Feindbild Mann

Öffentlich-rechtliche Volksverhetzung

Bild zeigt kleiner Junge mit einer Pistole und er zielt halb auf den Betrachter.
geschrieben von: Lucas Schoppe

Was würde wohl passieren, wenn ein öffentlich-rechtlicher Sender eine solche Sendung ausstrahlen würde wie diese?

„Moslems vergewaltigen, versklaven, erschießen oder steinigen. Unser Autor Florian Goldberg konstatiert der muslimischen Rasse eine latent strukturelle Gewalt.“

So beginnt ein Radio-Essay im Deutschlandradio KULTUR (ja, richtig, „KULTUR“) vom 19. November dieses Jahres. Mit den Worten „Terror und Aggression“, ist der Text der Sendung auf der Homepgae überschrieben, und mit einem Appell: „Liebe Moslems, bitte beendet die Gewalt in Euch!“ Denn, so Goldberg im Text: „Die Reihe ist endlos“, die Gewalt von Moslems scheint im weltweiten Maßstab allgegenwärtig zu sein.

Soziale Gründe für diese Gewalt möchte der Sender nicht gelten lassen.

„Aha, könnte man sagen, junge, doofe Moslems ohne festen Job, alles klar. Zeit, die Versäumnisse der Politik anzuprangern und Forderungen für die Zukunft zu stellen. Nun, ehrlich gesagt, beruhigt mich das nicht. (…) Bei genauerer Betrachtung entdecke ich in den zitierten Verbrechen extreme Ausdrucksformen einer muslimischen Gewalt, die in (…) allen Moslems angelegt ist.“

Der Autor sieht nur einen einzigen Ausweg aus dieser Gewalt: Moslems müssten die „Fähigkeit, sich selbst zu überwinden“, erlernen. Logisch: Da das Muslimische in Goldbergs Augen im Kern verderbt ist, da aber ja die Moslems nicht plötzlich alle verschwinden werden, ist ein Ende der Verderbnis nur durch die Überwindung des Muslimischen möglich.

Der KULTUR-Autor des Deutschlandradios, der „als freier Autor, Coach und philosophischer Berater in Berlin“ lebt, ist also durchaus erfolgreich in seinem Versuch, Akif Pirinçcis Gerede von der „Moslem-Müllhalde“ noch weit rechts zu überholen. Während Pirinçci sich demagogisch darauf konzentriert, den nicht-muslimischen Europäern Naivität angesichts der Gewaltbereitschaft von Muslimen vorzuwerfen, fixiert sich das Deutschlandradio KULTUR gleich ganz darauf, das Muslimische generell als brutale Gefahr für das menschliche Zusammenleben darzustellen.

weapon

Das Problem ist hier keineswegs, dass ein Kind eine Waffe in der Hand hat – sondern dass das Kind männlich ist. Darüber klärt das Deutschlandradio KULTUR auf.

Warum aber gibt es keinen Aufschrei, wenn offen rechtsradikale, unverblümt an die Feindbilder des Terroristen Anders Breivik anknüpfende Propaganda von einem gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sender verbreitet wird? Warum meldet sich der mutige Vizekanzler nicht, um ohne falsche Scheu den Autoren als „Pack“ hinzustellen? Ganz einfach: Ich habe Goldbergs Text ein wenig verändert – er redet nicht über Moslems, sondern über Männer.

Und in dieser Weise über Männer zu reden, ist selbstverständlich völlig in Ordnung, sogar irgendwie progressiv. Oder?

Der gemeinsame Nenner der Männer

Es ist eine erschreckende, von verschiedenen Orten der ganzen Welt zusammengetragene Reihe von Beispielen, mit denen Goldberg seinen Text beginnt. Vom Mord an einem Verleger atheistischer Literatur in Bangladesh über den Lynchmord an einem muslimischer Schmied in Indien, der angeblich Rindfleisch gegessen haben sollte, bis hin zum mexikanischen Drogenkrieg und zu Angriffen auf Flüchtlinge in Deutschland. Wem diese Zusammenstellung irgendwie willkürlich erscheint, hat nur noch nicht das ihr zu Grunde liegende Muster entdeckt:

„Worum es geht, ist der gemeinsame Nenner: All diese Scheußlichkeiten werden in aller Regel von Männern begangen.“

Wie gut, dass dem KULTUR-Autor im letzten Moment noch die relativierende Floskel „in aller Regel“ eingefallen ist – sonst wäre er glatt in der Verlegenheit geraten, belegen zu müssen, dass die genannten Gewalttaten tatsächlich Beispiele männlicher Gewalt sind. Der Mord an dem muslimischen Schmied wurde nach den verfügbaren Informationen von einem „aufgebrachten Mob“ begangen, der Mord an dem Verleger von „Unbekannten“. Allerdings waren der Verleger und weitere Opfer  allesamt männlich. Mexikanische Drogenkartelle werden schon eine Weile auch von Frauen geleitet,  und wenn auf Demonstrationen gegen Flüchtlinge gehetzt wird, dann sind immer auch Frauen dabei.

Das Behauptung, all die genannten Taten seien von Männern begangen worden, belegt Goldberg also eindrucksvoll eben damit, dass er sich das nun einmal so vorstellt. Dass das dann deutlich mehr über den Autor aussagt als über die von ihm skizzierten Situationen, ist angesichts der damit beunruhigend herausgearbeiteten männlichen Gewalt natürlich zweitrangig.

Dass Männer häufiger in öffentlichen Raum – im häuslichen Bereich ist die Gewalt zwischen Männern und Frauen offenbar weitgehend ausgeglichen – Gewaltakte begehen, könnte Goldberg ja nun beispielweise damit erklären, dass Männer ohnehin im Schnitt im öffentlichen Raum aktiver sind als Frauen. Soldaten beispielweise kämpfen, töten und sterben durchaus nicht rundweg aus Spaß und Dollerei, sondern weil sie dazu beauftragt, möglicherweise auch gezwungen werden – und zwar von der Gesellschaft, in der sie leben, von Männern wie von Frauen. Der Nationalsozialismus wurde fast ausschließlich von Männern besiegt – ohne dass jemand deswegen auf die Idee käme zu behaupten, die Frauen hätten den Nationalsozialismus allgemein schwer in Ordnung gefunden und gar nicht verstanden, was man dagegen haben könnte.

Oder, um noch ein paar weniger belastete Beispiele anzuhängen: Obwohl Männer ohnehin schon den Löwenanteil der Erwerbsarbeit verrichten, sind sie auch häufiger in der ehrenamtlicher Arbeit tätig. Und obwohl sich rote und grüne Parteien mit Frauenquoten und Frauenförderung seit Jahrzehnten allergrößte Mühe geben, Frauen politisch zu aktivieren, stagniert der Frauenanteil in diesen Parteien bei einem guten Drittel.

Dass aber Männer im öffentlichen Raum allgemein aktiver sind als Frauen, unter anderem auch in der Ausübung von Gewalttaten, wird bei Goldberg zu der fixen Idee, dass Gewalt männlich ist. Das lässt sich dann natürlich beliebig auf alle Männer projizieren.

„Bei genauerer Betrachtung erkenne ich in den zitierten Verbrechen extreme Ausdrucksformen einer männlichen Gewalt, die in uns allen, das meint: allen Männern angelegt ist.“

Diese genauere Betrachtung besteht zwar, genauer betrachtet, vor allem aus dem festen Entschluss, bloß nicht näher hinzusehen – aber eine solche hemmungslos allgemeine Aussage hat dafür immerhin den großen Vorteil, unterschiedslos auf alles Mögliche bezogen werden zu können. Unhöfliche Autofahrer, machtbewusste Manager, Politiker – in all diesen Menschen entdeckt der geübte Blick Goldbergs den Folterer und Völkermörder, den Mörder und Vergewaltiger.

Vorausgesetzt natürlich, es sind männliche Menschen.

Wie man Menschen dadurch menschlich macht, dass man ihnen die Menschlichkeit nimmt

Dass er sich mit demselben Gestus empört gegen Politiker wendet, von denen „die jeweiligen Gegner diskreditiert werden“, oder für „die Würde des Gegenüber“ eintritt – das erscheint Goldberg nicht einmal zwei Sekunden lang widersprüchlich, und seiner KULTUR-Redaktion auch nicht. Ist ja für einen guten Zweck: gegen die Gewalt und, tatsächlich, „für die Gleichberechtigung der Geschlechter“.

Am Ende allerdings entschuldigt sich der Autor dafür, dass er allein Männer als gewalttätig und Gewalt als männlich präsentiert hat. Er entschuldigt sich – bei den Frauen.

„Die Hörerinnen dieses Beitrags mögen mir verzeihen, dass ich hier ausnahmsweise ein Gespräch unter Männern geführt habe.“

Immerhin, an anderer Stelle wendet er sich auch direkt an die Hörer, männlich:

„Die Gewalt, die wir so verabscheuen, hat mit uns als Einzelnen zu tun. Verehrte Hörer: mit Ihnen und mit mir!“

Männer haben also viel zu tun:

„Es gilt, behaupte ich, einen Begriff von Männlichkeit zu entwickeln, der sich nicht herleitet aus physischer Stärke und materieller Überlegenheit, sondern der Fähigkeit, sich selbst zu überwinden.“

Dieser Begriff von Männlichkeit wird zwar schon seit Jahrhunderten und Jahrtausenden entwickelt, ließe sich mit etwas gutem Willen schon im Minnesang nachweisen – aber darauf nun herumzureiten, wäre lediglich ein Zeichen dafür, dass da jemand die wichtige wesentliche Aussage des Textes ignoriert.

Männer sind hier nämlich so tief verkommen, so grundlegend gewaltnah (als „latent-strukturelle Gewalt“ bezeichnet das der Autor), dass aus ihnen nur dann halbwegs annehmbare Mitmenschen werden können, wenn sie sich selbst überwinden.

Dummerweise aber hat natürlich auch schon der Appell an die männliche Selbstüberwindung Tradition, gehört gar zu den klassischen Männlichkeitsklischees. Goldberg befindet sich damit beispielsweise in der Gesellschaft Heinrich Himmlers, der in seiner berühmten, kranken Posener Rede die SS-Männer für die Selbstüberwindung lobt, Tausende von wehrlosen Juden zu töten, ohne selbst allzu sehr darunter zu leiden.

„Dies durchgehalten zu haben, und dabei – abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht und ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte.“

Das Konzept, Menschen dadurch menschlich zu machen, dass ihnen die Menschlichkeit abgesprochen wird, wirkt nicht nur bescheuert, es ist auch trotz vielfacher Erprobung niemals erfolgreich gewesen. Näheres dazu findet sich im Strafgesetzbuch, § 130. Das ist der Volksverhetzungsparagraph.

„Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, (…) die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er (…) Teile der Bevölkerung oder einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit (…) zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.“

Da allerdings hat Goldberg noch einmal Glück gehabt, er wird wohl weder drei Monate noch fünf  Jahre im Gefängnis zubringen, ebenso wenig wie seine Redaktion. Zwar greift er die Menschenwürde anderer wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe frontal an, macht große Teile der Bevölkerung verächtlich und verleumdet sie – aber den sozialen Frieden stört er damit nicht. Die unausrottbar aggressiven und beständig gewaltbereiten Männer sind es nämlich gewohnt, solche Angriffe achselzuckend zur Kenntnis zu nehmen und sich nicht weiter darüber aufzuregen.

So wird die Sendung Goldbergs, die eine Sendung der Denunziation eines ganzen Geschlechts sein soll und eine Sendung über die unendliche männliche Gewaltbereitschaft, ganz gegen den Willen des Autors am Ende – zu einem Beitrag, der die männliche Duldsamkeit herausstellt.

Entrichten sie die Gebühren für die Verleumdung Ihrer Person bitte hier

Dummerweise interpretieren öffentlich-rechtliche Sender diese Duldsamkeit als Signal, jeder dumpfen Sendung über Männer eine noch dumpfere, jedem idiotisch denunzierenden Beitrag mit einem noch idiotischeren zu ergänzen. Es spielt dabei auch keine Rolle, dass möglicherweise nicht viele die Sendung gehört haben. Würde etwa Arne Hoffmann auch nur ein Mal auf seinem Blog einen Text von ähnlicher gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit veröffentlichen, dann würde das ihm und der gesamten Männerbewegung vermutlich noch in zehn Jahren triumphierend vorgehalten werden.

Dass solch eine Sendung überhaupt von einem gebührenfinanzierten Sender produziert werden kann, ist verrückt. Denn es ist verrückt, nicht nur Volksverhetzung zu betreiben, sondern auch noch zu erwarten, dass Menschen allüberall das bitteschön finanzieren sollten. Mehr noch: zu erwarten, dass eben die Menschen, die verleumdet werden, gefälligst die Kosten für ihre Verleumdung selbst zu tragen hätten.

Es hat nun auch schon so viele Beispiele für Hetze dieser Art in öffentlich-rechtlichen Sendern, und gerade im Deutschlandradio KULTUR gegeben, dass das nicht einfach als Versagen einzelner Journalisten oder Redaktionen abgetan werden kann. Rundfunkräte weigern sich hier durchaus systematisch, ihrer Funktion gerecht zu werden. Die öffentlich-rechtlichen Sender sehen gar nicht erst ein, den Auftrag, mit dem sie ihre Gebühren legitimieren, wenigstens probeweise einmal ernst zu nehmen – wenn sie ihn denn schon notorisch nicht erfüllen.

Die Sendung wurde beim Deutschlandradio KULTUR übrigens ausgerechnet am 19. November ausgestrahlt – dem International Men’s Day, der eigentlich den Zweck hat, auf spezifische gesundheitliche Belastungen oder auch die deutlich geringere Lebenserwartung von Männern aufmerksam zu machen. Aus der Perspektive des öffentlich-rechtlichen Senders ist eine solche Empathie für Jungen und Männer verfehlt – sie müssen sich schließlich erst einmal darauf konzentrieren, das Männliche in sich zu überwinden, anstatt es unnötigerweise auch noch aufzupäppeln.

Würde eigentlich irgendein öffentlich-rechtlicher Sender auf die idiotische Idee kommen, am Tag der Frau eine Sendung auszustrahlen, die Frauen klarmacht, dass sie sich selbst zu überwinden hätten – weil sie sonst allzu unerträglich und in einer menschlichen Gesellschaft, genau besehen, eigentlich nicht tragbar seien?

Und: Glaubt eigentlich irgendjemand, dass eine Sendung wie die von Goldberg keine Volksverhetzung ist? Das ist wohl nur denen möglich, die schon so verhetzt sind, dass sie die Inhumanität einer solchen Position überhaupt nicht mehr wahrnehmen.

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43 Comments

  • „Denn es ist verrückt, nicht nur Volksverhetzung zu betreiben, sondern auch noch zu erwarten, dass Menschen allüberall das bitteschön finanzieren sollten.“

    Das ist nur von Außen betrachtet verrückt.

    Aus der inneren Sicht der Hetzer sind die verleumdeten keine Opfer von Hetze, sondern eben das Böse. Sie sind ja gewissermaßen sogar schuld daran, dass man sich so schrecklich über sie aufregen muss. Wäre ja nicht nötig, wenn es sie nicht gäbe, oder?

    Daher hat diese Sicht auch eine lange Tradition. Nicht nur Häretiker und Hexen wurden mit den Kosten der Verfahren gegen sie belastet, bzw. postmortem ihr Vermögen von den Verfolgern zur „wiedergutmachung“ oder Kostendeckung eingezogen. Auch die Juden wurden ganz offiziell mit den Kosten für die Aufräumarbeiten und Unkosten der Reichskristallnacht belegt. Es ist ein ganz allgemeines und allgemeingültiges Muster.

    Es steckt im Grunde auch hinter dem Selbstverständnis von Siegerjustit. Der Vorstellung, dass der gewinner eines Krieges „Reparationskosten“ vom Besiegten einfordert. Man sollte denken, dass wir ein slches Denken so seit dem 2 Weltkrieg so langsam ad acta legen sollten. Es ist aber wohl eine all zu menschliche Haltung dahinter.

  • Wenn ich so darüber nachdenke, hat das noch ein weiteres interessantes Merkmal:
    Das Prinzip der Selbstbezichtigung des beschuldigten.
    So wie in Hexenprozessen am Ende verlangt wurde, dass sich das Opfer selbst belastet und verleugnet, so wie es in Orwells 1984 am Ende von Winston eingefordert wird: Die Verfolger lassen erst ab, wenn das Opfer sich selbst als zutiefst schuldig bekennt. In !984 wird dabei auch besonderer Wert darauf gelegt, dass das Opfer dies auch empfindet und verinnerlicht.

    Verkörpert wird dies beim Deutschlandfunk dadurch, dass sich Männer wie dieser Herr Goldberg selbst über ihre Zugehörigkeit zum männlichen Geschlecht diffamieren. Das ist ihr „Ausweg“ aus dem Dilemma, als Mann in unserer Gesellschaft unter Generalanklage zu stehen: Sie gleichen sich an, verinnerlichen die Anklage gegen das eigene Geschlecht, denunzieren mit, um somit zumindest eine Art Selbstgeißelung und Sühne zu leisten. Es ist das von der gültigen Ideologie, dem Feminismus, geforderte Schuldgeständnis von denen, die in dieser Ideologie die Untermenschen sind.

    Ah, ich höre schon die Feministen gegenhalten (wie gerade in aktueller Diskussion zum „Kampf gegen den Feminismus“ zu lesen): Aber Männerrechtler aller Couleur fordern doch genau das auch von Feministen. Ihr macht das genauso. Ihr haltet euch nicht an die eigenen Maßstäbe. Das ist Doppelmoral, Doppelstandard, etc.

    Der Vorwurf geht aber völlig am Ziel vorbei: Das „Schuldeingeständnis“ als Mann wird nämlich eingefordert für ein angeborenes, nichtbeeinflussbares Merkmal, so wie Hautfarbe oder Rasse, in diesem Fall das Geschlecht. Der Vorwurf an den Feminismus richtet sich nicht gegen ein Merkmal, sondern eine Ideologie. Es richtet sich vor allem nicht gegen Frauen, denn die Kritik richtet sich auch gegen männliche Feministen. Das Bekenntnis zur Ideologie ist nicht angeboren und nicht unveränderlich.

    Abgesehen davon erwarte ich kein „Schuldbekenntnis“ von Feministen. Ich möchte einfach, dass sie sie die Ideologie hinter sich lassen.

    • Noch zum Hintergrund dieser Bilder:

      a) St. Augustine Beach, Florida. 23. Juni 1964. Während eines Protests gegen die Rassentrennung der Strände in Florida hatte ein schwarz/weiß gemischter Demonstrationszug versucht, einen den Weißen vorbehaltenen Strand zu betreten. Das Bild zeigt wie eine Demonstrantin von drei Frauen zu Boden geworfen und zusammengetreten wurde.

      b) Little Rock, Arkansas. 4. September 1957. Gezeigt wird hier die 15-jährige schwarze Schülerin Elizabeth Ann Eckford, die auf dem Schulweg zur Little Rock High School von einem geifernden Mob verfolgt wird. Die Situation war so schlimm daß die schwarzen Schüler von der Armee beschützt werden mussten (also von Männern, ganz nebenbei). Das Bild ist eines der zentralen Pressephotos der Zeit der Desegregation, und wurde für den Pulitzerpreis 1958 ausgewählt.

  • Passenderweise gibt es in dem von dir verlinkten Wiki-Artikel zur gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit unter Sexismus nur Beispiele die Frauen betreffen. Sexismus gegen Männer wird im englischen Raum ja häufig als „reverse sexism“ bezeichnet, umgedrehter Sexismus. Dabei ist es einfach nur Sexismus.

    Ich frage mich auch was der Autor oder das KULTURRADIO mit solchen Artikel erreichen will? Denken die wirklich das alle Männer total bescheuert sind und lieber auf das vertrauen, was in irgendwelchen Texten steht, als nur einfach mal das Verhalten der Männer mit denen sie in Kontakt treten damit abzugleichen?

  • Meine Ex ist zuletzt vor drei Wochen mir gegenüber Gewalttätig geworden. Und was sagen ihre Therapeuten: Wir können sie (meine Ex) gut verstehen und ich bin Schuld daran.

    Wenn schon die Therapeuten so ticken, dann tun es die Journalisten um so mehr.

    • @Thomas

      Auch dieser „Journalist“ Goldstein entstammt wohl nicht zufälligerweise dem „Psychomillieu“, welches eine Massenbewegung ist und seine Basis in der sogenannten „New Age“ Bewegung hat (fernöstliche Spiritualität, Ökologismus, alternative Medizin, Yoga, Beratungen aller Art, Psychologie, typischerweise nach CG Jung etc pp).
      Zum guten Teil glaubt man hier an die besondere Heiligkeit und Überlegenheit der Frau. Nach meiner Meinung ist das auch die eigentliche Basis für den grassierenden Überlegenheitswahn des Feminismus.

      An so jemanden ist vielleicht auch deine Frau geraten, Vorsicht also!

      • @Alex

        Einspruch, Euer Gnaden! Ich möchte einwerfen, dass ich durchaus diesem Milieu zugehöre und das etwas anders sehe. Da gibt es durchaus eine Art kritische Männerbewegung. Ich persönlich beschäftige mich z.B. mit Robert Bly (bekannt durch sein Buch „Eisenhans. Ein Buch über Männer) und Richard Rohr (ein amerikanischer Franziskanerpater, der leicht 68er angehaucht ist und z.B. Themen wie männliche Initiation schreibt). Da sind Frauen erst mal gar kein Thema außer als Mutter, von der es sich als Erwachsener zu lösen gilt. Dazu bräuchte es idealerweise einen integren Vater. Da dieser aber oft abwesend ist, werden Männer oft nicht wirklich erwachsen, sondern bleiben Jungs und damit auch oft dysfunktional in vielerlei Hinsicht. Soweit die These.
        Ach, und da fällt mir auch noch der Therapeut Maaz ein: der hat ein Buch über die dunklen Seiten der Mütterlichkeit geschrieben (Der Lilith-Komplex).

        Mir bereitet bei diesem Thema vor allem Sorgen, dass es heutzutage kaum positive Rollenbilder für Jungen und Männer gibt. Das schwankt so zwischen Trottel, Arschloch und Superhero. Irgendwann verhält man sich auch, wie das Klischee verlangt – und sieht unheimlich blöde dabei aus.

        Freu mich jedenfalls, zufällig auf diese Seite gestoßen zu sein. Ich schreib sonst eigentlich nie irgendwelche Kommentare, aber die Atmosphäre hier fand ich sehr inspirierend. Danke!

        • @ Lawrence River Danke für den Kommentar, der hat mich gefreut!

          Ich kann mich daran erinnern, dass ich vor vielen Jahren einmal „Eisenhans“ von Robert Bly gelesen habe. Damals war ich noch gar nicht näher an Geschlechterthemen interessiert – ich fand es allerdings gut, dass darüber auch einmal aus einer männlichen, nicht-feministischen Perspektive geschrieben wurde. Außerdem kannte ich Bettelheims „Kinder brauchen Märchen“ und hab gern mal eine Märcheninterpretation aus einer anderen Sicht gelesen…

          Ich hab mich dann aber nicht mehr weiter damit beschäftigt, weil ich, wenn ich mich recht erinnere, das Gefühl hatte, bei Bly werde Männlichkeit mythisch aufgeladen – und unabhängig vom sozialen Umfeld beschrieben. Vielleicht sollte mal wieder einen Blick hinein werfen.

          Wichtig finde ich auch die Hinweise auf die Bedeutung von Vätern – nicht nur für die Entwicklung von Jungen, auch für die von Mädchen. Rollenbilder für Jungen wiederum gibt es nach meinem Eindruck tatsächlich nur im irrealen Bereich – „zwischen Trottel, Arschloch und Superhero“ trifft es gut. Entweder ein Depp, der gar nicht merkt, wie blöd er ist – oder jemand, der destruktiv ist – oder ein irreal unverwundbarer Held.

          Ich glaube, dass die medialen Männerbilder direkt etwas damit zu tun haben, dass viele Kinder mit realen Männern kaum noch einen stabilen Kontakt haben. So werden die Medienbilder frei für völlig beliebige Projektionen, weil sie durch reale Erfahrungen gar nicht mehr ergänzt werden.

      • @Lawrence River

        Das ganze Age New Zeug ist natürlich vielschichtiger und nicht immer auf die Frauen raus. Aber ob jetzt ein Männlichkeitskult da das Sinnvolle ist?
        Und brauch man als Mann eigentlich überhaupt ein „männliches Rollenbild“?
        Ist es nicht vielleicht besser als Mann, sich nur nach ganz allgemein menschlichen Kriterien zu richten, um auch so der grassierenden Männerfeindseligkeit besser entgegenzutreten? Ausserdem hat ja auch keine Frau wirkliches Interesse am Feminismus, der sie ja nur bevormunden will, und wird heute zwangsläufig zu diesen „allgemein menschlichen Kriterien“ neigen 🙂

  • Im Volksverhetzungsparagraphen heist es „Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,…“
    Hier wird also nur von der „Eignung“ und nicht von einer „tatsächlichen“ Störung des öffentlichen Friedens gesprochen. Klingt für mich ziemlich wachsweich…also wer will mal den Versuchsballon starten und den Herrn bei der Staatsanwaltschaft Anzeigen?

  • Danke, für Ihre vernünftigen Worte, die wieder einmal in den unvernünftigen Wind gesprochen wurden. Wie mühselig das ist, sehe ich an Rundfunkräten, die ich auf diese menschenfeindlichen Propagandasendungen aufmerksam machte. Sie stimmen mir zwar zu, aber haben nicht den Mumm, sich gegen den scheinbaren Common sense aufzulehnen und solche Sendungen zu problematisieren. – Ja, so funktionieren Schweigespiralen!
    Gruß M.M.

    • @ Matthias Mala Ich hab mich auch schon mal an einen Rundfunkrat gewandt, in einem ähnlichen Fall (Ich glaube, es war bei einer Sendung über die „Maskulinisten“ von Nina Bust-Bartels). Ich hab nicht einmal eine Antwort bekommen.

      Das ist aber eben ein Punkt, der wichtig ist. Dass einzelne Journalisten bescheuerte, verhetzte Sendungen vorlegen, wird bei großen Sendern auf Dauer kaum vermeidbar sein. Dass Redaktionen so einen Dreck durchwinken, möglicherweise sogar fordern – das macht es schon zu einem strukturellen Problem. Wenn dann aber die zuständigen Kontrollmechanismen der öffentlich-rechtlichen Sender sich weigern, ihre Arbeit zu erledigen – dann ist das kein Problem einzelner Fehlleistungen mehr, die es ja immer geben kann, sondern ein grundlegendes Problem der ganzen Institution.

      Das war dann auch der Hintergrund, warum ich im Text geschrieben hatte, dass die öffentlich-rechtlichen Sender sich weigern, den Auftrag ernst zu nehmen, mit dem sie ihre Gebühren überhaupt erst legitimieren.

  • “ „Moslems vergewaltigen, versklaven, erschießen oder steinigen. Unser Autor Florian Goldberg konstatiert der muslimischen Rasse eine latent strukturelle Gewalt.““

    Kein guter Vergleich. Islam ist keine Rasse. Keine angeborene Eigenschaft. Sondern ein Wertesystem; eine Meinung.

    • @ Adrian Ja, der Vergleich hinkt. Von einem kognitiven System können Menschen sich distanzieren, sie können es analysieren, Teile davon übernehmen, andere ablehnen, Positives von Negativem unterscheiden. Bei der Geschlechtszugehörigkeit geht es aber niemals allein um etwas, was ein Mensch denkt oder glaubt, sondern um das, was er IST. Insofern ist sie eher mit einer ethnischen Zugehörigkeit vergleichbar als mit einer religiösen – und der Sexismus hat in dieser Hinsicht mehr Ähnlichkeit mit dem Rassismus als mit der Feindschaft gegen eine Religion.

      Selbst wenn sich Goldberg noch so sehr von dem distanziert, was er als Männlichkeit ansieht, wird er doch nicht ändern können, dass er ein Mann IST. Selbst der extreme Misandrist Connell, der sich zu einer Frau hat operieren lassen, wird bestimmte Aspekte seines – oder: ihres – Mannseins niemals loswerden. Zumindest den Knochenbau z.B., oder insgesamt Teile der äußeren Erscheinung.

      Für den Zweck hier in meinem Text ist der Vergleich aber trotzdem brauchbar. Mir geht es ja nur darum, dass die Grundstruktur der „Argumentation“ bei Goldberg ganz sicher weithin als verhetzend angesehen würde, wenn sich sein Text nicht gegen Männer, sondern gegen Moslems richten würde. Aus den oben skizzierten Unterschieden ergibt sich lediglich, dass der Text – da er sich nun gegen Männer richtet – ganz gewiss nicht weniger inhuman ist, im Zweifelsfall ist er sogar noch problematischer.

    • @adrian/schoppe

      Es wird doch allenthalben behauptet, seitens der sog. social justice warriors, Kritik am Islam sei Rassismus.

      Begründet mit der „critical race theory“, die behauptet die „Weissen“ seien struktrurell alle rassistisch und könnten sich daher keine Kritik erlauben an den Kolonialisierten und „Farbigen“, da dies immer rassistisch sei.
      Natürlich ist dieser Anti-Rassismus selbst Rassismus, wenn auch ein verqueerer.

      Der Deutschlandfunk hat diese rassistische Theorie auch schon propagiert:

      Millay Hyatt – 3.5.2015, „Weisssein als Privileg“

      http://www.deutschlandfunk.de/critical-whiteness-weisssein-als-privileg.1184.de.mhtml?dram:article_id=315084

      https://www.perlentaucher.de/autor/millay-hyatt.html

      • „Es wird doch allenthalben behauptet, seitens der sog. social justice warriors, Kritik am Islam sei Rassismus.“

        Ja, und ich finde, man sollte dies nicht auch noch validieren indem man es (unbewusst) aufgreift und anwendet.

        • @ Adrian Auch im Hinblick auf Kritik am Islam gibt es Äußerungen, die ich nicht mehr legitim finde. Richtig finde ich, die Statements nicht einfach zu akzeptieren, dass die islamistische Gewalt nichts mit dem Islam zu tun habe, dass der Islam rundweg eine Religion des Friedens sei, etc. Das ist schließlich offensichtlich nicht der Fall.

          Falsch und illegitim wäre es, daraus zu schließen und zu verkünden, dass grundsätzlich jeder Moslem gewalttätig sei. Eben in dieser Weise argumentiert aber Goldberg – und das ist verhetzend, ganz gleich, ob es nun um Männer oder um Moslems geht.

      • @schoppe
        „…ganz gleich, ob es nun um Männer oder um Moslems geht.“

        Das ist grossen Teilen der Linken inzwischen eben nicht mehr gleich, ob es um „Männer“ oder „Moslems“ geht, denn die deren Bewertungsmassstab ist längst durch Rangfolge festgelegt.
        Insofern spricht der Vergleich, der mit dem Ersetzen einer Gruppe gegen die andere in den Hatztexten erzielt wird, nur zu denen, die diese Rangfolge noch nicht verinnerlicht haben oder wirklich glauben, dass alle Menschen gleich sind. An den neuen linken Chauvinisten geht das jedoch vollkommen vorbei und trifft sie nicht.
        Insofern kommt es auch Adrian so vor, als würde mit dem Vergleich eher etwas „validiert“, wenn kein klarer Hinweis damit verbunden ist, warum der ursprüngliche Textes eben spezifisch diese eine und keine andere Gruppe deligitimieren und dehumanisieren will.

    • „Islam ist keine Rasse. Keine angeborene Eigenschaft. Sondern ein Wertesystem; eine Meinung.“

      Nun ja, kann man so oder so sehen. Du wirst in eine Gesellschaft hineingeboren. Damit übernimmst du automatisch zu einem großen Teil das Wertesystem, die Religion, die Sprache, kulinarische Vorlieben etc. Natürlich ist das nicht biologisch angeboren, aber doch immerhin kulturell vererbt.

      ” „Moslems vergewaltigen, versklaven, erschießen oder steinigen. Unser Autor Florian Goldberg konstatiert der muslimischen Rasse eine latent strukturelle Gewalt.“”

      Zur kulturellen Vererbung passen diese „Kulturtechniken“ sogar noch viel besser als zu einer biologischen Eigenschaft wie Geschlecht.

  • Bei solchen Männern muß ich ja oft als erstes an Alison Tiemans Klassiker „The One Good Man“ denken. Hier paßt er sogar noch besser als in den meisten anderen Fällen.

    Als nächstes erinnerte mich dieser Text daran, daß es in den letzten Jahren mehrere Fälle gab, in denen männliche Feministen, und zwar gerade die lauten, die ganz besonders aktiv gegen die böse Toxic Masculinity und die allgegenwärtige Rape Culture wetterten, zugeben mußten, selbst einmal gegenüber Frauen sexuell übergriffig gewesen zu sein.

    Daher habe ich eine Hypothese (und wirklich nur das, eine Hypothese):

    Florian Goldberg ist ein gewalttätiger Mensch. Vielleicht hat er nur gewalttätige Impulse und Gewaltphantasien, vielleicht hat er auch schon einmal –oder mehrmals– tatsächlich jemanden geschlagen oder verprügelt, vielleicht sogar eine Frau. Aber selbst, wenn es nur Impulse waren: Weil Florian Goldberg sich doch für einen von den Guten hält, haben diese ihn erschreckt, sein Selbstbild schwer erschüttert.

    Wie kann er nur so etwas fühlen? Ist er vielleicht überhaupt kein Guter, am Ende sogar ein Schlechter? Das wäre furchtbar, schrecklich, das darf nicht sein! Also muß es einen Grund geben, der außerhalb seines Selbst liegt, auf den er beim besten Willen keinen Einfluß hat. Verzweifelt durchsucht er die populären Diskurse und findet… die Männlichkeit.

    Natürlich, das ist es! Mit diesem Makel geboren zu sein, das ist ein Joch, das er nun einmal tragen muß. Diese Schlechtigkeit ist seine Erbsünde.
    Aber er, Florian Goldberg, ist besser als die anderen Träger dieses grauenhaften Virus, denn er hat dessen grundbösen Einfluß erkannt und kämpft täglich schwer dagegen an. Und nicht nur das: Er beschützt die unbeschmutzbar Guten und Reinen, die Unschuldigen, die armen, in ständiger Angst lebenden Frauen, indem er auch die anderen fehlerhaften Menschen, die anderen Männer, aufruft, gegen die Schlechtigkeit, die er in ihnen erkannt hat, weil er sie doch auch selbst in sich trägt, anzukämpfen.
    Und so macht Florian Goldberg, der Eine Gute Mann, der strahlende Held und einsame Einzelkämpfer, gegen alle Anfeindungen der Unbelehrbaren die Welt zu einem besseren Ort!

    Oder er ist einfach nur ein Schläger mit einem schlechten Gewissen, aber ohne Einsicht.

    Aber wie gesagt, das ist nur eine in den Raum geworfene Hypothese.

    Bombe 20

    • Ja, ich glaube, da bist du ganz nah dran. Diese Projektionen sehen wir ja bei den Feministinnen auch ständig. Im Grunde sind sie super sexistisch, können sich das aber nicht eingestehen. Also sind es alle anderen und müssen bekämpft werden.

    • @ Bombe20 Ich schließe mich Roland an – auch wenn der Kommentar satirisch wirkt, trifft er auch in meinen Augen ziemlich ernsthaft einen wichtigen Punkt. Ich denke dabei auch an Connell, der ja radikal männerfeindliche Beschreibungen von Männern abgeliefert hat und damit zu einem der weltweite führenden „Männerforscher“ wurde. Ähnlich wie auch Kimmel. Besonders gut passt natürlich Hugo Schwyzer in Deine Reihe, der sich mit vielen sexuellen Verhältnissen mit Studentinnen selbst abgeschossen hat….

      Connell hat die eigene Männlichkeit so massiv abgelehnt, dass er sich zur Frau hat operieren lassen. Das ist erst einmal seine persönliche Sache. Irre aber ist es, dass er dabei immer noch, institutionengebunden und von der UN unterstützt, als einer der wichtigsten, ähem, Männerforscher gehandelt wird. Wie wäre es wohl umgekehrt – wenn eine Frau ihr eigenes Frausein so sehr ablehnte, dass sie sich zum Mann operieren lässt – und wenn ausgerechnet dieser Mann dann als weltweit führende Koryphäe der „Frauenforschung“ durch die Unis der Welt tingeln würde?

      • Schoppe,

        auch wenn der Kommentar satirisch wirkt, trifft er auch in meinen Augen ziemlich ernsthaft einen wichtigen Punkt.

        nun ja, Satire funktioniert ja nur, wenn sie in der Realität wurzelt. Aber ich weiß nun mal nichts über Florian Goldberg. Es ist durchaus möglich, daß das gewalttätigste, das er in seinem ganzen Leben getan hat, war, ehrenamtlich terminal krebskranke Katzen zu Tode zu streicheln.

        Daß der psychologische Effekt allgemein existiert, halte ich aber für offensichtlich. Um mal vom Feminismus wegzukommen, es gibt ja auch diverse Fälle wütender Eiferer gegen die Homosexualität, die irgendwann mit einem Stricher auf einer Flughafentoilette erwischt wurden.
        Oder, noch allgemeiner gesprochen: Oft ärgert uns an anderen am meisten das, was uns an uns selbst stört.

        Connell hat die eigene Männlichkeit so massiv abgelehnt, dass er sich zur Frau hat operieren lassen.

        Darauf habe ich eine etwas andere Perspektive: Raven Connell ist eine Frau, die den Großteil ihres Lebens als Mann verbringen mußte. Daß das nicht ohne schädliche Auswirkungen bleibt, ist schon plausibel (, wenn auch ein schwerer Schlag für die Gender-Theorie), ebenso, daß sie das Thema Geschlecht stärker beschäftigte als andere Menschen. (Ich unterstelle jetzt mal, daß sie sich ihrer Transsexualität nicht bewußt war –dann wäre die späte Transition tatsächlich mindestens dämlich–, aber ständig merkte, daß irgendetwas an ihr falsch war.)

        Warum sie dabei offenbar nur die von Männern verursachten Probleme wahrgenommen hat, die dafür aber umso stärker, läßt sich dann ja wieder mit obiger Annahme erklären: Sie haderte mit ihrer eigenen Männlichkeit, folglich mußte auch (fast) alle andere Männlichkeit schlecht sein. Und gleichzeitig glorifizierte sie die Weiblichkeit, die das war, was sie –wissentlich oder nicht– erstrebte. In dem Sinne war auch sie Tiemans One Good Man: „The One Good Man sees in Woman what men lack. Woman is bright and charming and good. Men are dark and sinister and bad.“

        Peinlich für die wissenschaftliche Gemeinschaft ist allerdings tatsächlich, daß die Aufdeckung von Connells persönlicher Betroffenheit offenbar keinerlei kritische Neubewertung ihrer Erkenntnisse nach sich gezogen hat. Eher im Gegenteil, scheint es mir.

        (Dabei zeigen die mir bekannten Erfahrungsberichte von Transsexuellen vor allem eins: Wer vorher schon feministisch eingestellt war, der interpretiert auch alle Erfahrungen vor und nach der Transition durch die feministische Brille.
        Dorian Liebenau spult etwa in der Doku „Ich bin jetzt Mann. Punkt.“ ungerührt klassische feministische Klischees ab: „Seit ich als Mann lebe, wird mir viel mehr Raum gegeben.“ Andererseits gibt es aber auch transsexuelle Männerrechtler und von einem transsexuellen Erzieher las ich mal etwa: „Weil ich meinen Beruf als Frau gelernt hatte, mußte ich mich massiv umgewöhnen. Ein Kind auf den Schoß zu nehmen, zu trösten, zu streicheln oder mit ihm zu schmusen war vorher selbstverständlich und gut, jetzt erregt es Verdacht.“
        Aber das nur als Exkurs.)

        Wie wäre es wohl umgekehrt – wenn eine Frau ihr eigenes Frausein so sehr ablehnte, dass sie sich zum Mann operieren lässt – und wenn ausgerechnet dieser Mann dann als weltweit führende Koryphäe der “Frauenforschung” durch die Unis der Welt tingeln würde?

        Das wäre ganz offensichtlich ein extremer Fall von „internalized Misogyny“. Weswegen das mit der weltweit führenden Koryphäe auch nichts würde. Manchmal stellst Du echt naive Fragen…

        Bombe 20

      • „Manchmal stellst Du echt naive Fragen…“ Naja, ich habe mir meine Naivität hart erarbeitet…

        Den Kommentar zu Connell finde ich richtig. Allerdings ist meines Wissens die nachweisbar starke Ablehnung des körperlichen Geschlechts Voraussetzung dafür, dass überhaupt eine Geschlechtsumwandlung – aus der eigenen Perspektive: Geschlechtskorrektur – möglich wird.

        Alles in Ordnung, für ihn/sie persönlich kann ich das überhaupt nicht bewerten. Aber als „Männerforscher/in“ ist Connell damit nun mal erheblich belastet.

  • „Nger vergewaltigen, rauben, erschießen oder steinigen. Unser Autor Florian Goldberg konstatiert Ngern eine latent strukturelle Gewalt.“

    Und so weiter.

    Wie schon mehrfach festgestellt: So etwas nennt man Hetze.

    Oder Rassismus. Oder beides.

    Hinter solchen Aussagen verbirgt sich rassistisches Gedankengut.

    Eine rassistische Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass man solches Gedanken ungestraft äußern kann und alle dazu noch das Nickmännchen machen. Ja, klar, das ist halt leider so. Schon schlimm, das mit den N*gern, aber so sind sie halt.

    Eine solche Reaktion könnten sie in den Südstaaten des vergangenen Jahrhunderts finden, oder im Apartheidsregime Südafrikas. Da konnten intelligente, gebildete Leute solche Sachen sagen, und mit pseudowissenschaftlichem Quark auch „belegen“.

    In einer solchen rassistischen Gesellschaft verstehen sich die, die sich so artikulieren, natürlich nicht als „Hetzer“. Man hat nicht wirklich was gegen Nger, wenn sie sich halt nur ein bisschen menschlicher verhalten würden. Insofern sind dann die Aussagen ja nur als „nachdenkliche kritische Gedanken“ über Nger zu verstehen, weil die halt nunmal ein echtes Problem sind.

    Dann antwortet so ein gebildeter Südstaatenrassist vielleicht auch:

    „Nirgendwo im Beitrag des Autors ist irgendein Ansatz von Hass vorhanden, sondern im Gegenteil der Aufruf zu Nachdenklichkeit.“

    Denn, nein, wie könnte man Aussagen wie „Bei genauerer Betrachtung erkenne ich in den zitierten Verbrechen extreme Ausdrucksformen einer negroiden Gewalt, die in allen N*gern angelegt ist“ mit Hetze bezeichnen? Ist doch alles wahr, oder nicht?

    Eine wirklich rassistische Gesellschaft ist nämlich eine, in der Leute in großem Stil solchen Unfug tatsächlich glauben und für bare Münze nehmen.

    Interessanterweise gibt es in solchen Gesellschaften immer auch das Phänomen des „guten Ngers“. Eines, der die „Werte seiner Gesellschaft angenommen hat“ und „es geschafft hat“, und sich in seinem Denken auch den rassistischen Denkmustern unterwirft. Ein solcher sieht dann in der selben Weise auf seinesgleichen herab und bringt auch fertig, selbst solche Statements abzuliefern, weil er gelernt hat, selbst daran zu glauben. Diese Haltung hilft ihm dabei, im System zu kooperieren – aber er täuscht sich, wenn er glaubt, es würde ihn vor dem Rassismus der Gesellschaft schützen. Auch ihn kann aus nichtigem Anlass der Rassismus treffen, und sein „guter Nger sein“ kann dann jederzeit als betrügerische Maske gelabelt werden. Als N*ger steht er in einer solchen Gesellschaft immer unter besonderer Beobachtung und dem besondern Argwohn. Er ist halt einfach ein potentieller Verbrecher.

    • Charakteristisch für eine rassistische Gesellschaft ist die reflexhafte Diffamierung und Verleumdung aller, die sich für die Rechte der diskriminierten Gruppe einsetzen. Der Niggerfreund und der Maskus haben dabei gemeinsam, dass man sofort, nur durch Betonung der Rechte von schwarzen bzw. Männern, dem Vorwurf ausgesetzt ist, „Frauen“ schutzlos zu lassen, der Vergewaltigung freizugeben.
      „rape apologist“ ist das äquivalent zu „es ist dir wohl egal, wenn N+gger „unsere“ Frauen belästigen und vergewaltigen?“
      Der Vorwurf kommt zusammenhanglos zu dem, was man an Recht für schwarze oder Männer gefordert hat. Das emotional aufgeladene „Argument“ kommt als daraus behauptete Preisgabe der Frauen. „Rassenschande“ ist da eine ausgesprochene Konstante in praktisch allen Rassismen. Die aktuelle Männerverachtung erscheint da als der ultimative „-ismus“, der dieses „Grundbedürfnis“ einer Gegnerschaft gegenüber zu beschützenden Frauen befriedigt.

    • In einer rassistischen Gesellschaft sagt der Rassist auch nicht: „das wird man ja wohl noch sagen dürfen“. In einer rassistischen Gesellschaft verteidigt sich der Rassist nicht. Er fühlt sich durch alles immer nur bestätigt.
      Ein schwarzer spricht eine Frau an: Belästigung, nah an Vergewaltigung. Jemand verteidigt das als legitim: N*ggerreund, Frauen werden als Freiwild freigegeben, wenn wir sie nicht schützen.
      Pauschale Diffamierung aller Männerrechtler als „Hetzer“, Rechte und Gewalttäter in Deutschlandradio ist völlig in Ordnung. Die Bezeichnung eines Artikels, der nicht nur Männerrechtler, sondern überhaupt Männer als Wesen bezeichnet,die „vergewaltigen, versklaven, erschießen oder steinigen“ als „Hetze“, wird dagegen gekontert mit:
      „Generell fällt das Wort „Hetze“ auf diejenigen Kommentatoren zurück, die es im Forum gebrauchen.“ Aha, alles klar. Wer das Wort „Hetzer“ dagegen in einem Feature gegen Männerrechtler benutzt, ist nur „kritisch und nachdenklich“.

      Wer offen fragt:
      „Sind N*ger per se ein Gewaltproblem unserer Gesellschaft?“, nachdem er im Artikel der „schwarzen Rasse“ eine latent strukturelle Gewalt zugeschrieben hat, „die andere Menschen zerhacken, verdreschen, vergewaltigen, versklaven, erschießen, steinigen“, und dann noch ohne rot zu werden fragt: „Mit welchen Worten wird denn „offen gehetzt“?“, der muss schon sehr tief in seinem rassistischen Denken gefangen sein.

      Hier gibt es keinen Hauch von Zweifel mehr, keine Notwendigkeit, sich zu rechtfertigen oder irgend etwas am eigenen Rassismus zu beschönigen. Hier steht jemand, der all das in plakativster selbstbewusster Weise verkörpert und dazu steht.

      Weil er sich in seinem Rassismus einfach sicher ist.
      Nur aus einem solchen Selbstverständnis kann man solche Kaltschnäuzigen Antworten schreiben, wie sie Deutschlandradio Kultur in der Diskussion abgesondert hat.

      Ekelhaft.

      • „Ist doch alles wahr, oder nicht?“ Ich glaube, das ist ein sehr wichtiger Punkt. Rassisten sind nicht deswegen Rassisten, weil sie es toll und richtig finden, rassistische Arschlöcher zu sein – sondern weil sie davon überzeugt sind, dass die Welt so ist, wie sie sie sehen. Wer einem Rassisten z.B. jemand erklärt, es sei rassistisch zu behaupten, dass Schwarze stinken würden, dann antwortet der wohl nicht mit „Weiß ich, aber ich bin gern Rassist!“ – sondern mit „Wieso, das stimmt doch…?“ Primitive Klischees sehen halt oft nur von außen wie primitive Klischees aus – für den, der sie im Kopf hat, spiegeln sie hingegen die Wirklichkeit akkurat wieder.

        Ähnlich mit einem Satz wie „Männer versklaven, vergewaltigen etc.“, der dann in der Sendung ausdrücklich auf ALLE Männer bezogen wird. Auch das wird dann eben allen Ernstes nicht als Hetze, als Menschenfeindlichkeit erlebt…

        Das ist dann wohl auch der Grund, warum viele Feministinnen davon überzeugt sind, nicht männerfeindlich zu sei – während sie im selben Moment männerfeindliche Klischees en masse produzieren. „Wieso, das stimmt doch…Männer sind doch so,,,,,“

        • „Das ist dann wohl auch der Grund, warum viele Feministinnen davon überzeugt sind, nicht männerfeindlich zu sein“

          ….was dann wiederum zu so wunderbar männerverachtenden Stilblüten führt wie, dass man ja nicht Männer hasse, schließlich glaube man ja daran, dass Männer sich ändern können, wenn sie nur fest genug an sich arbeiten…

          Auch Männer können sich zu vollwertigen Menschen entwickeln, gewissermaßen, wenn sie das männliche (also das böse) in sich überwinden.

          Es ist dann halt echt ein Problem mit diesen Männerrechtlern, die so absolut nicht zu wollen scheinen, dass Männer sich endlich ändern. Es sind halt rückwärtsgewandte, reaktionäre Arschlöcher, wie man das gerne auch wörtlich so zum Ausdruck bringt.

          Dass man sich erst mal nur gegen übergriffige vereinahmende verachtende Klischees verwahrt, ist nicht einmal im Ansatz vermittelbar. Die Klischees sind zu sehr verankert, um überhaupt in Frage gestellt zu werden. Sie zu äußern, ist ja „nur ein Aufruf zu nachdenklichkeit“. Zu nachdenklichkeit über die eigene männliche Schlechtigkeit. Dass man diese Art von „Nachdenklichkeit“ nach über 40 Jahren Indoktrination nicht mehr originell findet und dieser Form von Selbstbeschämung und Selbstanklage irgendwann einmal überdüssig werden kann, lässt sich nicht vermitteln an jemanden, der diese Formen noch immer für total progressiv hält.

      • @maddes
        „für total progressiv hält“

        Progressiv bedeutet ja lediglich „fortschrittlich“. Und als „fortschrittlich“ kann man alles hinstellen, insbesondere brauch man sich bei dem Label nicht zuerst um Moral und Ethik scheren.

        Die Selbstimmunisierung, die Vertreter der genannten -ismen in Bezug auf Entgegnungen zeigen, muss man versuchen zu verstehen, um besser nachhaken zu können als vage bleibende Vergleiche zu ziehen.
        Der Grundnenner der Selbstimmunisierung scheint immer zu sein, dass man an die absolute Überlegenheit der eigenen Position glaubt und diesen Glauben auch noch für ein Wissen hält.

        Daher ist es auch nicht produktiv um die Interpretation von Fakten zu ringen, die von einem Standpunkt dieses überlegenen Wissens immer als beliebig dehnbar wahrgenommen werden müssen. Da fehlt einfach eine gemeinsame Basis und man kann nur aneinander vorbei reden.

      • @Alex
        „Progressiv bedeutet ja lediglich “fortschrittlich”. Und als “fortschrittlich” kann man alles hinstellen, insbesondere brauch man sich bei dem Label nicht zuerst um Moral und Ethik scheren.“

        Ich hatte diese Aussage bewusst in den Kontext gestellt, „Dass man diese Art von ‚Nachdenklichkeit‘ nach über 40 Jahren Indoktrination nicht mehr originell findet und dieser Form von Selbstbeschämung und Selbstanklage irgendwann einmal überdüssig werden kann“.

        An den 40 Jahre alten Kamellen ist eben nichts „progressiv“, es sind ganz alte Zöpfe, die mir schon zu den Ohren wieder rauskommen.
        Was Leuten, für die „progressiv“ ein Selbstzwek zu sein scheint, immerhin zu denken geben sollte. Nicht, dass „progressiv“ für sich genommen ein selbstzweck sein sollte. eine „fortschrittliche“ Meinung sollte sich aus sich selbst heraus begründen können. Wenn sie das nicht kann, ist der „Fortschritt“ möglicherweise nichts wert. Das „Argument“ richtet sich insofern an Leute, die „progressiv“ für ein „Argument“ halten. Es ist nun mal nicht „progressiv“, sondern regressiv.

  • Schon seltsam, das Gruppieren von Menschen nach körperlichen Merkmalen wird wird zu 100% als rassistisch abgelehnt, nur den fundamentalsten körperlichen Unterschied zwischen Menschen, den des Geschlechts, den darf man benutzen, um Menschen aufzuteilen, und kann sich dabei noch ob seines Antirassismus brüsten.

    • @mocho
      Das hat zunächst mal mit Rassimus aber gar nichts zu tun und vermutlich daher hat sich das auch unbemerkt einschleichen können.

      Ist es nicht auch absolut absurd, dass die eine Hälfte der Menschheit gegen die andere in Stellung gebracht werden soll, ausgerechnet über einen Gegensatz Mann — Frau? Das ist eigentlich so ungeheuerlich, dass man es gar nicht glauben kann.

      Ich denke, der grössere Teil unserer Gesellschaft mag zwar mittlerweile ein Unbehagen verspüren, was die medial dauerpräsente Männerfeindschaft angeht. Aber darin ein System zu erblicken, welches auf ganz gewissen, zentralen ideologischen Vorstellungen beruht, die weit verbreitet sind, das dürften die meisten nicht mal ahnen. Und hier müsste jede Aufklärungsarbeit ansetzen. Aber ob diese noch erfolgreich sein kann?……

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