Medien

Klappehalten auf Augenhöhe

geschrieben von: Lucas Schoppe

Ein Nachtrag, der wichtig ist und den ich deshalb vorangestellt habe: Der Brief, den ich hier geschrieben hatte, hatte erfreulichere Folgen, als ich gedacht hätte. Ich bekam sehr schnell eine Antwortmail und auch eine entsprechende Nachricht der HRInfo-Redaktion auf Twitter, die mich auf die Mail hinwies. Die Kommentarfunktion sei nach wie vor geöffnet. Ich zitiere aus der Mail:

„Ich gebe zu, der Hinweis „Comments closed“ ist etwas missverständlich, da es sich um die generelle Kommentarfunktion der Plattform handelt, die wir aus Gründen der Programmierung geschlossen haben. Wir nutzen stattdessen als Kommentarfunktion das Tool „Scribble Live“ – das ist das Fenster, in dem Sie richtigerweise den Kommentar von Marsaffe (und auch die Antwort von StreitEngel darunter) gefunden haben. Genau in diesem Fenster steht es Ihnen und jedem anderen Nutzer immer noch und jederzeit frei, zu diskutieren und Kritik an uns, dem Projekt oder Frau Wizorek zu äußern.“

Ich wiederum gebe zu, dass ich dann nochmal probiert habe, die Kommentarfunktion zu finden, aber weiterhin nur die Nachricht „Comments Closed“ bekommen habe. Als ich auf einen anderen Browser gewechselt bin, von Chrome zu Edge, funktionierte es aber dann. Die Darstellung im Folgenden, das Kommentare nicht mehr möglich seien, stimmt so also nicht – es war eher ein technisches Problem.

Die inhaltliche Kritik daran, dass  ein Öffentlich-Rechtlicher Sender sich kritiklos einen politischen Aktivismus zu eigen macht, behalte ich bei. Dass aber eine sehr schnelle, auf meinen zum Teil ja durchaus scharfen Brief auch freundliche und verbindliche Antwort kam, die ein wesentliches Problem sogar löste – das finde ich sehr gut.

Abschließend heißt es in der Mail: „Ich freue mich auf weitere Wortmeldungen von Ihnen zu Frau Wizorek oder anderen Themen auf unserer Seite.“ Das verbunden mit der Aufforderung, eine „Streitregel“ zu formulieren. Diese Aufforderung aktiviert etwas zu sehr den Pädagogen in mit, und den versuche ich im Blog ja im Zaum zu halten. Gleichwohl ist das eine deutlich positivere Reaktion als die, die ich erlebt habe, wenn ich vorher mal auf Berichte, Sendungen, Artikel oder ähnliches reagiert hatte.

Lucas Schoppe

Ein Brief an die #besserstreiten-Redaktion beim Hessischen Rundfunk

Sehr geehrte Damen und Herren,

warum ich Ihnen einen Brief schreibe und nicht einfach einen Kommentar auf Ihrer Webseite hinterlasse, wird sicher gleich klar werden.

Besser streiten – das verkünden Sie auf Ihrer Seite, und unter diesem Reihentitel veröffentlichen Sie einen ermutigenden Artikel über Anne Wizorek.

argumente

Argumente auszutauschen, anstatt sich einfach gegenseitig als „Sexisten“ bzw., korrekt gegendert, als „Sexist*innen“ darzustellen – das finde ich auch richtig. Im Text selbst wird es dann noch besser:

augenhoehe

 „Augenhöhe“, ohne „einfach nur alles abzubügeln“, „empathisch“ – das klingt alles viel besser als zum Beispiel das, was ich von Frau Wizoreks Mit-Grimme-Preisträgerin Jasna Strick noch im Kopf habe.

Gummibärensaft – das ist der Zaubertrank aus der alten Disney-Kleinkinder-Serie „Die Gummibärenbande“. Statt infantiler und stärkender Freude an Männertränen nun also Bereitschaft zur Empathie und zum sachorientierten Streit: Der Aufschrei-Feminismus wird erwachsen.

Dachte ich.

Nun hat am 25. Oktober, also wohl etwa zwei Wochen nach Veröffentlichung des Artikels, noch jemand einen recht kritischen Kommentar geschrieben. Dort bezeichnete er Frau Wizoreks Selbstdarstellung als „reines Lippenbekenntnis“. Bei Twitter würde Frau Wizorek auf sachliche Nachfragen damit reagieren, dass sie den Frager „blockt“ – sie würde zudem mit unseriösen Daten (etwa einer Falschangabe über ca. 200 Vergewaltigungen auf dem Oktoberfest) oder unseriösen Quellen agieren. Trotzdem würde sie – und das ist offenbar der Punkt, der den Kommentator besonders stört –  „von den Medien hofiert, eingeladen und im Gespräch gehalten“.

Da zuvor für den sachorientierten Streit in den insgesamt recht desinteressiert wirkenden Kommentaren eine wichtige Grundlage fehlte, nämlich der sachliche Meinungsunterschied, war nun also endlich die Gelegenheit da, das Seitenmotto lebendig werden zu lassen. Doch was geschah noch am selben Tag?

comments-are-closed

Noch am selben Abend war der Kommentar nur noch im Archiv zu lesen, der normalen Seite ist nicht einmal mehr anzumerken, dass es hier jemals Kommentare gab. Was wollen Sie uns, den Gebührenzahlern, damit eigentlich mitteilen?

Frau Wizorek ist sehr interessiert am Austausch mit Menschen anderer Meinung – und wer das anders sieht, soll die Klappe halten?

Besser streiten kann man dann, wenn alle dieselbe Meinung haben?

Wer nichts sagt, kann auch nicht schlecht streiten?

Oder denken Sie bei der Verwendung des Begriffs „Augenhöhe“ an unsere Augen und an Ihre Hühneraugen?

Um Missverständnissen vorzubeugen. Frau Wizorek hat gewiss jedes Recht darauf, sich selbst ein wenig idealisiert wahrzunehmen, so wie viele andere Menschen das ja auch tun. Ich selbst habe sie auf Twitter oder anderswo niemals angeschrieben, gehe im Netz und außerhalb höflich mit meinen Mitmenschen um und bin bei Twitter trotzdem von ihr geblockt, warum auch immer. Daher kommt mir ihr Bekenntnis zum sachlichen Dissens auch seltsam vor, und ich habe sie aus Fernsehdiskussionen auch ganz anders in Erinnerung.

Eben deshalb hätte ich es ja auch so schön gefunden zu erleben, dass dieser Eindruck falsch ist.

Was das Hantieren mit Falschinformationen angeht, ist das schon etwas ärgerlicher. Auch ich habe, als Trennungsvater, Themen, die mir enorm wichtig sind – trotzdem verzichte ich bei ihrer Darstellung auf stützende Informationen, wenn ich sie nicht verlässlich bestätigen konnte. Es zerstört Vertrauen, mit Falschinformationen zu arbeiten – und ich finde, die öffentliche Streitkultur leidet ohnehin zunehmend darunter, dass politische Gegner nicht einmal mehr ein Grundvertrauen zueinander haben und sich daher als Feinde wahrnehmen.

Ich würde also selbst nicht mit beliebigen Zahlen oder zurechtgebogenen Informationen hantieren, nur um meine Position zu stützen, muss aber einräumen: Solange Frau Wizorek damit niemanden verleumdet, sie keine Volksverhetzung betreibt oder sonstige Rechtsverletzungen begeht, hat sie das Recht dazu, das zu tun.

Hier hat der Gesetzgeber offenbar ein großes Vertrauen in die offene Debatte, die Falschinformationen oder verzerrende Darstellungen korrigieren könne. Wer die Wahrheit schon mal zu eigenen Gunsten dehnt, muss in einer solchen Debatte dann eben mit dem Verlust an Vertrauenswürdigkeit leben: Das ist wohl in den Augen des Gesetzgeber – und ganz bestimmt in meinen Augen – eine bessere Sanktion als eine staatliche Strafe.

Nur: Wenn mit den weit überlegenen, aus Gebühren stammenden Mitteln der öffentlich-rechtlichen Sender ein geschöntes Bild verbreitet wird, wenn eine bessere Streitkultur am Anfang der Seite mit großem Gestus verkündet und am Ende der Seite dann im Kleingedruckten wirksam verhindert wird:  Dann wird eben diese Möglichkeit der Korrektur im öffentlichen Diskurs unterbunden. Es ist eben ein Unterschied, ob Frau Wizorek sich auf einem privaten Blog darstellt oder auf der Seite des Hessischen Rundfunks.

Ich kann das auch noch einmal anders zuspitzen.

Ich gestehe Ihnen prinzipiell durchaus zu, Menschen hinter’s Licht zu führen. Wer Zeit und Geld investiert, um sich von Zeitungen, Zeitschriften, in Sendungen, auf Webseiten oder woanders mit fehlerhaften Informationen in die Irre führen zu lassen – wer nicht versucht, sich auch seriös zu informieren – der ist dafür selbst verantwortlich. Eine staatliche Zensur, die nur staatlich geprüfte Informationen zuließe, wäre die deutlich schlechtere Alternative.

Ich gestehe es Ihnen auch zu, Menschen zu veräppeln, vielleicht auch durchaus agressiv (obwohl dann „verarschen“ vermutlich der bessere Begriff wäre). Satiren oder Parodien wären ohne dieses Recht schließlich überhaupt nicht möglich.

Ich muss Ihnen nach der derzeitigen Rechtslage auch zugestehen, dass Sie sich durch Gebühren aller Bürger finanzieren, die wir zu entrichten haben, ob wir wollen oder nicht. Dies selbst dann, wenn wir von Ihren Produkten gar nichts wissen wollen.

Jeden einzelnen der drei Punkte gestehe ich Ihnen also zu, nur: Alle drei auf einmal finde ich…schwierig. Menschen zu täuschen, sie zu verarschen und ihnen dafür dann auch noch Gebühren abzuverlangen, die sie gar nicht verweigern dürfen: Ich glaube, Ihnen selbst fällt auf, dass das ein unanständiges Verhalten ist.

Gerade weil Sie die Gebühren ja durch einen „Bildungsauftrag“ legitimieren, haben Sie bei vielen Menschen noch das Image, dass Ihre Informationen verlässlicher sind als die in irgendeinem privaten Blog. Dass Sie als Öffentlich-Rechtliche dem nicht gerecht werden, und in vielen Fällen nicht (siehe unten), finde ich schwerwiegend.

Missverstehen Sie mich bitte nicht. Ich gestehe Ihnen jedes Recht zu, Mist zu produzieren – aber ich gestehe Ihnen nicht das Recht zu, mich unter Androhung einer Gefängnisstrafe (!) zu zwingen, diesen Mist dann auch zu kaufen. Ich würde daher gern von Ihnen wissen, welche Möglichkeiten Menschen haben, die Gebühren an Sie nicht mehr entrichten zu müssen.

Denn wer einen Auftrag hat, dafür Geld einsteckt und dann einfach etwas ganz anders liefert – der verliert natürlich seinen Anspruch auf das Geld.

Mit trotzdem freundlichen Grüßen

Lucas Schoppe

 

Hier sind Texte zu den vielen Fällen, die ich oben ansprach:

Zwischen Hetze und Liebedienerei – Ein Kommentar zur SWR2-Sendung Maskulinisten – Krieger im Geschlechterkampf

Plädoyer für eine zivile Debatte – Ein offener Brief an den SWR

Was hat das Deutschlandradio eigentlich gegen Menschenrechte?

Maskuline Muskelspiele monströser Männerrechtler (mittendrin: mutige menschenfreundliche Medienprofis)

Öffentlich-rechtliche Volksverhetzung

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44 Comments

  • „Frau Wizorek ist sehr interessiert am Austausch mit Menschen anderer Meinung – und wer das anders sieht, soll die Klappe halten?“

    Da musste ich ja meist laut lachen ^^

    • @Elmar

      Ich glaube nicht, dass der linke Maskulismus auf die free-speech-Bewegung zugehen muss, sondern die (postmoderne) Linke sollte ihr Verhältnis zur Meinungsfreiheit klären und ihre Position in und zu den Medien reflektieren. Hilfreich wäre es außerdem, wenn sie wenigstens die Kurzfassung von A. Müllers „Meinungsmache“ lesen.

      Genau diese Linke sollte m.E. mit der (Selbst-) Positionierung als verfolgende Unschuld aufhören. Wer sich berichtend und deutend in privaten und staatlichen Medien – also einer Machtposition – befindet, nutzt diese Machtmittel und seine privilegierte Position, über diese verfügen zu können.
      Punkt
      Sich in dieser Position zu befinden und Kritik am medialen Machtmissbrauch weinerlich und Zeilen schindend als Versuch zu deuten, das Pack versuche einen zum schweigen zu bringen ist absurd.

      Die Aversion gegenüber solcher in den Medien verbreiteter Heuchelei und Doppelmoral ist berechtigt. Ebenso wie die Unterstellung der undemokratischen Absicht, vorsätzlich für den Ausschluss von Bevölkerungsgruppen aus dem Diskurs zu sorgen.

      Gruß crumar

      • „Wer sich berichtend und deutend in privaten und staatlichen Medien – also einer Machtposition – befindet, nutzt diese Machtmittel und seine privilegierte Position, über diese verfügen zu können.“ Der Punkt ist für mich ganz entscheidend. Ich finde es immer noch überraschend, wie wenig in Massenmedien die eigene Machtposition reflektiert wird.

        Da veröffentlichen Menschen für ein Millionenpublikum, oft mit dem Rückhalt einer umfangreichen Infrastruktur, die aus Gebührenmitteln finanziert ist – schießen von dort aus gegen Blogger und Kommentatoren, die in ihrer Freizeit und auf eigene Kosten schreiben und sich manchmal freuen, wenn sie eine Klickzahl von 1000 am Tag haben – stellen die als Leute hin, die „Privilegien“ verteidigen, die reaktionär an der Beibehaltung von Machtpositionen interessiert seien, oder der Einfachheit halber gleich als Nazis und Breivik-Fans – und wenn die sich mit ihren enorm begrenzten Mitteln zu wehren versuchen, wird das als als „Hate Speech“ aus der wilden „Kloake“ (Originalzitat aus der „Zeit“) des Internet hingestellt. Die gigantisch überlegene eigene Herrschaftsposition der Massenmedien wird verkleistert in einer oberflächlichen „emanzipatorischen“ Haltung, die ihrerseits aber vollständig unreflektiert bleibt.

        Das Problem dabei ist eben, dass jede breite öffentliche Kritik an diesen Zuständen wiederum durch die Medien laufen muss, wo sie dann auf dieselbe Weise verhacktstückt wird. Als Ergänzung dazu zu Deinem Buchtipp: Thomas Meyer „Die Unbelangbaren. Wie politische Journalisten mitregieren“ (hat hier auch El Moche gerade erst empfohlen)

      • @Lucas

        „Die gigantisch überlegene eigene Herrschaftsposition der Massenmedien wird verkleistert in einer oberflächlichen „emanzipatorischen“ Haltung, die ihrerseits aber vollständig unreflektiert bleibt.“

        Es ist nicht nur die völlig unreflektierte Herrschaftsposition, die mich ankotzt.

        Sondern deren Umsetzung in eine atemberaubende individuelle Chuzpe, mit der eine medial hofierte Feministin wie Laurie Penny allen Ernstes vorträgt, man wolle sie – und damit quasi die Emanzipation selbst! – zum schweigen bringen.

        Das schreibt sie im Independent, im Guardian, in der Times, im New Statesman, in der Zeit, der Süddeutschen und den Blättern für deutsche und internationale Politik.
        Völlig ironiefrei und komplett merkbefreit. Sie meint das wirklich so.

        Nicht ein einziger Kritiker ihrer Position erhielte auch nur einen Bruchteil der Möglichkeit mediale Aufmerksamkeit zu generieren, die ihr auf einem Silbertablett serviert werden.
        Aber auch das ist ihr nicht genug – sakrosankt ist das neue Minimum.
        Die Frau hat einen solide ausgeprägten gynozentrischen Narzissmus und gilt als „derzeit wichtigste junge Feministin“ laut Zeit.
        Was sagt das aus über die mentale Verfassung ihres Zielpublikums?

        „Das Problem dabei ist eben, dass jede breite öffentliche Kritik an diesen Zuständen wiederum durch die Medien laufen muss, wo sie dann auf dieselbe Weise verhacktstückt wird.“

        Deshalb bin ich auch für eine Konzentration auf die Herstellung einer autonomen (maskulistischen) Gegenöffentlichkeit, statt auf die Reaktion der Mainstreampresse und ihrer spezifischen Filtermechanismen zu setzen.
        Wie mitm gesagt hat: Vor fünf Jahren war die Beschäftigung mit denen eine intellektuelle Herausforderung, heute ist es eine vorhersehbare, blanke Langeweile.
        Das sind Zombies.

        Gruß crumar

      • @ crumar

        Du schreibst:

        „Deshalb bin ich auch für eine Konzentration auf die Herstellung einer autonomen (maskulistischen) Gegenöffentlichkeit, statt auf die Reaktion der Mainstreampresse und ihrer spezifischen Filtermechanismen zu setzen.“

        Was meinst Du denn mit einer autonomen Gegenöffentlichkeit? Also eine autonome Gegenöffentlichkeit sehe ich eher ein bisschen wie eine Filterblase. Also ich würde dann schon sowohl-als-auch und nicht entweder-oder. Weil an der Mainstream-Öffentlichkeit kommst Du nun mal nicht vorbei, falls Du wirklich Veränderungen willst.

      • @crumar

        „sondern die (postmoderne) Linke sollte ihr Verhältnis zur Meinungsfreiheit klären und ihre Position in und zu den Medien reflektieren.“

        Na ja … ich versteh schon das Prinzip, aber die Neo-Linken werden das so schnell nicht tun.

        … ist aber OT.

      • @Mark

        „Also ich würde dann schon sowohl-als-auch und nicht entweder-oder. Weil an der Mainstream-Öffentlichkeit kommst Du nun mal nicht vorbei, falls Du wirklich Veränderungen willst.“

        Ich will erstens, dass wir politische Forderungen entwickeln, die wir in die Mainstream-Medien und in die Öffentlichkeit hineintragen, um diesen Mainstream-Medien nicht das Spielfeld zu überlassen.
        Mit „Spielfeld überlassen“ meine ich die Berechtigung, sich selektiv Themen und Personal zur „Berichterstattung“ zu schnappen, um dann bspw. fake-talk-shows zu produzieren, in denen ein Dino als MRA dargestellt wird, um die MRM zu diskreditieren.

        Wenn irgendein Hansel im TV hingegen nichts mit diesen politischen Forderungen zu tun hat, diese offensichtlich nicht vertritt, dann machen sich erstens diese Mainstream-Medien in zwei Minuten unglaubwürdig. Und zweitens müssten sich nicht nur die Medien, sondern auch die Parteien zu solchen Forderungen verhalten.

        Was wir m.E. weiterhin brauchen, ist eine Bündelung der Medien Aktivitäten, die analog zu „A Voice for Men“ im Rahmen einer Web-Site auftritt und auch eine vermehrte und konzertierte Aktivität, was youtube betrifft.

        Nur mal ein Vergleich: Karen Straughan hat in einem Monat sieben Videos produziert und dafür zwischen 3000-93.000 Aufrufe.
        D.h. sie hat in einem einzigen Monat mehr Clicks generiert, als alle maskulistischen Blogs in Deutschland zusammen genommen in einem Jahr.

        Wir hingegen wursteln hochgradig individualisiert auf Bleisatz-Niveau herum.
        Das widerspricht komplett dem Stand unserer Bewegung.

        Gruß crumar

      • @Elmar

        „Na ja … ich versteh schon das Prinzip, aber die Neo-Linken werden das so schnell nicht tun.“

        Sie werden das tun, wenn sie es tun müssen. Freiwillig legen sie ihre Denkfaulheit nicht ab. Wozu auch? Sie werden für ihre Plattitüden bezahlt und so lange sie das Publikum zwingen können den Fraß zu fressen, den sie ihnen servieren, werden sie sich nicht ändern.

        Ebenfalls OT:
        Übrigens habe ich einen Test auf PomoLi-Texte entwickelt!
        Wenn in einem Artikel ein solcher Satz steht: „So einfach ist es/dies jedoch nicht“ kann man todsicher davon ausgehen, es folgt SJW/PomoLi-Blödsinn.

        Gruß crumar

      • Praktisch die gesamte ‚Bewusstseins-Industrie‘, wie sie Hans-Magnus Enzensberg einmal genannt hat, ist eine intellektuelle Mono-Kultur: In den klassischen Medien und auch den sozialen Medien wird ein und dieselbe Weltanschuung gepflegt, weil deren Eigentümer politisch ein recht homogenes Grüppchen bilden. Da betrifft auch den gesamten Kulturbetrieb, Hollywood und Netflix inklusive. Buchverlage gehören natürlich auch dazu. Oder Gallerien.

        Roy M. Griffis, ein US-Amerikanischer Autor, der vom Schweizer Tages Anzeiger im Zuge einer Serie über die US-Wahlen portraitiert worden ist, bringt das (in seinem Falle konservative) Dilemma genau auf den Punkt. Hinsichtlich der amerikanischen Verlagslandschaft, deren Zentrum die Ostküste, genauer: New York ist, kommt er zu folgendem Schluss:

        „(…) Das hat mit den sogenannten Gatekeepern zu tun. Damit meine ich die geballte Medienmacht und das Verlagswesen der Ostküste, vor allem in New York. Wenn man nicht nach deren liberaler Pfeife tanzt, wird man nicht beachtet (…)

        Wer hat die Macht, den Daumen nach oben oder unten zu richten? New York, das ist eine Blase. Die Journalisten und Lektoren haben alle dieselben Eliteschulen besucht und teilen denselben Freundeskreis.“

        Was wiederum die Qualität heutiger Mediendiskurse anbelangt, darüber habe ich mich weiter unten geäussert. Das Problem, vor dem Andersdenkende stehen, ist also wesentlich komplexer, als z. B. von Crumar angedacht.

        Artikel Tages Anzeiger: http://webspecial.tagesanzeiger.ch/longform/amerika-im-gespraech/roymgriffis/

      • @Michel

        „Das Problem, vor dem Andersdenkende stehen, ist also wesentlich komplexer, als z. B. von Crumar angedacht.“

        M.E. eher nicht.
        Ich kenne die mediale Selbstbezichtigung eines US-Psychologen, der sich über die politische Monokultur (liberal) der eigenen Zunft beklagte, was ich einigermaßen lächerlich fand.
        Denn welcher Liberale hat einem Konservativen jemals verboten Psychologie zu studieren?

        Fakt ist, die Konservativen werden vorzugsweise die Fachbereiche Ökonomie und Jura besiedeln und aus dieser Ecke habe ich noch keine Klagen über die mangelnde „intellectual diversity“ des eigenen Fachs vernommen (da wäre sie trotzdem berechtigt).
        Wenn Konservative die Berufskarriere auf Status und Einkommen ausrichten – und alle wissen, das Gehalt eines Psychologen oder Journalisten qualifiziert nicht unbedingt zum Top-Verdiener – dann finde ich es bizarr eine Zunft zu beschimpfen, der man aus eben diesen Gründen ums verrecken nicht angehören wollte.
        Für mich hört sich das an, als wären Konservative beleidigt, sich medial nicht umfassend in ihrer Weltsicht bestätigt zu sehen, woraufhin sich die gesamte Medienindustrie selbstverständlich gegen sie verschworen haben muss.

        Ein wenig merkwürdig, wenn Konservative in den USA den „liberalen Medienmarkt“ beklagen, in ihrer Einschätzung jedoch bspw. Fox News „vergessen“.
        Immerhin war ein Fox-Manager so ehrlich zuzugeben: „The problem with being associated as liberal is that they wouldn’t be going in a direction that advertisers are really interested in…. If you go out and say that you are a liberal network, you are cutting your potential audience, and certainly your potential advertising pool, right off the bat.“

        Können wir uns darauf einigen, dass dies für kommerzielle Medien also nicht unbedingt vorteilhaft ist? Oder uns anders herum fragen, welche spezielle Form von „liberal“ wiederum die Anzeigenkunden nicht verschreckt?
        Denn mir – als Linkem – scheint es so sein, dass sozioökonomische Fragestellungen nicht einmal in den top 5 erscheinen, was als (US-) liberal gilt.

        Das Problem mit der Darstellung eines offenen bias, offener Parteilichkeit ist zudem die rapide abnehmende Glaubwürdigkeit des und des Interesses am Medium.
        Seitdem jeder Artikel sich so liest wie vormals ein Kommentar, man vor der Meinung des Autors/der Autorin partout nicht verschont wird, die zudem einen flüchtigen, aber dennoch hochselektiven Blick auf die empirische Wirklichkeit gerichtet haben, macht es mir immer weniger Spaß, mich politisch informieren zu wollen.

        Ich habe natürlich keine Ahnung, wie es Menschen anderer politischer Orientierung mit ihren Informationsquellen geht.

        Gruß crumar

      • @Crumar: Fox News sind, gemessen am gesamten US-Medienmarkt, nur ein vergleichsweise kleiner Anbieter. Die politische Homogenität der Bewusstseins-Industrie wird und wurde auch hierzulande immer wieder kritisiert. Die Krtik ist durchaus berechtigt, das lässt sich belegen:

        https://de.statista.com/statistik/daten/studie/163740/umfrage/parteipraeferenz-von-politikjournalisten-in-deutschland/

        http://medienwoche.ch/2011/10/13/welche-parteien-die-journalisten-lieben/#respond

        http://presseverein.ch/2014/01/12/jungjournalisten-als-sp-waehler/

        http://www.schweizamsonntag.ch/ressort/medien/1861/

        Wir sind also weit davon entfernt, ins Lächerliche abzugleiten, Crumar. Allerdings bin ich weit davon entfernt, von Lügenpresse á la Pegida, Afd & Co zu sprechen. Liege ich richtig in der Annahme, dass sie mich in diesem Milieu vermuten? Wir sollten die Fakten zur Kenntnis nehmen. Auch wenn postmoderne Erklärungsmuster auf sehr viel mehr Resonanz stossen mögen. Aber es geht natürlich auch pragmatischer, zumindest, was das Handwerk des Journalismus angeht: Würden Medienschaffende Meinung und Bericht besser voneinander trennen, dann wären wir viele Probleme los. Aber ich kann natürlich nicht wissen, welcher Informationsquellen Sie sich bedienen…

      • @Michel

        Fox ist m.E. der größte Anbieter (nach Zuschauern) der „cable networks“ – vor CNN und MSNBC.
        Wie es für den gesamten Medienmarkt aussieht kann ich nicht sagen.

        Zurück zu den hiesigen Verhältnissen.
        Mir ist nicht so ganz klar, mit welcher politischen Präferenz man bspw. bei „Welt“, „Bild“ oder „FAZ“ arbeitet, bin mir aber relativ sicher, eine Umfrage unter Journalisten würde ungünstige Werte für SPD, Grüne und Linke ergeben.
        Selbst wenn es anders wäre, ist die Linie der Redaktion keine, die diese Parteien bevorzugt – eher ist das Gegenteil der Fall.
        D.h. für eher konservative Journalisten ist ein breites Angebot an Stellen in einem politischen Spektrum vorhanden.

        Die von Ihnen übermittelten Links mit Statistiken zur Befragung von Politikjournalisten in der Schweiz nach ihrer Parteipräferenz sind wenig aussagekräftig, da daraus nicht hervorgeht, wer überhaupt angeschrieben worden ist. Die Frage nach der Repräsentativität stellt sich auch, wenn dort steht: „Von den 1428 verschickten Fragebögen kamen dennoch 343 gültige zurück.“.

        Die Rücklaufquote ist mit 24% nicht eben hoch. Die Gefahr also groß, einen bias zu erzeugen, wenn überwiegend links orientierte Journalisten den Fragebogen beantwortet haben.
        Insofern ist es unlauter von „Die Mehrheit der Journalisten“ bezogen auf den Fragebogen zu schreiben, wenn die Mehrheit der Journalisten ihn gar nicht ausgefüllt hat.

        Dann habe ich Schwierigkeiten mit der Auswertung der Frage: «Von welcher Partei fühlen Sie sich am ehesten repräsentiert?»
        Weil für die abgefragten Parteien „Keine Antwort“, „Andere Partei“, „Keine politische Parteienpräferenz“ zusammen 22,1% der n=343 ergibt.
        Was wiederum bedeutet, es verbleiben wenig eindrucksvolle n=267, die sich auf das vorgestellte politische Spektrum verteilen und 18,7% der angeschriebenen Journalisten haben sie überhaupt im gemeinten Sinne beantwortet.

        Aus dieser Umfrage abzuleiten, „Eine neue Studie bestätigt nun ein altes Klischee“ – nämlich den eines linken bias „der“ Politikjournalisten – ist m.E. nicht möglich.
        Hingegen kann nur das Klischee gemeint sein, die Ausbildung in Sachen „Statistik für Journalisten“ lässt zu wünschen übrig.

        Eine weitere von Ihnen verlinkte Umfrage lässt vermuten, dass „postmoderne Erklärungsmuster auf sehr viel mehr Resonanz stossen“ in der Schweiz.
        Denn die Phantasie anregende Frage war, „Welche Partei findet am meisten persönliche Zustimmung unter jungen JournalistInnen?“
        Es wurde nicht nach der individuellen Parteipräferenz gefragt, sondern was die Individuen glauben, wie die Parteipräferenz der (anderen) Befragten ist.
        Ich tue mich schwer damit, aus Glaubensfragen Erkenntnisse abzuleiten, andere nicht: „Aber woher bloss kommt diese extreme (Anm. linke) Einseitigkeit? Jungwähler, die nicht Journalisten sind, zeigen doch eine viel höhere Diversität.“

        Das ist ein Denken, welches offensichtlich am Feminismus geschult worden ist.
        Nämlich zwei Gruppen zu vergleichen, von denen die eine eine Berufsgruppe ist – die andere hingegen nicht. Der Bevölkerungsanteil von Frauen ist in D über 50%, in der IT-Branche hingegen 16,1%, sie sind also klar unterrepräsentiert in der Branche.
        Die mangelnde „Repräsentanz und Diversität“ kann – um die Analogie zu verwenden – nicht etwa daran liegen, dass Jungwähler Nicht-Journalisten sind und sich auch entscheiden, Nicht-Journalisten zu bleiben.
        Sondern auf eine magische Weise muss Repräsentativität hergestellt und Diversität gewährleistet werden, ohne dass Frauen Informatik und Konservative Journalismus studieren.
        Keine Ahnung, wie das funktionieren soll.
        Wie wäre es mit einem „girls day“ in den Medien für Konservative in der Schweiz? 😉

        Gruß crumar

      • „Wir hingegen wursteln hochgradig individualisiert auf Bleisatz-Niveau herum.“ (Crumar) Mittlerweile macht ja beispielsweise der Doktorant Videos, auch Wolle macht sie schon länger. Karen Straughan ist eben auch als Person charismatisch, so wie auf andere Weise Christina Hoff-Sommers, die mit ihren Videos ebenfalls sehr erfolgreich ist. Straughan setzt sich vor ihren Kühlschrank, redet eine halbe Stunde, nimmt das auf, und Hunderttausende schauen sich das an: Das ist ein Erfolg, der sich nicht einfach kopieren lässt – und es ist auch nicht allein eine Frage des Mediums.

        Es gibt Leute, die schon lange außerhalb des Netzes arbeiten, wie Gerd Riedmeier beim Forum Soziale Inklusion oder Tristan Rosenkranz bei Gleichmaß – und es gibt Leute wie Christian, der mit Alles Evolution schon lange einen ziemlich erfolgreichen Diskussionsblog führt. Es gibt aber zu wenige Verbindungen dazwischen, und bis auf Arne eigentlich niemanden, der beide Bereiche kennt, Bloggen und Lobbyarbeit. DA ist in meinen Augen das Potenzial für Weiterentwicklungen – solche Verbindungen zu stärken.

        Ansonsten habe ich mittlerweile das Gefühl, das Bleisatzniveau war eine ganze Weile gar nicht so schlecht. Natürlich hätte ich mir sehr oft eine größere Öffentlichkeit gewünscht, und in manchen Fällen – bei Arnes Buch z.B. – ist es auch ein echtes Versagen der Medien, und auch ein Skandal, dass sie keine größere Öffentlichkeit hergestellt haben.

        Aber ich glaube, dass es uns auch ganz gut getan hat, eine Weile fast unter uns diskutieren zu können, ohne dabei in irgendeinem öffentlichen Fokus zu stehen. Der Fundus an Argumenten, an Informationen ist mittlerweile sehr groß und gut erprobt. Ich glaube, viele haben mittlerweile auch ein gutes Gefühl dafür, was nicht geht.

        Aber ich habe auch das Gefühl, dass es Zeit wird, das auszuweiten.

      • Sie kämpfen gegen Windmühlen, Crumar. Offenbar ist Ihnen viel daran gelegen, mich als dumpfen Konservativen abzustempeln, nur weil ich eine einzige Aussage aus einem Interview mit einem Konservativen aus den USA verlinkt habe, die den Unmut in weiten Teilen der Bevölkerung meiner Ansicht nach ganz gut auf den Punkt bringt. Offenbar gefallen Sie sich in der Rolle des geradezu musterhaft linken Don Quichotes, der gegen konservative Windmühlen zu kämpfen glaubt. Ich kann Ihnen versichern, dass ich kein Konservativer bin.

        Zahlen lassen sich beliebig deuten, umdeuten und verklären. Man kann auch das Haar in der Suppe suchen, um das eigene, hermetische Weltbild gegen äussere Einflüsse abzusichern. Daran ist Ihnen offenbar viel gelegen. Es sei Ihnen vergönnt. Die politische Gesinnung der schreibenden Zunft (eigentlich der gesamten Bewusstseins-Industrie) ist allerdings nur ein Teil des angesprochenen Problems (mehr dazu im letzten Abschnitt meines Kommentares).

        Meinungsvielfalt oder -Einfalt? Letztere wird von immer mehr Menschen wahr genommen- womit das Vertrauen in den ganzen Berufsstand wie ein Stein sinkt. Das beweisen ebenfalls zahlreiche Umfragen und Studien. Aber ich nehme an, dass Sie auch das bestreiten werden. Entweder lässt sich ein Eindruck, ein schlechtes Gefühl empirisch nachweisen- oder es existiert einfach nicht! Wenn es denn so einfach wäre! Gefühle lassen sich vielleicht weg lächeln- aber sie lassen sich damit ganz bestimmt nicht aus der Welt schaffen!

        Hier noch etwas Medienkritik von einem (für Sie) politisch hoffentlich völlig Unverdächtigen, nämlich Thomas Meyer, SPD. In diesem Interview geht es natürlich vor allem darum, das Buch „Die Unbelangbaren / Wie politische Journalisten mitregieren“ zu besprechen, item: Immerhin bringe ich nicht Udo Ulfkotte ins Spiel, ich hoffe, Sie halten mir das zugute:

        „Ich habe für die Kritik an den Medien Verständnis. Aber in der Form wie Sie z.B. von Pegida geäußert worden ist – Stichwort: Lügenpresse! -, halte ich sie für völlig überzogen. Das ist der falsche Ansatzpunkt.“ Das ist auch mein Standpunkt. Aber ich bin natürlich kein mustergültiger Linker und auch kein Konservativer, sondern ein Parteiloser.

        „Die fundierte Medienkritik, die zwischen all den lauten Tönen auch zu finden ist und die, so meine ich, durchaus auch ihre Schärfe hat, wird dann einfach übergangen (…)

        Der andere Punkt ist, dass Medien mittlerweile sehr stark gesellschaftlich selektiv sind. Bestimmte Themen, zum Beispiel soziale Fragen wie Armut, Ungleichheit, Exklusion, das Leben und Leiden der unteren Klassen, kommen in ihrer Berichterstattung praktisch nicht mehr vor.

        (…) Die Medien bereiten eine Bühne, auf der sie ihre eigenen Stücke vorführen. Allerdings sagen sie uns das nicht. Vielmehr behaupten sie, sie würden die Welt und das, was sich in ihr ereignet, wirklichkeitsgetreu spiegeln. Aber dem ist nicht so.

        (…) Wenn Menschen Massenmedien konsumieren und dann plötzlich sehen, wie unterschiedlich das, was die Medien berichten, im Vergleich zu ihren eigenen lebensweltlichen Erfahrungen ist, dann spüren sie irgendwann, dass ihnen die Medien ihnen ihr eigenes Weltbild vorführen . Das ist der Zeitpunkt, wo leicht ein generalisierendes Misstrauen entstehen kann. Und genau diese Situation ist derzeit zu erkennen.

        Wir leben in einer postmodernen Kultur. Alles ist gleichgültig geworden. Große politische Richtungsunterschiede werden nicht mehr ernst genommen und sobald sie auftauchen, lächerlich gemacht (…)“

        Und nun kommt der meiner Ansicht wesentliche Punkt: Die Frage nach der sozialen Herkunft grosser Teile der schreibenden Zunft. Die politische Gesinnung- meinetwegen geschenkt! Aber die Weltanschauung vieler Journalisten ist auch und vor allem ein Produkt des sozialen Milieus, dem sie selber entstammen:

        „(…) Wenn ich die gegenwärtige Berichterstattung beobachte und mir auch die zugehörigen soziologischen Analysen der Gruppen, die sie produzieren, anschaue, muss ich feststellen, dass in den Medien heute sehr stark ein neubürgerliches, aufstiegsorientiertes oder neubesitzbürgerliches Milieu vorzufinden ist.

        Das sind also Milieus von Leuten, die ganz stark an ihren eigenen Statusinteressen, ihrem Leistungsstolz und einer Welt, die dazu passt, orientiert sind. Ihr Habitus ist rundum geprägt vom Aufstieg und wohlerworbenem Status und Eigentum. Sie haben eine Mentalität, in der die ganze soziale Welt der Unterdrückten, der Randständigen oder der Ausgeschlossen nicht mehr als ein zu respektierender Teil der gesellschaftlichen Welt erscheint. Aus diesem Milieu geht ein Journalismus hervor, der die eigenen ökonomischen Interessen, auch die in seiner vorherrschende Weltsicht, immer wieder deutlich zum Ausdruck bringt.

        Aber das gesamte Intervie können Sie ja hier selber lesen: http://www.heise.de/tp/artikel/45/45077/1.html

        Ein Tip am Rande: Versuchen Sie doch einmal, Ihrem Gegenüber auf Augenhöhe zu begegnen- auch wenn Sie vielleicht davon überzeugt sind, den akademischen Stein der Weisen höchstpersönlich gefunden zu haben. Es könnte sich lohnen: Schliesslich gibt es auch ausserhalb der „Sonderwelt der akademischen Klostergemeinschaft“ (FAZ) Stimmen, die Gewicht haben 😉

      • @Michel in zwei Teilen 1/2

        Ich kommentiere im Text:

        „Sie kämpfen gegen Windmühlen, Crumar. Offenbar ist Ihnen viel daran gelegen, mich als dumpfen Konservativen abzustempeln, nur weil ich eine einzige Aussage aus einem Interview mit einem Konservativen aus den USA verlinkt habe, die den Unmut in weiten Teilen der Bevölkerung meiner Ansicht nach ganz gut auf den Punkt bringt. Offenbar gefallen Sie sich in der Rolle des geradezu musterhaft linken Don Quichotes, der gegen konservative Windmühlen zu kämpfen glaubt. Ich kann Ihnen versichern, dass ich kein Konservativer bin.“

        Ich habe mir wirklich Mühe gegeben und gebe mir Mühe, mich mit Ihrer Argumentation auseinanderzusetzen, wären Sie in meinen Augen „dumpf“, dann hätte ich den Aufwand nicht betrieben.

        Wer allerdings erst einen Konservativen zitiert und dann Links schickt, die offensichtlich einer SVP-Linie (das ist eine rechtspopulistische Partei in der Schweiz, das deutsche Pendant ist naheliegend) und einer SVP-Agenda folgen, sollte sich nicht wundern, als Konservativer eingeordnet zu werden. Auch wenn Sie – nach eigenen Worten – keiner sind.

        Mein Signal war eigentlich offensichtlich: Ich habe nichts per se gegen Konservative und meine, in den deutschen Medien haben sie ein breites Spektrum an Möglichkeiten, Journalismus als Beruf auszuüben.

        „Zahlen lassen sich beliebig deuten, umdeuten und verklären. Man kann auch das Haar in der Suppe suchen, um das eigene, hermetische Weltbild gegen äussere Einflüsse abzusichern.“

        Das ist zwar richtig, nur sollte man solche Zahlen, die offensichtlich „verklärt“ sind, nicht verwenden, um einem anderen ein „hermetisches Weltbild“ vorzuwerfen. Zumal, wenn die Zahlen offensichtlich „verklärt“ worden sind, um das eigene Weltbild abzusichern.

        Zum Inhalt:

        „Meinungsvielfalt oder -Einfalt? Letztere wird von immer mehr Menschen wahr genommen- womit das Vertrauen in den ganzen Berufsstand wie ein Stein sinkt. Das beweisen ebenfalls zahlreiche Umfragen und Studien.“

        Diese subjektive Wahrnehmung ist berechtigt – ich habe dies in diesem Forum bereits als meine Beobachtung an Hand der Schließung der Foren der „Süddeutschen“ thematisiert, als die Leser massive Kritik an der Berichterstattung in der Ukraine-Krise zu formulieren wagten. Nicht nur in dieser Publikation haben die Leser das Gefühl, nicht informiert, sondern indoktriniert zu werden. Die Reaktion der Redaktion war eindeutig: Dann beenden wir eben die Kritik, indem sie nicht mehr im Forum stattfinden kann.
        Das ist jedoch m.E. eine intellektuelle Bankrotterklärung und verstärkt den Eindruck, dass hier Kommunikation generell als Einbahnstraße verstanden wird und konzipiert ist.

        Eine löbliche Ausnahme in Sachen Zensur durch exzessives Filtern der Beiträge ist die durchgängig liberale Praxis der Moderation von „telepolis“.
        Die Redaktion hat seit 9/11 bei mir sozusagen „ein Stein im Brett“, weil dort von Anfang an massive Kritik am offiziellen Narrativ geübt worden ist. In einer Zeit, als alle anderen Medien geradezu unheimlich haargenau die gleichen Stories schrieben und abschrieben.

        „Hier noch etwas Medienkritik von einem (für Sie) politisch hoffentlich völlig Unverdächtigen, nämlich Thomas Meyer, SPD: Ich habe für die Kritik an den Medien Verständnis. Aber in der Form wie Sie z.B. von Pegida geäußert worden ist – Stichwort: Lügenpresse! -, halte ich sie für völlig überzogen. Das ist der falsche Ansatzpunkt. Die fundierte Medienkritik, die zwischen all den lauten Tönen auch zu finden ist und die, so meine ich, durchaus auch ihre Schärfe hat, wird dann einfach übergangen (…)“

        Das ist insofern richtig, weil der Vorwurf der „Lügenpresse“ schnellstens als einer mit faschistischen Wurzeln entlarvt werden kann. Was wiederum dazu dient, sich mit diesem gar nicht auseinandersetzen zu müssen.
        Andererseits ist es aber ein „tone argument“ und suggeriert, würde die inhaltliche Kritik nur überzeugend genug formuliert, würde sie auch gehört und diskutiert.

        Es ist jedoch – nimmt man die Behandlung der MRM in D in der Medienlandschaft als Beispiel -falsch. Wir können jede feministische Argumentation noch so sachlich widerlegen, jedes offizielle Zahlenwerk (bspw. gender pay gap) als propagandistische Fälschung entlarven; was kein Medium daran hindert, falsche Argumente, die auf widerlegten Fakten basieren zu wiederholen, zu wiederholen und zu wiederholen.
        Wie uns diese Medien also demonstrieren, beruht ihr Einfluss nicht auf dem besseren Argument, sondern ist eine simple Machtfrage und das bedeutet unseren Ausschluss aus dem Diskurs.
        Weshalb ich geringe Hoffnungen auf die „Diffusion“ unserer Argumentation in diese Medien habe.

      • @Michel Teil 2/2

        „Der andere Punkt ist, dass Medien mittlerweile sehr stark gesellschaftlich selektiv sind. Bestimmte Themen, zum Beispiel soziale Fragen wie Armut, Ungleichheit, Exklusion, das Leben und Leiden der unteren Klassen, kommen in ihrer Berichterstattung praktisch nicht mehr vor.“

        Korrekte Beobachtung – nur leider ausgehend von einer Partei, die mit der Agenda 2010 die Zustände verursacht hat, die medial nicht mehr stattfinden.
        Bezogen auf die Männer- und Jungenthemen: Die – zusammen mit den Grünen – bspw. dafür gesorgt hat, dass das Schicksal schwuler Jungen zu Tränen rührt, während das der heterosexuellen Jungen sozusagen „exkludiert“ worden ist.
        Der Mechanismus ist m.E. immer der gleiche: Hebe eine Gruppe der Bevölkerung, die gar nicht klein genug sein kann, heraus und demonstriere besondere Fürsorge, entsorge hingegen die Problemlagen des „Rests“.
        Hier laufen gesellschaftlicher Partikularismus und mediale Selektion Hand in Hand und mir kann keiner erzählen, dass dieser Effekt nicht politisch gewollt ist.
        Politisch ist es ausgesprochen nützlich, wenn medial die negativen Folgen der eigenen Politik nicht thematisiert werden.

        „Und nun kommt der meiner Ansicht wesentliche Punkt: Die Frage nach der sozialen Herkunft grosser Teile der schreibenden Zunft. Die politische Gesinnung- meinetwegen geschenkt! Aber die Weltanschauung vieler Journalisten ist auch und vor allem ein Produkt des sozialen Milieus, dem sie selber entstammen:

        (…) Wenn ich die gegenwärtige Berichterstattung beobachte und mir auch die zugehörigen soziologischen Analysen der Gruppen, die sie produzieren, anschaue, muss ich feststellen, dass in den Medien heute sehr stark ein neubürgerliches, aufstiegsorientiertes oder neubesitzbürgerliches Milieu vorzufinden ist.“

        Er hat vergessen zu erwähnen, dass dies für die politische Zunft ebenfalls zutrifft und demnach die Gefahr besteht, dass sich hier ein weltanschaulich und sozial hermetisches Milieu bildet, welches mit der Zusammensetzung der Bevölkerung und deren Lebenswirklichkeit wenig zu tun hat.
        Insofern ist mediale „Meinungsmache“ – also der Versuch, per Massenmedien in die innerparteiliche Willensbildung einzugreifen und diese zu manipulieren – als Kritik zu kurz gegriffen.
        Es ist dann wenig erstaunlich, wenn eine politisch verfehlte Politik so aufgefasst werden kann, als wäre sie nur „schlecht erklärt“ worden, was dann als medialer Auftrag der Indoktrination der Bevölkerung verstanden wird.

        Gruß crumar

      • @Lucas

        Ich fange mit dem für mich wichtigsten Punkt an, wo wir beide einen Dissens haben:

        „Natürlich hätte ich mir sehr oft eine größere Öffentlichkeit gewünscht, und in manchen Fällen – bei Arnes Buch z.B. – ist es auch ein echtes Versagen der Medien, und auch ein Skandal, dass sie keine größere Öffentlichkeit hergestellt haben.“

        Diese Einschätzung ist m.E. falsch.
        Es gibt kein „Versagen der Medien“ in Arnes Fall, sondern sein „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“ ist offensiv totgeschwiegen worden.
        Wenn wir über Akteure in den Medien mit „linksliberalen“ oder „postmodern linkem“ Selbstverständnis oder Überzeugungen reden, dann sind das Akteure, die spätestens seit der von Arne erfolgten linken Positionierung in Erklärungsnot geraten sind.
        Es ist richtig schwer ein Publikum davon zu überzeugen, warum ein vermeintlich Rechter eine LINKE Männerpolitik einfordert oder sich selbst einem linken Flügel einer Bewegung zuordnet.

        Um eine von dir gerne verwendete Redewendung zu benutzen, ist die Einschätzung der MRM als rechts damit nicht mehr haltbar.
        Wie Oliver jedoch in einer Kritik an den hier gängigen Positionen richtig feststellte, ist die Realität so beschaffen, dass diese Position nicht nur gehalten, sondern durchgehalten wird.

        Das Buch wird nicht besprochen, nicht weil es Mängel hätte, sondern weil es – im Gegenteil – exzellent ist. Es hat jedoch den eklatanten Mangel, den erbärmlichen set von Überzeugungen und das Selbstverständnis der sich als linksliberal und postmodern links verstehenden, quasi empfindenden in Frage zu stellen.
        Weil es immer und immer wieder klarstellt, dass menschliche Emanzipation unteilbar ist.
        Die Akteure in den Medien wollen nicht daran erinnert werde, welche Position sie bewusst oder unbewusst preisgegeben haben und deshalb fassen sie das Buch nicht einmal mit einer Kneifzange an.

        Wir müssen dafür sorgen, dass sie damit nicht durchkommen und Arnes Buch so lange offensiv bewerben, bis sie sich Ignoranz nicht mehr leisten können.

        In diesem Sinne:

        https://www.amazon.de/Plädoyer-für-eine-linke-Männerpolitik/dp/149543625X

        Schönen Gruß crumar

      • @Crumar: Natürlich haben Sie recht, wenn Sie einwenden, dass nicht nur die Medien i.d.R. ein hermetische Weltbild pflegen, sondern auch die Politik. Dabei spielt weniger (aber auch) die Parteizugehörigkeit eine Rolle, sondern vielmehr der soziale Hintergrund führender Exponenten aus Medien, Wirtschaft, Kultur und Politik. Führt man sich noch die soziale Herkunft der Studierenden (v. a. Uni, weniger FH) vor Augen, dann wird einem schnell einmal klar, dass hier eine auffällige (und sogar parteiübergreifende) Homogenität vorherrscht, die dann z. B. ganz besonders in der Familienpolitik ihren Niederschlag findet: Während die Konservativen die Ernährerehe favorisieren, versuchen links-progressive Kreise das paritätische Familienmodell in der Mitte der Gesellschaft zu verankern. Was beide Seiten dabei vergessen: Sowohl die Hausfrauenehe als auch das 50/50-Modell können sich nur (noch) die allerwenigsten Familien mit Kindern leisten; beide Familienformen sind genau genommen ein Privileg gut bis sehr gut verdienender Haushalte.

        Die wachsende Akademisierung der Alltagspolitik und der Debattensphäre (Sloterdijk spricht hier bereits schon von der ‚debattierenden Klasse‘) birgt ein enormes Konfliktpotential: Schliesslich verfügen nur gerade gut 25% aller Menschen (in der Schweiz) über einen tertiären Bildungsabschluss- aber in den Entscheidungsgremien von Wirtschaft, Politik, Kultur und Medien sind sie überproportional vertreten! Sehr gut illustriert das z. B. die Zusammensetzung des Schweizer Parlaments, aufgesplittet nach dem Bildungshintergrund der National- und Ständeräte: Akademiker machen da mehr als zwei Drittel aller Parlamentarier aus!

        http://www.20min.ch/schweiz/news/story/30541992

    • @Michel

      Vielen Dank erst einmal für Ihre Antwort!

      Das von Ihnen hier geschriebene finde ich richtig:

      „dass hier eine auffällige (und sogar parteiübergreifende) Homogenität vorherrscht, die dann z. B. ganz besonders in der Familienpolitik ihren Niederschlag findet: Während die Konservativen die Ernährerehe favorisieren, versuchen links-progressive Kreise das paritätische Familienmodell in der Mitte der Gesellschaft zu verankern. Was beide Seiten dabei vergessen: Sowohl die Hausfrauenehe als auch das 50/50-Modell können sich nur (noch) die allerwenigsten Familien mit Kindern leisten; beide Familienformen sind genau gnommen ein Privileg gut bis sehr gut verdienender Haushalte.“

      An dieser Stelle habe ich den Eindruck, dass es beiden politischen Enden der Privilegierten völlig egal sein kann, dass das Kindergeld nicht kostendeckend ist und die staatlichen Betreuungseinrichtungen extrem teuer sind: Die Hausfrauenehe betrifft es nicht und das 50/50 Modell kauft sich die Versorgungsleistung ein.
      Wobei ich hier nicht weiß, wie es sich in der Schweiz verhält – in D wird die Hausfrauenehe oder die Zuverdienerehe massiv subventioniert.

      Die wirklich bizarrste Veranstaltung war die Einführung des „Elterngeldes“, weil hier zum ersten Mal die staatliche Förderung von Eltern einsetzte, die gar nicht bedürftig sind.
      Mit einem Betrag, der faktisch dem Arbeitslosengeld nachgebildet worden ist, während Geringverdiener mit einem Sockelbetrag abgespeist werden, der einfach lächerlich ist.

      Mit welcher selbstverständlichen Bauchnabel-Perspektive und Selbstbedienungsmentalität hier politisch entschieden wird fand ich zunächst erstaunlich.
      Wenn man sich die Zusammensetzung des Bundestages betrachtet, ist es das eigentlich nicht.

      „Die wachsende Akademisierung der Alltagspolitik und der Debattensphäre (Sloterdijk spricht hier bereits schon von der ‚debattierenden Klasse‘) birgt ein enormes Konfliktpotential: Schliesslich verfügen nur gerade gut 25% aller Menschen (in der Schweiz) über einen tertiären Bildungsabschluss- aber in den Entscheidungsgremien von Wirtschaft, Politik, Kultur und Medien sind sie überproportional vertreten! Sehr gut illustriert das z. B. die Zusammensetzung des Schweizer Parlaments, aufgesplittet nach dem Bildungshintergrund der National- und Ständeräte: Akademiker machen da mehr als zwei Drittel aller Parlamentarier aus!“

      Ich verstehe das Argument, bin mir aber erstens nicht so sicher, ob dies in D so zutrifft und wie und ob sich dies überhaupt ändern ließe bzw. würde mich interessieren, ob es den Kern des Problems trifft.

      Während erstens auf der einen Seite die formalen Bildungsabschlüsse ein steigendes Niveau der Debatten suggerieren, hat auf der anderen Seite auch bei den „Qualitätsmedien“ ein Boulevardisierungseffekt eingesetzt, der dies mehr als ausgeglichen hat.
      Spaßeshalber hatte ich mir auf dem Flohmarkt ein Exemplar des „Spiegel“ von 1974 gekauft und im Vergleich kommt die heutige Ausgabe nicht annähernd auf dieses analytische Niveau und auch nicht auf den Umfang der einzelnen Artikel.
      Im Fernsehen wurden regelmäßig alte Talk-Shows aus den 60er und 70er Jahren wiederholt; hier ist der direkte Vergleich noch verheerender.

      Hält man sich nun vor Augen, das heute von ganzen Jahrgängen in D bis zu 50% eine Studienberechtigung erhalten, dann scheint das Medienangebot sich an diesem Bildungshintergrund nicht zu orientieren.

      Zweitens lässt sich m.E. das Rad in Sachen „Akademisierung“ – im Sinne höherer formaler Abschlüsse – nicht zurück drehen oder man will eine Quote nach sozialer Herkunft einführen.
      Die Erfahrungen in der DDR damit waren damit nur Anfangs vielversprechend, weil die Förderung von Fort- und Weiterbildung zugleich die „Arbeiter und Bauern“ in die Pfui-Akademiker Schicht beförderte, während erstere Herkunft zum Kult erklärt wurde. Schizo.

      Die Anforderung „Akademisierung“ wäre also weitgehend unproblematisch, würde das Bildungssystem in D sozial durchlässig sein. Und das ist es nach OECD-Befunden eben nicht, sondern erkennbar siebt dieses in D sozial selektiv.
      Das wäre zu ändern, wäre der Wille da.

      Aber ich denke, zumindest im Bereich der Politik in D ist die wesentlich größere Gefahr, dass bspw. der Bundestag sich aus völlig überrepräsentierten (Berufs-) Gruppen zusammensetzt.
      Der öffentliche Dienst stellt 191 Abgeordnete von 630 d.h. 30,7%, während dieser 11% der Erwerbstätigen ausmachen. Von diesen 191 wiederum sind 111 (!) Beamte, ihr Anteil an den Abgeordneten ist mehr als fünf Mal so hoch wie in der Realität. 143 (!) der Abgeordnete sind Juristen – die mit Abstand größte Berufsgruppe – von den 41 Millionen Erwerbstätigen sind es gerade einmal 223.000.

      Gerade den Anteil des öffentlichen Dienstes und der Juristen sehe ich kritisch, weil sich a. die Legislative damit quasi aus der Judikative und Exekutive rekrutiert. Und b. sich damit eine völlig verschobene Wahrnehmung etabliert, wessen Interessen diese Angeordneten eigentlich vertreten, weil tatsächlich qua bloßer Anzahl der Eindruck entstehen kann, die soliden Eigeninteressen seien deckungsgleich mit den Interessen der Gesamtbevölkerung.

      Wie man das allerdings ändern soll ist mir unklar.

      Gruß crumar

      • @crumar

        „Wir hingegen wursteln hochgradig individualisiert auf Bleisatz-Niveau herum. Das widerspricht komplett dem Stand unserer Bewegung.“

        Es gibt eben verschiedene, inhaltliche Strömungen: Biologisten, Humanisten, Linke Maskulisten – die müssen sich erst einigen, aber ohne eine Art Theorie, auf die man sich einigt, wird das nicht gehen. Das Problem ist, daß nicht genug man-power da ist, etwas Akzeptabeles kurzfristig zu entwickeln. Ich hoffe allerdings, daß die Zusammenarbeit mit Buchholz, Ulfig und den Nicht-Feministen fruchtbar sein wird, denn alle diese Leute stehen hinter dem Humanismus und dem Paradigma der Moderne. Alle anderen tun das nicht – weshalb da auch keine Einigung möglich ist, die über das Konstatieren von Statistiken hinausgeht. Meiner Meinung nach kann man nichts anderes tun, als eine solche Theorie zu entwickeln und zur Diskussion stellen.

      • @elmardiederichs

        Du schreibst:

        „Meiner Meinung nach kann man nichts anderes tun, als eine solche Theorie zu entwickeln und zur Diskussion stellen.“

        Keine Ahnung, was nun eine Theorie soll? Was ist der Sinn und Zweck. M.E. muss man an den realen Problemen ansetzen, hier dürfte wohl noch der grösste gemeinsame Nenner zu finden sein, zwischen den unterschiedlichsten Gruppierungen. Was übrigens auch beim Staatsfeminismus der Kitt ist zwischen links, Mitte und rechts.

      • @Mark E Smith

        „Keine Ahnung, was nun eine Theorie soll?“

        Sowas wie eine Begründung für Humanismus, Menschenwürde, Atheismus, Aufklärung, moralischen Universalismus, moralischer Realismus, Antifeminismus – und deren Anwendungen wie Menschenrechte, reproduktive Rechte, Kriterien für einen guten Maskulismus, Ablehnung eines staatlichen Paternalismus, Ablehnung von moralischem Relativismus, epistemischem Relativismus, Kulturrelativismus, von Intersektionalität, von Multikullturalismus etc.

        Aber es wäre auch gut, wenn wir dem Feminismus Konkurrenz machen würden: Wie kann eine humanistische Gesellschaftsanalyse aussehen, Machtbegriff, Geschlechterrollen, Analyse der sozialen Realität … da sind eine Menge Rätsel zu lösen.

        „M.E. muss man an den realen Problemen ansetzen, hier dürfte wohl noch der grösste gemeinsame Nenner zu finden sein, zwischen den unterschiedlichsten Gruppierungen.“

        Ich weiß zwar nicht, wovon die Rede ist, aber im Grunde habe ich nichts gegen neue Vorschläge – und zwar auch denn, wenn sie nicht in meine Richtung gehen.

        Im Moment ist eine gewisse inhaltliche Fragmentierung von Vorteil: Es ist auf diese Weise viel leichter, die Themen voranzutreiben, als wenn man erst alles in einer Gruppe vorher abstimmen muß. Bleibt zu hoffen, daß die Meinungen irgendwann konvergieren.

      • @elmardiederichs

        Du schreibst:

        „Ich weiß zwar nicht, wovon die Rede ist, aber im Grunde habe ich nichts gegen neue Vorschläge – und zwar auch denn, wenn sie nicht in meine Richtung gehen.“

        Meine These oder Vermutung ist die: Der Feminismus ist doch nicht wegen seiner Theorie hegemonial geworden, sondern wegen seinem gesellschaftlichen bzw. gesellschaftspolitischen Narrativ (u.a. politischen Forderungen, Frauen als Opfer quasi in allen Lebensbereichen etc., usw., usf.).

        Die parteipolitische Elite bei CDU, CSU, FDP und AFD kann sich mit den geläufigen feministischen Theorien mehrheitlich nicht identifizieren bzw. haben keine Bedeutung für sie. Wenn sie dafür gewisse Affinitäten hat, dann springen sie auf das politische Narrativ an. Die Basis oder Wähler der CDU, CSU, FDP und AFD können noch viel weniger mit den feministischen Theorien etwas anfangen, als die politische Elite.

        Feministische Theorien haben die grösste Bedeutung bei der parteipolitischen Elite von SPD, Linke und Grünen.
        Jedoch: bei den Wählern bzw. der Basis dieser Parteien haben nur diejenigen eine gewisse Affinität zu feministischen Theorien, die relativ viel kulturelles Kapital besitzen (meist Abitur plus Universitätsabschluss).Alle anderen Wähler dieser Parteien (also Wähler, die kein Abitur und keinen Universitätsabschluss haben), können relativ wenig mit feministischen Theorien anfangen. Sie können jedoch sehr viel anfangen mit dem politischen Narrativ des Feminismus

        Ergo: Notwendig ist primär ein politisches Narrativ und erst sekundär oder noch viel später eine ausgefeilte Theorie. Alles klar???

      • @Mark E. Smith

        „Alles klar???“

        Ja, ich denke, ich habe dich verstanden. 😉

        „Meine These oder Vermutung ist die: Der Feminismus ist doch nicht wegen seiner Theorie hegemonial geworden, sondern wegen seinem gesellschaftlichen bzw. gesellschaftspolitischen Narrativ“

        Ich finde es grundsätzlich gut, wenn in blogs auch mal rumspekuliert wird. In den letzten Jahren gab es genug Versuche, die Diskusssion neuer Idee mit Hilfe der Forderung „facts first or shut up“ zu unterdrücken – womit eine wichtige Funktion von blogs ungenutzt blieb.

        Was deine Vermutung angeht, so kommt es wohl darauf an, was unter Hegemonie zu verstehen ist:

        4/5 aller Frauen sind für Gleichberechtigung, lehnen aber Feminismus ab. Also: Der Feminismus hat verloren, ist nicht hegemonial und kann es sich nur nicht eingestehen – was immer er an Stelle der Gleichberechtigung sonst will.

        Zweifellos ist Feminismus über die Karriere von Personen in Politik und Medien eingedrungen und das hat gereicht, um eine feministische Öffentlichkeit zu erzeugen. Das sagt aber nichts über Feminismus aus, sondern über den aristokratischen Charakter einer Gesellschaft oder die moralische oder psychologische Unfähigkeit anderer Personen, angeblichen Fraueninteressen Grenzen zu setzen.

        Insofern gibt es zweifellos nachweisbare „Wirkungen“ eines Narrativs. Die Frage ist, wie das aussieht. Meine Vermutung ist, daß dieses Narrativ seinerseits Komponenten hat:

        Eine Komponente ist ideengeschichtlich. Sie geht über Nietzsches Nihilismus zu Foucaults Poststrukturalismus – vor allem epistemischer und moralischer Relativismus – zum Multikulturalismus. Alexander Ulfig hat gerade ein ausgezeichnetes Buch über den den ersten Teil dieser Entwicklung geschrieben.

        Eine zweite ist politisch: Multikulturalismus und Feminismus haben in den 80igern gemerkt, daß man sich gegenseitig helfen kann, beide wollen eine relative Bevorzugung angeblich unterdrückter Gruppen. Und der seit 1930 fast unsichtbar vor sich hinarbeitende Neoliberalismus hat beide finanziert, weil er gemerkt hat, daß man auf diese Weise die Staatsgewalt erzeugende Bevölkerung fragmentieren und dadurch nachhaltig schwächen kann. Auch die Linken fanden an dieser Dreieinigkeit Gefallen: Sie sahen hier, daß aufklärerische Werte wie Gleichheit und Gerechtigkeit hochgehalten werden und es war eine glänzende Gelegenheit, dem establishment vor den Koffer zu scheissen – und das wollen die nicht erst seit der RAF.

        Eine dritte ist psychologisch und sie drückt sich in kommunikativen Geschlechterrollen aus: Von Männern verlangen wir, daß sie funktionieren, d.h. daß sie ihre Subjektivität beim Erzeugen von Nutzen für sich und andere zurückstellen. Eventuell kommt das daher, daß wir aufgrund des Geschlechterdimorphismus (Männer sind doppelt so stark wie Frauen) immer nur mit Männern Kriege geführt haben, so daß wir lernen mußten, unempathisch mit Männern zu sein, damit wir es überhaupt übers Herz bringen konnten, sie zur Schlachtbank zu führen. Die Folge von fehlender Empathie und Objektifizierung war, daß das Ideal von Weiblichkeit unser Verständnis von Menschlichkeit überwuchert hat. Christoph Kucklick schreibt da ein wenig was darüber – leider nicht genug. Wenn man aber Frauen nichts abschlägt, weil es zivilisiert ist, Menschen gut zu behandeln, dann lernen diese weiblichen Menschen sehr schnell, daß man alles bekommen kann, wenn man nur entweder schwach und verletzlich genug auftritt oder geltend machen kann, einen Anspruch darauf zu haben, weil die anderen so böse und gemein sind. Deshalb wirkt auch Feminismus auf Männer – nicht weil diese Männer irgendwie Betas sind, sondern weil Feminismus geltend machen kann, eine kulturelle Evolution zu sein.

        In meinen Augen ist das Opfernarrativ also nur ein mögliches Mittel für eine unter vielen Komponenten, die letztlich alle zusammen gewirkt haben und ich glaube nicht, daß das Opfernarrativ irgendwie politisch ist. („damsel in distress“ gehört übrigens nicht dazu, es ist sexualisiertes Verhalten)

        „Sie können jedoch sehr viel anfangen mit dem politischen Narrativ des Feminismus“

        Wie gesagt, das bezweifle ich: Niemand will heute wirklich Feminist sein – außer ein paar seltsamen Gestalten. Und das politische Narrativ des Feminismus ist auch der Geschlechterrevanchismus, nicht das Opfernarrativ.

        „Notwendig ist primär ein politisches Narrativ und erst sekundär oder noch viel später eine ausgefeilte Theorie.“

        Wie gesagt: Wenn du ein neues politisches Narrativ entwickeln will – go ahead. So wie ich crumar und Leszek einschätze, gibt es auch außerhalb der manosphäre Abnehmer dafür, denn viele Linke fühlen sich von den politisch linken Parteien verlassen. Warum du mir allerdings vorzuschreiben versuchst, worüber ich nachdenken soll und worüber nicht, kann ich nicht sehen.

        Vielleicht ist das aber auch nicht so entscheidend. Sehen wir uns die Sache mit dem politischen Narrativ mal an:

        Wenn du ein politisches Narrativ entwirfst, dann muß es als Adäquatheitsbedingung ein Gerechtigkeitsverständnis mitbringen: Feminismus und Multikulturalismus sind sich einig darüber, daß aus ausgleichender Gerechtigkeit Gruppenrechte eingeführt werden müssen und dafür Individualrechte verletzt werden dürfen. Biologische Argumente sind deskriptiv, sie haben keine normative Pointe, so daß sie in diesem Punkt die Politik nicht umdrehen können.

        Und zweitens müssen wir das historisch gewachsene Verständnis davon, was es heißt, eine Frau zu sein, von unseren Verständnis trennen, was es heißt, ein Mensch zu sein. Nur wenn das geschieht, wird Kritik an Frauen in der Gesellschaft massenhaft hingenommen werden werden. Für die soziale Lage der Männer und Väter wird das zentral sein. Ein politisches Narrativ wird das aber nie leisten.

        Dieses politische Narrativ wird wiederum über die Karriere von Personen in die aristokratischen Strukturen der Gesellschaft einsickern – haben wir vom Feminismus gelernt! – und es braucht viele Jahre dafür. Währenddessen muß das poilitische Narrativ „von irgendwas leben“, es muß überzeugend sein, ohne es zu sein, weil es der mainstream ist.

        Also: Es muß weitere Argumente geben, die erstens dem Neoliberalismus das Wasser abgraben und zweitens die Wirksamkeit kommunikativer Geschlechterrollen abschalten. Das wird nicht „das System“ ändern, aber im Einzelfall große praktische Folgen haben.

        Ich habe nichts gegen deine Arbeit auf großer Zeitskala, aber auf kleiner Zeitskala braucht es meine Arbeit.

        Klar, soweit? 😉

      • @elmardierichs

        Vielen Dank für die lange Antwort!
        Ich gehe dann später ausführlicher darauf ein!
        Aber mal eine kleine praktische Übung für Dich, vielleicht magst sie ja mal machen?

        Schau Dir doch mal den folgenden Text an, der erst vor zwei, drei Tagen erschienen ist und dann schau doch mal, welches Narrativ hier in diesem Text erzählt wird:

        http://geschichtedergegenwart.ch/wie-koennen-die-tussen-es-wagen/

        Folgende Narrativbestandteile sind interessant? Kann aber sein, dass nicht alle vorhanden sind:

        Problemsicht (was wird im Text problematisiert, was ist das Problem?)
        Problemursache (was ist die Problemursache?)
        Moralische Bewertung des Problems? (wie wird das Problem moralisch bewertet?)
        Handlungsempfehlungen um das Problem zu lösen?
        Problemfolge (Was sind die Folgen des Problems?)
        Problemopfer (welche Akteure sind die Opfer?)
        Problemverursacher (welche Akteure sind die Verursacher?)
        Problemlöser (welche Akteure sind für die Problemlösung zuständig)
        Problemlösungskonsequenzen (was passiert, wenn das Problem gelöst ist?)

      • @Mark E. Smith

        Ich nehmen an, der Text soll mir als finales Mittel dienen, um mich selbst davon zu überzeugen, daß du recht hast.

        Gucken wir mal nach – wie funktioniert der Artikel?

        Es wird das politische Motiv des Geschlechterrevanchismus beschworen.

        Es wird die Auffassung benutzt, daß Feminismus eine kulturelle Evolution ist, der die primitiven, unzivilisierten Männer sich verweigern.

        Es wird geltend gemacht, daß Frauen privilegierende Gruppenrechte nach ausgleichender Gerechtigkeit beanspruchen dürfen, weil sie in der Vergangenheit … bla bla bla

        Es wird geltend gemacht, daß, was Feministen wollen, nur dasjenige ist, was Frauen in ihrer menschlichen Verletzlichkeit sowieso beanspruchen können.

        Es wird behauptet, daß jeder Widerstand gegen Feminismus ungerecht sei und Männer sich zivilisatorisch hocharbeiten können, indem sie sich selbst der Kompensation verpflichten und zusätzlich aktiv für die Frauen privilegierenden Gruppenrechte einsetzen.

        Mal ehrlich – was davon widerlegt welche meiner Meinungen?

      • @elmardiederichs

        Meine Lösung sieht, wenn noch keine Abstraktionen vorgenommen wurden, wie folgt aus. Jetzt müsste man dann nur mal noch Gruppierungen bzw. Kategorisierungen vornehmen, damit man auf eine abstraktere Ebene kommt. Wäre dann ein bisschen Grounded Theory.

        Problemsicht:

        Unmögliche Reaktion der Männer auf den Schweizer-Aufschrei in den Social Media (Kommentarspalten und Twitter)

        Problemursache und Problemfolgen:

        Männer, die regregieren!
        Männer sehen sich als Opfer anstatt als Täter und meinen, die Frauen seien eigentlich die wahren Täter.
        Männer die fantasieren, (Lesben, Colors, Fem und Queer würden alsbald die Macht übernehmen)
        Männer, die behaupten, Frauen würden sich als Opfer inszenieren.
        Männer die über die Frauen schimpfen: diese seien Femnazis und Gesinnungspolizei und sie würden nerven und sie seien Tussen, seien Frustbeulen, die alsbald den Sex verbieten wollten.
        Wenn Frauen öffentlich aufmucken, würden sie zur Schnecke gemacht oder zumindest belehrt.
        Männer treten nach unten und suhlen sich in ihrer Allmacht.
        Pochen auf das Recht, das sie zum Anbaggern haben.
        Männer machen sich unangreifbar.
        Inszenieren sich als Verunsicherte, denen von den Feministen die Hölle heiß gemacht wird.
        Vorwurf der Männer an die Feministinnen des Totalitarismus.
        Männer haben zu wenig Selbstreflexion: weil sie nicht merken, dass jeder ihrer Kommentare ein Grund für den Aufschrei, für Feminismus und Political Correctness ist.
        Wenn kulturelle Praktiken als Naturtatsache gesehen werden.
        Bis vor 24 Jahren war Vergewaltigung in der Ehe nicht strafbar in der Schweiz.
        Totalitarismusvorwurf an Feministen ist konservativer Argwohn gegen Veränderungen, die eben nicht gottgewollt oder naturgewollt sind.
        Political Correctness-Bashing, um asymmetrische Machtbeziehungen aufrechtzuerhalten und als Ablenkungsmanöver.
        Unterstellung der Männer, Anliegen der Frauen seien demokratieuntauglich.
        Wird nicht über ungleiche Macht- und Ressourcenverteilung gesprochen.
        Problemverschiebung: Anstatt über die Probleme des Aufschreis werde über die falsche Form des Protests, über Sexismus-Definitionen, oder Totalitarismus oder Männerfeindlichkeit gesprochen.
        Männer haben den Aufschrei als Gezeter abgetan.
        Männer wollten den Frauen den Mund verbieten.
        Männer verstehen die Feministinnen falsch: diese wollen den Männer nicht den Pimmel abschneiden.
        Männer verstehen vieles falsch: Frauen, die ihre Verletzlichkeit zeigen, wollen den Männer nicht die Weltherrschaft wegnehmen. Sie wollen auch keine Diktatur erreichten.

        Problemopfer:

        Problemopfer sind die Frauen und Feministinnen.

        Problemverursacher:

        Problemverursacher sind die Männer!

        Problemlöser:

        Männer, Staat, Gesellschaft

        Problemlösung:

        zivilisierte Selbstzensur, Political Correctness.
        Respekt vor Gleichheit und Gerechtigkeit
        Erziehung zu Anstand
        Kulturelle Praktiken dürfen nicht als Naturtatsache gesehen werden.
        Kulturelle Praktiken müssen diskutiert, reflektiert und hinterfragt werden.
        Männer mit intaktem Gewissen, haben es nicht nötig, sich als Opfer zu stilisieren.
        Männer müssen sich mehr Geschlechtergerechtigkeit aneignen.
        Eigene Verhaltensweisen, Gewohnheiten und Selbstverständlichkeiten hinterfragen.
        Fragen stellen: wie z.B.: warum sind in Filmen immer wieder Sexobjekte oder dümmliche Prinzessinnen? Warum sitzen in Talkshows mehr Männer als Frauen? Warum wird Care-Arbeit überwiegend von Frauen gestemmt?
        Weshalb geht sexuelle Gewalt fast ausschließlich von Frauen aus.

      • @elmar

        Doch, ist alles noch viel zu nah am Text! 🙂 Werde jetzt mal schauen, ob ich mal das Narrativ von diesem Text bilden kann und dann mit Deinen zwei vorherigen Postings vergleichen.

        M.E. denkst Du viel zu abstrakt und theoretisch, wenn es um „kulturelle Hegemonie“, politische Kommunikation, Öffentlichkeit, öffentliche Meinung, Herstellung von gesellschaftlichem Konsens und schlussendlich um die Durchsetzung politischer Massnahmen geht. Der theoretische Diskurs als Spezialdiskurs fliesst zwar auch in den Interdiskurs (Alltag) ein, aber quasi nur mit Versatzstücken. Ein Spezialdiskurs alleine wird nie und nimmer eine kulturelle Hegemonie errichten können, dafür ist er viel zu komplex und wird von viel zu wenig Personen rezipiert. Wenn ich von einem Narrativ spreche, meine ich ein Narrativ im Interdiskurs (also in der Alltagskommunikation). Aus den verschiedenen Narrativbestandteilen wird quasi eben eine kohärente Geschichte „gezimmert“. Meinungsäussernde (Kommentar, Leitartikel, Kolumne) Artikel in den Medien, aber auch erzählende (Reportage, Porträt, Magazinstory etc.) sind solche Narrative. Und die werden eben vielfach immer wieder auf die gleiche Weise erzählt, sodass sie mit der Zeit eine gewisse Plausibilität bekommen.

      • @Mark R. Smith

        „Ein Spezialdiskurs alleine wird nie und nimmer eine kulturelle Hegemonie errichten können, dafür ist er viel zu komplex und wird von viel zu wenig Personen rezipiert.“

        Ich würde diesen Standpunkt auch einleuchtend finden, wenn es nicht so viele Gegenbeispiele gäbe. Ich zähle mal welche auf:

        Von Nietzsche habe ich schon erzählt, brauchen wir nicht zu wiederholen.

        Leibniz Gesetz des Ununterscheidbaren: Es war Aristoteles Idee, daß man die Identität zweier Dinge feststellen kann, indem man nach all ihren Eigenschaften fragt. Das war in der Antike eine bahnrechende philosophische Theorie. Vorher wußte keiner, wie man sowas macht. Heute ist es ein Gesetz der Logik – für alle Menschen. Also: ein Mensch, eine Idee in einem Spezialdiskurs, 7+10^9 machen mit.

        Aristoteles hatte außerdem die Idee, daß das Physische eine notwendige Bedingung der Existenz und Funktionsweise des Mentalen ist. Das Mentale wird von ihm als physische Disposition ausgegeben, Phänomene wie Wahrnehmen oder Wollen hervorzubringen und auszuüben. Die Strategie fahren einige Psychologen und alle Biologisten immer noch – bis heute.

        Augustin hat diese Dichotomie in systematischer Weise mit Hilfe der aus der Geometrie stammenden Metapher von Innen und Außen nacherzählt und uns mit der Idee auf die Reise geschickt, daß erst die Wendung nach Innen und die Entdeckung unseres inneren Wesens als
        Selbsterkenntnis den Aufstieg zur höchsten Daseinsform erlaubt. 1500 Jahre Christentum würde augenblicklich verwehen, wenn es Augustin nicht gegeben hätte.

        Dasjenige, was wir im Inneren unserer Psyche so bewegen, sind Vorstellungen oder modern formuliert: Repräsentationen. Descartes hat der Idee einer Art internen, geistigen, aber nicht selbst vermittelten Wiedergabe eines äußeren, unsere Wahrnehmungen verursachenden Objektes zu einem nicht nur in der Philosophie populären Modell unseres Bewußtseins verholfen. Die Beziehung zwischen der Person und ihren, von Dingen ihrer Substanzsorte nach verschiedenen Repräsentationen, ist unproblematisch, da letztere der Person kontinuierlich präsent und epistemisch vollständig transparent sind, während unser Vermögen, Objekte der externen Welt korrekt wahrzunehmen, notorisch unzuverlässig ist. Das ist bis heute die von fast allen Menschen der westlichen Welt akzeptierte Vorstellung empirischen Wissens.

        Malebranche jedoch hat nicht nur gegen die These der epistemischen Transparenz unserer
        mentalen Zustände für uns selbst opponiert, sondern auch die Idee aufgebracht, daß es möglich sei, zu wissen, daß wir mentale Zustände haben, ohne vollständig oder korrekt angeben können zu müssen, welche es sind. Hume hat das so ausbuchstabiert, daß es komplexe mentale Zustände gibt, die sich als Verknüpfung einfacher Vorstellungen analysieren lassen. Also: Psychoanalyse hätte ohne Hume niemals entstehen können.

        Der Punkt an meinen Beispielen ist klar: Viele Leute und viele Ideen gehen linear ein in die Produktion der nur dem menschlichen Verständnis zugänglichen Welt. Aber einige gehen zu ihr eine nicht-lineare Beziehung ein.

        Also: Was du sagst, gilt oft, aber nicht immer. Der Witz ist – man weiß nicht vorher, wo die eigene Wirkung hingehört, ob sie linear oder nicht-linear sein wird. („nicht -linear“ meint soviel wie „kleine Ursache, große Wirkung“)

        „Wenn ich von einem Narrativ spreche, meine ich ein Narrativ im Interdiskurs (also in der Alltagskommunikation). Aus den verschiedenen Narrativbestandteilen wird quasi eben eine kohärente Geschichte „gezimmert“.“

        Ja, ich will das im Grunde gar nicht bestreiten. Worauf ich hinaus will, daß ohne die Spezialdiskurse sich kein Narrativ im Interdiskurs bilden würde und wenn doch, dann würde es völlig anders aussehen und verlaufen.

        Aber wir schweifen ab. Ich schlage vor, du bringst erst mal dein ursprüngliches Vorhaben zu Ende.

      • @elmar

        Ich komme leider zeitlich nicht dazu, hier intensiv weiterzumachen.
        Fall Dich politische Narrative ein bisschen intressieren, dann könnte ich Dir zur Einführung folgenden Text empfehlen, der zeigt m.E. sehr schön an einem praktischen Beispiel auf, wie diese funktionieren.

        Hauke, Niels (2014): Die grüne Revolution an der Tankstelle? Die Relevanz politischer Narrative am Beispiel der Einführung des Biokraftstoffes E 10, in: Frank Gadinger/ Sebastian Jarzebsky/ Taylan Yildiz (Hrsg.): Politische Narrative. Konzepte – Analyse – Forschungspraxis, Wiesbaden, S. 173–197.

      • @ Elmar, Mark Ich hab mich ein bisschen in zwei anderen Texten vertüdelt, die ich hier noch geschrieben habe, weil mich die Anlässe geärgert haben und ich schnell darauf reagieren wollte. Aber ich finde Eure Frage nach dem Stellenwert einer Theorie wichtig und möchte noch etwas dazu schreiben, auch wenn die Diskussion eigentlich schon vorbei ist.

        In der pragmatischen Tradition würde ich auch bei einer Theorie danach fragen, welchen Zweck sie als Werkzeug erfüllt: Wozu ist sie brauchbar? Was kann man mit ihr machen, was man ohne sie nicht machen kann? Da finde ich in dem, was in Eurer Diskussion genannt wurde, zunächst eine sehr wichtige Funktion – nämlich die einer doppelten Abgrenzung, die eine moderne Geschlechterpolitik (auch, aber nicht nur aus männlicher Perspektive) tatsächlich leisten muss.

        Das ist einerseits eine Abgrenzung zu einer konservativen, durchaus auch reaktionären Feminismuskritik, die feministische Positionen von der Überzeugung aus kritisiert, es gäbe so etwas wie eine natürliche Geschlechterordnung, mit der alles in Ordnung wäre, wenn der Feminismus sie nicht durcheinander gebracht hätte. Diese Gegenposition zum Feminismus ignoriert, dass es moderne Entwicklungen gibt, die ganz unabhängig vom Feminismus eine scheinbar natürliche Geschlechterordnung (die eigentlich immer nur eine Ordnung des solventen Bürgertums war, das sich die Position einer Hausfrau leisten konnte) dysfunktional gemacht haben. Vor allem aber ignoriert sie, dass die Forderung nach Gleichberechtigung, die UNTER ANDEREM von Feministinnen erhoben wurde, sinnvoll und richtig ist.

        Hier hat eine humanistische Überzeugung einen großen Stellenwert. Ihre Vertreter bekennen sich zur Gleichberechtigung – und wenn sie feministische Positionen kritisieren, dann eben auf dieser Basis: Dass feministische Positionen zwar einerseits oberflächlich „Gleichberechtigung“ der Geschlechter anstreben, aber andererseits tatsächlich beständig eine Politik der Ungleichheit etablieren.

        Für diese zweite Abgrenzung – zum reaktionären Antifeminismus UND zum (ebenfalls reaktionären) Feminismus – ist dann zugleich die Frage wichtig, welche Funktion feministische Positionen heute eigentlich erfüllen. Warum sind zum Beispiel gerade linke bzw. sich selbst als links verstehende Parteien so anfällig für eine feministische Politik der Ungleichheit?

        Bei der Frage wird dann schon klar, dass eine feminismuskritische linke Position nicht nur geschlechterpolitisch formuliert werden kann, sondern auch nach dem Stand linker Politik heute fragen muss. Wer das tut, wird sich ohne theoretische Orientierungen vermutlich hoffnungslos verheddern – weil der Horizont einfach sehr weit wird.

        Hier bietet m.E. Kucklick tatsächlich einen sehr guten Ausgangspunkt. Ich habe mir das, knapp, für mich selbst so zurechtgelegt: Nicht eine linke Politik braucht feministische Positionen, wohl aber eine Politik, die noch ein linkes Selbstverständnis braucht, die aber längt keinen Plan mehr davon hat, wie ein solches Selbstverständnis überhaupt formuliert werden kann.

        Da bietet es sich an, Frauen – und da ist dann eher die Fantasie der „Frau“ gemeint als die Gruppe der real existierenden Frauen – als Trägerinnen einer humaneren Politik zu imaginieren, die nur eben noch deshalb nicht verwirklicht sei, weil Frauen in der „männlichen Gesellschaft“ unterdrückt seien.

        Die Pointe davon, mit Kucklick: Solch eine Position gibt sich zwar kritisch, ist aber tatsächlich affirmativ gegenüber einer sich beschleunigenden „neo-liberalen“ Dynamik. Insofern ist sie ideal geeignet für Parteien, die tatsächlich ebenso affirmativ sind (daher sind die Verweise oben auf die Agende 2010 so wichtig), die sich selbst aber gern noch irgendwie als kritisch und links verstehen wollen.

        In der feministischen Position nämlich werden die Kosten gegenwärtiger Entwicklungen stumpf und simpel auf das Konto einer „Männlichkeit“ gebucht, während „Weiblichkeit“ die Illusion einer humaneren, weniger ausbeutenden Perspektive bietet, die tatsächlich auf diesem Wege nie realisiert werden kann. Aber das ist ja egal: Wenn sich diese Ideale als unrealisierbar erweisen, dann liegt das eben an den „patriarchalen Strukturen“, die immer noch nicht genügend überwunden worden sind.

        Die inhumane Pointe: Die Ausbeutung von Menschen, die mit der genannten neo-liberalen Dynamik verbunden ist, lässt sich zugleich beständig legitimieren. Es wird nämlich gar nicht mehr gefragt, wer eigentlich den zu verteilenden Wohlstand erwirtschaftet, wer – mit Marx formuliert – denn eigentlich den MEHRWERT erzeugt. Es kommt nur darauf an, Ansprüche zu formulieren – als ob die Mittel, diese Ansprüche zu bedienen, irgendwie immer schon da wären.

        Da die Produzenten dieses Mehrwerts weiterhin real weitgehend männlich sind, und da die weiblichen Produzentinnen in der feministischen Anspruchs-Agenda faktisch überhaupt nicht vorkommen, lässt sich Ausbeutung beliebig weit moralisierend legitimieren: Die männliche Schuld gegenüber „den Frauen“ ist schließlich durch Tausende Jahre der Unterdrückung so gewaltig, dass sie eigentlich niemals genügend zurückgezahlt werden kann.

        Es ist wichtig, dass das, was „Linke“ heute machen, ein massiver Bruch mit einer traditionellen linken Politik ist. In der war „Gerechtigkeit“ nämlich nie nur eine Frage der Verteilung von Gütern, sondern eine Frage danach, ob eigentlich die PRODUZENTEN dieser zu verteilenden Güter angemessen an den Früchten ihrer Arbeit beteiligt sind. Seltsamerweise würde heute vermutlich eher ein FDP-Politiker danach fragen als ein SPD-Politiker – obwohl die FDP ja nun wirklich alles andere als links ist.

        Das ist dann eben auch eine Weiterentwicklung von Kucklick: Nicht nur werden negative Seiten moderner Entwicklungen schlicht auf das Konto einer „Männlichkeit“ gebucht – die moralische Abwertung legitimiert auch jederzeit eine beliebig weit gehende Ausbeutung, die grundsätzlich mit Geschlechterordnungen gar nichts zu tun hat. Es geht nicht um eine Ausbeutung von Männern durch Frauen, sondern um eine Ausbeutung von Menschen durch eine global verselbständigte Ökonomisierungslogik – aber DIESE Ausbeutung wird, gerade auf der Linken, durch Geschlechterklischees legitimiert.

        Die Pointe meines langen Kommentars: Theoretische Überlegungen haben schon eine wichtige Funktion, für die doppelte Abgrenzung gegenüber heutigem Feminismus UND Antifeminismus, aber auch zur Erklärung dafür, warum eine linke Männerpolitik – die doch eigentlich so wichtig wäre – faktisch ohne politische Bündnispartner dasteht. Das heißt aber: Abgrenzungen und Erklärungen werden dadurch geleistet – aber es wird (noch) nichts positiv verändert.

        Dafür wiederum reicht es nicht, theoretisch tätig zu sein. Dafür müssen wir in die Lobbyarbeit gehen, und die wird nicht allein über das Netz erfolgen können. Auf der Ebene der Politik ist es völlig egal, ob wir Recht haben oder nicht – wichtig ist nur, ob es etwas kostet, uns zu ignorieren, oder ob es nichts kostet. Solange es nichts kostet, wird die Ignoranz weiter aufrecht erhalten. Und es kostet nichts, solange wir im Bereich der Politik überhaupt nicht präsent sind, sondern allein in unseren Bubbles im Internet agieren.

        Diese Diskussionen im Netz sind sehr wichtig, und es geht nicht ohne sie. Es ist nur ein Irrtum zu denken, dass sie allein schon etwas verändern könnten.

      • @Schoppe

        Ich denke natürlich sehr pragmatisch: Da frage ich mich, wie viel nützt eine Theorie den Problemlagen und Benachteiligungen von Männern? Wie viel Prozent einer Bevölkerung haben wohl von Marx „Das Kapital“ gelesen? Wahrscheinlich nicht viele. Viel zentraler und wirkungsvoller auf die Politik und die Menschen allgemein dürfte doch die programmatische Schrift „ Das Kommunistische Manifest“ gewesen sein. Und wenn wir es noch ein bisschen mehr vereinfachen wollen, dann war z.B. für die Aufklärung bzw. die Französische Revolution die Parole „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ viel wirkungsvoller als irgendwelche komplizierte Theorien. Das heisst natürlich nicht, dass man nicht auch eine Theorien formulieren kann oder soll (das eine tun und das andere nicht lassen, also sowohl-als-auch), um quasi Reflexionsarbeit zu leisten und die Welt zu beschreiben und zu analysieren, aber das wird schlussendlich für den politischen Erfolg eher weniger ausschlaggebend sein. Momentan ist das „feministische Narrativ“ ausschlaggebend und m.E. müsste man insbesondere dem etwas entgegensetzen.
        Und zu den Abgrenzungen: Auch hier müsste man m.E. genau überlegen, was man machen soll: Ich konnte das in einem anderen Zusammenhang gut beobachten und zwar auf den Nachdenkseiten: Die Nachdenkseiten haben sich seit geraumer Zeit geöffnet für so Leute wie Daniele Ganser, Ken Jebsen, Mathias Bröckers, Paul Schreyer etc. Diesen Leuten wird gerne nachgesagt, dass sie Verschwörungstheoretiker seien oder quasi eine Querfront bilden würden, weil sie 9/11 in Frage stellen oder auch sonst desgleichen denken, dass Fals-Flag-Operationen nicht einfach auszuschliessen seien. Ich selbst bin der Auffassung, dass es richtig war, dass sich die Nachdenkseiten auch für solche Leute geöffnet haben. Weil es Leute sind, die versuchen, selbst zu denken und sich selbst ein Bild zu machen, unabhängig davon, was der Mainstream gerade denkt. Ich bin insbesondere bei 9/11 anderer Ansicht als diese Leute, denke also nicht, dass dies eine Fals-Flag-Operation war, aber ich sehe nicht ein, weshalb ich mich nun von diesen Leuten abgrenzen soll, wenn sie gewisse Sachen anders sehen als ich.
        Also: Ich bin der Auffassung, man muss die Diskursstrategien und Narrative des Feminismus analysieren und dann eben bessere Narrative an deren Stelle setzen, wenn es um die Medien und die Öffentlichkeit geht.

  • Im Moment sind die Kommentare auf der Originalseite wieder zu sehen. Auf den Kommentar von „Marsaffe“ hat die (offensichtliche) Moderatorin „StreitEngel“ wie folgt geantwortet:

    Vielen dank für Ihren Kommentar. Ich kann nicht beurteilen, wie Ihr Verhältnis zu Frau Wizorek ist und aus welchen Gründen sie Sie auf Twitter blockiert hat. Könnte es sein, dass sie sich beleidigt gefühlt hat? Da Sie sie schlampig nennen? Man kann das, sofern man Ihre Argumente nicht stichhaltig findet, als Beleidigung empfinden… Vielleicht können wir mit #besserstreiten vermitteln? Ich könnte zum Beispiel versuchen, Ihre Kritik an Frau Wizorek weiterzuleite

    In Grunde ist das eine Unverschämtheit. Sie unterstellt Marsaffe, es gäbe einen validen Grund, warum Wizorek ihn geblockt habe, nämlich weil er sie beleidigt habe. Und der Vorwurf, schlampig zu arbeiten, zählt da schon als Beleidigung. Das geht vor allem an der Argumentation von Marsaffe komplett vorbei, der ja sagt, dass es nicht nur ihm so geht, sondern hunderten, und dass dafür gar keine Beleidigung nötig ist, sondern nur ein leichter Kratzer an Wizoreks Weltbild. Bzw. betrachtet sie offenbar kritische Nachfragen bereits als Beleidigung. Wer allerdings so mimosig ist wie Wizorek, sollte besser nicht von „Augenhöhe“ und „respektvoll Argumente austauschen“ schwafeln.

    • @Aranxo

      Es geht m.M.n. noch viel weiter – der Kontext seiner Aussage (Herv. von mir):

      „Sie benutzt sehr oft – im besten Falle – fragwürdige Quellen: Sie argumentiert mit 200 Vergewaltigungen beim Oktoberfest, obwohl die Statistiken etwas ganz anderes sagen, sie unterstützt eine Frau, die der Falschanzeige überführt wurde, sie benutzt voreingenommene Quellen aus dem englischsprachigen Raum und übersetzt den intersektionellen Feminismus aus Amerika ins Deutsche, ohne die gesellschaftlichen Unterschiede zu bedenken, kurz gesagt: Sie arbeitet schlampig.“

      „Sie arbeitet schlampig.“ ist selbst beim besten Unwillen nicht wie folgt misszuverstehen:
      „Sie ist schlampig.“
      Du sagst, es wird suggeriert „es gäbe einen validen Grund, warum Wizorek ihn geblockt habe, nämlich weil er sie beleidigt habe“.
      Nicht weil er sie beleidigt hat, sondern weil sie es als Beleidigung empfinden kann bzw. laut Moderatorin können sollte.

      Hier soll erstens die Definitionsmacht errungen werden über das, was der Redner gemeint haben könnte, statt sich mit dem zu beschäftigen, was er konkret gesagt hat.
      Im nächsten Schritt sind wir auf einer emotionalen Ebene und die Karten werden neu gemischt.

      Denn wenn Wizorek etwas als Beleidigung empfinden könnte, liegt die Pflicht beim vermeintlichen Beleidiger klarzustellen, dass er seine Aussage nicht beleidigend gemeint hat. Marsaffe hat durch seine konkrete Aussage diesen Interpretationsspielraum gar nicht gegeben, doch durch den rhetorischen Trick hat a. der Sender der Nachricht das Problem und nicht die Empfängerin. Das großzügige Angebot „mit #besserstreiten vermitteln“ zu wollen schiebt damit als Bringschuld marsaffe die Klärung eines kommunikativen „Missverständnisses“ zu, das nur hat entstehen können, weil sie seine Aussage missverstehen wollte.

      Du schreibst, es sei eine Unverschämtheit, daraus einen „validen Grund“ oder einen objektiven Grund abzuleiten, marsaffe zu blocken.
      Die größere Unverschämtheit in meinen Augen liegt darin, diesen validen Grund durch eine subjektive Empfindung zu ersetzen, die auf b. einer Fälschung seiner Aussage beruht.

      Die argumentative Ebene hat zweitens die Kommentatorin bereits am Anfang verlassen: „Ich kann nicht beurteilen, wie Ihr Verhältnis zu Frau Wizorek ist“.
      Hier kann ich es endlich verraten: Sie ist eine der vier Ehefrauen von marsaffe.
      Bzw. die Schwiegerschwester seines verstorbenen Halbbruders.

      Wen – zur Hölle – interessiert, wie sein persönliches Verhältnis zu Frau Wizorek ist?!

      Interessant ist für uns nur ihr Verhältnis zu seiner auf Fakten basierenden Kritik.
      Sie schreibt: „sofern man Ihre Argumente nicht stichhaltig findet“ – was kein Ersatz für die Entscheidung ist, ob seine oder ihre Argumente FALSCH sind oder RICHTIG.

      Marsaffe wirft Wizorek vor: „Sie argumentiert mit 200 Vergewaltigungen beim Oktoberfest, obwohl die Statistiken etwas ganz anderes sagen.“
      Ist nachweisbar, dass sie mit Aussagen operiert, die im Widerspruch zu glaubwürdigen statistischen Quellen stehen, ist es völlig irrelevant, ob Frau Wizorek die Argumente von marsaffe „nicht stichhaltig findet“.

      Wen – zur Hölle – interessieren die subjektiven Empfindungen von Frau Wizorek?!

      Ist die Kritik von marsaffe nach Faktenlage RICHTIG, dann ist die Argumentation von Wizorek FALSCH und ihre Behauptung UNWAHR.
      Damit hätte sich Wizorek auseinanderzusetzen.
      Erkennbar will sie und kann sie das nicht.

      Gruß crumar

      PS: Die Moderatorin ist meines Erachtens ein passiv-aggressives und manipulatives Miststück. Wer sie als Mann persönlich kennt, dem gilt folgender Rat: Lauf, Forrest, lauf!

    • »Die Beiträge werden redigiert, weil wir den Frauen und Müttern, die sich gegen machthungrige, oftmals zahlungsunwillige und streitlustige Väter wehren müssen, hier einen Raum für ihre Geschichten geben wollen.«

      Heißt auf Deutsch: was nicht in die Ideologie passt, wird zensiert. Ich fürchte also, es ist vergeblich, dort vorbeizuschauen.

  • Wie so oft, verquicken Sie zwei oder mehr Themen so eng miteinander, dass man nur einschichtig antworten kann, sofern man knapp bleiben will. – Sie sollten Drehbücher schreiben.

    Doch hier passt meine einschichtige Antwort auf beide Fäden. Denn die Eigenart bei Wizorek wie dem Redakteur des HR ist, dass beide nicht denken, sondern Gefühle verbalisieren respektive danach agieren. Und zur kommunikativen Störung wächst sich das aus, weil sie annehmen, dass ihre emotionale Rabulistik Denken sei. Von daher ist es folgerichtig, dass Sie Wizorek bei Twitter sperrt, obwohl Sie miteinander noch nie ein Wort gewechselt hatten. Dafür empfindet sie das, was Sie von sich geben, als böse, und somit denken Sie böse und falsch und können mit ihr nicht auf Augenhöhe sprechen.

    Sie mögen diese Wahrnehmung infantil nennen oder einer Borderline Störung zuordnen, dennoch eine Kommunikation ist nur dann möglich, wenn beide Gesprächspartner denken können, und das sagen, was sie denken. Befindlichkeiten sind stets solipsistisch und widerstreben daher jeglicher Kommunikation. – Insofern nehme ich an, dass der HR überhaupt nicht erfassen kann, was Sie ihm mitteilten.

    • /die Eigenart bei Wizorek wie dem Redakteur des HR ist/

      In Ihrer Einschätzung gebe ich Ihnen ja recht, Herr Mala.
      Aber wer sagt Ihnen denn, dass es sich um einen Redakteur des HR handelt und nicht eine Redakteurin? aranxo jedenfalls spricht schon mal von einer Moderatorin „StreitEngel“.
      Frauen wollen doch nicht immer nur mitgenannt werden. Gell?
      Das könnte ja schon wieder einen neuen #Aufschrei! geben.

  • Die Geschlechterdebatte wird vor allem nach den Gesetzen der Medienökonomie geführt: Verdichten, Verkürzen, Emotionalisieren, Skandalisieren. Da ist kein Platz für Argumente! Mediendiskurse heutigen Zuschnitts sind deshalb genau genommen wertlos, da sie inhaltlich kaum Raum für Differenzierungen lassen. In diesem Zusammenhang darf nicht vergessen werden, dass Anne Wizorek vor allem durch Twitter ‚gross‘ im Sinne von Meinungsmacht geworden ist. Damit sind wir auch gleich beim Thema:

    Gesellschaftlich komplexe Sachverhalte mit nur gerade 140 Zeichen sichtbar machen- und damit auch noch breit geführte Debatten anstossen zu wollen, ist vollkommen vermessen, da Tweets lediglich Affekte und Emotionen befördern und keine Fakten schaffen. „(…) Bestimmte Formen von Medien begünstigen ganz bestimmte Inhalte und vermögen dadurch eine Kultur ganz entscheidend zu prägen.“, wie Neil Postman dazu einst in weiser Voraussicht bemerkt hat. Entsprechend irrational verlaufen auch immer mehr Debatten, wie nur schon die Präsidentschaftswahlen in den USA eindrücklich beweisen. Daraus folgert Postman, „(…) dass dem surrealistischen Rahmen der Fernsehnachrichten [Medien] eine Theorie der Anti-Kommunikation zugrunde liegt, die einen Diskurstypus propagiert, der Logik, Vernunft, Folgerichtigkeit und Wiederspruchslosigkeit preisgegeben hat. In der Ästhetik bezeichnet man diese Erscheinung zumeist als Dadaismus, in der Philosphie als Nihilismus, in der Psychiatrie als Schizophrenie. Die Theatersprache kennt sie unter dem Namen Varietė.“ Das Resultat ist eine ‚Debatten’kultur, die sich nahtlos in die „Post-Truth Era“ einfügt, wie sie einmal von Ralph Keyes beschrieben worden ist.

    In einem solchen Umfeld muss man sich langsam mit Recht fragen, ob man Debatten(beiträgen wie dem Erwähnten) überhaupt noch rational beikommen kann- auch wenn sie vordergründig unter dem Zeichen der Meinungsvielfalt daher kommen. Meine Befürchtung: Eher nicht. Denn Wizorek & Co verfügen schliesslich nicht nur über ein Meinungs- sondern auch über ein Gefühlsmonopol. Und genau das ist die Crux an der ganzen Sache!

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