Drei gute Gründe für Male Tears

„Aber mal konkret: Könntest du 3 Themen benennen, bei denen Männer aufgrund ihres Geschlechts aus deiner Sicht diskriminiert werden? Sozusagen die ‚Worst of‘, von denen du meinst, dass die Ungerechtigkeit „von allen billig und gerecht Denkenden“ (juristisch üblicher Bezugspunkt) eingesehen werden können sollte?“

Diese Aufforderung hatte ClaudiaBerlin hier in den Kommentaren vor wenigen Tagen formuliert. Ich finde es tatsächlich sinnvoll, ab und zu einmal solch ein bewusst eingeschränktes Ranking zu versuchen, weil es dazu zwingt, Schwerpunkte zu setzen und Entscheidungen zu treffen. Die drei besten Platten des Jahres/besten Lieder von Van Morrison/wichtigsten Romane der letzten hundert Jahre etc. wären zwar eigentlich schönere Themen, aber eine kleine Worst of –Liste kann natürlich auch hilfreich sein – schon allein, weil sie übersichtlich ist und so eine schnelle Einführung in des Thema ermöglicht.

Der Kommentator pingpong hatte schon vor mir geantwortet, auch mit anderen Schwerpunkten als ich – und er hatte auch einige wichtige Links zu Texten beigesteuert, die jeweils ein umfassenderes Bild zeichnen als ich mit meinen Worst Three. Nämlich:

Was wir wollen von der Interessenvertretung MANNdat

Eine Liste unterschiedlicher Rechte von Männern und Frauen, zusammengestellt von der Bloggerin breakpoint/Anne Nühm

Dazu passt dann auch noch sehr gut Was die Männerbewegung will von Arne Hoffmann

Ich finde alle diese Texte sehr wichtig. Ihre Konsequenz ist es auch gar nicht, das Verhältnis der Geschlechter wesentlich unter dem Gesichtspunkt der Diskriminierung zu betrachten. Es ist in meinen Augen sogar eines der wesentlichen Probleme des modernen Feminismus, dass er einerseits Geschlechterverhältnisse auf Herrschaftsverhältnisse und andererseits Herrschaftsverhältnisse – weitgehend – auf Geschlechterverhältnisse reduziert.

Bei der Organisation gesellschaftlicher Herrschaft ist die Geschlechtszugehörigkeit von Menschen nur ein Faktor unter vielen. Das Verhältnis zwischen den Geschlechtern wiederum hat viele Aspekte, von ökonomischen und altagspragmatischen bis hin zu romantischen, denen die Frage „Wer diskriminiert hier eigentlich wen?“ überhaupt nicht gerecht wird.

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Es geht mir also nicht darum, jetzt gegen Feministinnen in eine Opferkonkurrenz zu treten, die würden Männer eh locker gewinnen, hands down ;-). Aber in einer medialen und politischen Situation, in der Menschen sich schon aufgrund von Kleinigkeiten – Ein Mann sitzt etwas breitbeinig in der U-Bahn! Ein Wissenschaftler trägt ein unpassendes T-Shirt! Er hat mich süße Maus genannt! – aggressiv als Opfer sozialer Gewalt präsentieren können, ist es sehr wichtig, auch klar auf reale Notlagen hinzuweisen.

Darüber, dass medial täglich Kleinigkeiten zu Skandalen aufgepumpt werden, verschwindet nämlich sonst das Wissen, dass es auch reale Notlagen gibt – für die es auch reale Lösungen gäbe, würden sich nur genügend Menschen dafür interessieren. Daher packe ich meine Antwort auf Claudia hier noch einmal, etwas verändert, in einen kleinen Artikel.

 

1. Gleichgültigkeit gegenüber Gewalt, wenn Männer Opfer sind

Das betrifft zum Beispiel eine Politik, die ausschließlich Frauen Hilfe bei häuslicher Gewalt anbietet oder die sogar – wider besseres Wissen – Männer lediglich als Täter, Frauen lediglich als Opfer darstellt.

(Hier natürlich mit dem Klassiker: Mutter und Kind eine friedliche Einheit, bedroht vom gewalttätigen Vater)

Jedes einzelne dieser Bilder wäre ganz in Ordnung, sogar das erste, wenn sie denn in der Reihe ausgewogen wären, weibliche Täterschaft und männliche Opfer nicht völlig vertuschen würden. So aber agiert das Familienministerium mit einer tief feindseligen Rhetorik.

Vordergründig ist die Kampagne an Diversität interessiert – jüngere Frauen, eine ältere Frau, natürlich eine Mutter mit Kind, eine arabisch oder türkisch aussehende Frau, eine Frau mit Down-Syndrom. Zu sehen sind aber eben ausschließlich Frauen und ihre Gesichter, leidend, fragend, zum Mitgefühl auffordernd – die Männer hingegen sind als Menschen gar nicht vorhanden, sondern nur als eine anonyme, schreckliche Macht spürbar, die schrecklichen Schaden anrichtet. Das finde ich faschistoid.

Wenn die verantwortliche Ministerin schließlich verkündet, dass Gewalt uns alle verletze, dann sind mit diesen allen offensichtlich und ganz selbstverständlich nur Frauen gemeint.

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Die völlige Gleichgültigkeit gegenüber männlichen Gewaltopfern wird dann eben auch dadurch deutlich, dass es zwar hundertfach institutionalisierte Hilfe spezifisch für Frauen gibt, aber kaum welche für Männer. Als Gerhard Amendt gefordert hat, Frauenhäuser umzuwandeln in Zentren gegen familiäre Gewalt, die beiden Geschlechtern helfen, ist er gar mit Morddrohungen konfrontiert worden. Als wäre das eine rundweg skandalöse Idee.

Dazu gehört dann eben auch die Gleichgültigkeit gegenüber männlichen Opfern sexueller Gewalt, über die Stephan Schleim gerade geschrieben hat. Besonders schlimm und gravierend ist, dass diese Gleichgültigkeit eben nicht einfach nur irgendwie kulturell besteht, sondern politisch und mit beträchtlichem Einsatz von Steuermitteln produziert wird.

 

2. Verachtung für Väter

Das ist natürlich ein Klassiker. Obwohl ich davon auch persönlich betroffen bin, setze ich es erst als zweiten Punkt – weil auch dieser Aspekt logisch abhängig ist vom ersten. Zu dem Thema ist ja eigentlich wirklich viel gesagt, daher nur so viel: Wenn Menschen einfach aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit der Kontakt zu ihren Kindern genommen werden kann, ohne Angabe einer Begründung, ohne Möglichkeit, vor Gericht etwas dagegen zu tun – dann kann mir niemand erzählen, er hätte nicht gemerkt, dass das Menschenrechte verletzt.

Es ist bezeichnend für die Kaputtheit der „Geschlechterpolitik“ in Deutschland, dass sich an diesen offenkundigen, gesetzlich forcierten, systematischen und tausendfachen Menschenrechtsverletzungen erst etwas geändert hat, als auf doppelte Weise von außen in die deutsche Politik eingegriffen wurde: von der europäischen Ebene nach Deutschland über das bahnbrechende Urteil des EuGH, von der juristischen in die politische über das Urteil des Verfassungsgerichts.

Die deutsche Politik selbst war – trotz ihrer offenkundigen, allen präsenten Grausamkeit – weder reformfähig noch reformwillig. Das liegt einerseits an betonierten, konservativen Familienpolitikern („Das Kind gehört zur Mutter!“), andererseits an ebenso betonierten feministischen Lobbyistinnen („Alleinerziehen als Befreiung“), die von beiden Seiten des politischen Spektrums aus Veränderungen blockierten. Hätte eine dieser beiden Gruppen gefehlt, hätte sich schon längst vorher etwas geändert.

 

3. Verachtung für Jungen

Besonders gravierend finde ich die Verweigerung erwachsener Verantwortung gegenüber Kindern, die sich durch deren Geschlechtszugehörigkeit legitimiert.

Die Gleichgültigkeit gegenüber den geschlechtsspezifischen schulischen Nachteilen von Jungen zum Beispiel, die von dem Kinderfeind Jürgen Trittin auch noch höhnisch im Bundestag verfestigt wurde (für ihn gehören Jungen halt zum „unbegabteren Geschlecht“).

Die Bereitschaft, Jungen zu pathologisieren, einfach weil es Jungen sind.

Das brutale Kalkül, Hilfsgelder für notleidende Kinder in armen Ländern ließen sich besser lockermachen, wenn ein Unternehmen („PLAN“) allein für die Hilfe von Mädchen steht.

Die Fixierung auf Mädchen, die Opfer des Terrors werden – und die völlige Gleichgültigkeit gegenüber Jungen.

Die jahrelange Vertuschung der systematischen sexuellen Gewalt gegen Kinder im Umfeld der Grünen (und durch grüne Funktionsträger), die sich eben auch dadurch begründete, dass diese Kinder vorwiegend Jungen waren. Feministinnen verhinderten laut Bericht der Grünen selbst gar die Thematisierung dieser Gewalt, weil sie die Aufmerksamkeit nicht von Mädchen weglenken wollten.

Die Gleichgültigkeit gegenüber der Gewalt der Jungen-Beschneidung, die von Kinderärzten einmütig als illegitim verurteilt wird – während die Mädchen-Beschneidung selbstverständlich als furchtbarer Skandal erscheint. Allerdings wird hier das Geschlechterthema auch in meinen Augen – Claudia weist darauf schon in einem weiteren Kommentar hin – zumindest teilweise von der Frage überlagert, wie Juden heute und nach dem Holocaust in Deutschland leben können.

Auch eingedenk dessen aber finde ich die im dritten Punkt genannten Benachteiligungen insgesamt besonders gravierend und pervers, weil es um KINDER geht, denen gegenüber ERWACHSENE eigentlich Verantwortung tragen müssten. Die „Geschlechterdebatte“ ist aber so hoffnungslos blockiert und in Klischees festgefahren, dass Erwachsene sich mühelos offen aus dieser Verantwortung stehlen und ihre Verantwortungsverweigerung sogar noch höhnisch kommentieren können – wenn die Kinder nur das falsche Geschlecht haben.

 

Eine zusätzliche Meta-Benachteiligung noch ganz kurz zum Schluss: Die Verbissenheit, mit der Versuche diffamiert werden, diese Themen einmal offen anzusprechen. Bis hin zu den aus Steuermitteln finanzierten politischen Verleumdungen aus der Friedrich-Ebert-Stiftung oder der Heinrich-Böll-Stiftung, die Kritik an feministischen Positionen oder die Thematisierung von Rechtsverletzungen, die spezifisch Jungen oder Männer betreffen, als faschistoid hinstellen, als rechtsradikal, als Unterstützung des terroristischen Massenmörders Breivik.

Was dann aber auch wieder die Frage anschließt: Wie tief tabuisiert ist die Thematisierung spezifischer Probleme von Jungen und Männern in diesen Parteien, wenn sie dort so maßlos – und übrigens auch völlig beleglos – mit Massenmorden konnotiert, also als tief sündhaft dargestellt wird?

  1. Ach, es gäbe noch viele Punkte, die gewiss noch vielen Mühe machen, um überhaupt als Benachteiligung von Männern erkannt zu werden. Beispielsweise:
    – der Überhang weiblicher Psychotherapeuten, der Männer häufig hindert, eine sachgerechte und vertrauensvolle Psychotherapie zu beginnen.
    – die Schweigespirale, die Täterinnen bei sexuellem Missbrauch unsichtbar macht.
    – die gesellschaftlichen Strukturen des Missbrauchs, die hebephile Täterinnen einer weiblichen Avantgarde zurechnen, und den Schrecken der männlichen Opfer als vorzügliche Erfahrung verhöhnen und unhörbar machen.
    – der allgegenwärtige Exhibitionismus von Frauen, der für viele Männer und Frauen eine Belästigung darstellt.
    – der unsägliche verbale Dreck mit dem Frauen ihre Männer zur Unterhaltung ihrer Freundinnen überschütten.
    – die Falschbeschuldigung von Frauen gegenüber Männern, als eine Form der Rache.
    – die stete vorurteilsbeladene Pauschalisierung indem vorzugsweise von den Männern gesprochen wird.
    – die halbherzige Krebsvorsorge für Männer.
    – 3 Männerhäuser gegen 450 Frauenhäuser bundesweit.
    – die Grundversorgung von Jungen mit Ritalin.
    – die ausschließlich männliche Wehrpflicht.
    usw usf

    Antwort

  2. Wo doch Breivik mal mindestens von zweien der oben genannten Punkte auch noch ein Betroffener war.

    No one wants to talk about Anders Breivik….

    Antwort

  3. Ich finde es ganz bemerkenswert das Claudia diese Frage überhaupt stellt. Das sie hier und auch auf anderen männerrechtsnahen Blogs mehr oder wenigen mitliest und trotzdem noch nicht weiß wo Männer diskriminiert werden, ist fur mich fast unbegreiflich.

    Alleine die Liste von Breakpoint zeigt schwarz auf weiß wo Männer wirklich nicht die gleichen RECHTE haben wie Frauen und diese Liste taucht jetzt schon seit über einen halben Jahr immer wieder auf. Aber anscheinend ist das noch keine Diskriminierung bei Männern.

    Hier dann auch noch ein Beispiel:

    http://m.spiegel.de/wirtschaft/soziales/a-846556.html

    Antwort

    1. Mein Interesse richtete sich nicht auf umfangreiche Listen, sondern – im Kontext eines Kommentargesprächs – wollte ich erfahren, welche Schwerpunkte Lukas setzen würde, eben seine drei „Worst of“-Punkte.

      Im übrigen entsteht Ungerechtigkeit gelgentlich auch da, wo Ungleiches gleich behandelt wird. Somit sind nicht sämtliche gesetzlichen Ungleichbehandlungen allein (!) schon deswegen ungerecht. Ein Grund mehr, nach den „Worst of“ zu fragen.

      Antwort

      1. „Somit sind nicht sämtliche gesetzlichen Ungleichbehandlungen allein (!) schon deswegen ungerecht.“

        Ja, aber viele eben schon. Ich weiß z.B. nicht warum die Frauenorganisation, die für die Einführung dieses Gesetzes gesorgt hat, es für nötig hielt das Gesetz nicht geschlechtsneutral zu formulieren.

        https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9/__44.html

        Da wurde eine völlig unnötige Ungleichberechtigung, die man ohne Aufwand vermeiden hätte können. Jetzt könnte man sagen das diese Frauen das machen was sie schon immer gemacht haben, aber das was sie machen macht es nun erst erforderlich etwas für Männer zu machen.

        Am schlimmsten für mich die ja schon fast staatlich vorgeschriebene Täter-Opfer-Zuschreibung. Es ist schon ein ziemlich verstörendes Gefühl zu lesen, das Männer die von ihren Partnerin blutig geschlagen werden und dann die Polizei zur Hilfe rufen, dann selbst als Täter behandelt und oft noch aus der eigenen Bude geschmissen werden. Und das auch die männlichen Polizisten die Männer warnen, das wenn die auf sie einprugelnde Frau sich verletzt, und sein es aus Selbstverschulden, der Mann eingebuchtet wird. Ich kann leider nicht behaupten das ich da Vertrauen in den Rechtsstaat habe. Und selbst wenn es nicht geschafft wird den Mann doch noch als Täter hinzustellen, wird die gewalttätige Frau auch noch nicht selten kaum bis gar nicht bestraft.

      2. Ai-ja-jai, mit dem Smartphone schleichen sich ja nochmal mehr Fehler ein.

      3. Exakt dieser Gesetzes-Passus fällt mir regelmäßig als erstes ein, wenn es um explizite gesetzliche Benachteiligung von Jungs geht.
        Ich verstehe auch nicht, wie es dazu kommen konnte, denn mit hoher Wahrscheinlichkeit ist das Selbstbewusstsein behinderter Jungs auch nicht viel besser als das der Mädchen.

    2. @ Matze Ich hatte die Bitte etwas anders verstanden – als Aufforderung, Schwerpunkte zu setzen, nicht als Frage, wo es denn überhaupt Diskriminierungen gäbe.

      Danke für den Link, den Text kannte ich auch noch nicht. „Laut einer IAB-Untersuchung kürzen die Jobcenter männlichen Hartz-IV-Empfängern fast doppelt so häufig die Bezüge wie weiblichen. Als mögliche Ursache nennen die Autoren eine geringere Kooperationsbereitschaft der Herren.“ Mögliche weitere Ursache ist natürlich die traditionelle Erwartung, dass Männern mit deutlich größerer Selbstverständlichkeit als Frauen Erwerbsarbeit immer leisten müssten.

      Antwort

      1. Einfach mal am örtlichen Bauhof vorbeischauen und gucken wer in Orange gesteckt wird und harte Arbeit verrichten muss und wer nicht.
        Grüße von jemandem der genau zum falschen Zeitpunkt Abitur machte und in einer schwierigen Übergangsphase in den Fängen der rot/grünen ‚Hilfe‘ landete.
        Was in den ISBs abläuft ist so absurd, das glaubt einem fast keiner, der es nicht selber erlebte.
        Alleinerziehende Mütter und spätere disfunktionale Halb-Familen werden dort vorprogrammiert.

        pS. Möglicher Kürzungsgrund kann schon eine feste Stimme sein, die einem eine Antiagressionsmaßnahme einbringt.

  4. Zu dem Abschnitt „Verachtung für Jungen“ in welchem du auf Kampagnen hinweist, die „böse Kerle zu netten Jungs“ umbauen wollen könnte man noch den Hinweis auf eine Studie einfügen die zeigt, dass die Agressivität einer Schulklasse regelmäßig und hauptsächlich von Mädchen bestimmt wird.
    http://psp.sagepub.com/content/early/2015/03/04/0146167215573212
    Das wird natürlich ebenfalls komplett ignoriert, da hier dem Mantra widersprochen wird, dass Frauen und Mädchen nur als Opfer existieren. Schon gar nicht dürfen sie die Macht haben, eine ganze Gruppendynamik im Hintergrund zu bestimmen. Nein, wir müssen die Jungen umerziehen, damit sie Mädchen nicht mehr zu Opfern machen. Täterinnen existieren, wenn überhaupt, nur als kuriose Ausnahme.

    Antwort

    1. Probleme von Jungen sollen gelöst werden in dem man versucht die Jungen zu ändern und nicht die Bedingungen/Umstände die diese Probleme verursachen.

      Bei Mädchen hingegen wird z.B. sogar der Studiumsinhalt geändert, damit es attraktiver und einfacher für Mädchen wird, weil ja schon alleine eine Unterrepräzentanz von Mädchen ein Problem ist dass die Gesellschaft zu lösen hat.

      Antwort

      1. Ja, wenn Jungen/Männer versagen, dann ist es ihre schuld, waren sie zu schwach, haben es nicht anders verdient. Wenn Mädchen/Frauen versagen, ist „das System“ (aka Patriarchat) schuld, niemals die Frau selber.

      2. @Matze und mindphuk

        Das ist erstens die m.E. bemerkenswerte Kompatibilität feministischer Ideologie mit einer neoliberalen und autoritär-repressiven.

        Ich lade ein, nur die Stichpunkte dieses Textes der „Nachdenkseiten“ zu lesen:

        http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/090923_m_neoliberal_kurz_text.pdf

        Weil es sich bewährt hat, im Test auf gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit „Mann“ durch „Jude“ oder „Neger“ zu ersetzen (s. „Spaß mit Männerhass“ auf Geschlechterallerlei), empfehle ich den den Austausch von „neoliberal“ durch „feministisch“.

        Dann macht der Begriff „Staatsfeminismus“ einen neuen Sinn.

        Zweitens ist der den Vorgang zusammenfassende Satz: „wenn Jungen/Männer versagen, dann ist es ihre Schuld, waren sie zu schwach, haben es nicht anders verdient.“

        in drei Teile zu zerlegen:

        a. „Wenn Jungen/Männer versagen, dann ist es ihre Schuld“

        Nämlich ihre individuelle Schuld, die zugleich darin begründet ist, das falsche Geschlecht zu haben. D.h. individuelles Versagen lässt sich herleiten aus ihrer kollektiven biologischen Natur.
        Obwohl es ins Auge springt, für alle mitlesenden Feministinnen:
        Das ist eine lupenrein rassistische Denk- und Argumentationsfigur und vulgärer Biologismus.

        Wer an dieser Einschätzung zweifelt, dem hilft ein Austausch weiter:
        „Wenn Neger versagen, dann ist es ihre Schuld“
        Und um es noch deutlicher zu machen, teste ich auf Spontanabwehr:
        „Wenn Frauen versagen, dann ist es ihre Schuld“

        Letzterer Satz kann von keinem männlichen Politiker öffentlich geäußert werden, ohne einen massiven shitstorm zu ernten, der zugleich das Ende seiner Karriere einleitet.
        Wer hingegen „Neger“ und „Türke“ bemüht, bleibt immerhin in der SPD und nur mit der ersteren Variante macht man Karriere bei den Grünen.
        Dieser Rassismus, Sexismus und Biologismus gilt heute als „irgendwie links“ – „The Times They Are a Changin´“. /sarcasm off

        b. Mit „waren sie zu schwach“ wird die Runde der gesellschaftlichen und speziell der Erwartungen von Frauen an Männer eingeläutet.

        Nämlich „zu schwach“ diese Erwartungen zu erfüllen.
        Unausgesprochen – also verlogen nicht offen thematisiert – haben sich Männer diesen Erwartungen unhinterfragt zu fügen, sich diesen unterzuordnen.
        Womit männliche Stärke selbstverständlich keine Eigenschaft ist, die ihm selbst nützt und die er für sich als Individuum einsetzt, sondern diese ist bezogen auf seine Nützlichkeit für die Gesellschaft und Frauen.

        Das Oberthema des „disposable man“ ist eine durchgesetzte utilitaristische Sichtweise auf Männer und Jungen als Werkzeuge der Erfüllung von (gesellschaftlichen) Erwartungen.

        c. Von daher beruht, sie „haben es nicht anders verdient“ auf einem (Wert-) Urteil, welches dieser Sichtweise auf Männer und Jungen folgt – ist das Werkzeug unnütz und entspricht nicht den Erwartungen, dann wirft man es eben weg.

        Empathieverweigerung oder „Dehumanisierung“ ist vor diesem Hintergrund nicht das, was erstaunen sollte, sondern wie ungeniert sich eine gesellschaftliche Sichtweise auf Männer und Jungen durchsetzen konnte, sie als „sprechende Werkzeuge“ zu betrachten, die nur einen Wert haben, wenn sie „sprechende Werkzeuge“ sind.

        Das ist nichts anderes als eine Verlängerung traditioneller Rollenerwartungen an Männer, könnte man sagen – auffällig ist aber, wie passgenau der Feminismus mit Anforderungen des Neoliberalismus funktioniert und agiert.

        Gruß crumar

      3. @crumar:

        »Womit männliche Stärke selbstverständlich keine Eigenschaft ist, die ihm selbst nützt und die er für sich als Individuum einsetzt, sondern diese ist bezogen auf seine Nützlichkeit für die Gesellschaft und Frauen.«

        Was bereits Esther Vilar klar war, als sie im »Dressierten Mann« formulierte:

        »Alle Eigenschaften eines Mannes, die der Frau nützen, nennt sie männlich, und alle, die ihr nicht nützen und auch sonst niemandem, nennt sie weibisch.«

        Kein Wunder, dass sie als Faschistin denunziert werden musste, wenn man die fundamentalen Lügen dieser Ideologie schon damals erkennen konnte. Zu den ursprünglichen Erfolgsgründen des Feminismus gehört dessen gewaltsame Machtergreifung in der öffentlichen Meinung. Davon hat sich die Republik bis heute nicht erholt.

      4. @crumar:

        Und danke für den Link auf die »Neoliberalismus«-Definition der »Nachdenkseiten«. Das ist genau der Text, den ich bei mehr als einer Forendiskussion vermisst habe und schon fürchtete, ihn selbst schreiben zu müssen!

      5. @crumar
        „Ich lade ein, nur die Stichpunkte dieses Textes der „Nachdenkseiten“ zu lesen“

        Dieser Text macht den üblichen Fehler, den Neoliberalismus als Liberalismus zu deuten (um auf beide einzudreschen).
        Neoliberalismus ist aber nichts anderes als ein Abbau der Kernkompetenzen des Staats und dann staatliche, genauer gesagt legislative, Macht durch angehängte Unternehmen auszubauen.
        Der Begriff „Neoliberalismus“ ist orwellhaft und läuft dem Liberalismus fundamental entgegen. Echter Liberalismus ist auf Staatmacht im Sinne der Herrschaft des Gesetzes ausgelegt, „Neoliberalismus“ will die allgemeine Herrschaft des Gesetzes untergraben und zielt auf ein Recht des Stärkeren ab.

        Ein ganz typisches neoliberales Projekt ist zB diese neue „hatespeech“-Kampagne, die extralegale Räume quasistaatlicher Einflussnahme auf die Medien eröffnen soll.

      6. @Alex:

        »Dieser Text macht den üblichen Fehler, den Neoliberalismus als Liberalismus zu deuten (um auf beide einzudreschen).«

        Der Artikel konzentriert sich auf die ökonomischen Theorien des Liberalismus, die aber zu diesem von Anfang an dazugehören. Dass die politischen und die ökonomischen Grundsätze des Liberalismus nicht zwingend kongruent laufen, ist ja gerade diejenige Spannung, die zur Entstehung von Emanzipationsbewegungen jenseits der bürgerlichen Emanzipationsbewegung geführt hat (Arbeiter und Frauen).

        Die These: »Das ist ja kein richtiger Liberalismus« ist ebenso wie die These »Das ist ja kein richtiger Sozialismus« eine True-Scotsman-Fallacy. Die kann man in polemischer Absicht schon mal vorbringen, um die eigenen Theorien sozusagen zur Weiterentwicklung aufzufordern, aber historisch-empirisch kann man sich dem Umstand nicht entziehen, dass es sich tatsächlich um interne, immanente Widersprüche des jeweiligen weltanschaulichen Bekenntnisses handelt.

      7. @djad
        auch im Liberalismus gibt es einen linken und einen rechten Flügel. Letzterer ist wirklich kein echter Schotte, sondern ein falscher Fuffziger 😉

        Du kannst natürlich auch behaupten, dass Liberalismus ein Ideal ist, das wegen der menschlichen Neigung zur Korruption nicht so recht läuft, so …. „dass es sich tatsächlich um interne, immanente Widersprüche des jeweiligen weltanschaulichen Bekenntnisses handelt“.

        Liberalismus scheint mir viel einfacher als Sozialismus, denn es braucht nur faire Gesetze. Die Gesetzesänderungen zur „finanziellen Deregulation“ (Reagan, Clinton) waren mE alles andere als liberal, da sie die grossen Finanzspieler völlig einseitig begünstig haben. Dies wäre mit der 2009er Finanzkrise an sein Ende gekommen, aber leider hat man auch hier sich antiliberal verhalten und die betroffenen Banken & Institutionen nicht über die Wupper gehen lassen.

        Die Ausdehung des Welthandels läuft seit Ewigkeiten schon mehr oder minder kontinuierlich ab, der ganze Liberalismus, der damit verbunden ist, hat nun wirklich kein „Neo-“ verdient.

      8. @djadmoros

        Ich meinte eher das leider viel zu wenig beachtete Buch „Der Männerversteher“ von Matthias Stiehler (S. 28):

        „Wir können demnach zwischen einer falschen und echten (Anm.: männlichen) Stärke unterscheiden. Die eine wird gefordert, sie soll anderen dienen und die eigenen Bedürfnisse und das eigene Wollen nicht im Blick haben. Diese Stärke ist verdeckte Schwäche. Auf der anderen Seite steht echte Stärke, die als Stärke für sich zu sehen ist.

        Sie ist nicht für andere da oder gegen andere gerichtet, sie bezieht sich auf den Mann selbst, seine Empfindungen, seine Bedürfnisse und sein Wollen.
        Das ist männliche Stärke.“

        Wie männliche Autonomie ist diese männliche Stärke m.E. aus diesem Grund seit Smith abwertend als „männlicher Egoismus“ denunziert worden.
        Ich fand das von Kucklick über den „Hagestolz“, den Junggesellen geschrieben hat ausgesprochen erhellend – die Geschichte der MGTOW vor mir.

        Weil ich es dir bei Christian schuldig geblieben bin: ich habe 100% MEW, LW und 50% MEGA. Wie die Qualität von Auswahlbänden ist weiß ich wirklich nicht.
        Die „Nachdenkseiten“ sind eine echte Quelle von guten Texten – gern geschehen! 🙂

        Gruß crumar

      9. @crumar:

        »Ich meinte eher das leider viel zu wenig beachtete Buch „Der Männerversteher“ von Matthias Stiehler«

        Schiet! Das steht noch immer ungelesen in meinem Regal. Ich sollte wohl mal reinschauen.

        »Wie männliche Autonomie ist diese männliche Stärke m.E. aus diesem Grund seit Smith abwertend als „männlicher Egoismus“ denunziert worden.«

        Ja, das ist eine wichtige Einsicht: es ist die eigentliche »kulturelle Konstruktion von Männlichkeit« in der modernen Gesellschaft: sich der männlichen Leistungen dadurch zu versichern, dass man sie (historisch wohl aus der protestantischen Bereitschaft zum allzeit schlechten Gewissen abgeleitet) konsequent unter »nicht-gut-genug«-Erwartungen stellt. Ein Hamsterrad ohne Ausgangstürchen. Interessant auch, wie sich Klasse und Geschlecht hier integrieren: dieser ideale Mann ist zugleich der zivilisierte Bürger.

        »100% MEW, LW und 50% MEGA«

        Ich sehe, Du stehst auf Vollversionen! 🙂 Die würden meine Bücherwand inzwischen auch physisch sprengen. In meinem Freundeskreis gab es den kompletten Lenin genau einmal (das waren Ex-Maoisten vom Ex-KBW), aber keinen kompletten Marx.

  5. Ziemlich krank finde ich auch die Indoktrination von Kinder, wie z.B. hier:

    http://www.dailymail.co.uk/news/article-3670918/White-babies-display-signs-racism-Elite-New-York-school-tells-white-kids-ashamed-privilege-segregates-children-race.html#article-3670918

    http://www.thejournal.ie/australia-male-privilege-3026724-Oct2016

    Einmal wird Kinder von Erwachsenen eingeredet das sind schlecht sind wenn sie als Weiße geboren sind, etwas das sich nicht ändern wird und das andere Mal wird den Jungen eingeredet das sie eine Schuld auf sich geladen haben und das schon in seit ihrer Geburt. Zwangsweise wird dadurch in den Mädchen auch ein sehr ‚positives‘ Bild von Männern gepflanzt, das sie dazu befähigen wird nur wenig Mitleid für Männer zu empfinden und deren Diskriminierung oder die eigene Vorzugsbehandlung nicht als ungerecht zu sehen, da es ja eine Entschädigung für das ganze Leid ist, was sie selbst nicht erlebt haben.

    Das was die Erwachsenen da machen ist wahre sadistische Grausamkeit und sollte als das angesehen werden, was es ist: emotionaler Missbrauch.

    Antwort

    1. Das kommt zB via „gender“ oder „Soziale Gerechtigkeits Unterricht“ bestimmt bald auch in deutsche Schulen, die Kampagnen wegen „Sexismus“ und „Fremdenfeindlichkeit“ bereiten den Boden.

      Dank der Obama-Regierung sieht es in den USA so aus:

      ‚Interrupting Whiteness‘: National Education Conference to Blame White Teachers and Students for School Woes
      https://pjmedia.com/zombie/2015/10/07/interrupting-whiteness-education-conference-blame-white-teachers-and-students/

      Es geht um „the Pacific Educational Group (PEG), a large and influential consulting firm hired by hundreds of school districts nationwide — often under pressure from the federal government — to address „racial gaps“ in scholastic performance and behavior problems in the classroom.“

      Das mit den „gaps“kennt man ja und wie sie zum Vorwand für „Gleichstellung“ dienen. Die Ziele und Methoden der PEG werden in diesem Artikel ausführlich dargestellt, das Fazit ist erschütternd: eine im besten Sinne des Wortes rassistische Weltanschauung („Entwicklung der rassischen Identität“) soll den Schülern eingebleut werden:

      „The average person might see this entire worldview as shockingly racist, but Critical Race Theory has that angle covered too: Racism, according to the theory, is prejudice+power; and since (according to the theory) black people have no power in society, by definition they can’t be racist. The inverse of the stigma of whiteness is therefore also true: if you lack whiteness, you are immune from criticism or condemnation.

      Until recently Critical Race Theory has been just that — a „theory“ safely quarantined away from the real world in the pages of scholarly journals and the hallways of Ethnic Studies departments. But Pacific Educational Group is transforming Critical Race Theory into Critical Race Practice. They’re implementing in real-world settings (K-12 classrooms) the notions that until now were discussed only hypothetically …..“

      Dieser anti-weisse Rassismus ist nicht zufälligerweise genau nach dem gleichen Strickmuster konstruiert wie die Männerfeindschaft des Feminismus.

      Und dass die Methoden an Maoismus erinnern würden, ist sicherlich auch kein Zufall:

      „Researchers have noticed for over a decade just how similar PEG’s workshops are to Maoist „self-criticism“ public humiliation sessions.“

      Ganz unbeeindruckt und kontinuierlich zieht überall im liberalen Westen ein neuer Totalitarismus herauf.

      Antwort

  6. Hat dies auf Ice-cream in Pakistan rebloggt und kommentierte:

    Schőner Text 🙂

    Antwort

  7. […] drei Themen zu benennen, bei denen Männer wegen ihres Geschlechts diskriminiert werden. Er ist dieser Aufforderung nachgekommen. Dabei nennt er auch die Gewalt gegen Männer. Bei Heise erschien diese Woche ein wichtiger Artikel […]

    Antwort

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