Männerpolitik

Linke Männerpolitik, organisierte Liebe und lechte Illtümel

Zeigt Schild mit der Aufschrift Dead End
geschrieben von: Lucas Schoppe
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lichtung

manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern
werch ein illtum

(Ernst Jandl)

Zu der Frage, wozu eigentlich eine linke Männerpolitik gut sein solle, hat es hier schon verschiedene Texte gegeben – einen von Leszek, einen auch von mir selbst. Ich hab zudem schon vor Wochen begonnen, etwas zu einer kurzen Diskussion zu schreiben, die eben zu diesem Thema im Blog Alles Evolution geführt worden war. Da ich allerdings gerade damit beschäftigt war, Abiturklausuren zu lesen, hat sich dieser Text hingezogen. Nun aber bin ich mit den Klausuren vorzeitig fast fertig, und so hab ich auch guten Gewissens meinen Text beenden können.

Es geht dabei ganz allgemein um die naheliegende Frage, was Kübra Gümüşays tränenreiche Rede zur organisierten Liebe auf der re:publica, die deutsche Linke, der amerikanische Wahlkampf und die Notwendigkeit einer linken Männerpolitik eigentlich miteinander zu tun haben.

deadend

Führt es also nach links tatsächlich in Sackgassen?

Bei Alles Evolution gab es vor einer Weile eine kurze Diskussion zu einem Kommentar von mir  hier in diesem Blog. Dort hatte ich wiederum auf einen Kommentar von Fiete reagiert, der geschrieben hatte, dass er die politischen Zuordnungen „rechts“ und „links“ wenig sinnvoll bzw. „zunächst mal völlig Latte“ finde. Ich hatte dann dafür zu argumentieren versucht,  warum ich sie in Geschlechterdiskussionen durchaus sinnvoll sein könnten.

Zuerst hatte ich versucht zu beschreiben, warum ich Fietes Skepsis gegen die Begriffe teile – und dann, warum ich sie eben manchmal doch sinnvoll finde. Obwohl ich mich dabei deutlich einer linken Position zuordne, geht es mir dabei um keine generelle Abwertung von konservativen Positionen.

 

Kübra bringt die Liebe mit

Warum Rechts-Links-Zuordnungen heute eher etwas mit PR-Labels als mit politischer Substanz zu tun haben, lässt sich gut an der Rede zeigen, die Kübra Gümüşay gerade auf der re:publica gehalten hat.

Gümüşay empört sich über die Frage, ob der Islam und Muslime zu Deutschland gehörten (3:29), meint, dass ihr Diskussionen darüber die Existenzberechtigung absprechen würde (2:50) und fragt bedeutsam, was denn wohl geschehe, wenn diese Frage mit „Nein“ beantwortet werde. (4:20) Den Schrecken über die sexuellen Übergriffe von Köln wertet sie als Ausdruck von Rassismus (10:24ff.). Gegen so viel organisierten Hass müsse auch die Liebe organisiert werden – und passend dazu bittet die Rednerin gleich zu Beginn der Rede weinend um ein Taschentuch. (3:38)

Dass Muslime in Deutschland angekommen sind, steht außer Frage – schließlich leben hier Millionen, oft schon in dritter oder vierter Generation. Das macht die Frage, ob auch der Islam hier angekommen ist, nicht überflüssig und schon gar nicht zu einem Ausdruck von Hass.

Gümüşay stellt in ihrer extrem emotionalisierten Rede alle, die wie der Göttinger Politologe Bassam Tibi  Zweifel an der Entwicklung eines Euro-Islam formulieren, als Menschen hin, die heimlich schon Massendeportationen vorbereiten. Als ob die Frage nicht auch für Muslime ungeheuer bedeutsam wäre, die mit Konflikten zwischen deutscher Gesellschaft und islamischer Religiosität konfrontiert sind.

Sexismus wiederum ist bei ihr nicht kulturell bedingt, sondern universeller Bestandteil von Männlichkeit – Rassist ist jeder, der das anders sieht. Wir stehen für die Liebe – die anderen stehen für den Hass. Eben deshalb, weil wir für das Gute und die Liebe eintreten, werden wir mit Hass verfolgt. 

Angesichts einer solchen Linken wird es verständlich, warum sich gerade Menschen, die sich an klassischen linken Werten – sozialer Gerechtigkeit, Offenheit für Neues, Solidarität mit den Schwächeren –  orientieren, heute nur noch zögernd als links bezeichnen. Anfang der Achtziger Jahre noch war eine Position wie die Gümüşays Grundlage für ein ironisch-infantiles Lied, in dem die Erde vom Herrn des Hasses regiert wurde, aber dann von einer Botin der Liebe erlöst wurde. Was damals ein Spaß war, ist heute Politik, die den unbedingten Anspruch hat, ernst genommen zu werden.

Nebenbei erledigt Gümüşay dabei auch die Vorstellung, eine „emanzipatorische“ Politik würde Geschlechterrollen öffnen und verändern wollen: Einen Auftritt wie ihren hätte sich ein Mann nicht leisten können, ohne sich zum Gegenstand von Mimimi– und Male-Tears-Spott zu machen.

Wenn diese Rede, die mit stehendem Ovationen bedacht und von der Redaktion des ZDF-Kulturmagazins Aspekte ironiefrei als „beeindruckende Rede“ gepriesen wurde, ein Maßstab ist, bedeutet das: Eine nicht parteigebundene Linke bewegt sich unbeschwert in Freund-Feind-Mustern, rutscht dabei aus selbstverliebtem Kitsch auch mal in selbstgerechte Gewaltfreude und wieder zurück und versucht nicht einmal mehr den Eindruck zu erwecken, es ginge ihr um eine ernstzunehmende Analyse sozialer Verhältnisse.

Wer Gümüşay zuhört, gewinnt den Eindruck, eine linke Kritik an der Politik einer CDU-geführten Regierung sei undenkbar. Ebenso undenkbar ist hier eine Auseinandersetzung mit der Gegenwart, für die sich nicht jede weitere Diskussion sofort erübrigt, sobald nur alle Beteiligten sorgfältig und sauber in Gute und Böse sortiert sind.

Mit den linken Parteien sieht es nicht viel besser aus. Die SPD etwa hat allen Ernstes mehrere Jahre gebraucht, bis ein führender Genosse einmal auf die Idee kam, eine Auseinandersetzung mit der AfD könne nicht allein darin bestehen, ihre Anhänger als Nazis zu  beschimpfen. Den Begriff „rechts“ gibt es heute gleichsam doppelt. Einerseits gibt es natürlich tatsächlich Rechtsradikale, Fremdenfeinde, Antisemiten, Neo-Nazis.

Zugleich und unabhängig davon aber haben sich Rechts-Links-Zuordnungen glatt umgekehrt gegenüber Zeiten, in denen Linke für Benachteiligte und sozial Schwächere gekämpft haben: Heute sind Begriffe wie „links“, „emanzipatorisch“ oder „progressiv“ Selbstbezeichnungen einer gut etablierten, oft auch gut situierten, akademisch gebildeten Schicht – während Begriffe wie „rechts“ oder „reaktionär“ dort verwendet werden, wo früher einmal naserümpfend vom „Pöbel“ gesprochen wurde.

Welchen Sinn sollte es angesichts dieser Situation haben, sich selbst als „links“ zu bezeichnen?

 

What’s left?

Einen Sinn kann diese Selbstbezeichnung angesichts der eben skizzierten betonierten Frontstellungen nur dann haben, wenn ihre Freund-Feind-Muster nicht wiederholt werden. Ich gehe beispielsweise davon aus, dass nicht nur linke, sondern auch liberale und konservative Demokraten Fremdenfeindlichkeit, Neo-Nazismus, Antisemitismus, überhaupt verbohrte Feindseligkeiten gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen – wie etwa Homosexuelle – ablehnen. Diese Ablehnung ist also eine demokratische Gemeinsamkeit, sie macht noch niemanden zum Linken – so wie auch Menschen, die sich als links bezeichnen, deswegen noch nicht gegen gruppenbezogene Menschenfeindichkeit immun sind.

Sinnvoll ist es in meinen Augen aber weiterhin, an einem einfachen grundlegenden Unterschied festzuhalten: Es ist links, gesellschaftliche Veränderungen im Sinne einer gerechteren Gesellschaft anzustreben – und es ist rechts („rechts“ im Sinne von konservativ, nicht von rechtsradikal), sich darauf zu konzentrieren, bestehende Strukturen aufrecht zu erhalten, weil sie sich schließlich bewährt hätten.

„Links“ muss dabei nicht revolutionär links sein, keine Umwälzung aller Verhältnisse. John Dewey hat seinen Ansatz eines demokratischen Sozialismus auch als „Meliorismus“ bezeichnet, nach dem lateinischen Wort für „besser“ – ein langweilig klingender, aber passender Begriff für eine Politik, die keine ideale Gesellschaft aufbauen, sondern die bestehende Gesellschaft kontinuierlich verbessern will.

In Deweys evolutionärer Perspektive sind Veränderungen nur auf der Basis dessen möglich, was schon da ist – und so kann auch nicht alles auf einmal verändert werden. Eine Politik, die grundsätzlich auf eine Revolution setzt, ist aus dieser Sicht in Illusionen verstrickt: Gerade weil sie sich über ihre eigenen Abhängigkeiten von bestehenden Strukturen täuscht, tendiere sie dazu, diese Strukturen unter neuem Namen zu wiederholen, zu verfestigen und als progressiv zu verkaufen.

Solche Selbsttäuschungen prägen auch die heutige Geschlechterpolitik, und auch dafür ist Gümüşay ein besonders pointiertes Beispiel: Während sie sich als moderne Feministin präsentiert, gestaltet sie bis ins Detail, die effektvolle Bitte um ein Taschentuch, das traditionelle Muster der Damsel in Distress nach. Die ausnahmslos-Kampagne, an der sie beteiligt war, verlief trotz erheblicher Unterstützung durch Medien und Parteien schnell im Sande – weil es offenkundig allzu substanzlos war, das Klischee des ständig vergewaltigungsbereiten arabischen Mannes einfach nur durch das Klischee des ständig vergewaltigungsbreiten Mannes zu ersetzen.

Eine evolutionäre Linke kann mit konservativen Positionen gut leben, auch wenn sie diese nicht teilt. Wenn beide eine liberale Perspektive – Rede- und Meinungsfreiheit, Bürgerrechte – haben, können sie sich sogar sinnvoll ergänzen. Wenn ich also Wert darauf lege, dass es eine ausdrücklich linke Männerpolitik geben muss, dann hat das für mich nicht den Sinn, konservative Positionen für rundweg unsinnig zu erklären.

Dass eine linke Position auf Veränderungen im Interesse eines gerechteren Zusammenlebens pocht, hat beispielsweise Auswirkungen auf das Verhältnis zum Feminismus. Während  eine konservative Feminismuskritik darauf konzentriert ist, dass feministische Positionen intakte Verhältnisse – insbesondere Familien – zerstört hätten, legt eine linke Kritik in aller Regel eher Wert darauf, dass die meisten Positionen des heutigen Feminismus überkommene Geschlechterbilder betonieren: Der Mann als Täter, als Herrscher, als gesellschaftlicher Akteur – die Frau als Opfer, als Beherrschte, als Objekt der Handlungen anderer.

Gerade die Väterpolitik ist ein Beispiel dafür, wie verbissen über Jahrzehnte hinweg eine Situation der Rechtlosigkeit aufrechterhalten wurde – in einer stabilen und stillschweigenden Koalition konservativer Familienpolitiker in der Union und feministisch orientierter Mütterlobbyistinnen bei Rot-Grün. Ein solcher Feminismus ist aus einer linken Perspektive also keineswegs Wurzel allen Übels, das Männer erleben – aber er ist eine wichtige Blockade sinnvoller Veränderungen.

Veränderungen wiederum werden nur möglich, wenn verschiedene Elemente oder Positionen miteinander verbunden werden, die vorher unverbunden waren, nichts miteinander zu tun hatten oder sich gar feindlich gegenüber standen. Wer auf Freund-Feind-Muster setzt, blockiert Veränderungen, so sehr er auch behauptet, sie  anzustreben.

Aus einer linken Perspektive sind also Feministinnen keine Feinde – wenn sie aber ihrerseits mit Freund-Feind-Mustern agieren, ist das ein Grund, sie deutlich zu kritisieren. Wer wiederum solch eine Kritik dann pauschal als „frauenfeindlich“ abtut, ist an einer Blockade der Diskussion interessiert, nicht an Entwicklungen.

Eine linke Position lässt dabei viel Raum für Differenzierungen: Es ist weder nötig noch sinnvoll, feministische Positionen pauschal abzulehnen, aber sie werden eben dann kritisiert, wenn sie überkommene, erstarrte Geschlechterbildern aufrechterhalten. Eine Frontstellung zwischen Männern und Frauen schließlich ist aus dieser Perspektive ohnehin nicht sinnvoll – schon allein, weil eine solche Frontstellung von den sozialen Konflikten ablenkt, die tatsächlich entscheidend sind.

Das Problem einer solchen linken Männerpolitik ist offensichtlich: Es fehlen die politischen Bündnispartner. Eine nicht-feministische Geschlechterpolitik gilt nicht deswegen als rechts, weil es irgendwie in sich rechts wäre, sich auch für die Menschenrechte von Jungen und Männern einzusetzen – sondern weil es in linken Gruppen tabuisiert ist, offene und klare Kritik an feministischen Positionen zu äußern. Durch diese Selbst-Blockade des linken Diskurses wird solche Kritik meist von Menschen offen geäußert, die sich politisch eben nicht als links verstehen.

Das eigentliche Problem einer linken Männerpolitik ist aber angesichts des Zustands der heutigen Linken nicht, dass Linke nichts mit Männerpolitik zu tun haben wollen – sondern eher, dass es eigentlich keine linke Politik gibt. Ginge es Linken noch um soziale Gerechtigkeit – um Fairness – darum, dass diejenigen, die gesellschaftlichen Wohlstand produzieren, auch angemessen von ihm partizipieren müssen – um die überragende Bedeutung der Menschenrechte für jeden Menschen, unabhängig von Geschlecht, Rasse, sozialem Stand und anderem: Dann gäbe es so viele Anknüpfungspunkte für eine linke Männerpolitik, oder eine linke nicht-feministische Geschlechterpolitik, dass wir kaum damit hinterherkämen, sie auszuformulieren.

Ist das aber dann der Stand einer linken Männerpolitik: Sie ist inhaltlich gut begründet, aber pragmatisch völlig hoffnungslos?

 

Wenn Rechte und Linke Pingpong spielen

Wenn ich von Deutschland aus die Situation in den USA richtig beurteilen kann, dann hat sich der Begriff MRA – Men’s Rights Activist – dort mittlerweile für viele zu einem erheblich negativ besetzten Begriff entwickelt. MRAs, so mein Eindruck, werden zerrieben in einer politischen Frontstellung, die noch härter und betonierter ist als in Deutschland. Die voraussichtlichen Kandidaten für das Präsidentenamt sind dafür eindrückliche Beispiele: Donald Trump und Hillary Clinton sind selbst für gemäßigte Anhänger des jeweils anderen Lagers eine Provokation, ihre Kandidatur ein sehr schlechter Witz.

Von Menschen, die sich in dieser zerklüfteten politischen Landschaft diffus als als progressiv verstehen, werden MRAs massiv angegriffen. In seinem Buch Angry White Men, das häufiger zitiert als gelesen wird, bringt Michael Kimmel selbst noch für amerikanische Neonazis Verständnis auf – aber Männerrechtler sind für ihn Kern aller Übel, über die er schreibt: weißer Rassismus, häusliche Gewalt, Gewalt am Arbeitsplatz, Terrorismus, Amokläufe, und, natürlich, Kritik am Feminismus wurzeln in seinen Augen allesamt darin, dass Männer verbissen an verlorenen Privilegien festhalten. Eben das aber ist für ihn der einzige Grund männerrechtlichen Engagements.

Der Ablehnung durch Menschen, die sich global für links halten, steht allerdings keine Unterstützung von Konservativen gegenüber. Aus einer zugespitzt konservativen Perspektive sind MRAs Weichlinge, die flehentlich um Rechte bitten, anstatt sich einfach männlich zu nehmen, was sie brauchen.  Für moderate Konservative ist es irritierend, dass Männer überhaupt viel Zeit und Energie darauf verwenden, sich mit Frauen auseinanderzusetzen und sich gar von ihnen abzugrenzen. Aus der Perspektive einer ritterlichen Männlichkeit ist ein Männerrechtler ein Frauenfeind, jemand, der etwa einer mitreisenden Frau mit albernem Trotz den schweren Koffer nicht ins Gepäckfach wuchtet, weil die ja schließlich seinen Koffer auch nicht hochwuchten würde.

Der Begriff MRA wird in den USA, so mein Eindruck, zu einem Schimpfwort für Menschen von allen Seiten des politischen Spektrums, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Auch wenn Kimmel auf eine Rhetorik der Veränderung setzt, um MRAs als Zurückgebliebene hinzustellen, die verlorenen Privilegien nachtrauern: Seine Position trägt erheblich dazu bei, den Diskurs zu betonieren und Veränderungen zu verhindern. Wer die Selbstverständlichkeit betont, dass auch Menschenrechte von Jungen und Männern zu schützen seien – wer gar feministische Positionen kritisiert – der steht damit zwangsläufig als rechts da. Dort aber wird er dann auf Bündnispartner verwiesen, die trügerisch sind.

Wer nicht in der Frontstellung zwischen Rechten und Linken hin- und hergespielt werden möchte, wird sich mit der Blockade des linken Diskurses auseinandersetzen müssen. Dazu gehört, unter anderem, eigene Ressentiments zu überprüfen. Wer beispielsweise einen „Kulturmarxismus“ beschwört, der in der Tradition der Frankfurter Schule die westlichen Gesellschaften zerstören wolle und feministische Positionen dabei als Waffe verwende – der stellt mit dieser Beschwörung vor allem klar, dass er sich in den Traditionen überhaupt nicht auskennt, die er so kritisiert. Dasselbe tut jemand, der Soziologie, und bei der Gelegenheit auch gern alle Geisteswissenschaften, pauschal als Geschwätz abtut, das niemals eine ernstzunehmende Wissenschaft sein könnte.

Vor allem ist es wichtig, die bequeme und falsche Zuordnung nicht einfach zu übernehmen, dass Feminismus irgendwie urwüchsig „links“ sei – eine Überzeugung, der linke Feministinnen und rechte Feminismuskritiker gemeinsam anhängen. Veränderungen werden nur möglich sein, wenn solche Zuordnungen ihre falsche Selbstverständlichkeit verlieren – und das wiederum ist nur möglich, wenn es eine Männerpolitik gibt, die sich ausdrücklich als links versteht.

Es ist also nicht so, dass eine linke Männerpolitik keine Perspektive hätte. Eher ist richtig, dass eine Männerpolitik keine Perspektive hat, wenn es nicht eine ausdrücklich linke Männerpolitik gibt.

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42 Comments

  • Du schreibst viel Wahres, aber zu der Wahrnehmung von MRA’s und dem Begriff muss ich wieder einschreiten. Man kann sich in seinem politischen Tun nicht daran orientieren, was die anderen gut finden. Und man kann sich die Einordnungen und Begrifflichkeiten nicht vom Gegner vorgeben lassen. Denn natürlich wird der politische Gegner nur gut finden, was seinen Interessen entspricht und er wird mit allen Mitteln versuchen, alles zu diffamieren, was dem widerspricht.

    Die Verwendung und Konnotierung des Begriffs „MRA“ ist so eine Diffamierung. Der politische Gegner versteht und verwendet den Begriff so, weil es funktioniert um Männer und Vertreter männlicher Interessen einzuschüchtern. Wenn sich ein Vertreter männlicher Interessen davon beeindrucken lässt und versucht, die anscheinend negative Wahrnehmung zu vermeiden, wird der politische Gegner dazu ermächtigt, die männliche Interessenvertretung so um- und abzulenken, dass keine männliche Interessenvertretung übrig bleibt. Oder um es mit Begrifflichkeiten aus dem PUA zu beschreiben: indem sich ein Männerrechtler daran orientiert, was die anderen gut finden, überlässt er den Frame dem politischen Gegner und begibt sich dadurch in die Wirkungslosigkeit.

    Die Frage für einen Männerrechtler kann daher nicht sein, wie er es vermeidet, in eine negative Wahrnehmung durch den politischen Gegner zu geraten (das ist fast unvermeidlich), sondern wie er sich gegen die Diffamierungsversuche effektiv wehrt, so dass diese wirkungslos werden.
    Die meisten derartigen Angriffe auf Männerrechtler sind Versuche eines Shamings. Gegen jede Form von Shaming kann man sich ganz einfach dadurch wehren, dass man sich den Begriff oder die Unterstellung anzieht, aber dem Gegner deutlich macht, seiner Wertung nicht zu folgen. Das ist die klassische Methode des BadBoys: „Du findest das böse? Ich bin so und es ist mir scheissegal, was Du davon hältst“.

    In diesem Sinne würde ich – obwohl ich die von Dir dargestellte konservative Kritik an der linken Männerrechtsbewegung durchaus teile – auf eine Diffamierung als „MRA“ auf jeden Fall so reagieren, dass ich mich selbst als MRA identifiziere und sage „Na und? Wir haben wichtige Anliegen.“

    • @ lh Ich finde natürlich auch, dass es wichtig ist, der Definition durch andere eigene Definitionen entgegenzuhalten. Im Text ging ich erst einmal von einer anderen Frage aus. Ich finde eine dezidiert linke Männerpolitik inhaltlich sehr gut begründet, es kann aber gut sein, dass sie pragmatisch völlig sinnlos ist, weil ihr die Bündnispartner fehlen. Der Schluss war dann: Sie hat auch in pragmatischer Hinsicht Vorteile, gerade weil sie Möglichkeiten bietet, Definitionen durch andere mit eigenen Definitionen zu begegnen.

      Eine Männerpolitik, oder einfach, eine nicht immer schon feministische Geschlechterpolitik wird angesichts der derzeitigen Frontstellungen vorsorglich meist als „rechts“ eingeordnet werden. Wer in der nachvollziehbaren Frustration über den Zustand der politischen Linken diese Einordnung mitmacht, wird gegen diese Zuschreibungen nur noch wenig sagen können.

      Und dabei gibt es sehr viel, was gegen sie gesagt werden könnte. Nach meiner Einschätzung ist die heutige, institutionengestützte, feministisch inspirierte Geschlechter- und Familienpolitik intellektuell und moralisch in einem so miserablen Zustand, dass sie scheunentorweit für Kritik offen steht. Daher vermutlich auch die dringlichen Versuche, solch einer Kritik mit der Labelung als „rechts(-radikal)“ prinzipiell den Boden zu entziehen. Wer diese Labelung akzeptiert, lässt sich m.E. Chancen entgehen.

      Sicher gibt es Beispiel dafür, dass Gruppen sich abschätzig gemeinte Labels zu eigen gemacht haben. Amerikanische Schwarze haben das mit dem Begriff „Nigger“ gemacht, europäische Jugendliche mit dem Begriff „Punk“. Nur: Solch eine selbstbewusste Übernahme eines degradierenden Labels ist eigentlich immer damit verbunden, sich selbst als gesellschaftlicher Außenseiter zu platzieren, der die Sprachspiele der Etablierten nicht mitmacht und der seine eigenen Spiele daraus machen kann. Die Botschaft ist wohl: Es ist besser, einen Pariah-Status selbstbewusst einzunehmen, als ihn hilflos akzeptieren zu müssen.

      Männer sind aber keine Pariah, und die meisten haben auch überhaupt kein Interesse daran, welche zu sein. Daher glaube ich, dass diese Übernahme degradierender Labels für Männer wenig sinnvoll ist.

      • Ich glaube nicht, dass Deine Beispiele der richtige Vergleich sind. Aber gerade ist ein Schwarzer amerikanischer Präsident und die früheren Punks sind heute das Establishment in Kunst, Mode und Kultur. Und gerade bei den Schwarzen in den USA war es die „Nigger“ Kultur, die mit Rap und Soul die US-Popkultur übernommen und damit quasi den einzigen Karriereweg, der wirklich raus aus dem Ghetto führt, aufgetan haben. Ich kann ein Scheitern dieser Strategien nicht erkennen?

        Wesentlich für den Erfolg einer Männerrechtsbewegung wird nicht sein, wie gut oder schlecht Frauen und weiblich dominierte Szenen das finden. Das ist völlig egal. Die entscheidende Frage ist, ob so eine Bewegung für Männer attraktiv ist, ob sich Männer davon vertreten fühlen, sich dort wiederfinden. Wenn es genug sind, wird niemand das ignorieren können.

      • „Und gerade bei den Schwarzen in den USA war es die „Nigger“ Kultur, die mit Rap und Soul die US-Popkultur übernommen und damit quasi den einzigen Karriereweg, der wirklich raus aus dem Ghetto führt, aufgetan haben. Ich kann ein Scheitern dieser Strategien nicht erkennen?“

        LOL

        Rap feiert eine misantrope Kultur der Gewalt, der Frauenverachtung und eines glorreichen schwarzen Rassismus. Sieh dir doch die stilbildenen Gruppen an, ihre Texte und Posen. Ich empfehle zum Einstieg „Niggaz with Attitude“ – straight outta Compton.

        Wie zutiefst schizophren ist es eigentlich, dass diese Musik den „Linken“ als kultureller Leitstern dient, eine Musik die alle vermeintlich von ihnen vertretenen Werte mit Füssen tritt?!

      • @Alex: Ich persönlich mag die Musik nicht mal, auch wenn ich mit den Werten wohl kein Problem habe. Ich empfehle noch nicht mal genau die Methode, sondern entkräfte nur ein Gegenargument.

  • @Lukas´ Lechts-Rinks Dialektik

    „Eine evolutionäre Linke“ … mit „evolutionärer Perspektive“ — das ist nur das, was immer als „progressiv“ bezeichend wurde, verwandt mit „Veränderung durch Annäherung“ zB.
    (Die Erklärung nach Dewey ist völlig erratisch und setzt den Begriff in einen völlig verschiedenen, geradezu konträren, Bedeutungszusammenhang.)

    Das ist ganz einfach schon aus der Bezeichnung „progressiv“ selbst zu verstehen, welches als „(allmählich) fortschreitend“ schon genau diese „Evolution“ eines permanten Fortschritts durch kleine Schritte bezeichnet.

    Dabei verhält sich „progressiv“ erst mal völlig neutral zu „rechts“ oder „links“ und bezeichnet nur eine „realistische“ Auseinandersetzung des real Existierenden. Welches immer erst akzeptiert werden muss, um es überhaupt verändern zu können. Darin liegt der „Realismus“ dieses eigentlich apolitischen Ansatzes.

    Auch die von Dir gegebene „Definition“ der Rechts-Links Dichotomie ist dementsprechend vollkommen relativistisch und sich nur am Realen orientierend:

    „Es ist links, gesellschaftliche Veränderungen im Sinne einer gerechteren Gesellschaft anzustreben – und es ist rechts …., sich darauf zu konzentrieren, bestehende Strukturen aufrecht zu erhalten, weil sie sich schließlich bewährt hätten.“

    Solange eine gesellschaftliche Veränderung sich auf „Gerechtigkeit“ beruft, dabei den Status Quo berücksichtit und den in kleinen Schritten ändern will, ist dieses Streben als „links“ zu bezeichen, der Status Quo immer als rechts.

    Die angeblich sachliche Notwendigkeit dieses „piecemeal“-Vorgehens wird darin gesehen, dass:

    „Veränderungen nur auf der Basis dessen möglich (sind), was schon da ist – und so kann auch nicht alles auf einmal verändert werden.“

    Das ist eigentlich nur eine dialektisch, im weiteren Zusammenhang auch teleologische Perspektive, stark an Hegel und Marx erinnernd.

    Eine Perspektive, die sich mit „macht mit, es wird schon besser werden, es bleibt uns ohnehin nichts übrig“ umschreiben lässt und voll „anschlussfähig“ an die real existierende „Linke“ von heute ist, die sich ohnehin schon als „progessiv“ vesteht.

    Mit anderen Worten: ein leiser Einspruch: „aber bitte seid nicht so gemein gegenüber den Männern.“

    Ich kann mit dieser relativistischen Perspekive des Lechts-Rinks nichts anfangen, da sie in Bezug auf das Erfassen politischer Verschiedenheit völlig unnütz ist.
    Viel brauchbarer erschein mir eine ideale Perspektive, wobei Links definiert wird durch die Idee von der „Gleichheit Aller“ und Rechts von der entgegengesetzten Idee der „Ungleichheit Aller bzw von Gruppen“.
    Dabei muss noch klar, sein, was mit „Gleichheit“ gemeint ist: die Gleichheit vor etwas und nicht die Gleichheit von etwas.

    Und so wird schnell klar, wer die „wirklichen“ Linken und Rechten sind:

    der Feminismus erscheint aus der idealen Perspektive einfach nur weit aussen rechts. Sich an diesen unter den Vorwand ranzumachen, das ginge nur über kleine Veränderungen, als sympathische linke Reaktion, erscheint mir mir so absurd wie die Existenz der Oppositionsparteien damals in der DDR. Ich vermute mal, da wurde ähnlich argumentiert wie es der „linke Maskulismus“ tut.

    Polemisch gesagt: Euren Opportunismus wollt ihr als „links“ verkaufen, liebe „linke Maskulisten“.

    Insofern entbehrt es nicht einer wohl völlig unfreiwilligen Ironie, dass die Feministen diese Maskulisten als „rechts“ bezeichnen.

    • Solange eine gesellschaftliche Veränderung sich auf „Gerechtigkeit“ beruft, dabei den Status Quo berücksichtit und den in kleinen Schritten ändern will, ist dieses Streben als „links“ zu bezeichen, der Status Quo immer als rechts.

      Es gibt allerdings auch gute historische Gründe, das so zu sehen: lange Zeit hat sich der »rechte« Konservatismus vor allem aus dem Widerstand gegen »Modernisierung« definiert und allenfalls die technische Modernisierung akzeptiert, während eine soziale Modernisierung auf ein Minimum beschränkt wurde (z.B. Bismarcksche Sozialgesetzgebung), während Linke und Liberale die modernisierenden Kräfte waren. Das hat sich eigentlich erstmals mit der Nach-68er-Generation in der CDU geändert (und ist ein Hauptgrund für die fortschreitende Angleichung der »Volksparteien«).

      Viel brauchbarer erschein mir eine ideale Perspektive, wobei Links definiert wird durch die Idee von der „Gleichheit Aller“ und Rechts von der entgegengesetzten Idee der „Ungleichheit Aller bzw von Gruppen“.
      Dabei muss noch klar, sein, was mit „Gleichheit“ gemeint ist: die Gleichheit vor etwas und nicht die Gleichheit von etwas.

      Das halte ich durchaus für eine gute Definition, weil »authentische« Rechte von einer anthropologischen Ungleichheit ausgehen, die etwas anderes meint als die Ungleichheit von Individuen, die auch im Liberalismus Platz findet. Aber es ist mit dem Begriff des Progressiven m. E. nicht unvereinbar.

      »der Feminismus erscheint aus der idealen Perspektive einfach nur weit aussen rechts.«

      Diese Wahrnehmung hat nun aber zum einen überhaupt nichts mit der immer noch weitverbreiteten öffentlichen Wahrnehmung des Feminismus zu tun – allenfalls Alice Schwarzer zieht heute eine solche Kritik auf sich – und zwar ausgerechnet wegen ihrer Perspektive auf den Islam. Und zum anderen bildet feministische Kritik – wenngleich einseitig verengt – immer noch Teilaspekte einer Kritik am aktuellen »Kapitalismus« ab, soweit das soziale Ungleichheiten im Weltmaßstab betrifft.

      Eine solche Kritik am Kapitalismus gibt es zwar auch von »rechts«, aber die Lösungsansätze sind radikal verschieden: Rücksturz auf ethnisch und kulturell möglichst homogene nationale Selbstgenügsamkeit auf der einen, »progressives« Fortschreiten zu einer fairen, integrierten »Weltgesellschaft« auf der anderen Seite. Mindestens hier ist der Unterschied von links und rechts noch inhaltlich scharf akzentuiert, und hier ist der Feminismus m. E. immer noch überwiegend »links« zu verorten.

      Schließlich: wenn Du Lucas‘ Position für »opportunistisch« hältst – was wäre dann eine nicht opportunistische Position? Ich sehe da innerhalb der Männerrechts-Szene vor allem verbale Krafthubereien mit wenig Substanz, deren Unbescheidenheit sich auf rhethorische heiße Luft beschränkt.

    • @djad
      „Alice Schwarzer zieht heute eine solche Kritik auf sich – und zwar ausgerechnet wegen ihrer Perspektive auf den Islam. …“

      Da von der ideal linken Perspektive der Islam als extrem rechts einzuschätzen wäre, ist jede Kritik daran, die von der Gleichheit aller Menschen zur Grundlage hat, links.
      Gerade hier erweist sich der Feminismus einer Schwarzer als tatsächlich links.

      Die „Progressiven“ setzen den Islam als sakrosankt und denunzieren jede Kritik als „Rassismus“. Die institutionalisierten Ungleichheiten im Islam werden dabei nicht beachtet oder absurderweise als „Emanzipation“ begriffen. Wie auch immer die Begründung aussieht, der Schulterschluss verrät diese Progressiven als weit rechts aussen stehend.

      „Und zum anderen bildet feministische Kritik – wenngleich einseitig verengt – immer noch Teilaspekte einer Kritik am aktuellen »Kapitalismus« ab, soweit das soziale Ungleichheiten im Weltmaßstab betrifft.“

      Ich halte übriges auch die Idee Kapitalismus auch für eine „echt“ linke. Gleichheit Aller vor dem Geld bzw Markt, was lediglich bedeutet, dass beide Transaktionspartner jedes Geschäfts auf gleicher Augenhöhe sind.
      Die angeblich linke Kapitalismuskritik seit Marx zielte fast immer darauf ab, Ungleichheit der handelnden Akteure zu erzeugen und zu institutionalisieren. Dabei kann Umverteilung nicht mehr sein als eine Linderung, die aber immer nur weitere Ungleichheit nach sich zieht.

      „Eine solche Kritik am Kapitalismus gibt es zwar auch von »rechts«, aber die Lösungsansätze sind radikal verschieden…“

      Ich sehe hier nur verschiedene Rhetorik am Werk, die Zielsetzung (zentralistisches System, Ungleichbehandlung) ist prinzipiell die gleiche. Dem:

      „Rücksturz auf ethnisch und kulturell möglichst homogene nationale Selbstgenügsamkeit“

      entspricht auf progressiver Seite die „Förderung“ als Massnahme der Identitätspolitik, die das Nationale und Ethische usf durch Rassen-Identitäten (allein der Begriff!), Geschlechtsidentitäten und andere Identitäten ersetzt hat. Beiden zugrunde liegt im Effekt der gleiche Kollektivismus, der an sich schon rechts ist (links hingegen ist Individualismus, also jede Begründung vom Individuum her). Wie Identitäten definiert werden, ist völlig sekundär, das geschieht immer gerne pseudowissenschaftlich oder wird gleich aus der Luft gegriffen.

      „was wäre dann eine nicht opportunistische Position?“

      Die „ideal“ linke Position wäre, dem Grundgesetz mit seiner Idee von der Gleichheit beizustehen und die gg-widrige, zutiefst rechte „Gleichstellungspolitik“ zurückzurollen, natürlich auch denkbar in „progressiver“ Weise. Die falschen Linken würden das natürlich als „reaktionär“ und „rechts“ diffamieren.

      Genauso wie beim Feminismus wird ein analoger „linker Maskulismus“, der sich dieser „progressiven“ „linken“ Bewegung anschliesst auch nur nachteilig auf die Menschen und ihre Rechte, den Wohlstand und das Wohlergehen auswirken.

      Im Übrigen glaube ich nicht, dass meine Ansichten sich durchsetzen werden. Die progressive Linke muss erst noch viel mehr Schaden anrichten, bevor ein allgemeines Umdenken überhaupt realistisch ist.

      • Gerade hier erweist sich der Feminismus einer Schwarzer als tatsächlich links.

        Ich denke, dass Schwarzer zu platt argumentiert – der im Cicero-Artikel formulierte Einwand, dass man für eine Beurteilung von Religion nicht nur auf die Texte schauen darf, stammt aus der Religionssoziologie und ist m. E. zutreffend. Das heißt aber nicht im Umkehrschluss, dass die religiösen Texte gar keine Rolle spielen. »Links« ist für mich immer auch die Fähigkeit und der Wille zu einer »soziologischen Aufklärung«, zu »einer ernstzunehmenden Analyse sozialer Verhältnisse«, wie Lucas das formuliert hat. Das hat Schwarzer noch nie gekonnt, ihrem Geiste nach hat sie immer schon zur Bildzeitung gehört.

        Ich stimme Dir aber (in meine eigene Formulierung gefasst) zu, dass die postmoderne Identitätspolitik der Linken zu einem Essentialismus geführt hat, der an rechte Positionen problemlos anschließen kann und dies vor allem im Falle des Männerbildes auch massiv tut. Auch der Versuch, islamischen (Sub-)Kulturen auf dieser Schiene die Zumutungen einer universalistischen Moral zu ersparen, schlägt in diese Kerbe.

        Ich halte übriges auch die Idee Kapitalismus auch für eine „echt“ linke. Gleichheit Aller vor dem Geld bzw Markt, was lediglich bedeutet, dass beide Transaktionspartner jedes Geschäfts auf gleicher Augenhöhe sind.

        Der Kapitalismus ist aber zunächst mal eine bürgerliche und liberale Idee – wenn man die als »links« einsortieren möchte, muss man die Unterschiede zu den weiter links stehenden sozialistischen Ideen angeben. Die Idee einer »Gleichheit vor dem Markt« ist im Vergleich zur alten Ständegesellschaft sicherlich eine »progressive« und sogar »emanzipatorische« Idee. Aber die ursprüngliche Marxsche Kritik wollte nicht erneut Ungleichheit erzeugen, sondern auf die Grenzen dieser Idee hinweisen: dass sie nämlich nicht funktioniert, wenn man übersieht, dass auch in Marktmechanismen Machtverhältnisse eine Rolle spielen, nämlich primär solche zwischen dem Kapitaleigner und dem individuellen Arbeiter.

        Wenn man dagegen keine Sicherungsmechanismen einbaut, dann können Marktprozesse existenzvernichtend sein (was sie heute im Weltmaßstab wieder verschärft sind), und dann ist der Kapitalismus weder liberal noch links, sondern vertritt faktisch ein »Recht des ökonomisch Stärkeren«, also eine Form von Sozialdarwinismus, der ihn mit »rechten« Positionen kompatibel macht.

        Die „ideal“ linke Position wäre, dem Grundgesetz mit seiner Idee von der Gleichheit beizustehen und die gg-widrige, zutiefst rechte „Gleichstellungspolitik“ zurückzurollen, natürlich auch denkbar in „progressiver“ Weise.

        In Ordnung – aber da sehe ich erst mal keinen Widerspruch zu Lucas‘ oder auch meiner eigenen Position.

      • „Das hat Schwarzer noch nie gekonnt, ihrem Geiste nach hat sie immer schon zur Bildzeitung gehört.“

        grins, ja klar. Nur ihre Haltung in der Frage zum Islam ist links, über das „Gesamtkunstwerk“ Schwarzer kann man das garantiert nicht sagen, im Gegenteil. Und so hilft sie, paradoxerweise und indirekt, Ablehnung des Islam als rechts zu framen.

        „die ursprüngliche Marxsche Kritik wollte nicht erneut Ungleichheit erzeugen“

        Kann auch nicht glauben, dass es beabsichtigt war. Aber die Darstellung zweier Kollektive, die unversönlich gegenübergestellt wurden, wo der Sieg des einen über das andere als innere Logik der Geschichte dargestellt wurde, hat die erneute Ungelichheit sicherlich massgeblich befördert. Denn das eine Kollektiv sah sich in allen Mitteln gerechtfertigt, „die Ketten abzustreifen“, als Kollektiv. Und im Kollektiv ist es fast automatisch so, dass manche Vertreter gleicher als die anderen werden…

        „Wenn man dagegen keine Sicherungsmechanismen einbaut, dann können Marktprozesse existenzvernichtend sein“

        Wenn diese Betrug und unfaire Vorteilsnahme nicht sanktionieren. Eine alte Massnahme, die sozusagen den Prototypen darstellt, ist die Kontrolle der Gewichte (zum Abwiegen auf dem Markt), also Fairness. Dass eben ein echtes Gelichgewicht zwischen den Parteien herrscht.

        Die Marktprozesse heute sind übrigens im höchsten Masse betrügerisch, ein Problem völlig neben der Spur gelaufender Regulation. Dies wäre nicht mal das schlimmste Problem, wenn man diese Entitäten nicht auch noch unter ökonomischen Naturschutz stellen würde.

        „dann ist der Kapitalismus weder liberal noch links, sondern vertritt faktisch ein »Recht des ökonomisch Stärkeren«, also eine Form von Sozialdarwinismus, der ihn mit »rechten« Positionen kompatibel macht.“

        Natürlich wurde Kapitalismus von den Rechten gekapert, vor allem in Form von Monopol- Oligopol Kapitalismus, der nicht zufällig fast identisch mit den Zuständen im Kommunismus ist (der nota bene in meinem Koordinatensystem ebenfalls rechts ist).
        Dann wird auch der „Sozialdarwinismus“, der diesen Zustand noch natürlich rechtfertigen und ausbauen will, virulent und KZs und killing fields können die Folge sein.
        Das ist einfach die „natürliche“ Wirtschaftsordnung der politischen Rechten.

    • @ Alex Ich gehe auf zwei Punkte Deiner Kommentare ein, Deine Unterscheidung von links („Gleichheit Aller“) und rechts („Ungleichheit Aller bzw von Gruppen“) und auf Deinen Vorwurf des Opportunismus.

      Erstens: Links/rechts Linken wird von rechts (was ich Dir hier nicht unterstelle) ja rituell „Gleichmacherei“ vorgeworfen, was in meinen Augen verfehlt ist. Eine politische Linke hat ganz im Gegenteil Möglichkeiten geschaffen, sich zu unterscheiden – beispielsweise, das eigene Milieu zu verlassen, einen sozialen Aufstieg zu organisieren, sich zu bilden, etc. Dass dem Betonsozialismus daran nicht gelegen war, ist klar – wenn ich mich an Dewey anschließe, dann an einen demokratischen Sozialismus, nicht an den totalitären Sozialismus des Ostblocks.

      Schon die Rede von der „Ungleichheit Aller bzw von Gruppen“ auf der rechten Seite wiederum zeigt ja, dass die Rechte durchaus nicht rundweg für Unterscheidungsmöglichkeiten eintritt. Wenn Gruppen sich an Unterschieden zueinander definieren, dann bedeutet das für die einzelnen Mitglieder der Gruppe im Allgemeinen, einem erhöhten Anpassungsdruck ausgesetzt zu sein. Ein distinguiertes Bürgertum z.B., das sich von den Kleinbürgern und vom „Pöbel“ unterscheiden will, hat z.B. ausgesprochen enge Verhaltenskorridore für seine Mitglieder – sonst verwischen ja die Unterschiede.

      Ich glaube also, dass „Gleichheit“ und „Ungleichheit“ für die Unterscheidung von links und rechts relativ schlecht geeignet sind. Wichtiger wäre es zu überlegen, in welcher Hinsicht Menschen als „gleich“ betrachtet werden sollten (im Hinblick auf gleiche Rechte allemal) und in welcher Hinsicht als „ungleich“ (im Hinblick auf Individualität – die aber eben eher bedroht als gefördert wird, wenn man sich auf die Ungleichheit von GRUPPEN und nicht auf die Einzelner konzentriert).

      Zweitens: Opportunismus Dewey selbst hat mal geschrieben, dass der Begriff „Opportunismus“ ganz zu Unrecht einen schlechten Ruf hätte, als Anpasserei, Kleingeistigkeit, Prinzipienlosigkeit etc. Tatsächlich käme er ja vom Begriff „opportunitas“, Gelegenheit, günstige Lage. Eben das wäre aber wichtig: Die gegenwärtige Situation daraufhin zu überprüfen, inwieweit sie denn Gelegenheiten für sinnvolles Handeln bieten würde – oder solche Gelegenheiten eben zu schaffen, wenn sie nicht ausreichend vorhanden sind.

      Es geht eben eher darum, tatsächliche Veränderungen zu erreichen, als darum, tragisch, aber ehrenhaft zu scheitern. Wer in diesem Sinn kein „Opportunist“ ist, wird entweder untätig, oder er produziert Märtyrer – und beides finde ich nicht sinnvoll.

      Für schrittweise Veränderungen einzutreten, ist keine prinzipienlose Anpassung an Bestehendes, sondern eine Konsequenz aus Überlegungen dazu, wie Veränderungen überhaupt möglich sind. Hintergrund ist eine pragmatische Grundidee: Auch erhebliche Veränderungen setzen sehr vieles an Bedingungen voraus – vieles also, was nicht einfach mit verändert wird, was aber vielleicht genutzt werden kann. Wer alles auf einmal verändern will, nimmt sich selbst eben die Ressourcen weg, die Veränderungen überhaupt ermöglichen.

      Das ist zum Beispiel eine Kritik, die ich am Gender-Begriff habe. Wenn er so verstanden wird, dass Geschlechter bloß soziale Konstruktionen seien, die Herrschaftsverhältnisse reproduzierten – dann blendet dieser Begriff (u.a.) absichtsvoll die biologischen Grundlagen von Geschlechtlichkeit aus. Diese Grundlagen verschwinden damit aber nicht plötzlich, sie werden nur nicht mehr reflektiert. Damit werden die Veränderungen, die möglich sind, ignoriert zu Gunsten der Illusion einer prinzipiell beliebigen Modellierbarkeit der eigenen Identität. Die Pointe dabei: Anstatt zu verändern, was zu verändern sinnvoll wäre, werden bestehende Bedingungen blind reproduziert, aber einfach als irgendwie „neu“ verkauft.

      Eben hier finde ich, dass die Unterscheidung von „links“ und „rechts“ in der Geschlechterpolitik einen sehr guten Sinn hat. Aus meiner Perspektive sieht sich ein solcher Gender-Feminismus zwar selbst als irgendwie links an, steht aber tatsächlich politisch deutlich rechts. Und das ist nicht nur ein Spiel mit Begriffen, sondern lässt sich auch inhaltlich untermauern.

      • „Linken wird von rechts (was ich Dir hier nicht unterstelle) ja rituell „Gleichmacherei“ vorgeworfen, was in meinen Augen verfehlt ist.“

        Weil es die Idee der Gleichheit an sich denuniziert (die die Rechten ablehnen, das konstituiert sie schliesslich). Ich interpretiere das so, dass sie ihren Kollegen in der „Linken“ diesen Scheinvorwurf machen, um „nebenbei“ die Gleichheit irrelevant zu machen und wegzudrücken.

        „Ich glaube also, dass „Gleichheit“ und „Ungleichheit“ für die Unterscheidung von links und rechts relativ schlecht geeignet sind.“

        Natürlich sind alle poltischen Parteien Ausdruck von Gruppeninteressen. Aber ob diese mit „Augenmass“ in Bezug auf die anderen oder absolut vertreten werden, unterscheidet dann linke von rechten Parteien. Und da man nach diesen Kriterien zB die SPD als rechts von der CDU ansehen müsste, ist wohl geradezu eine Zumutung…..

        Diese Unterscheidung ist ideell, aber sehr leistungsfähig…

        „Wichtiger wäre es zu überlegen, in welcher Hinsicht Menschen als „gleich“ betrachtet werden sollten“

        Aber genau das leistet die ideelle Trennung: die Menschen können von staatlicher Seite nur als gleich vor dem Gesetz gesehen und behandelt werden, in einem linken Staat. Jeder Staat, der von staatlicher Seite bevorzugte Gruppen fördert, rückt damit nach rechts. Ironischerweise findet genau diese Rechtsentwicklung aber im „linken“ Namen statt, durch die angebliche Notwenigkeit „Benachteiligungen“ kurieren zu müssen. Aber wie könnte sich die Rechte gut in einer demokratischen Gesellschaft, die an sich links ist, auch anders durchsetzen?!

        Mit anderen Worten: wenn die Linke wirklich links bleiben will dann darf sie über das „im Hinblick auf gleiche Rechte“ nicht hinausgehen.

        Was den Opportunismus angeht, so ist dieser selbstverständlich zuerst mal eine Grundtatsache des Lebens überhaupt und gar nicht an sich moralisch zu sehen, da hat Dewey einen Punkt. Aber man sich deshalb noch nicht grün machen, dass einen die Ziegen fressen 😉 Das wäre ja auch eine schlechte Nutzung der Möglichkeiten.

        „Wer in diesem Sinn kein „Opportunist“ ist, wird entweder untätig, oder er produziert Märtyrer – und beides finde ich nicht sinnvoll.“

        Alles nicht an sich „sinnvoll“.

        Doch wo ansetzen, mit den Bemühungen, das ist die Frage. Ich meine, die Verteidigung der (einfachen) liberalen Idee vom Staat, der sich möglichst nicht in die Belange seiner Bürger einzumischen hat, wäre der Ansatzpunkt.

        Die rechts-aussen stehende gender-Weltanschauung etwa sollte als antiwissenschaftlich und aufstachelnd aus der staatlichen Sphäre verbannt werden und auf eine reine Privatveranstaltung zurückgestutzt werden. Strikter Laizsimus in Bezug auf die Kirchen (keine Reparationszahlungen mehr für die Enteignungen 18soundso, keine Steuer, die staatlichserseits einzutreiben ist, etc).
        Keinen Kontakt der staatlichen Gesundheitssystems mit den ganzen Obskurantisten der „alternativen Medizin“, die ohnehin nur heimliche Demokratiefeinde und rechts sind)……

        Da ist gender nicht mal ein besonders grosses Problem…

  • Ich finde das Label „links“ überflüssig, und halte es für wichtiger, sich auf konkrete Sachfragen und Anliegen zu konzentrieren als diese von vornherein in eine überholte politische Dichotomie pressen zu wollen.

    • Sagt Adrian als erklärter Liberaler.
      Schon amüsant wie bei diesem (mal wieder sehr guten und lesenswerten) Artikel auf einmal Liberale wie Alex und Adrian einfallen, weil ihnen nicht gefällt, dass Linke ihre eigenen Standpunkte und Positionen ausformulieren und vertreten.

      • Du kannst Deine Standpunke ausformulieren und vertreten, ich halte dieses Label dennoch für überflüssig und würde auch nciht darauf drängen, dass man doch bitte einen „liberalen Maskulismus“ aus der Taufe heben sollte. Standpunkte, darauf kommt es an. Nicht politisches Schattenboxen.

      • „als erklärter Liberaler“

        Liberal ist im Wesentlichen Links.
        Natürlich mischen im Liberalismus auch rechte Ideen mit, auch da ist nicht alles liberal.
        Da aber die Gleichheit Aller eine echte liberale Idee ist, zöger ich nicht, liberal und links als ungefähr das Gleiche zu sehen.
        Da ist konservativ schon wesentlich schwieriger zu verorten.

      • @Adrian

        Einen „liberaler Maskulismus“ kann es gar nicht geben, da Liberalismus jeder Identitätspolitik entgegentreten muss und damit nur zum Spielball von den Kollektivisten von den Linken und Rechten werden würde. Was die Männer betrifft, so muss auf die gleichen Rechte gepocht werden und nicht etwa auf „Förderung“ oder „Gleichstellung“ mit den Frauen, dort, wo sie die Männer überholt haben. So würde sich nur ein allgemeiner Kollektivismus hochschaukeln.

    • Solange sich viele unserer Forenten freilich in mal mehr, mal weniger pauschalem »Linken-Bashing« gefallen, kann es auch nicht ausbleiben, dass diejenigen, denen der Begriff etwas bedeutet, hier eine Klarstellung suchen.

      Und dass die Unterscheidung überholt wäre, sehe ich auch nicht, sie ist nur keine so klare Dichotomie mehr wie früher.

      Ganz zu schweigen davon, dass Männerrechtler eben als »rechts« im Sinne von mindestens »rechtskonservativ« angegriffen werden. Der Mechanismus einer Stigmatisierungsumkehr (wie z. B. vom »Nigger« zum »proud to be black«) funktioniert bei politischen Positionen nicht analog – in meinem Selbstverständnis habe ich keine Grundlage, in einer nicht bloß polemischen, sondern inhaltlichen Weise zu sagen, »na, dann bin ich halt rechts«.

      • @ djadmoros „in meinem Selbstverständnis habe ich keine Grundlage, in einer nicht bloß polemischen, sondern inhaltlichen Weise zu sagen, »na, dann bin ich halt rechts«.“ Das geht mir ebenso. Auch wenn ich bei einer Rede wie der Gümüsays das Gefühl bekomme, wenn so die Linke auftritt, dann ist es vielleicht doch besser, rechts zu sein. Aber dann schau ich mir Rechte an, und schon hab ich auch dazu keine Lust mehr.

        Die Begriffe „links“ und „rechts“ sind einfach Realitäten. Sie haben, so wie sie gebraucht werden, Wirkung (daher stimmt auch, @ Adrian oben, die Bemerkung des „Schattenboxens“ nicht). Es hat keinen Sinn, dagegen immer nur zu halten, dass solche Begriffe sinnlos und hohl geworden seien – angesichts einer Situation, in der sie doch ganz offenkundig Gewicht haben.

        Wenn mir die Geschichten, die erzählt werden, nicht gefallen, dann wird es auf Dauer wirkungslos bleiben, wenn ich einfach immer wieder nur sage, dass ich diese Geschichten nicht mag. Sinnvoller ist es dann, diese Geschichten neu und anders zu erzählen.

      • „Liberal ist im Wesentlichen Links.“
        Nein. Die AfD liefert hier das Paradebeispiel. Deren Positionen sind das, was man im Wesentliche als „national-liberal“ bezeichnet. Zu Bismarcks Zeiten war das mal Staatsdoktrin.
        Dieser beschränkt den Liberalismus auf bestimmte Gruppen (Staaten, Herkunft, Religionen) und ist gleichzeitig repressiv gegenüber den „Anderen“.

        So war das Feindbild zu Bismarcks Zeit zum einen die Entente nach außen mit einer ausgeprägt isolationistischen Wirtschaftspolitik vor allem zugunsten der deutschen Landwirtschaft, im Innern waren es die Katholiken. Von hier stammt übrigens das schöne Wort des „Kulturkampfes“ welches – täterätä – als „Kulturmarxismus“ in anderer Ausrichtung aber von der argumentativen Struktur absolut identisch widerkehrt.

        „links“ steht jedoch auch im Gegensatz zum Liberalismus, weil „linke“ Politik in der Wirtschaft
        ein Primat der Umverteilungspolitik sieht, während eine liberale Wirtschaftspolitik ein primat der wirtschaftlichen Freiheit sieht – nun heißt das nicht notwendigerweise „Planwirtschaft“ versus „laissez faire“. Denn die Erfahrung in England der 1860er Jahre führte die Unmenschlichkeit eines reinen „laissez faire“ vor Augen, die Absurdität der Planwirtschaft bedarf kaum noch einer Erwähnung.

        „links“ steht z.B. auch für ein selektiv klassenorientiertes Bildungssystem, während „liberale“ als Erbe der Aufklärung Bildung nicht als Aufstiegsinstrument sondern als Grundprinzip des freien Bürgers sieht, also viel fundamentaler.

        Insofern gibt es natürlich Übereinstimmungen liberaler mit linken Positionen – oft mehr als mit rein konservativen Positionen. Andererseits sind die Überlappungen der Milieus zwischen liberalen und konservativen Milieus größer. Dieser Wiiderspruch hat den Liberalismus als politische Kraft in Deutschland letztlich auch zerstört. Das ist bedauerlich, aber er hat es sich hier in Deutschland als solcher auch redlich verdient.

  • Lechts oder rinks, das ist hier die Frage:

    „“In Deweys evolutionärer Perspektive sind Veränderungen nur auf der Basis dessen möglich, was schon da ist – und so kann auch nicht alles auf einmal verändert werden.““

    Dewey wiederholt hier den Kerngedanken von Edmund Burke, einer der frühesten Vordenker des Konservativismus, so wie er in „Reflections on the Revolution in France“ von 1790 sichtbar wird.

    Die real existierende Linke, so wie sie uns durch die politischen Parteien, die sich selbst als Linke verstehen, begegnet, hat mit der klassischen Linken kaum mehr etwas zu tun. Schon Marx hat festgestellt, dass der Kapitalismus eine ungeheure Kraft entfaltet und sich alle gesellschaftlichen Bereiche einverleibt. Dazu gehört nicht zuletzt die organisierte politische Linke, sofern sie sich ETABLIERT, sich ihren Platz im Kapitalismus sichert und an deren materiellen Segnungen partizipiert. In diesem Moment hört die Linke auf Linke nach klassischem Verständnis zu sein. Sie wurde integriert und so wie sich das im Kapitalismus gehört, für ihren Konformismus bezahlt.

    Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Als Surrogat für ein nicht mehr zu klassischem linken Selbstverständnis passenden Klassenbewusstsein tritt eine Identitätspolitik. Kimmel ist ein typischer Vertreter einer degenerierten Linken, die den politischen Gegner anhand biologischer Merkmale charakterisiert. Eine „Linke“, die wegen ihrer untaugliche Analysekategorien zu keiner fundierten Gesellschaftskritik mehr fähig ist – was für ein Segen für die Plutokraten dieser Welt.

    • @ Pjotr „Kimmel ist ein typischer Vertreter einer degenerierten Linken, die den politischen Gegner anhand biologischer Merkmale charakterisiert. Eine „Linke“, die wegen ihrer untaugliche Analysekategorien zu keiner fundierten Gesellschaftskritik mehr fähig ist – was für ein Segen für die Plutokraten dieser Welt.“

      Im Hinblick auf die SPD, z.B. könnte man auch von einer radikal verbürgerlichten Linken sprechen, im Hinblick auf die Grünen nicht einmal das, die waren immer schon bürgerlich. Ist ja auch nichts Schlimmes, nur dass es mit den eigenen Ansprüchen kaum zu vereinbaren ist – was vor allem dem eigenen moralischen Anspruch die Basis entzieht.

      Dass sich Linke mit biologischen Begriffen behelfen, finde ich eine wichtige Beobachtung. Ob Geschlechtszugehörigkeit oder Hautfarbe, manchmal auch das Alter – zunehmend wichtig werden Kriterien, die ohne jede strukturelle Überlegung (die selbst ein basaler Klassenbegriff voraussetzen würde) auskommen.

      „Privilegien“ oder „Herrschaft“ lassen sich dann blind anhand solcher Kriterien zuordnen – und so lässt sich dann leicht die Illusion aufrecht erhalten, dass man damit einen emanzipatorischen Kampf für eine bessere Gesellschaft führt, wenn man z.B. nur entschieden genug gegen „alte, weiße Männer“ auftritt.

      Dazu gibt es bei Asemann übrigens gerade einen Kommentar zu einem entsprechenden Text in der Süddeutschen Zeitung. http://asemann.de/index.php/2016/05/15/feministischer-unsinn-bzw-hetze-gegen-alte-weisse-maenner-bei-der-sz/

  • […] So kommt mir die Diskussion der sich so bezeichnenden linken Maskulisten vor, die ihre linke Männerpolitik verteidigen, obwohl diese seit Jahrzehnten von der Öffentlichkeit und Politik total ignoriert wird. Ich beziehe mich jetzt auf den aktuellen Schoppe Artikel bei man-tau. […]

    • (Duplikat meines Kommentars bei luisman)

      Na, hier ziehst Du aber einen Taschenspielertrick durch! Du bestimmst eine »linke« Sichtweise und nennst dann »rechts« alles, was mit dieser Bestimmung des »Linken« konstrastiert. Das, was Du als »rechts« konkret aufzählst – individuelle statt klassenbezogener Emanzipation, Abschaffung des Feudalismus, selbstverantwortliches Leben, effiziente Produktion, technische Rationalisierung, Meritokratie – sind aber nichts anderes als wesentliche Grundsätze des klassischen Liberalismus. Denen (erstens) wohl die meisten sich als »links« verstehende Männerrechtler mindestens teilweise zustimmen können, und die (zweitens) überhaupt nichts mit »rechtem« Gedankengut zu tun haben.

      Dieses »rechte« Gedankengut lässt sich nämlich ebenfalls mit konkreten Inhalten füllen, wenn man beispielsweise bei den Leuten nachschaut, die sich ganz ausdrücklich als »rechts« (und nicht bloß als »konservativ«) verstehen, also insbesondere die Leute um das »Institut für Staatspolitik« und die »Sezession«, die auch Stichwortgeber für PEGIDA geworden sind: Karlheinz Weißmann, Götz Kubitschek, Ellen Kositza und was da noch zu deren Umfeld gehört. Dort findet man ethnisch homogene, selbstgenügsame und kulturell sauber getrennte Nationen, behutsames Aufwärmen von Rassenlehren, autoritäres Staatsverständnis und Beschwörungen einer »konservativen Revolution« im Sinne der frühen Dreißigerjahre. Inklusive einer »Kapitalismuskritik von Rechts«, bei der liberale Meritokraten auch nicht unbedingt was zu lachen hätten.

      Im Übrigen: wenn »die Ablehnung eurer linken Männerpolitik nicht notwendigerweise wegen dem Wörtchen „links“ entstanden ist«, dann frage ich mich, wieso auf diesem Wörtchen so ausgiebig herumgehackt wird. Denn das Ausbleiben von Erfolgen teilen »wir« ja zweifellos mit den »nicht-linken« Männerrechtlern.

      Ein »Plädoyer für eine rechte Männerpolitik« wäre jedenfalls eine reine Mogelpackung.

  • „Schwarze, Mulsime, POC’s können nicht für sich sprechen, ohne für alle anderen in ihrem Kollektiv zu sprechen.“
    Das beklagt Gümüsay. Und die Lösung für dieses Problem sieht sie ausgerechnet bei der Ideologie, die die Menschen in Kollektive einteilt, in Klassen: Die Klasse der Bourgeoisie, des Proletariats und des Lumpenproletariats, die Klassen der Männer und der Frauen, die Klassen der Heteros und der LGBTI*’s, kurz: die Klassen der Privilegierten und der Benachteiligten.

    Ist doch seltsam. Wenn ich nur für mich sprechen will und nicht will, dass irgendjemand anderes in meinem Namen spricht, dann fordere ich Individualismus, nicht Sozialismus. Die Lösung des Problems kann nicht durch die Verstärkung seiner Ursachen erreicht werden. Damit meine ich nicht, dass der Sozialismus die Ursache für Fremdenhass ist, aber sie haben eine gemeinsame Wurzel: den Kollektivismus. Verstärkt man den kollektivistischen Sozialismus, verstärkt man auch den Kollektivismus, der dem Rassismus zugrundeliegt.

  • Artikel und Diskussion bestärken mich in meiner Meinung, daß sich „links“ vs. „rechts“ als politische Positionen überlebt haben. Das Festhalten an „links“ („wir sind links“ als gleichbeutend mit „wir sind die Guten“) hat was von nem sentimentalen Festhalten an einem (mittlerweile) leeren Begriff.
    Nebenbei: das (mir sehr viel wichtigere!) Unterscheidungskriterium „wieviel soll/darf der Staat“ spielt bei links/rechts keine Rolle. Beide Richtungen wollen möglichst viel Staat …

  • „Es ist links, gesellschaftliche Veränderungen im Sinne einer gerechteren Gesellschaft anzustreben – und es ist rechts („rechts“ im Sinne von konservativ, nicht von rechtsradikal), sich darauf zu konzentrieren, bestehende Strukturen aufrecht zu erhalten, weil sie sich schließlich bewährt hätten.“

    Auch ich halte Deine Definitionen für problematisch:

    Fangen wir simpel an: Was bin ich denn, wenn ich gesellschaftliche Veränderungen will, die nicht explizit das Ziel einer gerechteren Gesellschaft haben?
    Was bin ich, wenn ich

    – diejenigen Strukturen, die sich aus meiner Sicht bewährt haben, bewahren möchte und
    – diejenigen Strukturen, die sich aus meiner Sicht nicht bewährt haben, ändern will?

    Um es mit Lust an der Übertreibung auf die Spitze zu treiben:

    – Die CSU will im Sinne der gerechteren Gesellschaft das Betreuungsgeld. Gerecht deswegen, weil die zu Hause betreuten Kinder keine Kosten in Kitas verursachen. Ist das Betreuungsgeld ein „linkes“ Projekt?
    – Die Linke will bestehende, aus ihrer Sicht bewährte Strukturen wie den Kündigungsschutz erhalten. Der Kündigungsschutz hilft den Arbeitsplatzbesitzern, den Arbeitsplatznichtbesitzern erschwert er die Arbeitsplatzsuche eher. Ist der Kündigungsschutz ein „rechtes“ Projekt?

    Beste Grüße,
    Nick

    • @ Nick Ich glaub, das war dein erster Kommentar hier – ich hatte gar nicht gemerkt, dass ich ihn freigeben musste, deshalb hat’s ein wenig gedauert….

      Ich finde schon, dass es sinnvoll ist, sich mit Rechts-Links-Zuordnungen zu befassen, zumal sie ja offensichtlich wirkmächtig sind. Sinnlos oder schädlich sind sie, wenn man davon ausgeht, dass das „Linke“ immer auch automatisch gut (oder früher mal: schlecht) ist – oder dass jemand, der rechts im Sinne von „konservativ“ ist, dabei gewiss nur finstere Absichten haben kann (Herrschaftsinteressen natürlich, während es Linken allein um Idealismus ginge, natürlich) – oder wenn Rechts und Links generell als verfeindete Lager angesehen werden.

      In meinen Augen trägt die Unterscheidung oben im Text sehr wohl etwas aus. Sie lässt sich auch so beschreiben: Gehen wir davon aus, dass etwas ursprünglich gut ist, und dass gutes Agieren bedeuten muss, etwas auf diese guten (natürlich irgendwie paradiesischen) Ursprünge zurückzuführen – bzw. dieses Ursprüngliche zu bewahren? Das wäre ein meinen Augen ein rechtes Denken.

      Oder gehen wir davon aus, dass das Bessere das ist, was sich entwickelt hat – dass die Weiterentwicklung, Veränderung, Neukombination zu Zuständen führen kann, die einfach besser, reicher sind als die ursprünglichen? Das ist dann in meinen Augen links.

      Die identitäre Bewegung beispielsweise ist in diesem Sinne rechts – eine unvermischte Volksidentität zu imaginieren, die geschützt und bewahrt, oder auch wiederhergestellt werden müsste. Damit kann ich tatsächlich nichts anfangen. Reinheitsideen stehen nach meinem Verständnis konträr zu einer vernünftigen, nach vorn gerichteten Politik – weil Entwicklungen nur möglich sind durch Neukombinationen von Bekanntem. Aus der Sicht von Reinheitsideologen beeinträchtigt das aber die wahre, ursprüngliche Identität, die sie bewahren wollen.

      Ich glaube, dass diese Unterscheidung sehr nützlich ist, und kein bloßes Wortgeklingel. Was aber fehlt, und damit hast Du völlig Recht, ist ein Kriterium dafür, wodurch denn eigentlich ein Zustand besser wird als vorher. Wonach wird das unterschieden?

      Ich borge mir einmal das Kriterium von Dewey. Lernen sei dann ein sinnvolles Lernen, wenn es weiteres Lernen ermögliche. Wenn also durch eine Entwicklung weitere Entwicklungen überhaupt erst möglich werden, wenn sie die Möglichkeiten des Handelns nicht nur vergrößert, sondern auch Bedingungen dafür schafft, in Zukunft Handlungsmöglichkeiten noch weiter vergrößern zu können – dann ist sie sinnvoll.

      Deweys Begriff von einem sinnvollen Fortschritt war sichtbar an naturwissenschaftlichen Entwicklungen orientiert, er hat sie aber auf politische und soziale Zusammenhänge übertragen. Handlungsmöglichkeiten werden politisch und sozial zum Beispiel begrenzt, wenn Menschen aus Prozessen ausgeschlossen werden, von denen sie erheblich betroffen sind. In diesem Sinne sind demokratische Entwicklungen vernünftig, wenn sie die Möglichkeiten zur Partizipation vergrößern – und dadurch natürlich Bedingungen für weitere Entwicklungen schaffen.

      Mit diesem Kriterium lässt sich dann schon einiges anfangen. Demnach sind z.B. feministische Geschlechterdebatten in der Regel und offenkundig nicht „links“ oder „progressiv“, weil sie darauf basieren, dass bestimmte Positionen und bestimmte Menschen – Männer, nicht-feministische Frauen – ausgeschlossen bleiben und ihre Positionen diffamiert werden. Eine Reinheitsideologie, die nach meinem Verständnis substanziell rechts ist.

      Das Betreuungsgeld hingegen wäre durchaus eine progressive Veränderung, wenn es Partizipationsmöglichkeiten und Wahlmöglichkeiten vergrößern würde. Deshalb fand ich es auch idiotisch, den Vorschlag prinzipiell als „Herdprämie“ etc. abzulehnen. Ich vermute allerdings, das Betreuungsgeld führt dazu, dass ausgerechnet diejenigen Kinder (aus sozial schwächeren Familien, oder aus Migrantenfamilien) zu Hause bleiben, die besonders von einem Kontakt zu anderen in den Kindertagesstätten profitieren würden.

      Aber es geht dann eben um technische Fragen – um Ursache-Folge-Abschätzungen – und darum, einfach einmal (experimentell, sozusagen) zu überprüfen, ob die eigenen Annahmen sich bestätigen. Links wäre es in meinen Augen, solche Experimente (wenn sie denn gute Gründe haben) tatsächlich zu wagen, aber auch offen dafür zu sein, dass die Ergebnisse enttäuschend sein können – rechts wäre es eher, grundsätzlich auf einer „Keine Experimente“-Position zu bestehen.

      Die Abschaffung des Kündigungsschutzes wiederum würde für manche Menschen Handlungsmöglichkeiten vergrößern, andere würde sie in hohem Maße erpressbar und tendenziell handlungsunfähig machen. Im Sinne einer Partizipation aller Betroffenen ist das tatsächlich nicht sinnvoll.

      Es geht mir also nicht um blindes Fortschreiten. Ein ganz gutes Beispiel dafür ist der Rühmann-Film „Feuerzangenbowle“, der heute gut als recht unschuldige Komödie geschaut werden kann, dem aber anzumerken ist, dass er 1944 ein Nazi-Propagandafilm war. Der sympathietragende Lehrer, der dort eine Erziehung im Sinne der Nazis verkörpert (er träumt z.B. davon, gerade, aufrechte Menschen dadurch aufzuziehen, dass sie links und rechts beschnitten werden), steht als progressiv dar, und er wird nach meiner Erinnerung von den Schülern auch geachtet. Ganz anders als der Lehrer, der zwar liebenswert, aber vertrottelt und aus der Zeit gefallen ist, wie das alte Kaiserreich.

      Aus der Sicht der Nazis waren sie selbst auch progressiv, gingen nach vorn, waren im Begriff, eine neue Welt zu schaffen. Mit linker Politik hat das aber eben nichts zu tun – es geht Nazis bekanntlich nicht um eine allgemeine Partizipation, sondern um die Abschottung von allem Störenden – und der „Fortschritt“ bestand darin, eine imaginäre Reinheit wiederherzustellen, die angeblich durch Juden und andere zerstört worden wäre. Rechter geht’s bekanntlich nicht. Die enormen Mengen an Leichen, die industriell dabei produziert wurden, sind ein einprägsames Bild dafür, dass es um die möglichst weiträumige Zerstörung von Möglichkeiten ging, nicht um deren Unterstützung oder Schaffung.

      Ich habe gleichwohl mit rechter Politik keine prinzipiellen Probleme. Einer zivilen Rechten, eine konservativen Rechten, geht es nicht um die Bewahrung imaginärer Identitäten, sondern um die Bewahrung des Bewährten – eher um Funktionalität als um Ursprünglichkeit und Reinheit. Ich glaube, dass es sogar wichtig ist, im demokratischen Prozess diese Position auch zu besetzen. Denn es muss ja tatsächlich nicht alles beständig verändert werden – es wird besser, wenn einiges geändert wird. Das aber ist nur möglich, wenn es für diese Änderungen Ressourcen gibt, die man jeweils bewahrt.

  • Ich weiß, lieber Lucas Schoppe, Sie erhoffen sich linke Männerrechtler. Nur was soll das außer einem schwachen Wortspiel für eine Spezies sein?

    Ich frage mich, sind die Grünen, die SPD oder die Linken links? Für mich sind sie das keineswegs. Das Eintreten für sozial Benachteiligte könnte ja noch links oder christlich sein; ist aber ebenso rechts wie christsozial. Doch treten diese Parteien selten für sozial Benachteiligte ein, sondern eher für Nichtwählergruppen, die sie unter diesem Begriff subsumieren, um ihrem bürgerlichen Klientel den Anschein einer linken Politik vorzutäuschen. In Wirklichkeit setzen sich diese Parteien für eine Klientel ein, das von sich selbst meint, es sei links, aber nur an der Erfüllung ihrer eigenen Interessen interessiert ist. So zum Beispiel die Feministen, die den Staat ebenso plündern wie die Parteien, die sie wählen; oder linke Gruppierungen, die sich gegen rechts positionieren, um an Steuermittel zu gelangen; oder das Helfergewerbe, das am liebsten einen jeden zum Opfer macht. Links ist hier nur eine Maske, um den Eigennutz zu verbergen. Unter dem Vorwand materieller und rechtlicher Gleichheit wird eine Gerechtigkeit geheuchelt, die in ihrem Kern ungerecht ist. Doch die Charade wirkt so edelmütig, dass die Unterstützung dieser Schmarotzer von Medien und Bürgern als eine grundsätzlich gerechte Sache verstanden wird. – Und wer dies anders sieht, der ist selbstverständlich voll Nazi!

    Wo also finden Sie die von Ihnen erwünschten linken Verbündeten? Ich denke, da werden Sie nichts finden. Wenn überhaupt finden Sie sie unter den Liberalen, doch die sind in meinen Augen – anders als Alex dies behauptet – im Wesentlichen nicht links, sondern anarchisch oder eher rechts. Jedenfalls werden Sie keine Verbündeten unter der bürgerlichen Linken finden, die sich selbst als Avantgarde denkt. An diesen Linken ist alles Linke pseudo, wie etwa die Figuren Reemtsma oder Augstein.

    Ich denke, Sie sind auch dem Irrtum verfallen, dass gesunder Menschenverstand eine linke Eigenschaft sei. – Ist er jedoch leider nicht! Gesunder Menschenverstand schließt links wie rechts, wie alle Ismen aus. – Hier aber wären vermutlich die meisten Verbündeten der Männerrechtler zu finden.

    Auch sehe ich keinen Vorteil darin, mit einer explizit linken, anstatt mit einer gerechten, vernünftigen und freiheitlichen Männerpolitik zu werben. Was zum Beispiel ist an der Männerpolitik verwaister Väter links oder rechts? Sie ist menschlich und will folglich das beste für das Kind. Und sie ist freiheitlich, weil psychisch gesunde Kinder später zu den besten Stützen einer menschlichen Gesellschaft werden

    • „den Liberalen, doch die sind in meinen Augen – anders als Alex dies behauptet – im Wesentlichen nicht links, sondern anarchisch oder eher rechts.“

      LR, da musst du „Libertären“ mit Liberalen verwechseln.

      Der einzige liberale Anarchist scheint mir übrigens Diogenes gewesen zu sein, nebenbei bemerkt 😉

    • @ Lotosritter Nein, ich glaube nicht, dass Linke immer gesund, pragmatisch und menschlich denken…. Ich habe im Text ja auch extra geschrieben, dass das Problem in meinen Augen nicht einfach ist, dass Linke nichts mit Männerpolitik anfangen können – sondern dass es einfach keine Linke mehr gibt.

      Das könnte natürlich ein „No true Scotsman“-Argument sein, das sehe ich ein: „Ja, die real existierende Linke ist ungenügend, aber das ist nicht die WIRKLICHE Linke – die wirkliche Linke ist ganz anders, viel humaner, etc.“

      Das verfängt aber nur zum Teil. Ich glaube zum Beispiel (und in dem Punkt bin ich vermutlich ganz anderer Meinung als Oliver), dass die SPD tatsächlich einmal eine linke Partei war. Dies nicht allein durch die Politik, die sie gemacht hat, obwohl die – in der Bildungspolitik, in der Ostpolitik – tatsächlich ganz neue, vorher fast nicht denkbare Möglichkeiten geschaffen hat. Vor allem war die Partei auch ein Milieu, das von außen sicher miefig wirkte, dass aber vielen Möglichkeiten der Entwicklung bot.

      Ich bin nie SPD-Mitglied gewesen, komme aber ja aus einer SPD-Familie. Meine Mutter erzählte zum Beispiel davon, wie regelmäßig in ihrer Kindheits-Familie ein sozialdemokratischer Polizist vorbei kam, der für die Büchergilde Gutenberg Sozi-Familien besuchte und die jeweiligen Neuerscheinungen vorstellte. Dass eine Arbeiter-Kultur zumindest teilweise auch eine Bücher- und Bildungskultur war, dass Bildungsaspirationen gezielt gefördert wurden: Das war tatsächlich ein ganz erheblicher Beitrag zu einer linken Politik.

      Davon ist nichts mehr da. Die SPD ist eine Partei der Karrieristen, ansonsten überaltert, die die auf kommunaler Ebene schon Schwierigkeiten hat, überhaupt Leute zu finden, die die Arbeit machen wollen.

      Es gibt, soweit ich sehen kann, in den Parteien und Institutionen zur Zeit keine linke Politik. Außerhalb der Parteien ist es zum Teil noch schlimmer, bei den gewaltbereiten radikalen Linken zum Beispiel, die offenkundig eine Sehnsucht nach dem Bürgerkrieg haben. Aber um festzustellen, dass es keine linke Politik gibt, muss ich ja erst einmal beschreiben, was ich unter linker Politik überhaupt verstehe. Das hab ich versucht.

      Wichtig sind mit dabei vor allem zwei Punkte: 1. Es gibt Bereiche, in denen die Links-Rechts-Unterscheidung sinnvoll ist, auch wenn sie auf der Ebene der Parteien längst zu einem Mittel der Diffamierung politischer Gegner degradiert wurde. 2. Mich als links zu bezeichnen, bedeutet nicht, dass ich alles, was rechts – im Sinne von „konservativ“ – ist, ablehne.

  • Nur drei kurze Kommentare, bei der Gelegenheit:

    Erstens: Zum Stande des „linken Bewusstseins“:
    https://www.versobooks.com/books/196-scum-manifesto
    Sicher, habe einige Uebertreibungen, aber doch „illuminating the evocative exuberance of Solanas’s dark tract“.

    Zweitens: In den letzten Jahren bin ich zur Ueberzeugung gekommen, dass „Links“ in der Tat die intellektuelle Katastrophe der letzten grob 200 Jahre ist — die wesentliche Blockade, die Weiterentwicklung verhindert. Deswegen bin ich „Reaktionaer“, naemlich ein „reaktionaerer Kommunist“ — was wir brauchen ist ein grosse Saeuberung der Ideen des „Kommunismus“ (die vernuenftige Weltordnung) von allem „Links“.

    Ein grosses Fehler bei der Auffassung des „Kommunismus“: ihn als Ende aufzufassen, dabei ist er Abschluss und Anfang — naemlich die Integration aller bisherigen Entwicklungen in einen „offenen Abschluss“.

    „Links“ hat seinen Ursprung in der Zeit des deutschen Idealismus, Rosseau etc. Es werden Korrektive gesehen, und diese dann an die Stelle der Wirklichkeit gesetzt: da wir (angeblich) das „Ding an sich“ nicht greifen koennen, bleibt nur noch (Frauen-)Geschwaetz.

    Typisch die Rede von der „Gerechtigkeit“: es macht nur Sinn, lokal von „Ungerechtigkeit“ zu reden, aber „Gerechtigkeit zu erreichen“ ist eine leere Phrase (aber nuetzlich, zur Zerstoerung von Bewusstsein).

    Die Entfaltung der Produktivkraefte, der Wissenschaft und Technik, und sie in einen vernuenftigen Rahmen zu setzen, auf dass sie „explodieren“ koennen, dies ist das einzige wirkliche Ziel des Kommunismus. Der Rest sind Korrektive. Ungleichheit muss explodieren.

    Der Linke ist der typische Gutmensch, der die Arbeit anderen (Maennern!) ueberlaesst, und sich fuer sein Gutmenschensein feiern lassen will. Am Grunde des Ganzen der US-amerikanische Massenmord (wie bei „Scum“ — nun ja, Fehlerchen passieren, da muss man doch drueber reden koennen). D.h., an der Oberflaeche ist alles wie in der Familie (keine Hierarchien, jeder spricht mit, etc.), und im Untergrund ist alles auf der Arbeit des Mannes aufgebaut, die in brutale Gewalt umschlagen muss, da das wirkliche unterdrueckte Unbewusste. (Staerke des Mannes ist offiziell geaechtet, aber „inoffiziell“ baut alles darauf auf.)

    Drittens: Immer die Rede von den „ismen“ — dabei ist diese Rede doch der groesste „Ismus“ — einfach alles mit einem Wisch beiseite wischen, weil man es als „ismus“ deklariert.

    • hm, da hat die „Maschine“ meine schoenen 1.,2.,3. unterschlagen: 1. war Scum, 2. Kommunismus ohne Links, 3. „ismen“.

      • Ich hab’s mal eingefügt. Finde ich auch eine seltsame Eigenschaft von WordPress, dass es Nummerierungen wie „1.“ einfach umrechnet in … naja, irgendwas anderes, was sich nicht immer vorhersehen lässt….

    • „„Links“ hat seinen Ursprung in der Zeit des deutschen Idealismus“

      Links sassen im franz. Parlament die Ablehner, rechts die Befürworter der feudalen Ordnung von „Gottes Gnaden“. Letztere wurden daher von den ersteren „Reaktion“ genannt, da sie auf die neue Ordnung „reagierten“ (um ihre alte wiederzubekommen).

      Die Linken wollten eine menschengemachte Ordnung, keine die von „ganz oben“, metaphysisch, begründet wird und damit jeder Angreifbarkeit entzogen ist (und daher ihren Vertretern jede Willkür rechtfertigt).

      Aus der Linken scherten immer wieder Systeme aus, die ihre Begründung nicht im rein menschlichen, sondern in höheren Dingen suchten.

      Eine dieser Ausscherungen war der Marxismus, der von der Zwangsläufigkeit der Entwicklung in seinem Sinne ausging. Statt Gott war hier quasi der „Weltgeist“ an die Stelle der obersten Begründung gestellt. Daher war das Resultat des Marxismus eine quasi-feudale Herrschaft, die dazu tendierte mit reiner Willkür zu herrschen.

      Marxismus ist also reaktionär und in die Versuche der Restauration einzuordnen. Insofern macht der „reaktionäre Kommunist“ Sinn.
      Vielleicht dachtest du aber nur an den „Nationalbolschwisten“, eine beliebte Spielart der neuen Rechten, die besonders reaktionär sind.

      „Immer die Rede von den „ismen“ — dabei ist diese Rede doch der groesste „Ismus“ — einfach alles mit einem Wisch beiseite wischen, weil man es als „ismus“ deklariert.“

      Ein -ismus ist per definitionem ein ideologisches System, welches aus einem Fokus heraus gebildet wird. Siehe Feminismus — alles dreht sich um die Frau. Nationalismus — alles dreht sich um die Nation. Rassismus — alles dreht sich um Rassen, Liberalismus — alles um die Freiheit des Einzelnen. Und nur letzterer kann die beste Lösung für alle sein. Deshalb ist das auch keine Ideologie, als -ismus. Weil der auch alle andere berücksichtigen muss.

      Aber wie man sieht, greift die Begriffsverwirrung so weit, dass nicht mal mehr einfachste Begriffe gefasst werden können.

      • Die typische Rhetorik: (Zitat) „Aus der Linken scherten immer wieder Systeme aus, die ihre Begründung nicht im rein menschlichen, sondern in höheren Dingen suchten.“

        Also: Alles, was die eigene, „gute“ Gruppe macht, ist „rein menschlich“, und der Rest faellt ab vom reinen(!) Glauben, ist kontaminiert mit „Ideen“.

        Da faellt dann Wissenschaft etc. heraus, denn diese ist offensichtlich nicht-menschlich. Was bleibt ist das Vorurteil des „guten Menschen“, der sich frei von aller Theorie weiss. Er ist ja ein „reiner Mensch“, also „gut“ nach Definition.

        So auch die Verwendung der „ismen“ durch @Alex: Wer nennt sich denn einen „Rassist“ etc. — dies sind alles Zuschreibungen, blosse Kampfbegriffe. Eine Kampfform, die fundamental auch fuer den Feminismus ist. Hier haben wir das „boese“ nach Definition.

        Nett der Trick, einen Super-Ismus aufzumachen, den „Liberalismus“, der vom Wesen her das einzig Wahre sein muss. Weil, anscheinend gottgegeben, „der Einzelne“ das Mass aller Dinge sei. Wenn „der Einzelne“ nun mal nicht eine Idee ist …

        „Der Einzelne“, der ist wohl „rein“.

        Anmerkung zur Diskussionstechnik: Die Antwort von @Alex hat das allgegengewaertige Problem, dass es hoechst unklar ist, worauf sich die Teile beziehen. Sind die historischen Ausfuehrungen zu „links“ nun Ergaenzungen zur „Zeit des deutschen Idealismus“?
        Ist dann die Definition von „links“ eine Kritik meines urspruenglichen Ansatzes, oder eine Bestaetigung? Geht ja nicht auf Korrektive, Produktivkraefte etc. ein, also voellig unklar der Zusammenhang. Der letzte Satz dann „Aber wie man sieht …“ ebenso voellig unklar: Ist Begriffsverwirrung etwas gutes oder schlechtes? Wer hat sie? Wir alle??

        Dementsprechend habe ich versucht, in meiner Antwort etwas Struktur hineinzubringen. Ist aber nicht einfach. In diesem Sinne herrscht in der Tat allgemeine Verwirrung, aber noch fundamentaler, als blosse „Begriffsverwirrung“; vielleicht eher eine allgemeine „Assoziationsverwirrung“?!

        Haben ja verschiedene Leute schon beobachtet, die allgemeine „Versprengtheit“ des Denkens, nichts passt zusammen, alles ist „pulverisiert“. Badiou hat das treffende (mathematische) Bild der „punktlosen Welt“ gegeben.

        Meine Auffassung davon ist, dass man in der Vergangenheit eine viel groessere Chance hatte, mit der ueblichen Methaphorik was richtig zu treffen. In der heutigen Welt ist Wahrheit gewissermassen „gleichverteilt“, so dass Metaphorik, und damit Sprache ueberhaupt, nicht mehr an die Welt reicht. Alles ist irgendwie wahr, und groesstenteils falsch.

      • @oliver
        „Da faellt dann Wissenschaft etc. heraus, denn diese ist offensichtlich nicht-menschlich.“

        Die beruht auf rein menschlichen Eigenschaften, auf Logik und kritischem Verstand.

        „Was bleibt ist das Vorurteil des „guten Menschen“, der sich frei von aller Theorie weiss.“

        Nein, keinesfalls. Es bleibt die Logik und der Verstand. Und daraus ergibt sich praktisch von alleine die sogenannte „goldene Regel“ und die prinzipielle Gleichheit der Menschen als Ethik.

        Das hat nichts damit zu tun, dass der Mensch jetzt so oder so wäre, gut oder böse. Er ist vernunftbegabt (Verstand & Ethik) und kann insoweit auch gut sein oder eben auch böse (bei Missachtung dieser Eigenschaften).

        „den „Liberalismus“, der vom Wesen her das einzig Wahre sein muss.“

        Dieser Ismus hat nur sehr wenig zu sagen. Die Welt erklärt er dir nicht und auch nicht, wo es hingehen soll. Er liefert nur einen modus operandi. Ganz verwandt: Rationalismus.

        „Ergaenzungen zur „Zeit des deutschen Idealismus“?“

        Nein, eine Antwort darauf, eine Korrektur in diesem Fall.

        „In der heutigen Welt ist Wahrheit gewissermassen „gleichverteilt““

        Wenn du unter „Wahrheit“ verstehst, was alles nur irgendwie denkbar ist, ja. Allerdings wird diese Beliebigkeit nur erreicht, indem Logik und Verstand abgeschaltet werden. Und genau deswegen führt Irrationalismus auch praktisch automatisch zur politischen Rechten. Denn: Irrationalismus ist das Medium der politischen Rechten.

      • @Alex

        „Eine dieser Ausscherungen war der Marxismus, der von der Zwangsläufigkeit der Entwicklung in seinem Sinne ausging. Statt Gott war hier quasi der „Weltgeist“ an die Stelle der obersten Begründung gestellt. Daher war das Resultat des Marxismus eine quasi-feudale Herrschaft, die dazu tendierte mit reiner Willkür zu herrschen.“

        Das konkrete Problem ist, dass Marxismus, eine Theorie, die einlädt, gegenüber allem skeptisch zu sein, sich als politische Begründung von Herrschaft ganz einfach nicht eignet.
        D.h. „Stalinismus“ und real-sozialistische Vulgarisierung von Marxismus, die Schaffung einer marxistischen Orthodoxie, die Schaffung des „Marxismus-Leninismus“ (die weder Marx, noch Lenin gerecht wurden) waren nicht Zufall, sondern Absicht.
        Und dass für diese Schaffung einer Herrschaftsideologie eine Menge meiner Genossen über die Klinge springen mussten. Die ersten Feinde des Stalinismus waren die „Linksabweichler“.

        Zuzüglich der prinzipiell verzerrten und nützlichen „Lesarten“ des Marxismus seitens der bürgerlichen Opponenten, die nahezu identisch sind mit dem bürgerlichen Feminismus.

        Die Verflachung, die Teleologie, als die sie dir erscheint, hat eine Menge mit zeitgenössischen Eingriffen in den Politikbetrieb zu tun (worunter die Texte von Engels insbesondere leiden) und einen größeren Teil der Tatsache, dass die „Nachlassverwalter“ mit den Texten nach Belieben verfahren konnten.
        Die „Deutsche Ideologie“ z.B. ist (mehr oder weniger) eine engagierte Fälschung.

        Das meiste Hohngelächter hätten – seitens Marx und Engels – diejenigen erwartet, die politische Diskussionen über Probleme der Gegenwart führen auf der Basis von Texten von Marx und Engels, auf die sie zurück greifen, wie auf einen religiösen Text.

        Mein Punkt ist, ich verstehe durchaus dein Problem als das, wie dir „Marxismus“ vermittelt worden ist, doch hat der m.E. mit diesen „Konstruktionen“ von Marxismus mehr zu tun, als mit der Sache selbst.

        Gruß, crumar

    • @ Oliver Zu Solanas: Manche Feministinnen finde es mittlerweile unerhört, auf Solanas überhaupt angesprochen zu werden – man könne doch eine politische Bewegung nicht an ihrem krankhaftesten Mitglied beurteilen. Stimmt ja auch, jede politische Bewegung von hinreichender Größe wird auch gewaltgeile Idioten anziehen – die sind dann nicht repräsentativ für alle.

      Das Problem bei Solanas ist aber ja, dass es seit Jahrzehnten eine feministische Faszination für diesen Text gibt. Schwarzer hat den Text gelobt, Jasmin Tabatabei hat öffentlich daraus gelesen, in Schweden wurde Solanas vor ein paar Jahren regelrecht zum Kult. Eine Rezensentin der Ausgabe, die Du verlinkst, teilt diese düstere Faszination durchaus – obwohl sie, was völlig richtig ist, Solanas‘ Text als faschistisch einordnet. Es wäre interessant, das Vorwort mal zu lesen, das Solanas angeblich mit Derrida und Judith Butler in Verbindung bringt (und übrigens: OHNE Derrida oder Butler damit schaden zu wollen).

      Zum zweiten Punkt: „da wir (angeblich) das „Ding an sich“ nicht greifen koennen, bleibt nur noch (Frauen-)Geschwaetz“ Nein, es bleibt einfach die Möglichkeit experimentellen Handelns. Wir haben nicht das Ding an sich, oder die Wahrheit an sich, aber wir können Hypothesen aufstellen, Bedingungen für die Überprüfung formulieren und sie handelnd überprüfen. Wir brauchen keine mystische Einsicht in das Innerste der Welt, aber das wirft uns nicht darauf zurück, dass wir (im Sinne einer reinen Kohärenztheorie der wahrheit) auf der Ebene der Sprache bzw., des „Geschwätzes“ bleiben müssen.

      „und im Untergrund ist alles auf der Arbeit des Mannes aufgebaut“ Dass Feministinnen das für Frauen ebenso andersherum beschreiben, lass ich hier mal beiseite. Aber ein Hinweis ist mir schon wichtig: Es ist ja gerade das klassische linke Ethos, dass diejenigen, die die Arbeit leisten, die den Mehrwert produzieren, auch von den Früchten dieser Arbeit profitieren müssen. Entfremdung bedeutete für Marx ja, dass den Arbeitern die Früchte ihrer eigenen Arbeit als fremd und feindlich begegneten – die Empörung darüber war immer einer der Aspekte am Marxismus, die ich am besten nachvollziehen konnte.

      Zum dritten Punkt: Sehe ich auch so. Dass etwas ein „ismus“ ist, bedeutet erst einmal, dass es eine halbwegs kohärent ausgebaute Weltsicht oder Praxis ist. Das kann im Bekloppten oder im Brutalen enden – aber die Alternative, auf Kohärenzerwartungen verzichten zu wollen, ist eher schlechter. Es gibt Faschismus, Fanatismus, Feminismus, Antifaschismus, Zynismus, Realismus, Kubismus, Dadaismus, Sozialismus, auch mal einen Anglizismus etc etc. – es ist seltsam, so zu tun, als ob das alles irgendwie dasselbe wäre, weil es auf demselben Suffix endet.

      • @Schoppe

        Und bitte nicht den bösartigen HUMANISMUS vergessen.
        Einer der gefährlichsten Ismen, die es je gegeben hat.

        Viele Menschen sind für ihn gestorben.

        Wenn du „Humanismus“ hörst, fang gar nicht erst damit an!

        Ich überlege mir immer noch, wie ich den beseitigen kann.
        Wahrscheinlich mit Schockbildern auf Zigarettenpackungen.
        Ich werde da mal einen Gesetzesentwurf formulieren…

        Gruß, crumar

  • Ernest Belfort Bax ist meine Antwort auf cultural marxism, welcher als Schlagword eh nur wegen der Kommunistenangst auf die einen ansprechend und die anderen abstoßend wirkt.

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