zwar die Klassenbildung im Kapitalismus deutlich, würde aber diese Wirtschaftsform nicht durch eine Staatswirtschaft austauschen wollen.

      • Hallo quellwerk,

        diesmal habe ich mir für die Antwort Zeit gelassen. 🙂

        „Der Sinn dieser gegenläufigen Argumentation liegt wohl darin, dass du eine Beteiligung der „Marktlogik“ an der Benachteiligung von Jungen ausschließt.“

        Ich glaube zumindest, dass Unternehmer (bis auf Einzelfälle) kein Interesse daran haben, dass ihre potentiellen Arbeitnehmer bewusst schlecht ausgebildet werden.

        „Als wahre Ursache der Benachteiligung nennst du eine marktkritische Geisteshaltung, „weil die breit links geprägte Lehrer-Pädagogen-Studentengeneration der 1970er und 1980er nun mal seit ca. 30 Jahren in Verantwortung ist“.“

        Das ist meiner Vermutung nach zumindest einer der Gründe, ja.

        „Nun sehe ich eine Verbindung des Genderismus mit dem Kapitalismus. Viele Indizien sprechen dafür, wovon das wichtigste der Umfang der finanziellen Mittel ist, die dem Feminismus zur Verfügung gestellt wird.“

        In unserem Land werden vielen Initiativen Geld zur Verfügung gestellt, die den Interessen „der Wirtschaft“ eher widersprechen. Geldgeber sind dabei Stiftungen, Gewerkschaften und oft der Staat. Der Staat erhebt Steuern, die alle zahlen müssen, auch Unternehmen. Und er kann damit (in Grenzen) finanzieren, was er möchte. Im Falle des Genderismus sind es zumeist staatliche Mittel, die Lehrstühle finanzieren oder die Konferenzen (z.B. der politischen Stiftungen) finanzieren. Und es sind in der Regel staatliche Gelder, die die Ausbildung von Journalisten ermöglichen. Zur politischen Ausrichtung der meisten Journalisten brauche ich vermutlich nicht viel zu sagen, dazu gibt es ja auch empirische Untersuchungen, daher nur kurz: Das oben genannte „breit-links-geprägt“ passt auch zur heutigen Journalistengeneration einigermaßen gut.

        „Nachrangiger in der Bedeutung, aber nicht weniger aussagekräftig, sind die Akteure der Wirtschaft selbst und hier die Personaler: sie stellen Frauen bevorzugt ein. Eine Frau hat z.B. eine 2.5 fache Chance in einen STEM – Beruf eingestellt zu werden, als ein Mann. Offenbar verhält sich der Markt nicht neutral gegen über den Geschlechtern.“

        Nein, nicht neutral. Das liegt m.E. sowohl an der Angst vor politischen Maßnahmen, denen man lieber zuvorkommt (zumindest was Führungsebenen angeht), als auch an der Wirkungsmacht der Durchdringung der Gesellschaft mit feministischen Botschaften, die auch vor Chefetagen nicht haltmacht.

        „Der Markt sucht zum Beispiel nach Fachkräften im Handwerk (Maler, Klempner, etc.) und findet keinen Nachwuchs. Diese Branche hat durchaus ein Interesse an jungen Männern, die nicht studieren.“

        Ich glaube, diese Branche hat ein Interesse an allen jungen Menschen, die nicht studieren, dabei ist das Geschlecht zweitrangig, denn den meisten Arbeitgebern im Handwerk kommt es eher auf Motivation, Grundfähigkeiten usw. an. Bei körperlich anstrengenden Arbeiten (Dachdecker, Mauerer, Zimmermann…) ist das Geschlecht vergleichsweise wichtig, da stimme ich zu. Aber Berufe wie Elektriker, Maler, KFZ-Mechaniker und dergleichen: Das können Frauen genauso gut.

        „Ich werde mir Gedanken zur Interdependenz Ökonomie, Feminismus, Genderismus und Geschlechtersegregation bzgl. der kommenden neuen Generation machen und ggf. dir meine Erkenntnisse dazu, am besten statistisch abgesichert, mitteilen.“

        Ich freue mich darauf! Viele Grüße,

        Nick

    • @ „Ist das nicht auch eine “raunende Form der Unterstellungen, mit dem (…) auffällig weitgehenden Verzicht auf seriöse Zitatbelege”?“ Klar, die Aussagen, dass Ungleichheiten wachsen und zu Elend und Erpress Arbeiten führen, müssten belegt werden und sind hier nur eine Skizze. Allerdings geht es hier ja nicht um blinde Unterstellungen an Gegner, sondern um eine Aussage zu ökonomischen Entwicklungen – die ansonsten eben nicht im Mittelpunkt des Textes stehen. Da ich mir eh vorgenommen habe, kürzere Texte zu schreiben, bin ich darauf im Text gar nicht weiter eigegangen.

      Thomas Pikettys Ökonomie-Wälzer „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ ist sicherlich auch deshalb zu einem Beststeller geworden, weil Piketty sich darin mit einem Thema beschäftigt, das für viele drängend ist – nämlich mit den ökonomischen Folgen der wachsenden Ungleichheit der Vermögensverteilung. „The Price of Inequality“ und „The Great Divide“ sind zwei der letzten Bücher von Joseph Stiglitz, Nobelpreisträger für Ökonomie. Gemeinsam ist den Titeln, dass jeweils die Ungleichheit nicht nur moralisierend angeklagt wird, sondern dass die Folgen der Ungleichheit für Wirtschaftsordnungen analysiert wird.

      Das ist also längst nicht mehr nur ein klassisch linkes Thema, sondern ein zentrales Thema heutiger Ökonomie. Nur an unseren „Linken“ geht das weitgehend vorbei,… Ich glaube nicht, dass „Gender“ daran Schuld ist – aber das Desinteresse an ökonomischen Zusammenhängen lässt sich mit Gender-Inszenierungen gut überdecken.

      • Hallo Lucas,

        ja, Piketty und Stiglitz sind bekannte Namen, die sich Ungleichheitsentwicklungen untersuchen. Beide sind umstritten, was aber ganz normal ist bei Wissenschaftlern, die sich mit pointierten Positionen in die Öffentlichkeit vorwagen. Eine Kritik an Piketty z.B. hier: http://blogs.faz.net/fazit/2015/04/14/den-erben-gehts-gar-nicht-so-gut-5685/

        Beide, Piketty und Stiglitz, überzeugen mich nur teilweise. Am überzeugendsten finde ich an Stiglitz, wenn er auf Chancenungleichheit abstellt und darauf hinweist, dass ungleiche Vermögen und Einkommen gerade in den USA erhebliche Auswirkungen auf die Aussichten jedes einzelnen haben, Bildung zu erlangen und gesund zu bleiben. Das sind meines Erachtens diejenigen Punkte, an denen der Staat gefordert ist, jedem Bürger einen soliden Mindeststandard zu garantieren – unabhängig von seinem Einkommen (und, da wir hier auf man tau sind: unabhängig von seinem Geschlecht). Genau das gleiche gilt für Verwaltung und Rechtssystem – Gleichheit vor dem Gesetz.

        Und an den Linken geht das meines Erachtens überhaupt nicht vorbei. Der Kampf um Lohnerhöhungen, Betriebliche Weiterbildung usw. wird von den Gewerkschaften geführt. Es geht also schon um „Arm vs reich“ bei der Linken. Das passt übrigens plakativ (!) auch zur Nichtbeachtung möglicher Nachteile von Jungs. Wer sind denn die reichsten Deutschen? Ganz überwiegend Männer. Wem gehören mittelständische Unternehmen? Überwiegend Männern.

        Gruß, Nick

    • @Nick

      Ich habe hier mal einen alten telepolis Beitrag von mir heraus gekramt.
      Nur um auf die schulische Situation von Jungen abzubilden, wie kapitalistische Marktlogiken funktionieren, wenn Genderistinnen diese Logiken ignorieren wollen und wie der Hase sonst läuft:

      „Wären die Leseleistungen der Mädchen so famos überragend, weil
      biologisch angelegt (dochdoch, Genderisten können auch
      biologistisch), dann habe ich da eine Überraschung.

      Beim jährlichen Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des Deutschen
      Buchhandels, der wie folgt ausgelesen wird:

      „Über 7.500 Schulen haben bundesweit ihre besten Vorleser ins Rennen
      geschickt, die in den letzten Wochen und Monaten etliche regionale
      Hürden in Städten, Landkreisen, Bezirken bis zu den Landesentscheiden
      zu nehmen hatten. Insgesamt waren rund 620.000 Sechstklässler am
      Start.“

      waren von 25 Siegern und Siegerinnen auf Landesebene 2011 13 (!)
      Jungen dabei.

      http://www.vorlesewettbewerb.de/kids/alles-ueber/sieger/11/sieger.php

      Wie gesagt, Mädchen und Jungen der sechsten Klasse.
      Ergo im Alter von 11-12 Jahren.

      Nun mal einen Sprung zurück; nämlich zu Jungen und Mädchen von 5-6
      Jahren.

      „Bei der Frage nach ihrem Lieblingsmedium liegt das Schwergewicht
      eindeutig beim Fernsehen (Jungen 42,5 %, Mädchen 47,4 %), bei den
      Hörmedien wie Märchenkassetten (Jungen 20 %, Mädchen 31,6 %) und dem
      Buch (Jungen 22,5 %, Mädchen 13,6 %).“

      Dritte Jugend-Medienstudie der Stiftung Ravensburger Verlag, 2006
      (zitiert nach Wikipedia Leseförderung)

      Weil man es so gerne überliest, hier noch einmal:

      Lieblingsmedium Buch
      Jungen 22,5%
      Mädchen 13,6%

      Und die richtige Reihenfolge nach Prozenten gewählt, ist für Jungen
      in diesem Alter das Buch das wichtigste Medium nach dem Fernsehen.

      D.h. die Jungen kommen in die Schule mit einer eigentlich
      hervorragenden Ausgangsposition, an der gut angesetzt werden könnte.
      Und verändern prompt ihre Präferenzen und ihre Motivation.
      Findest du das nicht zumindest erstaunlich oder bemerkenswert?

      Hier ein bezeichnender Befund:

      „Ein wichtiger Indikator dafür ist der „Spaß am Deutschunterricht“:
      Antworten in der zweiten Klasse noch 65,6 % der Mädchen und 51,7 %
      der Jungen, der Deutschunterricht würde ihnen sehr viel Spaß machen,
      sind es in der dritten Klasse nur noch 50,8 % Mädchen und 43,4 %
      Jungen und in der vierten Klasse nur noch 40,5 % Mädchen und 28,6 %
      Jungen. Bei den Jungen ist der Spaß am Deutschunterricht innerhalb
      dieser zwei Schuljahre also fast um die Hälfte geschrumpft, bei den
      Mädchen um ein gutes Drittel! Oder anders gesagt: Weniger als ein
      Drittel der Jungen sagen am Ende ihrer Grundschulzeit, dass der
      Deutschunterricht ihnen Spaß mache!“

      http://www.querelles-net.de/index.php/qn/article/view/207/215

      Noch einmal in neuzeitlich ausgedrückt: Eine Dienstleistung verliert
      nach zwei Jahren mehr als 50% ihres Zuspruchs bei einer Kundengruppe.
      Genderanalyse (auch das gerade zitierte):

      Der Kunde ist schuld und muss nur genug motiviert werden.
      Meine Analyse: Entweder stimmt die Dienstleistung nicht oder der
      Dienstleister ist eine Fehlbesetzung oder beides trifft zu.

      (…)

      Ich möchte gendergerecht anmerken, dass der Dienstleister, nämlich
      der Grundschullehrer mit 85% Wahrscheinlichkeit eine Frau ist.
      Das Geschlecht spielt jedoch in diesem Fall keine Rolle, oder? 😉

      Meiner Meinung nach ist hier etwas im Argen, was nicht kuriert werden
      kann, indem auf einmal ein paar Bände Jungenliteratur aus dem Ärmel
      gezaubert werden.
      Und auch hier die Frage: Gab es die vorher nicht?“

      http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Bemerkenswertes-sexistisches-Klischee/Hmmm-wollen-wir-uns-mal-mit-der-empirischen-Realitaet-beschaeftigen/posting-1762104/show/

      Spätestens hier sollten wir stutzig werden – wenn es nämlich um den Kapitalismus gar nicht geht, um was geht es denn hier stellvertretend?

      Schönen Gruß, crumar

      • Hallo crumar,

        ich habe leider nicht verstanden, was der Deutschunterricht mit kapitalistischer Marktlogik zu tun hat.

        Vielleicht meinst Du Folgendes: Der Markt beruht auf freiwilligen Austauschbeziehungen. Schulunterricht ist aber aufgrund des Schulzwang nichts Freiwilliges. Der Zwang ermöglicht es dem Anbieter (Lehrer), am Interesse des „Kunden“, also des Schülers, vorbeizuarbeiten. Viele Lehrer tun dies. Dies führt zum mit der Zeit sinkenden durchschnittlichen Interesse der Schüler am Unterricht.

        Meintest Du das?

        Viele Grüße,
        Nick

      • Hallo Nick,

        ok, ich habe mich zu wenig deutlich ausgedrückt!
        Ich gebe es ja zu! 😉

        „Der Zwang ermöglicht es dem Anbieter (Lehrer), am Interesse des “Kunden”, also des Schülers, vorbeizuarbeiten. Viele Lehrer tun dies. Dies führt zum mit der Zeit sinkenden durchschnittlichen Interesse der Schüler am Unterricht.“

        Lassen wir das genderneutrale „Schüler“ einmal beiseite! 😉
        Was ich zeigen wollte ist, das Interesse am lesen war bei Jungen zum Zeitpunkt Eingang Schule größer als das der Mädchen.
        Anzunehmen wäre, wenn diese Tendenz anhalten würde, Spaß am lesen und an Deutsch wäre bei beiden Geschlechtern wenigstens gleich ausgeprägt.

        Zu messen bei Studien wie bspw. IGLU ist jedoch die größere Lesekompetenz von Mädchen, ihre schulischen Erfolge werden oft erklärt mit diesem Vorteil.
        Basis dieser Kompetenz ist die gängige Erklärung, Mädchen würden gerne und öfter lesen als Jungen.

        Was ich zeigen wollte war, diese differierenden Interessen am lesen nach Geschlecht sind keine Naturkonstante, sondern sie wurden ganz offensichtlich „sozial konstruiert“ ;).

        Leider liegen mir die Zahlen für die 1. Klasse nicht vor, doch das Bild der Klassen von 2-4 ist desaströs genug: „Bei den Jungen ist der Spaß am Deutschunterricht innerhalb
        dieser zwei Schuljahre also fast um die Hälfte geschrumpft.“
        In der Tat ist es nur in einem Zwangsverhältnis möglich, welches männliche Schüler NICHT als Kunden sieht, das abnehmendes Kundeninteresse zu keinerlei Reaktionen führt.

        Ganz im Gegenteil: Nicht der Anbieter hat ein Problem, sondern der Kunde, nicht das schulische Fach (in diesem Fall die Firma) oder die Lehrkraft (in diesem Fall der Produzent) produzieren Murks, sondern die Jungen bzw. die Schüler (männlich) sind eben falsch und „unbegabt“.
        Beweisbar wird nach sozialer Herkunft selektiert, da Lesekompetenz und die Note in Deutsch einen Faktor zur Empfehlung einer spezifischen Schulform nach der Grundschule darstellt, kann ebenso gesagt werden, auch nach Geschlecht.

        Aus dem vorher gesagten lässt sich a. schließen, die Schule selbst produziert das (Geschlechter-) Stereotyp, Jungen hätten weniger Interesse am Deutsch Unterricht.
        Die gesellschaftlich und medial verbreitete b. Misandrie hingegen liefert die moralische Legitimation, weder den Unterricht nach Interessen von Jungen umzugestalten, noch Fördermaßnahmen anzubieten.
        Sie sind in feinster (neoliberaler) Manier an ihrem Schicksal selbst Schuld.
        Und c. wird (klammheimlich) ein Begabungsbegriff auf biologischer Grundlage (re-)etabliert.
        Und die Resultate von a. und b. „beweisen“ diesen.

        D.h. es ist ein konstruierter Mechanismus, der „funktioniert“.

        Quellwerk schreibt: „Es wird hier nicht kritisiert, dass die Schüler zuwenig Macht hätten, um ihr Interesse durchzusetzen, sondern, dass es dem Feminsmus erlaubt wird, einen vom Wesen hierarchischen Raum zu besetzen, um die Chancen verletzbarer Jungen zu verringern.“
        Das ist absolut richtig.
        Aber wieso war es dem Feminismus möglich, so einfach in diesen Raum zu gelangen?
        Wo war der große #aufschrei des Kapitals?
        Auch das stimmt ja: „Jungen werden mehr oder weniger bewusst von den Chancen des Marktes (Marktlogik) ferngehalten.“, nur ergibt das keinen richtigen Sinn.
        Wieso sollte eine historisch bestens ausbeutbare Gruppe weniger Chancen erhalten auf diesen Markt zu gelangen – gibt es evtl. eine besser ausbeutbare?
        Ich glaube nicht an einen „patriarchalen Kapitalismus“, sondern bin der Meinung, dieser ist „gender neutral“ vom Wesen her.

        Nach meiner Meinung kann evtl. die Funktion des Mechanismus erklären, was diesen für das Kapital attraktiv macht, ganz grob:

        Selektion einer Gruppe nach biologischen Merkmalen, deren systematische und moralisch gerechtfertigte Auf- bzw. Abwertung (also Hierarchisierung),
        nach Maßgabe medialer Propaganda und der gesellschaftlichen Verbreitung von abwertenden (Geschlechter-) Stereotypen,
        Ausblendung gesellschaftlicher Ursachen für individuelle Nachteile und Benachteiligung.

        Das hätte sich ein ordinärer Kapitalismus nie erlauben können zu etablieren.
        Es wäre an breitem gesellschaftlichen Widerstand gescheitert – aber wir alle wissen, der Feminismus ist links und progressiv. Es steht so in der Zeitung.

        In diesem Sinne leistet dieser Feminismus dann heute einen vergleichbaren Dienst wie J. Fischer und G. Schröder ab 1998.
        Bis dato völlig undenkbares wird wieder denkbar.
        Und das Kapital tauscht bloß das Personal. 😉

        Schönen Gruß, crumar

      • Hallo crumar,

        warum auch immer die Junge stärker an Leseinteresse verlieren als die Mädchen – die Tatsache ist eigentlich Anlass genug, dagegen etwas zu unternehmen, da

        „Lesekompetenz und die Note in Deutsch einen Faktor zur Empfehlung einer spezifischen Schulform nach der Grundschule darstellt“

        „Aber wieso war es dem Feminismus möglich, so einfach in diesen Raum zu gelangen?“

        Weil die breit links geprägte Lehrer-Pädagogen-Studentengeneration der 1970er und 1980er nun mal seit ca. 30 Jahren in Verantwortung ist?

        Wo war der große #aufschrei des Kapitals?

        Na, das was Du da zitierst, das muss man ja erstmal merken. In vielen Köpfen ist halt der Glaube drin, dass es weitgehende Gleichberechtigung gibt. Wenn überhaupt, dann gibt es noch kleinere Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen, aber das war`s dann. Das mag Dir erstaunlich vorkommen, aber sehr viele Leute, die ich kenne, denken so.

        „Auch das stimmt ja: “Jungen werden mehr oder weniger bewusst von den Chancen des Marktes (Marktlogik) ferngehalten.”, nur ergibt das keinen richtigen Sinn. Wieso sollte eine historisch bestens ausbeutbare Gruppe weniger Chancen erhalten auf diesen Markt zu gelangen – gibt es evtl. eine besser ausbeutbare?“

        Völlig richtige Frage. Meine Antwort wäre: Es gibt keinen Grund dazu, weshalb Kapitaleigner sich über schlecht ausgebildete junge Menschen freuen würden. Ausnahme sind vielleicht diejenigen, die ausschließlich Menschen ohne Bildung einstellen können – Putzdienste und ähnliches. Aber ich glaube nicht im Entferntesten daran, dass die „Branchen der prekären Beschäftigung“ gezielt daran arbeiten, Jungs als billige Arbeitskräfte zur Verfügung zu haben. Zumal das den Interessen von Branchen gegenüberstünde, die politisch sicherlich weit besser vernetzt sind: Maschinenbau, KFZ-Fertigung, IT, Banken…

        „Selektion einer Gruppe nach biologischen Merkmalen, deren systematische und moralisch gerechtfertigte Auf- bzw. Abwertung (also Hierarchisierung),
        nach Maßgabe medialer Propaganda und der gesellschaftlichen Verbreitung von abwertenden (Geschlechter-) Stereotypen,
        Ausblendung gesellschaftlicher Ursachen für individuelle Nachteile und Benachteiligung.“

        Ja, aber wozu??

        Schönen Gruß, Nick

      • @Nick

        Eine Krankheit namens Jude, Neger, Mann

        „Ja, aber wozu??“

        Drei Varianten, der identische Mechanismus:

        „Als Fötus sind sie empfindlicher, in der Schule scheitern sie häufiger, sie neigen zu Gewalt und Kriminalität, und sie sterben früher: Sind Juden die Mangelwesen der Natur? Nun offenbaren auch noch die Biologen: Das jüdische Chromosom ist ein Krüppel, der Jude dem Untergang geweiht.“

        „Als Fötus sind sie empfindlicher, in der Schule scheitern sie häufiger, sie neigen zu Gewalt und Kriminalität, und sie sterben früher: Sind Neger die Mangelwesen der Natur? Nun offenbaren auch noch die Biologen: Das Neger-Chromosom ist ein Krüppel, der Neger dem Untergang geweiht.“

        „Als Fötus sind sie empfindlicher, in der Schule scheitern sie häufiger, sie neigen zu Gewalt und Kriminalität, und sie sterben früher: Sind Männer die Mangelwesen der Natur? Nun offenbaren auch noch die Biologen: Das Y-Chromosom ist ein Krüppel, der Mann dem Untergang geweiht.“

        Drei Varianten, ein Mechanismus:

        „Juden dagegen erscheinen wie gentechnisch verkorkste Arier, denen die Natur einen Geburtsfehler im Zellkern verankert hat. Anstelle des zweiten X-Chromosoms besitzen sie nur ein einsames, verkürztes Y-Chromosom. Und dieser Mickerling hat die Fähigkeit verloren, sich zu regenerieren. Die Folge: Mutationen sowie genetische Verluste werden unweigerlich vom jüdischen Vater auf den Sohn vererbt.“

        „Neger dagegen erscheinen wie gentechnisch verkorkste Weiße, denen die Natur einen Geburtsfehler im Zellkern verankert hat. Anstelle des zweiten X-Chromosoms besitzen sie nur ein einsames, verkürztes Y-Chromosom. Und dieser Mickerling hat die Fähigkeit verloren, sich zu regenerieren. Die Folge: Mutationen sowie genetische Verluste werden unweigerlich vom Negervater auf den Sohn vererbt.“

        „Männer dagegen erscheinen wie gentechnisch verkorkste Frauen, denen die Natur einen Geburtsfehler im Zellkern verankert hat. Anstelle des zweiten X-Chromosoms besitzen sie nur ein einsames, verkürztes Y-Chromosom. Und dieser Mickerling hat die Fähigkeit verloren, sich zu regenerieren. Die Folge: Mutationen sowie genetische Verluste werden unweigerlich vom Vater auf den Sohn vererbt.“

        http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-28591080.html

        Es ist UNAUSWEICHLICH, denn es ist in IHREN Genen verankert.
        Die „Mangelwesen“, „Mutationen“ genetischer Verluste „scheitern häufiger“, es ist natürlich ihr „Geburtsfehler“.

        Die Gesellschaft hat mit diesem Geburtsfehler nichts zu tun – sie sind einfach genetisch minderwertig. Dass sie „zu Gewalt und Kriminalität“ neigen kann nur bedeuten den Umstand zu feiern, sie „sterben früher“.

        Denn intuitiv ahnen wir, sie haben es VERDIENT.
        Und um es anders, biologischer und kapitalistisch freundlicher zu formulieren:

        „Wozu also solche Verschwendung? Eigentlich funktioniert die Evolution wie ein erfahrener Großkapitalist – Investments, die sich nicht lohnen, werden abgestoßen.“

        Die Evolution fungiert – zustimmend formuliert – als „erfahrener Großkapitalist“ –
        wie auch immer das Wirken von Warren Buffet mit der Evolution in Einklang zu bringen ist:

        „Genetiker Sykes zeigt Erbarmen – und zaubert einen Plan zur Rettung der Juden hervor: Am besten wäre es, so rät er nachfolgenden Generationen, das verrottende jüdische Chromosom rechtzeitig abzuschaffen, komplett, und die jüdischen Gene lieber in einen anderen Teil des Erbguts zu verfrachten, wo sie sicherer aufgehoben wären als auf diesem sinkenden Schiff.“

        „Genetiker Sykes zeigt Erbarmen – und zaubert einen Plan zur Rettung der Neger hervor: Am besten wäre es, so rät er nachfolgenden Generationen, das verrottende Neger-Chromosom rechtzeitig abzuschaffen, komplett, und die Neger-Gene lieber in einen anderen Teil des Erbguts zu verfrachten, wo sie sicherer aufgehoben wären als auf diesem sinkenden Schiff.“

        „Genetiker Sykes zeigt Erbarmen – und zaubert einen Plan zur Rettung der Männer hervor: Am besten wäre es, so rät er nachfolgenden Generationen, das verrottende Y-Chromosom rechtzeitig abzuschaffen, komplett, und die Männlichkeitsgene lieber in einen anderen Teil des Erbguts zu verfrachten, wo sie sicherer aufgehoben wären als auf diesem sinkenden Schiff.“

        Das ist kein Text aus dem „Stürmer“, sondern von Spiegel-Online, nicht 1933 erschienen, sondern am 15.09.2003.
        Sarrazin veröffentlichte „Deutschland schafft sich ab: Wie wir unser Land aufs Spiel setzen“ am 30. August 2010.

        Die FEMINISTISCHE Logik des Textes war ihrer Zeit also weit voraus.
        Das ist auch mein Anliegen.
        Hätte das IRGENDWER veröffentlicht, es wäre untragbar gewesen.
        Wie FASCHISTOID dieser Text ist, wäre sofort offensichtlich gewesen.
        Nur in dem feministischen Tarnmantel ist der faschistoide, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit propagierende Text überhaupt konsumierbar.

        Was ist die Essenz der Etablierung des Mechanismus?

        WEN du MORGEN verachten und als UNMENSCHEN ansehen kannst, erfährst du aus der Zeitung oder eben online.
        Es geht überhaupt nicht darum, WER das ist.
        Das wird situativ entschieden.
        Wen du BERECHTIGT hassen darfst, entschieden WIR.

        Schönen Gruß, crumar

      • Hallo crumar,

        ich sehe das genauso: Personen gestatten sich Äußerungen zu Männern, die sie sich zu anderen Bevölkerungsgruppen nie gestatten würden (oder nicht mehr, vor 80 oder 200 Jahren waren andere dran).

        Der Zweck, den ich dahinter vermute ist, sich selbst als etwas Besseres darstellen zu können: als Frau oder als „geläuterter“ Mann.

        Ich verstehe nur immer noch nicht, wie das zu Deinen obigen Aussagen passt:

        „In diesem Sinne leistet dieser Feminismus dann heute einen vergleichbaren Dienst wie J. Fischer und G. Schröder ab 1998.
        Bis dato völlig undenkbares wird wieder denkbar.
        Und das Kapital tauscht bloß das Personal. ;)“

        Den letzten Satz verstehe ich nicht, um genau zu sein. Das Kapital tauscht nur das Personal – das legt nahe, die Kapitaleigner hätten ein besonders großes Interesse an der Abwertung von Männern. Ich glaube das nicht, sondern denke, das sind eher andere Gruppen.

        Gruß, Nick

  • Die Beobachtung, daß es die GS-Protagonisten kaum für nötig halten, ihren Nutzen für Absolventen allgemeinverständlich zu verkaufen, sehe ich auch so. Sie ist auf den ersten Blick überraschend, weil alle anderen Wissenschaften bei ihrem Wettbewerb um die besten Studenten laufend positive Selbstdarstellungen abgeben.

    In den wenigen mir aufgefallenen Beschreibungen der Studiengänge wird allerdings ein relativ klares Berufsbild angegeben: i.w. ist das ein feministischer Aktivist, typische Arbeitgeber sollen der öffentliche Dienst, Antidiskriminierungsstellen, Kinder- und Jugendarbeit, Beratungsinstitutionen usw. sein. Da es alleine schon abertausende Stellen für Gleichstellungsbeauftragte gibt, ist dieser Arbeitsmarktsektor gar nicht mal so klein.

    Meine These, warum damit nicht offener geworben wird: In großen Teilen der Öffentlichkeit sind Gleichstellungsbeauftragte u.ä. typische Berufe für Gender Studies-Absolventen inzwischen so beliebt wie die Steuerfahndung oder Tugendwächter, die der dummen / kriminellen Allgemeinheit beibringen wollen, wie sich sich verhalten soll. Die Absicht, die Gesellschaft nach den eigenen Vorstellungen umzubauen, ist aber genau das Selbstverständnis der GS, daher ist man nur an Studentinnen interessiert, die grundsätzlich diese missionarische Einstellung sowieso schon haben. Nach den wenigen Berichten von Aussteigern werden eventuelle Abweichler regelrecht aus dem Studiengang herausgemobbt. Daher ist es völlig logisch, wenn in den Debatten um die Gender Studies der Arbeitsmarkt der Absolventen und deren späteres segensreiches Wirken mit keinem Wort erwähnt wird.

    • @mitm Steuerfahnder mögen unbeliebt sein, aber trotzdem wird vermutlich eine Mehrheit ihre Arbeit für notwendig halten. Bei Gleichstellungsbeauftragten ist das eher nicht so – zumindest die bei Ihnen vorherrschende Einseitigkeit, Männer- und Kinderfeindlichkeit ist einfach breitflächig abschreckend.

      Deshalb ist die Aussicht auch unrealistisch, hier könne insgesamt ein Umbau der Gesellschaft betrieben werden.

      Allerdings werden die eingerichteten Professuren nicht einfach wieder abgeschafft werden können, wenn die Seifenblase Gender Studies platzt. Schutzbach hat seit fünf Jahren eine Stelle als Assistentin in Basel, promoviert dort und hofft sicher auch noch auf eine dauerhafte Anstellung. Für sie und andere geht es m.E. einfach darum, auf einen sicheren Posten zu kommen, solange die Gender Studies noch politisch gefördert werden.

      Eine andere Frage ist, warum solch ein reaktionärer, menschen- und wissenschsaftsfeindlicher Quatsch überhaupt in überregionalen Zeitungen gedruckt und gerade von politischen Gruppen, die sich diffus für „links “ halten, gestützt wird. Das lässt sich vermutlich nur erklären im Rahmen des oben Diskutierten – die vermeintlichen „Herrschaftsanalysen“ der GS sind geeignet, von anderen, realen Problemen abzulenken.

      • @Lucas
        „die vermeintlichen “Herrschaftsanalysen” der GS sind geeignet, von anderen, realen Problemen abzulenken.“

        Das geht noch viel weiter — wie du selbst schon eingeräumt hast:

        „Die Distanz, die Schutzbach zum „Imperativ des Markts“ herstellt, entspricht so der traditionellen Verachtung des Adels für die Zwänge bürgerlicher Erwerbsarbeit.“

        Es geht um eine Etablierung von Herrschaft, der Herausbildung einer Elite, die pseudo-linke Rhetorik zu ihrer Rechtfertigung und Propagierung nutzt. Diese sich formierende Elite kann man nur als „neofeudal“ charakterisieren, sie ist sowohl anti-intellektuell als auch anti-kapitalistisch.

        Ironischerweise hat sich beim Siegeszug des Welthandels, der an sich eigentlich kapitalistisch und liberal ist, allenthalben das Gegenteil dessen, nämlich Dirigismus und Illiberalität breit gemacht (bestes Beispiel China). Für dieses Phänomen wäre die „Ungleichheit vor dem Kapital“ verantwortlich zu machen, die der heutige „crony capitalism“ (oder „Amigo-Kapitalimus“, wie dies in Bayern genannt werden müsste) den grossen wirtschaftlichen Spielern als Privileg einräumt, nämlich den Zugang zu Kapital zu künstlich niedrigen Preisen, wie er durch die Setzung des Zinssatzes erzeugt wird (und nicht etwa durch einen Markt).
        Diese Begünstigung ist es, die mir als eigentliche Ursache für die Umverteilung des Wohlstands „nach oben“ erscheint und ebenfalls als Ursache der ins Kraut schiessenden neufeudalen und irrationalistischen Herrschaftsideologien wie dem Gender-Feminismus.

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