Alles beim Alten im Universum

Der neue Star Wars-Film Das Erwachen der Macht (The Force Awakens) ist eigentlich ein idealer Film zum Jahreswechsel. Er wird angekündigt mit ungeheurem Getöse… es ist praktisch unmöglich, ihn nicht zu bemerken… und etwas ganz Neues beginnt – aber dann entwickelt sich eigentlich nur eine ganz alte Geschichte, die allen schon vertraut ist.

Immerhin bietet das eine Chance dazu, zu überlegen, wodurch denn neue Geschichten möglich würden….

Der Film hatte den „besten Start der Kinogeschichte“, dann „das beste Ergebnis eines Filmes in der zweiten Woche in den Vereinigten Staaten und Kanada“ und hat keine zwei Wochen nach dem Start schon weltweit über eine Milliarde Euro eingespielt. The Force Awakens – Das Erwachen der Macht: Das bezieht sich nicht allein auf seinen Inhalt, sondern vor allem auf den Film selbst. Star Wars kommt mit ihm dort wieder an, wo die Geschichte vor fast 40 Jahren 1977 startete.

Die Rückkehr zu den Anfängen ist sicherlich ein Grund für seinen enormen Erfolg, aber sie ist auch ein Problem. Weiterlesen

Eine Weihnachtsgeschichte

Vor zwei Jahren hatte ich schon einmal eine Weihnachtsgeschichte geschrieben und im Blog veröffentlicht – ein Anlass war damals eine verunglückte Weihnachtswerbung. Vor einigen Tagen hatte ich mich daran zurückerinnert und gedacht, dass eine kurze Geschichte zu Weihnachten möglicherweise besser passt als ein ganz normaler Blogeintrag. Also habe ich noch eine geschrieben.

Die Geschichte ist aus der Perspektive eines Trennungskindes erzählt. Glücklicherweise gibt es mittlerweile einige Initiativen, die Trennungskindern ihre Situation erleichtern können – und typischerweise sind dies private Initiativen, keine aus den öffentlichen Institutionen wie etwa dem Familienministerium oder gar aus Parteien. Das Blog Geschlechterlallerlei  berichtet beispielsweise über den Verein „Flechtwerk 2+1“ und die Facebookgruppe „Quartier für Väter mit weiter Anreise“. Beiden geht es darum, Vätern – und auch Müttern – mit einer weiten Anreise zum Wohnort ihres Kindes Übernachtungsmöglichkeiten bei ehrenamtlichen Gastgebern zu vermitteln. Über Flechtwerk 2+1 hat auch schon die Badische Zeitung berichtet.

Mehr Informationen gibt es hier:

Über Flechtwerk 2+1 

Über die Facebookgruppe Quartier für Väter mit weiter Anreise 

weihnachten

Eine weite Anreise hat auch der Vater in der folgenden Geschichte – im Mittelpunkt steht aber das Kind, nicht er. Es ist eine traurige Geschichte, aber eine Weihnachtsgeschichte ist es auch.

Ich wünsche allen – ob sie sich hier aufs Lesen beschränken oder ob sie auch kommentieren – sehr schöne Weihnachtstage! Weiterlesen

Nazis, überall Nazis

Über die Konjunktur von Nazivergleichen und das Verschwinden der Zivilität

Justizminister Heiko Maas hatte die Situation gewohnt umsichtig durchschaut.

„Zumindest die, die auf der Bühne standen und bedauert haben, dass die KZs nicht mehr in Betrieb sind, das sind Nazis“.

Was war passiert? Akif Pirinçci hatte auf einer Pegida-Demonstration im Oktober wie gewohnt Amok geredet, von „Moslemmüllhalden“ gesprochen und einen Satz formuliert, der dann später häufig und empört zitiert wurde: „Aber die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb.“

finger

Nur einer sehr oberflächlichen Betrachtung scheinen diese beiden Gesten ähnlich zu sein, tatsächlich sind sie natürlich fundamental unterschiedlich. Die eine Geste ist ein verrohter Ausdruck von Hass, von Feindschaft, antizivil und repressiv – die andere ist eine im Kern zivile Geste der Emanzipation, der Auflehnung gegen inhumane und antidemokratische Strukturen. Sehr leicht zu unterscheiden – wenn man es erst einmal weiß.

Im Zusammenhang seiner Rede wird deutlich: Pirinçci hatte Bedauern in dem Wort „leider“ Angela Merkels Regierung unterstellt und angedeutet, sie würde, wenn möglich, gern Konzentrationslager für Gegner ihrer Flüchtlingspolitik bauen.

Pirinçcis Gegner wieder sahen den Satz als Bestätigung dafür an, dass er und andere Pegida-Aktive selbst gern Konzentrationslager bauen würden.

Eine Situation, die albern wäre, wäre sie nicht so bitter – und die sich als Sinnbild für politische Debatten im Deutschland des Jahres 2015 eignet: Deutsche verschiedener politischer Richtungen, unter ihnen ein Bundesminister, unterstellen sich hier gegenseitig grund- und sinnlos die Absicht zum Bau von KZs.

In Diskussionen um die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen wird schon seit Langem die Frage gestellt, was aus dieser Erinnerung werde, wenn die letzten Zeitzeugen gestorben sind und sie nur noch von Nachgeborenen weitergegeben werde. Die deprimierende und hoffentlich bloß vorläufige Antwort: Die Erinnerung an die Verbrechen Deutschlands wird zu einem beliebigen Instrument, um beliebige politische Gegner willkürlich, aber so massiv wie möglich diffamieren zu können. Weiterlesen

Wie die Grünen Jungen opferten

Ein Rückblick auf ein Ereignis des Jahres, dessen Bedeutung wohl unterschätzt worden ist: Im Frühjahr erschien der Bericht der grünen „Kommission zur Aufarbeitung der Haltung des Landesverbandes Berlin von Bündnis 90/ DIE GRÜNEN zu Pädophilie und sexualisierter Gewalt gegen Kinder“. Er machte – vielleicht gegen die Absicht der Autoren – deutlich, dass die grüne Unterstützung für sexuelle Gewalt gegen Kinder nicht einfach auf naiver Solidarität mit einer pädosexuellen Randgruppe beruhte, sondern auf politischen Kalkülen und auf einer fehlenden Empathie für Jungen.

Von „bis zu tausend Opfern“ müsse möglicherweise gesprochen werden: Der Bericht zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt gegen Kinder im Umfeld des grünen Landesverbandes in Berlin wurde im Frühjahr mit einer ungeheuren Zahl vorgestellt. Auch wenn der Mitautor des Berichts seine Angabe später relativiert hat, ist deutlich, dass es zumindest in direkter Verbindung mit dem Berliner Landesverband „massiven sexuellen Missbrauch von Kindern“ gegeben hat

Obwohl der Bericht organisierte sexuelle Gewalt gegen Kinder beschreibt, obwohl er darstellt, wie die Täter diese Gewalt über mehr als ein Jahrzehnt lang ausüben konnten, und obwohl deutlich wird, dass Funktionsträger der Alternativen Liste zu den Tätern gehörten, dass sie über die Partei ihre politischen Forderungen nach Straffreiheit lancierten und die Taten insgesamt die Rückendeckung des Berliner Landesverbandes hatten: Abgesehen von ein paar Artikeln hat der Bericht relativ wenige Folgen gehabt.

grüne collage

Wohl keine andere Partei in Deutschland und Österreich nutzt Kinder so konsequent für Wahlkampfzwecke wie die Grünen. Dabei geht es keineswegs nur um Themen, die Kinder spezifisch betreffen, sondern auch um Energie-, Verkehrs-, Geschlechter-, Ernährungs-, Sozial-, Einwanderungs- oder Finanzpolitik, um allgemeine Parteienwerbung oder um Spendenaufrufe. Kampagnen in ganz beliebigen Bereichen der Politik werden so von den Grünen durch die werbewirksame Nutzung von Kindern aufgepeppt.

Dabei ist dann auch über einige seiner erschreckenden Aspekte bislang nur wenig diskutiert worden. Das liegt unter anderem daran, dass der Bericht von einer Kommission verfasst wurde, welche die Grünen selbst eingesetzt hatten: Einerseits ist er – im Hinblick auf eine grüne Imagepflege – an einigen Stellen von einer durchaus selbstverletzenden Offenheit und Klarheit, andererseits vermeidet er eben die Fragen, die er selbst nahelegt. Das sind vor allem Fragen danach, was die Grünen der Achtziger und Neunziger Jahre, die – daran besteht angesichts des Berichts kein Zweifel – institutionell in organisierte sexuelle Gewalt gegen Kinder verstrickt waren, mit den heutigen Grünen gemein haben.

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Was tun?

Ein Arbeitspapier 

Vorbemerkung: Nach dem Gender-Kongress der letzten Woche lebte ein Konflikt wieder auf, der schon eine längere Tradition hat: einer zwischen Bloggern und Kommentatoren im Netz auf der einen und politisch Aktiven in der Offline-Welt auf der anderen Seite.

Je nach Sichtweise stehen sich dabei gegenüber: Aktive, die in der realen Welt und der realen Politik etwas einsetzen, etwas riskieren und leidenden Menschen helfen vs. Blogger und Kommentatoren, die von ihrem sicheren Wohnzimmer aus die Welt erklären, aber den Arsch nicht hochbekommen. Oder: Menschen, die in ihrer ungeheuer knappen Freizeit dazu beitragen, dass im Internet endlich offene, demokratische Diskussionen geführt werden,  vs. aktivistische Mackertypen, die auf die eigentlich sehr wohlwollende Bloggerszene mit irrationaler Verachtung herabblicken und für die nur diejenigen echte Männer sind, die auch ihre Haut riskieren.

Oder so.

Meine persönliche Einschätzung ist, dass sich in solchen scharfen und durchaus verletzenden Auseinandersetzungen die noch immer durchgehaltene politische Isolation von Menschen ausdrückt, die sich in Geschlechterdebatten auch für die Interessen von Jungen und Männern einsetzen wollen.

Da wir also aus den Auseinandersetzungen, die wir führen müssten, weiterhin weitgehend ausgeschlossen sind – da diejenigen, die echte Missstände verantworten, sich weiterhin gelassen taub stellen können: Daher werden Vorwürfe dann eben an die gerichtet, die überhaupt zum Zuhören bereit sind. Innerhalb des Cordon Sanitaire, den Akteure wie Thomas Gesterkamp – in einer tief inhumanen Metapher, übrigens – um die Männerrechtsbewegung zu legen fordern, gehen dann eben immer wieder einmal Menschen aufeinander los, die jeweils für sich das Gefühl haben, am Ende ihrer Möglichkeiten zu agieren und dabei im Stich gelassen zu werden.

Mann

Sieht so heutzutage politisches Engagement aus? Oder ist es nötig, dafür aufzustehen?

Im August hatten  Crumar, regelmäßiger Kommentator in einer Reihe von Blogs und Forenund ich einmal versucht, in Berlin ein informelles Treffen von Akteuren in der Online- UND der Offline-Welt zu organisieren. Da damals viele der Angeschriebenen keine Zeit hatten und einige noch kurzfristig nicht kommen konnten, sagten wir das Treffen schließlich ab – mit Rücksicht auf diejenigen verbliebenen Interessierten, die eine lange Anreise gehabt hätten.

Wir trafen uns aber trotzdem – ohnehin schon in Berlin, kamen wir in einer sehr kleinen Dreiergruppe zusammen, um zu überlegen, wie wir Vorarbeiten für ein mögliches neues Treffen leisten könnten: Der Autor Gunnar Kunz, Crumar und ich.

Es war damals, am Wochenende des 21. und 22. August, schon klar, dass wir dieses Treffen im Jahr 2015 nicht mehr würden organisieren können. Ich habe selbst seit diesem Zeitpunkt keine einziges freies Wochenende mehr gehabt, hatte jeweils Termine zum Umgang mit unserem Sohn oder berufliche Termine und war ohnehin privat und beruflich absorbiert – Crumar war beruflich noch stärker eingespannt als ich – Gunnar hatte  im Herbst eine Zeit voller Lesungen.

Wir hatten trotzdem zwei sehr interessante, produktive Tage. Ein paar der Ideen hielten wir hinterher in einem bewusst kurz gehaltenen Arbeitspapier fest, das wir einem weiteren Treffen zu Grunde legen wollten. Einige Ideen daraus – zum Beispiel die eines Youtube-Kanals – werden unabhängig davon mittlerweile auch schon diskutiert.

Wir veröffentlichen das Papier jetzt aber, weil wir hoffen, damit etwas zur Entschärfung der Konflikte beitragen zu können. Vorher aber noch etwas Wichtiges: einen ganz herzlichen Dank an die Organisatoren des Kongresses und alle, die zu ihm beigetragen haben!

Lucas Schoppe Weiterlesen