Männer

Jammer-Männer und Friedens-Frauen

Bild zeigt Soldatenfriedhof
geschrieben von: Lucas Schoppe

Wie der Dialog der Geschlechter an die Wand gefahren wurde

Zweiter Teil

„Diese Gesellschaft braucht keine Jammer-Männer.“ Das schreibt Martin Rosowski, Vorsitzender des Bundesforum Männer, in einem Beitrag in der Zeit, in dem er sich mit ganz ähnlichen Themen beschäftigt wie denen des letzten Blog-Eintrags.

Der Vorwurf  knüpft an traditionelle Männerbilder an. Zum Ideal des soldatischen Mannes passt das Jammern zum Beispiel gar nicht: „Well, I don’t wanna be a soldier, mama, I don’t wanna die“, singt John Lennon zum Beispiel im Jahr 1971 auf seinem Imagine-Album.

Rosowski beschreibt – als wüsse gewiss jeder, wen er damit meint –

„diese jammernden Männer, die sich von den Frauen speziell und der Weiblichkeit (letztendlich in ihrer Wahrnehmung des Feminismus) an sich unterdrückt fühlen“.

Er unterstellt, Männer würden in heutigen Debatten gleichsam ein Spiegelbild zum Feminismus etablieren wollen – ein Bild, in dem eben nicht Frauen, sondern Männer das unterdrückte Geschlecht seien.

cimetiereus_allees

Colleville-sur-Mer, ein US-amerikanischer Soldatenfriedhof in der Normandie Quelle

Damit entgeht Rosowski, dass Männer schon lange, und unabhängig vom Feminismus und seiner Kritik, Möglichkeiten der Veränderung durchspielen, die mit Unterdrückungsszenarien gar nichts zu tun haben. Lennon ist dafür nur eines von vielen Beispielen, wenn er sich von traditionell männlichen Tätigkeiten distanziert oder sich als Mann präsentiert, der früher seiner Frau gegenüber gewalttätig gewesen, nun aber geläutert sei. (Getting Better)

Gerade dann allerdings, wenn er an feministische Ideen anknüpft (Woman Is the Nigger of the World), stellt Lennon sich als Mann in einer Doppelrolle da: Als Täter und Unterdrücker, der seine Schuld bekennt – und zugleich als Kind, das sich entwickeln möchte und dabei die Partnerin als Mutterfigur verehrt. Der vorangegangene Text endete also mit zwei Fragen:

Wie war es möglich, dass ein solch ungleiches, unpartnerschaftliches Verhältnis zwischen Mann und Frau als neues Ideal, als Weg in eine schönere Zukunft erscheinen konnte?

Warum aber hat sich das einseitige Geschlechterverhältnis in den folgenden vier Jahrzehnten – zumindest, was seine Repräsentation im Lichte feministischer Politik betrifft – nicht zu einem Verhältnis der Gegenseitigkeit hin entwickelt, sondern sich beständig weiter betoniert und zugespitzt?

 

Gebrauchte Männer

In seiner 1977/78 erschienen, längst zu einem Klassiker avancierten Männerphantasien assoziiert Klaus Theweleit Männlichkeit und Faschismus miteinander und interpretiert beide als erstarrte Ordnungen, die sich abschotten gegen das, was ihnen fremd und feindlich erscheint. Theweleit kann diesen Vorwurf an die Männlichkeit auch deshalb über Hunderte von Seiten aufrecht erhalten, weil er seinerseits störende Informationen ausblendet. Hier im Blog war das schon einmal Thema: 

„Fast prototypisch haben die erfolgreichsten jungen Schauspieler hier androgyne Züge. James Dean spielt mit einer bis heute enormen Intensität zwischen nervöser Hypersensibilität und selbstbewusster Stärke, Montgomery Clift wirkt scheu, zart, zurückhaltend, Marlon Brando changiert zwischen Machismo und Weichheit. In der Musik inszeniert sich Elvis Presley den Blicken anderer als männliches Sexobjekt und ironisiert das zugleich. Chuck Berrys bis heute immenser Einfluss überwindet in der Musik spielend Rassengrenzen, während das Civil Rights Movement im Busboykott von Montgomery gerade erst beginnt.  Little Richard jongliert mit Travestie-Elementen. Buddy Holly wirkt wie ein sechzig Jahre zu früh geborener Nerd, tritt linkisch und mit großer Brille auf und revolutioniert in seiner kurzen Karriere die moderne Popmusik.

All das gehört in eine Kultur des zunächst unterschwellig bleibenden Aufbruchs, die stärker noch von proletarischen als von bürgerlichen Jugendlichen getragen wird – in Deutschland werden sie als „Halbstarke“ verspottet. Der studentisch-bürgerliche Aufbruch der sechziger Jahre greift dann diese Impulse auf, setzt sich aber selbst als einen neuen Anfang und vergisst, worauf er aufbaut.“

Dass Männer in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg auf ganz unterschiedliche Weise nach neuen Variationen von Männlichkeit suchen, ist erklärlich: In den Tötungsmaschinerien der Weltkriege haben Männer zu Millionen die Erfahrung gemacht, dass ein herkömmlicher Heroismus nicht trägt, und dass das Ideal des sich selbst für sein Volk aufopfernden Helden vor allem gewährleistet hat, Millionen von Soldaten wie Tiere auf den Schlachtfeldern krepieren lassen zu können.

Das Männlichkeitsbild, das hier so deutlich an eine Grenze gestoßen war, bezeichnet Warren Farrell als das des disposable male – das des beliebig verfügbaren Mannes, aber auch als Wegwerf-Mannes. Es gehöre in eine Geschlechterordnung, die unter Bedingungen knapper Ressourcen durchaus eine Funktion habe erfüllen können.

Da eine Gruppe für ihr Überleben und ihre Reproduktion vor allem auf ausreichend viele Frauen, nicht aber in gleichem Ausmaß auf Männer angewiesen sei, könne es sich auszahlen, wenn Männer im Interesse der Gruppe erhebliche Risiken eingehen und dabei möglicherweise gar ihr Leben verlieren. Es lohne sich eben dann, wenn durch das Agieren der Männer Frauen der Schutz und die Versorgung bereit gestellt werden, die sie für die Kindessorge brauchen.

Die bürgerliche Geschlechterordnung überformt und ideologisiert dieses Modell. Der bürgerliche Mann ist für den Außenbereich der Familie zuständig, insbesondere für die finanzielle Reproduktion im Beruf – die bürgerliche Frau wird in einen Innenbereich verwiesen, in dem sie Anspruch auf Versorgung und Schutz hat, in dem allerdings ihre Möglichkeit des Wirkens nach außen auch begrenzt ist.

Trotz einiger Jahrzehnte der Emanzipation hält sich dieses Modell bis heute. Nach der Geburt von Kindern beispielsweise sind Väter im Schnitt mehr als zuvor in der Erwerbsarbeit tätig, Mütter deutlich weniger.  Allein das Muster der Männlichkeit aber, nicht das korrespondierende der Weiblichkeit steht dabei zugleich anhaltend in der Kritik. In der Radikalisierung ihrer Disponibilität hatten schließlich nicht nur Millionen von Männern  ihr Leben verloren. Insbesondere in Deutschland war auch die moralische Integrität der überlebenden Soldaten, die immerhin den Holocaust erst ermöglicht hatten, tief fragwürdig geworden.

 

Anständige Männer und friedfertige Frauen

Die Rede, die Heinrich Himmler als Reichsführer der SS am 4. Oktober 1943 in Posen vor SS-Gruppenführern gehalten hat, ist besonders durch einige Passagen zum Massenmord an den europäischen Juden bekannt geworden.

„Von Euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn 100 Leichen beisammen liegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Dies durchgehalten zu haben, und dabei – abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht. Dies ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte (…).“ 

„Anstand“ und „Ruhm“ werden in dieser Logik eben gerade durch die Beteiligung an der massenhaften Ermordung Wehrloser gewährleistet – auch wenn über diese Beteiligung niemals offen geredet werde. Wie aber begründet sich die moralische Perversion, dass Himmler ausgerechnet die absolute Amoralität des Massenmordes als besonders moralischen, heroischen Akt verkaufen kann?

Die Soldaten, so Himmler, seien „Söhne deutscher Mütter. Das ist unser Blut.“ Das, was für Himmler die innere Essenz des Volkes ist, das „deutsche Blut“, wird so repräsentiert in der verehrten Figur der deutschen Mutter.

Die Mütter wiederum können rein und unschuldig bleiben, weil sie mit den verschwiegenen – von Himmler aber gleichwohl für dringend notwendig gehaltenen – Massenmorden nicht behelligt werden. Die radikale Amoralität ist für den SS-Führer also gleichsam ein männlicher Opfergang im Interesse einer Unschuld des Volkes, die sich manifestiert in der Unschuld der deutschen Mütter.

Die moralische Perversion von Himmlers Rede entwickelt ihre Logik also erst dann, wenn männliche und weibliche Muster im Zusammenhang betrachtet werden. Ob heroische männliche Amoralität oder vorgeblich unwissende weibliche Unschuld: Deutsche hinterlassen ungeheure Berge von Leichen, ohne dass sich tatsächlich jemand dafür verantwortlich fühlen müsste. Die Diffusion der Verantwortung, ohne die der Massenmord nicht möglich gewesen wäre, wird unter anderem durch eine in ihre radikale Konsequenz getriebene Geschlechterordnung gewährleistet.

Als problematisch erscheint nach dem Krieg dann aber nicht etwa diese Geschlechterordnung, deren Männlichkeits- und Weiblichkeitsmuster gleichermaßen verkürzte und verstümmelte Muster der Humanität repräsentieren. Als Problem steht die Männlichkeit da – und Weiblichkeit kann als Lösung dieses Problems erscheinen.

Damit aber wird dann eben die Ordnung aufrechterhalten, die eine moderne Geschlechterpolitik eigentlich zu überwinden vorgibt. Ein Beispiel ist ein enorm erfolgreicher Text aus den 80er Jahren.

„Ihre Überich-Strukturen prädestinieren die Frau nicht zum Antisemitismus. Ihre Abhängigkeit von der Anerkennung ihrer Umwelt, von den herrschenden männlichen Wertorientierungen, können sie allerdings dazu veranlassen, gängige Vorurteile zu übernehmen.“ (S. 159)

Selbst der massenmörderische deutsche Antisemitismus ist hier im Kern ein Ausdruck von Beziehungsorientierung, gar von Liebe – solange es denn eben ein weiblicher Antisemitismus ist. Der nämlich müsse den eigentlichen – männlichen – Antisemitismus nur deshalb kopieren, weil Frauen von Männern abhängig seien und die Beziehungen zu ihnen aufrecht zu erhalten versuchten.

Aber auch ein Modell weiblicher Unabhängigkeit beschreibt Margarethe Mitscherlich schon in diesem Text, in Die friedfertige Frau aus dem Jahr 1985.

„Die Mutter – während der Abwesenheit des Vaters im Kriege oder als Witwe selbst Familienoberhaupt – hatte über viele Jahre allein die Verantwortung für ihre Kinder zu tragen und war nach dem Kriege häufig nicht mehr bereit, sich dem zurückkehrenden, entmutigten Vater unterzuordnen oder ihm den Platz des verwöhnten Kindes in der Familie wieder einzuräumen.(…)“(77)

Während so Nationalsozialismus und Krieg als Möglichkeit einer weiblichen gesellschaftlichen Selbstbehauptung erscheinen, stellt Mitscherlich die folgenden 50er Jahre als

„Welle konservativer und regressiver Konsolidierung der Familien- und Geschlechterverhältnisse“ (6)

hin.

Die Emanzipation, die sie beschreibt, ist damit an ihren eigenen Kosten nicht interessiert. Die Ziele des Nationalsozialismus, der die hier idealisierte weibliche Selbstbehauptung erzwang und ermöglichte, sind Mitscherlich ebenso unwichtig wie die Tatsache, dass die „Abwesenheit des Vaters im Kriege“ einen millionenfachen Tod auf den Schlachtfeldern bedeutete. Die von den Schlachtfeldern zurückkehrenden Männer stehen statt dessen als „verwöhnte Kinder“ da.

Ort der Frau ist in diesem Modell der Emanzipation ein sozialer Innenraum, dessen Bewohnerinnen nicht damit behelligt werden, welche Kosten in den äußeren Bereichen der Gesellschaft für die Errichtung dieses Raums aufgebracht werden müssen. Emanzipation bedeutet hier kein ziviles Miteinander von  Frauen und Männern, sondern eine schroffe Trennung ihrer Bereiche.

Das ist nicht allein aufgrund der verschwiegenen Kosten fatal. Das traditionelle Männlichkeitsmodell wird sinnvoll erst durch das korrespondierende Modell der Weiblichkeit, und dieses wiederum wird erst realisierbar durch das Modell disponibler Männlichkeit. Beide Muster sind logisch zwingend aufeinander und auf die gemeinsame Geschlechterordnung bezogen.

Wer also eines dieser Muster aufrecht erhält, der hält damit zwangsläufig auch am anderen Geschlechtermuster und an ihrer gemeinsamen Ordnung fest. Das Modell der geschützten und bewahrenden Weiblichkeit ist also kein Gegenmodell zur disponiblen Männlichkeit, sondern seine notwendige Ergänzung – ebenso wie umgekehrt. Wer daher Weiblichkeit als Lösung des Problems der Männlichkeit präsentiert, der reproduziert damit beständig eben das Problem, das zu lösen er vorgibt.

Die friedfertige Frau braucht den disponiblen Mann.

 

Löst Weiblichkeit das Problem der Männlichkeit?

Der Bereitschaft zur Männlichkeitskritik entsprach damit niemals eine äquivalente Bereitschaft, im Interesse einer humaneren Gesellschaft auch eine traditionelle Weiblichkeit in Frage zu stellen. So haben Frauen denn schon seit Jahrzehnten für Veränderungswünsche Adressaten, die Männern bis heute fehlen. Die Liberalisierung des Abtreibungsparagraphen – die einseitige Verbesserung der Situation von Frauen nach Scheidungen – die Zementierung mütterlicher Privilegien – die Einrichtung von Institutionen der gezielten Frauenförderung – Beratungs- und Hilfsangebote, die sich exklusiv an Frauen richten – Frauenquoten in Parteien und anderen Organisationen – Lobbyorganistaionen in den Parteien und außerhalb von ihnen: All dies wurde entweder von Männern oder mit ihrer notwendigen Hilfe durchgesetzt.

Dabei sind Anliegen von Männern nicht weniger berechtigt: die menschenrechtswidrigen rechtlichen und institutionellen Benachteiligungen von Vätern – die exklusiv-männliche Wehrpflicht, die nur ausgesetzt, aber nicht abgeschafft ist – die weitaus größere Belastung in der Erwerbsarbeit – die erheblichen finanziellen Transfers in den öffentlichen Kassen von Männern zu Frauen – das fast vollständige Fehlen von Unterstützungs- und Hilfsangeboten, etwa bei häuslicher Gewalt – die gesundheitlichen Belastungen im Beruf, die sich insbesondere in Männerberufen ballen – die erheblichen Nachteile von Jungen in der Schule: Wenn eine moderne Geschlechterpolitik diese spezifischen männlichen Nachteile überhaupt einmal zur Kenntnis nimmt, dann werden sie routiniert im Sinne von Patriarchy-Hurts-Men-Too-Klischees beiseite gelegt.

Die Rede vom Patriarchat bewahrt so vor allem den Willen, die Strukturen einer modernen Gesellschaft weiterhin als eine Männerangelegenheit zu betrachten – und aus weiblicher Perspektive den Unwillen, sich gleichermaßen für sie verantwortlich zu fühlen. So werden dann Probleme moderner Gesellschaften verkürzt und verquer als Probleme der Männlichkeit diskutiert.

Das hat Folgen. Äußerungen von Ressentiments, Gefühlen der Verachtung und gar des Hasses gegen Männer erscheinen als legitim, weil sie nicht als Äußerungen einer gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, sondern als Akte der Gesellschaftskritik interpretiert werden. So ist es für die Grünen kein Problem, Männern rundweg die Tendenz zum Vergewaltigen zu unterstellen – und die SPD operiert in ihrem Grundsatzprogramm seit Jahrzehnten mit einem Gegensatz von Männlichkeit und Menschlichkeit.

Auch die Empathieverweigerung gegenüber Männern, etwa in dem durch die feministische Journalistin Jessica Valenti populär gemachten Spott über male tears, reproduziert dabei das Innen-Außen-Muster einer traditionellen Geschlechterordnung. Männer werden hier gar nicht erst als Bewohner eines zivilen sozialen Innenraums akzeptiert, sondern in äußere Bereiche verwiesen, in eine abstrakt-inhuman bleibende Herrschaftsordnung, in der eine zivile Empathie als deplatziert erscheint.

Den Begriff Patriarchat aber im Anschluss an Butler durch den einer heterosexistischen Ordnung zu ersetzen, verschärft die Situation eher noch, anstatt sie zu verbessern. Die Rede von der heterosexuellen Matrix erweckt den Eindruck, eine Befreiung von den damit bezeichneten Herrschaftsstrukturen würde die Möglichkeit einer vollständigen Selbst-Bestimmung bereitstellen, die ungetrübt sei von äußeren Zuschreibungen.

Diese Erwartung steht in krassem Gegensatz zu aller beruflichen Erfahrung, die traditionell eben vor allem eine männliche und auch eine proletarisch-weibliche Erfahrung ist. Denn typisch ist dort ja eben gerade die Erfahrung, durch begrenzte Funktionen bestimmt zu werden, die ihren Sinn nur in einem größeren Kontext entfalten, der seinerseits weitgehend fremd bleibt.

Die Erwartung, das eigene Geschlecht eigenständig und unabhängig von äußeren Zuschreibungen bestimmen – und dabei zwischen 63 Geschlechtern und mehr beliebig auswählen zu können: Diese Erwartung ist also tatsächlich Ausdruck eines historisch wie sozial eng begrenzten Geschlechtermusters. Es ist eine Radikalisierung und Abstraktion der klassischen Position einer bürgerlichen Hausfrau, die erwarten kann, dass andere ihr die Widersprüche und Anstrengungen des Weltbezugs weitgehend abnehmen.

Dieses Muster einer in sich immer schon vollständigen, in ihrem Selbstbezug reinen Weiblichkeit lässt sich nur aufrecht erhalten, wenn die Kosten dieses Muster nicht nur ausgelagert, sondern auch verschwiegen und aus der Diskussion heraus gehalten werden. Die beständige Reproduktion eines tatsächlich klassischen Modells von Weiblichkeit – als Lösung des Problems der Männlichkeit – ist dabei also auf die beständige Produktion eben der Männlichkeit angewiesen, die doch eigentlich so scharf kritisiert wird.

Eben so lässt sich denn auch erklären, warum sich das im vorigen Post beschriebene ungleiche Verhältnis Lennons und Onos, in dem der Mann als lernbereites Kind einer mütterlichen Partnerin erscheint, im Laufe der Jahrzehnte nicht entspannt, sondern verhärtet hat. Tatsächlich enthält das Modell in sich kein Potenzial einer positiven Entwicklung, weil das, was als Lösung erscheint, auf die beständige Neu-Produktion des zu lösenden Problems angewiesen ist.

So erleben Männer dann auch in Diskussionen, dass es ganz gleichgültig ist, was sie sagen, schreiben oder meinen. Sie stellen sich tatsächlich mit ihren Beiträgen vor allem als Projektionsflächen zur Verfügung – als Exemplare einer Männlichkeit, die in den Widersprüchen einer modernen Geschlechterpolitik ebenso heftig abgelehnt wie benötigt wird.

Vätern, die sich gegen die willkürliche Trennung von ihren Kindern wehren, wird dann unterstellt, lediglich ihre traditionelle familiäre Herrschaftsposition zu verteidigen.

Wer die erheblichen Transfers von Männern zu Frauen in den öffentlichen Kassen kritisiert, steht ebenso als Frauenfeind da wie jemand, der den Sinn von Frauenquoten in Frage stellt.

Schon wer als Mann eine eigenständige Meinung in Geschlechterdebatten formuliert, ist ein Mansplainer.

Wer dann auch noch häusliche Gewalt gegen Männer oder schulische Probleme von Jungen thematisiert, ist dann eben ein Jammer-Mann, den die Gesellschaft nicht braucht. Gesellschaftlich aber nicht gebraucht zu werden – das ist in einer traditionellen Geschlechterordnung das Schlimmste, das einem Mann geschehen kann.

 

Literatur, soweit nicht verlinkt:

Margarete Mitscherlich: Die friedfertige Frau. Eine psychoanalytische Untersuchung zur Aggression der Geschlechter, Frankfurt am Main 1985

RSS
Follow by Email
Google+
https://man-tau.com/2016/09/21/jammer-manner-und-friedens-frauen/
PINTEREST
LINKEDIN
Whatsapp
Unsere Plattform ist frei von Werbung oder Paywalls und stellt alle Inhalte kostenlos zur Verfügung. Sie können unsere Arbeit unterstützen, indem Sie Artikel, die Ihnen gefallen haben, in Social-Media-Kanälen, liken oder kommentieren. Sharing is caring!

49 Comments

  • Der Blogpost arbeitet sehr schön deutsche Kontinuitäten heraus. Ich sehe in der Analyse solcher historischen Zusammenhänge einen Schlüssel zum Verständnis der öffentlichen Dominanz der feministischen Ideologie sowie ihrer Kritik.

    Man kann diese Dominanz m. E. nicht erklären, wenn man nicht versteht, wie sehr die feministische Bewegung das Produkt derjenigen Verhältnisse ist, als deren Überwindung sie sich verkauft: sie ist das Produkt derselben modernen Geschlechtsrollenkonstruktion, von der sie behauptet, sie zu überwinden. Der Feminismus schlägt politisches Kapital aus einer sozialen und ideologischen Komfortposition: aus der privilegierten Position, sowohl beruflich als auch weltanschaulich zwischen traditionellen und emanzipierten Geschlechtsrollenmodellen wählen zu können, während Männer weiterhin, und zwar aktiv von der Frauenbewegung selbst, auf die traditionelle Position festgenagelt werden.

    Es ist diese faktische Privilegierung des feministischen Standpunkts, der zugleich seinem ideologischen Suprematismus korrespondiert: das Privileg wird als eigener Verdienst gedeutet, Lebenserfahrung und ideologischer Anspruch tragen sich auf diese Weise gegenseitig. Der »Kampf gegen das Patriarchat«, der unter den Rahmenbedingungen der ersten Frauenbewegung, die (wie freilich ebenfalls die Arbeiterbewegung) noch gegen die patriarchalen »Überlebsel« des Ancien Régime anzukämpfen hatte, noch eine gewisse Plausibilität hatte, ist seit der (und für die) zweiten Frauenbewegung nur mehr ein legitimierender Gründungsmythos, aber keine Realität mehr.

    Faktisch wird als »Patriarchat« alles das deklariert, was dem Weg zur eigenen Suprematie entgegensteht, also insbesondere auch jeglicher Angriff auf die ideologischen Grundlagen dieses Anspruches selbst. Und das ist der Grund, warum männerrechtliche Positionen für den Feminismus ein Anathema sind – sie sind eine Ketzerei, die den Kern der feministischen Erlösungslehre in Frage stellen.

    Warum aber macht »die Gesellschaft« das mit? Warum kann dieser feministische Suprematismus aus der sicheren Deckung des gesellschaftlichen Mainstreams kämpfen? Weil der Feminismus – das ist die These Kucklicks (»Geschlecht supercodiert die Differenz von Gesellschaft und Interaktion«) – der modernen Gesellschaft eine einfache Formel für die Thematisierung komplexer Verhältnisse liefert, einen moralischen Diskurs zur Bearbeitung struktureller Probleme. Darin liegt zugleich die Verwandtschaft diese Diskurses mit dem wilhelminischen Antisemitismus.

    Die moderne Gesellschaft hat, wie uns viele Soziologen zu Recht, aber in schwer verdaulichen Begriffen versichern, ein Schlüsselproblem der »Beherrschung von Komplexität«, der intelligenten Selbststeuerung einer überaus komplexen, immer stärker global vernetzten Gesellschaft. Das vom Neoliberalismus propagierte, simplifizierende Menschenbild des homo oeconomicus ist ebenfalls eine ideologische Antwort auf dieses Problem – selbstverantwortliche Individuen und freie Märkte werden, wenn sie nur selbstverantwortlich und frei genug sind (also in der Praxis niemals), von einer »unsichtbaren Hand« gelenkt, diese Komplexität als ungeplante, »spontane Ordnung« bewältigen.

    Der Feminismus gibt eine analoge Antwort: »vom Patriarchat befreite Frauen« werden, wenn sie nur »befreit genug« sind (also in der Praxis niemals), ein Zeitalter vom männlich-patriarchalen Sündenfall gereinigter, moralisch geläuterter Sozialbeziehungen einleiten, in denen die als »männliche Herrschaft« fehlinterpretierten Folgen gesellschaftlicher Komplexität nicht mehr auftreten können.

    Beide Ideologien sind sich darin ähnlich, dass sie beide die Lösung im moralischen Individuum suchen. Der von den Konkurrenzbedingungen wohlerzogene Marktteilnehmer und der von Feministinnen wohlerzogene Mann gelten als die Lösung von Problemen, die als von ihrer jeweils schlechten Erziehung kausal verursacht gelten: dem »Anspruchsdenken« und der »männlichen Hegemonialität«.

    Und es ist in dieser Konstellation der Feminismus, der dafür zu sorgen versucht, dass die Zumutungen des wohlerzogenen, selbstverantwortlichen homo oeconomicus primär beim Mann abgeladen werden, während die Privilegien einer Weiblichkeit mit ermäßigter Selbstverantwortung wie die sich selbst erfüllende Prophezeiung der suprematistischen Ideologie wirken.

    Darum kann das männerrechtliche Kernproblem, für spezifisch männliche Problemlagen Gehör und Legitimität zu finden, in meinen Augen nur im thematischen Verbund mit einer Kritik der genannten gesellschaftliche Rahmenbedingungen erfolgreich bearbeitet werden, von denen der Feminismus ein integraler Teil, aber nicht die primäre Ursache ist. So verstehe ich auch Kucklicks These, von der häufig nur die erste Hälfte (die feministische Misandrie stammt vom Beginn der Moderne) rezipiert, die zweite Hälfte dagegen aufgrund ihrer unzugänglichen soziologischen Terminologie vernachlässigt wird.

    • @ djadmoros Es gäbe gleich eine Reihe von Punkten, um an Deinen Kommentar anzuknüpfen. Ich gehe erst einmal nur einmal auf einen Punkt ein: „Beide Ideologien sind sich darin ähnlich, dass sie beide die Lösung im moralischen Individuum suchen.“

      Diese Moralisierung des Politischen ist für mich ein doppeltes Symptom. Zunächst einmal für die nachlassende Bereitschaft, in Strukturen zu denken – zu fragen, wie etwas FUNKTIONIERT. Wenn etwas schief geht, kann es nur daran liegen, dass irgendjemand nicht mit gutem Willen dabei war. Das ist besonders albern angesichts der Tatsache, dass das Leben von „Strukturen“ im heutigen Feminismus oder generell in der heutigen Linken zentral ist.

      Allerdings bleibt die Rede von „Strukturen“ notorisch so allgemein und diffus, dass nichts anderes davon hängen bleibt als eben – ein moralischer bzw. moralisierender Vorwurf: Du hast strukturelle Privilegien, die Du anerkennen musst.

      Zugleich ist die Moralisierung auch ein Resultat der Vermeidung offener Debatten. Wer moralisch im Recht ist, kann sich eben nicht auf offene Debatten einlassen, in denen er seine Position womöglich gar teilweise revidiert. Das wäre schließlich eine Verwässerung und damit Verschlechterung des eigentlich moralisch Richtigen.

  • Mal nur zu EINEM Punkt:

    „Trotz einiger Jahrzehnte der Emanzipation hält sich dieses Modell bis heute. Nach der Geburt von Kindern beispielsweise sind Väter im Schnitt mehr als zuvor in der Erwerbsarbeit tätig, Mütter deutlich weniger. Allein das Muster der Männlichkeit aber, nicht das korrespondierende der Weiblichkeit steht dabei zugleich anhaltend in der Kritik. “

    Vergleichen sollte man hier, wie es mit Gewinnen/Verlusten/Kritik jeweils steht, wenn Männer bzw. Frauen in die einst dem anderen Geschlecht zugewiesenen Sphären vordringen. Tut man das, sind beide ähnlich betroffen: der Mann verliert als „Hausmann“ eine Stück klassische Männlichkeit, doch ebenso verlieren Frauen in Macht- und Chef-Positionen an Weiblichkeit – bzw. stehen entsprechend in der Kritik.

    Das ist halt die noch massive Nachwirkung klassischer Geschlechtsrollen, wobei aber mehr Frauen in den letzten Jahrzehnten in die einst männliche Sphäre eingedrungen sind als Männer in die häusliche. Was wiederum – abgesehen von der starken kulturellen Prägung – vermutlich an der wirtschaftlichen / kapitalistischen Entwicklung liegt, in der nur erfolgreiche Erwerbsarbeit wirklich zählt.

    • @ClaudiaBerlin:

      »der Mann verliert als „Hausmann“ eine Stück klassische Männlichkeit, doch ebenso verlieren Frauen in Macht- und Chef-Positionen an Weiblichkeit – bzw. stehen entsprechend in der Kritik.«

      Ich habe nicht den Eindruck, dass diese Kritik jeweils das gleiche Gewicht hat: bei einer Frau im Erwerbsleben wird doch ihr »Empowerment«, das Erreichen von Unabhängigkeit, grundsätzlich gelobt, während der »Verlust an Weiblichkeit« nur bei einem entsprechenden Persönlichkeitstypus der Frau beanstandet wird. Margaret Thatcher war ein Inbegriff der »männlichen Frau«, aber Angela Merkel ist als »Mutti« immer noch weiblich. Auch bei Kristina Schröder und Manuela Schwesig würde wohl niemand die Weiblichkeit in Frage stellen, nicht einmal bei Frauke Petry, auch nicht (wie ich finde) bei Tzipi Livni – eher vielleicht schon bei Ursula von der Leyen oder Dilma Roussef. Ikonisch weiblichen Charakter hat Natalja Poklonskaja, die Generalstaatsanwältin der Krim, erlangt.

      Bei Männern überlagert sich die Geschlechtszugehörigkeit mit »Männlichkeit« als einem negativ besetzten kulturellen Code (analog zur früheren Codierung von »Gier«, »Rationalismus«, »Materialismus« und »Lüsternheit« als jüdisch). »Weiblichkeit« ist demgegenüber ein positiv besetzter kultureller Code. Frauen werden dem männlichen Code nur dann subsumiert, wenn sie ihn auch als Persönlichkeit verkörpern, Männer bereits aufgrund ihres biologischen Geschlechts.

    • Vergleichen sollte man hier, wie es mit Gewinnen/Verlusten/Kritik jeweils steht, wenn Männer bzw. Frauen in die einst dem anderen Geschlecht zugewiesenen Sphären vordringen. Tut man das, sind beide ähnlich betroffen: der Mann verliert als „Hausmann“ eine Stück klassische Männlichkeit

      Von wem wird dieser Kritikpunkt vorgebracht? Gegenüber wem hat der Mann dadurch einen Verlust und wie äußert sich das?

      ebenso verlieren Frauen in Macht- und Chef-Positionen an Weiblichkeit

      Von wem wird dieser Kritikpunkt vorgebracht? djadmoros hat bereits darauf hingewiesen, dass Frauen in Führungspositionen durchaus positiv gesehen werden: Selbstständig, empowert, Unabhängig, stark…

      Es sind m.M.n. einige wichtige und fundamentale Fragen hierzu offen, sodass weder die Prämisse

      sind beide [Geschlecher] ähnlich betroffen

      , noch der Schluss bzw. die Erklärung

      Das ist halt die noch massive Nachwirkung klassischer Geschlechtsrollen

      keineswegs so eindeutig sind wie du sie hier präsentierst.

    • Das ist halt die noch massive Nachwirkung klassischer Geschlechtsrollen, wobei aber mehr Frauen in den letzten Jahrzehnten in die einst männliche Sphäre eingedrungen sind als Männer in die häusliche. Was wiederum – abgesehen von der starken kulturellen Prägung – vermutlich an der wirtschaftlichen / kapitalistischen Entwicklung liegt, in der nur erfolgreiche Erwerbsarbeit wirklich zählt.

      Zählt Erwerbsarbeit tatsächlich mehr? Vor Gericht sind Mütter massiv im Vorteil gegenüber Vätern, was darauf schließen lässt, dass die mütterliche Tätigkeit mehr geschätzt wird; auch betrachten es viele als gar nicht so schlimm, wenn ein Kind als vaterloser Halbwaise aufwächst. Ganz anders wird der Verlust der Mutter gesehen.

      Dass es sowenig Männer als Hausmänner gibt, dürfte an der weiblichen Weigerung liegen, sich bei der Partnerwahl sozial nach unten zu orientieren. Sie wählt nur eine Mann, der mehr verdient, und damit beantwortet sich dann auch die Frage, wer zu Hause bleibt, wenn der Nachwuchs kommt. Frauen denken nicht daran, die Ernährerrolle zu übernehmen und über Jahrzehnte hinweg den Löwenanteil ihres erarbeitenden Geldes an Mann und Kind abzugeben.

      • Lukas Schoppe schrieb:

        “ Dass Männer sich mit ihrem Interesse an der Beibehaltung herkömmlicher Geschlechterpositionen auseinandersetzen müssten, das ist seit Jahrzehnten eine gängige Erwartung – zunächst in eher linken oder linksliberalen Milieus, heute auch weit in Milieus der CDU/CSU hinein. Eine äquivalente Erwartung an Frauen gab es, wenn ich es richtig sehe, nie. “

        Stimmt nachdenklich, was du da sagst! Denn erstmal ist das für mich, die ich (als in den 70gern/80gern Sozialisierte) die „zweite Frauenbewegung“ ohne viel Eigenleistung kulturell mitvollzogen habe, eine seltsame Sicht der Dinge. Es war ja die Unzufriedenheit mit der klassischen Frauenrolle, die seit 68 und danach die Emanzipationsbewegung angetrieben hat.
        Damals setzten sich Frauen nicht nur intellektuell mit ihrer tradierten Rolle auseinander, sondern suchten und fanden für sich auch Wege, das zu verändern. Schließlich standen die Männer nicht mit der Knarre neben Frau, um sie ins Althergebrachte zu zwingen…
        Wir probierten alles aus, was bis dahin nur für Männer als machbar galt – und ja, auch bis hin zu schweren körperlichen und Drecksarbeiten! (Ein zu transportierender Zementsack auf dem Bau darf heute nicht mehr 50 Kilo wiegen wie damals noch…)
        Es gab sehr viel alternative Praxis – frau hat sich nicht nur an Männern ab- und aufgerieben, sondern wirklich auch eigene Lebensentwürfe probiert – ohne Männer, mit anderen Frauen, aber auch mit Männern.

        Aber ja, es gab auch immer die Girlies und Divas und andere GerneFraulich-Frauen, die an alledem kein Interesse hatten. Genau wie es jede Menge vernünftige, liebevolle, kompromissbereite und veränderungsfreundliche Männer gibt, aber eben auch NochMachos, Macht-Macker etc. – und jeweils jene, die genau darauf stehen.

        „Eine äquivalente Erwartung an Frauen gab es, wenn ich es richtig sehe, nie.“

        Doch. Es gab und gibt innerhalb feministischer Strömungen immer eine gar nicht kleine Fraktion, die an Frauen heftig kritisiert, wenn diese nur Hausfrau, Mutter und Geliebte sind – und sonst gar nichts. Weil das nun mal nicht dem emanzipatorischen Ideal entspricht, möglichst unabhängig und selbstbestimmt das Leben zu meistern.

      • @ Claudia Ich hab gerade Ferien bekommen, und die Tage vorher sind immer sehr voll. Daher kommt jetzt erst eine Antwort.

        „Doch. Es gab und gibt innerhalb feministischer Strömungen immer eine gar nicht kleine Fraktion, die an Frauen heftig kritisiert, wenn diese nur Hausfrau, Mutter und Geliebte sind – und sonst gar nichts. Weil das nun mal nicht dem emanzipatorischen Ideal entspricht, möglichst unabhängig und selbstbestimmt das Leben zu meistern.“

        Das glaube ich auch. Es ist aber eben ein Unterschied, ob es bei der Infragestellung herkömmlicher Modelle um Emanzipation und Selbstbestimmung geht – oder andernfalls um Schädlichkeit, um Ausbeutung, um das leben auf Kosten anderer. Das ist ja eben gerade das, womit sich Männer, grob geschätzt, seit dem Ende der Siebziger ziemlich selbstverständlich herumschlagen: Dass sie so, wie sie sind, schädlich seien für andere – und dass sie mitmenschlich nur dann werden könnten, wenn sie ihe herkömmliche Existenz als Mann radikal überprüften.

        Das war übrigens sehr genau die Position des Grünen Gwosdz, der alle Männer als potenzelle Vergewaltiger bezeichnet hatte, ohne dass in seiner Partei damit irgendjemand ein Problem gehabt hätte. Für ihn ist klar: Nur wenn Männer sich mit ihrer – unterstellten – Tendenz zum Vergewaltigen auseinandersetzen würden, könnten sie gewährleisten, nicht tatsächlich zu vergewaltigen.

        Ich sehe nirgendwo, dass Frauen sich auch nur mit annähernd bösartigen Unterstellungen auseinandersetzen müssten. Wenn klassische Frauenpositionen als unsozial kritisiert wurden, dann bestenfalls in der Hinsicht, dass Frauen darin ANDEREN, emanzipationswilligen Frauen das Leben schwerer machen würden. Das sie Kindern oder Männern das Leben schwer machen – das war, soweit ich es nur sehen kann, für keine Feministin jemals von Bedeutung.

        Die einzige Ausnahme ist Esther Vilar – die hat eine klassische Frauenrolle tatsächlich als asozial hingestellt. Dafür ist sie dann ja auch von anderen Feministinnen aus dem Land geprügelt worden, im Wortsinne. Mir persönlich ist Vilar in viele Passagen deutlich zu polemisch, auch verachtungsvoll – aber was sie schreibt, ist nicht annähernd so verachtungsvoll wie das, womit sich viele Männer seit Jahrzehnten ganz selbstverständlich beschäftigen.

        Dass eine Kritik an den Inhumanitäten einer klassischen Geschlechterordnung NICHT als Kritik an Männlichkeit – und Idealisierung von Weiblichkeit – daherkommt, sondern als Kritik an beiden: das steht och aus. Die Fixierung auf „Emanzipation“ des Weiblichen von der „Unterdrückung“ im „Patriarchat“ ist jedenfalls nur eine Seite der Idealisierung. damit wird beständig suggeriert, das eigentlich humanere Menschsein wäre unterdrückt und müsse nur befreit werden, im Interesse aller. „Wer die menschiche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden.“

        Das aber ist keine Selbst-Infragestellung, sondern eine Selbst-Idealisuerung.

      • @Lucas:

        »Die einzige Ausnahme ist Esther Vilar – die hat eine klassische Frauenrolle tatsächlich als asozial hingestellt. Dafür ist sie dann ja auch von anderen Feministinnen aus dem Land geprügelt worden, im Wortsinne.«

        Wobei diese Denunziation der traditionellen Frauenrolle in meinen Augen noch nicht die entscheidende Provokation darstellte, sondern etwas anderes: Vilar hat gewissermaßen bereits die Argumentation von Farrell vorweggenommen, dass das angebliche »Patriarchat« eine Kehrseite männlicher Kosten und männlicher Abhängigkeiten hat anstatt eine einseitige Unterdrückung von Frauen durch Männern darzustellen.

        Das war – ebenso wie Erin Pizzeys früher Hinweis auf die Ausübung häuslicher Gewalt auch durch Frauen – eine Ketzerei, die die »großen Lügen« des Feminismus an ihrer Wurzel bedrohte. Nur weil Vilars Polemik einen gefährlichen Inhalt transportierte, musste sie medial hingerichtet werden – ein Urteil, das von Alice Schwarzer exekutiert wurde, indem sie Vilar als »Faschistin« auf dem Scheiterhaufen verbrannte.

        Ich sehe darin eine »Urszene« des Feminismus: die aktive und gewalttätige Verdrängung einer alternativen Perspektive auf das moderne Geschlechterverhältnis, um deren Wiederbelebung die Männerrechtsbewegung vierzig Jahre später immer noch kämpft.

      • Lucas schrieb:

        „Es ist aber eben ein Unterschied, ob es bei der Infragestellung herkömmlicher Modelle um Emanzipation und Selbstbestimmung geht – oder andernfalls um Schädlichkeit, um Ausbeutung, um das leben auf Kosten anderer. Das ist ja eben gerade das, womit sich Männer, grob geschätzt, seit dem Ende der Siebziger ziemlich selbstverständlich herumschlagen: Dass sie so, wie sie sind, schädlich seien für andere – und dass sie mitmenschlich nur dann werden könnten, wenn sie ihe herkömmliche Existenz als Mann radikal überprüften.“

        Das „Leben auf Kosten eines Mannes“ war durchaus massiver Teil der Kritik in der Frauenbewegung. Daraus entstanden neue Dos und Donts für Frauen, z.B. sich niemals „von einem Mann aushalten zu lassen“, im Restaurant die eigene Rechnung selbst zu bezahlen bis hin zu eher symbolischen Dingen wie „sich nicht mehr die Tür aufhalten lassen“, was ja weiträumig als typischer feministischer Unsinn verspottet wurde.

        Es ist die Brille, die man jeweils aufhat, die das alles unterschiedlich bewertet – du siehst es als keine vergleichbare Infragestellung klassischer Weiblichkeit, sondern als Bemühung um „Emanzipation und Selbstbestimmung“, doch ganz ebenso kann man solche Tendenzen als Ablehnung des „Lebens auf Kosten Anderer“ (nämlich zahlender Männer) bewerten – natürlich dann auch mit Kündigung der „klassischen Gegenleistung“, nämlich der früher selbstverständlichen sexuellen Verfügbarkeit der Frau und der ihr zugewiesenen Aufgabe, ein schönes Heim zu pflegen, indem sie „für Hausarbeit zuständig“ ist.

        Das meiste Männer-Bashing bezog sich doch darauf, dass viele Männer die neuen Intentionen der Frauen nicht gerade begeistert aufgenommen haben – wundert ja nicht, wer mag schon (nicht selbst angestoßene) Änderungen, die ans Eingemachte gehen und in die intimsten Beziehungen hinein wirken?

        Dass alle Männer potenzielle Vergewaltiger sind, halte ich für Quatsch, wie so manche Übertreibung und Überspitzung im Rahmen dieses „Geschlechterkampfs“.

        „Viele Männer reagieren grundsätzlich positiv auf Veränderungswünsche von Frauen, unterstützen die auch – während Veränderungswünsche von Männern bei den meisten Frauen entweder überhaupt nicht ankommen oder diskreditiert werden. Sei es durch Beschämung („Jammer-Männer“, „male tears“) oder durch Diffamierung („reaktionär“, „Nazis“, „Breivik“).“

        Es stimmt, dass es heute viel mehr Männer gibt, die nicht mehr auf klassischen Rollen bestehen und Frauen unterstützen. Das sehe ich als gesellschaftlichen Erfolg der Welle, die die Frauenbewegung der 70ger/80ger angestoßen hat. Jüngere Männer sind ja bereits in eine stark geänderte Welt hinein gewachsen.

        Die Beschämungen und Diffamierungen gegenüber Männern, „die sich Änderungen wünschen“, finde ich falsch und bedauerlich. Für mich sind das Auswüchse, genau wie die in fast jedem Masku-Blog spätestens in den Kommentaren zu findenden frauenfeindlichen Bemerkungen.

        Es fragt sich aber, ob es überhaupt zielführend ist, sich an lautstarken Extremisten und Extremistinnen abzuarbeiten. Viel relevanter sind etablierte Kräfte, die in aufgeregten Blog- und Twitter-Debatten meist gar nicht beteiligt sind.

        „Gender Mainstreaming“ war / ist ja – eigentlich – für alle Geschlechter gedacht! Man wollte weg von der reinen „Frauenfrage“ und jegliche Diskriminierung thematisieren. Deshalb heißt es heute ja auch „Gleichstellungsbeauftragte“ und nicht mehr „Frauenbeauftragte“.

        Das nun auch einzufordern (anstatt nur „alles mit Gender“ zu bespotten und zu bekämpfen), ist aber tatsächlich Sache der Männer! Und ich denke, an den Punkten, die Männer wirklich benachteiligen, wird sich dann auch im Lauf der Zeit etwas tun.

        Nur eben nicht „von selbst“… das war auch bei den Anliegen der Frauen nicht so, die wurden nicht einfach „freundlich durchgewunken“, wie manche Männerbewegte zu meinen scheinen!

        • @ Claudia Ich antworte jetzt aus dem Urlaub, daher hat es wieder gedauert. „Es fragt sich aber, ob es überhaupt zielführend ist, sich an lautstarken Extremisten und Extremistinnen abzuarbeiten.“ Ja, das stimmt. Ich gehe ohnehin davon aus, dass es sich sehr viel mehr, vermittelnd agierende Personen zu stärken, als sich beständig mit denen auseinanderzusetzen, die auf Feindbilder bauen. Mein Problem (und das Problem vieler anderer Männer, glaube ich) ist es aber gerade, dass „etablierte Kräfte“ in der Geschlechterpolitik in der regel eben NICHT zu den Vermittlern gehören, sondern zu den Errichter*innen von Schützengräben. Das schlimmste Beispiel ist in meinen Augen Schwesig. Deren Kampagne zur häuslichen Gewalt beispielsweise, die Männer restlos als Täter und Frauen als Opfer präsentiert, greift auf Mittel menschenfeindlicher Propaganda zurück.

          Deshalb ist das Problem, das mich mehr und mehr beschäftigt (und längst nicht nur in der Geschlechterpolitik): Wo ist eigentlich der Spielraum für Vermittlungen? Etablierte Politik agiert zunehmend über den Auf- und Ausbau von Feindbildern, so dass sich Vermittlungen in Nischen – wie in Blogs, z.B. – zurückziehen.

          Daher finde ich auch das Bild falsch, es gäbe eine zivile etablierte Politik und Presselandschaft, aber ein wildgewordenes Internet. Ich habe hier im Blog z.B. natürlich schon öfter Kommentare gelesen, die insgesamt gegenüber Frauen skeptisch oder auch ablehnend sind, nicht allein der Politikkgegenüber. Aber ich kann mich an kaum einen Kommentar erinnern, der in seiner Feindseligkeit der Politik oder ihrer Partei gleichkäme. Schreib ich als alter Sozialdemokrat.

          Dass Frauen nur durchgewunken wurden, glaube ich auch nicht. Aber die feministische Selbstbeschreibung ist eben auch nicht akkurat: dass ein paar, und immer mehr, tapfere Frauen gegen die Beharrungskräfte des allgegenwärtigen Patriarchats himane Neuerungen durchgesetzt hätten, von denen schließlich alle profitieren könnten.

          Das „Patriarchat“ hat bei diesen Änderungen kräftig geholfen (Abtreibungsrecht) oder sie auch weitgehend im Alleingang durchgesetzt (Scheidungsrecht) – und die Ziele der feministsichen Frauen waren oft eher konservativ oder rückwärtsgewandt als progressiv und menschlich (Kindschaftsrecht). Die Situation ist deutlich widersprüchlicher, als eine feministische Heldenerzählung sie darstellt.

          Zugegeben: Dass etwas komplizierter ist, als es erscheint, kann man immer sagen – und es ist eigentlich auch immer richtig. Hier aber hat die Einseitigkeit Folgen in der weitgehenden Ausgrenzung männlicher Stimmen.

          Und auch das ist wieder komplizierter, als es oft dargestellt wird. An der Ausgrenzung sind natürlich nicht allein Feministinnen beteiligt, sondern auch Männer beteiligt: Erstens feministische Männer, zweitens konservative Männer, die es lächerlich finden, dass Männer sich nun auch unterdrückt fühlen wollen.

      • @ClaudiaBerlin: „Gender Mainstreaming“ war / ist ja – eigentlich – für alle Geschlechter gedacht! Man wollte weg von der reinen „Frauenfrage“ und jegliche Diskriminierung thematisieren. Deshalb heißt es heute ja auch „Gleichstellungsbeauftragte“ und nicht mehr „Frauenbeauftragte“.

        Ist das ernst gemeint? Die „Gleichstellungsbeauftragten“ sind m.W. in fast allen einschlägigen Gesetzen zur einseitigen Frauenförderung, also zur rechtlichen und verfahrenstechnischen Schlechterstellung von Männern verpflichtet. Es handelt sich also um Ungleichstellungsbeauftragte. Die hier vorliegende Begriffsverdrehtung ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Weil sie aber überall reproduziert wird, glaubt inzwischen jeder an diese „Große Lüge“.

        Un das angeblich geschlechtsneutrale Gender Mainstreaming ist genauso eine Lüge, denn praktisch ist das die Arbeit der Ungleichstellungsbeauftragten.

      • mtm schrieb:

        „Un das angeblich geschlechtsneutrale Gender Mainstreaming ist genauso eine Lüge, denn praktisch ist das die Arbeit der Ungleichstellungsbeauftragten.“

        „Gender Mainstreaming“ – Zitat aus Wikipedia:

        „Mit Gender-Mainstreaming wird eine Strategie bezeichnet, um unterschiedliche Ausgangslagen und möglicherweise unterschiedliche Wirkungen von Maßnahmen auf Männer und Frauen systematisch zu berücksichtigen. Werden bei diesem Vorgehen Benachteiligungen festgestellt, sind „Frauenpolitik“ bzw. „Männerpolitik“ die einzusetzenden Instrumente, um der jeweiligen Benachteiligung entgegenzuwirken (siehe Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen & Jugend, 2004).

        Gender-Mainstreaming soll daher Frauenpolitik und Männerpolitik keinesfalls ersetzen. Vielmehr können geschlechtsspezifische Angebote aufgrund von Analysen im Rahmen von Gender-Mainstreaming als notwendig erachtet werden. Trotzdem wurden unter Verweis auf Gender-Mainstreaming frauenspezifische Angebote (z. B. in der Jugendarbeit) oder Frauenförderstellen eingespart. “

        Historisch basiert Gender Mainstreaming ganz klar auf den Erfolgen der Frauenbewegung und deren Etablierung in Institutionen und Funktionen.

        Im Sinne eines geschlechtsneutralen Humanismus sehe ich die Intentionen des Gender Mainstreaming als deutlichen Fortschritt gegenüber reiner Frauenförderung.

        Aber ja, es stimmt: vielfach wird da faktisch und entgegen der Intention immer noch im wesentlichen Frauenförderung betrieben und männliche Benachteiligungen kommen weniger vor.

        Wie ich oben dann schrieb: es ist SACHE DER MÄNNER, das zu ändern!
        Sowohl gesetzliche Vorgaben als auch gesellschaftliche Praxis sind änderbar – man muss dafür eben auf vielfältige Weise politische Arbeit leisten! Wie Frauen es ja auch getan haben…

        Zu erwarten, dass das von selber passiert, bzw. mit ein bisschen drüber schimpfen zu erledigen ist, ist naiv – und muss sich dann tatsächlich den Vorwurf des „Jammerns“ gefallen lassen!

      • @ClaudiaBerlin: „Gender Mainstreaming – Zitat aus Wikipedia“

        Die offizielle Definition von Gender Mainstreaming ist mir sehr gut bekannt – ich habe sie (genauer gesagt die verbreitete BMFSFJ-Definition auf http://gender-mainstreaming.net) ja in meinem Text zu diesem Thema nahezu wortweise zerpflückt.

        Diese Diskussion über den Segen von Gender Mainstreaming ist so ähnlich wie wenn mir ein Chinese den himmlischen Frieden auf dem Platz des himmlischen Friedens anpreisen würde. Die Lexikon-Definition hat rein gar nichts mit der politischen Praxis zu tun. Gender Mainstreaming ist ein dünnes Deckmäntelchen, das in der realen Politik die feministische Hegemonie kaschieren soll.

        Ich reite auf meinem Blog ja nicht zufällig vor allem auf verfassungswidrigen Gesetzen herum, die im Rahmen des „Gender Mainstreaming“ von feministischen Länderregierungen oder der Bundesregierung erlassen worden sind.

        Was Gender Mainstreaming in der Realität bedeutet, kann man z.B. sehr schön am Hochschulzukunftsgesetz (HZG NRW) erkennen. Dort lesen wir in § 3 „Aufgaben“ in Absatz (4): Die Hochschulen fördern … die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern … und wirken auf die Beseitigung der für Frauen bestehenden Nachteile hin. Bei allen Vorschlägen und Entscheidungen sind die geschlechtsspezifischen Auswirkungen zu beachten (Gender Mainstreaming).

        D.h. 1. ist von Gesetzes wegen nur für Frauen auf die Beseitigung von deren bestehenden Nachteile hinzuwirken. Eine solche Aufzählung einer privilegierten Gruppe in einem Gesetz ist i.d.R. abschließend. Männer, Linkshänder und Farbenblinde sind hier nicht mitgemeint, für Schwerbehinderte gibt es andere Gesetze.

        sind bei Interessenkonflikten zwischen Männern und Frauen (z.B. Quoten) automatisch die Frauen die Gewinner, weil sie sonst einen Nachteil hätten, wobei der Begriff „Nachteil für Frauen“ nahezu beliebig weit gefaßt werden kann. Im Kern wird hier das Opferabo zur Gesetzesgrundlage. Alleine der erste Satz stellt einen innern Widerspruch dar – „Gleichberechtigung“ und ausschließliche Förderung von Frauen sind das gleiche? Aber sicher, denn nur Frauen können relevante Nachteile haben.
        Ist Gender Mainstreaming die gesetzliche Verpflichtung, diese Frauenbevorzugung als „Strategie“ bis in die untersten Verwaltungsebenen durchzudrücken. Nicht umsonst wurde Gender Mainstreaming schon immer als Strategie bzw. Prinzip für das Verwaltungshandeln positioniert und eine politische Diskussion, ob man das überhaupt haben will, untertunnelt.

        Die gesetzliche Verpflichtung wird auf der operativen Ebene noch einmal bekräftigt. Im HZG NRW, § 24 „Gleichstellungsbeauftragte; gleichstellungsbezogene Mittelvergabe“ steht klipp und klar:

        „(1) Die zentrale Gleichstellungsbeauftragte hat die Belange der Frauen, die Mitglieder oder Angehörige der Hochschule sind, wahrzunehmen.“

        Dies verbietet es einer Gleichstellungsbeauftragten explizit, sich für die Belange von Männern einzusetzen.

        „Aber ja, es stimmt: vielfach wird da faktisch und entgegen der Intention immer noch im wesentlichen Frauenförderung betrieben und männliche Benachteiligungen kommen weniger vor.“

        Männliche Benachteiligungen kommen gar nicht vor, oder höchstens dann, wenn es indirekt negative Auswirkungen auf Frauen hat. Und das ist nicht „entgegen der Intention“, sondern ganz klarer politischer Wille. Das Opferabo der Frauen ist in der Weltsicht einer Frau Schwesig oder Kraft/Löhrmann eine Naturkonstante und der Begriff „Gleichberechtigung“ (die als soziale oder machtbezogene Gleichstellung uminterpretiert wird) immer vor diesem Hintergrund zu interpretieren.

      • Seltsam, da sind einige Numerierungen verschwunden:

        Absatz beginnend „sind bei Interessenkonflikten …“: davor stand „zweitens“ (zwei und Punkt).

        Textstelle „Ist Gender Mainstreaming die …“: davor stand „drittens“ und eine Leerzeile

    • @ Claudia Berlin „Das ist halt die noch massive Nachwirkung klassischer Geschlechtsrollen, wobei aber mehr Frauen in den letzten Jahrzehnten in die einst männliche Sphäre eingedrungen sind als Männer in die häusliche.“ Dass hier klassische Geschlechterrollen wirksam bleiben, sehe ich auch so. Die Frage aber ist ja, wodurch sie das tun – sie hängen ja nicht abstrakt in der Luft, sondern werden von Menschen getragen, „reproduziert“, die ein Interesse an ihrer Beibehaltung haben.

      Und hier gibt es, wie ich glaube, sehr wohl ein Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen. Dass Männer sich mit ihrem Interesse an der Beibehaltung herkömmlicher Geschlechterpositionen auseinandersetzen müssten, das ist seit Jahrzehnten eine gängige Erwartung – zunächst in eher linken oder linksliberalen Milieus, heute auch weit in Milieus der CDU/CSU hinein. Eine äquivalente Erwartung an Frauen gab es, wenn ich es richtig sehe, nie. Die Rede vom „Patriarchat“ hat unter anderem zur Folge, dass Frauen ebenso selbstverständlich ein Interesse an Veränderungen zugeschrieben wurde wie Männern ein Interesse an deren Blockade.

      Die Pointe davon: Tatsächlich ist die Situation seit Jahrzehnten eher umgekehrt. Viele Männer reagieren grundsätzlich positiv auf Veränderungswünsche von Frauen, unterstützen die auch – während Veränderungswünsche von Männern bei den meisten Frauen entweder überhaupt nicht ankommen oder diskreditiert werden. Sei es durch Beschämung („Jammer-Männer“, „male tears“) oder durch Diffamierung („reaktionär“, „Nazis“, „Breivik“).

      Dabei stimmt es ja z.B., dass viele Frauen Männer in traditionellen Rollen bevorzugen. Es ist ja tatsächlich schon lange bekannt, dass die Arbeitslosigkeit des Mannes das Scheidungsrisiko erheblich steigen lässt – was gewiss zumindest zum Teil mit den Erwartungen der Frau zusammenhängt.

      Dass wiederum Hausmänner wenig anerkannt sind, liegt nicht allein an einer allgemeinen Stimmung – sondern auch schlicht daran, dass sich Männer, die zu Hause bleiben, auf einer prekären rechtlichen Grundlage bewegen. Nach einer Trennung bleiben die Kinder schließlich mit großer Wahrscheinlichkeit bei der Frau. Wenn der Mann dann nicht fest genug im Beruf verankert ist, dann wird auch er sich als ein Beispiel für die Propaganda von Schwesig oder Gabriel eignen, die härter gegen Väter vorgehen wollen, weil die nicht genügend Unterhalt zahlen.

      Um aber Missverständnissen vorzubeugen: Ich beschuldige keineswegs „die Frauen“. Dass Männer tendenziell sehr viel stärker als Frauen bereit sind, ihre eigene Geschlechterrolle in Frage zu stellen, liegt nicht daran, das Männer progressiver, empathischer o.ä. wären. Der Grund ist m.E. einfach der, dass klassische männliche Funktionen weitaus eher und stärker zu Extremen und zu Grenzüberschreitungen hin tendieren als klassische weibliche Funktionen. So war es schlicht eine Frage der Zeit, dass Männer auch eher in Situationen geraten, in denen es mit diesen klassischen Funktionen einfach nicht mehr weiter geht.

      Vorwürfe würde ich daher nicht an Frauen generell formulieren, wohl aber an eine Politik (für die Schwesig steht wie keine andere in Deutschland), die sich als progressiv verkauft, die tatsächlich aber Veränderungen und offene Debatten nach Kräften verhindert.

      • Ich war etwa 10 Jahre Hausmann; was sich sehr deutlich auf meine Rente auswirkte. Meine Frau erhält eine höhere Rente als ich. Während der zehn Jahre war es vor allem der Vorwurf, ich würde mich nur auf meiner faulen Haut ausruhen, der von Männern seltener als von Frauen kam, was mich kränkte. Dass ich nebenbei meine Karriere als Schriftsteller vorantrieb, interessierte ohnehin niemand.

        Das schlimme heute, im Gegensatz zu damals (80er Jahre) ist, dass der feministische Schwurbel kaum jemand interessierte, außer dem Boulevard, der nackte und unterm T-Shirt schaukelnde Titten als Frauenpower wähnte. Heute aber sind die Themen in aller Frauen Munde, zum Beispiel Patriarchat oder Gender-Pay-Gap usw. Diese Gemeinplätze werden ebenso unverstanden fortgeschwätzt, wie sie von den Massenmedien kolportiert werden.

        Diskussionen sollte Mann darüber tunlichst meiden, da er sich andernfalls unbeliebt macht, da er die weiblichen Argumente zerlegt. Und welcher Mensch will schon gerne am Ende einer Diskussion als vorurteilsbeladener Wiederkäuer dastehen ,,,?

    • djadmoros schrieb:

      „Ich habe nicht den Eindruck, dass diese Kritik jeweils das gleiche Gewicht hat: bei einer Frau im Erwerbsleben wird doch ihr »Empowerment«, das Erreichen von Unabhängigkeit, grundsätzlich gelobt, während der »Verlust an Weiblichkeit« nur bei einem entsprechenden Persönlichkeitstypus der Frau beanstandet wird.“

      Es stimmt, dass Frauen so gelobt werden (nicht von allen), doch entspricht diesem Lob das Lob des „neuen Vaters“, der sich mehr um Familie und Kinder kümmert – darüber beschweren sich ja nicht wenige Mütter, da all das Engagement und aufwändige Familienmanagement bei ihnen als „normal“ erwartet wird, wogegen männliches Engagement Anlass für Lobeshymnen ist.

      Was ich meinte mit den Verlusten, ist jeweils der Verlust an Sexyness, an Begehrt-Werden. Das halte ich nach wie vor für vergleichbar: Der „Hausmann“ verliert ebenso wie die „Karrierefrau“ in Top-Positionen an Attraktivität fürs andere Geschlecht.

      • @ClaudiaBerlin:

        »Das halte ich nach wie vor für vergleichbar: Der „Hausmann“ verliert ebenso wie die „Karrierefrau“ in Top-Positionen an Attraktivität fürs andere Geschlecht.«

        Ist das Problem der Karrierefrauen wirklich ihre mangelnde Attraktivität? Oder sind es nicht eher ihre fortbestehenden hypergamen Erwartungen, die den Kreis potentieller Partner plötzlich sehr klein werden lassen? Spätestens Arne hat auf Genderama immer wieder Artikel verlinkt, aufgrund derer ich auf letzteres tippe (war auch auf Geschlechterallerlei schon mal Thema). Den Typus »sizilianischer Zementmischer« nimmt die erfolgreiche Frau wohl schon mal mit aufs Hotelzimmer, aber auf Dauer zusammenleben wird sie mit dem wohl eher nicht.

      • @djadmoros: der Unterschied besteht darin, dass ein Mann mit Status und Karriere DADURCH ein PLUS an Männlichkeit erlebt, wogegen dasselbe bei der Frau eher ein MINUS ihrer Weiblichkeit bedeutet. Ganz unabhängig von der realen Attraktivität bei beiden.

        Was entspricht im übrigen auf weiblicher Seite dem „sizilianischen Zementmischer“? Mir fällt da grade nix ähnlich Poetisches ein, aber ich denke, dass auch bei Männern der Trend dahin geht, für die Langfrist-Beziehung eher Frauen zu wählen, mit denen man mehr teilen kann als Sex.

  • Die feministisch angehauchten Männer – und das sind fast alle, die öffentlich gehört werden – zementieren das feministische Vorrecht, jammern zu dürfen. Alle feministischen Wellen waren ein Jammern über eingebildetes Unrecht. Darauf basiert feministische Ideologie, deren Existenzrecht zusammenbräche, wenn herauskäme, daß Frauen weder unterdrückt sind noch waren, Männer dagegen schon. Das Klagemonopol muß gebrochen werden. Solche Forderungen und Ächtungen halten die feministische Diktatur intakt. Ähnlich werden seit Jahrzehnten meine Bücher verschwiegen und verächtlich gemacht, das neueste aufgrund des Titels „Die Unterdrückung der Männer“ bereits nicht gelesen. Denn diese darf nicht wahrgenommen, nicht erkannt werden, sonst bräche den Etablierten der Boden unter den Füßen weg. Darum dürfen sich Männer nicht beklagen.
    Genau dafür schreibe ich aber: Die Grundannahmen, Methoden und Fundamente des Feminismus der Lüge zu überführen, worauf zur Gesinnungsdiktatur gewordene feministische System zusammenbrechen wird wie ein Kartenhaus, dem die untere Reihe weggezogen wird.

    • @ jandeichmole Ich glaube, hier kippen zwei Perspektiven ineinander, die eigentlich kaum vereinbar sind. Feminismus ist für viele Frauen, die ich kennen gelernt habe, zunächst einmal keine politische Position, sondern eine Chiffre für eine Entwicklung, die ihnen Chancen ermöglicht hat – Chancen, die es so vor 100 Jahren für Frauen noch nicht gab.

      Dass „der Feminismus“, welcher auch immer, dafür nicht immer und in der Regel auch nicht allein verantwortlich war – geschenkt. Der Begriff Feminismus steht hier jedenfalls für eine Bewegung, die Frauen Selbstständigkeit ermöglicht hat.

      Und das finde, als eine bestimmte Perspektive, auch erst einmal völlig legitim und auch nachvollziehbar. Es ist halt EINE Perspektive – und dafür, unter anderem, gibt es ja offene Debatten, dass bestimmte Perspektiven mit ihren jeweiligen Begrenzungen sich mit anderen Perspektiven verschalten müssen, die andere Begrenzungen und andere blinde Flecken haben. Das erweitert am Ende den Blick von allen – theoretisch.

      Hier beginnt für mich das wesentliche Problem des heutigen Feminismus – dass dort offene Debatten nicht erwünscht sind und sogar verhindert werden. Anstatt die eigenen blinden Flecken auszuleuchten, werden sie damit gleichsam sakralisiert.

      Ein wesentlicher Grund, wohl DER Sündenfall des heutigen Feminismus, ist seine weiträumige Institutionalisierung. Institutionen – Frauenministerien, Gleichstellungsbeauftragte, Beratungsstellen, Gender-Studiengänge, Frauenquoten etc. – haben nun einmal, unabhängig von allen Inhalten, vor allem EINE Tendenz: sich selbst zu bewahren und zu vergrößern.

      Das bedeutet: Der heutige Feminismus hat seine Aufgabe vor allem darin, bestehende Institutionen – und das sind: Hunderte von Millionen aus öffentlichen Mitteln – zu legitimieren. Dafür wiederum werden seine Vertreterinnen aus diesen Institutionen, und mit Steuermitteln, unterstützt. Und das bedeutet: Positionen, die für die institutionelle Legitimation störend sind, werden möglichst aus dem Diskurs gedrängt.

      Überraschend ist für mich vor allem die absolute Skrupellosigkeit, mit der das geschieht. Schriften von Parteistiftungen der Grünen und der SPD stellen Kritiker des Feminismus aus Steuermitteln als Unterstützer des Massenmörders Breivik hin – ohne dafür auch nur irgendeinen Beleg zu haben. Der Nazi-Vorwurf ist schon zum Ritual geworden.

      Und diese bitteren Erfahrungen mit dem Feminismus haben mit der Erfahrung vieler feministischer Frauen – Feminismus als Garant eigener Selbstständigkeit – überhaupt nichts mehr gemein. Aus dieser Perspektive ist Feminismus tatsächlich eine Ideologie, deren Vertreterinnen sich durchaus systematisch der „Lüge“ bedienen, um eine „Gesinnungsdiktatur“ zu errichten.

      Nur: Meine Frage ist vor allem, wie angesichts solcher Bedingungen eigentlich noch eine Art des öffentlichen Gesprächs möglich ist, an dem möglichst viele und aus unterschiedlichen Perspektiven teilnehmen können. Die blinde Idealisierung UND die Verdammung des Feminismus bedienen jeweils nur bestimmte Filterblasen – ich finde es aber wichtig, dass diese Blasen durchlässiger werden, oder kombinierbar. Und daher versuche ich so zu schreiben, dass unterschiedliche Perspektiven Anschlussmöglichkeiten finden können. (Klappt nicht immer, weiß ich.)

      • „Die blinde Idealisierung UND die Verdammung des Feminismus bedienen jeweils nur bestimmte Filterblasen“

        Feminismus ist halt zu einseitig und abwegig, viel zu speziell. Die meisten interessieren sich sowie nicht dafür und haben gleich auf Durchzug geschaltet.
        Es ist ja auch nicht der Feminismus, der regiert. Sondern reaktionäre, im eigentlichen Sinne anti-feministische Politik, die die Errungenschaften der Gleichberechtigung zurückrollen. Daher verfehlt Kritik am „Feminismus“ auch ihr Ziel. Denn dieser bedient nur einen Mythos, an den man gerne glaubt und der alimentiert wird, im Sozialstaatssystem, als nützliche, deflekterendes Feigenblatt.
        Wenn die Gesellschaft sich derart selbstbelügen will, dann wundert es nicht, dass die Art der Kommunikation darunter leiden muss. Diese Tabus, die den Blick auf die Realität verstellen und diese radikal umdeuten, führen zum Zersetzen des Denkens, dem Primat des Willens und der handgreiflichen Umsetzung von politischen „Wahrheiten“.
        Wenn der Nachschub an Wohlstand ins Stocken gerät, dann wird es erst die grossen Probleme geben und wenn das Sozialsystem unhaltbar wird. Die Gemeinden von Deutschland scheinen schon jetzt pleite und jede Struktur bis auf den Bund, der viel Einfluss hat und Vermögen aus dem Export generiert. Doch wenn der Export stark zurückgeht, dann gerät dies alles ausser Balance. Das denken viele und deshalb schweigen sie auch lieber. Es ist ja ohnehin klar, dass der „öffentliche Diskurs“ eine Einbahnstrasse sein soll.
        Wohin diese Gesellschaft sich entwickeln wird, scheint für Allzuviele extrem fragwürdig geworden zu sein. Der Feminismus, wie er sich heute präsentiert, liefert dazu den zynischen Sirengesang.
        In all dem kann man nur die Begeisterung für die Selbstzerstörung drin sehen. Diese Lust am Grauen lässt es sie dann auch authentisch als „ironisch“ empfinden, Männerhass zu zelebrieren. Sie glauben ja tatsächlich an die Übermacht des Patriarchats. Weil sie daran arbeiten, dass dies so kommt.
        Was hätte jemand aus den 60ern gesagt (mit Zeitmaschine zurück und interviewt) wenn er wüsste, dass Feminismus sich 2016 bedingungslos für den Islam einsetzt und den als Emanzipation hinstellt? Und jeden Dialog zerstört, zersetzt und unterbindet. Kaum vorstellbar, das würde fast niemand glauben.

      • Was du schreibst, ist durchweg feministisch. Du bist völlig im feministische Weltbild gefangen, hast die grundlegenden Fehler der Ideologie nicht erkannt. Wie meine Bücher beweisen (und die von van Creveld u.a.), wurden Frauen in jeder Epoche bevorzugt, Männer immer belastet, solche Bevorzugung zu schultern.
        Die feministische Behauptung von Unterdrückung ist völlig absurd. Auch frühere Rollen waren so aufgrund weiblichen Bedarfs, weiblicher Wünsche und Selektion durch Frauen.
        Wenn es heute möglich ist, sich anders zu verhalten als vor Jahrhunderten, dann aufgrund technischer Fortschritte, die überwiegend von harter männlicher Arbeit geschaffen wurden.
        Bevor du zum „Allgemeingut“ gewordene feministische Phrasen wiederholst, solltest du mal die Beweise in den Büchern lesen. Das tun die meisten nur nicht, weil sie alles zu wissen glauben, obwohl sie noch innerhalb des feministischen Weltbildes feststecken. Außerdem lehnen viele alles ab, was außerhalb der Ideologie ist – weil es vorab und in Unkenntnis als „böse“ eingestuft wird. Genauso funktionieren religiöse Sekten. Alles, was vom Sektendenken abweicht, gilt als „teuflisch“ und „böse“ – wie beim heutigen Feminismus.
        Bevor du nicht von der Verherrlichung der ersten feministischen Welle wegkommst, die genauso radikal und zerstörerisch war in ihrer Epoche, entkommst du nicht obigen Irrtümern. Literatur dazu: Die Buchreihen „Die beiden Geschlechter“, Band 1 bis 5, sowie die Buchreihe „Weibliche Wahlmacht“, Band 1 bis 3, und van Creveld, „Das bevorzugte Geschlecht“.

      • @jandeichmohle:

        »Du bist völlig im feministische Weltbild gefangen, hast die grundlegenden Fehler der Ideologie nicht erkannt.«

        »Bevor du zum „Allgemeingut“ gewordene feministische Phrasen wiederholst …«

        »Bevor du nicht von der Verherrlichung der ersten feministischen Welle wegkommst …«

        Solche »Verblendungsvorwürfe« laden nicht gerade eben zur Diskussion ein. Das klingt für meinen Geschmack eine Spur zu sehr nach einem weiteren Propheten, der sich im Besitz der alleinseligmachenden Wahrheit wähnt.

      • @Jan
        „Was du schreibst, ist durchweg feministisch. Du bist völlig im feministische Weltbild gefangen“

        Es kommt mir so vor, als seist du das…
        Schoppe hat diesen Fokus auf den Feminismus als etwas komplett Eigenständiges eben nicht und stellt ihn als Erfüllungsgehilfen und Steigbügelhalter der Traditionalisten hin, ihr „patriarchales“, konservativ-reaktionäres Weltbild, welches derzeit ja leider pausieren muss, stützend und „reproduzierend“.
        Selbst wenn du davon nicht überzeugt bist, dann erkenne wenigstens, dass der Feminismus hier in einem wesentlich grösseren Kontext gedeutet wird, der einen Fokus auf das „feministische Weltbild“ völlig hinter sich lässt.
        Diese Erklärung ist eine sehr gute, da produktive, denn sie löst die Paradoxa des Feminismus, seinen Paternalismus gegenüber Frauen, seine Affinität zum Autoritarismus, den durchgängigen Antiintellektualismus. Alles Charakteristika, die traditionell klassisch politisch rechts zu verorten sind.

      • @ jandeichmohle „„durchweg feministisch“. „völlig im feministische Weltbild gefangen“, „feministische Phrasen“, „Verherrlichung der ersten feministischen Welle“ , „innerhalb des feministischen Weltbildes feststecken“ – und das alles, weil ich schreibe, dass Menschen aus unterschiedlichen Perspektiven urteilen?

        Für mich ist auch solch eine Position ein Symptom dafür, dass offene Debatten immer weniger geführt werden. Es fehlt einfach die Erfahrung, mit anderen Menschen anderer Meinung zusammenzukommen und sich gleichwohl verständigen zu können.

        Ich hab beruflich schon häufig Gespräche geführt, in denen ich zwischen Menschen in Konflikten vermittelt habe – oder es versuchte. Sehr wichtig für solch eine Mediation ist, grundsätzlich davon auszugehen, dass für Menschen das, was sie sagen, Sinn ergibt und reale Funktionen erfüllt – auch wenn es aus anderen Perspektiven falsch aussieht. Die Defizite dessen, was Menschen sagen, macht man dann nicht dadurch deutlich, dass man ihnen ihre Blödheit vorführt – sondern dadurch, dass sie die Erfahrung machen, welche Grenzen ihre Position im Lichte der Erfahrung anderer hat.

        Das fehlt natürlich deutlich im heutigen Feminismus – da ist es Programm, sich gegen die Erfahrungen von Männern abzudichten. Für mich ist aber die Frage, wie daran etwas zu ändern ist.

        Sicher bin ich mir darin, dass der Gestus der Entlarvung nicht hilft. Der drückt einfach nur aus, dass die EIGENTLICH richtige Einschätzung der Welt nur aus einer ganz bestimmten Perspektive möglich ist – und dass nur von daher die trügerische Oberfläche der Welt durchdrungen werden könne. Man redet dann nicht mehr mit anderen, weil man ständig damit beschäftigt ist, die Falschheit ihres Weltbildes nachzuweisen. Und ihnen zu erzählen, was sie EIGENTLICH denken würden, wenn sie dann endlich mal RICHTIG denken würden.

        Es ist gewiss kein Zufall, dass in den autoritären Strömungen einer heutigen Linken solch ein Entlarvungsgestus zur Grundausstattung gehört. Es ist für mich, wie oben schon formuliert, ein Symptom des Verlusts offener Debatten – und ein Symptom, das zugleich das Problem verschärft.

      • Du machst das sehr gut, finde ich. Vor allem empfinde ich als sehr positiv, dass du die ursprünglichen Anliegen siehst und akzeptierst – wie es jeder humanistisch gesinnte Mensch eigentlich tun müsste!

        Wenn ich Sätze lese wie von Jandeichmohle:

        „Alle feministischen Wellen waren ein Jammern über eingebildetes Unrecht. “

        dann frag ich mich wirklich, wie man sowas Ernst meinen kann! Was ist das nur für ein Mann? Wünscht er sich Verhältnisse zurück wie in den 50gern oder im 19. Jahrhundert?
        Männer waren halt NICHT in der damaligen gesellschaftlichen Situation so dermaßen marginalisiert und aufs häusliche Wirken beschränkt wie Frauen. Hätten Männer das erlebt, hätten sie genauso rebelliert, davon bin ich überzeugt.

  • „Das Modell der geschützten und bewahrenden Weiblichkeit ist also kein Gegenmodell zur disponiblen Männlichkeit, sondern seine notwendige Ergänzung – ebenso wie umgekehrt.“

    Da die „männliche Rolle“ der Moderne durch die Weltkriege total diskreditiert wurde, blieb den verkappten Fürsprechern dieser Tradition nichts anderes übrig, als am unhinterfragt gebliebenen weiblichen Komplement anzusetzen und dieses aggressiv auszubauen.

    Offenbar hat das bis heute fast niemand klar erfasst, dass Feminismus nichts anderes ist, als die Fortführung dieser verhängnisvollen Traditionslinie.

    Der Feminismus ruft eigentlich nur den „starken Mann“ herbei, verleugnet dieses Ziel ironischerweise mit der Denunziation seiner Gegner als „Reaktionäre, die traditionelle Geschlechterrollen wiederherstellen wollen“.
    Auf diese komplette Verdrehung, diese Inversion, muss man erst mal kommen….

    Es ist das „Verdienst“ der „alternativen Linken“, dieses „traditionelle Denken“ mainstream-fähig gemacht zu haben und so weissgewaschen, dass es unbedenklich erscheint, ja als absolut zu befolgen. Es ist ja auch als die Güte schlechthin darzustellen. Dass es in der Dialektik mit dem Bösen überhaupt möglich ist und untrennbar damit verbunden, kann man schliesslich hervorragend ausblenden.

    So ist wohl auch zu verstehen, dass schon bei der alternativen („undogmatischen“) Linken der 70er immer wieder irrationale Begeisterung für den NS spontan aus der Gefühlsduseligkeit des „weiblichen“ Imperativs der unbegrenzten Güte auftauchte.
    Besonders krass hat dies Robert Crumb persifliert, in zahlreichen Cartoons. Siehe auch die Szene gegen das Ende von „Fritz the Cat“ (wohl kein Zufall, dass „Fritz“ diesen deutschen Namen bekommen hat), wo Fritz an diese Terroristenzelle gerät, um den Junkie-Nazi-Rocker-Hasen.

    Eine Emanzipation oder besser schroffe Zurückweisung dieser Rollendualität ist überfällig, die scheinheilige Verleugnung als „Jammerei“ sollte einen gar nicht kratzen, sondern nur noch belustigen.

  • Arne Hoffmann zitiert bei Genderama aus einem Brief, der sich auf meinen Text bezieht:

    „Richtig, zu Soldaten passt jammern normalerweise nicht. (Ich halte JAMMERN auch ansonsten für Unsinn. Mit ein Grund weshalb mich die Feministen (m/w) mit ihrer Opferattitüde so anöden.) Soldaten beschweren sich und zwar sehr deutlich, wenn ihnen eine Ungerechtigkeit unterkommt. Zum Ideal des soldatischen Mannes gehört, dass er Unrecht sieht und bekämpft, und dass er den Mund aufmacht. So habe ich das jedenfalls in meinem Dienst gelernt und gehalten. Es geht hier um das Ideal, nicht darum, was sich manche darunter vorstellen.

    Im Übrigen, Soldaten leben gerade nicht das „traditionelle“ Männerbild. Das zeigt den Mann, der sich für seine Familie abarbeitet und dafür mit Sex belohnt wird. Soldaten (Frauen und Männer) halten, wenn es ernst wird, den Kopf für die gesamte Bevölkerung hin. Das haben sie geschworen und gelobt.

    Das ist eine andere Haltung als die, die sich Klein Fritzchen vorstellt.

    Dazu kommt, dass Schoppe über SS und Himmler redet, aber dabei aufs Heute zielt. Das ist eine unzulässige Verknüpfung. Das heutige soldatische Ideal ist weit vom nazistischen entfernt. Wir waren und sind die regulären Streitkräfte eines Parlaments, nicht eines Führers. Ideologie ist etwas Feines, wenn man etwas braucht um sich daran festzuhalten, aber man sollte schon drauf achten, in welcher Zeit man lebt.“

    Möglicherweise habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt. Mir ging es nicht darum, normativ oder präskriptiv (also: VORschreibend) zu argumentieren, sondern deskriptiv (BEschreibend). Mir geht es von wenigen Ausnahmen (s.u.) abgesehen nicht darum zu entscheiden, welche Art des männlichen Lebens in Ordnung ist (unsoldatisch) und welche nicht (soldatisch) – sondern zu überlegen, warum Männlichkeit in öffentlichen Diskussionen sehr viel stärker in Frage gestellt wird als Weiblichkeit. Und das ist sicher der Fall: Oder kann sich, z.B., jemand ein SPD-Parteiprogramm vorstellen, das klarstellt, eine menschliche Gesellschaft sei nur durch die Überwindung der weiblichen möglich?

    Die gedankenlose, aber wohl weit verbreitete Antwort: Frauen seien nun einmal sozial verträglicher als Männer und müssten daher gar nicht in Frage gestellt werden. Das aber ist ja un gerade ein Problem an Texten wie dem Mitscherlichs. Nur jemand, der das eigene Potenzial zur Gewalt einräumt, ist auch in der Lage, es zu kontrollieren. Wer Frauen den Eindruck vermittelt, prinzipiell das friedfertige Geschlecht zu sein, fördert dadurch also eher Gewalt, als dass er sie erschweren würde.

    Die einzige Erklärung, die ich für die einseitige Infragestellung der Männlichkeit habe, ist eben: Männer haben – insbesondere, aber nicht nur, als Soldaten – im zwanzigsten Jahrhundert flächendeckend so extreme, gewaltsame Erfahrungen gemacht, dass es einfach dringlich war, nach Möglichkeiten der Änderung zu suchen. Nicht durch Feministinnen – sondern zunächst einmal durch Männer selbst.

    Was Soldaten angeht, bedeutet das nicht die Verdammung ihrer Funktion. Es bedeutet aber, dass es schädlich ist, diese Funktion mit dem Muster männlicher Disponibilität zu vermengen. Ein Beispiel:

    „Das ist auch Euer Krieg!“ heißt ein Buch von Heike Groos, in dem sie Berichte deutscher Soldaten aus Afghanistan sammelt. Einer zum Beispiel erzählt davon, dass Material und Geräte zu einem großen Teil nicht funktionieren würden und dass die Bundeswehr darauf angewiesen sei, vieles von den Amerikanern zu bekommen. Zugleich hätte die Bundeswehr in Afghanistan aber ein ausgeklügeltes Mülltrennungskonzept.

    Das ist nur ein verrücktes Detail von vielen. Wichtig ist hier offenbar, dass die Soldaten bitteschön nicht schmutzen – ansonsten müssen sie in ihrem Arbeitsmaterial nicht sonderlich gut ausgestattet sein.

    Und das ist eben ein Fehler. Die Soldaten sind – das macht auch der Titel des Buches deutlich – deswegen in Afghanistan, weil sie von Regierung und Bundestag, aber repräsentativ für das ganze Volk, dahin beordert wurden. Es wäre eigentlich Verantwortung dieser Bevölkerung, sich darüber zu informieren, wie es den Soldaten bei ihrem Auftrag eigentlich geht.

    Stattdessen sind sie so weit weg wie die deutschen Kriegsgefangenen, die Mitscherlich nur als kleine verwöhnte Kinder wahrnehmen kann. Und das ist nicht zu legitimieren. Wenn die ganze Bevölkerung, repräsentiert durch die Regierung, den Soldaten den Auftrag zum Einsatz gibt – dann muss sie erstens gewährleisten, dass diese Soldaten technisch und materiell so gut wie nur möglich ausgestattet sind – und sie muss sich beständig darüber informieren, unter welchen Bedingungen die Soldaten diesen Auftrag eigentlich erfüllen.

    Dass dies nicht geschieht, und mit großer Selbstverständlichkeit nicht, zeigt in meinen Augen sehr deutlich, wie stark Soldaten weiterhin als beliebig disponibel betrachtet werden.

    • @LS
      „….. zu überlegen, warum Männlichkeit in öffentlichen Diskussionen sehr viel stärker in Frage gestellt wird als Weiblichkeit.“

      Man sollte vielmehr darüber nachdenken, was es mit dieser Zuschreibungs-Dichotomie „männlich“/“weiblich“ auf sich hat.
      Allgemein menschliche Eigenschaften werden hier essentialisiert und als „Wesenheiten“ „Männern“ bzw „Frauen“ zugeschrieben. Das ist der reine und eigentliche Sexismus, der dem Geschlecht bestimmte inhärente Eigenschaften zuteilen will, wobei der heutige Sexismus eben dogmatisch von der „Güte der Frau“ und der „Schlechtigkeit des Mannes“ als oberster Grundprämisse ausgeht. Das ist so allgemein verbreitet, dass es schwierig ist, sich überhaupt intellektuell davon freizumachen und zu erkennen, dass es nichts weiter ist, als ein politischer Mobilisierungs- und Aufstachelungsmechanismus.

      Daher erübrigt sich gleich die Frage „warum Männlichkeit in öffentlichen Diskussionen sehr viel stärker in Frage gestellt wird als Weiblichkeit“ und verführt auch nicht zur unbegründeten Hoffnung, dass das Problem innerhalb einer männlich/weiblich-Zuschreibungs-Dichotomie zu lösen ist.

      Diese Dichotomie ist selbst das Problem, sie muss rundum abgelehnt und zurückgewiesen werden.

      „Wer Frauen den Eindruck vermittelt, prinzipiell das friedfertige Geschlecht zu sein, fördert dadurch also eher Gewalt, als dass er sie erschweren würde.“

      Das ist nichts anderes als ein Persilschein für Aggression, unter dem Deckmantel einer identitären Ideologie der „höheren Güte der Frau“, die jede Schlechtigkeit uminterpretierbar macht. Schwer zu glauben, dass zB Mitscherlich nicht klar war, was sie hier eigentlich machte — einen Geschichtsrevisionismus der ganz einschlägigen, revanchistischen, Art.

      „Es wäre eigentlich Verantwortung dieser Bevölkerung, sich darüber zu informieren, wie es den Soldaten bei ihrem Auftrag eigentlich geht.“

      Die naheliegenste Frage diesbezüglich scheint niemandem in den Sinn gekommen zu sein. Warum stützt die Bundeswehr ein radikal-islamisches System, in dem die Sharia unangefochten gelten kann? Aber man verliert sich offenbar lieber in „verrückten Details“, wie das Buch von Heike Groos zu zeigen scheint.

      Natürlich sind Soldaten „disponibel“. Wer Politik mit Waffengewalt macht, dem muss klar sein, dass es eigene Verluste geben muss. Fragt sich nur, um welcher Ziele willen das geschieht.
      Ich finde es sehr befremdlich, wenn Dein Hinweis auf eine solche klar verdammenswerte Politik, die einem völlig fehlgeleiten Idealismus folgte als „unzuverlässige Verknüpfung“ mit dem dem „Heute“ pauschal abgetan wird, als könne dies niemals mehr der Fall sein.

  • @claudia: du schreibst

    Im Sinne eines geschlechtsneutralen Humanismus sehe ich die Intention des Gender Mainstreaming als deutlichen Fortschritt gegenüber reiner Frauenförderung.
    […]
    Vielfach wird da faktisch und entgegen der Intention immer noch im wesentlichen Frauenförderung betrieben […]
    Wie ich dann oben schrieb: es ist SACHE DER MÄNNER, das zu ändern!

    Verstehe ich das richtig: Man einigt sich darauf, ein Projekt mit bestimmten Zielen durchzuführen. Im Lauf der Zeit wird klar, dass die verantwortlichen Personen nicht auf diejenigen Ziele hinarbeiten auf die man sich geeinigt hat, sondern eine eigene im ursprünglichen Projekt nicht vorgesehene Agenda verfolgen. Verschärfend kommt hinzu, dass die neue Agenda nicht nur einfach anders ist als die ursprünglich vereinbarten Ziele, sondern diesen sogar diametral zuwiderläuft.
    Wenn nun jemand kommt und auf diesen Widerspruch zwischen der Intention und dem was tatsächlich gemacht wird hinweist, dann besteht deine Antwort darin zu sagen, derjenige solle sich doch bitte selber darum kümmern dass sich das ändert?

    Oder mit anderen Worten: A hält sich nicht an die Abmachung und B weist ihn darauf hin. Die Verantwortung dafür das falsche Verhalten von A zu korrigieren liegt dann lt. dir nicht bei A (der sich falsch verhält), sondern bei B (der A darauf hinweist)? Ich frage mich in welcher Welt ergibt das bitte Sinn?

    Siehst du überhaupt ein Problem darin, dass so offensichtlich und großflächig entgegen der Intention des Gender Mainstreaming gearbeitet wird? Siehst du hier eine gewisse Verantwortung auf Seite derjenigen, die aktiv gegen die Intention arbeiten, oder sollen die ruhig so weitermachen und andere sind in der Pflicht diesen Widerspruch aufzulösen?

    • „Oder mit anderen Worten: A hält sich nicht an die Abmachung und B weist ihn darauf hin. Die Verantwortung dafür das falsche Verhalten von A zu korrigieren liegt dann lt. dir nicht bei A (der sich falsch verhält), sondern bei B (der A darauf hinweist)? Ich frage mich in welcher Welt ergibt das bitte Sinn?“

      Deine Verkürzung gibt nicht wieder, wie ich das meinte!!! Ich sprach von politischen Prozessen, nicht von Vereinbarungen von Individuen. Es ist normal, dass sich erfolgreiche soziale Bewegungen irgendwann institutionalisieren und die Dinge in ihrem Sinne ändern. Vor diesem Hintergrund empfand ich die Intention von Gender Mainstreaming schon als ziemlichen Fortschritt gegenüber dem Verharren bei der einfachen „Frauenfrage“.

      Wenn in der Praxis die Intention nicht umgesetzt wird, weil da überall etablierte Feministinnen in den Funktionen sitzen, die aus ihrer persönlichen Historie heraus immer schon für Frauen gekämpft haben und einfach so weiter machen – dann ist es eine falsche Erwartung, dass nun genau SIE es sein werden, die ihr Engagement radikal ändern und sich für die Interessen von Jungen und Männern einsetzen.

      „Siehst du überhaupt ein Problem darin, dass so offensichtlich und großflächig entgegen der Intention des Gender Mainstreaming gearbeitet wird? “

      Ja, sehe ich. Aber genau wie es Frauen waren, die mittels vielfältigen Engagements und entgegen vieler Widerstände (!) die Welt geändert haben, so müssen jetzt vor allem Männer dafür sorgen, dass ihre Interessen nicht ganz hinten runter fallen. Die Erwartung, dass es genüge, mal auf manchen Missstand hinzuweisen und ansonsten zu erwarten, dass etablierte Funktionärinnen sich kümmern sollen – also sorry, das ist ein bisschen wie „Mutti soll es richten!“

      Dazu würde zum Beispiel gehören, zumindest offen Gesicht zu zeigen und zu seinen Meinungen zu stehen, anstatt sich mehrheitlich anonym und per Pseudo zu äußern. Natürlich riskiert man damit, auch angegriffen zu werden und vielleicht in bestimmten Bereichen sogar berufliche Nachteile – aber hey, glaubt Ihr denn, Frauen in den 70gern wären auf ein freundliches und den Forderungen gewogenes Umfeld getroffen?

      Insbesondere wundere ich mich über diese Erwartungen angesichts der Tatsache, dass deutliche Mehrheiten im Bundestag, in der Wirtschaft, in der Medienlandschaft und vielen Institutionen immer noch männlich sind. So „paradiesische Verhältnisse“ im Sinne potenzieller Mitstreiter/innen hatten Frauen der 2.Frauenbewegung bei Weitem nicht!

      • @ClaudiaBerlin:

        »Insbesondere wundere ich mich über diese Erwartungen angesichts der Tatsache, dass deutliche Mehrheiten im Bundestag, in der Wirtschaft, in der Medienlandschaft und vielen Institutionen immer noch männlich sind. So „paradiesische Verhältnisse“ im Sinne potenzieller Mitstreiter/innen hatten Frauen der 2.Frauenbewegung bei Weitem nicht!«

        Genau das ist aber ein im strikten Sinne sexistischer Fehlschluss! Warum sollten diese Männer potentielle Verbündete sein, bloß weil sie Männer sind? Das Gegenteil ist der Fall: sie sind Verbündete des institutionalisierten Feminismus, und das (siehe den einstimmigen »Volkskammerbeschluss« zur Verschärfung des Sexualstrafrechts) in einem Ausmaß, dass es sich schon »gleichgeschaltet« anfühlt.

        »Dazu würde zum Beispiel gehören, zumindest offen Gesicht zu zeigen und zu seinen Meinungen zu stehen, anstatt sich mehrheitlich anonym und per Pseudo zu äußern. Natürlich riskiert man damit, auch angegriffen zu werden und vielleicht in bestimmten Bereichen sogar berufliche Nachteile – aber hey, glaubt Ihr denn, Frauen in den 70gern wären auf ein freundliches und den Forderungen gewogenes Umfeld getroffen?«

        Grundsätzlich stimme ich Dir zu, dass »Gesicht zeigen« besser ist als anonymes Auftreten – aber die Feministinnen der zweiten Welle hatten einen großen Vorteil, den die heutige Männerbewegung nicht nutzen kann: sie konnten damals hemmungslos aggressiv auftreten und sich darauf verlassen, dass dies bei hinreichend vielen Männern ein schlechtes Gewissen und Beschwichtigungsreflexe auslöst, wenn nicht sogar (siehe die »Mama-darf-ich«-Männerbewegung der 70er und 80er Jahre) Selbstgeißelungs-Prozessionen.

        Dieselbe Psychologie sorgt bis zum heutigen Tag für solche »Volkskammerbeschlüsse«.

        Ein aggressiver Mann wird dagegen erst mal als Gefahr eingebucht und ist praktisch schon als Nazi abgestempelt. »Angry White Man«, der Angst um seine Privilegien hat. Aus dem double bind, wütend zu sein, ohne aggressiv wirken zu dürfen, muss man sich mental erst mal befreien können, genau darum äußert sich ein großer Teil dieser Wut anonym. Für eine Stigmatisierungsumkehr am Begriff der »Furie« oder Hexe (»Tremate! Tremate! Le streghe son tornate!«) gibt es kein männliches Äquivalent.

        • djadmoros:

          „aber die Feministinnen der zweiten Welle hatten einen großen Vorteil, den die heutige Männerbewegung nicht nutzen kann: sie konnten damals hemmungslos aggressiv auftreten und sich darauf verlassen, dass dies bei hinreichend vielen Männern ein schlechtes Gewissen und Beschwichtigungsreflexe auslöst…“

          Da ist was dran, ja. Aber WARUM war das denn so? Doch deshalb, weil damalige Männer sich nur umschauen mussten, um zu erkennen, dass die frauenbewegten Forderungen und Kritiken angesichts der real existierenden gesellschaftlichen Verhältnisse einige Berechtigung hatten! Und weil – damals wie heute – die Mehrheit in heterosexuellen Partnerschaften lebte, reichten die Auseinandersetzungen in nahezu jede Beziehung hinein („das Private ist politisch“). Viele damals jungen Männer hatten weder echte Argumente noch tatsächliche Gründe, sich gegen die Emanzipationsbestrebungen ihrer Freundinnen zu richten, wenn es auch unter den Älteren massive Widerstände, Verspottungen und Anfeindungen gab.

          „Warum sollten diese Männer potentielle Verbündete sein, bloß weil sie Männer sind?“

          Weil sie – sofern und soweit Eure Forderungen und Kritiken berechtigt sind – diese doch eher als Frauen nachvollziehen können müssten. Oder etwa nicht?

          POTENZIELL heißt „denkbar“ „zukünftig möglich“ – auch damals waren bei weitem nicht alle Frauen der Frauenbewegung zuzurechnen. Es gab viele, die sich einfach nur über die „Emanzen“ lustig machten und gern zum Besten gaben, warum sie sich in ihrer traditionellen Weibchen-Rolle ganz super aufgehoben fühlen und die Vorteile gerne genießen.

          @uepsiloniks:

          „Und wie daneben ist es eigentlich, einer Gruppe von Menschen, die systemischer Ungerechtigkeit ausgesetzt sind, achselzuckend zu sagen, dass sie selbst und allein sich darum kümmern sollen? Männer geben hier ein deutlich besseres Bild ab, da sie sich auch gegen Ungerechtigkeiten engagieren, von denen sie nicht direkt betroffen sind.“

          Typisch feindselige Sicht der Dinge! Wie kommst du auf das schmale Brett, mir vorzuhalten, ich würde mich nicht gegen Ungerechtigkeiten engagieren, von denen ich nicht direkt betroffen bin? Das mache ich schon mein ganzes langes Leben lang und eine Sichtung meines Blogs gibt da auch Auskunft.

          Eher könnte ich dir vorwerfen, nicht fähig zu sein, einen gut gemeinten Rat als solchen zu erkennen! Es liegt doch auf der Hand, dass sich mehr Männer engagieren müssen, wenn es um Anliegen von Männern und Jungen geht. Und wenn es so schwer ist, Männer dazu zu bewegen, sich mit diesen Themen auseinander zu setzen, dann liegt eigentlich der Schluss nahe, dass sie gar nicht so sehr an den Missständen leiden, die Ihr kritisiert. Ein Argument übrigens, das ich von Männern im persönlichen Freundeskreis zu hören bekomme, wenn ich mal so ein „Männerthema“ anspreche.

      • Insbesondere wundere ich mich über diese Erwartungen angesichts der Tatsache, dass deutliche Mehrheiten im Bundestag, in der Wirtschaft, in der Medienlandschaft und vielen Institutionen immer noch männlich sind. So „paradiesische Verhältnisse“ im Sinne potenzieller Mitstreiter/innen hatten Frauen der 2.Frauenbewegung bei Weitem nicht!

        Feministinnen konnten sich immer der Hilfe und Unterstützung feministisch gesinnter Männer sein. Und wie daneben ist es eigentlich, einer Gruppe von Menschen, die systemischer Ungerechtigkeit ausgesetzt sind, achselzuckend zu sagen, dass sie selbst und allein sich darum kümmern sollen? Männer geben hier ein deutlich besseres Bild ab, da sie sich auch gegen Ungerechtigkeiten engagieren, von denen sie nicht direkt betroffen sind.
        Das Thema hatte ich gerade auf meinem Blog, u.a. mit der Feststellung, dass es nicht darauf ankommt, welches Geschlecht eine Person an der Macht hat, sondern, welche Politik er betreibt, Zitat:

        Aber Feministinnen stieren wie hypnotisiert auf die Chefetagen, ignorieren die Obdachlosen und schlussfolgern messerscharf: Männer haben die Macht. […] Nur dass es einem Trennungsvater nix bringt, dass die meisten Chefs Männer sind. Er kann nicht den Chef der Deutschen Bank oder den Bundespräsidenten anrufen und ihn bitten, doch mal seine Probleme mit seiner Ex-Frau zu regeln. Es kommt nicht darauf an, wer sich in einer Machtposition findet, es kommt darauf an, welche Politik er betreibt. Zum Beispiel der aktuelle Justizminister: Ein Mann an der Macht, der aber eine knallharte Anti-Männer-Politik betreibt.
        https://uepsilonniks.wordpress.com/2016/10/08/macht/

      • @ClaudiaBerlin

        Du schreibst:

        „Und wenn es so schwer ist, Männer dazu zu bewegen, sich mit diesen Themen auseinander zu setzen, dann liegt eigentlich der Schluss nahe, dass sie gar nicht so sehr an den Missständen leiden, die Ihr kritisiert. Ein Argument übrigens, das ich von Männern im persönlichen Freundeskreis zu hören bekomme, wenn ich mal so ein „Männerthema“ anspreche.“

        Spielt natürlich auch immer eine Rolle, welchen Milieus diese Männern in Deinem Freundeskreis zugehören und ob dies repräsentativ für die Gesamtpopulation der Männer ist.

        Aber: Wenn man mal die Frauenpopulation mit anderen Populationen vergleichen würde (Population der Migranten, Flüchtlingen und Ausländer sowie mit der Population der Unterschicht bis hinauf zur unteren Mittelschicht), dann würde ich sagen, dass die Frauenpopulation, was die m.E. vier wichtigsten Kapitalarten anbelangt: ökonomisches, kulturelles, soziales und symbolisches viel besser dastehen als die zwei anderen auch genannten Populationen. Das heisst, die objektive soziale Lage ist bei den Frauen viel besser als bei den anderen zwei. Aber: das lauteste „Geschrei“ bezüglich Benachteiligung hörst Du ganz sicherlich von den Frauen, wenn man alle Populationen betrachtet. Das heisst: absolute Deprivation (objektive Lage) und relative Deprivation (subjektive Wahrnehmung) sind nicht kongruent. Das wäre erklärungsbedürftig und es wäre eben auch erklärungsbedürftig, weshalb die Menschen, auch Männer, die in einer objektiven schlechten Lage sind, was die vier Kapitalsorten anbelangt nicht stärker aufbegehren.

      • @Claudia: Mein Kritikpunkt ist unabhängig davon ob es um politische Prozesse oder Absprachen zwischen Individuen geht.

        Wenn, wie du selbst schreibst, in der Praxis die Intention nicht umgesetzt wird, dann ist es zuallererst einmal notwendig, diese Diskrepanz als Tatsache anzuerkennen. Das gilt für politische Bewegungen genauso wie für private Abmachungen. Wenn eine Bewegung wie z.b. der Feminismus mit der Intention antritt, die Lebensumstände von Frauen zu verbessern und sich für Frauen einzusetzen, dann ist die Erwartung feministische Politik würde sich darauf konzentrieren diese Ziele umzusetzen eigentlich ziemlich einleuchtend. Eine fiktive feministische Politik, welche Frauen benachteiligt (z.b. ihnen das Wahlrecht entziehen will, Zugang zu Universitäten einschränken usw) wäre in deiner Welt kein Problem: Die Erwartung, dass feministische Akteure sich für feministische Ziele einsetzen wäre falsch. Der Hinweis auf diesen Widerspruch ist leicht zu beantworten mit der Wörterbuch-Definition von Feminismus, ungeachtet dessen dass die faktischen Taten die Worte Lügen strafen. Wenn auf diese Art und Weise die Wirklichkeit von den Worten entkoppelt ist, dann sehe ich keine Möglichkeit wie überhaupt eine sinnvolle Verständigung oder soziale Zusammenarbeit möglich sein soll. Schoppe drückt das folgendermaßen aus:

        Wer lernt und sich entwickelt, macht die Erfahrung, dass die eigene Perspektive durch die anderer nicht nur provoziert und in Frage gestellt, sondern auch bereichert und ergänzt werden kann. Voraussetzung dafür ist die Annahme einer gemeinsamen Wirklichkeit, die unabhängig von allen einzelnen Perspektiven existiert, vor deren Horizont aber diese Perspektiven koordiniert werden können.

        Ja, sehe ich. Aber genau wie es Frauen waren, die mittels vielfältigen Engagements und entgegen vieler Widerstände (!) die Welt geändert haben, so müssen jetzt vor allem Männer dafür sorgen, dass ihre Interessen nicht ganz hinten runter fallen. Die Erwartung, dass es genüge, mal auf manchen Missstand hinzuweisen und ansonsten zu erwarten, dass etablierte Funktionärinnen sich kümmern sollen – also sorry, das ist ein bisschen wie „Mutti soll es richten!“

        Es wäre nett, wenn du auch auf den zweiten Teil der Frage antworten könntest. Er lautet: „Siehst du hier eine gewisse Verantwortung auf Seite derjenigen, die aktiv gegen die Intention [von Gender Mainstreaming] arbeiten, oder sollen die ruhig so weitermachen?“

        Die Gender Mainstreaming Beauftragten müssten einfach nur ihre Arbeit ordentlich machen (aus deiner Definition: „…Wirkungen von Maßnahmen auf Männer und Frauen systematisch zu berücksichtigen“.) anstatt sich einseitig fast ausschließlich auf Frauen zu konzentrieren, dann gäbe es für Männer keinen Grund sich zu beschweren. Das tun sie aber nicht. Deine Formulierung „Mutti soll es richten“ empfinde ich in diesem Kontext als zynisch.

        • @pingpong
          Ich fände es gut, wenn die ursprüngliche Intention von „Gender Mainstreaming“ von allen damit befassten Akteurinnen und Akteuren umgesetzt würde – na klar! Dass Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts bekämpft werden sollten, ist richtig, egal welches Geschlecht es trifft.

          Das hilft aber nicht über die Frage hinweg, was alles ganz konkret als Diskriminierung zu betrachten ist – das ist Gegenstand politischen Streits, der aber auch geführt werden sollte!

          Das Thema „Gender Mainstreaming“ hab ich überhaupt hier eingebracht, weil ich es ziemlich unsinnig finde, das wg. ungenügender Praxis zur Gänze abzulehnen. Wäre ich Mann und würde mich wg. irgendwas diskriminiert fühlen, würde ich ganz im Gegenteil bei jeder Gelegenheit den ursprünglichen Wortlaut der einschlägigen Papers zitieren und die Umsetzung für alle Geschlechter verlangen. Ist doch schön, wenn solche Grundsatzerklärungen auf hoher Ebene (EU) schon mal vorhanden sind…

    • „so müssen jetzt vor allem Männer dafür sorgen, dass ihre Interessen nicht ganz hinten runter fallen.“ (Claudia) Das ist ganz pragmatisch sicherlich so. Wer nicht für seine eigenen Interessen eintritt, kann nicht erwarten, dass andere dafür eintreten. Es ist schön und hilfreich, wenn das geschieht, aber natürlich kann darauf niemand bauen.

      Männer haben sehr früh Frauenbewegungen unterstützt, gefördert, ihre Forderungen urchgesetzt – aber daraus können Männer heute nicht die Erwartung drechseln, dass Frauen sie ähnlich unterstützen sollten. Ich glaube allerdings, dass auch die feministische Heldinnengeschichtsschreibung nicht sehr hilfreich ist. Es gab natürlich Feindseligkeiten von männlicher Seite – aber die Vorstellung, ein paar tapfere, engagierte Frauen hätten eine reaktionäre männliche Phalanx durchbrochen, stimmt so nicht. Wir haben uns alles allein erkämpft, dann sollen die Männer es sich halt auch allein erkämpfen – das ist nicht haltbar, in keinem Satzteil.

      Ich verstehe aber, @Claudia, Deine Kommentare gar nicht in diesem Sinn – sondern im Sinn pragmatischer Hinweise.

      „Wenn in der Praxis die Intention nicht umgesetzt wird, weil da überall etablierte Feministinnen in den Funktionen sitzen, die aus ihrer persönlichen Historie heraus immer schon für Frauen gekämpft haben und einfach so weiter machen – dann ist es eine falsche Erwartung, dass nun genau SIE es sein werden, die ihr Engagement radikal ändern und sich für die Interessen von Jungen und Männern einsetzen.“

      Das sehe ich genauso. Und auch den folgenden Punkt:

      „Dazu würde zum Beispiel gehören, zumindest offen Gesicht zu zeigen und zu seinen Meinungen zu stehen, anstatt sich mehrheitlich anonym und per Pseudo zu äußern.“

      Politisch Einfluss zu nehmen und sich hinter Pseudonymen zu verbergen – das passt tatsächlich nicht gut zusammen. Nun gibt es allerdings tatsächlich schon einige Männer, die unter Klarnamen auftreten – ohne das hat Lobbyarbeit keinen Sinn. Für mich ist das sehr wohl ein Problem. Ich schicke ein paar andere vor, bleibe aber selbst hinter einem Pseudonym.

      Dafür habe ich, wie ich finde, einen guten Grund. Es wäre tatsächlich ein großes Risiko für meine Position als Vater, wenn ich meine – und eben: unsere – Geschichte hier mit Klarnamen im Netz diskutierte. Ich hatte mir ein Pseudonym gesucht, weil ich nicht unseren Sohn hier zum Gegenstand von Diskussionen hatte machen wollen.

      Ich erinnere mich zudem noch an die Geschichte des Bloggers „Wortschrank“, der – als Trennungsvater mit einem offenbar schwierigen Verhältnis zur Mutter – regelrecht in Panik seine Zelte im Netz abgebrochen hat, als sein Klarname hier stand.

      Ich bin mir über den Punkt noch nicht recht im Klaren. Denkbar ist für mich, dass ich nicht hier mein Pseudonym lüfte, sondern einfach andernorts unter Klarnamen politisch agiere.

      „Und wenn es so schwer ist, Männer dazu zu bewegen, sich mit diesen Themen auseinander zu setzen, dann liegt eigentlich der Schluss nahe, dass sie gar nicht so sehr an den Missständen leiden, die Ihr kritisiert. Ein Argument übrigens, das ich von Männern im persönlichen Freundeskreis zu hören bekomme, wenn ich mal so ein „Männerthema“ anspreche.“(Claudia)

      Unter etwas zu leiden hat ja, wie auch Mark zeigt, eine objektive und eine subjektive Dimension. Objektiv gibt es reale Benachteiligungen für Männer und Jungen, und die können Frauen eigentlich genauso wahrnehmen wie Männer. Wie Männer subjektiv damit umgehen, ist etwas ganz anderes.

      Neben der typischen Angst, als Jammerlappen dazustehen, spielt hier m.E. noch etwas anderes eine Rolle – nämlich, dass Männer sich kaum über ihr Geschlecht definieren, eher über ihren Beruf. Weiblich zu sein war – und vielfach: ist – für bürgerliche Frauen die wesentliche Quelle dafür, ihre Existenz zu bestreiten, als Ehefrau oder als Mutter. Bei Männern hat es dafür nie gereicht, einfach Mann zu sein, ebenso wenig wie bei proletarischen Frauen (die ja seit der zweiten Welle des Feminismus denn auch komplett draußen sind). Ihre Existenz sicherten Männer durch ihre berufliche Differenzierung.

      Das heißt: Männer kommen schnell und engagiert in ein Gespräch darüber, was in ihren Berufsfeldern schief läuft – aber eine Diskussion über ihre soziale Position ALS MANN ergibt für sie einfach keinen Sinn. Andersherum bedeutet das übrigens, dass der Feminismus sich eben deshalb als FRAUENBEWEGUNG präsentieren konnte, weil er auf einem überaus traditionellen Frauenbild aufsattelte.

      Pragmatisch aber ist es natürlich ein Problem, dass Männer sich sozial kaum als Männer definieren. Sich über seine Geschlechtszugehörigkeit zu definieren, ist sozusagen unmännlich – da muss schon mehr kommen. Ich glaube daher auch nicht, dass es jemals eine Männerbewegung geben wird, die ein Pendant zur Frauenbewegung sein könnte – dafür sind die Bedingungen einfach zu verschieden. Das betrifft sowohl das Engagement von Männern selbst als auch die Solidarität von Frauen.

      Die Diskussion hier kreist m.E. vor allem darum, dass es neben den ganz pragmatischen Positionen, die ich (@Claudia) in den meisten Fällen teile, auch noch eine politisch-moralische Bewertung gibt, im Hinblick auf die Integrität einer Politik nämlich. Feministinnen hatten ja niemals echte Druckmittel, haben nicht gestreikt, politischen Terror gab es nur in Maßen: Der Feminismus war erfolgreich mit MORALISCHEM Druck, auf Männer, die sich selbst als moralisch integere Menschen sehen wollten. Vor allem ging es solchen Männern eben darum, dass sie nicht als Feinde gleicher Rechte für Frauen und Männer dastehen wollten.

      Von einer Bewegung aber, die faktisch alles der Bereitschaft anderer verdankt, sich moralischen Argumenten zu beugen – von einer solchen Bewegung würde ich auch erwarten, dass ihre Protagonistinnen nicht ganz so arg amoralisch daherkommen, wie sie es tun. Wer erfolgreich damit ist, das Ziel der Gleichberechtigung zu propagieren und darauf zu bauen, dass andere dafür zurückstecken – der ist eben nicht mehr integer, wenn er (bzw. eben: sie) sich um Verletzungen von Rechten bei anderen überhaupt nicht schert.

      Wer aber so voll auf moralische Argumente setzt, wie Feministinnen es getan haben – der muss eigentlich ein Interesse daran haben, sich selbst als integer zu erweisen.
      Dafür, wie verrückt diese Politik heute ist, gerade ein aktuelles Beispiel vom Frauenministerium.

      https://twitter.com/BMFSFJ/status/785767669995896832

      Gleiche Chancen für Mädchen und Jungen, aber nur für Mädchen, bitte.

      Das ist moralisch unschön – ändert aber nichts daran, dass pragmatisch betrachtet schon Männer selbst für ihre Interessen einstehen müssen. Eine große Männerbewegung wird daraus wohl nie, aber vielleicht einmal eine Bewegung, die wieder Menschenrechte in den Mittelpunkt rückt.

      • Das sehe ich auch so, mit dem Zusatz daß

        „weil da überall etablierte Feministinnen in den Funktionen sitzen, die aus ihrer persönlichen Historie heraus immer schon für Frauen gekämpft haben und einfach so weiter machen“

        ziemlich genau dem Feindbild entspricht, das bei mir in den letzten Jahren entstanden ist. Zuende gedacht bedeutet das nämlich, daß die Damen in den Machtpositionen das Denken eingestellt haben, nur noch blind nach Vorteilen für Frauen suchen und beliebige Kollateralschäden für Männer inkauf nehmen. Von außen ist das von reinem Männerhaß (Haß = tiefe Abneigung + Wille, das Haßobjekt zu schädigen) kaum noch zu unterscheiden. Frau Schwesig ist ein Musterbeispiel – vor keinem Populismus und keiner Rechtsverdrehung schreckt sie zurück. Macht verdirbt den Charakter, heißt es, das kann man hier gut beobachten. Alleine die Lügen und Täuschungen im Zusammenhang mit dem aktuellen Entgeltgleichheitsgesetz sind unglaublich, dazu schreibe ich gerade etwas. Das ist auch das einzige, was man im Moment tun kann, nämlich die Propaganda, die immer noch von weiteren Teilen der weiblichen Wählerschaft blind geglaubt und der feministischen Presse nachgedruckt wird, zu demaskieren.

      • @Lucas: also dieses Bild würde ich jetzt nicht als total Jungenfeindlich interpretieren, bloß weil es zum #weltmädchentag gelabelt ist. Gegen die geschriebene Aussage lässt sich doch inhaltlich gar nichts einwenden! In vielen Ländern ist es ja auch tatsächlich noch so, dass Mädchen schlechtere Karten haben, was einen selbstbestimmten Lebensweg angeht.

        Aber mal konkret: Könntest du 3 Themen benennen, bei denen Männer aufgrund ihres Geschlechts aus deiner Sicht diskriminiert werden? Sozusagen die „Worst of“, von denen du meinst, dass die Ungerechtigkeit „von allen billig und gerecht Denkenden“ (juristisch üblicher Bezugspunkt) eingesehen werden können sollte?

        Liest man die Blogs der Männerbewegung, kommt man leicht von 100. ins 1000ste und oft sind die Vorwürfe ziemlich verallgemeinert…

      • @Claudia:

        Körperliche Integrität: Männliche Babys werden aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert. Genitalverstümmelung von männlichen Babys ist nicht verboten, von weiblichen Babys schon.
        Beruf / Frauenquote: Männer werden aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert.
        Gender- und „Gleichstellungs“beauftragte: Männer werden aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert und haben weder das aktive noch das passive Wahlrecht.

        Das sind Beispiele, bei denen der Gesetzestext explizit Männer benachteiligt und diskriminiert. Hinzu kommt eine Vielzahl von Konstellationen, bei denen die Gesetze zwar genderneutral definiert sind, in der tatsächlichen Anwendung aber Männer eindeutig benachteiligt werden. Beispiele hierfür sind Schule/Bildung (Jungen schneiden wesentlich schlechter ab), Gewaltschutz/präventation (quasi keine Angebote für Männer obwohl sie in gleichem Maße betroffen sind wie Frauen), Hilfe für Obdachlose (trotz >80% Männerquote bei Obdachlosen quasi ausschließlich Angebote für Frauen), der große Komplex Familienrecht/Väterrechte usw…

        Die folgenden Links geben einen Überblick:
        https://manndat.de/ueber-manndat/was-wir-wollen
        https://auschfrei.wordpress.com/rechte/

        Ich würde die Frage im Übrigen gerne an dich zurückgeben: Könntest du 3 Themen benennen, bei denen Frauen aufgrund ihres Geschlechts aus deiner Sicht diskriminiert werden? Sozusagen die „Worst of“, von denen du meinst, dass die Ungerechtigkeit „von allen billig und gerecht Denkenden“ (juristisch üblicher Bezugspunkt) eingesehen werden können sollte?

      • @ pingpong Danke für den Kommentar und die Links! Meine Auswahl (@ Claudia):

        Das Bild wäre nicht weiter problematisch, wenn das Ministerium insgesamt eine abgewogene Politik machen würde. Tut es aber nunmal nicht – das gibt keine entsprechenden Jungenveranstaltungen. So bleibt es dann bei der unangenehmen Feststellung, dass hier Erwachsene Kinder nach Geschlechtszugehörigkeit aufteilen in die, denen die Unterstützung Erwachsener zusteht – und die, denen sie nicht zusteht. Das finde ich schon jungenfeindlich.

        Mir ging es hier aber nicht einmal um diesen Punkt, sondern um den typischen Widerspruch des heutigen Feminismus – einerseits offiziell für Gleichberechtigung einzutreten, andererseits aber allein auf die Rechte und Bedürfnisse von Angehörigen eines Geschlechts fixiert zu sein und die Rechte des anderen Geschlechts sogar verächtlich zu machen.

        Aber die Frage nach einem Ranking finde ich gut. Ich würde das so sagen:


        Erstens: Gleichgültigkeit gegenüber Gewalt, wenn Männer Opfer sind

        Das betrifft zum Beispiel eine Politik, die ausschließlich Frauen Hilfe bei häuslicher Gewalt anbietet oder die sogar – wider besseres Wissen – Männer lediglich als Täter, Frauen lediglich als Opfer darstellt.

        https://mantaublog.files.wordpress.com/2014/04/e4496-hilfetelefonmutter.jpg

        (Hier natürlich mit dem Klassiker: Mutter und Kind eine friedliche Einheit, bedroht vom gewalttätigen Vater)

        https://mantaublog.files.wordpress.com/2014/04/f5441-hilfetelefonfrauscherben.jpg

        https://mantaublog.files.wordpress.com/2014/04/45d35-hilfetelefon30jahreehe.jpg

        https://mantaublog.files.wordpress.com/2014/04/adc7f-hilfetelefonanzeige.jpg

        https://mantaublog.files.wordpress.com/2014/04/6b785-hilfetelefonvorhang.jpg

        https://mantaublog.files.wordpress.com/2014/04/0c50e-hilfetelefonwasersagt.jpg

        Jedes einzelne dieser Bilder wäre okay, sogar das erste, wenn sie denn in der Reihe ausgewogen wären, weibliche Täterschaft und männliche Opfer nicht völlig vertuschen würden. So aber agiert das Familienministerium mit einer tief feindseligen Rhetorik. Zu sehen sind immer die Frauen und ihre Gesichter, leidend, fragend, Mitgefühl erzwingend – die Männer hingegen sind als Menschen gar nicht vorhanden, sondern nur als eine anonyme, schreckliche Macht spürbar, die schrecklichen Schaden anrichtet. Finde ich faschistoid.

        Die völlige Gleichgültigkeit gegenüber männlichen Gewaltopfern wird dann eben auch dadurch deutlich, dass es zwar hundertfach institutionalisierte Hilfe spezifisch für Frauen gibt, aber kaum welche für Männer. Als Amendt gefordert hat, Frauenhäuser umzuwandeln in Zentren gegen familiäre Gewalt, die beiden Geschlechtern helfen, ist er gar mit Morddrohungen konfrontiert worden. Als wäre das eine rundweg skandalöse Idee.

        Dazu gehört dann eben auch die Gleichgültigkeit gegenüber männlichen Opfern sexueller Gewalt, über die Stephan Schleim gerade geschrieben hat. Besonders schlimm und gravierend ist, dass diese Gleichgültigkeit eben nicht einfach nur irgendwie kulturell besteht, sondern politisch und mit beträchtlichem Einsatz von Steuermitteln produziert wird.

        Zweitens: Verachtung für Väter

        Das ist natürlich ein Klassiker. Obwohl ich davon auch persönlich betroffen bin, setze ich es erst als zweiten Punkt – weil auch dieser Aspekt logisch abhängig ist vom ersten. Zu dem Thema ist ja eigentlich wirklich viel gesagt, daher nur so viel: Wenn Menschen einfach aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit der Kontakt zu ihren Kindern genommen werden kann, ohne Angabe einer Begründung, ohne Möglichkeit, vor Gericht etwas dagegen zu tun – dann kann mir niemand erzählen, er hätte nicht gemerkt, dass das Menschenrechte verletzt.

        Es ist bezeichnend für die Kaputtheit der „Geschlechterpolitik“ in Deutschland, dass sich an diesen offenkundigen, gesetzlich forcierten, systematischen und tausendfachen Menschenrechtsverletzungen erst etwas geändert hat, als auf doppelte Weise von außen in die deutsche Politik eingegriffen wurde: von der europäischen Ebene nach Deutschland über das bahnbrechende Urteil des EuGH, von der juristischen in die politische über das Urteil des Verfassungsgerichts.

        Die deutsche Politik selbst war – trotz ihrer offenkundigen, allen präsenten Grausamkeit – weder reformfähig noch reformwillig. Das liegt einerseits an betonierten, konservativen Familienpolitikern („Das Kind gehört zur Mutter!“), andererseits an ebenso betonierten feministischen Lobbyistinnen („Alleinerziehen als Befreiung.“), die von beiden Seiten des politischen Spektrums aus Veränderungen blockierten. Hätte eine dieser beiden Gruppen gefehlt, hätte sich schon längst vorher etwas geändert.

        Drittens: Verachtung für Jungen

        Besonders gravierend, und damit komme ich zum Anfang zurück, finde ich die Verweigerung erwachsener Verantwortung gegenüber Kindern, die sich durch deren Geschlechtszugehörigkeit legitimiert.

        Die Gleichgültigkeit gegenüber den geschlechtsspezifischen schulischen Nachteilen von Jungen zum Beispiel, die von dem Kinderfeind Jürgen Trittin auch noch höhnisch im Bundestag verfestigt wurde (für ihn gehören Jungen halt zum „unbegabteren Geschlecht“).

        Die Bereitschaft, Jungen zu pathologisieren, einfach weil es Jungen sind.

        Das brutale Kalkül, Hilfsgelder für notleidende Kinder in armen Ländern ließen sich besser lockermachen, wenn ein Unternehmen („PLAN“) allein für die Hilfe von Mädchen steht.

        Die Fixierung auf Mädchen, die Opfer des Terrors werden – und die völlige Gleichgültigkeit gegenüber Jungen.

        Die jahrelange Vertuschung der systematischen sexuellen Gewalt gegen Kinder im Umfeld der Grünen (und durch grüne Funktionsträger), die sich eben auch dadurch begründete, dass diese Kinder vorwiegend Jungen waren. Feministinnen verhinderten laut Bericht der Grünen selbst gar die Thematisierung dieser Gewalt, weil sie die Aufmerksamkeit nicht von Mädchen weglenken wollten.

        Die Gleichgültigkeit gegenüber der Gewalt der Jungen-Beschneidung, die von Kinderärzten einmütig als illegitim verurteilt wird – während die Mädchen-Beschneidung selbstverständlich als furchtbarer Skandal erscheint.

        Ich finde die hier genannten Benachteiligungen besonders gravierend und pervers, weil es um KINDER geht, denen gegenüber ERWACHSENE eigentlich Verantwortung tragen müssten. Die „Geschlechterdebatte“ ist aber so hoffnungslos blockiert und in Klischees festgefahren, dass Erwachsene sich mühelos offen aus dieser Verantwortung stehlen und ihre Verantwortungsverweigerung sogar noch höhnisch kommentieren können – wenn die Kinder nur das falsche Geschlecht haben.

        Eine zusätzliche Meta-Benachteiligung noch ganz kurz zum Schluss: Die Verbissenheit, mit der Versuche diffamiert werden, diese Themen einmal offen anzusprechen. Bis hin zu den aus Steuermitteln finanzierten politischen Verleumdungen aus der Friedrich-Ebert-Stiftung oder der Heinrich-Böll-Stiftung, die Kritik an feministischen Positionen oder die Thematisierung von Rechtsverletzungen, die spezifisch Jungen oder Männer betreffen, als faschistoid hinstellen, als rechtsradikal, als Unterstützung des terroristischen Massenmörders Breivik.

        Was dann aber auch wieder die Frage anschließt: Wie tief tabuisiert ist die Thematisierung spezifischer Probleme von Jungen und Männern in diesen Parteien, wenn sie so maßlos – und übrigens auch völlig beleglos – mit Massenmorden konnotiert, also als tief sündhaft dargestellt wird?

        • Danke für die Antworten. Entgegen meiner Erwartung ist die Behauptung einer „Rape Cultur“ nicht dabei, doch schwingt das ja hintergründig in allen drei Themen mit.

          Ich hab‘ gerade diesen Artikel von Catalina Schröder gelesen:

          Wenn Männer Opfer häuslicher Gewalt werden
          http://www.deutschlandradiokultur.de/von-psychoterror-bis-vergewaltigung-wenn-maenner-opfer.976.de.html?dram:article_id=367876

          Was da berichtet wird, insbesondere über die komplett fehlenden Strukturen bzw. die fehlende Bereitschaft, männlichen Opfern die nötige Hilfe im Ernstfall zukommen zu lassen, ist wirklich erschreckend. Von Gerechtigkeit und gleichen Rechten (und Ansprüchen auf Nothilfe) für alle weit entfernt!

          Den verlinkten Artikel zum Pathologisieren von Jungen hab ich auch gelesen – furchtbar! Wenn in einem Partnerschaftstest fast gar kein für den Jungen positives Ergebnis heraus kommen kann, dann ist das eine manipultive Erziehung weg von Partnerschaft, die sich eigentlich niemand wünschen kann.

          Das Thema Beschneidung verdankt sein Ergebnis (wurde ja breit debattiert) allerdings nicht der Jungenfeindlichkeit feministischer Kreise, sondern der historischen Schuld am Holocaust. Es wurde entschieden, wie entschieden wurde, aus der Haltung heraus, dass wir Deutschen die Letzten sein sollten, die den Juden für sie wichtige Riten verbieten.

          Auch die Weigerung Geld-gebender Institutionen, Nachteile und Diskriminierung von Jungen zu erforschen, finde ich verbohrt und falsch. Auch hier müsste Geschlechtergerechtigkeit herrschen, wie es „Gender Mainstreaming“ eigentlich vorsieht.

          Zu Pingpongs Thema „Quote“ hab‘ ich eine differenzierte Meinung, die auch ab und zu ein wenig schwankt. Bin jedenfalls nicht total dagegen (nein, selbst bin ich nicht „betroffen“), werde dazu gelegentlich mal was schreiben.

          Gleichstellungsbeauftragte sollten auch männlich sein dürfen, natürlich, denn „Gender Mainstreaming“ ist – eigentlich – geschlechtsneutral gedacht.

          Was die Rückfrage angeht:

          Als kinderlose selbstständige Frau hab‘ ich keinen Grund zur Klage. Zwar werde ich „aufgrund des Geschlechts“ gewiss hier und da etwas anders behandelt, das kann aber im Einzelfall sowohl Vorteil als auch Nachteil sein.

          M.E. hat die 2. Frauenbewegung ihre Ziele im Wesentlichen erreicht, deshalb kommen „reine Frauenthemen“ in der 3.Welle auch kaum mehr vor. Heute geht es da mehr um Rassismus, um die Rechte weiterer Geschlechter, um Inklusion etc. – und um Formen des Umgangs von Männern und Frauen auf verschiedenen Ebenen, die immer einen Blick auf den Einzelfall erfordern. (Stichwort „sexuelle Belästigung“).

          Massive Probleme an der Backe „weil sie Frauen sind“, haben Frauen hierzulande kaum noch, doch noch immer sehr präsent sind Benachteiligungen und Karriereerschwernisse, „weil sie Mütter werden könnten“ bzw. schon sind. Das Thema „Vereinbarkeit Beruf/Familie“ ist nicht mit dem Verweis auf „ist doch eine individuelle Entscheidung“ vom Tisch zu wischen. Hier wächst derzeit aber auch das Bewusstsein bei jungen Vätern, die sich als Vater mehr Zeit in der Familie wünschen, bzw. tatsächlich bereits mehr Aufgaben übernehmen als früher.

          Der ganze Care-Bereich – inkl. der Pflege gebrechlicher Eltern, der meist an den Töchtern hängen bleibt – liegt ziemlich im Argen. Und ist nicht in wenigen Sätzen abzuhandeln…

          Was an „Diskriminierung“ noch fortwirkt, ist im wesentlichen Kultur, die sich nur langsam ändert, aber doch ändert. Gesetzlich sehe ich keine in Paragraphen gegossene Benachteiligung von Frauen mehr.

Kommentar verfassen

close

Enjoy this blog? Please spread the word :)