Männerechtsbewegung

Die Ermordung eines Männerrechtlers – und was man daraus lernen kann

Bild zeigt einen Schimpansen
geschrieben von: Lucas Schoppe

Ein Kommentar zur Bones-Folge The Murder of the Meninist

In den USA sind Männerrechtler mittlerweile immerhin so wichtig, dass es sich lohnt, sie zur besten Sendezeit zu ermorden. In der Folge The Murder of the Meninist der in den USA gerade laufenden elften Staffel der Krimiserie Bones wird einer von ihnen als verbrannte Leiche in einem Auto gefunden – und seine Gruppe, die fiktive Männerrechtsorganisation Men Now, wird ausführlich vorgestellt.

Arne Hoffmann kommentiert allerdings, die Serie lege

„Männerrechtlern Sätze in den Mund, die ich in den fast 20 Jahren, in denen ich bei diesem Thema aktiv sind, noch von keinem einzigen Männerrechtler (von welchem radikalen Flügel auch immer) habe sagen hören“  

Tatsächlich sind Männerrechtler in der Folge stumpf frauenfeindlich, auf die Unterordnung der Frau und auf die Wiederherstellung ihrer immer irgendwie angegriffenen männlichen Würde bedacht – ganz so, als ob die Produzenten ausgerechnet den MRA-feindlichen Soziologen Michael Kimmel („Angry White Men“) als wissenschaftlichen Berater engagiert hätten.

bones gorilla

Die Darstellung von Männerrechtlern in der Fernsehserie Bones ist durchaus nicht frei von Polemik. Trotzdem lohnt es sich, die Folge The Murder of the Meninist anzuschauen.

Trotzdem habe ich die Folge gesehen – und finde, dass es sich sehr gelohnt hat.

 

Männerrechtler sind bekloppt, haben aber vernünftige Anliegen

Das liegt nicht allein daran, dass ich ein wenig parteiisch bin. Ich sehe Bones gern und finde die Serie, für eine Krimiserie, oft sehr unterhaltsam. Im Zentrum steht das Verhältnis von Dr. Temperance Brennan, genannt Bones (Emily Deschanel), einer forensischen Anthropologin, und FBI-Agent, Ex-Soldat und Trennungsvater Seeley Booth (David Boreanaz), der Bones im Laufe der Serie heiratet. Geschlechterklischees werden bei den beiden gleichsam überkreuz ausgestaltet: Bones ist extrem stark rational gesteuert, eine brillante Wissenschaftlerin, aber sozial bis ins Lächerliche hinein unbeholfen. Booth hingegen ist empathisch und sozial hochkompetent.

Dass „die Macher der Serie ‚Bones’ die Männerrechtler verdammen, die von ihnen enttabuisierten Probleme aber anerkennen“ (Hoffmann), lässt sich in der Folge The Murder of the Meninist an viele Stellen zeigen. Themen der Männerrechtsbewegung werden so durchgehend und vielfältig angesprochen, als ob die Drehbuchschreiber beflissen eine Liste abgearbeitet hätten.

Schon als die Leiche des ermordeten Emil Bradford gefunden wird, bemerkt Hodgins (T.J.Thyne), ein Kollege von Bones, dass Bradford angesichts seines alten verbeulten Autos offenbar ein armer Mann gewesen sei. Die Geldnöte erklären sich wenig später, als Booth Gail, die geschiedene Frau des Opfers, befragt. Gail beklagt sich darüber, dass „dieser Scheißkerl“ („sonofabitch“) den Unterhalt an sie habe reduzieren wollen – was Booth angesichts ihres geräumigen und gerade aufwändig renovierten Hauses spöttisch kommentiert („Jupp, ich sehe schon, dass Sie völlig blank sind.“ – „Yeah, I really see you’re strapped for cash“).

Bei der Untersuchung der Leiche stellt die Leiterin von Bones’ Jeffersonian Institute, Camille Sayoran (Tamara Taylor), dann fest, dass Emil Opfer regelmäßiger häuslicher Gewalt gewesen sei. Mit seiner Bemerkung, dass dies bei einem Mann unmöglich sei, wird ihr aus Kuba stammender Kollegen Rodolfo Fuentes (Ignacio Serricchio) als uninformierter Macho präsentiert. Cam erklärt ihm, dass auch Männer Opfer häuslicher Gewalt würden, sich aber oft schämen würden, es anderen zu sagen.

Bones selbst nennt Rodolfo später als Beispiel für ein legitimes Anliegen („legitimate issues“) von Männern „das gleiche Sorgerecht bei Scheidungsvereinbarungen“ („equal custody in divorce settlements“).

Als am Ende Booth und Bones darüber sprechen, dass Gail und deren Geliebter ihren Ex-Mann Emil umgebracht hätten, betont Booth, dass Gail als Frau bei den Richtern ein milderes Urteil als der Geliebte bekäme – und Bones kommentiert, dass Voreingenommenheiten wie diese die Männerrechtsbewegung antreiben würden („Well, it’s bias like that which fuels the men’s rights movement“).

Auch die Jungenbeschneidung ist zwischendurch Thema, anhand eines Flugblatts, das Emil verteilt hatte. Allerdings macht sich Angela Montenegro (Michaela Conlin), eine weitere Bones-Kollegin und Hodgins Frau, über das Argument der Gruppe lustig, eine Beschneidung müsse die Einwilligung des Beschnittenen voraussetzen.

„Was für eine Einwilligung? Wir haben [unseren Sohn] Michael Vincent nach zwei Tagen beschnippeln lassen. Das ist eine Schande.“ („What consent? We had Michael Vincent snipped at two days old. That is a shame.“)

Die Männerrechtler von Men Now erscheinen, obwohl ihre Themen aufgegriffen werden, tatsächlich als verhetzte, hasserfüllte Trottel, die seltsamen Verschwörungstheorien nachhängen. Paul, mit Emil zusammen Begründer von Men Now, wird in die Episode eingeführt bei einer Rede, in der er gegen „lesbanesische Männerhasserinnen“ („lesbaneze man-haters“) hetzt, deren eigentliches Ziel die Auslöschung der männlichen Spezies sei. Die Männer im Raum stimmen unisono und unkritisch zu: eine stumpfe Menge, unfähig zu eigenem Denken, fassunglos von Bones und Booth („Ich würd dem Typen wirklich gern eine runterhauen“ – „I really want to punch this guy.“) beobachtet.

Denselben Paul streckt dann jedoch nicht Booth, sondern Bones am Ende der Folge mit einem Faustschlag nieder. Er hat bei einer Befragung versucht, seiner Frau Karen den Mund zu verbieten – auch wenn diese mit ihm gemeinsam für Men Now tätig ist. Bones schaltet sich ein, und Paul erklärt dem ebenfalls anwesenden Booth, dass „die da“ (this one) einen Maulkorb bräuchte: „Alle Schlampen brauchen von Zeit zu Zeit einen Maulkorb.“ („All bitches need to be muzzled sometime.”)

Bones merkt, dass Booth Paul niederschlagen will – stellt klar, dass Booth als FBI-Agent damit seinen Job riskieren würde – und haut Paul daher selbst um, weil sie schlimmstenfalls ein Disziplinarverfahren zu befürchte hätte.

Deutlich wird so vor allem ein Kontrast der Paare: Während Paul und Karen in der Karikatur einer vom Mann dominierten Ehe leben, führen Booth und Bones eine gleichberechtigte Beziehung, in der beide aufeinander aufpassen und füreinander einspringen.

Gleichwohl kommen Feministinnen hier nicht besser weg als Männerrechtler. Booth macht sich darüber lustig, dass Bones – selbst Mitglied in der Organisation Women for Change – ihnen rundweg Friedfertigkeit unterstellt, und liest ein paar Tweets der feministischen Aktivistin Leah Marino vor: Dort empfiehlt sie Emil Bradford öffentlich den Selbstmord („Suicide is never an option, except for Emil Bradford.“) und wünscht ihm öffentlich einen langsamen, qualvollen Tod („Raise your hand if you want Emil Bradford to die a slow, painful death.“)

Als Marino sich in der Befragung durch den FBI-Agenten James Aubrey (John Boyd) als Opfer einer Belästigungskampagne durch Bradford zu inszenieren versucht, kontert Aubrey gelassen mit dem Hinweis, dass er ihre Tweets gelesen habe: „Sie haben genauso viel ausgeteilt wie eingesteckt.“ („You gave as good as you got.“) Keine Rede davon, dass Gewalt bei Frauen anders zu bewerten sei als bei Männern.

Feministische Aktivistinnen werden, in einer Parallelszene zu der oben beschriebenen, ebenso wie die Männerrechtler als verhetzte, seltsame Menge dargestellt. Als Bones und Booth Marino bei einem von ihr geleiteten Protest zu einer Befragung abholen, inszeniert diese das als Festnahme durch ein repressives System. Die Menge der Frauen protestiert wütend, erregt und ohne nachzufragen – und dass Bones den Frauen ihren Mitgliedsausweis von Women for Change vorzeigt, als wäre es eine Polizeimarke, ist hier nur noch eine komisch-sinnlose Geste.

 

Warum nicht auch „The Frying of the Feminist“?

Eine feministische Freude über das Männerrechtler-Bashing ist also kurzschlüssig: Die Bones-Folge spielt keinen guten Feminismus gegen böse Männerrechtler aus, sondern einen Common Sense gegen überzogene, einseitige Positionen in Geschlechterdebatten.

Diese Debatten aber werden heute nicht von männerrechtlichen, sondern weit überwiegend von feministischen Akteuren geprägt. Warum dann also die Konzentration auf Männerrechtler, die hier – als „Meninisten“ – wie lächerliche Kopien von Feministinnen erscheinen?

Als „Verschiebung“ bezeichnen es Psychoanalytiker, wenn ein Mensch Gefühle, die er einer Person gegenüber hat, auf eine andere Person richtet, weil sie dort akzeptabler, weniger gefährlich und weniger tabuisiert sind. Ein simples Beispiel wäre das von einem Jungen, der regelmäßig von seinem großen Bruder verprügelt wird, der dann aber nicht wütend zurückschlägt, sondern seine Wut an schwächeren Klassenkameraden auslässt.

In ähnlicher Weise ist es auch für Vertreter eines geschlechterpolitischen Common Sense deutlich einfacher, verstreute Männerrechtler für Überzogenheiten und Einseitigkeiten anzugreifen, als Feministinnen, die in Medien und öffentlichen Institutionen gut etabliert sind.

Denn was wäre wohl geschehen, wenn die Serie in einer Folge den Mord an einer Feministin – im Titel mit einer Bones-typischen Alliteration wie etwa „The Frying of the Feminist“ – als komisch-absurdes Spektakel inszeniert hätte? Wenn Booth schließlich eine offen männerhassende Feministin mit einem gezielten Faustschlag niedergestreckt hätte, damit es seine Frau nicht tun muss – in einer Szene, die deutlich auf den Beifall des Publikums hin inszeniert ist?

Feministinnen sind als Ziele polemischer und sogar sachlicher Angriffe nun einmal deutlich tabuisierter als Männerrechtler. Gleichwohl lassen sich die Überzogenheiten, gegen die hier ein Common Sense und ein Sinn für partnerschaftliche Solidarität ausgespielt werden, unschwer auch auf sie beziehen. Geschlechtsneutral formuliert, klänge der Irrsinn heutiger Geschlechterdebatten dann ungefähr so:

  1. Strukturen moderner Gesellschaften seien, ebenso wie grundsätzlich die Strukturen fast aller Gesellschaften seit Tausenden von Jahren, grundsätzlich von der Herrschaft des einen Geschlechts über das andere geprägt.
  2. Alle Angehörigen des Herrschergeschlechts profitierten von ihren Privilegien, auch wenn sie sich ihrer gar nicht bewusst sind. Aus der Perspektive der Beherrschten seien diese Privilegien jedoch jederzeit erkennbar.
  3. Die Herrschaft durchzöge alle Lebensbereiche, von politischen Strukturen bis hin in den Alltag. Besonders an scheinbar unverdächtigen Alltagssituationen – dem Sitzen von Menschen in der U-Bahn, der Farbe von Kinderspielzeug, der grammatikalischen Struktur der Sprache – müssten die Auswirkungen der Herrschaft dargestellt werden, gerade weil sie hier so unverdächtig und selbstverständlich wirken würden.
  4. Strukturen der Kooperation, der gemeinsamen Orientierung an einem Gemeinwohl, an gemeinsamen liberalen Werten könnten in ihrer Konsequenz inhuman sein, weil sie zur Verschleierung der Herrschaftsstrukturen und so zu deren Beibehaltung beitragen würden.
  5. Wer einem der Punkte 1 bis 4 grundsätzlich widerspreche, habe dafür nur scheinbar sachliche Argumente, sei aber tatsächlich von dem Interesse bestimmt, Herrschaftsstrukturen aufrechtzuerhalten – oder einfach vom Hass auf diejenigen Menschen, die diese Strukturen aufzudecken versuchten.

Aus meiner Sicht geben diese Punkte heutige feministische Positionen durchaus fair wieder. Mit Common Sense-Vorstellungen kollidieren sie gleich dreifach:

a. Der Kategorie „Geschlecht“ messen sie eine deutlich zu große Bedeutung zu – sie wird gleichsam zu einem gesellschaftlichen Hauptwiderspruch, neben dem alle anderen Kategorien (Ungleichheiten sozialer Schichten zum Beispiel) als Nebenwidersprüche erscheinen.

b. Zugleich wird die Geschlechtszugehörigkeit irrational einseitig auf Kategorien der Herrschaft und Diskriminierung bezogen. Die Gewinne der Kooperation, gemeinsame Orientierungen und Werte, gegenseitige Anziehung und gegenseitiges Begehren, gemeinsame Interessen verschwinden daneben. Insbesondere in dieser Hinsicht werden Bones und Booth als Gegenstück zu Männerrechtlern und Feministinnen inszeniert.

c. Bei aller Fixierung auf geschlechtsspezifische Diskriminierungen wird gleichwohl ein dabei wesentlicher Bereich ausgeblendet: dass diese Diskriminierungen prinzipiell beide Geschlechter betreffen können und dass nicht nur eines der Geschlechter, per definitionem, von Benachteiligungen betroffen sein kann.

Eine Kritik daran aus männlicher Perspektive kann so auf mindestens zwei Weisen in Sackgassen enden. Einerseits dann, wenn Männer sich als Antifeministen auf die Gegnerschaft zu feministischen Positionen fixieren und Feministinnen, die ihrerseits kaum ernst genommen werden, zur wesentlichen Ursache männlicher Probleme erklären. Andererseits dann, wenn Männer feministische Einseitigkeiten spiegeln und sich ihrerseits als Opfer einer umfassenden Frauenherrschaft inszenieren. Beides wird, auf grotesk-überzogene Weise, in der Bones-Folge den Meninisten unterstellt.

Da es aber die Darstellung von Frauen als Opfer von Männern für die meisten Menschen deutlich nachvollziehbarer ist als die Darstellung von Männern als Opfern von Frauen, lassen sich diese Haltungen mit Common Sense-Positionen noch schlechter vermitteln als die feministischen. Mehr noch: Gerade an Männerrechtlern können so die Überdrehtheiten heutiger Geschlechterdebatten viel gefahrloser und lustvoller karikiert werden als an den politisch doch viel prägenderen Feministinnen.

 

Was der Common Sense mit der Hose von Seeley Booth zu tun hat

Arne Hoffmann hat noch eine weitere Erklärung dafür, dass die Folge männerrechtliche Positionen zwar übernimmt, aber Männerrechtler zugleich lächerlich macht. Bei sozialen Bewegungen – etwa bei ökologischen oder antirassistischen – sei ein solcher Widerspruch üblich. Das lässt sich leicht erklären.

Wer soziale Bedingungen verändern möchte, wird damit unweigerlich in einen Widerspruch zum gängigen Common Sense geraten, also zu gängigen Vorstellungen davon, was sinnvoll, richtig und legitim und was illegitim oder auch schlicht bescheuert ist. Er erscheint dann als jemand, der zwar zwar in manchen Punkten recht habe, aber haltlos übertreibe.

In dieser Distanz zu dem, was allgemein für richtig und vernünftig gehalten wird, bietet er sich zudem als beliebige Projektionsfläche an – so wie die Darstellung der Männerbewegung in der Bones-Folge mit der Perspektive auf sie deutlich mehr zu tun hat als mit diesen Männern selbst.

Gleichwohl erfüllt der Common Sense eine wichtige Funktion: Er garantiert gemeinsame Alltagsorientierungen und schafft so eine Basis für Kooperationen, und er schützt davor, in jeder einzelnen Situation erneut aufwändig aushandeln zu müssen, wie die Situation zu interpretieren, wie sie zu bewerten und wie in ihr zu handeln sei.

Statt  diesen Common Sense als Ausdruck einer umfassenden Ausgrenzung zu präsentieren, müssen also soziale Bewegungen die Widersprüche dazu plausibel begründen. Feministinnen ist das offenkundig gelungen: Trotz ihrer Darstellung als verhetzte, durchaus gewaltbereite Menge wiederholt die Bones-Folge gängige feministische Positionen (den Gender-Wage-Gap, die allgemeine soziale Dominanz von Männern), als seien es Bestandteile eines selbstverständlichen Alltagswissens.

Gleichwohl können auch Männer den Common Sense, der in dieser Bones-Folge herausgestellt wird, nutzen. Beispiele dafür finden sich leicht gleich reihenweise.

Denn wie viele Menschen halten es schon für vernünftig, dass etwa ein brillanter Wissenschaftler am Höhepunkt seiner Laufbahn und bei einem der wichtigsten Erfolge der modernen Raumfahrt weinend öffentlich um Entschuldigung bittet, weil ihm in einer Hetzkampagne deutlich gemacht wurde, dass er bei dem Ereignis das falsche Hemd trug?

Oder wenn ein anderer Wissenschaftler, ein Nobelpreisträger, seine Position verliert, weil er einen locker-harmlosen Witz über Männer und Frauen im Laboratorium gemacht hatte, deswegen in sozialen Medien scharf angegriffen und nicht einmal dann rehabilitiert wurde, als sich herausstellte, dass seine Anklägerin schon vielfach Unwahrheiten verbreitet hat?

Wie viele Menschen halten es für vernünftig, wenn sich ein deutscher Bundesjustizminister Gesetzgebungsvorschläge von einer Organisation vorformulieren lässt, deren wesentliches Anliegen die Empörung darüber ist, dass es rosafarbenes und blaues Spielzeug gibt?

Oder wenn Feministinnen zugleich Unisextoiletten fordern und eigene Frauenabteile in Zügen unterstützen?

Oder wenn ein öffentlich-rechtlicher Sender Frauen als neue Hoffnung des Feminismus präsentiert, deren Organisation mit einer Fotografie abgetrennter Hoden wirbt und die eines ihrer Mitglieder bei einem Weihnachtsgottesdienst im Kölner Dom mit nackter Brust auf den Altar springen lässt, den Satz „I am God“ verkündend?

Aber auch: Wie viele Menschen halten es denn wohl für vernünftig, wenn eine vielgelesene amerikanische Männerwebsite – keine Männerrechtler übrigens – allen Ernstes zum Boykott des spektakelhaften Action-Filmes Mad Max aufruft, weil der die weibliche Hauptperson als stärker darstelle als die männliche und so eine feministische Agenda verbreite?

Oder wenn das deutsche Bundesforum Männer, das angekoppelt an das Familienministerium stillschweigend und ohne aufzufallen Steuergelder verbraucht, plötzlich und unerwartet in Erscheinung tritt, weil sein Vorsitzender die Veranstalter eines Gender-Kongresses per Mail unbelegt und unbegründet als Rechtsradikale hingestellt und sich damit eine Reihe von Verleumdungsanzeigen eingehandelt hat („Die Männerverbände beschäftigen sich im Moment vor allem mit sich selbst“, kommentiert dazu die FAZ ) ?

Die Common Sense-Orientierung der Bones-Folge steht also Positionen einer linken oder liberalen Männerbewegung keineswegs feindlich gegenüber – eher schon ist erklärungsbedürftig, aber auch erklärlich, warum sie Kritik an feministischen Positionen nur implizit übt. Sie ist allerdings von einem Vertrauen in die Fähigkeit einer rechtsstaatlichen Demokratie zur Selbstkorrektur geprägt, das vielen Männern – in der Väterbewegung beispielsweise – abhanden gekommen ist.

Gleichwohl kann die Selbstdistanz, Ironie und Gelassenheit, mit der die Folge Geschlechterthemen aufgreift, eine sinnvolle Orientierung sein. In der Schlusszene beispielsweise sprechen Bones und Booth darüber, dass sich Booth die Hose ausziehen sollte.

Booth: Das ist sexistisch. Du schaust mich an, als wäre ich ein Stück Fleisch.

Bones: So würde ich dich niemals ansehen. Ich bin Vegetarierin.

 

Ein Transkript zu der Folge findet sich hier. Allerdings ist diese Transskription nur für die hilfreich, die auch die Folge gesehen haben, weil die Äußerungen zwar – soweit ich es beurteilen kann – textgetreu sind, aber kaum einmal Personen zugeordnet wurden.

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10 Comments

  • „Männerrechtlern Sätze in den Mund, die ich in den fast 20 Jahren, in denen ich bei diesem Thema aktiv sind, noch von keinem einzigen Männerrechtler (von welchem radikalen Flügel auch immer) habe sagen hören“

    Nun, ich denke das ist dann doch gelogen 🙂
    Karrer z. B., der sieht sich zwar nicht als Männerrechtler, hat aber nach der Scheidung trotzdem voll durchgedreht. 4 Jahre Haft wenn ich mich nicht irre.

    Aber auch Bräuning aka Lt. Dino oder auch die Forderung nach einem Familienvorstand, die glaube ich mal mit der IGAF hochkam etc. zeigen dass auch bei uns einiges im Argen liegt und wir hier einige Rabulinskis haben, denen man nicht zu weit trauen sollte.

    Der Unterschied zwischen Karrer und Schrupp, die beide auf gleichem Niveau fahren ist, Karrer hat Entführungen ausgeführt, Schrupp denkt nur theoretisch darüber nach (Unterhalt durch Steuern zu finanzieren um Väter komplett zu entsorgen). Und noch ein Unterschied, Karrer war vor seiner Trennung und dem damit verbundenen (bei ihm sogar unrechtmässigen) Entzug der Kinder ein ganz normaler und lieber Mann. Bei Schrupp reichte ein Mann der auf Wunsch mit dem Petting aufgehört hat um sie unfreundlich Männern gegenüber werden zu lassen…

      • Er hat schon beim VAfK gesprochen (nur einmal 🙂 ) und wir kennen ihn auch…
        Diese Schnarchnase, lieber Tristan, ist aber ein Beispiel für solche Typen die, wenn sie keine Hilfe kriegen, total abdrehen. Wäre die Scheidung einvernehmlich verlaufen, er würde nicht so am Rad drehen 🙂

    • Hi Kai,

      durchgeknallte Männerrechtler an sich kenne ich natürlich auch. Ich habe mich allerdings konkret bezogen auf den Ausspruch, eine Frau, die sich wie eine „Schlampe“ kleide, verdiene es, vergewaltigt zu werden. Ein solches Statement kenne ich auch von Karrer und Bräunig nicht. Im übrigen distanziert sich Bräunig von Männerrechtlern. Insofern bleibe ich dabei: Statements wie das zitierte sind mir in 20 Jahren noch bei keinem deutsch- oder englischsprachigen Männerrechtler untergekommen.

      Herzlicher Gruß

      Arne

      • @ Kai, Arne, Tristan Mir ist seltsamerweise erst nach dem Text eingefallen, wie sich die seltsame Spaltung zwischen einem ernsthaften Aufgreifen spezifisch männlicher Benachteiligungen und der karikaturhaften, eigentlich hetzerischen Darstellung der Männerrechtler leicht erklären lässt.

        Die Außendarstellung von Männerrechtlern ist so verheerend, auch so böswillig, aber zugleich so sehr Allgemeingut, dass eine ernsthafte Beschäftigung mit männerrechtlichen Themen oder feminismuskritischen Positionen offenbar eine Distanzierung von Männerrechtlern nötig macht, die gar nicht deutlich genug ausfallen kann. „Ich habe mit diesen furchtbaren Leuten zwar nicht das Geringste zu tun, finde aber trotzdem, dass Väter rechtlich nicht gegenüber Müttern benachteiligt sein sollten.“

        Daran lässt sich immerhin erkennen, dass Texte wie die von Rosenbrock, Gesterkamp oder Claus eben nicht allein Menschen diffamieren, sondern auch Themen aus dem Diskurs draußen halten sollen. Wer diese Themen trotzdem noch aufgreifen will, ist zu rituellen Distanzierungen verpflichtet – und zwar nicht einmal von den Knallköpfen, die es natürlich auch bei Männerrechtlern tatsächlich gibt, sondern von den Fantasie- und Schreckensgestalten, die in den Außendarstellungen der Männerrechtsbewegung etabliert worden sind. „Glaubt jetzt bitte nicht, ich sei ein frauenfeindliches reaktionäres Arschloch – aber ich möchte vorsichtig darauf hinweisen, das mir Menschenrechte selbst dann wichtig sind, wenn es um männliche Menschen geht.“

  • Männerrechtler, die hier – als „Meninisten“ – wie lächerliche Kopien von Feministinnen erscheinen

    JFTR: Meninisten sind lächerliche Kopien von Feministinnen. Meninism ist ja explizit mit der Absicht entstanden, feministische Beschwerden, „Analysen“ und Argumentationsformen auf Männer zu übertragen, um deren Lächerlichkeit sichtbar zu machen.

    Und diverse Feministinnen waren selbstverständlich sofort hilfreich zur Stelle, um genau das zu tun… wenn sie nicht gleich gewalttätig wurden, wie zum Beispiel eine Studentin in dem YouTube-Video mit einer der AFAIK ersten Erwähnungen des Wortes „Meninist“ überhaupt, „Anti-feminist protest prank!“ von Simple Misfits, oder eine Schülerin, die sich selbst ebenfalls auf YouTube verewigte, wie sie einen Mitschüler explizit deshalb schlägt, weil er ein „#Meninist“-T-Shirt trägt.

    Die Benutzung des Wortes im Folgentitel (statt des in den USA sicher nicht weniger (un)bekannten „MRA“), könnte also sogar ein absichtlicher Hinweis der Produzenten sein, daß sie wissen, daß sie eigentlich gerade Positionen des Feminismus kritisieren. In den Dialogen selbst kommt es ja nur ein einzigen Mal vor.

    Und… die Frau des Meninisten heißt Karen? Wirklich Karen? Wobei, die beiden Gründer heißen ja auch Paul und Emil; da braucht man ja auch nur zwei Konsonanten zu vertauschen und einen Vokal auszuwechseln.
    Ich habe die Untertitel jetzt nur überflogen, aber insgesamt scheint man jedenfalls nicht behaupten zu können, daß die Autoren ihre Hausaufgaben nicht gemacht hätten.

    Generell scheint die Folge jedenfalls deutlich positiver zu sein, als es zunächst den Anschein hatte. Vor allem gleicht die positive „Common Sense“-Bezugnahme auf viele maskulistische Themen die negative Darstellung der Personen IMHO mehr als aus. Man könnte sogar argumentieren, diese Charakterisierung als Extremisten sei nötig, damit die Haupt- und damit Identifikationsfiguren Gelegenheit bekommen, die offensichtlich radikalen Positionen mit ihren eigenen, moderaten zu kontrastieren.

    (Und, seien wir ehrlich, das Umfeld der Mordermittlungen jeweils als eine Ansammlung von Freaks darzustellen, hat ja nicht nur bei Bones einiges an Tradition.)

    Schon Gesternkamp schrieb doch seinerzeit in seiner „Expertise“, die beste Möglichkeit, den bösen Maskulisten den Wind aus den Segeln zu nehmen, bestünde darin, ihre Themen zu besetzen. Und schon damals meinte ich, klasse Idee. Macht uns überflüssig, indem Ihr die von uns angesprochenen Probleme löst. Ich kann mir schönere Hobbys vorstellen.

    Bombe 20

    • @ Bombe 20 „klasse Idee. Macht uns überflüssig, indem Ihr die von uns angesprochenen Probleme löst. Ich kann mir schönere Hobbys vorstellen.“ Würd ich so sofort unterschreiben. Mir liegt überhaupt nicht daran, mich als „Männerrechtler“ einzuordnen, weil ich es sinnlos finde, das Konzept der Menschenrechte um das von spezifischen „Männerrechten“ oder „Frauenrechten“ zu ergänzen.

      Nur ist die politische Situation eben auch in Deutschland so, dass in einigen Bereichen basale Rechte von Menschen verletzt werden, weil sie dem falschen Geschlecht angehören. Bei Trennungsvätern zum Beispiel haben die entsprechenden Gerichte ja staatliche Menschen- und Grundrechtsverletzungen festgestellt.

      Männerrechtler wären völlig überflüssig, wenn sich alle Beteiligten darauf einigen könnten, Menschenrechte ernst zu nehmen.

    • PS. Die Anspielungen auf Paul Elam und Karen Straughan waren mir tatsächlich gar nicht aufgefallen, sie sind aber deutlich.

      Und dass der Begriff „Meninist“ eine Verballhornung ist, die Männerrechtler als Quasi-Feministen hinstellt („Oh Gott, jetzt fangen DIE auch noch mit DIESEM QUATSCH an…“) – das passt tatsächlich dazu, dass es in der Folge nicht nur um eine Distanzierung von Männerrechtlern, sondern auch um eine von Feministinnen (zumindest heutiger Prägung) geht.

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