man tau-Wochenshow

Die man tau-Wochenshow vom 28. Mai 2017

Zeigt Mann auf einer Bank mit weit gespreizten Beinen und zwei Frauen links und rechts daneben, die sich klein machen.
geschrieben von: Mark Smith

Nachfolgend findet Ihr eine Presseschau der letzten Woche und zwar Beiträge, die wir gelesen haben und selbst für lesens- oder überhaupt nicht lesenswert finden und gerade deswegen kommentiert werden sollten.

Auch wenn wir einen Artikel für lesenswert halten, heißt dies selbstverständlich nicht, dass wir allen Aussagen darin zustimmen, und dasselbe Prinzip gilt umgekehrt für diejenigen Artikel, die wir nicht so toll finden: auch dort können Aussagen drin stehen, die wir befürworten. Wenn Sie diese wöchentliche Presseschau für hilfreich halten, dann bitte in den Social-Media-Kanälen teilen oder einfach Bekannten und Freunden weitersagen.


  • Wir müssen aufhören, so zu tun, als wäre Manspreading kein Problem

Was breitbeiniges Sitzen in den Öffis mit Männlichkeit zu tun hat und weshalb das alles Teil eines größeren Problems ist.

Manspreading ist ein Ding. Es ist ein Ding, das von vielen gerne als Luxusproblem gesehen wird oder als leere Worthülse, die man – ähnlich wie „Mansplaining“ – hin und wieder fallen lässt, um sich scheinbar grundlos zu empören. Manche sehen das bloße Thematisieren von Manspreading als Zeitvertreib für oberflächliche Feministinnen, denen Themen wie der Gender Pay Gap oder die Altersarmut von Frauen ein bisschen zu anstrengend sind. Aber es ist auch ein Ding, das es tatsächlich gibt, es gibt Erfahrungsberichte von Frauen, die sich dadurch belästigt fühlen und in New York kam es sogar zu Anzeigen wegen Manspreading.

Quelle: Vice

Anmerkung Mark Smith: Die Problematik dürfte ja bloß dann bestehen, wenn im öffentlichen Raum der Platz knapp ist, sonst ist ja nix dagegen zu sagen, wenn man es sich möglichst bequem macht. Und sich auf ein Machtspielchen einzulassen, in dem man symbolisch die Ellbogen ausführt, wie dies die Autorin offenbar versucht hat, scheint mir nun auch nicht gerade die konstruktivste Lösung zu sein. Weshalb nicht freundlich fragen, ob der Platz noch frei ist und in den meisten Fällen wird vermutlich die Person merken, dass sie sich ein bisschen „schmal“ machen sollte.


  • Anschlagsopfer! Und die Kriegsopfer?

Der (Terror-)Anschlag verursacht eine enorme Resonanz. Im Kontrast dazu lösen unschuldige Kriegsopfer wenig Betroffenheit aus.

Zuerst einige Fakten:

Ein in England geborener, sozial und sexuell frustrierter, wahrscheinlich ideologisch verführter und angestifteter Secondo ermordet in Manchester 22 Kinder und Jugendliche und verletzt 59 weitere.

Die SRF-Tagesschau berichtete um 19.30 Uhr insgesamt 13 Minuten lang über diesen (Terror-)Anschlag, mit ausführlichen «Verurteilungen» von Bundesrätin Doris Leuthard, Donald Trump, Angela Merkel und Emmanuel Macron: Alle wollen den «Terror» noch stärker bekämpfen und betonen gleichzeitig, dass solche Anschläge nie ganz verhindert werden können.

Seit Monaten bombardiert in Jemen eine US-gestützte saudische Koalition namentlich die ganze Infrastruktur des Landes wie Wasser- und Stromversorgung, Brücken, Schulen und Spitäler. Tausende von unschuldigen Kindern, Jugendlichen und Familien sind ums Leben gekommen, schwer verletzt oder hungern. Nach Angaben von Dominik Stillhart vom IKRK sind bereits 11’000 Menschen an Cholera erkrankt. Wochenlang haben die SRF-Tagesschau und viele grosse Schweizer Zeitungen über den Krieg in Jemen und die vielen unschuldigen Opfer kaum berichtet. Auch von Leuthard, Trump, Merkel oder Hollande war und ist nichts zu hören.

Quelle: Infosperber

Anmerkung Mark Smith: Das scheint mir schon mal evident zu sein, dass bei unterschiedlichen Opfergruppen unterschiedliche Empörung, Bestürzung und Trauer bekundet wird und diese auch eine unterschiedliche mediale Resonanz erfahren. Abgesehen davon, dass anzunehmen ist, dass man den Terroristen jeglicher Couleur vor allem behilflich ist, wenn ihre Anschläge medial aufgebauscht werden. Auch für Nachahmungstäter dürfte ein Medienspektakel ein gefundenes Fressen sein, zumal sie damit rechnen können, doch noch einmal in ihrem Leben Aufmerksamkeit zu erhalten, auch wenn sie dies nicht mehr selbst erleben werden.


  • Wirtschaftswachstum durch Aufrüstung

Donald Trumps Waffendeal mit Saudiarabien weist den Weg in die militärische Eskalation im Nahen Osten.

Wenn Donald Trump als erstes Reiseziel Saudiarabien wählt und mit den Monarchen am Golf Waffengeschäfte über mehrere hundert Milliarden Dollar abschliesst, dann gibt es kaum noch Zweifel, wohin die Reise geht: Sie geht in Richtung militärischer Eskalation im Nahen und Mittleren Osten. Es wird keine Entspannung geben, sondern mehr Krieg. Krieg in Syrien, im Jemen, im Irak, in Afghanistan. Der Vertrag über US-Waffenlieferungen an die Saudis beläuft sich auf 380 Milliarden Dollar über die nächsten zehn Jahre. Und das heisst, wie Donald Trump lapidar formulierte: «Jobs, Jobs, Jobs.»

Quelle: Infosperber

Anmerkung Mark Smith: Waffengeschäfte der USA mit den Saudis, das bringt natürlich Jobs und vermutlich, wie Scheben richtig anmerkt, weitere Konflikte und Kriege im Nahen und Mittleren Osten mit Beteiligung Saudi-Arabiens. Ich dachte eigentlich, Trumpel wolle rigoros den Terrorismus bekämpfen. Nun macht er mit Saudi-Arabien Waffengeschäfte, mit einem Staat, wie Scheben richtig anmerkt, der die Hauptverantwortung trägt für einen rückwärtsgewandten und intoleranten Islam und vermutlich über private Geldgeber auch den Islamischen Staat mitfinanziert hat.


  • Gasangriff in Syrien: Hat Trump falsch gespielt?

Ex-US-Geheimdienstler sagen: Verantwortlich für die Gift-Freisetzung in Khan Sheikoun waren Assad-Gegner. Washington wusste es..

Am vergangenen 6. April haben die USA zum ersten Mal seit Kriegsausbruch Syrien direkt militärisch angegriffen. Washington hat zwar in Kooperation mit seinen NATO-Verbündeten den Aufstand gegen die Regierung Assad von Beginn an politisch sowie militärisch unterstützt und sich keine grosse Mühe gegeben, dies zu verheimlichen. Am 6. April aber feuerte die US-Armee von einem Zerstörer im Mittelmeer 59 Tomahawk-Raketen auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt. Als Begründung für den völkerrechtswidrigen Erstschlag wurde im Weissen Haus angegeben, man müsse Präsident Assad für seinen Giftgasangriff in Khan Sheikun am 4. April bestrafen. Man habe Beweise für die Verantwortung der Regierung in Damaskus, hiess es. Diese Beweise sind aber bis heute nicht vorgelegt worden.

Quelle: Infosperber

Anmerkung Mark Smith: War die Giftgas-Freisetzung in Khan Sheikoun eine Fals-Flag Aktion von Assad-Gegnern? Warum nicht, könnte sein, um Assad international abzuschiessen. Und für Trumpel eine gute Gelegenheit, mit seinen 59 Tomahawk-Raketen auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt  sich ein bisschen Luft vor den innenpolitischen Problemen zu verschaffen, die er am Halse hat? Warum nicht?

 


  • Dear Barack Obama!

Wir brauchen Sie! Statt dieses Trumpels! Verspätetes Bekenntnis eines Obama-Verstehers.

Glanzlicht beim Evangelischen Kirchentag in Berlin: Barack Obama diskutiert vor dem Brandenburger Tor mit my dear Angela. Wie christlich die Politik von Ex-US-Präsidenten war – ein Obama-Versteher erklärt es uns.

Dear Barack Obama,

thank you for coming to our Evangelischer Kirchentag in Börlin! We need you! Wir brauchen Sie! Wie schön war doch das Leben in unserem geschützten Teil Europas mit Ihnen als Präsident! Sie waren – darf ich das etwas außerhalb unserer Verfassung sagen – Sie waren auch unser Präsident! Ich gestehe: Manchmal haben wir uns ein bisschen über Sie aufgeregt, wegen der Drohnen zum Beispiel. Aber erst jetzt erkennen wir so richtig, was wir an Ihnen hatten, angesichts Ihres ungehobelten Nachfolgers, dieses Trumpels. Wir brauchen wieder das Bild des guten Amerika! Und verzeihen Sie uns, dass einige von uns zwischendurch – ein bisschen – an Ihnen gezweifelt haben!

Quelle: Rubikon

Anmerkung Mark Smith: Mit dem Stilmittel einer Glosse, jedoch ein bisschen überdimensioniert, zerlegt Werner Rügemer den Mann der großen Worte: Barack Obama. Obama, der neben Trumpel das gute Amerika verkörpert, jedoch außer schönen Worten und großer Moral während seiner Präsidentschaft nicht wahnsinnig viel zustande gebracht hat.


  • Grundrechte-Report: Wider ein „Supergrundrecht“ Sicherheit

Es stehe nicht gut um die Bürgerrechte, warnen Autoren des „alternativen Verfassungsschutzberichts 2017“. Die Politik entscheide im Zweifel verstärkt „für die Sicherheit“ und gefährde so die Freiheit, der Kampf für diese müsse neu starten.

Die Bilanz des Grundrechte-Reports 2017, den die Humanistische Union mit sieben anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen am „Tag des Grundgesetzes“ am Dienstag in Karlsruhe vorgestellt hat, fällt wieder einmal negativ aus. „Sicherheit bedeutet Gefahr – jedenfalls für die Grundrechte“, lautet das Fazit der federführenden Vereinigung. Der Leiter des TV-Magazins „Monitor“, Georg Restle, warnte: „In einer Zeit, in der Sicherheit über allem steht, gerät die Freiheit in Gefahr.“ Wie selten zuvor in der Geschichte des Grundgesetzes stünden Grundrechte in diesem Land unter Druck. Meist gelte der Grundsatz: „Im Zweifel für die Sicherheit.

Quelle: heise online

Anmerkung Mark Smith: Die Bürger sind offenbar so auf ihre (Un)sicherheit fokussiert (ob überhaupt real oder nur gefühlt eine Gefahr vorhanden ist, spielt offenbar keine Rolle), dass Bürgerrechte je länger je mehr unter Beschuss geraten.


  • Ein Hoch auf die Demokratie

Das neue Buch des britischen Journalisten Mick Hume bezieht gegen die elitären Gegner der Volksherschafft Stellung.

„Was wollen Sie von mir altem Mann?“ soll Franz von Papen, der Steigbügelhalter Hitlers, gefragt haben, als ihn die Amerikaner 1945 verhaften wollten. Der Sozialdemokrat Kurt Schumacher, der den Großteil der Nazi-Zeit im KZ verbracht hatte, sagte in seiner berühmten Rede vom Mai 1945, dass das Volk den Kopf des Mannes hätte verlangen sollen.

Quelle: novo-argumente

Anmerkung Mark Smith: Ist die ungefilterte Demokratie eine gefährliche Sache? Führt die Diktatur der Mehrheit zu einer Tyrannei und muss deshalb dieser ein vielfältiges System an Kontrolle gegenübergestellt werden? Ist nicht der Brexit und die Wahl Donald Trumps der Beweis dafür, dass das Volk unreife Entscheide fällt? Hume plädiert für die ungefilterte Demokratie und Debatte. Was mir hier ein wenig fehlt, ist der Hinweis, dass sich eine liberale Demokratie nicht in Wahlen und Abstimmungen erschöpft, sondern dass der Rechtsstaat und somit die Menschen-, Minderheiten- und Bürgerrechte konstitutiver Bestandteil dieser sind.


  • Die Welt in Schwarz und Weiß

Die Kriegsberichterstattung seit dem Ende des Kalten Krieges unterteilt die Welt weiterhin in Freund und Feind.

Als Anfang April 2010 bekannt wurde, dass US-Soldaten im Irak 2007 absichtlich zwei Reuters-Journalisten getötet hatten (1), sorgte dies weltweit für Aufregen. Doch stellt die Gefährdung von Kriegsberichterstattern, zumal von der „eigenen“ Seite, tatsächlich etwas Neues in der Geschichte dar?

Ausgehend von den Anfängen kritischer Konfliktberichterstattung wird hier nun zuerst das Konzept des Friedensjournalismus vorgestellt, welches mit der in Leitmedien überwiegend anzutreffenden Realität des Kriegsjournalismus kontrastiert. In umgekehrter chronologischer Reihenfolge werden dann Beispiele aus der westlichen Kriegsberichterstattung über Syrien, dem Irak und dem ehemaligen Jugoslawien dargestellt. Anhand dieser Beispiele aus NATO-Ländern lässt sich die Entwicklung vom „Gemeinmachenden Journalismus“ der 1990er Jahre über den „Embedded Journalism“ des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts hin zum Infotainment verdeutlichen. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass diese Entwicklungen stets durchlässig in dem Sinne waren, dass verschiedene Elemente der einzelnen Konzepte wie z.B. der Anspruch, die Welt zu verbessern, den der Gemeinmachende Journalismus hat, oder die Reduktion von Komplexität, die dem Infotainment inhärent ist, zu verschiedenen Zeiten vorhanden waren und sind. Als Konstante lässt sich für die vergangenen knapp 30 Jahre die Tendenz zu einer dichotomen Interpretation der Realität feststellen, zur Einteilung der Welt in Gut und Böse – was in gewissem Sinne nichts anderes bedeutet als die Fortsetzung der Schwarz-Weiß-Optik aus dem Kalten Krieg unter Anpassung der sich verändernden globalen geopolitischen Situation.

Quelle: Rubikon

Anmerkung Mark Smith: In Konflikten, Krisen und Kriegen geht es primär nicht um Wahrheit und Moral, sondern um Interessen. Das führt dazu, dass vielfach auch die darüber berichtenden Medien Opfer von Manipulationen und Täuschungen sein können. Der Artikel gibt eine gute Einführung in den Friedensjournalismus und dessen Kontext. In den Sozialwissenschaften wird zwar heute nicht mehr vom Friedensjournalismus gesprochen, sondern vom „Konfliktsensitiven Journalismus“.


  • Moderne Familien nur im Kopf

Während in den Hoch-Zeiten des Feminismus Rollenklischees kritisch analysiert und bekämpft wurden, werden Geschlechterdifferenzen heute nicht mehr als Ungleichheiten wahrgenommen, sondern individualisiert. Zu diesen Schlüssen kommen Sozialforscher. Ihre Studien zeigen aber, dass Hausarbeit weibliche Domäne geblieben ist.

Quelle: Deutschlandfunk

Anmerkung Mark Smith: Kurz auf den Punkt gebracht: Normativ ist die Geschlechtergleichheit im private Bereich fest verankert, aber in der Praxis sieht es doch so aus, dass Frauen offenbar 1.6 mal so viel Hausarbeit leisten wie die Männer. Das ist natürlich für die gendersensible Wissenschaft/Forschung und die Politik schröcklich, und es braucht dringend wieder 1000 Aufschreis, um diese Ungleichheitsstrukturen zu skandalisieren. Bloß frage ich mich, was geht es die Wissenschaft und die Politik an, wie sich Menschen ihren privaten Bereich organisieren? Es geht ja nur darum, dass niemand dazu gezwungen wird, und es wird ja niemand dazu gezwungen, mit einem anderen Menschen in einem Haushalt zu leben – alles freiwillig. Aber unser paternalistischer/maternalistischer Nanny-Staat kann es offenbar nicht lassen, den Menschen rein zu reden, wie sich verhalten sollen/müssen, damit diese sich endlich so verhalten, wie es von gewissen Politkern und Wissenschaftlern erwünscht wird. Das Menschenbild dieser Politiker und Wissenschaftler sieht in etwa so aus: Wenn die Menschen nicht das machen, was wir für gut und richtig erachten, dann müssen wir sie halt ein bisschen in die richtige Richtung schupsen, damit sie endlich auf den Trichter kommen.


  • Der Blick auf einen abstrakten Krieg

Im Dokumentarfilm „National Bird“ sprechen drei Whistleblower über das US-Drohnenprogramm und seinem Schrecken, von dem man sonst nichts mitbekommt.

Die Drohne blickt auf eine Wüste. Aus mehreren tausend Metern Höhe zeichnet sie sechs kleine, schwarze Punkte auf, die im Gänsemarsch den kleinen Landschaftsausschnitt durchqueren. Aus dem Off spricht Heather Linebaugh: „There’s at least two possible children.“ Dann verschwindet alles in der schwarzen Wolke einer Explosion. Bevor die schwarze, mit Pixeln durchzogene Rauchsäule den Blick wieder freigibt, endet das Video.

Linebaugh, die für die Air Force am Drohnenprogramm teilnahm, erklärt, was als nächstes passiert. Der Einsatz ist erst beendet, wenn das Ziel bestätigt werden kann. Die Drohne bleibt also in Position, wartet bis der Krater abkühlt und der Rauch abgezogen ist. Dann werden die Ziele identifiziert. Es sind Menschen, die in Stücke gerissen wurden.

Quelle: heise.de

Anmerkung Mark Smith: Zum Terrorismus der USA mittels Drohnen-Krieg desgleichen ein aufschlussreiches Interview mit Noam Chomsky:


  • Ronja: „In meinen Pornos ist der Orgasmus des Mannes nebensächlich“

Ronja hat ihre Journalisten-Karriere für ein völlig neues Business aufgegeben: Fem-Porn. Im Interview mit ze.tt erzählt sie, warum das Thema Porno kein Tabu sein sollte und weshalb der weibliche Orgasmus so wichtig ist.

Ronja heißt nicht wirklich Ronja. Aber ihre Geschichte ist echt.

Vor knapp vier Jahren hing Ronja ihre Journalisten-Karriere an den Nagel. Sie wollte lieber reisen als in einer Redaktion abzuhängen. Aber auch im neuen Traumleben blieben die Probleme nicht aus: Als Ronja im April 2014 in Australien landete, ging ihr das Geld aus, sie hatte bloß noch 300 Euro auf dem Konto.

Quelle: Edition f

Anmerkung Mark Smith: Warum eigentlich immer gerade ins absolute Gegenteil abrutschen: also vom Primat des männlichen Orgasmus zum Primat des weiblichen Orgasmus? Scheint mir ein bisschen eine Krankheit des „modernen“ Feminismus zu sein.


  • Wie zwei Frauen mit Sex ihr Studium finanziert haben

Charlie und Lydia haben als Callgirls gearbeitet, um sich das Studium zu finanzieren. Bis heute sind sie bei dem Job geblieben. Unser Partner ze.tt hat mit den beiden gesprochen.

Das Unileben ist teuer

In Berlin hätte jede*r dritte Studierende kein Problem damit, sich zu prostituieren, um sich das Studium zu finanzieren. In Paris würden 29,2 Prozent ihren Körper gegen Geld hergeben, in Kiew 18,2 Prozent. Das haben Mitarbeiter*innen des Studienkollegs zu Berlin in einer Umfrage vor fünf Jahren herausgefunden.

Quelle: Edition f

Anmerkung Mark Smith: Edition f scheint offenbar pro Prostitution eingestellt zu sein, was man von ihren Lesern und insbesondere Leserinnen nicht behaupten kann, wenn man die Kommentare darunter liest.


  • Das Lärmen der Männer

Viele Männer fühlen sich angegriffen durch den neuen Boom des Feminismus. Dabei haben sie ihm genauso viel zu verdanken wie die Frauen.

Was haben Donald Trump und die Feministinnen gemeinsam? Beiden kann man derzeit nicht ausweichen. Fast täglich erscheinen Artikel zur Frauenbewegung («Spiegel»: «Warum Feminismus heute Teil der Popkultur ist»), Modelabels drucken feministische Logos auf 700-Franken-Pullover («Radical Feminist»), Popstars, Schriftstellerinnen und Models reden in Interviews am liebsten über Frauenrechte. Oder sie rätseln, ob der momentane Hype dem Anliegen schade.

Quelle: TagesAnzeiger

Anmerkung Mark Smith: Hier könnte man natürlich die Frage stellen, weshalb Lärmen gewisse Frauen und Männer, wenn Männer auf ihre Benachteiligungen oder Problemlagen aufmerksam machen?! Ev. hüben und drüben dasselbe Phänomen?


  • Not Your Goy*Toy

Warum ihr nicht wisst, was ein Goy ist, und ich den Begriff wc-Deutsch liebe.

Who is the Goy here?

Als ich nach einem Titel für die Kolumne gesucht habe, war ich ziemlich schnell von „Not Your GoyToy“ begeistert. Als ich den Titel allerdings an meinen Freund*innen ausprobiert habe, war die Reaktion immer sehr verhalten. Die meisten von ihnen hatten keine Ahnung, wer oder was ein Goy ist und was der Titel bedeuten soll. Witzigerweise lag das Unverständnis bei den meisten daran, dass sie genau das sind – Goys. Welch eine Ironie! Und im kleinen Rahmen ist es auch noch mal die Bestätigung für das, was queere Jüd*innen schon lange wissen: dass jüdisches Wissen und jüdische Perspektive kein sichtbarer Teil (queer-)feministischer Communitys ist.

Quelle: Missy Magazine

Anmerkung Mark Smith: Jüdische Feministinnen sind offenbar im weißen und christlichen Feminismus immer noch unsichtbar, was latürlich unverschämt ist. Nein ehrlich, diese ganze Identitätska..e geht mir so was auf den Sack. Was ist eigentlich eine jüdisch feministische Identität? Was ist eine deutsche Identität? Gibt es das überhaupt, eine einheitliche deutsche Identität? Ich bin vom Pass her Schweizer, aber ich weiß nicht, ob ich eine schweizerische Identität habe. Also ich identifiziere mich nicht als Schweizer, so etwas ist mir eher fremd. Bin ich nun identitätslos? Frägen über Frägen.


  • Facebooks intransparente Löschregeln auf einen Blick

Das unternehmenseigene Regelwerk, welche Inhalte warum gelöscht werden und welche nicht, ist auf mehr als 1000 Seiten angewachsen. Das geht aus einem Leak hervor, den der Guardian in Teilen veröffentlicht hat.

„Lasst uns dicke Kinder schlagen“ ist in Ordnung, „Jemand sollte Trump erschießen“ wird gelöscht. Bilder von Tieren, die gequält werden, sind erlaubt. Kommt ein Satz wie „Ich liebe zu sehen, wenn Tiere leiden“ hinzu, dann wird gelöscht. Dies sind nur ein paar Beispiele aus dem Löschkatalog von Facebook. Dem Guardian sind mehr als 1000 Seiten aus Handbüchern und Präsentationen zugespielt worden, aus denen die Löschpraxis des sozialen Netzwerks hervorgeht. Die Berichterstattung darüber ist in einem Dossier mit dem Namen „Facebook Files“ verfügbar.

Quelle: Netzpolitik.org

Anmerkung Mark Smith: Wer sich mit den Löschregeln von Facebook beschäftigen möchte, für den ist dieser Beitrag eine gute Einführung.


  • Die Zukunft des Euro: Emmanuel Macron und die deutsche Krankheit

Der Euro ist instabil, weil sich Löhne und Inflationsraten in den Euroländern ungleich entwickeln, sagt eine neue Studie – und gibt Deutschland die Schuld am Krisenmodus. Zu Recht.

Die Rede war gut fürs Geschichtsbuch. Die Europäische Währungsunion könne nicht fortbestehen, wie sie derzeit verfasst sei, erklärte der Redner im Januar in der Berliner Humboldt-Universität. Darum sei „der Status quo gleichbedeutend mit der Auflösung des Euro binnen zehn Jahren“, mahnte Emmanuel Macron. Doch Deutschlands Regierende hörten lieber weg.

Quelle: Der Tagesspiegel

Anmerkung Mark Smith: Harald Schuhmann spricht hier eine Binsenweisheit aus, die der Ökonom Heiner Flassbeck seit Jahren predigt: Deutschland betreibt Lohndumping auf Kosten der anderen Ländern in der Eurozone (inklusive die Schaffung eines Niedriglohnsektors im eigenen Land), deshalb hat es einen Leistungsbilanzüberschuss von mehr als 200 Mia pro Jahr und exportiert seine Arbeitslosigkeit in die anderen Ländern der Eurozone. Hören wir eigentlich von den Feministinnen je etwas von diesem Missstand, also der Schaffung eines Niedriglohnsektors, sodass die untersten 40% der Lohnbezieher heute weniger haben als vor 20 Jahren? Nööö, natürlich nicht: Sie zelebrieren lieber jedes Jahr den Gender-Pay-Gap und merken überhaupt nicht, dass sie von ihren Parteien, die sich ja lautstark für die Frauen einsetzen, übers Ohr gehauen werden.


  • GROKO à la française

Der französische Präsident hat seine Regierungsmannschaft zusammengestellt. Die Zusammensetzung der Ministerriege lässt einige Rückschlüsse auf den zukünftigen Kurs und das sozialpolitische Profil der neuen Regierung in Paris zu.

Einschränkend muss man allerdings festhalten, dass das Kabinett sich nach der Wahl zur Nationalversammlung (11. und 18. Juni) schon wieder ändern könnte. Dann nämlich, wenn Macron keine Mehrheit der Abgeordneten hinter sich bekommt. Er wäre dann zur Kohabitation gezwungen und müsste neben programmatischen Kompromissen auch personelle Zugeständnisse machen. Das kann so weit gehen, dass er einen Premierminister ernennen muss, der ihm eine Parlamentsmehrheit anderer politischer Couleur diktiert.

Quelle: Makroskop

Anmerkung Mark Smith: Der letzte Satz des Artikels sagt eigentlich schon alles, worum es dem neuen Präsidenten in Frankreich mit seiner neuen Regierungsmannschaft geht: „Hinter dem aufgebrezelten Image von Dynamik und Innovation steckt also alles in  allem doch nur eine uralte Sache: Klassenkampf von oben.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann verpassen Sie keine Artikel mehr! Drücken sie auf den folgenden Link/Button und geben Sie Ihre Email-Adresse an, um über neue Artikel informiert zu werden.

10 Comments

  • Der Einfachheit halber, hier ein Wiederholung dessen, was ich schon bei Geschlechterallerlei zum Thema „Manspreading“ geschrieben habe:

    Ach ja, das gute böse Manspreading mal wieder.

    Das geht ja nun gar nicht! Wo sollen die Damen der Schöpfung dann nur ihre Handtaschen hinstellen? Womenspreading eben, von deren Dogspreading schon mal nicht geredet …

    Vergleiche ich den Anteil der breitbeinig sitzenden Männer, mit denen der, auf dem Sitzplatz, Shopping-Tüten verteilenden Frauen, dann sieht das aber nicht gut aus, für diese illustre Feministinnenwelt.

    Mittlerweile nehme ich darauf keine Rücksicht mehr, sondern setze mich und schiebe das ‚Gerümpel‘ nebst Handtaschen einfach an die Seite (hin zur Besitzerin).

    Meist gucken sie dann schwer empört aber manchmal werden sie dann auch verbal aggressiv: „passen sie doch auf mein Gemüse auf!“

    Dann wird freundlich gegrinst und gefragt, ob sie für solch junges eventuell nicht etwas zu reif sei …

  • betr. Leistungsbilanzüberschuss:

    …wär‘ ja mal interessant zu wissen, wie die Bilanz der USA aussehen würden, wenn Apple, Microsoft, Starbucks et. al. ihre „Einnahmen“ in die USA statt in Off-Shore-Paradiesen fliessen lassen würden.

    Jedoch im Wissen, dass diese Praxis in jeder Industrienation gepflegt wird, schweigen alle anderen…

    • @kardamom

      Das lustige ist u.a. Apple, Dell, Wal-Mart, Nike usw. usf. lassen das Handelsbilanzdefizit der USA mit China dadurch entstehen, die Produkte dort fertigen zu lassen, welche aber in den USA verkauft werden.

      Und umgekehrt beziehen wir dann diese Produkte nicht aus den USA, sondern aus China – obwohl diese Firmen in den USA beheimatet sind.
      Das wiederum trägt zum deutschen Handelsbilanzdefizit mit *China* bei, nicht zum Ausgleich desjenigen mit den USA.

      Um es noch ein wenig komplexer zu machen: Die in Deutschland hergestellten Fahrzeuge von GM und Ford gelten natürlich als *deutsche* Fahrzeuge, dafür sind die BMW aus der X-Serie in Deutschland in der Regel US-Importe aus der US-Produktion von BMW.
      Was – wenn die Nachrichtenlage stimmt – BMW zum größten *US-amerikanischen* AutoEXPORTEUR macht.

      In der Realität ist „Handelsbilanz“ heutzutage also ein echt komplexes Scheißerchen…

      Gruß crumar

  • Ich der Stadt fahre ich mit dem Bus. Es ist üblich und zweckmässig, wenn an der Haltestelle die Leute zuerst aussteigen und die neu einsteigenden Fahrgäste deshalb vor der Türe warten. Ich stelle immer wieder fest, dass es ein grosser Teil des Weibsvolks (monty python / das Leben des Brian) es als ihr gottverdammtes Recht sieht, sich vorzudrängeln, andere abzudrängen und als erste einzusteigen, um sich einen der wenigen freien Plätze anzueignen. Gibt es dazu ein Wort analog zu manspreading? Ich schlage womenjostling vor.

  • „Der (Terror-)Anschlag verursacht eine enorme Resonanz. Im Kontrast dazu lösen unschuldige Kriegsopfer wenig Betroffenheit aus.“
    Hier ist es leider nicht viel anders. Denn…

    „Ein in England geborener, sozial und sexuell frustrierter, wahrscheinlich ideologisch verführter und angestifteter Secondo ermordet in Manchester 22 Kinder und Jugendliche und verletzt 59 weitere.“
    Bei dem Anschlag sind auch Erwachsene, also Frauen und auch Männer getötet und verletzt worden. Die werden aber auch hier unterschlagen und damit eine Wertung von Menschenleben vorgenommen.

    So schrieb auch Arne Hoffmann auf seinem Blog schon:
    „Könntet ihr Clowns endlich mal aufhören so zu tun, als ob solche Taten weniger schlimm wären, wenn es sich bei sämtlichen Toten ausschließlich um Männer handeln würde? Es ist genau diese sexistische Gewichtung von Opfern, die massive Auswirkungen in der internationalen Geschlechterpolitik hat.
    http://genderama.blogspot.de/2017/04/vieles-in-unserer-welt-ist-ganz-schon.html

    Hier ist es zwar kein Sexismus (gegen Jungen und Männer), es wird aber eine Abwertung menschlichen Lebens vorgenommen, sobald Mensch nicht mehr Jugendlicher oder gar Kind ist.
    Menschenleben sind aber gleich viel wert, unabhängig von Alter, Geschlecht und Herkunft. Frauen und Männer als Anschlagsopfer dürfen also ruhig ebenfalls benannt werden.

Leave a Comment

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.