Jungen

Wie die Grünen Jungen opferten

Werbeplakat die Grünen
geschrieben von: Lucas Schoppe

Ein Rückblick auf ein Ereignis des Jahres, dessen Bedeutung wohl unterschätzt worden ist: Im Frühjahr erschien der Bericht der grünen „Kommission zur Aufarbeitung der Haltung des Landesverbandes Berlin von Bündnis 90/ DIE GRÜNEN zu Pädophilie und sexualisierter Gewalt gegen Kinder“. Er machte – vielleicht gegen die Absicht der Autoren – deutlich, dass die grüne Unterstützung für sexuelle Gewalt gegen Kinder nicht einfach auf naiver Solidarität mit einer pädosexuellen Randgruppe beruhte, sondern auf politischen Kalkülen und auf einer fehlenden Empathie für Jungen.

Von „bis zu tausend Opfern“ müsse möglicherweise gesprochen werden: Der Bericht zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt gegen Kinder im Umfeld des grünen Landesverbandes in Berlin wurde im Frühjahr mit einer ungeheuren Zahl vorgestellt. Auch wenn der Mitautor des Berichts seine Angabe später relativiert hat, ist deutlich, dass es zumindest in direkter Verbindung mit dem Berliner Landesverband „massiven sexuellen Missbrauch von Kindern“ gegeben hat

Obwohl der Bericht organisierte sexuelle Gewalt gegen Kinder beschreibt, obwohl er darstellt, wie die Täter diese Gewalt über mehr als ein Jahrzehnt lang ausüben konnten, und obwohl deutlich wird, dass Funktionsträger der Alternativen Liste zu den Tätern gehörten, dass sie über die Partei ihre politischen Forderungen nach Straffreiheit lancierten und die Taten insgesamt die Rückendeckung des Berliner Landesverbandes hatten: Abgesehen von ein paar Artikeln hat der Bericht relativ wenige Folgen gehabt.

die grünen2

Dabei ist dann auch über einige seiner erschreckenden Aspekte bislang nur wenig diskutiert worden. Das liegt unter anderem daran, dass der Bericht von einer Kommission verfasst wurde, welche die Grünen selbst eingesetzt hatten: Einerseits ist er – im Hinblick auf eine grüne Imagepflege – an einigen Stellen von einer durchaus selbstverletzenden Offenheit und Klarheit, andererseits vermeidet er eben die Fragen, die er selbst nahelegt. Das sind vor allem Fragen danach, was die Grünen der Achtziger und Neunziger Jahre, die – daran besteht angesichts des Berichts kein Zweifel – institutionell in organisierte sexuelle Gewalt gegen Kinder verstrickt waren, mit den heutigen Grünen gemein haben.

Ungezählte stille Dramen

„Es ist davon auszugehen, dass weitere Aktive des Schwulenbereichs zwischen 1979 und 1995 nicht nur aus politischer Überzeugung, sondern auch im eigenen Interesse für die Abschaffung der §§ 174 und 176 StGB eintraten.“ (S. 34)

Es ist zudem davon auszugehen, dass sich hinter der distanzierend-abstrakten Darstellung des Berichts ungezählte stille Dramen verbergen. Ins Konkrete übersetzt: Diejenigen Aktiven des grünen Schwulenbereichs, die für eine Straflosigkeit der Sexualität Erwachsener mit Kindern eintraten, taten dies nicht einfach als Gedankenspiel, sie formulierten nicht einfach nur theoretische Schlussfolgerungen aus der Idee einer umfassenden Abschaffung des Strafrechts – sondern sie übten regelmäßig sexuelle Gewalt an Kindern aus und wollten dies legalisieren.

Wer sich heute – wie die Autoren des Berichts –  darauf beruft, dass die Unterstützung oder Billigung des Engagements von Pädosexuellen einfach nur auf einem allzu naiven Idealismus, einem „falsch verstandenen ‚libertären Geist’“ (21) gewachsen sei, kaschiert damit etwas Wesentliches: Auch ein fehlgeleiteter Idealismus hätte nicht in der Unterstützung von systematischer sexueller Gewalt gegen Kinder münden können, wenn er nicht von einer Kultur des Wegschauens und einem beunruhigenden Mangel an Empathie mit den Kindern begleitet worden wäre.

Dieter Ullmann beispielweise wurde 1981 von der Mitgliedervollversammlung der Alternativen Liste auf die Liste des Bezirks Neukölln für das Abgeordnetenhaus gewählt. Bei der Wahl hatte er gerade Freigang:

„Zu dieser Zeit verbüßte er in der Justizvollzugsanstalt Berlin-Moabit eine Freiheitsstrafe wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern.“ (32)

Später wurde er dann „wegen vier verschiedener Missbrauchsfälle an Jungen zwischen sieben und zwölf Jahren mehrfach verurteilt“ (33). Über den AL-Abgeordneten Stefan Reis lancierte Ullmann Anfragen im Berliner Abgeordnetenhaus (72), die – so Reis im Rückblick – „dazu gedient (hätten), das Wissen der Behörden über die Aktivitäten der Pädosexuellen, z. B. im Kreuzberger Falckensteinkeller, abzufragen.“

Der Falckensteinkeller wurde in Kreuzberg von dem mehrfach wegen Kindesmissbrauchs verurteilten Fred Karst betrieben – ein Treffpunkt für „Schlüsselkinder“. In ihm und in sogenannten „offenen Wohnungen“ wurden von Karst, Ullmann und anderen „Jungen im Alter von 7 bis 12 Jahren sexuell missbraucht“. (28/29) In vorgeblich sozialen Einrichtungen für vernachlässigte Kinder schufen sich die Männer so systematisch und institutionalisiert Kontakte zu Jungen, die aufgrund ihrer prekären sozialen und familiären Situation besonders verletzbar waren. Karst trat 1983, noch in Haft, in die AL ein, war dort im Schwulenberich aktiv und gründete darin die Gruppe „Jung und alt“.

Auf Bundesebene wurde 1980 auf dem Parteitag der Grünen eine Forderung zur Neugestaltung der Paragrafen 174 und 176 – zum sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen und von Kindern – beschlossen, „dass nur Anwendung oder Androhung von Gewalt oder Missbrauch eines Abhängigkeitsverhältnisses bei sexuellen Handlungen unter Strafe zu stellen sind.“ (7) Die Forderung blieb bis 1993 Teil des grünen Grundsatzprogramms, die Berliner AL nahm sie 1985 in ihr Wahlprogramm auf. (12) Wie sehr die Partei der Illusion anhing, eine einvernehmliche Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern sei prinzipiell möglich, macht die Reaktion auf eine Zwischenfrage des CDU-Abgeordneten Manfred Jewarowski im Abgeordnetenhaus deutlich. Er verwies damit auf den Beschluss der nordrhein-westfälischen Grünen, die Sexualität von Erwachsenen mit Kindern straffrei machen wollten.

„Darauf erfolgte ein Zwischenruf von Renate Künast: ‚Komma, wenn keine Gewalt im Spiel ist!’, der auf den konkreten Inhalt des Antrags der nordrhein-westfälischen Grünen Bezug nahm.“ (74)

Die Mitgliedervollversammlung der Berliner AL stimmte 1980 einem Antrag des Schwulen- und Lesbenbereichs „zur Aufnahme des Programmpunkts Streichung der §§ 174-176 StGB“ (8) zu – auch hier mit Abgrenzung zu gewalthaftem Handeln, das aber ja ohnehin schon durch das Verbot von Nötigung und Körperverletzung ausgeschlossen sei.

Erst nach der Wahlniederlage der nordrhein-westfälischen Grünen 1985, die mit ihrem Vorstoß zur Straffreiheit der Sexualität Erwachsener mit Kindern Schlagzeilen gemacht hatten, ging die Partie stärker auf Distanz zu den Forderungen Pädosexueller. (13) 1995 erst distanzierten sie sich noch deutlicher: Fred Karst, der nun seit über einem Jahrzehnt bei den Grünen – unter anderem als Vertreter des Schwulenbereichs auf der Landesdelegiertenkonferenz – für die Straffreiheit der Pädosexualität eingetreten war, wurde wegen sexuellen Missbrauchs eines achtjährigen Jungen verurteilt. Als Zeitungen über den Prozess gegen ihn berichteten, wurde ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn eingeleitet. (19) Karst kam dem Ausschluss zuvor und trat bei den Grünen aus – das Verfahren gegen ihn stieß parteiintern gleichwohl nicht nur auf Zustimmung, sondern auch auf Kritik. (19)

Nach allem menschlichen Ermessen muss es zu diesem Zeitpunkt längst ein offenes Geheimnis gewesen sein, was Karst und andere im Falckensteinkeller und offenen Wohnungen Jungen antaten. Es wurde faktisch von der Partei gebilligt, politisch machte sie sich immer wieder mit den Forderungen  der Pädosexuellen gemein. Dass es parteiinternen Widerstand gab, ist heute eher eine Be- als eine Entlastung der Grünen. Es wird durch ihn nämlich deutlich, dass sie keineswegs einfach nur durch ihre „offenen Strukturen“ und ihre „Affinität zu Minderheiten“ (84) ausnutzbar gewesen waren, sondern dass sie über viele Jahre hinweg durchaus bewusst ignorierten, wie sehr ihre Partei in organisierte sexuelle Gewalt gegen Kinder verstrickt war.

Deutlich wird dies gerade am Umgang mit denjenigen Grünen, die klare Kritik übten.

Die Partei maßregelt nicht Pädosexuelle – sondern deren Kritiker

In der Mitte der Achtziger Jahre setzte sich die Kreuzberger Frauengruppe der AL intensiv und sehr kritisch mit der Haltung ihrer Partei zur Pädosexualität auseinander – ausgehend unter anderem von den bedrückenden Berichten einer Sozialarbeiterin zum systematischen Missbrauch im Bezirk und angeregt auch durch die Kritik an der Broschüre „Ein Herz für Sittenstrolche“ aus dem Schwulenberich der AL. Was der Kommissionsbericht heute von den Kreuzberger Frauen zitiert, ist – endlich einmal in diesem Bericht – unzweideutig und klar: Sie benennen sexuelle Gewalt gegen Mädchen UND gegen Jungen, und sie wenden sich klar gegen die Vorstellung, im Herrschaftsverhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern sei eine einvernehmliche Sexualität möglich. (60)

Auch die Redaktion der lokalen Parteizeitung Kreuzberger Stachel setzte sich sehr klar und kritisch mit den Pädosexuellen der Partei auseinander. (62ff.) Aber:

„Artikel, welche die Frauengruppe zur Verfachlichung der Thematik in den Stachligen Argumenten veröffentlichen wollte, erschienen mit großer Verzögerung oder gar  nicht. Auch von den Gremien und offiziellen Parteivertretern fühlten die Kreuzberger Frauen sich eher hingehalten. Sie kamen mit dem Thema einfach nicht durch. Im Gegenteil: AL-Mitglied und Redakteur des Kreuzberger Stachel, Christian Thiel, der 1986 als ‚Egon’ mit und für die Frauengruppe einen Artikel gegen Machenschaften Pädosexueller im Kreuzberger Stachel geschrieben hatte, wurde offiziell und öffentlich von Parteigremien gemaßregelt.“ (65)

Wenn der Kommissionsbericht heute die Kreuzberger Frauen als repräsentatives Beispiel für den frühen Widerstand von Feministinnen gegen die pädosexuellen Strukturen feiert (88), dann ist das zumindest zu einem Teil Legendenbildung. Es waren nämlich auch die Frauenbewegung und der Frauenbereich der AL, von denen die Kreuzberger Frauen behindert wurden.

„Innerhalb der Frauenbewegung, die um die Öffentlichkeit und Akzeptanz des Themas Missbrauch von Mädchen kämpfte und sich durch das Thema Missbrauch von Jungen (‚wieder rücken die Jungen/Männer in den Vordergrund und verallgemeinern das Thema’) wieder übergangen fühlte, war das Thema Pädophilie nicht sehr interessant. Es wurde außerdem als Konkurrenz abgelehnt. Diese Haltung teilte letztlich der (Landes-) Frauenbereich der AL. Das war ein Grund, weshalb es zwischen der Kreuzberger Frauengruppe und dem Frauenbereich kaum Kontakte gab.“ (65f)

Was der Bericht so nüchtern und wie nebenbei feststellt, ist tatsächlich ungeheuer brisant. Es wird nämlich deutlich: Feministinnen hatten keineswegs, wie heutige Selbstdarstellungen das nahelegen, rundweg schon früh eine klare Haltung zum sexuellen Kindesmissbrauch. Die Auseinandersetzungen mit den Zusammenhängen von Sexualität und Herrschaft oder Sexualität und Gewalt hatten einige von ihnen sehr wohl sensibilisiert – aber:

In der Befürchtung, eine offene Auseinandersetzung mit der sexuellen Gewalt gegen Jungen würde die Konzentration auf weiblichen Opfer (72) stören, hatten Feministinnen sogar ein wesentliches gemeinsames Interesse mit den Pädosexuellen des Schwulenbereichs. Beiden war daran gelegen, die systematisch ausgeübte sexuelle Gewalt gegen Jungen zu kaschieren und ihre Dramatik herunterzuspielen.

Hier spielt die Illusion, es gäbe prinzipiell eine gewaltfreie Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern, mit der Vorstellung zusammen, gesellschaftliche Gewaltstrukturen seien Strukturen einer Herrschaft heterosexueller Männer.

„Verschiedene Gruppen (Schwule, Frauen) innerhalb der AL waren auf den heterosexuellen Mann als Sexualstraftäter fixiert. Dies führte dazu, dass gleichgeschlechtlicher Missbrauch durch Männer verharmlost und Missbrauch durch Frauen gar nicht thematisiert wurde.“ (84)

Schlimmer noch: Da Jungen aus dieser Perspektive gleichsam als Herrscher im Wartestand betrachtet wurden, war die Empathie mit ihnen offenkundig deutlich geringer als die mit Mädchen.

„Wir kümmern uns hier um Mädchen.“

Eine damalige Kreuzberger Sozialarbeiterin berichtet:

„Vor allem in den sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen habe es Opfer außerfamiliären pädosexuellen Missbrauchs gegeben. Sie waren zwar unterschiedlicher Herkunft, es handelte sich aber immer um Jungen. Seitens der linken Männer habe es bis Ende der 1980er Jahre für diese Opfer so gut wie keine Unterstützung gegeben. Ihr wurde entgegnet: ‚Wir wollen doch niemanden diskriminieren. Bei Jungen ist es vielleicht nicht so schlimm, bei Mädchen viel schlimmer. Im pädosexuellen Bereich ist das ja einvernehmlich, wir üben keine Gewalt aus.’ Als sie bei Wildwasser berichtete, dass sie von einer großen Gruppe Jungen wisse, die außerhalb der Familie von Pädosexuellen missbraucht werde, wurde ihr entgegnet: ‚Wir kümmern uns hier um Mädchen’.“ (85)

Die fehlende Empathie mit Jungen als Opfer und eine unreflektierte Solidarität mit sozialen Minderheiten verbanden sich hier auf fatale Weise.

„Der Schwulenbereich der Berliner AL, ab 1993 von Bündnis 90/DIE GRÜNEN, war rund 15 Jahre lang im Landesverband die treibende Kraft für die Forderung, das gesamte Sexualstrafrecht zu streichen – also auch die §§ 174 und 176 StGB. Von Beginn an und insbesondere in den 1980er Jahren wurde der Schwulenbereich von pädosexuellen schwulen Männern dominiert, die in eigener Sache agierten. Er trat somit als ‚Pädolobbygruppe’ auf.“ (28)

Die Verknüpfung der Rechte Homosexueller mit den Ansprüchen Pädosexueller verwischte mit staunenswerter Selbstverständlichkeit wesentliche Unterschiede: dass nämlich die freiwillige Sexualität zweier Erwachsener niemandem schadet, während die Sexualität eines Erwachsenem mit einem immer abhängigen, gar nicht zustimmungsfähigen Kind diesem Kind großen Schaden zufügt. Entsprechend gehörte es auch zum pädosexuellen Kalkül, sich Kinder zu suchen, die besonders schutzlos waren.

Erst sehr spät distanzierten sich grüne Homosexuellenaktivisten allgemein von Pädosexuellen. Der Bericht teilt ausgerechnet Volker Beck dabei eine Heldenrolle zu – er sei gemeinsam mit Günther Dworek Initiator einer „Gegenbewegung“ (51) gegen die Abschaffung der Paragrafen 174 und 176 gewesen (ebenso: S. 32, 43, 44, 45). Kein Wort davon, dass eben Volker Beck noch 1988 in einem Beitrag für das Buch Der pädosexuelle Komplex eine „Entkriminalisierung der Pädosexualität“ für  „dringend erforderlich“ erklärt und vorgeschlagen hatte, die „‘Schutz‘-Altersgrenze zu überdenken und eine Strafabsehensklausel einzuführen.“ Der Begriff „Schutz“ steht schon bei Beck in Anführungszeichen.

Kein Wort auch davon, dass Beck wahrheitswidrig behauptet hatte, es habe niemals grüne Parteitagsbeschlüsse zur Legalisierung sexueller Gewalt gegen Kinder gegeben, und dass er die Öffentlichkeit über seinen Text mit der Behauptung getäuscht hatte, die angreifbaren Passagen seien auf Verfälschungen des Textes durch den Herausgeber zurückzuführen.

Beck sitzt seit 1994 für die Grünen im Bundestag, war dort bis 2013 menschenrechtspolitischer Sprecher und ist seit 2013 innen- und religionspolitischer Sprecher. Bei der Bundestagsdebatte um die Beschneidung minderjähriger Jungen sprach sich ausgerechnet er, der sich im Hinblick auf Kinderrechte so heillos diskreditiert hatte, für die Beschneidung aus – die „Gesundheit und der Schutz der körperlichen Unversehrtheit des Kindes“ mussten aus seiner Sicht zurückstehen.

Die Heldenrolle, die der Bericht Beck zuteilt, kaschiert also, wie ambivalent sein Verhalten tatsächlich war: Volker Beck ist mit diesen Ambivalenzen weniger als Held geeignet denn als Personifikation einer grünen Schuldabwehr.

Wie die Grünen Jungen opferten

Wie diese Schuld möglich wurde, die der Bericht beispielhaft für die Berliner Grünen darstellt, lässt sich mit einem kurzen Rückblick auf die Entstehung der Partei erklären. Sie speiste sich wesentlich aus dem Widerstand gegen die Atomkraft: gegen deren energiepolitische Nutzung in der Anti-AKW-Bewegung, gegen der militärische Nutzung in der Friedensbewegung. Aus der Perspektive der Gegner stand die Nutzung der Atomenergie für das bewusst eingegangene Risiko des größtmöglichen Übels – das Risiko der Verwüstung ganzer Landstriche bei Reaktorkatastrophen oder gar das Risiko der Vernichtung des irdischen Lebens in einem „atomaren Holocaust“.

Alle im Bundestag vertretenen Parteien aber unterstützten die Atompolitik: Das absolute Böse war damit zugleich selbstverständlicher Bestandteil politischer Normalität. Eine humane Politik schien so nur in Abgrenzung zu dieser Normalität möglich – im Bemühen um eine andere Politik, in der Stärkung alternativer Lebensweisen und auch in der Unterstützung marginalisierter Minderheiten, die außerhalb der Normen lebten. Im Schulterschluss mit Feministinnen konnte zudem die gewaltsame herrschende Politik als männlich, die Suche nach Alternativen dazu als weiblich identifiziert werden.

Wer sich so gegen das absolute Böse stellt, wird sich zwangsläufig als Vertreter einer besseren, menschlicheren Welt wahrnehmen. Kritik lässt sich in diesen zugespitzten Freund-Feind-Mustern leicht abwehren: interne Kritik wird unterbunden mit dem Hinweis, dass sie dem inhumanen Gegner in die Hände spiele und Beifall von der falschen Seite provoziere – Kritik von außen ist leicht umzudeuten in ein Manöver der Herrschaftssicherung.

Auf die schon erwähnte Zwischenfrage des CDU-Abgeordneten Jewarowski zu grünen Forderungen nach Straffreiheit für Pädosexuelle verweigerte die AL-Abgeordnete Ingvild Kiele entsprechend die Antwort: „Sie wollen mich doch hier, so glaube ich, nur vorführen.“ (74)

Wie hätten Grüne diese Situation wohl umgekehrt beurteilt – wenn die CDU in organisierte sexuelle Gewalt gegen Kinder verstrickt gewesen wäre, wenn eine grüne Abgeordnete dazu eine parlamentarische Zwischenfrage gestellt und der CDU-Abgeordnete die Antwort mit dem Hinweis verweigert hätte, dass die Zwischenfrage nicht frei von politischem Kalkül sei?

Dieser moralisierende Hochmut ist von außen betrachtet unverständlich und irreal, für die grüne Partei ist er wohl trotzdem unverzichtbar. Auch wenn die Grünen als Regierungspartei längst selbst den Betrieb von Atomkraftwerken mitgetragen haben, auch wenn sie nach einem pazifistischen Wahlkampf mit bemerkenswerter Schnelligkeit zur Unterstützung von Kriegseinsätzen umschwenkten, auch wenn sie schon lange eine Politik der sozialen Spaltung wesentlich mitverantworten: Sie sind noch immer angewiesen auf das Image, für eine irgendwie humanere, irgendwie progressivere und irgendwie menschlichere Politik zu stehen.

Daraus erklärt es sich wohl, dass ausgerechnet die Grünen aggressiver und offensiver als andere Parteien Kinder für Wahlkampfzwecke benutzen: Kinder stehen für eine Unschuld, die sich die Partei auch selbst noch immer zuschreiben möchte. Auch die grünen Freund-Feind-Bilder sind noch intakt – wer grundsätzliche Positionen der Partei kritisiert, wird von Grünen noch immer gleichsam rituell als reaktionär, als repressiv oder gleich als rechtsradikal hingestellt.

Nach einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der eigenen Schuld aber wären diese Freund-Feind-Muster, die übrigens wohl in ganz ähnlicher Weise auch schon die schwerkriminellen Strukturen der Odenwald-Schule ermöglicht haben, nicht mehr haltbar: Die Schuld der Grünen ist zu groß, als dass sie mit einer Fantasie eigener Unschuld noch vereinbar wäre. Andererseits hat die Partei natürlich auch ein Interesse daran, nicht als Partei der Schuldverdränger zu erscheinen und zu riskieren, dass sie im kommenden Bundestagswahlkampf noch einmal mit den Sexualverbrechen an Kindern konfrontiert wird.

Der Bericht stand so vor einer unlösbaren doppelten Aufgabe: Aufklärung zu betreiben, ohne aufzuklären. Er legt viele Fakten offen, doch er betreibt eben dort, wo die Analyse dieser Fakten beginnen müsste, Legendenbildung. Er mündet schließlich in der zentralen Legende, dass die Grünen gleichsam durch ihre eigene Güte in Schwierigkeiten geraten seien: dass ihre Offenheit und ihre Solidarität mit Minderheiten sie ausnutzbar gemacht hätten.

Das ist nach den Fakten, die der Bericht selbst vorlegt, so nicht haltbar. Die Grünen haben, als Partei, Jungen regelrecht geopfert – und dies nicht aus allzu naiver Güte, sondern aus egoistischem und politischem Kalkül, verbunden mit einer erstaunlich stabilen Verweigerung der Empathie mit männlichen Kindern.

Was Pädosexuelle als emanzipatorische Auseinandersetzung mit dem Sexualstrafrecht verkauften, war tatsächlich ein Versuch, die eigenen Verbrechen an Kindern zu legalisieren und institutionelle Unterstützung für sie zu finden. Große Teile der Partei leisteten diese Unterstützung, und die Grünen brauchten mehr als ein Jahrzehnt für klare Distanzierungen: Sie waren und sind nicht bereit, die ihnen so nützlichen Freund-Feind- und Gut-Böse-Strukturen in Frage zu stellen und die Möglichkeit eigener großer Schuld einzuräumen. Das Kalkül, der offene Konflikt mit den für das eigene Selbstbild so bedeutsamen marginalisierten Minderheiten würde der Partei schaden, war vielen wichtiger als der Wunsch, Kinder vor Schaden zu bewahren.

Homosexuelle in der Partei kalkulierten offenbar, die Solidarisierung mit der pädosexuellen Minderheit und die weitgehende Schleifung des Sexualstrafrechts würde auch ihre eigene Position als Minderheit stärken. Dass Homosexuelle damit ihren eigenen politischen Interessen eher schadeten als nützten, macht ihre Schuld nicht geringer.

Feministinnen in der Partei kalkulierten, dass ein offenes Interesse an den Verbrechen, die Jungen angetan wurden, die Konzentration von den Belangen der Mädchen und Frauen ablenken würde. Geschlechterklischees wie das von der Herrschaft des heterosexuellen Mannes verbauten zudem den Blick für die Täterschaft von homosexuellen Männern und von Frauen, und sie blockierten die Empathie mit den vergewaltigten Jungen. Obwohl vorwiegend Jungen Opfer der Pädosexuellen-Aktivisten waren, konzentrierte sich die AL-Fraktion „beim Thema sexueller Missbrauch stark auf Mädchen“. (72) Es waren CDU und FDP, die sich dafür stark machten, „die Präventionsarbeit und die Hilfen bei sexuellem Missbrauch auf Kinder beiderlei Geschlechts zu erweitern.“ (72)

Noch heute aber ist die ausdrücklich pro-feministische Partei nicht bereit, die Konflikte einzugehen, in denen eine Auseinandersetzung mit ihren Geschlechterklischees überhaupt erst möglich wäre. Eine ernsthafte Beschäftigung der Grünen mit ihrer Schuld ist zudem deshalb unwahrscheinlich, weil dies ihr Selbstverständnis viel zu tief berühren würde.

Schließlich sind sie nicht nur, auch sie, eine Partei wie jede andere.  Im betonierten Glauben an die eigene Unschuld können Grüne sogar in ganz besonderer Weise brutal und skrupellos agieren.

RSS
Follow by Email
Google+
https://man-tau.com/2015/12/08/wie-die-grunen-jungen-opferten/
PINTEREST
LINKEDIN
Whatsapp
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann verpassen Sie keine Artikel mehr! Drücken sie auf den folgenden Link/Button und geben Sie Ihre Email-Adresse an, um über neue Artikel informiert zu werden.

27 Comments

  • http://www.rolandtichy.de/kolumnen/bettina-roehl-direkt/die-gruenen-blind-und-taub-gegenueber-den-schmerzen-und-dem-leid-der-kinder/

    Nach diesem Artikel hab ich mir den Bericht auch mal angetan. Röhl schreibt ja:

    „Und ein ganz übles Licht wirft der furchtbare Deal der grünen Feministinnen aus Kreuzberg mit den pädokontaminierten Schwulen auf die Grünen. Man einigte sich nämlich laut Bericht darauf, dass die Feministinnen den Männern die Knaben ließen, sprich das Päderastentum nicht weiter thematisierten, wenn die Päderasten sozusagen im Gegenzug den Mißbrauch an Mädchen öffentlich verurteilten. Verlierer in diesem Spiel waren die kleinen Jungs.“

    Nun, der Bericht ist da ja etwas differenzierter wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Es gab feministische Gruppen wie oben, welche wie Du auch beschrieben hast, die dagegen waren etc. etc. etc. Doch das die Grünen nun durch Feministinnen geheilt wurden war irgendwie nicht… Es gab diverse Gruppen die Alarm geschlagen haben, auch Frauengruppen. Es gab aber auch Frauengruppen die genau so wie Du beschrieben gehandelt haben… Thats it!

    Schön dass Du das für uns zum verlinken auch nochmal in Worte gefasst hast!!! Wird im nächsten Wahlkampf dann ausgiebig genutzt 😀

    Selbst im Wiki steht ja:
    „Die Unterstützung aus dem links-alternativen Spektrum, von den Grünen und der Schwulenbewegung verebbte in den 1990er Jahren, nachdem Feministinnen gegen die Unterstützung der Pädophilen protestiert hatten und …“

    Erbärmlich…

    • Röhl schreibt sehr zuspitzend, aber auch das kann immer noch zu harmlos wirken. Es hat wohl keinen expliziten Deal gegeben eher ein stillschweigendes Agreement.Die Schwulenvertreter verurteilten tatsächlich den sexuelle Missbrauch VON MÄDCHEN.

      Die angesprochenen Feministinnen waren allerdings wohl nicht in einer so schwachen Position, dass sie nicht alle retten konnten und verzweifelt wenigstens die Mädchen zu schützen versuchten. Sie hatten ein ganz eigenes, urwüchsiges Interesse daran, die sexuelle Gewalt gegen Jungen zu vertuschen und herunterzuspielen.

      • Zustimmung zum letzten Absatz. Es ist wichtig festzustellen, dass zumindest von Teilen der damaligen feministischen Szene die Arbeit zu sexuellem Missbrauch von Jungen aus ideologischen Gründen aktiv behindert hat.

        Als ich zum ersten Mal auf einem Kongress mich öffentlich zum Thema sexueller Missbrauch äußerte, empörte sich die damalige Referentin auf eine sehr massive Art und Weise darüber, dass ich zu sagen gewagt hatte, dass auch Jungen von sexuellem Missbrauch betroffen seien. „Arbeite erst einmal deine Beziehung zu Männern auf!“ war u.a. einer ihrer lautstark geäußerten Abwertungen meiner Person.

        Ursula Enders*) in „prävention“, 2/2004,S.28 **):

        Das ist zum Glück heute beim Thema Jungen als Betroffene nicht mehr der Fall, beim Thema weibliche Täterschaft dagegen sehr wohl. Das diese in nicht vernachlässigbarem Maße existiert, ist mindestens seit Anfang der 90er Jahre bekannt.

        *) zurecht sehr umstritten, ich weiß.
        **) http://www.dgfpi.de/tl_files/bundesverein/praevention/2004_02.pdf , Themenschwerpunkt Mädchen und Frauen als Täterinnen. Sehr interessant, auch in Hinblick darauf, wie das jahrelange Wegsehen teilweise erklärt und immer noch entschuldigt wird.

      • @Schoppe

        Lass uns doch mal Klartext reden.

        So lange niemand am primären Opfernarzissmus kratzte, der zugleich Minimalkonsens der Grünen war, dass nämlich OPFER einer unterstellten männlicher Gewaltherrschaft ausschließlich MÄDCHEN und FRAUEN sind, war alles erlaubt.
        Die „Wächterinnen“ über die „Geschlechterdemokratie“ bei den Grünen haben nicht umsonst 100% Frauenanteil.

        Der „raw deal“ war, so lange niemand diesen „deal“, diesen Minimalkonsens in Frage stellte, war es Wurst, wie viele Jungen Opfer von sexueller Gewalt geworden waren.
        Die perverse Logik war und ist doch, selbst Vergewaltigung von Jungen, die man einfach passieren lässt, die man stattfinden lässt unterstützt noch die These: „patriarchy hurts men, too!“

        Die Schuld an den 1000 geschändeten Jungen lässt sich also hervorragend dem „Patriarchat“ übereignen, statt dem eigenen politischen Kalkül.

        Sie waren GEWOLLT blind auf einem Auge.
        Und ALLE tragen eine Mitverantwortung, alle sind MITTÄTERINNEN geworden.
        Sie waten alle knietief im Blut dieser Jungen.

        Schönen Gruß, crumar

      • @ crumar „Empathie gibt es bei den Grünen nur für die Opfer der anderen. Als die Bundesregierung 2010 einen Runden Tisch einrichtete, gehörte Fraktionschefin Renate Künast zu denen, die am lautesten Aufklärung forderten — von der katholischen Kirche. Jürgen Trittin weicht noch in seinem jüngsten Interview in der „Welt“ jedem Vergleich mit der Kirche aus. Das ist insofern richtig, als die katholische Kirche anders aufklärt als die Grünen — besser und gründlicher.“

        So schrieb Christian Füller, einer der profiliertesten deutschen Bildungsjournalisten, das 2013 in einem Artikel für die taz. http://verlag2.faz.net/dynamic/download/faz/Befreites_Menschenmaterial.pdf

        Er war der zuständige Redakteur – die Chefredakteurin Ines Pohl aber kippte den schon fertig gesetzten Artikel aus dem Blatt. Kern war wohl: Füller setzte sich nicht nur damit auseinander, dass es im Zusammenhang mit der grünen Partie Unterstützung für sexuelle Gewalt gegen Kinder gegeben habe – sondern stellte die These auf, dass diese Unterstützung tief im grünen Selbstverständnis verankert war. Solch eine Diskussion wollte Pohl in der taz, DER Zeitung des grünen Spektrums, nicht haben. Im Jahr 2013.

        Dass Schuld aus dieser Perspektive immer nur die Schuld der anderen ist, findet sich dann eben auch – @ krams – in den Vorwürfen gegen Ursula Enders. Wer in den betonierten Freund-Feind-Bildern bei den Menschen, die als unschuldig zu gelten haben, Schuld feststellt, spielt dem Feind in die Hände und muss sich fragen lassen, was denn mit ihm eigentlich los ist.

        Schlimm daran ist: Auf diese Weise hält sich immer noch, bis heute, bei Grünen und ihren Unterstützern die Illusion, eine Unterscheidung zwischen gutem und bösem Sex Erwachsener mit Kindern sei möglich. Wenn es um die Taten aufgeklärter, progressiver, humaner, menschenfreundlicher Menschen ginge, die nicht in gesellschaftliche Herrschafts- und Privilegienstrukturen verstrickt seien – dann seien eigentlich nicht die Taten schuldhaft, sondern die Kritiken an ihnen. Das ist krank, hält sich aber stabil.

        Füller übrigens ist seit dem Jahr 2013 nicht mehr bei der taz tätig.

        Dazu: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/16099/taz-chefredakteurin-verhindert-kritischen-artikel-ueber-gruene-und-paedophilie/

  • „Bei Jungen ist es vielleicht nicht so schlimm, bei Mädchen viel schlimmer.“

    Es ist also für Jungen schlimm.
    Und für Mädchen ist es schlimmer.

    Manchmal ändert sich ja die Bedeutung von Wörtern, aber aktuell bedeutet „schlimm“:

    schwerwiegend und üble Folgen nach sich ziehend
    in hohem Maße unangenehm, unerfreulich; negativ; übel, arg
    (in moralischer Hinsicht) schlecht, böse, niederträchtig

    http://www.duden.de/rechtschreibung/schlimm

    Ich frage mich wirklich was der Verfasser dieses Satzes sich gedacht hat, als er das schrieb. Es ist auch schwer zu glauben, das sie nicht wussten, das es falsch ist was sie machten.

    Für Jungen ist es also nicht so schlimm.. tja, irgendwer muss dran glauben.

    Diese Empathielosigkeit gegenüber Jungen ist wirklich erschütternd und es ist schwer vorzustellen, dass diese ohne eine vorangegangene gedankliche Entmenschlichung des männlichen Geschlechts möglich ist.

  • Hat dies auf Lotoskraft rebloggt und kommentierte:

    Die Partei Bündnis 90/Die Grünen meint offensichtlich, das Thema Pädophilie, Päderastie und Hebephilie sei inzwischen abgehackt; nach aufgesetzter Zerknirschung, aufgrund einer externen und einer internen Dokumentation und der Entschädigung dreier Opfer sei die Partei nunmehr vom Pranger. Doch so ist es nicht!
    Aufmerksame Beobachter erkennen, dass die Grünen ihre Schändlichkeit nur vertuscht und nicht wirklich zu den damaligen kriminellen Machenschaften innerhalb der Partei und dem Ungeist, der sie ermöglichte, steht. – Ich erspare mir den wiederholten Vergleich zur Kritik der Grünen an der katholischen Kirche im Umgang mit deren Missbrauchsfällen. Erwähnenswert ist jedoch: im Gegensatz zur katholischen Kirche war der sexuelle Missbrauch bei den Grünen politisch gewollt und Teil ihrer Ideologie.
    Und dass die Grünen die Not der Opfer von sexueller Gewalt in der Kindheit und Jugend wenig schert, erkennt man an ihren bestehenden Forderungen zur Abschaffung des § 173 StGB (Inzestparagraph) und die Festschreibung von sexueller Identität zum Artikel 3 Grundgesetz, wodurch auch Pädophilie – als sexuelle Identität – gesellschaftlichen Schutz genießen würde. Diese U-Boot-Manier ist typisch für die Grünen, Tabus zu unterminieren und aufzulösen.
    Aus diesem Grund habe ich nachstehenden Artikel aus dem Blog man-tau hier rebloggt:

  • Danke für die Reminiszenz, der Kaltschnäuzigkeit grüner Politik speziell gegenüber Jungen. Ich hatte ja in meinem Blog, nach der Vorlage des Berichtes zu den abartigen Zuständen in der Berliner AL geschrieben, dass den Grünen hinsichtlich ihrer doppelten Moral jegliches Schamgefühl fehlt.

    Ich entdecke diese Schamlosigkeit ebenso in anderen Aspekten grüner Politik. Meinetwegen wie aktuell sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen unter den Flüchtlingen mit unbelegten Zahlen phantasiert werden; ähnliche Phantasmen aber gegenüber Flüchtlingsjungen ausbleiben – obgleich ein Flüchtlingsjunge einem Sexualmord zum Opfer fiel. Und es sind neben rechten Parteien vor allem die Grünen, die derartige Behauptungen stützen und verbreiten. Wobei der Grund, sich derart so engagieren, für die Grünen von anderer Art ist, denn es geht ihnen vornehmlich darum für ihr Klientel der organisierten Sozialfürsorgevereine weitere öffentliche Gelder zu akquirieren.

    Auch die Instrumentalisierung von Kindern durch die Grünen stößt mir ebenso negativ auf; irgendwie erinnert sie mich an den Kindertatschler Hitler, der ja damit auch seine unschuldige Liebe zu den Schwachen und Unschuldigen demonstrierte, während seine Schergen zeitgleich Kinder ermordeten. Dieser Vergleich ist keinesfalls schräg, sondern zeigt grundsätzlich, dass die Fürsorge für Minderheiten durch die Grünen nichts anderes als politisches Kalkül ist, um ihr verlogenes Image des weißen Ritters zu perpetuieren.

    • Lieber Matthias Mala, danke für den Link – besonders durch Ihren Text bin ich im Frühjahr auf den Bericht aufmerksam geworden.

      Der Begriff „Schamlosigkeit“ trifft es auch in meinen Augen gut – und das gar nicht mal allein im Hinblick auf das, was die Grünen in den Achtzigern und Neunzigern getan haben, sondern im Hinblick auf ihre heutige Bewertung davon. Da haben große Teile der Partei faktisch über Jahre hinweg eine organisierte sexuelle Gewalt gegen Kinder unterstützt – und wenn sich Grüne heute fragen, wie sie so etwas tun konnten, kommt stereotyp die Antwort: „Das haben wir aus unserer großen Güte heraus getan! Unsere Offenheit und unsere Solidarität mit Minderheiten hat uns leider ausnutzbar gemacht – da waren wir wohl etwas naiv.“

      Dass ihre Motive, wenn sie so gewaltigen Mist gebaut haben, möglicherweise nicht rein und unschuldig waren: Das ist eine Idee, die aus unerfindlichen Gründen völlig ausgeschlossen ist.

      Das ist denn auch tatsächlich schamlos, oder regelrecht scham-amputiert: An der Idee der eigenen Güte und der Reinheit eigener Motive auch dann nicht zu rütteln, wenn man offensichtlich etwas wirklich Schlimmes gemacht hat. Dabei ist es ja naheliegend, dass tatsächlich politische Kalküle eine große Rolle gespielt haben – was ja auch völlig in Ordnung wäre, wenn es nicht gerade um sexuelle Gewalt an Kindern ginge.

  • Ich habe in den 80er Jahren in Kreuzberg über zwei Pädophilen gewohnt, die aus ihren Neigungen keinen Hehl gemacht haben. Es hingen Bilder nackter, nicht geschlechtsreifer Jungs an der Wand – Ich sah das damals als Teil der Kreuzberger Toleranz und habe mich nicht weiter darum geschert – Gleichfalls kannte ich damals eine Reihe Trebegänger (von zu Hause ausgerissene Jungs), die sich in besetzten Häusern herumtrieben oder von und mit älteren Schwulen lebten und/oder gar auf den Strich gingen. Aus dieser Zeit habe ich folgende Erkenntnis für die heutige Diskussion mitgenommen: man sollte mal das Geheule der Schwulenaktivisten überhören und sich klar machen, dass die Grenzen zwischen Pädophilie und „Schwulentum“ keineswegs so glasklar sind, wie man deren Aktivisten heute pietätvoll bestätigt. In Wahrheit weiß jeder Stricher, dass man desto mehr Geld kriegt, je jünger und unbehaarter man ist. Das ist die berühmte Knabenliebe, die schon seit dem Altertum bekannt und auch aus katholischen und buddhistischen Klöstern vielfach überliefert ist. In den ehrlicheren achtziger Jahren waren diese Zusammenhänge noch allgemein bekannt. Genauso klar ist es, dass der Pädophilie Paragraph mit seiner Altersbeschränkung daher wie ein Damoklesschwert über den „Knabenliebhabern“ hing und zu deren Leidwesen immer noch hängt. Was von den Strichern in den achtziger Jahren auch weidlich erpresserisch ausgenutzt wurde. Daher das Engagement „normaler“ Schwuler für die Pädofraktion.

    • @ Tom Wir können uns, was den Umgang Erwachsener mit Kindern angeht, nicht allein auf Traditionen berufen. Es ist auch in anderen Bereichen, nicht nur in dem der Sexualität, selbstverständlich geworden, dass wir heute andere Maßstäbe haben als vor fünfzig oder hundert Jahren. Die Prügelstrafe zum Beispiel sehen wir mit guten Gründen heute nicht als legitim und als schädlich an, auch wenn sie noch vor einigen Jahrzehnten normal war.

      Wenn dann heutiges Verhalten gar mit Reminiszenzen an die griechische Antike legitimiert, also zwei- oder dreitausend Jahre zurückgespiegelt wird, ist das haltlos. Wir können heute sicher davon ausgehen, dass bei Sexualakten Erwachsener mit Kindern – im Bericht ist von 7-12jährigen die Rede – dem Kind erheblicher Schaden zugefügt wird. Antike Reminiszenzen rationalisieren das nur und lenken davon ab.

      Dass die jugendlichen Stricher die „Freier“ „erpresserisch ausgenutzt“ hätten, dass Stricher damit kalkulierten, umso mehr Geld zu bekommen, „je jünger und unbehaarter man ist“: Das ändert daran prinzipiell ja gar nichts. Hier kommen zu der extrem ungleichen Sexualbeziehung eben noch Marktgesetzmäßigkeiten dazu, die brutal sind und in diesem Zusammenhang dann eben AUCH für die Erwachsenen unangenehme Konsequenzen haben können. Da Pädosexuelle, zum Glück und auch Dank des Sexualstrafrechts, Schwierigkeiten damit hatten, sehr junge Jungen für Sexualakte zu finden, da also – marktwirtschaftlich formuliert – das Angebot klein, die Nachfrage aber bleibend groß war, stiegen hier die Preise. Dass dadurch aber die Jugendlichen – die oft sozial isoliert irgendwie versuchten, über die Runden zu kommen – den Erwachsenen gegenüber in einer starken Position waren, ist eine narzistische Illusion der Erwachsenen. In der massiven Herrschaftsdifferenz zwischen Erwachsenen und Kindern erlebten die Erwachsenen EINEN Aspekt, in dem sie keine Herrschaftsposition hatten – und fühlten sich sogleich ausgenutzt, erpresst oder finanziell ausgebeutet.

      Die Bemühungen der Pädosexuellen um eine „Entkriminalisierung“ lässt sich also auch marktwirtschaftlich fassen: Es war einfach ein Bemühen darum, die Nachfrage einfacher zu gestalten und das Angebot zu erhöhen. Übersetzt: Mehr Kinder zur Verfügung zu haben und dafür weniger zahlen zu müssen. Ein solidarisches Engagement für ein solches Verhalten ist völlig irre.

      • Hallo Schoppe
        Ich glaube, Du verstehst mich falsch. Vielleicht habe ich mich auch unklar ausgedrückt. Ich will gar nichts rechtfertigen, sondern auf die ganze Verlogenheit von Beck und Co hinweisen. Heute bricht über jeden ein Shitstorm los, der auf die einfache Tatsache hinweist, dass ein großer Teil der Schwulen nun mal auf Minderjährigen steht. Nicht unbedingt auf unter zehn Jährige, aber sicher auf nicht geschlechtsreife Jungs kurz vor der Pubertät. Das wird jetzt pietätvoll beschwiegen, aber im ersten Moment des großen Coming out haben das die Schwulen selbst noch nicht verborgen. Das große Verbergen und die scharfe Abgrenzung zu den Pädophilen kam erst später. Das war sozusagen der Preis für die Legalisierung. Ganz am Anfang jedoch haben sich deswegen Beck und Co auf die Seite der Pädos gestellt. Weil sie nämlich selbst nicht ganz unähnliche Vorlieben haben. So wie Eberty, der für meine Begriffe ein ganz typischer Fall ist.
        Ich habe im Übrigen Ulli von der Indianerkommune als zwölfjähriger durchaus unangenehm bedrängend kennengelernt.Schau mal hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Indianerkommune
        Ich konnte mich entziehen, weil ich ein Zuhause hatte. Ich will hier gar nichts beschönigen, sondern nur eine Ergänzung zu Deinem Text liefern. Es ist meines Erachtens keineswegs so, dass die Schwulen um Beck damals nur aus Solidarität mit einer Minderheit sich für die Pädos engagiert haben. In Wahrheit waren da eigene Interessen an minderjährigen Jungs im Spiel. Erst später, als klar wurde, wie die Öffentlichkeit reagiert, haben sie dann ihre Position geändert. Seitdem wird gelogen, das sich die Balken biegen.

      • @Tom Ja, da hatte ich Dich falsch verstanden.

        Dass im Rahmen einer „Kreuzberger Toleranz“ Sexualität Erwachsener mit Kindern toleriert wurde, kann ich mir nur mit den im Text erwähnten Freund-Feind-Bildern erklären. Die alternative Kultur der Achtziger kenne ich aus meiner Jugendzeit – und ich weiß, dass das Selbstverständnis völlig normal und kritiklos akzeptiert war, ein positives Gegenmodell zur inhumanen herrschenden Ordnung zu entwerfen. Wer sich von dieser Ordnung unterschied, gar von ihr „verfolgt“ wurde, musste daher irgendwie akzeptabel sein.

        In dieser Freund-Feind-Ordnung ist dann alles, was sie „Widerständigen“ selbst tun, irgendwie okay – es sei denn, sie übernehmen Positionen des Feindes. Zugleich war die Vorstellung verbreitet, eigentlich erst am Anfang einer neuen, humaneren Entwicklung zu stehen – überzeugt davon, dass das, was heute noch kriminalisiert und verfemt ist, in der humaneren zukünftigen Welt selbstverständlich akzeptiert sein wird.

        Was die sexuelle Gewalt gegen Kinder betrifft, ist bekanntlich gerade das Gegenteil eingetreten – es ist heute ´noch viel stärker als damals Allgemeingut, dass sie tief destruktiv und brutal ist, und dass es die „einvernehmliche Sexualität“ zwischen Erwachsenen und Kindern nicht gibt. Die Grünen hatten sich also gleichsam selbst einen Scheck auf die Zukunft ausgestellt – konnten den aber niemals bedienen und daher auch nie einlösen – und stehen heute mit ihren gewaltigen Schulden da.

        Die „Aufklärung“ gibt es überhaupt nur deshalb, weil sich diese Schulden nicht für alle Zeit kaschieren ließen. Heute ist die Aufklärung aber selbst ein Teil der Vertuschung. Obwohl der Bericht der Grünen durchaus klar Probleme benennt, obwohl er sich auch im Fazit um eine zerknirschten Ton bemüht – eigentlich läuft er auf die Idee hinaus, dass die Grünen die ersten Opfer der Pädosexuellen waren: Ausgenutzt und missbraucht in ihrer doch eigentlich so schönen und menschlichen Offenheit, Toleranz und Solidarität.

        Die Freund-Feind-Bilder und die Selbst-Idealisierungen bleiben dabei ganz intakt. Dazu passt dann eben auch, dass offene Kritik an Feministinnen oder an Homosexuellenaktivisten unterbleibt: Beide Gruppen stehen nach dem grünen Selbstverständnis für eine offenere, menschlichere Geschlechterordnung, und wer sie klar kritisiert, entpuppt sich daher als Agent inhumaner Herrschaftsstrukturen.

        Eigentlich ist den meisten Grünen also bis heute offenbar völlig egal, wie sehr ihre Parte schuldig geworden ist – die Aufrechterhaltung der eigenen, bequemen und nützlichen Freund-Feind-Strukturen hat in jedem Fall Vorrang.

    • Zitat von Tom: „In den ehrlicheren achtziger Jahren waren diese Zusammenhänge noch allgemein bekannt.“

      Ich bin nicht schwul, aber das war den Pädos von 1986 egal. Sie haben mich halt betäubt, bevor sie mich benutzt haben. Wie kann ich es heute beweisen?

  • Ich denke so: diese Vorliebe älterer Schwuler für vorpubertäre Jungs hat es schon immer gegeben. Man kennt es aus Internaten, Klöstern und anderen solchen Einrichtungen. Und zumindest für einige der Trebegänger, die ich damals in Berlin kannte, waren diese älteren Schwulen eine bessere Alternative zu dem Leben, das sie sonst geführt hätten. Das kann ich mich mit Sicherheit sagen, da ich 79/80 im Rauchhaus am Mariannenplatz wohnte, wo es viele dieser Trebegänger gab. ALLERDINGS und das ist ein großes ABER: so etwas wie im Kreuzberg der 70er und 80er Jahre, dass sozusagen hochoffiziell und durch eine mächtige Gruppe geduldet verwundbare Kinder solchen Leuten zur Befriedigung zugeführt wurden, dass hat es wohl in der Geschichte ganz selten oder nie gegeben. Das ist ein unglaubliches Verbrechen und übersteigt bei weitem alles, was sich jemals in der katholischen Kirche abgespielt hat. Es passt für mich leider nur zu gut in die Haltung gegenüber Kindern (besonders Jungen), die man in dieser Gesellschaft hat. Eine Toleranz, die in Wahrheit tiefste Gleichgültigkeit von Leuten ist, die meist keine Kinder haben und besonders männliche Kinder als störend empfinden. Du hast in Deinem Blog auch und gerade in schulischen Dingen, bereits Worte gefunden, die deutlich genug sind.

  • Ich denke nicht, dass es da ein stillschweigende Übereinkunft zwischen Feministinnen und Pädosexuellen gab. Aus meiner Kenntnis der Stimmung in linken und noch linkeren Kreisen kommt man mit dem Zitat aus dem Artikel von Ursula Enders der Antwort auf die Frage, weshalb sexuelle Gewalt gegen Kinder nicht thematisiert wurde, am nächsten.

    Da werden Personen wie die zitierte Referentin so massiv mit ihrer Position, der männliche Kinder völlig am Arsch vorbeigegangen sind, aufgetreten sein, dass Einzelpersonen oder Gruppen, die diese Position nicht vertreten haben,still geworden und/oder aus dem Kreis der aktiv in der AL Politik betreibenden Personen ausgeschieden ist. Man wird irgendwann nicht mehr durchgekommen sein. Oder man hatte schlicht keine Lust mehr, fertiggemacht zu werden.
    Aus Kreisen der an Jungen interessierten Pädosexuellen wird man das ganz schnell mitbekommen und einfach Personen wie oben zitierte Referentinnen unterstützt haben. Da muss man keinen Pakt eingehen, um seine Interessen zu wahren.

    Abgesehen davon, Anfang der 90er haben Ikonen der sexuellen Befreiung im Sinne von jung und alt deutlich von homosexuellen Kreisen ihre Grenzen und ihre Unerwünschtheit aufgezeigt bekommen.

  • […] Bei den Grünen ist es eher noch schlimmer. Dass Männer rundweg als potentielle Vergewaltiger dargestellt werden, ist für die Partei kein Problem. Die jahrelange sexuelle Gewalt gegen Kinder in ihrem Umfeld, begünstigt durch eine pädophilenfreundliche grüne Politik, wurde nach Angaben des Berichts der Berliner Grünen dazu auch deswegen lange nicht offen diskutiert, weil die Opfer vorwiegend Jungen waren. […]

Leave a Comment