Öffentlich-rechtliche Volksverhetzung

Was würde wohl passieren, wenn ein öffentlich-rechtlicher Sender eine solche Sendung ausstrahlen würde wie diese?

„Moslems vergewaltigen, versklaven, erschießen oder steinigen. Unser Autor Florian Goldberg konstatiert der muslimischen Rasse eine latent strukturelle Gewalt.“

So beginnt ein Radio-Essay im Deutschlandradio KULTUR (ja, richtig, „KULTUR“) vom 19. November dieses Jahres. Mit den Worten „Terror und Aggression“, ist der Text der Sendung auf der Homepgae überschrieben, und mit einem Appell: „Liebe Moslems, bitte beendet die Gewalt in Euch!“ Denn, so Goldberg im Text: „Die Reihe ist endlos“, die Gewalt von Moslems scheint im weltweiten Maßstab allgegenwärtig zu sein.

Soziale Gründe für diese Gewalt möchte der Sender nicht gelten lassen.

„Aha, könnte man sagen, junge, doofe Moslems ohne festen Job, alles klar. Zeit, die Versäumnisse der Politik anzuprangern und Forderungen für die Zukunft zu stellen. Nun, ehrlich gesagt, beruhigt mich das nicht. (…) Bei genauerer Betrachtung entdecke ich in den zitierten Verbrechen extreme Ausdrucksformen einer muslimischen Gewalt, die in (…) allen Moslems angelegt ist.“

Der Autor sieht nur einen einzigen Ausweg aus dieser Gewalt: Moslems müssten die „Fähigkeit, sich selbst zu überwinden“, erlernen. Logisch: Da das Muslimische in Goldbergs Augen im Kern verderbt ist, da aber ja die Moslems nicht plötzlich alle verschwinden werden, ist ein Ende der Verderbnis nur durch die Überwindung des Muslimischen möglich.

Der KULTUR-Autor des Deutschlandradios, der „als freier Autor, Coach und philosophischer Berater in Berlin“ lebt, ist also durchaus erfolgreich in seinem Versuch, Akif Pirinçcis Gerede von der „Moslem-Müllhalde“ noch weit rechts zu überholen. Während Pirinçci sich demagogisch darauf konzentriert, den nicht-muslimischen Europäern Naivität angesichts der Gewaltbereitschaft von Muslimen vorzuwerfen, fixiert sich das Deutschlandradio KULTUR gleich ganz darauf, das Muslimische generell als brutale Gefahr für das menschliche Zusammenleben darzustellen.

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Das Problem ist hier keineswegs, dass ein Kind eine Waffe in der Hand hat – sondern dass das Kind männlich ist. Darüber klärt das Deutschlandradio KULTUR auf.

Warum aber gibt es keinen Aufschrei, wenn offen rechtsradikale, unverblümt an die Feindbilder des Terroristen Anders Breivik anknüpfende Propaganda von einem gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sender verbreitet wird? Warum meldet sich der mutige Vizekanzler nicht, um ohne falsche Scheu den Autoren als „Pack“ hinzustellen? Ganz einfach: Ich habe Goldbergs Text ein wenig verändert – er redet nicht über Moslems, sondern über Männer.

Und in dieser Weise über Männer zu reden, ist selbstverständlich völlig in Ordnung, sogar irgendwie progressiv. Oder? Weiterlesen

Paris, die Schrecken und die Nähe der Gewalt

Über eine Woche ist es nun her, das ich von den islamistischen Massenmorden in Paris erfahren habe. Natürlich kursieren im Netz schon seit diesem Tag eine ganze Menge Meinungen dazu. Unter anderem habe ich den Vorwurf gelesen, es sei rassistisch oder chauvinistisch, über die Morde von Paris schockiert zu sein, über die Morde in Syrien, in Pakistan, an Russen und anderen aber nicht. Warum erst jetzt? Warum nicht schon, als Jesiden oder Kurden, Russen oder Syrer vom IS abgeschlachtet wurden?

Brandenburg

„Wo waren #Trauer, #Anteilnahme und #Solidarität, als ein russisches Flugzeug durch #IS gesprengt wurde @AuswaertigesAmt?“ Diese Frage ist die erste Antwort auf einen Tweet, in dem das Auswärtige Amt am 14. November dieses Bild bei Twitter veröffentlicht.

Das sind sachlich völlig berechtigte Fragen, aber sie kommen oft nicht als Fragen daher, sondern als Vorwürfe. Sie können dann Fragestellern die Möglichkeit verschaffen, angesichts des Schocks gleichwohl moralisierend in den gewohnten Bahnen zu bleiben, Flüchtlings-, Rassismus-, Religions- oder Politik-Diskussionen weiter zu führen, die wir auch vorher schon geführt haben. Weiterlesen

Jammerlappen und die Politik der Ungleichheit


Dieser Text sollte eigentlich am letzten Samstag erscheinen. Ich hatte ihn am Abend zuvor fertig geschrieben, eingestellt und mit passendem Bild versehen, so dass ich am Samstagmorgen nur noch auf „Publish“ hätte drücken müssen.

Als ich an diesem Morgen aber ins Netz ging, erfuhr ich von den Massenmorden in Paris, und der Text passte nicht mehr. Ich schrieb dann einen weiteren Text, über diese Morde, den ich in wenigen Tagen hier einstelle. Heute aber erst einmal verspätet, aber passend zum International Men’s Day der folgende Text, der eigentlich schon vor einigen Tagen hier erscheinen sollte.

Oliver Flesch betreibt das Blog „Wahre Männer“ und verlor gerade ein wenig die Contenance. Er beschimpfte Tristan Rosenkranz, der wesentlich für den Aufbau der wichtigen und anerkannten Initiative „Gleichmaß“ verantwortlich ist, als „Deppen“, „Lappen“, „Stricher“, „Schande für die Männerwelt, ach was, für die gesamte Menschheit“. Was war passiert?

Gleiche_Rechte_Gleiche_Pflichten

Ein SPD-Plakat von 1919. Für den frechen Satz über „gleiche Rechte, gleiche Pflichten“ bekämen die Verantwortlichen heute vermutlich Ärger mit der Friedrich-Ebert-Stiftung. Klingt er nicht irgendwie rechtsradikal?

Tristan Rosenkranz hatte sich die allerdings schwer begreifliche Provokation erlaubt, einen Text von Flesch nicht so gut zu finden, und sogar kommentiert, es sei ein „armseliger Text eines ewig Unerwachsenen“. Da wahre Männer nun einmal, wie wir alle wissen,  auf Provokationen jeglicher Art mit aufgeregten und hysterischen Tritten gegen den Gegner reagieren, hatte Rosenkranz  sich selbstverständlich alles Folgende selbst zuzuschreiben.

Was aber hatte er denn nun eigentlich an Fleschs Text auszusetzen? Weiterlesen

Kriegserklärungen und Bankrotterklärungen

Die Veranstalter des Gender-Kongresses, der Thema dieses Textes ist, bitten um eine Spende in Höhe von 20 €, „gern auch mehr“. Die Spende ist nötig geworden, weil der Betreiber der Gaststätte, in der die Veranstaltung stattfinden sollte, seine Zusage nach großem Druck durch Gegner des Kongresses zurückgezogen hat. Hier die Kontodaten: GENDERKONGRESS / Stadtsparkasse Wasserburg / IBAN DE91 7115 2680 0030 1883 79 / BIC BYLADEM1WSB

Brauchen Mädchen und Jungen eine unterschiedliche Förderung? Wie lässt sich nach Trennungen der Eltern der Kontaktabbruch eines Elternteils – in der Regel des Vaters – zum Kind verhindern? Wie hoch ist der Einkommensunterschied zwischen den Geschlechtern? Wie können Eltern auch nach einer Trennung die gemeinsame Erziehungsverantwortung gestalten? Gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei der Gesundheitsprävention – oder bei der Strafzumessung von Gerichten? Wird ihre Darstellung in den Medien beiden Geschlechtern gerecht?

Auf den ersten Blick wird nicht recht klar, warum eigentlich jemand etwas gegen einen Kongress haben sollte, der sich laut Programm mit diesen und ähnlichen Fragen auseinandersetzen wird. Auf den zweiten und dritten Blick wird es auch nicht klarer.

Dabei gehen die Aggressionen gegen diesen Kongress sehr weit. Gerade erst haben die Organisatoren des Deutschen Gender-Kongresses erklärt, dass sie den Veranstaltungsort wechseln müssen: Der Betreiber der Gaststätte, in der der Kongress stattfinden sollte, war durch „Cybermobbing“ so sehr unter Druck gesetzt worden, dass er seine Zusage zurück zog. Jetzt versuchen die Veranstalter, Spenden einzutreiben, um die Veranstaltung noch an einem anderen Ort möglich zu machen.

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Die Bayerische Staatsministerin für Arbeit und Soziales, Familie und Integration Emilia Müller zog ihre Zusage für ein Grußwort zurück, ebenso ein Bundestagsabgeordneter der Linken, Jörn Wunderlich,  und die sozialpolitische Sprecherin der SPD im Bayerischen Landtag, Angelika Weikert – möglicherweise jeweils als Reaktion auf Druck der Kongress-Gegner. Die Leiterin der Bayerischen Leitstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern – ausgerechnet – nimmt Stellung: „Wir werden dafür sorgen, dass niemand am Kongress teilnimmt.“

Was ist der Grund für diese angesichts der anstehenden Fragen seltsam deplatziert wirkenden Feindseligkeit? Warum sind die Angriffe so hart, dass einige der Attackierten, so schreibt Arne Hoffmann im oben verlinkten Text, „auf die Verleumdungen bzw. deren Schärfe geradezu schockiert reagiert“ haben?

Die Veranstalter des Kongresses sind, unter anderem, das Forum Soziale Inklusion e.V., das einen Austausch zwischen Frauen und Männern in Geschlchetrfragen organisieren will – der Arbeitskreis Kinderrechte e.V. – das Väter-Netzwerk Nürnberg – und der Verein MANNdat, der männerpolitisch tätig ist. Der Kongress wird deshalb so massiv angegriffen, weil er sich mit Geschlechterfragen auseinandersetzt – und weil er dies nicht aus einer ausdrücklich feministischen Perspektive tut. Weiterlesen