Feindbild Mann Feminismus

Die Strohmannfabrik – Zu Texten Margarete Stokowskis

Skulptur Mathma Ghandi
geschrieben von: Lucas Schoppe
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Was ist eigentlich dieser Feminismus? Dritter Teil einer Reihe nach Empfehlungen der Süddeutschen Zeitung: Margarete Stokowski

Zur Gewalt von Hooligans bei der Fußball-Europameisterschaft veröffentlichte Margarete Stokowski im Spiegel vor einer Weile einen viel diskutierten Text, der Gewalt als männlich und Männlichkeit als tendenziell gewalttätig präsentierte. Es ist ein Junge: Schon der Titel suggeriert, dass Männer ihre ihnen zugeschriebene Gewaltnähe von der Kindheit an mitbringen.

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Es passt also, dass der dritte Teil der Serie zu Empfehlungen der Süddeutschen Zeitung, Feministinnen, die Sie kennen sollten, Margarete Stokowskis Texte zum Thema hat. Allerdings lohnt nicht allein die Spiegel-Kolumnistin selbst die Auseinandersetzung – wohl aber die Tatsache, dass an ihrem Beispiel gut gezeigt werden kann, welche Folgen die Umwandlung eines politischen Dialogs in einen Monolog hat.

Erste Folge: Rechtsstaat, Regen, Ressentiments. Antje Schrups Differenzfeminismus

Zweite Folge: Der Jürgen Drews des deutschen Feminismus. Anne Wizoreks Aufschrei-Feminismus

3. Die Strohmannfabrik – Margarete Stokwoskis feministischer Journalismus

Schon der Anfang stimmt nicht:

„Kommt es zu einer Gewalttat, fragen wir nach der Geschichte des Täters, nach seiner Herkunft, nach seiner Ideologie und seiner Motivation. Nach dem Geschlecht zu fragen, haben wir uns abgewöhnt. Warum?“

Das ist ungefähr so, als würde die Spiegel-Kolumnistin Margarete Stokowski interessiert fragen, warum wir aufgehört hätten, uns für Fußball zu interessieren. Was nämlich versteht sie in ihrem Text „Es ist ein Junge“ unter „abgewöhnt“?

Eine EU-Studie ist von Beginn an so angelegt, dass in ihr Gewaltopfer weiblich, Täter aber männlich erscheinen, Schwesigs Familienministerium fährt eine Kampagne zur häuslichen Gewalt, die im unbekümmerten Widerspruch zur Forschungslage häusliche Gewalt als männlich und Gewaltopfer als weiblich hinstellt – und befindet sich damit ganz im Mainstream regierungsamtlicher Gewaltdarstellungen.

Gewalt von Männern wird auch außerhalb von Institutionen als wesentlich schwerwiegender wahrgenommen als Gewalt von Frauen, wenn diese nicht gleich rundweg als männlich definiert wird.

Der Deutschlandfunk räsonniert offen darüber, dass Gewalt „in allen Männern“ angelegt sei, der Vize der Hamburger Grünen bezeichnet mit billigender Zustimmung seiner Partei Männer generell als „potenzielle Vergewaltiger“.

In der Jungenpädagogik werden auch offen autoritäre, manipulative Erziehungsmethoden legitimiert mit der Behauptung, dass Jungen die angeblich für sie so typische Gewalt abgewöhnt werden müsse.

In der Soziologie bekommt niemand Probleme, der ressentimentgeladen über eine „enge Verknüpfung zwischen Männlichkeit und Gewalt“ schreibt oder Gewalt als „Ressource zur Herstellung von Männlichkeit“ präsentiert. Gleich ein ganzer Sammelband beschäftigt sich damit, dass Gewalt „ein männliches Phänomen“ sei.

Einem psychisch kranken Mann, der in den USA vier Männer und zwei Frauen erschießt, wird schnell und auf internationaler journalistischer Front Frauenhass als Motiv unterstellt, geboren aus männlichem Geltungsstreben – der rechtsradikale Massenmörder Anders Breivik wird als antifeministischer Amokläufer hingestellt, der die Unterstützung von Männerrechtlern habe. Wie selbstverständlich bleibt diese Unterstellung unbelegt, wird aber häufig wiederholt.

Die Liste ließe sich noch beliebig fortsetzen. Die „Verknüpfung von Männlichkeit und Gewalt“, die Stokowski als „ein weltweites Phänomen“ und zugleich als Tabuthema präsentiert, ist also tatsächlich eines der beliebtesten Klischees des Redens über Gewalt und des Redens über Männlichkeit.

Toxische Männer und friedfertige Frauen

Dabei ist diese Verknüpfung keineswegs so zwingend, wie die Spiegel-Kolumnistin sie darstellt. Tatsächlich werden die meisten Gewalttaten im öffentlichen Raum von Männern verübt, aber im häuslichen Bereich ist die Gewalt von Männern und Frauen weitgehend ausgeglichen, und Kinder werden gar – mit der Ausnahme sexueller Gewalt – von Müttern deutlich häufiger misshandelt als von Vätern. Tatsächlich ist Männlichkeit also – ganz so, wie das traditionellen Geschlechterfunktionen entspricht – nicht spezifisch mit Gewalt, sondern eher mit dem Agieren im öffentlichen Raum verknüpft.

Dafür spricht zum Beispiel, dass Männer den weitaus überwiegenden Anteil der Erwerbsarbeit leisten, sich gleichwohl auch noch deutlich häufiger als Frauen in ehrenamtlichen Tätigkeiten engagieren und sehr viel häufiger in Parteien aktiv sind.

Doch solche Abwägungen meidet Stokowski. Statt dessen präsentiert sie eine willkürlich zusammengestellte Reihung von Gewalttaten, die durch Männer verübt wurden, hält es „nur mit Mühe“ für vorstellbar, dass Frauen solche Taten begehen könnten, und behauptet, wir verfügten

„über einen riesigen Apparat aus Rechtfertigungsstrategien für Gewalt durch Männer“.

Natürlich aber ist es unseriös, aus einer Reihung von Einzelfällen ein Muster für eine ganze Gruppe zu konstruieren: Das ist eben die Art und Weise, in der Rechtsradikale das Bild des ständig gewaltbereiten Ausländers konstruieren.  Stokowskis Spiegel-Text ist damit, unter anderem, ein Beleg dafür, dass Grenzen zwischen Qualitäts- und Boulevardjournalismus längst aufgeweicht sind.  Ganz ähnlich wie sie geht beispielsweise die Bild-Zeitung vor, wenn sie eine erschreckende Reihe der „schlimmsten Sex-Lehrerinnen“ präsentiert und nach einer Reihe von sexuellen Übergriffen durch Frauen treuherzig fragt: „Was ist an Amerikas Schulen los?“  Doch immerhin fordert die Bild-Zeitung nicht, dass sich Lehrerinnen in Zukunft generell von Schülern fernhalten sollten, und sie räsonniert auch nicht über eine die Schulen „vergiftende Weiblichkeit“.

Anders Stokowski, die unbekümmert mit dem Begriff der „toxic masculinity“ hantiert, als wäre es belanglos, dass die Gift-Metapher schon lange wichtiger Bestandteil rechtsradikaler, antihumaner Politik ist. Für die Nationalsozialisten war schon die bloße Existenz von Juden – anknüpfend an die Brunnenvergiftungs-Legenden des Mittelalters – eine Volksvergiftung. Gift wiederum ist etwas Fremdes, das in das Eigene eindringt – es zerstört den reinen, gesunden „Volkskörper“ – es breitet sich aus, wenn es nicht gestoppt wird – und die Vergiftung ist heimtückisch. Die offenkundige Eignung der Metapher für rechtsradikale Propaganda müsste eigentlich ein Grund sein, mit ihr in demokratischen Diskursen vorsichtig umzugehen.

Zudem ist der Begriff der toxic masculinity, der vergiftenden Männlichkeit, auf gefährliche Weise mehrdeutig. Er lässt sich leicht so verstehen, dass es sich auf Männlichkeit generell bezöge – aber kann zugleich einschränkend immer dadurch entschärft werden, dass es sich keineswegs auf alle Männer bezöge, sondern nur auf eine bestimmte, besonders destruktive Spielart der masculinity. („Milliarden Männer haben noch nie jemanden umgebracht oder auch nur verletzen wollen. Aber…“) Gerade diese Mehrdeutigkeit würde Menschen wohl davon abhalten, etwa von einer vergiftenden Weiblichkeit oder einem vergiftenden Islam zu sprechen.

Ob der Begriff nun auf abstrakte Männlichkeitskonzepte bezogen wird oder auf konkrete Männer, die diese Konzepte repräsentieren – er zieht unweigerlich eine Grenze zwischen den Gesunden und den Vergiftenden, den gefährdeten Menschen und den gefährdenden Elementen in einer Bevölkerung, und er etabliert eine klare Hierarchie zwischen ihnen. Entsprechend beendet Stokowski ihren Text auch mit einer konkreten Aufforderung an Männer: Sie sollten doch die Straßenseite wechseln, wenn ihnen nachts eine Frau begegne.

Die Vorstellung, dass Männlichkeit gewalttätig und Gewalt männlich sei, suggeriert zugleich die Vorstellung einer friedfertigen Weiblichkeit. Mit der Idee der „friedfertigen Frau“  war die Psychoanalytikerin Margarethe Mitscherlich in den Achtziger Jahren erfolgreich. Bei Mitscherlich waren Frauen unschuldig an der Gewalt des Nationalsozialismus – sie seien auch nicht aus sich selbst heraus antisemitisch gewesen, sondern hätten sich dem Antisemitismus der Männer angepasst, um die Beziehung zu ihnen nicht zu gefährden. So ist denn bei Mitscherlich selbst der der massenmörderische nationalsozialistische Judenhass im Kern ein Ausdruck von Liebe und Mitmenschlichkeit – solange er eben als weiblich verstanden wird.

Die Konstruktion einer gewalttätigen Männlichkeit und einer friedfertigen Weiblichkeit ermöglicht damit die Illusion, dass das deutsche Volk in seinem Kern selbst im Nationalsozialismus friedlich und human geblieben sei. Die Konstruktion greift dabei auf eben die Geschlechterfunktionen zurück, die der Nationalsozialismus propagiert hat: mit Frauen, den guten deutschen Müttern, im Zentrum des Volkes – und soldatischen, gewaltbereiten Männern, die sich opfern und die schuldig werden, um die Unschuld der deutschen Mutter zu bewahren.

Mitscherlichs Text ist in dieser Hinsicht der seltsame Versuch, den Faschismus zu überwinden, indem er seine Geschlechterordnung fortsetzt.

Die Strohmannfabrik

Für die Spiegel-Kolumnistin aber spielt es keine Rolle, in welchen Traditionen sie agiert oder welche Funktion ein Konstrukt erfüllt, das Gewalttätigkeit an Männer delegiert. Eine solche Bereitschaft zur Selbstkritik wäre ein Bruch in der Logik ihrer Texte.

Nach den erheblichen sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht empört sich Stokowski über den Vorwurf an Feministinnen, sie würden die Übergriffe „verharmlosen“. Natürlich ließe sich nur mit einem Blick auf die Zitate, auf die sich dieser Vorwurf bezieht, seine Stimmigkeit überprüfen – beispielsweise mit einem Blick auf die gängigen Vergleiche des massiven Übergriffe mit dem Oktoberfest.  „Pograpschen ist in Deutschland eben erst in Zusammenhang mit Handyklau ein Problem“, schreibt Antje Schrupp noch Monate später, ganz im Einklang mit Stokowskis Spiegel-Kollegen Jakob Augstein, der die Aufregung über „ein paar grapschende Ausländer“  lächerlich gemacht hatte.

Dabei hätte das Erschrecken über die Kölner Übergriffe Anlass für die ermutigende Überlegung sein können, dass wir möglicherweise eben nicht in einer Rape Culture leben, in der sexuelle Übergriffe auf Frauen als normal wahrgenommen werden. Stattdessen unterstellt Stokowski ein anderes Motiv:

„Die eigenen Frauen will der gute Deutsche immer noch selbst belästigen dürfen.“

Wer über die Kölner Gewalt erschrocken sei und sich empöre, sei nicht allein sexistisch, sondern auch rassistisch, dulde eben nicht, dass sich Ausländer in die gängige sexuelle Belästigung deutscher Frauen durch deutsche Männer hineindrängeln.

Die beliebige Zuschreibung an andere erspart Stokwoski hier eine Überprüfung der eigenen Position – so wie in vielen anderen ihrer Texte. Kritik am Feminismus ist dann z.B., wie auch sonst, durch Geilheit motiviert („Das Geilste, was Antifeministen sich in ihren feuchtesten Träumen ausdenken können, sind Frauen, die sich gegenseitig bekämpfen und beschimpfen“). Wer den Gesetzesentwurf zum Verbot sexualisierter Werbung kritisiere, versucht selbstverständlich keineswegs, Freiheiten gegen staatliche Eingriffe zu verteidigen – hier kämpften einfach nur

„wackere Ritter dafür, dass sie morgens auf dem Weg zur Arbeit auch weiterhin Brüste an Sommerreifen serviert kriegen“.

Wer gegen die Verschärfung des Sexualstrafrechts sei, wolle einfach nur „die Welt für Männer noch gemütlicher machen“ und ginge „traditionell und frauenfeindlich“ davon aus, dass Frauen irrationale Wesen wären, die mit Freiheit nicht umgehen könnten.   Überhaupt seien in den Medien „die kleinen Geier vom Institut für korrekte Frauenkörpernutzung“ tätig, , die beständig darauf achten würden, wie Frauen sich benehmen. Dass das Verhalten von Männern nicht weniger reguliert wird – dass schon eine als unpassend empfundene Kleidungswahl eines Mannes zu einem massiven Shitstorm führen kann – ist hier natürlich nicht wichtig und überhaupt auch etwas ganz Anderes.

Ein „Strohmann-Argument“  unterstellt dem Gegner Positionen, die dieser gar nicht bezieht – baut also gleichsam einen Strohmann auf, der leichter abzuräumen ist als der reale Gegner. Stokowski betreibt in ihren Kolumnen eine Strohmann-Fabrik. Einerseits agiert sie in Freund-Feind-Mustern, die unsinnig wären, wenn sie keine Feinde vorweisen könnte. Andererseits aber würde sie in die Verlegenheit geraten, ihre eigene Position überprüfen zu müssen, wenn sie die Positionen dieser Gegner ehrlich darstellte. Also setzt sie sich mit Zerrbildern auseinander, die sie selbst zu eben diesem Zweck entworfen hat.

Wie monologisch ihre Texte dadurch werden, zeigt gerade eine Kolumne, die formell dialogisch ausgerichtet ist, die nämlich ausschließlich aus Fragen besteht.  Die letzte davon:

„Muss man jedes Mal einzeln sagen, wen man respektiert, auch wenn es alle sind?“

Schon der zweite Kommentar dazu formuliert, was ohnehin offensichtlich ist, dass nämlich Stokowski „Suggestivfragen“ formuliere, auf die sie gar keine Antwort wolle:

„Es handelt sich also nicht um das Bedürfnis, die Meinung des imaginären Gegenüber zu erfahren, sondern ebenfalls um Meinungsäusserung.“ 

In solch einer monologischen Struktur, die anderen kein reales Rederecht einräumt und sie bloß über Projektionen der eigenen Ressentiments anwesend sein lässt, ist es nicht notwendig, schlüssige und kohärente Argumente zu entwickeln.

„Dabei ist es eines der großen Ziele des Feminismus, dass Frauen dieselbe unqualifizierte Scheiße reden und tun dürfen wie Männer, ohne dafür härter oder weniger hart bestraft zu werden,“

behauptet Stokowski in ihrer neuesten Kolumne. Beim letzten Teil der Aussage bin ich mir nicht ganz sicher, aber ansonsten hat der Feminismus sein Ziel offenkundig erreicht – wenn er denn überhaupt jemals nötig war. Stokowski jedenfalls schreibt, als sei sie mit der Superkraft ausgestattet worden, zu jedem beliebigen Thema den unterstellendsten und einfach bescheuertsten Kommentar abzugeben, der in geläufiger Umgangssprache formuliert werden kann.

Zwischendurch aber wendet sie sich plötzlich direkt an einen Mann, der sie auf Facebook beschimpft und bedroht hat („Nimm die Hand aus der Hose, wenn ich mit dir rede.“),  fordert ihn auf, zu argumentieren und nicht nur rumzupöbeln, und gibt sich gesprächsbereit.  Ausgerechnet ein Mann, der sich durch seine Gewaltverliebtheit und skrupellose Übergriffigkeit ohnehin gründlich diskreditiert, erhält dann doch Rederecht.

In einer anderen Kolumne mokiert sie sich, ebenso unversehens milde gestimmt, über die Idee eines Geschlechterkrieges:

„Wir reden so viel über Hetze gerade, über Stimmungsmache und Populismus und wie Leute gegeneinander aufgestachelt werden, indem zu viel Scheiße geredet wird.“

Eine Woche später veröffentlicht sie dann ihren Text zu Männlichkeit und Gewalt.

Posen und Projektionen. Und Donald Trump.

„Ich probiere Geschichten an wie Kleider“, behauptet der Erzähler von Max Frischs Roman Mein Name sei Gantenbein. Stokowski probiert nicht einmal Geschichten an, sondern Posen. Von der vermittelnden Aufforderung zur abwägenden Vernunft unvermittelt hin zum faschistoiden Geholze, von beliebigen Unterstellungen der Geilheit und der Vergewaltigungsgier hin zum verbindlichen Dialogangebot – das sie allerdings allein einem Mann macht, von dem sie weiß, dass er es ohnehin nicht annehmen wird.

Eben wegen der monologischen Struktur, in der diese Posen ihren Platz haben, lohnt sich überhaupt der nähere Blick auf Stokowskis Texte. Ansonsten besetzt sie unter den Spiegel-Kolumnisten einfach die Position der munteren Holzhammer-Feministin, die vor ihr Silke Burmester ausfüllte.  Stokowskis Dauer-Monolog aber spiegelt mehr wieder als nur ihre eigene Person. Ob nun Antje Schrupps Vorliebe für Filterbubbles oder Wizoreks Umdeutung von Kritik in Hate Speech – Stokowski arbeitet im Selbstversuch heraus, welche Konsequenzen die Umwandlung der politischen Debatte in einen Dauermonolog hat.

Der politische Gegner ist hier erstens nur noch über Projektionen anwesend und kann beliebig vorgeführt werden, ohne dass eine seriöse Wiedergabe seiner Positionen auch nur simuliert würde. Das dient zugleich der Einschüchterung: Kritiker wissen, dass sie bei Reaktionen auf ihre Kritik nicht mit Fairness rechnen dürfen, sondern darauf vorbereitet sein müssen, sich öffentlich mit beliebigen Unterstellungen bloßstellen zu lassen. Der Publizist Jörg Friedrich hat gerade darüber geschrieben, wie aufgrund solcher Befürchtungen die „Liste der Texte“, die er nicht schreibe, länger werde: „Mir macht meine Schreibangst Angst.“ (Dazu auch Arne Hoffmann.)

Zweitens aber ist auch die eigene Position nicht präsent, wird nirgendwo deutlich, bleibt beliebig. Da das Gegenüber fehlt, fehlt auch der Anspruch, sich mit den kritischen Fragen von Gegnern auseinanderzusetzen, die eigene Position daran zu schärfen. Es fehlt der – wichtige – Druck, mit Kohärenzerwartungen konfrontiert zu sein, Widersprüche der eigenen Position wahrzunehmen, ein halbwegs schlüssiges, glaubwürdiges und zusammenhängendes Gesamtbild zu präsentieren.

So wie die Gegner nur in Projektionen anwesend sind, kann dann auch die eigene Person und Position beliebig projiziert werden, ganz entsprechend der eigenen Wunschbilder und momentanen Vorlieben. Anstatt dafür verantwortlich zu sein, sich selbst anderen auf eine halbwegs schlüssige Weise zu präsentieren, können diese anderen verpflichtet werden, die jeweilige beliebige Selbstinszenierung als Ausdruck ernsthafter und gewichtiger Gedanken zu respektieren. Der Gegner ist so nur als Farce oder als Monstrum vorhanden, die eigene Person nur als Pose.

Eine empirische Wirklichkeit verliert dabei, drittens, an Bedeutung. Da es ohnehin keine gemeinsame soziale und politische Realität und keine gemeinsamen Wahrheitsansprüche gibt, kann als Wirklichkeit jeweils das präsentiert werden, was zu den gerade favorisierten Posen und Projektionen passt. Eine politische Debatte wird dabei sinnlos.

Eine solche Ästhetisierung des Politischen hat Walter Benjamin übrigens als typisch für den Faschismus beschrieben. Das ist schlüssig. Der unbedingte Anspruch, die eigenen Projektionen und Selbst-Präsentationen als gewichtig und gravierend durchzusetzen, kann die Konzentration auf politische und empirische Realitäten nur als sinnlose Störung verbuchen. Der reale politische Diskurs wird als Tätigkeit einer Quasselbude wahrgenommen, weil es ohnehin nicht vorstellbar ist, dass politische Gegner Substanzielles beitragen könnten. Politische Fakten und soziale Daten sind dann nur eben so lange von Belang, wie sie die eigenen Projektionen unterstützen.

Daraus aber folgt noch nicht, dass Positionen Stokowskis faschistoid wären, und eine Diskussion darüber wäre auch müßig. In ihrer Hemmungslosigkeit, ihrer gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, ihrer Verachtung für zivile Fairnessregeln und für die Treue zu emprischen Daten gleichen einige ihrer Texte zwar Äußerungen Donald Trumps, aber von dessen politischem Einfluss ist die Spiegel-Kolumnistin nun einmal weit entfernt.

Viel wichtiger ist ohnehin: Bei Stokowski wird der Irrglaube offenkundig, es könne zur Humanisierung einer Gesellschaft beitragen, wenn der demokratische Dialog durch einen Monolog der moralisch Überlegenen ersetzt wird.

Wer die menschliche Gesellschaft will, muss eben nicht die männliche überwinden, sondern die verschiedenen Teile der Gesellschaft miteinander ins Gespräch bringen.

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33 Comments

  • @Schoppe
    Wiederum ein sehr schöner Text!

    Du schreibst:
    „In der Soziologie bekommt niemand Probleme, der ressentimentgeladen über eine „enge Verknüpfung zwischen Männlichkeit und Gewalt“ schreibt oder Gewalt als „Ressource zur Herstellung von Männlichkeit“präsentiert. Gleich ein ganzer Sammelbandbeschäftigt sich damit, dass Gewalt „ein männliches Phänomen“ sei.“

    Ich habe mir die von Dir zwei verlinkten Texte kurz angeschaut: Der Sammelband „Gewalt und Männlichkeit“ ist m.E. vom Titel her ehh ein Etikettenschwindel, weil wenn man schaut, was für Texte darin enthalten sind, dann beschäftigt sich quasi nur ein Text mit diesem Thema von „Gewalt und Männlichkeit“ und bei den anderen Texten wird dieses Phänomen höchstens am Rand behandelt oder überhaupt nicht. Aber offenbar macht es sich gut, wenn im Titel „Gewalt und Männlichkeit“ steht.

    Der zweite Text mit dem Titel:

    „Gewalt – eine (deviante) Verkörperung von Männlichkeit? : Reflektionen auf die Beziehung von Devianz, Körper und Geschlecht“

    geht m.E. an einem wesentlichen Kern der Problematik vorbei. In diesem Text wird ja das Gewalthandeln von Männern innerhalb des Gefängnises, die wegen einer Straftat im Gefängnis sitzen, untersucht. Für über 99% der Männer in der europäischen Gesellschaft ist diese Populatioin nicht repräsentativ.
    Viel wichtiger als die analytische Kategorie „Männlichkeit“ sind hier nämlich die Faktoren/Kategorien Marginalisierung, absolute und ev. relative Deprivation im soziologischen Sinne, so dass sich soziale Schicht, Ethnizität/Nationalität, Alter und Migrationshintergrund als Deprivationsfaktoren herausstellen, die ursächlich für das Gewalthandeln innerhalb dieser Population der Männer verantwortlich sind.
    Männer im Alter ab 40, ohne absolute oder relative Deprivation, sind, was Kriminalitätsbelastung und Gewalt im öffentlichen Raum angeht, nicht gross von der Frauenpopulation zu unterscheiden. Das heisst: Der Faktor Männlichkeit kommt vielfach erst in Kombination mit anderen Faktoren zum Tragen (ist also vielfach keine hinreichende Bedingung) und die zentralen Faktoren sind dann primär Marginalisierung, absolute und relative Deprivation.

    Das Problem bei Stokwoskis sehe ich darin, dass sie ja eigentlich nicht Probleme lösen will, sondern primär mittels populistischer Argumentation Feindbilder erzeugen will und Dämonisierung betreibt.

  • „Viel wichtiger ist ohnehin: Bei Stokowski wird der Irrglaube offenkundig, es könne zur Humanisierung einer Gesellschaft beitragen, wenn der demokratische Dialog durch einen Monolog der moralisch Überlegenen ersetzt wird.“

    Wenn dieser Monolog denn mal in sich stimmig wäre. Wie es der Zufall will, habe ich parallel zu deinem guten Beitrag etwas über weibliche Gewalt geschrieben. Dabei geht es vordergründlich via eines offenherzigen Kommentarstrangs von Frauen zum Thema Tötung und Lustempfinden:

    https://emannzer.wordpress.com/2016/06/28/frauen-schlachten-im-string-tanga/

    Soweit also zur moralischen Überlegenheit von Stokowski und Konsorten, die sich wie ein blutroter Faden der (einseitig betriebenen) Verwüstung zwischen den Geschlechtern durchzieht.

    • ad Stokowskis twitter-response: Erstmal die Fronten klären und die Geschütze in Stellung bringen. Wäre doch gelacht wenn wir den Gegner nicht wegbomben könnten. Aber nicht vergessen, das Protokoll muss gewahrt bleiben. Zuerst ein Schuss vor den Bug. Es soll uns doch um Himmels willen niemand vorwerfen wir wären festgefahren in unserer Meinung und von vornherein im Besitz der einzigen Wahrheit ™. Hoppla, das ging daneben. Vor den Bug, jetzt hats den Ausguck erwischt, bitte um Verzeihung.

      Immerhin will sie weiterlesen. Nun ja, mal sehen.

      • @pingpong:

        Immerhin will sie weiterlesen.

        Das war ja wohl Sarkasmus von ihr. Tatsächlich hat sie im Stoßgebet der Göttin gedankt, dass sie schon im zweiten Absatz einen Vorwand zum Nichteinstieg in die Diskussion gefunden hat.

        Echt jetzt: hat irgend jemand was anderes erwartet?

      • @ djadmoros, pingpong Natürlich ist das sarkastisch. Ich freue mich aber darüber, dass Stokowski Gehässigkeit in der Auseinandersetzung ablehnt.

        Der Spiegel-Artikel ist mit einem Bild der Hooligan-Gewalt in Frankreich aufgemacht, daher ist der erste Absatz nicht falsch – im Spiegel wird Stokowskis Kolumne durch diesen aktuellen Anlass motiviert.

    • Lieber Max, vielen Dank dafür, dass Du den Text weiter empfohlen hast. Ich glaube allerdings, dass es überhaupt keinen Sinn hat zu versuchen, mit Stokowski (oder Menschen in ähnlicher Position) ins Gespräch zu kommen. Schon allein, weil sie ja davon profitiert, dass es kein Gespräch gibt.

      Sie hat als regelmäßige Spiegel-Kolumnistin eine weit überlegene Position und muss sich nicht in irgendwelchen Blogs in Diskussionen ziehen lassen. Das wäre etwa so, als würde irgendein Schulhof-Bully plötzlich anfangen, freundlich mit anderen zu reden – nur weil ein kleiner, schmächtiger, bebrillter Junge ihn offen kritisiert und zum Reden aufgefordert hat.

      Mit Stokowski et.al hat eine Diskussion nach meiner Überzeugung also keinen Sinn – es geht eher um andere, die ein eigenes Interesse an einer solchen Diskussion hätten, die auch mal alternative Sichtweisen lesen möchten, die unentschieden sind und nicht in Schützengräben sitzen.

      Und übrigens: Gehässig ist mein Text vielleicht da und dort, aber selten und nicht an der Stelle, die Stokowski meint. Dass nicht sie allein die Auseinandersetzung lohnt, sondern als Beispiel für ein allgemeineres Phänomen – das finde ich schon wichtig.

      Den Empfehlungen der Süddeutschen einfach einmal zu folgen, gefällt mir schon ganz gut – aber es hat eben den großen Nachteil, dass damit Diskussionen sehr stark personalisiert werden.

      Ich möchte aber einfach nicht, dass der Eindruck entsteht, ohne diese fünf Frauen, die sich die Süddeutsche rausgesucht hat, wäre irgendwie alles besser. Es kommt tatsächlich in keinem Fall auf sie als Personen an, sondern eher auf Positionen, die auch von anderen wahrgemommen werden könnten und wahrgenommen werden. Wie Stokwoski so als Mensch ist, kann ich ja auch überhaupt nicht beurteilen – aber wie Positionen wie die ihre funktionieren, kann ich schon beschreiben.

      • „“…Sie hat als regelmäßige Spiegel-Kolumnistin eine weit überlegene Position und muss sich nicht in irgendwelchen Blogs in Diskussionen ziehen lassen…““

        Ein Leserbriefschreiber verglich ihr „Kommunikationsmuster“ mit dem Soldaten, der eine Drohne weit entfernt steuert und die Rakete abfeuert. Anlass war die Auseinandersetzung mit dem sich ziemlich vulgär äussernden Menschen im Beitrag „Nimm die Hand aus der Hose, wenn ich mit dir spreche“. Auch bei dieser Gelegenheit fand keine Kommunikation statt, die den Namen verdient. Auch das war ein langer Monolog Stokowskis. Ich hätte gerne die Erwiderung dieses Mannes gelesen in der Hoffnung, dass sich dahinter ein Mensch verbirgt, der durchaus in der Lage ist, sich einer Diskussion zu stellen, ohne ausfällig zu werden. Aber was soll man tun, wenn man von einer Drohne mit Raketen ins Visier genommen wird? Viel mehr als fluchen bleibt da nicht.

        Eigentlich weiss man über diesen Menschen nur, dass er sich sehr abfällig über sie geäussert hat. Daraus wurde dann geschlussfolgert, dass er dumm, frustriert, ein Loser, ein armes Würstchen sei, was reine Spekulation ist. Es ist nicht einmal sicher, ob er nicht einfach eine Erfindung von Stokowski ist. Und wenn er das nicht ist, so entspricht er doch exakt Stokowskis Projektionen, sofern er nur anhand dieser wenigen Ausfälligkeiten beurteilt wird.

      • „Sie hat als regelmäßige Spiegel-Kolumnistin eine weit überlegene Position….“

        Exakt. Die spannende Frage ist jetzt, warum gerade sie in dieser medialen Machtposition sitzt (vermutlich nicht, weil sie Aussicht auf den Literaturnobelpreis hat) und wer sie dahingesetzt hat.

        „Es kommt tatsächlich in keinem Fall auf sie als Personen an, sondern eher auf [ihre ideologischen] Positionen, die auch von anderen wahrgemommen werden könnten und wahrgenommen werden.“

        Kann kann man nur dick unterstreichen. Die Entscheidungen über die publizistische Strategie unserer Zeitschriften oder gleich ganzer Verlage treffen i.a. die Besitzer (Friede Springer, Liz Mohn und andere gute Freunde von A. Merkel). Beim Spiegel ist es etwas komplizierter, zumal es auch andere Kolumnen gibt. Aber letztlich sind auch dort die einzelnen Journalisten nur die austauschbaren Landser, die die an der Propagandafront die Munition verschießen, kleine Rädchen im Getriebe. Es ist kein Zufall, wenn die großen feministischen Zeitungen pro Jahr grob geschätzt je 200 – 400 Artikel publizieren, in denen immer wieder die gleiche monotone feministische Propaganda steht, das ist von den Herausgebern so grob vorgegeben als „Erziehungs- bzw. Meinungsbildungsauftrag“.

        „Mit Stokowski et.al hat eine Diskussion nach meiner Überzeugung also keinen Sinn“

        Richtig. Man muß sich immer wieder klar machen, was Gehirnwäschen erreichen können. Beim IS bekommt man die Leute so weit, sich selber in die Luft zu sprengen. Die Gehirnwäsche, der Stokowski in ihrem Studium und der jahrelangen Arbeit bei taz, Missy Magazine usw. ausgsetzt war, führten offensichtlich zu einer totalen Fanatisierung, zu einem geistigen Black-out bei allen kritischen Argumenten, die die eigene selektive Weltwahrnehmung bedrohen. Damit ist sie ideal geeignet als Landser an der Propaganda-Front.

        Man kann natürlich den Unsinn, denn sie (oder ersatzerweise jemand anders) immer wieder schreibt, analysieren und kleinteilig widerlegen, wie Lucas das hier verdienstvollerweise gemacht hat. Es wird aber nichts an der Propagandamaschinerie und den Drahtziehern dahinter ändern.

      • @Schoppe

        Du schreibst:

        „Mit Stokowski et.al hat eine Diskussion nach meiner Überzeugung also keinen Sinn – es geht eher um andere, die ein eigenes Interesse an einer solchen Diskussion hätten, die auch mal alternative Sichtweisen lesen möchten, die unentschieden sind und nicht in Schützengräben sitzen.“

        Das sehe ich auch so, dass es keinen Sinn macht, mit Stokowski ins Gespräch zu kommen (Schützengräben, publizistische Reichweiten-Macht und somit kein Bedarf, sich mit Blogger herumzuschlagen etc.). Aber der Frage könnte man ja trotzdem immer wieder nachgehen, wie bekommt man mit seinen Texten auch vermehrte publizistische Reichweite? Weil ich denke, Deine Texte sind gehaltvoll, die ohne weiteres auch in anderen Medienkanälen eingespeist werden könnten.

      • „….die großen feministischen Zeitungen pro Jahr grob geschätzt je 200 – 400 Artikel publizieren, in denen immer wieder die gleiche monotone feministische Propaganda steht, …“

        Ca. 50 Artikel p.a. hat Stokowski zu liefern.

        Cdie nächsten 50 kommen von Sibylle Berg. Ich habe mir gerade mal das letzte Opus in ihrer Kolumne angesehen: S.P.O.N. – Fragen Sie Frau Sibylle: 159 Gramm. „Frauen wollen plötzlich auch Menschen sein? Das ist manchem Macho zu viel….“ usw.usw., das übliche, die gleichen Haßtiraden gegen Männer wie schon 100 Mal vorher.

        Wobei ich mich bei diesem speziellen Text frage, ob sie ihre Konkurrentin Stokowski übertrumpfen und zeigen wollte, daß sie einen noch engeren Tunnelblick hat und überall nur schwanzgesteuerte Chauvinisten, Frauenhasser, die sich dumpf in reinen Männerbünden zusammenrotten und unsere Planeten zugrundegerichtet haben, wahrnimmt. Oder ob sie beim Schreiben 2 Promille intus hatte und nicht ganz zurechnungsfähig war.

        @Lucas: Wenn Du nächstens im Deutschunterricht Textanalysen machst, wäre eine schöne Hausaufgabe: Untersuche den Text von Frau Berg auf Merkmale von Haß (neudeutsch: hate speech) und schicke Deine Analyse an Herrn Maas.

      • Hi Lucas,
        ich habe gerne Deinen Artikel geteilt. Frau Margarete Stokowski habe ich angeschrieben, um ihr die Möglichkeit zu bieten, sich mit der Wahrnehmung Ihrer Texte durch uns Menschenrechtler zu beschäftigen. Das habe ich ergebnisoffen gemacht. Denn es spielt für mich keinerlei Rolle, ob sie antwortet oder nicht. Entscheidend für mich ist, zu sehen, wie sie und ihre Kolleginnen reagieren. Das sagt dann eine Menge über sie und ihrem Umgang mit Kritik aus. Sogar dann, wenn sie nicht antworten – auch das ist eine Reaktion. Auf Twitter und der Verlinkung der Tweets hier in den Kommentaren macht es für die interessierte Öffentlichkeit sichtbar.
        Zusätzlich gibt es sicherlich Kritiker unter ihren Followern – ich selbst bin einer davon. Die werden so ebenfalls auf Deine sehr fundierte und sachliche Kritik an Stokowski aufmerksam gemacht. Dann darf man auch nicht die unter ihren Followern vergessen, die für Argumente zugänglich sind und so sich ein eigenes Bild von Frau Stokowskis Texten und ihren Positionen – vermutlich wird das dann ein ganz neues sein.

  • Ihre Antwort ist genau das, was ich mir bei fast jeder ihrer Kolumnen denke.
    Und wenn ich mir die Kommentare zu diesen ansehe, scheine ich nicht der Einzige zu sein. Nur scheint ihr selbst – vermutlich in ihrer Filterbubble – nicht aufzufallen das die meisten schnell merken das sie lügt und nichs belegt aber viel behauptet.

  • Wenn Stokowski als eine der „bedeutendsten Feministinnen Deutschlands“ zählt, dann bedeutet das wohl vor allem, dass es in Deutschland keinen bedeutenden Feminismus mehr(?) gibt. Als ich ihre erste Kolumne las, hatte ich mich vor allem gewundert, dass der Spiegel nicht in der Lage ist, irgendwas besseres für diesen vermutlich ganz gut dotierten Job zu finden.

    Dass der Spiegel eine feministische Kolumne haben will ist klar. Mit dem Thema kann man so viele Männer provozieren, die das jede Woche lesen wollen um sich aufzuregen, die es verlinken um ihre Erregung zu teilen oder die es sogar mit ganzen Blogbeiträgen würdigen. Aus Sicht eines aufmerksamkeitsabhängigen Mediums müsste man Feminismus wohl erfinden, wenn es das nicht schon gäbe.

    Ich will damit sagen, dass es in Deutschland offenbar keinen Feminismus gibt, der einer intellektuellen Abarbeitung daran irgendwie würdig wäre. Derartigen Blödsinn niedersten Niveaus kann man getrost ignorieren. Das Problem sind nicht die Stokowskis dieses Landes, sondern die politische Lobby mit ihren korruptionsähnlichen Strukturen.

    • @ „Ich will damit sagen, dass es in Deutschland offenbar keinen Feminismus gibt, der einer intellektuellen Abarbeitung daran irgendwie würdig wäre.“ Sich mit etwas auseinanderzusetzen bedeutet ja noch nicht, es als intellektuell hochklassig und wertvoll anzuerkennen. Ich finde schon, dass sich die Auseinandersetzung lohnt, weil solche Positionen wie die von Stokowski einfach ein Machtfaktor sind. Und da ist es gut, sich zu überlegen, wie solch eine Position funktioniert.

      Dieser Tweet kam heute vom SPD-Parteivorstand:
      https://twitter.com/spdde/status/743461888042860545
      Lohfink hat immerhin einen Strafbefehl wegen falscher Verdächtigung, und wäre sie damit durchgekommen, dann hätte sie möglicherweise Unschuldige (also: zumindest der Vergewaltigung Unschuldige, Arschlöcher sind die Männer mit der Veröffentlichung des Films ja schon) für Jahre in den Knast gebracht. Egal, was noch vor Gericht rauskommt: Dass sich damit der Vorstand der SPD so ohne Weiteres und blind solidarisiert, finde ich schon verrückt.

      Natürlich ist es nicht Stokowskis Schuld, dass die SPD so agiert. Aber Stokowski ist EIN Beispiel für den Aktivismus, dem sich die Sozialdemokraten hier so hemmungslos anbiedern.

      • Wie gesagt ist das Problem die korruptionsähnliche Struktur. Da gibt es all diese Frauenministerien, die feministische Vereine oder Projekte fördern, die feministische Rednerinnen bezahlen und was weiß ich was alles. Und die so Bezahlten predigen dann natürlich wie notwendig Frauenministerien und noch mehr Frauenförderung sind. Ich glaube es wäre sinnvoller als eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Akteurinnen, solche Strukturen im Detail herauszuarbeiten und sichtbar zu machen. Es ist klug, nicht auf das zu hören, was Frauen sagen, sondern zu schauen, was sie tun.

        Der andere Aspekt ist der der Aufmerksamkeitsökonomie. Ich vermute, dass eine Kolumne wie die von Stokowski von mehr Männern als Frauen gelesen wird. Das gilt wahrscheinlich nicht für alle feministischen Inhalte in unseren größeren Medien, aber für die sichtbareren vermutlich schon. Das wirft zunächst die Frage auf, was für ein Masochismus überhaupt Männer treibt, die sich damit beschäftigen? Und es gilt nach den Regeln der Aufmerksamkeitsökonomie eben auch, dass diese Dinge profitabel sind, wenn Männer sich darüber aufregen. Es ist simpelste Provokation. Ich glaube das es besser wäre, selbst die Themen zu setzen um die eigene Position darzustellen, als sich an Provokateurinnen abzuarbeiten.

        Und dass die SPD gerade noch knapp 20% hat, hat eben auch Gründe. Wir können die Sorge darum der SPD überlassen.

      • „dann hätte sie möglicherweise Unschuldige (also: zumindest der Vergewaltigung Unschuldige, Arschlöcher sind die Männer mit der Veröffentlichung des Films ja schon) für Jahre in den Knast gebracht.“

        Warum bleibst Du bei der Bezeichnung „Arschlöcher“ für diese Männer?
        Das wären bereits verurteilte Sexualstraftäter, wenn unser Recht was taugte.

      • @Semikolon:

        Das wären bereits verurteilte Sexualstraftäter, wenn unser Recht was taugte.

        Es sind verurteilte Persönlichkeitsrechteverletzer, und nicht mehr als das, weil unser Recht (noch) etwas taugt.

      • Und welches Persönlichkeitsrecht haben die Beiden verletzt?
        Das ihrer sexuellen Selbstbestimmung, verflucht nochmal.
        Ihre Strafe dafür, dass sie den Abend mit denen verbracht hat, lautet LEBENSLANG!
        Auch ohne das Urteil der Justiz schon.
        Kapiert ihr das wirklich nicht?

      • @Semikolon:

        LEBENSLANG!>/em>

        Lebenslang WAS? »Lebenslang« wie in »lebenslang zerstörter Karriere« oder in »lebenslanger sozialer Ächtung«? Oder wie in »verkürztes Leben« durch Suizid oder ruinierte Gesundheit? Alles reale Folgen von Falschbeschuldigungen.

        Im Übrigen wurde nicht ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung verletzt, sondern ihr Recht auf Wahrung der Privatsphäre. »Kapierst Du das wirklich nicht?« Wenn Du Dich auf Deine Lesart festlegen willst, ist das Deine Sache. Die Diskussion dazu ist aber durch, und neue Argumente fügst Du nicht hinzu.

        Also solltest Du es nicht ersatzweise mit Empörung versuchen. Empörung sollte man sparsam einsetzen, sie funktioniert in beide Richtungen und ist schnell inflationiert!

      • „Im Übrigen wurde nicht ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung verletzt“

        Doch natürlich.

        Wenn ich Dich filme während Du gefickt wirst obwohl Du praktisch ununterbrochen sagst, ich solle das sein lassen und das auch noch mit Deinem Namen versehen veröffentliche, habe ich Deine sexuelle Selbstbestimmung und nicht bloß Deine Privatsphäre aufs schwerste verletzt.

        Sowas ist eine Sexualstraftat, die nur leider noch nicht vom Gesetzestext als solche abgedeckt wird. Wird Zeit.

      • @ Semikolon „Das wären bereits verurteilte Sexualstraftäter, wenn unser Recht was taugte.“ Das ist m.E. eben gerade der Punkt, um den es geht. Du erweckst den Eindruck, es wäre eigentlich immer schon klar, was passiert wäre – so dass die Entscheidung des Gerichts auch schon feststehen müsse, bevor ein Verfahren überhaupt begonnen hat. Wenn das Gericht dann zu einer anderen Entscheidung kommt, KÖNNE das gar nicht daran liegen, dass die Situation tatsächlich nicht so war, wie sie auf den ersten Blick schein – sondern es MÜSSE daran liegen, dass Recht und Gericht nichts taugten.

        Dass die Debatte so aufgeheizt ist, liegt wohl auch daran, dass hier zwei ganz unterschiedliche Fragen – durchaus mit bewusster Absicht – durcheinander geworfen werden.

        Die eine ist die Frage, ob ein Mann das Recht hat, das „Nein“ einer Frau zum Sex einfach zu ignorieren (umgekehrt müsste das übrigens ebenso gelten, nur spielt diese Frage in der Diskussion faktisch keine Rolle). Die Antwort ist ganz eindeutig: Das Recht hat er nicht. Moralisch nicht, rechtlich auch nicht.

        Dabei machen Männer sehr wohl die Erfahrung, dass Frauen ein „Nein“ nicht immer als „Nein“ meinen – ich hab es zum Beispiel immer stur als „Nein“ interpretiert und weiß, dass das in mehreren Situationen die Frau einigermaßen irritiert hat. Nur hat eben niemand das Recht, diese Erfahrung einfach auf alle anderen Situationen zu übertragen und schlicht zu unterstellen, eine Frau, die „Nein“ zum Sex sage, meine das gewiss nicht so.

        Die zweite Frage aber ist: Wie kann ein Staat es legitimieren, erhebliche Gewaltmittel gegen Bürger anzuwenden? Jemanden für mehrere Jahre einzusperren, ist ein erheblicher Gewaltakt – und ein liberaler Rechtsstaat ist zu einem solchen Akt nur dann befugt, wenn er dessen Legitimität nachgewiesen hat. Bis zu diesem Beweis ist davon auszugehen, dass der Gewaltakt des Staates gegen einen Bürger illegitim ist.

        Dabei geht es eben nicht um die Frage, ob ein „Nein“ akzeptiert werden muss (muss es) – sondern um die Frage, wie BEWIESEN werden kann, dass der sexuelle Akt gegen den Willen der Frau war. Wenn sie „Nein“ gesagt hat, muss zum Beispiel nachgewiesen werden, dass dieses „Nein“ sich tatsächlich auf den Sex bezog. Das ist nach allem, was ich weiß, bei Lohfink gerade der entscheidende Punkt: Offenbar waren Staatsanwaltschaft und Gericht nach Ansicht der Bänder zum Schluss gekommen, ihr „Hört auf“ habe sich auf das Filmen bezogen, nicht auf den Sex.

        Politisch geht es bei der „Verschärfung“ des Sexualstrafrechts also nicht etwa darum, nun Fälle für illegal zu erklären, die heute noch legal sind (ein „Nein“ nicht zu akzeptieren und jemanden zu nötigen, ist auch heute strafbar) – sondern es kann den Aktivistinnen nur darum gehen, die Beweispflicht zu lockern. Also z.B. dadurch, dass bereits die Aussage einer Frau, vergewaltigt worden zu sein, als Beweis der Vergewaltigung gilt. Das aber ist nicht möglich. Schließlich können sich staatliche Institutionen nicht einfach vorsätzlich dumm stellen und so tun, als ob sie noch nie etwas davon gehört hätten, dass Menschen falsche Aussagen treffen können.

        Ein Staat KANN die eigene Gewalt gar nicht allein dadurch legitimieren, dass ein Mensch etwas aussagt, ohne den Wahrheitsgehalt dieser Aussagen zu überprüfen.

        Wenn Du erwartest, Gerichte sollten ihre Entscheidungen entsprechend des Bildes treffen, dass Du am Computer sitzend von einem Fall gewonnen hast – dann verneinst Du die Unabhängigkeit der Gerichte und deren Aufgabe, sich unbeeinflusst und eigenständig ein Bild vom Sachverhalt zu machen. Damit aber würde die ganze Legitimation staatlicher Gewalt im Strafrecht zusammenklappen – wir hätten keinen Rechtsstaat mehr, sondern einen autoritären Staat, der auf Zuruf funktioniert. Solange eben die richtigen Leute zurufen.

        Es ist ein Irrtum zu glauben, dass eine solche Schleifung des Rechtsstaats nötig und sinnvoll ist, um einen besseren Schutz vor Vergewaltigungen zu garantieren. Dem Team Gina Lisa ist ganz im Gegenteil vorzuwerfen, dass es Vergewaltigungen erleichtert.

        Die Aktivistinnen erwecken erstens fälschlicherweise den Eindruck, ein Mann dürfe nach der aktuellen Rechtslage eine Frau durchaus zum Sex zwingen, solange sie sich nur nicht offen wehre. Das stimmt einfach nicht, und es ist ja wohl klar, dass das eine gefährliche Falschinformation ist.

        Sie erwecken zweitens fälschlicherweise den Eindruck, eine Frau könne schon wegen falscher Verdächtigung bestraft werden, wenn sie einfach nur eine Vergewaltigung angezeigt hat, sie aber nicht beweisen konnte. Das stimmt nicht – eine falsche Verdächtigung kann eine Aussage erst dann sein, wenn sie wider besseres Wissen getätigt wurde. Dass Lohfinks Aktivistinnen-Team hier einen anderen Eindruck erweckt, ist fatal – vergewaltigte Frauen werden dadurch möglicherweise davon abgeschreckt, Vergewaltigungen anzuzeigen.

        Das Team Gina Lisa nimmt also aus politischem Kalkül billigend in Kauf, Vergewaltigungen zu fördern und die Anzeige von Vergewaltigungen zu erschweren. Von solchen Typen zu erwarten, sie könnten zu einem humaneren Strafrecht und zu einer gewaltfreieren Gesellschaft beitragen – das ist so, als würde man ausgerechnet vom Schulhofschläger erwarten, er könne am Besten die Schulregeln formulieren, nach denen dann alle besser leben können.

      • @Semikolon:

        Wenn ich Dich filme während Du gefickt wirst obwohl Du praktisch ununterbrochen sagst, ich solle das sein lassen und das auch noch mit Deinem Namen versehen veröffentliche, habe ich Deine sexuelle Selbstbestimmung und nicht bloß Deine Privatsphäre aufs schwerste verletzt.

        Dann hätte sie die beiden aufgrund des Filmens hochkant rausschmeißen müssen: »Verpisst euch!« – dann wäre es auch in Bezug auf den Sex ein klares Nein geworden!

        Aber nachträglich per Ordre de Mufti Intentionen reinlesen, die vorher nicht drin waren, geht gar nicht! Es sei denn, man will den Rechtsstaat an die Hysterie verkaufen, so wie Schwesig und jetzt offenbar auch Du!

        Willkommen bei den Femina … Sch’tis!

      • @Schoppe: „… es kann den Aktivistinnen nur darum gehen, die Beweispflicht zu lockern. Also z.B. dadurch, dass bereits die Aussage einer Frau, vergewaltigt worden zu sein, als Beweis der Vergewaltigung gilt“

        Das ist das alte Definitionsmacht-Prinzip und der Kern der Angelegenheit. Als ich vor 3 Jahren meinen Blog gestartet habe, war mein Text über das feministische Definitionsmacht-Prinzip und dessen Verfassungswidrigkeit einer der ersten, damals noch vor allem unter dem Eindruck der Fälle Kachelmann, Strauß-Kahn u.a. Die Argumente waren damals wie heute die gleichen, der amtierende Feminismus kämpfte damals schon und heute immer noch dafür, Männer juristisch zu Menschen zweiter Klasse zu machen. Er war insgesamt erfolgreich, vor allem bei den Frauenquotengesetzen und tw. bei der Verschärfung des Sexualstrafrechts. Dieser eiserne Wille der feministischen Führungsriege (politisch und medial), Männer als Klasse zu schädigen, ist als übergeordnetes Leitbild über die Jahre konstant geblieben. Man kann diese Schädigungsabsicht nur als tiefsitzenden Haß interpretieren, der sich nicht sprachlich, sondern eben juristisch äußert. Umso lächerlicher, sich selber in der „No Hate“-Kampagne als Friedensengel zu inszenieren.

  • Okay das ist jetzt zwar weit hergeholt, aber wenn ich mal so an die Märchen denkt da ist Gewalt gegen Kinder, Frauen ziemlich oft Weiblich (Hänsel & Gretel, Schneewittchen, Aschenputtel usw.)
    Männer kommen da meist besser weg und steckt in jedem Märchen/Legende nicht auch ein wahrer Kern?

  • In der Liste weiblicher Staatsoberhäupter und Regierungschefs bei Wikipedia sind rund 100 Frauen gelistet; darunter 13 mal Frauen aus dem Großreich San Marino. Nachstehend ein Auszug von 16 Frauen, die ihre emphatischen Fähigkeiten durch beachtliche kriminelle oder kriegerische Leistungen unter Beweis stellten. Unter den restlichen 84 Frauen der Liste sind auch einige versammelt, die nur wenige Tage regierten, ebenso etliche, die wegen Unfähigkeit auffielen, und einige, denen ihre kriminellen Machenschaften nicht belastbar bewiesen wurden.

    Man kann also sagen, die Hälfte der Frauen, die Regierungen anführten, waren unfähig, korrupt, kriminell und kriegslüstern. Das dürfte in etwa auch für die Hälfte der männlichen Regierungschefs zutreffen. Womit sich also die Behauptung von der besseren feministischen Welt ebenso in Luft auflöst wie die Behauptung von der ausschließlich männlichen häuslichen Gewalt.

    Fazit: Frauen sind ebensolche Drecksäcke wie Männer. Oder anders herum ein Drecksack zu sein, ist eine durch und durch menschliche Eigenschaft.

    Hier meine Liste der weiblichen Drecksäcke:

    Golda Meyr (Israel) – Jom-Kippur-Krieg
    Margaret Thatcher (UK) – Falklandkrieg
    Tansu Çiller (Türkei) – Korruption
    Aleqa Hammond (Grönland) – Korruption
    Sirimavo Bandaranaike (Sri Lanka) – Korruption
    Indira Gandhi (Indien) – Krieg gegen Pakistan, Verhängung des Ausnahmezustands, Annexion Sikkims
    Isabell Peron (Argentinien) – Ermordung Oppositioneller, Korruption
    Mireya Moscoso (Panama) – Korruption
    Gloria Macapagal-Arroyo (Philippinen) Wahlfälschung, Korruption, Ermordung Opositioneller
    Cristina Kirchner (Argentinien) – Korruption, Strafvereitelung im Amt
    Dilma Rousseff (Brasilien) – Korruption
    Benazir Bhutto (Pakistan) – Korruption
    Hasina Wajed (Bangladesch) – Wahlfälschung
    Maria das Neves (Sao Tomé, Principe) – Korruption
    Julija Tymoschenko (Ukraine) – Korruption, Auftragsmord
    Yingluck Shinawatra (Thailand) – Korruption, Amtsmissbrauch

  • Lieber Lucas, ich werde zu dir verlinken, kannte deine Analysen bislang noch nicht. Die „Feministinnen“, die du beschreibst, vertreten „embedded feminism“ dh lassen sich für eine Agenda instrumentalisieren. Das ist deshalb möglich, weil sie nie um Dinge gekämpft haben, die es wert sind, sondern daran mitwirkten, dass echte Probleme negiert und Bagatellen aufgeblasen werden (siehe Wizorek), in Abwandlung des Spruchs „Was wichtig ist, steht nicht in der Zeitung, und wenn etwas in der Zeitung steht, dann ist es nicht wichtig“. Sie passen in die Agenda der Globalisten und Transatlantiker, in deren Visier unsere Staaten sind: deshalb Kampf gegen Familie und Identität, gegen Traditionen, Zugehörigkeitsgefühl zu Staat usw. Wenn man sich klarmacht, dass die Mehrheit „weiß“ und heterosexuell ist, wird klar, wo diese Frauen überall die Agenda befördern, von der sie kaum etwas ahnen – ich stelle das zB hier dar:

    https://alexandrabader.wordpress.com/2016/08/28/mit-der-burkadebatte-gegen-emanzipation/

    https://alexandrabader.wordpress.com/2016/07/21/frauen-und-die-internet-stasi/

    https://alexandrabader.wordpress.com/2016/06/04/die-verratene-emanzipation/

    • @ Alexandra Danke für die Verlinkungen! Dass feministische Positionen sich instrumentalisieren lassen, und dass sie vermutlich gerade deshalb institutionell so erfolgreich sind – das glaube ich auch. Die Frage, WOFÜR sie instrumentalisiert werden, würde ich etwas anders beantworten.

      Ich finde es offensichtlich, dass Feministinnen nicht nur gegen bestimmte Traditionen, sondern dass sie auch IN Traditionen agieren, die sich eigentlich überlebt haben. Dass der Feminismus in diesem Sinne nicht etwa gewachsene Strukturen zerstört, sondern überkommene Strukturen gegen moderne Entwicklungen verteidigt.

      Ein Beispiel ist für mich das Beharren auf der rechtlichen Privilegierung der Mutter gegenüber dem Vater – das ja eigentlich mit dem erklärten Ziel der Gleichberechtigung überhaupt nichts zu tun hat. Es steht aber in den reaktionärsten Traditionen einen (deutschen) Mutterkults.

      Ähnlich verstehe ich die seltsamen Allianzen ausgerechnet mit konservativen Muslimen, etwa Kübra Gümüsay. Die wiederum empört sich öffentlich darüber, dass die nationalistische, islamistische, antidemokratische und antisemitische Millî Görüş-Bewegung vom Verfassungsschutz überwacht wird. Sie kleidet sich auch entsprechend solcher reaktionärer islamischer Vorstellungen – und wird eben damit als Inbegriff einer selbstbewussten feministischen Muslima präsentiert.

      Anstatt sich also mit modernen Muslimen zu solidarisieren, sucht sich Wizorek ausgerechnet besonders reaktionäre Bündnispartner.

      Meine eigene Erklärung ist, dass die heute dominanten Ausprägungen des Feminismus ein autoritäres Staats- und auch Geschlechterverständnis haben, in dem seine Protagonistinnen Wahlverwandtschaften gerade mit besonders reaktionären Muslimen entdecken.

      Dass damit modernen Muslimen, eben gerade auch modernen islamischen Frauen, das Leben eher schwerer als leichter gemacht hat – das ist dann ganz egal.

      Dass der Feminismus mit einer neoliberalen Ideologie gut vereinbar ist, u.a. weil er eine traditionelle Solidarität von Männern UND Frauen im Einsatz für bessere Lebensbedingungen aller (wie es die mal in der Arbeiterbewegung gegeben hat) zerstört – das ist hier in den Kommentaren schon häufiger so betont worden. Mir ist aber zudem noch wichtig, dass die Positionen des heutigen Feminismus dabei in eben den Traditionen stehen, die zu bekämpfen Feministinnen vorgeben – in den Traditionen eines autoritären Staatsverständnisses und in denen einer rigiden Geschlechterordnung.

  • kluger, durchdachter Text!
    Stokowski ist wirklich eine furchtbare Frau.
    Das Schlimmste ist in meinen Augen allerdings, dass sie das wenige journalistische Talent, das sie dann noch hat, nur für diese Rant-Kolumnen verschwendet; zumindest kann ich mich an keinen einzigen Beitrag von ihr erinnern, der nicht einen Vorfall behandelt, der sie vorher getriggert hat. Man stelle sich vor, es gäbe ein Jahr lang keine Vergewaltigung durch Flüchtlinge, keinen Aufmarsch rechter Pfeifen und keine Massengrabschereien auf irgendeinem Bahnhof – die gute Margarete würde wohl verhungern, weil sie außer ranten nicht viel kann.
    schade.

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