Kriminologie Medien

Polizeiliche Kriminalstatistik: Die taz und ihr monokausales Weltbild

Bild zeigt Handschellen
geschrieben von: Mark Smith

Vor ein paar Tagen hat sich die taz über die Polizeiliche Kriminalstatistik 2016 ausgelassen. Dabei hat sie Ungeheuerliches entdeckt: Anstatt bloß die Nationalität der Täter/innen zu thematisieren, sollte vielmehr desgleichen das Geschlecht in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit rücken.

Polizeiliche Kriminalstatistik 2016: Männer überdurchschnittlich oft Täter

Bild zeigt Handschellen

Die taz beklagt sich im Zusammenhang der Polizeilichen Kriminalstatistik 2016 vornehmlich über den Umstand, dass ihrer Ansicht nach zwar zurecht über die steigende Zahl der begangenen Straftaten der „Zuwanderer“ in der Öffentlichkeit diskutiert wird, seltsam sei jedoch, dass der Faktor, der die meisten Straftaten eint, nämlich das Geschlecht, überhaupt nicht thematisiert würde. 74,9% der Tatverdächtigen seien nämlich männlichen Geschlechts und bei Raub sogar 90,4%, dabei würden junge Männer als größte Risikogruppe gelten. Und, da hat die taz offenbar in der letzten Zeit dazu gelernt, sind desgleichen die Männer bei schweren Straftaten (Raub, Mord, Körperverletzung, Totschlag) überdurchschnittlich häufig als Opfer betroffen (bei Körperverletzung zu 63,5% und bei Raub zu 67,9%). Im öffentlichen Raum seien infolgedessen längst nicht bloß Frauen die Opfer, die Angst haben müssen, sondern namentlich die Männer. Das finde ich indessen bereits einmal eine sehr gute Nachricht! Die taz spricht keineswegs bloß von männlichen Tätern und weiblichen Opfern, sondern bringt zumindest schon einmal die männlichen Opfer ans Licht, was vermutlich ein Novum ist. Was jetzt noch ein bisschen fehlt, sind die weiblichen Täterinnen. Man könnte z.B. erwähnen, dass bei Diebstahl und Betrug der Anteil des weiblichen Geschlechts viel höher ist als bei anderen Straftaten.

Spannend findet die taz nun folgenden Umstand:

Trotz dieser Zahlen, die eine Diskussion über das Geschlecht der Täter eigentlich unausweichlich machen, wird darüber nur vereinzelt gesprochen. Kein „Männer raus!“ ist zu hören, keine Erklärungen, dass Männer trotzdem nicht unter Generalverdacht gestellt werden dürften, wie es aktuell bei der Frage um die Gewalt durch „Zuwanderer“ der Fall ist. Es wird einfach hingenommen. Es scheint nicht zu überraschen, dass Männer kriminell und gewaltbereit sind.

Ob die Männerkriminalität tatsächlich in der Öffentlichkeit bloß vereinzelt thematisiert wird, wie dies die taz behauptet, wäre eine empirische Frage und müsste mit entsprechenden Untersuchungen verifiziert werden. Aber man könnte sich sogleich fragen: werden andere Faktoren breit in der Öffentlichkeit diskutiert, die prädisponierend für häufigere Kriminalität sind? Beispielsweise Schicht/Klasse/Milieu oder Alter, Wohnort, ungünstige Familienkonstellationen, Armut, Arbeitslosigkeit, alltägliche oder schulische Überforderung etc? Vermutlich ebenfalls nicht! Es heißt ja ebenfalls nirgends: „Unterschicht raus aus Deutschland!“ oder „Jugendliche raus!“ etc. Die taz-Redakteurin MAIKE BRÜLLS stellt demzufolge eine falsche Dichotomie auf. Nicht die Thematisierung bzw. die Nicht-Thematisierung der Kategorien Geschlecht vs. Nationalität („Zuwanderer“) sollten folglich hellhörig machen, sondern die Thematisierung bzw. Nicht-Thematisierung von Geschlecht, Alter, Wohnort, Schicht etc. vs. Nationalität („Zuwanderer“). Spannend finde ich nun wieder, dass die taz-Redakteurin eine verkürzte Dichotomie aufstellt und sie bloß das Geschlecht als weitere Kategorie ins Spiel bringt. Und hier kann man sich dann die Frage stellen, ob es MAIKE BRÜLLS von der taz tatsächlich um die Sache geht (Prävention hinsichtlich Kriminalität) oder ob das Einbringen des Faktors Geschlecht nicht primär ideologisch motiviert ist, um, wie wir nachfolgend noch sehen werden, die Stilisierung des Feinbilds Mann mittels erhöhter Kriminalitätsbelastung zu instrumentalisieren?!

Männerfeindlichkeit

Denselben Gedanken hatte offenbar ebenso Arne Hoffmann, wenn er schreibt:

Bei der „taz“ macht man sich Sorgen, dass die Zahlen der aktuellen Kriminalstatistik auf fremdenfeindliche Gleise führen könnten. Männerfeindliche Gleise lägen doch viel näher, schließlich seien die meisten Tatverdächtigen männlich. Aber eine Männerfeindlichkeit gebe es nicht, seufzt Maike Brülls, die die letzten 200 Jahre männerfeindlicher Agitation offenbar nicht mitbekommen hat, auch wenn sie problemlos einsteigt: „Es scheint nicht zu überraschen, dass Männer kriminell und gewaltbereit sind.“

Die Rhetorik der Fremdenfeinde nicht zu kontern, sondern nur für das eigene liebste Feindbild zu verwenden – sowas schafft wohl nur die „taz“.

Die erhöhte Kriminalitätsbelastung der Männer hat nun gemäß Maike Brülls offenbar mit dem Wort „P“ zu tun, damit meint sie vermutlich das Patriarchat, sie schreibt nämlich:

Eine biologische Erklärung, ob es vielleicht an den Hormonen oder Gehirnarealen liegt, sollen nicht bemüht werden. Allein das Geschlecht macht niemanden zum Straftäter. ­Genauso wenig, wie es die ­Herkunft oder die Hautfarbe tun.

Dass die hohe Zahl männlicher Straftäter nicht verwundert oder diskutiert wird, ­verweist auf ein System. Und das zu ­beleuchten und zu besprechen wäre aufschlussreich.

Die Zahlen können als ein Rückschluss auf das Wort mit P verstanden werden, welches erklärt, dass und wie Männer das soziale System maßgeblich prägen.

In einer solchen Ordnung, in der ein Männlichkeitsbild des dominanten Mannes, der keine Schwäche zeigen darf, eben auch gewalttätig ist, reproduziert wird, passt es, dass Männer so oft zu Straftätern werden. Und auch, warum sich darüber niemand wundert.

Ursachen für die erhöhte Kriminalitätsbelastung der Männer

Weshalb nun eine biologische Erklärung als eine mögliche Ursache für die erhöhte Kriminalitätsbelastung der Männer nicht bemüht werden soll, ist nicht nachvollziehbar. Lapidar wird von der taz-Redakteurin gesagt, dass das Geschlecht  allein niemanden zum Straftäter machen würde. Diese Aussage ist sicherlich richtig, allein die unabhängige Variable Geschlecht ist keine hinreichende Bedingung, damit jemand zum Straftäter wird. Wie auch das Alter, der Wohnort, die soziale Schicht, die Nationalität etc. keine hinreichenden Bedingungen sind. Aber wenn diese Faktoren keine hinreichenden Bedingungen sind, heißt dies noch lange nicht, dass sie nicht trotzdem einen gewissen Einfluss auf die erhöhte Kriminalitätsbelastung haben können. Wie bereits weiter oben dargelegt, werden auch andere Faktoren als das Geschlecht weniger thematisiert als der Faktor „Zuwanderer“. Soll nun dieser Umstand der Nicht-Thematisierung dieser Faktoren ebenfalls mit dem Patriarchat erklärt werden? Viel naheliegender ist doch, dass erklärt werden muss, weshalb die Kriminalitätsbelastung der „Zuwanderer“ in der Öffentlichkeit bereit diskutiert wird und die anderen Faktoren wie Geschlecht, Alter, Wohnort und soziale Schicht etc. nicht. Verantwortlich für die erhöhte Kriminalitätsbelastung der Männer soll nach der taz-Redakteurin einzig und allein das Patriarchat sein, das eine Ordnung ist, die ein Männlichkeitsbild des dominanten Mannes erzeugt, der keine Schwächen zeigen darf. Das ist eine monokausale und m.E. ein reduktionistischer Erklärungsversuch. In der wissenschaftlichen Literatur werden mindestens folgende geschlechtsspezifische Faktoren für die erhöhte Kriminalitätsbelastung von Männern diskutiert:

  • Angeborener Aggressionstrieb bei Männern stärker ausgeprägt
  • Testosteron-Hypothese
  • Phylogenetische Ansätze: Frauen Höhle; Männer Mammut jagen usw.
  • Lebensfeldunterschiede: Frauen-Familie. MännerAußenwelt
  • Moralische Andersartigkeit von Frauen (Ethik der Liebe und Fürsorge, andere Werteorientierung)
  • Geschlechtsspezifische Selektion: Straftaten von Männern werden häufiger entdeckt, angezeigt und verfolgt, verurteilt.
  • Gelegenheitshypothese: Frauen haben weniger Gelegenheit für kriminelle Handlungen
  • Gewalt legitimierende Männlichkeitsnormen: im männlichen Rollenstereotyp ist Gewalt/Kämpfen mit allen Mitteln gefordert (Haug 2010)
  • Werteorientierung: Moderne idealistische Werte (sozialintegrativ, altruistisch, ökologisch-alternativ, politische Toleranz).Wert bei Frauen signifikant stärker ausgeprägt als bei Männern. Je höher die idealistische Werteorientierung, um so stärker die Normakzeptanz, desto geringer die Gewaltkriminalität (Hermann 2004).
  • Lernen am ähnlichen Modell als Mechanismus für Erwerb und Ausdruck aggressiven Verhaltens
  • Notwendigkeit von „Umwegidentifikation“ bei Jungen durch gewalttätige Männerstereotypen in den Medien, Peergroup usw.
  • Geschlechtsidentität: Abkehr von den weiblichen Emotionen bei der Geschlechtsrollenentwicklung, damit weniger Empathiefähigkeit und Aggressionshemmung
  • Täterintrojekt: Gewalterfahrung in der Familie durch den Vater macht den Sohn evtl. zum Täter

Die Kriminologin Gabriele Schmölzer kommt hinsichtlich der Kriminalitätsbelastung von Männern und Frauen zu folgendem Schluss:

Die Frage nach Unterschieden zwischen der Kriminalität von Männern und Frauen ist, wägt man die Erklärungsversuche sorgfältig ab, bislang noch weitgehend ungeklärt.

In diesem Zusammenhang schreibt Arne Hoffmann wieder:

Bei „Wort mit P“ kann in einer feministischen Gazette nur „Patriarchat“ gemeint sein. Die Logik Maike Brülls wäre dann: „Dass ein überdurchschnittlich hoher Anteil der Tatverdächtigen männlich ist, belegt, dass wir unter einer Männerherrschaft leben.“ Diese Logik macht aber nur Sinn, wenn man gleichzeitig behauptet: „Dass ein überdurchschnittlich hoher Anteil der Tatverdächtigen ausländischer Herkunft ist, belegt, dass wir unter einer Ausländerherrschaft leben.“

Nee? Macht keinen Sinn? Kriminologen behaupten sogar, es würden auch deshalb viele Zuwanderer zu Kriminellen, weil sie besonders häufig geschädigt wurden oder weil sie besonders schlechte Chancen in unserer Gesellschaft haben? Was über Männer im Analogischluss genau das Gegenteil von dem belegen würde, was Maike Brülls herbeifabuliert?

Vergesst die Logik. Es ist Feminismus. Es ist die „taz“. Die, wenn es um Geschlechterfragen geht, genauso gut aufgestellt ist wie Bernd Höcke & Co., sobald von Zuwanderern die Rede ist. Die Mischung aus Ressentiment und Populismus gibt in beiden Fällen keinen gedeihlichen Boden ab.

Fazit

Das Fazit kann ich heute kurz fassen: Nix Genaues weiß man, aber die taz weiß offenbar genau, was Sache ist und zeigt demzufolge auf, dass es ihr primär um Ressentiment und populistische Agitation geht.

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16 Comments

  • Oh schön, habe gerade gesehen das mein Kommentar bei der taz durchgekommen ist. Hab da Mal kackendreist von Arne H. geklaut.

  • Kein „Männer raus!“ ist zu hören, keine Erklärungen, dass Männer trotzdem nicht unter Generalverdacht gestellt werden dürften, wie es aktuell bei der Frage um die Gewalt durch „Zuwanderer“ der Fall ist.

    Wozu auch? Männer stehen ja bereits bei so ziemlich jeder Gelegenheit unter Generalverdacht. Frage mal jemand einen Erzieher…

    Apropos Testosteron. http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-10928-2009-12-09.html
    Testosteron macht eben nicht streitlustig und aggressiv, sondern fördert die Fariness.

    Gut, bei Frauen vielleicht doch nicht. 😉
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/sexualhormon-testosteron-macht-frauen-egoistisch-a-812708.html

    Testosteron ist im Übrigen kein männliches Hormon, Frauen bilden das nämlich auch.

  • Wie hoch der Anteil straffällig gewordener Männer an der Gesamtheit aller Männer ist, lässt sich (ungefähr) an der Zahl der rechtskräftigen Urteile und der Zahl der in Gefängnissen aller Arten (Untersuchungshaft, wenn auch nur bedingt, Strafvollzug, Halbgefangenschaft, etc.) inhaftierten Menschen ablesen. So sitzen z. B. in den USA, dem Land mit dem höchsten Anteil von Gefangenen an der Gesamtbevölkerung, nur gerade 1 Prozent aller Menschen in einem Gefängnis. Das bedeutet nicht, dass 99% aller Menschen nicht oder nie straffällig geworden sind. Auch Mehrfachtäter werden in den entsprechenden Statistiken nicht ausgewiesen. Trotzdem: Die Aussage, Gewalt und Straffälligkeit seien hauptsächlich ein Männerproblem stimmt zwar, aber nur relativ betrachtet. Absolut kann daraus nicht geschlossen werden, dass Männer per se zu straftatsrelevantem Verhalten neigen: Einsitzen tun nämlich nur die allerwenigsten Männer. Daraus auch noch so etwas wie einen Beweis für das Patriarchat ableiten zu wollen, ist kompletter Unsinn!

  • @ Bader Marc

    Exakt Dein Argument ist mir beim Lesen auch sofort aufgestoßen. Besonders entlarvend in diesem Zusammenhang ist die folgende Aussage der taz:

    „Es scheint nicht zu überraschen, dass Männer kriminell und gewaltbereit sind.“

    Wie entlarvend und letztlich doch pauschaliserend das Denken der Verfasser ist, lässt sich einfach offenlegen, wenn man die „Männer“ durch „Ausländer“ ersetzt.

    Die Kriminalstatistik ist auch deshalb verfälschend, weil es eine Menge Vergehen gibt, die faktisch nur von Männern begangen werden können, resp. nur bei ihnen verfolgt werden. Ich denke da an die zahllosen Unterhalts- und Umgangsprozesse.

  • Jordan Peterson gibt eine schöne, ungewohnte Erklärung zur Kriminalitätsraten (in Maps of Meaning): Kriminalität ist keine Frage von Armut an sich, sondern von relativer Armut, also großen Wohlstandsunterschieden zwischen den Menschen die auf relativ engem Raum zusammenleben. Die Erklärung dafür ist weibliche Hypergamie:

    In der Situation relativer Armut haben die relativ armen jungen Männer kaum eine Chance, in der Hierarchiepyramide nach oben zu kommen, wenn sie sich an die Regeln halten. Dadurch sind sie im Schnitt kein Partner, der für die Gegenseite in Frage kommt. Um in der Hierarchie dennoch nach oben zu kommen, müssen sie deutlich aggressivere Wege gehen. Es wird nicht der einzige Faktor sein, der Kriminalität begünstigt, aber eine mögliche Erklärungsdimension für die Statistik scheint es mir zu sein.

  • Komischerweise hat die gleiche Presse, die so große Probleme hat, die Herkunft von Tätern in Berichten zu nennen, nie ein Problem, das Geschlecht des Täters zu nennen.

    Auch sollte man bei den Betrachtungen stets berücksichtigen, dass die Erziehung der Gewälttäter im Wesentlichen von Frauen vorgenommen wird (zu Hause, Kindergarten, Schule, …). Auch gibt es angeblich Statistiken (USA), wonach die Kinder von alleinerziehenden Frauen weit überproportional viele Gewalttäter, Vergewaltiger, Drogensüchtige, Depressive, … produzieren, während die Kinder von alleinerziehenden Vätern die Probleme nicht in dem Ausmaß haben.

    Und noch eines wird vergessen. Die Haupterziehung eines Menschen wird vom jeweiligen anderen Geschlecht durch Partnerschaftskriterien gemacht. Während insbesondere Feministinnen nicht müde werden, vorzutragen, dass auf Frauen aufgrund der Auswahlkriterien von Männern ein Schönheitsdruck bestünde und Frauen deshalb nach Schönheit streben würden, der halt auch zu Exzessen führen kann (z.B. Schönheitsoperationen), die eigentlich keiner gut finden kann. Umgekehrt wird hingegen jede Mitverantwortung der Frauen am Verhalten der Männer unter den Teppich gekehrt. Frauen suchen jedoch auch weiterhin ihren Partner nach Stärke und Versorgerqualitäten aus, so dass es naheliegend ist, dass Männer stärker nach Stärke und finanziellen Vorteilen streben (um möglichst auf Frauen attraktiver zu wirken) und es auch hier zu Exzessen kommen kann, die eigentlich keiner gut finden kann.

    Wenn ein Mann Schwächen zeigt (z.B. bei Depressionen), wird er viel eher als Frauen als Jammerlappen diffamiert bzw. als potentieller Partner gnadenlos aussortiert und damit von der Gesellschaft (insbesondere Frauen) quasi zu demonstrativer Stärke und Gewalt aufgestachelt.

    Und noch eines sollte man bei der Gewaltstatistik nicht vergessen. Viele Dinge, die beim Mann sofort zu einem Strafgesetz führen würden, sind für Frauen straffrei (z.B. Unterjubeln von Kuckuckskindern, Abtreibung …). Wenn ein Mann jemandem mit der Hand ins Gesicht schlägt, hat er gute Chancen, dass ein Richter zum Schluss kommt, dass das zu einem nicht unerheblichen Schmerz führte und deshalb eine strafbare Körperverletzung ist. Wenn eine Frau jemanden mit der Hand ins Gesicht schlägt, hat sie hingegen gute Chancen, dass hier die Ermittlungebehörden zu dem Ergebnis gelangen, dass das allenfalls ein unerheblicher Schmerz ist und daher nicht als Körperverletzung verfolgt werden kann. Wenn ein Mann nackt in der Gegend herumrennt, hat er gute Chancen wegen Exhibitionismus oder Erregung öffentlichen Ärgernisses verfolgt zu werden, während Frauen beim gleichen Verhalten erheblich weniger zu befürchten haben (Exhibitionismus können nach dem klaren Wortlaut nur Männer verwirklichen, 183 StGB).

    Wenn ein Mann zur Polizei gehen würde und erklären würde, dass er bei einer Frau laut und deutlich Nein zu sexuellen Handlungen gesagt hat und die Frau ihn dann weiter begrappelt hat, hat er gute Chancen als Jammerlappen sozial geächtet und ausgelacht zu werden und den Vorwurf zu erhalten, die Strafermittlungsbehörden nicht mit Lächerlichkeiten zu blockieren. Jedenfalls ist zu befürchten, dass derartige Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt werden. Im umgekehrten Fall reicht bereits jede banalste Lächerlichkeit aus (selbst Falschbeschuldigungen), um Strafverfahren gegen den Mann einzuleiten.

    Wenn eine Frau ein Kind in die Babyklappe ablädt, dann hat sie sehr gute Chancen, dass die gesamte Justiz schönste juristische Akrobatik betreiben und die allergrößten Mühen gibt, um zu erklären, weshalb das keine Personenstandsfälschung (§169 StGB), Aussetzung (§ 221 StGB), Unterhaltsentziehung (§170 Abs. 1 StGB) oder Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht (§171 StGB).

    Letztens habe ich gelesen, dass ca. 70% der Kindstötungen von Frauen verübt werden. Und trotzdem kann jede Frau damit rechnen, dass die gesamte Justiz alles tun wird, um die Frau quasi als Opfer ihrer Situation und ihres Lebens so milde wie möglich (wenn überhaupt) zu bestrafen (z.B. angeblich besondere Drucksituation nach einer Schwangerschaft, weil die Frau Sorge hat, das Kind nicht alleine versorgen zu können). Bei einem Mann, der sich aufgrund der Unterhaltsverpflichtung einer starken Drucksituation ausgesetzt wird, hat die Justiz hingegen kein Verständnis. Der Mann hat hingegen gute Chancen, dass die Justiz die Tötung als Entledigung von Unterhaltspflichten als Mordmerkmal (= Habgier) und somit als eine besonders verwerfliche Tötung aus finanziellen Gründen einstufen könnte.

    Man könnte das Argument von Feministinnen daher auch genauso umdrehen. Während beim Gender-Pay-Gap jede Eigenverantwortung von Frauen ausgeblendet wird, müssten Feministinnen auch beim Gender-Täter/Prison-Gap jede Eigenverantwortung von Männern ausblenden und in der Statistik nur einen Beweis dafür sehen, dass Männer seit Jahrtausenden strukturell benachteiligt und unterdrückt werden.

    Wenn man z.B. mal in die amerikanischen Gefängnisse schaut, dann stellt man fest, dass Mexikaner und Schwarze überproportional im Vergleich zur Gesamtbevölkerung in den USA in den Gefängnissen vertreten sind (in deutschen Gefängnissen ist der Anteil mit Migrantenwurzeln ebenfalls überproportional). Würde man jetzt behaupten, dass Ausländer von Natur aus krimineller seien, dann wäre man ein widerlicher rechtsradikaler Rassist. Es würde darauf hingewiesen werden, dass das an den strukturellen Benachteiligungen liege, dass diese aus ärmeren Schichten kommen und somit geringere Teilhabe an der Gesellschaft hätten und weniger Chancen auf Integration hätten (= „Wer weniger zu verlieren hat, der hat auch weniger Motivation, sich an Regeln zu halten“). Wenn man aber anstatt Ausländer/Nichtausländer die Begriffe Männer/Frauen verwendet, dann ist es plötzlich poltisch kein Rassismus mehr (obwohl es identische Gedankengänge sind). Plötzlich sind es nicht mehr die strukturellen Benachteiligungen (z.B. dass nur Männer den Druck erhalten bzw. quasi aufgestachelt werden, keine Schwächen zeigen zu dürfen bzw. ansonsten von Frauen für unattraktiv gehalten werden).

  • Sich auf die Kriminalstatistik zu stürzen ist wenig ergiebig, weil diese Statistik nur zeigt, wieviel Strafanzeigen erstattet wurden. Diese Anzeigen werden danach gefiltert, ob sie überhaupt einen mit Strafe bedrohten Hintergrund haben. Die verbliebenen Anzeigen, etwa 2 Drittel, werden dann von der Staatsanwaltschaft mit Hilfe der Polizei auf Tatbestandsmerkmale geprüft, die dazu führen müssen, dass die Ermittlungsergebnisse dem Strafrichter zur Eröffnung eines Hauptverfahrens vorgelegt werden. Wird die Hauptverhandlung zugelassen, werden immer noch eine erhebliche Zahl von Freisprüchen und Einstellungen die Folge sein. Rechtfertigungsgründe, Schuldausschließungsgründe, Verbotsirrtümer usw. senken dann noch einmal die Ergebnisse. Hinzu kommen Fehlurteile, die in manchen Kategorien bis zu 40 % betragen sollen (Dunkelziffer).
    So wurden in den letzten fünf Jahren des 20. Jahrhunderts jährlich ca. 30.000 Anzeigen wegen Kindesmissbrauch in der Kriminalsttistik aufgeführt. Die Zahl der an die Staatsanwaltschaft geleiteten Verfahren lag bei etwa 20.000, die der zu Hauptverhandlungen zugelassenen Ermittlungsverfahren lagen bei ca. 10.000 Fällen, davon gab es ca. 2000 Verurteilungen, fast alles Männer/Väter aufgrund von Falschbeschuldigungen in Familienrechtsverfahren. Die u.a. Wormser Prozesse, bei denen 26 Menschen angeklagt waren und davon etwa die Hälfte für zweieinhalb Jahre in U-Haft waren, ergab wie im Nordhausener Prozess gegen ein Lehrerehepaar, dass alle unschuldig waren und sein mussten. Die Hysterie dieser Zeit hat jedoch dazu geführt, dass die Behauptungen als Beweis gewertet wurden.
    Zum Vergleich: Mord und Totschlag war mit ca. 1000 Verurteilungen die kleinste Gruppe der verurteilten Straftaten.
    Sinnvoller ist es, statt der Kriminalstatistik die Statistik der Verurteilungen zu bewerten.

  • Darf ich Deine Ergänzung noch ergänzen, Fiete?

    Wir kennen alle die Statistik, wonach die eigenen Väter die größte Gefahr für sexuellen Missbrauch von Kindern sind/sein sollten.
    Vor einigen Jahren hat ein Vater aus dem VAfK in dem Zusammenhang mal beim BKA angerufen und dort erfahren, dass die leiblichen Väter als Täter so selten vorkommen, dass sie gar nicht in einer eigenen statistischen Gruppe geführt werden, man sie vielmehr zusammen mit den „Stiefvätern“, also den neuen LG der Mütter, in einer Statistik „Väter“ sammelt.
    „Stiefväter“ sind aber realiter die mit Abstand größte Gefährder-Gruppe für Kinder.

    Die Gewohnheit deutscher FamilienrichterInnen, Väter aus unterhaltstaktischen Motiven aus der Familie zu entsorgen, führt also bei Kindern zu einer drastischen Erhöhung der Gefahr, Opfer von Gewalt oder sexuellem Missbrauch zu werden.

    • Unter internationalen MRA ist das übrigens common sense.
      Echt bisserl miefig in Dschland.

    • @Carnofis:
      „„Stiefväter“ sind aber realiter die mit Abstand größte Gefährder-Gruppe für Kinder.“
      Ob es nun die Stiefväter allein sind, weiß ich nicht, halte ich zumindest für hinterfragbar.
      Aber, daß die größte Gefahr für Kinder nicht in ihrer Kernfamilie liegt, ist sehr einfach nachvollziehbar.
      Man braucht sich dazu nur mal über mindestens ein paar Monate nach offiziellen Pressemeldungen im Netz umzusehen, in denen es um zu Tode gekommene Kinder dreht. Anhand einer einfachen Strichliste wird man feststellen, daß deutlich über die Hälfte dieser Kinderr eben nicht in ihrer originären Familienkonstellation sterben, sondern in Surrogatverhältnissen. Also Heime ( relativ selten ), Pflegestellen und neuen LAG ( fast immer der Mutter ). V.dh. würde ich es umgekehrt formulieren: Das geringste Risiko von Gewalterfahrungen gibt es in der Kernfamilie.
      Zumal man berücksichtigen muß, daß ja immer noch ( zum Glück ) die meisten Kinder beide Eltern haben, wodurch sich der relative Anteil der Gewalthandlungen in Surrogatverhältnissen noch einmal reichlich erhöht.

      Wenn man dann auch noch die von Horst erklärten „Statistikfehler“ ( um es mal sehr höflich auszudrücken ) rausrechnen könnte ( was leider nur teilweise zu machen wäre, selbst wenn es ernsthaft versucht werden würde ), dürften wir Väter als große Vorbilder für alle mit Sorgearbeit beauftragten Menschen dastehen, schätze ich mal so.

      Soweit ich das übersehe scheint die „normale“ Dunkelfeldforschung die Sache üblicherweise ganz anders anzugehen, nämlich in Form indirekter Erhebungen und Metastudien.
      Da werden dann z.B. anonymisierte Akten von Psychologen und Psychiatern, Ärzten, Kliniken u.s.w. nach genauen Kriterien durchforstet, was dann, bei genügend großer Menge, im Durchschnitt vermutlich auch zumindest die Relationen ganz brauchbar abbildet. Besser als „Knast&Frauenhausstatistikbögen“ auf alle Fälle ….

      Die Taktik derartiges hier in D. zu verhindern ist so brilliant wie perfiide, man sieht es an der Entwicklung seit der berühmten Pilotstudie kurz nach Milleniumswechsel.
      Man veranstaltet eine richtig große Studie ( im Regierungsauftrag ), die aber auf bestimmte Fragen beschränkt ist, in dem Fall lag der Schwerpunkt logischerweise auf der Frage: Gibt es signifikanten Bedarf das Problemfeld einmal umfassender und detaillierter zu erforschen ( daher auch der Name Pilotstudie, die sind nämlich exakt auf diese Frage zugeschnitten.
      Die Antwort lautete: Ja!
      Reaktion:
      Man scheucht irgendwelche irgendwie von irgendwem interpretierten Detailzahlen durch die Medien und behauptet, das Problem wäre ausreichend aufgeschlüsselt und man hätte somit einen ausreichenden Forschungsfortschritt.
      Daß diese Zahlen an sich schon nur dafür erhoben wurden, um festzustellen, OB sie ausreichend brauchbar sind und man ermittelt hat, daß sie eben das NICHT sind ( eben dadurch begründet sich ja der Bedarf! ), wird einfach totgeschwiegen.
      Tja, deshalb haben es entsprechende Interessengruppen ( einige davon über die Grünbrauns organisiert ), es locker geschafft, seit spätestens 2004 zu verhindern, daß die seitdem als unbedingt notwendig erwiesenen ( ! ) Erhebungen hier überhaupt nicht veranstaltet wurden. Es wird noch nicht mal mehr im Bundestag, oder den zuständigen Ausschüssen ( und was es da noch so gibt, ich kenne mich mit sowas nicht aus ), darüber diskutiert.

      Ich hatte da mal ein hübsches Live-Aha-Erlebnis mit dem grünbraunen Druiden Jörg Rupp auf dessen Blog. Da ging es darum, ob Männerhäuser ( oder noch besser allgemeine Gewaltschutzeinrichtungen ) notwendig sind.
      Und der Stiesel brachte als einziges Argument immer wieder, stur wie ein Esel, daß es keinen Bedarf dafür gibt, da gäbe es eindeutige Zahlen zu.
      Rate welche. Die aus der Pilotstudie!
      Und soweit mir bekannt, bezogen die sich wiederum auf u.a. die Kriminalstatistiken, also Anzeige-, Verurteilungszahlen, sowie evtl. noch Statistikbögen der Jugendämter und deren Sateliten aus der Kinder-u. Sorgehandelsbranche ( Ich muß gestehen, so genau weiß ich es nicht mehr, ist schon ein paar Jährchen her ), jedenfalls auf eben genau diese PimalDaumenwerte ( weil bestenfalls extrem unvollständig ), die eigentlich nix anders aussagen, als daß diese Zahlen als Rohstoffmüll betrachtet werden müssen. Der höchste Wert dessen, genau genommen der einzig wirklich wichtige ( Ja! Wir müssen mal intensiv und wohldurchdacht forschen! ) wurde glatt und mit Vorsatz verbuddelt.

      Und der nächste Schritt wird ja gerade von Küsten-Barbie Schwesig durchexerziert, mit ihrer Pseudostudie, deren Fragestellungen im laufenden Vorgang ergebnisortientiert angepasst werden, bis dann am Ende wieder das gewünschte Endergebnis dabei rauskommt.

  • „… man sieht es an der Entwicklung seit der berühmten Pilotstudie kurz nach Milleniumswechsel“

    Welche Pilotstudie?

    • Carnofis,

      Welche Pilotstudie?

      https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/studie–gewalt-gegen-maenner/84660?view=DEFAULT

      Erstaunlich lesenswert, zumal wenn man bedenkt, von wem sie stammt.

      Das war 2004. 2004! Mit dem Ergebnis, daß dringend eine volle Studie zu dem Thema nötig ist.

      Und fast zehn Jahre später können sie trotzdem in die Gesetzesbegründung zum Hilfetelefongesetz schreiben, die neu einzurichtende Hotline richte sich erst mal nur an Frauen, weil zur Betroffenheit von Männern noch zu wenig Daten vorlägen.

      Wessen Aufgabe wäre es denn gewesen, solche Daten zu sammeln? Zu behaupten, man hätte nicht gewußt, daß das nötig sei, ist ein Bißchen schwierig, wenn auf der eigenen Webseite diese Studie veröffentlicht ist. Aber was ist schon „ein Bißchen schwierig“ gegen Ideologie gewordenen Gynozentrismus?

      Sorry, ich rege mich im Moment zu leicht auf…

      B20

  • Ach, das jämmerliche Pamphlet meinst Du. Ich hatte es schon vermutet, wunderte mich aber über “ eine richtig große Studie“.

    Das trostlose Machwerk, in dem sich wahrscheinlich ein paar pulloverstrickende lila Pudel erstmal mehrere Sitzungen im Gesprächskreis darüber auseinandersetzten, ob „GewaltERFAHRUNG“ nicht vielleicht doch zu positiv besetzt sei und durch GewaltWIDERFAHRNIS ersetzt werden müsse, kam doch zu dem Ergebnis, dass Männer zwar im Leben auch Gewalt erf… – sorry, Pudels – widerfährt, aber überall, nur nicht im häuslichen Umfeld.

    Achte mal drauf, Frauen wurde – ganz im Sinne der feministischen Kaderschmiede BIG – die Definitionshoheit über „Gewalt“ nicht gewährt, während man bei Männern trocken feststellte, dass diese eine – offensichtlich im Dunstkreis der Pudel alltägliche – Wirtshausschlägerei nicht als „Gewalt“ betrachteten.

    Weißt Du, wenn eine Studie von solchen Pfosten durchgeführt wird, kann nichts Gutes für Männer herauskommen. Dann kann ich ohne Studie besser schlafen.
    Wenn es eine solche Studie je gibt, wird sie aus der Feder porentief reiner Feministen stammen.

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