Feindbild Mann

Die linken Probleme mit Rechten von Männern

Blumentöpfe mit Kakteen und Penis
geschrieben von: Lucas Schoppe

Was für eine Zeitung ist das wohl?

Sie hat eine regelmäßige Kolumne mit dem Titel „Dumme schwarze Frauen“, die ein Chef vom Dienst schreibt. Dumme schwarze Frauen werden dort als ökonomische Trottel hingestellt – als dumpfe, vorurteilsgeladene Gestalten, die von simplen Emotionen und nicht von rationalen Überlegungen geleitet sind – als bestenfalls zweitklassige Menschen, die schon genetisch dumm seien – als egoistisch und selbstgerecht – als latent und real gewalttätig – als Menschen, die keine politische Macht haben dürften – und als Menschen, die sich das, was sie besitzen, von den anderen, wirklich produktiven Menschen „zusammengeklaut“ haben.

In der letzten Ausgabe wurde der Kolumnentext illustriert mit dem Bild des Geschlechtsteils einer schwarzen Frau, das skurril in einen Blumentopf platziert war und, zwischen anderen, stacheligen Blumentopfpflanzen stehend, ausgesprochen lächerlich aussah.

Würde dieser Kolumne aber Menschenfeindlichkeit assistiert, dann würde der Verfasser vermutlich darauf hinweisen, dass der Titel ja nicht behaupte, alle schwarzen Frauen seien dumm – er würde sich aber mit eben den schwarzen Frauen auseinandersetzen, die nun einmal offenkundig dumm seien. Ein Spiel mit Doppeldeutigkeiten, wie es nun einmal im rechtsradikalen Spektrum so typisch ist.

Aus was für eine Zeitung also stammt diese Kolumne? Aus einem brutalen rechtsradikalen Blatt von White-Supremacy-Rassisten? Oder vielleicht aus einem Porno-Magazin, das aus schwarzen Frauen einen Fetisch macht, schwankend zwischen Verachtung und Geilheit? Oder einfach aus einem verdrehten Spaßmagazin, gebastelt von ein paar Jungen in ihrer Hochpubertät, denen in ein paar Monaten vermutlich selbst peinlich sein wird, was sie da gemacht haben?

Tatsächlich erscheint die Kolumne regelmäßig in der berühmtesten deutschen Zeitung aus dem links-alternativen Spektrum, in der tageszeitung. Dass eine solche Kolumne dort möglich ist, verdankt sie einem einfachen Umstand: Sie richtet sich nicht gegen „Dumme schwarze Frauen“, sondern gegen „Dumme weiße Männer“ – abgesehen von diesem Umstand habe ich alle hier skizzierten Sachverhalte unverändert aus der taz übernommen.

Kekteen

Aus der Perspektive einer postmodernen Linken aber wird damit alles ganz anders. Schließlich richtet sich die so verachtungsvolle, regelmäßig erscheinende Kolumne Lalon Sanders nun nicht gegen marginalisierte und diskriminierte schwarze Frauen, sondern gegen Menschen einer vorgeblich privilegierten Gruppe.

Hier wird eben nicht akzeptiert, dass es gemeinsame Maßstäbe gibt, die alle Menschen gleichermaßen vor verächtlichen, denunzierenden, verhetzenden Darstellungen schützen. Schutz steht in diesem Denken den Marginalisierten zu, während ein Schutzanspruch der vorgeblich Mächtigeren als Instrument einer Herrschaftsausübung erscheint.

Der Text Wie die Linke herrschaftsdienlich wurde hat sich hier im Blog damit auseinandergesetzt, wie eine postmoderne Linke sich von wesentlichen Grundüberzeugungen einer klassischen modernen Linken entfernt hat – beispielsweise von der Überzeugung, Menschenrechte seien universell gültig und unteilbar. Damit lässt sich auch erklären, warum diese postmoderne Linke nicht in der Lage ist, Argumente von anderen Linken sinnvoll aufzunehmen, die spezifische Problemlagen von Männern betreffen – seien diese Männer nun weiß oder schwarz.

 

Von Menschen und Männern

Führerscheinentzug für unterhaltsverweigernde Väter: Regelmäßig machen Sozialdemokraten, so wie hier Manuela Schwesig und Sigmar Gabriel, mit negativen Bildern von Männern Politik. Es spielt nicht einmal eine Rolle, dass der Großteil der hier angegriffenen Väter das geforderte Geld gar nicht zahlen kann – und dass das Problem möglicherweise nicht in der fehlenden Zahlungsmoral der Väter besteht, sondern darin, dass eine Getrennterziehung ökonomisch eben deutlich prekärer ist als eine gemeinsame Erziehung von Kindern.

Unwichtig ist auch, dass es gerade die SPD war, die über Jahrzehnte Möglichkeiten der väterlichen Sorge rechtlich begrenzt und Vätern so signalisiert hat, dass ihre Verantwortung erlässlich ist. Solche Erwägungen würden die Klarheit der Freund-Feind-Muster stören, mit denen heutige Sozialdemokraten arbeiten.

Gleiches gilt für Schwesigs Kampagne gegen häusliche Gewalt, mit der sie männliche Opfer und weibliche Täterschaft ausblendet. Oder für die Parole aus dem sozialdemokratischen Grundsatzprogramm, die Männlichkeit und Menschlichkeit in einen Widerspruch bringt: Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden.

Bei den Grünen ist es eher noch gravierender. Dass Männer rundweg als potentielle Vergewaltiger dargestellt werden, ist für die Partei kein Problem. Die jahrelange sexuelle Gewalt gegen Kinder in ihrem Umfeld, begünstigt durch eine pädophilenfreundliche grüne Politik, wurde nach Angaben des Berichts der Berliner Grünen dazu auch deswegen lange nicht offen diskutiert, weil die Opfer vorwiegend Jungen waren.

In keinem dieser Fälle ginge es um männliche Vorrechte – es geht schlicht um allgemeine menschliche Rechte, die Menschen natürlich auch dann nicht vorenthalten werden sollten, wenn diese Menschen männlich sind.

Warum aber haben Linke solche Probleme mit den Rechten von Männern? Warum gar sollte der Einsatz dafür – wie in der No Hate Speech-Kampagne, die vom Familienministerium gestützt wird – als Hass denunziert und verächtlich gemacht werden?

men's rights

Gewiss: Allgemeine Menschenrechte garantieren noch keine soziale Gerechtigkeit. Erhebliche soziale und ökonomische Unterschiede, erhebliche Unterschiede in den Möglichkeiten der politischen Partizipation sind auch dann möglich, wenn Menschenrechte allgemein anerkannt werden.

Eine postmoderne Linke aber ersetzt menschenrechtliche Erwägungen durch eine simple binäre Herrschaftslogik, in der sich klischeehaft Herrscher und Beherrschte, Privilegierte und Diskriminierte, Dominante und Marginalisierte gegenüberstehen. Es erscheint dann als unproblematisch, die Rechte derer zu missachten, die zu der Gruppe der Mächtigeren gezählt werden können.

Ganz abgesehen davon, dass solche binären Zuordnungen der Komplexität einer modernen Gesellschaft ohnehin nicht gerecht werden: Menschenrechte allein reichen möglicherweise nicht aus, um eine soziale Ordnung sozial und ökonomisch gerechter zu machen, sie sind aber eine notwendige Bedingung dafür. Wer Menschenrechte missachtet, der unterstürzt damit keine soziale Gerechtigkeit, die über menschenrechtliche Grundsätze hinausginge – sondern er unterstützt eine repressive Politik und er legitimiert Unmenschlichkeiten.

kitchen

Eben in dieser Hinsicht sind die Veränderungen der tonangebenenden Linken in den letzten Jahrzehnten so groß, dass es richtig ist, sie idealtypisch als zwei unterschiedliche Gruppen zu beschreiben. Ich illustriere das einmal mit einer Anekdote.

 

Wo Erniedrigung nur halb so wild ist

Als ich vor einer Weile meine Mutter besucht habe, hab ich ihr auch meinen Text über die No Hate Speech-Seite gezeigt. Dieser Seite sind, mit Ausnahme des ersten, alle Bilder in diesem Text entnommen.

Meine Mutter ist seit über 50 Jahren SPD-Mitglied, so wie es auch mein Vater bis zu seinem Tod im letzten Jahr war. Sie hat sich über die Bilder auf der Seite unendlich empört und war angeekelt. Dies nicht deshalb, weil sie eine alte Frau ist, die mit hippen Internet-Memes nichts anfangen kann – sondern weil ihre eigene linke Haltung mit dem, was sie da sah, überhaupt nichts mehr zu tun hatte.

„alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“ – Das Marx-Zitat, das der linke Kommentator Crumar hier im Blog gebracht hat, passt, nicht allein für Kommunisten. Das war nach meiner Erfahrung tatsächlich einmal eine selbstverständliche sozialdemokratische Grundüberzeugung: Es könne nie und nimmer linke Politik sein, Menschen zu erniedrigen und Freude daran zu haben.

Die Beschreibung einer postmodernen Linken, die sich von einer modernen demokratischen Linken stark distanziert hat, erklärt zumindest zum Teil, warum die SPD von einer Volkspartei zu einer Klientelpartei abgesackt ist. Könnte zudem die Partei nicht, noch, aus ihren Traditionen leben, sondern würde sie allein an dem gemessen, was sie heute bietet – dann wären ihre Ergebnisse wohl noch viel schlechter.

Mir macht die Unterscheidung aber auch deutlich, warum linke Männerrechtler bei der heute tonangebenden Linken keine Chance auf Gehör haben. Linke Männerrechtler argumentieren konsequent im Menschenrechts-Register – und mit diesem Register können postmoderne Linke eigentlich nichts anfangen. Werden Rechte der Angehörigen einer privilegierten Gruppe verletzt, dann ist das für eine sie schlimmstenfalls ein formales, aber kein reales Problem.

calculate (3)

Arne Hoffmann hat in seinem „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“ eine ungeheuer umfassende, bedrückende Sammlung von Daten und Fakten vorgelegt und konsequent unter menschenrechtlichen Aspekten interpretiert – ohne jemals das Klischee zu bedienen, hier würde einfach ein Mann seine verlorengegangene Macht betrauern.

Die Berufung auf Menschenrechte ist bei einer postmodernen Linken aber ebenso hoffnungslos wie der Hinweis auf Tatsachen und Daten. Der Verweis darauf nämlich setzt eine Kommunikation voraus, an der alle gemeinsam und in gleicher Weise beteiligt sein können – im Sinne eines „herrschaftsfreien Diskurses“, dessen Bedingungen Habermas beschreiben hat.

In einer postmodern-linken Politik aber, die auf binäre Herschaftslogiken fixiert ist, gibt es eine solche Kommunikation nicht – die Perspektive der Opfer, der Beherrschten, der Marginalisierten müsse im Sinne einer emanzipatorischen Politik derjenigen der Täter und Mächtigen vorgezogen werden.

Dass wir uns unvoreingenommen mit Tatsachen auseinandersetzen müssen, um angesichts der realen Welt überhaupt erst einmal überlegen zu können, wie eine „emanzipatorische Politik“ aussehen könnte – das ist für postmoderne Linke gar nicht verständlich. Ausgeblendet bleibt auch, dass solch eine unvoreingenommene Auseinandersetzung Bedingung dafür wäre, dass wir überhaupt entscheiden können, wer Opfer ist und wer nicht.

Wenn postmoderne Linke die Äußerungen von Männerrechtlern nicht völlig ignorieren, dann interpretieren sie die nicht menschenrechtlich, sondern im Lichte ihrer eigenen Schemata einer binären Herrschaftslogik. Als würden – Mimimi – nun auch noch Männer die Position der Marginalisierten und Diskriminierten beanspruchen, die ihnen aufgrund ihrer Machtposition und ihrer Privilegien doch gar nicht zustehe.

nohatespeech_sexismus-privileg

Es geht also bei der Unterscheidung zwischen zwei sehr verschiedenen Spielarten der Linken, einer modernen demokratischen und einer postmodernen, nicht einfach um eine Ehrenrettung der Linken („Wir sind nicht alle so!“) – sondern es lässt sich damit tatsächlich einiges erklären. Zum Beispiel das gravierende Problem linker Männerrechtler mit der heutigen Linken:

Linke Männerrechtler argumentieren konsequent in der Logik einer modernen Linken, die aber für Vertreter einer postmodernen Linken überhaupt nicht verständlich ist.

 

Warum Männerrechtler nicht links sein dürfen

Die Kolumne Dumme weiße Männer, mit der dieser Text begann, bezieht ihre Wirkung nicht aus einem brachial-grenzverletzendem Witz, auch nicht aus einer doppelbödigen Ironie, mit der sie ihre eigenen Grobheiten unterlaufen würde. Die Texte sind weder witzig noch ironisch. Ihre Wirkung basiert allein darauf, dass hier eine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit offen und ungehemmt artikuliert wird, die ansonsten in zivilen Kontexten verpönt ist.

So ist denn die binäre Herrschaftslogik, die im Sinne einer Privilegientheorie Menschen sauber in die Gruppen der Herrscher und der Beherrschten, der Privilegierten und der Marginalisierten aufteilt, ein Instrument der Enthemmung – und auch ein Instrument der Legitimation sprachlicher und anderer Gewalt.

Das ist dann besonders skurril, wenn Akteure aus Ministerien, aus steuermittelfinanzierten Institutionen oder aus Massenmedien gegen Menschen agitieren, die in ihrer Freizeit in Blogs und Kommentarspalten mit begrenzter Reichweite ihre Meinung äußern. Solche emanzipatorischen Akteure treten zuverlässig nach unten, bilden sich aber ein, sie würden mit Mut und Risikofreude nach oben ausschlagen.

Eben für diese Möglichkeiten eigener Gewalt aber ist eine postmoderne Linke systematisch blind. Dass Menschen, die auch für die Rechte von Männern und Jungen eintreten, aus einer postmodern-linken Perspektive rituell als „rechts“ eingeordnet werden, hat wohl tatsächlich – wie das auch der Kommentator Alex hier im Blog vermutet – einen projektiven Charakter.

Psychoanalytiker beschreiben das als ein Zusammenspiel aus „Aufspaltung“ und „Projektion“: Die eigenen gewaltsamen, menschenfeindlichen, autoritären, repressiven, ja sogar faschistoiden Anteile nehmen postmodern linke Akteure nicht an sich selbst wahr, sondern finden sie bloß in denen wieder, die sie als ihre Feinde identifizieren.

Diese Projektion wiederum legitimiert jederzeit die Feindschaft. Gäbe es keine Männerrechtsbewegung, eine feministisch-postmoderne Linke müsste sie erfinden.

Daher ist es also auch völlig hoffnungslos, wenn linke Männerrechtler wieder und wieder im Register einer modernen demokratischen Linken argumentieren und sich darüber empören, damit gedankenlos und von steuermittelfinanzierten Stiftungen als „rechts“ dargestellt zu werden. Diese Zuschreibung wurzelt nicht in einem falschen, also korrigierbaren Eindruck von der Sache, sondern in erheblichen Projektionsbedürfnissen. Wer das allein mit Sachargumenten widerlegen möchte, argumentiert an der Dynamik dieser Bedürfnisse vorbei.

Nicht einmal eine Selbstbezeichnung wird Männerrechtlern dann gestattet. Postmoderne Linke verwenden für sie den Begriff der „Maskulinisten“, der von keinem der so Bezeichneten selbst benutzt wird. Der Begriff soll wohl unterstellen, es ginge Männerrechtlern nicht um Rechte, sondern bloß darum, besonders maskulin sein zu können.

Würden Feminismusgegner verballhornend von Femininistinnen reden, dann wäre das albern, kindisch und feindselig. Das betrifft ebenso den Begriff der Maskulinisten. In einer Dynamik aber, in der Männer von Vertretern einer postmodern-linken Politik als Projektionsfläche für die eigenen, uneingestanden repressiven und menschenfeindlichen Anteile benötigt werden, sind eigenständige Beiträge von Männern bedrohlich. Nicht einmal die Eigenständigkeit, sich selbst bezeichnen zu können, ist ihnen zu gestatten.

Beunruhigend ist das auch deswegen, weil die so verteufelte linke Männerbewegung eben gerade an den Überzeugungen einer modernen demokratischen Linken festhält, die für die Linke insgesamt unerlässlich sind, wenn sie nach der Klientelpolitik einer postmodernen Linken wieder eine Chance auf Mehrheitsfähigkeit haben will.

Dass aber sie selbst – und nicht die anderen – diejenigen sein könnten, die etwas dazulernen müssten und die etwas nicht verstehen, ist für postmoderne Linke unvorstellbar.

nohatespeech_sexismus-awkward (1)

Dieser Text basiert wesentlich auf einer Antwort auf einen Kommentar von Adrian und auf anderen Kommentaren zum letzten Text hier. Danke also an die Kommentatoren!

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14 Comments

  • Euer Problem: Ihr seid links.
    Ändert DAS. Das könnt Ihr ändern. Wenn Ihr wollt.
    Die „postmoderne“ Linke ändert Ihr. Weil sie es nicht will.

    • LOL. Dieser Vorschlag ist ungefähr so hilfreich wie wenn ich mich auf dem Weg von Hamburg nach München verfahre und mir dann ein Schlaumeier sagt: „Tja, Sie hätten eben zu Fuß gehen sollen.“ 😀

  • Vielleicht bin ich hier fehl am Platz, aber warum müssen diese ganzen Diskussionen so akademisch-kompliziert sein???? (nicht auf den Text oben bezogen) Geht es auch ohne die Millionen Verweise auf irgendwelche philosophische Literatur, und mit einfacherer Sprache, die ein 10-jähriger verstehen könnte?? Ich sehe das als Rationalisierung von etwas zutiefst Irrationalem: Der Opponent ist vollkommen entrückt.

    • @Max:

      »Geht es auch ohne die Millionen Verweise auf irgendwelche philosophische Literatur, und mit einfacherer Sprache, die ein 10-jähriger verstehen könnte??«

      Naja, ein Merkmal der Männerrechtsbewegung besteht ja darin, dass Menschen aus unterschiedlichen politischen Lagern plötzlich feststellen, dass sie bei diesem Thema übereinstimmende Diagnosen haben.

      Jetzt wollen sie (zum Glück) miteinander reden, stellen aber fest, dass sie in vielen Hinsichten immer noch ziemlich verschiedene Sprachen sprechen. Solange diese Leute jeweils unter sich sind, sind ihre Hintergrundüberzeugungen ruhende Sedimente auf dem Meeresgrund. Schwarzes Meer und Rotes Meer sozusagen.

      Aber die gemeinsamen Diskussionen auf den einschlägigen Blogs wirken wie eine große Schiffsschraube, die diese ganzen Sedimente zu einer großen Schlammwolke aufwühlt. Weil die Hintergrundüberzeugungen plötzlich nicht mehr so selbstverständlich sind, wie man das jeweils angenommen hat.

      Was dann auch schnell dazu führt, dass wegen eines kleinen Scharmützels nach und nach die ganze intellektuelle Armee aufs Schlachtfeld gezogen wird, weil man ja die Grundlagen klären muss.

      Beim gerade (wieder mal) aktuellen Reizthema »Kulturmarxismus« bist Du allerdings in der Mutter aller Schlachten zwischen die Fronten geraten. Wir sind nicht immer so schlimm.

      Ich hoffe, ich höre mich gerade nicht wie die Sendung mit der Maus an! 🙂

  • Vielen Dank Herr Schoppe.
    Meiner Ansicht nach gibt es zei Ursachen für den Angesprochenen Missstand.
    Zunächst das Problem des Linkssein an sich. Wenn man es ist, tickt man ideologiegesteuert, auch wenn man zu einigen Positionen eine distanzierte Sicht hat. Dennoch fliesst in alles noch eine wasnichtseindarfdaskannnicht sein Haltung ein. Man urteilt nicht nach vernünftig oder unvernünftig sondern nach rechts oder links. Ein Linker ist nie in der Lage eine völlig andere Sichtweise auch nur probehalber anzunehmen, um zu sehen, ob man so andere bessere Ergebnisse erzielt. Gewisse Grundsätze und überzeugungen werden nicht infrage gestellt, auch wenn sich Anzeichen finden lassen, dass diese nicht ganz stimmen können.

    So wäre für viele Mängel bei Väter und Kinderrechten eine gestärkte Familie sinnvoll und wünschenswert. Für Linke aber ist Familie bäh, rechts, muss zerstört werden. Seelenlose kulturlose und leicht beeinflussbare Kinder ohne Bindungen sind die Folge und offensichtlich gewünscht. Also wird per se alles verhindert und nicht diskutiert, was Probleme lösen könnte durch gestärkte Familien.

    Das zweite ist der ungeheure und ins absurde gesteigerte Schuldkomplex, den man weissen heterosexuellen Männern seit 70 Jahren einimpft. In Deutschland noch verschärft durch die unglückliche Geschichte von 12 Jahren die 1000 werden sollten.

    Man muss erstmal aus dieser Matrix heraus um frei urteilen und denken zu können. Schuld und Schock (durch zurkenntnisgenommene Gräuel z.B.) können eigenständiges Denken wirksam verhindern. Das Gehirn verweigert sich der Ungeheuerlichkeit und man denkt nicht mehr logisch und begründet. Die sogenannte Umerziehung, die bis heute fortgeführt wird und im erzieherischen Stil der Medienlandschaft deutlich wird, transportiert viele Unwahrheiten, von denen es einige sogar schon anerkannt aufgeklärt wurden. So wandelt sich laaaangsam das Bild zur Schuldfrage am 1. Weltkrieg. Die Siegergeschichtsschreibung beenden wäre der erste Schritt und offene Forschung zulassen. Dieser Knacks wird nicht leicht aus den Köpfen der Menschen wegzukriegen sein.

    • @Gereon:

      Sie drehen aber auch immer wieder dieselbe Gebetsmühle. Geschichtsrevisionismus, Siegergeschichtsschreibung, Umerziehung, Schuldkomplex. Da werde ich den Verdacht nicht los, dass Sie die Schuldfrage zum Zweiten Weltkrieg auch gern revidiert hätten. Zum Glück sind Sie in dieser Hinsicht ziemlich durchsichtig.

      • Es tut mir leid, aber diese Dinge hängen zusammen.
        Danke für Ihre kluge Analyse.
        Aber die irrationale Haltung, die Herr Schoppe aufzeigt, läuft auf diesen Schuldkomplex hinaus. Ich weiss das aus persönlicher Erfahrung, meiner eigenen Entwicklung und unzähligen Gesprächen, die ich geführt habe.
        Es kann so durchsichtig sein, wie es will oder Ihnen scheint, wenn ein ganzes Volk dadurch vor die Wand fährt (und die Probleme zeichnen sich ja deutlich ab, sie nehmen an Dynamik zui) dann sollte es möglich sein, darüber zu sprechen.

        Sie bestätigen mich, weil Sie erstens argumentieren als seien Sie in Besitz aller Fakten und erreichbaren Wissens und zweitens weil Sie eine vermeintlich oder tatsächlich ‚rechte‘ Position nicht überdenken oder annehmen können für eine Arbeitshypothese. Sie kommen aber auch nicht weiter, wenn Sie das nciht können. Das zeigt, das Vorhandensein der Probleme.

  • „Linke Männerrechtler argumentieren konsequent im Menschenrechts-Register – und mit diesem Register können postmoderne Linke eigentlich nichts anfangen. Werden Rechte der Angehörigen einer privilegierten Gruppe verletzt, dann ist das für eine sie schlimmstenfalls ein formales, aber kein reales Problem.“

    Das mit den Menschenrechten ist wohl der Kern des Problems. Ich stimme nicht zu, dass die postmodernen Linken mit dem Menschenrechts-Register nichts anfangen können. Ich glaube viel eher:

    Der weiße, heterosexuelle Mann ist für die gar kein Mensch (sondern in der Rangliste irgendwas nach der belebten und der unbelebten Natur), weshalb der Blödsinn mit den Menschenrechten hier offensichtlich gar nicht zur Anwendung kommen kann.

    Das erklärt, warum man in diesem Bereich bisher noch nie bei den postmodernen Linken mit Logik und Argumenten etwas erreichen konnte. Es erklärt auch, warum die postmodernen Linken beliebig auf Männer eindreschen können, ohne auch nur das geringste Unrechtsbewusstsein zu entwickeln. Es erklärt, warum über dieses Thema mit den postmodernen Linken noch nicht mal kommuniziert werden kann, denn dafür bräuchte es ein Minimum an gemeinsamer Weltsicht.

    Bleibt also nur noch, die alle in die Klapse einzuweisen.

    • @David

      Vor der Klapse hätte ich gerne eine Analyse! 😉

      Wir haben in mehreren Beiträgen den weiblichen/feministischen Narzissmus angesprochen, Alexander Ulfig hat einen längeren Beitrag dazu verfasst

      „Weiblicher Narzissmus, Männerhass und Frauenpolitik“
      http://alexander-ulfig.de/2016/04/09/weiblicher-narzissmus-maennerhass-und-frauenpolitik/

      an dem ich vieles richtig, allerdings manche Punkte hochgradig zweifelhaft finde, so z.B. den Rückgriff auf den „Penisneid“ – m.E. eine erledigte These.

      Bei diesem Rückgriff auf die Kindheit des Narzissten:

      „Es wurde bereits festgestellt, dass der Narzisst ein schwaches Selbstwertgefühl hat. Sein Leben ist durch Minderwertigkeitsgefühle, Selbstzweifel und Unsicherheit bestimmt. Doch gehen wir noch weiter in die Tiefe und fragen nach den Ursachen für sein schwaches Selbstwertgefühl.

      Sie liegen in der Kindheit, in der Erziehung, in der Sozialisation. Erhält das Kind von seinen Eltern oder anderen Bezugspersonen nicht ausreichend Interesse und Zuwendung, so fühlt es sich nicht angenommen, nicht akzeptiert. Wird es in seinem Tun nicht bestätigt, wird es z.B. für seine Leistungen nicht gelobt, sondern dafür getadelt oder schlecht gemacht, so reagiert es mit Frustration und Resignation oder mit Wut und Hass. Aufgrund der mangelnden Anerkennung entwickelt das Kind Gefühle des Versagens und der Minderwertigkeit.“

      würde ich in der heutigen Zeit des kindlichen empowerments und der schulisch/universitären „grade inflation“ eher meinen, das Gegenteil trifft zu.
      Vor lauter Lob selbst banalster Tätigkeiten und Fähigkeiten, die den vielen Einzelkindern zuteil werden, sind diese überhaupt nicht realistisch in der Lage, den eigenen Stand einzuschätzen.
      Wenn alle „special snowflakes“ sind und wenigstens ein „gut“ erwarten können, dann sollte ihnen wenigstens schwanen, dass solche Urteile wertlos sind.

      Meine These ist, die geforderten universitären „safe spaces“ sind der Ahnung geschuldet, in der gesellschaftlichen Realität zu scheitern, insofern diese andere, realistischere Maßstäbe anlegt. Früher hätte man gesagt, es handelt sich beim Aufenthalt an den Universitäten um die Verlängerung der Adoleszenz. Inzwischen – so mutmaße ich – wird die Pubertät verlängert.

      Was ich an den Bildern in Schoppes Text – die aus einer Web-Site entnommen sind, die vorgeblich Hass bekämpfen will – bemerkenswert finde, ist erstens der Sadismus, der dort offen zu Tage tritt. Und die dem Betrachter zugedachte Möglichkeit, ein legitimes Opfer für seine aggressiven bzw. sadistischen Impulse zu finden, weil sie ihm auf einem Silberteller präsentiert werden.

      „Du darfst hassen, verachten, entmenschlichen!“ – und man braucht noch nicht einmal eine jüdische Hakennase einzufügen.

      Zurück zum Narzissmus:

      „Warum ist der Narzisst sadistisch?

      Der Narzisst ist sadistisch, weil er gezwungen wurde, seine eigene Schuld und Selbstbestrafung, seine Selbstvorwürfe auf diese Art auszudrücken:

      Es ist sein „Superego„, welches unberechenbar, kapriziös, launisch, widersprüchlich, grausam, verurteilend ist. Und dabei ist es doch so makellos?
      Bestimmte interne Eigenschaften zu „externalisieren“ ist eine Möglichkeit, innere Konflikte und Ängste zu vermeiden, die natürlich durch die innere Aufruhr erzeugt werden.

      Der Narzisst projeziert seinen „inneren Bürgerkrieg“ und zieht jeden um sich herum in einen Strudel der Verbitterung, des Misstrauens, der Aggression und des Selbstmitleides.

      Die Beziehungen des Narzissten sind die Spiegelung seiner inneren psychologischen Landschaft: Er fühlt sich verdammt dazu, anderen anzutun, was er sich innen drin selber antut. Die äusseren Konflikte spiegeln seinen inneren Kampf wieder.

      Einige Narzissten sind subtiler als andere. Sie tarnen ihren Sadismus:

      Sie „erziehen“ ihre Partner und Angehörige ( zum Wohle der Zukunft, wie sie es präsentieren). Diese „Erziehung“ ist kompulsiv, besessen, besitzergreifend, überkritisch, scharf, gewaltsam und streng.

      Der Effekt diese „Erziehung“ ist, dass das Subjekt der erzieherischen Massnahmen ausgewaschen, ausgeätzt wird. Es wird kontrolliert, paralysiert und gedemütigt.“

      http://www.narzissmus.net/schuld-und-verantwortung-in-der-narzisstischen-beziehung/

      dies stammt aus einem Text, der sich mit Narzissmus in einer Beziehung auseinandersetzt.
      Hier wird m.E. ein schöner Gedankengang entwickelt, wonach die Pädagogik des Narzissten ein getarnter Sadismus ist. Finde ich überlegenswert.

      Auch Ulfig nimmt in seinem Text auf dieses partnerschaftliche Umfeld Bezug:

      „Besonders stark werden Kränkungen in partnerschaftlichen Beziehungen erlebt. Sie sind „das Kränkungsschlachtfeld schlechthin“.“

      Was mir dabei auffällt und was meine Theorie, es gäbe einen Femininismus (=bürgerlicher Feminismus, sorry, Lucas!) eher stützt, es werden Stück für Stück Gefühle und Verhaltensweisen aus dem Kontext familiärer und partnerschaftlicher Beziehungen auf alle gesellschaftlichen Bereiche ausgedehnt.
      Das passiv-aggressive Verhalten der weiblichen emotionalen Erpressung, narzisstisch-sadistische Erziehungsmaßnahmen – als ob die Gesamtgesellschaft nach Maßgabe einer Beziehung, Ehe, Familie zu funktionieren hätte. Mutti?

      Meine 2ct für heute!
      Gruß crumar

  • In einem Aufsatz der 2014 in der Zeitschrift Connection erschien, schrieb ich über Schwarmintelligenz im Zusammenhang mit Spiritualität. Ich könnte meine damaligen Betrachtungen ebenso auch auf die rot-grünen Spießer und Volkserzieher beziehen – Linke mag ich sie nicht nennen. Auch sie verhalten sich wie schwärmende Subjekte, immer fein aufeinander abgestimmt und stets als Schwarm abwehrend gegen eine feindliche Umwelt. In diesem Sinne schrieb ich nachstehende Überlegung auch voraussehend für Sie 😉 :

    „Während das Schwarmverhalten der Wanderheuschrecke erforscht ist, wissen wir von uns selbst noch nicht, ob eine vermehrte Serotoninausschüttung dafür verantwortlich ist, dass sich Menschenmassen im Stechschritt bewegen oder zum Public Viewing zusammenrotten. Jedenfalls sind Augenblicke gesamtgemeinschaftlichen Handelns auch euphorische Momente. (…) Aber vielleicht ist es in der Tat so, dass wir uns in der Masse wie Vögel im Schwarm nur an den nächsten sieben Artgenossen orientieren. Löst sich dieser „Wohlfühlkreis“ um uns auf, suchen wir sofort eine neue Anbindung, um die angenehme Stimulans gemeinsamen Erlebens aufrecht zu erhalten. Wir schaffen uns so in der anonymen Masse einen überschaubaren Kreis, gewissermaßen ein Stückchen Heimat im Pulk. Vorauseilender Gehorsam oder servile Anpassung sind im äußersten Fall der Tribut für derlei Hochgefühle. Das Leben im Schwarm verlangt eben nicht nur Selbstverneinung, sondern auch unbedingte Loyalität. Der Lohn ist Harmonie und Geltung. Wer sich jedoch darin nicht fügt, verliert seine Begleiter und empfindet sich als ausgestoßen.

    Demnach wäre es also grundsätzlich egal, welche Färbung der Schwarm hat, Hauptsache man schwärmt mit und Hauptsache, es sind genügend Gleichgesinnte in der Nähe, so dass der Echoraum aus sieben Korrespondenten erhalten bleibt. – Insofern ist auch jeder Versuch, sich mit Ideologisierten auseinanderzusetzen sinnlos. Ja, der Versuch der Auseinandersetzung würde ihnen nur zuspielen, denn er wäre eine Anfeindung, die sie zwingt, zusammenzustehen.

  • Heute ist der neueste Klops, den die SPD auf die Strecke gebracht hat in den Medien hochgekocht. Aber nicht aufgrund ihrer männerfeindlichen Haltung, sondern weil die BILD auf die Augenwischerei des Bundesjustizministeriums reinfiel und sich darüber empörte, dass nun alle Frauen Auskunft geben müssten, mit wem sie Sex hatten.
    Was sagt ihr zu dem neuen Gesetzesentwurf, der die Scheinväter nur noch 24 Monate Regressforderungen zuspricht und Kuckucksmütter weiterhin die Auskunftsverweigerung ermöglicht?
    https://kuckucksvater.wordpress.com/2016/08/29/augenwischerei-denn-kuckucksmuetter-muessen-weiterhin-keine-auskunft-geben/

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