Alles beim Alten im Universum

Der neue Star Wars-Film Das Erwachen der Macht (The Force Awakens) ist eigentlich ein idealer Film zum Jahreswechsel. Er wird angekündigt mit ungeheurem Getöse… es ist praktisch unmöglich, ihn nicht zu bemerken… und etwas ganz Neues beginnt – aber dann entwickelt sich eigentlich nur eine ganz alte Geschichte, die allen schon vertraut ist.

Immerhin bietet das eine Chance dazu, zu überlegen, wodurch denn neue Geschichten möglich würden….

Der Film hatte den „besten Start der Kinogeschichte“, dann „das beste Ergebnis eines Filmes in der zweiten Woche in den Vereinigten Staaten und Kanada“ und hat keine zwei Wochen nach dem Start schon weltweit über eine Milliarde Euro eingespielt. The Force Awakens – Das Erwachen der Macht: Das bezieht sich nicht allein auf seinen Inhalt, sondern vor allem auf den Film selbst. Star Wars kommt mit ihm dort wieder an, wo die Geschichte vor fast 40 Jahren 1977 startete.

Die Rückkehr zu den Anfängen ist sicherlich ein Grund für seinen enormen Erfolg, aber sie ist auch ein Problem.

 

Die Macht erwacht (und schläft gleich wieder ein)

Ein Remake sei der Film, keine Fortsetzung – schreibt das Blog Toy Soldiers. Tatsächlich: Die Handlung beginnt in einer einsamen Wüste, dort lebt die junge, elternlose Hauptfigur, sie gerät an einen Droiden, der eine geheime Nachricht erhält, weswegen Krieger eines dunklen Imperiums seiner habhaft werden wollen. Dieses Imperium baut einen riesigen Todesstern, der ganze Planeten zerstören kann, und eine Gruppe chancenlos wirkender Rebellen muss diesen Stern zerstören, bevor sie selbst zerstört werden. Wichtigster Kämpfer auf der Seite des Imperiums ist ein Mann in schwarzem Mantel und mit einem schwarzen Maske, der übernatürliche Kräfte besitzt, unbesiegbar wirkt und dessen verzerrte Stimme furchteinflößend ist. Am Ende wird der Todesstern gerade noch rechtzeitig zerstört, und der elternlose Held aus der Wüste hatte daran einen wesentlichen Anteil.

Die Handlung von The Force Awakens lässt sich so mit genau denselben Worten zusammenfassen wie die des ersten Star Wars-Films, der später den Titel A New Hope erhielt. Der einzige nennenswerte Unterschied sei, so Toy Soldiers, dass Luke aus dem ersten Film in zwei Charaktere aufgespalten worden sei, ein Mädchen und einen Schwarzen. („Abrams and his team simply split Luke into two characters, making one a girl and the other black”).

Trotzdem, oder gerade deshalb, macht der Film beim Anschauen Spaß. In den nachgeschobenen Vorgeschichten, den Episoden 1 bis 3, verschwand die Geschichte unter der – visuell allerdings manchmal beeindruckenden – Tricktechnik, versetzt mit uninteressanten politischen Entwicklungen, einer uninteressanten Liebesgeschichte und einer uninteressanten Entwicklung eines messianischen Jungen zum Verbrecher Darth Vader. Wer aber The Force Awakens sieht, kann das Gefühl haben, endlich wieder in der Welt zu sein, in der die klassischen ersten drei Filme – heute: die Episoden 4 bis 6 – spielten.

Ganz am Ende kommt The Force Awakens dann tatsächlich genau dort  an, wo Star Wars einmal startete: bei Luke Skywalker. Die nostalgische Wiederbegegnung mit dieser Galaxis aus einer lang vergangenen Zeit macht den Genuss des Films aus, ist aber zugleich sein wesentliches Problem. Der Film ist dadurch statisch, entwicklungsarm – und das wird ausgerechnet an seiner Hauptfigur, der grundsympathischen Rey (Daisy Ridley), ganz besonders deutlich.

„Ist die Macht wirklich soo stark in ihr, dass sie rein gar nichts tun muss, keine Buße, kein Fleiß, weder Demut noch Stärke und Training?“, 

fragt Die WeltAuch Toy Soldiers kritisiert, das Rey sich nicht entwickle, sondern alles immer schon könne, zumindest nach einer kurzen Eingewöhnungszeit. Sie fliegt den ihr völlig unbekannten Millenium Falcon virtuos, und anders als Han Solo sogar ohne Ko-Piloten – sie besiegt den mächtigen Darth Vader-Wiedergänger Kylo Ren, ohne jemals Jedi-Training gehabt zu haben, sie wehrt auch seine Gedankenkontrolle ab – und sie kämpft mühelos mit mehreren Angreifern gleichzeitig.

„Es gibt nichts, was Rey nicht tun kann – was sie nicht sehr gut tun kann – und was sie  nicht besser tun kann als alle anderen. Kurz: Sie ist perfekt. “ (There is nothing Rey cannot do, nothing she cannot do well, and nothing she cannot do better than anyone else. In short: she is perfect.)

Gerade weil sie von Anfang an perfekt sei und selbstverständlich Dinge tun könne, für die etwa Luke Skywalker lange hätte trainieren müssen, könne sich Rey auch nicht entwickeln. Der Glaube an die immer schon perfekte Frau produziere einen statischen Charakter.

Das aber ist gerade in einem Film ein Problem, der grundsätzlich davon gelebt hat, dass er eine unglaubliche, doch glaubwürdig gemachte Entwicklung präsentierte. Der erste Star Wars-Film hatte im Jahr 1977, trotz seiner Raumschiffschlachten, seiner Technikbegeisterung und seinem aufwändig konstruierten Todesstern, einen märchenhaften Charakter – und den hatte er, weil seine Hauptfigur Luke Skywalker sich entwickelte wie der Held eines Märchens.

Er beginnt dort als ein reiner Tor – ein junger Mann auf einem abgelegenen Wüstenplaneten, der nichts weiß und nichts versteht von den großen Auseinandersetzungen, von denen die Galaxis erschüttert wird. Sein Name ist eine Anspielung an den Begriff „jaywalker“ – ein verträumter Fußgänger, der unachtsam eine befahrene Straße überquert und dabei sich und andere in Gefahr bringt. Am Beginn des Films ist es undenkbar, dass Luke zu einem ernstzunehmenden Gegenspieler des düsteren, unbesiegbar scheinenden Darth Vader werden könnte, der den entsetzlichen Todesstern fertig stellt.

Dass der Film eher Typen als Individuen zeigt, ist keineswegs – wie Georg Dietz im Spiegel feststellt, damit gewohnt entschlossen danebenliegend – ein Zeichen dafür, dass der Film mit einer „Faschismus-Ästhetik auch für Antifaschisten“ punkte. Es gehört einfach zur Märchenlogik – auch Märchen arbeiten schließlich mit Typen und Archetypen, mit Bauernjungen, Schweinehirten, Prinzessinnen, Königen, Vätern, bösen Stiefmüttern, bösen und guten Magiern. Gerade diese Typisierung macht es ja möglich, die Entwicklung des Helden als eine universell gültige Geschichte wahrzunehmen.

Luke kann ganz in diesem Sinn und wider Erwarten zu einem ernsthaften Gegner des übermächtigen Darth Vader werden, weil er sich zuvor vielen Prüfungen unterzieht: Er erlebt einen enormen Verlust – verlässt seine Heimat und geht auf eine unüberschaubare Reise – rettet eine Prinzessin – hat einen weisen, allwissenden Lehrer – gewinnt neue Freunde – und ist schließlich so weit, dass er den Todesstern zerstören kann.

Die ungeheure Distanz zwischen seinen naiven Anfängen und seiner abschließenden Heldentat wird überbrückt durch eine mystische Kraft, die „Macht“ (the force). Nach mehreren vergeblichen Versuchen, zur Zerstörung des Todessterns ein winziges Ziel zu treffen, schaltet Luke schließlich alle Zielgeräte seines Fliegers aus, verlässt sich allein auf seine Intuition, die Macht – und trifft.

All das ist Grundwissen der Zuschauer, die heute den Film über das Erwachen der Macht sehen. Diese Macht steht in der märchenhaften Logik der ursprünglichen Star Wars-Filme für die Möglichkeit einer Entwicklung: Du kannst auf Dich vertrauen, weil Du mehr bist, als Du jetzt bist – weil Du mehr kannst, als Du jetzt kannst.

Eben dazu steht es jedoch in deutlichem Widerspruch, wenn die Figur der Rey sich nicht entwickelt, weil in ihr die Macht von Beginn an ausgebildet ist. Wer schlecht gelaunt ist, könnte daher auch behaupten, der neue Film verbinde die erzählerische Armut der Episoden 1 bis 3 mit den eingeschränkten tricktechnischen Möglichkeiten der Episoden 4 bis 6…

 

Wie man mit Darth Vader Hase und Igel spielt

Tatsächlich aber erfüllt die statische Anlage der Figur eine Funktion – so ähnlich, wie der bewusste Verzicht auf eine große tricktechnische Überproduktion helfen soll, dem Charakter der ursprünglichen Filme wieder nahe zu kommen.

Wohl alle, die den Film sehen, können ihn heute nicht mehr mit den Naivität betrachten, die zur Lukes Naivität im ersten Teil passte. Was die Macht ist, welche Verführung von ihrer dunklen Seite ausgeht, die Verwicklungen die Geschichten von Jedi, Sith und anderen: Das ist alles längt bekannt.

Die Figur der Rey erfüllt die Funktion, Zuschauern, die eigentlich schon alles über die Star Wars-Welt wissen, neu in diese Welt einzuführen. Sie verfügt schon ganz über die Macht, sie verfügt aber noch nicht über den Kontext, sie zu verstehen. So können Zuschauer sie bei ihrer Verwunderung beobachten, den Millenium Falcon grandios geflogen zu haben – und zugleich, im Unterschied zu Rey selbst, eine Erklärung dafür haben. Alles ist bei Rey ganz da, wie auch im Vorwissen der Zuschauer – sie muss nur erst noch entdecken, was es bedeutet. So wird es dann möglich, mit ihren Augen ein längst bekanntes Universum doch noch einmal für einige Momente so zu sehen, als würde es gerade neu entdeckt.

Die modische Idealisierung der immer schon perfekten starken Heldin lenkt dabei davon ab, dass die Anlage dieser Figur nicht weit trägt, dass sie eindimensional bleibt und zugleich unweigerlich Widersprüche produziert. Gleich mehrmals verschafft sich der Film, der doch sonst sehr viel stilsicherer ist als die Episoden 1 bis 3, mit unglaubwürdigen Aspekten seiner Rey unfreiwillige Lacher – etwa, als sie Han Solo ganz unironisch erklärt, wie er den Millenium Falcon fliegen müsse. („Da ist der Kompressor.“)

Dass sie, die von der Macht gar nichts zu wissen scheint, den mächtigen und lange ausgebildeten Kylo Ren (Adam Driver) gleich zwei Mal besiegt, wird im Film allerdings motiviert – und ausgerechnet das erweist sich für eine genderpolitisch korrekte Lesart als fatal. Als Kylo Ren versucht, wie in einer mentalen Vergewaltigung in Reys Gedanken einzudringen, kann sie den trainierten Angreifer nicht nur abwehren, sondern erfährt im Gegenzug sogar, was er denkt. Allerdings hat sich Kylo hier zuvor – anders als bei der ersten Begegnung, als er ihre Gedanken noch problemlos lesen konnte – selbst geschwächt: Er hatte seine Maske abgenommen und sieht nun nicht mehr furchterregend und monströs aus, sondern wie ein pubertierender Junge, der beflissen versucht, Darth Vader zu ähneln.

Vor allem ist er gerade enttäuscht und verwirrt seinem zentralen Lebensproblem wiederbegegnet. Er hat nämlich gemerkt, dass sein eigener leiblicher Vater Han Solo für Rey eine große Bedeutung hat. Sie sehe, so stellt er fest, Han Solo als Ersatz-Vater an, würde aber nicht verstehen, wie enttäuschend dieser Mann als realer Vater ist.

Als Rey Kylo schließlich ganz am Ende des Films im Kampf besiegt, wird zugleich auch deutlich, was sie ihm trotz aller Unterlegenheit im Training und im Wissen voraus hat. Wie Luke in der legendären Szene des allerersten Star Wars-Films, als er den Todesstern zerstört, ist sie mit sich im Reinen – während Kylo in sich zerrissen ist. In der Logik des Star Wars-Universums bedeutet dies zugleich: Sie ist mit den Vaterfiguren im Reinen, während Kylo mit seinem Vater in einem tödlichen Konflikt lebt.

So liegt David Steinitz in der Süddeutschen Zeitung dann wohl auch falsch mit der Behauptung, der Film breche durch Rey „die patriarchalen ‚Star Wars‘-Strukturen auf“. Diese Strukturen werden mit der Installation einer starken jungen Frau im Zentrum des Films verdeckt, sind aber am Ende vollständig intakt. Überdeutlich wird das auch, als Rey schließlich, ganz allein, einen hohen einsamen Berg im Meer besteigt, dort zu Luke findet und ihm – als könne der Film hier metaphorisch gar nicht dick genug auftragen – ehrerbietig sein Lichtschwert überreicht, anstatt es selbst zu benutzen. Der ungebrochene Respekt vor den Vaterfiguren ist ein entscheidender Unterschied zwischen Rey und Kylo, und dieser Unterschied ist am Ende wichtiger als ihre deutlich schlechtere Ausbildung.

 

Es war einmal vor langer Zeit in einem weit, weit entfernten Patriarchat

Patriarchal strukturiert war das Star Wars-Universum von Beginn an – mit weisen Lehrern wie Obi-Wan Kenobi oder Joda, mit tödlichen Vater-Sohn-Konflikten, mit Darth Vader, als dark father dunkles Spiegelbild der hellen guten Vaterfiguren, und natürlich mit einer Prinzessin, die trotz einiger starker Szenen vor allem die Funktion hatte, gerettet zu werden.

Dieses patriarchale Grundlogik ist keineswegs skandalös, und die Filme vertraten damit auch nicht die These, dass humane Gesellschaften insgesamt als Patriarchate organisiert sein müssten. Sie spielten einfach eine Möglichkeit sozialer Organisation durch, konzentriert auf einige Aspekte. Ein düsteres matriarchales Gegenstück erschien in den Jahren nach dem ersten Star Wars-Film mit den ersten Teilen der Alien-Saga. Die verschlingenden, allmächtigen Monstren, gegen die eine der stärksten Frauenfiguren der Filmgeschichte kämpfte, haben besonders im zweiten Film düster-mütterliche Aspekte. Im ersten Film ist Ridley (Sigourney Weaver) allein auf sich gestellt, im zweiten Film ist sie – da sie ein Kind vor den Aliens rettete – als fürsorgliche Mutterfigur ein heller Gegenentwurf zu den düsteren Aliens.

Es ist ganz stimmig, dass in diesem matriarchalen Konflikt Männer keine Rolle spielen, es sei denn als Zwischenmahlzeit, als zeitweilige Brutkästen oder bestenfalls als nervtötende Schurken. Es wäre oberflächlich und aufgesetzt zu verlangen, dass im Interesse genderpolitischer Korrektheit die Alien-Monster doch zur Abwechslung auch einmal von einem starken Mann besiegt werden müssten. Solche politisch-moralisierenden Ansprüche würden die erzählerische Logik der Filme nicht einmal an der Oberfläche ankratzen.

Unnötig ist es auch, sich beim neuen Star Wars zu ärgern über „das neue Erzählformat im Kino: Junge starke Frauen treiben die Welt um, retten selbige im Alleingang und können alles auf Anhieb.“  Gerade im Hinblick auf diesen Aspekt ist auch dieser Film wie ein Märchen aufgebaut, aber wie das Märchen vom Hasen und vom Igel. Die patriarchale Logik, der er mit einer starken weiblichen Heldin zu entkommen versucht, steht am Ende völlig unbeschadet da, als wäre sie niemals bedroht gewesen. Ick bün all dor, oder: Das Imperium schlägt zurück.

Dabei wäre es gut gewesen, diese Logik etwas zu öffnen, sie zu verändern, zu verschieben, zu ironisieren, vielleicht auch zu subvertieren – allein schon, um dadurch Spielraum für eine Fortsetzung der Geschichte zu gewinnen und nicht einfach die erste Geschichte noch einmal neu erzählen zu müssen. Dafür aber wäre es nötig gewesen, überhaupt erst einmal diese Logik der ursprünglichen Star Wars-Filme zu akzeptieren – anstatt einfach den Wunschtraum einer immer schon perfekten Frau davor zu montieren und zu erwarten, dass sich dadurch irgend etwas ändern würde.

Doch nach den künstlerischen und narrativen Desastern der nachgeschobenen Episoden 1 bis 3 versucht Regisseur J.J. Abrams mit seinem Film vor allem, ohne größere Änderungen wieder zurück an den Anfang zu kommen.

Abrams liefere, so Stephanie Zacharek im Time-Magazine, alles, was wir erwarten – im Unterschied zu den geheimnisvollen Wundern, von den wir gar nicht wussten, dass wir sie uns wünschten. (But somewhere along the way, Abrams begins delivering everything we expect, as opposed to those nebulous wonders we didn’t know we wanted.) The Force Awakens ist gerahmt von der Suche nach dem verschwundenen Luke Skywalker – er beginnt damit, dass Luke gesucht, und endet damit, dass Luke gefunden wird. Mit dieser Suche nach Luke hat er sich gleichsam selbst zum Thema, mit seiner Suche nach eine Geschichte, die an das ursprüngliche Star Wars anknüpft, das wir alle kennen.

Damit aber ist der Film, wenn auch wohl unabsichtlich, unter anderem eine Reflexion über das Erzählen von Geschichten. Deutlich wird zumindest: Erzählungen sind natürlich Konstruktionen, aber Konstruktionen können eben nicht beliebig geändert werden. Von politisch-moralischen Erwartungen sind sie beispielsweise weitgehend unabhängig. Und:

Das Credo einer erstarrten politischen Korrektheit – dass nicht sein könne, was nicht sein dürfe – bietet nicht nur eine schlechte Grundlage für gute Politik, sondern auch eine schlechte Grundlage für gute Geschichten.

 

Ich wünsche ganz in diesem Sinn allen möglichst viele gute neue Geschichten im neuen Jahr!

 

 

  1. Danke für diese aufschlußreiche Rezension. Spart mir einen Kinobesuch.

    „… erstarrten politischen Korrektheit … bietet … auch eine schlechte Grundlage für gute Geschichten.“

    Erinnert mich an das alte Thema „Ein politisch Lied, ein garstig Lied“. Man merkt die Absicht, und man ist verstimmt. Die hier detailliert herausgearbeitete fehlende Entwicklung der weiblichen Hauptperson dürfte fast jedem Zuschauer mehr oder weniger auffallen. Interpretiert werden filmische Charaktere ja automatisch vor dem Hintergrund des herrschenden gesellschaftlichen Umfelds – und das bietet als Anknüpfungspunkte seit langem die endlose Propaganda von Frauen als den besseren Menschen und die offizielle Losung „Frauen können alles“ (auch ohne Training), auch wenn das jeder privaten Erfahrung widerspricht. Nach meiner Einschätzung verstärkt der Film bei Leuten, die die Propaganda erkannt haben, die Allergie gegen diese Propaganda höchstens noch, stimmt sie jedenfalls nicht um. Insofern glaube ich nicht, daß eine eventuelle missionarische Absicht des Films – sofern es nicht nur Anpassung an die dominierende politische Korrektheit war – Erfolg hat.

    „viele gute neue Geschichten im neuen Jahr“

    wünsche ich ebenfalls allen. Eine gute geschlechterpolitische Geschichte wäre besonders willkommen 😉

    Antwort

  2. Warum hat Chewbacca keine grauen Haare? Der ist doch auch gealtert, oder altern Wookies nicht so wie Menschen? Diese Frage sollte in der nächsten Episode (Sternchen kriegt Schnupfen – möge das Aspirin mit dir sein) unbedingt beantwortet werden.
    Aber ernsthaft: der allererste Star Wars Film hatte einen gewissen Charme, dann gings nur noch bergab. Den neuen hab ich nicht gesehen.

    Antwort

  3. Frohes Neues!

    Hier mal ein anderer Film:

    Ein Film, der sich direkt mit Vaetern etc. beschaeftigt ist
    https://en.wikipedia.org/wiki/Knock_Knock_(2015_film)
    Eine seltsame Mischung, kurz gesagt, aber in dieser kruden Mischung schon aufschlussreich: einerseits Verachtung fuer schwache Maenner, andererseits ein gewisses „Problembewusstsein“.
    Und die ewige „Sexualschuld“.

    Recht kuenstlich und schwach. Zumal in der deutschen Synchronisation, die wie meistens heutzutage ganz billig gemacht ist — aber vielleicht sollte man dies als Verfremdung gutheissen.

    Wenn mehr Interesse besteht, kann ich noch mehr sagen, will aber jetzt nicht dieses Forum missbrauchen.

    Antwort

  4. Das mit dem Kompressor konnte Han nicht wissen, weil der Schrottsammler auf dem Sandkastenplaneten ihn nachträglich eingebaut hat. Rey weist Han soweit ich weiß ein paar DIalogzeilen vorher darauf hin…

    Antwort

  5. Also ich muss doch mal eine Lanze für die Filme der republikanischen Zeit brechen. Sie haben einen vollkommen anderen Fokus als die der imperialen Zeit, was viele offenbar damit verwechseln, dass sie schlecht seien, keine Erzählform hätten oder was auch immer. Wer das behauptet, hat sie nicht verstanden.
    Die Filme der imperialen Zeit sind die Geschichte einer Person. Personen schreiben ihre eigene Geschichte, aber sie schreiben sie vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Umstände. Diese Umstände werden in den Filmen vernachlässigt, was aber insofern nachvollziehbar ist, als das Universum nach dem Zusammenbruch der Republik relativ chaotisch ist und das Imperium keineswegs die absolute Machtposition einnimmt, die einem der Film auf den ersten Blick glauben machen will. Daher sind die gesellschaftlichen Verhältnisse ungeordnet – optimale Bedingungen für Glücksritter, und von einem solchen handeln die Filme. Das hat eine interne Logik.

    Aber auch die Filme des republikanischen Zeitalters besitzen eine interne Logik, die allerdings wesentlich schwieriger zu verstehen ist. Hier herrscht keine Anarchie, sondern es gibt ein unübersichtliches, aber durchaus konsistentes Kompositum verschiedener staatlicher, halb-staatlicher und privater Akteure, die jeweils einer eigenen Agenda folgen. Diese Geschichte ist die Geschichte der gesellschaftlichen Bedingungen, gegen die alle Individuen von verschiedenen Seiten aus ankämpfen – und zwischen denen alle Individuen zermalen werden. In vielerlei Hinsicht hat mich diese Trilogie immer wieder an die italienische Renaissance erinnert. Zentral ist dabei die Figur des Senator/Kanzler/Imperator Palpatine. Die Geschichte seines Aufstiegs steht eigentlich im Zentrum der Filme. Und die ist faszinierend zu verfolgen. Sie ist auch komplett vereinbar mit der internen Logik der Filme, was diese Trilogie in meinen Augen so stark macht. Der Imperator in der neuen Trilogie ist die Verkörperung des uomo virtuoso aus Niccolò Machiavellis ‚Il Principe‘, der mit drastischen – aber notwendigen! – Mitteln ein dysfunktionales, korrumpiertes System zerstört und an seine Stelle einen funktionalen Einheitsstaat zu setzen versucht, dann aber – oh wie menschlich! – selbst von der Macht korrumpiert wird und sie missbraucht.
    Um das zu erkennen, muss man aber hinter das Narrativ blicken, das Narrativ von „hell und dunkel“, von „gut und böse“. Es gibt kein gut und böse – weder in der Realität, noch in diesem fiktiven Universum. Das ist reine Symbolsprache. Es gibt nur Akteure mit sehr irdischen Interessen. Der Film wird nicht aus neutraler Perspektive erzählt, sondern aus der Perspektive eines Akteurs, oder genauer: einer Interessengruppe, nämlich der Jedi. Er ist ein Propagandafilm.
    Wenn man die Filme aber aufmerksam anschaut, dann sieht man an allen Ecken und Enden, dass die Jedi Nutznießer und Verteidiger eines Systems sind, das keineswegs dem Gemeinwohl dient. Die Kriminalität floriert, privater Waffenbesitz ist üblich, es herrscht Sklaverei, private Unternehmen pressen mit eigenen Armeen (!) die Bevölkerung ganzer Planeten aus und sind überdies in der Lage, mit eigenen Abgeordneten (!) die Legislative zu blockieren, diese ist de facto entmachtet, die Judikative – chronisch überlastet – wird von niemandem ernstgenommen. Bleibt noch die Exekutive – der Kanzler. Aber was sind dessen Machtmittel? Es gibt anfangs keine „Armee der Republik“, ob es Polizei gibt, ist fraglich, es gibt da nur die Jedi. Die sollen Recht und Ordnung in der Gesellschaft durchsetzen, so heißt es. Und darin versagen sie phänomenal. Stattdessen sitzen sie dekadent in ihrem Elfenbeinturm herum und beschäftigen sich mit sich selbst. Nun, wenn das wirklich die helle Seite der Macht sein soll – dann hat sie es verdient, davongefegt zu werden.

    Also ich finde das eine überaus faszinierende Geschichte. Aber, zugegeben, dafür muss man auch ein gesteigertes Interesse am Politischen haben.
    Der neue Film dagegen ist in meinen Augen der mit riesigem Abstand schlechteste von allen. Er besitzt keine innere Logik, er ist nur ein billiges Remake von Episode IV, ein Haufen Krach-Bumm-Peng mit flachen Charakteren. Eine Schande. Ich werde ihn mir nie wieder ansehen, und auch seine Nachfolger nicht. Ich betrachte ihn nicht als legitimen Nachfolger.

    Antwort

    1. @ Der nachdenkliche Mann Ich habe bisher kaum jemanden kennen gelernt, oder von jemandem gelesen, der die Episoden I-III entschlossen verteidigt. Allenfalls hat mal ab und zu jemand lauwarm behauptet, die Filme seien nicht ganz so schlecht, wie sie allgemein beurteilt werden. Schon von daher vielen Dank für Deinen Kommentar!

      Ein Problem der ersten drei Episoden ist möglicherweise, dass es fast unmöglich ist, sie ohne die Erinnerung an die tatsächlich ersten Teile, IV-VI, zu sehen. Und diese Erinnerung ist nun einmal für viele absolut überwältigend. Ich kann mich auch noch gut daran erinnern, dass ich – als ich den ersten Teil gesehen hatte – das Gefühl hatte, davon ginge ein enormer Zauber aus. Ohne dass ich genau hätte sagen können, worin der besteht.

      Heute glaube ich, dieser zauber hat viel damit zu tun, dass die Geschichte (wie schon oben im Text geschrieben) eigentlich einer Märchenlogik folgte: Mit einer holzschnittartig vereinfachten Welt, deren Teile aber alle eine tiefe Bedeutung zu haben scheinen – und einer Entwicklung von Helden, die Aufgaben erfüllen müssen, die zunächst unmöglich zu sein scheinen. Das Besondere an Star Wars war, dass es die aus der Kindheit noch vertraute Märchenlogik stimmig in einen Kontext für Erwachsene übertrug.

      Mit einer solchen Erwartung aber hat das komplizierte politische Intrigen- und Interessenspiel der Episoden I-III gar nichts zu tun. Es gibt zudem zwar eine Entwicklung der Zentralfigur – aber das ist eine Entwicklung, von der wir schon zu Beginn wissen, dass sie im Bösen enden wird. Wir wissen nur nicht genau, wie das passiert: Im Laufe der Filme habe ich allerdings auch gemerkt, dass mich das überhaupt nicht interessiert.

      Insbesondere die Liebesgeschichte, die (wenn ich mich recht erinnere – ich hab den Film per DVD geschaut und bin dabei bezeichnenderweise eingeschlafen….) einen großen Platz im zweiten Teil einnimmt, hat mich kalt gelassen.

      Wenn ich Dich richtig verstehe, schlägst Du vor, die ersten Episoden fernab von der Märchenlogik der drei ursprünglichen Teile zu verstehen – als riesige politische Maschinerie, in der Moralerwartungen und Erwartungen einer Entwicklung des Helden zu einem stimmigen, ausgereiften Menschen überhaupt keinen Platz haben und in deren Mittelpunkt nicht etwa Anakin, sondern Palpatine steht. Das wäre dann ein Schauspiel, das mit durchaus kaltem Interesse aus der Distanz verfolgt werden könnte, aber nicht mit dem Mit-Fiebern der ursprünglichen Teile.

      Es wäre von George Lucas ziemlich gewagt gewesen, mit den Erwartungen seines Publikums so radikal zu brechen, wenn er es bewusst getan hat. Aber immerhin, das gestehe ich nach dem Besuch von Episode VII den Episoden I-III zu: Im Unterschied zum ganz neuen Film, der weitgehend eine etwas unstimmige Kopie des allerersten ist, setzen die Episoden I-III noch einmal ganz neu an. Die Verantwortlichen versuchen wenigstens, noch einmal etwas ganz Neues zu erzählen und nicht einfach nur das wiederzukäuen, was vorher erfolgreich war.

      Antwort

      1. (Bin etwas spät dran, da ich den Film jetzt erst gesehen habe und ich keine Spoiler wollte.)

        Ich stimme dem nachdenklichen Mann zu. Die ersten Episoden sind durchaus besser als ihr Ruf. George Lucas hat selbst einmal gesagt, dass ihm die Handlung der ersten Episoden zu wichtig war, und er deswegen erst die (eigentlich) letzten Episoden gedreht hat. Für die ersten wollte er bessere technische Möglichkeiten.

        Ich bin ein großer Fan der Filme. Als Kind habe ich die alten Episoden verschlungen. Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich sie gesehen habe. Von den neuen Episoden war ich dementsprechend erst einmal enttäuscht. Aber nach mehrmaligem Schauen (ich bin halt doch Fan), habe ich die komplizierten, politischen Intrigen zu schätzen gelernt. Und ich muss George Lucas zustimmen: Ich finde, die Handlung der ersten Episoden bedeutender.

        Es sollte uns eigentlich eine Warnung sein, wenn wir diese Filme schauen und anschließend mehr Überwachung fordern (natürlich der Sicherheit wegen), (mal wieder) den Notstand verlängern (Ist JarJar Franzose?) und und und. Das mag man heute vielleicht noch nachvollziehbar begründen können. In meinem Kopf erscheint aber immer das Bild eines Palpatine, der über die Klonarmee schaut, und morgen vielleicht das Sagen hat.

        Auch die Arroganz der Jedi, verköpert insbesondere durch Mace Windu, sollte ein Warnung für die sein, die gerne auf dem hohen Ross der Moral sitzen. Man sollte die Chance nutzen, seine Helden zu hinterfragen. Zumindest Yoda reflektiert über die eigenen Handlungen, wenngleich auch er am Ende nicht gegen den Strom der Ereignisse ankommt.

        Ob das nun ins Star Wars-Universum paßt, weiß ich nicht. Vielleicht hat sich George Lucas mit seiner damaligen Entscheidung auch ein Eigentor geschossen. Ich persönlich finde das Universum durchaus ansprechend. Und das Märchen der letzten Folgen versöhnt vielleicht etwas mit der Machtlosigkeit des Einzelnen zu Beginn der epischen Geschichte.

        Zum Perfektionismus der Charaktere: Allgemein sehe ich einen Trend, dass die Guten(tm) von Anfang an völlig überlegen sind. Oder das zumindest in profaner Weise sind. Zum Beispiel Hulk gegen Loki bei den Avengers. Oder hier (abgesehen von Rey) Poe Dameron: In einer Sequenz fegt er alleine den Himmel leer und schießt selbst beim Ausweichen den nächsten Flieger ab. In der Bonusrunde müssen dann auch gleich noch ein paar Fußsoldaten dran glauben. Alles ohne einen Kratzer abzubekommen. Natürlich sind die Helden am Schluß meistens doch den Bösen(tm) überlegen, aber zumindest müssen sie sich anstrengen. Hier geht das ganz anstrengungslos. Rey ist ein Extrembeispiel. Es gibt gar nicht mehr den Dunst eines Hauchs eines Zweifels, dass die Bösen eventuell und nur vielleicht gewinnen könnten.

        Gibt es diesen Trend wirklich? Oder schaue ich nur die falschen Filme?

Antwort

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s