Gleichberechtigung

Herrn Prantls Probleme mit der Gleichberechtigung

Bild zeigt Waage mit einer Frau und einem Mann
geschrieben von: Lucas Schoppe
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Vor lange Zeit habe ich die Kommentare von Heribert Prantl  sehr gern gelesen, und sie waren für mich sogar ein Grund, die Süddeutsche Zeitung zu abonnieren – ein Grund neben dem legendären Kreuzworträtsel im freitäglichen Magazin, natürlich. Ich weiß nicht, ob ich selbst mich im Lauf der Jahre sehr geändert habe, oder ob Prantls Texte ganz anders geworden sind. Seit einigen Jahren jedenfalls verstehe ich nicht mehr, was mir daran einmal gefallen hat – ich finde sie nun oft pomadig, rechthaberisch, oberflächlich und klischeehaft.

Recht

Wer dieses Bild mit dem Begriff „Folter“ assoziiert, hat möglicherweise gute Gründe, bei Gelegenheit einmal seine Wahrnehmung zu überprüfen.

Mit einem neuen Text aber knackt er glatt das Niveau gedankenloser Aggressivität, das Lalon Sander in der taz doch eigentlich so beeindruckend unknackbar etabliert hat. Prantl schreibt über einen Gesetzentwurf zur Auskunftspflicht der Mütter von sogenannten Kuckuckskindern – und sein Text ist gleich in vielen Abschnitten so seltsam, dass sich ein näherer Blick lohnt.

 

Wie man eine Forderung des Verfassungsgerichts ignorieren kann, indem man sie erfüllt

Das neue Gesetz sei, so Prantl,

„ein Werkzeugkasten mit Folterinstrumenten, um die Mutter zu Auskünften über einen früheren Sexualpartner zu zwingen.“

Dass die Mutter natürlich nicht tatsächlich gefoltert wird, wissen hoffentlich alle, aber die Formulierung hat sich vermutlich einfach gerade angeboten. Die Mutter muss auch nicht wahllos Auskunft über ihr Sexualleben erteilen, nur weil ein eifersüchtiger oder wahlweiser lüsterner anderer Ex-Partner das gern so hätte.

Tatsächlich geht es um finanzielle Regressansprüche. Das Bundesverfassungericht hatte – was Prantl praktischerweise nicht erwähnt, weil er es im Unterscheid auf die Folter-Anspielung wohl irrelevant fand – das Justizministerium aufgefordert, eine gesetzliche Grundlage dafür zu schaffen, diese Ansprüche auch tatsächlich einklagbar zu machen.

Wenn nämlich ein Vater mehrere Jahre lang Unterhalt gezahlt hat, weil er glaubte, der leibliche Vater eines Kindes zu sein – und wenn er dann feststellt, das er eigentlich gar nicht der Vater ist – dann hat er theoretisch die Möglichkeit, das gezahlte Geld von dem Menschen einzuklagen, der eigentlich zur Zahlung verpflichtet gewesen wäre: vom realen Vater nämlich.

Das aber ist natürlich nicht möglich, wenn die Mutter die Information verweigert, wer denn eigentlich dieser reale Vater sei. Das neue Gesetz nun soll die Mutter auf Preisgabe dieser Information verpflichten – nicht, um die Neugier des Scheinvaters zu befriedigen, sondern um ihm eine Chance zu geben, seine berechtigten Regressansprüche auch durchsetzen zu können.

Das Justizministerium hat allerdings einige unscheinbare Schwierigkeiten eingebaut. Die Mutter ist nicht zur Preisgabe der Information verpflichtet, wenn diese für sie „unzumutbar“ ist. Das etabliert wohl einen logischen Zirkel: Denn dass es tatsächlich unzumutbar ist, den Vater zu nennen, kann die Mutter vermutlich in vielen Fällen nur dann belegen, wenn sie den Vater nennt. Das gilt etwa, wenn der Vater des Kindes ihr eigener Bruder ist – der „Geschwisterbeischlaf“ ist einer der Beispielfälle im Gesetzentwurf. Möglicherweise muss die Frau also in manchen Situationen einfach nur standhaft genug darauf beharren, dass die Weitergabe der Information für sie unzumutbar ist.

Zudem sind Regressforderungen nach dem Entwurf nur noch zwei Jahre rückwirkend einklagbar, und auch das ist nicht einsichtig. Schließlich ist es der Staat, der Gesetzgeber, der einen Scheinvater zur Zahlung verpflichtet hat. Wenn diesem Mann eben durch diese Verpflichtung nun unrechtmäßig ein Schaden entstanden ist: Warum sollte der Gesetzgeber dann nicht auch die Verantwortung dafür übernehmen, dass dieser Schaden in ganzem Umfang zurückerstattet wird? Warum sollte die Verantwortung willkürlich bei zwei Jahren enden? Der Scheinvater hatte schließlich auch nicht die Möglichkeit, willkürlich nach zwei Jahren seine Unterhaltszahlungen einzustellen.

Die Begründung, dass „gelebtes Familienleben“ nicht finanziell rückabgewickelt werden sollte, erscheint jedenfalls vorgeschoben – schon allein, weil in vielen relevanten Fällen Vater, Mutter und Kind niemals oder nur für begrenzte Zeit wirklich zusammenlebten. Max Kuckucksvater vermutet, wesentlich realitätsnäher, dass es eher darum geht, die Unterhaltsansprüche der Mutter an den realen leiblichen Vater nicht zu beschädigen – denn wenn dieser durch die Regressforderungen finanziell zu sehr belastet wäre, könnte das natürlich auch Auswirkungen auf den Unterhalt haben.

Prantl aber zeigt nun keineswegs, dass der Gesetzentwurf immerhin eine Aufforderung des Bundesverfassungsgerichts formal zwar erfüllt, faktisch aber unterläuft und ignoriert – das interessiert ihn überhaupt nicht.

 

Über das unbedingte Recht, andere Menschen für sich arbeiten zu lassen

„Vorlagen für Aggressionen“ liefere das Gesetz nämlich – so Prantl, und damit driftet er ins Absurde. Auch ein nichtehelicher leiblicher Vater ist zum Beispiel zu Unterhaltszahlungen verpflichtet – und in dessen ersten drei Lebensjahren nicht nur zu Zahlungen für das Kind, sondern im Falle einer Trennung auch zu Betreuungsunterhalt für die Mutter. Diese soll nämlich nicht unter Druck stehen, einer Erwerbsarbeit nachzugehen. Der Betreuungsunterhalt ist prinzipiell so hoch wie das vorherige Einkommen der Mutter.

Der Vater arbeitet dann also vermutlich Vollzeit, sieht sein Kind kaum, bezahlt Unterhalt für Kind und Mutter und lebt dabei dann selbst aller Wahrscheinlichkeit nach knapp über Sozialhilfeniveau. Warum sollte er nicht wenigstens Regressansprüche haben, wenn er dann auch noch erfährt, dass er gar nicht Vater des Kindes ist? Und: Wie kommt Prantl auf die seltsame Idee, erst durch diese Regressansprüche könnte eine solche Situation aggressiv aufgeladen werden?

Das Gegenteil ist richtig: Die Regressansprüche sind ein ziviler Weg, die Aggressionen aufzufangen, die in einer solchen Situation kaum vermeidbar sind.

Wenn die Mutter ihre Privatsphäre schützen und den realen Vater nicht nennen möchte, dann sollte sie allerdings die Möglichkeit haben, die Regressansprüche selbst zu bedienen. Sie könnte sich dann ja – ohne den Scheinvater über dessen Identität informieren zu müssen – das Geld vom realen Vater zurück einklagen. Ihr Unterhaltsanspruch ist schließlich real, sie hatte ihn nur an den falschen Mann gestellt.

Denn natürlich ist es zwar ein Gebot der Fairness, einem Vater, der jahrelang ein Kind für sein eigenes gehalten hat, die Identität des realen Vaters zu offenbaren – wenn er es denn wissen will. Eine rechtliche Grundlage dafür ließe sich aber wohl kaum begründen, wenn der finanzielle Schaden des Scheinvaters auch auf andere Weise ausgeglichen werden kann.

Prantl aber argumentiert nicht. Er sucht auch nicht, wenn er denn schon die Verpflichtung zur Nennung des realen Vaters pathetisch als „Folter“ darstellt, nach Alternativen dazu. Statt dessen vernebelt er die Situation.

„Wenn der Scheinvater mit dem Kind zusammenlebt oder zusammengelebt hat oder über eine Umgangsregelung eine sozialfamiliäre Beziehung zu ihm aufgebaut hat, ist es doch selbstverständlich, dass er mit zum Unterhalt des Kindes beiträgt oder beigetragen hat.“

Warum eigentlich sollte das „doch selbstverständlich“ sein? Ich habe beispielsweise einige Zeit nach der Trennung von der Mutter unseres Kindes mit einer anderen Frau zusammen gelebt. Sie war oft beim Umgang dabei, mein Sohn war oft in den Ferien bei uns, und sie hat eine gute, tragfähige, herzliche Beziehung zu ihm. Das ist wirklich schön, und für sie ist es natürlich nicht immer einfach, ein gutes Verhältnis zu einem Kind zu pflegen, das ich mit einer anderen Frau habe.

Warum, um Himmels Willen, sollte ich dafür auch noch finanzielle Ansprüche an sie stellen und erwarten, dass sie für meine Kosten der Kindessorge aufkommt – und das auch noch „selbstverständlich“? Der moralisierende Gestus des Textes verdeckt, dass das, was Prantl schreibt, einfach keinen Sinn ergibt.

Das gilt insbesondere für das Ende seines Textes, wo der süddeutsche Großkommentator rhetorisch fragt:

„Aus welchem Schaden soll sich ein finanzieller Rückgriff rechtfertigen: Aus verletzter Ehre? Aus Revanche gegenüber dem Rivalen?

Als ob das tatsächlich so rätselhaft wäre: Welche Motive könnte ein Mensch, der vielleicht um Zehntausende von Euro betrogen worden ist, denn wohl dafür haben, dieses Geld zurückzufordern? Schwierige Frage…. Wenn Prantl dabei tatsächlich nichts anderes als „verletzte Ehre“ oder „Revanche“ einfällt, stellt er sich erstens vorsätzlich blöd und fährt zweitens ressentimentgeladene Klischees auf.

Andersherum wird es klarer. Das Geld, das der Mann bezahlt, flattert ihm bekanntlich nicht ohne sein Zutun monatlich als patriarchale Dividende einfach ins Haus – er muss dafür arbeiten. Wenn er über Jahre bezahlt hat, geht es dabei in der Regel um Tausende von Arbeitsstunden. Welches Recht hat denn eigentlich eine Frau, einen Mann unter staatlichen Zwang so für sich arbeiten zu lassen – einen selbstverständlichen Anspruch zu erheben auf seinen Körper, seine Arbeitskraft, seine Erfahrung, seine Zeit und womöglich auch seine Gesundheit?

Wenn ein solcher Anspruch überhaupt gestellt werden kann, dann muss er sehr gut begründet werden – beispielsweise durch die Verpflichtung zur Sorge für ein Kind. Auch dies würde aber, übrigens, voraussetzen, dass Mann und Frau sich unter den Bedingungen gleicher Rechte darüber verständigt haben, wer für die direkte und wer für die finanzielle Sorge zuständig ist – und diese Voraussetzung ist unter den jetzigen gesetzlichen Bedingungen nicht gegeben.

Wenn zudem der Grund, den die Frau für ihre Ansprüche angegeben hat, gar nicht besteht – warum sollte sie sich dann nicht dafür verantworten müssen, auf die Arbeit des Mannes unrechtmäßig einen Anspruch erhoben zu haben?

 

Patriarch Prantl in der Zeitmaschine

Für Prantl aber besteht dieser Anspruch absolut – er beendet seinen Text mit der Forderung, dass der Gesetzgeber einfach alle Regressansprüche abschaffen sollte. Dass ein Mann rechtliche Ansprüche an eine Frau stellen könnte, erscheint hier als etwas irgendwie Unanständiges, Unehrenhaftes, das nur für Ärger und Zerwürfnisse sorgen kann – und das ganz gewiss allein in egoistischen Motiven des Mannes begründet ist.

Das ist ganz ähnlich argumentiert wie die Antwort, die gerade eine Jura-Professorin mit dem Schwerpunkt Sexualstrafrecht in einem Interview mit der taz gegeben hat. Dort wurde sie gefragt, ob es denn künftig strafbar sei, wenn eine Frau abends im Bett ihrem müde und offenkundig lustlosen Partner den Penis streichle. Tatjana Hörnle von der Berliner Humboldt Universität antwortete:

„Das Verhalten der Frau mag zwar den Tatbestand des neuen Gesetzes erfüllen. Aber ich bitte Sie, welcher Mann zeigt seine Partnerin nach einer solchen Situation an?“

Da schafft also ein neues Gesetz womöglich lauter neue Straftatbestände, die auch Situationen beinhalten, die kaum ein Mensch für strafwürdig erachten würde – es schafft auch viele Straftatbestände, nach denen Frauen gegenüber Männern womöglich der Vergewaltigung schuldig wären – aber für Hörnle löst sich das Problem ganz einfach: Ein Mann würde doch wohl seine Partnerin nicht ernsthaft wegen so was anzeigen, ich bitte Sie.

Mich als Laien hat es überrascht, dass eine Juristin so argumentiert. Wenn eine Handlung nicht strafwürdig ist, dann darf sie eben nach dem Gesetz auch keinen Straftatbestand erfüllen, und entsprechend muss das Gesetz dann formuliert sein. Es ist irrational, stattdessen darauf zu bauen, dass Männer, bitteschön, Frauen doch nicht anzuzeigen hätten.

Auch Prantl ist übrigens Jurist, war vor seiner Zeit bei der Süddeutschen als Rechtsanwalt, Staatsanwalt und Richter tätig  – und argumentiert doch genau so seltsam wie Hörnle. Er behauptet, der Gesetzentwurf führe zurück in eine Zeit, in der noch das „Schuld- und Zerrüttungsprinzip“ gegolten habe, zumindest in die frühen Siebziger Jahre also. Tatsächlich aber ist er es, der sich in eine ferne Zeit zurück argumentiert – nicht in die Siebziger, auch nicht in die Fünfziger, sondern mitten in die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts hinein.

Dass gleichberechtigte Männer und Frauen eben auch, auf gleicher Ebene, rechtliche Ansprüche aneinander haben und rechtlich voreinander geschützt sind – das erscheint bei Prantl als unehrenhaft, als Vorlage für Aggressionen und Revanchegelüste. Er steckt fest in der Zeit eines strikt asymmetrischen Verhältnisses, in einer erstarrten patriarchalen Bürgerlichkeit, in der Männer Frauen nicht ernst nehmen, sie nicht als erwachsene Menschen betrachten – aber dafür gern die Verpflichtung übernehmen, für sie zu sorgen.

Wenn Erwachsene sich aber, unabhängig vom Geschlecht, als Erwachsene begegnen, dann müssen sie auch mit der Möglichkeit rechnen, dass sie dem jeweils anderen Menschen Schaden zufügen können.

Bei der Auskunftspflicht der Frau geht es schlicht darum, dass sie daran mitwirken muss, den erhebliche Schaden, den sie jemand anderem zugefügt hat, auszugleichen. Wenn der Patriarch Prantl diese Erwartung an sie als „Folter“ hinstellt, dann belegt er damit unter anderem, dass er Frauen als erwachsene Menschen nicht ernst nehmen möchte.

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16 Comments

  • Diese seltsam irrationale Argumentationsweise, die grundsätzlich Männer in die Pflicht und Frauen in Schutz nimmt, begegnet mir mittlerweile allerorten. Lange Zeit war mir das gar nicht aufgefallen – bis ich dann irgendwann mal angefangen habe, eine Therapie zu machen und dabei insbesondere gelernt habe, mich von meiner Mutter emotional zu emanzipieren; indem ich ihre Verantwortung erkenne, ihre Fehler erkenne, ja: mir erlaube, wütend auf sie zu sein aufgrund der Verletzungen, die sie mir zugefügt hat. So wie ja jede Mutter (und natürlich auch jeder Vater) seinem Kind unweigerlich Verletzungen hinzufügt. Das war ein langer, schwieriger und schmerzhafter Prozess.

    Und seltsamerweise fällt mir nun überall auf, wie die Frau grundsätzlich in Schutz genommen wird. Wenn ich das sehe, dann drängt sich mir der Eindruck auf, dass diejenigen, die so argumentieren, nie gelernt haben, sich von ihrer Mutter zu emanzipieren, sie kritisch zu hinterfragen, sondern immer noch dem Reflex erliegen, sie – und damit die Frau im Allgemeinen – in Schutz zu nehmen, zu verherrlichen. Ihr nicht zuzutrauen, auch aus eigenem Recht Fehler zu machen, egoistisch zu sein, gar unehrenhafte Absichten zu haben. Es kann_darf nicht wahr sein, dass Frauen genauso fehlerhafte menschliche Wesen sind wie Männer. Das ist pathologisch.

    • Ein alltägliches Beispiel für die emotional so umsichtigen Frauen: Es ist recht selten, dass Frauen beim durchschreiten von Türen, der nachfolgenden Person die Türe aufhalten. Meistens lassen sie die Türe, ohne sich umsichtig zurückzuwenden, der anderen Person vor der Schnauze zufallen. Und wenn Sie einer Frau eine Türe aufhalten, haben Sie Glück, wenn Madam zu Ihnen danke sagt. Verallgemeinernd: Frauen beanspruchen Schutz, aber gewähren keinen Schutz.

      • @Matthias Mala:

        »Meistens lassen sie die Türe, ohne sich umsichtig zurückzuwenden, der anderen Person vor der Schnauze zufallen.«

        Ich glaube, das hängt auch vom Umfeld ab. In den modernen, international geprägten IT-Firmen, die ich von innen kenne, ist die Firmenkultur so stark auf zivilisiertes kollegiales Miteinander geprägt, dass keines der beiden Geschlechter und kein Angehöriger einer bestimmten Kultur als Rüpel oder Muffel dastehen will.

        Jack Donovan würde wohl sagen, dass wir alle wohlerzogene Sklaven mit leisen Stimmen sind, deren Pisse den richtigen Geruch hat. Die Frauen in diesem Fall auch. 🙂

      • Den gleichen Effekt hast du auch, wenn du einer Frau die Vorfahrt lässt. Dies ist kein Grund für sie, sich mal zu bedanken – denn in ihrem Empfinden scheint es ein natürliches Vorzugsrecht von Autofahrerinnen zu sein.

        Und auf ‚Revanche‘ braucht man da gleich gar nicht zu hoffen …

        Ähnlich verhält es sich auch mit dem s.g. „Man-Spreading“ und dem parken von Shopping-Einkaufstüten in den ÖVs, „Bag-Spreading“, oder Hunden die quer in den ÖVs liegen, weil sie Frauchen ja beschützen müssen („Dog-Spreading“).

        Sorry Lucas, war OT, passt aber dennoch ganz gut zum Kontext deines Artikels.

        Grundsätzlich liegt der Konstruktionsfehler dieses ganzen Themas im Gesetz selbst. Denn die Mutter müsste im Innenverhältnis den Schadensersatz an den vorgeschobenen Scheinvater leisten – im Außenverhältnis kann sie sich ja dann an den richtigen wenden. Dann bräuchte es übrigens auch keine weichen „Unzumutbarkeiten“ in der Regelung.

        Für Heribert Prantl wäre das dann wohl analog zur ‚Todesstrafe‘ …

      • Prinzipell stimme ich hier zu, auch bei dem Bsp mit der Vorfahrt. Auf der anderen Seite ist es aber auch so, ein Mann mit einem vollen Einkaufswagen lässt einen praktisch nie vor, wenn man selbst nur 2-3 Sachen hat, bei Frauen kommt das doch recht oft vor.

    • „Und seltsamerweise fällt mir nun überall auf, wie die Frau grundsätzlich in Schutz genommen wird.“ Das ist hier bei Prantl ganz sicher so. Ich selbst habe es in Beratungsinstitutionen, Jugendämtern bis zur Verzweiflung erlebt, wie gewaltig die Bereitschaft ist, mit einer Mutter mitzufühlen und sie auch vor der Verantwortung vor eigenen Entscheidungen zu schützen. Immer wieder, ohne nach dem Wohl des Kindes auch nur nebenbei einmal zu fragen.

      Meine Erklärung hat ebenfalls etwas mit der fehlenden Emanzipation von der Mutter zu tun. Ich habe den Eindruck, dass viele, ohne es zu bemerken, Mutter und Kind als Einheit wahrnehmen. Wer das tut, erlebt Kritik an der Mutter und Verantwortungszuweisung an sie so, als ob DAS KIND unter Druck gesetzt würde. Wer der Mutter schade, schade dem Kind.

      Es ist ja sehr auffällig an Prantls Text, dass der zwar eine Auskunftspflicht der Mutter als „Folter“ erlebt – dass aber die Folgen für das (tatsächlich, und nicht nur imaginär, schutzlose) Kind für ihn völlig unwichtig sind. Die erwähnt er nicht einmal. Dass dem Kind etwas getan wird, wenn die Mutter ihm den Vater verschweigt – oder wenn es seine Vaterschaft manipuliert: Das ist ihm völlig gleichgültig.

      Gleichgültig ist es wohl deswegen, weil das Kind gar nicht als eigenständiges Wesen wahrgenommen wird, sondern als Teil der mütterlichen Person. Die Mutter wird dsann als das eigentlich Kind wahrgenommen, als dessen gültige Repräsentantin in der Welt – deswegen erscheint es auch als rational, ihr keine erwachsene Verantwortung zuzuweisen, obwohl das doch gerade bei ihr so wichtig wäre – und das reale Kind selbst verschwindet gleichsam.

      In diesem Sinne finde ich Prantls Wahrnehmung der Situation regelrecht pathologisch.

      • „und das reale Kind selbst verschwindet gleichsam“

        Da muss ich – als Sohn einer Alleinerziehenden – direkt daran denken, dass Alleinerziehende zwar in aller Munde sind, es für deren Kinder aber noch nicht einmal ein Wort gibt. Das ist doch bezeichnend.
        Man liest ständig, wie schwer es die Alleinerziehenden haben. Man liest so gut wie nie darüber, wie schwer es deren Kinder haben. Und zwar natürlich nicht nur deswegen, weil sie nur ihre Mutter haben, sondern manchmal halt auch genau wegen dieser Mutter.
        In stabilen, „klassischen“ Familienkonstellationen gibt es mit dem Vater ein Korrektiv für die Mutter. Bei Alleinerziehenden sind die Kinder deren Launen unmittelbar ausgesetzt und haben niemand anderen, an den sie sich wenden könnten.

      • @Der nachdenkliche Mann

        „Man liest ständig, wie schwer es die Alleinerziehenden haben. Man liest so gut wie nie darüber, wie schwer es deren Kinder haben.“

        Möchte hier jemand andeuten Frauen könnten schlechte Mütter sein? 😀

        „In stabilen, „klassischen“ Familienkonstellationen gibt es mit dem Vater ein Korrektiv für die Mutter. Bei Alleinerziehenden sind die Kinder deren Launen unmittelbar ausgesetzt und haben niemand anderen, an den sie sich wenden könnten.“

        Ich würde sogar weiter gehen. Vergleicht man die „Aufzuchterfolge“ von allein erziehenden Müttern und Vätern, dann springt einem die relative Unfähigkeit der Mütter ins Auge (Knast, Drogen, Arbeitslosigkeit, höhere Scheidungsrate usw.), während die Väter nur ein wenig schlechter als das klassische Modell abschneiden.

        Daraus folgere ich:
        -Frauen sind für die frühkindliche Aufzucht optimiert wegen
        -Milchdrüsen
        -bessere Farberkennung (für Früchte/Nahrungs-Auslese)
        -Präferenz für soziale/versorgende Tätigkeiten
        -und sollten daher die Hauptverantwortung für das Kind bis zum siebten Lebensjahr tragen

        -Männer haben ein realistischen Blick in die Welt (Beweis, der 360° Blick in die Welt) weshalb sie die Hauptverantwortung für ein Kind übernehmen sollten wenn sie anfangen zu Pubertieren (ca.11 Jahre alt)

        Die Verantwortung zwischen den Jahren sieben und elf aufgeteilt.

  • Hat dies auf kuckucksvater rebloggt und kommentierte:

    Lucas Schoppe ist für seine herausragenden Analysen bekannt. Sein Talent die Dinge nüchtern auf den Punkt zu bringen und den Kontext in dem sie stehen herauszukristalisieren ist bemerkenswert. Sein Blog man-tau.com gehört aus guten Grunde zu meinen Lieblingsblogs.

    Nun zu seiner Analyse des Artikels der Süddeutschen, in dem Herr Prantl uns Scheinvätern u.a. Rachsucht unterstellt.

  • „“..„Das Verhalten der Frau mag zwar den Tatbestand des neuen Gesetzes erfüllen. Aber ich bitte Sie, welcher Mann zeigt seine Partnerin nach einer solchen Situation an?“..““

    Eine bemerkenswerte Aussage. Der Mann handelt also vernünftig, weil er erkennt, dass eine Klage in diesem Fall lächerlich wäre. Und die Frau? Ist das Sexualstrafrecht von vornherein nur erweitert worden, um Frauen im Falle eines Konflikts mit dem Ehemann/Lebenspartner Repressionsmittel in die Hand zu geben? Die Korruption des Rechts durch feministische Politik ist einfach nur noch widerlich.

  • „Er (Prantl & Cie) steckt fest in der Zeit eines strikt asymmetrischen Verhältnisses, in einer erstarrten patriarchalen Bürgerlichkeit“ ……., die heute allgemein „Feminismus“ genannt wird.

  • Ob in der Zeitung, oder dem Gericht, Gynozentrismus zeigt sich zu fast jeder Gelegenheit. Dies hat jedoch weniger mit verschiedenen Ideologien zu schaffen, Gynozentrismus ist uns von der Evolution in die Gene geätzt worden. Dieses natürliche Verhalten befördert selbstverständlich eine „Überverantwortung“ beim Manne, sowie ein „Unterverantwortung“ bei Frauen, da Frauen einerseits häufig wie Kinder behandelt werden, und Frauen diese Behandlung oft genug auch einfordern. Hier sei die Spinne im Bad als Anekdote genannt. Frauen sind demnach in einer ambivalenten Position. Einerseits müssen sie härter für wahrhaftige Anerkennung kämpfen, andererseits wird ihnen ein inhärent höherer Wert als selbst Kindern frei Haus zugestanden. Ich verweise auf die Titanic.

    Meine grobe Kritik an der (deutschen) Männerrechtsbewegung ist deren Ignoranz gegenüber biologischen Tatsachen, bei gleichzeitiger Versteifung auf den ideologischen Gegner. Es wird versucht ein Spiel zu reparieren, nur müsste man dafür die menschliche Natur umschreiben.

    Beispiel Sexualstrafrecht. Der Gesetzestext ist, so weit möglich, neutral gehalten. Dennoch werden Männer reingeritten und Frauen mit einem Klapps abgespeist. In einer Welt, in der ein neutraler Gesetzestext nicht verhindern kann einem ehemaligen Jungen, nun jungem Mann, der von seiner Lehrerin verführt wurde, Kindsunterhalt für seine, dem Gesetz nach, Vergewaltigerin blechen zu lassen. Man stelle sich vor, ein Lehrer, der seine Schülerin Gesetzeswidrig schwängert, stellt Unterhaltsansprüche sobald sie ihr achtzehntes Lebensjahr begonnen hat. Juristisch/Rechtlich kann man als Aktivist nicht mehr viel machen. Unabhängig von der abstrahierten Welt der Philosophie und Moral, der Gynozentrismus schützt Frauen und lässt Männer fallen. Da sind sich Femis, Konservative, links, rechts und unpolitische Normies alle ohne ein Gespräch miteinander einig. Die Integrität des güldenen Uterus wird unter allen Umständen gewahrt werden.

    Die Frage ist nun, wie gehe ich mit meiner Dehumanisierung um? Viele Männer sind ja auch noch stolz auf ihre Rolle als Arbeitspferd. Und selbst jene die unglücklich in ihrer Lohnsklaverei sind, lassen sich nichtsdestotrotz einspannen, zum arbeiten, kämpfen und sterben, getrieben von Bedürfnissen welche ihren Ursprung in der Libido haben. Diese Bedürfnisse (Karriere, Familie, Anerkennung) nehmen die meisten Männer in „Geiselhaft“, und lassen sie gute Miene zum bösen Spiel machen. Aber wenn mir die Regeln eines Spieles nicht gefallen, dann spiel ich nicht mit.
    Ich habe der Gesellschaft meinen produktiven Rücken gewandt. Ich gebe ihnen nichts, und nehme so viel es geht. Wenn ich Kinder haben möchte, dann über Leihmutterschaft.

    Alles gute

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