Feminismus

Rechtsstaat, Regen, Ressentiments

Martin Luther King
geschrieben von: Lucas Schoppe

Was ist eigentlich dieser Feminismus? Erster Teil einer Reihe nach Empfehlungen der Süddeutschen Zeitung

Viele Schreihälse gäbe es,

„die sich an Feministinnen im Netz abarbeiten, doch dies sind meist Einzelkämpfer, die für ihr Unrecht Feministinnen im Allgemeinen verantwortlich machen.“

Das schreibt der Blogger Kai in einem offenen Brief an die Süddeutsche Zeitung. Diese Männer würden sich nicht nur „als Antifeministen sehen“, sondern würden auch „die programmatisch arbeitenden Männer- und Väterrechtler (…) als nicht hart genug betrachten,“ um Erfolge zu haben.

Gleich auf mehrfache Weise schießen sich die von Kai beschriebenen „Schreihälse“ ins Abseits. Einerseits lehnen sie eine politische Richtung radikal ab, die mit so positiven Zielen wie „Gleichberechtigung“ und „Emanzipation“ verknüpft ist. Andererseits sind sie fixiert auf ein Thema, das für viele nur ein Thema unter vielen ist: Der Glaube, gesellschaftliche Strukturen ließen sich vor allem über Geschlechterbeziehungen erklären, eint Feministinnen und Antifeministen, wird aber von den meisten anderen Menschen nicht geteilt.

Eine Auseinandersetzung mit feministischen Positionen hat nicht deshalb einen Sinn, weil Feministinnen wahlweise für alles mögliche Elend verantwortlich gemacht werden könnten oder aber Verkünderinnen einer menschlicheren, gerechteren Zukunft wären. Feministische Positionen haben sich heute in vielen Institutionen – staatlichen Institutionen, Parteien, Medien – fest verankert und haben so in einigen wichtigen Bereichen, insbesondere in der Familien- und Rechtspolitik, Einfluss auf das Leben vieler.

Allerdings bleibt notorisch unklar, was unter „Feminismus“ überhaupt zu verstehen ist. Wenn der Feminismus wesentlich die Überzeugung ist, dass kein Mensch aufgrund seiner Geschlechtszugehörigkeit benachteiligt werden sollte, dann bin ich auch Feminist.

Wenn der Feminismus auf dem Glauben basiert, dass allein Frauen benachteiligt werden können, liegt er in meinen Augen offensichtlich falsch – ohne dass deswegen nun Männer prinzipiell als Unterdrückte wahrgenommen werden müssten.

Wenn der Feminismus im Kern gar die Überzeugung ist, soziale Strukturen ließen sich grundsätzlich als Männerherrschaft, als Patriarchat, als heterosexistische Ordnung beschreiben, dann ist er in meinen Augen nicht zu begründen. Soziale Strukturen sind nur zu einem Teil Herrschaftsstrukturen, Herrschaftsstrukturen sind nur zu einem Teil über Geschlechterverhältnisse organisiert, Geschlechterverhältnisse wiederum sind nur zu einem Teil von Herrschaftsstrukturen geprägt, und dort, wo sie es sind, ist diese Herrschaft nicht immer eine von Männern über Frauen.

Ein Feminismus in dem uneingeschränkt positiven ersten Sinne, als Bewegung für Gleichberechtigung, muss sich in meinen Augen keineswegs geschlechtsneutral als „Humanismus“ oder „Egalitarismus“ verstehen. Interessenvertretungen bestimmter Gruppen sind schließlich völlig legitim, wenn es auch fragwürdig ist, ob „die Frauen“ (oder wahlweise: „die Männer“) überhaupt als Gesamtgruppe vertreten werden können. Allerdings setzt das natürlich voraus, dass die Legitimität anderer Interessenvertretungen ebenso akzeptiert wird.

Es ist zudem verständlich, dass vielen Frauen die Situation von Frauen, vielen Männern die Situation von Männern präsenter ist als die Situation des jeweils anderen Geschlechts. Wir beurteilen soziale Sachverhalte aus bestimmten Perspektiven, und die werden unter anderem von unseren Geschlechter-Erfahrungen beeinflusst. Umso wichtiger aber ist es dann, diese Perspektiven zueinander in Beziehung setzen, gemeinsame Maßstäbe beschreiben, einen Dialog organisieren zu können.

Zu einem solchen Dialog gehört, dass alle Beteiligten ihre Position formulieren können und auch alle Beteiligten bereit sind, den jeweils anderen zuzuhören.

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Ob der Einfluss, den feministische Positionen heute in Institution haben, positiv oder eher kritisch zu bewerten ist, hängt also vor allem von der Frage ab, ob sie zu einem solchen Dialog beitragen oder ihn eher erschweren. Wie aber sollte diese Frage beantwortet werden können, wenn noch nicht einmal klar ist, von welchem Feminismus eigentlich die Rede ist?

Hier kann glücklicherweise ein Text der Süddeutschen Zeitung zu Hilfe genommen werden, die in der Recherche-Reihe „Gleichberechtigung heute“ – die hier allerdings sehr kritisch betrachtet wurde – nicht nur einen Text über „Maskulisten“ veröffentlichte, sondern vor allem Texte über Positionen des heutigen Feminismus. Dazu gehört eine Vorstellung von fünf deutschen „Feministinnen, die Sie kennen sollten“, die von der feministischen SZ-Journalistin Barbara Vorsamer ausgewählt wurden: Antje Schrupp, Bloggerin und Redakteurin einer KirchenzeitungAnne Wizorek, #Aufschrei-Initiatorin und Grimme-Preisträgerin – Margarete Stokowski, Kolumnistin beim SpiegelBascha Mika, Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau – und Stevie Schmiedel, Gründerin der deutschen Version von „Pinkstinks“, einer Organisation, der es unter anderem um die Kritik an rosafarbenem Mädchenspielzeug geht.

An diesen fünf repräsentativen Beispielen lässt sich dann die Frage beantworten, wie viel heutige Positionen des deutschen Feminismus zu einem offenen Geschlechterdialog beitragen. Daher werde ich in einer kleinen Serie alle fünf dieser Frauen, die Vorsamer als Repräsentantinnen des heutigen Feminismus beschreibt, vorstellen. Ich beginne mit Antje Schrupp, danach folgt ein Text über Anne Wizorek und Margarete Stokowski, schließlich einer über Bascha Mika und Stevie Schmiedel.

Der Text über Schrupp schließt sich dann gleich an ein Thema an, das hier im Blog gerade erst diskutiert wurde.

 1. Rinks und lechts – Antje Schrupps Differenzfeminismus

Die Umstände, unter denen ich zum ersten Mal einen Text von Antje Schrupp gelesen habe, machen es mir etwas schwer, sie unbefangen zu beurteilen. Ich war im Jahr 2011 darum bemüht, den Kontakt zu unserem Kind zu behalten, nachdem sich die Mutter zwei Jahre zuvor von mir getrennt hatte. Obwohl ich schon einmal zur Sicherung des Umgangs vor Gericht gegangen war, und trotz einer gerichtlichen Vereinbarung über die Ausweitung des Umgangs wurden die Möglichkeiten immer schlechter. Ich fahre immer eine ziemlich lange Strecke zu unserem Kind, etwa fünf Stunden Bahnfahrt für einen Weg – aber die Zeit, die von der Mutter für den Umgang eingeräumt wurde, wurde immer kleiner und unregelmäßiger.

Ich hatte den Eindruck, aus der Beziehung zu unserem Kind gleichsam ausgeschlichen zu werden, und ging dann in der zweiten Hälfte des Jahres deswegen noch einmal vor Gericht. Hoffnung machten mir die Urteile des Europäischen Gerichtshofs und des Verfassungsgerichts, in denen die fast völlige Rechtlosigkeit von Trennungsvätern faktisch als menschenrechts- und grundrechtswidrig abgelehnt worden war.

In eben dieser Situation stieß ich auf Schrupps Text „Väter-Recht abschaffen, Kindererziehung steuerfinanzieren!“ Schrupp steigt ein mit der Verpflichtung für getrennt erziehende Mütter, selbst Geld zu verdienen und nicht allein vom Unterhalt des Vaters zu leben, sie kommentiert verärgert, Väter würden „zunehmend von Pflichten entbunden und bekommen gleichzeitig mehr Rechte“, und schlägt dann vor, „Kinderversorgung vom biologischen Erzeuger“ zu trennen.

„Wichtig ist nicht, wer biologischer Vater (oder Mutter) ist, sondern wer sich konkret um das betreffende Kind kümmert. Das kann natürlich auch ein Mann sein, es können beide Eltern sein, es kann eine Wohngemeinschaft oder sonstwer sein.“

Das ist, wie schon die Überschrift und andere Textpassagen deutlich machen, nur scheinbar geschlechtsneutral argumentiert. Das Problem von Vätern – und besonders von nicht-verheirateten – war ja gerade, dass sie faktisch keine Chance hatten, sich um das gemeinsame Kind zu kümmern: Sie hatten (und haben) schließlich grundsätzlich kein Sorgerecht. Was Schrupp vorschlug, war in dieser Situation nichts anderes als eine vollständige Entrechtung von Vätern, die in einer ohnehin schon schwierigen Situation versuchen mussten, irgendwie den Kontakt zu den Kindern zu bewahren – in vielen Fällen ohne Erfolg. Dafür sollten Väter dann eben auch von Unterhaltspflichten entbunden und sollte die Kindessorge generell aus Steuermitteln finanziert werden.

Schon im Jahr zuvor hatte Schrupp in der Jungle World spöttisch auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts reagiert, mit dem die bis auf das Umgangsrecht umfassende Rechtlosigkeit nichtehelicher Väter beendet worden war. „Man könnte meinen, das Abendland sei vor dem Untergang gerettet worden.“ Das Urteil sei, so die Autorin in geübtem Bürokratendeutsch, der „Entwicklung postpatriarchaler Familienformen (…) nicht dienlich“.

Auch später bleibt Vaterschaft für Schrupp dubios: In einem Text aus dem Jahr 2015 spricht sie statt dessen von „Mutterschaft und Co-Elternschaft“, deren Part aber „ja auch nicht unbedingt die Väter übernehmen müssten.“ Elternschaft ist bei Schrupp grundsätzlich Mutterschaft.

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Co-Eltern neigen manchmal zu unnötig riskanten Verhaltensweisen.

Warum aber lässt es sie gleichgültig, dass das Gericht immerhin Grundrechtsverletzungen – so wie der EuGH im Jahr zuvor Menschenrechtsverletzungen – festgestellt hatte, und dass diese erheblichen Rechtsverletzungen einen großen Teil der Bevölkerung betrafen, Männer und auch Kinder?

 

Warum Frauen keinen Rechtsstaat brauchen

Kurz vor ihrem eingangs zitierten Artikel zur Abschaffung der Rechte von Vätern hatte Schrupp einen Text mit „Gedanken zum Prinzip der Rechtsstaatlichkeit“ veröffentlicht. Dort stellt sie eine „Unvereinbarkeit zwischen Frauen und dem Prinzip des Rechtsstaats“ fest. Das spricht nicht gegen Frauen – es zeigt für Schrupp lediglich, dass

„das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit eines [ist], das vor allem dazu erfunden wurde, um Konflikte unter Männern zu regeln“.

Und: „Würde es nur Frauen geben, bräuchten wir keine Justiz.“ Zwar sei „der derzeitige moderne Rechtsstaat“ in der von Männern und für Männer gemachten Geschichte besser als andere Organisationsformen, aber tatsächlich ginge es heute darum,

„auf der Grundlage der bisherigen Geschichte neue gesellschaftliche Formen zu erfinden, die nicht mehr auf den etablierten Fundamenten unserer politischen Strukturen beruhen können, die wesentlich auf dem Ausschluss der Frauen gründen.“ 

Wie diese anderen Formen aussehen könnten, beschreibt sie nicht. In einem anderen Text aber deutet sie an, warum diese Beschreibung so schwer ist. Der Blogger Sascha Pallenberg hatte auf eine grenzverletzend-sexualisierte Äußerung der feministischen Bloggerin Yasmina Banaszczuk ebenfalls offen sexualisiert gekontert, und nun stand er im Mittelpunkt von Vorwürfen, sexistisch zu sein. Schrupp stellte sich ganz auf die Seite Banaszczuks und schrieb:

„Wir können (…) nicht eine sexistische Ordnung zu Hilfe rufen, um diese Ordnung zu bekämpfen. Denn diese Ordnung findet sich selbst ja gar nicht falsch, sondern richtig und normal.“

Pallenbergs Verhalten sei also sexistisch, weil es eine sexistische Ordnung spiegele – Banaszuks nicht, weil es sich gegen diese Ordnung auflehne, der ebenso wenig zu entkommen sei wie einem großen Regen.

Natürlich ist diese Position kaum haltbar, weil sie eben das stillschweigend voraussetzen muss, was sie überhaupt erst beweisen soll: Wie sollte Schrupp denn die Behauptung einer sexistischen Ordnung empirisch belegen, wenn die Bewertung jeder einzelnen empirischen Beobachtung grundsätzlich davon abhängig ist, dass die Existenz einer sexistischen Ordnung immer schon vorausgesetzt wird? Doch das ist hier nicht einmal der Punkt.

Die männliche Ordnung stellt Schrupp sich als allumfassend vor, und was an sozialen Ordnungen zu finden ist, ist für sie männlich. Das Weibliche, die Welt der Frauen, ist in diesem Zusammenhang gleichsam nur als Utopie vorhanden, es hat im wörtlichen Sinn (ou topos – Nicht-Ort) hier keinen Platz. Natürlich sind Frauen immer da, und auch eine besondere weibliche Qualität ist real – aber sie finden sich in dieser Ordnung nicht repräsentiert.

So kann dann diese besondere Qualität – die sich für Schrupp übrigens wohl ganz besonders in einer Beziehungsfähigkeit und in der Care-Arbeit zeigt – zunächst auch nur angedeutet, aber noch nicht ausformuliert werden.

Dass Schrupp sich selbst im Interview als Anarchistin bezeichnet, passt zu dieser prinzipiellen Skepsis gegenüber bestehenden Institutionen. Nun sind es allerdings gewiss nicht anarchistische Traditionen, in denen sie sich verortet, wenn für sie das Kind grundsätzlich zur Mutter gehört, sie großen Gruppen von Menschen das Recht zur Sorge für ihre Kinder abspricht und die Pflicht zur Finanzierung der Kindessorge auf den Staat überträgt. Wie also landet sie von anarchistischen Überzeugungen bei einer Position, die eher an das entgegengesetzte Ende des politischen Spektrums gehört?

 

Engel machen keinen Müll

Im eben verlinkten Interview berichtet Schrupp darüber, wie sie zu Frauen in der Arbeiterbewegung geforscht und promoviert habe. Schon in der proletarischen Frauenbewegung spielte das Verhältnis einer linken Bewegung zur spezifischen Situation von Frauen eine Rolle. Für spätere kommunistisch orientierte Achtundsechziger gehörten spezifische Nachteile von Frauen dann zu den Nebenwidersprüchen einer kapitalistischen Ordnung, die zu lösen wären, wenn erst nur der Hauptwiderspruch zwischen Kapital und Arbeit gelöst sei.

Es war ein wesentlicher Impuls eines linken Feminismus, dieses Spiel der Haupt- und Nebenwidersprüche nicht zu akzeptieren. Ein Satz von Schrupp aus diesem Jahr ist wie ein später Kommentar dazu:

„Die Frage nach dem Verhältnis der Geschlechter ist zentral, sie ist keine Nebensächlichkeit, niemals.“ 

So lässt sich das, was sie schreibt, auch als Versuch verstehen, eine linke, anarchistische Politik aus der Perspektive feministisch verstandener Geschlechterverhältnisse zu beschreiben, die nun eben nicht mehr Nebenwiderspruch, sondern Kern der Überlegungen sind.

Das Ergebnis aber ist entmutigend – und dies nicht nur, weil damit das Spiel mit Haupt- und Nebenwidersprüchen keineswegs beendet, sondern einfach nur ein neuer Besetzung fortgeführt wird. Dass Schrupp Versatzstücke linker oder überhaupt aufklärerischer Traditionen durch ihre Interpretationen der Geschlechterdifferenz hindurchschleust, lässt von diesen Traditionen nicht viel anderes übrig als Ressentiments.

Ihre Darstellung eines umfassenden, allanwesenden Sexismus greift beispielsweise auf ein Muster der Frankfurter Schule zurück. Mit dem mittlerweile zum Pop-Slogan abgesunken Satz, dass es kein richtiges Leben im falschen gäbe,  schließt Theodor Adorno auch die Möglichkeit aus, dass sich eine positive Gegenwelt zum falschen Leben etablieren könnte. Nach Auschwitz, so schreibt er in seiner Negativen Dialektik, sei alle Kultur Müll – und das betreffe auch die so dringend nötige Kritik daran.

Von dieser Aussichtslosigkeit, die immer auch der eigenen Position den Boden wegzieht, befreit sich Schrupp durch eine simple Geschlechterzuordnung: Die falsche Welt ist die der Männer, aber Frauen stehen für etwas anderes, vielleicht gar für eine richtigeres, gelingenderes Leben.

Ihre Skepsis gegenüber dem Rechtsstaat schließt an durchaus klischeehafte Positionen Carol Gilligans an, die eine spezifisch weibliche, nämlich beziehungsorientierte Moral der männlichen regelorientierten Moral gegenüberstellte.

Schon bei Kant aber findet sich die Vorstellung eines „heiligen Willen“, für den „keine Imperativen“ gelten würde: Der heilige Wille brauche keine Gesetze, weil er ohnehin immer das Gute wolle.  Auch wenn Schrupp verneint, „dass Frauen die besseren Menschen und generell brave Lämmchen sind“, ist eben das die Logik ihres Artikels: Rechtsstaatliche Gesetze seien Frauen fremd, weil sie solche Gesetze nicht bräuchten.

Kant allerdings dachte beim heiligen Willen wohl eher an Engel, nicht an Frauen.

Typische Widersprüche und Ambivalenzen moderner Gesellschaften löst Schrupp so ohne Aufwand über die Geschlechterdifferenzen auf. Zu diesen Widersprüchen gehört es etwa, dass wir auf einen Rechtsstaat angewiesen sind, der sich allein durch abstrakte Regeln als „gerecht“ legitimieren kann – der aber zugleich gerade durch diese Abstraktheit konkreten Situationen kaum jemals ganz gerecht werden kann.

Schrupp schlägt die Abstraktheit Männern, das Agieren in Beziehungen Frauen zu und hat den Widerspruch damit schon geklärt, bevor sie ihn überhaupt erwähnt. Die für die Moderne so typischen großen Institutionen interpretiert sie als Bestandteile einer männlichen Ordnung, die aber eben deshalb für Frauen gar nicht interessant seien und die sogar – wie im umfassenden staatlichen Kindesunterhalt – beliebig ausgebaut werden können, wenn dies Möglichkeiten des Handelns von Frauen vergrößere.

So aber schließt sie sich  an klassische antimoderne Ressentiments an, an Vorstellungen, dass die Abstraktheit der modernen Welt sich vom konkreten Lebendigen entferne, dass ihre Unübersichtlichkeit das Vertraute zerstöre, dass sie Menschen Prozessen unterwerfe, für die ihre Möglichkeiten des Handelns gar nicht ausgestattet seien.

Schrupp kann diese Ressentiments  ausgerechnet deshalb als links oder emanzipatorisch darstellen, weil sie Geschlechterressentiments damit verbindet. Was belastend, unübersichtlich und überfordernd an modernen Strukturen ist, bucht sie auf das Konto einer Männerherrschaft – was positiv an modernen Entwicklungen ist, schreibt sie als Verdienst emanzipatorischen Entwicklungen zu.

 

Die Entseuchung der Erde

Widersprüche verschwinden so gerade deswegen, weil es für beide Seiten der Geschlechterdifferenz keinen gemeinsamen Maßstab gibt. Deutlich wird das beispielsweise an Schrupps Lob für die feministische Theologin Mary Daly. Die hatte in einem Interview gesagt:

„Wenn das Leben auf diesem Planeten bestehen soll, dann muss es eine Dekontamination der Erde geben. Ich denke, dies wird von einem evolutionären Prozess begleitet sein, der zu einer drastischen Reduzierung der männlichen Bevölkerung führt.”  (1)

Die eugenische Idee einer Reduktion des männlichen Bevölkerungsanteils, verstanden als Dekontamination der Erde – die Männer also als verseuchender Giftstoff – und ihr weiträumiges Verschwinden als Entseuchung der Erde und Bedingung des Überlebens: Das ist eine unverblümt faschistische Gewaltfantasie.

Ohne diesen Flirt mit dem Faschismus zu erwähnen, schreibt Schrupp Daly ganz allgemein „den Mut zu einer denkerischen Radikalität [zu], die es heute im Feminismus viel zu selten gibt“. Immerhin moniert sie an einem Auftritt Dalys im Bürgerhaus Bornheim, Ende der neunziger Jahre:

„Wie ein Popstar kam sie damals auf die Bühne, umjubelt von Hunderten von begeisterten Frauen, die ohne jede kritische Nachfrage jedes Wort von ihr in sich aufsogen.“ 

Aus Schrupps Perspektive ist das, was die feministische Theologin sagt, wohl deshalb nicht faschistisch oder faschistoid, weil es eine bestehende patriarchale Ordnung angreife, sie aber – anders als der Nationalsozialismus – nicht verlängere. Die Aufteilungen der Geschlechterdifferenz erlauben es auch unabhängig davon jederzeit, klassische antimoderne Ressentiments als anti-patriarchale Positionen zu verklären.

Dass wiederum ein großer Teil von Männern in Situationen lebt, die mit der Annahme eines Patriarchats offenkundig nicht vereinbar sind, kann Schrupp im Anschluss an die italienische Differenzfeministin Luisa Muraro leicht erklären:  Das Patriarchat gehe eben gerade zu Ende – was selbstverständlich wesentlich auch eine Folge emanzipatorischer Arbeit sei.

„Warum klatscht du eigentlich ständig in die Hände?“ – „Um die Elefanten zu verscheuchen.“ – „Aber hier gibt es doch gar keine Elefanten.“ – „Siehst du, es klappt.“

Vor diesem Hintergrund erklärt sich dann eben auch die Verachtung, die Schrupp für die vorsichtige Humanisierung der verzweifelten rechtlichen Situation von Trennungsvätern hat. Was tatsächlich eine lange verzögerte und äußerst vorsichtige Korrektur menschen- und grundrechtsverletzender Gesetze war, erscheint aus ihrer Perspektive als ein Aufbäumen des untergehenden Patriarchats – als ein Versuch von Männern, eine väterliche Herrschaftsposition wieder zu etablieren, die sie in emanzipatorischen Prozessen verloren hatten.

In der rückhaltlosen Verweigerung von Empathie zeigt sich ein Geschlechterressentiment, das Schrupp als Element einer freiheitlichen, befreienden Politik darstellt. Tatsächlich prägen sich darin Ressentiments aus, mit denen ganz unabhängig von Geschlechterverhältnissen die Entwicklungen der Moderne von Beginn an begleitet und bekämpft worden sind.

 

Das Zitat Mary Dalys habe ich selbst übersetzt. Hier ist das Original: 

(1) If life is to survive on this planet, there must be a decontamination of the Earth. I think this will be accompanied by an evolutionary process that will result in a drastic reduction of the population of males.

Über den eingangs erwähnten Schrupp Text „Väter-Rechte abschaffen, Kindererziehung steuerfinanzieren“ gab es hier im Blog schon einmal eine Diskussion mit einer Kommentatorin, die den Text anders gelesen hat als ich. 

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46 Comments

  • „Natürlich ist diese Position kaum haltbar, …“

    Derartige Formulieren fallen mir hier immer wieder auf. Aber jede Position ist „haltbar“ — u.a. wird sie ja offensichtlich „gehalten“.

    Mir scheint hier eine Aehnlichkeit z.B. zu Hadmut Danisch vorzuliegen, wo mir auch immer scheint, dass da eine Grundueberzeugung vorliegt, man brauche nur „gut zu argumentieren“, und damit loesten sich die Probleme.

    Unfaehigkeit zum Kampf. Unfaehigkeit zur Entscheidung. Permanentes Ausweichen.

    Es scheinen mir Lucas‘ Texte fast psychotisch: Immer die Appelle zum „Aushandeln“ etc., und dann daraufhin die Darstellungen des Feminismus, die natuerlich ueberhaupt nichts von „Aushandeln“ halten. Wohl deshalb die Ausflucht in die Ironie? Irgendwie verpufft da der Widerspruch.

    „In der rückhaltlosen Verweigerung von Empathie“ — da muss man doch auch den Nationalsozialisten „konsequente Verweigerung von Empathie“ zuschreiben (oder gar „rueckhaltlos“?) ? Jeder Mord eine „Verweigerung von Empathie“ ?
    Scheint mir wiederum zur „Schizophrenie“ zu passen: das Negative soll direkt nicht ausgesprochen werden, sondern es wird den (Nicht!-)Gegnern im wesentlichen „Empathie“ zugesprochen, die dann bloss „verweigert“ wird — und da dass dann doch zu absurd ist, wird die Verweigerung „rueckhaltlos“.

    Es liegt auch (immer wieder) der Verdacht nahe, dass die „linken Maskulisten“ eigentlich nichts anderes im Sinne haben, als am Feminismus teilzuhaben. Wohl von der ganzen Sozialisation liegt ein ungeheurer Glorienschein ueber dem Feminismus. Wenn die Feministen nur ein klein wenig auf die „linken Maskulisten“ zugehen wuerden, dann wuerden die vor Begeisterung ueberschnappen, und alles stehen und liegen lassen — so ist der Verdacht.

    Nun tun aber, gluecklicherweise, die Feministen dies nicht.

    Z.B. bei Arne Hoffmann habe ich stark den Eindruck, dass er zur (partiellen) Vernunft gepruegelt wird, dass die Feministen es wirklich zu toll treiben, und dies nicht mit einem Rest von Selbstachtung vereinbar ist — sonst aber waere er zu gerne ein „Feminist“ (in Varianten). Seine Ausfaelle zu „Putin“ und „Russland“ sind ja tragisch-komisch: die staendige Erfahrung, dass die Massenmedien zu „Feminismus“, „Maennerrechten“ etc. eine ungeheure Falschheit verbreiten, wird dann ploetzlich total vergessen, und alles, was die zu „Putin“ und „Russland“ schreiben, fuer bare Muenze genommen.

    Wo wir dabei sind: ebenso wie die Macht-Besoffenheit der Feministen ein Glueck ist, weil sie die „linken Maenner“ doch etwas von der Wirklichkeit spueren laesst (kriegen ihre eigene moralische Ueberheblichkeit uebergebraten), so sind auch die „Sanktionen“ ein Gluecksfall fuer Russland: Die meisten Menschen dort wuerden wohl allzugerne den USA zu Fuessen liegen, dem „Kapitalismus“ etc., aber der treibt es wirklich allzutoll. Eine Belehrung auf die andere (letztens z.B. Eurovision), und man kann nur hoffen, dass diese zu einer Bewusstseinsaenderung fuehren.

    In dem Sinne: Feministen, weiter so!!

    • @Oliver K:

      »Es scheinen mir Lucas‘ Texte fast psychotisch: Immer die Appelle zum „Aushandeln“ etc., und dann daraufhin die Darstellungen des Feminismus, die natuerlich ueberhaupt nichts von „Aushandeln“ halten«

      Jetzt also »psychotisch« – ihr kriegt’s echt nicht gebacken, oder? Ein Diskurs ist immer auch eine Veranstaltung für Dritte, vor einem virtuellen Publikum – insofern geht es nicht darum, feministische Hardliner zum Verhalndeln zu bewegen, die gerne auch dumm sterben können, sondern darum, diesen öffentlichen Diskurs so in Bewegung zu setzen, dass dem mitlesende Publikum (und mitlesen tun hier viele!) das Bewusstsein von der »Unhaltbarkeit« der feministischen Positionen schließlich zu einer Selbstverständlichkeit wird. Dann wird die generelle Plausibilitätsvermutung, die feministischen Positionen immer noch entgegengebracht wird, durch einen Verdacht auf Unaufrichtigkeit ersetzt.

      Es geht um eine solche Gewinnung des »middle ground« der öffentlichen Meinung. Und da hat sich viel bewegt in den letzten Jahren, und das ist die Vorausetzung, um schließelich auch politische Erfolge zu erzielen! (Muss zur Arbeit, daher gerade nur kurz)

      • Eine Antwort, wie mir scheint, ganz im Sinne des allherrschenden „Feminismus“: Es ist die Rede von „Diskursen“, die ein „Bewusstsein“ erzeugen, dass schliesslich „selbstverstaendlich“ wird (also gerade in’s (gesellschaftliche) Unbewusste absickert). Eine „Vermutung“ soll, als Folge dieser sprachlichen Manipulationen, durch einen „Verdacht“ ersetzt werden. Die oeffentliche Meinung soll „gewonnen“ werden.

        Dies passt wohl in das „Hegemonie“-Schema: wie die Feministen sagen, alles ist (bloss) Sprache, und es geht nur darum, Sprechblasen durch andere zu ersetzen.

        Ich sehe das uebliche Schema hier: eine Nebensache, die Sprache etc., wird zur Hauptsache erklaert.

        Ich glaube, der wirkliche Maskulismus (mit dem Manne verbunden, deshalb hin zur Wirklichkeit) muss unbedingt Abschied von der Theorie der „Hegemonie“ nehmen. Folgen wir ihr, dann erzeugen wir bloss noch mehr Nebel, noch mehr Dunkelheit und Verwirrung. Wir ordnen uns dem allgemeinen Sprach-Wahnsinn unter (mit dem wesentlichen Akteur wohl die US-Weltherrschaft), und versuchen bloss, auch ein „Mitsprache-Recht“ eingeraeumt zu bekommen.

        In der Antwort wird „psychotisch“ ueberhaupt nicht beruehrt. Es ist vielleicht so, dass die (psychotische) Unterordnung des Denkens unter die Vorgaben der „Hegemonie“ psychotisches Denken erzeugt? Vielleicht haben die Texte von Lucas einen gewissen Flair von Vergeblichkeit, von Melancholie — das urspruengliche Paradies, das feministische, ist nun verloren. Aber der Abschied faellt (zu?) schwer, und deshalb die permanente Abarbeitung am feministischen Schwachsinn, die uns keinen Schritt vorwaerts bringt, sondern im Gegenteil fesselt an diese Wahnsysteme. Keine Zeit mehr fuer das, was wirklich not tut, das Denken ueber das Neue.

      • @ Oliver K:

        »Dies passt wohl in das „Hegemonie“-Schema«

        Das »Hegemonie-Schema« ist höchstens die halbe Wahrheit, die andere Hälfte hat Mark E. Smith schon angedeutet: die inhaltliche Überzeugungsarbeit des (habermasschen) »zwanglosen Zwangs des besseren Arguments«, oder auch Robert Brandoms »Spiel des Gebens und Verlangens von Gründen« (Schoppe selbst würde sich wohl auf Dewey beziehen). Sprache lässt sich manipulativ und argumentativ einsetzen, und »Diskurs« umfasst als rein deskriptiver Begriff beide Gebrauchsweisen. Es sind solche Gründe, mit denen wir Dritte erreichen.

        »Ich sehe das uebliche Schema hier: eine Nebensache, die Sprache etc., wird zur Hauptsache erklaert.«

        Ich wüsste nicht, was an Sprache Nebensache sein sollte. Ohne Sprache sind wir stumm, und wenn die Sprache verstummt, spricht nur noch die Kalaschnikov.

        Und der Begriff »psychotisch« ist eine psychiatrische Diagnose, der auch als Metapher nur dann funktioniert, wenn Du das Argument vom adressierten Dritten ignorierst, denn es geht hier gerade nicht um die Fixierung auf den Gegner, die Du unterstellst.

      • Antwort zu „djadmoros Mai 24, 2016 um 7:03 pm“:

        Zitat: „die inhaltliche Überzeugungsarbeit des (habermasschen) »zwanglosen Zwangs des besseren Arguments«“

        Derartiges gibt es nur in engen Kontexten, wo alle im wesentlichen uebereinstimmen — in genuin politischen Kontexten, wo Entscheidungen anstehen, gibt es kein „besseres Argument“. Und das sollte doch auch jedem klar sein: In einem lokalen Kontext, wo es um irgendwelche Details geht, sicher, da kann man (haeufig) diskutieren. Oder wenn es eine klare Wahrheitsbestimmung gibt — dies gibt es aber nur in der Mathematik (und angrenzenden Wissenschaften). Sonst ist es eine Machtfrage. Und Macht hat viele Dimensionen (oekonomisch, militaerisch, sozial, etc.).

        Zitat: „Ich wüsste nicht, was an Sprache Nebensache sein sollte. Ohne Sprache sind wir stumm, und wenn die Sprache verstummt, spricht nur noch die Kalaschnikov.“

        Wie waere es denn mit, hm, Wasser? Ohne Wasser gaebe es uns nicht. Oder Luft? Oder die Sonne? Etc etc.
        Es gibt eine Unzahl von Dingen, Zusammenhaengen etc., ohne die wir stumm oder sonst was sind. Dies besagt aber ueberhaupts nichts dazu, wann etwas Hauptsache wird oder nicht. Es gibt sicherlich Kontexte, wo die Luft die Hauptsache ist, normalerweise nehmen wir sie aber einfach als gegeben an. Genauso mit der Sprache, nur muss man hier wohl, mangels Wahrheitskriteriums, sich entscheiden. Die Auffassung „Sprache ist alles“ (der linguistic turn) war eine Zeitlang vielleicht produktiv, aber heutzutage hat die Sprache nichts mehr zu bieten. Sie reicht nicht mehr an die Wirklichkeit heran — mit jedem Essay/Feuilleton usw. sind wir ein bisschen duemmer geworden.

        Zitat: „wenn Du das Argument vom adressierten Dritten ignorierst,“

        Wer aber ist dieser „Dritte“ hier?? Und Psychotiker adressieren Dritte (in unterschiedlicher Weise).

        Die Annahme hier ist wohl, dass jener „Dritte“ ein Mensch ist, der dem Feminismus „positiv gegenuebersteht“ (wenn man das von einer faschistoiden Ideologie ueberhaupt sagen kann), aber doch Zweifel hat, ist es nicht so? Wird sich der nicht vielleicht sagen: „nun denn, die Verlierer jammern immer herum, aber harte Reformen muessen sein“?

        Wo ist denn das Positive, dass der „Anti-Feminismus“ zu bieten hat? Der Feminismus ist dominante Ideologie, und wenn nur die Frauen dran sind, dann wird alles gut.

        Komplexe Systeme kann man nicht „verstehen“, man kann sie nur ersetzen. So ist anfaenglich „Kritik“ nuetzlich, aber es muss immer klar sein, dass dies zum Neuen fuehrt. Und recht schnell wird „Kritik“ zu einem Ritual, bloss noch dazu da, Veraenderung zu verhindern.

      • @Oliver K:

        »in genuin politischen Kontexten, wo Entscheidungen anstehen, gibt es kein „besseres Argument“«

        In der »öffentlichen Meinung« aber durchaus – auch wenn die eine Gemengelage aus Wissenschaft, Journalismus und Stammtisch ist. Und dort werden auch politische Meinungsumschwünge vorbereitet. Dass Wahrheitsbestimmung oft unscharf ist, bedeutet nicht, dass sie beliebig ist.

        »Wie waere es denn mit, hm, Wasser? Ohne Wasser gaebe es uns nicht. Oder Luft? Oder die Sonne?«

        Das gilt von der Amöbe an aufwärts. Unser Thema ist aber der Mensch, und der Mensch ist anthropologisch durch Sprache bestimmt, es ist unser Alleinstellungsmerkmal. Veraltet ist nur die strukturalistische, im Poststrukturalismus fortlebende Idee, im Verhältnis von Sprache und Geist habe der Geist keine Autonomie gegenüber der Sprache. Genau dieses überholte Modell liegt dem »Sprach-Wahnsinn« nach Art von Lann Hornscheid zugrunde. Dass Sprachphilosophie darüber hinaus nichts zu bieten hätte, trifft schlicht nicht zu. Und das Feuilleton macht nur dümmer, wenn man zu viel dummes Feuilleton liest.

        »Und Psychotiker adressieren Dritte«

        Der Begriff der »Psychose« hat hier keinen über Polemik hinausgehenden Wert. »Dritte« sind hier diejenigen, die mit dem feministischen Anspruch aufgewachsen sind, eine Emanzipationsbewegung zu sein. Und diesbezüglich haben schon viele Forenten hier, mich selbst eingeschlossen, und hier gerade eben KlausT und El_Mocho, zu Protokoll gegeben, dass die »besseren Argumente« der Männerrechtler uns dazu gebracht haben, uns von solchen falschen Selbstverständlichkeiten zu lösen. Insofern waren viele von uns selbst solche »Dritten«. Auch viele nicht der Männerrechtsszene zuzurechnenden Blogger und inzwischen auch die ersten Journalisten lassen sich beim Thema zu selbständigem Denken anregen. Das ist bereits das Positive.

        »Komplexe Systeme kann man nicht „verstehen“, man kann sie nur ersetzen.«

        Das ist ein wenig hilfreicher Allgemeinplatz. Genauso allgemein kann ich darauf verweisen, dass komplexe Systeme historisch gesehen in aller Regel ersetzt worden sind, nachdem man ihre Begrenzungen verstanden hatte.

      • @djadmoros: „Veraltet ist nur die strukturalistische, im Poststrukturalismus fortlebende Idee, im Verhältnis von Sprache und Geist habe der Geist keine Autonomie gegenüber der Sprache.“

        Meinst Du damit die Kritik an der Sapir-Whorf-Hypothese?

        Hast Du dazu zitierfähige Quellen?

        PS: Sieh bitte auf geschlechterallerlei mal im spam-ordner nach

        PS2: Was macht eigentlich Dein Buch?

      • @mitm:

        (1) Ja, die Sapir-Whorf-Hypothese dürfte der Kern dessen sein, was ich meine. Nach Quellen muss ich erst schauen.

        (2) Ja, da war tatsächlich ein Post von Dir im Spam-Ordner, warum auch immer. Ich werde da jetzt mal öfter reinschauen.

        (3) An meinem Buch schreibe ich kontinuierlich weiter – wenn ich längere Blogposts einstelle, dann in der Erwartung, dass die auch einen Erkenntniswert für mein Buch abwerfen. Wirklich fertig ist im Augenblick nur ein »propädeutisches« Kapitel zur Psychoanalyse, das zum Problemaufriss dient. Als nächstes kommt die Anthropologie inkl. EvoPsych an die Reihe, und sobald ich bei den historischen Kapiteln angekommen bin, geht es mir hoffentlich zügiger von der Hand. Ich bin jedenfalls weiterhin finster entschlossen, das durchzuziehen.

    • @Oliver K.

      Schlussendlich geht es bei Männeranliegen darum, gewisse Interessen, die Männer haben, zum Durchbruch zu verhelfen. Die Frage stellt sich nun, macht man das argumentativ oder polemisch, populistisch, auf Ausgrenzung bedacht, emotionalisierend etc.? Das hat somit nicht so viel mit links oder rechts zu tun oder mit Feminismus oder Maskulismus, weil bei allen politischen Auseinandersetzungen anzutreffen.

      Ich selbst bevorzuge auch die „sanfte Gewalt des besseren Arguments“ (quasi im Sinne von Habermas), um mir Gehör für meine Interessen zu schaffen.

      Der Mediensoziologe Kurt Imhof hat darüber viel geschreiben:

      „Schluss mit dem Bauchstalinismus!
      Wie steht es in der Schweizer Medienlandschaft um den Wettbewerb der Argumente? Wer finanziert ihn? Und gibt es noch so etwas wie bürgerliche Intellektualität? Ein Gespräch mit Kurt Imhof über Empörungsbewirtschaftung, das Verlangen nach öffentlichen Hinrichtungen – und den «Monat».
      http://www.schweizermonat.ch/artikel/schluss-mit-dem-bauchstalinismus

      • Antwort zu „Mark E. Smith Mai 24, 2016 um 12:57 pm“ (ich sage das explizit, weil mir nicht klar ist, wie das System meine Antwort einordnet).

        Auf der „guten Seite“ haben wir (bloss!) „argumentativ“, aber der „schlechten Seite“ den Rest.

        Hm, wie bezieht sich dies auf meinen Beitrag? Ist der nicht „argumentativ“?

        Haben wir in dieser Antwort nicht eigentlich ein Beispiel fuer eine kleine „öffentliche Hinrichtung“: passt nicht in’s Schema, also „Populismus“ etc.??

        Wie die Feministen immer „Haltet den Dieb“ schreien, so scheint mir dies doch auch hier? Anstelle konkret auf die Argumente einzugehen, wird quasi polizeilich etwas aus dem argumentativen Bereich verbannt. Oder? Wo gibt’s hier „Bauchstalinismus“ ?

      • Nachtrag zu Antwort auf „Mark E. Smith Mai 24, 2016 um 12:57 pm“.

        Meine erste Antwort bezog sich auf den fehlenden Bezug (um mal einen Kalauer zu reissen).
        Nun zu den Aussagen selbst.

        Zitat: „gewisse Interessen, die Männer haben“
        Schon der Begriff „Interessen“ zeigt wohl auf den „linken Hintergrund“: der „linke Maskulismus“ will den Mann schwach (um am Opferwettkampf teilzunehmen — in dieser Hinsicht wird der Mann dann wieder „stark“, als Opfer, und kann vielleicht was ergattern).

        Zitat: „macht man das argumentativ oder …“

        Mit Verbrechern darf man nicht diskutieren.

        Intern diskutieren, sicherlich. Die paar Videos von Pegidia-etc-Veranstaltungen, in die ich hineingeschaut habe, zeigten mir, dass die Linke das kulturelle Bewusstsein dominiert, und die Aussenseiter auch bloss teilnehmen wollen, naemlich ein happening machen, Gefuehle zeigen und so Sachen. Von da aus tatsaechlich voellig unproduktiv. Als guter alter Kommunist wuensche ich mir da natuerlich interesssante strategische und taktische Diskussionen.

        Aber ist diese Seite nicht aehnlich? Anderer Sprachduktus, aber es findet ja eigentlich auch keine interne Diskussion statt, sondern es wird immer nur auf den Wahnsinn von aussen reagiert, ganz wie Pegidia (und derartiges). Nichts Neues erzeugt, sondern nur Betroffensein und „Kritik“.

        Kurze Anmerkung zum Interview im „Monat“: „Ideenwettbewerb“ — davon haben wir schon genug. Ideen reichen aber auch nicht mehr an die Wirklichkeit heran. Aus der Philosophen-Ecke / Schriftsteller-Ecke etc. kommen solche „Ideen“, die auch in einem Wettbewerb um „Hegemonie“ treten, aber die Wirklichkeit haben die „Ideen“ verloren. Weil sie Wissenschaft, Technik und die Produktivkraefte verloren haben.

        Und geradezu obszoen ist doch der Vorschlag in dem Interview zur Staatsalimentierung der Medienfirmen (des „serioesen Journalismus“).

      • @Mark E. et al

        Nur so am Rande:

        „Schluss mit dem Bauchstalinismus!“

        Was charakterisiert DEN Stalinismus?
        Hatte der Stalinismus ein Problem mit seinem „Bauch“?
        Was charakterisiert einen „Bauch“?
        Was charakterisiert demzufolge einen „Bauchstalinismus“?

        Angenommen wie bestimmen „aus dem Bauch“ heraus als Emotion und/oder Affekt – welche Emotionen oder Affekte mobilisiert der Stalinismus?
        Oder ist der Stalinismus per se dazu geeignet, bestimmte Affekte oder Emotionen zu mobilisieren?
        Wenn ja, welche?
        Und warum?

        Ich wette 100 Euro, dass jemand, der so fragt, auf keine einzige dieser Fragen eine konkrete Antwort hat, sondern dass es ausschließlich auf die Verwendung eines klickintensiven Terminus ankam, der sich in möglichst hohen Werbeeinnahmen niederschlagen soll.
        „Wir“ müssen dringend den „Bauchstalinismus“ diskutieren!
        Click.

        „Unser Thema ist aber der Mensch, und der Mensch ist anthropologisch durch Sprache bestimmt, es ist unser Alleinstellungsmerkmal.“
        Click.
        „Veraltet ist nur die strukturalistische, im Poststrukturalismus fortlebende Idee, im Verhältnis von Sprache und Geist habe der Geist keine Autonomie gegenüber der Sprache.“
        Click.

        Und ich habe keine Ahnung, wie der „Geist“ das geschafft hat.
        Entweder „er“ hat die Autonomie geschaffen oder die Sprache.
        Oder beides?!

        „Der tiefgreifende Wandel, der von Marx in der Erkenntnistheorie vollzogen wurde, besteht darin, dass die menschliche Praxis als die Grundlage der menschlichen Erkenntnis, als jener Prozess verstanden wird, in dessen Entwicklungsgang gnoseologische Aufgaben entstehen, Wahrnehmung und Denken des Menschen erzeugt und entwickelt werden, als ein Prozess, der das Kriterium der Adäquatheit, der Wahrheit des Wissens in sich birgt.
        In der Praxis, sagt Marx, muss der Mensch die Wahrheit, die Wirklichkeit und die Macht, die Diesseitigkeit seines Denkens beweisen.“

        A. Leontjew: Tätigkeit, Bewusstsein, Persönlichkeit – 1979

        Was – in diesem Kontext betrachtet – die Herausbildung eines „Geistes“ abhängig macht von einer historisch konkreten Praxis und demzufolge „Sprache“ ebenso Mittel, als auch Zweck ist, die Praxis zu beschreiben; als auch der Praxis (in ihrer Vollendung) antizipierend vorauszugehen.

        „Es liegt auch (immer wieder) der Verdacht nahe, dass die „linken Maskulisten“ eigentlich nichts anderes im Sinne haben, als am Feminismus teilzuhaben. Wohl von der ganzen Sozialisation liegt ein ungeheurer Glorienschein ueber dem Feminismus. Wenn die Feministen nur ein klein wenig auf die „linken Maskulisten“ zugehen wuerden, dann wuerden die vor Begeisterung ueberschnappen, und alles stehen und liegen lassen — so ist der Verdacht.“

        Damit hast du nicht so ganz unrecht.

        Der Punkt ist jedoch, alle theoretischen Grundpositionen des bürgerlichen Feminismus lassen an diesem Punkt keinen Verhandlungsspielraum zu.
        Du kannst mit niemandem verhandeln, wie viel männliche Gewalt genau notwendig ist, um ALLE Frauen in Angst zu versetzen, wenn das anfängliche Dogma ist, ALLE Männer, würden ALLE Frauen bewusst in dieses Stadium bringen, um von dieser Angst zu profitieren.

        Der „linke Maskulismus“ wird immer herumnöhlen an den FOLGEN – nicht ALLE Männer wollen ALLE Frauen vergewaltigen.
        STATT die grundlegende Theorie in Frage zu stellen und folgendes zu sagen: „Ich bin MACHTLOS gegenüber allen PSYCHOPATHEN, die EUCH das antun.“
        ICH kann das NICHT verhindern.“

        Der entscheidende Punkt ist nämlich, seitens FrauenFeminismus immer wieder an eine omnipräsente „Macht“ zu appellieren, die „wir“ nicht haben.

        Selbst wenn ich „Geist“ wäre, ich könnte das nicht verhindern.
        Und wenn ich der Psychopath wäre, für den ihr mich haltet, dann erst recht nicht.

        D.h. an dieser Stelle bin ich ganz einfach machtlos.
        Und ich begreife nicht den Vergewaltiger, der euch quält, weil ich kein Vergewaltiger bin und keiner meiner männlichen Freunde ist so.
        Ich würde für wirklich jeden meiner männlichen Freunde die Hand ins Feuer legen, dass ALLE meiner Freunde euch NIEMALS etwas antun würden.

        Aber für alle anderen kann ich das NICHT.

        Gruß, crumart

      • @Crumar Bei Anfang Deines Statements ist mir nicht klar, was Du damit sagen willst. Beim Schluss finde ich jedoch, dass Du auch noch sehr defensiv argumentierst wie wegen machtlos und Psychopathen. Ich finde, wenn quasi alle Männer in die Täterecke gestellt werden, dann haben wir es hier mit einer Dämonisierung einer ganzen Population zu tun: also Dämonisierung und Feindbild-Erzeugung und das geht natürlich überhaupt nicht. Wenn man dies bei gewissen ethnischen Gruppen machen würde, dann würde gleich Rassismus etc. geschrien und zwar auch von einem Teil des Feminismus; nur bei Männer soll offenbar eine solche Pauschalisierung und Dämonisierung statthaft sein und kein Sexismus sein.

      • @crumar:

        Und ich habe keine Ahnung, wie der „Geist“ das geschafft hat.
        Entweder „er“ hat die Autonomie geschaffen oder die Sprache.
        Oder beides?!

        Das ist selbstverständlich eine verkürzende Ausdrucksweise. Dass man bei näherer Betrachtung Prozessbegriffe anstelle von Reifizierungen ansetzen muss, ist mir auch klar. Ich habe auch keine grundsätzlichen Einwände gegen eine praxistheoretische Herangehensweise. Allerdings ist ein allgemeiner Praxisbegriff erst mal so hoch und so breit, dass er durch keine Tür passt.

        Wenn man sich ihn näher anschaut, ist er eine von mehreren Möglichkeiten, sich mit dem soziologischen Kernproblem des Verhältnisses von »Handlung« und »Struktur« auseinanderzusetzen, in Bourdieus Praxistheorie zum Beispiel als Begriffspaar von Habitus und Feld.

        Wobei es letztlich auf die Fallstudien, also eben auf die Analyse »einer historisch konkreten Praxis« ankommt.

    • @ Oliver “ fast psychotisch: Immer die Appelle zum „Aushandeln“ “ Der Gedanke, dass manches krankhaft sein könnte daran, ist mir auch schon gekommen. So wie es durchaus auch verrückt ist, wie viel ich ständig aufbringe, um unser Kind zu sehen.

      Allerdings ist die Situation insgesamt ja so, dass sich vernünftige Verhaltensoptionen nicht unbedingt aufdrängen. Mir geht es, und da sind die Perversitäten der Geschlechterdebatten nur ein kleiner Teil, schon lange auf die Nerven, wie dumpf und feindselig politische Diskussionen sind. Daher vielleicht die „Melancholie“, weil ich glaube, dass das nicht immer so war, jedenfalls nicht in dieser Totalität.

      Das ist auch kein Kampf der Meinungen, der zu irgendetwas führen würde – es setzt sich ja in den öffentlichen Debatten überhaupt niemand mit Meinungen anderer auseinander, sondern benutzt sie lediglich als Projektionsfläche. Ein österreichischer Soziologe z.B., gerade auch von Arne Hoffmann verlinkt, im jetzt-Magazin der Süddeutschen Zeitung: „Dieser Neger ist egoistisch und freut sich, wenn andere leiden, denn das wertet seine mäßige Situation auf.“ http://www.jetzt.de/was-ist-rechts/warum-waehlen-junge-maenner-so-gerne-rechts

      Dumpf und dumm – und es wird nicht besser dadurch, dass er nicht von „diesem Neger“, sondern von „diesem Kleinbürger“ geredet hat. Sechs Buchstaben Unterschied – und zack, schon wird aus einem Nazi-Spruch ein emanzipatorischer kluger Satz, der den Kindern der linksliberalen SZ-Leser nicht vorenthalten werden darf.

      Gerede wie das des gerade zitierten Soziologen Heinzlmeier hat, unter anderem, die unangenehme Eigenschaft, dass es auf der Gegenseite genau so dumpf-feindseliges Gerede nahelegt. Deswegen finde ich es sinnvoll, so zu tun, als ob man von der Dynamik des gegenseitigen Draufhauens gar nichts mitbekommen würde, sondern als ob die Situation günstig für ein halbwegs vernünftiges Gespräch sei.

      Das Positive setzen – in der Schule klappt das übrigens fast immer sehr gut, aber da hab ich als Lehrer natürlich auch einen erheblichen Einfluss auf die Situation. Wenn die Situation aber weitgehend von geistigen Hulks wie Heinzlmeier oder Lutz Bachmann geprägt ist, dann wirkt ziviles, auf Ausgleich bedachtes Verhalten tatsächlich verrückt und deplatziert.

      „So ist anfaenglich „Kritik“ nuetzlich, aber es muss immer klar sein, dass dies zum Neuen fuehrt.“ Kritik hilft, Gedanken zu ordnen, aber sie führt in der Regel zu nichts, wenn nicht auch Handlungsmacht dahintersteht. Gamergate ist ein gutes Beispiel. Die sind enorm angegangen worden, viele von ihnen haben selbst auch heftig reingehauen – aber sie haben sich ganz gut behaupten können, auch gegen sehr missgünstige Medien. Der Grund ist, m.E., nicht die Bereitschaft zum Brutalo-Stil – sondern dass Gamergate eigentlich kaum eine politische Bewegung ist, sondern ein Kundenprotest. Gamergate besteht aus Leuten, die eine Milliardenindustrie am Laufen halten – und diese Industrie wäre schön blöd, wenn sie Anita Sarkeesian und ihren medialen Unterstützern zu Gefallen ihre eigenen Kunden auflaufen lassen würde.

      Und machtlos sind Männer bzw. Väter ja auch nicht. Väter könnten ja z.B. einfach rundweg Unterhaltszahlungen einstellen, bis gleiche Rechte gesichert sind. Es ist schließlich tatsächlich irre, dass wir Bedingungen finanzieren, die uns selbst und unseren Kindern erheblich schaden. Und wenn genügend mitmachen würden, wären die persönlichen Risiken sogar begrenzt.

      Es wollen aber nicht genügend mitmachen, weil es zu viele Väter gibt, denen die Vorstellung ein Gräuel ist, ihre Kinder müssten leiden, weil sie ihre Verantwortung als Väter nicht wahrnehmen (gibt auch Väter, denen das scheißegal ist, aber es bleiben genügend Väter übrig, die diese Bedingungen aufrecht erhalten). Deshalb würde sich solch eine Idee auch nicht durchsetzen. Und da Väter so auf die Machtmöglichkeiten verzichten, die sie haben, sind sie dann auf Appelle angewiesen, auf Diskussionen, auf beidseitige Verpflichtung gegenüber Kindern. Und laufen damit seit Jahrzehnten auf.

      „Alle Räder stehen still, wenn Dein starker Arm es will“ – dieses mittlerweile antiquierte Motto ist bei Männer- und Väterrechtlern immer noch nicht recht angekommen, weil die Bereitschaft, alle Räder still stehen zu lassen, einfach bei einem Großteil von ihnen nicht vorhanden ist. Es hängt möglicherweise das eigene Selbstwertgefühl allzu stark davon ab, den Laden am Laufen zu halten. So aber bleibt dann nicht viel anderes übrig als das Gespräch.

      Und da stimme ich djadmoros zu: Es geht dabei nicht darum, die Feministinnen zu überzeugen, die schön blöd wären, wenn sie sich überzeugen lassen würden, weil sie von bestehenden Zuständen profitieren. Es geht darum, die Mehrheit der Menschen zu überzeugen, die nichts von einem zugespitzten Geschlechterkampf halten. Die Alternative dazu, den Mund auf zu machen, ist auf Dauer nicht das Schweigen, sondern die offene Kollision – und wer die nicht will, der muss eben rechtzeitig was sagen.

  • Erschreckend, dass so jemand wie Schrupp für die Evangelische Kirche ein Magazin erstellt. Wenn ich nicht schon ausgetreten wäre, wäre das für mich ein Grund, aus dieser feministischen Organisation auszutreten, die m.E. in ihrer aktuellen Programmatik und Personalpolitik der männerfeindlichen Radikalität der Grünen nicht nachsteht. Nicht ohne Grund gibt es seit 2014 ein „EKD-Genderzentrums“.
    Zu Oliver K. Ich gerade schätze Schoppes moderate, argumentative Auseinandersetzung mit dem Radikalfeminismus. Formulierungen, die wie Ohrfeigen wirken (scheint Oliver K. die zu bevorzugen/zu wünschen?), mögen einer Verbitterung und Enttäuschung geschuldet sein, bringen m.E. aber nichts, wenn es darum geht, andere zu überzeugen. Wobei ich unter „andere“ nicht (hier mitlesende) Feministinnen meine, sondern Leute, die eben noch unentschieden/neutral sind. Und das sind die meisten Menschen! Die würden überwiegend von radikalen/martialischen Formulierungen abgeschreckt. Ich kann auf meinen eigenen „Werdegang“ verweisen: Vor einigen Jahren verspürte ich ein „Unbehagen“ über aktuelle Auswüchse des Feminismus, es war mir als Linker aber nicht klar, ob ich das „darf“ (eine bewusst selbstironische Formulierung). Daraufhin habe ich dann im Internet recherchiert. Zum Glück verließ ich mich schon damals nicht auf die tendenziöse deutsche deutsche Wikipedia. Bei meiner weiteren Recherche stieß ich auch auf Seiten wie das gelbe Forum (wgvdl), die mich abgeschreckt haben. Hätte ich nicht moderate Seiten wie diese, Genderama und Alles Evolution gefunden, wäre ich für die Männerbewegung verloren gewesen.

    • Ja, das kann ich nur ganz entschieden bestätigen. Ich sehe mich eigentlich auch schon immer politisch Links, aber mit der Zeit habe ich immer mehr Erfahrungen gemacht, die mich dem Feminismus gegenüber skeptisch werden ließen. Da ist man dann als Linker erstmal mit sich selbst uneins; kann das denn sein? Feminimus ist doch links, und du bist auch ein Linker, vielleicht verstehst du da nur was falsch? Und wenn man dann auf pöbelnde Macho-Männerrechtler trifft, werden die Zweifel ganz schnell erstickt.

      Deshalb halte ich es auch für sehr wichtig, immer wieder reaktionäre feministische Positionen zu kritisieren, und zwar möglichst rational.

      • Beide Antworten (KlausT und El_Mocho) fallen wohl unter diese falschen Dichotomien: Entweder so, wie’s gemacht wird, oder aber zumindest „Verbitterung“, und dann „pöbelnde Macho-Männerrechtler“.

        Es spricht wohl auch aus den Antworten, dass nach moeglichst geringen Aenderung zum „Linkssein“ gesucht wird, nur die „feministischen Uebertreibungen“ soll man weglassen. Keine Beschaeftigung mit der Wirklichkeit, sondern emotionale Positionen.

        Zurueck zu den falschen Dichotomien: Ich sage nicht, dass hier „alles“ falsch ist. Aber Ironie ist ein Symptom (als eine Form des Sich-Abfindens) des fundamentalen Problems hier, das Neue zu negieren (alles soll beim Alten bleiben, aber mit etwas Mitspracherecht). Wo ist denn die „Zukunft“ fuer den „linken Maskulismus“, wo wird darueber nachgedacht? Der „linke Maskuslismus“ ist zutiefst reaktionaer, will an der herrschenden Verweiblichung unbedingt festhalten. Da ist irgendwo was entstanden, das Bild vom „wirklichen Mann“, was zum einen Faszination ausloest, aber doch viel mehr noch grosse Angst(?), und so wird auf dem ueberkommenen Linkssein verharrt. Der Beschaeftigung mit dem grossen Neuen kann man sich gut durch permanente Kritik am Bestehenden entziehen (endlose Beschaeftigungstherapie). Auch „Kritik“ gehoert zu den korrigierenden Elementen, die nun zur Hauptsache geworden sind.

      • @Oliver K:

        »Der „linke Maskuslismus“ ist zutiefst reaktionaer, will an der herrschenden Verweiblichung unbedingt festhalten. Da ist irgendwo was entstanden, das Bild vom „wirklichen Mann“, was zum einen Faszination ausloest, aber doch viel mehr noch grosse Angst(?), und so wird auf dem ueberkommenen Linkssein verharrt.«

        Das ist doch Küchenpsychologie! Die Gegenüberstellung einer (schwammigen, nicht weiter definierten) »herrschenden Verweiblichung« und eines (schwammigen, nicht weiter definierten) »Bildes vom „wirklichen Mann“« entstammt doch zuallererst mal Deiner eigenen Vorstellungswelt! Bevor Du diese Vorstellungen anderen als Motivation unterschiebst, solltest Du vielleicht erst mal klar sagen, was genau das in der wirklichen Welt überhaupt bezeichnen soll.

        Bei solcher Begriffswahl vermute ich die »große Angst« eher auf Deiner Seite.

      • Antwort zu „djadmoros Mai 24, 2016 um 7:15 pm“

        Das ist ja ganz was Neues, „schwammiges, nicht definiertes“ 🙂

        Oder, stop, ist nicht alles worueber wir hier reden „schwammig und nicht definiert“ ? Glaube schon. Meiner Erfahrung nach benutzen nur diejenigen den Begriff „Definition“ in einem solchen Kontext, die noch nie eine wirkliche Definition gemacht haben — dann wuesste man naemlich, dass es „Definitionen“ nur in engen technischen Gebieten ansatzweise, und richtig nur in der Mathematik gibt. Selbst eine Progammiersprache zu definieren ist ungemein schwierig, und kann nur auf kleine Einheiten angewendet werden.

        „Kritik“ ist immer einfach (und wohl wesentliches Merkmal des „weiblichen Bewusstseins“ — nichts selbst schaffen, aber immer permanent kritisieren, um Schuldgefuehle zu erzeugen). Wie bei allem Neuen muss man sich schon etwas anstrengen, um herauszufinden, was denn dran ist.

        Sonst ist aber an der Antwort nichts dran, soweit ich sehen kann: nur emotionale Zuschreibungen. Eben „wird auf dem ueberkommenen Linkssein verharrt“ (hier: wir duerfen „Mann“ nur als „Opfer“ denken, alles andere ist strafbar; glaube nicht, dass irgendjemanden ein Opferstatus zu irgendetwas motiviert — auch am Grunde des „linken Maskulismus“ ist die Erinnerung, „Mann“, da war doch mal was, aber das darf nicht sein, nur „Opfer“ ist erlaubt (oder natuerlich Gefuehle etc.)).

      • @Oliver K:

        »Soziologie soll heißen eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will.« Max Weber, Soziologische Grundbegriffe. Das ist ein Beispiel für eine Definition, mit der die Soziologie seit hundert Jahren erfolgreich arbeitet. Dass es Definitionen nur in Technik und Mathematik gäbe, ist eine ziemlich abenteuerliche Behauptung.

        »soweit ich sehen kann: nur emotionale Zuschreibungen. Eben „wird auf dem ueberkommenen Linkssein verharrt“«

        Ich weiß nicht, von wem Du sprichst – von mir jedenfalls nicht.

      • Antwort zu „djadmoros Mai 24, 2016 um 9:59 pm“

        „Soziologie soll heißen eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will.“

        Das ist ein Glaubensbekenntniss und ein Stiftungsvorgang, hat aber nichts mit einer Definition zu tun (was in dem Falle nicht verwunderlich ist — ein ganzes Gebiet kann man nicht „definieren“).

        „eine Wissenschaft“ — damit wird „Soziologie“ einfach als „Wissenschaft“ „definiert“, genau so wie sich „Gender“ heutzutage als „Wissenschaft“ „definiert“. Mit etwas Grundlagen in Logik wuesste man aber, dass dies keine Definition ist: es braeuchte erstmal eine wirkliche Definition von „Soziologie“, ohne Zuschreibung von Eigenschaften, und dann waere ein Theorem, dass die so definierte „Soziologie“ auch wirklich eine Wissenschaft ist — und dieses waere zu beweisen.

        „soziales Handeln“ — was „Soziologie“ erstmal klaeren muesste, naemlich was „sozial“ heissen koennte, wird einfach als „unhinterfragbares“ Axiom an den Anfang gesetzt.

        „deutend verstehen“: nun ja, muss man kein Genie sein, um zu erkennen, dies ist blosses Gerede.

        „ursaechlich erklaeren“: wiederum wird einfach gesetzt, was erst ein Ergebnis sein kann (das es etwas zu „erklaeren“ gibt, was dies heissen koennte, und das man sogar von „Ursachen“ sprechen kann).

        Ein typischer Muenchhausen-Trick. Kann man machen, hat aber bloss deshalb eine Wirkung, weil es eben Macht besass. Kam zur richtigen Zeit, und Leute glaubten daran.

        „mit der die Soziologie seit hundert Jahren erfolgreich arbeitet.“

        Kannst Du mir einen einzigen Erfolg der „Soziologie“ nennen? Ausser allgemeinem Geschwafel (eben Soziologie als Religionsersatz)?

        „Dass es Definitionen nur in Technik und Mathematik gäbe, ist eine ziemlich abenteuerliche Behauptung.“

        Dass „Soziologie“ eine Wissenschaft ist, ist eine ziemlich abenteuerliche Behauptung. Als Manipulations-Technik jedoch hat’s schon was gebracht. Unter anderem, dass viele Leute die „Wissenschaftlichkeit“ davon fuer bare Muenze nahmen.

        Wuerde mich schon interessieren, ob CIA und all dies irgendwo Soziologie (als eine Erfahrungs-Technik) benutzt; dies halte ich aber schon fuer die einzig wirkliche moegliche Anwendung davon.

        „Ich weiß nicht, von wem Du sprichst – von mir jedenfalls nicht.“

        Ich meinte den Paragraphen, der mit „Das ist doch Küchenpsychologie!“ beginnt, plus der letzte Satz „Bei solcher Begriffswahl vermute ich die »große Angst« eher auf Deiner Seite.“

        P.S. Es waere ein ungeheurer Fortschritt, diesen ganzen „Wissenschaften vom Menschen“ ihre Wissenschaftlichkeit zu nehmen (die sie ja nie auch nur im Ansatz besassen). Diese sogenannten „Wissenschaftler“ (ein zerstoererisches Gift) waeren dann wieder „Gelehrte“, und als solche haetten sie keinen priviligierten Zugang zur Wahrheit mehr, sondern muessten was wissen und anstaendig handeln. Als „Wissenschaft“ ist das aber nur ein Cargo-Kult (Totentaenze um ihre willkuerlichen „Methoden“).

      • @Oliver K:

        »Kannst Du mir einen einzigen Erfolg der „Soziologie“ nennen? Ausser allgemeinem Geschwafel (eben Soziologie als Religionsersatz)?«

        Kann ich, aber ich verzichte drauf. Für derlei Soziologen-Bashing ist mir meine Zeit schon lang zu schade. Gehab‘ Dich wohl.

      • Netter Trick, das mit dem „bashing“ (um mich zu wiederholen — ganz wie unsere Feministen, haben nie ein Argument, ausser der Emotion). Aber es gibt einfach NICHTS was die Soziologie vorzuweisen hat. NICHTS. GAR NICHTS. (Gaebe es etwas, koennte man es ja nennen.) Wiederum muss man froh sein, dass „Gender“ dies so in aller Deutlichkeit an’s Licht gebracht hat. Wuerde heute die Soziologie weltweit zugemacht, niemand wuerde es merken (ausser denen, die ihre Stelle verloeren). Und dieses ist, tja, welches Adjektiv koennte man verwenden?

        Die Politisierung (die „Gutmenschen“) traegt wohl einen guten Teil der Schuld. Aber es stecken auch ernste Geburtsfehler drin: die Anmassung „Wissenschaft“, dann der Ansatz „hinter dem Ruecken der Leute die Systeme“. Spaeter dann Scharlatane wie Luhmann. Ueberhaupt die ganze „Poetik der Systeme“, ein deprimierender Schwachsinn.

        Sicherlich, wuerde da ernsthafte Empirie gemacht, in den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen, das waere interessant. Aber „Nuetzlichkeit“, das ist wohl ein Schimpfwort fuer einen Soziologen (der sich wohl haeufiger ganz oben waehnt, „einer, der die tiefen Geheimnisse kennt“). Empirie im Sinne eines Gelehrten — ohne Theorie.

        (Ist mir schon klar, dass weltweit gesehen die meisten „Sozialwissenschaftler“, wie immer die auch heissen, viel Politikberatungsstudien, Unternehmungsberatungsstudien etc. betreiben. Dafuer wird Geld ausgegeben — aber das scheint auch schon alles zu sein, was herauskommt. Fragwuerdige Daten werden in fragwuerdige Software gepresst, und bunte Bildchen werden erzeugt. Bei uns am Fachbereich machen einige Visualisierungen zu Twitter (was wohl sehr beliebt ist).)

        Schlimmer noch als dieser gewaltige Fehlschlag ist die mangelnde Einsicht. Die Arroganz der „Sozialwissenschaftler“, die von Gender und Buerokratie nach oben gespuelt werden. Noch wichtiger hier scheint mir die Finanzialisierung, die ja allem Produktivem feindlich gegenueber steht.

        „Kuechen-Soziologie“ koennte man sagen zu den obigen Betrachtungen — trifft aber nicht richtig, denn es gibt ja niemanden, der dies besser macht (so deprimierend das auch ist).

        Schliesslich, das wirkliche Problem hier ist das der Wahrheit. Mit der grossen Anzahl an Freiheitsgraden braeuchte es eine praktisch unendliche Anzahl von Versuchs-Paralleluniversen, um wirkliche empirische Wissenschaft zu betreiben. Die potentiellen Anwendungen der Soziologie sind jedoch alle einmalig, und von daher der Natur nach „politisch“ (es ist bestenfalls eine Manipulations-Erfahrungs-Technik, aber nichts von Wissenschaft).

      • @ Oliver Ich greife mal einen kleinen Teil heraus. „fuer einen Soziologen (der sich wohl haeufiger ganz oben waehnt, „einer, der die tiefen Geheimnisse kennt“)“ Ich kenne, u.a., akademische Soziologen und Philosophen, und der Satz trifft auf Philosophen deutlich eher zu. Die sehen sich häufig tatsächlich an der Spitze der (Geistes-)Wissenschaften, was dadurch erheblich erleichtert wird, dass sie ignorieren, wie wenig ernst sie von anderen genommen werden. Ist ein bisschen zugespitzt klischeehaft, gebe ich zu, aber immerhin hab ich das studiert, sogar gern – und völlig daneben liege ich mit Sicherheit nicht.

        Soziologen hingegen haben nach meiner Erfahrung oft eher ein geschwächtes akademisches Selbstbewusstsein, jedenfalls nicht die unerschütterliche Selbstgewissheit, die ich selbst noch bei Germanisten in den Geisteswissenschaften kennen gelernt habe. Manchmal hatte ich den Eindruck, Soziologen wären heilfroh, dass es auch noch Pädagogen gibt, weil damit noch jemand in der akademischen Hierarchie unter ihnen steht.

        Insofern wiederholen Deine Vorwürfe eigentlich diese Hierarchien, wenn auch eher aus Naturwissenschaftler- oder Informatikersicht. Es sind ungerechte Vorwürfe, weil natürlich die Gegenstände der Soziologie weniger klar definierbar sind als kleinere Einheiten in den Naturwissenschaften, oder gar in der Mathematik. Aus zwei Gründen sogar: Einerseits ist die „Gesellschaft“ offenkundig kein sonderlich abgrenzbarer Gegenstand – und zweitens gibt es keine objektive Position der Gesellschaft gegenüber, weil jede Kritik immer in ihrem Kontext und mit ihren Möglichkeiten geleistet wird.

        Eine moderne Gesellschaft kommt aber ohne Soziologe gar nicht aus – weil es dazu gehört, dass sie sich und die eigenen Strukturen reflektiert. Solch eine Selbstreflexion kann gar nicht die Exaktheit haben, die viele Naturwissenschftler fordern. Aber das Problem heutiger Debatten ist weniger, dass so reflektiert diskutiert wird, auch wenn das mit Unschärfen und Vagheiten verbunden ist – sondern dass Reflexionen sozialer Strukturen überhaupt nicht mehr interessieren.

        Die Lieblingskategorien vermeintlich linker Aktivisten sind „männlich“ und „weiß“ als Ausweise von „Privilegierung“ – beides biologistische Kriterien, für die man überhaupt keine strukturellen Überlegungen braucht. Für so etwas sind nicht die Soziologen verantwortlich – eher schon ist es eine Folge davon, dass Soziologe überhaupt nicht ernst genommen wird.

    • „braeuchte es eine praktisch unendliche Anzahl von Versuchs-Paralleluniversen, um wirkliche empirische Wissenschaft zu betreiben.“

      Lies mal das hier: In die Geschlechterdebatte involvierte Wissenschaften und beantworte danach folgende Prüfungsfragen:

      Welche bekannte und wichtige Wissenschaft ist nicht empirisch?
      In welchen Teilen der Biologie ist der Falsifikationismus nicht als Wissenschaftstheorie anwendbar? Ist die Biologie dahre keine Naturwissenschaft?
      Gehört das Wissen, das in Wissenschaftstheorien steckt, zu den Geistes- , Sozial- oder MINT-Wissenschaften? Folgefrage: Betätigt sich jeder, der die Soziologie mit Pauschalvorwürfen eindeckt, implizit als (Möchtegern-) Soziologe und/oder Geisteswissenschaftler?

  • Ich sehe jedenfalls nicht ein, dass meine Positionen zu Fragen der Wirtschaft, der inneren Sicherheit oder der Außenpolitik von irgendeinem Feminismus abhängig sein sollten; ich behalte mir weiterhin vor, mir da selber ein Urteil zu bilden und nicht irgendeine Positon abzulehnen, nur weil sie von Feministinnen vertreten wird oder nicht vertreten wird, wie du es offenbar vorschlägst .

  • Bei Leuten wie Schrupp, die hunderte von Artikeln und Blogposts geschrieben haben, ist es schon schwierig, ein valides Gesamtbild zu erstellen, wofür sie steht. Hat sie irgendwann ein Buch oder eine ähnliche umfassende Abhandlung geschrieben? Wenn man einzelne Blogposts zitiert, können ggf. selbst wörtliche Äußerungen nur im Kontext der damaligen Debatten korrekt zu verstehen sein.

    Gestern hat sie übrigens in der Zeit im „Emanzenblog“ 10 nach 8 einen Artikel veröffentlicht, der – Zufall oder auch nicht – gut zu der hier vorgelegten Analyse paßt:

    http://www.zeit.de/kultur/2016-05/fortpflanzung-schwangerschaft-geburt-biologie-mutter-10nach8
    Mutter ohne Ansprüche
    Über Leihmütter heißt es, sie seien mit dem Kind, das sie austragen, biologisch nicht verwandt. Wissenschaftlich ist das nicht haltbar, es geht um Ideologie.
    Von Antje Schrupp 23. Mai 2016

    Darin verlangt sie mehr Rechte (aber keine Pflichten?) für Leihmütter und u.a. das Recht der Kinder, ihre Leihmutter kennenzulernen, weil sie auch mit dieser biologisch verwandt sein.

    • @ mitm „Bei Leuten wie Schrupp, die hunderte von Artikeln und Blogposts geschrieben haben, ist es schon schwierig, ein valides Gesamtbild zu erstellen, wofür sie steht.“ Klar. Es gibt auch Texte von ihr, die ich ganz gern gelesen habe – z.B. einen zu Pfingsten über „Mutter unser“. https://www.freitag.de/autoren/antjeschrupp/mutter-unser

      Solange geschlechterdifferente Kategorien benutzt werden, um bestehende Klischees auszuhebeln, können sie erhellend sein, so wie hier, wo Schrupp sich Gott als Mutter vorstellt. Sobald diese Kategorien aber nicht mehr spielerisch benutzt werden, um etablierte Muster zu konterkarieren, und sobald sie selbst Muster etablieren wollen – rutschen sie selbst in Klischees und Ressentiemnts. Auch in diesem Pfingst-Text.

      Und das ist, nach allem, was ich von Schrupp kenne, ein Punkt, der sich tatsächlich verallgemeinern lässt. Sie steht für einen Feminismus der Geschlechterdifferenz, aber sie interessiert sich kaum dafür, dass solch ein Muster für Klischees und Ressentiments enorm anfällig ist. Und: Sie argumentiert fast durchweg sehr ressentimentgeladen gegenüber Männern.

  • „Wie also landet sie von anarchistischen Überzeugungen bei einer Position, die eher an das entgegengesetzte Ende des politischen Spektrums gehört?“

    U.a. weil sie in ihren geschlechtsbezogenen/geschlechterpolitischen Vorstellungen weder primär auf anarchistische Werte und Prinzipen an sich zurückgreift – dann müsste sie versuchen einem strikt universalistischen Moralverständnis zu folgen, dass nicht mit zweierlei Maß misst – noch auf die klassische frauenrechtliche Tradition des Anarchismus – dann müsste sie des Weiteren berücksichtigen, dass geschlechtsbezogenes Engagement, auch wenn geschlechtsbezogene Diskriminierung im anarchistischen Verständnis kein Nebenwiderspruch ist, keine Spaltung der Klassensolidarität zwischen Frauen und Männern bzw. der solidarischen Widerstandspotentiale begünstigen darf. Und diese werden durch anti-männlichen Sexismus eben potentiell genauso gespalten wie durch anti-weiblichen Sexismus, weshalb beides vermieden werden muss.

    Über solche Dinge hat sich Antje Schrupp aber vermutlich keine ernsthaften Gedanken gemacht, sonst wäre sie wohl wenigstens der Tendenz nach zu einer integral-antisexistischen Sichtweise gelangt, die die Bereitschaft besitzt Diskriminierungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen alle Geschlechter betreffend und das impliziert – auch wenn Jungen und Männer betroffen sind – zu berücksichtigen:

    http://www.vaetersorgen.de/Maennerbewegung.html

    http://manndat.de/ueber-manndat/was-wir-wollen

    Antje Schrupp knüpft in ihrem Feminismusverständnis wesentlich an eine bestimmte poststrukturalistische feministische Tradition an und zwar an den Differenzfeminismus der französischen poststrukturalistischen Feministin Luce Irigaray:

    https://antjeschrupp.com/tag/luce-irigaray/

    https://antjeschrupp.com/2010/10/12/judith-butler-uber-die-geschlechterdifferenz/

    Damit will ich nun nicht Luce Irigaray für sämtliche kritikwürdigen Ansichten von Antje Schrupp verantwortlich machen – ich kenne Irigarays Werk noch zu wenig, um es aus integral-antisexistischer Perspektive fundiert kritisieren zu können – aber Antje Schrupp verwendet Theorien von Irigaray jedenfalls als wesentliche Grundlage für ihr eigenes Feminismusverständnis und will man Schrupps Differenzfeminismus genauer verstehen, muss man ihn eben von Irigarays Theorien her zu verstehen versuchen.

    • @ Leszek Danke für die Hinweise. Von Irigaray zitiert Schrupp, sehr zustimmend: „Der andere ist uns niemals einfach angenehm. Würde er uns ganz und gar zusagen, hätten wir ihn uns auf irgendeine Weise angeglichen. Aber etwas geht darüber hinaus und widersetzt sich: seine Existenz und sein Werden als Ort, der das Bündnis möglich macht, das Bündnis und/durch die Resistenz gegen die Assimilation oder die Reduktion auf das Selbe.“

      Das ist tatsächlich etwas ganz anderes als eine geschlechterdifferente Zuordnung, in der die Männer für das eine (Abstraktheit, Machtgier) und Frauen für das andere (Beziehungen, Fürsorge) stehen. Es ist eher eine Rede vom „Anderen“, das in der französischen Philosophie der letzten Jahrzehnte einen enormen Stellenwert hat.

      Ich hab mich einmal eine ganze Weile mit der Philosophie von Emmanuel Levinas beschäftigt. Das Gesicht des Anderen, des anderen Menschen nämlich, hat dort einen ganz besonderen, verpflichtenden Stellenwert. Gerade weil dieser Andere immer über das hinaus geht, was ich in meine Systeme einbauen kann, gerade weil ich ihn nie ganz verstehen kann – weil sein Gesicht aber auch seine existenzielle Schutzlosigkeit zeige – gerade daher ist meine Verpflichtung ihm gegenüber grundlegend. Ich fand dann später, aus verschiedenen Gründen, pragmatische Überlegungen (z.B. Meads Gedanken zum Blick des anderen) viel einleuchtender, aber gleichwohl ist Levinas für mich immer noch faszinierend.

      Ein zentrales Problem bei Levinas ist, wie denn eigentlich aus der so zentralen, so verpflichtenden Beziehung zweier Menschen der Staat begründet werden kann – schließlich gibt es bei ihm grundsätzlich so etwas wie eine objektive Ordnung kaum, sondern bloß einen Imperativ, der grundsätzlich immer in die Beziehung zwischen zwei Menschen gehört. Und das ist in meinen Augen eben auch eine der Schwächen des Modells.

      Was Schrupp von Irigaray zitiert, kommt dem sehr nahe.

      Die Rede von dem unbedingten Charakter des Anderen, der sich niemals ganz in die eigenen Kontexte einbauen, niemals assimilieren, niemals mit dem „Selbst“ vermitteln lässt – die passt eben schlecht zu Überlegungen dazu, wie eine faire Ordnung vieler Menschen gestaltet werden kann, die sich z.B. allesamt gleichermaßen als Rechtssubjekte begegnen Was so bei Schrupp spürbar ist, ist ein Ressentiment gegen die Groß-Institutionen, die für die Moderne so typisch sind – aber es gibt fast keine Überlegungen dazu, wie denn Leben alternativ dazu organisiert werden sollte. Statt dessen ein Abheben auf Geschlechterdifferenzen.

      Und da glaube ich, das es in der Theorie klemmt – bei Irigaray, nicht bei Levinas. Die Beziehung zum Anderen ist bei Levinas IMMER eine Ich-Du-Beziehung – aber wenn wir über Geschlechterdiffernzen reden, reden wir über eine ganz andere Differenz als die zwischen Ich und Du, sondern über eine Differenz zwischen zwei Phänomenen, die wir in der dritten Person – er oder sie – beschreiben. Die Unbedingtheit des Anderen und die Unterschiedlichkeit des anderen Geschlechts gehören eben in zwei ganz unterschiedliche Kategorien. Wie sollte sich das verbinden lassen?

      Mein Verdacht ist: Für Schrupp ist Männlichkeit eben davon geprägt, dass sie diese Unbedingtheit, diese Nicht-Assimilierbarkeit des Anderen nicht akzeptiert, sondern den anderen Menschen blind im Lichte des Eigenen interpretiert. Anders das Weibliche, weil Frauen in einer Männerwelt nun einmal ohnehin immer gezwungen gewesen seien, sich in einer Ordnung zurechtzufinden, die durch das repräsentiert wird, was „anders“ für sie ist.

      Damit aber kollabiert die Rede vom irgendwie ganz Anderen doch wieder in ganz normalen, vertrauten Geschlechterklischees.

      • @ Schoppe

        „Ich hab mich einmal eine ganze Weile mit der Philosophie von Emmanuel Levinas beschäftigt. Das Gesicht des Anderen, des anderen Menschen nämlich, hat dort einen ganz besonderen, verpflichtenden Stellenwert. Gerade weil dieser Andere immer über das hinaus geht, was ich in meine Systeme einbauen kann, gerade weil ich ihn nie ganz verstehen kann – weil sein Gesicht aber auch seine existenzielle Schutzlosigkeit zeige – gerade daher ist meine Verpflichtung ihm gegenüber grundlegend. Ich fand dann später, aus verschiedenen Gründen, pragmatische Überlegungen (z.B. Meads Gedanken zum Blick des anderen) viel einleuchtender, aber gleichwohl ist Levinas für mich immer noch faszinierend.“

        Das finde ich interessant.
        Ich habe die letzten Tage ein bißchen zu den ethischen Vorstellungen des französischen poststrukturalistischen Philosophen Jaques Derrida recherchiert. Dabei geht es mir darum, zu versuchen zu prüfen, ob und inwieweit die offenkundige Instrumentalisierung von Teilen von Derridas Philosophie seitens der postmodernen Political Correctness – denn diese ist ja aus einer einseitigen, selektiven und dogmatischen US-amerikanischen Rezeption des französischen Poststrukturalismus hervorgegangen – durch Derridas Ethik begünstigt wurde oder aber, ob der postmodernen Political Correctness mittels Derridas Ethik potentiell widersprochen werden kann.

        (Leider erschwert der nicht immer so einfach zu lesende Sprachduktus, der für manche französische Poststrukturalisten, leider auch für Derrida, typisch ist, ein bißchen den Fortgang der Recherche. Es ist stets ärgerlich längere Zeit etwas dazu gelesen zu haben und dann immer noch nur eine vage Vorstellung davon zu haben, was denn nun genau gemeint ist.)

        Immerhin muss man Derrida zugestehen, dass er, um seine Philosophie vor moralrelativistischen Interpretationen zu bewahren, er einige Werte, u.a. die Gerechtigkeit, ausdrücklich für undekonstruierbar erklärt hat.

        Und des Weiteren baut Derrida auf die Ethik von Levinas auf. Es scheint irgendwie darauf hinauszulaufen, dass Derrida von einer unhintergehbaren Verpflichtung gegenüber „dem Anderen“ ausgeht, zu versuchen „dem Anderen“ gegenüber gerecht zu sein.
        Das hört sich ja erstmal gut an.
        Stellt sich natürlich die Frage, was Derrida mit „Gerechtigkeit“ und „dem Anderen“ nun genau meint und ob es bei der Sache irgendwo noch einen Haken gibt, der doch eine PC-Interpretation begünstigen könnte.

        Offenbar werde ich mir aber irgendwann die Standardwerke zur Darstellung von Derridas Ethik von Torsten Hitz und Sascha Bischof besorgen müssen, wenn ich diese tiefergehend verstehen will, ich besitze zwar mehrere Einführungswerke über Derrida, von denen einige auch insgesamt gar nicht schlecht sind, aber eine ausreichend klare Vorstellung von Derridas Ethik habe ich leider noch nicht.

        Wie auch immer, als ich bei meiner Recherche zu Derridas Ethik häufiger auf Levinas stieß – und dieser durchaus interessant und ideengeschichtlich für die Moralphilosophie nicht unwichtig wirkte – musste ich an diesen Kommentar hier von dir denken und wollte mal kurz anfragen, ob du vielleicht Lust hättest irgendwann einmal etwas zu Levinas und seiner Ethik zu schreiben (natürlich gerne auch mit Bezug auf hier diskutierte Themen.)

        Falls du keine Lust hast, dann mach es auf keinen Fall, lass dir nichts aufschwatzen. 🙂
        Da du erwähnt hattest, dass du dich mit der Ethik von Levinas eine Weile beschäftigt hast, wollte ich aber zumindest mal kurz anfragen.

  • Einfach hervorragend, dieser Aufsatz.

    „Dass Schrupp Versatzstücke linker oder überhaupt aufklärerischer Traditionen durch ihre Interpretationen der Geschlechterdifferenz hindurchschleust, lässt von diesen Traditionen nicht viel anderes übrig als Ressentiments.“

    … mit ihrem Sexismus verkehrt sie diese Tradition ins Gegenteil und landet natürlich im zutiefst reaktionären Antimodernismus:

    „Tatsächlich prägen sich darin Ressentiments aus, mit denen ganz unabhängig von Geschlechterverhältnissen die Entwicklungen der Moderne von Beginn an begleitet und bekämpft worden sind.“

    Dieses Ressentiment gegen die Moderne wurden immer mit Hilfe von irrationalistischen Glauben, Dogma und Weltanschuungen formuliert. Das konkrete Objekt des Ressentiments, der Aufhänger, ist dabei vollkommen austauschbar, das Grundschema des Räsonnierens und die Zielsetzung bleiben aber die gleichen.

    Schrupps Verhaftetsein mit der evangelischen Kirche wirft ausserdem erhebliche Fragen über letztere auf.

  • Dat Antje schreibt Käse aus Femland 🙂
    Ich hab bei der SZ nur den einen Artikel zu Männerrechtlern gelesen. Der Rest war für mich der gleiche Käse wie immer, anscheinend hatte ich Recht. Für die SZ sind also Antje Schrupp (Hilfe ich finde keine Vergewaltigung), Anne Wizorek (wenn die Apotheke keine Pille danach verkauft machen wir Reichskristallnacht), Margarete Stokowski (wie ich mal zu blöd war um auf dem Oktoberfest in ein anderes Bierzelt zu gehen), Bascha Milka (alle Männer sterben früher deshalb bin ich diskriminiert) und Stevie Schmiedel (Pinkifizierung ist doof aber wir wissen nicht warum) sind also die die Feministinnen die man kennen sollte. Ich hab ne gute Nachricht! Wenn das stimmt was die SZ da behauptet, dann scheint der Feminismus am Arsch zu sein, so richtig am Arsch! 😀

    Schrupp ist ja auch sonst ein nettes Früchtchen, so hat sie auf FuF einen Text veröffentlicht der sich mit Schutzlücken und dem neuen Gesetzt beschäftigt. 5 Thesen:
    1. Vergewaltigung war vor der Reform in der Ehe nicht strafbar, öh, nö, sie war strafbar.
    2. Sklavenhalter durften Sklavinnen vergewaltigen, öh, zumindest im franz. Code Noir war dieses bei Strafe verboten. Wenn es der Besitzer war der mit einer Sklavin ein Kind hatte, dann wurde ihm (auch ohne Vergewaltigung) Kind und Frau weggenommen, es sei denn er hat geheiratet. War nun mal ne Gesellschaft die auf Rassen aufgebaut war. Rassenvermischung (wie sie ja noch bis vor nicht allzu langer Zeit in Südafrika, aber auch in Amerika verboten war) war da nun mal ein wenig dumm, weil man dann nachher das Problem hatte ob die Mischlinge nun weiß (und damit die angedichteten weißen Eigenschaften hatten) und frei oder schwarz und Sklave waren. Egal, sind ja nur Fakten…
    3. In Deutschland waren die Taten in Köln nicht strafbar und die Migranten wurden einfach mal so eingesperrt… OMG!
    4. Wir haben auch im neuen Paragraphen Schutzlücken damit Männer weiter frisch fromm fröhlich frei vergewaltigen können…
    Ich hab sie auf Punkt eins hingewiesen, danach war dann Ende der Diskussion… Wer es schafft Realität so sauber zu ignorieren wie Schrupp, der ist auch nicht besser wie rechtsextreme die noch an die Verschwörung des jüdischen Finanzjudentums glauben. Wer, wie Schrupp, sich seine Phantasiewelt so Faktenresistent zusammenbaut, Kritik in keiner Form annimmt, der hat nicht mehr alle Latten am Zaun. Wenn das eine der Feministinnen sein soll die man kennen muss, dann gute Nacht Feminismus. Obwohl, auch Alice Schwarzer hat sich ja Faktenresistent bis heute durchgemogelt.

  • Bezeichnend ist, was im Beitrag thematisch ausgespart wird: Frau Schrupp ist kinderlos und lesbisch. Sie hat also keinerlei Erfahrung aus erster Hand. Ihre gesamten Auslassungen zur Thematik sind ideologische Konstrukte, die durch keine persönlichen Erfahrungen getrübt werden. Frei flottierende Gedanken aus dem Paralleluniversum.

    Frau Schrupp ist Feministin und als solche widmet sie sich typischerweise mit besonderer Ausdauer dem Themenkomplex Ehe, Familie, Geschlechterbeziehungen, Sexualität und sexuelle Orientierungen. Lesbisch zu sein und dies zu veröffentlichen hat bei ihr und vielen anderen den Rang eines politischen Statements und ist selbstgewählt keine private Angelegenheit mehr. Es ist doch eine erstaunliche Tatsache, dass die eigene sexuelle Orientierung bei vielen Feministinnen als politisches Bekenntnis kommuniziert wird, dass Heterosexualität andauernd diffamiert und mit sexueller Gewalt assoziiert wird, die kritische Bezugnahme zur Homosexualität von Frau Schrupp und Co. jedoch als Ausdruck von Homophobie und als zutiefst unanständig diffamiert wird.

    Es ist an der Zeit, diese repressiven Kommunikationsmuster zu verlassen.

    • „Bezeichnend ist, was im Beitrag thematisch ausgespart wird: Frau Schrupp ist kinderlos und lesbisch.“

      Was für ein Unsinn. Schrupp ist zwar kinderlos, aber hetero und seit langem verheiratet (in zweiter Ehe). Sie hat sogar mal drüber gebloggt, dass von ihr gelegentlich „erwartet“ werde, lesbisch zu sein….

      Absurd!

    • @ Pjotr, Leander „ausgespart“ ist auch nicht das richtige Wort – es sei denn, wir würden auch darüber reden, dass das Sternzeichen von Antje Schrupp ausgespart wurde, oder die Lieblingsspeise. Ich kenne die familiären Verhältnisse von Frau Schrupp nicht und finde auch nicht, dass die für mich von Belang sind. Das allein zeigt aber ja schon, dass sie kein offensives „politisches Bekenntnis“, lesbisch zu sein, abgelegt hat, sondern eher irgendwo mal nebenbei über ihre persönlichen Verhältnisse gebloggt hat. Wenn überhaupt.

      Und selbst wenn… Ich kenne lesbische kinderlose Frauen, deren Position zu Männern, Frauen und Kindern ich völlig human und in Ordnung finde – und zugleich werden Positionen der Entrechtung von Vätern auch, und gerade, von heterosexuellen Müttern vertreten. Es geht mir hier um eben diese Positionen, nicht um das, was persönlich für die Menschen dahinter steckt (oder auch nicht).

      Es mag also sein, ist sogar wahrscheinlich, dass es Fälle gibt, in denen die mangelnde persönliche Erfahrung einer Frau mit Männern durch abstrakte ideologische Konstrukte ersetzt wird. Aber wer das weiter ausführen wollte, würde sich in jedem Fall auf psychologisierende Spekulationen einlassen, deren Ertrag dann immer zweifelhaft wäre. Wir kennen dasselbe ja auch umgekehrt, mit ebenso wenig Überzeugungskraft: Als Vorwurf an Männerrechtler, die seien verbitterte Männlein, die ohnehin bei Frauen nicht landen könnten, also auch keine Erfahrung mit ihnen hätten, und die ihren Frust nun im Internet austoben.

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