Geschlechterpolitik

Liebe SPD,

Wahlkampfplakat SPD
geschrieben von: Lucas Schoppe

Ein Brief eines Sozialdemokraten, der auf gar keinen Fall SPD wählt

Gerade las ich bei Arne Hoffmann einen Artikel darüber, dass die SPD auf männliche Wähler pfeife – mitten in die Euphorie über den Kanzlerkandidaten Schulz hinein. Hoffmann stellt gegenüber, was die SPD in Nordrhein-Westfalen für Frauen zu tun gedenke – ein langer prall gefüllter Absatz – und was sie für Männer tun will: Auch ein langer Absatz, der aber ganz leer bleibt.

Ich kann mir vorstellen, dass Sie das polemisch und unsachlich finden. Ich kann aber ein paar Erfahrungen beisteuern, die zeigen, dass es das nicht ist. Mehr noch: Das Verhältnis von Männern und Frauen, wie es die SPD beschreibt, sagt weit über Geschlechterbeziehungen hinaus etwas über Ihre Partei aus, das Sozialdemokraten eigentlich in Panik versetzen müsste.

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Von gleichen Pflichten ist heute keine Rede mehr. Gleiche Rechte sind durch „Gleichstellung“ ersetzt worden. Aber sonst ist fast alles geblieben, wie es war.

 

Eine ehrenwerte Partei lässt sich nicht von jedem wählen

Es war etwa eine Woche vor der letzten Bundestagswahl. Ich ging damals gemeinsam mit meiner Partnerin durch die Fußgängerzone unserer Stadt, in der natürlich alle möglichen Parteien Stände aufgebaut hatten. Der SPD-Stand war seltsam: Er war nicht im traditionellen Rot gehalten, sondern ganz in lila – und alle erkennbaren Slogans sprachen nur Themen an, die sich direkt an Frauen wandten. Insbesondere natürlich den Gender Pay Gap.

Der Stand war auch ausschließlich mit Frauen besetzt, und eine dieser Frauen kam direkt auf uns zu und sprach uns an. Genauer: Sie würdigte mich keines Blickes, sprach meine Partnerin an und fragte sie, ob sie wisse, dass Frauen für die gleiche Arbeit deutlich weniger verdienten als Männer.

Meine Partnerin hatte sich mit dem Thema schon lange beschäftigt, war ohnehin seit vielen Jahren in verschiedenen Berufen tätig und sagte der SPD-Dame, dass sie diese These für Quatsch halte. Die Behauptung vergleiche ganz unterschiedliche Tätigkeiten und Arbeitssituationen – sie selbst habe noch nie weniger verdient als Männer in der gleichen Arbeit, ebenso wie alle anderen Frauen in tariflichen Beschäftigungen. Da wäre eine Ungleichbezahlung nämlich untersagt.

Die SPD-Wahlkämpferin hatte offensichtlich nicht damit gerechnet, dass ihr jemand widersprechen würde, war an Widerspruch wohl auch gar nicht gewohnt – und zog sich kleinlaut zurück, hilfesuchend nach anderen Frauen am SPD-Stand blickend.

Ich selbst war von keiner der Wahlkämpferinnen auch nur angeschaut worden – es war überdeutlich, dass sich diese SPD-Werbung kurz vor der Bundestagswahl programmatisch ausschließlich an Frauen richten sollte.

Ich fragte mich allerdings, welchen Sinn das haben sollte. Geht die SPD davon aus, dass Männerstimmen aus irgendeinem Grund weniger zählen als Frauenstimmen? Möchte sie Wahlen lieber verlieren, als von Männern gewählt zu werden? Oder geht sie – was ich für die wahrscheinlichste Erklärung halte – davon aus, dass Männer SPD wählen werden, ganz gleich, wie sie von der Partei behandelt werden? Dass hingegen Frauen wählerischer seien und eigens umworben werden müssten?

Die letzte US-Wahl hat ja gezeigt, wie prima ein solches Kalkül funktioniert. Tatsächlich hat Trump ja weniger Stimmen bekommen als seine Vorgänger Romney und McCain – nicht er hat die Wahl gewonnen, sondern Hillary Clinton hat sie verloren. Interessant aber ist: Nicht nur Männer, die von Clinton in ihrer Rede vom „war against women“ seit Jahren zu Feinden erklärt worden waren, haben Clinton ihre Stimme versagt, sondern auch Frauen. Unter weißen Frauen, unter Frauen ohne Collegeabschluss und unter Frauen in ländlichen Gegenden hatte Trump eine Mehrheit.

Das mögen Sie sich als deutsche Sozialdemokraten damit wegerklären, dass diese Frauen nun einmal entweder Privilegien verteidigten oder einfach ungebildet seien. Tatsächlich aber wäre es gut, wenigstens ganz kurz einmal mit der Möglichkeit zu rechnen, dass die Entscheidung dieser Frauen rationale Gründe hatte.

Die meisten Menschen leben nun einmal in Situationen, in denen das, was für Männer schlecht ist, auch für Frauen und die gemeinsamen Kinder schlecht ist – und umgekehrt. Eine Politik, die von vielen Männern nicht mehr unterstützt wird, kann auf Dauer auch kaum Unterstützung von Frauen finden. Etwas anderes kann nur jemand glauben, der Frauen insgeheim für dumm hält.

Ich erzähle dazu einmal eine weitere Geschichte, die schon länger zurückliegt.

 

Wie Frauenpolitik Frauen vertreiben kann

Ich stamme – wie  in meinem Blog schon oft berichtet– aus einer alten sozialdemokratischen Familie. Mein Vater war, als er vor eineinhalb Jahren starb, über fünfzig Jahre lang SPD-Mitglied gewesen. Er hat sich den größten Teil dieser Zeit mit großem Aufwand, mit viel Energie und in ganz verschiedenen Positionen für die Partei engagiert. Am Ende hat er die SPD nicht mehr gewählt und ist nur deshalb nicht ausgetreten, weil er in seiner Erinnerung noch zu viel Positives mit ihr verband.

Meine Mutter hatte im letzten Jahr ihr fünfzigjähriges Parteijubiläum. Obwohl der Ortsvereinsvorsitzende meines Heimatortes ein freundlicher Mann ist und sie mehrmals gebeten hat, dabei zu sein, wollte sie nicht zur Feier der fünfzigjährigen Parteizugehörigkeit gehen. Auch sie wählt die SPD nicht mehr und ist nur aufgrund ihrer Erinnerungen an einen früheren, anderen Zustand der Partei noch nicht ausgetreten.

Einen ersten schroffen Bruch mit ihr hat sie aber schon viel früher erlebt als mein Vater, nämlich in den Siebziger Jahren. Ich habe gerade erst mit ihr darüber gesprochen, und sie regt sich noch heute über das auf, was sich vor Jahrzehnten abgespielt hat.

Ihr war es damals wichtig, Frauenpolitik zu machen, sich also dafür einzusetzen, dass sich Frauen stärker als bislang partei- und gesellschaftspolitisch engagieren. Sie hatte das schon einige Jahre in Nordrhein-Westfalen getan, und nach einem Umzug unserer Familie in den Norden des Landes suchte sie dort gleich den Kontakt zur Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen.

Schon bei der ersten Sitzung, die sie mitmachte, war sie befremdet über die ungeheuer gehässige, abwertende Art und Weise, in der die anwesenden Frauen über Männer sprachen. Sie rechnete damit, dass diese Situation womöglich eine Ausnahme war, ging noch mehrmals zu Treffen – und erlebte immer wieder dasselbe. Die Frauen der ASF bezeichneten Männer gewohnheitsmäßig als „Schweine“ und pushten sich gegenseitig in eine erhebliche Feindseligkeit hoch.

Ich unterstelle gar nicht, dass diese Erfahrung für alle Gruppen der ASF typisch war – allerdings hat auch keine dieser Frauen durch ihre massive Feindseligkeit gegenüber Männern jemals Schwierigkeiten in der SPD bekommen, und einige haben auf lokaler Ebene noch leicht Parteikarriere machen können. Meine Mutter hingegen zog sich aus der Partei zurück, engagierte sich lieber anderswo und baute mit ein paar wenigen anderen Frauen aus dem Nichts eine sehr erfolgreiche ökumenische Frauenarbeit der katholischen und evangelischen Kirchen in der Region auf.

Sie hat immer ein besonders gutes Verhältnis zu ihrem Vater gehabt, der übrigens seinerseits seit seiner Jugend Sozialdemokrat war. Ihr war die Partnerschaft zu meinem Vater immer wichtig, und sie hat zwei Söhne. Sie hätte dumm sein müssen, um nicht zu merken, dass die Männerfeindlichkeit im ASF nicht nur inhuman war, sondern auch ihren ureigenen Interessen schadete. Es ist eben idiotisch zu glauben, eine Politik sei allein schon deshalb frauenfreundlich, nur weil sie männerfeindlich sei.

Sie werden gewiss den Vorwurf der Männerfeindlichkeit weit von sich weisen und einwenden, dass das, was meine Mutter erlebt hat, eine Ausnahme gewesen sei und die Parteiarbeit niemals wirklich geprägt habe. Das aber stimmt leider nicht. Haben Sie sich in letzter Zeit einmal angeschaut, was Ihre Familienministerin so tut?

 

Wie Frauenpolitik Frauen schwach machen und Männer zum Verschwinden bringen kann

Vor wenigen Jahren hat sie eine Kampagne für ein Frauentelefon gestartet – ein Hilfetelefon, an das sich ausdrücklich Frauen wenden können, die häusliche Gewalt erfahren haben. Nun kann man sich sicherlich darüber streiten, ob Männer oder Frauen im häuslichen Bereich zu gleichen Teilen Gewalt anwenden, oder ob ihre Gewalt gleich schwerwiegend ist. Eindeutig ist nach allen seriösen Studien zum Thema: Männer und Frauen üben häusliche Gewalt aus und werden Opfer häuslicher Gewalt, und insgesamt ist diese Gewalt in aller Regel Ergebnis einer Dynamik, an der beide beteiligt sind.

Ihre Familienministerin hingegen hilft ausschließlich Frauen und erweckt den Eindruck, häusliche Gewalt sei grundsätzlich destruktiver Ausdruck männlicher Strukturen.

Hilfnotruf

Auf diesen offiziellen Plakaten eines Bundesministerium sind ausschließlich Frauen zu sehen, in einem Fall in der ikonischen Position als schützende Mutter mit einem Kind. Männer erscheinen hier gar nicht als Menschen, sondern sind eine anonyme, zerstörerische Kraft, die als Drohung über diesen Frauen lauert und sich dort in den Gedanken kristallisiert:

„Muss ich tun, was ER sagt? Was passiert, wenn ich IHN anzeige?“ Und dagegen die Mutter: „Wie kann ich UNS schützen?“ Der Mann als gewalttätiger Eindringling in das friedliche Mutter-Kind-Verhältnis.

Stellen Sie sich einmal vor, jemand würde solche Plakate mit Deutschen im Bild machen, die über Erfahrungen mit der Gewalt von Migranten berichten. Solche Erfahrungen gibt es ja, sie sind real – trotzdem hätte wohl kaum ein Mensch einen Zweifel daran, dass die Plakate eine aufhetzende Propaganda sind.

Doch dadurch werden sie noch nicht frauenfreundlich. Keine der Frauen wird als stark oder selbstständig dargestellt, einige der Fragen klingen dümmlich. Es sind hilflose Opfer, die in diesem Leben aufgeschmissen wären, gäbe es keine Heldinnen, die sie schützen.

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Damit machen Sie eben das Gegenteil dessen, was ursprünglich einmal Sozialdemokraten getan haben. Die Arbeiterbildungsvereine haben Menschen doch nicht vermittelt, dass sie hilflose Opfer wären, verloren in der bösen Welt ohne die tätige Sorge sozialdemokratischer Minister. Sie haben Menschen für ihre Emanzipation etwas abverlangt.

Wenn Sie heute wieder und wieder vom vielfach widerlegten Gender Pay Gap erzählen, dann erwecken Sie hingegen bei jungen Frauen den Eindruck, dass die Männergesellschaft ihnen all ihre Mühe ohnehin nicht entlohnen werde. Was glauben Sie eigentlich, welche Auswirkungen es auf junge Paare hat, wenn Sie behaupten, ein Mann würde etwa ein Viertel mehr verdienen als eine Frau?

Wenn solch ein Paar entscheiden muss, wie beide die Erwerbsarbeit, Hausarbeit und Kindessorge unter sich aufteilen, dann wäre es doch ganz irrational, die Arbeit jeweils gleich zuzuteilen – oder gar zu entscheiden, dass die Frau, die doch angeblich dort draußen so viel schlechtere Chancen hat als der Mann, die Erwerbsarbeit übernimmt.

Sie machen Frauen nicht stark, sondern reden sie schwach – und setzen sich dann selbst als Unterstützer dieser schwachen Frauen in Positur. Das ist das genaue Gegenteil dessen, was Sozialdemokraten einmal getan haben.

 

Können sich wirklich Hinz und Kunz auf Menschenrechte berufen?

Ich selbst bin davon überzeugt, dass keine andere Partei für die deutsche Demokratie so wichtig war wie die SPD. Die SPD hat eben die Menschen, die sich mit guten Gründen als Verlierer gesellschaftlicher Bedingungen fühlen konnten, trotzdem in eben diese Gesellschaft hineingeführt – ihnen dort Perspektiven geschaffen, aber ihnen eben zugleich auch abverlangt, diese Perspektiven zu nutzen. Damit hat die deutsche Sozialdemokratie eine gesellschaftliche Vermittlung geleistet, ohne die eine stabile Demokratie wohl nicht möglich gewesen wäre.

Heute hingegen ist die SPD eine Partei der gesellschaftlichen Spaltung. Ich bin selbst Trennungsvater und habe erleben müssen, dass ich den Kontakt zu unserem Kind weitgehend verloren habe – aufgrund von willkürlichen Entscheidungen der Mutter, die diese niemals auch nur erklären musste. Das diesen Verhältnissen zu Grunde liegende Recht ist erst auf Druck von außen verändert worden, nachdem der Europäische Gerichtshof zweifelsfrei seine Menschenrechtswidrigkeit (und später das Verfassungsgericht seine Grundrechtswidrigkeit) festgestellt hatte.

Warum eigentlich ist niemals jemand in der SPD auf die Idee gekommen, sich vielleicht einmal bei den Menschen entschuldigen zu müssen, die von diesen Menschenrechtsverletzungen betroffen waren? Immerhin waren sie, mehr als alles andere, Resultat der Politik Ihrer Partei. Justizministerin war in einigen entscheidenden Jahren Brigitte Zypries – doch dass diese Frau für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich ist, spricht für die heutige SPD natürlich nicht dagegen, sie in weitere ministerielle Positionen zu hieven.

Es ist für die SPD eben schon auch wichtig, wessen Menschenrechte verletzt wurden – sonst könnte da ja jeder kommen.

Mein eigener endgültiger Bruch mit der SPD, und auch der Bruch meiner Eltern mit dieser Partei, war nicht nur die Erfahrung der Hilf- und Rechtlosigkeit als Trennungsvater. Da ich den Kontakt zu unserem Kind auch trotz sehr schwieriger Umstände – die Mutter ist mehrmals umgezogen, wohnt aber mit dem Kind konstant mindestens 500 Kilometer entfernt von mir – gehalten habe und mit meiner Rechtlosigkeit nicht einverstanden war, hatte ich mich im Väteraufbruch für Kinder engagiert. Ich musste dann erfahren, dass ich dafür von SPD-Seite aus – nämlich in einer Schrift der Friedrich-Ebert-Stiftung – als reaktionär hingestellt und mit Rechtsradikalen sowie mit Anhängern des Massenmörders Breivik in Verbindung gebracht wurde.

Mein Vater schrieb damals, empört ob dieser steuermittelfinanzierten Verleumdung väterrechtlichen Engagements, an die Friedrich-Ebert-Stiftung, gab sich natürlich als jahrzehntelanger Sozialdemokrat zu erkennen – und wurde von der FES-Verantwortlichen Christine Schildmann mit einer nichtssagenden, desinteressierten Antwort abgespeist.

Dass heute Martin Schulz so große Hoffnungen weckt, obwohl – oder weil – ihn kaum jemand kennt, zeigt, dass viele Menschen nach Alternativen zu Angela Merkel und ihrer Alternativlosigkeits-Attitüde suchen. Leider wird die SPD diese Hoffnungen wohl nicht erfüllen können.

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Guter Nationalismus unterscheidet sich von schlechtem Nationalismus dadurch, dass er gut ist.

Die SPD war stark als Partei einer Vermittlung, auch der Vermittlung zwischen Parteibasis und Parteispitze. Heute ist sie eine Klientelpartei, die sich gern noch als Volkspartei sehen möchte, die dadurch aber alles nur noch schlimmer macht. Anstatt den unlösbaren Widerspruch zwischen Klientelbedienung und Volkspartei-Selbstbild einzuräumen, schottet sich die SPD, so mein Eindruck,  in Fantasien ab.

Die Interessen derjenigen, die von der Partei bedient werden, imaginiert sie sich zu Gemeininteressen hoch – während diejenigen Menschen, deren Rechte und Interessen dabei verletzt werden, zu allem Überfluss auch noch als Schädlinge des Gemeinwohls hingestellt werden.

Damit ist die SPD nicht nur zu einer Partei der gesellschaftlichen Spaltung, sondern auch zu einer Partei der Verhinderung offener demokratischer Auseinandersetzungen geworden.

Meine Mutter hat den Vorschlag gemacht, dass die SPD sich umbenennen sollte – sie habe mit der Sozialdemokratie nichts mehr zu tun. Tatsächlich: Die SPD hat den Terror der Nazis überlebt und die Diktatur des Staatssozialismus, aber sie krepiert heute an ihren eigenen Karrieristen und Klientelpolitikern.

Würden Sie sich umbenennen, dann würden Sie wenigstens nicht auch noch die Erinnerung daran zerstören, dass die SPD einmal eine für die Demokratie lebenswichtige Partei der gesellschaftlichen Vermittlung und nicht der Spaltung war.

Trotz allem mit freundlichen Grüßen

Lucas Schoppe

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17 Comments

  • Spalterische Partei Deutschlands.

    Eine tiefgreifende Restauration wäre nöig. Sie ist aber nicht vorstellbar. Da kann nur noch ein Wunder helfen. Stattdessen sucht man religiösen Beistand bei der SPD. Völlig irreal.

    Und dann die Reise nach Jerusalem:
    Zypries füllt jetzt die Wirtschaft, Gabriel schreibt Oel von hinten und Steimeiert ist Chefdiplomat und Schulz EU Beauftragter.

    • Nach der „Welt“ sei es der Hamburger Scholz, der jetzt keinen Stuhl bekommt und ausscheidet.

      Sicher wird die SPD weiter so machen und sich als antisozialer Handlanger der neuen de facto Einheitspartei Deutschlands verdient machen. So schnell sterben die unentwegten Wähler auch nicht aus, dass die SPD in nächster Zeit unter 5 % rutscht.

  • Nun ja, ich habe von Schulz wenig Ahnung. Das einzige was ich von ihm mitbekommen habe, sind seine Ausraster in EU-Debatten. Und die liefen meist nach klar erkennbarem Muster.
    Nigel Farrage sagte etwas ( und der Mann kann brilliant reden, ohne dabei die Argumente aus den Augen zu verlieren ), Schulz fuhr aus dem Sitz hoch, brüllte und pöbelte herum ( ohne Argumente ).
    Ich möchte keinem von beiden etwas unterstellen, mag sein, daß Schulz Gründe hatte, mag auch sein, daß Farrage gezielt Dinge wegließ, um Schulz ( oder wen auch immer ) zu provozieren.
    Aber, daß ein Kerl, der in politischen Debatten an prominenter Stelle einfach nur durchdreht und sich wie ein extrem dummer Rüpel verhält, Kanzler werden soll, über eines der wichtigsten Länder der EU, ist für mich schlichtweg unvorstellbar.
    Wo bleibt da die Kultur?

    Nur um mal einen für mich nicht ganz unpassenden Vergleich dazu anzuführen:
    Ich war mal Member eines MC. Wir hatten derzeit ungefähr 7 Chapter. Unser Motherpräsi war für uns so etwas wie ein EU-Präsident, oder sogar noch etwas mehr.
    Und der war gelegentlich gar nicht damit einverstanden, was einzelne Chapter beschlossen, I.d.R. haben die das beschlossene aber trotzdem erstmal vertreten und oft auch im Endeffekt aktiv vollzogen ( Basisdemokratie halt ). Es wurde natürlich darüber diskutiert.
    Aber, daß der Mother-Präsi, oder auch nur ein Chapter-Präsi dabei in unsachliche Pöbeleien verfallen wäre, gab es nicht. Nie.
    Selbst nach Vollversammlungen aller Mitglieder des ganzen Clubs, wo harte Positionen ausgetauscht wurden, liefen die nachfolgenden Parties locker und entspannt.
    Ein Typ wie Schulz wäre vermutlich nach wenigen Monaten Hangaroundstatus aus dem Club geflogen ( wesentlich nettere flogen raus, weil sie Positionen vertraten, die die keine vernünftige Grundlage hatten ( z.B.: „Ich will Präsi werden und bleiben“, der entsprechende Probe durfte sich ein paar Tage später die Patches von der Kutter schneiden ).

    Fazit:
    Demokratie erfordert eine gewisse Debattenkultur.
    Ohne geht’s nicht!
    Eine Partei, die solche Heinis, mangels Alternativen, zum Kanzlerkandidaten aufstellen muß,
    steht längst nicht mehr am Abgrund, sie ist einen entscheidenden Schritt weiter.

  • Sehr guter Beitrag, Lucas – und einer, der diese einstmals stolze Partei (die ich mittlerweile auch nicht mehr wähle) sauber auf das zurückführt, was sie mittlerweile geworden ist.

    Deine Berichte vom SPD-Stand kenne ich aus eigener Erfahrung und auch das, was deine Mutter damals miterlebte, ist mir nicht unbekannt (und lebt in der SPD bis heute fort).

    Aber was will man von den Männern dort auch erwarten, die solche Leute wie Eppler männerfeindliches herausposaunen ließ und auch von einem Steinmeier, der sich offen zum Feminismus bekennt und diese ganzen Gaps monoton herunterleiert:

    https://emannzer.wordpress.com/2016/11/18/frank-walter-steinmeier-der-feminist/

    Tja und nun diese Gesichtsteppichfliese aus Würselen, zu der mir eigentlich nur noch Satire einfällt:

    „Martin Schulz, geb. am 20. Dezember 1955 in Hehlrath, einem Ort, dem die Band ACDC den Song „Highway to Hell“ widmete, hält das Patent auf eine der urdeutschesten Erfindungen: Die lindgrünrote Teppichfliese. Die Idee dazu, sei ihm morgens vor dem Spiegel gekommen, so Schulz.“

    https://emannzer.wordpress.com/2015/10/11/martin-schulz-eine-satire/

    Die SPD ist nicht mal mehr ein kläglicher Rest dessen, für was sie mal eingetreten ist. Und den Grad der Verzweiflung mag man an ihrem ‚Spitzenpersonal‘ erkennen. Von den Schwesigs und anderen Frauen dort, noch gar nicht mal angefangen …

  • Was den feministischen Kurs der SPD betrifft, so liegt nahe, dass der zumindest mitbestimmt wurde von Chefideologen Eppler, ein UdSSR- und jetzt Russland-affiner Exponent der „Friedensbewegung“ und vor allem als ein der Evangelischen Kirche verbundener Funktionär. Kann man schon hier sehen
    https://de.wikipedia.org/wiki/Erhard_Eppler

    „war er nach seiner politischen Laufbahn im Umfeld der evangelischen Kirche tätig, unter anderem mehrfach als Kirchentagspräsident, und war eine der herausragenden Persönlichkeiten der Friedensbewegung der 1980er Jahre.“

    Die ganze progressive Bewegung, vom Feminismus, über Ökologismus bis zur neuen Identitätspolitik macht durchgehend den Gesamteindruck eines fanatischen christlichen Protestantismus, der allerdings vollkommen säkularisiert ist. Der Calvinismus etwa bietet sich als Vergleich an. Weiterhin ist es mittlerweile unverkennbar, dass das progressive Denken auch in der Katholischen Kirche stark ist und derzeit sogar den Papst stellt.

    Wir haben also wohl weniger ein Problem mit Parteien und der demokratischen Gesellschaft als ein Problem mit dem Christentum als solchem. Welches überaus stark politisiert ist und auf die merkwürdigste Weise auf die Gesellschaft übergreift (deren fanatischste Vertreter, die Progressiven, sind ja ausgesprochen, aber oberflächlich, christenfeindlich).

    Aus dieser Perspektive gesehen gleichen sich die Probleme der christlichen und islamischen Welt, in beiden ist eine progressive Politisierung eines religiösen Fanatismus am Werk. Beide haben jetzt angefangen auf die bizarrste Weise zu kooperieren, der Feminismus zB ordnet sich dem Islam unter und promoviert den mittlerweile, die SPD baute in Deutschland den Islam zur politischen Macht auf („Zentralrat der Muslime“), usw usf. Diese Entwicklung ist keinesfalls auf die linken oder evangelischen Parteien beschränkt, sondern genauso bei den Konservativen anzutreffen (in Frankreich zB hat Präsident Sarkozy das Äquivalent des Zentralrats aus der Taufe gehoben, Premier Theresa May hat als Innenministerin die Sharia gefördert, Präsident Bush hat den Islam nach 9/11 pauschal in Schutz genommen etc).

    Mittlerweile sind wir in eine Art religiöser Terrorspirale eingelaufen, wo die Fanatiker der einen Seite massakrieren und die Fanatiker der anderen Seite das als christliches Opfer feiern und unter Entschuldigung der Täter bereitwillig die andere Backe hinhalten. Dabei wird bei uns die a-religiöse, säkulare Zivilgesellschaft aufgerieben, der religiöse Fanatismus wächst. Eine Regression der westlichen Gesellschaften in ein neues Mittelalter erscheint als Konsequenz dieser Entwicklungen wahrscheinlich. Es ist klar, dass die Kirchen davon als allererste profitieren werden, was wohl mühelos erklärt, dass sie voll und ganz hinter der progressiven Bewegung stehen…..

    -> Wenn es eine neue Linke geben soll, die das Erbe der Moderne verteidigen will, dann muss sie zuallererst gegen die organisierte Religion von Christentum und Islam sein.

    • Das wird schwierig werden. Lässt sich eigentlich nur über Befragungen erreichen und ob die Leute immer dann die Antworten geben, die sie zur Wahl veranlasst haben, ist eine andere Frage. Tatsache ist: Linke Parteien werden tendenzielle häufiger von Frauen gewählt und rechtspopulistische Parteien tendenzielle häufiger von Männern, Das muss jedoch noch nichts mit dem Feminismus zu tun haben. Das kann damit zu tun haben, dass die SPD ganz allgemein bei den Arbeitern und den Populationen, die wenig kulturelles Kapital besitzen, seit den 1970er Jahren kontinuierlich verloren hat. Es sieht danach aus, dass gerade die Menschen, die stärker der Globalisierung ausgesetzt sind, also Männer im Industriesektor oder einfach Jobs, die stärker der internationalen Konkurrenz ausgesetzt sind, vermehrt Rechtspopulisten wählen. Und ich gehe davon aus, dass Männer eher in solchen Jobs arbeiten, die der internationalen Konkurrenz vermehrt ausgesetzt sind.

    • Viel sinnvoller sollte eine Betrachtung zum Niedergang der demokratisch-sozialistischen Parteien unter dem Aspekt des sich seit den 80ern verstärkt sich ausdehnenden Welthandels sein. Mit ihren Gewerkschaften befanden sich diese Parteien immer in Symbiose mit der Grossindustrie und verfolgte mit dieser die gemeinsamen Ziele von Abschottung, Monopolisierung, Handelsbarrieren, etc. Als man diese Interessen mit der Globalisierung in Einklang bringen konnte (ua durch sogenannte „Freihandelsabkommen“, die vor allem Abkommen gegen Dritte waren, Abwälzen von Arbeitskosten auf die Allgemeinheit (HartzIV)) konnte man sich es auf der obersten Tribüne der Globalisierung mit Feminismus und anderen upper class – Feinheiten der Sozialen Gerechtigkeit bequem machen.

    • @yx „Man müsste mal sauber herausarbeiten, ob es einen kausalen Zusammenhang gibt zwischen dem Niedergang der SPD und dem Feminismus.“ Nicht in dem Sinn, dass Feminismus für diesen Niedergang verantwortlich wäre. Ich wüsste auch ich, wie man das nachweisen könnte. Ich glaube eher, dass beides eine gemeinsame Ursache hat, nämlich eine starke Verbürgerlichung (die wohl gar nicht vermeiden war) und einem wachsenden Desinteresse und Unverständnis für klein- und unterbürgerliche Schichten (und das war komplett unnötig).

      Feminismus ist einfach, auf den ersten Blick, ein guter Ersatz für eine Orientierung an sozialer Gerechtigkeit: Die Partei kann weiter für die Unterdrückten eintreten, muss dabei aber weite Schichten der Bevölkerung gar nicht mehr wahrnehmen. Der heute und seit Jahrzehnten tonangebende Feminismus ist schließlich eine strikt bürgerliche Nabelschau.

  • Ich habe mir das Programm für 2017-2022 der SPD Nordrhein-Westfalen (Entwurf vom 24.01.2017 laut PDF-Datei-Eigenschaften) einmal genauer angesehen.

    Die schon bei Genderama / Asemann zitierte Stelle ist insgesamt anderthalb Seiten lang, S.61-62, Zeile 2211-2282. Der Abschnitt heißt passend zum Radikalfeminismus der SPD: „6.4 Wir treten für echte Gleichstellung ein.“

    Liebe SPD, danke für den Hinweis auf die verfassungsfeindlichen Ziele der Partei. Schade, daß bei den vielen Erfolgsberichten vergessen wurde, das Dienstrechtsmodernisierungsgesetz zu erwähnen. Das hat ja hoffentlich ein paar hundert Männer, die jetzt nicht mehr befördert werden, überzeugt die SPD nicht mehr zu wählen, und ihnen deutlich gemacht, daß der Geschlechterkrieg eben kein „Gedöns“ ist. Das Kapitel 6. hat übrigens die postfaktische, um nicht zu sagen absurde Überschrift: „Wir stärken den sozialen Zusammenhalt in NRW“

    Ansonsten gibt es noch ca. 10 Stellen, wo weitere Wohltaten für Frauen angekündigt werden, zzgl. ein paar Erwähnungen von Lesben und Co. Keine Erwähnung von Männern (außer in Wendungen wie „Frauen und Männer“), keine von Jungen, auch keine von Mädchen. Jedenfalls sind die Prioritäten der SPD damit geklärt.

  • Obwohl mich die SPD ja ansonsten herzlich wenig interessiert, sind mir unerwartet einige insider-Informationen zugetragen worden:

    Danach gibt es in den Bezirken in Bielefeld, Berlin und Hamburg seit Jahrzehnten lokal geheime Absprachen zwischen SPD und Migrantenvereinen. Diese drohen immer wieder mit dem Gründen einer bundesweiten Migrantenpartei, der man zutraut, mindestens 10% der Stimmen zu bekommen und dessen Erfolg vermutlich der Todesstoß der SPD wäre. Deshalb macht die SPD diesen Vereinien seit langem besondere, politische Zugeständnisse, die den Migranten eine besondere Macht und spezielle Rechte im politischen Prozess geben.

    Die Quelle ist ein insider, der seit Jahrzehnten persönlich aktiv ist und berichtet, daß es der SPD dabei allein um den politischen Machterhalt gehe – insofern halte ich den Bericht für glaubhaft. Und der Bericht erklärt eine Menge seltsamer politischer Phänomene, die eigentlich in einer funktionierenden Partei nicht möglich sein sollten.

    Für mich ist diese Art politischer Korrumpierbarkeit einleuhtend – wenngleich ich allein nicht darauf gekommen wäre.

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