Moderne/Postmoderne

Wie die Linke herrschaftsdienlich wurde

Bild zeigt schwarze Matrosen auf einem Schiff
geschrieben von: Lucas Schoppe

Was ist eigentlich die vernünftigste Reaktion auf den Vorwurf der Dialogverweigerung? Natürlich: Erstmal blocken.

hanvoi

Nun hat mich Hanning Voigts, Redakteur der Frankfurter Rundschau, hier nicht nur geblockt, das wäre ja einfach seine Sache. Er hat, wenn ich das richtig verstanden habe, auch meinen letzten Artikel als Grund genannt, sich erst einmal von Twitter zurückzuziehen.

Ich selbst finde es völlig richtig, sich ab und zu einmal aus den Aufgeregtheiten der sozialen Netze herauszuhalten, und ich habe das auch schon öfter mal getan: weil es mir zu viel wurde, weil ich nicht mehr konnte, oder weil ich ganz einfach zu viel anderes zu tun hatte. Ich habe das allerdings, wenn ich mich recht erinnere, nie dramatisch angekündigt und auch nie anderen dafür mit großer Geste die Verantwortung zugeschoben.

Über Herrn Voigts und seine Arbeit habe ich – anders, als er das wohl wahrnimmt –  nicht geschrieben, ich kann mir über seine Arbeit auch kein Urteil erlauben. Ich habe kritisiert, dass er Aussagen verteidigt hat, die in meinen Augen sehr inhuman und überhaupt nicht zu verteidigen sind. Es ging dabei nicht um seine Person, die ich ja auch überhaupt nicht beurteilen kann, sondern um etwas anderes, was mir sehr wichtig ist:

Eine demokratische Linke beschädigt sich selbst, wenn sie sich in Lager- und Klienteldenken verstrickt und wenn sie selbst sehr inhumane Aussagen als akzeptabel präsentiert, nur weil eine Kritik an ihnen Beifall von der falschen Seite bekommen könnte. Eine solche Linke arbeitet eben denen zu, die doch angeblich ihrer Gegner sind.

Über eine Herrschaftsdienlichkeit von Linken wurde in den letzten Wochen zunehmend von Linken selbst diskutiert. Wenn eine solche linke Kritik als irgendwie rechts abgetan wird, ist das offensichtlich eine Immunisierungsstrategie. Um überhaupt Perspektiven einer demokratischen, humanen, linken Politik formulieren zu können, ist solch eine Kritik unverzichtbar.

Wenn ich diese Diskussion hier fortsetze, möchte ich aber ausdrücklich darauf hinweisen: Es geht mir dabei nicht um einzelne Personen und ihre Arbeit, auch nicht um Redakteure der ehrenwerten Frankfurter Rundschau, sondern um allgemeine Überlegungen.

Ich hoffe mal, dass so ein Disclaimer jetzt nicht ständig nötig ist.

 

Links zu sein heißt hip zu sein. War da sonst noch was?

In einer Diskussion auf dem Blog Alles Evolution schrieb der linke Kommentator djadmoros vor einigen Tagen über die Herrschaftsdienlichkeit einer linken politischen Korrektheit:

„sie gewöhnt den Bürger durch ihr Trommelfeuer moralisierender Verhaltenskritik an eine permanente moralische Selbstinfragestellung, die exakt demselben Prinzip folgt wie das moralische Trommelfeuer gegen die Verlierer auf dem Arbeitsmarkt: nicht die Schule hat ein Problem, sondern der (männliche) Schüler (‚Nachwuchs-Macho!’), nicht das Sorgerecht hat ein Problem, sondern der entsorgte Vater (‚Deadbeat Dad!’), nicht der Arbeitsmarkt hat ein Problem, sondern der einzelne Arbeitslose (‚Faule Schmarotzer-Sau!’).“

Der linke Kommentator Leszek ergänzte:

„Die politisch korrekte postmoderne linke Strömung hat für die ökonomischen Herrschaftseliten den gewaltigen Vorteil, dass sie sich für Kritik der politischen Ökonomie, Kapitalismuskritik/Antikapitalismus und Klassenkampf in der Regel wenig interessiert. Solche für klassisch linke Strömungen zentrale Themen spielen für politisch korrekte postmoderne Linke in der Regel entweder keine oder nur eine untergeordnete Rolle.“

Hier im Blog attestiert der linke Kommentator Klaus T. einer linken Politik „Arroganz, Überheblichkeit und Tunnelblick“, und der linke Kommentator Crumar schreibt zur Kritik Leszeks an einer politisch korrekten postmodernen Linken:

„Die regressiv linken Spinner in den Parteien und staatlich alimentierten Institutionen sind m.E. bereits Bestandteil von dem, was man mit Althusser ‚ideologische Staatsapparate‘ nennen kann.“ 

Viel Kritik von Linken an Linken. Wolfgang Merkel, Professor für Politikwissenschaft, erklärt in einem Interview mit Zeit-Campus:

„Die junge, intellektuelle Linke hat den Bezug zu der Unterklasse im eigenen Land fast gänzlich verloren. Da gibt es vonseiten der Gebildeten weder eine Sensibilität noch eine Aufmerksamkeit und schon gar keine Verbindungen mehr. Die Linke hat sich eben kosmopolitisiert und (…) ihren politischen Schwerpunkt auf eine kulturelle Ebene verlagert, und eben auf dieser Ebene unterscheiden sich die Milieus der hoch und weniger Gebildeten deutlich voneinander. Dieser Verlust der Kommunikation zwischen den Klassen, wenn ich diesen Begriff einmal verwenden darf, ist massiv und ein Problem für die soziale Gerechtigkeit.“ 

Mit Bezug auf dieses Interview schreibt Sebastian Müller bei Le Bohémien, diese Linke habe eigentlich nur noch wenig mit „Links“ zu tun, sondern sei

„schlicht Ausdruck eines (neo)liberalen Mainstreams, garniert mit einer Prise grünen Lifestyles.“ 

Aus der Perspektive einer klassischen Linken ist die „politisch korrekte postmoderne linke Strömung“, von der Leszek schreibt, mit ihrem Desinteresse an ökonomischen Zusammenhängen und ihrer Fixierung auf eine kulturelle Ebene tatsächlich keine Linke mehr. Sie ist nämlich zu einer Analyse gesellschaftlicher Strukturen und zur Entwicklung von Ideen zu einer sozial gerechteren Gesellschaft gar nicht mehr in der Lage, und sie ist daran auch gar nicht interessiert.

Ich selbst werde hier den Begriff einer „postmodernen Linken“ benutzen, weil diese Linke wesentliche Aspekte einer modernen demokratischen Linken nicht mehr für wichtig erachtet oder gar offen ablehnt. Nämlich:

  • die Überzeugung, dass Menschenrechte universell gelten und unteilbar sind,
  • das Ziel einer sozial gerechteren Gesellschaft,
  • den Versuch, unterschiedliche Perspektiven in einer gemeinsamen, wenn auch spannungsreichen Kommunikation zu koordinieren, und
  • die Verteidigung der Freiheitsrechte Einzelner gegen staatliche Zurichtungsbestrebungen.

Natürlich werden solche grundlegenden Elemente einer demokratischen Linken nicht erst heute von anderen Linken abgelehnt – der real existierende Sozialismus ist ja ein Beispiel dafür. Neu aber ist: Diese Elemente werden von Vertretern einer postmodernen Linken weitgehend ignoriert, ohne dass ihnen das überhaupt als ein Problem erscheint – und möglicherweise sogar, ohne dass ihnen das bewusst oder der Überlegung wert ist.

 

Human Rights are Hate Speech

Wer Menschenrechte als „europäisch, weiß und männlich“ (hier, S. 2) beschreibt, betrachtet sie nicht als Schutz gegen Gewalt und Ausbeutung, sondern als Herrschaftsinstrumente. Ihr Anspruch auf universelle Geltung würde reale Machtunterscheide verschleiern und dabei helfen, die Interessen Mächtiger gegen die von Marginalisierten durchzusetzen.

Ein Problem dieser Menschenrechtskritik ist, dass sie Menschen nicht als Individuen in ihrer individuellen Situation, sondern jeweils allein als Mitglieder bestimmter Gruppen wahrnimmt. Schutzbedürftig sind Menschen hier eben dann, wenn sie einer schutzbedürftigen, also unterdrückten oder marginalisierten Gruppe angehören – und nicht schon einfach deshalb, weil sie eben Menschen sind.

So ist es denn möglich, dass postmoderne Linke selbst die offene, höhnische Freude über die Tötung Tausender von Zivilisten als politisch korrekte Provokation verbuchen, solange diese Zivilisten nur richtig einer herrschenden, privilegierten Gruppe zugeordnet wurden.

Andere Beispiele für die Auflösung der Menschenrechte in Herrschaftsunterstellungen finden sich in Deutschland vor allem in der Geschlechterpolitik. Der wesentliche Grund dafür ist wohl, dass sich die binäre Mann-Frau-Logik intellektuell umstandslos in eine binäre Herrschaftslogik und wieder zurück übersetzen lässt.

Ein linker Professor interpretiert Gewalt nicht als Gewalt, wenn sie gegen einen Mann verübt wird, den er als Vertreter einer privilegierten Gruppe wahrnimmt. Eine Kampagne des sozialdemokratisch geführten Familienministeriums zur häuslichen Gewalt blendet männliche Opfer und weibliche Täterschaft aus und vermeidet so Störungen der binären Zuordnung Herrscher/Beherrschte, Privilegierte/Marginalisierte.

Sozialdemokraten waren auch in besonderem Maß verantwortlich für die erheblichen Menschenrechtsverletzungen im deutschen Familienrecht, nehmen das aber bis heute nicht als Problem wahr – wohl deshalb, weil von diesen Rechtsverletzungen Väter betroffen waren, also Angehörige einer vorgeblich privilegierten Gruppe. Dass auch Kinder darunter litten, spielt kaum eine Rolle. Da die Positionen der binären Herrschaftslogik schon durch die Gruppen „Väter“ und „Mütter“ besetzt sind, finden Kinder hier allenfalls noch einen Platz, indem sie der Gruppe der Mütter untergeordnet werden – etwa als Opfer unterhaltsverweigernder Väter.

Nicht allein ihre wesentliche Verantwortung für diese Menschenrechtsverletzungen, sondern vor allem das bleibende Desinteresse an ihr ist ein Desaster für eine demokratische Linke.

 

Marginalisierte aller Länder, verzettelt Euch!

Statt ökonomische Zusammenhänge zu analysieren, ist eine postmoderne Linke darauf fixiert,

„stets einer Gruppe den Status der Norm zuzuweisen und einer anderen Gruppe den Status der Abweichung oder Ableitung von dieser Norm“.

Das spiele, so der hier zitierte Leszek weiter, verschiedene gesellschaftliche Gruppen gegeneinander aus, die eigentlich gemeinsame Interessen hätten: „Frauen gegen Männer, Homosexuelle gegen Heterosexuelle, Nicht-Weiße gegen Weiße usw.“

Ein aktuelles Beispiel sind die Konflikte um das neue, offensichtlich unfaire Dienstrecht in der nordrhein-westfälischen Polizei, mit dem eine rot-grüne Regierung Polizistinnen gegen Polizisten in Stellung bringt und ihnen so die Artikulation der gemeinsamen beruflichen Interessen erschwert.

In der Anwaltschaft für immer kleinere marginalisierte Gruppen – ganz gewiss nicht mehr Proletarier, aber auch nicht mehr Homosexuelle, sondern nun Transsexuelle – verzettelt sich eine postmoderne Linke, lenkt den Blick ab von den sozialen Strukturen, mit denen die große Mehrheit der Menschen zurechtkommen muss. Dass der gesellschaftliche Reichtum immer ungleicher verteilt ist – dass das Einkommen durch Arbeit gegenüber dem Einkommen durch Kapitalbesitz zunehmend in eine schwache Position geraten ist – dass die Arbeit in Betrieben, die unter einem enormen Ökonomisierungsdruck stehen, erschöpfend ist und krank macht – dass es zu einem Normalzustand wird, wenn Menschen sich bis weit in die bürgerlichen Mittelschichten hinein politisch nicht mehr vertreten sehen – und wenn sie den Eindruck haben, sich an politischen Debatten nicht beteiligen zu können, selbst wenn dort ihre existenziellen Interessen verhandelt werden: All das verschwindet hinter der simplen, ressentimentgeladenen Zuschreibung, Menschen seien als Cis-Sexuelle, als Heterosexuelle, als Männer oder als Weiße Angehörige privilegierter Gruppen.

Politisch unbedarfter und herrschaftsdienlicher kann eine Linke gar nicht mehr agieren.

 

Vom herrschaftsfreien Diskurs zur diskursfreien Herrschaft

Damit bemüht sich eine postmoderne Linke nicht um die Analyse sozialer, ökonomischer und politischer Strukturen, sondern sucht nach einer Position der Reinheit und Unschuld – nach der Identifikation mit Gruppen, die als Marginalisierte von den herrschenden Ordnungen nicht infiziert zu sein scheinen. Damit aber geht es nicht mehr um einen „herrschaftsfreien Diskurs“, dessen Voraussetzungen Habermas in der Tradition einer modernen Linken formuliert hat. Es geht ganz im Gegenteil darum, zwischen gültigen und ungültigen Perspektiven zu unterscheiden – und ungültig sind selbstverständlich jeweils die Perspektiven derer, die als privilegiert erscheinen.

Ausschlüsse aus Diskursen aber sind traditionelle Herrschaftsinstrumente – keine Instrumente marginalisierter Gruppen. Dass Marginalisierte tatsächlich in der Position sein könnten zu definieren, wer mächtig ist und wer nicht – und dass sie auf diese Weise öffentliche Debatten steuern und den Mächtigen Rederechte entziehen könnten: Diese Überzeugung ist so offensichtlich unplausibel, dass sie nur um den Preis des fortgesetzten Verzichts auf Selbstreflexion aufrechtzuerhalten ist.

Ein Beispiel für die Widersprüche dieser Politik ist die gegenwärtige Kampagne gegen Hate Speech, die wesentlich vom Familienministerium finanziert wird. Wer an den bestehenden, allgemeinen gesetzlichen Möglichkeiten (von übler Nachrede und Verleumdung bis hin zur Volksverhetzung) vorbei eine diffus definierte „Hassrede“ aus der Diskussion verbannen möchte, betreibt fast notwendig Klientelpolitik.

Denn wenn alles, was irgendjemanden verletzt, als „Hass“ gebrandmarkt würde, dann könnte fast jede beliebige Äußerung aus dem Diskurs ausgeschlossen werden. Diese Politik lässt sich also nur dann formulieren, wenn sie zunächst eine Entscheidung trifft, wessen Empfindlichkeiten zur Definition von „Hass“ taugen und wessen Empfindlichkeiten dafür irrelevant sind.

Das führt natürlich notwendig zu willkürlichen Entscheidungen. Warum sollte die wütende Beschimpfung politischer Gegner als „Wichser“, „Arschloch“ oder Produzent von „Dreck“ keine Hassrede sein – während es als Zeichen von „Hass“ gewertet wird, wenn islamkritische Feministinnen das Kopftuch ablehnen oder wenn Väter den Verlust des Kontakts zu ihren Kindern beklagen?

Verständlich werden diese Widersprüche erst denen, die bemerken, dass hier die Belange kleiner Interessengruppen (antideutsche Linke, konservative Muslimas, frauenpolitische Lobbyistinnen) bedient werden und dass eine Vermittlung mit den Überzeugungen einer Mehrheit der Menschen gar nicht beabsichtigt ist.

Eben damit verstärkt die Kampagne aber die gefährliche Aufspaltung der öffentlichen Diskussion  in den kleinen Echokammern des Netzes. Anstatt sich um gemeinsame Regeln zu bemühen, die für alle gemeinsam verbindlich sind und die alle gemeinsam schützen, wird hier der Schutz vor Aggressionen auf der einen und die Zuschreibung von „Hass“ auf der anderen Seite sorgfältig entlang der ohnehin schon bestehenden Freund-Feind-Strukturen zugeteilt.

 

Alle Räder stehen still, wenn nur Vater Staat es will

Die postmoderne Linke bemüht sich so nicht einmal mehr um Mehrheitsfähigkeit und verwickelt sich damit in unlösbare Widersprüche – weil sie eine linke Politik lediglich als Klientel- und Elitenpolitik formulieren kann. Da sie aber programmatisch nicht mehrheitsfähig ist, ist sie auf mächtige Bündnispartner angewiesen, um überhaupt wirksam werden zu können. Sie selbst hat als Gegenleistung dann die moralisierende Legitimation eben der Herrschaftsstrukturen zu bieten, von denen sie selbst profitiert.

Im Vergleich zu einer liberalen oder anarchistischen Linken dreht sie dabei das Verhältnis von Staat und Gesellschaft glatt um. Während jene staatliche Strukturen traditionell misstrauisch betrachten, sie schlank halten oder zumindest wirksam kontrollieren wollen, wird der Staat in der Perspektive einer postmodernen Linken zum herausragenden, guten Akteur. Wesentlich ist nicht die gesellschaftliche Kontrolle staatlicher Institutionen, sondern die Kontrolle gesellschaftlicher Prozesse durch eben diesen Staat.

Die Gesellschaft – insbesondere das chaotische, unkontrollierbare Netz – erscheint dabei als unverlässliche, potenziell gefährliche Masse, die erst durch staatliche Einwirkungen in eine zivile Form zu bringen ist. Ein seltsam regressives Verständnis des Staates, das ihm Erziehungsfunktionen zuschreibt und ihn wie aus einer Kleinkindperspektive als ein allmächtiges Elternteil wahrnimmt.

Ein Beispiel sind die offenen Angriffe auf die Unschuldsvermutung, an denen sich sogar die sozialdemokratische Familienministerin beteiligt hat. Eine postmodern-feministische Linke nimmt die Unschuldsvermutung nicht als einen wesentlichen Unterschied zwischen einem liberalem Rechtsstaat und einem autoritären Staat wahr – sondern als Verweigerung staatlicher Fürsorge für Opfer von Gewalt, als Selbstbegrenzung der Macht staatlicher Institutionen auf Kosten Hilfloser.

 

Schlaft gut, Verdammte dieser Erde!

Alle genannten Aspekte lassen sich unter einem letzten zusammenfassen. Ein wesentlicher Unterschied zwischen einer modernen, demokratischen Linken und einer postmodernen Linken ist, dass die postmoderne Linke eine optimistische Einschätzung politischer Prozesse und Gestaltungsmöglichkeiten verloren hat und stattdessen auf Ängste und Bedrohungen fixiert ist.

Statt politische Gegner als Inspiration zu betrachten, die helfen, die eigene Position zu schärfen, werden sie als eine Gefahr wahrgenommen. Der offene gesellschaftliche Diskurs wird nicht als Chance gewertet, ein gemeinsames, tragfähiges Bild der Welt zu gewinnen, sondern als eine Bedrohung der Wohlmeinenden und Liebevollen. Anstatt Menschen in Freiheit zu setzen, werden sie in kindliche Abhängigkeiten von staatlichen Großakteuren manövriert. Anstatt die ökonomischen und politischen Chancen von Menschen zu verbessern, wird ihnen moralisierend Schuld zugewiesen. Anstatt einen verlässlichen rechtlichen Rahmen für alle zu setzen, werden Safe Spaces für die guten, die eigentlich „emanzipatorischen“ Kräfte der Gesellschaft eingefordert.

Mit einer emanzipatorischen Politik aber hat all dies natürlich überhaupt nichts zu tun.

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142 Comments

  • Das, was Du „postmoderne Linke“ und was Leszek „regressive Linke“ nennt, will Fefe aufgrund von Parallelen zu „Neoliberalen“ und „NeoKons“ „Neo-Linke“ nennen.

    http://blog.fefe.de/?ts=a959cb2e

    Ich denke er hat recht mit den Parallelen. Wie Leszek sagte ist es vor allem Ablenkung vom wirklichen politischen Geschehen, das hinter dem Nebel aus Begriffsverdrehungen munter weiter betrieben werden kann. Ich persönlich werde mich Fefes Begriffswahl anschließen weil ich dem Begriff zutraue, zumindest einige zu treffen und ans Nachdenken zu bringen.

    • Danke @lh! Genau auf diesen Fefe-Post (und die darin referenzierten Mausfeld-Beiträge) wollte ich beim Lesen von Schoppes hervorragendem Artikel auch noch hinweisen.

      Ob Mausfeld, Merkel, Schoppe oder Ritz *) – ich habe den Eindruck, dass gerade zurzeit eine ganze Reihe von wichtigen Analysen zum Treiben der Neolinken erscheint. Oder wie man sie auch sonst bezeichnen will – postmodernen Linke, Antideutsche oder „Neue Linke“ wie Hauke Ritz:
      *) Die Logik des neuen Kalten Krieges – Teil 6: Die globale Hegemonie des Neoliberalismus wäre nicht möglich, wenn die „Neue Linke“ ihm nicht kulturell den Boden bereitet hätte https://deutsch.rt.com/meinung/38442-rt-deutsch-spezial-logik-neuen/

  • Selten etwas gelesen, das die Sache mit den s.g. „Linken“ auf den Punkt bringt. Applaus auch an die von dir zitierten Djadmoros, Crumar und Leszek.

    Dieser Zustandsbericht ist wohl mit einer der Gründe, warum sich mehr und mehr Männer vom linken Spektrum abgrenzen und ihr Heil eher in der rechtsliberalen Ecke versuchen zu finden; so übrigens auch ich.

    Es ist davon auszugehen, dass die von dir adressierten diesen Artikel vermutlich nicht lesen werden – oder sich empört in die bourgeoise Schmollecke zurück ziehen. So wie wohl auch der b(l)ockende FR-Redakteur.

    Diese spießbürgerlichen Salon-Linken sind dem, was sie vorgeben zu bekämpfen, näher denn je und ähneln in ihrer Ignoranz an die Kanzlerin, welche nun schon seit 10 Jahren das Volk ‚linkt‘.

    • @Emannzer

      Ich habe keine Probleme mit Männern, die sich Angesichts des kläglichen aktuellen Zustands der postmodernen/regressiven/Neo-Linken in den Pseudo-Linken Parteien von eben dieser abwenden.

      Wie du aber richtig bemerkt hast, sind u.a. Lucas, djad, Leszek und ich der begründeten Meinung, dass Stück für Stück Kriterien von dem, was einmal gemeinsam als links gegolten hat preisgegeben worden ist.
      D.h. wir sind der Stachel im Arsch dieser Neo-Linken, der ständig juckt und zwickt.
      Ja, blocken ist ein Antwort – und morgen halten wir dieser regressiven Linken wieder den Spiegel vor. 😉

      Rainer Mausfeld hat die Funktion dieser nicht ganz so „neuen Linken“ (NEU seit den Kriegskrediten) schön beschrieben:

      „Parteien im linken Teil des politischen Spektrums erfüllen jedoch für die herrschenden Eliten eine wichtige Stabilisierungsfunktion. Nur sie können die Verlierer der herrschenden Wirtschaftsordnung, deren Interessen sie ja zu vertreten vorgeben, in einen politischen Konsens einbinden, wodurch der Status der herrschenden Eliten stabilisiert wird. Dafür werden ihre Vertreter dann mit geeigneten Privilegien und mit einem Platz an den Katzentischen im Palais der Machteliten belohnt.
      Damit die Parteien diese Pazifizierungsfunktion für die Klasse, deren Interessen zu vertreten sie vorgibt, erfüllen können, muß natürlich sichergestellt werden, dass in ihnen nicht Kräfte Einfluß gewinnen, die sich tatsächlich für die Interessen der Bevölkerung einsetzen – also für eine gerechtere und wirklich demokratische Gesellschaft.“

      http://www.nachdenkseiten.de/?p=34504

      Wenn du eine „Gerechtigkeit“ etablierst, die 50% der Gesellschaft ausschließt, weil sie leiderleiderleider das falsche Geschlecht hat, dann ist das unbezahlbar (für alles andere gibt es die Visa-Card!).
      Wenn Gerechtigkeit nur noch trans_xPersonInnen und anders queere Dingens betrifft, dann hast du den *Diskurs über Gerechtigkeit auf was eingeschränkt?
      3% der Bevölkerung, 5%?
      Das ist staatspropagandistische Umlenkung von Unzufriedenheit der 95% mit diesem kapitalistischen System und erklärt die unrühmliche Rolle der regressiven Linken, für die sie mit den Plätzen an den Katzentischen der herrschenden Eliten belohnt wird.

      Ich bestimme wie folgt:

      „Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“

      Karl Marx

      Wer diesen radikalen Humanismus – ungeachtet des Geschlechts – nicht teilt, hat sich von der Linken verabschiedet.
      Und jetzt wäre es „time to say good-bye“.

      Meine ultimative Forderung:
      SCHMEISST DIE RECHTEN AUS DER LINKEN!

      Gruß crumar

      • „Das ist staatspropagandistische Umlenkung von Unzufriedenheit der 95% mit diesem kapitalistischen System “

        Seit wann sind 95 Prozent mit diesem kapitalistischen System unzufrieden?

        Ich bin es jedenfalls nicht.

      • „Seit wann sind 95 Prozent mit diesem kapitalistischen System unzufrieden?

        Ich bin es jedenfalls nicht.“

        Ich schon. Es ist mir nicht kapitalistisch genug.

  • »Wolfgang Merkel, Professor für Politikwissenschaft«

    Bei Wolfgang Merkel saß ich Ende der 80er Jahre mal im Seminar (damals lehrte er noch in Heidelberg). Er ist mir in Erinnerung geblieben, weil er ein feministisches Referentenpärchen, die eine Sitzung des Seminars (ich glaube, es ging um sozialistische Parteien in Südeuropa, also um nichts feministisches) für ihr ideologisches Gejammer kapern wollten, gnadenlos zerpflückt und ihnen kleinbürgerliche Beschränktheit vorgeworfen hat. Seine Äußerung in der »Zeit« passt insofern zu der Haltung, die er auch damals schon verkörpert hat.

    • finde den Vorschlag „NeoLinke“ ausgesprochen gut und werde den in meinen Sprachgebrauch aufnehmen … denn er bringt m.E. prägnant auf den Punkt das Neo-Linke soviel mit linkem Gedankengut und linken Idealen zu tun haben wie neoliberal mit liberalem ..

      die von Fefe gebrachten Mausfeld Beiträge sind übrigens IMHO definitiv die Lektüre/das Anschauen wert, dessen Analyse trifft sich an vielen Stellen mit Schoppes, allerdings aus einem anderen Blickwinkel

  • Das Denken in binären Machtkategorien ist allerdings der Ursprung der Linken, in Gestalt des Marxismus. Insofern ist dieses Denken, und dessen Folgen, kein Unfall, sondern ein logischer Prozess in einer Welt, in der die linke Kernidee Sozialismus/Kommunismus versagt hat und vom Gegner „bürgerlicher Kapitalismus“ ideologisch besiegt wurde.
    Neue revolutionäre Subjekte wurden gesucht und gefunden. Nur eines bleibt gleich: Die Antipathie und der Unterlegenheitskomplex der Linken gegenüber der liberal, westlich Demokratie.
    Aus liberaler Sicht ist der Weg der Linken jedenfalls keine Überraschung.

    • @Adrian

      In welcher lustigen Vorstellung von Welt lebst du eigentlich?

      Deine „liberale, westliche Demokratie“ ist Resultat

      a. diverser bürgerlicher Revolutionen, die in Frankreich bspw. ausgesprochen binär die „Machtkategorie“ Feudalherrschaft mit Hilfe der Guillotine entsorgte.
      (Hinweis am Rande: Kein Marxist anwesend)
      Das Bürgertum war selbst einmal revolutionäres Subjekt.

      Wenn man dich allerdings liest, will man das heute kaum mehr glauben.

      b. Des Kampfes der Mehrheit der Gesellschaft um die demokratische Teilhabe – zur Erinnerung: Das Dreiklassenwahlrecht wurde in Deutschland erst 1918 abgeschafft.

      Was du als „default“ einer „liberalen“ Gesellschaft verstehst, ist also Resultat eines Klassenkampfes. Das gab es nicht geschenkt, sondern das musste u.a. von der Arbeiterbewegung errungen werden.

      c. Gescheitert ist nicht die „Kernidee“ des Sozialismus/Kommunismus, sondern ihre pervertierte Form in Gestalt des Stalinismus/Maoismus.

      Gruß crumar

      • Wer die französische Revolution als „bürgerlich“ bezeichnet, verrät seine marxistischen Denkkategorien.

        Das Dreiklassenwahlrecht gab es übrigens nicht in Deutschland, sondern in Preußen. Der deutsche Reichstag im Kaiserreich wurde nicht nach dem Dreiklassenwahlrecht gewählt.

      • @Adrian:

        »Wer die französische Revolution als „bürgerlich“ bezeichnet, verrät seine marxistischen Denkkategorien.«

        Erleuchte uns, o Adrian, über das Wesen der Französischen Revolution! Waren das vielleicht alles schon Marxisten »avant la lettre«, ohne es zu wissen?

      • Und: Welche Form von Kommunismus hat sich denn global durchgesetzt? Selbst Chinas ökonomischer Aufschwung ist auf die Implementierung marktwirtschaftlicher Elemente zurückzuführen.

      • „Erleuchte uns, o Adrian, über das Wesen der Französischen Revolution!“

        Es war eine Revolution (eigentlich eher eine Abfolge von revolutionären Bewegungen) gegen die absolute Monarchie im Gefolge einer lang schwelenden Staats- und Wirtschaftskrise. „Bürgerlich“ war sie schon alleine deshalb nicht, weil es damals noch kein Bürgertum als spezifische Schicht gab.

      • @Adrian:

        »Welche Form von Kommunismus hat sich denn global durchgesetzt?«

        Gar keine, und das ist auch gut so! Du verstehst meine Pointe nicht: weil der Kapitalismus und die liberale Ideologie global gesiegt haben, ist es ziemlich absurd, heute immer noch »die Linke« zum Haupt- oder Alleinschuldigen unserer globalen Probleme zu erklären.

        Dass sie einen erheblichen Anteil an diesen Problemen hat, kritisieren wir ja selbst. Aber es ist halt noch nicht die ganze Wahrheit. Den erneuten Gebrauch des bösen N-Worts spare ich mir aber für eine ausführliche Begründung auf »Geschlechterallerlei« auf, sobald ich meine Donovan-Artikel endlich fertig habe.

      • @Adrian:

        »„Bürgerlich“ war sie schon alleine deshalb nicht, weil es damals noch kein Bürgertum als spezifische Schicht gab.«

        Ich fürchte, da hast Du alle Standardwerke der Sozialgeschichte gegen Dich. Sozialgeschichtlich beginnt das Bürgertum bereits in den mittelalterlichen Städten, mit den Handwerkern und Händlern, politisch in Deutschland mit den Freien und Reichsstädten, die entweder direkt dem Kaiser unterstellt waren (Reichsstädte) oder trotz nominellem Landesherrn Selbstverwaltungsrechte und weitere Privilegien besaßen. Fernhändler wie die Fuggger und Welser waren selbstverständlich Bürger, ebenso wie die zünftisch organisierten Handwerker.

        Die gesamte Amerikanische Revolution beruhte auf einem expliziten politischen Konzept der Bürgerlichkeit, und die Französische Revolution war eine Revolution des bürgerlichen »Dritten Standes«, der bereits zu Zeiten des Absolutismus Teil der politischen Verfassung Frankreichs war. Alles, was dem Bürgertum noch fehlte war, zur herrschenden Klasse aufzusteigen – und genau das hat die Französische Revolution bewerkstelligt.

      • „ist es ziemlich absurd, heute immer noch »die Linke« zum Haupt- oder Alleinschuldigen unserer globalen Probleme zu erklären.“

        Das habe ich nicht getan.
        Der Großteil unserer globalen Probleme wäre allerdings schnell gelöst, wenn alle Länder die grundlegenden Prinzipien westlicher Demokratien übernehmen würden (Gewaltenteilung, Rechtsstaat, individuelle Freiheitsrechte und Marktwirtschaft).

      • @JC Denton:

        »Die neoliberale«

        Wie bereits erwähnt: das N-Wort spare ich mir für ein andermal und eine ausführliche Begründung auf.

      • „Alles, was dem Bürgertum noch fehlte war, zur herrschenden Klasse aufzusteigen – und genau das hat die Französische Revolution bewerkstelligt.“

        Okay. Ich sehe Geschichte zwar nicht als Abfolge von Klassenkämpfen und glaube auch nicht an herrschende Klassen, aber bitte.

        Vive la Bourgeoisie!

    • @ Adrian „Aus liberaler Sicht ist der Weg der Linken jedenfalls keine Überraschung.“ Die Linke ist groß genug für ganz unterschiedliche Strömungen, war sie zumindest mal. Ich würde umgekehrt ja einen Bürgerrechtsliberalen auch nicht für das verantwortlich machen, was ein Nationalliberaler vertritt.

      Die Veränderungen der tonangebenenden Linken in den letzten Jahrzehnten sind m.E. so groß, das es richtig ist, sie idealtypisch als zwei unterschiedliche Gruppen zu beschreiben. Ich illustriere das einmal mit einer Anekdote.

      Als ich vor einer Weile meine Mutter besucht habe, hab ich ihr auch meinen Text über die No Hate Speech-Seite gezeigt. Meine Mutter ist seit über 50 Jahren SPD-Mitglied, so wie es auch mein Vater bis zu seinem Tod im letzten Jahr war. Sie hat sich über die Bilder auf der No Hate Speech-Seite unheimlich empört und war richtig angeekelt. Das nicht deshalb, weil sie eine alte Frau ist, die mit hippen Internet-Memes nichts anfangen kann – sondern weil ihre eigene linke Haltung mit dem, was sie da sah, überhaupt nichts mehr zu tun hatte.

      „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“ – Das Marx-Zitat hat Crumar hier ja gebracht, und es passt, nicht allein für Kommunisten. Das war tatsächlich einmal eine selbstverständliche sozialdemokratische Grundüberzeugung: Es kann nie und nimmer linke Politik sein, Menschen zu erniedrigen und Freude daran zu haben.

      Die Beschreibung einer postmodernen Linken, die sich von einer modernen demokratischen Linken stark distanziert hat, erklärt u.a. zumindest zum Teil, warum die SPD von einer Volkspartei zu einer Klientelpartei abgesackt ist. Ich bin mir zudem sicher: Könnte die Partei nicht (noch) aus ihren Traditionen leben, sondern würde sie allein an dem gemessen, was sie heute darstellt – dann wären ihre Ergebnisse noch viel schlechter.

      Mir macht die Unterscheidung aber auch deutlich, warum linke Männerrechtler bei der heutigen Linken keine Chance auf Gehör haben. Linke Männerrechtler argumentieren konsequent im Menschenrechts-Register – und mit dem Register können postmoderne Linke eigentlich überhaupt nichts anfangen. Werden Rechte der Angehörigen einer „privilegierten Gruppe“ verletzt, dann ist das für eine sie schlimmstenfalls ein formales, aber kein reales Problem. (Alle Bilder hier stammen tatsächlich von der steuerfinanzierten No-Hate-Speech-Seite.)

      https://mantaublog.files.wordpress.com/2016/08/calculate-3.jpg

      Arne Hoffmann hat ja in seinem „Plädoyer für eine linke Männerpolitk“ eine ungeheuer umfassende, bedrückende Sammlung von Daten und Fakten vorgelegt und konsequent unter menschenrechtlichen Aspekten interpretiert – ohne jemals das Klischee zu bedienen, hier würde einfach ein Mann seine verlorengegangene Macht betrauern.

      Die Berufung auf Menschenrechte ist bei einer postmodernen Linken aber ebenso hoffnungslos wie der Hinweis auf Tatsachen und Daten. Es geht dort eben nicht um einen „herrschaftsfreien Diskurs“, in dem sich alle gemeinsam ein Bild über die gemeinsame Welt machen – sondern es geht um eine Standpunktspolitik, die Tatsachen immer nur dann für wichtig hält, wenn sie die richtigen, „emanzipatorischen“ Standpunkte unterstützen.

      Dass wir uns mit diesen Tatsachen auseinandersetzen müssen, um angesichts der realen Welt überhaupt erst einmal überlegen zu können, wie eine „emanzipatorische Politik“ aussehen könnte – das ist für postmoderne Linke gar nicht verständlich.

      Wenn postmoderne Linke die Äußerungen von Männerrechtlern nicht völlig ignorieren, dann interpretieren sie die nicht menschenrechtlich, sondern im Lichte ihrer eigenen Schemata einer binären Herrschaftslogik. „Mimimi, jetzt kommen auch noch die Männer an und wollen marginalisiert sein. Bei all den Aufsichtsratsposten, die die besetzen.“

      https://mantaublog.files.wordpress.com/2016/08/nohatespeech_sexismus-privileg.jpg

      Es geht also bei der Unterscheidung zwischen zwei sehr verschiedenen Spielarten der Linken nicht einfach um eine Ehrenrettung der Linken („Wir sind nicht alle so!“) – sondern es lässt sich damit tatsächlich einiges erklären. Zum Beispiel das gravierende Problem linker Männerrechtler mit der heutigen Linken: Linke Männerrechtler argumentieren konsequent in der Logik einer modernen Linken, die aber für Vertreter einer postmodernen Linken überhaupt nicht verständlich ist.

      Das wiederum ist beiden Seiten nicht klar. Dass sie – und nicht die anderen – diejenigen sein könnten, die etwas nicht verstehen, ist für postmoderne Linke unvorstellbar.

      https://mantaublog.files.wordpress.com/2016/08/nohatespeech_sexismus-awkward-1.jpg

      • „Es kann nie und nimmer linke Politik sein, Menschen zu erniedrigen und Freude daran zu haben.“

        Da kann ich nur sagen: Kommunismus.
        100 Millionen Tote.

        • „Da kann ich nur sagen: Kommunismus.
          100 Millionen Tote.“ Klar. Und Schauprozesse, deren Zeil gerade die öffentliche Erniedrigung war – bevor die Opfer dann umgebracht wurden. Ich wollte hier aber eine klassische sozialdemokratische Wahrnehmung skizzieren – und aus deren Perspektive war Stalinismus keine linke Politik, sondern ein Verrat an ihr.

          Nicht nur für Sozialdemokraten übrigens – die Trilogie von Manes Sperber („Wie eine Träne im Ozean“) finde ich zu dem Thema grandios.

          • „aus deren Perspektive war Stalinismus keine linke Politik, sondern ein Verrat an ihr.“

            Aber eben eine inkorrekte Perspektive. Islamismus ist schließlich auch kein Verrat am Islam.
            Die Geschichte der Linken ist mit Blut getränkt. Wird Zeit, dass sie das mal aufarbeitet.

  • @Adrian:

    »… in einer Welt, in der die linke Kernidee Sozialismus/Kommunismus versagt hat und vom Gegner „bürgerlicher Kapitalismus“ ideologisch besiegt wurde.«

    Was aber nicht ausschließt, sondern eher nahelegt, dass der »ideologische Sieger« seinerseits immer noch ein »Ideologe« ist. Was wiederum bedeutet, dass wir anstelle einer Konkurrenz der Ideologien jetzt eine ideologische Monokultur haben.

    Kein Kommunismus ist halt auch keine Lösung! 🙂

    • „Was aber nicht ausschließt, sondern eher nahelegt, dass der »ideologische Sieger« seinerseits immer noch ein »Ideologe« ist.“

      Sollte irgendwann in ferner Zukunft die Aufklärung ideologischer Sieger sein, wäre sie dann auch immer noch Ideologie? Ist keine Gegenaufklärung auch keine Lösung?

      • @JC Denton:

        »Sollte irgendwann in ferner Zukunft die Aufklärung ideologischer Sieger sein, wäre sie dann auch immer noch Ideologie?«

        Ich betrachte Aufklärung nicht als Ideologie, sondern als Basismethodik der Moderne für rationales Denken. Ideologien entstehen in Verbindung mit Interessen, Klasseninteressen inbegriffen.

        Keine Gegenaufklärung wäre also schon mal nicht schlecht. Leider kommt sie aus mehr als einer politischen Richtung.

  • „… völlig richtig, sich ab und zu einmal aus den Aufgeregtheiten der sozialen Netze herauszuhalten,“

    Exakt. Ich fange gar nicht erst damit an 😉 weil es einfach zuviel Zeit frißt (hat aber zugegebenerweise Nachteile)

    „… das neue, offensichtlich unfaire Dienstrecht in der nordrhein-westfälischen Polizei, …“

    Das neue Dienstrecht gilt nicht nur für die Polizei, sondern für alle Beamten, auch für Lehrer ;-), mehr dazu hier: Gleichstellung nach Düsseldorfer Art im Dienstrechtsmodernisierungsgesetz NRW. Bei der Polizei ist es nur als besonders ungerecht schneller als woanders aufgestoßen.

    „Dass Marginalisierte tatsächlich in der Position sein könnten zu definieren, wer mächtig ist und wer nicht“

    … ist letztlich wieder einmal die Grundstruktur der feministischen Privilegientheorie, deren zentraler innerer Widerspruch und moralische Unhaltbarkeit immer wieder gleich aufstößt. Sie wird hier noch verstärkt durch das davon unbahägige (aber genauso verfassungsfeindliche) Verständnis des Staats als Erzieher und Vormund seiner Bürger.

    „das Ziel einer sozial gerechteren Gesellschaft,“

    In meiner Wahrnehmung steckt in diesem Grundsatz ein großes Problem, der Komparativ „gerechter“. Er unterstellt implizit, daß man „immer gerechter“ werden kann, daß Gerechtigkeit beliebig steigerbar ist. Das glaube ich nicht, irgendwann artet es in Perfektionismus aus. Beispielsweise ist soziale Gerechtigkeit abhängig vom absoluten Wohlstandsniveau. Wenn die ärmsten Schichten kaum satt zu essen haben und nur die alleruntersten Stufen der Bedürfnispyramide abgedeckt sind, sind Unterschiede zu den oberen Schichte deutlich fühlbar. Das war in Deutschland irgendwann in den 1950er oder 60ern der Fall. Später kam das Wirtschaftswunder, Otto Normalverbraucher hatte viel mehr Wohlstand und war viel zufriedener – ob es ein paar Milliardäre mehr oder weniger gibt, spielt dann keine so große Rolle mehr. Die Arbeiterklasse, die klassische Klientel der SPD, hat sich damals durch den allgemeinen Wohlstand weitgehend in Luft aufgelöst. Die neuen Eigenheimbesitzer stehen der Enteignung Vermögender eher skeptisch gegenüber….

    • @ mitm Ich habe den Begriff „gerechter“ benutzt, um anzudeuten: Es geht nicht um die Errichtung einer Idealgesellschaft, sondern darum, die Gesellschaft, die da ist, gerechter zu machen. Um sukzessive Verbesserungen, nicht um die Erschaffung eines Paradieses.

      Dabei soll ja gar nicht alles auf einmal verändert werden. Wenn etwas nicht als ungerecht wahrgenommen wird, kann es natürlich bleiben, wie es ist, und muss nicht verbissen verbessert werden. Nur gibt es erfahrungsgemäß bislang keine Gesellschaft, die als so umfassend gerecht erscheint, dass gar nichts mehr geändert werden müsste.

      Ich verstehe unter Gerechtigkeit übrigens nicht, dass alle dasselbe haben. Das war ja eine der wichtigen Pointen von Rawls (Theorie der Gerechtigkeit), der den Begriff Gerechtigkeit nicht an Gleichverteilung knüpfte – sondern an Autonomie. Seine Leitfrage: Würden wir dieser Gesellschaft zustimmen, wenn wir nicht wüssten, welche Position wir selbst in ihr haben? Wenn wir ebensogut einer der Reichsten wie einer der Ärmsten sein könnten?

      Seine Antwort war, unter anderem, dass wir sehr wohl eine Gesellschaft als „gerecht“ wahrnehmen können, in der es deutliche Ungleichheiten gibt.

      Dass der SPD ihre klassische Klientel abhanden gekommen ist, stimmt in meinen Augen übrigens nur zum Teil. Sicher, es gibt nicht mehr die großen Heere an Fabrikarbeitern, die es in der Gründungszeit der Partei und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab. Aber das hätte nicht dazu führen müssen, dass die SPD von einer Volkspartei zu einer 20%-Klientelpartei wird.

      Die Funktion, die die SPD einmal hatte, ist heute immer noch ungeheuer wichtig: Diejenigen Menschen, die sich mit guten Gründen als Verlierer oder Zukurzgekommene der gesellschaftlichen Ordnung begreifen, trotzdem in diese Gesellschaft einzubinden – indem ihnen Möglichkeiten der Partizipation und des Aufstiegs geboten werden.

      Dass diese klassische sozialdemokratische Funktion heute von niemandem mehr erfüllt wird, ist in meinen Augen richtig gefährlich.

  • Den Ausdruck „postmoderne Linke“ finde ich passend. Die Postmoderne hat die Linke zersetzt. Die Linke verzichtet unter dem Einfluss von Postmoderne immer mehr auf ihre aufklärerischen Prinzipien und Ideale (ein Prozess, den ich seit vielen Jahrzehnten beobachte): auf Religionskritik als Anfang aller Kritik, auf die Orientierung an der Vernunft (stattdessen orientiert sie sich an Gefühlen), auf die in der Aufklärung geforderte Universalität der Menschenrechte, radikale Demokratie (Basisdemokratie), Kritik der bestehenden Verhältnisse (Kritik an Entfremdung, Karrierismus usw.), auf die vom Autor genannte Verteidigung von Freiheitsrechten. Sie verwechselt ferner Gleichberechtigung mit Gleichstellung (=Ergebnisgleichheit) und betreibt eine offene Lobby- und Klientelpolitik für relativ kleine Gruppen von Personen, etabliert somit Sonderrechte für relativ kleine Gruppen von Personen. Der postmoderne Relativismus der Linken führt unvermeidlich zur skrupellosen Machtpolitik.

    Einige dieser Punkte habe ich dem gerade erschienenen Buch „Wege aus der Beliebigkeit. Alternativen zu Nihilismus, Postmoderne und Gender-Mainstreaming“ thematisiert:
    https://www.amazon.de/Wege-aus-Beliebigkeit-Alternativen-Gender-Mainstreaming/dp/3868881131/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1470340349&sr=8-2&keywords=wege+aus+der+beliebigkeit

    • „Die Linke verzichtet unter dem Einfluss von Postmoderne immer mehr auf ihre aufklärerischen Prinzipien und Ideale“

      Diese Ideale entstammen allerdings nicht von der Linken, sondern des Liberalismus.

      Die linke Kernidee ist der Sozialismus/Kommunismus. Berücksichtigt man diese ideologische Sichtweise und transferiert sie über die Erfahrungen aus der Historie des 20. Jahrhunderts in das Hier und Heute, ist das derzeitige Verhalten der Linken absolut logisch herleitbar.

      • @Adrian

        Erstens: 1968 hat die Postmoderne in der Linken keinerlei Rolle gespielt; entwickelt wurde postmodernes Denken Ende der 70er u.a. von Lyotard, durchgesetzt hat sie sich in der Linken 1990ff über den poststrukturalistischen Feminismus (namentlich Butler).

        Deine zeitliche Zuordnung, die 68er hätten ursächlich postmodernes Denken verbreitet passt nicht.
        Dass dieses Denken von der Linken nicht frühzeitig kritisiert wurde ist auch falsch.
        Gerade Habermas, Vertreter der zweiten Generation der Kritischen Theorie (nach der Lesart rechter Maskulisten also ein „Kulturmarxist“) tat das bereits in einem 1985 erschienenen Werk:
        https://de.wikipedia.org/wiki/Der_philosophische_Diskurs_der_Moderne

        Falls das derzeitige Verhalten der Linke „logisch herleitbar“ sein sollte, dann muss das eine postmoderne Logik sein, die sich mir nicht unmittelbar erschließt.

        „Der postmoderne Relativismus der Linken führt unvermeidlich zur skrupellosen Machtpolitik.“ schreibt Alexander Ulfig richtig, doch den Siegeszug in der Linken antreten konnte die Postmoderne erst über den Umweg des Feminismus.
        „Die Linke verzichtet unter dem Einfluss von Postmoderne immer mehr auf ihre aufklärerischen Prinzipien und Ideale“ – nachdem alle aufklärerischen Prinzipien und Ideale als „männlich“ denunziert worden sind.
        D.h. die Durchsetzung der Denkweise des „moralischen Geschlechts“ war m.E. selber Resultat einer skrupellosen Machtpolitik.

        Bin gespannt auf das Buch.

        Gruß crumar

    • @Alexander Ulfig:

      »Ideale der Aufklärung«

      Von Ernst Bloch gibt es in bezug auf das Zeitalter der Französischen Revolution die wunderbare Formel: »Aus dem Citoyen kam der Bourgeois, aber der Bourgeois wird durch den Citoyen gerichtet.« Der »Citoyen« ist das Modell, auf das sich aufgeklärte und nicht-totalitäre Linke beziehen können, ohne darum den Bourgeois kritiklos hinnehmen zu müssen.

  • Vor einiger Zeit hatte ich mir mal gewünscht, dass die „linken Maskulisten“ eher mal den sogenannten Linken in den Arsch treten sollten, anstatt sich fortwährend über angeblich rechtes Gedankengut von Konservativen oder Rechts-Liberalen zu echauffieren. Schön dass ihr das jetzt tut (Kopf tätschel, Backen streichel 😉 )

    Was ihr als regressive Linke oder postmoderne Linke bezeichnet ist in meiner Welt der kulturelle Marxismus der Frankfurter Schule. Mit dieser Methode der Maschinengewehr-Kritik lässt sich alles nieder machen und schlechtreden. Selbst die marginalste Absurdität wird damit zum leuchtenden Beispiel für die immer noch nicht erreichte Gleichheit (oder sonstige schwammig definierte Kampfbegriffe). Der kulturelle Marxismus wirkt ausschließlich zerstörend und setzt keine neuen Werte; er ist Nihilismus in Reinkultur. Durch die postmoderne Vernichtung der Begriffe (erst werden sie ins Gegenteil verkehrt, bis sie dann bedeutungslos werden) kann auch kaum noch eine Diskussion stattfinden.

    Der derzeitige Fankult um die Transgender dient ja nicht dazu den Transgenderismus als überlegenen Wert gegen die Heteronormalen zu etablieren (auch wenn es oft so aussieht). Der Kult wirkt nur zerstörend auf Familien, Kindergärten, Schulen usw., was das Ziel der regressiven Linken ist. Das euphorische Beklatschen eines neuen Sexualstrafrechts bedeutet ja nicht, dass die absolute Mehrheit wirklich der Meinung ist, dass nur Frauen die Definitionsmacht für sexuelles Verhalten haben sollen. Das Ziel ist die Zerstörung des Rechtsstaats und der Rechtssicherheit. Solche Aktionen gewöhnen die Bevölkerung an Willkür; wie die willkürlichen Entscheidungen von Merkel, die Atomkraftwerke abzuschalten oder die Grenzen unkontrolliert zu öffnen. Irgendwann werden die Menschen wieder froh sein, wenn ein autokratischer Führer auftaucht, der mit dem Willen zur Macht den Leuten verspricht Ordnung einkehren zu lassen. Ob diese Ordnung dann Marxistisch, Salafistisch oder Kapital-Feudalistisch ist, wird in den nächsten Jahrzehnten ausgewürfelt.

    Wie ich schon allenthalben kommentiert habe, streite ich mich gerne mit einem Marxisten oder „echten“ Linken, denn da gibt es Gemeinsamkeiten und die Diskussion ist i.A. produktiv. Mit postmodernen Linken kann man eigentlich nicht diskutieren. Marx bietet Analysen und Ansatzpunkte um strukturellen Benachteiligungen entgegen zu wirken. Bei den Analysen stimme ich oft zu, bei den Lösungen habe ich ganz andere Vorstellungen. Wer Marx aber für die Beseitigung individueller Unterdrückung anwendet, begibt sich in den psychosozialen Sumpf der Frankfurter Schule.

    • @ Luisman

      Ärgerlich, dass ein so guter Artikel wie dieser Artikel von Lucas Schoppe sofort von dir für deine widerliche antisemitische, homophobe und antilinke Lügenpropaganda instrumentalisiert wird.
      Du hast natürlich keine Ahnung von der Frankfurter Schule, nie etwas von ihnen gelesen, weißt nicht was diese vertreten haben oder heute vertreten. (Mit der politisch korrekten postmodernen Linken, die hier kritisiert wird, hat die Frankfurter Schule jedenfalls nichts zu tun).
      Ist dir nicht aufgefallen, dass sich Lucas Schoppe in seinem Artikel positiv auf Jürgen Habermas bezogen hat? Habermas ist der bekannteste Vertreter der 2. Generation der Frankfurter Schule.

      Ich kann hier zwar nur für mich sprechen, sage dir aber ganz klar: Unter einem Artikel, der auch Zitate von mir enthält, will ich deinen rechten Propagandamüll nicht haben.
      Verpiss dich!

      • @ Luisman

        „Mit postmodernen Linken kann man eigentlich nicht diskutieren.“

        Ich bin zwar traditioneller Anarchist, aber du darfst mich ruhig ausnahmsweise als „Kulturmarxist“ bezeichnen.

        „Wie bezeichnend, dass Du meine Aussage bestaetigst.“

        Oh, ich habe sogar Dutzende Diskussionen mit Anhängern der rechten Anti-Kulturmarxismus-Ideologie geführt.
        Du solltest nur besser nicht glauben dieser Blogartikel würde bedeuten, dass linke Männerrechtler sich irgendwie deiner destruktiven rechten Ideologie annähern wollten.
        Der linke Maskulismus hat mit der rechten Anti-Kulturmarxismus-Ideologie nichts zu tun, außer dass er diese rechte Ideologie bekämpft.

      • @luisman

        Ich kann den Ärger von Leszek nachvollziehen, weil wir diese „Diskussion“ Pi mal Daumen 1000 mal hatten bei Christian auf „Alles Evolution“.

        Es gibt weder einen „Kulturmarxismus“, noch gibt es einen „kulturellen Marxismus“.
        Das ist eine saudumme Erfindung einer idiotischen Rechten in den USA.
        Wenn du zu diesem grenzdebilen Geschwader gehören willst, dann ist das deine Entscheidung.

        Wie Leszek schon betont hat, ist Habermas einer der Vertreter der Frankfurter Schule und übrigens ist auch Sloterdijk mit der „Kritik der zynischen Vernunft“ ein wenig anders gestartet.

        Gruß crumar

      • @Crumar:
        Mal ganz abgesehen davon, dass ich auch die Kulturmarxismus-Theorie für falsch halte, finde ich es irritierend, wie hier ein Benehmen, dass eines Stefanowitschs würdig wäre, entschuldigt wird.

        Ich kann den Ärger von Leszek nachvollziehen, …

        Aber ich kann beim besten Willen nicht nachvollziehen, dass mehrfache Diskussionen anderswo eine Entschuldigung für so ein Benehmen hier sein sollen.

        Schon die Vorstellung, als Zitierter hätte man irgendein Mitspracherecht, was dann in den Kommentaren auftaucht,

        (“ Unter einem Artikel, der auch Zitate von mir enthält, will ich deinen rechten Propagandamüll nicht haben.
        Verpiss dich!“)

        ist doch an Abgedrehtheit doch nicht mehr zu überbieten.

        Egal, ob man so was als Bully- oder Diva-Verhalten bezeichnet: Ein so scharfsinniger Text hat solche Kommentare nicht verdient.

      • @ Seitenblick

        „Aber ich kann beim besten Willen nicht nachvollziehen, dass mehrfache Diskussionen anderswo eine Entschuldigung für so ein Benehmen hier sein sollen.“

        Also ich tendiere ja eigentlich eher dazu, dass man Vertreter der rechten Anti-Kulturmarxismus-Ideologie ruhig etwas härter anfassen kann, wenn sie versuchen ihre Ideologien auf männerrechtliche Blogs zu verbreiten oder wenn sie dort damit provozieren wollen.

        „Schon die Vorstellung, als Zitierter hätte man irgendein Mitspracherecht, was dann in den Kommentaren auftaucht, (…) ist doch an Abgedrehtheit doch nicht mehr zu überbieten.“

        Der erste Halbsatz „Ich kann hier zwar nur für mich sprechen (…)“ hatte eigentlich die Funktion auf die persönliche Subjektivität meiner folgenden Äußerung zu verweisen, also darauf hinzuweisen, dass es um meine persönliche Perspektive geht, aber nicht um etwas, worauf ich einen realen „Anspruch“ hätte. So im Sinne von Karen Horneys Unterscheidung zwischen „Wunsch“ und „Anspruch“ sollte das also zu verstehen sein.
        Vielleicht hätte ich diesen Aspekt noch etwas deutlicher ausformulieren sollen.

        „Egal, ob man so was als Bully- oder Diva-Verhalten bezeichnet: Ein so scharfsinniger Text hat solche Kommentare nicht verdient.“

        Tja, m.E. hat dieser scharfsinnige Text von Schoppe Kommentare, in denen die rechte Anti-Kulturmarxismus-Ideologie propagiert wird, erst Recht nicht verdient.
        Solche Kommentare implizieren immer auch die Männerrechtsbewegung mit rechten Verschwörungstheorien, Antisemitismus und anderen menschenfeindlichen Einstellungen sowie den Morden von Breivik in Verbindung zu bringen (für den die rechte Anti-Kulturmarxismus-Ideologie als Legitimierungsideologie fungierte). Wie sowas in antimaskulistischen Propaganda-Schriften aufgegriffen wird, dürfte dir bekannt sein.
        Eine deutliche öffentliche Zurückweisung dieser rechten Ideologie halte ich daher sowohl in moralischer und wissenschaftlicher wie pragmatischer Hinsicht für angemessen.

        • Also ich tendiere ja eigentlich eher dazu, dass man Vertreter der rechten Anti-Kulturmarxismus-Ideologie ruhig etwas härter anfassen kann …

          Ich übersetze: Wenn etwas mein Lieblingsthema trifft, dann pfeife ich auf Argumente, schimpfe wie ein Rohrspatz („widerliche antisemitische, homophobe und antilinke Lügenpropaganda“), unterstelle fleißig und versuche mit Ausdrücken wie „verpiss dich“ Pseudo-Dominanz darzustellen. Kurz: spiele Stefanowitsch II.

          Der erste Halbsatz „Ich kann hier zwar nur für mich sprechen (…)“ hatte eigentlich die Funktion auf die persönliche Subjektivität meiner folgenden Äußerung zu verweisen,

          Mir war völlig klar, dass du später versuchen wirst, dich mit dem Halbsatz raus zu reden.
          Den Sachverhalt der nachträglichen Rationalisierung muss ich hier ja nicht erklären.

          Vielleicht hätte ich diesen Aspekt noch etwas deutlicher ausformulieren sollen.
          Nicht nötig. Die dem Wunsch folgenden Sprechakte wie „Verpiss dich“ wären ohnehin stärker gewesen als jede ausgewalzte Pseudo-Pro-Forma-Einschränkung. Wäre also nur Zeitvergeudung gewesen.

          Solche Kommentare implizieren immer auch die Männerrechtsbewegung
          Warum erinnert mich das so an „aber denkt doch an die Kinder“?
          Vielleicht weil hier mal wieder das höhere Gut als Rechtfertigung herangezogen wird?

          Wie sowas in antimaskulistischen Propaganda-Schriften aufgegriffen wird, dürfte dir bekannt sein.
          Hm. Aber dass auch solche Äußerungen wie deine für die „antimaskulistischen Propaganda-Schriften“ zitatreif sind („der autoritäre Geist der Männerrechtsbewegung zeigt sich auch im Diskussionsverhalten, z. B hier bei …“), der Gedanke kam dir noch nie?

          Ein Link auf einen einschlägigen Kommentar bei alles evolution, der brauchbare Quellen anführt, wäre jedenfalls weniger anfällig dafür, in antimaskulistischen Propagandaschriften zitiert zu werden.
          Ich weiß: Sachlich bleiben ist schwer, wenn man sich bei seinem Lieblingsthema mal so richtig ereifern will. Ja ja.

      • @ Seitenblick

        „Ich übersetze: Wenn etwas mein Lieblingsthema trifft, dann pfeife ich auf Argumente, schimpfe wie ein Rohrspatz („widerliche antisemitische, homophobe und antilinke Lügenpropaganda“), unterstelle fleißig und versuche mit Ausdrücken wie „verpiss dich“ Pseudo-Dominanz darzustellen. Kurz: spiele Stefanowitsch II.“

        Die Idee war eher, dass, da solche Personen erfahrungsgemäß nicht durch rationale Argumente von ihren Versuchen die Männerrechtsbewegung mit ihrer rechten Ideologie zu unterwandern abgebracht werden können, es manchmal sinnvoll sein kann, ihnen zumindest eine deutliche Ablehnung ihrer Versuche zu vermitteln.
        Argumente sind bei rechten Anti-Kulturmarxismus-Ideologen erfahrungsgemäß nutzlos, Argumente sind nur für andere Leser sinnvoll, (daher sind sie in anderen Kommentaren aufgeführt.)
        Die Begriffswahl „widerliche antisemitische, homophobe und antilinke Lügenpropaganda“ halte ich außerdem für eine treffende Beschreibung der rechten Anti-Kulturmarxismus-Ideologie.

        „Mir war völlig klar, dass du später versuchen wirst, dich mit dem Halbsatz raus zu reden.
        Den Sachverhalt der nachträglichen Rationalisierung muss ich hier ja nicht erklären.“

        Tja, Andere könnten es vielleicht anders sehen als ich, daher kann ich nur für mich selbst sprechen. Außerdem ist dies nicht mein Blog, daher kann ich keine Anspruchshaltungen erheben. Das ist nunmal so.

        „Nicht nötig. Die dem Wunsch folgenden Sprechakte wie „Verpiss dich“ wären ohnehin stärker gewesen als jede ausgewalzte Pseudo-Pro-Forma-Einschränkung. Wäre also nur Zeitvergeudung gewesen.“

        Du meinst also, wenn ich geschrieben hätte: „Ich kann zwar nur für mich sprechen, aber ich würde es vorziehen, wenn du diese rechte Propaganda hier unterlassen würdest.“ hätte dies ausgewogener gewirkt. Das kann zwar sein, aber der diskursive Effekt einer polemischen Äußerung schien mir an dieser Stelle nicht ganz unwichtig.

        „Warum erinnert mich das so an „aber denkt doch an die Kinder“? Vielleicht weil hier mal wieder das höhere Gut als Rechtfertigung herangezogen wird?“

        Es ist nicht zwangsläufig falsch ein höheres Gut als Rechtfertigung heranzuziehen. Ein höheres Gut darf nur niemals als Rechtfertigung für Handlungen, die zu Menschenrechtsverletzungen oder Ungerechtigkeiten führen oder beitragen, verwendet werden.

        „Hm. Aber dass auch solche Äußerungen wie deine für die „antimaskulistischen Propaganda-Schriften“ zitatreif sind („der autoritäre Geist der Männerrechtsbewegung zeigt sich auch im Diskussionsverhalten, z. B hier bei …“), der Gedanke kam dir noch nie?“

        Dass eine links-maskulistische polemische Zurückweisung dieser irrationalen menschenfeindlichen rechten Verschwörungstheorie in einer radikalfeministischen antimaskulistischen Propagandaschrift zitiert wird, halte ich für sehr unwahrscheinlich, da dies in direktem Gegensatz zu dem Bild stünde, dass in solchen gegen die Männerrechtsbewegung gerichteten Hetzschriften gewöhnlich versucht wird von Männerrechtlern zu konstruieren (rechts, homophob usw.)
        Falls es aber tatsächlich geschähe, dass ein solcher Kommentar in einer antimaskulistischen radikalfeministischen „Expertise“ zitiert würde, wäre dies, rein pragmatisch betrachtet, für die Männerrechtsbewegung wohl eher vorteilhaft.

        „Ein Link auf einen einschlägigen Kommentar bei alles evolution, der brauchbare Quellen anführt, wäre jedenfalls weniger anfällig dafür, in antimaskulistischen Propagandaschriften zitiert zu werden.“

        Das wäre dann, pragmatisch betrachtet, allerdings eher ein Argument für meinen polemischen Kommentar. Denn eine entsprechende Zitation würde das Propagandabild, das in diesen Schriften gewöhnlich von Männerrechtlern konstruiert wird, hinsichtlich zentraler Aspekte diskursiv durchbrechen.

        „Ich weiß: Sachlich bleiben ist schwer, wenn man sich bei seinem Lieblingsthema mal so richtig ereifern will. Ja ja.“

        Dein eigener Kommentar mir gegenüber war ja nun ebenfalls nicht sachlich, sondern beinhaltete durchaus aggressive, polemische und unterstellende Elemente.
        Wir beide unterscheiden uns also nicht dadurch, dass wir nicht unter Umständen einen polemischen Kommentar als Reaktion auf einen anderen Kommentar für berechtigt halten. Wir unterscheiden uns hinsichtlich der Kriterien, nach denen wir dies für berechtigt halten.

  • @crumar
    Ist mir schon bewusst, dass Linke die Existenz des kulturellen Marxismus verleugnen. Eure Arroganz erstaunt mich jedoch immer wieder, wenn ihr behauptet die „boesen Rechten“ haetten weder die Texte der Frankfurter Schule gelesen (bzw. verstanden) und jegliches Gegenargument sei von vorner herein ungueltig, weil es eben vom Gegner kommt.

    Ihr duerft weiter in Eurer Suppe vor Euch hin koecheln. Ich wollte hier ja nur mal Schoppe loben, der ein seltenes Licht der Rationalitaet in Euren Kreisen darstellt.

    • @luisman

      „Ist mir schon bewusst, dass Linke die Existenz des kulturellen Marxismus verleugnen.“

      Schau mal luisman, ich bezeichne mich selber als Marxist, von daher meine Frage an dich: WELCHEN Grund hätte ich, mich selbst NICHT als „kulturellen Marxisten“ zu bezeichnen, wäre ich der Überzeugung, es GÄBE diesen?
      Du unterstellst mir eine Tarnung meiner echten Denkweise, die ich überhaupt nicht brauche und demzufolge auch nicht verwende.

      Ich transportiere deinen Satz einmal mit einer anderen Weltanschauung:

      „Ist mir schon bewusst, dass Liberale die Existenz des „kulturellen Liberalismus“ verleugnen.“

      Jeder Liberale m.E. wird unweigerlich fragen, was das überhaupt bedeuten soll – heißt das das Primat der Kultur über den Liberalismus, das kulturelle im Liberalismus betonend, liberale Werte in der Kultur? Gibt es einen akulturellen Liberalismus, dem ein kultureller zur Seite gestellt werden muss?
      Ein Liberaler wird sich in Fragen der Kultur gemäß seiner liberalen Überzeugungen äußern.
      Wieso sollte er das leugnen oder verleugnen?
      Der Satz ist sinnlos – egal welche politische Richtung ich einsetze.

      Die Frankfurter Schule / die Kritische Theorie zu kritisieren steht dir und jedem Menschen egal welcher politischen Richtung frei.
      Nur ist das nach ein paar Jahrzehnten nicht originell und von links ist diese Theorie – besonders seit 1968 – ebenfalls ausgiebig kritisiert worden.

      Die damalige Studentenbewegung hat sich mit Adorno (und dieser mit ihr) geradezu überworfen:

      „Ein durchgängiger Kritikpunkt der Studenten, der auch schon früh formuliert wird, ist der fehlende
      Praxisbezug Adornos und Horkheimers. Man erhofft sich von den „antiautoritären Autoritäten“
      eine ebenso eindeutige Solidarisierung, wie dies Marcuse tut. Doch Horkheimer ist der
      Studentenbewegung der Sechziger Jahre von Anfang negativ gegenüber eingestellt und auch
      Adorno, der sich zwar öfters positiv über die Studenten äußert, warnt immer wieder vehement
      vor antiemanzipatorischen Tendenzen innerhalb der Bewegung. Folgerichtig werden auch sie
      Ziel von Protestaktionen, wie Vorlesungsstörungen und ähnlichem. Der Konflikt erlebt seinen
      Höhepunkt in der versuchten Besetzung des „Instituts für Sozialforschung“ durch eine Gruppe
      von Studenten unter der Führung von Krahl, die durch die von Adorno herbeigerufene Polizei
      verhindert wird und die Krahl kurzzeitig ins Gefängnis bringt.“

      http://www.ca-ira.net/isf/beitraege/pdf/benicke-adorno.mao.pdf

      Was du uns unterstellst, nämlich die Vertreter der Kritischen Theorie wären Säulenheilige der hiesigen Linken ist nicht so.

      D.h. mein Vorwurf an dich bleibt bestehen: Du hast einen Begriff aus dem Kontext der US-Rechten entlehnt, der ein völlig sinnloses Propagandainstrument ist.

      Gruß crumar

      • Ich benutze ‚kulturellen Marxismus‘ gerne als Kampfbegriff aus der rechten Ecke und wenn man wie ich die meisten Ideen der Frankfurter Schule ablehnt ist der Begriff eine schoene Verunglimpfung. Aus meiner Warte ist es also ein sinvolles Propagandainstrument. Da die Frankfurter Schule und Die Linke/SPD/Die Gruenen andauernd mit linken Kampfbegriffen hausieren gehen, warum soll es nur mir verwehrt sein mal einen rechten Kampfbegriff zu benutzen?

        Der Kampfbegriff hat auch den Vorteil dass die Liebhaber der Frankfurter Schule gleich getriggert werden und sich damit selbst „outen“. Sei es durch unflaetige Beleidigungen (wie Leszek, den ich beim besten Willen nicht ernst nehmen kann), durch sehr einseitige Uminterpretation der meiner Ansicht rein zerstoererisch wirkenden kritischen Theorie (meist aus der djadmoros Ecke) oder durch Verschwurbelungstaktik (schau mal in den Spiegel).

        Ich habe das Thema Frankfurter Schule und die Zusammenhaenge mit dem Feminismus der 70/80er ja in meinem Blog vor einiger Zeit aufgearbeitet (3 deutsche posts, die drei uebersetzt auf Englisch und noch ein weiterer post auf Englisch mit Beweisen, Zitaten und Links zu Quellen). Aus der linken Ecke wird meist nicht argumentiert sondern beschimpft und unterstellt. Die Kritiker der „kritischen Theorie“ werden i.A. als Luegner abgetan oder es wird ihnen unterstellt nicht jeden einzelnen Satz von Marx und den Autoren der Frankfurter Schule gelesen zu haben. Zweiteres ist praktisch immer richtig und trifft auch auf die meisten linken Diskutanten zu. Marcuse ist ja zum grossen Teil noch lesbar, bei Adorno krieg ich Magenkraempfe und lese lieber die ein oder andere Zusammenfassung.

        Meine persoenliche Erfahrung habe ich ja bereits kund getan „Mit postmodernen Linken kann man eigentlich nicht diskutieren.“. Ich habe den Eindruck die wollen das auch nicht. Die haetten gerne dass man vor der vermeintlichen geistigen Brillianz extrem kompliziert geschriebener Texte in Erfurcht erstarrt und jedem nur uebrig bleibt zuzustimmen um nicht dumm zu wirken. Dem entgegne ich „das haettet ihr wohl gerne so“, denn von mir gibt’s Kontra. Aus Respekt vor Schoppe hab ich meine uebliche Shitlorderei mit der ich die Verteidiger der kritischen Theorie gerne zur Weisglut treibe hier mal sein lassen. Das mach ich dann auf meinem eigenen Blog.

      • @luisman:

        »Ich benutze ‚kulturellen Marxismus‘ gerne als Kampfbegriff aus der rechten Ecke und wenn man wie ich die meisten Ideen der Frankfurter Schule ablehnt ist der Begriff eine schoene Verunglimpfung.«

        Du bist echt lustig! Bezeichnest Dein eigenes Auftreten als Verwendung von »Propagandainstrumenten« und »Shitlorderei« und wunderst Dich dann, dass keine Diskussion dabei herauskommt.

        Genau genommen wunderst Du Dich natürlich nicht, sondern sorgst gezielt dafür, dass Deine vorgefasste Erwartung (»mit postmodernen Linken kann man nicht diskutieren«) am Ende zuverlässig bestätigt wird.

        Daher vielen Dank für die freundliche Warnung – meine freie Zeit ist wahrlich zu knapp bemessen, um sie an Forenten wie Dich zu verschwenden.

      • Die Debatten um den Begriff „Kulturmarxismus“ laufen ja nun schon seit Jahren auf dieselbe Weise ab, und ich habe auch nicht den Endruck, dass wir hier viel daran ändern könnten. Deshalb hier von mir keine Fortsetzung der Debatte, sondern nur zwei ganz unterschiedliche Bemerkungen zu Randthemen von ihr.

        Erstens: Dass „Kulturmarxismus“ ein Kampfbegriff ist, ist ja einer der wenigen Punkte, auf den sich so ziemlich alle Diskutanten hier einigen können – wenn auch in unterschiedlicher Bewertung. Die Frage ist nur: Wieso eigentlich braucht die heutige amerikanische Rechte einen Kampfbegriff, um sich mit einer deutschen Sozialphilosophie auseinanderzusetzen, die vor Jahrzehnten ihre Blütezeit hatte?

        Meine These: Die amerikanische Rechte braucht eine Erklärung für das Unerklärliche, dass Barack Obama Präsident geworden ist und sogar wiedergewählt wurde. Die republikanische Partei wiederum fand – außer einer Blockadehaltung – keinen Umgang damit, sondern ist nun schon seit Jahren damit beschäftigt, sich zwischen Tea Party und Parteiestablishment selbst zu zerlegen. Mittlerweile hat sie einen Präsidentschaftskandidaten, der vielen Republikanern selbst zuwider ist.

        Sich diese unschöne Situation nicht mit eigenem Versagen, sondern mit dem Wirken einer De-Facto-Verschwörung zu erklären, der kulturellen Zersetzung der USA durch eine europäische linke Philosophie und ihre natürlich verschlagenen Akteure: Das macht einiges leichter. „Kampf“ kann eben auch bedeuten, dass man Konflikte nach außen trägt, die man eigentlich mit sich selbst hat.

        In dem Artikel hier geht es aber um Probleme der deutschen Linken. Diese internen Probleme der deutschen Linken erklären zu wollen mit Hilfe interner Probleme der amerikanischen Rechten, passt nicht gut. Als Beispiel: In Kulturmarxismus-Ressentiments wird Linken eine Zersetzung der amerikanischen Kultur vorgehalten. Mir geht es hier im Text aber gerade darum, dass die postmoderne Linke zu vernünftigen sozialen Änderungen überhaupt nichts beitragen kann. Etwas übertrieben ausgedrückt: Mein Problem mit der deutschen Linken ist ja gerade, dass sie es überhaupt nicht hinkriegt, irgendwas zu zersetzen. Außer vielleicht sich selbst.

        Zweiter Punkt: Ich argumentiere ja aus einer Perspektive des amerikanischen Pragmatismus, stark an Dewey angelehnt. Von daher habe ich tatsächlich eine ganze Menge an Kritikpunkten an Adorno. Ich finde aber die Auseinandersetzung mit ihm auf jeden Fall lohnend – und die, die ich im Text als „postmoderne Linke“ beschrieben haben, können sich auf Adorno ganz gewiss nur dann berufen, wenn sie ihn sehr grob verzerren.

        Ich finde übrigens auch Adornos Sprache nicht so schlimm – man muss sich halt einlesen, dann geht es eigentlich ganz gut. Es ist aber ganz sicher eine Sprache, in der sich sehr entscheiden eine bildungsbürgerliche Distinktion ausdrückt – was ja auch dazu geführt hat, dass er von vielen Linken als elitär und abgehoben wahrgenommen wurde. Seine Überlegungen zum Jazz z.B. waren tatsächlich auch entschieden ablehnend, aber von umfassender Unkenntnis geprägt.

        Aber ansonsten ist er ein sehr konsequenter, pessimistischer Denker, dem man eine ungeheure Liebe zur (bildungsbürgerlichen) Kultur anmerkt, insbesondere zur Musik. Ich hab natürlich auch eine Adorno-Gesamtausgabe ;-), und fast die Hälfte der Bände besteht aus Schriften zur Musik.

        Insofern ist der Vorwurf kultureller Zersetzung bei Adorno besonder brutal, auch wenn das denjenigen, die diesen Vorwurf formulieren, vermutlich gar nicht klar ist: Adorno ist – aus durchaus verständlichen Gründen – ein ungeheuer hoffnungsloser Denker, und wenn ihm überhaupt so etwas wie Hoffnung anzumerken ist, dann im Bereich der Kultur, insbesondere der Musik und Literatur.

        PS. Es gibt tatsächlich einen Philosophen, mit dessen Sprache ich bis heute nichts anfangen kann, obwohl ich ihm schon eine ganze Reihe von Chancen gegeben habe: Heidegger. Den halte ich mittlerweile wirklich für einen ganz kleinen Geist, der mit einer pompösen Sprache verdeckt, dass er eigentlich nicht viel zu sagen hat. Wenn ich Adornos Sprache mit der Heideggers vergleiche, kommt mir Adorno plötzlich klar, deutlich und präzise vor.

      • @luisman

        Ich habe mir einen Blogeintrag von dir angeschaut, der da lautet:

        „The truth about ‚Cultural Marxism‘ with proof.

        Du fängst an mit einer steilen Behauptung: „There are claims that the Frankfurt school had nothing to do with the student revolution in the 1960’s.“

        Da fängt es aus meiner Sicht an problematisch zu werden:
        Marcuse hatte einen großen Einfluss auf die US-Studentenbewegung und dies verdankte sich dem Umstand, dass „Der eindimensionale Mensch“ bereits 1964 zuerst in den USA erschienen war.

        „Das oft aufgegriffene Schlagwort der Großen Verweigerung als Ausweg taucht auf den letzten Seiten auf. Viele Gruppen der 68er-Bewegung und der alternativen Szenen bezogen sich auf dieses Motiv, aber auch auf seine anderen Werke und propagierten ein Aussteigen aus dem kapitalistischen System. Marcuses Utopie liegt darin, eine befreite Gesellschaft vernunfttheoretisch und triebtheoretisch zu begründen, mindestens jedoch die Möglichkeit einer anderen freieren Gesellschaft wach zu halten.“

        https://de.wikipedia.org/wiki/Der_eindimensionale_Mensch

        Von daher ist deine Behauptung: „that he used the works of the Frankfurt school to support the activists and guide them.“ im genau entgegensetzten Sinne richtig die Aktivisten nutzten das Werk von Marcuse.
        Was auch logisch ist, denn das Werk erschien VOR 1968.

        Mir ist auch nicht klar, was du mit dem ellenlangen Zitat eines Briefes von Marcuse an Adorno beweisen willst, zumal aus dem Briefwechsel
        http://www.heathwoodpress.com/letters-adorno-marcuse-debate/
        klar hervorgeht, dass Marcuse mit seiner Unterstützung der Studentenbewegung in der Frankfurter Schule politisch isoliert war.
        Weder unterstützte Adorno, noch Horkheimer die Studentenbewegung.

        Demnach sagen deine Beweismittel im Grunde das Gegenteil von dem aus, was Eingangs behauptet hast. Was für deine Position eher nicht so gut ist.

        Hast du noch andere Artikel, die ebenso vorgehen?

        Gruß crumar

      • @Lucas

        „Wieso eigentlich braucht die heutige amerikanische Rechte einen Kampfbegriff, um sich mit einer deutschen Sozialphilosophie auseinanderzusetzen, die vor Jahrzehnten ihre Blütezeit hatte?“

        Nachdem „marxist“ in der (post-) McCarthy Ära wohl der „Gott-sei-bei-uns!“ bedeutete dachte ich zunächst, der Begriff „cultural marxist“ sei in der Art feministischer Begriffsbildung entstanden.
        Also „verschiebe die Torpfosten und erfinden neue Spielregeln“ oder seriöser formuliert: „broaden the definition“ und damit sind die zwei Seiten des Satans beschrieben.

        Aber du hast recht, der Kampfbegriff hat alle Elemente einer Verschwörungstheorie.

        Im „Guardian“ schön beschrieben, warum diese so bizarr ist:

        „The conspiracy theorists claim that these “cultural Marxists” began to use insidious forms of psychological manipulation to upend the west. Then, when Nazism forced the (mostly Jewish) members of the Frankfurt School to move to America, they had, the story goes, a chance to undermine the culture and values that had sustained the world’s most powerful capitalist nation.

        The vogue for the ideas of theorists like Herbert Marcuse and Theodor Adorno in the 1960s counterculture culminated with their acolytes’ occupation of the commanding heights of the most important cultural institutions, from universities to Hollywood studios. There, the conspiracy says, they promoted and even enforced ideas which were intended to destroy traditional Christian values and overthrow free enterprise: feminism, multiculturalism, gay rights and atheism. And this, apparently, is where political correctness came from. I promise you: this is what they really think.

        The whole story is transparently barmy. If humanities faculties are really geared to brainwashing students into accepting the postulates of far-left ideology, the composition of western parliaments and presidencies and the roaring success of corporate capitalism suggests they’re doing an astoundingly bad job. Anyone who takes a cool look at the last three decades of politics will think it bizarre that anyone could interpret what’s happened as the triumph of an all-powerful left.“

        https://www.theguardian.com/commentisfree/2015/jan/19/cultural-marxism-a-uniting-theory-for-rightwingers-who-love-to-play-the-victim

        Das ist der Gottvater des Begriffs, William S. Lind:
        https://en.wikipedia.org/wiki/William_S._Lind

        Und weil er selbst: „Lind was formerly the Director of the Center for Cultural Conservatism at the Free Congress Foundation.“ war, ist seine Projektion eigentlich naheliegend.

        Ich habe selbst versucht, aus dem Ansatz irgendeine Art von konservativer Kritik am Marxismus herauszulesen, bin an dem wirren Gebrabbel von Lind aber gescheitert.
        Zum Eigenversuch: http://www.blueagle.com/editorials/Lind_982.htm

        These: „Political Correctness is nothing less than Marxism translated from economic into cultural terms.“ Und: „The third parallel is that both varieties of Marxism declare certain groups virtuous and other evil a priori, without regard for the actual behavior of individuals.“

        Hingegen ein Originalzitat:

        „Zur Vermeidung möglicher Mißverständnisse ein Wort. Die Gestalten von Kapitalist und Grundeigentümer zeichne ich keineswegs in rosigem Licht. Aber es handelt sich hier um die Personen nur, soweit sie die Personifikation ökonomischer Kategorien sind, Träger von bestimmten Klassenverhältnissen und Interessen. Weniger als jeder andere kann mein Standpunkt, der die Entwicklung der ökonomischen Gesellschaftsformation als einen naturgeschichtlichen Prozeß auffaßt, den einzelnen verantwortlich machen für Verhältnisse, deren Geschöpf er sozial bleibt, sosehr er sich auch subjektiv über sie erheben mag.“

        Karl Marx MEW 23, S.16
        Es ist ein Zitat aus dem Vorwort des Kapitals – was m.E. beweist, er hat noch nicht einmal das gelesen. Ein rechter Scharlatan.

        Gruß crumar

  • Links, rechts, was soll man damit anfangen? Die NsdAP hat sich selbst auch gerne als links oder anti-reaktionär gesehen. Heute sind sie der Inbegriff des rechten Spektrums geworden. Diese Begriffe haben sich andauernd gewandelt, und wirklich voneinander abgrenzen kann man sie auch nicht, sehr schwammig das Ganze.

    Ich schlage deswegen folgendes vor:

    Kollektivistisches denken individuelles denken entgegenstellen. So ergibt sich die Möglichkeit elegant zwischen zukünftigen Leichenbergen und Prosperität zu entscheiden. Oder sieht jemand große Unterschiede zwischen der SA und der Antifa? Wenn es bürgerkriegsähnliche Umstände geben würde, könnte man sie nur noch anhand der Uniformen unterscheiden.

    Was die heutigen „Linken“ von den damaligen „Linken“ unterscheidet ist gar nicht mal die Weltanschauung. Es ist die Differenz in der Macht die heute von „Links“ gehalten wird. Als schwache „unterdrückte“ Opposition ist es leicht und clever Liberalität zu verlangen. Die Starken wollen stark bleiben, und da nervt Dissens doch nur.
    Heute übernehmen die „Rechten“ den Job der Meinungsverteidiger, weil sich die kulturellen Machtverhältnisse invertiert haben und sie diejenigen sind die von einem liberalen Geist profitieren.

    Im Grunde sind alle Kollektivisten nur Steigbügelhalter der Mächtigen

  • @Leszek

    „…sofort von dir für deine widerliche antisemitische, homophobe…“

    Verzeihung, aber wo in Iuisman’s Text sind Homohpobie oder gar Antisemitismus zu finden? Gar widerliche? Er hat die Frankfurter Schule kritisiert, deren Wirken allgemein als Kulturmarxismus bekannt ist. Ob dies nun den Tatsachen entspricht, steht auf einem anderem Blatt*. Weil Adorno und Horkheimer Juden waren darf man deren Werk nicht mehr verachten? Weil man der heutigen Politisierung von Nischensexualität kritisch gegenüber steht ist man Homophob?

    Ihm jetzt solche Klopper vor den Latz zu hauen finde ich, um kein Blatt vor den Mund zu nehmen, extrem schäbig. Warum wirfst du ihm nicht gleich noch Pädophilie vor? Denkst du auch an den dritten, eventuell frisch dazu gekommenen, Leser? Die von dir verwendeten Begriffe, auf dieser Basis, sind gesellschaftlicher Mord, gerade in Deutschland. Wie der Lich.

    Die Wahl der Unterstellungen lässt eine gewisse Mobmentalität durchblicken, warum sonst solche manipulativen Markierungen verwenden? Statt zu argumentieren wird der „Feind“ sozial unmöglich gemacht. Eine typische Strategie von Totalitären, wie Faschisten, Theokraten und Sozialisten. Deine Aktionen bestimmen wie nah du dich in den Dunst der Autokraten bewegst, und diese hier war unter der Gürtellinie.

    „Lügenpropaganda“

    Ich kann nur Behauptungen erkennen, die sich weder widerlegen, noch beweisen lassen. Also Weltanschauungen, gegen die man wiederum mit (am besten plausibleren) Weltanschauungen angehen sollte. Einfach nur „Lüge!“ zu rufen ist doch schon recht faul, und in diesem Fall auch falsch. Propaganda ist ebenfalls negativ konnotiert. Ein Dude-Mäßiges „Das ist… vielleicht deine Meinung, Mann.“ wäre wesentlich angebrachter und stilvoller gewesen. Stattdessen benimmst du dich wie ein Aufpeitscher der Zeloten.

    Ich möchte dir wegen deiner Aktion hier keinen schönen Tag wünschen, „Shaminglanguage“ und regelrechte Verhetzung finde ich einfach nur erbärmlich. Ich hoffe du gehst in dich, und erkennst welchen Schaden du mit solchen Anschuldigungen anrichten kannst. Und um dich zu zitieren:“Verpiss dich!“

    Den anderen wünsche ich einen schönen Wochenanfang :^)

    *hat die Frankfurter Schule nicht einfach das Großkapital (monetär/wirtschaftliche Definition) gegen verschiedene Gesellschaftsgruppen (Ethnien, Geschlecht, Weltanschauungen) getauscht? Wie dem auch sei, der Begriff ist allgemein bekannt/gebräuchlich, und er beschreibt auch kohärent grobe politische Stoßrichtungen. Wie „Links“ und „Rechts“.

      • @Leszek:

        wie wäre es, wenn wir Deine Kommentare zum »Kulturmarxismus« bei Christian zu einem weiteren Gastartikel bei Geschlechterallerlei zusammenfassen? Dann hätte wir zu diesem ledigen Thema einen zentralen Referenzartikel.

      • Warum sollte ich? Du benimmst dich wie die Axt im Wald, und ich habe dich darauf hingewiesen. Aber dein Eloquenz ist atemberaubend, mein kleiner Kommissar.

      • @ djadmoros

        „wie wäre es, wenn wir Deine Kommentare zum »Kulturmarxismus« bei Christian zu einem weiteren Gastartikel bei Geschlechterallerlei zusammenfassen? Dann hätte wir zu diesem ledigen Thema einen zentralen Referenzartikel.“

        Ich glaube, diese vereinzelten Kommentare aus verschiedenen Diskussionskontexten sind nicht so wirklich geeignet für einen zusammenhängenden Artikel. Ein solcher sollte auch besser wissenschaftliche Standards einhalten, also Belegquellen und so.

        Du kannst ja mal überlegen, ob es vielleicht sinnvoll wäre und du Lust hättest, dass wir zusammen bei Gelegenheit mal einen solchen Artikel irgendwann im Verlaufe des 2. Halbjahres verfassen. Zeitdruck bestünde ja nicht.
        Ich bin zur Zeit nicht so wirklich motiviert alleine was dazu zu schreiben.
        Aber falls du keine Lust hast, weil dir Gemeinschaftsarbeiten vielleicht nicht so liegen oder du andere Dinge wichtiger findest, ist das natürlich auch völlig in Ordnung.

      • @djadmoros

        „wie wäre es, wenn wir Deine Kommentare zum »Kulturmarxismus« bei Christian zu einem weiteren Gastartikel bei Geschlechterallerlei zusammenfassen? Dann hätte wir zu diesem ledigen Thema einen zentralen Referenzartikel.“

        Die ersten beiden Kommentare unter dem Kulturmarxismus-Artikel bei Alles Evolution sind doch schon wunderbares Material. Man kann es immer noch schöner, wissenschaftlicher, besser belegter machen, aber wer das will, schreibt in der Regel auch keine Blogbeiträge. (Ich bin selbst Perfektionist und kenne das Problem…)

        Ich bin auch großer Fan davon, die besten Kommentare noch einmal als eigene Blogeinträge zu veröffentlichen. 1. findet man sie so deutlich leichter selbst wieder, 2. sind sie für neue Leser leicht auffindbar und die Leseschwelle ist geringer (Wer wühlt sich durch Tausende von Kommentaren, um die am besten formulierten 1-2% zu finden? Warum sollte jemand umgekehrt gezielt nach bestimmten Kommentatoren suchen, wenn er noch niemanden von den Diskutaten einschätzen kann?), 3. zeigt es auch, was die Betreiber eines Blogs selbst als gut und lesenswert einschätzen.

      • @Graublau:

        »Die ersten beiden Kommentare unter dem Kulturmarxismus-Artikel bei Alles Evolution sind doch schon wunderbares Material.«

        Vielen Dank für den Hinweis! Da haben wir ja bereits, was wir suchen! Bei Christians »Daily Evolution« habe ich schon lange keinen Überblick mehr. Ich würde sagen, das ist unser Referenzartikel. Literaturverweise inbegriffen.

        Wenn es mir nach geht, muss sich jeder, der den Kulturmarxismusbegriff verwendet, entweder die sinnverstehende Lektüre dieses Artikels mit Stempel im Pass bestätigen lassen oder sich den Mund mit Seifenlauge ausspülen! 🙂

    • @Vortex, @Adrian:

      Bei manchen Themen gibt es eine geistige Holschuld, wenn man ernst genommen werden möchte. Die Bringschuld zur Kulturmarxismus-Vokabel hat Leszek auf Alles Evolution schon vor langer Zeit übererfüllt, da war er ein echter Stachanov-Brigadist. Daher kann ich sehr gut verstehen, wenn ihn die blanke Ignoranz bei diesem Thema so langsam ankotzt.

      »die Frankfurter Schule kritisiert, deren Wirken allgemein als Kulturmarxismus bekannt ist«

      Bullshit. Die frühe Frankfurter Schule wurde mal als Freudomarxismus bezeichnet, weil sie versucht hat, die Psychoanalyse für die kritische Theorie fruchtbar zu machen. »Kulturmarxismus« war nie was anderes als ein Kampfbegriff.

      »Weil Adorno und Horkheimer Juden waren darf man deren Werk nicht mehr verachten?«

      Was für einen sachlichen, über Unkenntnis, Ressentiments und Vorurteile hinausgehenden Grund gibt es bitteschön, Adorno und Horkheimer zu verachten?

      »Politisierung von Nischensexualität«

      Was hat das mit der Frankfurter Schule zu tun? Außer, dass sie von ein paar intellektuell kleinen Lichtern auf der politische Rechten zum leibhaftigen Gottseibeiuns erklärt wird?

      Leszek hat das auf Alles Evolution mehrfach bis zum Abwinken detailliert dargelegt. Mir würde auch der Hals platzen, wenn jetzt nach dem hundertsten der hunderterste Ignorant vorbeispaziert.

      Vielleicht ist er ja, um der Güte Gottes willen, noch mal bereit, ein paar seiner ausführlichen Kommentare zum Thema hier zu verlinken. Nochmal schreiben ist inzwischen nicht mehr zumutbar.

      • „Was für einen sachlichen, über Unkenntnis, Ressentiments und Vorurteile hinausgehenden Grund gibt es bitteschön, Adorno und Horkheimer zu verachten?“

        Hat Adorno mit „Dialektik der Aufklärung“ nicht den Grundstein gelegt für die Abkehr der Linken von der Aufklärung?

        War es nicht die Kritische Theorie, welche die liberale Demokratie als Hort der Unterdrückung durch das Wecken falscher Bedürfnisse geschildert hat?

      • @ Adrian

        „Hat Adorno mit „Dialektik der Aufklärung“ nicht den Grundstein gelegt für die Abkehr der Linken von der Aufklärung?“

        Nein.

        Theodor W. Adorno:

        „Wenn aber der kritische Gedanke sich nun des selbst fortgeschrittenen Phänomens bemächtigt, dann bedeutet das nicht, dass man ihm gegenüber die mittlere Menschenvernunft des Vertrauten anruft, sondern es kann nur bedeuten, dass man dann versucht, das Phänomen, mit dessen Insuffizienz (Unzulänglichkeit) man es zu tun hat, dadurch zur Korrektur zu bringen, dass man es dazu anhält, sein eigenes Prinzip immer weiter zu treiben; mit anderen Worten und um es etwas inhaltlicher auszudrücken:
        Wenn man immer wieder auf eine Dialektik der Aufklärung stößt, also auf eine Dialektik der Rationalität derart, dass man feststellen muss, was alles auf dem Weg der Aufklärung , auf der Bahn der Aufklärung an Opfer und Unrecht liegenbleibt, dann kann und darf das nicht bedeuten, dass man hinter diese Aufklärung wieder zurückgeht, dass man irgendwelche Naturschutzparks von Irrationalitäten anlegt, sondern es kann und darf lediglich das bedeuten, dass diese Wundmale, die die Aufklärung hinterlässt, zugleich auch stets die Momente sind, in denen Aufklärung selber als eine noch partielle, als nicht aufgeklärt genug, gewissermaßen sich erweist, und dass nur dadurch, dass man ihr Prinzip konsequent weiterverfolgt, diese Wunden vielleicht geheilt werden können.“

        (aus: Theodor W. Adorno – Einführung in die Dialektik, Suhrkamp, 2015, S. 266)

      • @Adrian:

        »Hat Adorno mit „Dialektik der Aufklärung“ nicht den Grundstein gelegt für die Abkehr der Linken von der Aufklärung?«

        Ach Du Kacke!

        Die »Dialektik der Aufklärung« hat konstatiert, dass aus Aufklärung naiver und linearer Fortschrittsoptimismus werden kann, wenn man nicht aufpasst, und dass ein solcher durch die Nazis und Auschwitz nicht mehr glaubwürdig ist. Das ist keine »Abkehr von der Aufklärung«, sondern eine Qualifizierung der Bedingungen, unter denen Aufklärung »nach Auschwitz« noch funktionieren kann.

        Man muss das Buch irgendwann auch mal lesen, anstatt immer bloß schlechtes Gras zu rauchen!

        »War es nicht die Kritische Theorie, welche die liberale Demokratie als Hort der Unterdrückung durch das Wecken falscher Bedürfnisse geschildert hat?«

        Diese These ist ja auch nicht falsch! Die liberale Demokratie, von der Du sprichst, ist strukturell eine repräsentative Demokratie, d.h. sie besteht aus politisch Repräsentierten und aus einer Machtelite der politischen Repräsentanten, die durchaus ein Interesse daran haben, dass die Repräsentierten nicht allzu selbständig zu denken und zu handeln beginnen – und da hilft das »Wecken falscher Bedürfnisse«, also der Versuch, die bürgerliche Partizipation auf einen unpolitischen Konsumerismus einzuschränken, durchaus.

        Für diese Art der Kritik braucht man streng genommen nicht mal die Frankfurter Schule, mit Charles Wright Mills‘ Theorie der Machtelite funktioniert das ebenfalls.

        Ich denke, man muss schon ein bißchen naiv sein, um diese These wirklich für absurd zu halten.

      • @Adrian:

        »Alleine schon die These, Konzentrationslager seien ein Resultat der Aufklärung…«

        Die These lautet, dass die Konzentrationslager das Resultat einer Verengung der Aufklärung auf »instrumentelle Vernunft« sind, also darauf, von der Aufklärung sozusagen nur noch die technische Rationalisierung beizubehalten. Dann gibt es nämlich kein Hindernis mehr, warum aus dem rationalen Industrieprozess nicht auch ein industrieller Massenmord werden kann.

      • Die Bringschuld zur Kulturmarxismus-Vokabel habe ich auf meinem Blog fuer meinen Bedarf ausreichend erfuellt. Wer allerdings auf meinem Blog dann Kommentare ablaesst die die Tatsachen verdrehen oder Originalzitate uminterpretiert bekommt meinen Shitlord zu spueren, aber das kennst du ja schon 🙂

        »Kulturmarxismus« war nie was anderes als ein Kampfbegriff.
        Richtig, und es ist ein guter Kampfbegriff, denn er wirkt. Das der Begriff euch Linken nicht in den Kram passt ist mir schon klar. Du benutzt auch laufend Kampfbegriffe, wie sonst soll man „Unkenntnis, Ressentiments und Vorurteile“ sonst bezeichnen? Oder der „hunderterste Ignorant“? Mit Beschimpfungen bist du schnell dabei, mit Argumenten die die Realitaet wiederspiegeln hapert es dann.

      • @luisman:

        »Die Bringschuld zur Kulturmarxismus-Vokabel habe ich auf meinem Blog fuer meinen Bedarf ausreichend erfuellt.«

        Schätzchen, schau Dir meine Blogposts auf Geschlechterallerlei an, dann weißt Du, dass ich meine Bringschulden ebenfalls erfülle. Zur kritischen Theorie ist bislang nichts darunter, vielleicht mache ich das tatsächlich gelegentlich mit Leszek zusammen.

        »Du benutzt auch laufend Kampfbegriffe, wie sonst soll man „Unkenntnis, Ressentiments und Vorurteile“ sonst bezeichnen?«

        »Unwissen« und »Ignoranz« sind keine Kampfbegriffe, sondern Werturteile bzw. offene Vorwürfe. Kampfbegriffe sind dagegen Werturteile im Gewand von Sachurteilen.

      • Zugegebenermassen ist jemandem „Unkenntnis, Ressentiments und Vorurteile“ vorzuwerfen intellektuel geschickter als einfach „Rassist, Homphober, usw.“ zu bruellen wie Antifa-Leszek das gerne tut, es laeuft aber auf das selbe hinaus. Ohne dezidierte Begruendung sind solche Vorwuerfe Kampfbegriffe, eben Pauschalvorwuerfe um den Gegener in ein schlechtes Licht zu ruecken.

      • PS: Fuer das „Schätzchen“ hast du dir eigentlich eine ordentliche Watschn verdient. Es hat schon Gruende warum Schoppe und Christian in meinem Blogroll auftauchen und Geschlechterallerlei eben nicht.

      • @luisman:

        »PS: Fuer das „Schätzchen“ hast du dir eigentlich eine ordentliche Watschn verdient.«

        Sagt wer? Der coole Shitlord, der andere zur Weißglut treibt?

      • @luisman:

        »Ohne dezidierte Begruendung sind solche Vorwuerfe Kampfbegriffe, eben Pauschalvorwuerfe um den Gegener in ein schlechtes Licht zu ruecken.«

        Ich habe jetzt Deinen Dreiteiler zu »Feminismus und kultureller Marxismus« gelesen. Jetzt weiß ich, wie Du Dir die Ideengeschichte so vorstellst. Aber eine Bringschuld im Sinne einer tragfähigen historischen Kausalargumentation erfüllst Du damit nicht. Deine Wertung steht von vornherein fest, und in diesem Lichte beschreibst Du die Kulturgeschichte des Zwanzigsten Jahrhunderts als Intellektuellenverschwörung gegen die natürlichen Bedürfnisse der Menschen.

        Für den historischen Entstehungskontext der Kritischen Theorie fehlt Dir leider jegliches Verständnis. Ich mache das nur an einem Beispiel fest: in den Arbeiten zum »Autoritären Charakter« siehst Du offenbar nichts weiter als den Versuch, eine natürliche, wohlgefügte, sinnvoll funktionierende (Familien-)Ordnung zu zerstören, um aus deren Scherben eine intellektuelle Kopfgeburt zu basteln.

        Recht offensichtlich kannst Du Dir unter erstickenden und tyrannischen patriarchalen Familienautoritäten nichts mehr vorstellen, und ebenso nicht, dass sich solche autoritär gebrochenen Charaktere für einen autoritären Unrechtsstaat mißbrauchen lassen.

        Ich habe – ohne hier Details auszuplaudern – in meiner eigenen Familie erlebt, was eine christlich-autoritäre Tyrannei in meinem Vater und seinen Geschwistern angerichtet hat. Meine Eltern gehören zur 68er-Generation, und sie haben gottlob und erfolgreich jenen autoritätskritischen Schritt der Emanzipation von familiären und gesellschaftlichen Autoritäten vollzogen, den Du hier als eigensüchtige Marxistenverschwörung denunzierst.

        Dein Standpunkt ist der Standpunkt eines Nachgeborenen – wenn Du Dir ein repressives Patriarchat nicht mehr vorstellen kannst, dessen Zerstörung es sich wohlverdient hat, dann bedeutet dass, dass Du die Früchte der 68er-Kulturrevolution konsumierst, ohne dass es Dir auffällt. Dein Standpunkt ist der Standpunkt eines Post-68er Luxustörtchens, das am Leben in einer Vor-68er-Zeit zerbrechen würde, müsstest Du ernsthaft damit zurechtkommen.

        Und das trifft auf den größten Teil des oberflächlichen 68er-Bashings zu, das heutzutage in Mode ist. Konservative haben seit den Zeiten der Französischen Revolution immer schon zu Verschwörungstheorien gegriffen, wenn sie sich nicht erklären konnten, warum das Volk einen anderen Willen hat als sie selbst. Die Theorie von der jüdischen Weltverschwörung (weil Du sie selbst erwähnst) ist nur der gröbste, dümmste und bösartigste dieser Versuche.

        Deine Auffassung von der Kritischen Theorie ist nichts anderes als eine solche konservative Verschwörungstheorie, geboren aus oberflächlichem historischen Wissen und analytischem Unvermögen.

      • @ Djadmoros

        Ich kenne Luismans Texte dazu schon länger. Luisman hat den Kram größtenteils eins zu eins aus den rechtskonservativen unwissenschaftlichen Propagandaschriften von William S. Lind und Konsorten übernommen. Das hat Luisman also weitgehend einfach nur abgeschrieben bzw. ein bißchen umformuliert.

        Die rechte Anti-Kulturmarxismus-Ideologie ist ursprünglich in dem rechtskonservativen US-amerikanischen Think Tank „Free Congress Foundation“ als rechte Propagandastrategie entwickelt worden und dann über die Schriften von William S. Lind in manchen rechtskonservativen, rechtsradikalen und antisemitischen US-amerikanischen Zirkeln popularisiert worden. Alle in den USA kursierenden sonstigen Texte, Videos usw. zu dieser Verschwörungstheorie sind in letzter Instanz von Linds Schriften abgeleitet, da kommt das alles her und in allen Texten, die später dazu geschrieben wurden – wie bei Luisman – wird haargenau die gleiche Story erzählt. Das Witzige dabei ist: Linds Schriften strotzen nicht nur vor falschen Behauptungen und sind inhaltlich aufgrund ihrer Tendenziösität leicht als unwissenschaftliche konservative Propagandaschriften zu durchschauen, sie enthalten noch nicht mal Belegquellen, es wird also tatsächlich noch nicht mal versucht vorzutäuschen, dass es sich um wissenschaftliche Schriften handele. Das intellektuelle Niveau der US-amerikanischen Rechten ist im Vergleich zur europäischen Rechten m.E. tatsächlich im Schnitt niedriger.

        Luisman hat, soweit ich das erkennen kann, selbst nie etwas von Vertretern der Frankfurter Schule gelesen (außer einen kurzen Text von Marcuse, den er weder verstanden hat, noch ideengeschichtlich einzuordnen in der Lage ist) und er hat meinem Eindruck nach nie in seriöse wissenschaftliche Literatur zum Thema reingeguckt.

        Man kann sich das m.E. nicht so vorstellen als hätte Luisman (oder oder einer der anderen Anhänger dieser Verschwörungstheorie, mit denen wir bisher zu tun hatten) die „Studien zum autoritären Charakter“ gelesen und wären dann nicht willens oder fähig dieses bedeutende Werk – welches die empirische Autoritarismusforschung in Bezug auf die Persönlichkeit in soziologischer und sozialpsychologischer Perspektive begründet hat – fair, sachlich, differenziert und in seinem sozialgeschichtlichen Kontext zu beurteilen.
        Vielmehr haben Luisman und die Anderen gar nichts davon gelesen, sie geben nur wieder, was in Linds Propagandaschriften steht.

        Luisman hat natürlich auch nie nachrecherchiert, was der Begriff Kritische Theorie eigentlich bedeutet, sondern plappert auch hierbei Lind nach, der behauptet Kritische Theorie würde bedeuten „alles niederzukritisieren“ – was mit dem Kritikverständnis der Frankfurter Schule nichts zu tun hat, ihr Kritikbegriff war ja ein ganz spezifischer.

      • @Leszek:

        Nachdem Schoppe jetzt Heidegger erwähnt hat, fällt mir auch eine tolle Verschwörungstheorie nach Art von Lind-Luisman ein: woher kommt denn eigentlich die postmoderne Ideologie? Die kommt doch von den französischen Poststrukturalisten! Und wen haben die französischen Poststrukturalisten alle gelesen? Die haben doch alle den Heidegger gelesen! Der ganze linksfeministische Zirkus wird also in Wahrheit vom Geist des ebenso toten wie rechten Gartenzwergs von der Todtnauberger Hütte ferngesteuert! Womit ohnzweifelhaft bewiesen wäre: die Rechten sind am Feminismus schuld!!Einseinself!!11

      • Ich denke allerdings, dass Adrian mit seiner Kritk an der Aufklärunkskritik von Adorno und Horkheimer schon ziemlich recht hat. Diese Kritik besteht (in der „Dialektik der Aufklärung“) aus unsubstantiierten Behauptungen, formuliert in hegelianischer Sprache. Ich bin mir ziemlich sicher, dass beide Autoren sich nie besonders Intensiv mit der Philosophie der Aufklärung beschäftigt haben (gilt so übrigens auch für Foucault), sonst würden sie nicht zu solch grotesken Fehlurteilen kommen. Sie fassen einfach alles, was ihnen nicht passt, unter Aufklärung zusammen (alle irgendwie empiristische Philosophie von Francis Bacon bis Rudolf Carnap, Logik, Naturwissenschaften, moderne Technik, Liberalismus genauso wie Faschismus) und unterstellen dann finstere Absichten. Das ganze ist dabei ziemlich suggestiv formuliert, so dass man beim ersten Lesen beeindruckt ist und die dünne Argumentation nicht recht durchschaut.

        Dieses Buch hat aber eine durchdringende Wirkung gehabt und mit dazu geführt, dass sich die Linke Theoriebildung (zumindest in Deutschland) von der Aufklärung ab und dem französischen Postmodernismus (und damit sozialer Isolierung in Intellektuellenzirkeln an Unis) zugewandt hat und wirkungslos wurde.

      • Da es hier zu Nachfragen kam, wieso ich die rechte Anti-Kulturmarxismus-Ideologie u.a. als antisemitisch und homophob bezeichnet habe, sei kurz auf beide Aspekte eingegangen.
        Ich habe einen Kommentar, den ich schon einmal auf „Alles Evolution“ schrieb, dafür kurz überarbeitet:

        Die rechte Anti-Kulturmarxismus-Ideologie ist eine Neuauflage des klassisch-antisemitischen Wahnkonstrukts von der jüdisch-marxistischen Weltverschwörung, erfunden als Propagandastrategie in dem US-amerikanischen rechtskonservativen Think Tank „Free Congress Foundation“ und popularisiert durch unwissenschaftliche rechte Propagandaschriften ohne Belegquellen von dem paläokonservativen Ideologen und erklärten Monarchisten William S. Lind, um durch die Verknüpfung zweier klassischer Feindbilder der politischen Rechten – des Marxisten und des Juden – in antikommunistischen und/oder antisemitischen rechtskonservativen und rechtsradikalen Zirkeln zu mobilisieren.

        Und das versuchte Lind dann auch:

        https://www.splcenter.org/fighting-hate/intelligence-report/2002/ally-christian-right-heavyweight-paul-weyrich-addresses-holocaust-denial-conference

        Antisemitisch ist die absurde und natürlich komplett unbelegte Behauptung eine Gruppe jüdischer Marxisten habe – bewusst und beabsichtigt natürlich – einen Plan zur Zerstörung der westlichen Kultur entworfen, der jetzt von der zeitgenössischen Linken umgesetzt würde.
        Antisemitisch ist die Behauptung von der Übernahme der Medien in Hollywood durch die marxistischen Juden der Frankfurter Schule.
        Antisemitisch ist die die Behauptung, die Frankfurter Schule habe ihre Forschungen zur autoritären Persönlichkeit – in Wahrheit eine bedeutende wissenschaftliche Leistung – durchgeführt, mit der Absicht die westliche Zivilisation zu zerstören. (Im Zeitalter von Stalinismus, Faschismus und Holocaust kann es ja auch keine andere Motivation für jüdische Sozialwissenschaftler geben Forschungen zur Entstehung und Struktur autoritärer Persönlichkeiten durchzuführen als das Bestreben die westliche Zivilisation zu zerstören, nicht wahr? Sind eben Juden, die können ja keine andere Motivation haben.)

        https://theredphoenixapl.org/2011/08/26/debunking-william-s-lind-cultural-marxism/

        Noch stärker eingebunden in Elemente klassisch antisemitischer Verschwörungstheorien wurde die rechte Anti-Kulturmarxismus-Ideologie dann von der antisemitischen Organisation Barnes Review (bei denen Lind persönlich eine Rede gehalten hatte):

        http://www.amazon.com/Work-All-Ages-Ongoing-Biblical/dp/0984631208/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1463819856&sr=8-1&keywords=work+of+all+ages

        Manchmal verbindet sich die rechte Anti-Kulturmarxismus-Ideologie auch mit einem offen biologistisch begründeten Antisemitismus, ein Vertreter dieser Variante ist Kevin B. MacDonald (von dessen Theorien sich auch einige Evolutionäre Psychologen klar distanziert haben):

        https://de.wikipedia.org/wiki/Kevin_B._MacDonald

        Der Begriff „Kulturmarxismus“ ist zudem erkennbar inspiriert durch den Begriff „Kulturbolschewismus“, der bereits in der NS-Propaganda eine Rolle spielte.

        https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturbolschewismus

        Die rechte Anti-Kulturmarxismus-Ideologie ist von Ideologen und Propagandisten aus dem Spektrum des Paläokonservatismus

        https://de.wikipedia.org/wiki/Pal%C3%A4okonservatismus

        entwickelt worden, die sich u.a. auch gegen die Gleichberechtigung von Homosexuellen wenden. Und das kommt in Linds Schriften auch deutlich zum Ausdruck. Ein paar Zitate seien genannt, auf Verlinkungen verzichte ich.

        Hier ärgert sich Lind darüber, dass homophoben Äußerungen heutzutage in der Öffentlichkeit häufiger widersprochen wird:

        „Aber was geschieht heute mit Amerikanern, die die Vorstellung haben, (…) DASS HOMOSEXUALITÄT MORALISCH FALSCH IST? Wenn sie in der Öffentlichkeit stehen, dann müssen sie mit endlosen scheinheiligen Entschuldigungen durch den Dreck kriechen.“

        Über die aus seiner Sicht bessere, weil konservativere Zeit in den 50er Jahren schreibt er:

        „Die meisten Männer behandelten Frauen wie Damen und die meisten Frauen widmeten ihre Zeit und Anstrengung dem Verschönern unseres Zuhauses, der Erziehung ihrer Kinder und der Hilfe ihrer Gemeinden mit gemeinnütziger Arbeit.
        Wenn dann die Kinder nachmittags nach Hause kämen und ihren Eltern erzählten, daß sie durch einen Metalldetektor gehen mußten, als sie in das Gebäude wollten, daß sie von einem anderen Kind lustiges weißes Pulver bekommen haben und das sie gelernt haben, DASS HOMOSEXUALITÄT NORMAL UND GUT SEI, dann würden die Eltern das nicht begreifen.“

        „Aber das wichtigste ist, das jene, die die Politische Korrektheit bekämpfen wollen, sich nach den althergebrachten Regeln unserer Kultur verhalten müssen und nicht nach den neuen Regeln, die die kulturellen Marxisten niedergeschrieben haben. Damen sollten Ehefrauen und Heimchen sein, nicht Polizisten oder Soldaten, und Männer sollten Damen immer noch die Türen aufhalten. Kinder sollten nicht außerhalb der Ehe geboren werden. OFFENE HOMOSEXUALITÄT SOLLTE GEMIEDEN WERDEN.“

        „Wenn heutzutage die Kulturmarxisten etwas vorhaben wie Homosexualität zu “normalisieren”, dann argumentieren sie nicht philosophisch für ihren Standpunkt. Sie strahlen Fernsehshow um Fernsehshow in jedes amerikanische Heim aus, in der der scheinbar einzige normale Mann ein Homosexueller ist (die Schlüsselpersonen der Frankfurter Schule verbrachten die Kriegsjahre in Hollywood).“

        Homophob ist natürlich auch die von Anhängern der rechten Anti-Kulturmarxismus-Ideologie gerne geäußerte Propagandalüge, es ginge bei der Bejahung von Gleichberechtigung für Homosexuelle im Ehe- und Adoptionsrecht in Wahrheit darum „die Familie zu zerstören“.

        Tatsächlich haben die Mehrheit der bekannteren Mitglieder der ersten Generation der Frankfurter Schule leider selbst Homosexualität pathologisiert sowie dazu beigetragen das homophobe Klischee vom „schwulen Nazi“ zu verbreiten, Herbert Marcuse war diesbezüglich die einzige positive Ausnahme. Auch Wilhelm Reich, der kein Mitglied der Frankfurter Schule war, wiewohl Lind dies fälschlich behauptet, pathologisierte leider Homosexualität:

        http://schwule-nazis.de/index.php?option=com_content&view=article&id=9&Itemid=12

        http://linke-buecher.de/texte/Psychologie/Homophobie-der-68-er-Ursachen-die-Kritische-Theorie.html

        Die homophoben Tendenzen bei der Mehrheit der bekannten Mitglieder der ersten Generation der Frankfurter Schule sowie bei Wilhelm Reich gehören zu den tatsächlich kritikwürdigen Aspekten der Genannten und haben ihnen diesbezüglich die Kritik eingebracht mitverantwortlich für Homophobie in der 68er-Bewegung gewesen zu sein.

      • Djadmoros Kommentar zu Heidegger hat mich motiviert noch einen kleinen Kommentar zu den ideengeschichtlichen und theoretischen Quellen der postmodernen Political Correctness zu schreiben bzw. ein paar ältere Kommentare von mir auf „Alles Evolution“ in diesem Sinne zu überarbeiten:

        Die postmoderne Political Correctness ist wesentlich aus einer einseitigen, selektiven und dogmatischen US-amerikanischen Rezeption des französischen Strukturalismus und Poststrukturalismus hervorgegangen.
        Political Correctness hat ideengeschichtlich nichts zu tun mit dem Neo-Marxismus der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule oder Wilhelm Reichs. Auf diese beziehen sich PC-Anhänger in der Regel nicht und Anhänger der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule oder Wilhelm Reichs sind in der Regel keine Vertreter der gängigen PC-Ideologien. In manchen Fällen sind sie sogar PC-kritisch.

        Dass die politisch korrekte postmoderne Linke ideengeschichtlich nicht aus der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule oder aus dem Werk von Wilhelm Reich hervorgegangen ist, lässt sich auch leicht nachprüfen, wenn man in die Schriften von Vertretern der politisch korrekten postmodernen Linken schaut, in denen Bezugnahmen auf Vertreter der Frankfurter Schule oder auf Wilhelm Reich entweder nicht vorhanden sind oder diese höchstens mal am Rande erwähnt werden und in denen ganz andere Theorien vertreten werden. Jeder ernsthafte Blick in Einführungsbücher oder Lehrbücher zu Unterströmungen der postmodernen politisch korrekten Linken wie z.B. Gender Studies, Queer-Feminismus, Critical Whiteness etc. widerlegt den Unsinn, dass diese sich auf Vertreter der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule oder auf Wilhelm Reich als wesentliche ideengeschichtliche Quellen und theoretische Grundlagen beziehen würden.

        Träger der vorherrschenden Form linker Political Correctness ist also eine bestimmte Fraktion der postmodernen/poststrukturalistischen Linken
        Die Genese von PC aus einer fehlgeleiteten Rezeption des französischen Poststrukturalismus ist nicht nur offensichtlich, wenn man sich mit den Schriften von PC-Vertretern beschäftigt, sondern auch wissenschaftlich belegbar. Diesbezüglich sei verwiesen auf das lesenswerte Buch des Politikwissenschaftlers Mathias Hildebrandt – Multikulturalismus und Political Correctness in den USA

        http://www.bol.de/shop/home/suche/?sq=hildebrandt+political+correctness&sswg=ANY&timestamp=1470764574835#descriptionToggle

        Es handelt sich bei diesem Buch, 2005 erschienen, um die meines Wissens umfassendste wissenschaftliche Rekonstruktion und Analyse der ideengeschichtlichen und sozialgeschichtlichen Hintergründe, der zentralen Inhalte und Diskurse und der Debatten bezüglich Political Correctness und Multikulturalismus in den USA. Das Buch ist aus politikwissenschaftlicher Perspektive verfasst.
        Es handelt sich nicht um eine der gängigen politischen Streitschriften zum Thema, erst Recht hat es nichts mit rechtem verschwörungstheoretischem Müll zu tun, sondern es handelt sich um eine wissenschaftliche Arbeit, d.h. es enthält Belegquellen, klare Definitionen, beruht auf umfassender Recherche zum Thema, besitzt einen logischen und systematischen Aufbau und
        ist in sachlichem Stil geschrieben, dabei aber nicht unkritisch. Insbesondere das letzte Kapitel enthält eine gute Zusammenfassung von Kritiken an Political Correctness und Multikulturalismus aus linker und liberaler Perspektive.

        Hier kann ein bißchen in das Buch reingelesen werden:

        http://books.google.de/books?id=cGoIHrCz22cC&pg=PA10&lpg=PA10&dq=Multikulturalismus+und+Political+Correctness+in+den+USA&source=bl&ots=ZHvk9cRDzR&sig=YObAC0jJ2EFgRNDzLeOqGLnRKdY&hl=de&sa=X&ei=oGEsUqi2DpDFtAa1o4DoDA&ved=0CD0Q6AEwAg#v=onepage&q=Multikulturalismus%20und%20Political%20Correctness%20in%20den%20USA&f=false

        Bereits das Vorwort ist sehr informativ.

        Auf die Rezeption des französischen Strukturalismus und Poststrukturalismus in den USA sowie weitere ideengeschichtliche Quellen der postmodernen PC wird in dem Buch, unter Berücksichtigung der spezifischen politischen, soziologischen, kulturellen und ideengeschichtlichen Kontexte in den USA, ausführlich eingegangen.
        Wie nicht anders zu erwarten spielen weder klassisch-marxistische Strömungen, noch neo-marxistische Strömungen in der Tradition der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule oder Wilhelm Reichs für die Political Correctness eine nennenswerte Rolle. Entsprechende konservativen/rechten Propagandalügen und Verschwörungstheorien finden in dem Buch keine Bestätigung.
        Insofern in dem Buch auch sozialistische oder marxistische Strömungen im Zusammenhang mit der postmodernen PC genannt werden, sind diese erstens zweitrangig und zweitens handelt es sich dann selbst bereits um postmodernisierte Varianten des Sozialismus oder Marxismus, wie bestimmte Varianten des strukturalistischen Marxismus in der Tradition von Althusser in den USA oder bestimmte post-marxistische Strömungen in der Nachfolge von Laclau und Mouffe.

        Das Buch stellt die US-amerikanische Rezeption des französischen Strukturalismus und Poststrukturalismus und wie dadurch in Verbindung mit bestimmten US-amerikanischen theoretischen Quellen Political Correctness, Multikulturalismus, Identitätspolitik usw. hervorgingen ausführlich dar.
        Klassischer Marxismus, Frankfurter Schule oder andere linke Strömungen wurden im Kontext der Etablierung des US-amerikanischen akademischen Geflechts von Multikulturalismus und Political Correctness weitgehend durch postmoderne/poststrukturalistische Einflüsse in den Hintergrund gedrängt und spielen dort nur eine sehr untergeordnete Rolle, wie Mathias Hildebrandt in seinem Buch auch in einer Fußnote erwähnt:

        „Nach meinen Erkenntnissen spielen die Frankfurter Schule und der Marxismus nur eine sehr untergeordnete Rolle und können nicht den Hauptkomplex des Multikulturalismus, die „Identity Politics“ erklären; Berman (1992b: 12-15) stimmt mit meiner Betonung des Einflusses des französischen Strukturalismus und Poststrukturalismus überein.“

        (aus: Mathias Hildebrandt – Multikulturalismus und Political Correctness in den USA, VS Verlag, 2005, S. 94)

        Hildebrandt schreibt des Weiteren:

        „Der transformative Multikulturalismus hat seine Wurzeln in den politischen Erfahrungen der 60er und 70er Jahre, und seine philosophischen Grundlagen speisen sich aus Theorien, die in dieser Zeit entwickelt wurden. Von grundlegender Bedeutung sind dabei das „Black Power Movement“ und das „Ethnic Revitalization Movement“. In beiden Bewegungen wurde zum einen eine grundsätzliche Kritik der europäischen, insbesondere aber der amerikanischen Zivilisation entwickelt. Der Hauptgegner war die Kultur der White-Anglo-Saxon-Protestants (WASPs). Durch die Rezeption euro-afrikanischer Kolonialismustheorien und deren Übertragung auf die US-amerikanische Gesellschaft entstanden die Theorien des „Institutional Racism“ oder der „Structural Oppression“: Sie behaupteten die Unterdrückung all jener Minoritätenkulturen, die nicht zur WASP-Kultur gehören. Diese beiden Formen der Unterdrückungstheorie wurden im Rahmen des sich entwickelnden Multikulturalismus immer stärker mit dem Kulturbegriff der amerikanischen „Cultural Anthropology“ synthetisiert, der gewissermaßen die theoretische Grundlage des multikulturellen Kulturverständnisses lieferte. Ein weiteres wesentliches Ergebnis des „Black Power Movements“ und des „Ethnic Revitalization Movements“ war die Betonung der partikularen Identitäten der Minoritäten und der damit verbundene Aufstieg der „Identity Politics“. Der Multikulturalismus „drew from American identity politics. Its fundamental unit was the identity politics idea that in cultural affairs, the single most important way to classify people is by race, ethnicity, and gender – the kind of thinking that leads us to define one person as white male, someone else as an Asian female, a third person as a Latina lesbian, and so forth“ (Berman 1992b: 13). Unter dem Blickwinkel dieser „Identity Politics“ rezipierten amerikanische Intellektuelle im Laufe der 70erund 80er Jahre im Wesentlichen zwei europäische philosophische Quellen. Zu diesen gehören zum ersten die deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche, Martin Heidegger und Ludwig Wittgensein; zum zweiten der französische Strukturalismus von Ferdinand de Saussure, Claude Levis-Strauss und Roland Barthes und dem französischen Post- oder Ultrastrukturalismus von Michel Foucault, der Friedrich Nietzsche weiterführte, Jacques Lacan und Jacqes Derrida, deren Denken stark durch Martin Heidegger geprägt waren und der postmodernen Theorie Jean-Francois Lyotards, der stark auf die späte Sprachphilosophie Ludwig Wittgensteins zurückgriff. (…) Diese, in erster Linie europäischen Quellen postmodernen Denkens erhielten bei ihrer Rezeption eine eigentümliche amerikanische Wendung durch die Verbindung mit der „Identity Politics“ und führten zu einer typisch US-amerikanischen Ausbildung des postmodernen Diskurses in Form der „Politics of Difference“ (…). Diese Mischung aus (…) psychologischen und insbesondere postmodernen Theorien ist derart grundlegend für den amerikanischen „Multiculturalism“, das ohne diesen philosophischen Hintergrund die viel gescholtenen Phänomene der „Political Correctness“ gar nicht existieren würden (…).“

        (aus: Mathias Hildebrandt – Multikulturalismus und Political Correctness in den USA, VS Verlag, 2005, S. 93 f.)

        Es sei hier betont, dass die großen Denker des ursprünglichen französischen Strukturalismus und Poststrukturalismus selbst noch nicht politisch korrekt waren, mein Hauptkritikpunkt an den französischen Poststrukturalisten ist ihr Hang zum Relativismus in drei Formen: Wahrheitsrelativismus, Moralrelativismus und anthropologischer Relativismus. Dieser Relativismus machte den Poststrukturalismus m.E. für die Instrumentalisierung durch die US-amerikanischen PC-Spinner anfällig. Der Relativismus im französischen Poststrukturalismus geht wesentlich auf das Werk von Friedrich Nietzsche zurück, die französischen Poststrukturalisten waren überwiegend Links-Nietzscheaner. Siehe hierzu das lesenswerte Buch von Alan D. Schrift – Nietzsche’s French Legacy. A Genealogy of Poststructuralism

        http://www.amazon.com/Nietzsches-Legacy-Genealogy-Poststructuralism-Routledge/dp/B005618SVQ/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1423985785&sr=8-2&keywords=Nietzsche%27s+French+Legacy%3A+A+Genealogy+of+Poststructuralism

        Neben Nietzsche spielte der Philosoph Martin Heidegger noch eine wesentliche Rolle für den Poststrukturalismus. Die wichtigsten philosophischen Einflüsse, die den französischen Poststrukturalismus prägten, sind also paradoxerweise den Werken zweier Philosophen entnommen (Nietzsche und Heidegger), die in politischer Hinsicht rechts standen.

        Michel Foucault bemerkte z.B. zu den Einflüssen von Nietzsche und Heidegger in seinem Werk:

        „Ich bin einfach Nietzscheaner und versuche so weit wie möglich, was eine gewisse Anzahl von Punkten betrifft, mit Hilfe von Texten Nietzsches – aber auch mit antinietzscheanischen Thesen (die gleichwohl nietzscheanisch sind!) – herauszufinden, was man in diesem oder jenem Bereich machen kann. Ich suche nichts anderes, aber dies suche ich sehr wohl.“

        (zit. nach: Clemens Kammler, Rolf Parr, Ulrich Johannes Schneider (Hrsg.) – Foucault Handbuch – Leben, Werk, Wirkung, Metzlerverlag, 2014, S. 172)

        „Mein ganzes philosophisches Werk ist durch die Lektüre Heideggers bestimmt worden.“

        (zit. nach: Clemens Kammler, Rolf Parr, Ulrich Johannes Schneider (Hrsg.) – Foucault Handbuch – Leben, Werk, Wirkung, Metzlerverlag, 2014, S. 176)

        Der wesentlich dem Werk von Nietzsche entnommene Relativismus begünstigte dann, dass der ursprünglich antiautoritäre französische Poststrukturalismus im Kontext einer einseitigen, selektiven und dogmatischen US-amerikanischen Rezeption des Poststrukturalismus ins Autoritäre umschlug. Aus dem US-amerikanischen Vulgär-Poststrukturalismus gingen dann Political Correctness, Multikulturalismus, Critical Whiteness Gender Studies usw. hervor.

        Warum Relativismus m.E. die Gefahr des Umschlagens ins Autoritäre beinhaltet, darauf sei noch kurz eingegangen:

        – Wahrheitsrelativismus birgt die Gefahr des Umschlagens in Dogmatismus, denn wenn es keine Wahrheitskriterien gibt, kann potentiell für jede Irrationalität Geltung beansprucht werden.

        –Moralischer Relativismus birgt die Gefahr des Umschlagens in irrationale Toleranz gegenüber ungerechten, autoritären und menschenrechtlich problematischen Einstellungen und Verhältnissen.

        – Anthropologischer Relativismus, die Leugnung einer menschlichen Natur, birgt die Gefahr des Umschlagens in autoritäre Maßnahmen, um die Identitäten von Menschen gemäß ideologischer Vorgaben oder entsprechend den Interessen von Machteliten zu formen. (U.a. darum wurde der anthropologische Relativismus auch von so bedeutenden linken Denkern wie Erich Fromm, Noam Chomsky und Paul Goodman abgelehnt und treffend kritisiert.)

        Es ist also, denke ich, leicht zu erkennen, wie der Relativismus im ursprünglich antiautoritären französischen Poststrukturalismus die Übernahme des Poststrukturalismus durch autoritäre Kräfte in den USA bzw. die Entstehung der Political Correctness begünstigte, auch wenn dies nicht die Absicht des ursprünglichen französischen Poststrukturalismus war:

        http://www.nytimes.com/2001/07/14/arts/correcting-her-idea-of-politically-correct.html

      • Kontern wir Leszeks Erläuterungen, warum der Begriff Kulturmarxismus böse ist, mit einfacher Logik:
        Um gegen Rechtskonservatismus zu sein, brauche ich Marxismus nicht zu mögen.
        Oder anders: Man kann Kulturmarxismus schlecht finden, ohne faschistisch zu sein.

      • @ Adrian

        „Kontern wir Leszeks Erläuterungen, warum der Begriff Kulturmarxismus böse ist, mit einfacher Logik:
        Um gegen Rechtskonservatismus zu sein, brauche ich Marxismus nicht zu mögen.
        Oder anders: Man kann Kulturmarxismus schlecht finden, ohne faschistisch zu sein.“

        Schlechte Logik.
        Das wofür der Begriff „Rechtskonservatismus“ steht, gibt es und einige der Konservativen, die in diese Kategorie fallen, bezeichnen sich auch selbst als Rechte.

        Das wofür der Begriff „Kulturmarxismus“ im Kontext der entsprechenden rechten Ideologie steht – eine jüdisch-marxistisch inspirierte Verschwörung zur Zerstörung der westlichen Kultur – gibt es nicht.

        Darüber hinaus sollte dir klar sein, womit du als Homosexueller wahrscheinlich zu rechnen hättest, wenn diese rechte Ideologie gesellschaftlich einflussreich würde – Verhältnisse in Bezug auf Homosexualität so ähnlich wie heute in Russland.

      • „Das wofür der Begriff „Kulturmarxismus“ im Kontext der entsprechenden rechten Ideologie steht – eine jüdisch-marxistisch inspirierte Verschwörung zur Zerstörung der westlichen Kultur – gibt es nicht.“

        Richtig. Die Zerstörung der westlichen Kultur – im Sinne der liberalen westlichen Demokratien – steht eher implizit auf der Agenda der Linken. Und mit Judentum hat das nichts zu tun.

        Dass Marxisten die liberale Demokratie abschaffen wollen, wirst auch Du nicht bestreiten können. Du willst es ja auch.

        „Darüber hinaus sollte dir klar sein, womit du als Homosexueller wahrscheinlich zu rechnen hättest, wenn diese rechte Ideologie gesellschaftlich einflussreich würde – Verhältnisse in Bezug auf Homosexualität so ähnlich wie heute in Russland.“

        Das ist korrekt, aber noch mal: Deshalb muss ich Kulturmarxismus nicht mögen.

      • „“..Richtig. Die Zerstörung der westlichen Kultur …““

        Naja, sooo toll ist das Programm von RTL II nun auch wieder nicht. 🙂

  • »die Frankfurter Schule kritisiert, deren Wirken allgemein als Kulturmarxismus bekannt ist«

    „Bullshit…»Kulturmarxismus« war nie was anderes als ein Kampfbegriff.“

    Und Kampfbegriffe können nicht allgemein bekannt sein? Und es ist doch sowieso wumpe, alle wissen was damit gemeint ist, jedenfalls habe ich nur mit euch Diskussionen darüber geführt. Sonst hat diese Wort genau das gemacht wofür Worte da sind. Kommunikation. Und wenn du ehrlich bist, weißt du auch ganz genau worauf Iuisman und ich hinaus wollten. Kommt mir hier etwas bekannt vor.

    Ach ja: „Feminismus bezeichnet sowohl eine akademische als auch eine politische Bewegung, die für Gleichberechtigung, Menschenwürde, die Selbstbestimmung..blablabla..:“

    So, es ist amtlich. Du bist ein Sexist wenn du gegen den Feminismus bist.

    Oder etwa nicht?

    “ kritische Theorie “ kenne ich auch als Kulturmarxismus. Was soll ich jetzt machen?

    „…gibt es bitteschön, Adorno und Horkheimer zu verachten?“

    Kritische Theorie vielleicht? Darf man Menschen wegen ihrer Tätigkeit nicht mehr verachten? Wenn man der Überzeugung ist, dass diese Heinis an dem suizitären Altruismus der Neuzeit schuld sind? Ich achte eine Menge Menschen nicht. Und lege Iiusman jetzt bitte nicht meine Worte in den Mund. Ich weiß ja, bei euch (bornierte Kollektivisten linker Couluer, bevor du fragst) da schnell etwas durcheinander gerät.

    „»Politisierung von Nischensexualität« Was hat das mit der Frankfurter Schule zu tun? “

    Nichts, habe ich auch nie behauptet. Wie kommst du darauf? Ich habe lediglich auf die Vorwürfe Leszek’s geantwortet. Erinnerst du dich: „widerliche antisemitische, HOMOPHOBE etc.“ Lieber zweimal lesen.

    „Außer, dass sie von ein paar intellektuell kleinen Lichtern auf der politische Rechten zum leibhaftigen Gottseibeiuns erklärt wird?“

    Tja, wirklich lieber zweimal lesen. Übrigens immer wieder witzig, ich wurde von Adrian (schon länger her) und nun von dir als rechts markiert. Dabei verweise ich auf den ersten meiner Kommentare dieses Artikels. Du musst nur hochscrollen. Versuch’s, ist einfacher als man denkt. Ach ja. Lieber zweimal lesen. Du Leuchte du.

    „Leszek hat das auf Alles Evolution mehrfach bis zum Abwinken detailliert dargelegt. Mir würde auch der Hals platzen, wenn jetzt nach dem hundertsten der hunderterste Ignorant vorbeispaziert.“

    Und hier verweise ich auf meine Anmerkung des unbeteiligten Dritten. Diese Position nehme ich hier zum Teil auch für mich selbst ein. Ich finde es einfach nur ungehörig jemandem ohne erkennbaren Zusammenhang als „widerlichen antisemitische, homophobe und antilinke Lügenpropagandagandisten“ zu bezeichnen. Außerdem müsste er dann ja nur noch auf seine Darlegungen verlinken, dies hätte mir dann sehr geholfen. Jedoch wird hier argumentiert, ein Wort gäbe es nicht/sei falsch, weil rechte und so. Mir viel zu flach.

    Nun bin ich in einem Grabenkampf zwischen einem Rechten(?), der seine Überzeugungen klar darstellen kann, und mindestens einem Linken (wohl eher zwei) der/die mit Dreck wirft/werfen, wenig Textverständnis an den Tag legen und versuchen der Welt vorzuschreiben wie und welche Worte sie zu benutzen hat.

    Auch nett, wie du die Verleumdungen deines Schutzbefohlenen ignorierst. Vor allem weil dies der Sinn meines an Leszek gerichteten Kommentars war. Die Frankfurter Schule geht mir eigentlich am Popöchen vorbei. Der Krampf kommt von euch.

    Außerdem, gilt „Heul doch. :)“ als ausreichende „Holschuld“ um sich bei dir zu qualifizieren?

    Mit unbeeindruckten Grüßen und Empfehlungen die besuchte Uni nicht von der Nachkommenschaft besuchen zu lassen.

    vortex

    • Ich finde es einfach nur ungehörig jemandem ohne erkennbaren Zusammenhang als „widerlichen antisemitische, homophobe und antilinke Lügenpropagandagandisten“ zu bezeichnen.

      Allerdings.

      • Ich sehe das auch so und denke, Leszek hat da zu tief in die Fäkalienkiste gegriffen. Man muss nicht einer Meinung sein, um den anderen Standpunkt dennoch zu respektieren.

        Hätten @luismann oder @vortex diese Injurien benutzt, dann wäre das Geschrei wahrscheinlich groß gewesen (fiktiv): „.. siehste, jetzt kommt die braune Gülle hoch ..“ oder so ähnlich.

        Damit trägt man (ungewollt?) zu einer Polarisierung bei, die bezogen auf das Grundthema lediglich eines ist: kontraproduktiv!

        Schade.

    • @Vortex:

      »Und es ist doch sowieso wumpe, alle wissen was damit gemeint ist, jedenfalls habe ich nur mit euch Diskussionen darüber geführt. Sonst hat diese Wort genau das gemacht wofür Worte da sind. Kommunikation. Und wenn du ehrlich bist, weißt du auch ganz genau worauf Iuisman und ich hinaus wollten.«

      Es wissen eben nicht alle, was damit gemeint ist: der Begriff enthält eine Denunziation, und man sieht dem kommunikativen Akt nicht an, ob diese Denunziation mitgemeint ist oder nicht. Und so, wie die vergangene Diskussion zum Begriff abgelaufen ist, war diese Denunziation bislang immer mitgemeint.

      »Ich finde es einfach nur ungehörig jemandem ohne erkennbaren Zusammenhang als „widerlichen antisemitische, homophobe und antilinke Lügenpropagandagandisten“ zu bezeichnen.«

      Mag sein, dass Leszeks Blitz mit Dir den Falschen getroffen hat. Zur falschen Zeit am falschen Ort. Aber wer die Vorgeschichte kennt, weiß, wie das zustande kam. Zum Schluss konnte man den Eindruck haben, dass der Begriff vom Kulturmarxismus nur noch verwendet wurde, um Leszek persönlich zu ärgern.

      Ich werde aber versuchen, Leszeks Argumente zu einem verlinkbaren Artikel zusammenzutragen.

      » Übrigens immer wieder witzig, ich wurde von Adrian (schon länger her) und nun von dir als rechts markiert.«

      Das »kleine Licht auf der politischen Rechten« war tatsächlich nicht auf Dich persönlich gemünzt.

      • @djadmoros

        „Es wissen eben nicht alle, was damit gemeint ist“

        Ja, offensichtlich.

        „Und so, wie die vergangene Diskussion zum Begriff abgelaufen ist, war diese Denunziation bislang immer mitgemeint.“

        Kann ich nicht wissen, siehe unbeteiligter dritter Beobachter. In meinem (politisch interessierten) Umfeld hatte wusste jedenfalls jeder im groben was damit gemeint ist. Und da gab es dann Pro oder Contra.

        „Mag sein, dass Leszeks Blitz mit Dir den Falschen getroffen hat.“

        Ich war nicht das Opfer seiner Verleumdungen, sondern Iuisman. Und mein Ärger erstreckt sich auch nicht auf die hier vertretenden Meinungen, sondern dem Stil. Iuisman hat seine Abneigungen und Einstellungen aus einer Weltanschaulichen Sicht präsentiert. Kein absoluter Anspruch. Leszek hat sich wie ein Affe im Zoo benommen, und sich nicht weiter zu helfen gewusst als mit Fäkalien um sich zu werfen.

        „Ich werde aber versuchen, Leszeks Argumente zu einem verlinkbaren Artikel zusammenzutragen.“

        Danke, mein Interesse ist da.

        „Das »kleine Licht auf der politischen Rechten« war tatsächlich nicht auf Dich persönlich gemünzt.“

        Schwamm drüber.

        Nach all dem Drama bin ich froh(er) den ersten meiner Kommentare geschrieben zu haben. Dieses Links-Rechts-Gedöns beansprucht ganz schön viel Fahrtwind.

        Schönen Montag noch

      • Leszek reagiert schon länger wie ein pavlovscher Hund beim Kulturmarxismus; auch wenn dieser in Zusammenhängen genannt wird, die eigentlich gar nicht ernst gemeint sein können und so absurd platziert wurden, damit nur er persönlich ins Fenntnäpfchen tritt. Ich glaube mit dem Verschwinden von Roslin behauptet gar niemand mehr, dass „Kulturmarxismus“ mehr als ein Mittel zur Triggerung darstellt. Leszek scheint dann weder Sarkasmus noch Ironie in solchen Aussagen entdecken zu können, was nicht gerade für einen lockeren Umgang mit dem Thema spricht.

        • @toxicvanguard Okay, das gab hier im Strang mehrere persönliche Angriffe, deshalb lass ich den hier auch mal stehen.

          Aber auch deshalb, weil er mir – da ich jetzt nämlich von der Arbeit wieder daheim bin und mich beteiligen kann – die Möglichkeit gibt, in die Runde zu bitten, von weiteren persönlichen Angriffen abzusehen.

    • „Übrigens immer wieder witzig, ich wurde von Adrian (schon länger her) und nun von dir als rechts markiert. “

      Weißt Du noch warum?

      • „EXTRABLATT EXTRABLATT, SCHWULER MANN UNTERSTÜTZT HOMOPHOBEN NEONAZI“

        Kommentare der Bundespresse:

        TAZ: „Gülle auf den Feldern der Rechtspopulisten“, Daniel Bugs

        SüdD: „Fett in den Fritteusen der Neo-Faschisten“, Thorsten Denkler

        BILD: „NEUER RÖHM? Alles bei BILD!“, der Postwagner

        FA: „Das hässliche Gesicht der Homosexualität“, ???

        Zeit: „Sand im Getriebe des Fortschritts“, Gastkommentar von Claudi Roth

        Das Ehemalige: „Alle weißen Männer sind nun mal Faschos“, Margarete Stokowski

        Bento: „1ein Grund warum ich mich für meine Community schämen muss“, Hengamuh

        vortex: „Willkommen im Club“, ich

  • @Adorno

    Oh mannonman, der Adorno hat es aber mit der Herrschaftssprache. Wenn mir dieser Text vorgelesen würde, hätte ich mich um die verlorene Zeit geärgert. Einigen mögen diese Satzungetüme imponieren. Ich sehe nur die Unfähigkeit/Unwillen zur klaren Kommunikation.

    „..mit anderen Worten und um es etwas inhaltlicher auszudrücken:“

    Er hat, glaube ich, ganze Generationen von Studenten veräppelt. Aber definitiv ein Schawafler.

    Aber mit Kausalitäten ist er nicht so grün.

    „Alles was in der Zeit der Aufklärung passiert, muss Schuld der Aufklärung sein.“

    Wen ich das richtig verstanden habe (was nicht sein muss) birgt der Geist des Adorno ein kindliches Gemüt, verdeckt in überladenen Wortmasturbationen, die der Barockkunst Konkurrenz bereitet. Als ob es keine Massenmorde vor der Aufklärung gegeben hätte. Als ob der Mensch vorher nicht die ihm dafür zur Verfügung stehenden Mittel eingesetzt hätte. Als ob der Mensch durch die Aufklärung neu erfunden worden wäre. Kein Wunder dass die Studenten/Profs den Scheiß auffressen. Soziologengeschwafel war doch schon immer die beliebteste Methode die eigene Einfallslosigkeit und fehlende Menschenkenntnis zu kaschieren.

    Luftschlösser

      • Mag sein. Allerdings sind seine Satzungetüme reines Geschwafel und volles Ego-Programm. Ich bin mir sicher, jemand könnte den Schmuh auf fünf prägnante Sätze runterbrechen.

        Schönen Montag noch

      • Die Sprache ist natürlich ein Mittel elitärer Abgrenzung „vom Pöbel“. Aber rückblickend, wo wir diese Insignien der Macht von Intellektuellen weitgehend abgeschafft haben, bin ich nicht so sicher, ob das gut war. Zu so einer Sprache kam man nämlich nicht, indem Gefühlsfürze verbalisiert hat, sondern vor allem indem man Unmengen an Bildung in sich aufgesogen hat. Heute sind diese Insignien der Macht nicht mehr erforderlich um intellektuell ernst genommen zu werden. Aber das führt leider auch dazu, dass „Intellektuelle“ ernst genommen werden, denen diese Bildung abgeht.

    • @ Vortex

      Das Adorno-Zitat gefällt dir also nicht?
      Vielleicht gefallen dir die beiden folgenden Adorno-Zitate ja besser. (Ich glaub´s aber eher nicht.)

      Aber wo du doch so ein großer Gegner „kollektivistischen Denkens“ bist, wie du oben sagst, hören wir einfach mal Adorno zur Kritik „kollektivistischen Denkens“:

      Theodor W. Adorno:

      „Gegenüber den kollektiven Mächten, die in der gegenwärtigen Welt den Weltgeist usurpieren, kann das Allgemeine und Vernünftige beim isolierten Einzelnen besser überwintern, als bei den stärkeren Bataillonen, welche die Allgemeinheit der Vernunft gehorsam preisgegeben haben.“

      (aus: Theodor W. Adorno – Kritik. Kleine Schriften zur Gesellschaft, Suhrkamp, 1971, S. 84 f. )

      „Erleichtert wird das dem Einzelnen durch seine Kapitulation vorm Kollektiv, mit dem er sich identifiziert. Ihm wird erspart, seine Ohnmacht zu erkennen; die Wenigen werden sich zu Vielen. Dieser Akt, nicht unbeirrtes Denken ist resignativ. Keine durchsichtige Beziehung waltet zwischen den Interessen des Ichs und dem Kollektiv, dem es sich überantwortet. Das Ich muß sich durchstreichen, damit es der Gnadenwahl des Kollektivs teilhaftig werde. Unausdrücklich hat sich ein wenig Kantischer kategorischer Imperativ aufgerichtet: du mußt unterschreiben. Das Gefühl neuer Geborgenheit wird bezahlt mit dem Opfer autonomen Denkens.“

      (aus: Theodor W. Adorno – Resignation, in: Gesammelte Schriften, Band 10.2, Kulturkritik und Gesellschaft II, S. 797 f.)

      Siehst du, da hast doch wenigstens die Abneigung gegen „kollektivistisches Denken“ mit Adorno gemeinsam, wenn dir sein Scheibstil schon nicht zusagt. 🙂

      • In der Tat, nicht schlecht. Ich gebe mich in dieser Runde geschlagen.

        „Das Gefühl neuer Geborgenheit wird bezahlt mit dem Opfer autonomen Denkens.“

        Toller Satz, allerdings auch der kürzeste. Der gute Mann hätte einen guten Lektor benötigt.

        Allerdings möchte ich nochmal darauf hinweisen dass Anschuldigungen in der Art und Weise, wie gegenüber Iuisman weiter oben, im heutigen Klima durchaus die finanzielle Existenz eines Mannes vernichten kann. Maas wacht über viele, und gerade jemand wie Iuisman könnte der neusten Stiftung der Proto-Stasi zum Opfer fallen.

        „kollektivistisches Denken“<<

        Warum die Anführungszeichen? Deine Referenz hat es im Groben doch auch gesagt.

        „(Ich glaub´s aber eher nicht.)“

        Du liegst oft falsch, oder?

        „aus: Theodor W. Adorno – Resignation“

        „Resignation“

        War das nach der Zeit, in der er erkannt hat dass die Studis anfangen, von seinen Schriften (fälschlicherweise?) motiviert, Gewalt und kollektivistisches Denken zu praktizieren?

        Er ist und bleibt ein Schwafelkopp, der mir jedenfalls nichts neues gebracht hat, außer dem Vergnügen einer Migräne.

        Und außerdem sind Beschreibungen wie:

        „Der Zusammenhang ergibt sich aus dem Anspruch, die Totalität gesellschaftlicher Verhältnisse und die Notwendigkeit ihrer Veränderung theoretisch auf den Begriff zu bringen. Theorie wird in ihrem Verständnis als eine Form der Praxis begriffen.“ Wikipedia

        „und die Notwendigkeit ihrer Veränderung“

        Hier wird, so weit korrekt interpretiert, eine Erkenntnis vor dem Erkenntnisgewinn gestellt. Im Grunde Auftrags“wissenschaft“.

        Unlautere Prämisse–>Pseudowissenschaft–>Politik

        Die Wahrheit stirbt mal wieder zu erst.

        Und ich werfe dir immer noch kollektives Denken vor.

        “ …phobe und ANTILINKE Lü… “

        Einem Kollektiv etwas vorzuwerfen (entspricht menschlichem Rasterdenken) ist meistens legitim. „Die Nazis taten dies“ „Samariter tuen das“ usw.

        Aber aus einer Ablehnung einen Vorwurf zu machen, lässt tribales/kollektivistisches Denken zumindest vermuten.

        Nun wünsche ich auch dir einen schönen Ausklang aus dem Ende des Wochenanfangs ;^)

      • @vortex
        „Allerdings möchte ich nochmal darauf hinweisen dass Anschuldigungen in der Art und Weise, wie gegenüber Iuisman weiter oben, im heutigen Klima durchaus die finanzielle Existenz eines Mannes vernichten kann. Maas wacht über viele, und gerade jemand wie Iuisman könnte der neusten Stiftung der Proto-Stasi zum Opfer fallen.“

        Erst mal Dank an vortex und emmanzer die hier fuer mich teilweise in die Bresche gesprungen sind. Aber macht euch keine Sorgen ueber mich. Ich wurde vor vielen Jahren Kapitalist, mein Montaseinkommen wird vor allem von Chinesen erarbeitet. Ausser durch eine Weltwirtschaftkrise wie 1929 kann meine finanzielle Existenz nicht vernichtet werden. Maas muss mich auch nicht kratzen, da ich seit ueber 10 Jahren schon nicht mehr in Deutschland war und auch keine Rueckkehrabsichten habe. Aber fuer einen Kommentator der in Deutschland noch seine Existenz aufbauen/sichern muss ist diese Mass-Kahane-Nicht-Behoerde schon ein Grund lieber die Schnauze zu halten.

    • „.. mögen diese Satzungetüme imponieren. Ich sehe nur die Unfähigkeit/Unwillen zur klaren Kommunikation.“

      Ja, das sehe ich auch so – unabhängig vom politischen Background des Urhebers. Wer nicht in der Lage ist, seine Thesen kurz und prägnant zu formulieren, sodass diese auch von Außenstehenden verstanden werden, der wirft imho Nebelkerzen oder betreibt syntaktisch semantische Masturbation im Rahmen einer Pseudo-Verwissenschaftlichung.

      Letzteres kann man speziell in den Gender-Studies beobachten, welche Pamphlete jenseits aller Absurdität am Laufenden Band generiert. Aber vermutlich sollen diese auch gar nicht inhaltlich begriffen werden – weil sie eventuell, Annahme, Nonsense sind?!

      Wie auch immer, Einstein schaffte es, ein hochkomplexes Thema in eine schöne Formel zu bringen: e=mc² – sicherlich ist das dahinterliegende wesentlich schwieriger, aber die Gleichung steht Top-Down.

      Und nicht vice versa, wie es in Gender- und Sozio-Studiengängen oft genug zu erleben ist. Dabei könnte es doch gerade dort wesentlich einfacher sein, als in der Physik – Wenn, ja wenn denn die Grundannahme stimmen würde …

  • Nachtrag:

    „Was für einen sachlichen, über Unkenntnis, Ressentiments und Vorurteile hinausgehenden Grund gibt es bitteschön, Adorno und Horkheimer zu verachten?“

    Obwohl es für mich in Ordnung geht Menschen wegen ihrer Taten zu verachten (Achtung muss verdient werden, Verachtung auch), habe ich mich bei der Verachtung auf die !WERKE! von den Herren Adorno und Horkheimer bezogen. Und objektbezogene Verachtung sollte in Ordnung gehen,

    Tata

    • @vortex:

      »Obwohl es für mich in Ordnung geht Menschen wegen ihrer Taten zu verachten (Achtung muss verdient werden, Verachtung auch), habe ich mich bei der Verachtung auf die !WERKE! von den Herren Adorno und Horkheimer bezogen. Und objektbezogene Verachtung sollte in Ordnung gehen,«

      Mich hatten je eigentlich die Gründe dafür interessiert. Schwierige Sprache allein scheint mir dazu nicht ausreichend.

      • Da musst du Iuisman fragen. ich war nur der freiwillige Anwalt mit einer losen Schreibhand.

        So weit es mich betrifft:
        (Angaben ohne Gewähr)
        Ich habe selten etwas von den „Frankfurter Gelehrten“ gelesen/gehört was irgendeinen Sinn ergeben hätte, und/oder der nicht selbstzerstörerisch wäre. Fromm hat einiges vom Stapel gelassen dem ich mich anschließen könnte. Aber so weit ich kritische Theorie verstanden habe, hätten sich die Verfasser auch einfach selbst richten können. Wäre jedenfalls meine Konklusion gewesen. Aussteiger sind die Herren sicher nicht gewesen, und arm auch nicht so ganz.

        Vielleicht muss ich da noch mal rüber.

        Die Auswirkungen auf die Soziologie waren, meines Wissens, jedoch verheerend. Die Vorraussetzung eines „Unterdrückungsmechanismuses“ (allein die Begriffswahl setzt einen Bösewicht voraus) zur Erklärung von Übel in der Welt ist extrem Elfenbeinturmig. Die menschliche Natur wird vollkommen ignoriert, und deswegen muss diese Theorie an der Realität scheitern.

        Auch die Einflüsse, deutlich erkennbar ab den frühen Neunzigern, auf die weltweite Soziologie sind ziemlich übel: crititical Whiteness, die Opferolympiaden, in Verbund mit Satre die übelsten Metastasen des Feminismus, all das könnte man ohne als Lügner dazustehen der Frankfurter Schule mindestens zum Teil anlasten. Und dabei wurde der Text nicht missbraucht, sondern konsequent weitergedacht.

        Meine grobe Kritik an den Frankfurtern, hoffe du kannst was damit anfangen

        Tschö

      • Da ich bei Christian im Blog nach Leszek’s Verbal-Durchfall suchen soll, darfst du gerne auf meinem Blog nach den entsprechenden Artikeln suchen. Gruende gibt’s ja genug 😉

        Schwierige Sprache ist mit ein Grund etwas abzulehnen. Ich hatte zwei Diplomarbeiten abgelehnt, der eine meinte er muss seinen neuen Farbdrucker fuer 200 Seiten Diplomarbeit missbrauchen und hat jedes Wort in einer anderen Farbe gedruckt. Ich hab mich geweigert das zu lesen, wegen „Augenkrebsgefahr“…Bei dem anderen hatte jeder Satz (einer technischen Diplomarbeit) im Schnitt 40-50 Worte. Grammatikalisch gewagte sich selbst widersprechende Doppel-Schachtelsaetze usw.

        Sehr oft soll diese kuenstlich geschaffene Komplexitaet den fehlenden Sinn der Saetze nur verdecken. Den Eindruck habe ich oft bei einigen Autoren der Frankfurter Schule.

  • @lh

    „Die Sprache ist natürlich ein Mittel elitärer Abgrenzung „vom Pöbel““

    Allerdings, aber ist dies nötig?

    „diese Insignien der Macht von Intellektuellen weitgehend abgeschafft haben“

    Haben wir? An den Texten meiner studentischen Freunde kann ich das nicht erkennen.

    „Zu so einer Sprache kam man nämlich nicht, indem Gefühlsfürze verbalisiert hat, sondern vor allem indem man Unmengen an Bildung in sich aufgesogen hat“

    Mag sein, allerdings wirkt Adorno wie eine Hofschranze, die außer für den perfekten Knicks zu nichts zu gebrauchen ist. Eine solche Sprache ist eine glorifizierte Nebelkerze. Mit der Bildung hätte er uns allen Zeit und Mühe ersparen können, indem er sich kurz fasst und seine These auf den Punkt bringt, anstatt Satzungetüme aufzutürmen , die er dann auch noch in anderer Form wiederholt.

    „Aber das führt leider auch dazu, dass „Intellektuelle“ ernst genommen werden, denen diese Bildung abgeht.“

    Sehe ich anders. Die Universitäten haben selber Schuld, wenn ihr Ansehen wegen schlechter Jahrgänge schwindet (zu recht). Der OECD hinterher zu hecheln und damit die Akademischen Grade zu inflationieren, musste auf die Qualität der Akademiker negative Auswirkungen haben. Übrigens, die Satzungetüme sind geblieben, nur der wissenschaftliche Anspruch, vor allem in der Soziologie, ist für die Katz. Meiner Erfahrung nach sind Soziologen dümmer aus der Uni gekommen als hineingegangen.

    Die Intelligenzia hat sich selber in den Fuß geschossen, und die Mint-Fächer sind auch nicht ganz spurlos davongekommen.

    Bis zum nächsten Mal

  • @Schoppe

    Du schreibst bzw. zitierst:

    „sie gewöhnt den Bürger durch ihr Trommelfeuer moralisierender Verhaltenskritik an eine permanente moralische Selbstinfragestellung, die exakt demselben Prinzip folgt wie das moralische Trommelfeuer gegen die Verlierer auf dem Arbeitsmarkt: nicht die Schule hat ein Problem, sondern der (männliche) Schüler (‚Nachwuchs-Macho!’), nicht das Sorgerecht hat ein Problem, sondern der entsorgte Vater (‚Deadbeat Dad!’), nicht der Arbeitsmarkt hat ein Problem, sondern der einzelne Arbeitslose (‚Faule Schmarotzer-Sau!’).“

    Nun scheint mir das ja nicht speziell ein Problem einer postmodernen Linken zu sein, dass quasi gesellschaftliche bzw. strukturelle Gegebenheiten (wie z.B. Arbeitslosigkeit) individualisiert und personalisiert werden, sondern in Deutschland hat sich das spätestens mit Schröder und der Agenda 2010 durchgesetzt und wird natürlich meist von ökonomisch Liberalen und konservativen Rechten etc. forciert.

    Du schreibst:

    „Sie ist nämlich zu einer Analyse gesellschaftlicher Strukturen und zur Entwicklung von Ideen zu einer sozial gerechteren Gesellschaft gar nicht mehr in der Lage, und sie ist daran auch gar nicht interessiert.“

    So absolut würde ich das nicht sehen. Die postmoderne Linke beschreibt sicherlich noch gesellschaftliche Strukturen, jedoch eben nicht mehr die klassischen linken Politikfelder wie politische Ökonomie, soziale Klassen/Schichten/Milieus, Internationale Politik, Geopolitik, Imperialismus, Militarismus, Friedenspolitik etc., sondern thematisiert nun vermehrt gesellschaftliche Verhältnisse von Homosexuellen, Transsexuellen, Frauen, Behinderten, „Ethnien“ etc. Also weg von der politischen Ökonomie hin zu Kultur und Identitätspolitik.

    Du schreibst:

    „Ich selbst werde hier den Begriff einer „postmodernen Linken“ benutzen, weil diese Linke wesentliche Aspekte einer modernen demokratischen Linken nicht mehr für wichtig erachtet oder gar offen ablehnt. Nämlich:

    die Überzeugung, dass Menschenrechte universell gelten und unteilbar sind,
    das Ziel einer sozial gerechteren Gesellschaft,
    den Versuch, unterschiedliche Perspektiven in einer gemeinsamen, wenn auch spannungsreichenKommunikation zu koordinieren, und
    die Verteidigung der FreiheitsrechteEinzelner gegen staatliche Zurichtungsbestrebungen.“

    Das würde ich in seiner Absolutheit nicht unterschreiben. Das Ziel einer sozial gerechten Gesellschaft wird sicherlich auch von einer postmodernen Linke unterschrieben. Auch universelle Menschenrechte werden nicht a priori verworfen oder zumindest vielfach kontrovers diskutiert. Auch bei den Freiheitsrechten wäre wohl eine klassische, modernistische Linke weit von einer undogmatischen Linke entfernt. In Sachen Paternalismus bzw. Maternalismus unterscheidet sich eine postmoderne Linke nicht so wahnsinnig von einer klassischen Linke.

    Du schreibst:

    „Wer Menschenrechte als „europäisch, weiß und männlich“ (hier, S. 2) beschreibt, betrachtet sie nicht als Schutz gegen Gewalt und Ausbeutung, sondern als Herrschaftsinstrumente. Ihr Anspruch auf universelle Geltung würde reale Machtunterscheide verschleiern und dabei helfen, die Interessen Mächtiger gegen die von Marginalisierten durchzusetzen.
    Ein Problem dieser Menschenrechtskritik ist, dass sie Menschen nicht als Individuen in ihrer individuellen Situation, sondern jeweils allein als Mitglieder bestimmter Gruppen wahrnimmt. Schutzbedürftig sind Menschen hier eben dann, wenn sie einer schutzbedürftigen, also unterdrückten oder marginalisierten Gruppe angehören – und nicht schon einfach deshalb, wie sie eben Menschen sind.“

    Das scheint mir eine richtige Einschätzung zu sein, dass bei einer postmodernen Linke gewisse Menschenrechte quasi nur noch an gewisse Personengruppen gebunden werden (Identitätspolitik) und wenn diese Personengruppen im Durchschnitt (was ja nicht viel darüber aussagt, wie viele Personen dieser Gruppe tatsächlich über einen privilegierten Status verfügen, weil der Mittelwert etwas anders ist als der Median) in einem bestimmten Bereich (z.B. ökonomisches Kapital) privilegierter sind, dann wird der gesamten Personengruppe auch gleich gewisse Menschenrechte abgesprochen oder Handlungen werden plötzlich ganz unterschiedlich bewertet. M.E. machen sie jedoch noch etwas anderes: Sie geben der Struktur bzw. den gesellschaftlichen Verhältnissen quasi das Primat vor den individuellen Handlungen der Menschen. Überspitzt heisst dies dann eben: Eine Person, die auf einem gewissen Gebiet strukturell benachteiligt ist, kann in seiner individuellen Handlung nie rassistisch oder diskriminierend oder die Menschenrechte verletzend sein, weil sie selbst eben strukturell benachteiligt und die andere Person, strukturell privilegiert ist. Die Handlungsebene wird somit vollständig für die Bewertung ausgeblendet.
    Vielleicht noch kurz zu den Menschenrechten: Man muss sich natürlich im Klaren sein, dass Menschenrechte auch von Menschen gemacht werden und es somit einen Kampf darüber gibt, was alles unter Menschenrechte subsumiert werden soll: Neoliberale und Sozialisten zum Beispiel haben hier vielfach unterschiedliche Auffassungen.

    Du schreibst:

    „Im Vergleich zu einer liberalen oder anarchistischen Linken dreht sie dabei das Verhältnis von Staat und Gesellschaft glatt um. Während jene staatliche Strukturen traditionell misstrauisch betrachten, sie schlank halten oder zumindest wirksam kontrollieren wollen, wird der Staat in der Perspektive einer postmodernen Linken zum herausragenden, gutenAkteur. Wesentlich ist nicht die gesellschaftliche Kontrolle staatlicher Institutionen, sondern die Kontrolle gesellschaftlicher Prozesse durch eben diesen Staat.“

    Ich glaube, auch hier müsste man das noch ein bisschen ausdifferenzieren: Also die Linke (sei dies nun liberal, anarchistisch, sozialistisch, modernistisch oder postmodernistisch) war m.E. gegenüber einem Sozialstaat nie ablehnend eingestellt. Die Kritik geht wohl von einer liberalen Linke eher dahin, dass der Überwachungsstaat, der repressive Staat, der Polizeistaat etc. kritisch beargwöhnt wurde.

    Ganz allgemein zu Deinem Text:
    Kritik an einem paternalistischen bzw. maternalistischen Staatsverständnis finde ich richtig. Ich finde es auch richtig, wenn man sagt, dass die postmoderne Linke quasi die politische Ökonomie aus den Augen verloren hat und hier natürlich auch soziale Klassen/Schichten/Milieus etc. Stattdessen ist nun bei der postmodernen Linken (wie übrigens bei der populistischen Rechte, nur einfach mit umgekehrten Vorzeichen) die Identitätspolitik das dominante politische Paradigma bzw. Narrativ. Viele Konzepte wie Standpunktheorie, Privilegientheorie der postmodernen Linke münden schliesslich in eine Identitätspolitik ein. Nun sagen natürlich auch linke postmoderne Identitätspolitiker, dass ihrer Politik schlussendlich ein emanzipativer Impetus zugrundeliegt: also positive Diskriminierung bzw. „Affirmative Action“ etc.
    Eine Problematik einer Identitätspolitik hat m.E. Stefan Schleim bereits gut herausgearbeitet- er schreibt:

    „Die schiefe Verteilung der Geschlechter in Führungspositionen kann man nicht abstreiten. Mit der Quote von mindestens 30 Prozent wird sich das in den nächsten Jahren ändern. Die entscheidende Frage ist: Wird die Gesellschaft dadurch besser? Oder konkreter für die berufliche Welt: Werden die Arbeitsbedingungen besser? Und wenn ja, für wen?
    Meine These ist, dass sich bestehende Ungerechtigkeiten durch die Frauenquote nicht ändern werden. Um meinen Gedanken mit dem eingangs erwähnten Bild von Aletta Jacobs militärisch auf den Punkt zu bringen: Ob die Gewehrkugel, die dich ins Herz trifft, dank einer männlichen oder weiblichen Wählerstimme finanziert wird, ändert nichts daran, dass dich eine Kugel ins Herz trifft.“
    (…)

    „Das Ziel der Gleichstellungspolitik ist nämlich auch dann erreicht, wenn (so gut wie) alle Menschen flexibel einsetzbare und möglichst billige Arbeitskräfte für das Kapital sind. Auch in einer Gesellschaft von Sklaven kann Gleichstellung erfolgreich umgesetzt werden. Genau dann, wenn sowohl Frauen als auch Männer gar keine Rechte mehr haben. Gerade deshalb ist Gleichstellung etwas ganz anderes als Emanzipation.
    Das ist auch einigen Feministinnen der ›dritten Welle‹ seit den 2000ern bewusst. Das Gros der Debatte konzentriert sich aber auf Gehaltsunterschiede und Führungspositionen. Sie werden des Rechnens und Vergleichens von Mittelwerten nicht müde. Die hierarchisch in ein immer kleiner werdendes Oben und ein immer größer werdendes Unten geteilte Gesellschaft wird aber nicht infrage gestellt.“
    http://www.heise.de/tp/artikel/47/47625/5.html

    Konkret heisst dies: Gleichstellungspolitik oder auch Identitätspolitik ist nicht a priori eine soziale bzw. emanzipative Politik. Miese Arbeitsbedingungen betreffen dann zwar alle Menschen gleichermassen und eine Gleichstellung ist erreicht, aber eben eine Gleichstellung, die dafür sorgt, dass alle in den Genuss von gleich miesen Arbeitsbedingungen kommen.

    M.E. müsste mal also grundsätzlich herausarbeiten, wo Identitätspolitik sinnvoll sein kann und wo sie eben Negatives für eine linke Politik bewirkt.

    • @Mark

      „Eine Person, die auf einem gewissen Gebiet strukturell benachteiligt ist, kann in seiner individuellen Handlung nie rassistisch oder diskriminierend oder die Menschenrechte verletzend sein, weil sie selbst eben strukturell benachteiligt und die andere Person, strukturell privilegiert ist. Die Handlungsebene wird somit vollständig für die Bewertung ausgeblendet.“

      Das ist m.E. im Rahmen der Identitätspolitik richtig und zwingend, weil diese Identitätspolitik im Bewusstsein der postmodernen Linken die Gesellschaft und die Individuen strukturiert.
      Die biologisch invarianten Merkmale (Geschlecht, Hautfarbe) determinieren deine Position in der Gesellschaft.

      Es braucht keinen empirischen Beweis für die Existenz der Benachteiligung einer Personengruppe als Personengruppe, sondern diese ist per se benachteiligt, weist sie bestimmte Merkmale auf, während andere Personengruppen als Personengruppen privilegiert sind. Es gibt nicht nur die Ebene des individuellen Handelns nicht, im Grunde gibt es auch keine Individuen. Das Individuum wird quasi „hineingeboren“.

      „Stattdessen ist nun bei der postmodernen Linken (wie übrigens bei der populistischen Rechte, nur einfach mit umgekehrten Vorzeichen) die Identitätspolitik das dominante politische Paradigma bzw. Narrativ.“

      Wenn ich mich richtig erinnere war der erste politische Versuch, durch Kombination von solchen identitären Gruppen eine „progressive Allianz“ zu basteln Ende der sechziger durch einen der Kennedys. Also in Folge der Studentenbewegung und der (schwarzen) Bürgerrechtsbewegung.
      D.h. die postmoderne Linke in den USA hat m.E. diese Politik aufgegriffen und nicht selbst erfunden.

      Dem Anschein nach macht diese Einteilung in identitäre Gruppen auch Sinn, weil sie wiederum Ausdruck der spezifischen Segregation der US-Gesellschaft waren – arme, schwarze inner cities und weiße suburbs bzw. gated communities bspw. Wo es mit „the winner takes it all“ Mehrheitswahlrecht und nur zwei politische Parteien gibt – wie gesagt, es machte in diesem gesellschaftlichen, historischen und politischen Kontext Sinn.
      Um diese Verhältnisse zu überwinden.

      „Nun sagen natürlich auch linke postmoderne Identitätspolitiker, dass ihrer Politik schlussendlich ein emanzipativer Impetus zugrundeliegt: also positive Diskriminierung bzw. „Affirmative Action“ etc.“

      Auch hier: Sie haben es nicht erfunden, affirmative action gab es schon Mitte der sechziger in den USA. Der Clou ist m.E., diese war explizit auf die schwarze Bevölkerung geschrieben und sollte das historische Unrecht der Sklaverei kompensieren helfen.
      Unter den Nagel gerissen hat sich dies jedoch der Feminismus.
      Die Programme halfen schwarzen Frauen und mehr noch weißen.
      Auf der Strecke geblieben ist der schwarze Mann – der kam nämlich auf der Kehrseite der verwandelten Identitätspolitik in der Identität „Mann“ heraus, ergo privilegiert.

      Die Emanzipation der Frauen an den Universitäten in den USA bspw. – verstanden als Hälfte der Anzahl der Studenten – war bereits Mitte der 90er erreicht.
      Da gesellschaftliche Ressourcen endlich sind, hätte nun der Fokus auf schwarze Jungen und Männer liegen müssen.
      Was nicht stattgefunden hat; es ging und soll weiter gehen um Frauen-, Frauen- und Frauenförderung.
      Insofern ist es m.E. im Rahmen der Identitätspolitik in den USA mit skrupelloser Machtpolitik gelungen, eine Mehrheit der Diskriminierten zu konstruieren (Frauen), die die Minderheit (schwarze Männer) kalt enteignet hat.

      D.h. es geht also dieser Identitätspolitik nicht um die Beseitigung empirisch nachweisbarer Benachteiligung, sondern um die „theoretische“ Setzung, wer per se benachteiligt und wer privilegiert ist.
      Was insofern Sinn macht, da davon Berufskarrieren, institutionelle Macht (hier: Quoten im öffentlichen Dienst, Parteien, Gewerkschaften, politische Stiftungen, Firmen) und viel Geld (feministische Infrastruktur) abhängen.

      Und hier kann man sagen, das war entschieden negativ für linke Politik.

      Gruß crumar

    • @ Mark Danke für Deine Kritik – und auch dafür, dass sie die Auseinandersetzungen um den „Kulturmarxismus“ souverän ignoriert und sich auf den Text bezieht.

      „Also weg von der politischen Ökonomie hin zu Kultur und Identitätspolitik.“ Ja – und Du hast recht damit, dass es aus dieser Perspektive natürlich um soziale Gerechtigkeit geht, wenn die Bedingungen für marginalisierte Gruppen verbessert werden sollen. Ich dachte allerdings nicht allein an soziale Gerechtigkeit, sondern um eine sozial gerechtere Gesellschaft – das heißt, um eine Perspektive, die möglichst alle umschließt und die nicht allein auf kleine Gruppen fixiert sind. Ein großes, berühmtes philosophisches Modell einer solchen Perspektive ist ja die „Theory of Justice“ von John Rawls.

      Das heißt, ich hatte meinen Punkt tatsächlich nicht richtig klar gemacht. Mein Vorwurf ist nicht, dass soziale Gerechtigkeit in der postmodernen Linken überhaupt keine Rolle mehr spiele – sondern dass soziale Gerechtigkeit dort nur im Sinne einer Klientelpolitik, nicht aber in einer gesellschaftlichen Perspektive eine Rolle spielt. So begründet sich dann m.E. auch die Fixierung auf Kultur- und Identitätspolitik: sich mit den ökonomischen Bedingungen auseinanderzusetzen, mit denen viele Menschen – auch Menschen ganz anderer sozialer Gruppen – zurechtkommen müssen, würde bedeuten, von sich und der vertrauten sozialen Umgebung absehen zu müssen. Wer Identitätspolitik betreibt, kann sich aber auf sich selbst und die eigene soziale Gruppe konzentrieren.

      Ich finde es übrigens gut, die Bedeutung einer „Identitätspolitik“ stärker zu betonen. Ich halte ja natürlich nichts von dieser Politik, aber es ist doch auffällig, dass sie sowohl von rechts als auch von links zur Zeit sehr stark gemacht wird.

  • Ich will Dich ja nicht erschrecken, aber das was Du als linkes Defizit bezeichnest, sind im Kern grundlegend liberale Positionen. Die aber auch die Liberalen nicht mehr so recht vertreten.

    Das sollte einen eigentlich erschrecken, daß man als Liberaler eigentlich ein verkappter Linker ist. Der Diskurs besteht ja dann nicht mehr wieviel und ob wirtschaftliche Freiheit von Nöten ist, sondern daß es überhaupt ein Problem mit der Freiheit des Einzelnen gibt. Deprimierend eigentlich.

    Aber wieder ein Text, der den Nagel so ziemlich auf den Kopf trifft und tief ins Brett nagelt.

    • Danke für den Kommentar zum Text!

      Tatsächlich ist der erste (Menschenrechte) und der vierte (Freiheitsrechte) der genannten Punkte nicht links, sondern klassisch liberal. Das war sogar Absicht – liberale Überzeugungen rahmen so die eher linken ein. Ich bin tatsächlich der Überzeugung, dass eine linke Politik sich nur vertreten lässt, wenn sie liberale Grundüberzeugungen nicht verletzt.

      Der zweite (sozial gerechte Gesellschaft) und dritte Punkt (herrschaftsfreier Diskurs) sind allerdings in meinen Augen typisch links. Ein Liberaler könnte ohne beides auskommen.

      Auch eine sozial sehr ungerechte Gesellschaft kann für ihn in Ordnung sein, solange sie nur auf freiheitliche Weise zu Stande gekommen ist (ein krasses Beispiel ist das anarcho-liberale „Anarchy, State, and Utopia“ von Robert Nozick) – und wenn Menschen mit ihren verschiedenen Perspektiven friedlich nebeneinander her leben, ohne großartig miteinander zu kommunizieren, wäre das für einen Liberalen m.E. auch ganz in Ordnung.

      Deshalb glaube ich: Liberalität ist eine wichtige Voraussetzung für demokratische Linke, aber reicht allein noch nicht aus.

      • Klassisch Liberal war sowohl den Bismarckschen Sozialistengesetzen zuzustimmen, als auch dem Hitlerschen Ermächtigungsgesetz. Das hat herzlich wenig mit dem Schutz der individuellen Freiheit zu tun oder mit der Verteidigung der Menschenrechte. Warum haben manche Menschen immer nur so ein kurzes Gedächtnis? Die deutschen Liberalen sind immer an der Seite der Macht gewesen, dort wo die schmackhaftesten Fleischtöpfe waren, selbst in der „DDR“.

  • Sehr präzise, allerdings gehst Du von falschen Prämissen aus.
    1) Das was heute den Lautsprecher macht, ist keine Linke. Es sind Neo-Liberale, die behaupten Linke zu sein. Die Söhnchen und Töchterchen der bürgerlichen Klasse, die gegen ihre Eltern ein wenig revoluzzen wollten und sich plötzlich in Machtpositionen wiederfanden.
    Die Linken haben sich übrigens früher schon nicht um die Unterklasse, aka Lumpenproletariat, gekümmert. Sie haben immer nur die working class vertreten. Die Leute mit Arbeitsethos, die sich selbst voran bringen wollten. Wer war denn in den Arbeiterbildungsvereinen, den Gewerkschaften, der SPD? Unterklasse? Kaum, die war zu träge oder krakeelte bei den Anarchisten oder später bei der SA.

    2) Zu Deinem „real existierenden Sozialismus“. Die Diktatur einer kleinen Gruppe ist -kein- Sozialismus, sondern schlicht eine (in diesen Fall sogar klein) bürgerliche Diktatur.
    Kann man sich einfach einen falschen Namen umhängen und schon wird das von ansonsten vernünftigen Leuten akzeptiert, denen es passt, dass eine (gute) Idee diskreditiert wird?

    3) Man kann heute davon ausgehen, dass es keine Linke mehr gibt, höchstens noch versprengte Einzelkämpfer.

  • Dickes Dankeschön an Schoppe, deine Artikel und Kommentarkultur ziehen viele Geister an, und machen dadurch sehr viel möglich. Ich bin von deiner Arbeit sehr angetan.

    Alles Gute

  • Diese Feststellung der „Herrschaftsdienlichkeit“ und das Aufweisen der verkehrten Falschheit allzuvieler „linker“ Ideologien, die regelmässig auf absolute Herrschaft zielen, war geradezu überfällig und freue mich endlich eine Kritik dieses Un-Zeitgeistes zu lesen.

    Diese neue Linke ist weniger postmodern als atbacken rechts, was der Identitätspolitik und der Philosophie dahinter, ua Nietzsche und Heidegger, und all den Pseudowissenschaften (für die die „Postmoderne“ ein Schutzschirm ist) verschuldet ist.

    Soziale Errugenschaften werden jetzt demontiert, im Namen der sozialen Gerechtigkeit. Die Gleichheit der Geschlechter wird mit dem Feminismus ausgetrieben, die Gleichheit der Menschen durch das Schüren von Rassismus untergraben, die Menschenrechte verkollektivisiert und durch die Würde von Religion verkörpert. Alles von dieser Linken pontifiziert.

    Der Generalangriff auf die Gleichheit aller Menschen bedient sich ausgrechnet der angeblich unterdrückten Minderheiten, während wirkliche, reale Unterdrückung nach Bedarf heruntergespielt wird.

    Dabei wird die hohle Pose der Moral zu einer Forderung unbeschränkten Geltungsanspruchs, der feudale oder vormoderne Züge hat. So ist die Linke nicht nur herrschaftsdienlich, sondern sogar avant garde. Sie spielen eher eine aktive als eine passive Rolle. Alles aus der Motivation, die Gesellschaft vor sich selbst zu retten. Der ganze Fatalismus dahinter aber, der als Motivations-Anreiz dient („die Welt ist sowieso nicht zu retten, der Mann ist böse, der Klimakollaps unausweichlich und wir haben alles verdient“) säht aber vor allem Hass und Ressentiment, der in einer Art marxistischen Klassenkampfs kanalisiert und gesellschaftsverändernd eingesetzt wird.

    Das Beste daran ist aber, dass dem Gegner (also alle, die der Ideologie nicht gehorsam sind) alles das vorgewirft, was man selbst verkörpert. Wenn das nicht Diskussionshoheit oder „-macht“ ist, die so ausgeübt werden soll…

    Auch im Letzteren erinnert besagte Linke hier an die typische traditionelle Rechte, ist also nicht nur die irrationale Ideologie.

  • „“…„Die politisch korrekte postmoderne linke Strömung hat für die ökonomischen Herrschaftseliten den gewaltigen Vorteil, dass sie sich für Kritik der politischen Ökonomie, Kapitalismuskritik/Antikapitalismus und Klassenkampf in der Regel wenig interessiert. Solche für klassisch linke Strömungen zentrale Themen spielen für politisch korrekte postmoderne Linke in der Regel entweder keine oder nur eine untergeordnete Rolle.“…““

    Nicht die Arbeitslosigkeit und die dadurch resultierende materielle (und oft auch psychische) Not des Arbeitslosen ist ein Skandal, sondern der Umstand, dass der Arbeitslose das finstre Tal so ganz ohne sozialpädagogische Begleitung durchschreiten muss!

  • Die Idee war eher, dass, … es manchmal sinnvoll sein kann, ihnen zumindest eine deutliche Ablehnung ihrer Versuche zu vermitteln.

    Tja. Es gibt halt gute und schlechte Ideen.

    Argumente sind bei rechten Anti-Kulturmarxismus-Ideologen erfahrungsgemäß nutzlos,
    Nur dass du in dieser Kommunikationsform gar nicht weißt, ob du es mit einem entsprechenden Ideologen zu tun hast oder nicht. Pawlow. Der Schlüsselreiz kommt, und Stefanowitsch II reagiert dann entsprechend. Da ist es dann schon vergnüglich, zu lesen „aber der diskursive Effekt einer polemischen Äußerung schien mir an dieser Stelle nicht ganz unwichtig.“ Ganz bestimmt.

    Die Begriffswahl „widerliche antisemitische, homophobe und antilinke Lügenpropaganda“ halte ich außerdem für eine treffende Beschreibung der rechten Anti-Kulturmarxismus-Ideologie.

    Das hast du aber nicht getan. Ich zitiere:

    dass … sofort von dir für deine widerliche antisemitische, homophobe und antilinke Lügenpropaganda instrumentalisiert wird.
    Da steht nicht „wenn dir klar wäre, dass sich bei konsistenter zustimmender Verwendung dieses Begriffs Implikationen ergeben, zu den u.a. Antisemitismus gehört usw. usf.“.
    Nein, du hast nicht eine Ideologie kritisiert, sondern einer Person deinen Begriff und deine Implikationen dieses Begriffs untergeschoben.

    Tja, Andere könnten es vielleicht anders sehen als ich
    In der Tat. Und manche sehen es sogar mit Gründen anders, weil sie den Wechsel von Wortwahl, Satzbau etc. beobachten und daraus Folgerungen ziehen. Die auf sehr vielen Auswertungen beruhen.

    Falls es aber tatsächlich geschähe, dass ein solcher Kommentar in einer antimaskulistischen radikalfeministischen „Expertise“ zitiert würde, wäre dies, rein pragmatisch betrachtet, für die Männerrechtsbewegung wohl eher vorteilhaft.
    Nein. Es würde nur heißen „die sind so yesterday, da schreien sogar noch irgendwelche versprengten Stalinisten herum und versuchen, andere mundtot zu machen.“ Und deine 30-seitige Erwiderung, dass du Anarchist und nicht Stalinist bist, würde niemand lesen. Weil es keinen interessiert.

    Dein eigener Kommentar mir gegenüber war ja nun ebenfalls nicht sachlich, sondern beinhaltete durchaus aggressive, polemische und unterstellende Elemente.
    Nein. Er ist insofern sachlich, als dass eine beobachtbare Kommunikation mit einem sehr auffälligen Wechsel bei der Wortwahl etc. der Ausgangspunkt ist. Und ich kann es bestenfalls putzig finden, wenn jemand sich so benimmt und dann wieder einmal ein höheres Gut – hier die arme Männerrechtsbewegung – zur Begründung funktionalisiert wird. Ich sehe nach wie vor nichts anderes darin als eine nachträgliche Rationalisierung eines Verhaltens, das eben nicht rational gesteuert ist, sondern auf Schlüsselreize reagiert.

    Wir unterscheiden uns hinsichtlich der Kriterien, nach denen wir dies für berechtigt halten.
    Wir unterscheiden uns noch in weit mehr.

      • @ Seitenblick

        „Tja. Es gibt halt gute und schlechte Ideen.“

        Ja, und rechte Anti-Kulturmarxismus-Ideologen, die auf Blogs, die sich mit berechtigten Männeranliegen aus humanistischer Perspektive befassen, versuchen in den Kommentaren ihre rechte Ideologie zu propagieren, in die Schranken zu weisen, finde ich im Allgemeinen eine gute Idee.

        „Nur dass du in dieser Kommunikationsform gar nicht weißt, ob du es mit einem entsprechenden Ideologen zu tun hast oder nicht.“

        Ich kenne Luismans Ansichten zum Thema schon lange. Ist bei jemandem, der mehrere Texte zur rechten Anti-Kulturmarxismus-Ideologie auf seinem Blog hat ja nun auch nicht schwer zu erkennen, was er vertritt.

        „Pawlow. Der Schlüsselreiz kommt, und Stefanowitsch II reagiert dann entsprechend.“

        Du scheinst eine starke Fixierung auf Herrn Stefanowitsch zu haben. Hast du irgendwelche negativen Erfahrungen mit ihm gemacht? Dann solltest du m.E. aber besser versuchen diese nicht auf Andere zu projizieren.

        „Da ist es dann schon vergnüglich, zu lesen „aber der diskursive Effekt einer polemischen Äußerung schien mir an dieser Stelle nicht ganz unwichtig.“ Ganz bestimmt.“

        Der ist in der Tat nicht unwichtig, wenn es darum gehen soll, rechten Anti-Kulturmarxismus-Ideologen eine deutlich ablehnende Botschaft zu vermitteln, wenn sie unter einem linken Artikel zur Kritik der postmodernen Political Correctness entweder versuchen zu provozieren oder versuchen dies zum Anlass für die Propagierung ihrer rechten Ideologie zu nutzen (oder beides).

        „Das hast du aber nicht getan. Ich zitiere: Da steht nicht „wenn dir klar wäre, dass sich bei konsistenter zustimmender Verwendung dieses Begriffs Implikationen ergeben, zu den u.a. Antisemitismus gehört usw. usf.“.
        Nein, du hast nicht eine Ideologie kritisiert, sondern einer Person deinen Begriff und deine Implikationen dieses Begriffs untergeschoben.“

        Erstens hat Luisman in seinem Kommentar selbst deutlich gemacht, dass er nicht einfach nur diesen Begriff verwendet, sondern auch die damit verbundene rechte Ideologie kennt und vertritt und zweitens lässt Luisman erst Recht in den Texten auf seinem Blog keinen Zweifel daran.

        „In der Tat. Und manche sehen es sogar mit Gründen anders, weil sie den Wechsel von Wortwahl, Satzbau etc. beobachten und daraus Folgerungen ziehen. Die auf sehr vielen Auswertungen beruhen.“

        Vielleicht sind deine „Auswertungen“ ja etwas oberflächlich und z.T. von persönlichen Projektionen/Übertragungen geprägt.

        „Nein. Es würde nur heißen „die sind so yesterday, da schreien sogar noch irgendwelche versprengten Stalinisten herum und versuchen, andere mundtot zu machen.““

        Erstens ist es, wie bereits erwähnt, sehr unwahrscheinlich, dass ein links-maskulistischer polemischer Kommentar zur Zurückweisung dieser rechten Ideologie überhaupt in einer feministischen, gegen die Männerrechtsbewegung gerichteten Propagandaschrift erwähnt wird, weil dies dem typischen negativen Bild, das in solchen Schriften versucht wird von Männerrechtlern zu konstruieren, diametral entgegensteht.

        Zweitens wäre es, wie gesagt, für die Männerrechtsbewegung m.E. vorteilhaft, wenn in einer gegen die Männerrechtsbewegung gerichteten Hetzschrift auch ein solcher Kommentar einbezogen würde, denn das würde inhaltlich dem Bild stark widersprechen, das gewöhnlich in solchen gegen die Männerrechtsbewegung gerichteten Propagandaschriften, versucht wird von Männerrechtlern zu vermitteln.

        Drittens bliebe dieser Vorteil auch dann erhalten, wenn der Kommentar dann tatsächlich mit irgendeiner abwertenden Äußerung versehen würde, denn das ändert ja nichts daran, dass der Kommentar inhaltlich das Gegenteil von dem vermittelt, wie Männerrechtler gewöhnlich in solchen feministischen Propagandaschriften dargestellt werden.

        Viertens halte ich deinen Satz: „die sind so yesterday, da schreien sogar noch irgendwelche versprengten Stalinisten herum und versuchen, andere mundtot zu machen.“ als Beispiel für einen Satz in einer solchen Propagandaschrift für wenig realistisch, Stalinismusvorwürfe gab es da noch nie.

        „Und deine 30-seitige Erwiderung, dass du Anarchist und nicht Stalinist bist, würde niemand lesen. Weil es keinen interessiert.“

        Ich schreibe gewöhnlich keine so langen Erwiderungen (30 Seiten), aber sollte es mal passieren, dass Kommentare von mir in einer gegen die Männerrechtsbewegung gerichteten Propagandaschrift falsch interpretiert oder falsch kontextualisiert würden oder dass meine Positionen dort falsch dargestellt würden, würde ich eventuell trotzdem einen kleinen Artikel schreiben, der diese Dinge richtig stellt, so dass für potentiell Interessierte eine Richtigstellung im Netz verfügbar wäre.

        „Nein. Er ist insofern sachlich, als dass eine beobachtbare Kommunikation mit einem sehr auffälligen Wechsel bei der Wortwahl etc. der Ausgangspunkt ist.“

        Die Frage, was dein Ausgangspunkt war, ist thematisch allerdings etwas anderes als die Frage, ob dein Kommentar (ich meine deinen ersten) sachlich oder polemisch war. Dieser war in Bezug auf mich klar polemisch und gerade kein sachlicher Kommunikationsversuch.

        „Und ich kann es bestenfalls putzig finden, wenn jemand sich so benimmt und dann wieder einmal ein höheres Gut – hier die arme Männerrechtsbewegung – zur Begründung funktionalisiert wird.“

        Ob du das „putzig“ findest oder nicht, sagt aber nichts über die Triftigkeit der Begründung aus.

        „Ich sehe nach wie vor nichts anderes darin als eine nachträgliche Rationalisierung eines Verhaltens, das eben nicht rational gesteuert ist, sondern auf Schlüsselreize reagiert.“

        Vielleicht funktioniert das Zusammenspiel von Vernunft und Emotion bei manchen polemischen Äußerungen auch komplexer als du so meinst.

        „Wir unterscheiden uns noch in weit mehr.“

        Hinsichtlich des genannten Aspekts nicht.

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