Geschlechterpolitik Väter

„Mehr Vater wagen“ – Ein Gruß zum Gender-Kongress

Zeigt das Logo des Genderkongresses
geschrieben von: Lucas Schoppe

Ein halbes Jahrhundert nach Willy Brandts legendärer Aufforderung an uns alle, ‚mehr Demokratie zu wagen’, würde er uns heute vermutlich dazu auffordern, ‚mehr Vater’ zu wagen.“

Das ist vielleicht ein wenig optimistisch – mit Schröder hatte die SPD „Mehr Demokratie wagen“ bekanntlich ohnehin schon zu „Mehr Volkswagen“ geändert.

Trotzdem ist dieser Satz aus dem Grußwort zum Gender-Kongress, der an diesem Wochenende in Nürnberg stattfindet, treffend. Jede kleine Verbesserung für die Situation von Vätern – und auch für die der Kinder – in den vergangenen Jahren war mit Ängsten verbundenmit Warnungenmit sorgevollem KopfschüttelnVäter würden Kinder nur benutzen, um Mütter unter Druck zu setzen – hätten Väter mehr Rechte, würden Kinder in den Streit von Eltern hereingezogen – Mütter würden keine klaren Entscheidungen mehr treffen können – undsoweiter.

Heute werden solche Ängste zum Beispiel artikuliert, wenn es darum geht, Gründe gegen die Einrichtung des Wechselmodells zu finden.

Aber auch der Gender-Kongress selbst hat es mit Ängsten zu tun: von Menschen die beunruhigt sind, wenn Geschlechterpolitik ausnahmsweise nicht allein aus feministischer Perspektive verhandelt wird – oder von Menschen, die meinen, hier würden Männer lediglich ihre Machtpositionen reproduzieren wollen. Die Frage „Welche Machtpositionen denn überhaupt?“ hören sie dann möglicherweise schon gar nicht mehr, weil sie allzu sehr damit beschäftigt sind, den Kopf sorgenvoll zu schütteln und Warnungen zu formulieren.

Natürlich haben auch die Menschen Ängste, die sich in Filterblasen und in politisch homogenen Umfeldern eingerichtet haben. Das Grußwort weiter:

Wer sich nur in den Echokammern seines immer gleichen Meinungsumfeldes aufhält, wird niemals das genießen, was unsere Demokratie ausmacht“.

Tatsächlich ist es für viele zum Glück so selbstverständlich geworden, die demokratische Ordnung richtig zu finden, dass sie gar nicht mehr auf die Idee kommen, andere Menschen könnten Angst davor haben.

Ein offener Dialog, wie er auf diesem Kongress angestrebt wird, ist aber eben nicht nur eine Chance: Wer sich daran gewohnt hat, ohne Widerspruch seine Positionen formulieren zu können – der wird diese Offenheit als Gefahr wahrnehmen, nicht als Chance.

Ich selbst werde nicht bei dem Gender-Kongress sein können, und das bedaure ich sehr. Ich bin an diesem Wochenende ganz am anderen Ende der Republik bei unserem kleinen Sohn. So, wie sie Situation für uns gerade ist, würde ich ihn fünf Wochen nicht mehr sehen, wenn ich die Fahrt zu ihm an diesem Wochenende ausfallen ließe. Das mache ich natürlich nicht – aber dem Motto „Mehr Vater wagen“ bin ich damit ja trotzdem treu.

Ich glaube, dass es nicht nur politisch wichtig ist, einen solchen Kongress zu unterstützen, dem es um offene Debatten und nicht um das häusliche Einrichten in Schützengräben geht. Ich glaube zudem, dass es den Menschen, die dabei sind, selbst gut tut, sich auch einmal persönlich zu begegnen und nicht allein in den virtuellen Räumen des Netzes zu kommunizieren. Auch deshalb wäre ich sehr gern dabei gewesen.

So kann ich nur kurz mein eigenes Grußwort schreiben: Ich wünsche allen, die beim Gender-Kongress in Nürnberg dabei sind, ein schönes, erfolgreiches Wochenende!

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6 Comments

  • „Vorbemerkung: Der Text ist von Lucas Schoppe – wir sind auf einen neuen Server umgezogen und deshalb haben wir noch ein bisschen Anfangsprobleme. 🙂 M.S.“

    Mein erster Eindruck:
    Das tat guuut!
    Okay, subjektiv wirkt der Blog klarer und übersichtlicher, was aber einfach dem ( noch? ) fehlenden Grinterhund geschuldet sein mag. Etwas anderes fällt mir aber viel mehr auf: Das Ding ist sauschnell und …. TADAAA!: Wenn man auf einen Kommentar in der Seitenleiste klickt, wird man direkt und ohne Umschweife dorthin weitergeleitet!
    Und das noch dazu, ohne irgendein Script erlauben zu müssen, noch nicht mal Man-Tau.com selbst!
    Das schafft Komfort, Sicherheit, Handlichkeit und beruhigt das – bei allen sich mit Netzsicherheit Befassenden mindestens unterschwellig vorhandene – Datenschutzgewissen, yeah!

    Na gut, das Archiv könnte ein wenig weniger Platz einnehmen, aber ich vermute mal, das ist quasi schon in Arbeit, right?

    Gute Entscheidung!

    • Moin Fiete!
      Danke für das Feedback!
      Klar, Archiv und so wird dann alles peu à peu gemacht. Aber der Webdesigner hat nun Wochenende und Schoppe und ich sind eher minder begabt, wenn es ums Technische geht! 🙂

  • Eine Bitte: Seht zu, dass Ihr die URLs nicht verändert, denn sonst laufen alle bisherigen Links ins Leere! Wahrscheinlich ist WordPress noch nicht richtig eingestellt, da gibt es eine entsprechende Option.

    • Scheint schon passiert zu sein. Ich sehe gerade, daß sämtliche internen Links im obigen Artikel 404er produzieren ….

      • @Graublau @Fiete

        Ich wollte eigentlich bei der URL für zukünftige Beiträge den Automatismus einstellen, dass das Datum nicht in die URL kommt. Leider geht der Automatismus nicht nur in die Zukunft, sondern auch in die Vergangenheit. Habe es wieder umgestellt und sollte nun ok sein.

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