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Ein Plädoyer für Arne Hoffmanns „Plädoyer“

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geschrieben von: Lucas Schoppe
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Ein Offener Brief an die Bundeszentrale für politische Bildung

bundeszentrale für politische Bildung

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit Jahren schon profitiere ich als Lehrer und als politisch interessierter Mensch davon, dass Sie in der Bundeszentrale für politische Bildung wichtige Schriften und Debattenbeiträge zu einem enorm günstigen Preis zur Verfügung stellen. Ich bin dabei schon mehrfach auf Bücher aufmerksam geworden, von denen ich profitieren konnte, die ich aber ohne dieses Angebot wohl nie gelesen hätte. Vor allem anderen möchte ich mich dafür erst einmal bedanken.

Gerade habe ich nun zu aktuellem Anlass in einem Blogbeitrag zu einem von Ihnen herausgegebenen Buch geschrieben, das ich sehr kritisch sehe. Allerdings müssen Sie nun gewiss nicht befürchten, dass ich wütend von Ihnen fordere, dieses Buch aus dem Angebot zu nehmen – ich habe am Ende aber einen anderen Vorschlag. Es freut mich, wenn Sie sich dafür die Zeit nehmen.

Das Buch, um das es mir geht, ist Michael Kimmels Angry White Men. Grundsätzlich verstehe ich, warum Sie dieses Buch im Programm haben. Der unerwartete und folgenreiche Wahlsieg von Donald Trump und andere Entwicklungen internationaler Politik sind erklärungsbedürftig. Kimmels Buch wiederum erweckt den Eindruck, eine solche Erklärung bereitstellen zu können. Es sei ein Buch über Männer, die sich „nur allzu bereitwillig von der äußersten politischen Rechten instrumentalisieren“ ließen, wie sie in Ihrer Ankündigung schreiben.

Nun ist es in meinen Augen aber offensichtlich, dass Kimmels Buch eben gerade diese Erklärung überhaupt nicht liefern kann, sondern lediglich Ressentiments der politischen Rechten reproduziert und sie als irgendwie linke Politik wiedergibt.

 

Vom Recycling der Ressentiments

Seine Hauptthese ist, dass Männer sich als Opfer wahrnehmen würden, weil sie selbstverständlich an Machtpositionen und Privilegien gewohnt gewesen wären und nun mit einer gekränkten Anspruchshaltung („aggrieved entitlement“ im Original) auf eine gerechter werdende Welt reagierten.

Ein Problem dieser These ist augenfällig: Sie lässt sich unschwer zur Abwehr von Kritik verwenden, auch von berechtigter und wichtiger Kritik. Denen ging es eben immer viel zu gut… Ob nun Männer wütend darüber sind, dass sie willkürlich den Kontakt zu ihren Kindern verlieren – oder ob sie häusliche Gewalt erleben, aber keine Hilfe finden – oder ob Jungen in der Schule seit Jahrzehnten schon offenkundig mit Nachteilen konfrontiert sind: Jeweils lassen sich ihre Schwierigkeiten bei Kimmel damit abtun, dass sie nun einmal überkommenen Männlichkeitsmodellen nachhängen würden und sich daher in einer modernen Welt nicht mehr zurecht fänden.

Da Kimmels These also offenkundig leicht als Instrument zum Ausschluss aus Diskursen verwendet werden kann, ist es wichtig, sie gut zu begründen und sie umsichtig zu formulieren.

Kimmel aber tut weder das eine noch das andere. Er begründet und belegt seine These an keiner Stelle, sondern setzt sie immer schon als gegeben voraus und interpretiert alles andere in ihrem Lichte.

Nirgendwo macht er beispielsweise deutlich, nach welchen Standards und mit welchen Methoden er die Interviews auswertet hat, die er nach seinen Angaben mit vielen Männern geführt hat. Er zitiert einfach immer gerade Aussagen, die dann erstaunlich gut zu seinen Grundannahmen passen, und gelangt zu irritierend pauschalierenden Aussagen. Zum Beispiel darüber,

wie diese Durchschnittsmänner Söhne aufziehen, die in der Schule auf schwächeren Kindern herumhacken, Kameraden applaudieren, die sich ihrer Angriffe gegen Frauen und Schwule brüsten (…) Dieselben Söhne suchen nachts im Netz nach Sprengstoff, um ihre Schule in die Luft zu jagen.“ (44)

Für diese pauschale Aburteilung liefert er keine Belege –  „Ein Kollege erzählte mir“ (187) ist an anderer Stelle aller Beleg, den er bringt. Natürlich wird das wissenschaftlichen Standards nicht gerecht.

Das wäre alles noch nicht einmal weiter schlimm, und kein Grund für einen offenen Brief an Sie, wenn das Ergebnis nicht so ressentimentgeladen wäre. Besonders gravierend: Kimmel streift viele der realen sozialen Probleme westlicher Gesellschaften – er fokussiert sie aber regelmäßig auf ein einziges Thema, das einer angeblich typisch männlichen Gewalttätigkeit. Das ist gleichsam das Rückgrat des gesamten Textes.

Kimmel spricht schulische Nachteile von Jungen an – und konzentriert sich dann auf Schulamokläufer. Er spricht die prekärer werdende berufliche Situation von Männern an – und konzentriert sich auf Amokläufer am Arbeitsplatz. Er spricht die prekäre familiäre Situation von Männern an – und konzentriert sich auf Männer, die Gewalt gegen Frauen ausüben. Er spricht die Abstiegsängste einer weißen amerikanischen Mittelklasse an – und konzentriert sich auf rassistische Nazis.

Allerdings sind diese Nazis in seinen Augen dann immer noch sympathischer als „Männerrechtler“ (326) – was auch jemand absurd finden müsste, der ein Engagement für Männerrechte, was immer darunter zu verstehen ist, albern findet.

Was aber würden wir wohl von einem Wissenschaftler halten, der über die soziale Situation von Migranten schreibt – und der dabei durchgehend jedes Kapitel, wieder und wieder, auf Ausländerkriminalität und auf eine angeblich typische Gewalt von Migranten zuspitzt? Wir würden ihn mit guten Gründen nicht für einen Wissenschaftler, sondern für einen Hetzer halten.

Nun ist natürlich die Situation von Männern anders als die von Migranten, aber das ist hier gar nicht mein Punkt. Kimmel ist auf jeden Fall vorzuwerfen, dass er die so wichtige Auseinandersetzung mit gravierenden sozialen und politischen Problemen konsequent in die Formulierung einfacher Geschlechter-Ressentiments eng- und überführt.

Wir wissen beispielsweise, dass Jungen seit Jahrzehnten in Schulen Nachteile haben – und weder wir Lehrkräfte noch die Bildungspolitik werden diesen Kindern gerecht, wenn wir desinteressiert räsonnieren, dass nun einmal Fleiß „bei Männern immer als geschlechteruntypisch gilt“ (109). Damit schieben wir lediglich den Kindern eben die Verantwortung zu, die eigentlich wir selbst für sie tragen müssten.

Auch einem Text wie dem Kimmels aber würde ich selbstverständlich nicht das Recht auf Publikation absprechen. Seltsam ist es gleichwohl, dass ein Buch, das so satt von Ressentiments ist, aus Steuergeldern gefördert und mit dem Renommee der Bundeszentrale für politische Bildung vertrieben wird. Gerade daher ist es aber wichtig, dass es noch andere Perspektiven im Angebot gibt.

 

Eine Autobiographie des Feminismus als Heldengeschichte

Danach habe ich geschaut und wurde enttäuscht. Sie vertreiben beispielsweise ein Buch von Margret Karsch mit dem Titel „Feminismus. Geschichte-Positionen“: Einen Überblick über die Geschichte des Feminismus.

Solch eine übersichtliche Zusammenstellung ist in meinen Augen sehr hilfreich – allerdings liefert Karsch sie ganz ohne Distanz zu ihrem Gegenstand. Für sie ist, gleich zu Beginn,

Feminismus ein Projekt all derer, die nach mehr Gerechtigkeit und Freiheit streben und für ein gesellschaftliches Zusammenleben auf solidarischer Basis eintreten.“ (17)

Sie endet dann mit der Feststellung, dass der Feminismus „eine kritische Haltung gegenüber scheinbarer gesellschiftlicher Normalität“ wäre, dass dies „die Fähigkeit zu Kritik und Selbstkritik“ einschließe und „die Verbindung von Streben nach Freiheit bei gleichzeitigem gesellschaftlichen Verantwortungsbewusstsein“ sei. (308)

Diese pauschalierend positive Zeichnung schließt Kritik aber gerade aus – denn wer will sich schon gegen Gerechtigkeit, gegen Freiheit, gegen Solidarität und Verantwortungsbewusstsein stellen?

Bezeichnend ist die Weise, wie Karsch zum Beispiel Valerie Solanas’ Schrift „SCUM“ darstellt. Vorausschickend: Ich finde den Begriff „Femifaschismus“ furchtbar und primitiv. Solanas’ Massenmordphantasie aber re-inszeniert sorgfältig den nationalsozialistischen Massenmord an den europäischen Juden als totale Vernichtung der Männer. Es ist tatsächlich eine faschistische Schrift, bei der viele Feministinnen, die ich kenne, darauf bestehen, dass sie nach ihrem Verständis keineswegs ein feministischer Text sei.

Karsch aber interpretiert SCUM distanzlos als „umfassende Kritik an den gesellschaftlichen Machtverhältnissen“ und attestiert dem Text eine „satirische Form“ (119) – ungeachtet der Tatsache, dass er nirgendwo irgendeine Markierung von Ironie enthält.

Das aber ist nur ein knappes Beispiel für die gesamte Tendenz des Textes. Karsch schreibt eine Geschichte des Feminismus ungefähr so, wie in der DDR eine Geschichte des Sozialismus geschrieben wurde. Es geht, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, um keine kritische Auseinandersetzung, auch nicht um eine abgewogene Darstellung, sondern um eine Selbstvergewisserung. Es ist gleichsam eine Autobiografie des heutigen Feminismus als Helden-(bzw. Heldinnen-)Geschichte.

Gleichwohl ist die Fülle, die Karsch präsentiert, beeindruckend, und wer das Buch liest, kann sicher von ihm profitieren und wird vieles erfahren. Er oder sie darf nur eben nicht alles für blanke Münze nehmen, sondern muss einkalkulieren, dass das Buch aus einer sehr spezifischen Perspektive geschrieben wurde und eine sehr begrenzte Funktion erfüllt.

 

Für einen offenen Diskurs und eine Vielfalt von Perspektiven

Allerdings kann diese Begrenztheit der Perspektive ja nur dann deutlich werden, wenn auch andere Perspektiven zugänglich sind. Zwischen den Texten von Karsch und dem – in meinen Augen weit schlimmeren – von Kimmel lässt sich aber nun selbst bei großem Wohlwollen kein Perspektivenreichtum erkennen.

Es ist, außer in extremen Fällen, nach meiner Überzeugung falsch, Positionen aus dem Diskurs einfach zu entfernen, oder zu verlangen, dass bestimmte Texte aus einem Sortiment genommen werden müssten. Statt dessen ist es wichtig, auch andere Perspektiven zugänglich zu machen, so dass sich überhaupt erst ein echter Diskurs entwickeln kann.

Daher möchte ich Ihnen vorschlagen, als eine solche andere Perspektive Arne Hoffmanns „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“ in ihr Sortiment aufzunehmen. Hoffmann setzt sich in diesem Plädoyer ein für die Rechte Homosexueller und die Rechte von Migranten, er kritisiert auch feministische Positionen aus einer links-liberalen Perspektive – und er setzt sich sehr intensiv, kenntnisreich und mit unzähligen Belegen eben mit den sozialen Problemen auseinander, die Kimmel nur streift.

Ein „integraler Antisexismus“ (schon S. 7) würde geschlechterbedingte Nachteile von Frauen UND von Männern bekämpfen: Diese Kernposition Hoffmanns hat in meinen Augen den großen Vorteil, dass Männer und Frauen darüber wieder miteinander politisch ins Gespräch kommen können, anstatt zunehmend wütend übereinander zu reden. Auch die Texte von Kimmel und Karsch fördern leider eher dieses Reden über die Anderen als das Gespräch mit ihnen.

Hoffmanns Text bringt damit eine Perspektive hinzu, die gerade in heutigen Geschlechterdebatten oft fehlt. Dort reden Autoren wie Kimmel ebenso ressentimentgeladen über Männer, wie manche Kommentatoren in Internet-Foren über Frauen reden. Daher, und weil es sorgfältig belegt einen großen Reichtum an weithin unbekannten Informationen enthält, ist das Buch ein wichtiger Beitrag zur politischen Bildung.

Wenn Ihnen aber schon der Titel zu tendenziös ist, als Plädoyer für eine linke Politik oder für eine Männerpolitik, dann gibt es das Buch auch in einer etwas gekürzten Version unter dem Titel „Not am Mann“.

In jedem Fall ist es eine dringend notwendige Korrektur zu den Ressentiments, die Michael Kimmel in seinem Text entfaltet.

Mit freundlichen Grüßen

Lucas Schoppe

 

Michael Kimmel: Angry White Men. Die USA und ihre zornigen Männer, Bonn 2016

Margret Karsch: Feminismus. Geschichte – Positionen, Bonn 2016

Arne Hoffmann: Plädoyer für eine linke Männerpolitik, Springen 2014

 

Ich habe die Bundeszentrale per Mail auf diesen Brief hingewiesen.

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27 Comments

    • Och, ich will da mal nicht so pessimistisch sein. Ist doch ein sehr freundlicher Brief, und ich hab mir Mühe gegeben, einen konstruktiven Vorschlag zu machen, anstatt nur zu meckern. Kann man sich doch eigentlich nur wünschen, sowas. 🙂

    • Vielleicht bin ich ja einen Schuß zu zynisch, aber nach dem, was man in letzter Zeit so beobachten konnte (von Bearing über Die Vulgäre Analyse bis mdr vs. Danisch), ist für mich die wahrscheinlichste (nach einer Nicht-)Reaktion eine Abmahnung wegen unerlaubter Nutzung des bpb-Logos.

      B20

      • Es ist ja auch nicht so, dass von Seiten des institutionellen Feminismus Zeichen der Gesprächsbereitschaft ausgehen – ganz im Gegenteil. Ich sehe da auch eher hemmungslose Eskalation/Radikalisierung. Sie sind inzwischen bekanntlich auf Stufe: „Wir müssen eine feministische Terror-Gruppe gründen und die alten weißen Männer aus dem Weg schaffen.“ (Edition F).

        Schwer vorstellbar, dass in diesen Kreisen offene Briefe von ’sterbenden Tieren‘ überhaupt noch gelesen werden.

      • @ Bombe 20 Bis jetzt habe ich eine Antwort bekommen, dass das Schreiben an die zuständige Redaktion weiter geleitet worden sei, mit einem Dank für die kritischen Anmerkungen. Eine Abmahnung wat nicht dabei. 🙂

  • Ich bewundere deine analytische Beharrlichkeit, Lucas.
    Aber m.E. läuft das uralte biologische Programm ‚ein richtiger Mann hat Frau zu dienen‘. Zuwiderhandlung sind frauenfeindlich (links) oder uncharmant (konservativ). Insofern win-win. Dagegen scheint kein Kraut gewachsen – links nicht und bei den Konservativen erst recht nicht.
    Nicht, dass ich dich entmutigen will – ganz im Gegenteil. Vielmehr suche ich verzweifelt nach einer wirklich wirksamen Strategie. Freundlich sachliche Kritik üben wir jetzt seit Jahrzehnten, während der Ausbau weiblicher Vorzugsrechte munter voranschreitet und die seit ehedem disponiblen Männer sich das Leben nehmen. Tote Männer? Kranke Männer? Selber schuld. Dann sinds halt keine ‚richtigen Männer‘. Juckt niemanden – zu allerletzt Frauen. Der Mann ist nur Mann als opferbereite Verfügungsmasse – allen scheinheiligen Lippenbekenntnissen der Genderia zum Trotz. Uraltes Muster.
    Benennst du feministische Doppelmoral, wirst du diffamiert, gelöscht, gesperrt, ignoriert – zigmal in allen möglichen Varianten erlebt. Und es war und ist wirklich unglaublich, welche Energie hierbei aufgewandt wird. Die Widerstände sind enorm und geradezu konzertiert.

    Es ist biologisch.

    Männer wie Kimmel, Gesterkamp, Rosowski usw wissen das, haben – konfrontiert mit frauenbewegten Furor – resigniert und kollaborieren. Für mich bleibt bisher nurmehr: Verweigerung.

    • @ReVolte:

      »Aber m.E. läuft das uralte biologische Programm ‚ein richtiger Mann hat Frau zu dienen‘. (…) Es ist biologisch.«

      Glaube ich nicht. Erstens, weil ich nicht glaube, dass sich das biologische Programm auf diese Formel bringen lässt. »Matriarchat« ist ebensowenig ein Naturzustand wie »Patriarchat«. Wer wem »dient«, ist eine Frage der individuellen Persönlichkeit und der Dominanzverhältnisse in Paarbeziehungen. Die fallen mal so, mal so aus.

      Zweitens, weil ich eine »institutionengeschichtliche« Begründung hinreichend finde. Würden wir uns als Dissidenten in der Sowjetunion denn anders fühlen? Spätestens mit Anbruch des Stalinismus hätte sich eine grundsätzliche Opposition gegen die gesellschaftlichen Normen und Sichtweisen wohl genauso vergeblich angefühlt. Diese Normen und Sichtweisen waren bloß um die zwanzig Jahre alt, als sie flächendeckend verbindlich wurden, und als das System schließlich endete, hat es so etwas wie eine »Vergangenheitsbewältigung« kaum gegeben.

      »Für mich bleibt bisher nurmehr: Verweigerung.«

      Das ist eine Strategie auf der persönlichen Ebene, die ich nachvollziehen kann und die verhindern helfen kann, sich selbst an den bestehenden Verhältnissen zu vergiften. In manchen Hinsichten folge ich ihr selbst. Aber das muss ja niemanden daran hindern, auf der kollektiven Ebene immer wieder heißes Wasser nachzugießen. Jeder so, wie er halt kann.

      Als ich in den späten 80ern und frühen 90ern studiert habe, gab es »Männerthemen« ausschließlich in feministischen Geschmacksrichtungen. Mein damaliges Unbehagen an dieser Ideologie (ich gehörte knapp vor dem Mauerfall mal für kurze Zeit zu einer »Männer-gegen-Männergewalt«-Gruppierung) konnte ich damals in gar keiner Hinsicht produktiv verarbeiten und artikulieren. Ich konnte nur das Thema als ganzes verdrängen (und habe mich von dieser »Pudel«-Szene eben wieder gelöst, die damals natürlich niemand so genannt hat). Verglichen mit damals haben sich – beginnend mit Arnes Pionierarbeit – die Verhältnisse in meinen Augen dramatisch verbessert.

      Wir können unsere Anliegen mittlerweile auf hohem Niveau artikulieren, weil wir uns eine Sprache und ein Theorienfeld geschaffen haben. Man tut so, als ob es uns nicht gäbe, weil wir der Elefant im Wohnzimmer des Feminismus sind. Jede Schimpftirade über »Masku-Trolle« ist ein angestrengter Versuch, an uns vorbeizuschauen und die Mücke an der Wand gegenüber interessanter zu finden als den Elefanten direkt vor der Nase. Wir könnten die – mittlerweile – in jeder einzelnen ihrer Talkshows argumentativ hochgehen lassen, als die ideologischen Scharlatane auffliegen lassen, die sie sind. Dieser öffentliche Diskurs ist daher der Schützengraben, den zu infiltrieren das Gebot der Stunde ist – zum Beispiel mit Aktionen wie denen von Lucas.

      Jetzt hör‘ ich lieber auf, bevor ich noch klinge wie Ernst Jünger oder Lenin! 🙂

      • „Die fallen mal so, mal so aus.“

        Sicher doch, aber im Schnitt gibt es klare Mehrheiten. Und die sind nicht nur m.E. auf den Naturzustand Frau/Mutter zurückzuführen. Siehe auch Gendergleichheitsparadox.
        Bzgl wer wem dient, gibt es klare Erwartungshaltungen in Sachen Schutz/Bringschuld. Das weibliche Partnerwahlverhalten und noch mehr ihr Trennungsverhalten sind da mehr als deutlich.

        „Würden wir uns als Dissidenten in der Sowjetunion denn anders fühlen?“

        Ja, weil hier eine verhältnismäßig kleine Clique zu entmachten wäre. Frauen jedoch bilden hierzulande die Bevölkerungsmehrheit (ca. 2 Millionen mehr Frauen als Männer hierzulande laut Zensus 2013). Und sie bestehen erfahrungsgemäß wie ehedem auf ihre ‚Safe spaces‘. Mehr noch, sie bauen sie aus.

      • @djadmoros
        Jeder so, wie er halt kann.
        Finde ich wichtig, mit einem Leben und leben lassen Ansatz könnte vielleicht der eine oder andere Grabenkrieg verhindert werden.

        [Ich glaube nicht dass es biologisch ist,] weil ich eine »institutionengeschichtliche« Begründung hinreichend finde.
        Da gehe ich eher mit @ReVolte. Ich denke es ist sehr naheliegend hinter den In Group – Out Goup Preference Unterschieden zwischen Männern und Frauen (4 von 4 Frauen für Frauen, 3 von 4 Männer auch für Frauen) zumindest auch eine biologische Grundlage zu sehen, und es wäre falsch die Möglichkeit nicht in Betracht zu ziehen.
        Dasselbe gilt für die gesellschaftliche Normen, die genauso auf Gene zurückgehen könnten.

      • @mannfraukram:

        »Ich denke es ist sehr naheliegend hinter den In Group – Out Goup Preference Unterschieden zwischen Männern und Frauen (4 von 4 Frauen für Frauen, 3 von 4 Männer auch für Frauen) zumindest auch eine biologische Grundlage zu sehen«

        Ich bin ja nicht grundsätzlich abgeneigt, auch biologische Argumente hinzuzuziehen. Genaugenommen lautete mein Einwand gegen ReVolte, »dass sich das biologische Programm auf diese Formel bringen lässt« (Betonung nachgereicht). Meiner Meinung nach haben wir aber mit dem klassischen (»viktiorianischen«) bürgerlichen Geschlechtsrollenmodell eine hinreichende historische Erklärung für diese »dienende« Funktion des Mannes: wohl keine andere Epoche hat Frauen so sehr auf ein Podest der moralischen Überlegenheit gestellt wie diese.

        In meinen Augen kommt ein »biologisches Programm« paradoxerweise erst mit den Erfolgen des Feminismus selbst zum Tragen: weil sich nun herausstellt, dass nach der weitgehenden Beseitigung kultureller Rollenzwänge im Verlauf des 20. Jahrhunderts (zumindest in den »westlichen Gesellschaften«) Männer und Frauen immer noch asymmetrischen Präferenzen folgen. Das ist die große Erklärungsnot des Feminismus, für die man sinnvollerweise auf Biologie zurückgreifen kann. Weil die Feministinnen solche Erklärungen ablehnen, müssen sie zwanghaft alle statistischen Ungleichverteilungen weiterhin auf »Diskriminierung« zuschreiben und damit letztlich die Frauen entmündigen, denen sie die Kompetenz nicht zutrauen, eigenständig anhand ihrer Bedürfnisse zu entscheiden.

        »Dasselbe gilt für die gesellschaftliche Normen, die genauso auf Gene zurückgehen könnten.«

        Das führt jetzt freilich auf Grundsatzdiskussionen der Art, wie wir sie bei Christian auf »Alles Evolution« führen. In Kurzform: ich denke, dass gesellschaftliche Normen niemals auf Gene zurückgehen, weil in Genen eine evolutionäre Anpassung über sehr lange (eben »evolutionäre«) Zeiträume gespeichert wird, während Normen einer flexiblen situationsgebundenen Anpassung in kurzen (»historischen«) Zeiträumen dienen. Dass der Mensch es geschafft hat, nahezu jede klimatische Zone dieses Planeten zu besiedeln, ist eine Folge der kulturellen (normengesteuerten) Anpassungsfähigkeit seiner Überlebenstechniken, sodass sogar die phänotypische Differenzierung in sogenannte »Rassen« eine sekundäre biologische Folge dieser kulturellen Anpassungsfähigkeit ist.

      • @Djadmoros:
        „Meiner Meinung nach haben wir aber mit dem klassischen (»viktiorianischen«) bürgerlichen Geschlechtsrollenmodell eine hinreichende historische Erklärung für diese »dienende« Funktion des Mannes: wohl keine andere Epoche hat Frauen so sehr auf ein Podest der moralischen Überlegenheit gestellt wie diese.“

        Sach ich doch schon seit Jaaaahren!
        Neoviktorianismus ( ohne Anführungszeichen )
        Auch die üblen bis völlig perversen „Nebeneffekte“ ( bis hin zur extremen Pädophilie ) haben erstaunliche Parallelen.

        „… ich denke, dass gesellschaftliche Normen niemals auf Gene zurückgehen, weil in Genen eine evolutionäre Anpassung über sehr lange (eben »evolutionäre«) Zeiträume gespeichert wird,…“
        Vorsicht! Umgekehrt funktioniert das recht flott. Bspw. extreme Traumata ( wie z.B. der Eltern- o. Kindesentzug, womit wir wieder beim Thema wären … ) können noch innerhalb der selben Generation so auf die Gene hauen, daß das ( quasi als „Defekt“ ) vererbt wird. Jedenfalls Deutet einiges sehr stark daraufhin, nur waren die Teilnehmerzahlen bei entsprechenden Studien zu niedrig, um etwas genaues sagen zu können, soweit ich das mitgekriegt habe. Ich meine Maria Gehlmann in Bielefeld ( doch, das gibt’s echt ) steckte dahinter und Ursula Gresser hat auch irgendwas dazu geschrieben, wenn ich mich nicht irre ( Alzheimer ist manchmal lästich … 😉 ).
        Kann v.dh. also indirekt ( aber durchaus wirkungsvoll ) schon was mit gesellschaftlichen Normen zu tun haben.

        Ich meine, da hat es auch schon einiges an Tierversuchen gegeben, die das nahelegen.

      • Was ist denn bitte schön die klassische Arbeitsteilung anderes als evolutionäre Anpassung aufgrund biologisch bedingter Voraussetzungen? Hierbei ging es um nichts geringeres als die Bewältigung des Alltags OHNE Kühlhaus, Waschmaschine, Supermarkt, Krankenkasse, Kita usw. Oftmals ums nackte überleben. Da liegen die Gründe für asymmetrische Präferenzen. Und die beinhalteten in allen Klimazonen dieser Erde und seit ehedem: Frau/Mutter in den Safespace – Mann hat diesen zu gewährleisten. Ja warum nur?
        Und nee, dieses biologische Programm kommt beileibe nicht erst mit dem Feminismus zum tragen – ‚Rollentausch‘ hätte ganz einfach den sicheren Tod der Sippe bedeutet.

        Feminismus ist eine Dekadenzerscheinung des Sozialstaates in Einheit mit technischer Revolution –
        im gleichen Maße wie dekonstruierte Retortenbabys. Somit existenziell abgesichert, lässt sich der weibliche Forderungskatalog um dies und das erweitern bzw. den neuen Möglichkeiten anpassen (Frauenquote da wo genehm etc). Die klassische Norm aufgrund Biologie sorgt dafür, dass Mann liefert, was immer ihr Begehr ist. DIE tragende Säule des Staatsfeminismus.

      • @Fiete:

        »Neoviktorianismus ( ohne Anführungszeichen )«

        Gibt sogar ein (englisches) feminismuskritisches Buch mit diesem Titel: The New Victorians von Rene Denfield – erschienen 1995!

        »Umgekehrt funktioniert das recht flott. Bspw. extreme Traumata ( wie z.B. der Eltern- o. Kindesentzug, womit wir wieder beim Thema wären … ) können noch innerhalb der selben Generation so auf die Gene hauen, daß das ( quasi als „Defekt“ ) vererbt wird.«

        Habe ich auch schon von gehört. Zum Teil dürften damit Hospitalisierungsschäden gemeint sein, also lebensgeschichtliche sehr frühe Deprivationen, die einen starken Einfluß auf die Vernetzungsvorgänge im Gehirn des Kleinkinds haben. Schäden, die hier entstehen, sind irreversibel. Und es gibt neuere Befunde zur »Epigenetik« die sich damit befassen, wie lebensgeschichtliche Erfahrungen zurück ins Genom andern können. Allerdings ist dieses »umgekehrt« keine triviale Aussage, insofern das Argument andersherum funktioniert als das Evolutionsargument: wir reden dann nicht von evolutionär erworbenen Verhaltensmustern, die genetisch vorgeprägt sind, sondern von konkreten Lebensumständen (und Verhaltensweisen), die aufs Genom zurückwirken.

      • @ReVolte:

        »Was ist denn bitte schön die klassische Arbeitsteilung anderes als evolutionäre Anpassung aufgrund biologisch bedingter Voraussetzungen? Hierbei ging es um nichts geringeres als die Bewältigung des Alltags OHNE Kühlhaus, Waschmaschine, Supermarkt, Krankenkasse, Kita usw. Oftmals ums nackte überleben. Da liegen die Gründe für asymmetrische Präferenzen.«

        Der Haken ist m. E. in der sehr dehnbaren Formulierung »die klassische Arbeitsteilung« versteckt: auf einem altsteinzeitlichen Niveau der Produktivkräfte geht die Arbeitsteilung direkt aus einer evolutionären, »biologisch bedingten« Anpassung hervor. Aber je mehr diese Produktivkräfte – und das damit verbundene menschliche Wissen – sich historisch entfalten, desto mehr werden die biologischen Randbedingungen von ökonomischen Randbedingungen abgelöst. Frauen, die sich das aufgrund ihres Standes leisten konnten, haben zum Beispiel schon in frühen Epochen der Geschichte ihre Kinder an Ammen und Hauslehrer abgegeben und sich damit ihrer »Reproduktionslasten« entledigt. Frauen nach der Menopause konnten Männern in Staat und Kultur gleichgestellt sein. Frauen der höheren Stände konnten insbesondere im »Bildungssektor« – Dichtung, Philosophie – den Männern gleichwertige Ränge einnehmen, die antike Geschichte ist eine Fundgrube für solche Beispiele.

        Das heißt, der »Ausbruch« aus dem biologischen Geschlechterschema ist praktisch so alt wie die menschliche Zivilisation, wenngleich über lange Zeiten nur den privilegierten Ständen zugänglich. Man kann das auf die Faustregel bringen: je höher der Anteil an formeller, abstrakter Bildung an einer konkreten Lebenslage ausfällt, desto geringer fallen die biologischen Geschlechtsunterschiede ins Gewicht. Je höher der Bildungsanteil, desto stärker fällt der Umstand ins Gewicht, dass der Geist kein Geschlecht hat. Dieser Satz ist nur im Hinblick auf die Statistik bestimmter Spitzenleistungen (z. B. in der Mathematik) nicht korrekt, aber für ein sehr breites Mittelfeld intellektueller Leistungen völlig zutreffend. Feminismus als »Massenphänomen« ist mit dem Phänomen der Massenbildung korreliert. Darum verfehlt Dein folgender Satz

        »Feminismus ist eine Dekadenzerscheinung des Sozialstaates in Einheit mit technischer Revolution – im gleichen Maße wie dekonstruierte Retortenbabys.«

        in meinen Augen die entscheidende Pointe: Feminismus ist m. E. keine »Dekadenzerscheinung«, sondern die Konsequenz einer massenhaften Entfaltung menschlicher Bildungspotentiale, die zu den modernen technischen Revolutionen parallel läuft. »Feminismus« ist insofern ein unvollständiger, nicht abgeschlossener Lernprozess. Ich würde das mit der Geschichte der Arbeiterbewegung analogisieren: es gab eine Zeit, in der viele Menschen glaubten, eine Gesellschaft und Kultur der Arbeiter könnte die Gesellschaft und Kultur des Bürgertums grundsätzlich ablösen – von diesem Glauben gab es nicht nur eine sozialistische, sondern z. B. bei Ernst Jünger auch eine faschistische Version. Diese Utopie hat sich heute aus guten Gründen zerschlagen.

        Einem analogen Glauben oder besser: Mythos folgt derzeit noch der Feminismus mit der Vorstellung, man könne eine angeblich »männliche« Gesellschaft durch eine »weibliche« Gesellschaft ablösen (»Das Ende der Männer«, »Die Zukunft ist weiblich« etc. pp.). Der Grundwiderspruch dieses Mythos liegt darin (und an dem Punkt stimme ich Dir zu), dass sich die weibliche Wahlfreiheit immer noch gesellschaftlich und ökonomisch vom Mann aushalten lässt – was zumindest prinzipiell auch die Möglichkeit einer totalitären feministischen Dystopie einschließt, in der Männer systematisch zu Arbeitsdrohnen herabgestuft werden, um den weiblichen Überlegenheitanspruch aufrechtzuerhalten.

        Die »Dekadenzthese« ist daher auf der phänomenologischen Ebene nicht falsch, denn der genannte feministische Grundwiderspruch nimmt an der Oberfläche diese Form an. Dennoch geht es darin nicht mehr eigentlich um Biologie, sondern um einen Lernprozess in Bezug auf den angemessenen Umgang mit den Errungenschaften der Zivilisation. Den feministischen Lernprozess zu vervollständigen hieße demnach, die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung so zu gestalten, dass sie für beide Geschlechter ohne existenzielle Einbußen der Wahlfreiheit anheimgestellt werden kann. Dazu muss man aber einräumen – und an dieser Einsicht scheitert der Feminismus bis dato – dass es für beide Geschlechter geschlechtstypische Problemlagen gibt, die aus der Komplementarität der ursprünglichen Arbeitsteilung herstammen, und nicht nur Problemlagen eines Geschlechts, die aus einer angeblichen Hierarchie herstammen.

        Und sobald das Problem der existenziellen Einbußen behoben ist, stellt eine asymmetrische Verteilung von Präferenzen keinen Schaden mehr dar.

      • @djamoros

        Der Verweis auf die Auslagerung der ‚Reproduktionslasten‘ ist durchaus berechtigt – zumal hieraus kaum nennenswerte Kulturleistungen von Frauen hervorgegangen sind.

        Mit Dekadenzerscheinungen war die Reproduktionsrate gemeint. Insofern stellte sich die Frage, ob die Gesellschaft den ‚feministischen Lernprozess‘ noch erlebt. Vorgesehen ist es zumindest für Männer nicht (sterbende Tiere usw). Allerdings lässt aktuell die allseits kolportierte Notwendigkeit von Zuwanderung aus Kulturen ohne feministischen Lernprozess und daher hohen Reproduktionsraten eher auf evolutionäre Anpassung der überkommenen Art schliessen – und zwar auf Kosten unsrer zivilisatorischen Errungenschaften.

      • @djadmoros: „Man kann das auf die Faustregel bringen: je höher der Anteil an formeller, abstrakter Bildung an einer konkreten Lebenslage ausfällt, desto geringer fallen die biologischen Geschlechtsunterschiede ins Gewicht“

        Klingt plausibel und kann vermutlich auch historisch einigermaßen belegt werden (nicht von mir, ich bin kein Historiker). Allerdings korreliert Bildung auch stark mit Wohlstand und die Frage ist, ob nicht der Wohlstand der eigentliche Auslöser ist. Wohlstand korreliert auch mit langen vorherigen Friedensperioden.

        „Feminismus ist m. E. keine »Dekadenzerscheinung«, sondern die Konsequenz einer massenhaften Entfaltung menschlicher Bildungspotentiale“

        Der Begriff Feminismus müßte hier wohl deutlich eingegrenzt werden, vermutlich ist er hier im Kontext der vorherigen Diskussion zu verstehen und nur als eine egalitäre Rollenverteilung gemeint. Selbst mit dieser Präzisierung muß man mMn die Effektstärke im Auge behalten. Ich habe kürzlich eine Statistik über die Partnerschaftspräferenzen in den USA gelesen, wonach die Beliebtheit einer konventionellen Rollenteilung wieder leicht zunimmt (auf viel niedrigerem Niveau als von 30 Jahren natürlich).

        So ähnlich klingt eine Studie (http://econpapers.repec.org/paper/zbwrwirep/686.htm), wonach die Verbesserung der Angebote an Kinderhortsplätzen die Bereitschaft von Frauen nicht erhöht hat, mehr beruflich zu arbeiten.

        „… Mythos folgt derzeit noch der Feminismus mit der Vorstellung, man könne eine angeblich »männliche« Gesellschaft durch eine »weibliche« Gesellschaft ablösen“

        Ich halte so etwas für antiintellektuelle Propagandasprüche, alleine schon wegen der völlig unklaren Begriffe. Ich weiß nicht, ob es sich lohnt, sich damit überhaupt ernsthaft auseinanderzusetzen.

    • @ReVolte Schau doch nur wie geflissentlich hier die anderen Bedrohungsvektoren weggeträumt werden.
      Hirnwäsche in Aktion.

      • @ergebnissverschlossen:

        Selbstverständlich ist mein Kommentar perspektivisch – aber ich finde eben, dass man ab und zu auch mal einen positiven Filter über die Verhältnisse legen darf, denn herumgeunkt wird täglich und allerorten.

        Interessanterweise provoziert das manche Menschen, die sich offenbar nur als Teilnehmer einer imaginierten Apokalypse gut und gerechtfertigt fühlen.

      • Dieses ewige Platzhirschgebaren (Naturzustand?) vom Schlage ‚Wer ist der Edelste, Würdigste, Klügste…‘ bringt uns in der Sache auch nicht weiter – im Gegenteil. Konkurrenz- und Leistungsdenken ist genau das, was uns so unemphatisch und kalt im Hinblick auf ‚unwürdige‘ Männer macht.

    • Warum sollte man da mitmachen, wenn man der Meinung ist, ein Donald Trump ist ein guter Politiker.

      • Wo geht es hier um Donald Trump? Ich habe meine Meinung dazu geschrieben, wie ich es sehe, du kannst da gerne Deine zu schreiben und das so formulieren wie Du möchtest… Dich enthalten und meckern das eh nichts gemacht wird oder halt finden das ein Politiker der gerade im Blindflug durch die Gegend fliegt ein toller Kerl ist, der schon weiss was er macht…

    • Lieber Kai, ganz herzlichen Dank dafür! Ich hoffe, dass auch noch andere zumindest mit einer kurzen Nachricht oder ähnlichem einsteigen werden. Und ich bin gar nicht so pessimistisch, das das nichts bringt. Es geht mir auch nicht einmal darum, Untätigkeit und Voreingenommenheit zu entlarven – ich fänd es wirklich wichtig, wenn Arnes Buch mindestens so zugänglich wäre wie das von Kimmel….

      • Mir geht es hier auch um die Sache… Ich habe auch weitergemacht als wir wieder mal zu einer Väterdemo die gleichen 10 Männeken waren wie immer. Wir hätten uns auch zu nem Bier in ner Kneipe verabreden können 🙂

  • Auf der Seite http://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/230875/angry-white-men ist unten ein Icon mit einem Link auf eine Leseprobe: http://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/Leseprobe_Angry_White_Man.pdf

    Die enthält 56 Seiten, darunter das Inhaltsverzeichnis und die Seiten 16-23 der Einleitung (Prolog 16 / Darf ich vorstellen: Amerikas zornige junge Männer 18).

    Diese 8 Seiten 16-23 reichen eigentlich. Das ist ein Sammelsurium von Anektoden, die Kimmel selektiv wahrgenommen hat, und eine wahllose (und beleglose) Auflistung alle Übel der Welt, an denen Männer beteiligt sind. Die werden dann pauschalisiert zunächst allen Männern zugeordnet und dann noch speziell allen weißen Männern, z.B. S.19:

    „Sie sind fast überall heutzutage, aber oft unsichtbar. … Sie hören giftige Radiomoderatoren, die wirtschaftliche Not, psychisches Elend und politische Verwirrung in blinde Wut übersetzen. Sie besuchen scharenweise populistische Veranstaltungen der Tea Party… Sie sind Amerikas zornige weiße Männer. Tatsächlich könnte man sogar sagen, dass sie schlicht und einfach Amerikas weiße Männer sind, nur zorniger als je zuvor in unserer jüngeren Geschichte.“

    Man beachte die klassische Propagandatechnik Angsterzeugung, hier mit Begriffen wie unsichtbar, giftig, blinde Wut usw.

    Man findet reihenweise Belege für typischen, krassen Sexismus bzw. neuerdings Haßsprech. Das wäre übrigens eine interessante Aufgabe, sobald Maas Haßsprech kriminalisiert hat, das Buch von Kimmel daraufhin zu durchforsten und als das gerichtlich beurteilen zu lassen, was es nun einmal ist: widerwärtige Hetze und Geschlechterrassismus.

    • @mitm
      Das wäre übrigens eine interessante Aufgabe, sobald Maas Haßsprech kriminalisiert hat, das Buch von Kimmel daraufhin zu durchforsten
      Ich wundere mich immer wieder warum solche Texte nicht wegen Volksverhetzung verboten werden, bzw. die Autoren angeklagt? Ähnliches fraqe ich mich bei der alten A.S.

  • Vielen Dank, Lucas, für den offenen Brief! Ich halte ein unmittelbares Resultat zwar eher für unwahrscheinlich, aber vielleicht setzen sich da ja mal ganz, ganz langsam ein paar Rädchen in Bewegung, auch dass wäre schon ein Erfolg. Oder jemand liest einfach mal jemand Kimmel – ich halte es immer noch für unverständlich, wie man klaren Verstandes außerhalb radikalfeministischer Kreise dieses Buch lesen und empfehlen kann.

    Auch Dein Plädoyer für Arnes Buch ist vollkommen angemessen, es ist (neben Christoph Kucklick, der aber stärker im historisch-soziologischen Bereich verortet und für Einsteiger schwieriger zu konsumieren ist) das Standardwerk. Allerdings fällt, gerade da es auf Deiner Seite verlinkt ist, auch ein Problem ins Auge, das oberflächlich scheinen mag, m.E. aber trotzdem wichtig ist: Das Cover ist gelinde gesagt suboptimal. Von Arnes Bild im Halbschatten, das eher düster wirkt (Autor auf dem Titel ist auch so eine Sache…), über die sehr dunkle rot-schwarz-weiße Farbgebung und die merkwürdige Typographie mit dem schräggestellten „Plädoyer“ wirkt es auf mich eher abschreckend und unseriös, alles dem Inhalt in keinster Weise angemessen. Falls Arne mal eine zweite Auflage plant, würde ich dringend empfehlen, das Cover zu überarbeiten. Der Inhalt und auch Titel sind wirklich super, aber die grafische Gestaltung macht da einiges wieder kaputt. Ich merke es an mir selbst: Mit einem anderen Cover würde ich es erheblich lieber an Bekannte verleihen, so habe Bedenken, dass es in Richtung Kopp-Verlag eingeordnet wird.

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