Feindbild Mann Sexismus

Nicolas Zogg von männer.ch: „#AuchIch – für eine aufrichtige Auseinandersetzung von Männern mit Sexismus“

Bild zeigt eine Prozession.
geschrieben von: Mark Smith

Nicolas Zogg von männer.ch hat sich in einem Beitrag auf männer.ch für eine aufrichtige Auseinandersetzung von Männern mit Sexismus stark gemacht. Wieder einmal bei dieser Thematik ist der Duktus eher paternalistisch und inhaltlich bleibt der Text auf halbem Wege stecken: Männer als Opfer und Frauen als Täterinnen von Sexismus verbleiben ausserhalb des Sagbaren.

10_muharram

Frauen sind Opfer und Männer Täter von Sexismus

Der Autor schreibt:

Man(n) muss kein Feminist sein, um Sexismus scheisse zu finden. Es reicht die einfache Einsicht: Ganz egal, ob Männer und Frauen «gleich» sind, gleichwertig sind wir in jedem Fall.

Ich frage mich bloß, weshalb hier, wenn es darum geht, auf Sexismus aufmerksam zu machen, auf den Feminismus rekurriert wird. Ist der Feminismus ein Garant dafür, dass es keinen Sexismus gegenüber Männern und Frauen gibt? Der Artikel erweckt den Eindruck, dass bei Sexismus nicht beide Geschlechter betroffen sein können und gewissermaßen nur Männer die Täter und Frauen die Opfer sind. Gibt es eigentlich keinen Sexismus gegen Männer? Sind Frauen nur Opfer und Männer nur Täter? Und wer behauptet beispielsweise, dass Männer und Frauen nicht gleichwertig sind?

Weshalb wird nur von Männern Verantwortung verlangt?

Der Autor schreibt:

Du benimmst dich anständig, sagst Dinge wie «Ich respektiere die Frauen» und glaubst, damit seist du fein raus? Irrtum! Männliche Verantwortung gegen Sexismus beginnt lange bevor du selbst sexistisch handelst.

Wo sind hier die Männer? Werden die alle respektiert? Sagen alle Menschen, sie würden die Männer respektieren? Und weshalb werden die Frauen ausgelassen, wenn es um die Verantwortung gegen Sexismus geht? Oder weshalb werden nur die Männer angesprochen?

Die Männliche Perspektive ist die Norm

Der Autor schreibt:

Das ist unfair, denn du selbst hast ja keine Privilegien und willst dir auch keine Erbschuld aufbürden lassen? So einfach ist es nicht. Als Männer haben wir Privilegien, ob wir sie wollen oder nicht. Wir haben allen voran das Privileg, uns in der Illusion sonnen zu können, unsere eigene Perspektive sei der Normalfall, die gesellschaftliche Mitte, die reine Vernunft. Und was Frauen und andere «Minderheiten» denken, können wir dann «interessant» oder «auch wichtig» finden, es bleibt immer eine Abweichung vom Nullpunkt, der durch unseren Standpunkt vorgegeben ist.

Weshalb weiss der Autor, dass alle Männer sich darin sonnen können, die eigene Perspektive sei der Normalfall oder die reine Vernunft? Gibt es diesbezüglich empirisch repräsentativ wissenschaftliche Untersuchungen, die genau das festgestellt haben oder ist das einfach die „gefühlte Wahrheit“ des Autors oder überträgt er gleichsam seine subjektive Sichtweise auf alle Männer? Und seit wann sind Frauen in der Schweiz oder z.B. in Deutschland eine Minderheit? Nummerisch sind Frauen in der Schweiz eine Mehrheit, was das Geschlecht anbelangt. Und wie kommt der Autor auf die Idee, dass die Population der Männer eine einheitliche Perspektive auf die Welt aufweist? Männer wählen unterschiedliche Parteien, lesen unterschiedliche Zeitungen und Bücher, schauen unterschiedliche TV-Programme etc.. Desgleichen ist die Population der Frauen mit ihren Präferenzen breitgefächert: Unterschiedliche Frauen wählen unterschiedliche Parteien und lesen unterschiedliche Bücher oder konsumieren unterschiedliche Medien etc. Weshalb sollte es folglich bloß eine männliche und eine weibliche Perspektive geben und diese Perspektiven sind dann auch noch vollends divergent?

Selbstkasteiung als Signum für Läuterung

Der Autor schreibt:

Wenn du kein Patriarsch sein willst, dann gibt’s nur eins: Hinschauen, bis es weh tut. Denn wenn es nicht weh tut, hältst du dich noch immer in der Komfortzone auf, dort wo du glaubst, irgendwie halt trotz allem dann doch noch ein gott- oder naturgegebenes Vorrecht in Anspruch nehmen zu können. Sorry, dieses Spiel ist vorbei.

Gibt es überdies auch eine Matriarsch? Und weshalb sollte das Hinschauen weh machen? Und warum hält sich ein Mann immer noch in der Komfortzone auf, wenn es nicht weh tut? Was genau sollte eigentlich weh tun? Geht es denn Menschen in Syrien, die vom Krieg betroffen sind, besser, wenn wir gleichsam in Depressionen verfallen? Geht es den Hungernden, Kranken, Behinderten, Invaliden, Kriegsbetroffenen in der Welt besser, wenn es uns schlecht geht oder wir in Depressionen verfallen?

Das hört sich alles ein bisschen nach religiöser Selbstkasteiung an: Wer Busse tut, wird innerlich rein und frei von seinen Sünden sein.

Und inwiefern sollten die Frauen nicht auch hinschauen, wenn Sexismus gegenüber Männern erfolgt oder ebenfalls gegen andere Frauen? Und von welchem gott- oder naturgegebenen Vorrecht spricht der Autor?

Echter, fehlender Respekt der Männer gegenüber den Frauen

Der Autor schreibt:

Jungs, jetzt haben wir 40 Jahre weibliche Emanzipation ausgesessen, ohne uns wirklich damit zu befassen oder uns zu bewegen. Wir haben vielleicht nachgegeben oder zumindest so getan. Aber wir haben es versäumt, echten Respekt zu zeigen, indem wir uns all diese Fragen wirklich nahe hätten kommen lassen. Die Schonfrist ist vorbei.

Das hört sich alles ein bisschen kryptisch an! Von welchem Respekt spricht der Autor? Und was genau meint er unter echtem Respekt? Und welche Fragen hätten sich die Männer näher an sich ran lassen sollen? Und was genau ist eigentlich mit den Frauen?

Der Autor schreibt:

Lasst uns in Würde vom Sockel treten, von dem wir sowieso gestossen werden. Lasst uns mit Respekt der Angst in die Augen schauen, die uns davor abhält. Lasst uns mit Stolz den Schmerz ertragen, den unsere Väter und Grossväter nicht zu ertragen wagten. Lasst uns mit Freude erkunden, was möglich wird, wenn wir in unserem tiefsten Inneren die Einsicht zulassen: #auchich bin nur ein Mensch.

Wer von den Männern ist eigentlich auf dem Sockel? Und was genau muss man sich eigentlich unter diesem Sockel vorstellen? Sind Männer mit spärlichem kulturellen, ökonomischen, symbolischen oder politischen Kapital auf einem Sockel? Könnte es nicht vielmehr sein, dass originär Männer und Frauen mit hohem kulturellen, ökonomischen,  symbolischen oder politischen Kapital auf einem Sockel stehen?

Fazit

Der gesamte Text des Autors hat m.E. einen sehr stark paternalistischen Duktus. Er ist quasi der Erleuchtete und weiss, was Sache ist und wie sich die Männer bisher verhalten haben und sich in Zukunft verhalten müssen, damit sich alles zum Besseren wendet.

Frauen sind Opfer von Sexismus, jedoch sicherlich nicht Täterinnen und umgekehrt sind Männer Täter und gewiss nicht Opfer von Sexismus. Für eine Organisation wie männer.ch, die sich ja hauptsächlich für Probleme und Anliegen von Männern einsetzen möchte, finde ich es schon sehr erstaunlich, dass ein geradeso einseitiges Bild gezeichnet wird und auf Grautöne und Differenzierungen verzichtet wird.

Ich werde diesen Text dem Autor von männer.ch zukommen lassen und ihn darum bitten, mir meine Fragen zu beantworten, und ich bin gespannt, ob sich männer.ch auf eine Diskussion einlässt oder nur proklamieren möchte?!

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18 Comments

  • Diese selbstgeißelnde männliche Unterwerfungsbereitschaft unter unhinterfragte feministische Dogmen macht mich immer wieder fassungslos. Ich habe den Verdacht, dass das in erster Linie psychologisch erklären werden muss: es scheint mir, dass diese Männer innerlich von starken Mutter-Imagines beherrscht werden, deren Platz von der jeweils gerade entrüstet auftretenden Feministin eingenommen werden kann. »Mama ist verärgert« scheint für viele Männer eine unerträgliche Vorstellung zu sein. Jack Donovan nennt diese Sorte Männer »Mama-may-I?«-Männer. Das wären dann »Mama-darf-ich?«-Männerrechtler wie Rosowski und »Mama-darf-ich?«-Feministen wie Kemper, Rosenbrock und Gesterkamp.

  • -„Man(n) muss kein Feminist sein, um Sexismus scheisse zu finden. Es reicht die einfache Einsicht: Ganz egal, ob Männer und Frauen «gleich» sind, gleichwertig sind wir in jedem Fall.“

    Man darf kein Feminist sein , um Sexismus „scheisse“ zu finden.

    Mann und Frau sind nicht gleich, kannst Du mir glauben! Da haben manche mehr Lebenserfahrung als Du (trotz [Deiner] „vielseitige[n] Berufs- und Lebenserfahrung“ – http://www.maenner.ch/news/2016-01-28-das-sind-unsere-zwei-neuen-mitarbeiter).

    -„„Jungs, jetzt haben wir 40 Jahre weibliche Emanzipation ausgesessen, …“

    Du nicht! Du bist erst 33, also red’ keinen Unsinn.

    -„Aber wir haben es versäumt, echten Respekt zu zeigen, …“

    Kann ich mir bei Dir gut vorstellen. Unechter Respekt ist Heuchelei.

    -„… indem wir uns all diese Fragen wirklich nahe hätten kommen lassen. “

    Auch das stelle ich mir geradezu bildlich vor, bei Dir. Du heuchelst ja nun auch ein Nahekommenlassen.

    -„Die Schonfrist ist vorbei.“

    Jetzt habe ich aber richtig Angst … 🙂

    -„Lasst uns in Würde vom Sockel treten, von dem wir sowieso gestossen werden.“

    Ich bin mit Dir nicht auf einem Sockel. Du und Deine FeministInnen können allerdings nicht mit Würde abtreten, denn die habt ihr schon abgelegt.

    -„Lasst uns mit Respekt der Angst in die Augen schauen, …“

    Deine Angst! Deine, meine oben erwähnte war ironisch gemeint!

    -“ Lasst uns mit Stolz den Schmerz ertragen, den unsere Väter und Grossväter nicht zu ertragen wagten.“

    Erstmal glaube ich nicht, daß Du überhaupt weißt was unser Väter zu ertragen wagten.

    Du hast Angst vor Schmerz, den ich mit Dir ertragen soll? Soll ich daraus Stolz ziehen, indem ich Dich tröste?

    — So,jetzt habe ich keine Lust mehr. Soll dieser Feminist doch bleiben wo der Pfeffer wächst.

  • @ Mark „Weshalb weiss der Autor, dass alle Männer sich darin sonnen können, die eigene Perspektive sei der Normalfall oder die reine Vernunft?“ Eine Erklärung: Es geht eben nicht um real existierende Männer, sondern „die Männer“ sind einfach eine Projektionsfläche, so wie für Alfred Tetzlaff „die Linken“ (ich hoffe, die Anspielung kennt noch jemand).

    Das finde ich gerade das Bemerkenswerte und auch Ärgerliche an einem Text wie dem Zoggs: Er tut so, als ob es um empirische Realitäten ginge – aber eigentlich
    gibt es überhaupt keine Möglichkeit, diesen Text empirisch zu widerlegen.

    Wer als Mann Zog widerspricht, bestätigt ihn, weil er zeigt, dass Männer – sich sonnend in ihren Machtpositionen auf Sockeln – zur Selbstreflexion nicht in der Lage sind. Widerspricht eine Frau, bestätigt das den Text auch, weil sie damit zeigt, wie umfassend der männliche Sexismus ist, weil ihn schließlich sogar schon Frauen internalisiert haben. Wer wiederum als Mann Zogg bestätigt, kommt dabei zwar schlecht weg, steht aber wenigstens auf der richtigen Seite der Geschichte.

    „Lasst uns in Würde vom Sockel treten, von dem wir sowieso gestossen werden.“ Sehr witzig. Gerade Männer, die sich nicht auf Sockeln platzieren, sondern die auf spezifische männliche Notlagen aufmerksam machen (oder darauf, dass Männer von vielen Notlagen ebenso betroffen sind wie Frauen) – gerade solche Männer werden von feministischen Geschlechtsgenossen gern als Vertreter einer „Opferideologie“ (Zitat Hinni Rosenbrock bei der grünen Böll-Stiftung) hingestellt.

    „Lasst uns mit Stolz den Schmerz ertragen, den unsere Väter und Grossväter nicht zu ertragen wagten.“ Mein Großvater zum Beispiel hat sein gesamtes Leben lang unendlich darunter gelitten, dass sein Sohn achtzehnjährig in Frankreich gefallen war. Herr Zogg schließt hier einfach aus seiner eigenen Unfähigkeit zur Empathie darauf, dass andere Menschen keine Gefühle hätten. Auch hier dreht er sich mit seiner Darstellung um sich selbst – und wo er scheinbar Bezug auf eine empirische Wirklichkeit nimmt, ist sie nur Projektionsfläche seines Selbstbezugs.

  • @Schoppe

    Du schreibst:
    „Wer als Mann Zog widerspricht, bestätigt ihn, weil er zeigt, dass Männer – sich sonnend in ihren Machtpositionen auf Sockeln – zur Selbstreflexion nicht in der Lage sind. Widerspricht eine Frau, bestätigt das den Text auch, weil sie damit zeigt, wie umfassend der männliche Sexismus ist, weil ihn schließlich sogar schon Frauen internalisiert haben. Wer wiederum als Mann Zogg bestätigt, kommt dabei zwar schlecht weg, steht aber wenigstens auf der richtigen Seite der Geschichte.“

    Diese Argumentation kennen wir aus der Psychoanalyse und wurde auch bei der Psychoanalyse beim Konzept des Widerstandes als „paradoxe Falle“ oder als „modelimmanente Immunisierung gegenüber Kritik“ betrachtet. Diese geht nämlich so: „Entweder der Patient gibt zu, er sei im Widerstand oder seine Verweigerung dieser Ansicht gegenüber bestätigt seinen Widerstand.“

    Nach Popper nennt man eine solche Diskursstrategie auch als „doppelt verschanzter Dogmatismus“ (Popper: 252) Das heisst: Vertreter einer Theorie oder einer Hypothese oder Aussage dürfen sich selbst nicht der Kritik entziehen, indem sie jedes Gegenargument in eine Bestätigung der Theorie umdeuten.

  • @Mark Smith:

    Ich hatte Schwierigkeiten, das Bild zu deuten. Erst auf den dritten Blick habe ich erkannt, dass eine Form von Selbstgeißelung dargestellt wird, bei der sich die Gläubigen mit Messern die Stirn blutig schneiden. Das Bild habe ich dann im Wikipedia-Artikel zu den Schiitischen Passionsspielen wiedergefunden. Da wäre eine kleine Bildunterschrift hilfreich gewesen. 🙂

  • Wenn ich ausnahmsweise feministischer Anschauung folgen darf, dann stelle ich fest, dass es sich beim Beitrag von Herrn Zogg von männer.ch um sogenannten *benevolent sexism“ handelt.

    Benevolent sexism is a form of paternalistic prejudice (treating a lower status group as a father might treat a child) directed toward women. Prejudice is often thought of as a dislike or antipathy toward a group. Benevolent sexism, however, is an affectionate but patronizing attitude that treats women as needing men’s help, protection, and provision

    http://psychology.iresearchnet.com/social-psychology/prejudice/benevolent-sexism/

    Das ist doch exakt, was Herr Zogg praktiziert. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie dieser Typus Mann sich lautstark für eine grundlegende Infragestellung tradierter Geschlechterverhältnisse ausspricht und gleichzeitig so offensichtlich die tradierte paternalistische Geschlechterrolle lebt.

    Die einseitige, völlig unreflektierte und pauschale Zuweisung von Verantwortung und Schuld an die Männer, die Auffassung, dass Sexismus ein Problem der Männer sei und es an den Männern liege, dies in Ordnung zu bringen, ist ein sehr traditionelles Verständnis des Geschlechterverhältnisses. In diesem altbackenen Setting ist der Mann der Akteur, mal in positiver, mal in negativer Weise. Die Frau erscheint lediglich als zu behandelndes Objekt, nicht als handelndes Subjekt mit Verantwortung, das ihren Teil zur Gestaltung des Geschlechterverhältnisses beiträgt. In diesem Sinne bleiben „die Frauen“ von jeder Kritik ausgespart, im Gegensatz zu „den Männern“.

    Ich würde Herrn Zogg gerne einige Fragen stellen.

    was taugt eine Analyse des Geschlechterverhältnisses, die Männer pauschal als privilegiert und Frauen pauschal als nicht privilegiert fantasiert? Ist es gerechtferigt, den männlichen Obdachlosen als privilegiert zu behaupten? Ist eine solche undifferenzierte und pauschale Charakterisierung der Geschlechter etwa nicht sexistisch?
    Was motiviert Herrn Zogg von männer.ch zu einem solchen Beitrag? Was sieht Herr Zogg als die primäre Aufgabe von männer.ch?
    An wen richtet sich der Beitrag von Herrn Zogg? An „die Männer“ im Allgemeinen oder doch eher an seine „In-Group“, in der feministische Anschauungen die Norm sind und er sich durch diesen Beitrag zur Norm in seinem unmittelbaren Umfeld bekennt und dafür Anerkennung in seiner „In-Group“ (Eigengruppe) erwartet?

    • @ Pjotr
      Du schreibst:
      „Das ist doch exakt, was Herr Zogg praktiziert. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie dieser Typus Mann sich lautstark für eine grundlegende Infragestellung tradierter Geschlechterverhältnisse ausspricht und gleichzeitig so offensichtlich die tradierte paternalistische Geschlechterrolle lebt.
      Die einseitige, völlig unreflektierte und pauschale Zuweisung von Verantwortung und Schuld an die Männer, die Auffassung, dass Sexismus ein Problem der Männer sei und es an den Männern liege, dies in Ordnung zu bringen, ist ein sehr traditionelles Verständnis des Geschlechterverhältnisses. In diesem altbackenen Setting ist der Mann der Akteur, mal in positiver, mal in negativer Weise. Die Frau erscheint lediglich als zu behandelndes Objekt, nicht als handelndes Subjekt mit Verantwortung, das ihren Teil zur Gestaltung des Geschlechterverhältnisses beiträgt. In diesem Sinne bleiben „die Frauen“ von jeder Kritik ausgespart, im Gegensatz zu „den Männern“.“

      Scheint mir richtig zu sein, was Du hier sagst.
      Ich habe mich auch gefragt, was bewegt Männer dazu, sich quasi in paternalistischer Form als Retter oder Beschützer von Frauen in Pose zu werfen? Mir ist dann ein Buch von Moshe Zuckermann in den Sinn gekommen mit dem Titel „Antisemit!: Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument“. Im Buch geht es dabei um Folgendes:

      „Antisemitismus ist eine der verruchtesten Formen moderner Ideologien. Diese Behauptung bedarf heutzutage keines Nachweises mehr, zu katastrophal waren seine Auswirkungen, als dass sie in Abrede gestellt werden könnte. Die Ächtung von Antisemitismus ist ohne jeden Zweifel eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Problematisch und kontraproduktiv wird es dort, wo ein vermeintlich kritischer Diskurs in herrschaftliches Bekenntnis umschlägt, wo Anti-Antisemitismus politisch missbraucht wird, wo sich eine vermeintlich kritisch auftretende Rezeption als ideologisch entpuppt.
      Moshe Zuckermann wagt eine Analyse dieser Entwicklung. Für ihn steht fest, dass die Verwendung des Antisemitismus-Vorwurfs als Parole im vermeintlichen Kampf gegen Antisemitismus „in eine fürchterliche Epidemie umgeschlagen ist.“ Längst schon sei sie zum Totschlag-Ideologem eines durch und durch fremdbestimmten Anspruchs auf politisch-moralische Gutmenschlichkeit geronnen. Ob man diese Epidemie heilen kann, wird sich erst erweisen müssen. Dass man sie erklären muss, scheint dringlicher denn je.“
      https://www.amazon.de/Antisemit-Ein-Vorwurf-als-Herrschaftsinstrument/dp/3853713181

      Ich interpretiere das ein bisschen so! Moshe Zuckermann selbst hat offenbar auch bemerkt, dass viele berechtigte Kritik an der Politik Israels mit dem Vorwurf des Antisemitismus abgetan wird. Mir als Schweizer, der vermutlich ein entspannteres Verhältnis zum Holocaust hat als die Deutschen, ist aufgefallen, dass in der Schweiz der Antisemitismusvorwurf viel seltener in Diskussionen fällt, als wenn ich z.B. Diskussionen in Deutschland verfolge.
      Mit den Antideutschen gibt es in Deutschland auch eine Gruppe, die quasi schon fast sektenartige Züge aufweist und quasi überall Antisemitismus wittert. Ich habe mich dann gefragt, was treibt diese Leute an: Und ich vermute, dass diese Leute wirklich ein enorm großes Schuldgefühl haben, also quasi eine Erbschuld mit sich herumtragen und dadurch, dass sie überall gegen Antisemitismus kämpfen, auch dort, wo nun wirklich kein Antisemitismus vorhanden ist, sich von dieser Erbschuld quasi befreien möchten: weil sie gehören ja nun eindeutig zu den Guten.
      Bei anderen Menschen, die sich ähnlich verhalten wie die Antideutschen, sehe ich den Beweggrund vor allem in opportunistischen Gründen: Wer sich hier auch immer lautstark und mit Vehemenz positioniert, gehört selbstverständlich auch zu den Guten und erntet quasi, mit Bourdieu gesprochen, symbolisches Kapital.
      Ich vermute bei gewissen Leuten von männer.ch bestimmte Ähnlichkeiten mit den Antideutschen sowie dem Ernten von symbolischem Kapital. Auf der einen Seite quasi eine Erbschuld und auf der anderen Seite eben Gewinn von symbolischem Kapital. Ok: Alles Spekulationen und selbstverständlich ohne Gewähr! 🙂

      • Symbolisches Kapital ernten. Ja, so könnte man diese Art der Kommunikation, die sich vordergründig an „die Männer“ richtet, tatsächlich aber ein Bekenntnis ist, dass sich primär an die Eigengruppe, an das Milieu wendet, in dem der Author vorwiegend agiert.

        Der Vorwurf des Antisemitismus wird oft verwendet, um jede Kritik abzuwehren. Das Analogon im Geschlechterbereich ist der pauschale Vorwurf der Frauenfeindlichkeit. Auch mir wurde schon Antisemitismus vorgeworfen, weil ich mich kritisch, d.h ablehnend zur Praxis der Vorhautbeschneidung geäussert habe. Meine Einwände wurden gar nicht gehört. So machte ich geltend, dass die Vorhautbeschneidung nicht nur bei vielen Juden und Moslems üblich ist, sondern auch in den christlich geprägten USA. Dass sich auch säkularisierte Juden gegen diese Praxis aussprechen und ich nur die Beschneidung Minderjähriger ablehne. Wenn Erwachsene sich dazu entschliessen, dann habe ich keine Einwände. Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang, dass die gleichen Personen, die Kritik an der Vorhautbeschneidung unter Antisemitismus subsummieren, die Beschneidung von Mädchen als barbarische Praxis verurteilen. Solche Leute sind schlicht Heuchler, die die Diffamierungen und die daraus resultierende soziale Ausgrenzung fürchten, die sie selbst praktizieren.

        Aber zurück zu männer,ch und Herrn Zogg. Wenn Du dir die Aktionen von männer.ch mal anschaust – was fällt da auf?

        Mehr Männer in Kitas & Co.

        #AuchIch – für eine aufrichtige Auseinandersetzung von Männern mit Sexismus

        Männer und Sexismus

        Meet-up Jobsharing in Bern, 1. November 2016

        No more Silence
        Übergriffe jeglicher Art sind nicht tolerierbar. Wir fordern Männer auf zu intervenieren, falls sie Zeugen eines Übergriffes werden.

        Mehr Männer in Kitas? Einladung zur Fachtagung

        MenCare Schweiz feierlich lanciert
        MenCare: Alles zur Medienkonferenz
        MenCare Schweiz: Lancierung am 30. Mai 2016
        Family / FathersGender Equality
        Markus Theunert

        Das sind 1:1 alles an Männer gerichtete Forderungen feministischer Verbände, die von männer.ch kritiklos übernommen werden.
        Jobsharing, Carearbeit, Sexuelle Gewalt gegen Frauen und Prävention, Männer in KITAs, Männer und sexuelle Gewalt, Vaterschaftsurlaub mit dem Ziel, die Mutter zu entlasten, Förderung (Forderung, um genau zu sein)Teilzeitarbeit von Männern mit dem Ziel, Frauenkarrieren zu fördern, das ganze feministische Programm.

        Da ist nichts Eigenes, nichts Männerspezifisches, nichts, was viele Männer gerne angesprochen sähen, nirgends auch nur im Ansatz Forderungen an Frauen, Kritik gar, ihr Verhalten zu reflektieren oder Gott bewahre, sich für spezifische Problemlagen von Männern zu interessieren.

        männer.ch ist aus männerrechtlicher Perspektive völlig irrelevant.

        Müsste auf der homepage von männer.ch nicht Folgendes stehen:

        Wege zur Suizidprävention

        Initiative zur Reform des Ehe- Unterhalts- und Scheidungsrechts

        Obdachlosigkeit – ein Männerproblem

        Initiative zur Frühpensionierung – schwere körperliche Arbeit kann nicht bis 65 getan werden

        Wehrdienstpflicht und Zivildienst – wo bleibt die rechtliche Gleichstellung?

        und vieles mehr. Wie gesagt: männer.ch ist irrelevant. Der Nutzen ist nur für einige Sozialarbeiter und Sozialpädagogen gegeben. Die ergattern sich ein paar vom Staat alimentierte Arbeitsstellen und stellen sich – jetzt bitte nicht lachen – als die Progressiven dar. Die genannten Stellen behalten sie, solange sie sich systemkonform verhalten und jede Kritik an feministischen Anschauungen unterlassen.

        Übrigens: Theunert hat immer noch nichts dazu gelernt. Dem kann nicht geholfen werden.

        Männerbeauftragter hat gekündigt – nach wenigen Wochen
        Kaum einen Monat war er im Amt, schon hat der Männerbeauftragte den Bettel hingeworfen. Die Fachstelle für Gleichstellung begrüsst den Schritt.

        http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/Maennerbeauftragter-hat-gekuendigt–nach-wenigen-Wochen/story/12464465

    • Ich bin mal gespannt, wann sich Herr Zogg mit Sexismen wie diesen hier https://manndat.de/ueber-manndat/was-wir-wollen auseinandersetzt.

      Ein solches Engagement ist weder in der Schweiz noch in Deutschland im Rahmen einer staatlich subventionierten Institution möglich. Da war doch mal was in Goslar, als sich eine Gleichstellungsbeauftragte auch für Männer zuständig fühlte.

      Um mal ein feministisches Narrativ in leicht abgeänderter Form aufzunehmen: Wenn die Fortschritte im bisherigen Tempo weiter gehen, dann dauert es noch so ungefähr 150 Jahre – soviel, um die Frage nach dem „Wann“ zu beantworten.

  • männer.ch ist eine ausgesprochen feministische Organisation. Sie ist deshalb auch mit etlichen feministischen Organisationen verbandelt wie zB:

    alliance F (Bund Schweizerischer Frauenorganisationen),
    den FDP Frauen,
    Eidgenössischen Kommission für Frauenfragen,
    dem Bundesforum Männer (Deutschland),
    MenEngage.

    Es sind Rape-Culture-Apologeten, die diese These furios verteidigen, ohne zu wissen, was sie bedeutet, habe ich so den Eindruck.

  • Hab gerade ein paar Absätze gelesen und kriege schon das Kotzen:
    „„Jungs, jetzt haben wir 40 Jahre weibliche Emanzipation ausgesessen, ohne uns wirklich damit zu befassen oder uns zu bewegen. Wir haben vielleicht nachgegeben oder zumindest so getan. Aber wir haben es versäumt, echten Respekt zu zeigen, indem wir uns all diese Fragen wirklich nahe hätten kommen lassen. Die Schonfrist ist vorbei.““

    Ist der Kerl Ultramasochist, oder will er bloß alle Männer extremst beleidigen?

    Zunächst mal emanzipieren sich Männer wie Frauen schon ein wenig länger als 40 Jahre, verstärkt peile ich mal einige Jahrhunderte an, so 3 – 30 ungefähr.

    Und genau so lange befassen „wir“ uns auch damit, sonst gäbe es sie nicht, die Emanzipation. Denn die ist immer ein gesellschaftlicher Prozess, oder eben eine reine Illusion ( die höchstens ein paar Grüppchen geringfügig verändert ).

    Wieso eigentlich „nachgegeben“? Emanzipation ist nix, dem man einfach mal eben so nachgibt. Man muß sie schon leben, sonst ist sie keine ( s.o. ).

    Und was der Spinner über Respekt schwafelt, ist per se diffamierend und saudumm. Er hat z.B. überhaupt keinen Respekt ggü. Männern, und ich vermute mal nichtfeministische Frauen betrachtet er auch als Untermenschen ( bestenfals wohl Nazitussen und Heimchen am Herd o.ä. ). Allein schon, sich die Anrede „Jungs“ in diesem herabwürdigenden Kontext zu erlauben, würde ihm auf jeder Biker-Party einen gepflegten Satz warme Ohren einbringen; zu Recht!
    So what!???

    Seine Schonfrist bei mir hat noch gar nicht angefangen, dazu müßte er erstmal einen Attest zur Entschuldigung vorlegen ( mindestens über eine schwerst beschädigte Kindheit, oder so ).

    Nicht falsch verstehen, ich respektiere ihn, als eines von Milliarden Mitlebewesen auf diesem Planeten, aber mehr auch nicht, manche Katze ist mir deutlich sympathischer.

  • Hallo zusammen,
    ich bin Mitglied von männer.ch und habe in der Männerzeitung dem Nicolas eine Erwiderung auf seine Gedanken geschrieben.
    Ich füge sie hier ein:

    Hallo Nicolas,
    du erkennst klar die Illusion, dass deine Perspektive der Normalfall ist.
    Genau diese Perspektive aber brauchst du umgehend wieder, um von dir pauschal auf „uns“ Männer zu schliessen.
    Echten Respekt hast du versäumt, schreibst du, und projizierst auch diese Klage auf „uns Jungs“.

    Mit Stolz Schmerz ertragen. Der Angst in die Augen schauen.
    Nicolas, solche Worte hörten schon Millionen unserer Vorväter als Soldaten.Und viele von ihnen ertrugen wohl mehr, als du und ich uns vorstellen können.

    Egal, wer dich auf den Sockel gestellt hat – verlass ihn einfach.Brauchst nicht mal Würde dafür.
    Erleichterung genügt.
    Tote Fische schwimmen mit dem Strom, lebendige dagegen.
    Ich wünsche dir Freude am Mensch sein.
    Als Mann.

    Herzlich
    Roland

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