Feminismus

Laurie Penny: Über Faschismus und Feminismus

Bild zeigt Laurie Penny.
geschrieben von: Mark Smith

Laurie Penny hat sich in der taz  mit Feminismus und Faschismus auseinandergesetzt. Der martialische, feindbilderzeugende und dämonisierende Duktus erinnert selbst frappant an einen rechtspopulistischen Sprachduktus.

Der neue Faschismus und der brutale Kulturkrieg

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Laurie Penny

LP schreibt:

2016 war geprägt von einem kulturell-gesellschaftlichen Rückschlag. Der neue Faschismus verlangt einen schärferen feministischen Widerstand.

Was versteht man eigentlich unter dem neuen Faschismus? Und seit wann gibt es diesen neuen Faschismus und wo genau hat er sich ausgebreitet? Und was genau ist mit diesem kulturell-gesellschaftlichen Rückschlag gemeint?

LP schreibt:

Etwas hat sich verändert in diesem Jahr. Die Spielregeln haben sich geändert. Es ist nicht mehr zu übersehen, dass da ein Krieg läuft, ein heftiger und brutaler Kulturkrieg, dessen größte Schlachten erst noch kommen. Viele glauben irrigerweise, dieser Krieg würde zwischen dem Islam und dem Westen gekämpft oder zwischen mehrheitlich weißen Nationen und dem Mittleren Osten. Sie liegen falsch.

Was genau hat sich denn nun verändert in diesem Jahr? Und von welchen Spielregeln spricht LP? Es läuft demnach ein heftiger und brutaler Kulturkrieg? Was muss man sich eigentlich darunter vorstellen? Und woher weiß die LP, dass die größten Schlachten noch kommen – ist sie Hellseherin? Nun, ein Krieg läuft vielfach tatsächlich im mittleren Osten oder in den sogenannt islamischen Staaten, aber diese Kriege sind real: also reale Bomben, reale Kugeln, reales Töten, reales Sterben. Und LP möchte jetzt ihren selbsternannten Kulturkrieg, bei dem wir immer noch nicht wissen, was darunter verstanden werden soll, mit diesen Kriegen gleichsetzen oder vergleichen? M.E. eine vollständig deplatzierte Analogie, die die Kriegen auf aller Welt verharmlost!

LP schreibt:

Der Krieg tobt zwischen jenen, die Fortschritt, Toleranz und Menschenrechte für unabdingbar halten, und den anderen. Zwischen jenen, die an eine lebenswerte Zukunft glauben, und jenen, die sich in eine mystifizierte Vergangenheit zurücksehnen. Der Krieg wird innerhalb von Nationen gekämpft, innerhalb von Gemeinden, von Familien, ja manchmal sogar innerhalb eines einzelnen Menschen. Und wenn wir diesen Krieg nicht gewinnen, verlieren alle – sogar die auf der ‚anderen‘ Seite.

Und für diese Behauptungen von LP gibt es nun allesamt empirische Belege? Folglich repräsentativ empirische Studien, die exakt das festgestellt haben?

Warum schreibt die LP nicht gleich, dass der „Krieg“ zwischen dem Guten und dem Bösen läuft? Dies wäre analytisch beispielsweise genau gleich aufschlussreich wie ihre befleißigte Unterteilung von Zukunft, Fortschritt, Menschenrechte vs. Vergangenheit. Und vor allem erinnert es stark an den Rechtspopulismus, der auch bloß die Guten („das Volk“, „die schweigende Mehrheit“)  und die Bösen (die Fremden, die Anderen, die Eliten) kennt. Demzufolge ein manichäisch dualistisches Weltbild bei LP – analog der Rechtspopulisten. Und was für ein Krieg soll das nun genau sein? Sind alle Interessens- und Wertkonflikte bei LP jeweils Kriege? Diese martialische Sprache von LP erinnert nun wiederum eher an eine faschistische Sprache und nicht an Menschen, die konfliktsensitiv denken oder Konflikte konstruktiv lösen möchten.

Köln und die weissen Nationalisten

LP schreibt:

Vor fast genau einem Jahr wurden in Köln Dutzende Frauen sexuell belästigt, offensichtlich von muslimischen eingewanderten Männern. Seit diesen Angriffen habe ich zu hören bekommen, der ‚westliche‘ Feminismus sei gescheitert, die wahren Beschützer von Frauen wie mir seien die weißen Nationalisten.

Was möchte LP damit aussagen? Fängt sie jetzt an zu klagen, zumal gewisse Leute, die nicht ernst zu nehmen sind, irgendeinen Unfug erzählen und dem Feminismus etwas in die Schuhe schieben, für das er nichts kann?

LP schreibt:

Es hieß auch, der Feminismus trage eine Schuld am Aufstieg des Rechtspopulismus überall auf der Welt: dass wir mit unserem Gejammer über solche belanglosen Themen wie Geschlechter- und Identitätsfragen die Linke gespalten hätten, dass wir nur endlich unsere Mäuler und unsere Schenkel geschlossen halten und uns auf die Klassenfrage konzentrieren sollten, dann könne der Faschismus auch geschlagen werden. Das ist Unsinn.

Ehrlich gesagt, halte ich tatsächlich nicht so viel von Identitätsfragen. Mir selbst ist es nahezu egal, ob ich ein Mann, eine Frau, Transgender, homo-, hetero- oder bisexuell bin oder Deutscher, Schweizer, Franzose etc. Ich nehme allerdings zur Kenntnis, dass dies offenkundig für manch Menschen nicht so egal ist, aber ich denke mir, dass sich diese Menschen ihre Probleme vielfach noch selbst machen, wenn sie sich so nachhaltig mit einer „Wesenseinheit“ identifizieren und ihren Selbstwert, ihr Selbstbild oder ihr Wohlbefinden von solchen Dingen abhängig machen. Und ob diese Identitätspolitik die Linke tatsächlich gespalten hat, wäre eine empirische Frage; ich könnte mir jedoch gut vorstellen, dass diese These einen realen Gehalt hat. Der Faschismus wird möglichenfalls nicht geschlagen, wenn man sämtliche Konflikte auf die Klassenfrage reduziert. Aber es dürfte gleichermaßen verkürzt sein, wenn man ihn auf die Geschlechterfrage herabsetzen würde.

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Frauke Petry – eine Akteurin des neuen Faschismus?

Feminismus ist Kampf gegen Faschismus

LP schreibt:

Feminismus ist keine irgendwie alberne Flause im Kampf gegen den Faschismus. Er ist für diesen Kampf essentiell. Eines der vielen Dinge, die die neuen Autoritären verbindet – unabhängig von ihrem Glauben oder ihrer Herkunft – ist ihre Verachtung der weiblichen Befreiung. Schau dir die politischen Ideen der amerikanischen Neonationalisten oder der deutschen AfD an und du findest die gleichen Ansichten über die angemessene Rolle von Frauen und Mädchen: Wir sollen ruhig und gehorsam sein, dekorativ und gottesfürchtig, Hausfrauen und Mütter. Wir verdienen weder Selbstbestimmung über unseren Körper noch Schutz vor Gewalt oder das Recht auf Gesundheitsversorgung.

Ich habe mir das Grundsatzprogramm der AfD kurz angeschaut: Um es gleich vorwegzusagen: Ich halte vermutlich mindestens 80% des Parteiprogramms für Unfug. Aber: Ich finde nirgends eine explizite Aussage, die die Verachtung der weiblichen Befreiung konstatiert, es steht ebenfalls nirgends, Frauen sollen ruhig, gehorsam, dekorativ und gottesfürchtig sein. Des Weiteren steht ebenso nichts darüber, dass Frauen keine Selbstbestimmung über ihren Körper, keinen Schutz vor Gewalt oder kein Recht auf Gesundheitsversorgung haben sollen. Alles herbei phantasierte Strohmänner und Schreckgespenster der LP.

Neofaschismus = Männlichkeitskult

LP schreibt:

 „Neofaschismus ist im Kern ein Männlichkeitskult: Männliche Stärke im Allgemeinen wird verehrt, und gewalttätige starke Männer im Besonderen. Man vergisst das gern mal, weil die neofaschistische Rhetorik sich so sehr auf Rasse und Nation konzentriert und die ersten Opfer Migranten, People of Colour und Angehörige religiöser Minderheiten sind. Aber beim Neofaschismus geht es mindestens ebenso sehr um männliche wie um weiße Vorherrschaft.

LP sollte irgendwann genau definieren und erklären, was sie mit Neofaschismus meint, was sie allemal nicht tut und folglich über alles und nichts palavert. Und Frauen spielen im Neo-Faschismus keine Rolle? Was ist eigentlich mit den rechtspopulistischen Frauen wie Marine Le Pen von dem Front National, Beatrix von Storch und Frauke Petry von der AfD? Sind das nun Neofaschisten oder doch nicht? Und sollten es Neofaschisten sein, lässt sich dann dieser offenbar vorhandene Männlichkeitskult aufrechterhalten? Steht im Grundsatzprogramm von der AfD irgendetwas drin, das einem Männlichkeitskult gleicht? Und gibt es außerdem keine religiösen Minderheiten oder People of Color, die auch neofaschistisch sind? Oder anders gefragt: Können nur weiße Männer neofaschistisch sein und alle anderen Menschen sind das Gute? Gegenwärtig dürfte zumindest das, was ich unter Neofaschismus verstehe, in den meisten Ländern Europas eine Randerscheinung sein. Sollte es mal keine Randerscheinung mehr sein in Europa, dann werden sicherlich nicht die Frauen primär die Verfolgten und Ausgegrenzten sein, sondern sie werden wahrscheinlich kräftig mithelfen am verfolgen und ausgrenzen von ethnisch und religiösen Minderheiten etc.

Westliche Männer wollen Frauen straffrei vergewaltigen

LP schreibt:

So viel sie auch jeden Tag davon reden, wie sehr doch westliche – sie meinen weiße – Frauen durch die ethnisch und religiös andersartigen Einwanderer bedroht seien, so sehr geht es ihnen doch gleichzeitig darum, diese Frauen ihrer sexuellen und reproduktiven Selbstbestimmung zu berauben. Muslimen und Einwanderern muss es verwehrt bleiben, westliche Frauen zu missbrauchen, aber die Kehrseite davon ist, dass westliche Männer das straffrei tun dürfen: Es ist ein Wettstreit verschiedener Stile patriarchaler Gewalt.

Wer redet jeden Tag von was genau? Die Neofaschisten? Und wer will den Frauen ihre sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung rauben? Die Neofaschisten? Und wer ist das nun ganz genau und wie viele sind das? Steht das auch irgendwo im Grundsatzprogramm der AfD drin? Ich habe nichts davon gelesen. Die westlichen Männer wollen demzufolge allesamt straffrei Frauen vergewaltigen? Wer sagt das genau und wie viele Personen sind das. Es dürfte offensichtlich klar sein, dass LP hier wiederum einen Popanz aufbaut und quasi ein Feindbild kreiert und Dämonisierung betreibt, das dieses Mal „westliche weiße Männer“ heißt. Man könnte dies, wenn man möchte, auch Sexismus plus Rassismus nennen. Es ist dasselbe, wie wenn man gleichsam alle Ausländer unter Kriminalitätsverdacht stellen würde. Wir sehen: LP argumentiert gewissermaßen analog wie der Rechtspopulismus, bloß einfach mit umgekehrten Vorzeichen: Dämonisierung, Feindbilderzeugung und ein manichäisches dualistisches Weltbild.

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Beatrix von Storch – Akteurin des neuen Faschismus?

LP schreibt:

Sie fordern den Respekt gegenüber Frauen ein, aber Migrantinnen und Frauen of Colour sind die häufigsten Opfer jener, die Gewalt auf der Straße als legitimen Ausdruck politischer Meinungen ansehen. Übergreifender Feminismus ist ein Rahmen für den Widerstand gegen dieses neue und furchterregende Narrativ. Fortschrittlicher, kompromissloser, antirassistischer Feminismus wird in dieser kommenden Auseinandersetzung von zentraler Bedeutung sein.

Abermals: Wer fordert was ein und wie viele sind das? Wer sieht Gewalt auf der Straße als legitimen Ausdruck politischer Meinungen an? Steht das ebenfalls im Grundsatzprogramm der AfD? Also, ich habe nichts davon gelesen. Und könnte dieses furchterregende Narrativ nicht wiederum ein Popanz, gleichsam ein Schreckgespenst sein? Selbstverständlich heißt das nicht, dass es keine rechts- und linksextreme Gewalt gibt und desgleichen viel Gewalt, die nicht unbedingt politisch motiviert ist, aber es heißt noch lange nicht, dass dieses Narrativ quasi hegemonial geworden sei und gewissermaßen ubiquitär ist. Sollte es rassistischen Feminismus geben, dann wäre es durchaus sinnvoll, wenn sich dieser in einen antirassistischen Feminismus transformiert. Aber eigentlich würde es vollständig ausreichen, wenn die Menschen einfach antirassistisch eingestellt sind – darüber hinaus braucht es nicht noch extra einen antirassistischen Feminismus.

Die Neue Rechte: bei Genderthemen völlig durchgedreht

LP schreibt:

Die neue Rechte ist schon immer bei Genderthemen völlig durchgedreht. Viele der Techniken von Bedrohung und Herumtrollen, die jetzt benutzt wurden, um extremistische Führer an die Macht zu bringen, wurden in den letzten fünf Jahren online erprobt, als sich Gruppen von Männern und Jungs zusammenschlossen, um „Feminazis“ mundtot zu machen und Frauen aus dem Internet zu drängen.

Wiederholt wäre es interessant zu erfahren, wer LP unter die neue Rechte subsumiert, damit man weiß, von was sie eigentlich spricht. Um welche extremistischen Führer handelt es sich? Geht es um Marine le Pen oder Frauke Petry? Gruppen von Jungs und Männer wollten demnach „Feminazis“ mundtot machen? Wer genau will das? Und wie viele sind das? Und Frauen waren nicht dabei? Und die „Feminazis“ waren alle immer angenehm und freundlich in ihren Online-Aktivitäten? Könnte es nicht ebenso sein, dass Feministinnen ab und an nicht so konstruktiv handeln? Ich verweise einmal auf den Artikel von Stephan Schleim:

Junge weisse Männer radikalisieren sich

LP schreibt:

Einige von uns haben schon vor Jahren deswegen Alarm geschlagen und darauf hingewiesen, dass auch junge weiße Männer sich radikalisieren und in gewalttätige rassistische und frauenfeindliche Fantasien abrutschen, und dass das ernstgenommen werden sollte. Es macht mich nicht glücklich, recht gehabt zu haben.

Woher weiß LP das, dass desgleichen junge weiße Männer sich radikalisieren etc.? Und die jungen, nichtweißen Männer radikalisieren sich nicht? Sind also alle süß und freundlich? Und die jungen weißen und nichtweißen Frauen, die sind auch alle anmutig und freundlich?

LP schreibt:

Es wird in den kommenden Jahren viele neue Versuche geben, frauenpolitische Ansätze kaputtzumachen und Frauen entlang Fragen der Ethnizität, der Klasse und der Identität zu spalten. Es wird einen Wettstreit unterschiedlicher autoritärer Anschauungen darüber geben, wie gut eine Frau sein sollte, wie sie aussehen sollte, wie sie arbeiten sollte, wann sie sprechen sollte, wen und wie oft und mit wessen Erlaubnis sie vögeln sollte. Es geht jetzt wirklich darum, was Feminismus bedeutet und warum er wichtig ist.

Woher weiß LP das, was in Zukunft passieren wird? Hat sie eine Glaskugel? Und was ist eigentlich mit männerpolitischen Ansätzen? Die werden gewiss alle gutgeheißen – was? Also nur Frauenpolitik wird ev. und vielleicht bekämpft – oder?

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Hillary Clinton – Akteurin des „vertrockneten, liberalen Feminismus“?

LP schreibt:

Ein Gutes an Hillary Clintons Niederlage ist, dass wir vielleicht endlich die Vorstellung vergessen können, dass ein vertrockneter, liberaler Feminismus, der sich auf die Sorgen wohlhabender weißer Frauen im Westen konzentriert, jemals ausreichen könnte.

Nein, ein Feminismus, der sich allein auf die wohlhabenden weißen Frauen begrenzt, dürfte tatsächlich wesentlich ein Eliteprojekt sein und für die 95% der übrigen Frauen unnütz. Aber brauchen wir für diese fürwahr bahnbrechende Einsicht wirklich die LP, die uns das sagt?

Befasst sich der Feminismus mit Nichtigkeiten?

LP schreibt:

Es ist vielleicht zu viel gehofft, auch die endlosen Diskussionen in der Presse darüber loszuwerden, welche Berühmtheiten Feministinnen sind oder nicht, ob es feministisch ist, sich die Beine zu rasieren oder ob sich Lippenstift und Frauenbefreiung vertragen, als ob Feminismus auch nur eine weitere Kategorie zur Beurteilung von Frauen und ihrer Mängel wäre. Das Private ist natürlich immer noch politisch, und intime Dinge sind immer noch wichtig – aber vielleicht können wir es jetzt mal vermeiden, das Politische ausschließlich ins Private zu ziehen.

Selbsterkenntnis ist durchaus der beste Weg zur Besserung. LP hat vermutlich auch allmählich selbst bemerkt, dass das feministische Wehklagen über Nichtigkeiten mit der Zeit bloß noch ermüdet und ein Klagen auf höchstem Niveau ist.

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Melania Trump – hat sie einen Revolver im Rücken?

LP schreibt:

Schönheitskultur, Aussehen und Beziehungsfragen sind alles feministische Themen – sogar mehr noch angesichts der Wiederkehr einer konservativen Kultur, die von Frauen homogene, gehorsame Weiblichkeit einfordert, die will, dass wir den glatten, geschmeidigen Family-First-Frauen der Trump-Regierung nacheifern, mit ihrem scheuen Lächeln, das sie aussehen lässt, als würde ihnen jemand eine Waffe in den Rücken halten.

Hier habe ich offenkundig den Tag vor dem Abend gelobt: Das Gezeter auf höchstem Niveau fängt flugs wieder an. In welchem Parteiprogramm steht eigentlich, dass eine homogene, gehorsame Weiblichkeit eingefordert wird? Wer fordert, dass Frauen den glatten, geschmeidigen Family-First-Frauen der Trump-Regierung nacheifern sollen? Und klar! Diese Frauen sind selbstverständlich alle abermals bloß Opfer: Keine selbstständige Entscheidung, diese Männer zu heiraten?! Die Frauen wurden wahrscheinlich allesamt dazu gezwungen, Trump et al. zu heiraten und sich so zu kleiden, wie sie sich kleiden?

LP schreibt:

Aber rassistischer Hass ist auch ein feministisches Thema. Sozialstaat, Gesundheitsversorgung und wirtschaftliche Gerechtigkeit sind feministische Themen, und der neue Faschismus verlangt einen neuen, schärferen feministischen Widerstand. Glücklicherweise passiert das bereits.

Das überrascht selbstverständlich nicht, dass dies allesamt ebenfalls ein feministisches Thema ist: Welches Phänomen auf dieser Welt und in der gesamten Galaxie dürfte schon kein feministisches Thema sein? Und weiterhelfen würde es, wenn uns die LP endlich sagen würde, was genau unter diesem neuen Faschismus verstanden werden soll!

Feministin zu sein, ist gefährlich

LP schreibt:

Sich heute Feministin zu nennen ist radikaler und gefährlicher als letztes Jahr.

Wie kommt die LP auf diese Aussage? Folglich wie wird diese begründet? Mit dem neuen Faschismus, von dem wir immer noch nicht wissen, was überhaupt damit gemeint ist? Muss die LP derzeitig um ihr Leben fürchten? Muss sie unter Polizeischutz gestellt werden? Darf sie nirgends mehr schreiben, insbesondere in den Leitmedien nicht mehr?

LP schreibt:

Feminismus ist natürlich nicht nur eine Identität, sondern ein Prozess, ein Verb, eine Bewegung. Aber Widerstand fängt im Herzen an, und wenn ich mich selbst Feministin nenne, dann ist das ein Statement des Widerstands gegen den globalen Männlichkeitskult. Wenn ich mich Feministin nenne, erinnere ich mich selbst und alle, die zuhören, dass mein Körper und mein Leben nicht der rechtmäßige Besitz irgendeines Mannes sind, ob im Weißen Haus, im Repräsentantenhaus oder bei mir zu Haus.

Was genau ist außerdem dieser „globale Männlichkeitskult“? Demzufolge Definition, Operationalisierung, Indikatoren etc., damit dieser für alle erkennbar und sogar empirisch erfassbar wird? Steht irgendwo in einem Gesetz oder einer Verfassung in einem Land in Europa oder in den USA, dass de iure der Körper einer Frau der rechtmäßige Besitz eines Mannes ist? Nein?! Eben! LP ist abermals an den Strohmännern und an den Schreckgespenstern bauen, um sich flugs als Robin Hood –  pardon -, als Jeanne d’Arc inszenieren zu können. Desgleichen ein bekanntes Muster des Rechtspopulismus.

Deswegen sind die heutigen Faschisten so besessen vom Feminismus als einer zersetzenden Macht. Sie nennen ihn eine Krebszelle, und das Bild passt schon, denn wenn er einmal im Herzen ist, wird er sich weiterfressen, wird die Person, den Haushalt, die Familie, die Stadt, die Welt verändern. Wenn das Krebs ist, will ich keine Heilung.

Und erneut die Frage? Wer genau ist der heutige Faschismus? Wie viele Personen umfasst dieser? Oder anders ausgedrückt: LP baut vor allem an Schreckgespenstern – ähnlich wie der Rechtspopulismus, der ebenfalls durchweg Feinde, Missstände, Abgründe und Apokalypsen sieht.

Lächerliche Fanatiker und kleine Tyrannen

LP schreibt:

Es gibt überall Milliarden von Frauen, die nicht einfach zuschauen werden, wie die von unseren Vormüttern hart erkämpften Fortschritte von lächerlichen korrupten Fanatikern und kleinen Tyrannen kaputtgemacht werden, aus welchem Glauben heraus oder in welchem Land auch immer. Jeder Faschist weiß, dass Freiheit eine Bedrohung sein kann, aber die Frauen und Mädchen von heute sind damit groß geworden. Wer von ihnen erwartet, sie im Namen eines Nationalstolzes wieder aufzugeben, hat einen heftigeren Kampf vor sich, als er sich vorstellen kann.

Alsdann ist ja eigentlich alles gut! Bloß sehe noch nicht ein, weshalb LP so ein Lamento macht und man den Eindruck bekommt, wie der neue Faschismus, von dem wir immer noch wissen, wer dies genau ist und wer alles darunter zu subsumieren ist, angeblich sämtliche Frauen und alle Frauenrechte platt machen möchte.

Fazit

Wenn man den Text von LP liest, erhält man den Eindruck, dass hier keine Frau schreibt, die demnächst 31 Jahre alt wird, sondern eine Jugendliche in ihrer Adoleszenz. Wenn man den charakteristischen Duktus des Rechtspopulismus mit dem vorliegenden Text von LP vergleichen würde, dann bin ich mir sicher, dass man diverse Parallelen finden würde: Eher ein Schwarz-Weiss-Denken, ein mandäisches dualistisches Weltbild, kriegerische und martialische Metaphorik, mehrfach Verallgemeinerungen, die mit umkehrten Vorzeichen in Sexismus und Rassismus (junge, weiße Männer oder weiße Männer) enden, ganz allgemein keine differenziert erklärende Analyse, sondern eher Moralisierung verknüpft mit der Erzeugung von Feindbildern. Es wird gleichsam über alles und nicht gesprochen: einmal neue Rechte, dann Neofaschismus, dann neuer Faschismus, dann AfD, zusätzlich Behauptungen aufgestellt, die nicht belegt werden.

Es überrascht, dass ein solch populistischer Text Eingang in die taz findet und LP gleichsam als eine Ikone des neuen Feminismus gehandelt wird. Dessen ungeachtet ist der Hype wiederum nicht erstaunlich, zumal er sich ja geradeswegs eines populistischen Duktus und Stils bedient und daher wie der Rechtspopulismus Menschen findet, sich gerne ein Weltbild wünschen, das möglichst unmissverständlich vorgibt, wo das Böse und das Gute zu lokalisieren ist.

Ich werden diesen Text außerdem der taz-Redaktion zukommen lassen und sie anfragen, ob ich gewissermaßen eine Replik auf den Text von LP bei Ihnen veröffentlichen darf.

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18 Comments

  • Wenn ich das hier sage, ist es kein Vorwurf, denn Feministinnen tun das auch ständig. Aber die Frage nach Quellen und Beweisen ersetzt eine argumentative Auseinandersetzung nicht. Man braucht gewiss eine ganze Menge Wohlwollen, um in dem eher wirren Geschreibe ihre eigentliche Aussage zu finden, aber ich halte es für möglich. Und die These eines „großen Kulturkampfes“ halte ich nicht mal für falsch. Die offene und entscheidende Frage ist nur: wer gegen wen und worum geht es?

    • @Ih
      Ich halte die These vom Kulturkampf für reduktionistisch. Wenn man eine Analyse einer Gesellschaft, eines Staates, einer Nation, eines Kontinents oder des Weltsystems macht, müssen m.E. immer mindestens drei Faktoren miteinbezogen werden, besser jedoch noch weitere Faktoren.

      1. Ökonomie (heute Neoliberalismus, Globalisierung, Austeritätspolitik, angebotsorientierte Wirtschaftspolitik, Finanzkapitalismus oder auch Casino-Kapitalimus, digitaler Kapitalismus etc.)
      2. Politik: (heute alles das, was unter Postdemokratie verstanden werden könnte: Stichwort Repräsentationskrise
        https://de.wikipedia.org/wiki/Postdemokratie

      3: Kultur: Also alles, was eben unter Kulturkampf oder auch Identitätskrise geht: Nationalismus, Individualisierung, Globalisierung, Huntingtons Kampf der Kulturen etc.)

      1. Medien: (also Medienkrise: mit einem neuen Strukturwandel der Öffentlichkeit)
        https://www.foeg.uzh.ch/dam/jcr:00000000-13a2-35bc-0000-00004655ac23/Politik_und_Medien.pdf
      • Klar ist die These reduktionistisch. Wie gesagt sollte man das mal differenzierter und präziser analysieren. Trotzdem werden viele auch bei so einfachen Benennungen eine Vorstellung davon haben, was für Konflikte dabei gemeint sind.

    • @ lh, Mark Ich glaube auch, dass die Idee eines „Kulturkampfes“ zu kurz greift. Es geht ja offenkundig nicht allein um eine Auseinandersetzung des modernen Westens mit dem Islam, sondern auch um einen inneren Konflikt der westlichen Moderne, der über den Islam ausgetragen wird.

      Die einen sehen den Islam als eine reaktionäre, gewalttätige Politreligion an, die alle grundlegenden Werte der westlichen Aufklärung – Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, Hochschätzung des Individuums, Bedeutung der Wissenschaften, Gleichberechtigung, Pluralismus – ablehnt und bedroht. Die anderen sehen sich als Verteidiger der Muslime, und ebenfalls der westlichen Aufklärung gegen einen rechtsradikalen, dumpf fremdenfeindlichen, rassistischen Mob.

      Auf die westliche Aufklärung berufen sich beide Seiten, und mit Nachdruck.

      Der Unterscheid liegt m.E. in einer optimistischen bzw. pessimistischen Einschätzung moderner Aufklärung. Die einen betonen ihre humane Kraft, ihre Fähigkeit zur Selbstverbesserung und zum Fortschritt – und sehen dann im Islam gleichsam ein dunkles Gegenstück dazu.

      Die anderen entdecken in dern modernen Gesellschaften eher umfassende Machtstrukturen, die Menschen auf eine ihnen gar nicht mehr nachvollziehbare Weise unterjochen, nämlich in aufklärerisch kaschierter Weise. In dieser Vorstellung brauchen westliche Gesellschaften Impulse von außen, um ihre Humanität nicht zu verlieren bzw. sie wieder zu finden. In dem Sinn sprach ja auch z.B. Käßmann davon, dass Asylsuchende eine „Bereicherung“ seien.

      Die Pointe: Für eine humane aufgeklärte Gesellschaft sind beide Seiten wichtig, sowohl der optimistische Glaube an die eigene Verbesserungsfähigkeit als auch die pessimistische Skepsis gegenüber der Gewalt der eigenen dunklen Seiten.

      Ganz anders, als es die rechtspopulistische Feministin Penny wieder und wieder ventiliert, gibt es hier eine Lösung also nicht in einer immer schärferen Konfrontation. Eine Lösung gäbe es, wenn beide Seiten der jeweils anderen ihre Bedeutung zuerkennen könnten.

      Für das Verhältnis zum Islam wäre das m.E. sehr segensreich. Der Islam wäre dann keine Projektionsfläche mehr, weder dunkler Spiegel der eigenen längst überwundenen (‚mittelalterlichen“) Schrecknisse noch Inbegriff einer Unschuld, die gegen düstere Rassisten verteidigt werden muss. Statt dessen könnten wir (wir Nicht-Muslime, meine ich), anstatt uns in ihnen zu spiegeln, einfach mal nachschauen, was für unterschiedliche Positionen Muslime einnehmen.

      Wir müssten uns dann zum Beispiel entscheiden, wer als Gesprächspartner in Frage kommt und wer nicht – anstatt den Islam pauschal zu verdammen oder zu entschuldigen.

      http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hamburg_journal/Gespraech-mit-Ahmad-Mansour,hamj52924.html

      Hier versagt m.E. die Linke gerade ganz erheblich. Anstatt eine Milli Görüs-nahe Tussi wie Kübra Gümüsay zu hofieren und zu puschen, wäre es wichtig, die linken und liberalen Muslime stark zu machen. Die werden nämlich, wenn ich es richtig sehe, von westlichen, nicht-muslimischen Linken ganz erheblich im Stich gelassen.

      • Da hast Du mich missverstanden. Ich sehe keinen Kulturkampf mit dem Islam, jedenfalls nicht in unseren Breiten. Die Vorstellung von einer Islamisierung des Abendlandes halte ich für paranoiden Wahn und apokalyptische Fantasie. Möglicherweise gibt es einen solchen Kulturkampf in Teilen der islamischen Welt, so weit diese „verwestlicht“, aber hierzulande halte ich die Vorstellung, islamische Kultur und islamische Gepflogenheiten könnten sich durchsetzen, bis auf weiteres für völlig abwegig.

        Ein Kulturkampf mit dem Islam dürfte auch nicht sein, was Penny meint. Der Kulturkampf, um den es hier geht, passiert innerhalb des Westens. Es geht dabei auch um die Frage, inwieweit unsere Kultur für männliche oder weibliche Bedürfnisse „optimiert“ bzw. davon geprägt ist und es gibt wahrscheinlich auch eine Differenz zwischen matriarchalen und patriarchalen Tendenzen. Dieser Kulturkampf innerhalb des Westens ist auch kein reines „wir oder die“, sondern mehr das Ringen um einen Kompromiss. Penny & Co fühlen sich in diesem Kulturkampf dem Sieg allerdings so nahe (s. „Ende des Patriarchats“), dass sie die Notwendigkeit eines Kompromisses gar nicht mehr sehen. Da Männer und Männlichkeit aber nicht verschwinden werden, gewinnt der Konflikt an der Stelle existentielle Härte.

      • @Ih

        Ich glaube, Penny macht schon nicht nur eine Engführung auf die Geschlechterordnung, sondern sie meint m.E. Kampf gegen

        Patriarchat
        Nationalismus
        Ethnozentrimus
        Antipluralismus
        Taditionalismus

        und eben für

        Kosmopolitismus
        Diversity
        Geschlechtervielfalt
        etc.

        Nur sieht sie eben nicht, dass diese Kulturebene stark beeinflusst wird von einer ökonomischen Verteilungskrise und einer politischen Repräsentationskrise. Das ist quasi das Dilemma der Kulturwissenschaften, wie die Genderstudies, auch wenn sie sich transdisziplinär nennen, dass der Rechtspopulismus, die Neue Rechte, der Konvervatismus etc. gerade von den Modernisierungs-und Globalisierungsverlierern profitieren und dass zunehmende Individualisierung und Globalisierung sowie zunehmende Postdemokratie und fehlende politische Partizipation eben gerade die kulturellen Zuspitzungen fördert.

      • @lh & Mark. E. Smith:

        »Kulturkampf« hat im Englischen als »cultural wars« eine spezifische Bedeutung: der Begriff bezeichnet typisch amerikanische Auseinandersetzungen zwischen den Liberalen und den Konservativen, welche auch die religiöse Rechte einschließt. In einem Land, in dem Abtreibungsärzte auch schon mal erschossen werden, hat das eine im Vergleich zu Europa viel »handfestere« Bedeutung.

        Jemand wie Penny dürfte sich darauf beziehen, zumal wir uns im Kontext der Trump-Wahl befinden.

      • @Ih
        Das Missverständnis bez. „Kulturkampf“ lag vor allem auf deiner Seite, @LS schrieb ja schon: „…. sondern auch um einen inneren Konflikt der westlichen Moderne, der über den Islam ausgetragen wird“.
        Wobei „auch“ zu streichen ist, der „Kulturkampf“ ist eine rein „innerwestliche“ Angelegenheit, die von der „progressiven Linken“ ausgeht, wie du auch schon gemeint hast.

        Dieser „Kulturkampf“ ist es, der überhaupt die „Progressivität“ dieser „Linken“ (für mich sind es ja verkappte Rechtsextreme mit linker Rhetorik) ausmacht. Und diese falschen Linken haben sich mit dem Islam verbündet, um ihren „Kulturkampf“ zu führen. Insofern ist „Islamisierung“ nichts weiter als ein Begünstigen und Protegieren und Schützen des Islam vor Kritik („Islamophobie“, Gleichsetzungen Koran/Bibel und vieles mehr sind die Stilmittel). Diese „Linken“ benutzen den Islam, um über dessen „Gleichstellung“ alles mögliche an „westlliche Werten“ auszuhebeln, Justiz, Rechtsstaatlichkeit, die Ideen von Wahrheit (-> Relativismus) und Gerechtigkeit (-> „soziale Gerechtigkeit“, „Minderheitenschutz“ für „Moslems“). Eine verbindenes Element ist nicht zuletzt auch der gemeinsame Antisemitismus, mit dem die „progressive Linke“ natürlich ungern hausieren geht und für den sie mit ihren islamischen Aliierten einen wunderbaren Partner für die Drecksarbeit hat. Mit diesem Partner nun lässt man den recht erfolglosen Feminismus natürlich gleich über die Klinge springen.

        „Dieser Kulturkampf innerhalb des Westens ist auch kein reines „wir oder die“, sondern mehr das Ringen um einen Kompromiss.“

        Seitens der „Progressiven“ wird dieser „Kulturkampf“ nach dem Prinzip „wir oder die“, als reines Nullsummenspiel, in dem es keine Kompromisse geben kann, geführt. Für einen Progressiven (wie Penny) ist „der Andere“ immer der Feind, da wird nicht differenziert. Wäre ja auch entmutigend einzugestehen, dass die verschiedensten Position, die sonst nichts eint, eines sehr wohl eint: die Ablehung dieser „Progressivität“, die eigentlich nur eine ultimative anti-westliche Haltung ist.

      • @Djadmoros: Den klassischen US-Kulturkampf muss man natürlich bei der Interpretation berücksichtigen. Aber gerade im aktuellen Kontext gilt ja, dass Trump gleichzeitig der Alptraum vom Faschismus der Liberalen und gleichzeitig überhaupt kein Religiös-Konservativer ist. Trump hat ja als erstes diese klassische Front im dem Kulturkampf geschleift. Ein Mann, der seine Frauen wechselt, wenn sie ihm zu alt und hässlich werden, Atheist obendrein, hat sich die Stimmen der Religiös-Konservativen gesichert. Das muss man bei der Frage nach dem Inhalt dieses Kulturkampfes schon zur Kenntnis nehmen.

        @Mark E. Smith: Die Frage die ich mir stelle ist, inwiefern auch die ökonomische und politische Krise Symptom einer Feminisierung der Gesellschaft ist. In erster Linie interpretiere ich diese Krise natürlich als ein Scheitern des Neoliberalismus. Im Neoliberalismus herrschte der Irrglaube, dass wenn man nur die Märkte (und genau so die Politiker in ihrem Werben um die Wählergunst) machen ließe, dabei schon etwas Tolles herauskäme. Wie sich herausstellt ist das aber nicht der Fall.

        Ein mögliches Gegenmodell ist dann der „starke Mann“, Faschist!, der auch mal sagt: „Wir gehen jetzt hier lang“. Und alle gehen mit, weil sich der Chef immer gut um alle gekümmert hat.

      • @lh:

        »gerade im aktuellen Kontext gilt ja, dass Trump gleichzeitig der Alptraum vom Faschismus der Liberalen und gleichzeitig überhaupt kein Religiös-Konservativer ist«

        Die religiöse Rechte ist aber auch nur ein Teil des amerikanischen Konservatismus – die Tea-Party-Bewegung ist schon fast ein Querschnitt der Bevölkerung. Insofern sehe ich die klassischen Koordinaten des Culture Wars gerade nicht verletzt.

        Und dass Trump kein Religiöser ist, tut nichts zur Sache, weil christliche Fundamentalisten ohnehin keine Chance auf das Präsidentenamt hätten, darum müssen sie mit einem Populisten zufrieden sein, auf den sie über den von ihnen kontrollierten Teil der öffentlichen Meinung Einfluss zu nehmen versuchen. So absurd ist das daher in meinen Augen nicht.

  • [i]Es überrascht, dass ein solch populistischer Text Eingang in die taz findet und LP gleichsam als eine Ikone des neuen Feminismus gehandelt wird. [/i]

    Wenn dieses infantile und pubertäre Geschwätz als „wichtiger feministischer Beitrag“ von Feministen gewertet wird, was offensichtlich so ist, wenn es in der taz abgedruckt wird, dann zeigt das, dass der Feminismus fertig hat. Es gibt eine Niveauuntergrenze, die, wird sie unterschritten, eine argumentative Auseinandersetzung obsolet werden lässt.

    Es genügt i.m.h.o dieses unter „feministische Kackscheisse“ abzulegen. Eine argumentative Auseinandersetzung suggeriert, es gäbe da was, was bedenkenswert wäre, es gäbe da eine Argumentation, die zum Streitgespräch einlädt. Das ist nicht der Fall. Noch der dümmste Neonazi hat ein differenzierteres Weltbild als diese dumme Nuss, die auf der Feminismusschiene Karriere macht.

  • „Und wenn wir diesen Krieg nicht gewinnen, verlieren alle – sogar die auf der ‚anderen‘ Seite.““

    Penny ruft also zu einem totalen und heiligen Krieg auf, den der Feminismus zu führen hätte. Da sie ja keine Randfigur, sondern als allseits hofierte Mainstream-Figur des Feminismus gilt, ist das wohl bedeutsam.

    Mag sein, dass das an rechtsextreme Hetze erinnert, noch viel mehr aber erinnert das an religiös-fundamentalistischen, irgendwie mittelalterlichen, apokalyptischen Wahn.

    Um diesen Wahn als Schwerfeldzentrum dreht sich im die Galaxis des „links-progressiven“ Denkens, daher erkennt man im heutigen Islam auch den gleichgesinnten Partner.

    Had the “mainstream” of the public sphere, alerted by honest information professionals, developed an interest in medieval apocalyptic beliefs and “holy war,” which might have made Al Qaeda and Hamas more understandable as apocalyptic global imperialists, radicals might have been embarrassed to be associated with the folly of seeing them as “resistance warriors” ….

    http://www.theaugeanstables.com/2017/01/10/alt-mid-to-alt-lib-the-far-rights-new-fascination-with-the-middle-ages/

    Diese wahnwitzigen Linken sind nur eine kleine Minderheit, aber dafür sitzen sie geballt in den Medien, in der Politik und in eher a-demokratischen Institutionen. Es sieht so aus, als wenn sie ihre grösste Machtentfaltung heute hätten, ihr kontinuierlicher Niedergang sollte eigentlich bevorstehen. Diese schrillen Texte sind hoffentlich mal als Abgesang auf eine irre Epoche zu verstehen, die die Tendenz zur Regression ins Mittelalter (oder was man dafür hielt) hatte….

  • Nachdem hier der detailierten Begründungen m.E. einigermaßen genug zu lesen sind, fasse ich mal kurz zusammen:

    Laury Penny kann offenbar deutlich erkennbar als sich faschistoider Propaganda-Stilelemente bedienende Agit-Prop-Djihadistin einsortiert werden.

    Und scheint im derzeitigen feministischen Mainstream hochangesehen zu sein.

    Grob gesagt …..

    Das gibt zu denken …..

    • @Fiete

      Schöne Kurzfassung! Ich hätte es nicht besser machen können. Insbesondere gefällt mir dieser Abschnitt sehr guud:

      „faschistoider Propaganda-Stilelemente bedienende Agit-Prop-Djihadistin“ 🙂

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