Deutschland

Wie ich einmal versuchte, mit einem Qualitätsjournalisten zu kommunizieren

Bild zeigt Dresden nach Bombenangriff und ein Berg von Toten.
geschrieben von: Lucas Schoppe

Neulich bei Twitter. Ich hatte eine Frage zu einem Tweet, den Hanning Voigts, Redakteur der Frankfurter Rundschau, herausgeschickt hatte.

Eben wegen solcher Äußerungen wie den zitierten wird Schramm zur Zeit heftig beschimpft, und ein #teamjulia hat sich kurzzeitig zu ihrer Unterstützung zusammengefunden. Laut Voigts gibt es auch Morddrohungen gegen sie.

Das ist natürlich absolut indiskutabel. Ich hatte also versucht, deutlich zu machen, dass ich die zitierten Aussagen Schramms furchtbar finde – aber auch, das auf eine Weise zu machen, die sich an der Hetze gegen sie nicht beteiligt.

Das klappte nicht besonders gut. Voigts schrieb zwar zurück, antwortete aber nicht, sondern räsonnierte darüber, weshalb er mir eigentlich antworten sollte.

Bundesarchiv_Bild_183-08778-0001,_Dresden,_Tote_nach_Bombenangriff

Bundesarchiv: Dresden, Tote nach Bombenangriff Solche Bilder bieten Rechtsradikalen die Möglichkeit, die Verbrechen der Konzentrationslager zu relativieren. Das ist historisch falsch. Auch das aber ist natürlich kein Grund, sich über die Folgen der Bombenangriffe für Zivilisten zu belustigen.

Nun habe ich ja tatsächlich keinen Anspruch auf Antwort – wenn Journalisten jedem Nutzer auf Twitter Rede und Antwort stehe müssten, kämen sie vermutlich zu nichts anderem mehr. Aber es gibt ein paar Fragen, auf die ein Journalist wie Voigts, der sich sicherlich als links oder linksliberal versteht, überhaupt eine Antwort geben sollte – nicht unbedingt mir persönlich, aber ganz allgemein.

In dieser Hinsicht ist die kurze Nicht-Kommunikation auf Twitter dann doch sehr aussagekräftig. Es geht dabei nämlich darum, wie überhaupt glaubwürdige Positionen einer demokratischen, humanen Linken formuliert werden können.

 

Warum findet eine Fachreferentin für Hatespeech Bombardierungen irgendwie toll?

Die Bombardierung von Dresden im letzten Kriegsjahr wird seit Jahrzehnten politisch ganz unterschiedlich interpretiert und genutzt: Schon Goebbels hat damit Propaganda gemacht, die SED hat in der DDR-Zeit die Bomben als „Ausdruck des alliierten Imperialismus“ hingestellt, Rechtsradikale benutzen das Gedenken für eine Fixierung auf die deutschen Opfer des Krieges, und Aktivisten, die sich als „links“ verstehen, begegnen dem mit einer demonstrativen Verweigerung von Empathie.

Ganz ähnlich wie Schramm hatte sich auch schon die damalige Piraten-Politikerin Anne Helm geäußert, die sich barbusig mit dem Slogan „Thanks, Bomber Harris“ in Dresden fotografieren ließ.  Sie wurde dann gegen Kritik daran von dem damaligen Vorsitzenden der Berliner Piratenfraktion, Oliver Höfinghoff, verteidigt.  Inzwischen sind Helm und Höfinghoff Mitglied bei der Linkspartei, Schramm unterstützt diese Partei öffentlich.

Viel ernsthafter als diese Aneignungen für die jeweilige politische Agitation, aber auch ungeheuer bitter ist das, was Victor Klemperer über die Bombenangriffe schrieb. Romanistik-Professor in Dresden, 1935 als Jude entlassen, wurde er nach dem Krieg erst mit seiner grundlegenden Analyse des nationalsozialistischen Sprache (LTI – Lingua Tertii Imperii), dann später mit seinen Tagebüchern aus der Zeit der Verfolgung bekannt. Die Jüdische Allgemeine erzählt:

„Am 13. Februar 1945, einem Dienstag, muss sich Victor Klemperer als Hiobsbote betätigen. Er ist zum Austragen von Briefen verpflichtet worden, mit denen den noch gut 70 Juden in Dresden ihre Deportation angekündigt wird.“

Zu den Deportationen, deren Ankündigung Klemperer unendlich bedrückt, kommt es nicht mehr – am Abend wird Dresden bombardiert. In sein Tagebuch notiert er dann:

„Sooft ich an den Schutthaufen Zeughausstraße 1 und 3 dachte und denke, hatte und habe doch auch ich das atavistische Gefühl: Jahwe! Dort hat man in Dresden die Synagoge niedergebrannt.“

Bomber Harris als Werkzeug eines göttlichen Zorns: Diese Interpretation ist aus Klemperers Perspektive schlüssig und nachvollziehbar. Er lebte allerdings in einer anderen Situation als alle, die sich heute äußern – wir haben nicht Jahre der Verfolgung hinter uns, wir müssen nicht jeden Tag mit unserer Ermordung rechnen, und wir haben nicht unübersehbar viele Familienangehörige, Freunde und Bekannte an die Massenmörder verloren. Wenn wir uns bei der Verweigerung der Empathie für die zivilen Opfer trotzdem auf Klemperer berufen, dann ist das keine Solidarität mit den ermordeten Juden, sondern ihre Funktionalisierung.

Ich zitiere einmal aus einem anderen Text, auch wenn das nach den Klemperer-Zitaten möglicherweise vermessen wirkt. Ich möchte damit keine Die-einen-haben-gelitten-die-anderen-haben-gelitten-Relativierungen begründen – die Verbrechen an den Juden waren einzigartig, und es wäre unsinnig, sie durch Vertreibungen Deutscher aufzuwiegen. Ich möchte nur zeigen, dass dieselbe Situation mit gutem Grund ganz unterschiedlich wahrgenommen werden kann.

Mein Vater war 1945 als Achtjähriger mit seiner Großmutter auf der Flucht aus Schlesien und auf dem Weg nach Dresden, und er hat mehrmals erzählt, dass sie wohl nur deshalb in den Bombennächten nicht in der Stadt gewesen seien, weil seine überforderte Großmutter einen falschen Zug genommen habe. Wenige Wochen später seien sie dann aber in Dresden angekommen, und Jahrzehnte später hat er seine Erinnerungen so aufgeschrieben:

„Vor dem Bahnhofsgebäude bekamen wir einen großen Schreck. Vor uns lag ein riesiges Trümmerfeld. Ruinen von ausgebrannten Häusern ragten in den Himmel, soweit unser Auge reichte. Viele Häuser waren einfach zusammengefallen. Überall lagen Trümmer auf der Straße und auf den Bürgersteigen.“

Sie kommen dann mit einem Mann ins Gespräch, der ihnen erzählt, dass er mit anderen zusammen wochenlang Leichen aus den Häusern geholt oder von den Straßen geräumt habe.

„Unterwegs fiel mir plötzlich etwas ein.

‚Ob da auch Kinder verbrannt sind, Oma?’

‚Das glaube ich wohl. In diesen großen Häusern haben bestimmt viele Kinder gewohnt.‘

Aber das wollte ich nicht glauben. Was hatten denn die Kinder mit dem Krieg zu tun?“

Sauerkraut, Kartoffelbrei – Bomber Harris, Feuer frei: Was soll das? Warum die gezielte Verhöhnung der Opfer, der „Krauts“, die irgendwie sauer sind, und der „Kartoffeln“, aus denen Brei gemacht wurde?

Trotz solcher Fragen: Es ist nur ein Tweet, der zudem einige Jahre alt ist – und dass Menschen Dummes oder Gemeines schreiben, geschieht bei Twitter im Sekundentakt. Schwerwiegend wird die Äußerung erst dadurch, dass Schramm als Politikerin agierte und heute, ausgerechnet, als „Fachreferentin für Hatespeech“ bei der Amadeu Antonio Stiftung aus Steuermitteln bezahlt wird.

Erst vor ein paar Tagen, und unter dem Druck der Angriffe auf sie, hat sie sich bei Facebook erklärend zu ihrem Tweet geäußert, den sie als „Gag“ bezeichnet.  Er könne nur  im Zusammenhang mit heftigen inneren Auseinandersetzungen der Piratenpartei  verstanden werden, deren Mitglied sie damals noch gewesen sei.

Das heißt: Für sie war das Thema einfach wegen seines beträchtlichen Provokationspotenzials im innerparteilichen Profilierungskampf interessant, und weil es für politische Frontstellungen gut nutzbar war: Es ist angesichts der traditionellen Funktionalisierungen der Bombardierungen Dresdens leicht, wütende Kritiker an dem „Gag“ als Rechte hinzustellen.

Dass Schramm offenbar erheblichen persönlichen Angriffen und Bedrohungen ausgesetzt ist, wird dadurch nicht gerechtfertigt – viele äußern sich im Netz ähnlich maßlos wie sie, und als Person sollte sie einfach in Ruhe gelassen werden. Das gilt so jedoch nicht für die steuermittelfinanzierte Amadeu Antonio Stiftung – natürlich sind auch hier Bedrohungen und Beschimpfungen falsch, aber sachlichen Fragen sollten die Verantwortlichen nicht mehr ausweichen. Warum ist es für sie selbstverständlich, sich nicht dazu zu äußern,  dass sie ausgerechnet Schramm mit ihrer langen Geschichte der wütenden Beschimpfung politischer Gegner zur „Fachreferentin für Hatespeech“ gemacht hat? Dass es auf diese demonstrative Doppelmoral heftige Reaktionen geben würde, haben sich die Verantwortlichen der Stiftung denken können. Oder haben sie es darauf angelegt?

Als Person aber ist Schramm nicht interessant – und auch, weil sie zudem im verlinkten Facebook-Video (das meine ich ganz ohne Häme) angeschlagen wirkt, wäre es wichtig, die Diskussion von ihrer Person weg und auf die politische Bedeutung des Themas hin zu lenken. Denn der Konflikt zeigt einige allgemeine destruktive Dynamiken heutiger linker Politik – und er zeigt vor allem, warum es falsch ist, aus der Perspektive einer demokratischen Linken solche Dynamiken zu unterstützen.

 

Was hat man davon, aus getöteten Menschen lustige Gags zu basteln?

Ob Schramm, Helm oder Höfinghoff als Person jeweils menschenfeindlich sind oder nicht, ist politisch ganz unwichtig – wichtig ist, dass die Antihumanität der gezielten Verhöhnung ziviler Opfer des Bombenkrieges bei ihnen eine politische Funktion erfüllt, die von außen schwer nachvollziehbar ist.

Wer die herrschende Normalität als grundsätzlich gewaltvoll und unmenschlich hinstellt, der findet Humanität eben nur in der Distanzierung von ihr – ob er diese Normalität nun als „Patriarchat“, als „Imperialismus“, als „heterosexistische Ordnung“ oder eben wie die antideutsche Linke schlicht als „Deutschland“ beschreibt.

Wer nur in der Normabweichung Humanität entdeckt, sich aber zugleich natürlich um der eigenen Handlungsfähigkeit Willen gar nicht rundweg von der vorgeblich so inhumanen Normalität entfernen kann – der setzt sich und andere unter Druck, beständig nachzuweisen, nicht mit dieser herrschenden Inhumanität zu kollaborieren.

So begründet sich wohl die gerade in linken Kontexten so typische Überbietungsdynamik, in der unterschiedliche Gruppen immer extremere Positionen einnehmen, die Menschen außerhalb dieser Gruppen immer weniger vermittelt werden können: Meine Position ist reiner als deine, weil sie sich entschlossener den herrschenden Strukturen entgegenstellt.

Dass eine Mehrheit der Menschen abgestoßen wird, lässt sich dann schließlich sogar als Qualitätssiegel begreifen – und heftige Reaktionen lassen sich deuten als Hinweise darauf, dass die Strukturen der Herrschaft an einer empfindlichen Stelle getroffen wurden. Eine kalkulierte Antihumanität, der ein Großteil von Menschen aller politischen Spektren nicht mehr folgen kann, lässt sich so als Instrument einer revolutionären Positionsbestimmung nutzen. Voraussetzung ist natürlich ein zementiertes Freund-Feind-Muster, in dessen Perspektive die Opfer der Antihumanität ohnehin der Empathie gar nicht würdig sind.

Auf Nachfrage einer Twitter-Nutzerin, die mit Überlebenden der Dresdener Bombenangeriffe gesprochen hatte, antwortet Schramm mit dem Hinweis, dass sie sich „bevorzugt mit Überlebenden, die durch die Alliierten befreit wurden“, unterhalten habe: Meine Überlebenden sind würdiger als deine.

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Das instrumentalisiert nicht allein die zivilen Opfer des Bombenkrieges, sondern auch die jüdischen Opfer der nationalsozialistischen Massenmorde für die eigenen politischen Profilierungsrituale.

Für eine demokratische Linke findet sich in einer solchen Dynamik keine Perspektive. Da linke Politik widerspruchsfrei nicht allein Politik für eine kleine Klientel sein kann, muss sie Mehrheiten überzeugen können. Wer aber nur in der möglichst weiten Entfernung von der herrschenden Normalität so etwas wie politische Reinheit und Integrität findet, wird Mehrheitsfähigkeit immer als Verrat an den Idealen einer wirklich humanen Gesellschaft begreifen.

Warum kommt dann ein Journalist einer deutschen Zeitung auf die Idee, Schramm trotz der offenkundigen und kalkulierten Inhumanität ihrer Positionen zu unterstützen?

 

Warum eigentlich antwortet man auf Fragen?

Die erste Reaktion von Voigts auf meine Frage: Er weicht aus und versucht, meine Frage lächerlich zu machen.

Das merke ich mir gern: Ich habe jetzt schon mehrfach erlebt, dass Journalisten oder Politiker auf eine direkte Frage oder Kritik nicht direkt antworten, sondern sich auf irgendeinen Nebenaspekt konzentrieren, um so die Äußerung insgesamt unglaubwürdig zu machen oder aber zumindest von ihrem Fokus abzulenken. Es ist wichtig, sich im Gespräch tatsächlich auf das zu konzentrieren, um das es geht – und nicht alle möglichen Aspekte mit unterzubringen, die irgendwie auch noch wichtig sind.

Der Hinweis auf die SPD war also ein Fehler, zumal der Verlag der Frankfurter Rundschau seit 2013 tatsächlich nicht mehr im Besitz der SPD-eigenen DDVG ist, sondern von einer Verlagsgesellschaft unter dem Dach der Frankfurter Societät geführt wird. Sich aber keinen Fehler erlauben zu können,  nicht einmal in Nebenaspekten, ist typisch für die Kommunikation mit Menschen in Herrschaftspositionen.

Trotzdem ist es natürlich nicht nötig, die Frage deshalb insgesamt zu ignorieren.

Warum also die Solidarisierung? Für Voigts ist sie eine Unterstützung für eine Frau, die offenbar auch deshalb unter Druck geraten sei, weil sie sich als Frau offen politisch äußere. Damit steht er nicht allen: Wie er deuten auch, z.B., Anke Domscheidt-Berg (bislang Grüne, Piraten und Linke) und Eva Horn  (Journalistin und ehemals Pressesprecherin der Grünen Jugend BW)  die Kritik an Schramm als Angriff auf eine Frau, die sich öffentlich zu äußern gewagt habe.

Frauen auf ihre Geschlechtszugehörigkeit zu reduzieren, war einmal in politischen oder akademischen Kontexten ein Instrument, um sie mundtot zu machen – hier wird dieselbe Reduktion zum Instrument der Abschirmung gegen alle Kritik. Von der ausgrenzenden zur wohlwollenden Herablassung: Es bleibt die Überzeugung, dass – auch gravierende – Äußerungen nicht weiter ernst zu nehmen seien, wenn sie von einer Frau getätigt werden. Dass Schramm deshalb kritisiert wird, weil Menschen ihre Gewaltfreude tatsächlich furchtbar finden, und dass das einem Mann nicht anders ginge: Das wird hier nicht einmal als Möglichkeit erwogen. Schramms Verteidiger fordern damit eher Narrenfreiheit ein, als dass sie Vogelfreiheit beklagen würden.

Möglich wird das nur in einem klaren Freund-Feind-Denken. Schon der Hashtag #teamjulia spielt auf einen Hashtag an, der sich ebenfalls auf eine durchaus zweifelhaft agierende Frau bezog: Als käme es nicht darauf an, sich auf für viele und gemeinsam tragbare Positionen zu verständigen, über eine gemeinsame Wirklichkeit – sondern nur darauf, in welchem Team wir uns befinden.

Das ist wohl auch der Hintergrund dafür, dass Voigts zwar Zeit findet, die Notwendigkeit des Antwortens zu hinterfragen – aber keine Zeit für eine Antwort.

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Dass er nicht jedem Twitter-Nutzer, oder mir persönlich, antwortet, finde ich ganz verständlich. Irritierend und falsch aber ist, dass generell jede Antwort ausbleibt und dass er den Kritikern Schramms nicht einmal die Möglichkeit einräumt, durch vernünftige Gründe motiviert zu sein.

Wer sich zudem provokant in sozialen Medien äußert, muss zumindest mit Nachfragen rechnen. Auf offenkundig gut motivierte Fragen nicht zu antworten, ist gemeinhin ein kommunikatives Foul („Entschuldigung, können Sie mir sagen, wie spät es ist?“ – „Warum sollte ich dir die Frage beantworten?“)

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Es ist durchaus bezeichnend für einen Journalisten mit links-liberalem Selbstverständnis, dass ihm – wie hier Voigts – für seine eigene Herrschaftsposition und sein eigenes Herrschaftsverhalten ganz der Sinn fehlt. Das ist der Eindruck, den Äußerungen von Journalisten über die Trolle im Netz zumindest mir immer wieder erwecken: Während sie ein paar Blogger und Kommentatoren, die in ihrer Freizeit, auf eigene Kosten und mit geringer Reichweite schreiben, als Repräsentanten eines herrschenden Systems hinstellen, präsentieren sie sich selbst mit massenmedialer Überlegenheit als Anwälte der Marginalisierten. Nicht einmal diese Herrschaftsposition selbst aber ist das wesentliche Problem, sondern der umfassende Unwille, sie ehrlich zu reflektieren.

Diese Selbst-Verkennung ist nur durchzuhalten, wenn weite Bereiche der sozialen Wirklichkeit ausgeblendet bleiben. Das aber kollidiert mit dem Anspruch, über eben diese Wirklichkeit verlässlich berichten zu können. Insofern ist Voigts‘ Dialogunfähigkeit nicht nur sein persönliches Problem, sondern ist Teil einer elitären Abschottung, die dazu führt, dass auch solche Zeitungen ihre Vertrauenswürdigkeit verlieren, die einmal als Qualitätsmedien galten.

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Das Ende der Nicht-Kommunikation bei Twitter

Diese Abschottung braucht Freund-Feind-Muster und Abwertungen des Gegenübers, um sich legitimieren zu können. Es ist aber längst Allgemeingut, dass damit auch die gestärkt werden, die von der anderen Seite aus ebenfalls mit Freund-Feind-Mustern agieren.

Wenn sich demokratische Linke nicht einmal mehr von offener, hämischer Freude an der Tötung von Tausenden distanzieren können, weil diese Freude von einer Akteurin aus dem eigenen Lager geäußert wurde und Kritik daran möglicherweise Beifall von der falschen Seite provozieren könnte – dann haben Rechte es leicht, diese Linke als verkommen hinzustellen.

Diese Sicht ist falsch. Die Distanzlosigkeit gegenüber der Gewaltfreude Schramms und anderer ist kein Ausdruck einer linken Dekadenz, sondern eher einer linken Orientierungs- und Ratlosigkeit: In der Selbstgewissheit und Einfachheit bedenkenlosen Freund-Feind-Denkens erhoffen sich einige demokratische Linke eine Perspektive, die natürlich gerade dort niemals zu finden sein wird.

Wenn sich aber eine demokratische Linke von einer kalkulierten Antihumanität wie der Schramms und anderer nicht deutlich distanziert, dann erweckt sie den schrägen Eindruck, nur noch im rechten Spektrum der Politik hätten humane Überzeugungen einen Platz. Eine überzeugende demokratische und humane linke Perspektive ist so nicht zu entwickeln.

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25 Comments

  • Danke.
    Der Artikel macht deutlich, dass wir dringend Geschichtsrevisionismus betreiben müssen. Es ist erschreckend, wieviel alliierte Kriegspropaganda in den Köpfen der Menschen zur Wirklichkeit wurden und diese daraus diese kruden Gedankengebäude konstruieren.
    Seriöse und unabhängige Forscher die nicht relativieren, schätzen die Toten dieser einen Bombennacht auf über 600.000. 20 Mio. Zivilisten in Deutschland sollen es im gesamten Krieg gewesen sein. Die meisten Frauen und Kinder. Harris hatte den ausdrücklichen Befehl, Wohngebiete zu bombardieren. Ein Kriegsverbrechen sondergleichen. nehmt dazu, was in den Rheinwiesenlagern passiert ist. Man sollte Frau Schramm wünschen, einmal eine solche Nacht in 3 Angriffswellen zu erleben, die darauf angelegt waren, die Flüchtenden die vor den Flammen und Bomben entkommen wollten in ein weiteres Inferno zu treiben.

    • Nicht mal die Nazis haben 600.000 Tote dieser Bombennacht unterstellt, sie kamen mit der Hälfte aus. Die seriöse, quellengestützte historische Forschung geht von maximal 25.000 Toten aus. Und nein, da fehlt keine Null! Im Verhältnis zur Größe der Stadt hat es das kleine Pforzheim damals sehr viel schlimmer getroffen.

      Sie haben ganz offensichtlich die Absicht, Ihren »Geschichtsrevisionismus« hier gezielt zu injizieren.

      Seien Sie versichert, dass Sie es auf diesem Blog mit klugen Lesern und Kommentatoren zu tun haben, denen es nicht schwerfällt zu erkennen, in welche Richtung bei Ihnen der Hase hoppelt.

      • Die offizielle Geschichte hat zuviele Wiedersprüche, die nicht wegerklärt werden können. Je mehr man sich mit den Dingen beschäftigt, desto mehr Dinge passen nicht zusammen. Wenn dann einiges behauptete noch physikalisch unmöglich ist, beginnt man sich selbst um die Wahrheit zu kümmern und betet nicht alles nach, was man natürlich auf sehr hohem Niveau tun kann.

        Ich werde Herrn Schoppe den Gefallen tun und die Opferzahlen nicht diskutieren. Ich habe das mal irgendwo gelesen und es war sehr sehr plausibel. Müsste ich erst nachfahnden und sie wollen es nicht wissen.

        Erlauben Sie mir nur eine Meinung, die ich mir selbst gebildet habe, nach dem ich sehr sehr viel gelesen hatte, und mir die gesetzlich festgeschriebene Wahrheit zuviele Unwahrscheinlichkeiten zumutete.

        In welche Ecke sie mich stecken möchten ist schon klar, mir aber egal.

    • Der Streit um die Opferzahlen ist ein Beispiel dafür, wie gravierend es ist, wenn Medien mit einstmals oder immer noch gutem Ruf und staatliche Institutionen ihre Vertrauenswürdigkeit aufs Spiel setzen.

      Ich beziehe mich mit der Zahl 25.000 auf die Zahl einer Historikerkommission, eingesetzt vom Dresdner Oberbürgermeister, die damit schon vor Jahren deutlich höhere Zahlen korrigiert hat.

      In der „Welt“ fragt dann später ein Kommentator, ob 25.000 Tote nicht genug seien, und der Frage schließe ich mich an.

      Das Deutsche Historische Museum nennt ebenfalls die Zahl 25.000 – übrigens jeweils als Höchstwert.

      Bei deutlich höheren Zahlen wird Dresden oft mit Hiroshima verglichen – das aber ist eine Opferkonkurrenz, bei der nichts Vernünftiges herauskommen kann. Wer davon ausgeht, dass die Zahl 25.000 deutlich zu niedrig ist, wird nicht darum herumkommen, sich den Bericht der Kommission zu besorgen und im Einzelnen überzeugend nachzuweisen, wo er falsch liegt. Ein Hinweis auf „alliierte Kriegspropaganda“ reicht da nicht.

      Im Kontext dieses Artikels hier lenkt die Zahlendebatte nur ab. Hier geht es um die bewusste, ja höhnische und als lustig dargestellte Verweigerung von Empathie für zivile Opfer – und die würde ich auch schon kritisieren, wenn es um 25 Opfer ginge.

      Wenn aber sogenannte Qualitätsmedien und staatliche Institutionen nicht mehr als vertrauenswürdig erlebt werden, heißt das noch lange nicht, dass Blogs, Facebookgruppen oder Kleinstverlage deshalb zwangsläufig vertrauenswürdiger sind. Das ist aber gerade das Problem, wenn sich Journalisten und auch Politiker in elitärer Abschottung nicht mehr darum kümmern, wie glaubwürdig sie eigentlich noch sind. Wenn es keine Institutionen mehr gibt, denen Menschen ganz unterschiedlicher politischer Überzeugungen ein Mindestmaß an Vertrauenswürdigkeit zusprechen können, dann glauben bald alle nur noch das, was sie in ihren eigenen Filterblasen vorfinden. Das ist wirklich eine gefährliche Entwicklung.

    • Nach ihrer Rechnung, da wär doch gar keiner mehr da gewesen, man hätte in den Fünfzigern die halbe Türkei importiert haben muessen.

  • Ich selbst verstehe mich als Linken, aber wenn ich Beiträge lese über linke oder links-liberale Journalisten wie Voigts, dann muss ich mich schämen für meine „Gesinnungsgenossen“. Arroganz, Überheblichkeit und Tunnelblick können unabhängig von der jeweiligen Gesinnung auftreten. Meine früherer – naiver – Glaube, Linke seien aufgrund ihrer Gesinnung grundsätzlich gute Menschen, habe sich schon seit einigen Jahren aufgegeben.

    • Das sind keine Linken, das sind Funktionäre der BRD. Und zwar solche, die von der Verwaltung eingteilt wurden, mit Hilfe der Lügenpresse die linke Opposiion in der BRD zu zersetzen.
      Frage die doch mal nach den Verbrechen ihres eigenen Staates, und warum sie trotzdem behaupten, die BRD sei frei und demokratisch.

      • @ Martin Bott Verschwörungen anzunehmen hilft dabei, eine komplizierte Wirklichkeit einfacher erscheinen zu lassen. Es hilft nicht bei politischen Analysen.

        Warum Linke heute oft Positionen einnehmen, mit denen sie linke Politik untergraben – das finde ich eine sehr interessante Frage. Aber Verschwörungstheorien, Ost-West-Feindbilder oder ähnliches helfen nicht bei der Antwort.

      • @ Lucas
        „Warum Linke heute oft Positionen einnehmen, mit denen sie linke Politik untergraben“

        Wie kommst Du darauf, das würde linke Politik untergraben?

      • @Adrian

        Bitte lese den Beitrag von Leszek zur Unwissenschaftlichkeit von gender studies auf Geschlechterallerlei:

        „Grundsätzlich gilt m.E.: die Gender Studies sind unwissenschaftlich, sie versuchen sich (und ihre Unwissenschaftlichkeit) in zahlreichen anderen Disziplinen zu verankern, stellen m.E. zumindest in langfristiger Perspektive ein Risiko für den universitären Wissenschaftsbetrieb dar, die Gender Studies scheinen nicht selten einen negativen Einfluss auf Studenten zu haben, die das Fach studieren, insofern die Gender Studies zumindest einen Beitrag dazu leisten ideologisierte politisch korrekte Mentalitäten hervorzubringen, die nur in eine Richtung denken können, zum Opfernarzissmus neigen und eine geringe Wertschätzung für die Meinungsfreiheit haben.“

        Diese „Mentalitäten“ sitzen inzwischen in den Qualitätsmedien hatten und haben per „Meinungsmache“ einen verheerenden Einfluss auf linke Theorie und linke Politik.
        Angesichts der Tatsache, wie massiv diese staatlich gefördert werden – und zwar ungeachtet der politischen Parteien – halte ich das für keinen Zufall.

        Gruß crumar

  • Ein symptomatisches Verhalten von Journalisten in der neueren Vergangenheit. Herr Voigt und seine Kollegen beherzigen leider nicht das Bonmot von Hanns Joachim Friedrich: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache – auch nicht mit einer guten Sache“…wobei das Urteil „gute Sache“ im Zusammenhang mit der Amadeu Antonio Stiftung jedem selbst überlassen bleibt.
    Es fehlt jede Objektivität und professionnelle Distanz zum Objekt der Berichterstattung.
    Bin ich der einzige, der es bedenklich findet, wenn Journalisten sich mit einer Institution, oder einer ihrer Protagonistinnen, gemein macht, die Einfluss auf die Ausübung der Grundrechte ausüben will?
    Bislang dachte ich, dass eine Komplizität von Staat und Presse nur in Diktaturen möglich ist.
    Die Aufgabe der Medien ist es, den Staat und seine Institutionen zu kontrollieren und nicht sich mit ihm zu assoziieren.
    Was mir auch auffällt, ist eine befremdliche Unfähigkeit, vom eigenen Standpunkt auf einen anderen zu abstrahieren, die Gegenposition zu reflektieren, ja sie auch nur einmal zur Kenntnis zu nehmen. Wie gesagt, Herr Voigts ist da nur ein Epigone einer ganzen Generation von Journalisten, die ihren Job schlecht machen. Für die sog. „Vierte Gewalt“ fatal. Kein Wunder, dass die Menschen den Medien, besser gesagt: auf ihre Objektivität, nicht mehr vertrauen.

  • Ich lese auch diesen Text wieder mit ungläubigem Staunen darüber, dass Beiträge von Qualität, die tatsächlich mehr als geeignet sind, den Diskurs endlich einmal auf wenigstens akzeptables Niveau zu heben, offenbar in einer Echokammer stattfinden, während die im Beitrag genannten Personen und ihre Peers vom Olymp der Bedeutung herab (von dem sie gnädigst zeitnah herunterkullern sollten – hm, Verzeihung) ungehindert Unflat absondern.

    Äquivalentes Verhalten für dieses Verstehenwollen, diese Empathie selbst für traurige Gestalten, dieses verständige Eingehen auch auf abseitige Argumente findet man auf der Seite von Schramm, Voigts et al. gar nicht vor.

    Auch inhärente Erzogenheit und Manieren gehören wohl, quasi wie die Nationalstaaten in dem erwähnten Youtubevideo, auf den Müllhaufen der Geschichte.

    Die Blindheit gegenüber der eigenen Machtposition zusammen mit dem Gefühl, der marginalisierten Seite anzugehören, und – daraus folgend – Rebellentum zu zelebrieren ist wirklich grotesk.

    Wann geht diese Lähmung des Geistes endlich wieder zurück …

  • Man kann nicht nicht kommunizieren, Paul Watzlawick und sein 5. Axiom…

    Sieht man sich demnach die obige „nicht“ Kommunikation an, kann man nur noch die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Dein Hinweis auf die ehemalige SPD Beteiligung an der Zeitung hatte in dem Tweet genau so wenig zu suchen wie ein Hinweis das er nach eigenen Angaben sogar gebucht werden kann (für Veranstaltungen als Moderator, Quelle seine HP). Hierdurch hast Du seine Aussage in ein Licht gestellt und er hat gleiches mit Deiner versucht. Du bist von der SPD Beteiligung nicht abgerückt, warum sollte er abrücken?
    Hättest Du nichts zur SPD Beteiligung geschrieben hätte die Diskussion hier ganz anders aussehen können, oder auch nicht… Hier ist einmal zu sehen wie eine andere Diskussion bei Herrn Voigt abläuft…
    https://twitter.com/hanvoi/status/759727650105503744?lang=de
    Hier tut Herr Voigt das dann als Antifaparole (mit dem Naziopa) oder als pure Polemik und Provokation ab (Dresdenbombadierung)… (interessant auch ein retweet vom BMI zur Causa Schramm.

    Wenn Du nun sagst das Schramm übermüdet und „fertig“ aussieht, so ist das nicht irgendwelchen „Morddrohungen“ oder Sätzen wie „der fehlt wohl sexuelle Befriedigung“ (also das „muss mal wieder richtig gevögelt werden“) was ja nun auch nur eine Polemik und Provokation ist, anzulasten. Frau Schramm erfährt hier ihren ersten richtig echten und schönen Storm, keinen Shitstorm, denn dazu braucht es nicht mal einer Beleidigung, keinen Hassstorm, sondern einen Kritikstorm. Und auf einmal steht evtl. auch einiges andere auf dem Spiel, wie z. B. ihre Reputation. Dass nicht unbedingt blanker Hass gebraucht wird, sondern einzig die öffentliche Empörung über ein Shirt von ner Frau geschenkt, auf dem auch noch ne Frau drauf ist, reicht, oder ein extra falsch verstandener Witz wie bei Tim Hunt, erlebt nun auch Julia Schramm. Denn wenn das BMI da schon ein klein wenig zurückrudern muss, dann steht etwas mehr auf dem Spiel wie bei den klitzekleinen Shitstörmchen der Piraten…
    https://twitter.com/hanvoi/status/759727650105503744?lang=de

    Und wenn dann Herr Voigt das öffentlich betriebene Hirnwichsen als öffentliches denken bezeichnet, und solche Aussagen als Provokation und den Fall von Stalingrad als kriegswichtig beschreibt, so hat er zwar Recht, nichts desto trotz sind es jetzt die gleichen PROVOKATIONEN und die gleiche Art diese kriegsentscheidende Aktion zu beschreiben, die jetzt bei Julia Schramm in gleicher Weise passieren. Da sind Menschen die sie öffentlich provozieren, etc. etc. etc. Und nichts weiter hat sie selbst gemacht, wie der Link oben von Pallenberg zeigt, in dem sie dann den Überbringer der Nachricht auch noch als Hater bezeichnet. Mir als literarischem Idioten fällt da dann nur der olle Geheimrat ein, Faust, die Geister die ich rief obwohl ich zu blöd bin ein Handy zu bedienen…

    Und nun werde ich mir den Name @hanvoi merken und ihn dann bei dem nächsten Storm alla Hunt oder #Shirtgate darauf hinweisen das auch hier Menschen Support nötig haben, nur das hier eben eine Julia Schramm und andere aus ihrer Sister and Bro Liga finden das nur unterdrückte kleine Schrammchen mit echten Provokationen einer Unterstützung bedürfen und genau die Gagaschachteln die Schramm unterstützt haben nun in gleicher Weise draufhauen…
    Und hier ist doch das Problem von Twitter, auf einmal kann man einen solchen Shitstorm (den es bei Wulf allein auch durch Zeitungen gegeben hat) nicht mehr Zuhause in seinem Kämmerlein aussitzen, wie dies noch in einer reinen Zeitungswelt funktionierte. Und ja, da brauchen wir Konzepte für die neuen Medien, Konzepte die sich gegen rechte Hasskrieger genau so wenden wie gegen Feministinnen die alles und jeden fertig machen wollen oder gegen andere Gruppen. Damit beschäftigt sich ja nun Gottseidank eine Stiftung bei der eine Frau Julia Schramm für Hasskommentare im Netz zuständig ist, weshalb wir jetzt sicherlich bald mit einer umfassenden Lösung rechnen dürfen…
    Warum ich hier so ausführlich schreibe, weil ich hoffe das der Herr @hanvoi hier mitliest und lernfähig ist.

    [ Editiert: Kai, ich verstehe genau, was Du gemeint hast – aber den Teil hätte man, wenn man wollte, bewusst missverstehen können. Nix für ungut! L.S.] Ich bin niemand der mit Sprache sein Geld verdient, doch @hanvoi sollte es auch nicht tun, vor allem nicht wenn man bedenkt das ausgelebter Hass nichts anderes wie eine Provokation ist…
    Und zum kriegswichtigen Stalingrad, auch dazu habe ich ja mal nachgedacht ob wunderbar hier der richtige Ausdruck ist, vor allem wenn man die tausenden Toten Zivilisten und die zum Krieg gepressten jungen Menschen (auf beiden Seiten) sieht…
    In diesem Sinne, Twitter Harrys feuer frei… oder auch nicht und vor dem öffentlichen hirnwichsen das Hirn einschalten!

    • Hallo Lucas, natürlich kann man alles missverstehen, macht er ja auch im folgenden Tweet von Atomnio… 😉 Ihm kam dieses Ausweichmanöver mehr als gelegen…

      • Hallo Kai, es ist eben keine normale Kommunikationssituation. Es hat keinen Sinn, davon auszugehen, dass der Gesprächspartner nachzuvollziehen versucht, was Du gemeint hast, oder was ich gemeint habe. Eher geht es dann darum, das Gesagte auf Stellen zu scannen, aus denen empörte Vorwürfe gebastelt werden können. Da ist es besser, vorsichtig zu sein. Auch wenn auf der anderen Seite dann unbekümmert die offene hämische Freude an der Tötung Tausender als harmlose Provokation verkauft wird.

        Die Herrschaftsdifferenz zwischen einem Redakteur eines Massenmediums oder Mitarbeitern einer mit erheblichen Mitteln steuerfinanzierten Stiftung auf der einen Seite und irgendwelchen Bloggern und Kommentatoren auf der anderen Seite ist eben beträchtlich – und dieser Unterscheid drückt sich auch darin aus, dass ganz selbstverständlich für die Ersten die Regeln nicht gelten, an die die anderen sich ebenso selbstverständlich buchstabengetreu zu halten haben.

  • Du meine Güte, wie dünnhäutig:

    https://twitter.com/hanvoi/status/761467097364979712

    Hanning Voigts ‏@hanvoi 5h5 hours ago

    Leute schreiben über 3 1/2 Tweets (!), die sie mit mir gewechselt haben, lange Blogtexte mit Urteilen über mich und meine Arbeit o_O

    Hanning Voigts ‏@hanvoi 5h5 hours ago

    That’s it. Das ist mir einfach zu blöd. Ich bin mal ein paar Tage weg und überlege mir, ob und wie ich hier weitermache. Macht’s gut :*
    9 retweets 45 likes

    Die können nur austeilen und Opfer. Argumentieren auf Augenhöhe – Fehlanzeige.

    • Da hat er aber auch Recht, sowas macht man icht! richtige Journalisten schreiben ellenlange Texte in denen sie Dich bewerten ohne auch nur einen einzigen Tweet (oder Satz) mit Dir gewechselt zu haben…
      Ist doch schön, er ist jetzt auch Opfa!!! Jetzt issa weg, und das scheint dann auch gut so, wenn er als Journalist das nicht mal aushalten kann, dann …
      Oh my god!

    • LOL. Ich stelle mir gerade vor, mich aus den sozialen Medien zurückzuziehen, weil irgendwer einen „langen Blogtext“ über mich geschrieben hat … 😀

      Ich könnte Hanning eine kleine Sammlung anbieten, wenn ich mir die Mühe machen würde, mir das jedesmal zu merken.

      • Arne, aber die haben alle nicht 3 1/2 Tweets mit Dir gewechselt 🙂
        Das macht den Unterschied 😉 Nun stell Dir vor Du hättest mit denen noch Tweets ausgetauscht 😀

    • Naja – er ist ja nicht allein als Privatperson im Netz, sondern ausdrücklich als ein Journalist einer großen und traditionsreichen deutschen Zeitung, also als jemand, der mit und in der Öffentlichkeit arbeitet. Was er in der Öffentlichkeit tut, kann dann wieder zum Gegenstand öffentlicher Überlegungen werden. Leser lesen eben nicht mehr nur, sondern können ihrerseits schreiben und sich – wenn auch nur begrenzt – an dieser Öffentlichkeit beteiligen. Darauf müssen sich Journalisten halt einstellen.

      Ich hätte es in dem Fall souverän gefunden, einfach zu sagen: „Muss ich mal drüber nachdenken, ich brauch eine Pause.“ Sich statt dessen als schwer getroffenes Opfer darzustellen, ist nicht in Ordnung – wer sich als Opfer inszeniert, inszeniert DIE ANDEREN zwangsläufig als Täter. Das ist ein aggressiver Akt, kein Selbstschutz. Und es ist eine Fortsetzung der Dialogverweigerung (denn mein Text ist extra so geschrieben, dass er durchaus selbst etwas dazu schreiben kann, wenn er will).

      Eigentlich geht es mir schlicht um den Vorwurf, dass sich demokratische Linke nicht von antihumanen Äußerungen und Strategien distanzieren, wenn die von links kommen. Das ist ein wichtiger Vorwurf, und es ist verrückt, so zu tun, als ob es eine Form von Gewalt wäre, den öffentlich zu formulieren.

      @ Arne Bei Dir ist das etwas ganz anderes. Du bist halt ein HATER und erntest nur das, was Du selbst gesät hast. Wer hingegen, wie Schramm, Spiegel-Online-Journalisten rundweg als „Wichser“ beschimpft, Steinmeier die Produktion von „Dreck“ vorwirft, einen anderen Politiker mal kurz öffentlich als „verlogenes Arschloch“ beschimpft und Henkel als „Fascho“, sich dabei über Bombentote lustig macht – der bekämpft damit den Hass. Nur dass die HATER das halt nicht sehen wollen.

      Aber im Ernst: Wer solche Sprüche als harmlose Provokationen abtut – der ist nicht in der Position, sich von einem sachlichen Blogartikel furchtbar getroffen zu zeigen.

  • Ich bin heute Abend kaum im Netz und hab die Kommentare kurzzeitig auf „Moderation“ gestellt. Ich ändere es morgen wieder. Danke trotzdem an alle, die mitdiskutieren!
    (Mittlerweile sind die Kommentare wieder frei, 6.8., 11.00 Uhr)

  • Passt ein bisschen hier hin, ein Kommentar von Heiner Flassbeck, den ich gerade heute gelesen habe. 🙂

    „Kurze Sätze waren schon immer ein Fluch, aber sie sind mit dem globalen Erfolg des sogenannten „Kurznachrichtendienstes“ Twitter zu einer globalen Seuche geworden. Dieser obige Satz über Twitter ist nämlich schon zu lang für Twitter, das die Welt auf 140 Zeichen reduziert. Seit Twitter zum Medium des globalen Informationsaustausches geworden ist, gibt es keine Politiker oder sonstigen wichtigen Menschen mehr, die nicht andauernd Lächerlichkeiten durch die Welt zwitschern.

    Welches Problem oder welcher Anlass es auch immer sein mag, nichts bleibt unbezwitschert und damit dem Fluch der kurzen Sätze unterworfen. Die einen haben keine Zeit und keinen Geist, um mehr zu schreiben, die anderen haben keine Muße, um mehr zu lesen. Man ist gerne und immer fehlinformiert, weil man dann ja selbst jederzeit und ohne im Geringsten nachzudenken, die anderen fehlinformieren oder gar systematisch fehlleiten kann. Alles ist beliebig, nichts ist mehr wirklich diskutierbar. Der herrschaftsfreie Diskurs, von dem einst die aufgeklärten Philosophen träumten, ist einem Gezwitscher der Beherrschten gewichen, die sich einbilden können, die Welt mit 140 Zeichen aus den Angeln gehoben zu haben.

    Bleibt mir nur, mich an dem Informationsgau mit einer einfachen Botschaft zu beteiligen: „Verbietet Twitter, es verhindert das Denken!“ (45 Zeichen)“

    https://makroskop.eu/2016/08/der-fluch-der-kurzen-saetze/

  • Ein wunderbar geschriebener und wohltuend sachlicher Artikel mit einer klaren Haltung. Aber als Anmerkung: Die Frankfurter Rundschau ist schon lange kein SPD-Besitz mehr. Die Redaktion sitzt im gleichen Gebäude wie die der Berliner Zeitung und des Berliner Kuriers und der redaktionelle Inhalt der FR ist fast identisch mit dem der Berliner Zeitung.

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