Ghostbusters: Wozu ein Desaster gut sein kann

„Das Beste über Paul Feigs Ghostbusters-Adaption gleich vorweg: Die Fanboys werden den Film hassen.“ 

Andreas Buscher verrät hier in der Zeit nicht, was genau eigentlich eine solch gute Idee daran sein sollte, mit einem 160 Millionen Dollar teuren Remake eines Filmklassikers aus den Achtzigern dessen – meist männliche – Fans entschieden gegen sich aufzubringen.

Die hätten sich jedenfalls monatelang darüber beschwert, „dass in der Neuauflage ihres Kultfilms vier Frauen die Hauptrollen spielen“, hätten abermals gezeigt, dass die sozialen Netzwerke sich „zunehmend zur Kloake der freien Meinungsäußerung“ entwickelten, und hätten sich in den „Hassforen selbsterklärter Fans“ ausgetobt. Im Unterschied womöglich zu Ghostbusters-Fans, die offiziell vom Feuilleton der Zeit dazu erklärt worden sind.

Ähnlich Dietmar Dath in der Frankfurter Allgemeinen, für den die Kritik am Film „aus der militanten digitalen Gosse“ stammt. Gosse, Kloake: Es wäre bestimmt einmal eine lohnende Aufgabe für eine sprachwissenschaftliche Arbeit, die Wortwahl deutscher Journalisten bei der Darstellung des Internets zu untersuchen.

Ganz in diesem Sinne schreibt auch David Kleingers im Spiegel: Die Macher des Films hätten einen „beispiellosen Shitstorm“ erlebt, inszeniert von Menschen,

„die es offenkundig nicht ertragen, dass Frauen es wagen, mit ihrem angestaubten Jungenskram zu spielen“.

Für ihn ist dann der Besuch des Films gar eine politische Aktion:

„Bildet Kinoschlangen. Für die ‚Ghostbusters‘ – und gegen den hässlichen Spuk.“

Tom Caspar Boehme schließlich hat weder unnötige Angst vor unangemessenem Pathos noch vor allzu nahe liegenden Metaphern, wenn er in der taz klarstellt, „das Gespenst des Sexismus“ habe in den ablehnenden Äußerungen zum Film „sein hässliches Haupt erhoben“.

Spätestens seit dem letzten Mad Max-Film bin ich allerdings zurückhaltend damit, mich bei solchen Aussagen vertrauensvoll mitzuempören. Damals hatten amerikanische und europäische Journalisten, offenbar jeweils voneinander abschreibend, wütend darüber berichtet, dass Männerrechtler zu einem Boykott des Films aufrufen würden – weil es ihnen nicht passe, dass die weibliche Figur der Imperator Furiosa stärker wirke als der Serienheld Max.

Tatsächlich kam der Boykottaufruf von einer einzigen Webseite, die sich von Männerrechtlern deutlich distanziert und die sowohl frauenfeindlich als auch antisemitisch ist. Dort rief ein Autor zum Boykott auf, der den Film gar nicht gesehen hatte.

Da es aber ja tatsächlich albern ist, wenn jemand einen Film wütend grottenschlecht findet, den er nur aus Trailern kennt – da es aber auch nicht sonderlich klug ist, wenn jemand einen Film toll findet, nur weil er dessen Gegner für Deppen aus Kloaken hält – habe ich mir den neuen Ghostbusters erst einmal selbst angesehen.

Nach dieser Erfahrung ist mein Eindruck, dass ausgerechnet der musikexpress zu einem deutlich seriöseren, abgewogeneren Urteil kommt als die ehrwürdigen seriösen Zeitungen, die oben zitiert sind. Daniel Krüger distanziert sich dort von den Anfeindungen, ohne den Film deswegen unkritisch grandios zu finden: Ghostbusters sei ein „ganz und gar furchtbarer Film“, der „zwar eine große Marke bedienen (wolle,)  in seiner Machart trotz hohem Budget aber ein ganz kleiner Film“ sei.

„Und obendrein noch einer, der die extremen Debatten im Vorfeld der Veröffentlichung nicht verdient hat.“ 

Auch wenn ich das Urteil über den Film unbedingt richtig finde – die Debatte darüber finde ich so lohnend, dass ich glatt ein wenig in sie einsteigen möchte. Denn auch wenn der Pop-Film wohl ein ökonomisches und ganz gewiss ein künstlerisches Desaster ist, lässt ich gerade an diesem Misserfolg vieles zeigen, das über ihn hinaus interessant ist.

 

Geschichte eines verspäteten Erwachsenwerdens: Das Original

Das Original aus dem Jahr 1984 beginnt mit einer Szene, in der ein Dozent, offenbar in einer Universität, die paranormalen Fähigkeiten zweier studentischer Versuchspersonen testet und sie mit Stromstößen für Fehler bestraft. Er bestraft allerdings allein den männlichen Studenten, obwohl der manchmal erstaunlich richtig liegt – die unbedarfte, spirituell völlig unbedarfte Studentin verschont er, um mit ihr anbändeln zu können.

Der Mann, der hier als rücksichtsloser, egoistischer, unehrlicher und grenzverletzender Unsympath eingeführt wurde, wird dann nicht etwa den Regeln des Horrorfilms entsprechend für seine Amoralität bestraft – sondern als zentrale Figur des Films etabliert. Allerdings verliert Dr. Peter Venkman (Bill Murray) gleich darauf seine Stelle: Seine Forschungen auf dem Gebiet des Paranormalen sind der Universität zu unseriös.

Das ist auch für Dr. Raymond Stantz (Dan Ackroyd) ein Problem, der panisch-empört befürchtet, beide müssten nun vielleicht einen Job in der freien Wirtschaft suchen, wo sie am Ende noch tatsächlich echte Resultate vorlegen müssten.

Ein unsympathischer Hochstapler, ein unreifer großer Junge – und schließlich ein in seine Forschungen versponnener Nerd mit erheblichen Kommunikationsproblemen, Dr. Egon Spengler (Harold Ramis): Die Protagonisten des Originals werden als Personen eingeführt, die eine Rolle erwachsener Männer bestenfalls vortäuschen, aber nicht ausfüllen können – und die gleich zu Beginn des Films damit desaströs scheitern. Es ist also schnell klar, dass sie sich dringend weiter entwickeln müssen: Die Handlung beginnt damit, sie als erwachsene Männer gründlich zu zerstören.

Wenn sie schließlich erfolgreich sind, wenn sie sich als „Ghostbusters“ etablieren und am Ende die ganze Stadt, eigentlich die ganze Welt retten – dann sind sie schließlich eben die Männer, die sie zu Beginn nur mangelhaft vorgeben zu sein. Geholfen hat ihnen dabei Ernie Hudson (Winston Zuddermore), der später zu ihnen gestoßen ist: Pragmatisch und umsichtig agierend, sorgt er gleichsam für die Erdung, die seine Mit-Ghostbuster in ihrer Entwicklung so dringend brauchen.

Diese Geistergeschichte ist in ihrer Grundstruktur also eigentlich die Geschichte eines verspäteten Erwachsenenwerdens – und darauf beruht auch ihre Wirkung und ihr Identifikationspotenzial.

Die Traumfrau Dana Barrett (Sigourney Weaver) ist, ganz passend dazu, zu Beginn für den unreifen Venkman unerreichbar. Seine Annäherungsversuche sind ebenso hoffnungslos wie die ihres nerdigen Nachbarn (Rick Moranis), dessen unbeholfenes und chancenloses Verliebtsein ihre Unerreichbarkeit nur noch deutlicher macht.

Am Ende aber sind Venkman und sie ein Paar. Er hat sich nicht nur als erwachsener Mann, als Held erwiesen – er hat auch vielen Menschen tatsächlich geholfen, ist nicht mehr der egofixierte Unsympath der Eingangsszene.

Die Frau ist hier also wie eine Prinzessin im Märchen zugleich Göttin und Trophäe: Göttin, weil sie die Entscheidung trifft, dass Venkman sich ausreichend weiter entwickelt hat, um als ihr  Partner in Frage zu kommen – und Trophäe, weil ihre Nähe zugleich auch Belohnung für diese Entwicklung ist.

Im Unterschied zu den männlichen Protagonisten ist damit aber die Rolle der von Beginn an idealisierten Frau statisch angelegt. Es wäre daher sehr interessant gewesen, einmal zu sehen, wie eine solche Entwicklungsgeschichte aus einer weiblichen Perspektive aussieht.

 

Von männlichen Hosenschissern und vollkommenen Frauen: Das Remake

Das Problem des neuen Ghostbusters ist also nicht, dass er männliche durch weibliche Protagonisten ersetzt – sondern dass er zugleich das Geschlechtermuster des Originalfilms beibehält, dessen Kombination von Weiblichkeits-Idealisierung und Männlichkeits-Destruktion. Auf diese Weise nämlich stehen nun keine Männer mehr im Mittelpunkt, die sich dringend weiter entwickeln müssen – sondern Frauen, die eigentlich von Beginn an, jede in ihrer eigenen Weise, vollkommen sind. Nicht sie müssen sich entwickeln, sondern die Welt muss ihre Grandiosität erkennen: Das löst der Film ganz am Ende zwar auch ein, aber damit ist sein Grundmuster dann eben auch statisch, unbeweglich.

Ähnlich die männlichen Figuren des Films. Auch im Remake wird Männlichkeit gründlich destruiert, aber anders als im Original ist das nun nicht mehr nicht Impuls für eine dringend nötige Entwicklung – sondern lediglich Ausdruck eines trüben Ressentiments. Die Männer bleiben hier allesamt die Trottel, die Egoisten, die hohlen und rücksichtslosen Wichtigtuer, als die sie jeweils vorgestellt werden.

Auch Dr. Erin Gilbert (Kristen Wiig) verliert, wie Venkman, zu Beginn des Films ihre Chance auf eine Stelle an einer Universität. Anders als er ist sie aber tatsächlich eine brillante theoretische Physikerin, die sich erfolgreich mit der Verknüpfung von Relativitätstheorie und Quantenphysik beschäftigt. Allerdings verkauft sie sich schlecht, ist unsicher, gekleidet in ein biederes kariertes Outfit – und scheitert daran, dass ihr Dekan ein Buch über paranormale Forschungen  entdeckt, das sie vor Jahren gemeinsam mit Dr. Abigail Yates (Melissa McCarthy) veröffentlicht hatte.

Auch die verliert ihre Stelle an einer kleinen Hochschule – aber nicht, weil sie selbst infantil  wäre, sondern weil ihr Dekan es ist. Der ist im entscheidenden Gespräch kindisch darum bemüht, ihr, Erin und Dr. Jilian Holtzmann (Kate MacKinnon) möglichst viele unterschiedliche Versionen seines ausgestreckten Mittelfingers zu zeigen.

Während Abigail aussieht wie eine adipöse Hausfrau, aber eine brillante Wissenschaftlerin ist, wirkt Holtzmann verrückt, ist aber eine brillante Ingenieurin. Anders als der linkische Spengler aus dem Original ist sie zudem auch souverän und in ihrer Schrägheit jederzeit wach und präsent.

Patty Tolan (Lesley Jones) schließlich wird zwar, als Angestellte der U-Bahn, von den Fahrgästen notorisch ignoriert, ist aber lebenspraktisch, klug, mutig, street wise und kennt New York wie niemand sonst: Eine Figur übrigens, die ganz ohne Scheu vor lang vertrauten Schwarzen-Klischees entwickelt wurde.

Die Männer hingegen sind trottelig (Chris Hemsworth als Kevin Beckman, der desorientiert im Empfang der Ghostbusters arbeitet), sadistisch (Neil Casey als Rowan North, der böse Gegenspieler der Ghostbusters) oder egoistisch und wichtigtuerisch (der Bürgermeister, die Hochschuldirektoren).

So hat auch das Verhältnis von Männern und Frauen hier eine ganz andere Funktion als im Original. Dort war die Liebesgeschichte, in der die Handlung mündete, Konsequenz eines Entwicklungsprozesses. Im neuen Film ist Erin zwar von Kevin sexuell sehr angezogen, aber eine Liebesgeschichte ist hier aufgrund von dessen offenkundiger Dummheit ausgeschlossen – eine Bettgeschichte aber jederzeit möglich.

Wenn er es denn schafft, zum Bett zu finden.

So eignet sich Kevin denn auch nicht als Märchenprinz, nicht als Trophäe und schon gar nicht als Gott. Der Film kulminiert nicht in einer Liebesgeschichte zwischen Mann und Frau, sondern in der Bestätigung der Frauenfreundschaften, die grundsätzlich schon zu Beginn bestanden haben. Als Holtzmann dies am Ende in einer rührenden Rede betont, wirkt das wiederum so klischeehaft-aufgesetzt, dass auch Feig selbst wohl nicht recht wusste, ob er die Szene ironisieren oder ernst nehmen möchte.

Auch die Geistergeschichte ist im Vergleich zum Original nicht mehr motiviert. Die Begegnung mit Geistern und Dämonen ist allgemein ein Bild für die Begegnung mit Ängsten, wohl auch mit Gefühlen, die ein Mensch sich nicht zugestehen möchte. Das ist aber im neuen Film überhaupt nicht notwendig. Die Frauen müssen sich nicht auf eine Weise entwickeln, bei der sie auch ihren Ängsten begegnen müssten, und sie haben auch keine Gefühle, derer sie sich schämen müssten.

Zwar werden sie von einer infantilen, herrschsüchtigen Männerwelt in ihrer Brillanz verkannt, ausgegrenzt und lächerlich gemacht – aber selbstverständlich haben sie keine Rachebedürfnisse. Solche Motive sind hier Männersache: Rowan sieht sich ebenso wie sie als verkanntes Genie, möchte aber anders als die Frauen die Welt zur Strafe für deren Ignoranz zerstören.

Das Original lebte von einer Balance zwischen kindlichem Humor und Horror, für die der riesige Marshmallow-Mann am Ende ein einprägsames Bild war und in der sich die Entwicklungslogik des Films spiegelte. Der neue Film findet diese Balance nie. Er beginnt mit einer grauenerregenden Spuk-Szene, die für den Mann, der sie erlebt, gewiss tödlich enden muss. Wenige Film-Minuten später begegnen Erin, Abigail und Holtzmann ihm dann jedoch ganz selbstverständlich: Er hat überlebt, wie auch immer – statt das zu erklären, wird ausführlich deutlich gemacht, dass er sich bei seiner Begegnung mit dem Geist in die Hose gemacht habe.

Dies wiederum wird als ein so brillanter Gag präsentiert, dass die Beteiligten gleich eine ganze Reihe von Witzen dazu reißen. Hier wie in vielen anderen Szenen bin ich als Zuschauer unwillkürlich aus dem Film ausgestiegen und war mit dem Gedanken beschäftigt, ob den Schauspielerinnen ihre Rollen nicht unendlich peinlich gewesen sein müssen. Als cringeworthy wird so etwas im Englischen bezeichnet – was recht frei mit „hochgradig fremdschaminduzierend“ übersetzt werden könnte. Dass die Schauspielerinnen „sich sichtlich durch ein furchtbares Skript gequält haben“, wie Daniel Krüger schreibt, war ebenso auch mein Endruck.

Deutlich gewinnender als die Hauptdarstellerinnen agiert Hemsworth, der immerhin souverän und lässig mit einer Rolle umgeht, die auf die Bloßstellung seiner Figur hin angelegt ist.

 

Von der Feindseligkeit des Idealisierens

Es ist eben kein Frauenhass, der die Frauenrollen so undankbar macht, sondern eine haltlose, irreale Idealisierung, die den Figuren keine Entwicklungsmöglichkeiten zugesteht. Jede Entwicklung wäre ja nur eine Abweichung von der immer schon erreichten Vollkommenheit. Eigentlich sind alle vier Frauen damit bloß Abziehbilder, Illustrationen der für sich ja durchaus sympathischen These, dass auch Ü30- oder Ü40-Frauen, die gängigen Schönheitsidealen nicht entsprechen, Heldinnen sein und die Welt retten können.

So wie dem Film, im Vergleich zum Weiblichkeitsideal des Originals, das komplementäre Männlichkeitsideal fehlt, so fehlt ihm eben auch das Gegenstück zur Männlichkeitsdestruktion, mit der das Original einsetzt. Es mag ja sein, dass eine solche Destruktion weiblicher Figuren einige Regeln einer feministischen Korrektheit verletzt hätte, unmöglich aber ist sie heute im Film nicht.

Ein Beispiel dafür ist Woody Allens Film Blue Jasmine aus dem Jahr 2013, der das quälende Scheitern einer Frau vorführt. Sie ist in irrealen Selbstidealisierungen gefangen, kann sich aber gerade deshalb nicht weiter entwickeln und nicht pragmatisch agieren, lebt notorisch auf Kosten anderer und bricht schließlich komplett zusammen. Der Film macht eben die Entwicklungsfeindlichkeit von Idealisierungen zum Thema, zum Gegenstand der filmischen Reflexion, die im neuen Ghostbusters-Film stillschweigend und unreflektiert Grundlage der Handlung ist.

Im Unterschied zu den vier Schauspielerinnen in Feigs Film aber ist die schauspielerische Leistung von Cate Blanchett als Jasmine grandios. Im Mut zu ihrer Destruktion hat Allen eben ein Interesse an dieser Figur, das Feig bei seinen Figuren ganz abgeht, und das schafft auch einer Schauspielerin ganz andere Möglichkeiten.

So scheitert Feigs Film überhaupt nicht daran, dass er Männerrollen durch Frauen besetzt, oder am Hass seiner Gegner. Er scheitert eher daran, dass er die meisten Menschen kalt lässt – bis auf kleine Gruppen besonders Interessierter, die beispielsweise darüber räsonnieren, ob nicht alle vier Ghostbusters queer seien. Ansonsten sind nicht etwa hasserfüllte Demonstrationen das Problem dieses Films, sondern leere Kinosäle.

Tatsächlich scheitert der Film vor allem aber an seinem eigenen Desinteresse. Er ist desinteressiert am Original – das zeigt sich schon an der lieblosen, im Fall von Murray sogar demütigenden Weise, wie er die Original-Besetzung in Cameo-Auftritten vorführt.

Er ist desinteressiert daran, was die Fans – ob nun selbsterklärt oder nicht – so am Original mitgerissen hat.

Er ist desinteressiert an seinen Figuren und ihrer Entwicklung, und desinteressiert an einem schlüssigen Spannungsaufbau. Denn Spannung entsteht eben doch eher durch überzeugende Entwicklungsbögen als durch viele computeranimierte Geister.

Trotzdem ist das Scheitern dieses Unterhaltungsfilms nützlich, weil daran gleich in mehrfacher Weise etwas deutlich wird, was weit über ihn hinaus wichtig ist.

Politisch: Akteure einer postmodernen, feministisch inspirierten Linken verwechseln offenbar die eigenen starken Positionen in Medien, in staatlichen und staatlich-finanzierten Institutionen mit Mehrheitsfähigkeit. Tatsächlich ist ihr Problem gar nicht die entschlossene Gegnerschaft einiger Reaktionäre, sondern das achselzuckende Desinteresse vieler. Wer aber nicht daran interessiert ist, ob sich Geisterjägerinnen queer einlesen lassen, wird in diesem Film wenig finden, was den Besuch lohnt.

Die Freund-Feind-Muster, die auch den oben zitierten positiven Kritiken zu Grunde liegen, sind also für die Analyse dieser Situation einer postmodernen Linken völlig unangebracht – nützlicher wäre eine Auseinandersetzung mit der Frage, ob die eigenen Themen eigentlich für eine Mehrheit der Menschen überhaupt relevant sind.

Pragmatisch: Wer Menschen idealisiert, tut ihnen damit keinen Gefallen, weil er ihnen Entwicklungsmöglichkeiten verbaut und ihnen die Illusion vermittelt, nicht pragmatisch auf wechselnde, unerwartete Situationen reagieren zu müssen. Es ist eine Anleitung zum Scheitern.

Geschlechterpolitisch: Wer Männer verachtet, wird zwangsläufig auch Frauen mit Verachtung begegnen – auch wenn er diese Verachtung möglicherweise mit Idealisierungen übertüncht. Die Funktionen der Geschlechter sind so eng miteinander verwoben, dass sich geringschätzendes Desinteresse am einen mit wertschätzendem Interesse am anderen Geschlecht nicht verträgt. Wer also gegenüber Frauen wertschätzend agieren möchte, wird es auch gegenüber Männern tun müssen – und umgekehrt.

  1. Gut analysiert. Dein Hinweis auf Magda, die auch eine Rezension zu „Ghostbusters“ abgeliefert hat, war sehr freundlich. Magda spricht von einem unterhaltsamen Film mit lustigen Darstellerinnen und Knaller-Sätzen.

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  2. „Die Funktionen der Geschlechter sind so eng miteinander verwoben, dass sich geringschätzendes Desinteresse am einen mit wertschätzendem Interesse am anderen Geschlecht nicht verträgt. Wer also gegenüber Frauen wertschätzend agieren möchte, wird es auch gegenüber Männern tun müssen – und umgekehrt.“

    Könntest Du das näher erläutern? Warum glaubst Du, dass dem so ist? Und wie genau definierst Du Wertschätzung, Geringschätzung und Desinteresse?

    Antwort

    1. @ Adrian Es geht nicht um persönliche Präferenzen – da werden viele Menschen entweder Frauen oder Männer attraktiver finden, ohne dass das mit einer moralischen Abwertung des jeweils anderen Geschlechts verbunden sein muss. Ich hatte eher solch ein Zitat wie das verlinkte von Magda aus der Mädchenmannschaft im Kopf (deren Text, @ Quellwerk, m.E. die Unfähigkeit vieler heutiger Linker demonstriert, zumindest prinzipiell mehrheitsfähig zu agieren) :

      „Typen spielen eine untergeordnete Rolle bzw. werden meist eher als „trottelig“ dargestellt. Wieso werden trotzdem mindestens drei der Protagonistinnen selbstverständlich als Heten gelesen?“

      Dass alle Männer abwertend dargestellt werden, ist für sie völlig okay – aber dass dann trotzdem noch nicht alle Frauen lesbisch sind, empfindet sie als echtes Problem. Das meine ich mit Geringschätzung: Keine ganz persönliche Interesselosigkeit, sondern die Überzeugung, dass bestimmten Menschen einfach weniger zusteht als anderen – hier: an Empathie.

      Desinteresse wird da relevant, wo jemand sich EIGENTLICH für Menschen interessieren müsste. Das gilt auch für fiktive Figuren: Ein Regisseur müsste an der Geschichte seiner Hauptfiguren interessiert sein. Ist Feig hier aber nicht – für ihn sind dien Figuren, so mein Eindruck, einfach Illustrationen einer politischen These.

      Mit „Wertschätzung“ meine ich nicht allein persönliches Interesse an jemandem, sondern auch die Überzeugung, dass jemandem allgemein ein Mindestmaß an Empathie, an Anerkennung seiner Rechte etc. zusteht.

      Mir geht es also jeweils um allgemeine Überzeugungen, nicht um persönliche Präferenzen. Da die Geschlechter komplementär gebaut sind, kann eine missachtende Überzeugung – „Dem/Der stehen Menschenrechte nicht zu/steht Empathie nicht zu/etc.“ – nicht widerspruchsfrei formuliert werden, ohne auch die Überzeugungen im Hinblick auf das andere Geschlecht zu beeinträchtigen. Hier war für mich der Zusammenhang die abwertende Männerrolle auf der einen und die undankbare Idealisierung von Frauen auf der anderen Seite.

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      1. @Schoppe: Der Punkt, dass Missachtung eines Geschlechts auch Missachtung des anderen bedingt habe ich nicht so recht verstanden, halte ihn aber für so fundamental wichtig, dass ich die bitten würde, dass in einem eigenen Artikel ausführlich verständlich zu machen.

      2. Mir geht es auch so. Ich halte es für schwer, einleuchtende und überzeugende Gründe für dieses Argument zu finden. Es wäre aber sehr interessant, wenn dies ginge.

      3. „Mir geht es also jeweils um allgemeine Überzeugungen, nicht um persönliche Präferenzen. Da die Geschlechter komplementär gebaut sind, kann eine missachtende Überzeugung – „Dem/Der stehen Menschenrechte nicht zu/steht Empathie nicht zu/etc.“ – nicht widerspruchsfrei formuliert werden, ohne auch die Überzeugungen im Hinblick auf das andere Geschlecht zu beeinträchtigen.“

        Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.
        Mir persönlich ist die Komplementarität der Geschlechter zum Beispiel vollkommen egal.
        Wieso sollte sich daraus eine beidseitige Wertschätzung ergeben?
        Und wieso ist es ein Widerspruch zu sagen, Männer/Frauen sollten mehr Rechte haben, als Frauen/Männer weil…?
        Wieso ist es ein Widerspruch, ein Geschlecht zu bevorzugen?

      4. Abgesehen davon halte ich Geschlechter nicht für komplementär. Der Penis passt in die Vagina. Mehr nicht. Alles andere ist heterosexuelle Rationalisierung hormoneller Bedürfnisse.

      5. „Abgesehen davon halte ich Geschlechter nicht für komplementär.“ (Adrian) Das wäre ja schön. Ich glaube aber: Wenn wir eine Gesamtgruppe haben (Mensch) und die in zwei Gruppen unterteilen (Mann/Frau), dann werden die Eigenschaften, mit der wir die eine Gruppe beschreiben, komplementär sein zu den Eigenschaften der anderen Gruppe. Solange es eben Eigenschaften sind, die dazu dienen können, die Gruppen zu definieren – Frauen sind…, Männer sind…., etc.

        Eine Möglichkeit, das zu unterlaufen, ist tatsächlich, die Unterscheidung runterzuspielen. „Der Penis passt in die Vagina. Mehr nicht. Alles andere ist heterosexuelle Rationalisierung hormoneller Bedürfnisse.“ Das ist in meinen Augen eine sehr gute Perspektive.

        Mein Punkt war aber eben: Wer trotzdem eines der beiden Geschlechter mit Verachtung beschreibt, der spielt diese Unterscheidung eben nicht herunter, sondern macht sie so stark wie möglich und lädt sie sogar auch noch moralisch auf. Wenn er die Unterscheidung Mann/Frau auf Ressentiments baut (Frauen sind sozialer, Männer asozialer – Frauen sind klug, Männer dumm – Frauen sind konstruktiv, Männer destruktiv etc.), dann wird er BEIDE Geschlechter auf der Basis von Ressentiments beschreiben. Das beeinträchtigt dann auch dasjenige Geschlecht, dass dabei besser wegkommt, das als das edlere, fähigere etc. dasteht.

        Hier im Ghostbusters-Film finde ich deutlich, dass das besonders auf die Frauengestalten sehr negative Auswirkungen hat. Hemsworth kann mit seiner bescheuerten Rolle souverän umgehen, damit spielen – die Frauen aber sind allesamt dazu verdammt, als Abziehbilder eines besseren Menschseins durch die Gegend zu laufen.

        Umgekehrt haben wir das natürlich auch. Wer Frauen als schwach und unselbstständig beschreibt, Männer als stark und kompetent – der zeichnet zwar ein günstigeres Männerbild, begründet aber auch Vorstellungen, nach denen von Männern größere Leistungen erwartet werden müssten als von Frauen (was nur in einigen Bereichen, z.B. im Sport, legitim ist), dass Männer sich im Zweifelsfall für die schutzbesdürftigeren Frauen opfern müssten etc.

        Das Bild des „disposable male“ basiert nicht nur auf Männerabwertungen, sondern auch auf Männeridealisierungen – als Held, als pater familias, als Ritter, als Retter der Frauen etc.

        Ich schreib das, @ yx, gern auch einmal in Form eines Beitrags auf – im Moment komm ich nicht dazu (bin auf Klassenfahrt und nutze gerade zwanzig Minuten Pause, die ich zwischendurch habe 🙂 )

      6. @alle

        Auch ich bin von der „Komplementarität der Geschlechter“ überzeugt und sping dem LS mal zur Seite.
        Das mit der „Komplentarität“ ist aber kein Spezifikum gemischter Geschlechtlichkeit, sondern erstreckt sich auf jede menschliche Beziehung, die fürderhin als „tiefer“ empfunden wird, besonders Freundschaft. Statt Partnerin kannst du also schlicht Partner setzen, @adrian.

        Komplementär wird es immer dann, wenn Beziehungen ausgewogen sind und „ein Geben und Nehmen“ vorherrscht, mit allen positiven Attributen, durch die Beziehungen beschrieben werden: Offenheit, Ehrlichkeit, nicht auf den Mehrwert eines persönlichen Nutzen abzielend, etc pp. Umgekehrt können Beziehungen auch Einbahnstrassen sein, unausgewogen, ganz auf dem einseitigen Vorteil beruhend. Also alles das, was iA als unharmonisch, egoistisch und letztlich als schlecht angesehen wird. Im Grunde bedeutet Komplementarität schlicht Gerechtigkeit. Sie ist kein abgehobenes Ideal, sondern ganz pragmatisch die für beide Seiten bestmögliche inter-menschliche Erfüllung einer jeden Beziehung, natürlich auch der inter-geschlechtlichen.

        Übrigens hat die Elisabeth Badinter einiges Interessante zur „ursprünglichen“ und „neuen“ „Komplementarität“ geschrieben, zB in „Ich bin Du“. Vieles allerdings ist sehr spekulativ und mit der nötigen Prise Salz zu geniessen, trotzdem iA sehr lesenwert und treffend.

        Jetzt aber zu der von Lucas aufgeworfenen Grundregel, dass ideologisch motivierte Kollektivabwertungen (ebenso übrigens die unfaire Abwertung von Individuen durch andere Individuen) notwendigerweise mit der Geringschätzung und Abwertung des Eigenen einhergehen… (das wo ueps & Ben hachfragten, als er schrieb „Wer Männer verachtet, wird zwangsläufig auch Frauen mit Verachtung begegnen ….“).

        Anders gesagt und auf eine knackige Formel gebracht: die Entmenschlichung der anderen fängt immer mit der eigenen Entmenschlichung an.

        Lucas schrieb, dass diese „Verachtung möglicherweise mit Idealisierungen übertüncht“ wird. Das würde ich nicht für korrekt halten, denn die Tünche der (Selbst)-Idealisierung ist notwendige Grundbedingung sowohl für die Abwertung des Eigenen als auch des Anderen. Die Abwertung des Eigenen besteht, ganz allgemein gesagt, in einem falschen und unerreichbaren Idealbild. Dieses rückt an die Stelle der allgemeinen Menschlichkeit (und der damit immer verbundenen Komplementarität) zerstört diese und erlaubt es dann „den Anderen“ ungehemmt zu dämonisieren und zu entmenschlichen. Ganz charakteristisch dabei ist auch das Denunzieren und Bekämpfen der eigentlich eigenen Mitstreiter als „Verräter“ und Schlimmeres, auch bei den unerheblichsten Abweichungen von der Tünche der Selbstidealisierungen, die notgedrungen (da rein subjetiv recht wandelbar) zum Instrument des Repression und des Terrors wird. Das ist in allen modernen ideologisch orientierten Bewegungen so zu beobachten, am krassesten natürlich bei Kommunisten und Faschisten. Den „Urspung der totalitären Herrschaft“ (Anspielung auf Arendt) würde ich dementsprechend im individuellen unbedingt Rechthaben-Wollen verorten. Am Ende des Spiels bleibt immer der Alleinherrscher übrig, der alle Weisheit der Ideologie verkörpert, ganz wie ein antiker oder vorantiker Gottkönig.

        Wer Menschen idealisiert, tut ihnen damit keinen Gefallen, weil er ihnen Entwicklungsmöglichkeiten verbaut und ihnen die Illusion vermittelt, nicht pragmatisch auf wechselnde, unerwartete Situationen reagieren zu müssen. Es ist eine Anleitung zum Scheitern.

        Es ist schlimmer: es ist der Ursprung aller organisierten Bösartigkeit unter den Menschen.
        Wenn man sich entscheiden müsste, ob die Menschen „von Natur aus“ gut oder böse seien, dann müsste man sich für „gut“ entscheiden. Der Beweis: selbst die organisiert böse handelnden müssen sich immer einreden, das Gute zu tun, sonst läuft das nicht!

      7. „Das mit der „Komplentarität“ ist aber kein Spezifikum gemischter Geschlechtlichkeit, “

        Dann ist die Argumentation „Komplementarität der Geschlechter“ aber bereits ad absurdum geführt.

      8. @adrian

        „Dann ist die Argumentation „Komplementarität der Geschlechter“ aber bereits ad absurdum geführt.“

        Das ist aber keine richtige Schlussfolgerung. Diese Komplementarität hat nur keinen einmaligen Status und der Slogan ist insofern irreführend als er sich auf die Geschlechter als solche und nicht auf die Individuen bezieht. Wer den Slogan verwendet, wird wohl kaum im Hinterkopf haben, dass jeglicher Vertreter des einen Geschlechts zu einem bestimmten Vertreter des anderen unbedingt passen muss.

      9. „Wer den Slogan verwendet, wird wohl kaum im Hinterkopf haben, dass jeglicher Vertreter des einen Geschlechts zu einem bestimmten Vertreter des anderen unbedingt passen muss.“

        Dann sollte noch mal erklärt werden, was damit gemeint ist.

      10. „Dann sollte noch mal erklärt werden, was damit gemeint ist.“

        Hab ich doch schon gemacht: wenn zwei sich finden, dann ist´s auch immer komplementär. Sogar geschlechtsneutral.

      11. Zunächst mal sind die Geschlechter anthropologisch komplementär: sowohl hinsichtlich der Fortpflanzung als auch der geschlechtstypischen Tätigkeitsbereiche, für die sie evolutionspsychologisch disponiert sind.

        Im Sinne der von Lucas formulierten Kritik geht es meinem Verständnis nach aber um die Komplementaritätsideologie des bürgerlichen Geschlechtermodells. Es ist ja ein Märchen, dass der Feminismus das überwunden hätte. Was die feministische Männerverachtung hier betreibt, ist doppelbödig. Man kann die innere Logik dieser Ideologie so zusammenfassen: Männer werden groß, indem sie an ihren Aufgaben wachsen. Feministische Frauen werden groß, indem sie Männer klein machen, weil sie damit einen Unterlegenheitskomplex wettmachen, den sie sich beständig selbst einreden. Indem sie beständig unterstellen, sie würden von Männern klein gehalten, können sie ihr eigenes Wachstum immer nur auf Kosten des Mannes definieren.

        In diesem Sinne dienen Akte feministischer Männerverachtung der Bestätigung eines narzisstischen Größenselbst: »Ich bin so toll, weil Männer so scheiße sind!« Eine solche Sicht hält Frauen aber paradoxerweise davon ab, ihre Selbstbestätigung aus eigenständigen Leistungen zu beziehen, die des beständigen misstrauischen (und missgünstigen) Seitenblicks auf Männer gar nicht bedürfen.

        Das ist m. E. die Komplementarität, von der wir hier reden.

      12. Ergänzung:

        Man könnte auch versuchen, das evolutionspsychologisch rückzubinden: Männer sind dazu disponiert, ihre Wertschätzung aus Leistung zu beziehen, Frauen sind dazu disponiert, ihre Wertschätzung aus Wertschätzung zu beziehen. Was für Männer normal ist, trauen sie sich per Disposition weniger zu: sich in ihrer Selbstbewertung auf manifesten Erfolg zu beziehen anstatt auf die Wertschätzung anderer. Sie trauen ihren eigenen Erfolgen nicht. Wo Männer sich hemmungslos ihrer Erfolge rühmen würden, bleiben sie verunsichert. Feministin zu werden bedeutet, die Quelle dieser Verunsicherung auf den Mann zu projizieren.

        Der fundamentale Denkfehler des Feminismus besteht nämlich darin, dieses Komplementaritätsverhältis als hierarchisches Verhältnis zu deuten, d.h. also den historischen Sonderfall einer hierarchischen Geschlechterbeziehung zum anthropologischen Normalfall zu erklären. Das ist die Wurzel des feministischen Patriarchatsbegriffs, der obendrein sogar im Hinblick auf die historischen Sonderfälle schief bleibt, weil er die auch in Hierarchien fortbestehenden Komplementaritäten übersehen lässt – man unterschätze z.B. nicht den Grad, in dem die Erziehung eines Jungen zum muslimischen »Pascha« durch die Mütter erfolgt. Aber das ist ein anderes Thema.

  3. Eine Anmerkung, die die Analyse eher ergänzen als kritisieren soll:

    Der ursprüngliche Ghostbusters war nicht nur eine Geschichte einer Entwicklung von Unreif zu Erwachsen.

    Er war mindestens in gleichem Maße ein Loblied auf all die Nerds, die sich verspielt irgendwelchem sinnlosen Zeugs widmen. Ein Rückenklopfen für all die, die sich öfters ein „Mach nicht so was Sinnloses. Werd erwachsen“ anhören müssen.

    Denn – und das ist in meinen Augen der wesentliche Grund für den Erfolg des Films und seine immer noch existierende Fangemeinde – der einzige Grund, dass die Ghostbusters überhaupt in der Lage waren, die Welt retten zu können, liegt darin, dass sie sich die letzten Jahren intensiv mit dem „sinnlosen“ Quatsch beschäftigt hatten, der sie interessiert.

    Geister symbolisieren nicht nur Ängste und Gefühle, sondern – auf viel weniger intellektueller Ebene – alle Themen, die eines Erwachsenen nicht würdig sind. Die Geschichte könnte m.E. sehr ähnlich funktionieren, wenn die drei Schmetterlingssammler in kurzen Hosen wären, die eine Insektenplage abwehren. Geister waren in den post-StarWars-Tricktechnik-begeisterten 80ern aber natürlich cooler.

    Die Identifikation kommt dann aus der Wendung, dass die kindische Obsession sich als wichtiges Knowhow erweist. Das kennt vermutlich jeder Ingenjör, dass er sich mit Dingen beschäftigt, die ihm Spaß machen, ohne dass er sagen könnte, wofür die gut sein sollen. Von der Entwicklung des E-Mails heißt es z.B.: „Wirklich ernst genommen wurden die E-Mails damals nicht, wie einer der Mitarbeiter später in einem Interview mit der Zeitschrift Forbes gestand. Es wurde lediglich als private Spielerei von Tomlinson gesehen. So soll er gesagt haben: „Sag es niemandem! Das ist nicht, woran wir eigentlich arbeiten sollten.““

    Damit steht Ghostbusters in der Tradition von Märchen wie Dem Tapferen Schneiderlein und erzählt die Geschichte vom Helden, der keine Ritterausbildung hinter sich hat, aber gut ist in dem, was er macht. Balsam für die Nerdseele.

    Aus dieser Perspektive scheint mir die Konstruktion von Ghostbusters16 fast schon folgerichtig. Das Problem von Frauen ist ja nicht, dass ihnen Nutzlosigkeit vorgeworfen wird. Frauen sind keine Human Doings (schade, dass es dafür keine Übersetzung gibt).
    Der feministischen Überzeugung zufolge aber ist es das Problem kompetenter Frauen, nicht ernst genommen zu werden. Egal wie gut die Frau in respektierten Bereichen ist, die gläserne Decke macht ihr das Leben schwer. So die Legende.

    Es gibt Heerscharen von Nerds, deren Umfeld permanent ihre (scheinbare?) Nutzlosigkeit beklagt, denen Ghostbuster ein inneres Bretzelfressen ist. Siehe alle Artikel zum Peter-Pan-Syndrom.

    Es gibt es offensichtlich so gut wie keine kompetenten Frauen, die für ihre Kompetenz nicht geschätzt werden, welche sich allein deswegen mit den Heldinnen der Neuverfilmung identifizieren könnten.
    Natürlich hat „Alle halten mich für unnütz, weil ich mich mit Geistern beschäftige, aber ich zeigs ihnen, indem ich Geister besiege.“ eine zwingendere Logik als „Ich werde als Physikerin nicht respektiert, also zeige ich es ihnen, indem ich Geister besiege.“

    Aber Logik ist ja eh ein patriarchales, frauenunterdrückendes Konstrukt.

    Antwort

  4. chselzuckendes Desinteresse. Trifft es ziemlich genu, was ich gefühlt habe, als ich von dem Filmversuch das erste mal hörte. Es wr klar, das das wieder das frauenüberhöhende political correctness Ding wird, und noch bevor es den Trailer gab wusste ich im groben um Darstellungsmuster und Inhaltslinie.

    Es macht viel mehr Spass, die Analysen zu dieser problematischen und eindeutig erzieherischen Darstellung zu lesen. (Danke an dieser Stelle) .

    Diese erzieherischen Darstellungen folgen immer wieder klischeehaften stereotypen, gegen die ich inzwischen eine heftige Abneigung entwickelt habe, grade, weil man spürt, dass sie beeinflussen sollen.

    Die Bösen sind immer blond (ausser, sie wollen Versicherungen verkaufen)
    Frauen sind immer gut, wissen alles besser (obwohl unverstanden) und können alles aus dem Stand heraus. Sie sind immer unschuldig , Opfer, wenn Täterin, dann durch widrigste Umstände gezwungen, etc.
    Männer sind Trottel oder böse, wenn sie Helden sein dürfen dann immer nach einem bestimmten Muster des Ausehens und der Handlungsweise.

    Wenn solche Muster, und dahinterstehend Agemden feststellbar sind, sollte doch auch feststellbar sein, wer diese vorantreibt.

    Denn allein einem marodierenden Zeitgeist können sie nicht geschuldet sein.
    Für mich bleibt also schlussendlich die Frage:

    Wer will uns zu welchem Zweck das Hirn verdrehen?

    Antwort

  5. Einiges davon läuft auch unter „Galbrush Paradoxon“
    https://allesevolution.wordpress.com/2015/07/25/galbrush-paradoxon/

    Frauen als Verlierer/moralisch fragwürdig zu schreiben, die sich nach oben arbeiten, das scheitert daran, dass es selbst als Frauenabwertung erscheint.

    Was da genau reinspielt ist eine interessante Frage

    Antwort

    1. Schon viele Remakes waren Flops. Manchmal ist das Thema ausgelutscht oder der Witz überstrapaziert. Wie uns viele US-remakes von europäischen Geniestreichen zeigen, liegt der Fehler meist beim Regisseur oder Produzenten, dem es nicht gelingt das Genie, den Humor oder den Anspruch des Originals zu reproduzieren. Erst wenn der Film auf DVD und im TV erscheint wir sich sein Erfolg zeigen.

      Allein die Idee des Films schreckt wohl Frauen wie Männer ab ins Kino zu gehen.

      Antwort

  6. ein anderer Stefan 15. August 2016 um 8:47 pm

    Ich habe den Film nicht gesehen, und werde sicher kein Geld dafür ausgeben.

    Was ich aus den Kritiken herauslese: Der Neuaufguß versucht also den Topos der Heldenreise (Odysseus, GIlgamesch) mit dem Topos der verehrungswürdigen, gottgleichen Frau (Helena) in den Heldinnen zu vereinigen. Das muss scheitern, weil es die Protagonistinnen überlädt. Eine Heldenreise muss zwingend eine Entwicklung beinhalten. Die Protagonistinnen sind bereits „ausentwickelt“, ihre Umwelt erkennt das aber nicht. Das könnte auch ein interessanter Ansatz sein, wird hier aber verschenkt. Stattdessen wird hier (wohl) brachialfeministisches Ideologiekino („Die Männer sind immer schuld“) gezeigt. Das ist dann eher Propaganda als Unterhaltungskino. Und ganz ehrlich: Ich will keinen Film sehen, in dem die Männer nur als die dumpfen Idioten auftreten, deren Part es ist, den dunklen Hintergrund und bloßen Stichwortgeber für die Überheldinnen zu spielen, vor dem diese umso heller strahlen. (wer andere erniedrigt, um sich selbst zu erhöhen…) Warum sollte ich mir das antun?

    Es ist doch viel gewinnbringender für eine Geschichte, wenn die kleinen Gegenspieler auch valide Charaktere sind, und keine Projektionsfläche für boshaft-abwertende, platte Klischees. Eine Heldengeschichte mit starken Frauen? Klar, sehr gerne. Aber die interessantesten Helden sind immer die, die Schwächen und Brüche in sich tragen, und diese auch sichtbar werden lassen. Davon lebt ja z.B. die „Lethal-Weapon“-Reihe (und von jeder Menge flacher Gags natürlich). Und eben davon, dass die Helden sich entwickeln. Zur Entwicklung muss aber Raum da sein. Die „weltbeste Quantenphysikerin“ hat da wenig Potential, wenn sie auf Quantenphysik beschränkt ist.

    Eine satte Ironie ist es dabei, dass die Helena des alten Filmes ausgerechnet von Sigourney Weaver gespielt wurde…

    Antwort

  7. Ich hab den Film nicht gesehen und kann deshalb nur erklären, warum ich mir den Film ganz sicher nicht im Kino ansehen werde. Der Grund ist ein ganz einfacher: Er wird als feministisches Projekt beworben, als ein superdupi Frauenpowerfilm. Das törnt mich total ab. Dabei hab ich nichts, aber auch gar nichts gegen weibliche Helden. Sigourney Weaver war in den Alien-Movies ganz grosse Klasse. Es gäbe da noch andere positive Beispiele.
    Auf Superman folgt Supergirl. Auf Batman folgt Catwopman. Auf Ghostbusters folgt .. naja, das Remake. Sigourney Weaver in Aliens aber war keine weibliche Attrappe eines männlichen Helden, sondern von allem Anfang an ein weibliches Original.

    Antwort

  8. Das „happy end“ des Films besteht darin, dass der Oberschurke als Geist als eine Art „Ghostzilla“ die Heroinnen vor sich her treibt?

    Das fand der Reviewer (ein aufgeweckter youngster, „MrRepzion“ hier sehr schlecht:

    So, I Saw Ghostbusters – Review…
    http://www.youtube.com/watch?v=u9VCXnG8kn4

    neben dem erzwungenen Humor.

    Da wird man doch neugierig, ob der Film nicht das Zeug hat wenigstens unfreiwillig komisch zu sein und ein Kandidat für die „Goldene Himbeere“ etwa ist 🙂

    Insofern vielleicht doch aussehenswert?

    Manche Filme müssen ja erst „reifen“, besonders der Käse! Vielleicht versteht man den Film dann anders, als unfreiwilliges Selbstironie. Oder ist der Film am Ende gar eine subversive Kritik am Feminismus und daher als Anti-Film gedacht, der die aufgesetzte Lustigkeit als bewusstes Stilmittel einsetzt? Wenn der Film im Fernsehen kommt, sehe ich mir den mal an. Kann man ja im Notfall wegzappen 😉

    Antwort

  9. @alex: So etwas wie ein modernes „Plan 9 From Outer Space“ etwa? Glaube ich nicht, dazu ist der Film weder von der Regie, noch von Script in genügend hohem Maße vergeigt worden, das ist einfach nur normal schlecht gewesen. Wenn da nicht der (Anti-)Fem-Hype gewesen wäre, wäre das Ding ganz schnell in der Versenkung verschwunden und keiner hätte jemals mehr davon geredet – Tele5 hätte den vielleicht in ein paar Jahren im Rahmen der SChleFaZ-Reihe gezeigt und danach wäre der verstaubt und vergessen.

    Der Film ist nur durchschnittlich schlecht – alle Figuren sind platt wie nen Teppich, niemand kann sich entwickeln, die Story bewegt sich allenfalls wie ’ne Kontinentalplatte auf Valium. Selbst die CGI-Geister spielen den Cast locker an die Wand (allenfalls mit der Ausnahme Chris Hemsworth, wie bereits angemerkt) – und ich habe sowieso mehrfach den Eindruck gehabt, das Feig vor der Klappe einfach nur sowas in der Art „macht mal, Mädels“ gesagt hat.. Das einzig bemerkenswerte, was mir an dem Streifen aufgefallen ist (und was ich bis dahin für völlig unmöglich gehalten hatte): Es gibt tatsächlich eine Rolle, die Bill Murray spielen kann, die vollständig unlustig ist. Hollywood at its mediocrest, nothing more to see here, move on.

    Achso, das gerade war natürlich Hatespeech von einem alten, weißen, priviligertiem cis-hetero-Sack. Bitte direkt an IM Kahane melden.

    Antwort

    1. @sheepbutt

      Ja, eben so ein „Trash“, da steh ich insgeheim drauf.

      Der Massstab allerdings hängt hoch (oder tief, wenn man so will):

      http://www.youtube.com/watch?v=kj2uvp-rNyo

      Bei „durchschnittlicher Schlechte“ allerdings muss ich eher skeptisch sein. Hört sich alles nach einem billigen remake an, wie er leider allzu typisch geworden ist…. 😦

      Antwort

      1. @alex: Trash zeichnet sich definitionsgemäß dadurch aus, das das Gefälle zwischen dem Willen der Beteiligten, einem guten Film zu machen, und den tatsächlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten der entsprechenden Personen so gigantisch groß ist (meist auch noch im Zusammenspiel mit viel zu kleinen Budgets), das alleine dieser Fakt schon tragikomisch ist – Ed Wood als Regisseur ist dafür ein Paradebeispiel, auch jeder seiner anderen Filme gilt (zu recht!) als Trash. Wood hat nie Filme gedreht, weil er mußte, sondern weil er es als „Berufung“ sah, gar als unverstandener Künstler – und nie realisierte, das er jedesmal grandios scheiterte . Am Ende ist, um es deutlich zu sagen, die Liebe zum Trashfilm auch eine Art von Schadenfreude.
        Das aber stellt sich aber beim 2016er-Ghostbusters einfach nicht ein, weil da erkennbar nie ein Anspruch war, einen guten Film zu machen. Klar könnte man jetzt argumentieren, Feig’s gute Absicht war zu beweisen, das man einen Major-Blockbuster nur mit weiblichen Leads tragen kann, und ich bin der Meinung, dass dieser Fehlschlag zu guten Teilen an der lustlosen Regie liegt – aber nicht nur. Es funktioniert halt nicht, eine bereits bekannte Geschichte neu zu erzählen, und dabei einfach nur die Geschlechter zu tauschen, dazu muß man schon etwas kreativer sein. Definitiv also kein Trash, sondern nur mäßige Massenware, wie wir in diesem Jahr sicher noch jede Menge weitere Exemplare zu sehen bekommen.

      2. @sheep

        Soso, also wohl auch nicht abgeneigt 🙂

        Sicher ist ein unüberbrückbare Lücke zwischen Anspruch und Umsetzung bei Trash üblich. Aber ob das auf die (beschränkten) Mittel zurückzuführen ist? Den „Weissen Hai“, der einst als so Massstäbe setzend gefeiert wurde und der einst sehr teuer war, den sehe ich heute auch als Trash, obwohl der langweiligen Variante. Da sind die zahllosen Kopien schon besser und das liegt mE daran, dass man diese als unfreiwillige Parodien auf das Original verstehen kann. Und genau das scheint mir das wahre Geheimnis von „gutem Trash“ zu sein, dh der Grund für den Krampf der Zwerchfellmuskulatur. Über Hitchcocks „Vögel“ kann man nicht direkt lachen, aber über den Umweg oben verlinkt dann schon 🙂 Glaube nicht, dass es was mit Schadenfreude zu tun hat, das folgt eher dem normalen Humor in der Form (der immer erregt wird, wenn Anspruch und Wirklichkeit allzusehr klaffen).

        Deshalb hätten wir auch bei Ghostbusters II einen potentiellen Kandidaten: Kein Problem mit dem Budget, aber eine völlig unfähige Produktion, die unrealistische Ziele verfolgt (andersherum als in deiner Definition, vielleicht macht dies aber nichts). Bestimmt versucht er das Original zu zitieren, was wegen der notgedrungen verqueren Interpretation des Originals lustig sein könnte.

        Und wie schon gesagt: könnte nachreifen! Ich gebe ihm eine Chance, momentan fühle ich mich sogar ermutigt dafür ins Kino zu gehen (wird ja ohne Vorbestellung einen perfekten Platz geben).

        Ansonsten gehe ich seit einiger Zeit seltenst ins Kino…

  10. Ich gebe zu, dass ich den Film auch aufgrund des Frauenbildes nicht sehen will. Drei brillante Wissenschaftlerinnen, die aber ausgestattet sind, mit typisch männlichen Nerd-Allüren – sorry, das ist zweifach unrealistisch, das tue ich mir nicht an.
    Und dann noch die eine Sequenz, in der der eine Geist nur durch einen Schuss in die „Eier“ besiegt wird… Platt dämlich.

    Antwort

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