Deutschland

Rape Culture gegen rechts!

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geschrieben von: Lucas Schoppe

Wie Spiegel-Kolumnistin Margarete Stokowski Werbung für die AfD macht

Eigentlich war ich ja der Meinung, über Margarete Stokowski schon genug geschrieben zu haben. Ihr Buch wird zudem von Anja Kümmel in der Zeit als „unendlich wichtig“ gefeiert, die Autorin selbst wird von der Süddeutschen Zeitung  als „deutsche Laurie Penny ins Gespräch gebracht – wobei nicht ganz klar ist, ob das eher als Lob oder als Beleidigung gemeint ist.

Sie hat eine wöchentliche Kolumne in Spiegel, die zumindest auf mich den Eindruck macht, dass Frau Stokowski große Schwierigkeiten hat, sich jede Woche erneut etwas dafür einfallen zu lassen. Solch eine Kolumne ist ja eigentlich ein ungeheures Privileg – und es tut mir leid für die so in Anspruch Genommene, dass sie es vorwiegend als Belastung empfinden muss.

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In dieser Woche aber passt Frau Stokowskis Kolumne beunruhigend gut in eine politische Landschaft, in der die Auseinandersetzung mit dem Gegner nicht mehr mit Argumenten, sondern dem Versuch der persönlichen Schädigung geführt wird. Sie empfiehlt dafür „mal locker-flapsig, mal kühl-analytisch“ (Zeit) die Vortäuschung sexueller Straftaten. Aber nur ganz ironisch, natürlich.

Oder?

 

Ein perfektes Verbrechen ist ein großes Versprechen

„Gerade erst hieß es in einem ‚taz’-Interview, jemanden fälschlicherweise einer Sexualstraftat zu beschuldigen, sei ‚das perfekte Verbrechen, um einen Mann aus dem Weg zu räumen, ohne selbst ein Risiko einzugehen’. Wenn man eine Weile drüber nachdenkt: ein großes Versprechen.“

Und sowas in der taz! „Hieß es“: Die Autorin kalkuliert „im kolumnenhaften Plauderton“ (Zeit) empörte Reaktionen schon mit ein und vergisst praktischerweise den Hinweis darauf, dass der zitierte Satz über das perfekte Verbrechen von Jörg Kachelmann stammt. Es ist also ein Betroffener, kein distanzierter Wissenschaftler, der dort interviewt wird. Für Stokowski macht das keinen Unterschied – schlimm genug, irgendwie, dass die linksalternative taz so einen Satz überhaupt druckt.

Sehr viel harmloser ist natürlich ihr eigener Satz, ein perfektes Verbrechen sei ein „großes Versprechen“.

„Wenn es so wäre: Was hindert uns? Gibt es nicht genug ätzende Leute, die man auf diese Art loswerden könnte? Ist es nicht geradezu fahrlässig, Despoten, Rechtspopulisten und Ausbeuter an der Macht zu lassen, wenn man sie so einfach unschädlich machen könnte? Wäre es nicht unsere heilige weibliche Pflicht, dafür zu sorgen, dass sie nicht noch mehr Schaden anrichten, bevor wir dann in Ruhe die Trümmer der letzten Jahre aufräumen? Aufräumen können wir doch auch gut.“

Stokowski kalkuliert hier wohl auf den Solanas-Effekt. Die hatte in einem irren Text den nationalsozialistischen Massenmord an den europäischen Juden zum Modell genommen und eine Auslöschung aller Männer gefordert. Obwohl die Forderung an keiner Stelle als Ironie markiert war, verstehen begeisterte Leserinnen und Leser ihn bis heute als Satire – ohne so recht sagen zu können, eine Satire worauf er denn dann sein sollte. Es wäre aber nun einmal sehr peinlich, spaßbremsend mit der Möglichkeit zu rechnen, die Holocaust-Forderung des jahrzehntealten feministischen Kultbuchs sei ernst gemeint gewesen.

Stokowski ist im Vergleich dazu sehr bescheiden. Sie will nicht alle Männer auslöschen, sondern lediglich ein paar ausgewählte Existenzen vernichten. Dass sie offen davon träumt, die Vortäuschung von Sexualstraftaten als politisches Mittel zu verwenden, ist trotzdem so irre, dass jeder halbwegs wohlwollende Mensch das nur als Satire und Ironie verbuchen kann.

Denn schließlich nimmt sich Stokowski gleich im Anschluss an den zitierten Absatz selbst zurück.

„Leider nein. Es gibt für Leute, die mit Missbrauchs- oder Belästigungsvorwürfen konfrontiert wurden, Schlupflöcher von der Größe des Weißen Hauses.“

Das heißt: Es ist eine schöne Idee, aber ach, sie klappt nicht. In der Rape Culture, der Vergewaltigungskultur, in der wir nun mal leben würden, kämen Männer damit durch, trotz scharfer Anschuldigungen von Frauen ein ganz normales Leben weiter führen zu können.

Genau genommen ist das natürlich das schlechteste Argument gegen eine Rape Culture, das je formuliert worden ist: Eine Rape Culture wäre dann eine Kultur, in der ein Mann nicht einfach weggesperrt wird, weil eine Frau ihn fälschlicherweise einer Sexualstraftat beschuldigt.

Aber das ist nicht einmal der Aspekt, der Stokowskis Text so furchtbar macht.

Das einzige Argument, das die wöchentliche Kolumnistin überhaupt gegen die Verwendung von Vergewaltigungsvorwürfen als politischer Waffe anführt, ist – dass diese Taktik nicht funktionieren würde.

Das aber stimmt ja so gar nicht.

 

Gewalt ist super – wenn sie funktionert

Stokowski und sämtliche ihrer Leser werden mit Jörg Kachelmann das Beispiel eines Mannes vor Augen haben, der einige Monate im Gefängnis saß und dessen Karriere extrem eingeschränkt wurde – obwohl sich die Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihn als Falschvorwürfe entpuppten. Viele kennen vermutlich auch das Beispiel des Fernsehmoderators Andreas Türcks, dessen Karriere sich trotz eines Freispruchs nie mehr von solchen Falschvorwürfen erholte.

Wer sich noch weiter einliest, findet auch sehr schnell die furchtbare und tragische Geschichte des Lehrers Horst Arnold, der aufgrund von falschen Vergewaltigunsgbeschuldigungen jahrelang im Gefängnis saß und der bald nach seiner Haftentlassung – die Vorwürfe hatten sich als haltlos erwiesen – an einem Herzinfarkt starb. Nadine Ahr schrieb dazu in der Zeit:

„Horst Arnold starb, weil er vom Unrecht zermürbt war, weil der deutsche Staat, dem er als Lehrer gedient hatte, ihn psychisch und physisch zugrunde gerichtet hatte.“ 

Selbst in Fällen also, in denen Falschvorwürfe sich als haltlos erwiesen haben, konnten sie existenziellen Schaden anrichten. Nach allem menschlichen Ermessen werden andere Fälle dazu kommen, in denen diese Beschuldigungen niemals als solche aufgeklärt wurden.

Das weiß Stokowski gewiss ebenso gut wie ihre Leser: Falschvorwürfe funktionieren durchaus, sie funktionieren nur nicht immer. Das haben sie mit anderen schweren Straftaten gemein. Auch ein Attentat mit Schusswaffen, beispielsweise, ist nicht immer erfolgreich. Trotzdem wäre es verrückt, wenn eine Spiegel-Kolumnistin solch ein Attentat offen empfehlen und dann herzig verkünden würde: Es sei alles Ironie, es gäbe schließlich eine Reihe von Fällen, in denen das nicht geklappt habe.

Das aber bedeutet: Das einzige Argument, dass Stokowski gegen die Nutzung von Vergewaltigungsvorwürfen als politischer Waffe anführt, ist ein Argument, von dem sie selbst ebenso wie jeder ihrer Leser weiß, dass es nicht tragfähig ist.

„Wenn es so einfach wäre, jemanden wegen Belästigung, Missbrauch oder Vergewaltigung verurteilen zu lassen oder zumindest im großen Stil unbeliebt und machtlos zu machen, dann müssten Frauen mit einem Mindestmaß an krimineller Energie das doch tun. Dann hätten linksextreme Feministinnen längst die AfD zerstört. Ich schwöre: längst.

Zack, eine Gang gegründet, zack, Flaschendrehen: Eine muss mit Höcke Frühsport machen und sich nur noch merken, ob der jetzt Bernd oder Björn heißt. Die nächste muss ihren Hintern in der Nähe von Gaulands Hand platzieren und so weiter.

Es wäre kein so großes Opfer, wenn man die dadurch loswerden könnte. Hätte, wäre, könnte, wenn: Es geht nicht.“

Am Ende ihres Textes nennt Stokowski dann also auch noch einmal ein paar Männer namentlich, die im Interesse des Gemeinwohls per Vergewaltigungsvorwurf aus dem Spiel genommen werden sollten. Spätestens hier habe ich mich dann auch gefragt, ob der Spiegel eigentlich Juristen beschäftigt, die Texte ab und zu auch mal vor ihrer Veröffentlichung durchlesen.

 

Queerfeministisch für die AfD

Doch natürlich: Es ist alles ironisch, es ist alles gar nicht ernst gemeint, und wer das trotzdem ernst nimmt, hat wohl Angst vor starken Frauen. Im gegenwärtigen politischen Klima aber muss Stokowski damit rechnen, dass jemand diesen Text als Handlungsaufruf versteht.

Ich kenne allein zwei Situationen, in denen SPD-Politiker öffentlich Druck auf Arbeitgeber ausgeübt haben, um sie zu Konsequenzen gegen Angestellte zu bewegen, die sich öffentlich für die AfD ausgesprochen hatten.

Der konservative Publizist Ronald Tichy trat von seinem Herausgeberposten bei Xing zurück, unter anderem aufgrund von Morddrohungen, die er erhalten habe – was sogleich bei Gegnern Triumphgesten provozierte.

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Ein Politiker der Grünen bezeichnete seine Zeitung rundweg als „rechtsradikal“.

Matthias oomen

In diesem politischen Klima wäre es naiv zu glauben, dass Stokowskis kaum verhohlene Aufrufe zu Straftaten und zur Vortäuschung von Straftaten bloß als Ironie verstanden werden. Denn dieser Punkt zumindest ist ganz sicher nicht ironisch gemeint: Stokowski stellt klar, dass gegen Politiker und Anhänger der AfD jedes Mittel recht ist – solange es nur dazu dient, ihnen persönlich zu schaden.

Ich habe keinerlei Sympathien für diese Partei, würde die auch niemals wählen – finde aber solch ein Vorgehen gegen ihre Mitglieder oder Sympathisanten gleichwohl irre. Einmal ganz abgesehen von den offenkundigen Schwächen im zivilen menschlichen Umgang: Wenn schon ich, als jahrzehntelanger Rot-Grün-Wähler, die Skrupellosigkeit von Stokowski und anderen im Umgang mit dem politischen Gegner abstoßend finde – wie werden dann darauf erst Menschen reagieren, die heimlich oder offen mit der AfD liebäugeln?

Wer so agiert wie Stokowski et.al., der signalisiert unweigerlich, dass ihm im politischen Disput die Argumente fehlen und dass er gegen politische Gegner nur noch auf dem Weg der persönlichen Schädigung ankommt.

Wer aber nicht einmal gegenüber einer Knalldeppenpartie wie der AfD Argumente hat – der hat generell keine.

Zweifelnde AfD-Anhänger wiederum werden bestärkt – niemand muss ihnen erzählen, dass der politische Gegner gewissenlos und hilflos agiert, das führt ihnen die queerfeministische AfD-Wahlkampfhelferin Margarete Stokowski in Deutschlands größtem Nachrichtenmagazin kostenlos vor.

Wenn von Gauland oder Höcke Strafanzeigen bei Stokowski eintreffen, dann kann sie also mit guten Gründen und treuherzig antworten, dass sie eigentlich eher mit Dankschreiben gerechnet hätte.

Weitere Beiträge zum selben Thema:

Graublau: Margarete Stokowski begrüßt Straftaten gegen politisch umliebsame Personen

Superlutz: Rape-Culture nach Spiegel-art

Breakpoint/Anne Nühm: Die Margaretchen-Frage: Was hindert Frauen an Falschbeschuldigungen?

Christian Schmidt: Margarete Stokowski: Falschbeschuldigungen gehen nicht, sonst würden es ja alle tun

Und dagegen:

Onyx: „Was wär das geil, wenn man unbequeme Männer einfach mit einer Falschbeschuldigung beseitigen könnte“

Zudem ein Kommentar bei Fefe

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43 Comments

  • Das Menschenverachtende der linke Linke wiedereinmal schön auf den Punkt gebracht.
    Die AfD hat wohl die Zerlegung der Piratenpartei genau beobachtet und ihre Lehren daraus gezogen, sonst müsste man nicht zu diesen Mitteln greifen.

  • Stokowski versucht wohl eine Mischung aus Agree & Amplify und einem argumentum ad adsurdum. Sie übersieht dabei freilich, dass Männer meistens keine Hühner sind, deren irrationale Ängste man auf Gefühlsebene wieder einfangen könnte.

    Und sie übersieht, dass es sehr wohl möglich ist, Parteien mit Sexismusvorwürfen etc. zu ruinieren. Nur suchen sich Feministinnen dafür bevorzugt eher linke Parteien, wie seinerzeit die Piraten und den Eintritten nach demnächst eventuelle die Linke. Keine Ahnung, warum die das nicht bei der AfD machen?

    • „Stokowski versucht wohl eine Mischung aus Agree & Amplify und einem argumentum ad adsurdum.“ Ich glaube, dass sie einfach zwei ganz gegenläufige Impulse verbindet.

      Einerseits versucht sie Männer lächerlich zu machen, die sich durch Falschvorwürfe ernsthaft bedroht fühlen. Dass sie dazu ausgerechnet Kachelmann zitiert (ohne aber den Namen zu erwähnen), ist natürlich an sich schon verrückt.

      Andererseits ist die Aggression gegen AfD-Leute mit Sicherheit nicht einfach nur absichtlich ins Absurde überzogen, um solche Aggressionen lächerlich zu machen. Es gibt keinen Grund,nicht davon auszugehen, dass sie das tatächlich ernst meint: dass gegen AfDler jedes Mittel recht sei, wenn es sie denn stoppen würde.

      So verbindet sie dann den Versuch, Befürchtungen durch absurde Überspitzungen ins Lächerliche zu ziehen, mit ganz realen Schädigungswünschen. Getragen wird diese widersprüchliche Struktur durch Ressentiments, die bei vielen, die sich für links halten, gar nicht mehr in Frage gestellt werden: Ressentiments gegen Männer und gegen „Rechte“. Was für viele ohnehin ungefähr dasselbe ist.

      Das alles bewegt sich ganz realitätsentkoppelt auf der Ebene von Imaginationen und Ressentiments, völlig desinteressiert daran, wie real der Schaden ist, über den Stokowski da so keck und lustig daherplaudert. Daher übrigens auch die Überschrift „Rape Culture gegen rechts!“, die ja eigentlich überhaupt keinen Sinn ergibt (so wie Stokowskis Text). Es ist einfach eine beliebige Kombination etablierter Versatzstücke und Phrasen – wird schon stimmen, irgendwie.

  • „Wer so agiert wie Stokowski et.al., der signalisiert unweigerlich, dass ihm im politischen Disput die Argumente fehlen und dass er gegen politische Gegner nur noch auf dem Weg der persönlichen Schädigung ankommt.“

    Das halte ich für eine Fehleinschätzung. Wer so vorgeht, der weiß ganz genau, daß seine Machtposition so umfassend und moralisch so gut abgesichert ist, daß er keine Argumente mehr benötigt und den Gegner allein durch persönliches Mit-dem-Finger-verächtlich-drauf-Zeigen vernichten kann – ohne, daß es schädliche Auswirkungen hätte, wenn ihm das (wie von diesem Artikel) zum Vorwurf gemacht wird.

    • @ Elmar Das schätze ich genau so ein, wie Du es beschreibst.

      Aber das ist Stokowskis eigene Perspektive (wenn wir denn Recht haben). Darüber hinaus signalisiert sie ja mehr, als sie vermutlich signalisieren möchte – dabei geht es dann nicht nur um ihr Selbstverständnis, sondern um das, was bei anderen ankommt.

      Wenn ich AfD-Anhänger wäre, oder mit der Partei liebäugeln würde, dann würde mich diesen Drang nach persönlicher Schädigung der politischen Gegner ungeheuer wütend machen – und ich würde ihn als stillschweigendes Eingeständnis werten, dass sie keine Argumente hat und deshalb zur Gewalt greifen muss.

      Ich würde sie so wahrnehmen wie irgendeinen Schulhof-Bully, der so unbedarft ist, dass er einem manchmal sogar etwas leid tun kann – solange man nicht gerade von ihm etwas auf die Fresse bekommt.

      Das alles mag Stokowski übrigens egal sein – es bringt der AfD trotzdem Stimmen

  • Hm. Aber es ist doch ein rhetorischer Standardtrick, schlimmste Verleumdungen, Forderungen, Beleidigungen usw. zu äußern, indem man sich damit immunisiert, es ironisch zu meinen. – Frauen sind wahre Meisterinnen im Morden mit der Zunge, wie nicht erst die alten Griechen wussten.

    Ich würde es so ausdrücken: Männer morden mit der Hand, Frauen morden aber mit der Zunge.
    Antifa-Männer schmeißen Steine, Antifa-Frauen auch? Nee. Die werfen ihre Steine schriftlich im Internet. Und treffen.
    Ich kaufe Margarete Stokowski die angebliche Ironie nicht mehr ab. Sie ist bloß feiger als Laurie Penny, obwohl ich ihr trotzdem zugestehe, dass sie auch weniger fanatisch ist.

    Trotzdem:
    1. Auf der Zunge Honig, unter der Zunge Essig.
    2. Böse Zungen schneiden schärfer, dann ein Schwert.
    3. Eine Zunge ist schon zu viel, klagte der Bauer, als seine Frau sang: O dass ich tausend Zungen hätte!

    😉

    • „Aber es ist doch ein rhetorischer Standardtrick, schlimmste Verleumdungen, Forderungen, Beleidigungen usw. zu äußern, indem man sich damit immunisiert, es ironisch zu meinen.“

      Richtig. Ironie funktioniert aber nur (und ist auch nur dann sinnvoll bzw. zulässig, wenn man keine Mißverständnisse will), wenn die Leser/Hörer die Überzeugungen des Sprechers genau kennen und klar entscheiden können, daß eine bestimmte Aussage nicht ernst gemeint sein kann.

      Bei Stokowski kann man aufgrund ihrer diversen Publikationen plausibel nur von einem alles durchdringenden Haß auf Männer (oder diplomatisch formuliert gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit) bzw. einem ausgeprägten Feindbild ausgehen. Vor diesem Hintergrund kann man ihre Aussage in diesem Text eben nicht eindeutig als ironisch klassifizieren.

      Sofern man überhaupt einen klaren Sinn darin entdeckt. Sie will offenbar die Frage in Titel „Gibt es eine weibliche Geheimwaffe?“ verneinen bzw. die darin unterstellte Behauptung, es es gäbe eine solche Geheimwaffe, widerlegen. Daran scheitert sie grandios und blamiert sich nur mit mehreren Denk- bzw. Argumentationsfehlern, deren Aufzählung ich mir spare. Das ganze ist vermischt mit allgemeiner kontrafaktischer feministischer Propaganda („Schlupflöcher von der Größe des Weißen Hauses“).

      Beruhigend finde ich die Kommentare unter ihrem Artikel. Der Unfug, den sie in ihrer Kolumne verbreiten darf, bleibt nicht unwidersprochen. Alleine unter den 10 Kommentaren auf der ersten Kommentarseite sind die Hälfte ziemlich gute Gegenargumente.

  • Genauso, wie man Männer nicht sexistisch diskriminieren kann, kann man sie auch nicht schlecht behandeln, da sie an der Macht sind. Männer sind selbst dann noch privilegiert, wenn sie obdachlos in der Gosse liegen, so die feministische Logik.

  • Danke, Schoppe. Wie immer ein hervorragend geschriebener Text.

    Dass die Texte von Frau Stokowski mit sowohl journalistischer wie auch literarischer Qualität so viel zu tun haben, wie Angela Merkels Agieren mit einer klar erkennbaren politischen Linie, ist ja nun nichts Neues.

    Dennoch lässt es mich einigermaßen fassungslos zurück, dass inzwischen selbst derlei wirres Geschreibsel mit einer fluffig präsentierten Note Volksverhetzung (Falschbeschuldigungen gegen Menschen, deren politische Ansichten einem nicht passen, als mehr oder weniger legitimes Vorgehen darzustellen) in der Onlineausgabe einer derart großen Zeitschrift offenbar ohne jegliche Bedenken veröffentlicht wird.

    Man stelle sich vor, ein Schreiberling aus einer anderen politischen Ecke würde in einer Kolumne darüber sinnieren, die (durchaus realistischen) Befürchtungen von Migranten zu nutzen, um durch die Bestätigung dieser Befürchtungen gegen Flüchtlingsströme und die „Islamisierung“ oder „Überfremdung“ vorzugehen. Dies alles natürlich damit relativierend, dass diese Gedankenspiele natürlich nicht umsetzbar seien, weil man in unserer Islamisierungs- und Rassenvermischungskultur damit niemals irgendwie erfolgreich sein könnte.

    Die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, die in einem solchen Text mitschwänge, wäre jedem halbwegs vernunftbegabten Menschen sofort offensichtlich und kein Redakteur, der noch bei klarem Verstand wäre, würde so etwas sein OK geben.

    Aber sobald auf etwas das Label „Feminismus“ prangt und dies dann noch durch stumpfe, unter der zumeist hohlen Phrase „Kampf gegen Rechts“ zu subsummierende Floskeln als „links“ verkleidet wird, scheinen jegliche Überprüfungen von qualitativen wie ethischen Mindestansprüchen an zu veröffentlichende Texte obsolet.

    Herr Martenstein hatte das in einem Text mal sehr treffend formuliert. Er schrieb (frei zitiert), es gäbe nichts enthemmenderes als die feste Überzeugung auf der Seite des Guten zu stehen. Ich denke Frau Stokowski sowie die SPON-Redaktion haben hiermit diese Aussage ein weiteres Mal eindrucksvoll bestätigt.

  • Guter Aufsatz, mit vielen guten Punkten, nur diese Aussage gefällt mir ganz und gar nicht:

    „Wie Spiegel-Kolumnistin Margarete Stokowski Werbung für die AfD macht.“

    Dass Stokowski Werbung für die AfD machen würde ist ein Vorwurf, der absurd ist und in die Richtung geht, wie die „links-liberalen“ Medien Terror relativieren und verharmlosen a la „Terroranschlag in Jerusalem: jetzt wird die isrealische Rechte gestärkt“ (Paraphrase) oder: „Anschlag eines geistig Verwirrten, Moslemorganisationen fürchten Islamophobie“.

    Solche erst mal spitzfindigen Befunde, an denen „was dran ist“, wie an „Margarete Stokowski macht Werbung für die AfD“ sind mit grösster Vorsicht zu geniessen, da sie nur irreführend und kontraproduktiv sind sobald man sie ernst nimmt.

    Ein wichtiger Prozess im fortschreitenden Ernstnehmen geht dann darüber, dass man sich zuerst selbst einredet und dann wohl als Ablenkung anderen gegenüber denen weismacht, man meine das ja irgendwie „ironisch“ oder „satirisch“.

    Das war die grösste Stärke der aufkommenden Naziideologie damals: „Also, das kann man ja nicht ernst nehmen. Das kann ja unmöglich so gemeint sein.“

    • Paradebeispiel für „Also, das kann man ja nicht ernst nehmen. Das kann ja unmöglich so gemeint sein.“:

      Aus dem „Querschnitt“, der vermutlich überragenden Intellektuellen- und Künstlerzeitschrift der Weimarer Repubik, irgendwann zwischen 1924 und 33 in den „Marginalien“:

      Levitenfahne und jüdisches Flaggenlied

      Die Leute ums Hakenkreuz halten sich bekanntlich für Arier und sind überzeugt, wenn sie es auch nicht bestimmt wissen, dass jeder von ihnen die Götter Walhalls in nächster Verwandtschaft hat. Wenn gar einer zufällig mit blauen Augen und blonden Haaren auf die Welt gekommen ist, was dazwischen der Fall sein soll, dann hält er sich selbst für den wiedergeborenen Siegfried. Weil das nun aber mit den Augen, Haaren und Nasen eine eigene Sache ist (man kann nie wissen!), haben sich unsere „Völkischen“ neben dem Hakenkreuz ein anderes geminsames Symbol verschafft. Es sind die Farben schwarz-weiss-rot. Von diesen Farben nehmen sie an, dass sich darunter nur Arier finden könnten, obwohl nicht recht einleuchtet, warum auf diese Farbenzusammenstellung nun gerade nur „Arier“ ein Privilegium haben sollen.

      Kann man sich nun ein Mensch vorstellen, dass bereits 700 v. Chr. in Palästina die Fahne schwarz-weiss-rot geweht hat? Die Wissenschaft hat es herausgebracht: Schwarz-weiss-rot sind die Stammesfarben eines der zwölf Stämme Israels gewesen. Und jetzt rate einer, welches Stammes wohl: Der *Stamm Levi* (ausgerechnet!), von allen zwölf Stämmen Israels der von meisten Eifer und Fanatismus für reine Rasse und Lehre besessene Stamm, ist damals unter schwarz-weiss-rotem Banner ausgezogen. Was sagt H. St. Chamerlain dazu? Wird er etwa den ganzen Stamm Levi für Arier erklären, wie er bereits Jesus von Nazareth zum Germanen gemacht hat? Das wäre eine sehr einfache und gar nicht unsympathische Lösung der antisemitischen Frage. Der ganze Radau ist doch überflüssig, wenn die Leviten mit unseren Völkischen die gleichen Gesinnungsfarben gemeinsam haben. Bisher glaubten die Hakenkreuzritter, die republikanischen Farben schwarz-rot-gold wären eine jüdische Erfindung. Was werden sie zu dem peinlichen Zusammenhang sagen, der sich für schwarz-weiss-rot aus der Festellung der Wissenschaft ergibt?

      Das Leben ist manchmal von einer unbegreiflichen Gemeinheit. Da singen unsere „Arier“ mit Vorliebe in vorgerückten Stunden, wenn sie die Begeisterung beim Wickel haben, ein sehr schönes Lied. Es geht an: „Stolz weht die Fahne schwarz-weiss-rot ….“ Aus meinen Flegeljahren erinnere ich mich, dass dieses Lied zum eisernen Repertoire der bekannten *Volksfestkapelle Lang* gehört hat, die es immer brachte, wenn *noch eins* getrunken werden sollte. Dieses treudeutsche Lie, dem man förmlich die Blauaugen und die Blaujacken ansieht, ist nun von einem gewissen Robert Lindner gedichtet. Kein Handbuch der deutschen Literatur gibt Aufschluss über die sonstigen Taten dieses „Dichters“, von dem bisher angenommen worden ist, dass er ein wackerer Seebär von der Wasserkante sein müsste. Aber Robert Lindner ist kein Seebär, sondern ein waschechter Jude und hat die deutsche Flotte, die er so schwungvoll besingt, höchstens auf Ansichtskarten oder im Deutschen Flotten-Almanach studiert. Es ist schon ein Verhängnis mit diesen Farben schwarz-weiss-rot. Fast scheint es, als hätten die Juden eine noch grössere Vorliebe für diese Farben, als unsere Völkischen selbst; denn greift man dahinter, zuerst hinter die Fahne des wilhelminischen Deutschland, dann hinter das vielgesungene Flaggenlied, immer kommt ein hebräischer Ursprung heraus. Wann findet sich der Komödiendichter, der diesen dankbaren Stoff aufgreift?

      Schiller hat schon recht mit seiner Behauptung, dass „des Lebens ungemischte Freude“ keinem Sterblichen zuteil wird, auch wenn er noch so fest glaubt, von den alten Germanen abzustammen, die unseres Wissens keine Fahne schwarz-weiss-rot gehabt und auch nichts von dem Flaggenlied des Robert Lindner gewusst haben. M.P.

      S.98 „Der Querschnitt. „Das Magazin der akutellen Ewigkeitswerte“ 1924-1933, Ullstein 1981

      Absolut gruselig, das aus heutiger Perspektive zu lesen.

      • Wieso gruselig? Das ist bessere Satire, als der Autor damals wusste. Inzwischen ist klar, dass ausgerechnet die Kennzeichen des „Ariers“, weiße Haut, blaue Augen, blonde bis rote Haare aus dem Genpool des Neandertalers stammen. Eindeutig Merkmale von „Rasseunreinheit“ 😉

      • @Hugh

        Man kann die Inhalte von irrationalem politischem Hass immer leicht damit verspotten, wenn man auf die fehlende oder widersprüchliche Logik hinweist. Das trifft aber letztlich nicht. Das wollte ich mit diesem Text zeigen.

        Aus heutiger Perspektive ist diese damalige Satire gruselig, da die neue antisemitische Progaganda ganz vergleichbar Muster benutzt wie diese Satire von gestern, um Israel als „ultrarechts“ etc darzustellen, als „weissen Kolonialstaat“ etc.

    • @ Alex „Solche erst mal spitzfindigen Befunde, an denen „was dran ist“, wie an „Margarete Stokowski macht Werbung für die AfD“ sind mit grösster Vorsicht zu geniessen, da sie nur irreführend und kontraproduktiv sind sobald man sie ernst nimmt.“

      Ich finde das gar nicht mal so spitzfindig. Es gehört nun einmal zur Logik der Feindschaft, dass man beständig darum bemüht ist, die eigenen Reihen geschlossen zu halten (keine Fraternisierung! keine Verräter!) – und dass man damit zugleich dem Feind, der ebenso agiert, hilft, seine Reihen geschlossen zu halten.

      Stokowski ist keine AfD-Wahlkampfhelferin, weil sie die AfD so toll findet – sondern weil die dezivilisierten Feindschaftsstrukturen, in denen sie agiert, immer zugleich auch dem „Feind“ helfen. Vorausgesetzt, dass der an ähnlichen Gut-Böse-Strukturen interessiert ist – was ja bei der AfD der Fall ist.

      Ansonsten geht es mit nicht darum, so zu tun, als ob Stokowskis öffentliches Liebäugeln mit schweren Straftaten erst dadurch zum Problem werden würde, dass es der AfD nützt. Es wäre auch ohne diesen Effekt unverzeihlich.

      • @Lucas
        „Es gehört nun einmal zur Logik der Feindschaft,“

        Der „Feind“, den Stokowski ausmacht kann sehr verschieden ausfallen, es sind ja „alle Anderen“ (die diese Weltanschauung nicht teilen). Natürlich fokussiert sich das auf die AfD, gemeint sind aber eigentlich „alle Anderen“.

        Es ist so ein wenig den Kopf in den Sand stecken, wenn man angegriffen wird und dann nur auf die eventuell bösere Rückreaktion verweist, die von Dritten passieren könnten.

        Man kann es auch so sehen: Es kann auch gut sein, dass viele Leute diese Partei AfD wählen. Dann kommen da neue Leute rein und können die ganzen Geisterfahrer dort verdrängen.

        Jede Partei hat immer mit x-beliebiger Menge von Querulanten, Maulwürfen, Irren zu rechnen, die sich dort „einbringen“ wollen, besonders bei grossen Wachstum. Demokratische Strukturen müssen wachsen und auch reifen. Wohin sich Parteien entwickeln ist natürlich nicht klar.

        Die alten Parteien haben versagt und einfach daran festzuhalten wird garantiert nicht gut ausgehen. Dann ist es besser „etwas zu riskieren“. Von Sirenengesängen sollte man sich nicht so beeindrucken lassen. Vor allem von denen nicht, die so abgrundtief verlogen sind wie die vom Spiegel. Am Ende können die sich in ihrem Hass alle gegenseitig zerreissen. Ihre Ideologie, die überall Verrat wittert, eignet sich im besonderen Masse dazu. Man könnte Stokowski als eine begrüssen, die die progressive Ideologie so hoch hängt, dass keiner mehr drankommen kann. Wer kann sich schon mit dieser hinterhältigen, hämischen Ausdrucksweise identifizieren?

        Das einzige was hilft, ist den Leuten klar zu machen, dass sie den Spiegel nicht kaufen sollen, damit sie diese Politik vom Spiegel nicht unterstützen. Vielen ist das immer noch nicht klar und lesen „drüber weg“.

      • Lucas Schoppe sagt:
        „Stokowski ist keine AfD-Wahlkampfhelferin, weil sie die AfD so toll findet – sondern weil die dezivilisierten Feindschaftsstrukturen, in denen sie agiert, immer zugleich auch dem „Feind“ helfen. Vorausgesetzt, dass der an ähnlichen Gut-Böse-Strukturen interessiert ist – was ja bei der AfD der Fall ist.“

        Auf welchem Höhepunkt der Zivilisation gab es denn mal keine Feindschaftsstrukturen?! Klingt für mich fast so, als würdest du dich mit Hilfe von Gut-Böse-Feindschaftsstrukturen von Stokowski und AfD abgrenzen wollen. Du wärst zivilisiert, sie nicht 😉

        Lucas Schoppe sagt:
        „Ansonsten geht es mit nicht darum, so zu tun, als ob Stokowskis öffentliches Liebäugeln mit schweren Straftaten erst dadurch zum Problem werden würde, dass es der AfD nützt. Es wäre auch ohne diesen Effekt unverzeihlich.“

        Ich glaube nicht, dass sie tatsächlich mit Straftaten liebäugelt. Sie nutzt es nur als – aus ihrer Sicht – unglaubwürdiges Gedankenspiel, um zu zeigen, wie absurd Falschbeschuldigungen sind. Mich stößt eher ab, dass sie impliziert, dass Frauen Falschbeschuldigungen SOFORT EINSETZEN WÜRDEN – wenn sie nur funktionieren würden. Das sagt viel über Frau Stokowski aus – was ich selber denk‘ und tu’…

  • Guter Text, aber bei der Liste der prominenten Opfer von Falschbeschuldigungen fehlt einer sehr, Gustl Mollat, den seine Frau per Falschbeschuldigung von der Justiz aus dem Weg räumen ließ, um Straftaten ihres Arbeitgebers (und eigene?) zu verdecken.

  • PS: wenn Du die AFD niemals wählen würdest, wirst Du weiterhin unter dem rot/grünen Kampf gegen Männer leiden müssen. Nicht wählen ist keine Lösung, und wer ist sonst da? Die feministische Ideologie hat sich ja auch schon bis in die CDU gefressen.

    • Vielleicht muss man in den sauren Apfel beißen und aus Protest FDP wählen (klingt absurd 🙂 ich weiß, dass es in NRW-FDP männerfreundliche Positionen gibt und z.B. Männerrechtler auf Initiative einer FDP-Angeordneten zu einer Anhörung im Landtag eingeladen wurden.

      • Und Du glaubst , die kämen in den Bundestag? Sorry, ich glaube es nicht. Das wäre eine verschenkte Stimme, wie beim Nichtwählen. Nein der Schock muss so groß sein, dass unsere „etablierten“ „Volks“parteien sich wieder darauf besinnen, dass das Volk eben nicht nur aus akademisch gebildeten Möchtegern Topmanagerinnen und Hasspredigerinnen besteht.

      • @ Hugh Es gibt bei der AfD viel zu viel, das ich verrückt finde. Die Aufspaltung und Wiedervereinigung der Fraktion in BW, natürlich auf Kosten der Landeskasse – weil es ewig gedauert hat, bis ein antisemitischer Hetzer die Fraktion verlassen hat. Das Sonderlob eines Mitglieds der BVV in Berlin-Marzahn für den Nazi-Massenmörder Heydrich. Trixis Erfindung des „Mausrutschers“. Der Plan, die Sozialhilfe zu privatisieren. Die Hetze gegen Merkel, die über Kritik weit hinaus geht („Zwangsjacke“ etc.). Und mehr. Bei allem Wunsch, etablierten Parteien zu zeigen, dass sie jenseits des Erträglichen gelandet sind – so eine Partei werde ich nicht wählen.

        Ich glaube allerdings, dass die FDP in den Bundestag kommen wird. Das war in meiner Schul- und Studienzeit meine Hasspartei – heute finde ich sie auch wählbarer als alles andere. Was noch lange nicht heißt, dass mir daran alles gut gefällt. Insofern, @Klaus, so geht es mir auch. 🙂

    • Ich denke, man darf da nicht zu sehr in der reinen Manosphere-Bubble denken, wenn man politische Parteien beurteilt. Für mich gibt es neben Geschlechterpolitik noch viele Felder, die ich ebenfalls sehr wichtig finde und da finde ich z. B. bei der AfD nichts, was mich dazu verleiten könnte, sie zu wählen.

      Ich glaube auch nicht, dass man, abseits der Ablehnung des Gender-Irrsinns mit seinen Sprachverstümmelungsansinnen, von der AfD eine effektive geschlechterpolitische Position erwarten kann. Vielleicht gingen sie auch noch gegen Quoten an, aber das wäre für mich eher den Überbleibseln aus den Anfangszeiten dieser Partei geschuldet, wo sie sich vor allem gesellschaftlich konservativ und wirtschaftlich marktliberal positioniert haben (unter Lucke). Aus männerrechtlicher Sicht betrachte ich die AfD als einen falschen und eher kontraproduktiven Freund. Betrachtet man, wie die AfD in den letzten Jahren deutlich an Attraktivität für klar braune Knalltüten gewonnen hat, die wohl keine Lust mehr hatten, ihre Zeit mit einer Partei zu verbringen, die außer in ein bis zwei ostdeutschen Landtagen nirgends auch nur in die Nähe politischer Relevanz gekommen ist und sich nun lieber da rumtreiben, wo vielleicht demnächst sogar der Bundestag winkt, wäre es im Ringen um soziale Akzeptanz fatal, wenn Männerrechtler auf Kuschelkurs mit der AfD gingen. Leichter könnte man es durchgeknallten Feministinnen und ihren medialen Allies nicht machen, männerrechtliche Anliegen auch weiterhin zu denunzieren; dann zur Abwechslung sogar mal mit Belegen für die eigenen Aussagen.

      In den eingangs erwähnten anderen Feldern vertrete ich ganz klar eher linke Positionen. Diese Positionen werden von der AfD nicht nur nicht vertreten, sondern, wenn man sie mal dort ankratzt, tendenziell gar konterkariert. Somit ist die Partei für mich unwählbar, egal was die so über Gender und Intersektionalismus denken.

      Die CDU ist diesbezüglich auch nicht besser aufgestellt und außerdem wähle ich die, als ehemaliger Stammwähler der SPD, schon aus Prinzip nicht… XD

      Eigentlich fällt die FDP für mich auch darunter, auch wenn ich in letzter Zeit von einigen Landtagsabgeordneten, auch in Sachen Geschlechterpolitik, Sachen gehört und gelesen habe, die mir erschreckend gut gefielen. Auf einmal verstehe ich den Furor und die geistige Gymnastik intersektionaler Feministinnen etwa im Zuge von Köln vor einem Jahr. Die kognitiven Dissonanzen sind schon nicht leicht wegzustecken, wenn lange gepflegte Feindbilder und mit ihnen teils auch Weltanschauungen ins Wanken geraten. Allerdings versuche ich auch, im Gegensatz zu genannten Kreisen, in solchen Fällen mein eigenes Weltbild zu prüfen und ggf. zu überarbeiten, anstatt bloß alles für mich so umzudeuten, dass es dann doch wieder irgendwie in meine vorgefertigten Klischees und Ressentiments passt.

      Die FDP hielte ich allerdings auch aus linker Sicht für akzeptabel, wenn sie tatsächlich zu ihren sozialliberalen Wurzeln zurückfänden und nicht mehr, wie unter Westerwelle, Brüderle, Lindner und Rösler Liberalismus ausschließlich auf Marktliberalismus beschränken.

      Es ist schon nicht leicht, will man mit seiner Stimme ein klares Zeichen für traditionell linke Politik setzen. Die einzige relevante Partei, die noch halbwegs glaubhaft solche Positionen vertritt, ist die Linke, bei denen kauft man aber eben genau denselben Gendermist gleich mit, den man auch bei allen anderen, nur in leicht variierenden Härtegraden, vorgesetzt kriegt. Außerdem hauen die auch immer wieder Sachen raus, mit denen sie zu versuchen scheinen, mit den Grünen auf dem Feld der Peinlichkeiten konkurrieren zu wollen. Auch wenn die Grünen in der Disziplin noch immer beständig ihrer Favoritenrolle gerecht werden konnten.

      Ich muss wirklich sagen, dass ich noch nie, ein dreiviertel Jahr vor einer Bundestagwahl, derart ratlos war, was ich wählen sollte… 🙁

      • FDP ist die „rationale Wahl“, eigentlich ein no-brainer.

        Demokratie ist eben auch die Möglichkeit der Wahl des geringsten Übels 😉

        Sonst kann man sich mit dem Gedanken trösten, dass es im Zweifelsfall auf Deutschland und „Europa“ ohnehin nicht ankommen wird.

      • „Demokratie ist eben auch die Möglichkeit der Wahl des geringsten Übels “

        Ja, damit habe ich mich eigentlich auch schon länger abgefunden. Es fällt mir nur im Vierjahresrhythmus immer schwerer, unter all den Übeln noch das geringste zu eruieren… 😉

      • Man muss das taktisch sehen und der „Groko“ das grösstmögliche ko verpassen. Also wählen, aber nicht CDU/CSU/SPD/Grüne. Dummerweise könnte sich natürlich sein, dass die FDP sich wieder nur anbiedert. Aber man gibt ihnen eine Chance sich weiter zu entwicklen.

  • Man könnte angesichts dieser News glatt glauben, dass da jemand die Anregung von Frau Stokowski ernst genommen hat: http://archive.is/CslYn (das ist ein Spiegel einer Bild-Meldung, nach der Brandenburgs AfD-Vizefraktionsvorsitzender Kalbitz anonym wegen sexueller Belästigung angezeigt wurde).

  • Sg Hr. Schoppe
    ich kann Sie beruhigen: potentielle AfD-Leser lesen keine Margaret Stokowski mehr, von daher ist keine große Gefahr daß solche Artikel der AfD Wähler zutreiben; und Spiegel lesen Sie auch nicht mehr (trotz des Feigenblatts Scheithauer oder war es Schidlhauer? habe ich schon vergessen)

    • Da sind Sie den fake news vom dummen AFD-Wähler aufgesessen. Neben Tichy und der Achse lese ich FAZ, Zeit, Spon und die Welt (alle Online). In meinem Bekanntenkreis (viele zukünftige AFD-Wähler), kennen fast alle Stokowski und ihren Lieblingsgegner Don Alphonso.

  • Dass sie offen davon träumt, die Vortäuschung von Sexualstraftaten als politisches Mittel zu verwenden, ist trotzdem so irre, dass jeder halbwegs wohlwollende Mensch das nur als Satire und Ironie verbuchen kann.

    Denn schließlich nimmt sich Stokowski gleich im Anschluss an den zitierten Absatz selbst zurück.

    „Leider nein. Es gibt für Leute, die mit Missbrauchs- oder Belästigungsvorwürfen konfrontiert wurden, Schlupflöcher von der Größe des Weißen Hauses.““

    Das letzte ist natürlich nichts andere als der Bezug auf die übergeordnete feministische Verschwörungstheorie vom „Patriarchat“, hier mit der Präsidentschaft Trumps in Verbindung gebracht. Der Feminismus erschöpft sich ja im Erfinden immer neuer Codewörter für dieses Konzept.

    Dass daraus aber die grosse Resignation resultuieren würde (müsste so sein, denn angeblich ist´s ein über- und allmächtiger Gegner mit dem man es zu tun hat), ist nicht so, im Gegenteil: Diese Verschwörungstheorie dient vielmehr immer dazu, immer radikaleren „Widerstand“ zu mobilisieren und so wird klar, dass Stokowski keinesfalls die so schön indirekt untergeschobenen Massnahmen als sinnlos erachtet, sondern als derzeitiges Mittel der Wahl anpreist. Nach dem alten Motto: du hast keine Chance, drum nutze sie.

    Und wer weiss, ob nicht doch Juristen hinter solchen Elaboraten stehen.

  • oben steht

    „Ich habe keinerlei Sympathien für diese Partei, würde die auch niemals wählen – finde aber solch ein Vorgehen gegen ihre Mitglieder oder Sympathisanten gleichwohl irre. Einmal ganz abgesehen von den offenkundigen Schwächen im zivilen menschlichen Umgang: Wenn schon ich, als jahrzehntelanger Rot-Grün-Wähler, ……“

    wie kann man bei den Methoden (offen zu Gewalt und Straftaten gegen andersdenkende aufrufen bzw Gewalt zu verharmlosen, wenn sie von linken kommt, Arbeitgeber unter druck setzen usw.) dann Rot oder Grün wählen??

    Auch ein Sitzstreik gegen Demonstranten ist Antidemokratisch

    das Versammlungs- und Demonstrationsrecht ist ein Grundrecht und da kommt es nicht darauf an ob dem einen oder anderen die Meinung der Demonstranten gefällt oder nicht

    es ist schon erstaunlich was in der Gesellschaft abgeht, wer eine andere Meinung als die der „politisch Korrekten“ (wer auch immer das sein mag – wird von linken Medien, Politikern und Promis definiert – vor allem sind sie unter den Linken zu finden) vertritt, wird öffentlich demontiert, von Medien, in sozialen Netzwerken usw

    die Roten, Grünen Politischen Gruppierungen und deren Anhänger entwickeln sich immer mehr zu Faschisten

    • @ Franz Ich habe jahrzehntelang rot-grün gewählt, mache das aber nicht mehr. Der Grund dafür ist gerade der rot-grüne Umgang mit abweichenden Meinungen. Das betrifft meine eigene Meinung in manchen Fällen (z.B., was den Umgang mit Trennungsvätern betrifft), als auch den Umgang mit Meinungen, die ich selbst überhaupt nicht teile (dass z.B. nicht nur AfD-Anhänger, sondern auch ganz gewöhnliche Konservative als „rechtsradikal“ gewertet werden, finde ich verrückt und anmaßend).

  • Lucas Schoppe schreibt:
    „Ich habe keinerlei Sympathien für diese Partei, würde die auch niemals wählen“
    Wenn ich mir dein Blog so anschaue, scheint es genau ein politisches Thema zu geben, was dich mehr beschäftigt, als andere politische Themen. Welche Partei gewichtet denn dieses Thema angemessen?

    • Zum Glück scheint der Autor dieses Blog genügend moralische Integrität zu besitzen, um die rechten Hetzer von der AfD trotz einzelner männerpolitischer Lichtblicke trotzdem nicht in Erwägung zu ziehen. So geht es übrigens auch mir. Insofern kannst Du Deine ständigen Werbeversuche auch sein lassen. Die offene Ausländerfeindlichkeit in dieser Partei ist einfach zu ekelhaft.

      • Entweder verwechselst du mich mit jemand anders (das ist mein dritter Kommentar in diesem Blog) oder du reagierst auf Fragen immer auf diese Weise. Die Frage war übrigens völlig ernst gemeint und bewusst offen formuliert.

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