man tau-Wochenshow

Die man tau-Wochenshow vom 21. Mai 2017

Bild zeigt Frau, die symbolisch (Kunst) menstruiert.
geschrieben von: Mark Smith

Nachfolgend findet Ihr eine Presseschau der letzten Woche und zwar Beiträge, die wir gelesen haben und selbst für lesens- oder überhaupt nicht lesenswert finden und gerade deswegen kommentiert werden sollten.

Auch wenn wir einen Artikel für lesenswert halten, heißt dies selbstverständlich nicht, dass wir allen Aussagen darin zustimmen, und dasselbe Prinzip gilt umgekehrt für diejenigen Artikel, die wir nicht so toll finden: auch dort können Aussagen drin stehen, die wir befürworten. Wenn Sie diese wöchentliche Presseschau für hilfreich halten, dann bitte in den Social-Media-Kanälen teilen oder einfach Bekannten und Freunden weitersagen.

  • Heiko Maas‘ Zensurgesetz: Wenn Anzeige und Verurteilung eins werden

In einer ganzseitigen Verteidigung seines Internet-Zensurgesetzes in der Zeit geht Heiko Maas mit keinem Wort auf den wichtigsten Punkt seiner Kritiker ein: dass letztlich nur Richter entscheiden können, was rechtswidrig ist. Durchgängig tut er so, als sei die Rechtswidrigkeit eines Inhalts dadurch bewiesen, dass jemand sich darüber beschwert. Ausgerechnet der Justizminister missachtet den elementaren Rechtsrundsatz: Bis bewiesen ist, dass eine Straftat vorliegt, und dass die Beschuldigte sie begangen hat, gilt sie als unschuldig.

Quelle: Blog Norbert Häring

Anmerkung Mark Smith: Wenn dieses Gesetz in dieser Form durchkommt, dann Halleluja. Dazu passt auch gut der Artikel auf Tichys Einblick „Claus Kleber, ARD und ZDF als Pflichtplätze bei der Google-Suche“ sowie auf Netzpolitik der Artikel „Behörde Nimmersatt: Geheimdienste ausbauen, ohne dass es jemand merkt“. Wenn es um Zensur, Meinungsfreiheit, Überwachung und im weitesten Sinne um Bürgerrechte geht, herrscht in der gendersensiblen Republik offenbar Dämmerzustand.


  • NRW: SPD-Desaster mit Ansage

Das NRW-Desaster zeigt: Ohne eigenes Profil und ohne eigenes Konzept wird die Sozialdemokratie zum bloßen Mehrheitsbeschaffer für die Konservativen und ist auf Dauer existenziell bedroht.

Was nach der Wahl im Saarland schon klar war, fand gestern in NRW eine eindrucksvolle Bestätigung: Die SPD wird nur noch dafür gebraucht, der CDU eine stabile Regierungsmehrheit zu sichern, wenn die FDP zu schwach ist. Ist, wie jetzt in NRW, die FDP stark genug, wird die SPD zum politischen Fußabstreifer.

Ich frage mich immer, ob die professionellen Jubler, die sich bei jeder Parteiveranstaltung der SPD die Hände wund klatschen und die Martin Schulz mit 100 Prozent zum Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten gewählt haben, auch nur einmal in ihrem Leben ganz kurz darüber nachdenken, was aus dieser Partei geworden ist.

Quelle: Makroskop

Anmerkung Mark Smith: Der Ökonom Heiner Flassbeck wundert sich nicht, dass die SPD im Sinkflug ist, wie zuletzt in NRW. Sie scheint ihm geistig und moralisch enthauptet zu sein, und es fehle vor allem an Wirtschaftskompetenz. Für die kommende Bundestagswahl prognostiziert er ihr  ein Resultat von 23%. Und der Sinkflug könnte ev. noch weiter gehen, wie die Sozialdemokraten in Frankreich und Holland gezeigt haben.


  • Wie der Postmodernismus die Aufklärung abwickelt

Viele „linke“ Akademiker und Aktivisten sind vom Postmodernismus geprägt. Dessen Ablehnung von Wissenschaft, Vernunft und Freiheit ist jedoch alles andere als progressiv.

Der Postmodernismus stellt eine Bedrohung dar. Nicht nur für die liberale Demokratie, sondern für die Moderne selbst. Es mag eine gewagte Behauptung sein, aber im Postmodernismus stecken eine Vielzahl von Ideen und Werten, die über akademische Sphären hinaus in der westlichen Welt eine große kulturelle Wirkung entfaltet haben. Die irrationalen und identitären „Symptome“ des Postmodernismus sind leicht zu erkennen und werden vielfach kritisiert, das ihm zugrundeliegende Ethos wird jedoch häufig verkannt. Das liegt teilweise daran, dass Postmodernisten sich selten klar ausdrücken. Teilweise liegt es auch an der inhärenten Widersprüchlichkeit einer Denkweise, welche die Existenz objektiver Wahrheiten leugnet. Möchten wir dieser Anschauung entgegentreten, ist es wichtig, ihre Grundgedanken zu verstehen. Diese bilden die Basis heutiger Protestkulturen, untergraben die Glaubwürdigkeit der Linken und drohen, uns in eine tribalistische, prä-moderne Ära zurückzuwerfen.

Quelle: novo-argumente

Anmerkung Mark Smith: Ein umfassender Rundumschlag gegen den Postmodernismus und die postmoderne Linke gleichsam als Einführung in diese Thematik. Am besten gefällt mir übrigens folgender Satz: „Der Postmodernismus ist zur Lyotard’schen Meta-Erzählung, zum Foucault’schen System diskursiver Macht und zur Derrida’schen repressiven Hierarchie geworden.“ Ergo: Dem Postmodernismus fehlt es offenbar an der Selbtsreferentialität seines eigenen Denkens.


  • Weinen macht Männer glücklich

In seinem Buch «Boys Don’t Cry» erklärt der britische Journalist Jack Urwin, weshalb Männlichkeit falsch verstanden wird. Und tödlich sein kann.

Kurz vor Jack Urwins 10. Geburtstag: Sein Vater kuriert daheim eine vermeintlich harmlose Erkältung aus. «Wie geht es dir?», fragt Jack. «Besser», antwortet der Vater, geht ins Badezimmer und stirbt an einem Herzinfarkt. Als die Ärzte den 51-Jährigen obduzieren, finden sie Narbengewebe auf seinem Herzen. Er musste bereits früher einen Infarkt gehabt haben. Weder hatte er deshalb einen Arzt konsultiert noch seiner Familie davon erzählt. Erst nach seinem Tod wird die Mutter rezeptfreie Herzmedikamente finden.

Mittlerweile ist Urwin 25 Jahre alt und überzeugt: «Wenn mein Vater gelernt hätte, sich ein wenig mehr zu öffnen, hätte er vielleicht nicht sein Leben lang jede Hilfe ausgeschlagen und wäre womöglich noch unter uns. Er hätte der Welt ein weiteres unnötig ausschweifendes Buch über einen emotional distanzierten Vater ersparen können.»

Quelle: Tages-Anzeiger

Anmerkung Mark Smith: Ein neuer Hype über die neue Männlichkeit von Jack Urwin. Die Hauptbotschaft des Buches ist zwar nicht neu, sie lautet nämlich: Der zentrale Sozialisationsmodus bei den Männern ist die Externalisierung. Also: alter Wein in neuen Schläuchen. Und nun gerade im Feminismus das Heil der neuen Männlichkeit zu sehen, da wäre ich nun wiederum skeptisch bzw. vorsichtig: Männer als Opfer und Frauen als Täterinnen stehen im Feminismus nicht gerade zuoberst auf der Hitliste, sondern das Gegenteil ist der Fall. So reproduziert „der“ Feminismus tradierte Männlichkeit.


  • Kollektivsymbolik marsch! MITTE PUR! Macron und der Wille zum Ruck eines flexiblen Radikalnormalismus

Woher hat Macron die fast dreimal so vielen Stimmen bekommen wie beim ersten Wahlgang? Viele Wählerinnen sagten es ganz offen: Pour faire barrage à Le Pen. Zu deutsch: um Le Pen zu stoppen (oder: abzublocken, aufzuhalten). Fast zwei Drittel derer, die gültig gewählt haben, wollten das. “Und das ist gut so.” Aber gab es keine Alternative zu Macron als Lepenstopper? Es gab eine, und es gab eine andere Stoppaktion: Denn jede Gegenkandidatur gegen Le Pen wäre klar gewählt worden, also auch der “Linkspopulist” Jean-Luc Mélenchon. Aber der Kandidat des PS, Bênoit Hamon, verhinderte das, indem er seine aussichtslose Kandidatur nicht zurückzog. Also: Hamon faisait barrage à Mélenchon (stoppte Mélenchon) im ersten Wahlgang und entschied sich also für Macron als Lepenstopper. Das war der eigentliche Knackpunkt der französischen Präsidentschaftswahlen. Hamon begründete diese Fundamentalstrategie mit der Floskel: Es ist unmoralisch, strategisch zu wählen. Er hat sich damit den Tartuffeorden am Band verdient: Als ob nicht seine Haltung die wichtigste strategische Entscheidung des gesamten Prozesses gewesen wäre. Das vorab, und nun zu Macron.

Quelle: Bangemachen gilt nicht

Anmerkung Mark Smith: Jürgen Link sagt hier etwas sehr wichtiges, was in den Medien kaum thematisiert wurde: Hamon hatte überhaupt nie eine Chance, in den 2. Wahlgang zu gelangen. Hätte dieser jedoch seine Kandidatur zurückgezogen, so wäre Mélenchon ganz sicherlich in die Stichwahl gekommen. Aber Teile der Linken wollten offenbar lieber einen Macron statt einen Mélenchon. Jürgen Link finde ich einen interessante Person: Seit Jahren und Jahrzehnten gibt er die Zeitschrift „kultuRRevolution. Zeitschrift für angewandte Diskurstheorie“ heraus. Zwar ist diese an Foucault und Althusser orientiert, aber nie in den postmodernistischen Sumpf abgedriftet. 🙂


  • Zurück in der Dauerkrise

Der Schulz-Hype hat sich als Luftnummer erwiesen. Die fundamentale Sinnkrise der Sozialdemokraten besteht fort.

Wunden lecken ist angesagt für die Sozialdemokraten. In ihrer „Herzkammer“ Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus bemüht sich die SPD-Führung, das schlechteste Wahlergebnis der Landesgeschichte seit 1947 an wahlkampftaktischen Fehlern und schlechten Personalentscheidungen fest zu machen. Der entzauberte Kanzlerkandidat Martin Schulz soll aus der Schusslinie. Solche personellen Verkürzungen greifen aber viel zu kurz. Die SPD steckt nicht erst seit gestern in einer Krise, die vor allem eine ideelle ist: Der Partei ist ihre Mission abhandengekommen.

Vor einem Jahr stand die SPD in bundesweiten Meinungsumfragen noch bei unter 20 Prozent. Viele Kommentatoren deuteten dies zu Recht nicht als Momentaufnahme, sondern als vorläufigen Tiefpunkt eines lang anhaltenden Niedergangs – letztlich nicht nur der SPD, sondern der gesamten europäischen Sozialdemokratie, die in vielen Ländern mit ganz ähnlichen Problemen zu kämpfen hat.

Quelle: novo-argumente

Anmerkung Mark Smith: Die Diagnose bei novo-argumente lautet für die SPD wie folgt: Ergrünung und Gentrifizierung, Identitätspolitik sowie Paternalismus können eine nachhaltig ökonomische Besserstellung der potenziellen Wählerschaft nicht ersetzen. Dass die SPD eine progressive Kraft ist, die Garant für mehr Wohlstand und eine bessere Zukunft wäre, wird offenbar immer weniger geglaubt.


  • Mit der Macht an einem Tisch

Der Alphajournalismus geht bei den Eliten ein und aus.

Dass Berufsethos verlustig gehen kann, wenn sich Journalisten in vertraulichen Runden mit den Mächtigen treffen, ist eine Binsenweisheit und der klare Gegensatz zur logisch begründeten demokratietheoretischen Erwartung der Öffentlichkeit gegenüber der meinungsbildenden Zunft im Umgang mit sogenannten Eliten. Aber Journalisten werden nicht ohne Grund in diversen Zirkeln und Think Tanks eingebunden. Seitens der Eliten werden klar definierte Agenden verfolgt und durch kognitive Vereinnahmung auserwählter Journalisten dafür gesorgt, dass bestimmte Sichtweisen in die Berichterstattung einsickern, die nichtinvolvierte Kollegen vermeiden würden.

Unter den Organisationen und Veranstaltungen, in denen sowohl Eliten aus Politik und Wirtschaft als auch führende deutsche Journalisten involviert sind, findet sich das Weltwirtschaftsforum (Davos), die Münchner Sicherheitskonferenz, das Bilderberg-Treffen, die Atlantikbrücke und weitere sogenannte Think-Tanks, Stiftungen und/oder Akademien mit eindeutigem Bezug.

Quelle: Rubikon

Anmerkung Mark Smith: Der Artikel liest sich irgendwie auch als eine Einführung in das Buch des Medienwissenschaftlers Uwe Krüger „Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten – eine kritische Netzwerkanalyse“. Wer sich also noch wenig mit Medienkritik auseinandergesetzt hat, für den ist dieser Artikel genau das Richtige.


  • Hoch die Menstruationstasse!

Immer mehr Frauen verzichten während der Periode auf jegliche Hygieneartikel – und halten das für ein feministisches Statement. Ernsthaft?

Seit Frauen ihr Frausein als intellektuelle Herausforderung begreifen, werden immer neue Aspekte der Weiblichkeit in den massenmedialen Fleischwolf geworfen und zu feministischer Wurst verarbeitet: von lesbischer Liebe über Altersarmut bis zur Intimrasur. Nichts ist zu profan, um nicht zum Zeichen feministischer Ermächtigung zu dienen. Und jetzt die Menstruation. «Free bleeding» heisst der Trend aus den USA, auf Deutsch etwa «freies Menstruieren», was zunächst etwa so sexy tönt wie Bier aus dem Wurstkessel. Aber um Unappetitliches aufzu­sexen und der kollektiven Faszination preiszugeben, haben wir Insta­gram erfunden. Dort zeigen sich Yogalehrerinnen in breitbeinigen Posen, die weissen Leggins geschmückt vom roten Stigma ihres Menstruationsbluts. Jesus hätte seine helle Freude gehabt.

Quelle: Tages Anzeiger

Anmerkung Mark Smith: Ich warte nur noch darauf, bis das „freekacking“ bzw. „freie kacken“ kommt. Ich mein, auch das kann als befreiend, emanzipatorisch und antikapitalistisch verkauft werden. Nun, was die Damen vom „freien Menstruieren“ zu Hause machen, ist mir selbstverständlich völlig egal, aber in der Öffentlichkeit? Kann man machen, muss man aber nicht. 🙂


  • Liebe Frau Schwarzer, ich bin kein Opfer

Der Hörsaal ist voll, Frauen und Männern unterschiedlichen Alters. Wir sind anwesend, um uns einen Vortrag von Alice Schwarzer anzuhören, einen Vortrag über Sexualgewalt. Das sollte es ursprünglich nämlich werden.

Wo wir stattdessen gelandet sind? Selbstverständlich bei einer Kopftuchdebatte (man Beachte: nicht Burka!).

Einer Ihrer fünf Weisheiten, die sie uns mit auf den Weg geben möchte: Das Kopftuch sollte komplett aus dem Öffentlichen Dienst verbannt werden. Damit möchte Sie mir ein Recht nehmen, das mir der Rechtsstaat einräumt.

Mit dem Argument, dass wir in die Realität blicken müssen. In Algerien tragen Frauen das Kopftuch nicht aus freiwilligen Motiven, sie werden gezwungen.

Quelle: Huffingtonpost

Anmerkung Mark Smith: Dass sich Serife-Nur Turan nicht in die Opferrolle begeben will, die ihr von Alice Schwarzer aufgedrückt wird, finde ich schon mal eine gute Nachricht.


  • Die weisse Frau als reine Nation

Die Politikwissenschaftlerin Meltem Kulaçatan ärgert sich über die Bringschuld von MuslimInnen, zeigt, wie die sexualisierte Gewalt mal einfach eben aufs Fremde projiziert wird und was in der Debatte nach Köln verpasst wurde.

WOZ: Meltem Kulaçatan, Sie forschen zu Feminismus und Islam. In der öffentlichen Debatte werden diese zwei Begriffe oftmals als miteinander unvereinbar dargestellt. Woher kommt das?

Meltem Kulaçatan: Ich denke, das hat mit der westlichen Tradition des Feminismus zu tun. In dieser Tradition kann Religion nicht als Element der Selbstermächtigung verstanden werden. Dabei kritisieren feministische Theologinnen Macht- und Gewaltstrukturen genauso wie nichtreligiöse oder religionsskeptische Feministinnen. Das wäre die eine Erklärungsebene.

Und die andere?

Die hängt stark mit dem Bild vom Islam in Westeuropa zusammen, das negativ konnotiert und mit sehr vielen Stereotypen besetzt ist. Dazu gehört die Vorstellung, dass der Islam Frauen und Mädchen benachteilige. Das wiederum steht im Widerspruch zur Forderung nach Selbstermächtigung und einer islamisch-feministischen Perspektive.

Quelle: WoZ

Anmerkung Mark Smith: Ich kann hier nicht umfassend darauf eingehen, aber viele Interpretationen von Meltem Kulaçatan finde ich zwar nicht gerade abenteuerlich, wie z.B. die weisse Frau als symbolische Verkörperung der Nation, aber auch nicht unbedingt zwingend. Sodann wird ebenfalls wieder sexuelle Gewalt gegenüber Frauen thematisiert: Laut EU-Studie soll jede 3. Frau seit ihrem 15. Lebensjahr Übergriffe oder sexuelle Gewalt erlebt haben. Man könnte sich mal wieder einmal fragen, weshalb diese EU-Studie bloß nach sexueller Gewalt und Übergriffen gegenüber Mädchen und Frauen fragt bzw. diese erforscht und nicht desgleichen zu Jungen und Männern?! Das interessiert offenbar die EU nicht, wenn Jungs und Männer von Übergriffen und  sexueller Gewalt betroffen sind. Die Problematik der sexuellen Gewalt (Täter) wird dann wieder mal als reines Männerproblem angesehen, obwohl ca. 10% Frauen Täterinnen sind und wenn Jungs Opfer sind, sind es sogar 40% Frauen, die Täterinnen sind. Und auch die Ursachen für sexuelle Gewalt wird wieder einmal monokausal abgehandelt, obwohl dies doch um Einiges komplexer sein dürfte.


  • Petition gegen Sexismus in der Armee

Die Dachverbände der Frauen- und Männerorganisationen fordern Bundesrat und die Armeeführung auf, Sexismus in der Armee endlich ernst zu nehmen und wirksame Massnahmen dagegen zu ergreifen!

Kürzlich sorgte ein Vorfall für Empörung: ein Vorgesetzter fordert eine Gruppe Soldaten bei einer Schiessübung auf, die untreue Freundin zu erschiessen (siehe Video unten). Doch das ist nur die Spitze des Eisberges! Sexismus und sexuelle Gewalt sind in der Armee weit verbreitet. Fast jeder Soldat kennt es aus eigener Erfahrung: abwertende und sexualisierte Sprüche gegen Frauen und gegen Homosexuelle gehören zum Armee-Alltag.

Das darf nicht hingenommen werden. Die Armee ist ein Teil unserer Gesellschaft. Wird Sexismus und sexuelle Gewalt in der Armee geduldet, so fördert dies Fälle von häuslicher Gewalt und Sexismus auch im Zivilleben.

Quelle: männer.ch

Anmerkung Mark Smith: Fällt gewissen Leuten eigentlich nicht auf, wie verschroben diese Argumentation ist? Bei diesem Beispiel wird also Sexismus moniert. Was wäre denn gewesen, wenn es geheißen hätte, man solle auf den Mann schießen, der Sex mit der untreuen Frau gehabt hat? Dann wäre offenbar alles in Ordnung gewesen, weil offenbar kein Sexismus vorhanden ist? Das Problem ist doch hier nicht irgendwelcher Sexismus, sondern das Problem ist, dass quasi zu Mord bzw. Totschlag oder schwerer Körperverletzung aufgefordert wurde, obwohl überhaupt keine Notwehrsituation vorhanden ist. Sexismus ist dementsprechend die Feststellung, dass hier die Problematik Sexismus sein soll, zumal auf einen Mann schießen, ohne dass eine Notwehrsituation vorhanden ist, offenbar zu keinem Aufschrei führen würde.


  • „Gute Pornos machen glücklich“

Feministische Pornos

Erika Lust im Gespräch mit Katja Bigalke

„Ich möchte Leute sehen, die guten Sex zusammen haben“, sagt die schwedische Filmemacherin Erika Lust über ihre Pornofilme. Als Vorreiterin des feministischen Pornos kritisiert sie, dass viele Sex-Filme „frauenverachtend“ und „rassistisch“ seien.

„Im Prinzip ist Porno ja schlicht ein Medium“, sagt die Filmemacherin Erika Lust. „Ein Massenmedium allerdings, das einen Riesenanteil im Netz ausmacht.“ Daher seien die in Mainstream-Pornografie vermittelten Werte ein Problem. Denn das meiste sei fies und frauenverachtend. „Nicht sehr erotisch. Sogar oft das Gegenteil.“

Deswegen hat sie sich entschieden, andere Pornos zu drehen – und ist damit mittlerweile sehr erfolgreich. Ihr geht es in ihren Filmen darum, Menschen zu zeigen, die miteinander Spaß und guten Sex haben. Daher sei es für sie das Wichtigste, dass die „Chemie“ unter den Darstellern stimme. „Denn dann küssen und berühren sie sich automatisch mehr.“

Quelle: Deutschlandfunk Kultur

Anmerkung Mark Smith: Klar, wie könnte es anders sein: Feministische Pornos sind das Gute und machen ehhh noch glücklich und wer’s glaubt, wird selig. Es würde mich ja interessieren, wie viele Männer, die Pornos schauen, sich die Sachen von Erika Lust reinziehen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass mindestens 70% der Männer nix mit ihren Pornos anfangen können und bei den Frauen dürfte es wohl auch so gegen 50% sein. Klar, die Geschmäcker sind verschieden, aber die sexuellen Phantasien sind nun mal nicht immer politisch korrekt und von daher macht es wenig Sinn, von frauenverachtenden oder rassistischen Pornos zu sprechen, zumal es um erotische Phantasien geht und nicht um Politik. Sonst müsste man ja auch sagen, dass jeder Krimi oder Thriller gewaltverherrlichend ist, zumal es sich meist um Mord und Totschlag handelt.


  • Verhütungs-Gap: Frauen tragen die Verantwortung und die Last

In Beziehungen müssen sich meist Frauen um die Verhütung kümmern. Warum herrscht bei diesem Thema nicht mehr Gleichberechtigung und was bedeutet diese Verantwortung für Frauen? Dazu hat die amerikanische Professorin Katrina Kimport geforscht.

Verhütung = Frauensache?

Derzeit wird viel über die Verhütung mit der Pille diskutiert, insbesondere aufgrund einer im Jahr 2016 erschienen Studie, die den Zuammenhang dieser Verhütungsmethode mit einer Erkrankung an Depressionen beleuchtet. Aber auch andere körperliche Nebenwirkungen und die Belastung, die mit einer täglichen Einnahme einhergehen, sind immer wieder Thema. Und nicht zuletzt, dass mit ihr, wie mit allen anderen gängigen und insbesondere hormonellen Verhütungsmethoden, die Frauen die Hauptverantwortlichen für die Verhütung in heterosexuellen Partnerschaften sind – und sich viele Männer gerne mit ihr aus der Verantwortung in Sachen Verhütung nehmen, auch wenn die Risiken durch eine hormonelle Verhütung auf der Hand liegen. Die Frage ist immer wieder die: Warum interessieren sich Männer nicht mehr für das Thema? Schließlich geht es hierbei nicht nur um Schwangerschaften, sondern auch darum, sich nicht mit Krankheiten zu infizieren.

Quelle: EDITION F

Anmerkung Mark Smith: Liebe Jammerfrauen! Kleiner Tipp, wie ihr die Problematik ganz einfach und ohne fortwährende Jammerei lösen könnt: Einfach keinen Sex, dann habt ihr auch keine Last und keine Verantwortung und keine Bürde etc. Und falls Sex, dann dem Typ einfach sagen, er sei für die Kondome verantwortlich und sonst gebe es keinen Sex. Eh voila, das Problem ist gelöst ohne ellenlange Jammerei, was übrigens extrem unsexy ist.


  • Ein Gespräch mit Mithu Sanyal

Mithu Sanyal zeigt in ihrem Buch „Vergewaltigung“, warum wir zu jahrhundertalten Geschlechterstereotypen neigen, wenn wir über sexualisierte Gewalt sprechen – sie bringt Aufklärung in einen irrationalen Diskurs und denkt über Heilung nach.

Franziska Schutzbach: Mithu Sanyal, in Ihrem Buch ‚Vergewaltigung‘ fragen Sie, ob der Begriff des Opfers immer sinnvoll ist. Warum?

Mithu Sanyal: Ich hinterfrage den Begriff nicht pauschal. Mich interessiert, welche weiteren Begriffe wir brauchen, damit sich Menschen, denen eine Vergewaltigung widerfahren ist, richtig beschrieben fühlen. Aber vor allem geht es mir um die Frage: Wie kann es nach sexualisierter Gewalt zu Heilung kommen? Ich bin vielen, vor allem Frauen, begegnet, die die Bezeichnung Opfer lieber nicht benutzen wollten.

Woran liegt das?

Sie fühlen sich durch die Opferzuschreibungen entmündigt, sie verbinden damit ein Stigma, das sie kaum wieder loswerden: einmal Opfer, immer Opfer. Natascha Kampusch hat das sehr deutlich ausgedrückt, als sie sagte, sie wolle kein Opfer sein, denn sonst „würde mich nachher niemand mehr als normalen Menschen akzeptieren“. Der Opferbegriff hat etwas Umfassendes, dagegen wehren sich viele Frauen, denn sie schaffen ja genau das: Sie leben trotz Vergewaltigung weiter und sind Subjekte. Viele Frauen empfanden sich vielleicht in einer bestimmten Situation als Opfer, als völlig hilflos. Aber das heisst nicht, dass sie sich deshalb auch den Rest ihres Lebens so fühlen.

Quelle: Geschichte der Gegenwart

Anmerkung Mark Smith: Für einmal ein mehr oder weniger gelungenes Interview (differenziert), das meine „Lieblingsfeministin“ Franziska Schutzbach mit Mithu Sanyal über Vergewaltigung geführt hat, und es kommen sogar Männer vor, die auch Opfer von Gewalt sein können.


  • „Unterwirf Dich oder stirb!“

Die Politik stempelt Hartz-IV-Bezieher zu unwürdigen Tätern, die bestraft gehören. So inszeniert sie eine Täter-Opfer-Umkehr und legitimiert es, tausende Existenzen zu vernichten.

»Haben Sie bis zum genannten Termin nicht reagiert oder die geforderten Unterlagen nicht vollständig eingereicht, können die Geldleistungen ganz entzogen werden, bis Sie die Mitwirkung nachgeholt haben.«

Das ist nicht etwa Inhalt einer Mahnung, sondern eines ganz normalen Briefes, das Holger B. von seinem Jobcenter jüngst erhielt. Er soll den Beweis erbringen, dass er kein Bargeldvermögen besitzt und keinen zweiten Nebenjob ausübt. Irgendjemand, den er nicht kennt, hatte ihn beim Amt angeschwärzt. B., der 300 Euro monatlich mit Fahrdiensten im Minijob hinzuverdient, wovon ihm 160 Euro angerechnet werden, fühlt sich hilflos. »Wie ich beweisen soll, dass ich all das nicht habe, ist mir schleierhaft.«

Quelle: Rubikon

Anmerkung Mark Smith: M.E. eine unwürdige Praxis, wie in Deutschland mit Harz-IV-Bezieher umgegangen wird. Dort wo es angebracht sein mag, kann die Losung von „Fördern und Fordern“ sinnvoll sein, aber das Sanktionsregime ist einfach entwürdigend und somit eine Sauerei.

RSS
Follow by Email
Google+
https://man-tau.com/2017/05/20/man-tau-wochenshow-4/
PINTEREST
LINKEDIN
Whatsapp
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann verpassen Sie keine Artikel mehr! Drücken sie auf den folgenden Link/Button und geben Sie Ihre Email-Adresse an, um über neue Artikel informiert zu werden.

9 Comments

  • männer.ch:“Sexistische Sprache, Drohungen und Gewaltaufrufe haben in der Schweizer Armee nichts zu suchen.“

    männer.ch mal wieder. Gewaltaufrufe haben in der Schweizer Armee nichts zu suchen? Ich dachte immer, dass mir in der Armee beigebracht wurde, wie man im Verband tötet. Was denken sich diese Schwachmaten eigentlich? Vulgäre sexistische Sprache ist eine logische Folge der Dehumanisierung des Soldaten in der Armee. männer.ch ist und bleibt ein Witzfigurenverein, dessen vorrangiges Ziel die Anbiederung an den institutionalisierten Feminismus ist, deren Agenda eins zu eins zu übernehmen und das als Engagement für Männeranliegen zu behaupten. Ich warte immer noch, dass diese Witzfiguren mal einen eigenen Gedanken entwickeln.

  • @ Mark

    Am islamischen Kopftuch gibt es nichts zu verteidigen. Die feministische Kritik an islamischem Kopftuch und islamischer Verschleierung ist berechtigt.

    Zu kritisieren sind bei diesem Thema m.E. hingegen jene politisch korrekten Gender/Queer-Feministinnen, die Kopftuch und Verschleierung schönreden. Ich persönlich nehme keine Feministin in ihrem Anspruch Frauenrechtlerin zu sein ernst, wenn sie islamisches Kopftuch und islamische Verschleierung bejaht und schönredet.

    Ein paar lesenswerte Texte zum Thema Kopftuch/Verschleierung gibt es übrigens hier:

    https://de.gatestoneinstitute.org/7919/frauen-verschleiern

    http://www.kritiknetz.de/images/stories/texte/Plaedoyer_fuer_die_kopftuchfreie_Schule.pdf

    http://www.glasnost.de/autoren/krauss/kpst.html

    Es versteht sich von selbst, dass bei der Beurteilung von islamischem Kopftuch/islamischer Verschleierung der objektive Bedeutungsgehalt und die objektiven Auswirkungen relevant sind und nicht das, was individuelle Kopftuchträgerinnen subjektiv dazu erzählen.

    Ich hatte z.B. (u.a. während meines Studiums) hin und wieder Kontakt zu Muslimas mit Kopftuch, manchmal habe ich, wenn das gewünscht war, beim Lernen geholfen, Hausarbeiten korrigiert usw, auf persönlicher Ebene haben wir uns stets gut verstanden.

    Wenn das Gespräch zufällig auf das Thema Kopftuch kam, wurde seitens meiner Gesprächspartnerinnen natürlich alle möglichen subjektivistischen Gründe für das Tragen des Kopftuchs zurechtrationalisiert. Das ist nicht anders zu erwarten, da sie nunmal entsprechend erzogen und sozialisiert wurden. Subjektivistische Rationalisierungen sind aber für eine sachliche Beurteilung irrelevant, für eine solche zählt nur der objektive Bedeutungsgehalt einer Sache und politisch korrektes Definitionsmacht-Denken hat hier nichts zu suchen.

    Der Fehler jener Feministinnen, die die Diskriminierung von Frauen im orthodoxen und islamistischen Scharia-Islam kritisieren, liegt nicht darin, dass sie auf die Nachteile der traditionellen weiblichen Geschlechterrolle im orthodoxen und islamistischen Scharia-Islam hinweisen.
    Frauen werden im Scharia-Islam – und der Scharia-Islam ist der Mainstream-Islam – objektiv diskriminiert und das Kopftuch ist objektiv das Symbol für die traditionell-islamische weibliche Geschlechterrolle mit allen dazugehörigen Nachteilen, (ebenso wie das Kopftuch außerdem das zentrale Symbol des orthodoxen und islamistischen Scharia-Islams als totalitärer politischer Ideologien ist).

    Der Fehler jener Feministinnen, die – zu Recht – die Diskriminierung von Frauen im Islam kritisieren, liegt darin, das Geschlechterverhältnis – klassisch radikalfeministisch – einseitig als Unterdrückungsverhältnis zu konzeptualisieren, bei dem Frauen von Männern unterdrückt werden anstatt

    1. analytisch herauszuarbeiten, dass auch Männer Nachteile durch die traditionelle islamische Geschlechterrolle haben, also deutlich zu machen, dass Frauen UND Männer durch die archaischen traditionellen islamischen Geschlechterrollen unterdrückt und diskriminiert werden

    sowie

    2. die zentrale Rolle konservativer islamischer Frauen für die Weitergabe der autoritären traditionellen islamischen Normen und Werte durch ihre wichtige Rolle in der Erziehung ausreichend zu berücksichtigen.

    Hier wäre m.E. aus männerrechtlicher Perspektive anzusetzen, um einen präzisere und ausgewogenere Analyse bereitzustellen, keinesfalls sollte aber m.E. aus einer aufklärerisch-menschenrechtlichen Perspektive die objektive Diskriminierung von Frauen im orthodoxen und islamistischen Islam geleugnet oder das reaktionäre Kopftuch schöngeredet werden.

    Eine ausreichende Berücksichtigung der Nachteile der männlichen traditionell-islamischen Geschlechterrolle sowie der Rolle konservativ-islamischer Frauen bei der Reproduktion vormodern-islamischer Werte, Normen und Geschlechterrollenvorstellungen findet sich leider auch ansonsten im Spektrum der linken und liberalen kritischen Analyse konservativ-islamischer Sozialisation bislang eher selten, (auch bei den oben verlinkten Texten zum Kopftuch ist dies leider nicht gegeben).

    Es gibt allerdings eine Schrift von Necla Kelek, die bereits im Titel deutlich macht, dass nicht nur eine weibliche, sondern auch eine männliche Emanzipation von vormodernen autoritären Werten und Normen im konservativen Islam wichtig ist: „Die verlorenen Söhne: Plädoyer für die Befreiung des türkisch-muslimischen Mannes“.

    Und Zana Ramadani weist in ihrem Buch „Die verschleierte Gefahr: Die Macht der muslimischen Mütter und der Toleranzwahn der Deutschen“ zu Recht darauf hin, dass islamische Frauen keineswegs nur Opfer sind, sondern für die Reproduktion prämoderner islamischer Werte und Normen und das Scheitern der Integration vieler Muslime in westlichen Gesellschaften eine nicht geringe Mitverantwortung tragen.

    Das sind m.E. Schritte in die richtige Richtung, um zu einer ausgewogeneren Analyse bei diesem Thema zu gelangen
    Und in diesem Sinne sollte m.E. auch eine humanistische männerrechtliche Perspektive darum bemüht sein zu einer geschlechtsübergreifenden Analyse zu gelangen, bei der nicht einem bestimmten Geschlecht die Rolle entweder des Opfers oder des Unterdrückers zugewiesen wird, sondern die Anteile an beidem für beide Geschlechter kritisch analysiert werden.

    • Hallo Leszek

      Muss kurz vorausschicken, dass ich mich mit diesem Thema noch nicht wahnsinnig befasst habe.
      Aber bei mir hat das individuelle Selbstbestimmungsrecht einer Person „absoluter“ Vorrang. Selbstverständlich ist das individuelle Selbstbestimmungsrecht nie absolut, sondern es steht mit anderen Rechtsgütern in einem Spannungsverhältnis. Aber wer sagt, dass er z.B. ein Kopftuch freiwillig und gerne trägt, der soll sein Kopftuch tragen dürfen, auch wenn dies „objektiv“ ein Zeichen einer Unterdrückung sein sollte. Nur ist hier der Begriff „objektiv“ schon erklärungsbedürftig. Was genau soll denn objektiv heißen. Bei der Bedeutungszuschreibung wird es nie eine Objektivität geben, sondern man kann höchstens sagen, dass z.B. eine Mehrheit die gleiche Meinung darüber hat oder dasselbe empfindet. Aber Objektivität gibt es hier nicht.
      Wir werden uns hier nicht einig werden, weil ich offenbar dem individuellen Selbstbestimmungsrecht einen höheren Wert zuspreche als Du und ich schlussendlich der Auffassung bin, dass dies eine emanzipatorische Praxis ist, weil es sich gegen jeden Paternalismus bzw. Maternalismus wendet. Deine Einschätzung erachte ich als paternalistisch. 🙂

      • @ Mark

        „Muss kurz vorausschicken, dass ich mich mit diesem Thema noch nicht wahnsinnig befasst habe.“

        Dann kannst du ja jetzt damit anfangen.

        „Aber bei mir hat das individuelle Selbstbestimmungsrecht einer Person „absoluter“ Vorrang.“

        Dann solltest du dabei m.E. aber auch konsequent sein und z.B. auch bei Dingen wie nackt auf die Straße zu gehen oder dem Tragen von Hakenkreuzen auf Kleidungsstücken dem Selbstbestimmungsrecht “absoluten Vorrang“ einräumen. Wenn schon radikal-liberal argumentiert wird, dann bitte auch richtig, sonst ist es nicht schlüssig.

        „Selbstverständlich ist das individuelle Selbstbestimmungsrecht nie absolut, sondern es steht mit anderen Rechtsgütern in einem Spannungsverhältnis.“

        Und schon kommen wir zu dem Problem, dass sich bei manchen Themen unterschiedliche Gewichtungen vornehmen lassen.

        „Nur ist hier der Begriff „objektiv“ schon erklärungsbedürftig. Was genau soll denn objektiv heißen.“

        Objektiv meint hier, die auf Grundlage gegenwärtiger islamisch-theologischer Theorie und Praxis überprüfbarer Bedeutung und Funktion im Gegensatz zu persönlichen, subjektiven Interpretationen.

        „Bei der Bedeutungszuschreibung wird es nie eine Objektivität geben, sondern man kann höchstens sagen, dass z.B. eine Mehrheit die gleiche Meinung darüber hat oder dasselbe empfindet. Aber Objektivität gibt es hier nicht.“

        Natürlich lassen sich objektive Bedeutungsgehalte von Symbolen und Kleidungsstücken im Kontext religiöser Ideologien feststellen und von subjektiven Interpretationen abgrenzen.

        „Wir werden uns hier nicht einig werden, weil ich offenbar dem individuellen Selbstbestimmungsrecht einen höheren Wert zuspreche als Du und ich schlussendlich der Auffassung bin, dass dies eine emanzipatorische Praxis ist, weil es sich gegen jeden Paternalismus bzw. Maternalismus wendet.“

        Bei Symbolen totalitärer Ideologien mag es eine radikal-liberale Praxis sein, aber der Begriff „emanzipatorisch“ ist hier sicher nicht angebracht.

        „Deine Einschätzung erachte ich als paternalistisch.“

        Das ist mir egal. Meine primäre Solidarität gilt denjenigen innerislamischen Opfern islamischer Unterdrückungspraxis, die bewusst unter dieser leiden.
        Und ansonsten vertrete ich die Ansicht, dass die zeitgenössische Linke sich einerseits mit aufklärerisch-menschenrechtlich orientierten linken und liberalen Islam-Kritikern solidarisieren sollte (aber NICHT mit rechten Islam-Kritikern) und andererseits mit dem liberalen Reform-Islam solidarisieren sollte (aber NICHT mit dem orthodoxen und islamistischen Scharia-Islam).

        • Ich habe kein Problem, wenn die Leute nackt auf die Strasse gehen.
          Wie gesagt: Das individuelle Selbstbestimmungsrecht hat bei mir oberste Priorität, aber es steht in einem Spannungsverhältnis zu anderen Rechtsgütern, die ab und zu gewichtiger sein können.

          Was sollen denn objektive Theorien sein, wenn es um Bedeutungszuschreibung geht? Ist das Wort „Streuner“ objektiv eine Persönlichkeitsverletzung oder sogar eine Beschimpfung? Es gibt hier kein objektiv, sondern höchstens, was eine Mehrheit für einen Eindruck darüber hat.
          Aber wie gesagt, wir werden uns hier nicht einig. Ich gewichte das Selbstbestimmungsrecht höher ein als Du und bin schlussendlich der Ansicht, dass dies am ehesten eine Gesellschaft hervor bringt, die dem Kantschen Aufklärungsbegriff nahekommt. Ich kann mich natürlich auch täuschen, aber meine Einschätzung darüber hat sich seit Jahren nicht geändert. 🙂

          • Und wenn das individuelle Selbstbestimmungsrecht missbraucht wird, um kollektivistische Zwangsideen durchzusetzen?

            Das individuelle Selbstbestimmungsrecht setzt doch wohl voraus, dass das Individuum auch in der Lage ist, für sich selber zu entscheiden. Dann müsste man konsequenterweise auch den muslimischen Eltern untersagen, ihren Töchtern beizubringen, dass sie das Kopftuch zu tragen haben, was in der Praxis schwer zu machen sein dürfte. Daher ist es nur konsequent, z.B. das Kopftuch im öffentlichen Bereich (Schule) zu verbieten. Wenn die Mädchen mit 14 religionsmündig sind, können sie sich immer noch anders entscheiden.

      • „Aber wer sagt, dass er z.B. ein Kopftuch freiwillig und gerne trägt, der soll sein Kopftuch tragen dürfen, auch wenn dies „objektiv“ ein Zeichen einer Unterdrückung sein sollte.“

        Das gilt aber nicht in einem Anstellungsverhältnis. Ist es lediglich eine Gewohnheit, das Kopftuch zu tragen, so ist es der Angestellten zuzumuten, sich in ihrer Bekleidung an die Norm zu halten. Von einem Bankangestellten erwartet man Anzug und Krawatte. Diese Eingriffe in die persönliche Freiheit sind üblich. Falls es aber ein Bekenntnis zu einer Religion sein sollte, ist am Arbeitsplatz allgemein und im ÖD im Speziellen Neutralität zu wahren.
        Die Vollverschleierung sollte prinzipiell verboten werden. Es ist ein elementares Recht, jemanden anzusprechen. Durch die Vollverschleierung wird eine Kommunikation wesentlich erschwert und die Person wird zu einem anonymen Irgendwas ohne die Möglichkeit der Wiedererkennung. inakzeptabel.

  • Zum „free kacking“. Das wird doch bereits in der Öffentlichkeit praktiziert.
    Ich schreibe jetzt nicht, von welcher Personengruppe. 🙂
    Ich habe es aber schon live gesehen, in Bregenz in Österreich auf einem Parkplatz.

Leave a Comment