man tau-Wochenshow

Die man tau-Wochenshow vom 07. Mai 2017

Zeigt Reporter und Fotograf.
geschrieben von: Mark Smith
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Liebe Leute!

Nachfolgend findet Ihr eine Presseschau der letzten Woche und zwar Beiträge, die wir gelesen haben und selbst für lesenswert oder überhaupt nicht lesenswert finden und gerade deswegen kommentiert werden sollten. Wir wollen damit übrigens nicht Genderama Konkurrenz machen, zumal ein solcher Rückblick bloß wöchentlich erscheinen soll und zwar jeweils am Sonntag und die Themen etwas mit der Geschlechterdebatte zu tun haben können, aber Geschlechterthemen nur ein Thema unter vielen sind.

Auch wenn wir einen Artikel für lesenswert halten, heisst dies selbstverständlich nicht, dass wir allen Aussagen darin zustimmen und dasselbe Prinzip gilt umgekehrt für diejenigen Artikel, die wir nicht so toll finden: auch dort können Aussagen drin stehen, die wir befürworten. Wenn Sie diese wöchentliche Presseschau für hilfreich halten, dann bitte liken oder in den Social-Media teilen oder einfach Bekannten und Freunden weitersagen.

Zeigt Reporter und Fotograf.

  • Die Pseudo-Realität deutscher Polit-Talkshows

Es hat immer wieder etwas absolut Irreales und Absurdes, wenn man via politischer Talkshows in die bizarren Räume dieser dort aus nichts als fauligem Herrschafts-Dreck zusammengezimmerten Wirklichkeits(de)konstruktionen blickt.

Was die dann jeweils versammelten Verschwörungspraktiker in einer Art potemkinscher Pathologie in jeden der ubiquitär aufgestellten Groß-Theatersessel an inszenierter Debatte pupsen, ist nicht nur eine Dauerbeleidigung des menschlichen Verstandes, sondern von klar forensischer Qualität.

Quelle: Rubikon

Anmerkung Mark Smith: Wer nix anfangen kann mit einem Pamphlet und  mit Polemik, kann sich den Klick auf den Artikel gleich ersparen. Aber ab und an Dampf ablassen und dies vermutlich auch noch mit einem zwinkernden Auge, bringt die nötige frische Luft, um den Irrsinn der Welt ertragen zu können. Dabei kommt mir gerade Wilfried Schmickler in den Sinn.


  • Professionelle Heuchelei (1/4)

Der Blick hinter die Fassade offenbart: Das Journalistenbüro Correctiv ist alles andere als unabhängig, aufklärerisch und investigativ.

In einer Zeit, in der Fakten, Quellencheck und Hintergrundrecherche in etablierten Medien immer weniger gefragt sind, investigative, herrschaftskritische Journalisten und Wissenschaftler aus Redaktionen und Universitäten gedrängt werden und bestenfalls unter sehr prekären Bedingungen ihre Aufklärungsarbeit fortsetzen können, in einer Zeit, in der kritische Geister durch Querfront-Vorwürfe mundtot gemacht werden (sollen), taucht im Sommer 2014 ein sich „CORRECT!V“ nennendes Recherchebüro auf, das a) innerhalb kürzester Zeit aufwändige Rechercheprojekte abschließt, die es b) kostenfrei den Redaktionen zur Verfügung stellt, die c) in den Mainstreammedien breit und unkritisch rezipiert werden und das d) innerhalb weniger Monate renommierte Journalistenpreise erhält, wie zum Beispiel den Grimme Online-Award für die Webreportage zum Abschuss des Malaysischen Verkehrsflugzeugs MH17 über der Ukraine. Zuletzt war Correctiv Gegenstand der Berichterstattung, nachdem Facebook angekündigt hat, in Deutschland Correctiv mit der Markierung von Fake-News zu beauftragen. Dieses an sich schon fragwürdige und von Paul Schreyer als „Privatisierung der Zensur“ bezeichnete Vorhaben steht und fällt vollends mit der Seriosität der beauftragten Kontrollstelle.

Quelle: Rubikon

Anmerkung Mark Smith: Eine investigative Serie über das selbsternannte investigative Journalistenbüro Correctiv, das u.a. Facebook freiwillig helfen will, Fake News zu enttarnen. Tia, bei Correktiv habe ich immer ein bisschen den Eindruck, wie wenn der Geheimdienst den Geheimdienst kontrollieren soll, damit dieser nichts Illegales macht.


  • Wo liegt das größere Übel? Frankreich vor der Stichwahl um die Präsidentschaft.

Vielleicht läuft es ja in diesem Falle tendenziell anders herum als in dem berühmten Diktum von Karl Marx, das sich auf Napoléon den I. und den III. bezog und demzufolge sich „alle weltgeschichtlichen Geschehnisse zwei mal ereignen: einmal als Tragödie und einmal als Farce“. Zwar stimmt es, dass die Dinge normalerweise so verlaufen, dass ein historisches oder politisches Ereignis zuerst mehr oder minder schwerwiegende Auswirkungen produziert und danach – etwa in der nächsten Generation – gewissermaßen in den Kostümen der bereits überkommenen Epoche nachgespielt wird. Etwa, wenn im Mai 1968 nächtliche Barrikaden errichtet wurden wie bei dem Revolutionsversuch von 1848; nur mit dem gewichtigen Unterschied, dass diese längst ihre militärische Bedeutung eingebüßt hatten, weil keine Polizeipferde mehr an ihren stolpern konnten. Auf Räumfahrzeuge im zwanzigsten Jahrhundert hatten die Barrikaden keinen Einfluss, auf die Symbolik hingegen schon.

Quelle: Rubikon

Anmerkung Mark Smith: Wer ist das größere Übel für das Amt des Präsidenten in Frankreich: Marine Le Pen oder Emmanuel Macron? Für Bernhard Schmid ist der Fall klar: Es ist Marine Le Pen, deren Partei er im Sumpf des Neofaschismus sieht. Wie wir weiter unten noch sehen werden, ist für andere Publizisten der Fall nicht so klar.


  • Desinformation als Waffe: Probleme mit der Logik

Im Streit um den Giftgaseinsatz in Syrien folgen führende CHer Zeitungen den Behauptungen westlicher Regierungen. Wider jede Logik.

Die Beweisführung treibt immer seltsamere Blüten. Das elementarste logische Denken scheint mehr und mehr abhanden zu kommen. Andreas Rüesch macht am Donnerstag, 4. Mai 2017, in der Neuen Zürcher Zeitung erneut das syrische Regime für den Anschlag in Khan Sheikhun am 4. April verantwortlich. Das schliesst er aus «einer Reihe von Indizien»:

Quelle: Infosperber


  • Präsidialwahl in Frankreich. Die rhetorischen Winkelzüge des Herrn Mélenchon

Jean-Luc Mélenchon weigert sich beharrlich, zur Unterstützung des Liberalen Emmanuel Macron aufzurufen – und schwächt damit das Bündnis gegen die Chefin des Front National. Stattdessen taktiert er mit Blick auf die Parlamentswahl im Juni.

Quelle: WoZ

Anmerkung Mark Smith: Auch für die WoZ ist klar, wer das größere Übel bei der Präsidialwahl in Frankreich ist: nämlich Marine Le Pen. Und weil der viertplatzierte Kandidat im ersten Wahlgang, Jean-Luc Mélenchon, als der progressivste der linken Kandidaten keine Empfehlung für Emmanuel Macron abgeben will, wird er nun zum grossen Buhmann des aufgeklärten Bürgertums.


  • INTERVIEW MIT FRANZISKA SCHUTZBACH. «Ich orientiere mich am Urteil von Frauen»

Der Konflikt zwischen Müttern und Töchtern hält Männer an der Macht, sagt die Geschlechterforscherin und feministische Aktivistin Franziska Schutzbach.

annabelle: Franziska Schutzbach, die Mutter-Tochter-Beziehung wird meist als Problemzone betrachtet. Warum?

Franziska Schutzbach: Dafür gibt es verschiedenste Erklärungen. Eine lautet, dass Töchter den traditionell niederen Status der Mutter ablehnen. Mutterschaft geniesst in unserer an Männern ausgerichteten Gesellschaft nach wie vor wenig Prestige. Sie wird ins Private verdrängt, ist unsichtbar, wird aber gleichzeitig als aufopferungsvoll und selbstlos idealisiert. Das ist ein schwieriges Rollenmodell. Töchter orientieren sich deshalb eher am Vater. Der verspricht Welt, Abenteuer und Einfluss.

Quelle: annabelle

Anmerkung Mark Smith: Meine „Lieblingsfeministin“ aus der Schweiz, Franziska Schutzbach, an der ich mich bereits x-fach abgearbeitet habe, durfte wieder ein Interview in einer Frauenzeitschrift geben. Also nix Neues im Universum: Frau unterdrückt, Opfer und noch einmal Opfer und diskriminiert und unter den Scheffel gestellt. Ich bewundere Franziska Schutzbach dafür, dass sie nicht längst in Depressionen versunken ist, vor so viel Leid, Unterdrückung und Diskriminierung der Frauen in der Schweiz.


  • „Die Krise der Männer geht gerade erst los“

Christoph May macht Workshops, in denen Männer sich kritisch mit ihrer Männlichkeit auseinandersetzen

In seiner Doktorarbeit analysiert er Graffiti und Männlichkeit. Mit seinem Wissen nur an der Universität zu bleiben, reicht Christoph May aber nicht. Durch Vorträge und Workshops will er Männer dazu bringen, sich mit ihrer Männlichkeit zu beschäftigen. Sie sollen sich miteinander vernetzen – und ihren Platz im Feminismus finden.

Quelle: Mensstudies

Anmerkung Mark Smith: Was soll man zu Christoph May sagen? Noam Chomsky schrieb einmal: „Bei Dingen wie Marxismus und Freudianismus handelt es sich um irrationale Kulte, um Theologie; und ich persönlich halte von Theologie gar nichts. Der Marxismus (und nicht nur er) gehört zur Geschichte der institutionalisierten Religion.“ (Chomsky: 2004) Ich vermute, bei Christohp May geht es in eine ähnliche Richtung.


  • Macron, Kakao, die „silly Left“ und die Eidechsen – Ergänzungen und Leserfeedback zu unserem Artikel über die Verblödung des linksliberalen Establishments

Wie kaum anders zu erwarten, hat unser scharfer Kommentar zu den Äußerungen der beiden „linksliberalen“ Publizisten Misik und Cohn-Bendit in der taz eine Menge Staub aufgewirbelt. Von unseren Lesern gab es – bis auf ganz wenige Ausnahmen – durchweg positives Feedback, während vor allem in einigen SPD-Echokammern in den sozialen Netzwerken Gift und Galle gespuckt wurde. Es scheint fast so, als suche man dort nur nach einem Vorwand, progressiven Kräften eine Wahlempfehlung für einen neoliberalen Kandidaten abzuringen. Die moralische Keule, die man dafür bemüht, ist an Absurdität kaum zu überbieten und reicht vom Vorwurf, eigentlich ja selbst Nationalismus und Rassismus zu bevorzugen, bis hin zum denkwürdigen Satz, man müsse Macron wählen, um ein neues Auschwitz zu verhindern. Zum Glück zeigen sich unsere Leser von derlei durchsichtigen Tricksereien nicht sonderlich beeinflusst.

Quelle: NachDenkSeiten


  • Der Fall Weidel – Anzeige ist raus!

Die AfD will einen Satiriker wegen Beleidigung anzeigen. Die politische Debatte wird zunehmend von Dünnhäutigkeit und Opferdenken bestimmt.

Der Moderator Christian Ehring hat in der NDR-Satiresendung Extra3 in einem Beitrag über politische Korrektheit die AfD-Spitzenpolitikerin Alice Weidel als „Nazi-Schlampe“ bezeichnet. Daraufhin kündigt der Pressesprecher der Alternative für Deutschland, Christian Lüth, via Twitter an, gegen den Beitrag juristisch vorgehen zu wollen. Er sei „beleidigend und verleumderisch“. „Das wird teuer für diesen #GEZ- Primitivling“, drohte er selbst mit wenig freundlicher Wortwahl in einem Tweet und vergaß natürlich auch nicht, einen Wahlappell an den hiesigen Wutbürger nachzuschieben: „#AfD wählen!“.

Quelle: novo-argumente


  • Nicht gecheckt

Antirassismus Unter dem Begriff „Critical Whiteness“ hat sich eine neue Art von Blockwartdenken etabliert, und das zum Schaden aller.

Neulich in New York, Eröffnung einer Kunstausstellung bei der Whitney-Biennale: Vor einem der Bilder stehen Menschen, um zu verhindern, dass es angeschaut werden kann. Es handelt sich um ein Gemälde der Künstlerin Dana Schutz. Sie hatte eine berühmte Fotografie aufgegriffen und verarbeitet – eine Aufnahme des 1955 gelynchten Jungen Emmett Till. Das Problem: Schutz ist weiß, Till war schwarz. Der Eklat folgte auf dem Fuß, und er war gewaltig. Die Künstlerin sah sich mit Vorwürfen überzogen, sie eigne sich die Leidensgeschichte der Schwarzen an und münze diese in Kommerz um. Die Künstlerinnen Hannah Black und Rafia Santana forderten die Zerstörung, gar die Verbrennung des Bildes. Aktivistinnen und Aktivisten machen sich für die Vernichtung von Kunst stark. Wie bitte?

Quelle: Freitag


  • Warum ich als Feministin kein Verbot von Sexarbeit fordere

Nicht die Prostitution ist Schuld am Sexismus sondern der Sexismus an der Verachtung der Prostituierten und an der Gewalt, an der auch der Staat immer noch beteiligt ist.

Ich finde es immer wieder beeindruckend – nein: schmerzhaft – die Angriffe gegen Sexarbeit zu beobachten: Mal kommen sie von besorgten Bürgern, mal von der Polizei, mal von Feministinnen. Schmerzhaft sind solche Debatten angeblich auch für eine Community-Autorin, die in diesem Jahr auf EDITION F schon zweimal ihren Unmut gegenüber der Arbeit mit dem Sex geäußert hat (Anm. der Redaktion: die Autorin hat den Text mittlerweile gelöscht). Es sei „quälend“, wenn wir uns über feministische Pornos oder die Anerkennung von Prostitution unterhielten. Besser wäre es doch, diese Debatten würden „effizient“ geführt, meint sie. Effizient? – Sollen wir demnächst auch die Prostitutionsdebatte nach unternehmerischer Logik mit Moderationskarten und schicken Power-Point Präsentation gestalten, aus der am Ende angeblich alle glücklich rausgehen, aber dennoch immer jemand draufzahlen muss? Es bleibt unklar.

Quelle: Edition f

Anmerkung Mark Smith: Nun, wenn es um das Für und Wider von Prostitution geht, kann ich vor allem Dona Carmen empfehlen.


  • Unser linksliberales Establishment verblödet zusehends

Wenn Frankreich am Sonntag seinen neuen Präsidenten wählt, so haben die Wähler die Wahl zwischen Pest und … stopp! Hätte ich diesen Satz ausgeschrieben, wäre ich für den linksliberalen Publizisten Robert Misik bereits ein „unterschlauer“ Teil der „dummen Linken“. Misik weiß zwar nicht, was an Macron nun löblich sein soll – aber keine Wahlempfehlung für den Kandidaten der extremen Mitte zu geben, sei für ihn eine „kriminelle Dummheit“. Ganz ähnlich argumentiert – ebenfalls via taz – sein Bruder im salonlinken Geiste: Neoliberalismus hin, Austeritätswahnsinn her – für Daniel Cohn-Bendit liegt der „eigentliche Skandal“ der Wahlen in Frankreich darin, dass die politische Linke sich weigert, eine klare Wahlempfehlung für Macron auszugeben. Man mag da nur noch mit dem Kopf schütteln. Deutschland, wo sind nur Deine Intellektuellen geblieben?

Quelle: NachDenkSeiten

Anmerkung Mark Smith: Schöner Artikel von Jens Berger von den NachDenkSeiten, der dem linksliberalen Establishment mal wieder einen Tritt in den Arsch gibt!


  • Nancy Fraser über Populismus. „Eine neue, linke Erzählung bieten“

Die Politikwissenschaftlerin und Feministin Nancy Fraser über Identitätspolitik, soziale Gerechtigkeit und neue linke Anti-Trump-Koalitionen.

taz: Frau Fraser, was hat die Linke falsch gemacht? Hat sie sich zu sehr auf Emanzipationspolitik konzentriert und zu wenig auf die soziale Frage, „zu viel Rosa, zu wenig Rot“, wie es aus Teilen der Linkspartei hieß?

Nancy Fraser: Ja und nein. Das Problem ist nicht der Kampf für Feminismus, LGBTQ-Rechte und gegen Rassismus, sondern die Trennung dieses Kampfs vom Kampf für soziale Gerechtigkeit.

Sie nennen das „progressiven Neoliberalismus“ . . .

Genau. In den Vereinigten Staaten verbinden sich seit etwa drei Jahrzehnten die neoliberalen Kräfte mit den progressiven Kräften und ihr Einstehen für Emanzipation und Vielfalt. Diese liehen dem Neoliberalismus ihr progressives Charisma. Für diesen Bund stehen vor allem die Clintons, die die US-Wirtschaft Goldman Sachs überantworteten und die neoliberale Globalisierung rücksichtslos beförderten.

Quelle: TaZ

Anmerkung Mark Smith: Nancy Fraser finde ich gar nicht sooo schlecht, was sie bezüglich des Neoliberalismus erzählt! Nur das mit dem Populismus von rinks sollte sie sich noch ein bisschen überlegen. Wer Populismus predigt, reduziert Politik auf das Märchenerzählen und Kants Aufklärungslosung bleibt auf der Strecke.


  • Vom Aufstieg der Neopaternalisten

Unglücks Schmied sein können. Der Staat kann uns nicht von unserem Unglück bewahren, nur von unserem Glück.

Manchmal kann man ein Problem einfach dadurch lösen, dass man ein Buch liest. Wer unser Problem des allumfassenden Wohlfahrtsstaats lösen will, sollte „Public Opinion“ lesen – ein Buch, das der US-amerikanische Publizist Walter Lippmann schon vor fast hundert Jahren geschrieben hat. Lippmann geht davon aus, dass die Welt zu komplex geworden sei, um sie den ganz normalen Bürgern zu überlassen. Das demokratische Dogma, wonach die Menschen sich ein Bild von der Welt machen, über ihre Meinungen streiten und dann durch Abstimmung zu politischen Entscheidungen kommen, funktioniere nicht mehr. Deshalb brauche die moderne Massendemokratie Experten, die die Welt verstehen und mit Hilfe der Massenmedien dann die Meinungen der Bürger «kristallisieren». Im Klartext heißt das: Eine moderne Massendemokratie braucht die Propaganda der Wissenden und Wohlmeinenden.

Quelle: novo-argumente

Anmerkung Mark Smith: Norbert Bolz sagt sicherlich viel Richtiges, aber sein Bashing gegen den Sozialstaat geht mir dann doch zu weit.


  • „Regierung und Opposition betreiben eine Politik über die Köpfe der Menschen hinweg“

Hans Herbert von Arnim über die Krise der parlamentarischen Demokratie in Deutschland

In seinem Buch Die Hebel der Macht und wer sie bedient – Parteienherrschaft statt Volkssouveränität zeichnet der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler Hans Herbert von Arnim den Weg der Selbsterosion der Demokratie in Deutschland nach, die in der Gegenwart zu erheblichen Entfremdungsprozessen innerhalb der Bevölkerung führt.

Quelle: Telepolis

Anmerkung Mark Smith: Wichtiges Interview mit dem Wirtschaftswissenschaftler Hans Herbert von Arnim über Postdemokratie, obwohl der Begriff im Interview überhaupt nie zur Sprache kommt.


  • Redebeitrag von Norman Paech für den Ostermarsch Hamburg am April 2017

Ich grüße alle Friedensfreundinnen und Friedensfreunde zum Ostermarsch in Hamburg,

wir leben in grausigen Zeiten. Die Welt wird von Psychopathen und Kriminellen regiert. Sie schlagen um sich, ob gegen fremde Völker oder gegen die eigene Bevölkerung. Sie kümmern sich weder um Moral noch Recht. Sie pochen auf Werte,  die sie permanent mit ihrem Militär vernichten – und sie bekommen auch noch Beifall, wie US-Präsident Trump für seinen sinnlosen Raketen- und Bombenkrieg, oder man duldet die Kriege Erdogans gegen die Kurden und Netanjahus gegen die Palästinenser.

Quelle: Friedenskooperative

Anmerkung Mark Smith: Klasse Rede von Norman Paech über Krieg und Frieden und Geopolitik und die Verlogenheit des Westens.

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12 Comments

  • Moin Mark,
    „Vom Aufstieg der Neopaternalisten

    Unglücks Schmied sein können. Der Staat kann uns nicht von unserem Unglück bewahren, nur von unserem Glück.“

    Da scheint Dir ein kleiner Copy&Paste-Fehler unterlaufen zu sein.

  • „Noam Chomsky schrieb einmal: „Bei Dingen wie Marxismus und Freudianismus handelt es sich um irrationale Kulte, um Theologie; und ich persönlich halte von Theologie gar nichts. Der Marxismus (und nicht nur er) gehört zur Geschichte der institutionalisierten Religion.““

    Noam Chomsky meint mit diesem Zitat allerdings weder das Werk von Karl Marx selbst – dessen Kapitalismusanalyse Noam Chomsky weitgehend zustimmt – noch meint er mit dieser Kritik jede Strömung des Marxismus.

    Noam Chomsky ist in politischer Hinsicht zwar (genau wie ich) schwerpunktmäßig Anhänger des libertären Sozialismus in sozial-anarchistischer Tradition, aber Chomsky ist außerdem auch stark von einer bestimmten Strömung des Marxismus beeinflusst, nämlich vom marxistischen Rätekommunismus und hier insbesondere von den Schriften des marxistisch-rätekommunistischen Theoretikers Anton Pannekoek.

    Der Marxist Anton Pannekoek gehört neben einigen anarchistischen und linksliberalen Theoretikern zu jenen politischen Denkern, die Chomskys politische Weltsicht am stärksten beeinflusst haben, (vgl. hierzu in der Chomsky-Biographie von Robert F. Barsky das Unterkapitel: Chomsky und Pannekoek, in: Robert F. Barsky – Noam Chomsky. Libertärer Querdenker, Edition 8, 1999, S. 66-71).
    Die englische Übersetzung von Anton Pannekoeks Hauptwerk „Arbeiterräte“ enthält übrigens ein Interview mit Noam Chomsky über die Relevanz von Pannekoeks Werk als Einleitung.

    Vor diesem Hintergrund ist es wenig verwunderlich, dass Noam Chomsky sich in anderen Zitaten ausdrücklich positiv auf den Begriff Marxismus bezieht, z.B. in diesem Zitat:

    “Ich persönlich bin der Auffassung, dass die libertär-sozialistischen Konzepte – worunter ich eine ganze Bandbreite des Denkens verstehe, die vom linken Flügel des Marxismus bis zum Anarchismus reicht – im Großen und Ganzen richtig sind und die angemessene und organische Weiterentwicklung des klassischen Liberalismus für die heutige Ära der fortgeschrittenen Industriegesellschaft darstellen.
    Im Gegensatz hierzu scheinen mir die Ideologie des Staatssozialismus, dessen also, was am Ende aus dem Bolschewismus geworden ist, und die Ideologie des (…)Kapitalismus (…) antiquierte und höchst untaugliche Gesellschaftsmodelle zu sein, und meiner Ansicht nach resultiert eine Vielzahl unserer grundlegendsten Probleme aus der Tatsache, dass diese heute vorherrschenden Gesellschaftsformen mit der modernen Industriegesellschaft unvereinbar und für sie ungeeignet sind.“

    (aus: Noam Chomsky, Die Zukunft des Staates, Schwarzerfreitag, 2005, S. 9)

    Wie ist diese widersprüchliche Verwendung des Begriffs Marxismus bei Chomsky zu erklären?

    Nun, die von dir zitierte kritische Verwendung dürfte sich auf den sogenannten Marxismus-Leninismus beziehen, also auf die autoritären staatssozialistischen (bzw. staatskapitalistischen) Varianten des Marxismus, die Chomsky als Anarcho-Syndikalist natürlich mit guten Gründen ablehnt.
    Die positive Verwendung des Begriffs Marxismus bei Chomsky in anderen Zitaten bezieht sich hingegen auf die antiautoritären, direktdemokratischen – also die relativ Anarchismus-nahen – Varianten des Marxismus, für die der marxistische Rätekommunismus ideengeschichtlich wesentlich die Richtung vorgab:

    https://en.wikipedia.org/wiki/Libertarian_Marxism

    Übrigens ist Chomsky auch in religiösen Dingen toleranter als die von dir zitierte Passage vermuten ließe.

    Noam Chomsky:

    „Ein traditioneller anarchistischer Slogan lautet „Ni dieu, ni maitre“ – Kein Herr, kein Gott -, eine Parole, die Daniel Guerin zum Titel seiner lesenswerten Sammlung klassischer anarchistischer Texte wählte. Ich denke, wir sollten die Losung „Kein Gott“ in (Rudolf) Rockers (Theoretiker des Anarcho-Syndikalismus) Sinn interpretieren, nämlich als Ablehnung kirchlicher Bevormundung. Der persönliche Glaube von Menschen ist etwas ganz anderes. Diese Beobachtung lässt die Tür offen für die lebendige und beeindruckende Tradition des christlichen Anarchismus – wie zum Beispiel für die katholische Arbeiterbewegung Dorothy Days und für die vielen großartigen Leistungen der Befreiungstheologie (…)“

    (aus: Noam Chomsky – Was für Lebewesen sind wir?, Suhrkamp, 2016, S. 139)

    Auch die Kritik an der Theologie in der von dir zitierten Textpassage meint also nicht Theologie an sich, sondern bezieht sich auf autoritäre, bevormundende, dogmatische Formen von Theologie, während Chomsky gegen freiheitliche und humanistische Glaubens- und Theologieformen nichts einzuwenden hat.

    Und was den „Freudianismus“ angeht, da ist mir zwar auf Anhieb kein Chomsky-Zitat bekannt, das die Kritik in der von dir zitierte Passage relativiert, dies wäre m.E. aber wünschenswert, denn, wie ich kürzlich schon einmal anmerkte:

    Psychoanalytiker haben m.E. wichtige wissenschaftliche Beiträge unter anderem zur Klinischen Psychologie und zur Entwicklungspsychologie geleistet.
    Des Weiteren gibt es natürlich mehrere psychoanalytische Schulen.
    (Ich persönlich fand übrigens die psychoanalytische Objektbeziehungstheorie und die psychoanalytische Selbstpsychologie stets hilfreich um Menschen besser zu verstehen.)

    Und es waren unter anderem psychoanalytische Entwicklungspsychologen wie Daniel Stern, Martin Dornes und Peter Fonagy, die in ihren Werken der zeitgenössischen Psychoanalyse ein stabiles empirisch-wissenschaftliches Fundament gegeben haben.
    In dem Buch „Psychoanalyse und die Psychopathologie der Entwicklung. Perspectives from Developmental Psychopathology“ haben die Psychoanalytiker Mary Target und Peter Fonagy z.B. mehrere Strömungen der Psychoanalyse im Lichte der empirisch-wissenschaftlichen Forschungsstandes analysiert und versucht herauszuarbeiten, welche Grundannahmen der einbezogenen psychoanalytischen Strömungen sich im Lichte der empirischen Forschung bewährt haben und welche nicht.

    So wichtig die sprachwissenschaftlichen und kognitionspsychologischen Forschungen von Noam Chomsky für ein Verständnis des menschliches Geistes auch sind – zu den vielfältigen Forschungsergebnissen und Theorien, die einbezogen und auf ihre Teilwahrheiten hin überprüft werden müssen, um der Natur des Menschen – von deren Existenz Chomsky ausdrücklich ausgeht – wissenschaftlich näherzukommen, gehört auch die Psychoanalyse bzw. der „Freudianismus“.

  • @Leszek

    Ich verstehe und verwende das Zitat von Chomsky explizit in dem Sinne, wenn Du schreibst:

    „Auch die Kritik an der Theologie in der von dir zitierten Textpassage meint also nicht Theologie an sich, sondern bezieht sich auf autoritäre, bevormundende, dogmatische Formen von Theologie, während Chomsky gegen freiheitliche und humanistische Glaubens- und Theologieformen nichts einzuwenden hat.“

    Ich würde es jedoch noch ein bisschen ausweiten: Mit Theologie meint m.E. Chomsky auch, dass quasi Theorien und Ideologien subjektkonstituierend sind, diese Leute quasi ein libidinöses (identitätbildendes) Verhältnis mit den Theorien und Ideologien eingehen. Deshalb dürfte es den Linken ab und auch so schwer fallen, Unrecht, das auf linker Seite geschieht, überhaupt wahrzunehmen, weil es das eigene Selbst oder die eigene Identität angreifen würde.

  • Ich finde diese Zusammenstellung sehr gut. ich hatte ja selbst einmal eine ganze Weile Monatsrückblicke geschrieben – und das waren immer die Texte, die mit großem Abstand die meiste Arbeit machten. Daher hab ich es auch irgendwann einfach nicht mehr hinbekommen, sie weiter zu führen.

    Als Überblick und als Hinweis auf interessante Texte finde ich solch einen Rückblick aber sehr gut. Der text hier ist ja auch gleich bei Ales Evolution aufgenommen worden, und Christian hat einen Artikel geschrieben zu Schutzbachs Interview, also über die bedrückenden Probleme von Frauen in der Schweiz und über die patriarchale Knechtung des Märchens. Ich hab selbst bei Alles Evolution einen Kommentar dazu veröffentlicht und kopiere ihn hierher – einfach auch, um zu zeigen, dass so ein Artikel wie dieser hier Kreise zieht.

    „Schutzbachs Interview ist ein schönes Beispiel dafür, wie unendlich Themen verarmen können, wenn sie stur durch den Fleischwolf der Geschlechterpolitik gedreht werden. Das gilt allerdings auch für manche Reaktionen von Männern: Da habe ich auch manchmal den Eindruck, dass jeder nur denkbare Trigger immer dieselben allgemeinen Ausformulierungen einer enormen Bitterkeit gegenüber Frauen auslöst.

    Natürlich ist es albern, den Wolf stur als Sinnbild des Patriarchats zu lesen. Die Logik ist aber klar: Der Wolf ist böse. – Das Patriarchat ist böse. – Also muss der Wolf das Patriarchat sein.,.

    Schutzbachs Behauptung ist auch falsch, dass Rotkäppchen einfach nur lernen würde, wie schlimm es sei, nicht auf die Mutter zu hören. Zugleich ist es eben auch das genaue Gegenteil: Würde Rotkäppchen auf die Mutter hören, würde nie etwas Spannendes passieren, und es gäbe keine Geschichte. Das ist durchaus eine heimliche Botschaft vieler Märchen: Wer immer nur tut, was die Eltern sagen, entwickelt sich nicht weiter (Hänsel und Gretel, z.B. würden sogar sterben…)

    Auch die Großmutter lässt sich nicht in Schutzbachs sauber geordnete Weltsicht einbauen. Immerhin wird sie ja nicht einfach vom Wolf gefressen – die Person, die Rotkäppchen für die Großmutter hält, entpuppt sich gar als Wolf. Das ist eine gar nicht so seltene Konstellation in Märchen: Die Erwachsenen, auf die Kinder mit ihrer ganzen Existenz eigentlich angewiesen sind, agieren plötzlich destruktiv, grausam, erscheinen vielleicht auch wie verwandelt.

    Auffällig ist ja insbesondere die erstaunliche Häufung böser Stiefmütter im Märchen. Die hatte natürlich reale Hintergründe (den Tod der leiblichen Mutter im Kindbettfieber), schützt aber auch das Bild der Mutter, das gerade im Zeitalter der Romantik – der Zeit der großen Märchensammlungen – idealisiert wurde. In Grimms Märchen z.B. wurden in späteren Auflagen leibliche Mütter ins Stiefmütter verwandelt. http://www.maerchenatlas.de/miszellaneen/marchenfiguren/die-stiefmutter-im-maerchen/

    Mit einem solchen Reichtum an Ambivalenzen aber kann Schutzbach in ihrer sturen Gut-Böse-Welt überhaupt nichts anfangen. Mehr noch: Bei ihr kommen Frauen als selbstständige Akteure eigentlich gar nicht vor. Auch wenn Frauen sich destruktiv oder verletzend verhalten, liegt das lediglich daran, dass die Strukturen des Patriarchats sie irgendwie dahin treiben.

    Wüsste ich es nicht besser, dann würd ich davon ausgehen, dass Schutzbach eine Antifeministin ist (denn im Feminismus geht es doch um die Emanzipation von Frauen aus der Vormundschaft der Männer, nicht um die Reproduktion von Unmündigkeit, oder?).“

    https://allesevolution.wordpress.com/2017/05/09/18236/

    • Lucas Schoppe schrieb:

      „Ich finde diese Zusammenstellung sehr gut.“

      (…)

      „Als Überblick und als Hinweis auf interessante Texte finde ich solch einen Rückblick (…) sehr gut.“

      Dem kann ich mich nur anschließen.

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