Feindbild Mann

Franziska Schutzbach und die männliche Herrschaft

Bild zeigt Women's March
geschrieben von: Mark Smith
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Die Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach setzt sich in ihrem neusten Text mit der männlichen Herrschaft auseinander – vermutlich in Anlehnung an das Buch von Pierre Bourdieu „Die männliche Herrschaft“.

Warum braucht es Feminismus?

gegenderte Sprache - Feminismus

Franziska Schutzbach schreibt:

Warum brauchen wir eigentlich Feminismus? Ist das Patriarchat nicht längst zu Ende? Seit der Wahl von Donald Trump stellt sich diese Frage wieder neu.

Hier wäre es wieder einmal interessant zu wissen, was unter dem Begriff bzw. Konzept „Patriarchat“ verstanden wird (Definition, Operationalisierung und fundierte repräsentativ empirische Untersuchungen). Gibt es überhaupt ein Patriarchat in den westlichen Industrie- und Dienstleistungsgesellschaften? Und wie würde eine Gesellschaft aussehen ohne Patriarchat (idealtypisch)?

Franziska Schutzbach schreibt:

Millionen Menschen haben sich an globalen Frauenmärschen beteiligt, weil – unter anderem – deutlich wurde: Wir leben in einer Welt, in der einer Präsident werden kann, der Frauen abwertet. Für viele schien so etwas bis vor kurzem undenkbar. Waren wir nicht gleichgestellt? Ja. Das sind wir. Zumindest gesetzlich. Allerdings spricht sich gerade herum, dass das vielleicht nicht ausreicht. Dass Sexismus vor Gesetzen nicht haltmacht. Und dass die Freiheit der Frauen vielleicht nicht so umfassend war, wie manche glauben wollten. Denn was bedeutete gleichgestellt eigentlich? Bedeutete es nicht vor allem, dass Frauen in den vergangenen Jahrzehnten „wie Männer“ werden sollten? Zum Beispiel, indem Berufstätigkeit und Erfolg zum alles bestimmenden Massstab weiblicher Emanzipation wurden?

Der Mann (vermutlich Trump) wurde übrigens zu einem großen Teil ebenfalls von Frauen gewählt, zudem: Dieser Mann hat nicht „nur“ Frauen abgewertet, sondern noch viele andere Menschen: Männer, Weiße, Schwarze, Medienleute, Politiker etc., usw. usf. Aber es ist interessant, dass Schutzbach dies einfach negiert und wiederum bloß Frauen zu Opfer oder Betroffenen macht? Also: Hier  Mann = ganz, ganz böse und hier Frau = Opfer und noch einmal ein Opfer? Übrigens: Auch die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton hat einen großen Teil der potenziellen Wählerschaft von Trump pauschal abgewertet, indem sie sagte:

Krass verallgemeinert: Man kann die Hälfte der Trump-Unterstützer da hineinstecken, was ich einen Sack von Kläglichen (basket of deplorables) nenne.

Macht eigentlich Terrorismus, Krieg, Rassismus, Kriminalität etc. vor den Gesetzen halt? Nicht? Weshalb sollte es bei der Gleichstellung, ein Begriff, der übrigens immer wieder hinterfragt werden sollte (insbesondere, wie er sich von Gleichberechtigung unterscheidet), anders sein?

Franziska Schutzbach schreibt:

Wir haben übersehen, dass die Prämissen der Freiheit zunehmend dem System entsprachen, aus dem Frauen sich einst befreien wollten. Die Freiheit der Frauen bedeutete eine Angleichung an eine von Männern vorgegebene Welt. Frauen wurden fit gemacht, um in der Männerwelt erfolgreich zu sein – wie zum Beispiel Sheryl Sandbergs Frauenprogramm „Lean In“ zeigt.

Aus welchem System wollten sich denn die Frauen befreien? Und wollten alle Frauen das Gleiche? Und wollten sich alle Frauen aus dem Gleichen befreien oder wollten sich überhaupt alle Frauen befreien? Von wem wurden die Frauen fit gemacht? Demnach, wer stand da dahinter? Das Patriarchat? Oder wer? Und welche Welt ist von den Männern vorgegeben? Und da sind sämtliche Männer mit daran beteiligt, zumal sie alle die gleiche Männerwelt wollen?

Franziska Schutzbach schreibt:

Die Literaturwissenschaftlerin Hélène Cixous bemerkte schon in den 1970er-Jahren, dass Frauen sich oft an Männern oder männlichen Prämissen orientieren. Sie selbst habe anfangs für „den Vater“ geschrieben. Nicht für ihren realen Vater, sondern für den symbolischen – das heisst für das „väterliche System“. Sie wollte diesem System gefallen, es „bedienen“, um erfolgreich zu sein, an die Orte der Macht zu gelangen, dort aufgenommen zu werden.

Soll nun Hélène Cixous als exemplarisches Beispiel für alle Frauen herhalten? Für wie viele Frauen ist sie repräsentativ? Gibt es hierzu empirische Studien oder ist das einfach mal ein „gefühlter“ Eindruck? Und wie viele Frauen orientieren sich wohl an den Müttern und somit am „mütterlichen System“? Was ist übrigens das „väterliche System“ genau (Definition, Operationalisierung, empirische Befunde)?

Gibt es das traditionelle Patriarchat noch oder Ausdifferenzierung der phallozentrischen Ordnung

Franziska Schutzbach schreibt:

Aber trifft das heute noch zu? Ist das traditionelle Patriarchat nicht längst vom Thron gestürzt? Erleben wir nicht eine Aufweichung geschlechterstereotyper Verhaltensweisen, eine Gender-Flexibilisierung? Wir haben heute Frauen in Führungspositionen, wir haben Lady Gaga, Transgender-Models und lesbische Politikerinnen.

Wie gesagt: Was ist das „traditionelle Patriarchat“ (Definition, Operationalisierung, empirische Befunde)?

Franziska Schutzbach schreibt:

Gleichzeitig bedeutete all das aber nicht das Ende der phallozentrischen Ordnung, sondern ihre Ausdifferenzierung durch eine marktliberale Logik: Die Erschliessung immer neuer Märkte führte dazu, dass auch ausgefallene Queer-Köpfe von der Modeindustrie als „subversive Chic „vereinnahmt wurden (die letzte H&M-Kampagne zeigte erstmals eine Transfrau).

Ja, was ist denn nun wieder einmal eine phallozentrische Ordnung? Demnach, was muss man sich dabei vorstellen (Definition, Operationalisierung, empirische Befunde)? Die phallozentrische Ordnung wird demzufolge mithilfe einer marktliberalen Logik ausdifferenziert? Soll vermutlich so viel heissen wie: Der Markt hat auch Transgender als neuen „Hip“ bzw. Trend entdeckt und als verkaufsfördernd; und somit ist er ebenfalls auf die Diversity-Schiene aufgesprungen. Der Markt hat das vermutlich mit sämtlichen Subkulturen gemacht: wie Hip-Hop, Rap, Grunge, Hippies, Punk, New Wave, Techno, Psy-Trans etc., usw., usf. Also nix Neues auf der Welt. Aber weswegen sollte der Markt genuin „phallokratisch“ sein? Ich könnte mir gut vorstellen, das ist dem Markt bzw. dem digitalen Kapitalismus so ziemlich egal, ob männlich, weiß, schwarz, weiblich, intersexuell, Transgender etc.

Franziska Schutzbach schreibt:

Nicht zuletzt war der genderflexibilisierte Mensch dem Markt auch deshalb zuträglich, weil damit das „Modell Arbeiter“ – das heisst die Einbindung in den Prozess der monetären Wertschöpfung – auf alle ausgedehnt werden konnte. Globale Unternehmen setzen seither auf Diversity-Programme und versuchen, Frauen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Eine solche Inszenierung von Vielfalt legt nahe, es gäbe keine Ungleichheitsstrukturen mehr.

Das dürfte möglichenfalls mit ein Grund sein, weshalb die Frauenemanzipation so rasch vorangetrieben wurde, zumal der digitale Kapitalismus gut ausgebildete Frauen brauchen konnte und dieses potenzielle „Humankapital“ keinesfalls einfach brach liegen, sondern genutzt werden sollte. Aber was ist nun erneut nicht richtig, wenn globale Unternehmen vielfältiger werden? Neee, wenn die Hierarchien und die Ausbeutungsverhältnisse gleich bleiben und bloß die Menschen darin vielfältiger werden, dann wird die Menschheit nicht viel gerechter, weil die Ungleichheits- und Machtstrukturen verschieben sich nur marginal. Wir haben dann ev. 100 Frauen mehr als vorher in den Führungsetagen der DAX-notierten Unternehmen, aber für die restlichen 99,9% der Frauen wird das keine Veränderung bewirken.

Die männlich konnotierten Maßstäbe und das Patriarchat ohne Patriarch

Franziska Schutzbach schreibt:

Konstruiert wurde der Traum vom „uncumbered self“, einem unbelasteten, freien und erfolgreichen Selbst jenseits von Geschlechter-, Klassen- und Migrationsverhältnissen. Anders ausgedrückt: Im neoliberalen Diversitätsversprechen durften die anderen zur Norm gehören und mitmachen – sofern sie den männlich konnotierten Massstäben entsprachen.

Was sind denn nun die männlich konnotierten Maßstäbe? Und weshalb sollten diese männlich konnotiert sein oder nur männlich konnotiert? Und was wären weiblich konnotierte Maßstäbe? Und wer genau soll diese „männlich konnotierten Maßstäbe“ so geschaffen haben?

Franziska Schutzbach schreibt:

Auf diese Weise ist ein „Patriarchat ohne Patriarchen“ entstanden, eine Welt der Vielfalt, deren Massstab phallokratisch blieb. Das Männliche – aber auch das Weisse – repräsentierte weiterhin das Allgemeine. Partikular waren nur die anderen. Männer spielen Fussball, Frauen spielen Frauenfussball. Der Punkt ist, dass es zur Aufrechterhaltung einer solchen Ordnung nicht einmal Patriarchen braucht.

Ein Patriarchat ohne Patriarchen? Was muss man sich denn nun darunter vorstellen? Folglich: Das Patriarchat funktioniert ausnahmslos auch ohne Männer? Aber dann wäre es doch eher ein Feminat bzw. Matriarchat – oder? Die Autorin hat offenbar bemerkt, dass es eigentlich keine Rolle spielt, wenn in wachsendem Maße Frauen Einzug in die Chefetagen des digitalen Kapitalismus erhalten, zumal sich die Prinzipien des Kapitalismus und des Neoliberalismus nicht verändern, ob dieser nun von Frauen oder von Männern betrieben wird. Da bedient man sich eben nun eines Kunstgriffs und aus dem digitalen Kapitalismus und dem Neoliberalismus wird eine phallozentrische Ordnung oder ein Patriarchat ohne Patriarchen und – oh Wunder: Die Frauen bzw. symbolisch das Weibliche sind wieder die Guten und vermutlich jetzt die Opfer eines Patriarchats ohne einen Patriarchaten als Mann und trotzdem ist das männliche Prinzip der Dämon und die Frauen real oder symbolisch die Guten und die Opfer. Eine Gesellschaft wird vermutlich erst dann als Matriarchat bezeichnet werden, wenn Friede, Freude, Eierkuchen herrscht und Honig und Milch fließt und bis zu diesem Zeitpunkt wird alles, was in der Gesellschaft nicht so läuft, wie es sollte, männlich konnotiert sein; Christoph Kucklick lässt grüssen.

Und immer wissen wir noch nicht, was ein phallokratischer Maßstab ist und weshalb dieser Maßstab so heißt. Und wie er sich von einem „vaginokratischen Maßstab“ unterscheidet. Und dieses Fußballspielen machen die Frauen oder die Männer nicht freiwillig? Sie werden demnach von einer solchen Ordnung dazu gezwungen?

Das bürgerliche Familienideal

Franziska Schutzbach schreibt:

Es ist wie mit dem bürgerlichen Familienideal: Statistisch gesehen leben mehr Menschen längst in Patchwork-Konstellationen, Einelternfamilien oder gleichgeschlechtlicher Elternschaft, gleichwohl ist die vorherrschende Beziehungskultur die bürgerliche Kleinfamilie. Die Wirklichkeit ist seit Jahrzehnten pluralisiert, dennoch orientieren sich die meiste Menschen – oft unbewusst – an einem ganz bestimmten Familienmodell.

Nun weiß ich ja nicht, auf welche Grundgesamtheit sich die Autorin bezieht (Deutschland, Schweiz, Europa?), wenn sie behauptet, dass Patchwork-Konstellationen, Einelternfamilien und gleichgeschlechtliche Elternschaft statistisch die Mehrheit ausmachen. Wenn ich mir mal so die Zahlen aus der Schweiz anschaue, die im Jahre 2016 vom Bundesamt für Statistik veröffentlicht wurden, dann heisst es dort:

Obwohl sich die Familienformen durch die Zunahme von Eineltern- und Fortsetzungsfamilien gewandelt haben, lebte die grosse Mehrheit (80,4%) der Kinder unter 25 Jahren nach wie vor in einer Erstfamilie.

Ein bisschen eine polemische Frage an die Autorin: Betreibt man eigentlich in den Gender Studies auch quantitative Forschungsmethoden und hier insbesondere das Studienfach Statistik? Oder ist Statistik doch ein wenig zuuu phallokratisch?

Franziska Schutzbach schreibt:

Auch Arbeitsmarkt, Produkte, Wohnungen, Familienrecht, Popkultur, Kinderbücher … alles ist an diesem Massstab orientiert, ohne dass dieser tatsächlich gelebt würde. Wir brauchen also keine Kleinfamilien, um ein Kleinfamilienideal zu haben. Und wir brauchen keine Patriarchen, um am Männlichen orientiert zu sein.

So so! Und aus welcher Statistik ist nun diese Information? Oder ist das auch nur einfach die subjektiv „gefühlte Wahrheit“ der Autorin?

Pierre Bourdieu und die männliche Herrschaft

 

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Franziska Schutzbach schreibt:

Gemäss dem Soziologen Pierre Bourdieu („Die männliche Herrschaft“, 1998) operiert das Patriarchat ohne Patriarchen nicht mit direktem Zwang und Gewalt, sondern mit dem Selbstverständlichen, Alltäglichen und Unbewussten. Damit soll nicht direkte Gewalt und Unterdrückung von Frauen verharmlost werden. Natürlich gibt es auch das. Aber die symbolische Gewalt ist ebenfalls wirksam.

Bourdieu hat in seinem Buch „Die männliche Herrschaft“ seine Konzepte der „symbolischen Gewalt“ bzw. „symbolischen Herrschaft“ quasi „freihändig“ auf das Geschlechterverhältnis appliziert, also ohne jegliche repräsentativ empirische Untersuchungen, die das, was er schreibt, ebenfalls bestätigen würden. Es ist also keine empirische Sozialwissenschaft, die dahinter steckt, sondern Sozialphilosophie, ohne jegliche empirische Absicherung und somit nicht mehr als Spekulation.

Franziska Schutzbach schreibt:

In der Schweiz wurde bis in die 1970er-Jahre gegen das Frauenstimmrecht argumentiert, Frauen seien nicht im gleichen Masse Subjekte. Und diese Anordnung wirkt bis heute. Sie zeigt sich zum Beispiel, wenn das Schweizer Fernsehen Dokumentarfilme wie „Die Schweizer“ (2014) produziert mit dem Anspruch, die „Geschichte der Schweiz“ zu zeigen, jedoch das Leben und Handeln von Frauen so gut wie gar nicht vorkommt.

Und zu diesen Aussagen gibt es wiederum empirisch repräsentative Untersuchungen, die genau das belegen, was die Autorin sagt? Woher weiß die Autorin, dass, sollte 1971 die Anordnung so gewesen sein, bis heute wirkt? Die Autorin hat u.a. Gender Studies studiert, sie arbeitet offenbar jetzt auch in den Gender Studies, sodass es für sie sicherlich problemlos wäre, ihre Aussagen mit repräsentativ empirischen Untersuchungen zu belegen.

Franziska Schutzbach schreibt:

Geschichte ist hier Männergeschichte. Erzählt wird eine Art Siegerkriegsschreibung, keine Sozialgeschichte. Es gibt keinen Alltag, keine Liebe, keine Abhängigkeit von Menschen, kein Gebären, keine Pflege. Erzählt wird der Mythos des autonomen Subjekts.

Und in dieser Geschichte werden dementsprechend alle Männer dargestellt und zwar die vom Land und die in der Stadt und von allen Schichten, Klassen und Milieus: solche mit Schweizerpass und ohne Schweizerpass, Behinderte und Nichtbehinderte, Alte, Junge, Kranke, Gesunde etc.? Oder könnte es nicht sein, dass auch hier viele Männer ausgespart bzw. nicht sichtbar werden?

Maskulistische Überlegenheitsphantasmen und die Toxic Masculinity

Franziska Schutzbach schreibt:

Spätestens seit der Wahl von Donald Trump ahnen viele, wie schnell dieser Mythos in maskulistische Überlegenheitsphantasmen umschlagen kann.

Von welchem Mythos ist denn nun jetzt die Rede? Und was sind maskulistische Überlegenheitsphantasmen (Definition, Operationalisierung, empirische Befunde)? Und feministische Überlegenheitsphantasmen gibt es nicht? Wiederum: Frau nur gut, lieb und nett und kann niemandem ein Härchen krümmen?

Franziska Schutzbach schreibt:

Besonders, wenn sie sich mit weisser Suprematie verbinden. Die sich aktuell aufbäumende aggressive Männlichkeit zeigt, wie oberflächlich Diversity war. In amerikanischen Medien ist derzeit oft die Rede von einer „Toxic Masculinity“, einer Art neu erstarkter und gefährlicher Männlichkeit, die sich auf traditionelle Ideale besinnt, sich Frauen einfach „greift“ und auf die Vorherrschaft der Weissen pocht.

Was genau ist nun weiße Suprematie (Definition, Operationalisierung, empirische Belege)? Gibt es desgleichen schwarze oder gelbe oder rote Suprematie? Und was ist eigentlich mit den Frauen? Alle lieb, nett, friedlich, sanft, gutmütig und alles nur Opfer oder Machtlose?

Franziska Schutzbach schreibt:

Ein Machismo, der nachts Hassbotschaften ins Internet schreibt – aber auch die zahlreichen Gewaltanschläge und Schiessereien werden als Ausdruck dieser neuen Männlichkeit gesehen. (Nicht zuletzt wird auch verhandelt, inwiefern „Toxic Masculinity“ vor allem den Männern selbst schadet, ihrer Gesundheit, ihrer Lebensqualität.)

Woher weiß die Autorin, dass die Hassbotschaft ein Machismo war? Ist das eine Ferndiagnose? Und was genau ist eine Hassbotschaft (Definition, Operationalisierung, empirische Befunde)? Und gibt es keine Frauen, die Hassbotschaften versenden, also eine „Toxic Feminity“? Infolgedessen alle Frauen friedliebend, gutmütig, ohne Hass, ohne Aggressivität, ohne Gewalt? Und diese Gewaltanschläge und Schießereien gab es vorher nicht? Gibt es dazu repräsentative empirische Untersuchungen? Und seit wann gibt es nun diese „neue Männlichkeit“? Also quantitativ und qualitativ etwas Neues, was es offenbar vorher nicht gab?

Zu dieser toxischen Maskulinität hat Lukas Schoppe bereits einmal folgendes festgehalten:

Anders Stokowski, die unbekümmert mit dem Begriff der „toxic masculinity“ hantiert, als wäre es belanglos, dass die Gift-Metapher schon lange wichtiger Bestandteil rechtsradikaler, antihumaner Politik ist. Für die Nationalsozialisten war schon die bloße Existenz von Juden – anknüpfend an die Brunnenvergiftungs-Legenden des Mittelalters – eine Volksvergiftung. Gift wiederum ist etwas Fremdes, das in das Eigene eindringt – es zerstört den reinen, gesunden „Volkskörper“ – es breitet sich aus, wenn es nicht gestoppt wird – und die Vergiftung ist heimtückisch. Die offenkundige Eignung der Metapher für rechtsradikale Propaganda müsste eigentlich ein Grund sein, mit ihr in demokratischen Diskursen vorsichtig umzugehen.

Zudem ist der Begriff der toxic masculinity, der vergiftenden Männlichkeit, auf gefährliche Weise mehrdeutig. Er lässt sich leicht so verstehen, dass es sich auf Männlichkeit generell bezöge – aber kann zugleich einschränkend immer dadurch entschärft werden, dass es sich keineswegs auf alle Männer bezöge, sondern nur auf eine bestimmte, besonders destruktive Spielart der masculinity. („Milliarden Männer haben noch nie jemanden umgebracht oder auch nur verletzen wollen. Aber…“) Gerade diese Mehrdeutigkeit würde Menschen wohl davon abhalten, etwa von einer vergiftenden Weiblichkeit oder einem vergiftenden Islam zu sprechen.“

Verändern Pussyrevolutionen die Welt?

Women's March

Franziska Schutzbach schreibt:

Ich bin nicht sicher, ob die Analyse eines sich aufbäumenden Patriarchats zutrifft. Sicher bin ich aber, dass es globale Women’s Märsche und „Pussyrevolutionen“ braucht. Bewegungen, die der anhaltenden phallozentrischen Logik – ob toxic oder neoliberal – etwas entgegenhalten, die den Mythos vom allmächtigen, unverletzlichen, souveränen Selbst infrage stellen. Es geht um nichts Geringeres als um die Verschiebung der vorherrschenden Kulturgeschichte, darum, ihr die Autorität zu entziehen.

Ich frage mich ein bisschen, wo all die Pussyrevolutionen gewesen sind, als die USA und ihre europäischen Adepten den Irak angegriffen haben und u.a. in Syrien, Libyen, Irak primär Chaos und Verwüstung hinterlassen (failed state) bzw. den Islamisten in diesen Staaten so richtig Auftrieb gegeben haben. Hören wir von den postmodernen Linken und ihren Pussyrevolutionen etwas davon, dass die USA beinahe 1000 Militärstationen in aller Welt führen, um Absatzmärkte und Rohstoffe zu sichern  und dabei fast 600 Milliarden USD pro Jahr für das Militär ausgeben. Hören wir etwas von völkerrechtswidrigen Drohnenkriege und verdeckten Kriege der USA und den zahllosen Kriegen seit dem 2. Weltkrieg, die zwischen 6 bis 30 Mio Menschen direkt das Leben gekostet haben. Hören wir etwas von den Feministinnen, wenn Rot-Grün mit der Agenda 2010 den größten Niedriglohnsektor in Europa eingeführt hat?

Und wenn Kriegsminister Ursula von der Leyen in vielen Medien fordert, Deutschland müsse jetzt mehr aufrüsten, dann kann das selbstverständlich auch bloß mit der phallokratischen Ordnung oder dem Patriarchat ohne Patriarch zu tun haben, zumal das Weibliche, auch wenn es bloß symbolisch gemeint ist, ja das Gute und Edle ist. Und das Böse auf der Welt hat sowieso bloß mit der Kulturgeschichte zu tun:, weil Gender Studies sind ja vorrangig eine Kulturwissenschaft und da erklärt man halt am liebsten die gesamte Welt mit Geschlecht und Kultur: Ökonomie? Politische Ökonomie? Makroökonomie? Geopolitik? Internationale Beziehungen? Globalisierung? Sozialer Wandel? Modernisierung,? Individualisierung? Politische Institutionen?  Global Governance? Fehlanzeige: Phallokratie und Patriarchat ohne Patriarch sind die analytischen Begrifflichkeiten, mit denen man die Welt analysiert und damit das Böse besiegen will und folglich braucht es eben Pussyrevolutionen: zumal die Pussy, natürlich nur symbolisch gemeint, das Edle und Gute ist. Strukturlogisch begibt man sich damit in die Nähe von Verschwörungstheorien, die beispielsweise das gesamte Übel auf der Welt desgleichen entweder mit den Juden oder den Freimaurern, oder den Jesuiten oder Illuminaten erklären wollten: also Monokausalität und Manichäismus sind bei der Autorin groß angesagt.

Franziska Schutzbach schreibt:

Eine wichtige Arbeit der Unterworfenen ist, ihre Zustimmung zur Unterwerfung innerlich aufzukündigen, die eigene Unterschiedlichkeit gegenüber dem Massstab zu betonen und versuchen, diese Unterschiedlichkeit in gesellschaftlichen Umlauf zu bringen.

Also, wir landen wieder bei der Diversity oder dem Normalismus (vgl. Link Jürgen: Versuch über den Normalismus). Bloß, damit verhindert man weder Krieg, noch Armut, noch ungerechte Handelsbeziehungen, noch Ausbeutung, das verändert ebenfalls nicht die vorherrschende Makroökonomie oder Politische Ökonomie, auch die Geopolitik wird damit nicht verändert: daraus resultiert höchstens, dass das Kriegsministerium pluralistischer geworden ist und nun ebenso Frauen, Lesben, Schwule, Transgender, Schwarze etc. in den Chefetagen Befehle ausführen und mehr Verantwortung tragen dürfen.

An den weiblichen Subjektformen soll die Welt genesen

Franziska Schutzbach schreibt:

Aber worin könnte diese Unterschiedlichkeit bestehen? Ich denke, es geht darum, andere, ‚weibliche‘ Subjektformen zu erfinden. Subjektivitäten, die sich nicht selbst manifestieren, indem sie andere abwerten, kategorisieren oder gar auslöschen.

Und „weibliche“ Subjektformen werten also nicht ab und kategorisieren ebenfalls nicht und löschen nicht aus? Woher weiß das die Autorin? Gibt es hierzu repräsentativ empirische Studien? Und wenn die Autorin nun eben gerade nicht kategorisieren will, weshalb soll nun das Gute und Edle wiederum mit der einen Kategorie des „Weiblichen“ zusammenhängen? Die Autorin möchte doch Diversity und nun wird dennoch wieder alles monokategorial auf eine Kategorie reduziert!

Franziska Schutzbach schreibt:

In der Pussyrevolution geht es darum, eine Vorstellung von Unterschiedlichkeit zu entwickeln, die nicht auf einer hierarchisierten Ordnung fusst.

Hört sich ja alles sympathisch an, aber ich vermute, außer, dass die Leute dort gleichsam alle uniformiert daherkommen (rosa Strickmützelchen) und eben keine Unterschiedlichkeit symbolisieren, wird das vornehmlich eine riesige Selbstbeweihräucherungs-Veranstaltung, aber greifbare politische Veränderungen werden daraus nicht entwachsen.

Fazit

Eigentlich müsste man einmal die Methode Schutzbach sorgfältig analysieren, aber jetzt nur soviel:

  • Es werden Begrifflichkeiten eingeführt (Phallokratie, phallozentristische Ordnung, Patriarchat, Patriarchat ohne Patriarch, väterliches System, Gender-Flexibilisierung, Modell Arbeiter, männliche Maßstäbe, symbolische Gewalt etc.), ohne diese Begriffe auch nur ein klein wenig zu definieren und anzugeben, was man sich darunter im Alltag oder in der realen Welt überhaupt vorstellen muss. Und man sollte sich fragen, ob die Begriffe überhaupt irgendeinen realen Gehalt in der sozialen Welt besitzen. Meine Vermutung ist viel mehr, dass es eben keine deskriptiven oder analytischen Begriffe sind, sondern vorrangig Kampfbegriffe mit vielfach wenig Realitätsgehalt, bei denen es primär um politische Rhetorik geht.
  • Für ihre Aussagen bringt Schutzbach keine repräsentativ empirischen Belege, und wenn einmal eine Aussage kommt, die einen statistischen Beweis erbringen soll, ist er erst noch falsch.
  • Neben den empirischen Belegen die fehlen, fehlen vielfach ebenso argumentative Begründungen für ihre Aussagen: Das heißt, dass man eben nicht nur etwas behauptet, sondern diese Behauptungen außerdem mit Gründen stützt, infolgedessen einen argumentativen Diskurs führt und daneben sollten die Gründe zudem noch relevant sein und nicht bloße Polemik bzw. Rhetorik.
  • M.E. hat der Duktus der Schutzbachschen Texte vielfach Strukturmerkmale, wie sie bei Verschwörungstheorien vorkommen: die Monokausalität (Patriarchat oder Patriarch oder Phallokratie ist quasi für das gesamte Elend auf der Welt verantwortlich) und der Manichäismus: Das männliche Prinzip, auch wenn es nur symbolisch gemeint ist oder nicht auf alle Männer zutrifft, ist das Böse und das Weibliche das Gute.

Ich empfehle der Autorin übrigens einmal folgende zwei Texte:

Nancy Frazer:Für eine neue Linke oder: Das Ende des progressiven Neoliberalismus

Diego Fusaro: Der scheinheilige Dissens gegen Trump

Weitere Texte zu Franziska Schutzbach:

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49 Comments

  • Ich denke es macht keinen Sinn, sich mit sozialwissenschaftlichen Methoden an sozialwissenschaftlichen Theorien abzuarbeiten. Frau Schutzbach bewegt sich um Diskursuniversum ihrer feministischen/sozialkonstruktivistischen Theorien und wird eine immanente Kritik immer mit Berufung auch Autoritäten uind deren unbezweifelbare Autorität zurückweisen können. Es gilt aus meiner Sicht viel mehr, diese Autoritäten und deren Grundvoraussetzungen in Frage zu stellen. Körper können nicht durch Diskurse geschaffen oder verändert werden. Menschliches Verhalten ist nicht durchgehend rational oder rational steuerbar.
    Es gibt keine für alle verbindliche Moral. usw.usw….

    • @El_Mocho

      Ich bin der Ansicht, dass die Gender Studies, so wie sie an den Universitäten gelehrt werden, vielfach keine Sozialwissenschaften sind, sondern Kulturwissenschaften. Und der Sozialkonstruktivismus ist m.E. nicht das Problem, auch Intelligenz ist beispielsweise ein Konstrukt, dieses muss definiert werden, es muss operationalisiert werden, es müssen also Indikatoren bestimmt werden, um das Konstrukt messbar zu machen. Wenn Du das auch falsch findest, dann sind wir wieder auf dem Niveau des Behaviorismus und seiner Blackbox: Was nicht direkt mit dem menschlichen Auge wahrnehmbar ist, gibt es nicht oder darüber lässt sich nichts sagen.

      • @ Mark

        „Ich bin der Ansicht, dass die Gender Studies, so wie sie an den Universitäten gelehrt werden, vielfach keine Sozialwissenschaften sind, sondern Kulturwissenschaften.“

        Es gibt sie in beiden Bereichen. Aber die Gender Studies halten in der Regel weder die in den Sozialwissenschaften noch die in den Kulturwissenschaften allgemein anerkannten Standards wissenschaftlichen Arbeitens ein. Das hat u.a. auch mit der spezifischen erkenntnistheoretischen und wissenschaftstheoretischen Fundierung der Gender Studies in der sogenannten „feministischen Wissenschaftstheorie“ (feministischer Empirismus, feministische Standpunkttheorie, feministischer Postmodernismus) zu tun, die nirgends sonst in den Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften anerkannt ist.

        Daher finde ich es – hier abweichend von El_Mochos Meinung – sehr sinnvoll die Gender Studies ausgehend von den allgemeinen anerkannten wissenschaftlichen Standards in den Sozialwissenschaften und Geisteswissenschaften zu kritisieren.

        „Und der Sozialkonstruktivismus ist m.E. nicht das Problem“

        Ich denke, El_Mocho weiß nicht, dass der ursprüngliche soziologische Sozialkonstruktivismus von zwei christlich-konservativen Soziologen entwickelt wurde, die trotz ihrer Religiosität wissenschaftlich arbeiten, die zu Recht als soziologische Klassiker gelten und die mit Gender Studies nicht die Bohne irgendwas zu tun haben

        Es gibt neben dem seriösen soziologischen Sozialkonstruktivismus von Berger & Luckmann aber auch noch einen spezifischen postmodernistischen Sozialkonstruktivismus, auf den sich die Gender Studies berufen und dieser postmodernistische Sozialkonstruktivismus ist tatsächlich kritikwürdig.

      • @Leszek

        Es scheint mehr darauf hinzudeuten, das MES an eine Dichotomie zwischen Sozialkonstruktivismus – was immer er darunter versteht – und einem Behaviorismus im Sinne Skinners glaubt.

        Es ist klar, daß diese These implizit definiert, welche notwendigen Bedingungen an die Bedeutungszuweisung an den Ausdruck „Sozialkonstruktivismus“ gestellt werden.

      • @ Elmar

        Natürlich könnte man das diskutieren (was ist Sozialkonstruktivismus und was ist Behaviorismus und besteht hier eine Dichotomie).
        Aber: Meine Texte über Schutzbach haben insbesondere auch das Ziel, dass sie mit der Zeit prominent in Google erscheinen, wenn man nach Franziska Schutzbach sucht, weil sie in der Schweiz in den Medien omnipräsent ist.

        Es geht also eher ein bisschen darum, dass die Leute nicht mehr alles für bare Münze nehmen, was sie erzählt oder zumindest selbst ein bisschen kritisch werden.

    • „Ich denke es macht keinen Sinn, sich mit sozialwissenschaftlichen Methoden an sozialwissenschaftlichen Theorien abzuarbeiten. “

      Ich stelle dazu mal die schlichtmenschliche These in den Raum, daß Sozialtheorien nicht wissenschaftlich sein müssn, es v.dh. aber gerade dann Sinn macht, sie überhaupt mal wissenschaftlich zu bearbeiten.

      Und zack – ist es mal wieder Zeit für meine „Lieblingsstudie“ unter den „Gender Studies“.
      Wibig Kurzfassung – et voila:
      https://plone.rewi.hu-berlin.de/de/lf/ls/bae/w/files/lsb_wissen/wibig_kurzfassung_deutsch.pdf

      Einfach mal grob die Seiten 23-25 überfliegen. Und sich möglw. denken: Das macht doch Sinn.
      Dann nochmal gründlich lesen und auf die Feinheiten achten, z.B. wer wann warum ein Täter ist und wie er statistisch geführt wird, Folgen der Maßnahmen u.s.w.. Kann sehr erhellend sein.

      Am Rande sei erwähnt, daß das Werk unter Federführung der beliebten ersten deutschen Genderprofessorin ( sagt sie selbst ) und Radikalfeministin ( sagt sie auch selbst ) und jetzt in den ersten Senat des BVerfG hochlancierten Susanne Baer entstanden ist. ( Na klar, Richterämter werden ausschließlich nach Excellenz in der Staatsexamennote vergeben, sagt unser EvoChris. Daß Baer überhaupt nie einen praktischen Juristenberuf ausgeübt hat, ändert daran natürlich gaaaa nix ).

      • @Fiete

        Was du betrachtest ist nur das Resultat einer Lügenstudie, die wiederum auf einer Lügenstudie basiert.

        Wenn du hier schreibst:

        „Ich stelle dazu mal die schlichtmenschliche These in den Raum, daß Sozialtheorien nicht wissenschaftlich sein müssn, es v.dh. aber gerade dann Sinn macht, sie überhaupt mal wissenschaftlich zu bearbeiten“,

        dann ist das nur scheinbar richtig.

        Denn die feministische Logik verläuft anders herum: Es existiert eine feministische Sozialtheorie und der Sozialwissenschaft obliegt es, diese zu „beweisen“.
        Wobei die Akteurinnen und Akteure in dieser Wissenschaft aufgefordert sind und sich selbst auffordern, parteilich und politisch zu agieren.
        Die Preisgabe wissenschaftlicher Objektivität ist kein bug, sondern ein feature.

        „Parteilich“ hat hier den Doppelcharakter, nicht nur für das Partei zu ergreifen, was vorgeblich anderen Frauen nützt, sondern nützlich für sich selbst Partei zu ergreifen.
        Um die eigene, feministische Ideologie als politisches Machtmittel in einer Partei zu erhalten und um Strukturen ökonomisch zu alimentieren, die diese Ideologie produzieren und reproduzieren.
        Letzteres spielt in der (Außen-) Darstellung des Staatsfeminismus selbstverständlich keine Rolle, ist aber durchgängiges Motiv der klientelistischen Netzwerke.

        Diese Wissenschaft des Staatsfeminismus hat die Funktion, das vorzufinden, was das eigene Weltbild und das ihrer (ministeriellen) Auftraggeberinnen vorgibt und dies zu bestätigen.
        Feministische Wissenschaft, betrieben von Feministinnen oder feministisch alimentierte Wissenschaft, wird demzufolge überraschende Erkenntnisse mit einer Wahrscheinlichkeit von 0% produzieren. Feministische „Wissenschaft“ hat die Ergebnisse auf dem Papier, bevor die Studie überhaupt begonnen hat.

        Solche ideologischen und politischen Vorgaben haben eine Signalwirkung für andere Wissenschaftsbereiche, die von staatlicher Förderung abhängig sind (z.B. Kriminalitätsforschung).
        Ihnen wird signalisiert, dass staatliche Subventionierung, Karriereoptionen, Veröffentlichungsmöglichkeiten von der Produktion der richtigen, also politisch erwünschten Ergebnisse abhängt.

        Niemand braucht repressive Maßnahmen zu ergreifen, um die gewünschten Ergebnisse zu produzieren, sondern die Verwandlung von Wissenschaft in „Auftragsforschung“ gemäß einer hegemonialen feministischen Ideologie verläuft wie von selbst.
        Die freiwillige Selbstprostituierung als Wissenschaftler oder Wissenschaftlerin lässt sich durchaus adeln, wenn man sich vormacht, für die „gute Sache“ zu lügen.

        Dazu muss man sich bspw. ausdauernd selbst vorzulügen, es gäbe nicht seit Jahren mehrere hundert Studien, die belegen, dass partnerschaftliche Gewalt annähernd zur Hälfte von Frauen ausgeht.
        Nachdem also die erste Lüge erfolgreich zu einer Arbeitsgrundlage gemacht worden ist, geht die nächste Lüge, Männer wären ausschließlich Täter und Frauen ausschließlich Opfer leichter über die Lippen.
        Damit ist der Kotau vor dem feministischen Betrug und Selbstbetrug vollzogen und aus Wissenschaft wird – höflich ausgedrückt – escort science.

        Mit der Forderung nach Gewaltpräventionsmaßnahmen, die nur Männer tangiert, werden beide Lügen in eine Praxis umgesetzt, die wiederum dazu dient, eine Rechtfertigung für die Lügen zu liefern.
        Dass man ausschließlich Männer mit solchen Maßnahmen anspricht – wiewohl die andere Hälfte der partnerschaftlichen Gewaltdynamik weiblich ist – wird man in diesen Maßnahmen nur Männer vorfinden. Natürlich deshalb, weil eben nur Männer Täter sein können. QED.

        Da in der gemeinen Wirklichkeit partnerschaftliche Gewalt real ist, in der sich beide Geschlechter wechselseitig durch verbale, psychische und physische Gewalt hochschaukeln, wird sich durch solch einseitige, sexistische Maßnahmen gesellschaftlich nichts ändern.
        In ihrer bescheidenen Selbstgenügsamkeit ist das feministischer oder feministisch inspirierter „escort science“ selbstverständlich egal.

        Dass die „feministische Parteilichkeit“ in der Gewaltforschung Pi mal Daumen 25 Jahre gesellschaftlich wirksames Handeln gegen Gewalt in partnerschaftlichen Beziehungen und Familien gekostet hat, steht auf einem anderen Blatt…

        Dieses Blatt, Fiete, habe ich ideell in meinem Kopf angefertigt und es trägt den Namen Abschlussrechnung. 😉

        Gruß crumar

      • Danke für die umfassende Aufklärung, crumar!
        Ich muß ja gestehen, als nicht so hochintellektuell gebildeter Unterschichtler habe ich den außerordentlich positiven Positivismus in den Gender Studies bisher gar nicht richtig bewußt wahrgenommen.
        Ich ging immer von diesem klassisch-traditionellen Falsifikationsdingsbums aus und dachte, das würde Wissenschaft eindeutig kennzeichnen.

        Erst Dein Hinweis auf den unterdrückerisch patriarchalen Aspekt dieser Art von Wissenschaftlichkeit und die Nützlichkeit der Nicht-Nicht-Widerlegung als Feature haben mir die Augen geöffnet.

        Der Rest ergibt sich dann ja quasi von selbst.
        Also Männer müssen Täter sein, nicht weil es keiner widerlegt, oder gar relativiert, sondern weil es eine positive Zuschreibung ist, die man sehr schön beweisen kann. Was ja in den von mir genannten Seiten der Wibig-Studie auch eindeutig geschieht.
        Daß kein Gericht sie je verurteilt hat, ist natürlich aus diesem Blickwinkel völlig unerheblich, weil die zu beweisene Tatsache an sich sowiso nützlich ist. Und nach erfolgtem Beweis, der Theorie, nicht der banalen Schuld, kann man sie ja immer noch in den Knast schieben, was als statistischer Absolutbeweis eine wunderbare Ultima Ratio bietet.

        Damit wird notwendig Frauen als Täter außen vor zu lassen, da man sich sonst ja einen relativen Negativismus ( ihgitt! ) einhandeln würde, der in der positivistischen Wissenschaft ganz objektiv nichts zu suchen haben kann.

        Bin ich jetzt auf der richtigen Spur, die mir die richtige Erkenntnis zum richtigen Zusammenhang bringt?
        Boah, gelingt mir das schnell, den ganzen negativen Methodikquatsch einfach zu vergessen.
        INSTANTSCIENCE!!!
        Ich bün erleuheuheuchtet!

    • @EL_Mocho:

      »Ich denke es macht keinen Sinn, sich mit sozialwissenschaftlichen Methoden an sozialwissenschaftlichen Theorien abzuarbeiten.«

      Ich dagegen denke, dass das das Einzige ist, was Sinn macht! 🙂

    • @Fiete

      „Also Männer müssen Täter sein, nicht weil es keiner widerlegt, oder gar relativiert, sondern weil es eine positive Zuschreibung ist, die man sehr schön beweisen kann. Was ja in den von mir genannten Seiten der Wibig-Studie auch eindeutig geschieht.“

      Die man sehr schön „beweisen“ kann, wenn man nur ausdauernd genug fälscht.

      Die KFN Studie von 1995 war darin Höchstleisterin und Wegbereiterin aller anderen gefälschten Studien – Kunststück, geschrieben von zwei Professoren und einer der beiden wurde dann Justizminister. Keine Ironie. Leider nicht.

      Z.B. ging es damals um die Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe und die mühselige Aufgabe war für die „escort science“, aus dem vorliegenden Befund zu zaubern, dass a. die meisten sexuellen Nötigungen und Vergewaltigungen (als das noch nicht in einem Paragraphen abgehandelt wurde) in einer Partnerschaft stattfinden und b. 75% der Täter die Ehemänner sind.

      Wie macht man das?

      Nun, man setzt das Mindestalter der Betroffenen im Sample hoch und siebt auf dieser Grundlage noch einmal aus.
      Das ist aus Opferperspektive sinnlos, denn damit werden auch ca. 50% der Opfer durch das Sieb fallen.
      Das ist aber gar nicht entscheidend, denn es geht gar nicht um die Opfer.

      Wenn ich dir jetzt erzähle, dass das durchschnittliche Heiratsalter 1995 29 Jahre war, macht die Herangehensweise JETZT für dich Sinn?!
      Um SO HÖHER ich das Durchschnittsalter des Samples mache, desto NÄHER komme ich dem ZIELWERT, um zu „beweisen“, dass 75% der Täter Ehemänner sind.
      Weil das durchschnittliche Opfer wesentlich jünger ist und nicht verheiratet, deshalb muss das Opfer eben weg.
      Für politische Zwecke taugt es nichts, es hat zu verschwinden.

      SO geht das. SO kommen sie zu ihren politisch verwertbaren Ergebnissen.
      Das Ausmaß an Skrupellosigkeit, den OpportunistInnen und KarrieristInnen an den Tag legen macht einen einerseits fassungslos und andererseits richtig miese Laune, Fiete.

      Man muss sich nur ein bisschen Menschlichkeit bewahrt haben, um danach solide Hassgefühle zu entwickeln – was weniger ein Widerspruch in sich ist, als ich vorher geglaubt habe. Die Art, wie hier Menschen (bzw. Frauen), die Opfer eines schweren Verbrechens geworden sind politisch ver- und benutzt werden ist ABARTIG.

      Das nur meine 5 Cent für diesen Abend…

      Gruß crumar

  • Auch wenn sich die Gender Studies an den Universitäten etabliert haben, so handelt es sich doch vielmehr um Mythologie denn Wissenschaft. Der mythologische Charakter der Gender Studies wird insbesondere dann sichtbar, wenn gesellschaftspolitische Kräfte als Ausdruck symbolischer Ordnungen charakterisiert werden, ohne jemals ernsthaft die materiellen Grundlagen und die sich daraus ergebenden Interessen und Besitzstandswahrungen angemessen zu berücksichtigen. Diese ganze psychologische Sosse führt zu rein gar nichts ausser zur Behauptung, es gäbe eine symbolische Ordnung, deren markantestes Symbol der Phallus sei.

    Also verfolgen wir doch mal einen ökonomischen Ansatz, der die materiellen Interessen berücksichtigt, die Frau Schutzbach antreibt.

    „Konstruiert wurde der Traum vom „uncumbered self“, einem unbelasteten, freien und erfolgreichen Selbst jenseits von Geschlechter-, Klassen- und Migrationsverhältnissen. Anders ausgedrückt: Im neoliberalen Diversitätsversprechen durften die anderen zur Norm gehören und mitmachen – sofern sie den männlich konnotierten Massstäben entsprachen.“

    Die „männlich konnotierten Massstäbe“ ist eine gendergerechte Umschreibung für den Arbeitsmarkt und der darin herrschende Konkurrenzdruck und Wettbewerb. Frau Schutzbach, empfindet den Konkurrenzdruck und Wettbewerb in einer kapitalistischen Gesellschaft als unweiblich, als männlich konnotiert, als etwas, dem Männer, aber niemals Frauen ausgesetzt sein sollten. Es widerspricht ihrem Selbstverständnis als Dame mit kleinbürgerlichen Attitüden, deren primäre Aufgabe sich im Frausein erschöpft. Produktive Arbeit unter Konkurrenzdruck ist männlich und sollte es auch bleiben. Die Studienwahl Gender Studies ist in dieser Hinsicht eine logische Wahl, ist deren Rechtfertigung doch nur Selbstzweck. Es ist der ideologisch verbrämte parasitäre Lebensentwurf, der sich ganz selbstverständlich von der Ausbeutung männlicher Arbeitskraft nährt und die Ausbeutung den Ausgebeuteten als Eigenverschulden anlastet.

  • Bourdieus »Männliche Herrschaft« ist tatsächlich ein ziemlich schlechtes Buch von ihm. Ich erlaube mir mal, einen Abschitt aus einem meiner GA-Blogposts zu recyceln, in dem ich mit seiner Theorie bereits auseinandergesetzt habe:

    »Bourdieus Theorie des männlichen Habitus ist ein Sonderfall seiner allgemeinen Theorie des Habitus, die in den Sozialwissenschaften nicht zu Unrecht einen guten Ruf genießt. Sie weist jedoch einige spezifische Schwächen auf, die Bourdieu in seiner Theorie einer männlichen Herrschaft unzureichend beachtet hat. Grundsätzlich bezeichnet der Begriff des Habitus eine Ebene oder Instanz der Vermittlung zwischen einer gegebenen sozialen Struktur und dem konkreten Handeln, der Praxis, von Individuen. Der Begriff bezeichnet also menschliche Handlungsdispositionen, und zwar solche, die durch längerfristige, erfolgreiche Anpassung an soziale Situationen entstanden und daher ins Unbewusste und in das menschliche Körpergedächtnis sedimentiert sind. Es handelt sich nicht um Nutzenkalküle im Sinne einer Theorie der rationalen Wahl, sondern um gleichsam automatische »generative Strukturen« von Handlungen. Es sind daher auch nicht nur Handlungsroutinen im instrumentellen Sinne, sondern zugleich das mit ihnen verbundene System von Wertungen und Symbolisierungen. Diese analytische Herangehensweise bezeichnet Bourdieu als »praxeologisch«. Habitusformen kann man insofern auch als Inbegriff kulturell konstruierter Handlungsdispositionen verstehen. Da sie jeweils auf Kontexte bezogen sind, innerhalb derer sie funktionieren (also hinreichend erfolgreiches Handeln gewährleisten), korrespondiert dem Habitusbegriff in Bourdieus Theorie der Begriff des »Feldes«.

    Felder sind Ausschnitte bzw. Teilsysteme eines in sich differenzierten sozialen Raums, der mit dem Begriff der sozialen Klasse nicht detailliert genug beschrieben wird. In ihnen wirken unterschiedliche Regeln für Tausch und Kommunikation, die Bourdieu als »Kapitalsorten« beschreibt, etwa ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital. Bourdieus »Felder« sind dem nicht unähnlich, was Niklas Luhmann als gesellschaftliche Teilsysteme beschreibt, denen ähnlich wie Kapitalsorten je spezifische binäre Codes zugrunde liegen, die die systemspezifische Kommunikation steuern, also dasjenige, was in einem Feld gesagt werden kann und dem darin ein spezifischer Wert zukommt. Solche Felder sind Bourdieu zufolge beispielsweise das ökonomische, das politische, das kulturelle, das akademische und das literarische Feld. Was Bourdieu dagegen niemals identifiziert hat – und hier kommen wir einer Inkonsistenz seiner Theorie auf die Spur – ist ein »männliches Feld«. Allenfalls in seinen ethnologischen Beobachtungen der kabylischen Gesellschaft können wir den Gegensatz von Haus und Öffentlichkeit einigermaßen als männliches und weibliches Feld auffassen. Auf der einen Seite entstammt Bourdieus Habitustheorie der intensiven Auseinandersetzung mit der kabylischen Gesellschaft. Auf der anderen Seite wendet er den Habitusbegriff auf die moderne Gegenwartsgesellschaft mit ihrer vielfältigen Differenzierung der öffentlichen Sphäre an:

    »Die Formel ›Struktur – Habitus – Praxis‹ und die praxeologische Denkweise hat Bourdieu in Auseinandersetzung mit der Kabylei entwickelt, einer traditionalen Gesellschaft. Er ist so überzeugt von dieser wirklichkeitsauf- und –erschließenden Formel, dass er sie zeitlebens beibehält und umstandslos auf moderne Gesellschaften anwendet.« (Müller 2014: 43)

    Nun kann man aus Bourdieus eigenen Schriften zur französischen Gegenwartsgesellschaft relativ leicht nachweisen, dass es in ihnen keine geschlechtsspezifischen Habitūs gibt, die nicht zugleich klassenspezifisch gebrochen wären, zumal er explizit darauf hinweist:

    »Die geschlechtsspezifischen Merkmale sind ebensowenig von den klassenspezifischen zu isolieren wie das Gelbe der Zitrone von ihrem sauren Geschmack: eine Klasse definiert sich wesentlich auch durch Stellung und Wert, welche sie den beiden Geschlechtern und deren gesellschaftlich ausgebildeten Eigenschaften einräumt. Darin liegt begründet, warum es ebenso viele Spielarten der Verwirklichung von Weiblichkeit gibt wie Klassen und Klassenfraktionen, und warum die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern auf der Ebene der Praxis wie der Vorstellungen innerhalb der verschiedenen Gesellschaftsklassen höchst unterschiedliche Ausprägungen annimmt.« (Bourdieu 1988: l85)

    Ein positives Verhältnis zu traditionellen Männlichkeitswerten war dabei hauptsächlich in der Arbeiterklasse gegeben, die sich hinsichtlich Bildungswerten und sublimiertem Kulturkonsum im Verhältnis zu den mittleren und oberen Klassen außer Konkurrenz befanden:

    »(D)ie Arbeiterklasse, über nichts als ihre Arbeitskraft verfügend, hat anderen Klassen außer dem Entzug dieser Arbeitskraft nichts entgegenzusetzen als ihre Kampfkraft, die von der körperlichen Kraft und dem physischen Mut jedes einzelnen und von der Anzahl aller abhängig ist, (…) eines der gewiss letzten Refugien der unterdrückten Klassen, die Fähigkeit, ihre eigenen Vorstellungen von idealer Persönlichkeit und von den gesellschaftlichen Beziehungen zu bilden, ist bedroht, wenn der Glaube der Angehörigen der werktätigen Klasse an die Männlichkeitswerte – eine der eigenständigsten Formen ihrer Selbstbehauptung als Klasse – in Frage gestellt ist.« (Bourdieu 1988: 600 f.)

    Der systematische Grund dafür, dass geschlechtsspezifische Habitūs allenfalls in einfach strukturierten, traditionellen Gesellschaften sozial strukturbildend sind, besteht darin, dass Habitusformen zwar im Verlauf von Sozialisationsprozessen internalisiert werden, dies jedoch entlang einer zugleich entwicklungspsychologischen und kulturgeschichtlichen Längsachse von der primären bis zur tertiären Sozialisation erfolgt. Eine der wichtigsten Funktionen des Habitus in traditionalen Gesellschaften, die Inkorporation kultureller Wertungen, wird zugunsten höherer reflexiver Selbstdistanz entlastet, sobald eine soziale Schicht »literat« wird, d.h. ihre Kultur in Form von Schrifttum kodifiziert. Die Schrift

    »ermöglicht die Akkumulation der vordem nur einverleibt bewahrten Kultur und entsprechend die ursprüngliche Akkumulation des kulturellen Kapitals als totale oder teilweise Monopolisierung der symbolischen Mittel Religion, Philosophie, Kunst, Wissenschaft durch Monopolisierung der Werkzeuge (wie Schreiben, Lesen und sonstige Entzifferungsverfahren) zur Aneignung dieser Mittel, die fortan nicht mehr im Gedächtnis, sondern in Texten bewahrt werden. Doch dieses kulturelle Kapital findet die Bedingungen seiner Realisierung erst mit dem Aufkommen des Bildungssystems, welches Titel vergibt, mit denen die jeweilige Position in der Verteilungsstruktur des kulturellen Kapitals sanktioniert wird.« (Bourdieu 1987: 227 f.)

    Gerade in einer modernen Gesellschaft mit hoher Bildungsquote, einer Gesellschaft zumal, die seit der Erfindung der Psychoanalyse und verwandter Psychotechniken eine massenwirksame Sprache der Selbstreflexion auf unbewusste Prozesse institutionalisiert hat, ist daher nicht mehr mit über die Geschlechterkategorie wirksamen Herrschaftsmechanismen zu rechnen, sondern es müssen die relativen Macht- und Statusverhältnisse zwischen Klassen, Klassenfraktionen und Milieus herangezogen werden. Nicht einmal in der Wertungsdimension existiert diese Geschlechterhierarchie noch, insofern bereits am Beginn der modernen Gesellschaft ein Gegendiskurs zum traditionellen, »aristotelischen« Überlegenheitspostulat des Mannes entwickelt worden ist, der statt dessen die moralische Überlegenheit der Frau postuliert (vgl. Kucklick 2008). Eine »Geschlechterkritik« wie beispielsweise die von Robert/Raewyn Connell (Connell 2013) oder Andreas Kemper, die sich einen solchen reduktiven Habitusbegriff zunutze macht und um den Begriff einer angeblichen »männlichen Hegemonialität« kreist, läuft hier grundsätzlich in die Falle eines anachronistischen, starren Bildes von männlichen Dispositionsordnungen und fehlerhaften Ableitungen auf gesellschaftliche Strukturen und Wertordnungen.

    In Bourdieus Schrift über »Die männliche Herrschaft« spielen seine Einsichten in den Aufbau moderner Gesellschaften kaum eine Rolle. Welche Rezeption durch Bourdieus argumentative Schwerpunktsetzung nahegelegt wird, können wir direkt an Hirschs Lektüre aufzeigen. Wir haben oben Hirschs Ansicht zitiert, derzufolge im Zusammenhang der modernen androzentrischen Arbeitsteilung »die ›niedrigen‹, mühevollen und schäbigen Arbeiten den Frauen übertragen (werden) und die ›höheren‹ im Wesentlichen den Männern«. Hirschs Formulierung ist die (korrekt belegte) Paraphrase eines Abschnitts aus Bourdieus Text, in dem es, mit Bezug auf die kabylische Gesellschaft, im Zusammenhang heißt:

    »(D)ie Regelmäßigkeiten der physischen und der sozialen Ordnung … schließen die Frauen von den edelsten Aufgaben aus (z.B. den Pflug führen), weisen ihnen die schlechteren Plätze zu (den Straßen- oder Böschungsrand), lehren sie eine geziemende Haltung (vor die achtbaren Männer mit gebeugtem Oberkörper und vor der Brust verschränkten Armen treten) und übertragen ihnen die mühevollen, niedrigen, schäbigen Aufgaben (den Mist karren und mit den Kindern bei der Ernte die Oliven auflesen, die der Mann mit einer Stange vom Baum schlägt).« (Bourdieu 2005: 46 f.)

    Ersichtlich geht es hier um eine Aufteilung von Tätigkeiten im Rahmen einer agrarischen Gesellschaft, die die meisten wirtschaftlichen Aktivitäten gemeinsam ausführt, weshalb die symbolische Hierarchisierung von Teiltätigkeiten überhaupt naheliegt: gerade weil männliche und weibliche Tätigkeiten nicht funktional differenziert und in unterschiedlichen Sphären angesiedelt sind, ergibt sich die »Notwendigkeit«, sie intern symbolisch zu differenzieren und zu hierarchisieren. Diese Pointe entgeht Hirsch völlig, weil er für die Schwächen der Bourdieuschen Habitustheorie nicht sensibilisiert ist. Bourdieus »Männliche Herrschaft« gehört nicht zu seinen besten Texten – es macht den Eindruck eines Gefälligkeitsgutachtens an den Feminismus tief unter seinem sonstigen analytischen Niveau und beruht auf den problematischsten Elementen seiner Habitustheorie.

    Zusammenfassend gesagt: in modernen Gesellschaften müssen wir anstatt mit einer Grundstruktur der hierarchischen Schichtung mit einer Grundstruktur der funktionalen Differenzierung rechnen, die sich nicht mehr über die Geschlechterkategorie abbilden oder gar aus ihr herleiten lässt. Damit ist auch die Idee eines »modernen Patriarchats« grundsätzlich in Frage gestellt.«

    Bourdieu, Pierre (1987), Sozialer Sinn. Kritik der theoretischen Vernunft. Frankfurt a.M.: Suhrkamp
    Bourdieu, Pierre (1988), Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Frankfurt a.M.: Suhrkamp
    Bourdieu, Pierre (2005), Die männliche Herrschaft. Frankfurt a. M.: Suhrkamp
    Connell, Raewyn (2013), Gender. Herausgegeben von Ilse Lenz und Michael Meuser. Wiesbaden: Springer
    Kucklick, Christoph (2008), Das unmoralische Geschlecht. Zur Geburt der Negativen Andrologie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp
    Müller, Hans-Peter (2014), Pierre Bourdieu. Eine systematische Einführung. Berlin: Suhrkamp

    • @ djadmoros

      Jetzt nur kurz:

      M.E. ist im Buch“ Die Männliche Herrschaft“ nicht so sehr die Habitus-Feld-Theorie relevant, sondern eben seine Konzepte der Symbolischen Macht/Gewalt/Herrschaft. Gestern ist übrigens gerade auf Telepolis ein Artikel darüber erschienen.
      https://www.heise.de/tp/features/Wie-Beherrschte-an-der-ueber-sie-ausgeuebten-Herrschaft-mitwirken-3645169.html

      Das Problem bei diesem Buch ist, dass Bourdieu eigentlich das macht, was er sonst eigentlich immer kritisiert hat, er schreibt nämlich:

      „Wissenschaftliche Praxis an sich beinhaltet meiner Meinung nach eine kritische Haltung; nur bin ich der Ansicht, dass die traditionelle Sozialphilosophie, das, was ich etwas abschätzig „Sozialphilosophie“ nenne, ihren kritischen Anspruch nicht vollständig einlösen kann, und zwar deshalb, weil sie auf die entsprechenden Mittel verzichtet, dabei über alles und nichts redet. Ihre wirkliche Stärke gewinnt die Kritik meiner Überzeugung nach nicht durch die „Kritik der Waffen“, sondern durch die „Waffen der Kritik“, wie Marx formulierte, d.h. durch entsprechend gerüstete Kritik.“ (Bourdieu: 1993, 42)

      Soll heißen: Die Sozialphilosophie verzichtet auf die Forschungsmethoden der Sozialwissenschaften u.a. eben empirische Untersuchungen.

      • @Mark E. Smith:

        »M.E. ist im Buch“ Die Männliche Herrschaft“ nicht so sehr die Habitus-Feld-Theorie relevant, sondern eben seine Konzepte der Symbolischen Macht/Gewalt/Herrschaft.«

        Ich hatte nicht den Eindruck, dass das Konzept der Symbolischen Gewalt wirklich eine Schlüsselstellung in der »Männlichen Herrschaft« einnimmt. Für mich sieht das so aus, als habe er ohne allzu tiefes Nachdenken einfach in seinen Baukasten gegriffen und überlegt: »was von dem Zeug passt denn halbwegs zur Frauenbewegung?«

        Sein Konzept der Symbolischen Gewalt finde ich tatsächlich sinnvoll – aber wie bei allen sinnvollen und kritischen Konzepte der Soziologie erweisen sich die Feministinnen als notorisch unfähig, sie auch auf sich selbst anzuwenden.

  • Hallo Mark_Smith, sehr geehrte Kommentatoren!
    Offensichtlich haben Sie es sich zum Anliegen gemacht, sich an den Texten von Franziska Schutzbach abzuarbeiten. Es kann in derartigen Artikeln kaum die Aufgabe der Autorin sein, über grundlegende Begrifflichkeiten und Ursachen struktureller Gegebenheiten aufzuklären. Vielmehr geht Sie mit Selbstverständlichkeit davon aus, daß Lesende diese Auseinandersetzung und das tiefere Hinterfragen in einer sachbezogenen Weise leisten, ja geradezu dazu angeregt werden – wenn sie es nicht bereits geleistet haben – so dass sie tatsächlich im Stande sind, die Problematik in ihrer ganzen Schärfe und ihrem gesamten Umfange zu erfassen. Um dann überhaupt erst fundiert, informiert und mit der notwendigen Empathie und Achtung Kritik üben zu können.
    Herr Smith, Ihre wiederholt aufgeworfenen kritischen Fragen als auch die Diskussion in den Kommentaren, lassen augenscheinliche Unklarheiten im Bezug auf eine Reihe von Begriffen erkennen und darüberhinaus offensichtliche Unkenntnis über Ursprung und Entwicklung eben jener „phallozentrische Ordnung“, an deren aktueller Existenz und Wirkmächtigkeit Sie so zweifeln.
    Deshalb möchte ich Ihnen gern unbedingt als erste Grundlagenliteratur das folgende Buch empfehlen. Da es von einem bekannten Journalisten und Forscher auf diesem Gebiet geschrieben wurde, könnte ich mir vorstellen, dass eine derart fundierte Analyse – geschrieben von einem Mann – auch in Ihren Augen eine Reihe Ihrer Argumentationen hinfällig machen wird. Mindestens könnte es Ihnen eine neue Sicht auf gegebene gesellschaftliche Zusammenhänge ermöglichen.
    MIt besten Grüßen.

    • Es wäre hilfreich und interessant wenn Sie uns erklären könnten, warum Sie das Buch eines Journalisten und Juristen (religionswissenschaftliche Qualifikationen unklar), welches soweit ich das sehe in keinster Weise von der wissenschaftlichen community rezipiert worden ist, hier als „erste Grundlagenliteratur“ sowie als „fundierte Analyse“ anpreisen.

      Wenn darin einige der wichtigen Fragen, die Mark_Smith in seinem Artikel aufwirft, beantwortet werden (z.b. Definition, Operationalisierbarkeit und empirische Befunde von „Patriarchat“, „Phallokratie“ etc), dann lassen Sie uns doch an diesem Wissen teilhaben! Es wäre sicher spannend, das hier zu diskutieren.

      Nur auf ein Buch hinzuweisen verbunden mit der Aufforderung dieses zu lesen bevor man sich äußert ist ein wenig dünn.

      • Nur auf ein Buch hinzuweisen verbunden mit der Aufforderung dieses zu lesen bevor man sich äußert ist ein wenig dünn.

        Das ist eine feministische Standarttaktik, mit Kritik umzugehen: Erst wird proklamiert, man sei im Recht, dann wird der Kritiker aufgefordert, sich aus anderen, oft schwer zugänglichen Quellen zu informieren, auf dass er die Erleuchtung erfahre. Damit entzieht sich die Feministin einer Diskussion.

      • So, dritter Versuch (@Admin: bitte mal in den SPAM-Ordner gucken).

        Nur auf ein Buch hinzuweisen verbunden mit der Aufforderung dieses zu lesen bevor man sich äußert ist ein wenig dünn.

        Das ist eine feministische Standarttaktik um sich einer Debatte zu entziehen. Man verweist auf eine nicht unmittelbar zugängliche Quelle, bzw. eine Autorität auf dass man die feministische Erleuchtung erfahre. Man – oder eher frau – ist im Recht und der Kritiker kann das auch einsehen, wenn er die richtigen Schriften liest.

      • @uepsilonniks:

        »Man – oder eher frau – ist im Recht und der Kritiker kann das auch einsehen, wenn er die richtigen Schriften liest.«

        Nur, dass wir deren Schriften mittlerweile besser kennen als sie diese selbst. Es gab mal einen Blogger, der in Bezug auf jeweils bestimmte Behauptungen von Erich von Däniken so eine Art Kolumne der »Widerlegungen-in-fünf-Minuten« hatte. Wenn ich mir die Produktivität unserer Blogosphäre anschaue, dann bekommen wir das in bezug auf feministische Thesen mittlerweile auch locker hin (ok, mit Bott war ich jetzt insgesamt zwei Stunden lang befasst).

    • Hallo Frau Förster

      Dann vielen Dank für den Kommentar und den Buch-Tipp.
      Jetzt nur so viel. Ich muss mich leider auf einem Blog an der Franziska Schutzbach abarbeiten, weil die hegemonialen Mainstream-Medien vielfach andere Sichtweisen als die feministische Perspektive überhaupt nicht zu Wort kommen lassen. Ich verweise z.B. auf den Medienwissenschaftler Uwe Krüger mit seinem Buch:

      „Mainstream. Warum wir den Medien nicht mehr trauen.“

      „Der Meinungskorridor war schon mal breiter. Es gibt eine erstaunliche Homogenität in deutschen Redaktionen, wenn sie Informationen gewichten und einordnen.“ Nicht nur Aussenminister Frank-Walter Steinmeier wundert sich über den „Konformitätsdruck in den Köpfen von Journalisten“. Glaubt man einer Meinungsumfrage für ZEITonline vom Dezember 2014, dann haben 47 Prozent der Deutschen den Eindruck, dass ihre Medien einseitig berichten, und im Oktober 2015 gaben in einer Umfrage für den WDR 37 Prozent an, dass ihr Vertrauen in die Medien in den letzten Jahren gesunken sei. Wie konnte es zu dieser Vertrauenskrise der deutschen Öffentlichkeit kommen? In den Redaktionen wird die Ursache weitgehend beim Publikum selbst verortet. Doch gibt es, so zeigt der Medienwissenschaftler Uwe Krüger in diesem Buch, in den grossen Medien tatsächlich eine Verengung des Meinungsspektrums, durch die bestimmte Positionen unterrepräsentiert sind. Dieser Mainstream-Effekt hat mit Lobby-Netzwerken und vertraulichen Hintergrundkreisen ebenso zu tun wie mit der sozialen Herkunft der Journalisten und den dramatisch verschlechterten Arbeitsbedingungen der Branche.“
      https://www.buch.ch/shop/home/rubrikartikel/ID44153518.html?ProvID=10904205

      Sollten Sie Zugang zu den Leitmedien haben, dann wäre es natürlich nett von Ihnen, wenn Sie mich empfehlen würden, damit ich meinen häretischen und heterodoxen Diskurs in den Leitmedien veröffentlichen könnte. 🙂
      Wünsche einen schönen Abend!

    • Hallo Silke,
      da es Dir offenbar um Unklarheiten und dessen Klärung geht, möchte ich Dir ein paar einfache Fragen aus Sicht eines eher schlichten Menschen stellen. Die Aussagen Deines ersten Kommentars erscheinen mir nicht ganz eindeutig.

      Vorab jedoch hoffe ich, daß Du es mir nicht übel nimmst, daß ich, als Anhänger des klassischen, man könnte schon sagen des traditionellen Internets, als neues globales Informationsmedium, mich an den m.E. guten Brauch halte, Unbekannte, mit denen man in keiner speziellen Geschäfts- o. mindestens autoritätsbedingten Beziehung steht, einfach höflich zu duzen.
      Vom um sich greifenden Neoviktorianismus, speziell auch national deutscher Prägung, halte ich nunmal nichts und betrachte ihn als Backlash und zumindest potentiellen Respektsverlust. Solltest Du, warum auch immer, darauf bestehen, hier dem neuen Förmlichkeitstrend zu huldigen, könnte ich das aber selbstverständlich tolerieren.

      In Medias res:
      Du schreibst:
      „Es kann in derartigen Artikeln kaum die Aufgabe der Autorin sein, über grundlegende Begrifflichkeiten und Ursachen struktureller Gegebenheiten aufzuklären. “
      Selbstverständlich kann jeder schreiben was er möchte, das ist unbenommen. Eine Pflicht zur Aufklärung in allgemeinen Netzkonversationen kann es nicht geben. Aber wäre es nicht der Diskussion, um die es ja auch Dir zu gehen scheint, förderlich, wenn man Begriffe, die man in Argumentationen erhebt, erstmal definieren kann und das ggf., wo es nötig scheint, auch praktiziert?
      Allein die Begrifflichkeiten „Phallokratie“ und „Patriarchat ohne Patriarchen“ lassen m.E. schon eine dermaßen weit gespreizte Bandbreite an Interpretationsmöglichkeiten zu, daß ein sie als zentrale Termini verwendender Text geradezu unverstehbar wird, wenn man keine gemeinsame Definition, oder wenigstens eine akzeptable Schnittmenge zur Basis der Diskussion machen kann.
      Krass gegenübergestellt: wäre es sinnvoll, wenn ein Teil der Leser „Phallokratie“ mit den Liktorenbündeln der alten Römer ( Fasces ) assoziiert und vielleicht von einer Art „Schlaginstrument in Dildoform“ ausgeht, wärend ein anderer Teil möglw. eine Art symbolisches Synonym für ein „Patriarchat ohne Patriarchen“ ( also bspw. eine radikalfeministische Gesetzgebung, in Form asymmetrischen Rechts, nach Baer ) dahinter nebulös vermutet?

      „Vielmehr geht Sie mit Selbstverständlichkeit davon aus, daß Lesende diese Auseinandersetzung und das tiefere Hinterfragen in einer sachbezogenen Weise leisten, ja geradezu dazu angeregt werden – wenn sie es nicht bereits geleistet haben – so dass sie tatsächlich im Stande sind, die Problematik in ihrer ganzen Schärfe und ihrem gesamten Umfange zu erfassen.“

      Das verstehe ich nicht. Soll das heißen, daß Schutzbach meint, daß der Leser ( auch und natürlich besonders wenn er gerade nicht diesen Text von ihr liest ) die Aufgabe hat, zu klären, was Schutzbach darin wie verstanden haben möchte?
      Oder eher, daß es am Leser ist, den evtl. lediglich als indifferente Provokation gemeinten Text in sinnvolle exakte Aussagen zu verwandeln, da Schutzbach ihn eigentlich gar nicht mit konkretem Inhalt versehen wollte ?
      Also als Anregung, über die Begrifflichkeiten hinaus sich mit dem ungefähren Themenbereich individuell forschend zu befassen?
      Letzteres wäre ja geradezu revolutionär für den Bereich Feminismus/Genderismus, da damit die bisher vorausgesetzte absolute ( und oft extrem enge ) Definitionshoheit aufgegeben würde, was natürlich zu begrüßen wäre. Nämlich
      „Um dann überhaupt erst fundiert, informiert und mit der notwendigen Empathie und Achtung Kritik üben zu können.“
      Traust Du Schutzbach zu, sich ganz real auf eine derartige Diskussionspartnerschaft ( quasi auf Augenhöhe ) einzulassen, obwohl sie damit doch den Zorn praktisch des gesamten Mainstream im Feminismus-/Genderismuskomplex sicher auf sich ziehen würde?

      Wäre Schutzbach denn überhaupt fähig, als vermeintliche Feministin, sich auf Informationen durch Menschen wie Mark E. Smith empathisch und respektvoll einzulassen und dadurch die argumentative Auseinandersetzung mit sachlicher Kritik erst zu ermöglichen?
      Noch dazu indem sie Smith, als Leser, „das tiefere Hinterfragen in einer sachbezogenen Weise“ vertrauensvoll überlässt und seine Ergebnisse als Plattform des gemeinsamen Disputs akzeptiert?

      „Herr Smith, Ihre wiederholt aufgeworfenen kritischen Fragen als auch die Diskussion in den Kommentaren, lassen augenscheinliche Unklarheiten im Bezug auf eine Reihe von Begriffen erkennen und darüberhinaus offensichtliche Unkenntnis über Ursprung und Entwicklung eben jener „phallozentrische Ordnung“, an deren aktueller Existenz und Wirkmächtigkeit Sie so zweifeln.“

      Und das ist, sofern ich Dich nicht allzusehr mißverstehe, auch gut so, oder?
      Mark deckt Unklarheiten auf, die zu benennen, oder gar abzuklären ja, laut Deinen Zeilen, nicht Schutzbach’s, sondern gerade des Lesers Aufgabe ist, richtig?

      Falls ich das einigermaßen korrekt erfasst habe, möchte ich Dich herzlich einladen, Dich hier auch konkret inhaltlich an dieser Begriffsklärung zu beteiligen. Das wäre m.E. für alle ein Riesenfortschritt, da es zur Standardisierung der verwendeten Sprache erheblich beitragen könnte.
      Gerade für einfache Mitbürger wie mich wäre das eine große Erleichterung beim Erfassen komplexer Inhalte ( oder noch eher komplexer bis komplizierter Texte ), die von unterschiedlichen politischen u./o. ideologischen Gruppen in z.T. völlig unterschiedliche Kontexte und sogar exakte Inhalte gestellt werden. ( Ganz ehrlich, das nervt, wenn man erst einmal den Hintergrund eines Autoren recherchieren muß, um wenigstens grob zu verstehen, was er überhaupt zum Ausdruck bringen möchte )

      Im gerade Zitierten bspw. scheinst Du eine „phallozentrische Ordnung“ als etwas ganz anderes ( vermutlich eine Art Herrschaftsform? ) zu definieren, als Mark Smith, der eher von einem ideologischen Kampfbegriff auszugehen scheint, der v.dh. einen ganz anderen realen Hintergrund hat.
      So wird dann auch nachvollziehbar, warum er denselben kritisch hinterfragt und um wissenschaftliche Herangehensweise, auch im Diskurs, bittet.
      Denn auch präjudizierende Kampfparolen haben ja einen realen Kontext und entsprechende Hintergründe, die ggf. zu beleuchten wären. Und hier auf Man-Tau finden sich ja oft auch entsprechend vorgebildete Akademiker ein, deren Spezialität derartige analytische und vergleichende Anhandlungen geradezu sind.

      Ich persönlich verstehe ja leider manchmal eher wenig von den Abläufen dieser Diskussionen, schon allein da mir große Teile der dazu angeführten klassischen politischen Literatur unbekannt sind.
      Aber es freut mich immer sehr, wenn am Ende dann eine relativ ( auch populär ) erfassbare Schnittmenge des ( natürlich immer vorbehaltlichen ) Konsens dabei herauskommt.

      Noch eins zum Schluss:
      „Da es von einem bekannten Journalisten und Forscher auf diesem Gebiet geschrieben wurde, könnte ich mir vorstellen, dass eine derart fundierte Analyse – geschrieben von einem Mann – auch in Ihren Augen eine Reihe Ihrer Argumentationen hinfällig machen wird. Mindestens könnte es Ihnen eine neue Sicht auf gegebene gesellschaftliche Zusammenhänge ermöglichen.“

      Ich vermute, daß der Autor als bekannter Journalist und Forscher ( was immer das heißen mag ) sich – in Deinen Augen – aus Reputationsgründen verpflichtet sieht, „derart fundiert“ zu analysieren. Aber was ist denn das Fundament dieser Analyse? Oder war das auch lediglich eine Anregung, es selbst herauszufinden?

      Fehlt da nicht irgendetwas zwischen den Gedankenstrichen?
      „– geschrieben von einem Mann – “
      Ja? Einem Mann, der … was?
      Oder liest Du lieber, was Männer schreiben, relativ unabhängig vom Inhalt u./o. dessen Qualität?
      Wäre ja durchaus möglich und nachvollziehbar ( mancher liest lieber Borchert o. Fallada, ein ander eher… ähm, sorry, da ham wer’s, mir fällt gerade keine vergleichbare Autorin ein ), nur würde ich das eher als individuelle Vorliebe betrachten, weshalb mir der Sinn des Hinweises an die hiesige, recht breit aufgestellte Kommentatorenschaft nicht ganz klar ist.

      Gruß ….. Fiete

      • Nachtrag @Silke:
        Da Du hier zur Vertiefung des Themas ein Buch – scheinbar auch zur Terminologieproblematik – bewirbst, möchte ich mir erlauben, Dich im Gegenzuge darauf hinzuweisen, daß das Thema ( damals einfach Kommunikationsschwierigkeiten benannt ) schon vor fast einem halben Jahrhundert von besorgten Mitmenschen öffentlich – und durchaus auch leicht provokant – angesprochen wurde.
        Hier bspw. in der Royal-Albert-Hall, anlässlich einer populärmusikalischen Veranstaltung:

        Wäre doch schön, wenn wir, nach so langer Zeit, desbez. mal einen kleinen Schritt nach vorn ganz praktisch vollziehen könnten, oder?

    • Hi Silke, du sagst:

      „Es kann in derartigen Artikeln kaum die Aufgabe der Autorin sein, über grundlegende Begrifflichkeiten und Ursachen struktureller Gegebenheiten aufzuklären.“

      Liebe Silke, ein Fachwort ohne Erklärung ist missverständlich. Zusammen mit dem Fakt, dass Frau Schutzbach forscht und lehrt, ihr Ausdrucksvermögen von Berufswegen gut ist, folgere ich: nein, es ist kein Fachwort. Frau Schutzbach informiert nicht. Sie agitiert.

      Gruß Wolf-Dieter Busch

    • Ich habe das Buch von Bott schon länger im Regal und gestern noch mal versucht, mit einen Reim darauf zu machen, was er eigentlich sagen will.

      Zum Teil kämpft er gegen Strohmänner, nämlich gegen ältere anthropologische Theorien von einem »Urpatriarchat«, die m. W. heute gar nicht mehr vertreten werden.

      Sodann argumentiert er für ein Stufenmodell in der Entwicklung der Familienformen, (»matrilokal« – »patrilokal«, »matrilinear« – »patrilinear« etc.), womit er m. E. einen aussichtslosen Versuch unternimmt, den Evolutionismus des 19. Jahrhunderts aufzugreifen.

      Schließlich greift er Anthropologen und Historiker, deren Aussagen mit seinen Thesen nicht vereinbar sind, zum Teil scharf polemisch an, ohne dass ich die Grundlage, auf der er das tut, überzeugend finden kann. Ein Beispiel dafür findet sich auch online in seiner Auseinandersetzung mit dem wohl besten jüngeren Buch über die Indoeuropäer, David Anthonys »The Horse, the Wheel, and Language«.

      Ich habe Anthonys Buch vollständig gelesen und finde (ohne das hier im Detail darlegen zu können) Botts Kritik nicht überzeugend: sie ist zu stark davon geprägt, den von ihm kritisierten Autor in projektiver Weise »Ideologie« und »Apologetik« zu unterstellen, von der er sich selbst nicht frei machen kann (das macht er in seinem Buch bei wohl einem Dutzend kritisierter Historiker und Anthropologen nicht anders). Er ist ein Fan der Archäologin und »Matriarchatsforscherin« Marija Gimbutas und vermag die Kritik an ihr nur als »Kampagne« wahrzunehmen.

      Insgesamt bietet Bott eine Variation der feministischen Matriarchatsmythologie, in der er zwar Göttner-Abendroth zu Recht als »abgehalftert« bezeichnet, aber unfähig ist, Gimbutas‘ Thesen mit kritischer Distanz zu betrachten. Auch Bott geht es um den Mythos von einem weiblich geprägten (ursprünglichen) Goldenen Zeitalter, das von einem aus der Steppe kommenden (indoeuropäischen) »Patriarchat« sozusagen massakriert worden sei.

      Wenn Bott tatsächlich für das Verständnis von Schutzbachs Thesen »grundlegend« sein sollte, dann wohl nur im Sinne einer ideologischen Grundlegung. Genau genommen wäre nachzuweisen, dass Schutzbach diese historischen Thesen zustimmend rezipiert hat. Andererseits bezweifle ich, dass sich Feministinnen überhaupt ernsthaft Rechenschaft über die Herkunft ihrer Glaubenswahrheiten ablegen.

      Denn gerade dort, wo Schutzbach den Begriff der »symbolischen Gewalt« aufgreift, reproduziert sie einen weiteren feministischen Mythos: dass auch das moderne Geschlechterverhältnis als hierarchisches Herrschaftsverhältnis von Männern über Frauen zu deuten wäre. Damit ignoriert sie völlig, dass der Mythos von der moralischen Überlegenheit der Frau aus eben jener Gründerzeit der Moderne stammt und vom Feminismus selbst nicht kritisiert, sondern im Gegenteil beerbt wird. Ausnahmen bestätigen die Regel – Alice Schwarzer zum Beispiel stellt diesen Mythos immer genau dann in Frage, wenn es darum geht, ihre eigene Aggressivität und Rüpelhaftigkeit (und die anderer Frauen) zu legitimieren.

      • Wow djadmoros! Da bleibt mir nur zu sagen: Bravo, Bravo, Bravo!

        Ich denke du hast Recht mit deiner Einschätzung, dass die Männerrechtsszene mittlerweile bessere Kenntnis über (gender)feministische Theorie und die entsprechende Literatur hat als die (Gender)Feministen selbst. Jetzt muss das ganze „nur“ noch in die breite Öffentlichkeit getragen werden!

        Ich schlage also hiermit dich, Lucas, leszek, crumar… (aufzählung nicht vollständig) als künftige Pflichtteilnehmer für jede Fernsehdiskussionsrunde die sich mit Geschlechterthemen befasst vor. Damit dort auch einmal wirklich DISKUTIERT wird, denn wenn alle teilnehmer die gleiche Meinung vertreten gestaltet sich die Diskussion naturgemäß etwas zäh und langweilig… 😀

      • @pingpong:

        Danke Dir! 🙂 In eine Talkrunde würde ich vom Fleck weg sofort gehen, wenn ich mir anschaue, wie seicht da zum Thema gequatscht wird. Davon krieg‘ ich Augentinnitus: ich seh‘ bloß Pfeifen! 🙂

      • Schließe mich pingpong an, tolle Arbeit!

        Bin schon gespannt auf dein Buch. Hat es schon einen Titel?

      • @uepsilonniks:

        Danke! 🙂 Ja, das Buch hat schon einen Titel, aber den möchte ich noch nicht öffentlich posten. Wenn Du mir eine PN an djadmoros(at)gmail.com schickst, gebe ich Dir gerne Auskunft.

    • Es kann in derartigen Artikeln kaum die Aufgabe der Autorin sein, über grundlegende Begrifflichkeiten und Ursachen struktureller Gegebenheiten aufzuklären. Vielmehr geht Sie mit Selbstverständlichkeit davon aus, daß Lesende diese Auseinandersetzung und das tiefere Hinterfragen in einer sachbezogenen Weise leisten, ja geradezu dazu angeregt werden – wenn sie es nicht bereits geleistet haben – so dass sie tatsächlich im Stande sind, die Problematik in ihrer ganzen Schärfe und ihrem gesamten Umfange zu erfassen.

      Diese an sich wichtige und richtige Kommunikationssitte gilt allerdings nur, bis der Leser sagt „ich bin bezüglich der grundlegenden Begrifflichkeiten und Ursachen struktureller Gegebenheiten anderer Meinung“. Danach kommt das sture Weiterpredigen einem Kommunikationsabbruch gleich.

    • Stimmt, aber was die Literatur angeht, können wir mittlerweile Hase und Igel mit denen spielen: »Buch XY? Ick bin all hier!«

      • Und es sieht so aus, als wäre Silke Förster so davon überrascht dass sich hier akademisch gebildete Menschen herumtreiben, die nicht nur ganz ruhig und vernünftig diskutieren, sondern die die angepriesene „Grundlagenliteratur“ GELESEN HABEN und dazu auch noch eine fundierte, wissenschaftliche Kritik abgeben (gasp!), dass sie sich außerstande sieht darauf zu antworten.

        Aber vielleicht kommt ja doch noch was…

      • Dear all,

        es ist toll, daß djad mal wieder schneller war. Aber … ganz ehrlich … das ist nur Werbung für ein Buch … Zielgruppenwerbung, wenn man so will … .so ähnlich wie die Zielgruppenpolitik, wie sie für Politiker durch Umfragen von Meinungsforschungsinstituten möglich gemacht wird.

        Ansonsten geht es um nichts.

        Das müßt ihr doch sehen.

  • Off-Topic, aber sehr aktuell:

    Es scheint irgendwie untergegangen zu sein ( worin weiß ich nicht ), aber heute ist weltweit Frauenkampf- u. Streiktag.
    Und?
    Scheinbar nix bis jetzt.

    Als frauenfreundlicher Mensch habe ich mal einen öffentlichen Aufruf gestartet, damit da vielleicht doch noch was kommt.
    Guckst Du hier:
    https://diasp.de/posts/4025748

    • Ich war sehr erleichtert, als ich am Morgend des 08 März meinen Laptop einschaltete und zu meinem grössten Erstaunen feststellte, dass das Internet nicht zusammengebrochen war!

      Aber ernsthaft: Ich habe rein gar nichts von einem Frauenstreik gesehen. Er spielte sich für mich nur und ausschliesslich in den Medien (Zeitungen, Zeitschriften, TV, Internet, Radio) ab. Hätte ich nicht gewusst, dass der 08 März Weltfrauentag ist und ein Streik angekündigt wurde und hätte ich konsequent keine Medien an dem Tag konsumiert, ich hätte nichts bemerkt, rein gar nichts.
      In den Medien aber werden wird von weltweiter Solidaritätsstreiks der Frauen lesen und hören, was für ein grosser Erfolg das für die Frauenbewegung war.

      Man muss weder Pegida-Anhänger sein noch die AfD wählen um zur Überzeugung zu gelangen, dass die Mainstreammmedien nur bedingt glaubwürdig sind. Die Mehrheit der Journalisten sind vielmehr Spindoktoren als Rechercheure, so viel ist mal sicher.

  • @Mark

    Vielen Dank für die Ausarbeitung, ich finde es gut dass du dich mit derartigen Texten inhaltlich fundiert auseinander setzt.

    Was ich mal loswerden möchte ist eine Anmerkung zu deinem Schreibstil: ich empfinde den (übermäßigen) Einsatz von (rhetorischen) Fragen als sehr anstrengend.

    TLDR:
    Ich würde mir von Mark weniger Fragen und mehr konsequent dargelegte Argumente wünschen, weil die Argumentation aus meiner Sicht unter den vielen Fragen begraben wird.

    Langversion:
    1) Fragen in einem geschriebenen Text verstehe ich als Leser als Aufforderung zum eigenen Nachdenken, sie haben also auch definitiv ihren Platz um den Leser anzusprechen und einzubeziehen. Allerdings fühlen sich deine Fragen so an, als richteten Sie sich eigentlich an den Autor des von dir kritisierten Textes. Sie enthalten den (größtenteils wohl berechtigten) Vorwurf, dieser habe unsauber gearbeitet. Dadurch verlierst du aber mich als Leser, weil gerade keine Einbeziehung mehr erfolgt und ich mir zusätzlich aus den Fragen deine Argumente erst mühsam heraus picken muss.

    2) Du machst dir aus meiner Sicht deine Argumentationstränge kaputt:
    „Macht eigentlich Terrorismus, Krieg, Rassismus, Kriminalität etc. vor den Gesetzen halt? Nicht? Weshalb sollte es bei der Gleichstellung […] anders sein?“

    Hier fehlt zB das Argument aus meiner Sicht völlig oder geht fehlt. Wenn andere Bereiche auch betroffen sind, heißt das möglicherweise nur, dass auch dort weiterer Handlungsbedarf besteht. Aus meiner Sicht antwortest Du hier auf die Forderung nach Umerziehung der Gesellschaft durch Schutzbach mit „Klar gerne, aber bitte [Liste] nicht vergessen“ oder mit „Geht anderen genauso, heul leiser“. Da kann ich mir gerade nicht erschließen, was du eigentlich gemeint hast, wobei ich denke, dass es keine von beiden Aussagen ist.

    Das inhaltliche Gegenargument wäre doch, dass rechtliche Gleichstellung reichen muss und alles andere aus den individuellen Entscheidungen der Betroffenen erwächst, die sich dann aber auch gegen das gewünschte feministische Narrativ wenden kann. Darin liegt dann auch die Definition der Freiheit, die Frau Schutzbach so ein Dorn im Auge ist, weil sie die Deutungshoheit von ihren theoretischen Wunsch- und Zwangsvorstellungen zurück auf die individuelle Frau verlagert. Damit kritisiert Frau Schutzbach ihren individuellen Machtverlust, was wiederum ein in sich logisches Argument ist. Ihre Lösung besteht dann in der Umerziehung, die (zusätzlich, ergänzend) neben die Gesetze treten soll, um den feministischen Machtanspruch zu sichern.

    Das aber lässt sich mit Terrorismus, den schon per definitionem Gesetze nicht interessieren, gar nicht vergleichen. Während der Staat, der an die Grundrechte direkt gebunden ist, sehr wohl die rechtliche Gleichstellung anerkennt und anerkennen muss, auch wenn dies, aus Sicht von Frau Schutzbach eben nicht ausreicht (nach meiner persönlichen Meinung allerdings schon :)).

    • @Admiral Kalle

      Dann auch mal vielen Dank für die konstruktive Kritik.

      Ich habe mir auch schon mehrmals überlegt, ob ich das alles in einer anderen Form schreiben soll, damit es eben ein bisschen leserfreundlicher und auch spannender wird, bin mir aber bis heute noch nicht so schlüssig, wie ich das machen soll, aber Deine Anregung, dass ich Dich als Leser verliere, finde ich schon mal einen sehr guten Anhaltspunkt.

      Da hast Du natürlich schon Recht, dass sich meine Fragen auch an die Autorin richten, aber nicht nur. Offenbar hat die Autorin mitbekommen, dass ich ab und an über sie schreibe und von daher sind ja meine Fragen schon mal richtig adressiert, also offenbar werden sie wahrgenommen. Für die Leser hat es natürlich auch einen Effekt, indem eben auch sie sich die Frage stellen können: ist das überhaupt richtig, was die Autorin schreibt? Könnte man das nicht auch anders sehen? Meine Fragen sind natürlich auch rhetorische Fragen, wo ich die Antwort zumindest für mich bereits weiß, aber viele Fragen sind eben auch keine rhetorischen Fragen: Also, es würde mich von der Autorin tatsächlich interessieren, wie sie z.B. den Begriff oder das Konzept des „Patriarchats ohne Patriarch“ definiert und desgleichen würde es mich interessieren, wie sie dieses theoretische Konzept eben auch operationalisiert, damit man weiß, welche Indikatoren müssen erhoben bzw. gemessen werden, damit ich etwas über die Wirklichkeit bzw. Realität sagen kann. Kleines Beispiel: Wenn ich von Armut spreche, dann muss ich Armut zuerst definieren und dann auch operationalisieren, weil Armut lässt sich ja nicht einfach von blossem Auge sehen oder unterschiedliche Menschen würden dann unterschiedliche Sachen sehen, die darauf hinweisen, dass dieses Merkmal gut geeignet ist, um Armut zu erfassen. Also: Es sind wirklich nicht alles rhetorische Fragen, sondern wirklich Fragen, die mich interessieren.
      Aber so wie ich Dich verstanden habe, möchtest Du auch noch ein bisschen mehr Argumentation und nicht nur Fragen.

      Zu meiner Aussage:

      „Macht eigentlich Terrorismus, Krieg, Rassismus, Kriminalität etc. vor den Gesetzen halt? Nicht? Weshalb sollte es bei der Gleichstellung […] anders sein?“

      Da war meine Überlegung eigentlich die folgende: Ich habe bei Franziska Schutzbach immer das Gefühl, wenn etwas nicht so ist, wie sie es haben möchte, dann ist offenbar etwas total faul im Staate und sie legt natürlich den Gesetzestext so aus, dass er ihrer Vorstellung entspricht.

      Wenn Du das jetzt auf die Kriminalität überträgst, dann kann ich als Bürger auch sagen: Es werden pro Jahr in Deutschland 6.330.649 Straftaten (2015) registriert und das ist somit erst das Hellfeld. Wenn man das Dunkelfeld einbezieht, dann dürften wir wohl irgendwo bei 12 Mio Straftaten sein. Ich könnte jetzt auch sagen: Das geht nun aber überhaupt nicht: Aber was würde das heißen, wenn man überhaupt keine Straftaten mehr haben möchte? Man müsste die Freiheit der Bürger vollständig einschränken. Am besten Totalüberwachung per Video und ev. noch Fuss- und Handfessel etc.. Also: Zwischen Freiheit und Sicherheit gibt es offenbar ein Spannungsverhältnis. Wer alles auf Sicherheit setzt, der verliert mutmaßlich an Freiheit. Und bei der Gleichberechtigung geht es doch in eine ähnliche Richtung: Ich kann Quoten setzen und zwar bei jedem Arbeitsplatz, den es gibt und in jedem Verein und bei jedem Budget, bei jeder Hierarchiestufe, überall nur noch Quoten: Tia, dann geht quasi auch die Spontaneität und Freiheit zur Sau. Das war hier meine Überlegung.

      Aber, ich werde mal schauen, was sich machen lässt! 🙂

  • „Ich habe das Buch von Bott schon länger im Regal und gestern noch mal versucht, mir einen Reim darauf zu machen, was er eigentlich sagen will….“ (djadmoros)

    Nun das kann ich Ihnen sagen, werte Kommentatoren.

    „Unsere obersten Tollpatsche, unsere Profiteure und die Presse, Priester und Professoren der Tugendhaftigkeit werden fröhlich weiter ihre Verachtung im Hinblick auf diese Wahrheit in ihren Kritiken und Kommentaren veröffentlichen. Geben wir aber ruhig zu, dass ihr Vertrauen in die Überlebensfähigkeit und Kraft der Unwahrheiten durchaus gerechtfertigt ist; denn es ist sentimentaler Unsinn zu behaupten: «die Wahrheit siegt». Ganz im Gegenteil ist die Lüge niemals besiegt worden. – Was aber gegenwärtig geschieht, ist ein radikaler, ein katatstrophaler Prozess: Nicht die Lügen, sondern die ganze soziale Superstruktur, ja, ganze Reiche, Staaten und Zivilisationen gehen zugrunde, die darauf gegründet sind“.

    (Robert Briffault -Nemesis- 1920)

    Und Sie werden es hinnehmen müssen, dass ich mich am Diskurs nicht weiter beteiligen werde. Denn es gibt wichtige Aufgaben, die zu erledigen sind.

    • @Silke Förster:

      »Unsere obersten Tollpatsche, unsere Profiteure und die Presse, Priester und Professoren der Tugendhaftigkeit werden fröhlich weiter ihre Verachtung im Hinblick auf diese Wahrheit in ihren Kritiken und Kommentaren veröffentlichen.«

      Dieses Zitat an dieser Stelle klingt nach Sektierergequatsche. Danke für die Bestätigung!

      »Und Sie werden es hinnehmen müssen, dass ich mich am Diskurs nicht weiter beteiligen werde.«

      Aber nur unter größten Schmerzen und in tiefster Deprimiertheit! 🙂

  • djadmoros

    Wonach es in Ihren Ohren klingt ist eigentlich ziehmlich egal.
    Wichtig scheint Ihnen sowieso nur die eigene Bestätigung.
    Offensichtlich fragen Sie sich auch niemals, wonach Ihre eigenen Kommentare klingen.
    Aber es ist weder mein Anliegen, noch meine Aufgabe Sie in einem mühevollen, rhetorischen Kräftemessen von irgendetwas überzeugen zu wollen. Denn jedwedes Argument würde an Ihrer Arroganz und Selbstbezogenheit zerschellen.
    Das ist schade. Denn um Texte vom Anspruch und von der Qualität eines Herrn Bott oder auch einer Franziska Schutzbach inhaltlich zu erfassen, benötigt es mehr als das Seziermesser eines erkalteten, aggressiven und frustrierten Intellekts.
    Es benötigt nicht Verstand.
    Sondern Vernunft.

    • @Silke Förster:

      »Wichtig scheint Ihnen sowieso nur die eigene Bestätigung.
      Offensichtlich fragen Sie sich auch niemals, wonach Ihre eigenen Kommentare klingen.«

      In meinen Ohren klingt diese Aussage außerordentlich projektiv. Sie haben bislang noch nicht ein einziges Argument in der Sache selbst vorgebracht, aber antizipieren bereits deren Ablehnung, und dies obendrein mit (per Zitat Briffault) Unterstellungen über die Dummheit und Verblendung der Kontrahenten. Das ist ein typisches Verhalten von Menschen, die ihre Überzeugungen als Offenbarungswahrheiten betrachten, zu denen es genau darum nicht auf Argumente im Einzelnen ankommt, weil man sich zu ihnen als Ganzes bekehren muss.

      Und in diesem Stil argumentiert leider auch Gerhard Bott selbst. Wenn wir alle zu blöd für Ihre erlauchten Weisheiten sind, dann gehaben Sie sich doch bitte wohl!

    • @ Silke Förster

      Sie schreiben:

      (…) erkalteten, aggressiven und frustrierten Intellekts.“

      Wir befinden uns ja hier in einem öffentlichen Raum, also in der Öffentlichkeit. Meine These ist, dass Franziska Schutzbach vielfach Empörungsbewirtschaftung und Bauchstalinismus betreibt.
      Das kann sie m.E. ruhig im privaten Kontext machen, aber in der Öffentlichkeit finde ich dies brandgefährlich. Deshalb verweise ich noch einmal auf den folgenden Text:

      https://www.schweizermonat.ch/artikel/schluss-mit-dem-bauchstalinismus

    • „Es benötigt nicht Verstand.
      Sondern Vernunft.“

      Vielen Dank für dieses ( hoffentlich ) abschließende Outing, Silke!
      Daß Du, schon bevor Du sachlich argumentierst ( oder es zumindst versuchst ), den Baseballschläger ad hominem herausholst, haben die beiden Vorkommentatoren ja bereits festgestellt und belegt.

      Bleibt zu erwähnen, daß Du hier anführst, daß das, was Du unter „Vernunft“ verstehst, offensichtlich nicht dem Verstand entspringt, sondern was auch immer.

      So! Und nun schlage ich vor, daß Du mittels Bach’s Rescuetropfen, Hopfentee o.ä., Deinen geistigen Adrenalintremor in den Griff zu bekommen versuchst.
      Meine Two Cents, so rein aus dem Bauch heraus ( Du verstehst schon ) ….

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