AfD und Neonazismus

Nie geraten die Deutschen so sehr außer sich, wie wenn sie zu sich kommen wollen. Kurt Tucholsky

Die AfD war auch hier im Blog war immer mal wieder Thema, in Artikeln wie in Kommentaren. Ich selbst hatte gerade erst skizziert, warum die AfD in meinen Augen überhaupt keine seriöse Option ist.

Nun hat Björn Hocke, Sprecher der AfD in Thüringen, in Dresden eine Rede gehalten, die von der Bild-Zeitung sogleich als „Nazi-Rede“ geführt wurde. „Kein Einfluss für das Neonazipack!“, forderte ebenso schnell der SPD-Politiker Ralf Stegner. Josef Schuster, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschlands, formulierte im Ton ziviler, aber inhaltlich ebenso scharf:

„Die AfD zeigt mit diesen antisemitischen und in höchstem Maße menschenfeindlichen Worten ihr wahres Gesicht“.  

Auch aus der AfD-Spitze selbst aber wurde Höcke deutlich kritisiert.

Ich habe mir die Rede, die über einen Facebook-Account zugänglich ist, angehört (einige Passagen können in stellenweise etwas ungenauen, aber nie verfälschenden Transskriptionen hier nachgelesen werden).

hoeckebaertchen

Schatten können manchmal etwas gemein sein.

Tatsächlich bezieht Höcke Positionen, die so oder ähnlich schon lange Teil der deutschen Diskussion über den richtigen Umgang mit der Vergangenheit sind. Er spitzt sie aber in wesentlichen Punkten zu, und, mehr noch: Er versucht sie in den Mittelpunkt einer politischen Bewegung zu stellen, die mit den Traditionen des bundesdeutschen Selbstverständnisses radikal bricht. Der Vorwurf, dass er Nazi-Positionen beziehen würde, ist in diesem Fall nicht einfach nur Rhetorik zur Diffamierung eines politischen Gegners.

 

Schande, Schuld und Selbstmitleid

„Man wollte uns mit Stumpf und Stiel vernichten. Man wollte unsere Wurzeln roden. Und mit der nach 1945 systematischen Umerziehung hat man es auch fast geschafft.“

So Höcke in seiner Dresdner Rede über den Bombenangriff auf Dresden. Auffällig ist nicht die Kritik an dem Angriff, sondern die Unterstellung der Motive eines diffus bleibenden Feindes („man“). Er setzt den Bombenangriff mit der „nach 1945 systematischen Umerziehung“ parallel, als ob beides für ihn zum selben Versuch der Auslöschung gehörte: einmal als Auslöschung des „Elbflorenz“ und seiner Menschen, einmal als Auslöschung des moralischen Selbstbewusstseins der Deutschen.

Die erscheinen in dieser Rede als gewaltsam unterworfenes Volk:

„Bis jetzt ist unsere Geistesverfassung, unser Gemütszustand immer noch der eines brutal (total?, LS) besiegten Volkes. Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“

Für Höcke haben die Deutschen ihre eigene Unterdrückung verinnerlicht, und das Berliner Holocaust-Mahnmal wird ihm zum zentralen Symbol dieser Internalisierung.

Das ist weniger eine sachliche Kritik als der Ausdruck eines wütenden Ressentiments. Kritik wurde 2010 beispielsweise auch von Paul Spiegel geäußert, damals als Vorsitzender des Zentralrats: Das Mahnmal würde sich der Frage nach den Ursachen der Verbrechen entziehen.

Um eine solche Auseinandersetzung aber geht es Höcke gar nicht. Wenn er von „Schande“ spricht, dann schließt er sich damit dem Sprachgebrauch einer anderen Rede zum deutschen Gedenken an, die 1998 zu erheblichen Diskussionen geführt hatte. Ausgerechnet in seiner Rede zum „Friedenspreis des deutschen Buchhandels“ hatte Martin Walser sich über die „Dauerrepräsentation unserer Schande“, über die „Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken“ beklagt und das geplante Holocaust-Mahnmal als „fußballfeldgroßen Alptraum“ bezeichnet, als „Monumentalisierung unserer Schande“. 

Das Wort „Schuld“ hingegen wird von Walser in der Rede ganz anders verwandt: Er gebraucht es mehrfach in dem Begriff „Beschuldigung“ oder ironisiert es, indem er über „zeitgenössische schuldunlustige Finsterlinge“ redet. Schon hier also sind nicht die Deutschen schuldig geworden, sondern sie werden von außen beschuldigt und müssen mit dieser Beschuldigung leben.

Die Rede von der „Schande“ wiederum ist, anders als das Eingeständnis einer „Schuld“, ganz selbstbezogen. Bei der „Schande“ geht es um das eigene Ansehen der Deutschen, um ihr Selbstgefühl – bei der Schuld hingegen geht es um das, was sie anderen getan haben.

Noch weiter ging im Anschluss an Walser der Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein. Er schreibt 1998 in seinem Magazin über das geplante Holocaust-Mahnmal:

„Man ahnt, daß dieses Schandmal gegen die Hauptstadt und das in Berlin sich neu formierende Deutschland gerichtet ist. Man wird es aber nicht wagen, so sehr die Muskeln auch schwellen, mit Rücksicht auf die New Yorker Presse und die Haifische im Anwaltsgewand, die Mitte Berlins freizuhalten von solch einer Monstrosität.“ 

Hier wandelt sich schon der Bezug des wegen seiner Egozentrik ohnehin unpassenden Begriffs der „Schande“. Bei Walser ist der Begriff immerhin noch eindeutig auf die deutschen Verbrechen bezogen – bei Augstein kann es schon auf die Tatsache bezogen werden, dass überhaupt ein Mahnmal errichtet wird: Es sei eine Schande, wie Deutschland hier mit sich selbst umgehe.

Augstein verknüpft dieses Ressentiment mit einer kaum kaschierten antisemitischen Anspielung – denn dass die amerikanische Ostküstenpresse von Juden kontrolliert werde, ist Standardannahme eines judenfeindlichen Ressentiments. Ähnliches gilt für die New Yorker Anwaltschaft.

Von solchen antisemitischen Spitzen findet sich, immerhin, bei Höcke nichts – es sei denn, ich habe es überhört. Bei ihm allerdings bezieht sich der Begriff Schande ganz offenkundig nicht mehr auf die deutschen Verbrechen, sondern auf das Mahnmal selbst.

Während Augstein durchaus klar macht, welche Kräfte gegen das „sich neu formierende Deutschland“ agierten, bleibt Höcke wie Walser bei diffusen Beschuldigungen. Gemeinsam ist allen Dreien, dass sie Deutsche rundweg als Opfer präsentieren.

Gleichwohl kann Höckes Rede nicht einfach als eine späte Wiederholung vom Walsers und Augsteins Positionen verstanden werden – sie ist schlimmer.

 

Was Hitler Versailles war, ist Höcke das Holocaust-Mahnmal

Einer der Hauptgegner Höckes in seiner Rede ist ein im Jahr 2015 verstorbener Politiker: Richard von Weizsäcker. Dessen berühmte Rede zum vierzigjährigen Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1985 findet Höcke zwar sprachlich gekonnt – es sei aber eine „Rede gegen das eigene Volk und nicht für das eigene Volk“ gewesen.

Nun ist Weizsäckers Rede kein heiliger Text der Bundesrepublik und kann gewiss in einigen Teilen kritisiert werden – aber darum geht es Höcke gar nicht. Was ihn an der Rede stört, erklärt er nicht einmal, er lässt es aber erkennen.

Weizsäcker betont, dass die Erinnerung an die deutschen Verbrechen im Nationalsozialismus Voraussetzung für eine Versöhnung der Deutschen mit ihren Nachbarn und eine Versöhnung mit den Juden sei. Die Erinnerung steht hier nicht im Widerspruch zu einer deutschen Identität, sondern ist Voraussetzung für ein integres Deutschland.

Eben diese Haltung greift Höcke frontal an. Das Volk werde – so betont er im Anschuss an Franz-Josef Strauß – durch die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit gelähmt. Die deutsche Geschichte werde „mies und lächerlich“ gemacht – es gäbe aber „keine moralische Pflicht zu Selbstauflösung“.

Die Idee, dass das Volk der Deutschen klein gemacht worden sei, zieht sich durch die Rede, in der er gleich zwei Mal an unterschiedliche Stellen Menschen als „Zwerge“ bezeichnet, die sich an diese Bedingungen angepasst haben. Die Solidargemeinschaft werde aufgelöst unter der „Herrschaft der Finanzmärkte“, das Volk einer „vollständigen Ökonomisierung“ ausgeliefert. Die „einst geachtete Armee“ – hier bleibt wohl absichtlich unklar, ob der Redner die Bundeswehr meint, die NVA oder die Wehrmacht – sei „zu einer durchgegenderten multikultisierten Eingreiftruppe im Dienste der USA verkommen.“

Die Fremdherrschaft, die Höcke beschreit, würde organisiert durch deutsche Politiker wie Merkel, die ein „gutmütiges Volk heimtückisch hintergangen“ hätten. Die Regierung sei „zu einem Regime mutiert“.

Tatsächlich ist Höcke die Frage nach dem richtigen Umgang mit der Erinnerung an die deutschen Verbrechen also herzlich egal. Ihm geht es darum, die Deutschen als ein großes, aber klein gemachtes, verratenes, niedergedrücktes, an diffus bleibende internationale Mächte ausgeliefertes Volk zu beschreiben. Die Erinnerung ist für ihn lediglich ein Instrument dieser Unterdrückung.

Nötig ist für ihn eine „Erneuerung“, und die wäre nur im Bruch mit dem Bestehenden möglich – wenn die AfD die absolute Mehrheit erreiche oder als Seniorpartner eine Koalition mit einer geläuterten Altpartei  führe. Unausgesprochene Alternative dazu ist für ihn die Gewalt – die AfD sei „die letzte evolutionäre, friedliche Chance für unser Vaterland.“

Dass „wir uns wieder selber finden“ müssten, dass Deutschland sich erneuern, die Fremdherrschaft abschütteln und wiederauferstehen müsse – das ist nicht allein ein Bruch mit der Erinnerungskultur, sondern ein direkter Anschluss an nationalsozialistische Ideologie. Was Hitler Versailles war, ist Höcke das Holocaust-Mahnmal: Ein Symbol für eine unterstellte bösartige, heimtückische, aber von verräterischen deutschen Politikern geduldete und unterstützte fremde Unterdrückung eines großen, aber auch allzu großmütigen und allzu gutmütigen Volkes.

Die Phantasie, dass ein Bruch mit dem bestehenden demokratischen System nötig sei – der Drang, allein an die Macht zu kommen, und die kaum unterschwellige Drohung mit Gewalt – die Selbstinszenierung als Opfer und die Unempfindlichkeit für eigene Schuld – die Phantasie bösartiger internationaler Mächte, die übrigens auch bei Höcke an antisemitische Klischees (nämlich des raffenden Finanzkapitals) anknüpft – die völkische Vorstellung einer Wiederauferstehung Deutschlands: Die Parallelen sind so deutlich und vielfältig, dass es naiv wäre, in Höcke keinen Neonazi zu sehen.

 

Geburtshelfer eines erfolgreichen Rechtsradikalismus?

Dass jemand wie Höcke überhaupt eine Chance hat, bundespolitisch bedeutsam zu werden, ist allerdings auch den Bundestagsparteien vorzuwerfen.

Der Spiegel veröffentlichte vor einem knappen Jahr, Ende Februar 2016, eine Umfrage, nach der fast 80% der Deutschen weiterhin bereit waren, Flüchtlinge aufzunehmen. Nach der Implosion der Willkommenskultur in der Kölner Silvesternacht und angesichts der Tatsache, dass die Regierung schon seit Monaten keine Kontrolle mehr über die Einwanderung nach Deutschland hatte, ist das eine beachtliche, überzeugende Mehrheit.

Allerdings war auch nur ein gutes Zehntel der Bevölkerung dafür, Flüchtlinge weiterhin ohne eine Obergrenze aufzunehmen – alle anderen sprachen sich, wenn sie nicht generell gegen jede weitere Aufnahme waren, für Obergrenzen von 200.000 (38%), 500.000 (17%) oder einer Million (3%) aus. Das aber bedeutet: Sämtliche im Bundestag vertretenen Parteien repräsentierten in dieser zentralen Frage gerade einmal 11 Prozent der Bevölkerung.

Natürlich ist eine solche Gemengelage für außerparlamentarische Alternativen günstig.

Angela Merkels Regierungsstil einer inszenierten Alternativlosigkeit forciert dies noch. Als „asymmetrische Demobilisierung“ beschreiben Politikwissenschaftler  einen solchen Politikstil, dem es vor allem darum geht, den politischen Gegnern keine Themen zu überlassen und den offenen Diskurs zu meiden.

In der Einwanderungspolitik wurde diese Vermeidung zudem stark moralisch grundiert. Merkel und ihrer Regierung fiel es gar nicht ein, den großen demokratischen Konsens zu nutzen und eine offene Diskussion darüber zu führen, wie Einwanderung am besten gestaltet und wie Flüchtlingen am besten geholfen werden könnte. Statt dessen erweckte die Bundesregierung – und mit ihr eine merkwürdig unkritische Medienlandschaft – den Eindruck, dass jemand, der die pragmatische Frage nach dem Wie stelle, die Hilfe für Flüchtlinge insgesamt inhuman verweigern wolle.

Zugleich beschädigen, bis heute, auch rot-grüne Parteien offene Debatten, indem sie viel zu beliebig mit dem Vorwurf des Rechtsradikalismus umgehen. Ob Menschen, die das muslimische Kopftuch als frauenfeindlich wahrnehmen – oder Männer und Frauen, die Schwierigkeiten mit dem Feminismus haben – oder Eltern, die eine rot-grüne schulische Sexualpädagogik ablehnen – oder Menschen, die behaupten, auch Weiße könnten Opfer von Rassismus werden – oder auch einfach klassische Konservative: Beliebig tun rot-grüne Akteure bis heute die Positionen solcher Menschen als reaktionär, als rechtsradikal, als Hate Speech ab, gern auch in steuermittelfinanzierten Kampagnen.

Akteure, die sich als „links“ verstehen, haben damit den Vorwurf des Rechtsradikalismus durch seinen beliebigen Gebrauch für die Diskreditierung von Gegnern  inflationiert – so weit, als ob sie gar nicht mehr damit gerechnet hätten, dass ihnen irgendwann auch einmal echte Rechtsradikale begegnen könnten.

Merkels Vermeidung demokratischer Debatten in der inszenierten Alternativlosigkeit und die rot-grüne Betonierung demokratischer Debatten in inszenierten Freund-Feind-Bildern legen es nahe, dass sich Alternativen dazu dann eben außerhalb demokratischer Debatten formieren. So können, wenn wir Pech haben, alle zur Zeit im Bundestag vertretenen Parteien zu Geburtshelfern eines neuen, erfolgreichen Rechtsradikalismus werden – nicht aus Sympathie für Rechtsradikale, aber aus kalkulierendem Desinteresse gegenüber demokratischen Debatten.

Die Inszenierungen Merkels  und der rot-grünen Akteure demonstrieren jeweils ein grundlegendes Desinteresse an Strukturen, die eben jenes Deutschland so stark gemacht haben, das Höcke verachtet: an einem demokratischen Konsens über unterschiedliche politische Positionen hinaus, der sich auch in kontroversen öffentlichen Diskussionen immer wieder neu bilden kann.

Sollte der Schrecken über Höckes ungehemmten, realen Rechtsradikalismus das Interesse an einem solchen demokratischen Konsens und an offenen demokratischen Debatten wieder wecken, dann hätte selbst seine Rede, ganz aus Versehen und ganz gegen die Absicht des Redners, positive Folgen gehabt.

  1. Das Holocaust-Mahnmal eignet sich nicht als Schwerpunkt für eine Dolchstoßlegende samt Schandfrieden, ebensowenig sein Pendant die Dresdner Frauenkirche. Hier halte ich Ihren Vergleich sogar als gefährlich, denn er könnte eine Verbindung zu eben diesen schrägen Verknüpfungen erst denkbar machen. Die Schande, die Höcke meint, hat er geschickt offen gelassen. Er wünscht sich wohl eher eine japanische Lösung, mit der Kapitulation und den Kriegsverbrechen umzugehen. Man mag zu dem Mahnmal stehen wie man will, in einem hat Höcke recht, wir leisten uns mit ihm als einziger Staat der Welt in seiner Hauptstadt ein zentrales Schandmal, und das ist ein hoffnungsvoller Ansatz, den man hervorheben sollte. Denn dieses Schandmal – das Mal unserer Schande – ist der Stein des Anstoßes, an dem wir uns und unsere Gesellschaft prüfen können.

    Derzeit bereiten wir uns mit der Diskussion über Hassreden, Falschnachrichten und Zensurmaßnahmen erneut eine Schändlichkeit, die wir an diesem Mahnmal prüfen sollten. Denn der Wahnsinn, der derzeit von Medien und Parteien gehegt wird, und bei dem jeder Kritiker in der rechten Ecke landet, ist vergleichbar mit der einst beginnenden „Gleichschaltung“, die eine der Bedingungen für den späteren taylorisierten Massenmord war.

    Stimmig ist ihr Vergleich mit anderen rechtsverschwurbelten Blödsinn, der hier im Lande schon verzapft wurde. Die Kandidaten kann man im übrigen in allen Parteien finden, und etliche beendeten mit ihren Entgleisungen auch ihre Karrieren.

    Letztlich das Thema versöhnen (versühnen), verzeihen und vergeben gleicht einer trügerischen Eisfläche, in die man leicht einbrechen kann, wie ich aus persönlicher Erfahrung weiß. Doch das ist ein Thema, das ich lieber in meinem Blog behandele.

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  2. Ich stimme Schoppe in seiner Einschätzung von Höcke als Rechtsradikalen zu. Er bedient sich immer wieder der zurecht verachteten Begriffe aus dem 3. Reich, nicht nur in dieser Rede, sondern schon seit Jahren. Der hält sich für die Reinkarnation von Goebbels. Dass dies auf die ganze Partei AfD ebenso zutrifft halte ich allerdings zumindest für eine starke Übertreibung, wenn nicht für eine Fehleinschätzung. Es gibt ja bereits Gegenstimmen aus dem oberen Parteikader. Das Parteiprogramm der AfD ist lückenhaft und schwammig, was wohl auch daran liegt, dass deren Genossen sich meist aus der 3. Garnitur der anderen Parteien rekrutiert haben.

    Das Holocaust-Mahnmal wird von vielen Politikern als Manifestation der deutschen Erbsünde verstanden und genutzt. Es ist mir auch aus meinem Geschichtsunterricht noch in Erinnerung, dass das uns so indoktriniert wurde. Ich halte das für falsch und schädlich. Insbesondere wenn Merkel diese deutsche Erbsünde dann als Begründung für eine grenzenlose Willkommenskultur missbraucht, muss man das zumindest diskutieren bzw. widersprechen.

    Ich stimme Lotosritter zu. Wenn das Mahnmal nun schon mal da ist, kann man es auch dazu benutzen, auf die Parallelen der derzeit angedachten Zensurmaßnahmen zum 3. Reich (oder ähnlichem Denken bei Stalin und Mao) hinzuweisen.

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    1. @ Luisman Ich beziehe das, was Höcke macht, nicht auf die gesamte AfD und habe ja eingangs auch erwähnt und verlinkt, dass Höcke aus der AfD-Spitze für die Rede kritisiert wurde. Zu einem guten Teil gehört die Rede nach meiner Einschätzung – und nicht nur nach meiner, natürlich – auch zu einem Machtkampf mit Petry.

      Allerdings ist deutlich, dass die AfD ihr Verhältnis zu solchen Positionen wie Höckes unbedingt klären muss – sie darf nicht kalkulieren, dass solche Leute vielleicht noch ein paar Stimmen von ganz rechts binden könnten. Henkel ist ja gerade in dieser Hinsicht mit sehr bitteren Vorwürfen aus der Partei ausgetreten.

      Im Moment muss die Partei aber damit leben, dass sie eben auch von Höcke repräsentiert wird. Dazu hirnlose öffentliche Kommentare wie der aus der BVV in Berlin-Marzahn, wo ein ASfD-Vetreter Heydrichs Politik gelobt hat. Was ist dem eigentlich passiert? Gibt es gegen den ein Parteiausschlussverfahren? Für eine Partei, die sich als demokratisch versteht, ist das doch ein erheblich parteischädigendes Verhalten.

      Ich unterstelle überhaupt nicht allen AfD-Anhängern Neonazismus. Ich habe aber den Eindruck, dass die AfD im Hinblick auf Rechtsradikalismus insgesamt ein Doppelspiel spielt: Sich distanzieren, wenn es gar nicht mehr anders geht – und ansonsten darauf bauen, dass durch ein paar Signale nach ganz Rechts Stimmen herangeholt werden.

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      1. „dass die AfD im Hinblick auf Rechtsradikalismus insgesamt ein Doppelspiel spielt“
        Sehe ich auch so. Nur unterscheiden die sich da gar nicht so sehr von anderen Parteien. Die Gruenen haben ihren Sumpf von Paedophilen und Koks-Koepfen bis heute nicht aufgeraeumt. Die Linke trennt sich nur nach massiven shitstorms von ihren Ex-Stasi-Leuten, usw.

    2. Ja, es gibt gerade einen kleinen Machtkampf in der AfD-Parteiführung, aber der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Gauland distanziert sich explizit nicht von Höcke, und der AfD-Bundessprecher Meuthen will Höcke in der AfD halten. Insofern ist auch die AfD-Parteiführung für Höckes Anschluss an die nationalsozialistische Rhetorik verantwortlich. Höcke darf sich ermuntert fühlen, in diese Richtung weiterzugehen.

      Antwort

      1. Ja, mal sehen ob Petry sich durchsetzt. Sie hat ja schon Uebung als sie Lucke gemeuchelt hat.

  3. Deine Liebe zum ausgewogenen Standpunkt gerät bei diesem harten Thema zum Eiertanz.

    Was willst du uns sagen?

    Antwort

    1. Was ist Dir unklar geblieben?

      Antwort

  4. Solche posts halte ich ganz generell für … ähm … äußerst unglücklich, da es hier primär um Parteipolitik geht – was man auch ziemlich sicher daran erkennen kann, daß sich Arne Hoffmann zu Wort meldet, der ja ansonsten klugerweise keine Kommentare schreibt.

    Wir haben als Männerbewegte genug Probleme damit, eine – vom humanistischen Standpunkt aus wünschenswerte – Stärkung der sog. kritischen Linken zu fördern, die an den alten Idealen der Aufklärung interessiert ist, und sich als politischer Gegner der unter den labeln „Neo-Linke“, „regressive Linke“ oder „postmoderne Linke“ firmierenden parteipolitischen Linken versteht.

    Zweitens öffnen solche posts die Tür für – ebenfalls nicht zum Thema gehörene – Diskussionen darüber, inwiefern die Geschichte des 3. Reiches und der BRD, die wir z.B. in der Schule lernen, eine von den Siegermächten Umgeschriebene ist. Denn schließlich kritisieren wir die nationalsozialistische Ideologie nicht nur dafür, was sie besagt, sondern auch dafür, wozu sie Menschen gebracht hat. Genau darüber streiten sich aber sogar seriöse Historiker (was z.B. die Rolle der USA und Polens für den Beginn des 2.Weltkriegs angeht).

    Insofern schlage ich dringend vor, die Lage nicht weiter kompliziert zu machen. Denn sie ist auch so schon hinreichend undurchsichtig, daß wir genug Probleme haben, Interessierten einen guten Einstieg in die ganze Männerthematik zu bieten.

    Antwort

    1. „als Männerbewegte…..Stärkung der sog. kritischen Linken zu fördern“
      ohne mir, Vladimir 😉

      „Denn schließlich kritisieren wir die nationalsozialistische Ideologie nicht nur dafür, was sie besagt, sondern auch dafür, wozu sie Menschen gebracht hat.“
      Nicht nur die Nationalsozialistische, sondern auch die kommunistische Ideologie mit ihren zig Millionen Opfern in der UdSSR und China, usw. Ich kritisiere JEDE totalitaere Ideologie, nicht nur die Eine, unter anderem auch den Feminismus als totalitaere Ideologie.

      Antwort

      1. @luisman

        „ohne mir, Vladimir“

        Ich finde das völlig unproblematisch. Deine politischen Ansichten sind in Sachen Männer völlig zweitrangig und ich sehe kein Problem für eine Zusammenarbeit, solange es innerhalb eines Minimalkonsens wie „Menschenrechte für alle“ geschieht. Und ich sehe keinen Grund, warum Konservative damit jemals Probleme bekommen sollten.

        „Ich kritisiere JEDE totalitaere Ideologie, nicht nur die Eine, unter anderem auch den Feminismus als totalitaere Ideologie.“

        Kann ich voll unterschreiben.

    2. @elmar

      Du schreibst:

      „Solche posts halte ich ganz generell für … ähm … äußerst unglücklich, da es hier primär um Parteipolitik geht – was man auch ziemlich sicher daran erkennen kann, daß sich Arne Hoffmann zu Wort meldet, der ja ansonsten klugerweise keine Kommentare schreibt.“

      Ich glaube, solche Ansprüche, wie Du sie jetzt hier stellst, könnte man geltend machen, wenn man einer bezahlten Arbeit nachgeht (Verein, Verband, NGO, Partei etc.), Nur machen das ja die meisten unbezahlt, also in der Freizeit oder eben auch aus Spass, gekoppelt ev. mit einem Anliegen. Da finde ich schon, dass jeder das machen soll, worauf er Lust, Laune und Spass hat, weil sonst macht man dann plötzlich sehr schnell überhaupt nix mehr.

      Ich sehe es übrigens nicht parteipolitisch, was Schoppe bei diesem macht, sondern weil ihn das Thema vermutlich gerade sehr interessiert hat und er Lust darauf hatte, darüber etwas zu schreiben.

      Ich selbst habe auch nicht immer Lust und Laune, „nur“ über „männerbewegte Themen“ zu schreiben und finde es übrigens auch nicht nur sinnvoll. Andere Themen können auch wieder zusätzlich weitere Personen ansprechen, die dann plötzlich auch mit Themen in Kontakt kommen, mit denen sie sich noch nie befasst haben.

      Aber ich denke das wichtigste Argument ist schon: Ich muss über Themen schreiben, zu denen ich Lust und Laune habe, wenn dies nicht in einer bezahlten Arbeit gemacht wird, sondern eben in der Freizeit.

      Antwort

      1. @MES

        „Da finde ich schon, dass jeder das machen soll, worauf er Lust, Laune und Spass hat, weil sonst macht man dann plötzlich sehr schnell überhaupt nix mehr.“

        Jetzt entspann dich mal. Kommentare sind dazu da, daß Leute ihre Meinung sagen. Meine ist, daß man die Männerthemen von sachfremden Themen entlasten sollte. (Ich mach das auch und bereite gerade einen blog „Computational Intelligence“ vor, wo es um Themen wie knowledge representation und machine learning gehen wird.)

        Wenn du nun der Meinung bist, daß es richtig ist, das Äußern dieser Meinung zu unterdrücken, dann empfehle ich, meinen Kommentar zu löschen.

        Und damit ist in meinen Augen diese Diskussion erledigt. Wenn aber darauf besteht, dann könnte ich diesen Kommentar auch noch geeignet umformulieren.

      2. @Elmar

        Ich habe mein Statement sehr entspannt geschrieben und ich wüsste nicht, weshalb ich Dein Posting löschen sollte. Also alles im grünen Bereich. 🙂

      3. @ Mark Da Elmar sagt, er sei draußen aus der Diskussion, die Antwort an Dich.

        Es ist tatsächlich so, dass das Bloggen auf Dauer nur geht, wenn eine gewisse Motivation für die Themen da ist. Rein aus Pflichtgefühl würde ich das nicht lange machen, wobei ich auch nicht weiß, weshalb ich eigentlich verpflichtet sein sollte. Und von wem.

        Für mich gibt es aber noch andere Gründe, jetzt das Thema aufzugreifen – und die haben sehr direkt auch mit Geschlechterthemen zu tun.

        Erstens ist es kein Zufall, dass die AfD immer mal wieder Thema ist. Nicht etwa, weil viele Männer die so toll fänden – sondern weil viele etablierte Parteien, allen voran rot-grüne, für Väter, für Männer, auch für Jungen null Interesse aufbringen. Auch dann nicht, wenn deren Anliegen offensichtlich dringend sind. Da es bei der CDU nicht viel besser aussieht, ist es naheliegend, nach Alternativen zu suchen – und die zur zeit erfolgreichste Alternative in Deutschland ist nun einmal die AfD.

        Nun ist aber die AfD ja nicht allein schon dadurch eine tolle Partei, dass die anderen ungenügend sind. Mir geht es eben auch darum klarzustellen, warum die AfD so keine Alternative sein kann – auch nicht als „konservative Partei“. Das ist sie in dieser Form nicht.

        Der zweite Grund ist ein bisschen abstrakter. Ich glaube, es ist kein Zufall, dass Geschlechterthemen weitgehend Frauenthemen sind. Bürgerliche Frauen haben in ihrer traditionellen Rolle ihren Lebensunterhalt nun einmal weitgehend durch ihre Geschlechtszugehörigkeit verdient – in stark über das Geschlecht bestimmten Rollen der Ehefrau oder der Mutter. Typisch männlich hingegen war es immer, dass die männliche Geschlechtszugehörigkeit allein nicht ausreichte – dass Männer sich durch spezifische Fähigkeiten auszeichneten, die eben gerade nicht typisch für alle Männer waren. Die funktionale Differenzierung war, zumindest in bürgerlichen Schichten, weitgehend eine Männerangelegenheit.

        Das heißt: Typisch männlich ist es, sich eben nicht durch die Geschlechtszugehörigkeit zu bestimmen, sondern eher durch berufliche Ausdifferenzierungen. Deshalb haben Männer auch verständlicherweise große Schwierigkeiten damit, wenn jemand für ALLE Männer sprechen möchte. Es ist eben gerade typisch männlich, dass die Kategorie MANN für die Identifikation nicht ausreicht.

        Das heißt auch: Männer werden in Geschlechterdiskussionen vermutlich niemals so zu Hause sein, wie manche Frauen es sind. Eine männliche Geschlechterdiskussion kann nämlich niemals nur eine Diskussion über Geschlechter sein, sondern muss z.B. berufliche Kompetenzen – mindestens die – mit einfließen lassen.

        Insofern ist es ganz stimmig, wenn Männer, die zu Geschlechterthemen schreiben, auch zwischendurch einmal zu anderen Themen etwas machen – das gehört zumindest aus männlicher Perspektive einfach dazu. Die Erinnerung an den Nationalsozialismus ist bei mir z.B. ein Thema, mit dem ich mich schon zu Uni-Zeiten sehr intensiv beschäftigt habe – und daher beschäftigt mich eine solche Rede wie Höcke sehr. Es ist sehr naheliegend für ich, auch dazu etwas zu schreiben – auch wenn das sicher für manche ein Bruck im Thema ist.

        Ich finde es aber auch ganz gesund so. Die Fixierung auf Geschlechterthemen wird schließlich auch dem Thema „Geschlecht“ nicht gerecht. Dass Gender-Leute glauben, die Kategorie „Gender“ sei „omnirelevant“ – dass sie auch biologische Erkenntnisse, ohne sie recht nachvollziehen zu können, schnurstracks auf Gender-Fragen zurückführen: Das liegt eben vor allem daran, dass sich die Gender-Protagonisten für kaum etwas anderes interessieren. Sie nehmen ihren eigenen Tunnelblick gleichsam als eine grundlegende Eigenschaft der Wirklichkeit wahr. Wer nur einen Hammer hat, der sieht halt überall nur Nägel.

        Deshalb glaube ich, dass es gerade für Männer wichtig ist, bei Geschlechterdiskussionen auch ab und zu woanders hin zu schauen als auf Geschlechterthemen. Wird ja auch langweilig sonst….

  5. Es würde helfen, wenn der Volksverhetzungsparagraph nicht auf Geschichtswissenschaftler im Inland und Ausland angewendet würde und Gerichtsurteile mit Offensichtlichkeit begründet würden.
    Dann könnte man eine Debatte führen, die nicht auf alliierter Kriegspropaganda beruht und so zu einer Argumentation kommen, die nicht auf einem paranoiden Wahnbild beruht.
    Beides, der Schuldkomplex, wie das Überhöhen der nationalSOZIALISTISCHEN Periode basieren auf diesem paranoiden Bild. Und das Geschichtsverständnis der Mehrheit wurde mehr durch amerikanische Filme geprägt als durch anlesen von Fakten. Aber solange sogar angelsächsische Geschichtswissenschaftler mit Gefängnisstrafen zum Abschören ihrer Thesen genötigt werden, wird man sich wohl weiter da hineinsteigern.

    Antwort

    1. Michael Klonovsky hat hier sicher einen Punkt:

      „Ich habe mich zu diesem närrischen Bau wiederholt geäußert. Er soll nicht an die Opfer erinnern, sondern an seine Erbauer. Er rührt niemanden und nutzt niemandem außer den Erbauern und deren Image. Es ist ein Denkmal für die Großartigkeit der sogenannten deutschen Erinnerungskultur, eine egozentrische Selbstfeier der angeblichen Mahner, die sich ihren wenn nicht größten, so doch schlimmsten aller Völkermorde von niemandem streitig machen lassen wollen. Jede einzelne an Israel gelieferte Maschinenpistole hat mehr mit dem Holocaust und seinen Opfern zu tun als diese Zeppelinwiese der Zerknirschungssimulanten am Brandenburger Tor. Jedes in Deutschland gebaute U-Boot, das heute im Dienste Israels das Meer pflügt, ist ein besseres Holocaust-Denkmal als dieser Betonschrott.“

      http://www.michael-klonovsky.de/acta-diurna

      Antwort

      1. Man könnte noch ergänzen, dass die „Wehret den Anfängen“-Empörten im Prinzip die gleichen sind, die antisemitische Extremisten wie den Iran und die „Palästinenser“ für eine legitime Partei des „Friedens“ hinstellen und die „Besetzung“ umstrittener Gebiete als das Haupthindernis eines „Friedens“ hinstellen. Freilich ginge es hier um so „beliebte“ Politiker wie Obama, Kerry, May und Steinmeier und nicht um einen der vierten Reihe wie Höcke.

        Und so gesehen sind U-Boote, wegen begrenzter Haltbarkeit, auch kein besseres „Mahnmal“, dieses kann nur in einer unbedingten Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit des Erinnerns des Geschehenen bestehen.

        Von allgemeinerer Bedeutung, was Antisemitismus und die Diskussion darüber in Deutschland heute bedeutet, dürfte viel weniger ein notorisches Irrlich vom Schlage Höckes bedeutsam sein, als dieses fast gleichzeitige Urteil wegen der Brandstiftung einer wuppertaler Synagoge, der als Akt der politischen Kritik angesehen wurde.

      2. „Gegenwärtige Probleme werden in Deutschland erst in der Zukunft als Vergangenheit bewältigt!“

        Haha, sehr schön gesagt, von:

        https://tapferimnirgendwo.com/2014/11/09/liebe-vergangenheitsbewaltiger-2/

      3. @Alex

        Auch wenn es hier wieder um eine ausufernde Debatte gehen sollte, die mit dem Thema wenig zu tun hat:

        Die internationale und völkerrechtliche Haltung zu den von Israel besetzten Gebieten ist eindeutig, es handelt sich um „occupied palestinian territory“.
        Und man kann gerne in die „basic laws“ von einem vereinten Jerusalem unter israelischer Kontrolle fabulieren, solche Phantasmen hat die UNO berechtigt „null und nichtig“ genannt.
        Ob die USA nun ihre Botschaft nach Jerusalem verlegen, wird zwar als Signalwirkung zur Realisierung pubertärer Allmachtfantasien gedeutet werden, ändert an der politischen Haltung der restlichen Welt und der rechtlichen Situation jedoch kein Jota.

        Deine Formulierungen, es gäbe „antisemitische Extremisten wie den Iran und die „Palästinenser“ – mit denen du ein ganzes Land und eine komplette Bevölkerungsgruppe zu Antisemiten erklärst – wobei du per Anführungszeichen diese Bevölkerungsgruppe auch im BILD-Stil in eine „sogenannte Bevölkerungsgruppe“ verwandelst, weil du sie also nicht anerkennen magst – leiten zu dem Problem über, das Lucas schon in seinem Beitrag behandelte:

        Wenn ALLE Antisemiten sind, die mir politisch nicht in den Kram passen, die meine Politik kritisieren und das aus berechtigten Gründen, verschleißt der Vorwurf des Antisemitismus in kürzester Zeit.
        Um so rechter die Regierungen in Israel, um so rigider die Option auf einen Frieden im Rahmen einer Zwei-Staaten-Lösung blockiert worden ist, desto inflationärer wurde der Vorwurf benutzt.
        Er hat inzwischen noch die Durchschlagskraft von „Blödmann“ oder „Arschloch“, eine simple Verbalinjurie.

        Die konkrete Politik israelischer Regierungen hat diese Option auf den Frieden und die Zwei-Staaten-Lösung durch die Siedlungspolitik bewusst erledigt.
        Dass dieser Vorwurf real und berechtigt ist, kann man in den geleakten Dokumenten zur Verhandlung mit Abbas nachlesen.
        Niemand braucht sich den Hauch von Mühe für Verschwörungstheorien zu machen – es steht alles im Internet.

        KEINE dieser Regierungen hat jedoch eine Alternative entwickelt.
        Wie soll die denn aussehen, Alex?
        Wenn die Zwei-Staaten-Lösung offiziell beerdigt wird, gibt es noch eine Ein-Staaten-Lösung und das wäre das Ende von Israel oder die Fortdauer einer Besetzung im Apartheid-Stil, in dem die Palästinenser in immer kleiner werdende Reservate eingesperrt werden.
        Das ist der politische Knackpunkt.

        Die israelische Regierung hat keinerlei Perspektive außer „weiter so!“ und selbstverständlich hat man das als alternativlos hinzunehmen oder man ist eben Antisemit.
        Da dieser politische Wahnsinn sich schon vor zehn Jahren als Wahnsinn entlarvt hat, werden die Vorwürfe immer maß- und haltloser.
        Am zugrunde liegenden politischen Konflikt ändert das selbstverständlich nichts.

        Gruß crumar

      4. @crumar
        „Die internationale und völkerrechtliche Haltung zu den von Israel besetzten Gebieten ist eindeutig, es handelt sich um „occupied palestinian territory“.“

        Nur soviel: das ist ein rein politischer Terminus („besetzte Gebiete“), der jedem völkerrechtlichen Ansatz widerspricht: denn diese „umstrittenen Gebiete“ (so der sachliche Begriff) waren nie legitimer Besitz eines Staates.

        „Wenn ALLE Antisemiten sind“

        Nein, das bezieht sich auf einen Staat, auf die Theokratie Iran, und dann auf eine fake-Identität (der erste Fall einer „Identitätspolitik“, nebenbei!), die der „Palästinenser“ (deshalb in „“ geschrieben, hier werden keine Menschen bezeichnet, sondern eine Identität festgelegt, „out of thin air“.

        „Die konkrete Politik israelischer Regierungen hat diese Option auf den Frieden und die Zwei-Staaten-Lösung durch die Siedlungspolitik bewusst erledigt.“

        Die Siedlungspolitik ist masslos und lügnerisch übertrieben worden, zuletzt zB vom Iran-Deal-Echokammer-Mann Obamas, der zuletzt noch von der ausgehenden Admin einen Posten im Holocaust-Museum bekommen hat …. das nur nebenbei.

        Diese „zwei-Staaten-Lösung“ war das Ziel von „Oslo“ und des sogenannten „Friedenspozesses“ und an Grundbedingungen des friedlichen Miteinanders geknüpft, die von der „Autonomiebehörde“ nicht mal im Ansatz erfüllt worden sind, im Gegenteil. Die infame UN Res 2334 hat diesen „Friedensprozess“ de facto zu Grabe getragen. Man war sich offenbar sicher, dass ein „Frieden“ seitens der „Paris Konferenz“ neulich unilateral den Israelis aufgedrückt werden konnte, was kläglich scheiterte. Vor allem weil GB, aber auch Estland und Ungarn dem Plan in den Rücken fielen.

        „Dass dieser Vorwurf real und berechtigt ist, kann man in den geleakten Dokumenten zur Verhandlung mit Abbas nachlesen.“

        Oh nein, wieder „russische Hacker“ und sowas? Da halt ich mich lieber an die offiziellen Verlautbarungen, auch der „Autonomiebehörde“ (die immer und grundsätzlich unter den medialen Tisch fallen, da sie immer nur die Bereitschaft zu einem totalen Krieg, nicht aber zu irgendwas wie „Frieden“ ausdrücken).

        „Wenn die Zwei-Staaten-Lösung offiziell beerdigt wird, gibt es noch eine Ein-Staaten-Lösung …“

        Das ist natürlich die hyper-Variante, die von so Leuten wie Butler präferiert wird und ganz unverholen auf die Abschaffung von Israel als Staat hinausläuft.

        „Da dieser politische Wahnsinn sich schon vor zehn Jahren als Wahnsinn entlarvt hat, werden die Vorwürfe immer maß- und haltloser.“

        Das liegt nur an der UN und ihrer israelfeindlichen Politik, die die „Palästineser“ gegen Israel stellt. Mal sehen, ob die neue US Admin Ernst macht, die UN wegen Res 2334 zu defunden, das hat ja auch starken Rückhalt im US Parlament.

      5. @Alex in mehreren Teilen, habe gerade wenig Zeit

        „Nur soviel: das ist ein rein politischer Terminus („besetzte Gebiete“), der jedem völkerrechtlichen Ansatz widerspricht: denn diese „umstrittenen Gebiete“ (so der sachliche Begriff) waren nie legitimer Besitz eines Staates.“

        Bitte nicht diese üblichen Tricks – „disputed“ oder „umstritten“ sind sie ausschließlich aus israelischer Perspektive.
        Selbst in der englischen Wikipedia heißt es mit erfrischender und unumstrittener Klarheit:

        „The official term used by the United Nations Security Council to describe Israeli-occupied territories is „the Arab territories occupied since 1967, including Jerusalem“, which is used, for example, in Resolutions 446 (1979), 452 (1979), 465 (1980) and 484.“

        Und völkerrechtlich:

        „A conference of the parties to the Fourth Geneva Convention, and the International Committee of the Red Cross,have also resolved that these territories are occupied and that the Fourth Geneva Convention provisions regarding occupied territories apply.

        Punkt.

        https://en.wikipedia.org/wiki/Israeli-occupied_territories#International_views

        Das „right to exist“ von Israel bezieht sich auf die rechtlich anerkannten Grenzen Israels und nicht auf subjektiv empfundenes Recht, das man putzigerweise auch noch ins eigene Grundgesetz (basic laws) schreibt.

        „1. Jerusalem, complete and united, is the capital of Israel.“
        https://www.knesset.gov.il/laws/special/eng/basic10_eng.htm

        Dieser Anspruch durch Annektion ist „null und nichtig“, sagt die internationale Staatengemeinschaft.

        Ich wäre übrigens mit dem Begriff „fake-Identität“ insofern vorsichtig, weil ein Vergleich der familiären Herkunft und der nachgewiesenen Wohndauer der palästinensischen Bevölkerung in Israel im Vergleich zur israelischen unter Umständen sehr, sehr, sehr nach hinten losgehen kann.

        „Die infame UN Res 2334 hat diesen „Friedensprozess“ de facto zu Grabe getragen.“

        Dann hilft auch hier wieder Wikipedia (Herv. von mir):

        „United Nations Security Council Resolution 2334 was adopted on 23 December 2016. It concerns the Israeli settlements in „Palestinian territories occupied since 1967, including East Jerusalem“. The resolution passed in a 14-0 vote by members of the U.N. Security Council (UNSC). Four members with United Nations Security Council veto power, China, France, Russia, and the United Kingdom, voted for the resolution, whereas, the United States abstained.“

        https://en.wikipedia.org/wiki/United_Nations_Security_Council_Resolution_2334

        Und wir beachten kurz den Zeitraum im Vergleich zu einer weiteren Resolution zu dieser Thematik:

        „After noting a report by the Security Council Commission established in Resolution 446 (1979), the Council accepted and commended its work while criticising Israel for not cooperating with it. It expressed concern at Israeli settlement policy in the Arab territories and recalled resolutions 237 (1967), 252 (1968), 267 (1969), 271 (1969) and 298 (1971). It further called upon the State and people of Israel to dismantle such settlements.“

        Es handelt sich um die United Nations Security Council Resolution 465 vom 1. März 1980.

        https://en.wikipedia.org/wiki/United_Nations_Security_Council_Resolution_465

        D.h. zwischen diesen beiden Resolutionen liegen 36 Jahre und es ist damit unrichtig, dass mit letzterer ein „Friedensprozess zu Grabe“ getragen worden ist, der 1980 – mit den Siedlungstätigkeiten – begonnen hatte.
        Weil dieser 1980 noch gar nicht begonnen hat, sondern ein Jahrzehnt später.

        Der Stand 2015: „Nach Angaben des israelischen Innenministeriums vom Januar dieses Jahres leben derzeit mehr als 750.000 Siedler im Westjordanland und in Ostjerusalem.“
        http://www.spiegel.de/politik/ausland/israel-baut-siedlungen-im-westjordanland-und-ostjerusalem-aus-a-1020128.html

        Der Stand von 1985-1995: „In 1985, the number of settlers (excluding East Jerusalem) reached 42,000 and by 1990, the number was 76,000 settlers in approximately 150 settlements, not including those in East Jerusalem. By 1995, the settler population increased to approximately 145,000 excluding East Jerusalem.“
        http://www.palestine-delegation.nl/israeli-settlement-system/

        Bei diesen Steigerungsraten in 30 Jahren nicht von politischem Vorsatz der israelischen Regierungen auszugehen, ist schlicht unmöglich.
        So ist die letzte Resolution auch zustande gekommen.
        Weil durch die Zahlen eindeutig belegt werden kann, dass – sukzessive – durch die Besiedlung eine Zwei-Staaten-Lösung annähernd unmöglich gemacht worden ist.
        Die internationale Staatengemeinschaft ist m.E. immer weniger geneigt, dies so hinzunehmen und das traditionelle Veto der USA fiel diesmal aus.

        Zudem können die Verursacher der Siedlungstätigkeiten offensichtlich keinen Plan B zur Zwei-Staaten-Lösung offerieren, schon gar keinen, der in Einklang mit dem Völker- und Menschenrecht ist.

        Noch einmal: In diese Situation hat sich die israelische Regierung selber gebracht, sie sind für diese Situation im vollen Umfang verantwortlich.
        Es hat sie niemand gezwungen Siedlungstätigkeiten zu subventionieren und ein Füllhorn sozialer Wohltaten über die Siedler auszuschütten, sondern das war eine bewusste politische Entscheidung.

        Gruß crumar

      6. @crumar
        „Bitte nicht diese üblichen Tricks – „disputed“ oder „umstritten“ sind sie ausschließlich aus israelischer Perspektive.“

        Das ist nicht die „israelische“, sondern die objektive Perspektive. Die Mär von der „Besetzung“ ist hingegen ein anti-Israel-Narrativ, welches unfair und unbegründet ist. Von „Besetzung“ als de facto Begriff kann man auch spätestens überhaupt nicht mehr reden, seit die Macht an die „Autonomiebhörde“ übergeben wurde. Diese wurde von den USA eingesetzt (und vorher aus dem Libanon via Tunis gerettet), damit diese „Behörde“, also die PLO, jetzt über die „Palästinenser“ herrschen möge und Frieden mit Israel machen, damit die einen Staat aus diesen fraglichen Gebieten machen. Da die PLO aber nicht das allergeringste Interesse an einem Frieden hatte, war nichts zu machen. Dabei hat sich die israelische Seite alle Mühe der Welt gegeben, bis zur Selbstverleugnung. Was natürlich nur den gegenteiligen Effekt hatte und mit mehr Terror beantwortet wurde.

        Um diesen sehr unbequemen Sachverhalt zu vertuschen, redet man jetzt von der „Okkupation“ oder „besetzten Gebieten“, um Israel die Schuld für alles, was in den umstrittenen Gebieten passiert, in die Schuhe zu schieben (Kleines Nebenbeispiel: für alle Frauenmisshandlung dort machen die Feministen bei der UN übrigens natürlich ausschliesslich Israel verantwortlich, das sind natürlich die richtigen Leute für diesen Job.)

        Wenn es einen völkerrechtlich korrekten Ansatz für die Behandlung der umstrittenen Gebiete gäbe, müsste man diese als israelisch bezeichnen und Israel zuschlagen. Sie waren vorher no-mans-Land und fielen an Israel als Folge von Angriffskriegen gegen Israel.

        Wenn die umstrittenen Gebiete von irgendjemandem „okkupiert“ sind, dann nicht von Israel, sondern von der PLO und ähnlichen Gangstern.

        Übrigens ist das Zitieren von Wickipedia und Spiegel und ähnlichen hier so zielführend, als wenn man über Feminismus diskutieren würde. Der Grad an Feminismus eines Mediums verhält sich proportional zur Feindseligkeit gegenüber Israel. Ersteres ist jedoch neuer als letzteres.

      7. „Zudem können die Verursacher der Siedlungstätigkeiten offensichtlich keinen Plan B zur Zwei-Staaten-Lösung offerieren, schon gar keinen, der in Einklang mit dem Völker- und Menschenrecht ist.“

        Für eine Zwei-Staaten-Lösung fehlt von der palästinensischen Seite aus jeglicher Wille zu einem Frieden, wie er in dieser Lösung vorgegeben wurde. Hier auf die „Siedlungspolitik“ Israels zu verweisen ist wie auf die Mücke zu fokussieren und den Elephanten dabei zu ignorieren, eine völlig unfaire und ungerechte Herangehensweise.

        So geht das schon seit Jahrzehnten, ein neues Beispiel der vermutlich ältesten und immer noch gegenwärtigen „fake news“-Kampagne:

        New York Times Fabricates Palestinian Support for ‘Two States for Two Peoples’
        http://www.camera.org/index.asp?x_context=2&x_outlet=35&x_article=3552

      8. @Alex:

        Sorry, aber das ist so hanebüchen, dass ich mich jetzt doch zu Wort melden muß.

        »Das ist nicht die „israelische“, sondern die objektive Perspektive. Die Mär von der „Besetzung“ ist hingegen ein anti-Israel-Narrativ, welches unfair und unbegründet ist.«

        Die objektive Perspektive ist hier die des Völkerrechts, die die israelische Besetzung verurteilt hat. Es ist der einzige Maßstab für Objektivität, der zur Verfügung steht, wenn man die Idee des Völkerrechts nicht als solche aufgeben will. Dein Standpunkt – der faktisch mit dem Netanjahus identisch ist – läuft darauf hinaus zu sagen: Völkerrecht, auf Israel angewendet, ist antisemitisch. Eigentlich entfällt damit schon die gemeinsame Diskussionsgrundlage. Es als »unfair« zu empfinden, ist subjektiv, und »unbegründet« ist es ganz sicher nicht.

        Ich stimme Deiner Einschätzung der PLO und ihres »Friedenswillens« zwar uneingeschränkt zu, aber daraus ergeben sich nicht die von Dir gezogenen Schlussfolgerungen. »Okkupiert« wird ein Territorium mit der darauf lebenden Bevölkerung, völlig unabhängig davon, wer diese Bevölkerung zu regieren beansprucht.

        »Wenn es einen völkerrechtlich korrekten Ansatz für die Behandlung der umstrittenen Gebiete gäbe, müsste man diese als israelisch bezeichnen und Israel zuschlagen. Sie waren vorher no-mans-Land und fielen an Israel als Folge von Angriffskriegen gegen Israel.«

        Eine weitere Groteske. Die Bezeichnung »No man’s land« ist geschichtsblind bis an den Rand der Fälschung. Daran ist vielleicht gerade so viel richtig, dass die jüdische Landnahme in Palästina vor 1947 auf friedlichem Wege erfolgte und wesentlich in Landkäufen bestand, Land, das dann neu bewirtschaftet wurde. Das schafft eine Legitimität bis 1947. Zweitens gilt Dein Argument für die im Krieg von 47/48 zu Israel gekommenen Gebiete, insofern die damalige Zweistaatenlösung hauptsächlich durch Verschulden der arabischen Seite gescheitert ist und die Grenzen in den Frontlinien des damaligen Krieges bestanden, also ersatzweise für eine politisch gescheiterte Grenzziehung herangezogen wurden.

        Damals wurden weit über eine halbe Million Palästinenser vertrieben (so viel zum »no man’s land«) – aber die hierdurch zustandegekommenen Grenzen sind ja tatsächlich völkerrechtlich anerkannt!

        Denselben Gedanken aber auf die ab 1967 besetzten Gebiete auszudehnen, ist vollkommen absurd. Man kann den Krieg und die Besetzung aus militärischen Gründen rechtfertigen (ich halte den Sechstagekrieg für einen legitimen Präventivkrieg), das legitimiert aber in keiner Weise irgendeine Art von jüdischer Siedlung in diesen Gebieten, und es begründet schon gar nicht irgendwelche palästinensischen Anspruchsverluste. Jeder jüdische Siedler in diesen ab 1967 besetzten Gebieten siedelt dort völkerrechtswidrig.

        Netanjahus – und offenbar Deine – Position läuft eigentlich auf nichts anderes als auf die Aufkündigung der Diskussion hinaus, weil sie lautet: »Scheiß‘ aufs Völkerrecht, wenn es nicht so entscheidet, wie es uns in den Kram passt!«

      9. @djad
        „Die objektive Perspektive ist hier die des Völkerrechts, die die israelische Besetzung verurteilt hat.“

        Die UN spricht kein Recht, sondern ist ein Mehheitsbeschluss der verschiedensten Parteien. Die Mitglieder der UN sind zumeist Diktaturen, Menschenrechtsverletzer und Kriegstreiber. Es sind in erster Linie diese, die die UN zu einer Anti-Israel Org gemacht haben und für einen ununterbrochenen Strom an Anti-Israel Res.en gesorgt haben. Verurteilung anderer Länder: njet so much.

        „wenn man die Idee des Völkerrechts nicht als solche aufgeben will“

        Im Gegenteil: die Idee des Völkerrechts ist nicht aufzugeben. Leider ist es nichts mehr als das, eine Idee. Die UN ist vollkommen gescheitert, dieser Idee irgendein Leben einzuhauchen, sie hat diese Idee auch noch zur Unkenntlichkeit untergraben. Die Idee des Menschenrechts übrigens genauso.

        „»Okkupiert« wird ein Territorium mit der darauf lebenden Bevölkerung, völlig unabhängig davon, wer diese Bevölkerung zu regieren beansprucht.“

        Neben der Frage der Zugehörigkeit des Staatsterritoriums (negativ, da die umstrittenen Gebiete niemandem je gehörten) ist die Frage der Souveränität entscheidend. Die „Autonomiebehörde“ ist nicht von Israel eingesetzt und deren Marionette, sondern von der „Weltgemeinschaft“. Insbesondere von USA/Europa und dabei ganz offensichtlich nicht die Interessen Israels vertretend, sondern stark davon abweichend. Auch in dieser Hinsicht ist „Okkupation durch Israel“ also ein falscher Begriff. Ein Begriff, der zu nichts anderem als zur propagandistischen Deligitimisierung Israels benutzt wird, er macht weder in sachlicher noch in legaler Hinsicht Sinn.

        „das legitimiert aber in keiner Weise irgendeine Art von jüdischer Siedlung in diesen Gebieten“

        Es gibt nichts, was diese Ansiedlungen von höhere Warte aus illegal machen würde (ausser natürlich dementsprechende israelische Massnahmen, weil man sich auf Oslo einliess). Genau illegal wären übrigens Ansiedlungen von Palästinensern dort, aber auch hier misst man natürlich mit zweierlei Mass.

        „Netanjahus – und offenbar Deine – Position läuft eigentlich auf nichts anderes als auf die Aufkündigung der Diskussion hinaus, weil sie lautet: »Scheiß‘ aufs Völkerrecht, wenn es nicht so entscheidet, wie es uns in den Kram passt!«“

        Das ist keine Diskussion (an der sind zwei Seiten beteiligt), sondern eine einseitige Kampagne, die sich auf irgendein imaginäres Recht berufen möchte, das aber erst durch den fait accompli geschaffen werden soll. Träte das ein, würde Unrecht zu Recht werden, die Idee eines fairen Völkerrechts wäre sicher noch viel nachhaltiger diskreditiert als jetzt schon.

      10. @Alex

        Himmel hilf, Alex, schau doch, was dieser Konflikt aus dir gemacht hat.
        Du eignest dir ein rechtsradikales Narrativ an, nur um noch auf der RICHTIGEN Seite zu stehen.
        Du würdest nie Likud, Jisra’el Beitenu oder HaBajit haJehudi wählen, wenn du in Israel leben würdest. Und jetzt machst du hier deren Propaganda.
        Das führt NIRGENDWO hin.
        Das löst den Konflikt nicht, das schafft keinen Frieden.
        Und wir beide wissen, Friedensverträge schließt man nicht mit Freunden.

        Schönen Gruß crumar

      11. @djad

        Danke für deinen klärenden Einspruch!

        Ein paar Anmerkungen:

        »Okkupiert« wird ein Territorium mit der darauf lebenden Bevölkerung, völlig unabhängig davon, wer diese Bevölkerung zu regieren beansprucht.

        Richtig. Und normalerweise müssten die Besatzer die Bevölkerung versorgen und ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommen.
        Man kann das Problem aber auch outsourcen und die internationale Staatengemeinschaft dafür aufkommen lassen und sich zugleich darüber beschweren, dass die internationale Staatengemeinschaft so viel Geld für Palästinenser ausgibt.
        Das ist Chuzpe.
        Chuzpe zum Quadrat ist, wenn ich die internationale Staatengemeinschaft per Zoll dazu zwinge, eben diese Hilfsgüter in Israel zu erwerben.
        Damit hast du eine Gruppe geschaffen, die keinerlei ökonomisches Interesse daran hat, dass dieser Konflikt jemals beendet wird.

        „Die Bezeichnung »No man’s land« ist geschichtsblind bis an den Rand der Fälschung.“

        Willkommen im Reich von Norman Finkelstein, der seine Doktorarbeit darauf verwendete, „From Time Immemorial: The Origins of the Arab-Jewish Conflict over Palestine“ is a controversial 1984 book by Joan Peters“ als die Fälschung zu entlarven, die sie ist.

        Eine abgefeimte, politischen Zwecken dienende Fälschung.
        Das ist ein Muster, das mir Feministinnen – in aktueller Gestalt – in Sachen Studien zur sexuellen Gewalt gegen Frauen nur allzu vertraut macht.
        Sie haben so viel gelernt aus diesem Konflikt.

        „Man kann den Krieg und die Besetzung aus militärischen Gründen rechtfertigen (ich halte den Sechstagekrieg für einen legitimen Präventivkrieg)“

        Da kann ich nur lachen.
        Schon mal auf eine Karte von Israel geschaut?
        Ruf die mal auf und schau genau hin.
        Was genau bewirkt es militärisch, Eilat zu blockieren, wenn Israel noch Ashdod und Haifa hat?
        In welche lebensbedrohliche Lage bringt Israel das?
        Lächerlich.
        Welches Interesse hätte Ägypten an einem Krieg 1967 gegen Israel gehabt, wenn gerade ihr Jemen-Abenteuer mit desaströsen Folgen zu Buche geschlagen ist?
        https://en.wikipedia.org/wiki/North_Yemen_Civil_War
        Das gesamte 1967 Narrativ ist ein schlechter Scherz und hätte sich im Internet Zeitalter in fünf Tagen als Legitimation für einen Angriffskrieg entlarvt.

        Gruß crumar

      12. @crumar
        „Du eignest dir ein rechtsradikales Narrativ an, nur um noch auf der RICHTIGEN Seite zu stehen.“

        Komisch, kommt mir vor ich könnte dir genau das Gleiche vorwerfen …… 😉

        Übrigens habe ich in etwa auch mal so gedacht wie du, ist ja die allgemeine linke Linie.

        „Und wir beide wissen, Friedensverträge schließt man nicht mit Freunden.“

        Friedensverträge schliessen Parteien, die zum Frieden bereit sind. Ansonsten gibt es nur einen Waffenstillstand, so wie jetzt.

      13. @Alex

        „Du eignest dir ein rechtsradikales Narrativ an, nur um noch auf der RICHTIGEN Seite zu stehen.“

        Komisch, kommt mir vor ich könnte dir genau das Gleiche vorwerfen …… 😉

        Das ist nicht zutreffend.
        Ich bin einer der letzten verblieben linken Pro-Israelis.
        Und wenn ich dir nicht passe, dann musst du mit Antideutschen vorlieb nehmen.
        Viel Spaß mit den Knallchargen (Titten raus gegen den Sexismus ist schwer angesagt, habe ich gehört)!

        Mein Grad an Ernüchterung hat seit:
        http://mondoweiss.net/2013/12/alliance-relationship-apartheid/
        zugenommen.
        Wenn israelische Realpolitik darauf hinausläuft, eine rassistische südafrikanische Regierung am Leben zu erhalten, indem man diese mit Waffenlieferungen am Leben erhält, dann ist mein höchst individuelle rote Linie überschritten.
        Zumal, wenn man alle anderen im Glauben belässt, man wäre auf der Seite der Demonstranten gegen die Apartheid und zugleich Milliarden Dollar dafür kassiert, dass nie eintrifft, wofür diese demonstrieren.

        Das war – in meinen Augen – der Einstieg in die moralische Spirale abwärts und sie ist bereits vollzogen worden bevor der Likud an die Macht kam.
        D.h. Labor hat bereits knietief den Dreck durchwatet und eigentlich erst Likud möglich gemacht.
        Ziemlich schwer zu verdauen war das.
        Aber, Alex, you live, you learn.
        Und im Grunde meines Herzens war ich eher und länger PRO PEACE – unabhängig von der Partei, die dies vertritt.

        Friedensverträge schliessen Parteien, die zum Frieden bereit sind. Ansonsten gibt es nur einen Waffenstillstand, so wie jetzt.

        „Waffenstillstand“ ist nicht, wenn man seinen Gegenüber langsam stranguliert.
        Wenn ich dir eine Schlinge um den Hals lege und diese langsam zuziehe, dann ist das dennoch ein aggressiver Akt.
        Ob du in zwei Stunden stirbst oder in zwei Jahren ist irrelevant.
        Genau so müssen die Palästinenser die israelische Vorgehensweise empfinden, weil sie genau so gemeint ist.

        Gruß crumar

      14. @crumar
        „Ich bin einer der letzten verblieben linken Pro-Israelis.“

        Weil die vollendete Selbstaufgabe das jüdische und somit israelische Wesen sein soll? Damit reihst du dich bei den „Progressiven“ ein, deren vollendeter Ausdruck zur Zeit ua Judith Butler ist. Das ist keine linke Position und kann es auch nicht sein. „Mondoweiss“ ist übrigens eine für ihren extremen Antisemitismus berüchtigte Site.

        „Und wenn ich dir nicht passe, dann musst du mit Antideutschen vorlieb nehmen.“

        Als Marxist mit angeblicher „pro-Israel“-Neigung wäre das eigentlich deine Position….

        „Genau so müssen die Palästinenser die israelische Vorgehensweise empfinden, weil sie genau so gemeint ist.“

        So wird ihnen das von ihrer verantwortungslosen Führung permanent eingeredet. Genau das zeigt nur ihren unbedingten Willen zum (irregulären) Krieg, nicht aber zum Frieden. Du kannst Israel keinen Vorwurf machen, dem gegenüber eine starre Haltung und Unbeugsamkeit einzunehmen. Und gar nichts rechtfertigt das Handeln und Reden der Gegenseite zu ignorieren, ausser einer strikten Parteilichkeit für die Seite der palästinensichen Führung.

    2. @Gereon:

      »Aber solange sogar angelsächsische Geschichtswissenschaftler mit Gefängnisstrafen zum Abschören ihrer Thesen genötigt werden, wird man sich wohl weiter da hineinsteigern.«

      Falls Sie damit David Irving meinen: der hat den Gerichtsprozess gegen Deborah Lipstadt, in dem er dann fachgerecht gegrillt worden ist, selber angezettelt. Es war Irving, der seine Kritiker zum »Abschwören« nötigen wollte – nicht umgekehrt!

      Antwort

  6. Ich habe auch den Eindruck, dass da jemand vor 1945 zurück will, als die Deutschen angeblich noch über eine ungebrochene, starke Identität verfügten. Als hätte der Identitätsbruch nicht schon 1933 stattgefunden. Meine Neingung, AfD zu wählen gerät jedenfalls angesichts solcher Erscheinungen ins Wanken. Möglicherweise distanziert man sich ja nocht überzeugend davon, abwarten.

    Sehr gut finde ich, dass auf den Zusammenhang mit der aktuellen Politik hingewiesen wird; dass solche Vorkommnisse auch ein Ergebnis der akuten Kommunikationsverweigerung der Herrschenden und ihrer Medien sind. Wenn man den Leuten immer und immer wieder erklärt, dass es unmoralisch un verdammenswert ist, wenn sie ihre eigenen Interessen vertreten, kann man nicht überzeugen und provoziert emotionale Gegenreaktionen.

    Antwort

    1. „Meine Neingung, AfD zu wählen gerät jedenfalls angesichts solcher Erscheinungen ins Wanken.“

      Na klar. Aber ein taktisches Kreuz bei der AfD ist im Moment die einzige Stimme gegen den Islam, der sicherlich eine viel bedeuterere Kräft pro Rechtsreaktion und Antisemitismus ist, als diese Ewiggestrigen in der AfD. Wenn viele Leute in die AfD gespült werden, dann bestünde immerhin die Möglichkeit, dass diese extrem rechten Positionen zurückfallen und aussortiert werden.
      Wenn die AfD tatsächlich sich in die rechte Richtung erfolgreich bewegt, dann wird sie ihre Position gegenüber dem Islam aufgeben und in ihm ihren traditionellen Verbündeten sehen. Die anti-Islam Stimme für die AfD ist also vor allem geeignet dazu, die traditionellen Parteien zu schwächen, so dass dort kritischere Kräfte Fuss fassen können, gegen Islam und diese ganzen totalitären Ideen der „Sozialen Gerechtigkeit“.

      Wer es sicherer mag, setzt auf die FPD.

      Antwort

      1. Sehe ich im wesentlichen ähnlich. Wenn nur dieser Lindner nicht so eine unsympathische Pfeife wäre.

      2. Ach, ein Gefühl persönlicher Sympathie sollte in der Bewertung von Politik weniger eine Rolle spielen, das zersetzt schnell das vernünftige Denken über Ziele, Taktik, Srategie usf.

        Immerhin blieb die FDP von einer Rechtsunterwanderung verschont, das spricht schonmal für sie.

  7. Eine gute Analyse, wie man sie vom alten Antifaschismus her kennt!

    Antwort

  8. Meiner Meinung nach triffst Du ins Zentrum der AfD-Diskussion mit folgendem Satz:
    „Tatsächlich ist Höcke (… und der AfD) die Frage nach dem richtigen Umgang mit der Erinnerung an die deutschen Verbrechen also herzlich egal.“
    Alles was über die AfD behauptet wird und was von ihr und vor allem wie es propagiert wird, hat herzlich wenig mit deren Programm zu tun. Das ist nämlich im Grunde national, konservativ und liberal. Das muß nicht jedem gefallen, ist aber eigentlich vertretbar.
    Aber darum geht es der AfD ja nicht: Im Wahlkampf werden völkische und nationalistische Stimmungen angeheizt und mit dem nicht zu Unrecht bestehenden Unbehagen an der aktuellen Politik vermengt. Und zwar systematisch. Das ist in zweierlei Hinsicht von Übel : Zum ersten weil das ein Spiel mit dem Feuer ist – und nein , es kommt dann nicht mehr auf die 99% der friedlichen Deutschen an, sondern eben auf das eine Prozent, die sich dann zum deutschen Schicksalmacher aufschwingen. Zum zweiten jedoch ist dies von Übel, weil hier sowohl liberale als auch nationale Motive, im positiven Sinne ausgedeutet als Bereitschaft, aktiv für das eigene Leben Verantwortung zu übernehmen (Liberalismus) und aus der eigenen Geschichte schöpferisch Impulse für positive Entwicklungen zu gewinnen (Nationalismus), dauerhaft mit dem revanchistischen und völkischen Bild zu einem Zerrbild vermengt werden. Dabei ist angesichts eines raumgreifenden Staates (noch nie war die Steuerquote so hoch wie 2016), eines langsam verrottendem Bildungssystem (engagierte Lehrer halten hier allenfalls den Verfall auf) und des zunehmenden Nationalismus eine positive Besetzung dieser Elemente für die Zukunftsfähigkeit des Landes dringend erforderlich.

    Antwort

    1. @dummerjan
      „eine positive Besetzung dieser Elemente für die Zukunftsfähigkeit des Landes dringend erforderlich.“

      Die viel älteren und erfolgreichen nationalen Demokratien der USA und GBs sind diesbezüglich selbst unter grösstem Stress — wie kann das dann in Deutschland mit der viel schwächeren demokratischen Tradition gelingen, den Nationalstaat als Wahrer einer egalitären und demokratischen Ordnung zu etablieren? Wohl am besten, wenn man hier möglichst jedes Pathos vermeidet und möglichst „verfassungspatriotisch“ ist? Besonders emotional anrühend ist das leider aber nicht.

      Antwort

  9. Der Vorwurf, dass er Nazi-Positionen
    beziehen würde, ist in diesem Fall
    nicht einfach nur Rhetorik zur Diffamierung
    eines politischen Gegners.

    Tut mir leid, aber ich kann derartige Kritik nicht nachvollziehen.

    Vielleicht sollte man zunächst einmal für sich selber klären, was konkret man an den Nazis so verbrecherisch und verwerflich fand. Für mich ist das (a) der Versuch der verbrecherischen Auslöschung anderer Kulturen und (b) die verbrecherische Vernichtung von Gegenmeinungen (mittels SA, Propaganda, Volkserziehungen, Gleichschaltung der Presse, …).

    Und nichts dergleichen wird von Höcke oder der AfD gefordert oder angestrebt.

    Im Gegenteil scheinen es deutlich eher die Linken selber zu sein, die eine Phobie gegen insbesondere die deutsche Kultur haben (aber auch anderen Kulturen nicht nach ihren eigenen Regeln leben lassen wollen) und somit die Kulturen auszulöschen und zu vernichten versuchen und sich dabei ziemlich ähnlicher Mittel wie die Nazis damals bedienen (> Verfolgung Andersdenkender auch mittels Gewalt > z.B. durch Antifa als SA-vergleichbare Einschüchterungstruppe, eine Presse, die sich als manipulatives Volkserziehungsorgan versteht und nur alle Andersdenkenden medial hingerichtet werden, …).

    Wenn man daher jemandem den Vorwurf machen möchte, ziemlich naziähnlich zu handeln, dann sollte man vielleicht einfach mal seine Augen aufmachen und in die eigene Richtung schauen.

    Und vielleicht wird man dann erkennen, dass es wieder eher die Menschen sind, die sich selber als sozial oder Sozialisten bezeichnen. Dieses mal mögen es zwar nicht die NationalSOZIALISTEN sein, sondern die AntiNationalSOZIALISTEN, weil dieses Mal vorrangig die eigene Kultur vernichtet werden soll und nicht eine Fremde. Doch Sozialist ist Sozialist und offenbar im Geiste ziemlich seelenverwandt, so dass sich auch erklären lässt, dass beide ihre Meinungen anderen mit ziemlich ähnlichen Methoden aufzudrücken versuchen.

    Das Einzige was die linksfaschistischen Nazis daher der AfD vorwerfen können, ist, dass diese – den Vernichtungsplänen der Linken entgegenlaufend – den Wert der eigenen Kultur und der Gemeinschaftswerte für erhaltenswert halten. Und das bedeutet noch lange nicht, dass die AfD anderen Kulturen damit feindlich gegenüberstünden und diese vernichten wollen würden. Wer die Augen aufmacht, würde vielmehr sehen, dass es die Linken sind, die die Kulturen vernichten wollen.

    Und ob Kulturen wichtig und erhaltenswert sind oder nicht, darüber sollte man sachlich streiten können dürfen. Sicher kann ein Gemeinschaftsgefühl negative Folgen haben, wenn man es zu einer Aufstachelung gegenüber anderen benutzt, um z.B. Kriege vorzubereiten oder zu rechtfertigen. Doch ein Gemeinschaftsgefühl hat auch positive soziale Funktionen, die dem eigenen Schutz dienen und in einem natürlichen Sinne in aller Regel sehr positiv sind.

    So definiert sich nahezu jeder Mensch über eine Vielzahl von Gemeinschaften (Familie, Verein, seine Schulklasse, seine Schule, seine Partei, seine Clique, Religion, Geschlecht, …), denen er sich zugehörig fühlt, denen er sich einerseits besonders verbunden fühlt und für deren Wohl bzw. Erhalt er überobligatorisch einzustehen bereit ist und die anderseits einen zu einem sozialen Menschen machen, der nicht nur kaltblütig egoistisch auf Kosten anderer seine Vorteile sucht. Denn, wer es lernt, friedlich innerhalb seiner Gemeinschaften zu leben und Kompromisse zu machen, füreinander einzustehen und füreinander da zu sein, der wird in aller Regel ganz allgemein sozialere Kompetenzen besitzen.

    Das Gemeinschaftsgefühl führt in den allermeisten Fällen ja nicht dazu, dass man andere Gemeinschaften deswegen hassen oder vernichten wollen würde. Anders ausgedrückt: Nur weil man z.B. die Gemeinschaft und die Werte der eigenen Familie liebt und für diese einzustehen bereits ist, bedeutet das noch lange nicht, dass man deshalb andere Familiengemeinschaften verachtet und zu vernichten versucht. Das besondere Gemeinschaftsgefühl zur eigenen Familie ist somit grundsätzlich nichts Negatives, sondern gut für den Menschen und deren Sozialkompetenzen. Und nur, weil z.B. ein Vater zu Gunsten seines eigenen Kindes eher bereit sein wird, sein eigenes Leben/Gesundheit vor Gefahren von außen einzusetzen bzw. zu riskieren und dieses für fremde Kinder nicht in gleicher Weise tun würde, ist der Vater noch lange kein rechtsradikales Arschloch im Hinblick auf fremde Kinder.

    Und das bedeutet ja noch lange nicht, dass der Vater sich zu Gunsten des fremden Kindes gar nicht einsetzen würde. Denn das fremde Kind ist vielleicht über andere Gemeinschaften mit dem Vater miteinander verbunden (z.B. Religion, Nachbarschaft, Verein, Staat, …), so dass der fremde Vater einen Angriff auf das fremde Kind wieder als einen Angriff auf die gemeinsame Wertgemeinschaft empfinden könnte, so dass dieser bereit ist, auch zum Schutze von fremden Kinder zum Schutze der gemeinsamen Gemeinschaft Gefahren für das eigene Leben/Gesundheit auf sich zu nehmen.

    Und je fester die Gemeinschaften gemeinsame Werte haben und somit miteinander verbunden sind, desto mehr werden die Menschen untereinander füreinander bei Gefahren von außen einstehen, um die gemeinsamen Werte zu erhalten.

    Wenn jetzt aber z.B. die Regierung alles dafür tut, die Gemeinschaften zu spalten, zu ächten und aufzulösen, dann werden die Menschen auch immer weniger füreinander einstehen. Denn je weniger man durch gemeinsame Werte miteiander verbunden ist, desto wenige gibt es auch zu verteidigen, wenn der andere in Gefahr ist. Und desto weniger ist man bereit, sein eigenes Leben/Gesundheit für jemanden anderen zu riskieren.

    Und Gemeinschaften lassen sich nicht staatlich aufzwängen, sondern müssen natürlich wachsen. Sie können aber staatlich zerstört werden.

    Wenn der Staat jetzt z.B. auf die Idee kommen würde, die Gemeinschaft der Familie zu zerstören (z.B. durch Spaltung der Geschlechter, absurdes Strafrecht um sich jederzeit gegenseitig vernichten zu können, riskante Scheidungsregelungen, ungerechte Zuteilung der Kinder nach Trennung, Schaffung von Unfrieden indem man einseitig typische Verhaltensweisen von Geschlechtern im Wege der Dauerbeschallung ächtet …), dann werden die Menschen immer weniger bereit sein, sich zusammenzutun und miteinander bzw. füreinander einzusetzen.

    Und Staaten bzw. Kulturen sind letztlich nichts anderes als genauso eine Form von Gemeinschaft (wie Familie, Verein, Nachbarschaft, …) Und je stärker man zusammen gemeinsame Werte besitzt (z.B. Gleichberechtigung), desto stärker wird man auch hier bereit sein, füreinander einzustehen und sich gegenseitig vor Gefahren von außen zu schützen, die eine Gefahr für die gemeinsamen Werte darstellen können.

    Und, wenn man diese Gemeinschaften (Staat, Kulturen, …) wie die Linken zu vernichten möchte, dann hat das Folgen für den sozialen Umgang untereinander. Eindrucksvoll konnte man das z.B. an den Vorgängen in Köln beobachten, wo dann plötzlich selbst die Feministinnen wieder herumplärrten, dass die deutschen Männer „unsere“ Frauen nicht mehr verteidigen würden. Doch das allgemeine Gemeinschaftsgefühl zwischen Männern und Frauen und der deutschen Kultur ist inwischen recht erfolgreich gezielt und bewusst von Linken geächtet und vernichtet worden, so dass immer weniger Menschen die Frauen als „unsere“ Frauen betrachten, so dass man Angriffe auf diese auch nicht mehr als Angriffe auf die eigenen Gemeinschaftswerte betrachtet. Denn das Wort unsere zeigt ja schon dass man dafür ein gemeinsames „Nationalbewusstsein“ benötigen würde oder sich irgendwie anderweitig miteinander gemeinschaftlich verbunden fühlt, dass man die andere Personen als Teil der eigenen schützenswerten Gemeinschaft empfindet, die einem so wichtig erscheint, dass man zum Schutze der anderen Person auch das eigene Leben/Gesundheit riskiert.

    Eine derartige Wertegemeinschaft existiert jedoch schlicht immer weniger, in welcher Frauen als „unsere“ Frauen betrachtet werden könnten und in der man überobligatorisch füreinander einzustehen versucht. Wieso sollte man sich hier mit irgendeiner fremden Frau noch so verbunden fühlen, um seine eigene Gesundheit für sie zu riskieren. Wenn man sie als Teil unserer verteidigenswerten Kultur betrachten würde, wäre man ja ein Nazi. Und da Frauen sich umgekehrt aufgrund der Spaltung der Geschlechter auch nichts für Männer tun (z.B. Einsetzen für gleichberechtigte Abtreibungsrechte, Wehrpflichten, Trennungsregelungen, …) gibt es auch keinen Grund, sich anderweitig für sie überobligatorisch einsetzen zu wollen. Das Band untereinander wird immer mehr gespalten, wofür garantiert nicht irgendwelche Rechten oder die AfD verantwortlich ist, denn diese sind in der Regel eher als die Linken für den Erhalt der Gemeinschaften (Staat, Ehe, Familie, Kultur, …) und nicht für deren Spaltungen. Dass die Zerstörung der Gemeinschaften auch das soziale Miteinander zerstört und zum immer asozialeren bzw. egoistischeren Menschen führt, dass können Linke offensichtlich nicht erkennen.

    Man empfindet Angriffe auf fremde Frauen oder fremde Mitbürger zwar immer noch durchaus als Angriffe auf seine eigene Wertegemeinschaft, doch wird einem diese Wertegemeinschaft inzwischen immer gleichgültiger, so dass man auch immer weniger eigene Risiken zum Schutze dieser Gemeinschaften auf sich nimmt. Denn man sieht ja, dass inzwischen Linke alles daran setzen, diejenigen in die Naziecke zu stellen, die sich für den Erhalt von Staat, Grenzen, Ehe, Familie, Kultur, … als schützenswerte Werte einzusetzen versuchen. Und warum sollte man sich noch für Werte einsetzen, wenn man dann als Nazi beschimpft wird?

    Wenn ich das richtig mitbekommen habe, dann sind Sie doch Lehrer? Machen Sie doch mal ein (Gedanken-)Experiment und schauen sich an, wann sich die starken Schüler auch für die schwächeren Schüler einsetzen? Das wird ziemlich sicher nur dann erfolgen, wenn man eine „Klassengemeinschaft“ fördert und den Schülern der Klasse das Gefühl gibt, offen stolz auf die Klasse sein zu dürfen und Gemeinschaftswerte entwickeln zu dürfen. Und das wird auch nur dann funktionieren, wenn alle im Rahmen ihrer Möglichkeiten bzw. Fähigkeiten zur Gemeinschaft beizutragen versuchen. Wenn der Starke das Gefühl hat, dass der Schwache trotzdem im Rahmen seiner Möglichkeiten sich bemüht, wird der Starke innerhalb einer funktionierenden Gemeinschaft sich auch zu Gunsten der Schwächeren in seiner Gemeinschaft einsetzen. So, und jetzt fragen Sie sich mal, was wohl passieren würde, wenn man diejenigen als Nazis beschimpft, die sich für den Erhalt der Klassengemeinschaft einsetzen wollen und weitere Maßnahmen von „oben“ zwangsweise vorgenommen werden (wie z.B. pauschale Sondervorteile für alle Mädchen, absurde Strafandrohungen so dass sich die Schüler für belanglose Allagsdinge jederzeit verpetzen können, ständiges verbales Einprügeln auf die leistungsstärkeren Schüler, Zwangsintegration von mehreren leistungsschwachen Schülern, die die bisherigen Werte der alten Gemeinschaft negativ gegenüberstehen und auch wenig eigene Bereitschaft zur Anpassung an die Gemeinschaft zeigen, …).

    Sie würdem damit ziemlich zielsicher die bisherige Klassengemeinschaft sehr effektiv zertrümmern und einen Haufen Egoisten produzieren. Kaum noch ein Schüler wird noch ein Gemeinschaftsgefühl empfinden und sich auch zugunsten schwächerer Mitschüler einsetzen.

    Ein Team ist nur dann an Team, wenn man es auch zulässt, ein Team sein zu dürfen und nicht jede teambildendes Verhalten für Nazihandeln hält und zu zerstören versucht.

    Und wie gesagt, nur weil man eine funktionierende Klassengemeinschaft hat und danach strebt, dass seine eigene Klasse möglichst erfolgreich ist, bedeutet das ja noch lange nicht, dass man deshalb andere Klassengemeinschaften hassen oder vernnichten wollen würde. Das liegt zum einen daran, dass man auch mit den anderen Klassengemeinschaften noch eine andere schwächere Gemeinschaft bilden kann (= Schulgemeinschaft, Landkreis, …) und zum anderen daran, dass Menschen in funktionierenden Gemeinschaften gewöhnlich sozialere Fähigkeiten entwickeln und man diesen daher auch einen Grundkonsens allgemeiner positiver Werte besser vermitteln kann, so dass der „Stolz“ auf seinen eigenen Klassenverband nichts Negatives ist.

    Wenn man hingegen aber die Gemeinschaften spaltet und damit ein Haufen von Egoisten produziert, sich also schon die Klasse nicht als eine Gemeinschaft oder Team versteht, dann wird man diesen Schülern auch nicht leichter vermitteln können, dass diese andere Gemeinschaften respektieren sollten.

    Wer – wie die Linken – daher die Vernichtung der staatlichen Gemeinschaften oder Kulturen anstrebt, der wird in den seltensten Fällen etwas Erwünschenswertes oder Anstrebenswertes erreichen.

    Komischerweise verstehen die Linken die gewöhnlichen Prinzipien in der Natur, was sie im Rahmen der Menschen verachten und vernichten wollen. Zumindest habe ich immer das Gefühl gehabt, dass es eher die Linken sind, die in der Natur für Artenschutz bzw. den Erhalt der verschiedenen Pflanzen-/Tierarten sind. Und in der Natur versteht jeder, dass es eine Gefahr ist, wenn man z.B. eine gebietsfremde Pflanze oder Tier in einem fremden Gebiet anzusiedeln versucht. Das kann gut gehen und dazu führen, dass die einheimischen Pflanzen/Tiere „friedlich“ mit den gebietsfremden Pflanzen/Tieren nebeneinander leben können. Wenn man Pech hat, kann es aber auch das einheimische Gleichgewicht durcheinander bringen und zur Ausrottung einheimischer Pflanzen-/Tierarten führen, weil sich das Stärkere durchsetzen wird.

    Und da der Mensch letztlich auch nur ein Teil der Natur ist, läuft das Prinzip hier letztlich auch nicht anders. Die Kulturen werden nur dann friedlich nebeneinander im gleichen Raum auskommen können, wenn diese einigermaßen zueinander passen, einigermaßen ihre gegenseitigen Überzeugungen respektieren und die Konflikte daher den Gesamtfrieden nicht gefährden. Ansonsten wird sich die stärkere Kultur irgendwann durchsetzen und die schwächere Kultur verdrängen. Und da unsere Kultur kaum noch ein Gemeinschaftsgefühl besitzt bzw. jede Form eines gemeinsamen Nationalbewusstseins geächtet wird, wird unsere Kultur vermutlich nicht die überlebende Kultur sein.

    Das kann man ja gerne gut finden, wenn man die Werte der eigenen Kultur nicht gut findet und ein Verdrängen durch eine andere Kultur begrüßt. Man sollte sich aber vor Augen halten, dass es möglicherweise auch eine Kultur sein könnte, die man möglicherweise doch nicht wirklich wollte (z.B. weil die vermutlich stärkere Kultur Frauen und Nichtmuslime für minderwertiger betrachtet oder eine andere Einstellung zu Gewalt und der Verteidigung von Ehre hat).

    Das Widersprüchliche ist ja, dass die Linken auf der einen Seite die eigene Gemeinschaft bzw. eigene Kultur vernichten wollen, aber von der hinzukommenden Kultur dann verlangen, dass diese die Werte dieser Kultur in bestimmten Dingen zu übernehmen habe, um zudem dann ständig neue pauschale „Rassentrennungen“ bzw. Schutzräume einrichten zu wollen (z.B. Frauenparkplätze, Frauenschwimmzeiten, Frauenhäuser, Frauenbahnabteile, …).

    Wer die Augen aufmacht, wird die wirklichen Nazis und deren Vernichtungsträume von unterschiedlichen Kulturen wahrscheinlich an einer ganz anderen Stelle finden.

    Und, wer das Gemeinschaftsgefühl (z.B. Staat, Kulturen) zerstören möchte, sollte sich vielleicht auch der Folgen mal bewusster machen. Denn solche Zustände sind der Traum jedes Diktators. Denn je geringer das Gemeinschaftsgefühl und je gespaltener die Bevölkerung untereinander ist, desto weniger werden diese sich noch gemeinsam organisieren können, um sich gegen verbrecherische Maßnahmen des Diktators zu wehren. Stichwort: „Teile und Herrsche“. Solange die Beherrschten kaum noch ein Gemeinschaftsgefühl miteinander haben, kann nahezu alles gegen den Willen des Volkes umgesetzt werden. So kann sich Deutschland dann auch an Kriegen beteiligen, obwohl nahezu keiner im Volk die militärischen Maßnahmen befürwortet (z.B. Beteiligung an den Dronentötungen durch Deutschland). Da die Bevölkerung genug mit sich selber zu tun hat, kann der Staat unproblematisch immer weiter zu einem Überwachungsstaat ausgebaut werden, TTIP in Geheimhaltung am Volk vorbei verhandelt werden, …

    Und solche diktatorisch traumhaften Strukturen befürwortet man komischerweise aber immer nur solange, wie die Herrschaftsgewalt noch bei Leuten liegt, die man aufgrund von Lagerdenkens oder der Demonisierung der Gegenseite für die Guten hält. Blöd findet man diese dann aber plötzlich, wenn das Pendel in die andere Richtung schwenkt und plötzlich diejenigen an die Macht gelangt, die man ablehnt. Und auch, wenn die diktatorischen Strukturen dazu führen, dass ein derartiger Machtwechsel nicht so einfach ist, so kann man sich trotzdem sicher sein, dass irgendwann jemand an der Macht sein wird, den man nicht wollte und dann genauso schwer wieder loswird. Und dann ist das Geplärre groß, wie das passieren konnte, statt zu erkennen, dass man es selber war, der genau diese Strukturen mit aufgebaut bzw. mit befürwortet hatte und diejenigen als Nazis beschimpft hatte, die diese diktatorischen Strukturen ablehnten.

    Und Personen in eine Naziecke stellen zu wollen, weil diese lediglich den Wert eines staatlichen bzw. kulturellen Zusammenhörigkeitsgefühls zum Erhalt von demokratischen Strukturen und Werten für sehr wichtig halten, ist nicht sehr überzeugend.

    Die wirklichen Nazis sitzen schon lange an den Schaltknüppeln und basteln zur Zeit an traumhaften diktatorischen Strukturen (gegenseitigen Aufhetzen bzw. Spaltung der Gesellschaft: z.B. Geschlechter, Religionen, Arm-Reich, Ächtung von anderen Meinungen / Antifa als SA-Terrortrupp zur Einschüchterung / traumhafter Ausbau des Überwachungsstaates, um jeden jederzeit medial hinrichten zu können / eine traumhaft im Sinne der Regierung agierende bzw. gesteuerte Presse bzw. Propagandabteilung zur Volkserziehung, die mit herrlichen Gleichschritt Kampagnen führen / …).

    Man muss sich wohl schon absichtlich blind stellen, um die bereits lange existierenden Zustände nicht erkennen zu wollen, die einem die angeblich „guten“ Parteien vorgaukeln. Aber schimpft gerne weiter auf die paar Menschen, die die Augen einfach nur aufmachen bzw. etwas völlig anderes als von den Medien vorgekaut sehen. Aber gut, vielleicht seid Ihr ja auch genau für diese Zustände, die Merkel, Schwesig, Maas, De Maiziere, … immer weiter vorantreiben. Manche wollen halt offenbar gnadenlos belogen und betrogen werden.

    Antwort

    1. @xyz
      „Tut mir leid, aber ich kann derartige Kritik nicht nachvollziehen.“

      Nazis bezieht sich hier auf die nach 1945. Diese haben immer zuerst beim Nationalstolz angefangen, ganz vergleichbar mit Höcke hier. Da gab es unendlich viele Beispiele. Insofern greift der Exkurs mit den NS-Herrschern bis 45 daneben.

      „eher die Linken selber zu sein, die …. somit die Kulturen auszulöschen und zu vernichten“

      Das ist auch nicht mit den von bis 45 zu vergleichen. Sie haben es ja noch nicht geschafft oder sind auch noch nicht ernsthaft dabei 😉

      Und warum den „linken Progressivismus“ unbedingt mit Nazis oder Kommunisten vergleichen? Hierbei scheint es sich doch um eine völlig neue Bewegung zu handeln, deren Gemeinsamkeit mit Vorgenannten darin bestehen mag, in einer totalitäre Dystopie zu enden.

      “ … Dass die Zerstörung der Gemeinschaften auch das soziale Miteinander zerstört und zum immer asozialeren bzw. egoistischeren Menschen führt, dass können Linke offensichtlich nicht erkennen.“

      Nein, das die sine qua non staatlich-totalitärer Kontrolle: teile und herrsche, Jeder muss Jedem am besten misstrauen.

      “ … da unsere Kultur kaum noch ein Gemeinschaftsgefühl besitzt bzw. jede Form eines gemeinsamen Nationalbewusstseins geächtet wird, wird unsere Kultur vermutlich nicht die überlebende Kultur sein.“

      Das ist immer so ein Fehler beim sozialdarwinistischen Denken, nämlich anzunehmen man wüsste den Ausgang. Eine Kultur ist ja nicht nur durch Gemeinschaftsgefühl geprägt, sondern zB auch durch ein gemeinsames Denken. Unsere Kultur hier ist zwar gemeinschaftlich recht schwach, aber extrem gut, wenn es um effektive Lösungen und Organisation geht. Solche Grössen zB wären auch zu berücksichtigen bei den Speklationen über das „Überleben“, was die ganze Angelegenheit dann schnell komplex und unberechenbar macht…. Wäre das anders, würden wir noch als Steinzeitmensch-Horden leben 😉

      „Das Widersprüchliche ist ja, dass die Linken auf der einen Seite die eigene Gemeinschaft bzw. eigene Kultur vernichten wollen, aber von der hinzukommenden Kultur dann verlangen …“

      Das konsequente mit-zweierlei-Mass-messen zeigt doch ganz klar, dass an diesen fremden Kulturen überhaupt kein Interesse besteht und diese nur genutzt werden, um gegen die Herrschaft der eigenen vorzugehen. Die wollen eben etwas anderes. Sie sagen es aber nicht was und bieten das nicht auf dem Markt der Möglichkeiten an, sondern gehen hintenrum und manipulativ vor.

      Wer findet es denn nicht zum Lachen, dass „Linke“, die an jeder Kleinigkeit was auszusetzen haben, beim Anblick des Islam zB in ehrfürchtiges Schweigen verfallen? Das hat nur zum geringeren Teil mit Feigheit zu tun, sondern mit der Erwartung, dass hier endlich ein geeigneter, revolutionärer Störfaktor auf den Plan tritt, der einem den Weg zur utopischen Gesellschaft ebnen könnte.

      Gegen diese Gefahr eine heile Welt einer vermeintlich althergebrachten „Gemeinschaft“ zu setzen, ist auch nicht wirklich besser als die „neue Gemeinschaft“ als Utopie durch Zerstörung erreichen zu wollen.

      Das einzige, was erfolgreich dagegen halten könnte, ist ein universeller Gemeinschaftssinn, der freiwillig-geistig und nicht materiell oder durch ideologischen oder religiösen Zwang erfolgt. Diese Geisteshaltung hat schon den Angriff der Nazis und Kommunisten überstanden, dann wird sie bestimmt auch mit der neuen „links-progressiven“ Bewegung fertig und auch mit einer aggressiven Religion, die nichts als Gehorsam lehrt. Also mal locker bleiben 😉

      Antwort

  10. Eine ganz andere Art das „Denkmal der Schande“ zu inszenieren ist diese Aktion hier:

    http://www.tabletmag.com/scroll/222564/yolocaust-new-web-site-satirizes-the-misuse-of-one-of-the-most-iconic-holocaust-memorials

    Leute, die selbstvergessen das Blockfeld für Aktivitäten wie Sonnenbaden, Rumhüpfen und andere Spässe nutzen, werden als zutiefst pietlos hingestellt. Dass das Denkmal selbst zu einer solchen Verwendung geradezu einlädt, wird natürlich nicht problematisiert. Ich sehe diese „Zweckentfremdung“ tendenziell als hoffnungsfrohes Zeichen. Dass egal was geschieht, das Leben weiter geht und sich auch nicht durch die grösste Scheusslichkeit zu dem der Mensch fähig ist, entmutigen lässt.

    Besonders ironisch ist der letzte Absatz, der den Künster der Aktion mit Höcke verknüpft:

    „The entire German political establishment is predictably up in arms over Höcke’s outburst, but the best reply came from Shapira. “Berlin’s Holocaust memorial isn’t there for the Jews, or even the victims,” he told The Guardian. “It’s a moral compass for future generations, to warn them precisely about people such as Björn Höcke.”“

    Besonders ironisch daher, da der „Guardian“ das wohl ultimativste Hetzblatt gegen Israel ist. Denen moralische Legitimation zu geben, das findet Shapira wohl total ok. Ob er etwas dagegen hätte, das Holocaust-Denkmalfeld mit Stacheldrahtzaun einzufrieden?

    Antwort

  11. Oh, Mann.

    Wo bitteschön sagt Augstein denn, daß die New Yorker Presse von Juden kontrolliert wird? Bist du paranoid?

    Dieses Antisemitismus-Gedöns kann ich wirklich nicht mehr.hören. Bist du etwa ein Jud‘? 🙂

    Immer locker bleiben. Ich habe AfD gewählt, und ich finde Höckes Burschenschaftler-Nationalstolz ebenfalls infantil. Mir soll doch mal bitte jemand erklären, warum „Denkmal der Schande“ „antisemitisch“ ist. Ein Zentralrats-Heini, der Antisemitismus schreit, ist eine Feministin, die Sexismus schreit.

    Der heutige Diskurs-„Antisemitismus“ ist nichts anderes als die heutige Diskurs-„Frauenfeindlichkeit“ oder die Diskurs-„Islamophobie“.

    Die Parallelen sind so deutlich und vielfältig, dass es naiv wäre, in Höcke keinen Neonazi zu sehen.

    Höcke: „Das heißt, ich habe den Holocaust, also den von Deutschen verübten Völkermord an den Juden, als Schande für unser Volk bezeichnet. Und ich habe gesagt, dass wir Deutsche diesem auch heute noch unfassbaren Verbrechen, also dieser Schuld und der damit verbundenen Schande mitten in Berlin, ein Denkmal gesetzt haben.“

    Ich habe übrigens auch einen Artikel zum Thema geschrieben: Björn Höcke und das „Denkmal der Schande“

    Antwort

  12. zu dieser ganzen Diskussion passt noch das, wie die Faust auf´s Auge:

    Das «Tätervolk» trauert schlecht
    https://www.nzz.ch/feuilleton/aktuell/nach-dem-anschlag-von-berlin-das-taetervolk-trauert-schlecht-ld.140656

    „Wurde der Opfer des Terroranschlags in Berlin zu wenig gedacht? Die Gelassenheit der Deutschen nach der Untat ist nun als emotionales Versagen in die Kritik geraten.“

    Das ist natürlich weniger ein „emotionales Versagen“ als ein politischer Wille. Scheint mir in etwa der gleiche politische Wille bzw Bereitschaft dahinter zu stehen, den Brandanschlag auf die wuppertaler Synagoge als Akt der Kritik an Israel zu begreifen.

    An der entscheidenen Stelle verschreibt sich die NZZ lustigerweise:

    „Mit deren Geschichten und Gesichtern fehle auch die Basis dafür, dass sich jede(r) Deutsche mit dem Geschehen identifizieren und sagen könne, er oder sie sei bei dem Attentat mitgemeint.“

    Diese Geschichten werden genau deshalb unterlassen — eben damit sich niemand „mit dem Geschehen identifizieren und sagen könne, er oder sie sei bei dem Attentat mitgemeint.“ Sonst hilft das ja den „rechtsradikalen“ oder gar den „islamophoben“ Parteien.

    „Die Kritiker einer deutschen Unfähigkeit zu trauern aber belassen es nicht einfach bei institutionellen Fragen. …. Ob Tilman Krause und der Psychotherapeut Wolfgang Schmidbauer in der «Welt», ob Nina Pauer in der «Zeit», sie alle argumentieren, wo es ums Eingemachte geht, mit dem Schatten der nationalsozialistischen Vergangenheit. …. Demnach steht das seit Generationen gepflegte Selbstverständnis, ein Tätervolk zu sein, einem angemessenen Trauern entgegen. …. Diese Analyse wirkt wie ein Rückfall in überwunden geglaubte Debatten um die «Historisierung» deutscher Verbrechen und die «Normalisierung» des deutschen Volkes. “

    Schärfer gesagt, sie erinnern an die rhetorischen Kunstgriffe von NS-Apologeten wie zB Hohmann (auf den bezieht sich das mit dem „Tätervolk“ ja).

    Die NZZ meint:

    „Nationales Pathos ist den Deutschen abhandengekommen. Kollektive Trauer müssen sie erst wieder üben. Und wenn sie klug sind, wird dabei die zwischenmenschliche Geste, nicht das Nationalbewusstsein, vordringlich bleiben.“

    Es gibt eine viel, viel näherliegende Erklärung für all das. Dieser Terror, der nunmehr auch Deutschland heimsucht, wurde jahrzehntelang bagatellisiert und runtergespielt, als er sich auf Israel beschränkte. Es musste unbedingt an der Mär des Friedenswillens der Palästinenser festgehalten werden. Darüber hinaus wurde Israel systematisch als Aggressor, die andere Seite als nur reagierend dargestellt. Wieso sollte dieses Narrativ jetzt ändern?

    Genau das gleiche ist für andere westliche Länder festzustellen, die nicht im „Schatten der nationalsozialistischen Vergangenheit“ stehen. Ist es da nicht viel naheliegender, dass es sich um die Schatten des „ältesten Vorurteils der Welt“, des Antisemitismus, geht?

    Antwort

    1. Wir Deutschen sind als unfähig, angemessen die Terroropfer zu betrauern, weil wir damit gezwungen wären, unseren Blick auf Israel zu ändern?

      Willkommen im Reich der Paranoia. Immer wieder amüsant, diese sogenannten Israel-„Freunde“ zu erleben.

      Hat Israel deiner Meinung nach überhaupt irgendeine Verantwortung für den Nahost-Konflikt?

      So wie die Deutschen das Täter-Narrativ ablegen müssen, um endlich erwachsen zu werden, so muß der Jud‘ das Opfer-Narrativ ablegen, um wieder eine konstruktive Rolle in Nahost spielen zu können.

      Antwort

      1. „Wir Deutschen sind als unfähig, angemessen die Terroropfer zu betrauern, weil wir damit gezwungen wären, unseren Blick auf Israel zu ändern?“

        So wäre das überspitzt ausgedrückt. Es ist vielmehr der „Blick auf Israel“ der letzten Jahrzehnte, der diese Unfähigkeit mit den nunmehr eigenen Opfern umzugehen bedingt. Das ist rein politisch zu verstehen. Es geht hier nicht um das Erleben individueller Trauer, sondern um Trauer als Ausdruck des Politischen.

        „Hat Israel deiner Meinung nach überhaupt irgendeine Verantwortung für den Nahost-Konflikt?“

        Sicherlich war es zB ein Fehler den „Friedensprozess“ zu ernst genommen zu haben, welches den Terrorismus ermutigt hat.

        „So wie die Deutschen das Täter-Narrativ ablegen müssen …“

        Wenn du von irgendwelcher „historischen Verantwortung“ geht und der „Auseinandersetzung mit der Geschichte“, dann betrifft das nicht „Deutsche“ und ein „Täter“-Narrativ. Mit dieser Personalisierung wird nur abgelenkt von dem viel Abstrakteren, was zu diskutieren ist. Ganz analog machen es übrigens die Islam-Apologeten, die auch immer nur auf „Moslems“ umlenken wollen und das Thema Islam damit vernebeln wollen.

        „….muß der Jud‘ das Opfer-Narrativ ablegen, um wieder eine konstruktive Rolle in Nahost spielen zu können.“

        In diesem Konflikt spielt ein „jüdisches Opfer-Narrativ“ absolut keine Rolle. Hingegen wird der Konflikt wesentlich von einem Palästinenser-Opfer-Narrativ bestimmt, der die Legitimation und das propagandistische Schutzschild dieser Seite liefert.
        Dieses Narrativ ist übrigens die Trumpfkarte der ganzen „progressiven“ „Opferolympiade“.

      2. Daß die Palästinenser und Muslime allgemein einen auf Opfer machen, leugne ich nicht. Trotzdem ist das Opfer-Narrativ der Juden essentiell. Das sehen auch viele jüdische Intellektuelle so. Gerade weil die Juden sich derart als Opfer gerieren, nehmen sie sich eine Menge heraus.

        Wir Deutschen haben ein Empathiedefizit nach innen, die Juden nach außen.

        Könnte folgende Begebenheit vielleicht doch ein Fehler von Israel gewesen sein:

        Weltweites Aufsehen erregte die Besetzung Beiruts im September 1982 mit dem Massaker in den Palästinenserlagern von Sabra und Schatila: Christliche libanesische Milizen massakrierten dort Hunderte von Palästinensern – Frauen, Männer und Kinder –, ohne dass die in der Nähe stationierten israelischen Armeeeinheiten eingriffen. Die israelische Armee hatte die Lager während der Nacht mit Leuchtraketen erhellt, um die phalangistischen Milizen zu unterstützen.[10] Nach einer israelischen Untersuchung durch die Kahan-Kommission musste der Hauptverantwortliche für den Libanon-Feldzug, der damalige Verteidigungsminister Ariel Scharon, zurücktreten.

      3. „Wir Deutschen haben ein Empathiedefizit nach innen, die Juden nach außen.“ Und als nächstes regst Du Dich dann darüber auf, dass man heutzutage ja schon als Antisemit bezeichnet wird, wenn man einfach mal Juden als mitleidloses Volk beschimpft und denkt, dass sei eine ganz unschuldige und sachliche Aussage.

        Dass man es nicht merkt, wenn man antisemitischen Kram von sich gibt, heißt aber ja nun noch nicht, dass solch ein Kram ganz in Ordnung wäre. Dazu gab es ja schonmal ein sehr treffendes Titanic-Titelbild: http://www.titanic-magazin.de/postkarten/karte/schrecklicher-verdacht-war-hitler-antisemit-0702-2116/

        Ein Aspekt des heutigen deutschen Anitisemitismus, auch des linken, ist es, dass Israel als Projektionsfläche benutzt wird, um deutsche Konflikte aufzuarbeiten. So etwa, wenn der Zaun zu palästinensischen Gebieten als „Mauer“ bezeichnet wird. Oder irgendein Knallkopf Parallelen zwischen Juden und Nazis zieht.

        Die bescheuerte Behauptung, dass Deutsche zu wenig Mitleid mit sich selbst hätten und Juden zu wenig mit anderen – das gehört in eine solche Reihe. W.G. Sebald hat in „Luftkrieg und Literatur“ dazu (wie eigentlich immer gut) geschrieben, dass Leid der Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg seltsam wenig behandelt worden sei – Günter Grass hat in „Im Krebsgang“ (weit weniger überzeugend) ein ganzes Buch auf dem Verdacht aufgebaut, Deutsche würden angeblich über das Leid von Deutschen nicht reden DÜRFEN. Das Thema nun auch noch mit einer angeblichen jüdischen Empathielosigkeit zu verknüpfen ist ganz idiotisch.

        Wer über Israel was Haltbares aussagen will, muss sich nunmal in eine sehr komplizierte politische Situation einfinden. Unter den Deutschen, die sich gern über israelische Politik auslassen, ist dazu nur ein Bruchteil bereit. Der Rest ist Gerede von Leuten, die es dann nicht einmal mehr merken, wenn sie antisemitische Klischees von sich geben.

      4. „Wir Deutschen haben ein Empathiedefizit …“

        Was soll das bedeuten, ausser einem kollektiven Beschämungsversuch? Das ist wie das Büsser-Gerede mit dem „Tätervolk“: die Deutschen hätten ein „Empathiedefizit“. Aber zum Glück kann man ja Busse tun und „den Juden“ (ging es nicht um Israel?) im Doppelpack auch noch was anhängen, ein „Empathiedefizit nach aussen“.
        Überhaupt empfielt es sich nicht, immer von sich auf andere zu schliessen.

      5. Sag‘ mal Schoppe. Bist du wirklich ein Jud‘? Anders kann man sich deine Verständnisdefizite nicht erklären.

        Ich sprach von Defiziten. Empathiedefiziten.

        Daß die Deutschen zu wenig Empathie für sich selbst haben, sieht man an der Eurokrise, an der Flüchtlingskrise und vielem mehr. Wer das nicht sieht, ist meiner Meinung nach pathologisch links eingestellt.

        Man sieht das übrigens auch an den hirnrissigen Diskussionen zum Einheitsdenkmal, zum Humboldtforum, zu Rekonstruktionen allgemein.

        Dein Kommentar ist seltsam schwach und fügt sich leider in das typische linksideologische Schema, das man auch bei Hoffmann sehen kann.

        Die These, daß Juden in Israel ein Empathiedefizit hätten, stammt übrigens nicht von mir, sondern wohl von Avraham Burg oder einem anderen Jud‘. 🙂

        Ach, Leute. Wo soll das noch hinführen?

        Der Kommentar von Alex ist recht suboptimal. Ich beschäme die Deutschen mitnichten und Neffen. Aber na ja.

        War nur mal ein Versuch, mich im Felde der ideologischen Paranoia zu behaupten. 🙂

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