Umfrage zu sexueller Belästigung oder wie man Sexismus reproduziert

Ich habe vor ein paar Tagen über die Umfrage der Gratiszeitung „20minuten“ zu Feminismus und Gleichstellung einen Blogbeitrag veröffentlicht. In derselben Umfrage wurden offenbar die Frauen außerdem nach ihren Erfahrungen zu sexuellen Übergriffen befragt. Männer wurden wieder einmal, wenn es um Opfererfahrungen geht, überhaupt nicht befragt. So reproduziert man selbstverständlich Stereotypien, und es ist eine Form von Sexismus gegenüber Männern!

Zumal bei dieser Umfrage zu Feminismus und Gleichstellung Männer (4‘121) und Frauen (2‘768) befragt wurden, wäre es ein Leichtes gewesen, desgleichen die Männer zu ihren Opfererfahrungen hinsichtlich sexueller Übergriffe zu befragen. Wenn dies nicht gemacht wird, dann dürfte der Fall klar sein: Frauen können immer bloß Opfer und Männer immer nur Täter sein und Opfererfahrungen von Männern werden vollständig ausgeblendet bzw. eskamotiert.

Wie sicher fühlen sich Frauen in der Schweiz?

Auf die Frage „Fürchten Sie sich als Frau als Frau alleine nachts unterwegs zu sein?“ gaben, je nach Altersgruppen aufgeschlüsselt, die Befragten die Antwort  „ja“ oder „eher ja“ wie folgt:

  • 18-34: 59%
  • 35-49: 51%
  • 50-64: 59%
  • 65 und älter: : 65%

Im Durchschnitt gaben demnach 58% der Frauen an, dass sie Angst haben, nachts alleine unterwegs zu sein.

Wurden Sie schon einmal Opfer sexueller Übergriffe?

Auf die Frage, ob die befragten Frauen bereits einmal Opfer sexueller Übergriffe wurden, gab es folgende Ergebnisse:

  • 56% antworteten mit nein;
  • 41% wurden bereits sexuell belästigt;
  • 3% wurden bereits vergewaltigt.

Das heißt, 44% der Frauen erlebten bereits sexuelle Übergriffe.

Ursachen für sexuelle Übergriffe und Gegenmaßnahmen

  • Daniela Brühwiler von der Frauenberatung sexuelle Gewalt Zürich ist der Auffassung, dass es noch zu viele Männer gebe, die die körperliche Integrität von Frauen nicht respektieren würden. In bestimmten Clubs gehöre es gewissermaßen zum Alltag, wenn Männer den Frauen in den Schritt oder an den Busen fassten.
  • Der hohe Anteil ausländischer Beschuldigter hinsichtlich sexueller Belästigung und sexueller Übergriffe wird darin gesehen, dass das Frauenbild in einigen Kulturen so sei, dass Frauen die Bedürfnisse der Männer befriedigen und immer verfügbar sein müssten und dies zu sexuellen Übergriffen verleite. Diese Aussage wird jedoch sogleich relativiert, indem darauf hingewiesen wird, dass das Bild des fremden Mannes, der aus dem Busch springe und eine Frau attackiere, ein Mythos sei, zumal 80% der Frauen den Täter kennen würden (Freundes- oder Familienkreis).
  • Aber schließlich gehe es immer um eine Machtausübung: Der Mann wolle der Chef sein und die Frau müsse ihm gleichsam zu jeder Zeit zur Verfügung stehen.
  • Abhilfe gegen sexuelle Übergriffe sollen „Benimmkurse“ für Jungs in Schulen schaffen (Jungs sollen in der Schule lernen, wie man sich anständig gegenüber einer Frau benimmt) sowie vermehrtes Sicherheitspersonal an Risiko-Orten, um den Frauen vermehrt ein Sicherheitsgefühl zu vermitteln.

Ein paar Anmerkungen zu der Befragung und der Debatte

  • Wie bereits weiter oben dargelegt, wurden Männer überhaupt nicht danach gefragt, wie ihr Sicherheitsgefühl sei und ob und wie oft sie bereits Opfer von sexueller Belästigung und sexuellen Übergriffen wurden. Mann als Opfer und Frau als Täterin darf offenbar nicht thematisiert werden.
  • Zu Männern als Opfer von sexueller Gewalt gibt es neuere internationale Studien, die zu folgendem Schluss kommen: „Bei Untersuchungen in Chile und der Türkei gab es kaum Unterschiede bei den Opfererfahrungen zwischen den Geschlechtern. Im europäischen Vergleich zeigten sich 32% der Frauen und 27% der Männer betroffen von sexueller Gewalt. Es ist höchste Zeit, dass Medien und Politik ihr falsches Bild korrigieren.
  • Zumindest schwere sexuelle Übergriffe passieren hauptsächlich nicht im öffentlichen Raum, sondern im privaten Raum. Deshalb ist bereits die Frage danach, ob Frauen im öffentlichen Raum Angst haben in der Nacht, wenn sie alleine unterwegs sind, eine sehr zwiespältige Angelegenheit. Viel eher müssten eigentlich Männer im öffentlichen Raum Angst haben, zumal Mord, Totschlag, Raub und Körperverletzung, wovon Männer 1.5 mal häufiger als Frauen betroffen sind, insbesondere im öffentlichen Raum passieren. Aber ob Männer im öffentlichen Raum Angst haben oder überdurchschnittlich von schwerer Kriminalität betroffen sind, interessiert selbstverständlich nicht. Männer als Opfer sind nicht opportun.
  • Zur gefühlten Angst im öffentlichen Raum: Auch hier muss man vorsichtig sein: Man weiß aus der Kriminologie sehr gut, dass tatsächliche Kriminalität und Kriminalitätsfurcht vielfach weit auseinanderliegen und das Ausmaß der realen Kriminalität x-fach überschätzt wird.

Die Reaktion von Feministinnen auf die Ergebnisse der Umfrage

Tamara Funiciello von den JUSO (Jungsozialisten der Schweiz) schrieb auf ihrem Facebook-Profil zu der Umfrage folgendes:

Und ihr sagt, es braucht keinen Feminismus mehr. Und ihr sagt, wir sollen zufrieden sein, mit dem, was wir haben. Und ihr sagt, wir sollen mal nicht so tun. Und ihr sagt, du willst es doch auch so.

Wir haben genug! Genug, davon, dass es normal ist Angst zu haben. Genug davon, uns rechtfertigen zu müssen. Genug davon, lieb bitten zu müssen, dass es endlich aufhört, weil wir sonst “der sache der Frauen schaden“, weil wir anscheinend zu laut, zu forsch fordern, was nichts anderes als normal sein müsste: Freiheit über unsere Körper selbst bestimmen zu können, Sicherheit vor sexistischer Machtausübung, Gewalt und Drohungen, Möglichkeiten uns zu entfalten frei von jeglichen Rollenbilder.

Wir haben nicht mehr vor, zu bitten. Wir fordern! Wir kämpfen!

Lasst es glitzern, lasst es knallen, Sexismus in den Rücken fallen!

Also, ich halte Funiciello für eine Populistin (manichäisches schwarz-weiss-Denken) und eine, die vor allem Empörungsbewirtschaftung und Bauchstalinismus betreibt. Ihr Motto heißt vermutlich: Der Zweck heiligt die Mittel – differenziertes Denken ist nicht ihre Stärke und Sexismus, sexuelle Belästigung und sexuelle Übergriffe gibt es bei ihr vermutlich nur insofern, als Frauen Opfer und Männer Täter sind: Männer als Opfer und Frauen als Täterinnen sind vermutlich aus ideologischen Gründen nicht auf ihrem Radar.

Die gefühlte Angst ist offenbar ihr Gradmesser und so bedient sie sich desgleichen einer populistischen Kriminologie. Zu der gefühlten Angst bzw. der Kriminalitätsfurcht hat sich insbesondere der Kriminologe Christian Pfeiffer beschäftigt:

Die Kriminalitätsrate sinkt…

…und die Angst steigt

Die Zahl der Morde in Deutschland ist drastisch gesunken, ebenso die Zahl der Autodiebstähle. Dennoch nimmt die Furcht der Deutschen vor der Kriminalität zu.

Der Jurist Christian Pfeiffer macht dafür eine Spirale aus privaten Medien, Bürgermeinung und der darauf hörenden Politik verantwortlich. Für das Magazin „Bild der Wissenschaft“ analysierte der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen in Hannover die Entwicklung. Die Zahl der Sexualmorde ist zwischen 1993 und 2003 um 37,5 Prozent zurückgegangen, die der Morde sogar um 40,8 Prozent, schreibt die Zeitschrift unter Berufung auf die Polizeiliche Kriminalstatistik. Die Zahl der Autodiebstähle sank gar um 70,5 Prozent.

Nach Meinung der Bevölkerung dagegen hat die Zahl der Sexualmorde um 260 Prozent, die der Morde um 27 Prozent zugelegt. Vier Entwicklungen seien für die Fehleinschätzung verantwortlich: Im Fernsehen sei die Zahl der kriminalhaltigen Nachrichten und Sendungen drastisch angestiegen. Daraufhin habe sich die Bürgermeinung verfestigt, dass die innere Sicherheit immer schlechter werde. Bei Jura-Studenten und Juristen sei der Gedanke an Resozialisierung verschwunden und die Abschreckung sei zum Sinn staatlichen Strafens erhoben worden. Den Trieb des Menschen nach Vergeltung befriedige die Politik durch schärfere Gesetze.

Auch die Journalistin Michèle Binswanger vom Tagesanzeiger betreibt mal in erster Linie eine populistische Kriminologie sowie Empörungsbewirtschaftung und Bauchstalinismus. Unter dem Titel „Heult nicht, Jungs, handelt! Die Zahl der sexuellen Übergriffe in der Schweiz hat zugenommen. Jetzt sind die Männer gefragt“ schreibt sie:

Zahlen lügen nicht – aber wenn man etwas erreichen will, erzählt man besser eine Geschichte. (…)

Viel mehr als die Tatsache, dass solche Schweine da draussen herumlaufen, erstaunte mich die Reaktion meiner Tochter. Denn als ich total empört nach dem Übeltäter fragte, antwortete sie, offensichtlich überrascht von meiner Reaktion: «Chill, Mama, so schlimm war es nicht.» Meine Tochter wollte mir wohl signalisieren, sie komme mit der Erfahrung klar. Doch ich wollte nicht chillen, sondern dem Übeltäter in die Eier treten.

Kommen wir einmal zu den Zahlen, die Binswanger in ihrer Überschrift bloß kurz anschneidet: Offenbar haben die sexuellen Übergriffe in der Schweiz zwischen dem Jahr 2015 und 2016 zugenommen. Wenn wir jedoch die Zahlen seit dem Jahre 2009 (Straftaten im Zusammenhang der sexuellen Integrität) vergleichen, so kann man sagen, dass sie mehr oder weniger stabil geblieben sind. Im Jahre 2013 wurden z.B. 7‘239 Straftaten gegen die sexuelle Integrität registriert und im Jahre 2016 waren es 7‘329 Straftaten. Wenn wir ausserdem das Bevölkerungswachstum in der Schweiz mitberücksichtigen würden, dann wären die Zahlen (relativ) vermutlich sogar rückläufig. Ausserdem sind das Zahlen aus dem Hellfeld und wir wissen nicht, ob  ev. das Dunkelfeld vermehrt aufgehellt wurde, weil z.B. mehr Anzeigen erstattet wurden als früher. Folglich: nix wissen wir ganz genau, aber schon mal populistisch wie die SVP (rechtspopulistische Partei in der Schweiz) laut herausposaunen, dass die Kriminalität wieder rasant zugenommen hat. Bei der SVP wird das gerne dann gemacht, wenn offenbar die Kriminalität der Ausländer oder Asylsuchenden politisch instrumentalisiert werden soll, bei den Feministinnen namentlich dann, wenn man die Männer zu Tätern hochstilisieren kann. Der feministische Binswangersche Duktus mit  „Schweine da draussen, die herumlaufen“ und „Übeltäter in die Eier treten“ unterscheidet sich rein formal nicht von rechtspopulistischen Hardlinern.

Das heisst selbstverständlich nicht, dass Taten relativiert werden sollen, aber bitteschön sollten ebenfalls Männer als Opfer und Frauen als Täter miteinbezogen werden und vorzugsweise nicht mittels eines populistischen Journalismus, der vornehmlich auf Empörungsbewirtschaftung und Bauchstalinismus setzt.

  1. Es sind gleich zwei Reaktionen, die in der „Empörungsbewirtschaftung“ außer Acht gelassen werden: Die zwischen dem GefährdungsGEFÜHL und der tatsächlichen Gefährdung – und die zwischen den Erfahrungen von Frauen und Männern.

    Der erste Satz von Funiciello deutet schon an, dass das nicht aus Versehen geschieht: „Und ihr sagt, es braucht keinen Feminismus mehr.“ Damit wird das beeinträchtigte SicherheitsGEFÜHL selbstverständlich als beeinträchtigte Sicherheit hingestellt, auch wenn Frauen objektiv sicherer leben als Männer.

    Natürlich könnte es theoretisch auch so sein, dass Frauen eben deshalb seltener zum Opfer von Gewalt im öffentlichen Raum werden, weil sie ängstlicher sind und sich daher vorsichtiger verhalten. Nur lässt sich so etwas eben überhaupt nicht näher untersuchen, wenn nach den Erfahrungen von Männern gar nicht gefragt wird.

    Auch hier ist immer schon klar, was das Ergebnis einer Untersuchung ist, bevor sie überhaupt begonnen hat – die Antworten sind bekannt, bevor auch nur die Fragen gestellt wurden. Da selbstverständlich eine größere Gefährdung von Frauen vorausgesetzt wird, wird nach den Erfahrungen von Männern gar nicht mehr gefragt – und da nach diesen Erfahrungen nicht gefragt wird, lässt sich die Vorstellung einer besonderen Gefährdung von Frauen aufrecht erhalten.

    Das ist ein Muster, dass ja auch schon aus der EU-Studie zu Gewalterfahrungen von Frauen bekannt ist. https://man-tau.com/2014/03/05/von-monstern-und-papageien-die-eu-studie-zur-gewalt-gegen-frauen/

    Ich wüsste aber gern: Abgesehen davon, dass mit dieser „Empörungsbewirtschaftung“ öffentlich finanzierte Stellen gesichert werden – wer hat eigentlich ein Interesse an einem solchen kruden Umgang mit sozialen Realitäten? Schließlich spielen das Spiel auch unzählige Menschen mit, die KEINE öffentlich finanzierten Stellen besetzen, sondern die solche Stellen bezahlen müssen. Welches Interesse steckt also – über das einfache opportunistische Interesse an der Sicherung öffentlicher Positionen – hinter der Konstruktion eines besonderen weiblichen Opferstatus?

    Denn: Eigentlich durchkreuzt diese Konstruktion ja rationale Interessen beider Geschlechter. Männer werden als potenzielle Gewalttäter oder als Kollaborateure hingestellt – und Frauen werden erheblich geschwächt.

    Antwort

    1. @Schoppe

      Ich würde Dir zustimmen, was Du im ersten Teil geschrieben hast.
      Zum zweiten Teil, also den Motiven, Interessen für dieses Verhalten.
      Gut, ich weiss es natürlich auch nicht genau, aber ich könnte mir vorstellen, das können die unterschiedlichsten Motive und Interessen sein, sodass wir eine undurchschaubare Gemengelage haben.
      Aber ein Strang könnte doch der von Christoph Kucklick sein: also der Mann als unmoralisch und gewalttätig und somit quasi der ewige Täter und die Frau dann eben das Opfer, moralisch gut, sanft und friedfertig.
      Ein weiterer Strang könnte gerade bei Frauen auch ein individueller Gewinn sein: also das, was unter primärem und sekundärem Krankheitsgewinn diskutiert wird:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Krankheitsgewinn#Prim.C3.A4rer_und_sekund.C3.A4rer_Krankheitsgewinn

      Darunter würde wohl auch das Konzept der Selbstviktimisierung fallen.
      Und dann hast Du ja schon angesprochen, dass gewisse Politiker (Frauen und Männer) dies auch strategisch einsetzen, um Wähler zu gewinnen (man grenzt sich mit einer gewissen Haltung von anderen Parteien ab und schafft so sein eigenes Profil), also das können einzelne Individuen sein oder eben auch Parteien als Akteure. Und sicherlich sind hier auch altruistische, ethische, moralische und soziale Motive damit verbunden. Aber auch in dem Sinne, dass man sich dann eben moralisch als besserer Mensch sieht oder als moralisch bessere Partei.
      Vielleicht kommt Dir noch etwas in den Sinn?

      Antwort

    2. Lucas,

      Der Gedanke ist nicht neu, aber er paßt hier zu gut:

      Brownmillers Sicht auf die Rape Culture ist ja, solange einige Männer Frauen vergewaltigten, müßten es nicht alle tun und könnten trotzdem alle Frauen in ständiger Angst halten. #YesAllWomen

      Nun habe ich Against our Will nicht gelesen und weiß deshalb nicht, welche Art der Angst (oder welche Zielsetzung) damit genau gemeint ist. Mir fallen drei Möglichkeiten ein:

      Erstens die generelle Angst, das Haus zu verlassen, weil da draußen ja jederzeit eine Vergewaltigung droht. Das ist aber nicht wirklich im Interesse des Patriarchats, weil die Frau ja einkaufen gehen muß, damit das Essen auf dem Tisch steht, wenn der Herr des Hauses von der Arbeit kommt.

      Zweitens die Angst, einem Mann, selbst dem eigenen Partner, zu widersprechen oder sonst irgendwie sein Mißfallen zu erregen, weil er einen ja jederzeit vergewaltigen könnte. Nennt mich paranoid, aber ich halte es pragmatisch gesehen für eine sehr schlechte Idee, zusammen mit einem Menschen in einem Bett zu schlafen, der eine derart große Angst vor mir hat.
      (Was nicht ausschließt, daß das Brownmillers Gedanke war, schließlich sind Frauen ja friedfertig, sanft und harmlos, schwach und handlungsunfähig und nie würde man vor Gericht die Verteidigung hören „Ja, ich habe ihn im Schlaf getötet, aber nur, weil er jahrelang gewalttätig gegen mich und die Kinder war und ich keinen anderen Ausweg sah“.)

      Bleibt also drittens der Schrupp-Effekt: „Alle anderen Männer könnten Dich jederzeit vergewaltigen, deshalb halte Dich an mich, denn ich bin Der Eine Gute Mann.“

      Nur, von wem kommt diese Art der Argumentation denn tatsächlich am häufigsten? Wie zitiert: „Und ihr sagt, es braucht keinen Feminismus mehr.“ Womit die Lösung für diese Version des Unterhosenwichtel-Rätsels gefunden wäre:

      1. Make women afraid of rape.
      2. ?
      3. Profit

      Sie lautet nämlich: 2. Offer your own ideology as a solution, provided it gets plenty of state funding and lots of secure jobs for the likes of you.

      Ich meine, schauen wir uns die Botschaften, die Frauen bezüglich Vergewaltigung bekommen, doch mal an:
      Die eine lautet „Wir leben in einer Rape Culture, Vergewaltigung ist überall und gesellschaftlich normal, und wenn Du eine anzeigst, wird das für Dich sehr schlimm und am Ende wird der Täter eh laufengelassen“, die andere „Vergewaltigung ist schlimm, aber sie ist sehr selten, betrifft keineswegs nur Frauen, aber wenn eine Frau einen Mann deswegen anzeigt, gibt es eine nicht zu vernachlässigende Wahrscheinlichkeit, daß er verurteilt wird, auch wenn er unschuldig ist“.

      Welche davon ist geeignet, Frauen Angst zu machen, und welche davon eher Mut? Und von wem werden sie jeweils verbreitet?

      Womit sich der Schluß aufdrängt:
      Rape Culture existiert — und ihr Name ist Feminismus.

      Wie gesagt, nicht neu, aber sehr passend.

      wer hat eigentlich ein Interesse an einem solchen kruden Umgang mit sozialen Realitäten? Schließlich spielen das Spiel auch unzählige Menschen mit, die KEINE öffentlich finanzierten Stellen besetzen

      Noch ein nicht neuer Gedanke: Teile des Feminismus wirken wie eine dysfunktionale Selbsthilfegruppe für Vergewaltigungsopfer. In erster Linie der Rape-Culture-Teil.

      Die zwei Fragen, die sich Menschen nach einem schlimmen Ereignis oft immer wieder stellen, sind doch „Was habe ich falsch gemacht?“ und „Warum gerade ich?“. Tatsächlich scheinen für Personen, die ein traumatisches Erlebnis hatten (oder große Angst vor einem solchen haben) die Gedanken „Ich hätte nichts tun können, um es zu verhindern oder rechtzeitig zu erkennen. Und es hat auch nichts mit mir zu tun, so etwas geschieht sehr häufig“ sehr entlastend zu sein.

      Und genau diese Einstellungen finden sich ja in Memes wie „Rape Culture“ und „Alle Männer sind potentielle Vergewaltiger“/“Schrödinger’s Rapist“ wieder. Man schaue sich nur die Reaktionen an, wenn eine Misskandidatin sagt, Frauen sollten Selbstverteidigung lernen oder wenn Chemiestudenten einen Nagellack entwickeln, der KO-Tropfen erkennt.

      Damit will ich mich über niemanden lustig machen und auch niemanden pathologisieren. Aber schon der gesunde Menschenverstand sagt einem doch, daß der Weg zur Heilung für einen traumatisierten Menschen eher über den Gedanken „Ich habe Kontrolle über mein Leben und ich kann Vorkehrungen treffen, damit so etwas schlimmes mir nicht noch einmal passiert“ führen muß.

      Einbruchsopfer kaufen sich ja üblicherweise auch ein dickeres Schloß und jammern nicht über eine Burglary Culture.

      Eigentlich durchkreuzt diese Konstruktion ja rationale Interessen beider Geschlechter.

      Rational. Manchmal bist Du richtig niedlich. SCNR

      Bombe 20

      Antwort

      1. @ Bombe 20 Naja, andere Leute einfach so niedlich zu nennen ist natürlich auch ganz schön Rape Culture.

        Es ist aber wirklich eine gute Frage, wo genau denn – rational betrachtet – der Profit von Männern liegt, wenn alle Frauen beständig Angst vor einer Vergewaltigung haben müssen. Das jedenfalls ist der zentrale Punkt von Brownmiller, deren Buch ich – auch wenn es eine ganze Weile her ist – tatsächlich gelesen habe.

        Neu daran war m.E., Vergewaltigung als strukturelles Problem zu betrachten und nicht als eines von einigen Einzeltätern. Das finde ich auch noch völlig nachvollziehbar. Ziemlich katastrophal war aber, dass dabei die Vergewaltigung gleichsam zur Zentralmetapher für das Verhältnis von Männern und Frauen wurde: Brownmiller versteht sie als Ausdruck und als Reproduktion männlicher Herrschaft über Frauen.

        Natürlich behauptet auch sie nicht, dass alle Männer beständig damit beschäftigt wären, alle Frauen zu vergewaltigen. Sie geht aber davon aus, dass alle Frauen durch Vergewaltigungen eingeschüchtert würden und dass alle Männer von dieser Einschüchterung profitierten. Daher würden Männer auch generell Vergewaltigungen zuarbeiten – z.B. dadurch, dass sexuelle Verfügbarkeit von Frauen medial zelebriert würde, dass sexuelle Übergriffe auf sie als romantische Leidenschaft verklärt würden, etc.

        Die erste Hälfte (die Einschüchterung aller Frauen) konnte ich immer noch verstehen. Ich hatte mich z.B. an eine Mitschülerin erinnert, die mir in der Schulzeit erzählt hatte, sie würde keine Spaziergänge mehr machen, seitdem eine Freundin von ihr vergewaltigt worden sei.

        Nur war mir nie so klar, welchen Vorteil ich denn als Mann davon eigentlich haben sollte. Die Unterstellung ist wohl stillschweigend die, dass Frauen z.B. als Konkurrentinnen im Beruf geschwächt würden, wenn sie unterschwellig beständig damit beschäftigt seien, die eigene Schutzlosigkeit und Gefährdung zu verarbeiten. Zudem würden sie in Abhängigkeit von Männern getrieben, weil nur der männliche „Schutz“ von anderen Männern als ernsthaftes Hindernis bei einer Vergewaltigung wahrgenommen würde.

        Eine Vergewaltigungskultur würde so faktische Besitzverhältnisse etablieren. Männer würden gegen Vergewaltigungen auch nicht deshalb vorgehen, weil sie die Gewalt gegen Frauen ablehnten – sondern weil Vergewaltigungen ihre eigenen Besitzansprüche in Frage stellten. Das kommt bis heute wieder, z.B. in Stokowskis Gerede, dass Männer in Deutschland sich über die massenhaften sexuellen Übergriffe der Kölner Silvesternacht nur deshalb empörten, weil Ausländer ihnen damit das Zugriffsrecht auf deutsche Frauen streitig gemacht hätten.

        Ich hatte immer das leise Gefühl, dass mich eigentlich niemand gefragt hatte, ob ich an alldem eigentlich tatsächlich ein Interesse hätte. Warum sollte ich mit einer Frau zusammen sein wollen, die nur bei mir ist, weil sie sich so Schutz vor sexueller Gewalt erhofft (und die dafür die sexuelle Verfügbarkeit in der Beziehung eintauscht)? Warum sollte ich das Gefühl haben, ich könnte mich in der Konkurrenz mit Frauen nur durchsetzen, wenn die unter beständiger existenzieller Gewaltangst leben müssten? Tatsächlich war und ist es doch eher umgekehrt: Mir liegt etwas an den Frauen in meinem Leben, und der Gedanke, dass ihnen etwas geschehen könnte, ist für mich deutlich eine Belastung, keine Erleichterung. Das wird anderen Männern auch so gehen.

        Tatsächlich lebt auch hier die Rede von der „Rape Culture“ vom Ausblenden einer männlichen Perspektive (und klar, dass die ausgeblendet gehört – ist schließlich die Perspektive von Vergewaltigern). Da Vergewaltigungen für Frauen belastend sind, wird stillschweigend unterstellt, dass sie für Männer von Vorteil sein müssen.

        Das Konstrukt geht so also von zwei Voraussetzungen aus, die mit Sicherheit falsch sind. Erstens, dass das Verhältnis zwischen Männern und Frauen ein Nullsummenspiel sei. Zweitens, dass menschliche Beziehungen wesentlich durch Machtverhältnisse bestimmt seien.

  2. Tja, wenn man auch mal die Männer miteinbezieht, und nicht nur subjektive Kriterien (auf dem Befinden der befragten Person basierende), sondern auch objektive (Nennung von konkreten potentiellen Belästigungssituationen) für beide Geschlechter abfragt, kommt sowas hier raus:
    http://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/publikationen/Umfragen/Handout_Umfrage_sex_Belaestigung_am_ArbPlatz_Beschaeftigte.html

    Eine der im Gesetz genannten Belästigungssituationen schon einmal selbst erlebt:
    Frauen 49%, Männer 56%

    Die gleiche Antidiskriminierungstelle schafft es dann allerdings, in ihrem Leitfaden „Was tun bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz“ folgenden Satz unterzubringen:

    In der überwältigenden Mehrheit der bekannten Fälle sind Frauen von sexueller Belästigung betroffen.

    „Weil, so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf!“…

    Antwort

    1. krams,

      Eine der im Gesetz genannten Belästigungssituationen schon einmal selbst erlebt

      übrigens eine auffällig unfähige Formulierung. „Ja, ich habe schon selbst erlebt, wie der Chef meiner Kollegin an den Hintern gegriffen hat.“

      Wirkt erstmal kontraintuitiv, weil es höhere Zahlen für Männer erzeugt, aber das neue feministische Narrativ lautet ja: „Sexuelle Übergriffe auf Frauen sind keine Zufälle oder Mißverständnisse. Männer wissen und erkennen sehr genau, was sexistisch ist — sie tun es aber trotzdem.“

      B20

      Antwort

  3. Vielleicht sollten wir uns einfach mal in Erinnerung rufen, dass ein Grossteil der „sexuellen Belästigungen“ Lappalien sind. Ich wurde schon zweimal von Schwulen belästigt. Habe ich deswegen etwas gegen Schwule? Natürlich nicht. Das sind seltene Einzelfälle und mein Verhalten hat auch dazu beigetragen.

    Die feministische Dauerpropaganda und Beschämungstaktik zeigt insofern Wirkung, als dass „sexuelle Belästigung“ als etwas Ungeheuerliches wahrgenommen wird, wenn Frauen betroffen sind. Manchmal ist der Unterschied zwischen „sexueller Belästigung“ und „Flirt“ lediglich, dass die Anmache im ersten Fall unerwünscht war (subtiles bodyshaming) und im zweiten erwünscht.

    Antwort

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