Feminismus Männer

Till Eckert: „wie Männer Feminismus unterstützen können“

Zeigt Frau mit pinker Mütze
geschrieben von: Mark Smith

Der Journalist Till Eckert hat im Online-Magazin ze.tt einen langen Artikel darüber geschrieben, wie Männer den Feminismus unterstützen können. Nix Neues auf der Welt, sondern wieder einmal „alter Wein in neuen Schläuchen“, aber da die Leitmedien zwar Vielfalt bzw. Diversity postulieren, aber sich nicht daran halten, muss immer wieder, quasi als Gegenöffentlichkeit, die Thematik ins richtige Licht gerückt werden.

Feminismus als Speerspitze von etwas sehr viel Größerem

Till Eckert ist ein Mann, wie er selbst von sich sagt, und Journalist bei ze.tt. Bis vor etwas über einem Jahr hatte er keine Ahnung vom modernen Feminismus, zumal er bis dahin in einem schwäbischen Provinznest wohnte und dort geht es bekanntlich, wie wir alle wissen, hinterwäldlerisch zu und her. Als Till dann nach Berlin zog, erlebte er offensichtlich einen regelrechten Kulturschock. Er wurde knallhart mit dem politischen Feminismus konfrontiert, was bei ihm wohl so etwas wie eine Erleuchtung ausgelöst hat, und er mutierte schnurstracks vom Saulus zum Paulus, was seine Einstellung zum Feminismus anbelangt.  Aber lassen wir Till selbst darüber sprechen:

Heute denke ich anders. Es sollte mich kümmern. Es sollte uns alle kümmern. Feminist*innen sind die Speerspitze von etwas sehr viel Größerem, das auch und vor allem uns Männer betrifft – und die Femen-Aktivist*innen sind nur eine sehr extreme Ausprägung davon. Wir sollten endlich versuchen, den Feminismus an sich zu verstehen.

Finde ich immer gut, wenn man etwas ganz genau und an sich verstehen will – also:

Der moderne Feminismus zielt in allererster Linie darauf ab, dass alle Menschen gleichberechtigt auf diesem Planeten leben können. Alle. Das will ich, und das sollte man wollen, wenn man ein moralischer Mensch ist. Abgesehen davon ist das für mich nur logisch: Während ich meine Stimme als Antirassist dagegen erhebe, dass Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert werden, kann ich auf der anderen Seite nicht die Augen davor verschließen, dass 50 Prozent der Weltbevölkerung systematisch kleingehalten wird.

Nun, lieber Till Eckert, ich vermute, dass ebenso der moderne Liberalismus, der moderne Kommunismus und Sozialismus oder beispielsweise der moderne Anarchismus in allererster Linie darauf abzielen, dass sämtliche Menschen auf der Welt gleichberechtigt leben können. Aber politische Ideologien haben es in sich, dass Theorie und Praxis vielfach voneinander abweichen. Und weshalb sollte das ausgerechnet beim Feminismus anders sein? Du sagst, dass 50% der Weltbevölkerung systematisch klein gehalten werde. Natürlich meinst Du damit die Frauen. Aber schauen wir uns diese Aussage ein bisschen genauer an. In den rechtsstaatlich repräsentativ demokratischen Staaten der Welt, also in weiten Teilen Europas, Nordamerikas, Südamerikas, Australiens, Neuseelands, Indiens etc. und teilweise sogar in Afrika, kann doch keine Rede davon sein, dass Frauen systematisch klein gehalten werden. In diesen Staaten sind die Frauen als politischer Souverän, also als Inhaber der Staatsgewalt, nummerisch in der Mehrheit. Frauen können, wenn sie es wollen, mit den vorhandenen demokratischen Mitteln (Wahlen und teilweise Abstimmungen), das Geschehen in Politik, Kultur und Wirtschaft maßgeblich mitbestimmen. Aber auch in Staaten, die keinen Rechtsstaat und keine demokratischen Institutionen besitzen, sind Frauen keineswegs bloß die Unterdrückten und Männer diejenigen, die nicht unterdrückt werden. Viele andere Konfliktlinien spielen doch hier desgleichen eine Rolle. Die zwischen Arbeit und Kapital, Stadt und Land, Zentrum und Peripherie, Kirche und Staat oder unterschiedliche religiöse, ethnische und sonstige Konfliktlinien. Damit will ich außerdem sagen: Teilweise ist Deine Wahrnehmung völlig verzerrt oder zumindest reichlich undifferenziert.

Das männlich geprägte System als Übel aller Übel

Du schreibst weiter:

Daran ist nicht der Mann an sich schuld, das männlich geprägte System ist es. Das hat verschiedene Ursprünge, dazu später mehr. Die Konsequenzen jedenfalls erleben Frauen in meinem Umfeld – nicht alle immer gleich intensiv – heute täglich. Es fängt mit vermeintlichen Kleinigkeiten an, nennen wir es beim Namen: Alltags-Sexismus. Damit, dass wir Frauen grundsätzlich mit anderen Augen sehen als Männer, das Äußere zählt bei ihnen immer etwas mehr als das Innere. Damit, dass wir sie im Alltag verharmlosen, unterschätzen, ihnen öfter ins Wort fallen als den Männern, mit denen wir uns unterhalten.

Wenn wir Frauen grundsätzlich anders sehen als Männer, sehen wir umgekehrt selbstverständlich ebenfalls Männer grundsätzlich anders als Frauen. Nun kann es sein, dass Frauen eher auf ihr Äußeres „reduziert“ werden als Männer und wir sie ev. unterschätzen und ihnen öfters ins Wort gefallen wird im Vergleich zu Männern. Aber Alltagssexismus gibt es doch auch gegen Männer. Wenn wir z.B. den Essay von Christoph Kucklick heranziehen mit dem Titel: „Das verteufelte Geschlecht. Wie wir gelernt haben, alles Männliche zu verachten. Und warum das auch den Frauen schadet“, dann wird doch ersichtlich, dass wir hier nicht einfach eine Einbahnstraße haben, sondern die Gegebenheiten viel verzwickter und komplexer sind.

Du schreibst:

Es geht damit weiter, dass Frauen im Job noch immer nicht die gleichen Chancen haben wie Männer, dass sie krassere Hürden nehmen müssen und dennoch niedriger bezahlt werden und sich in manchen Büros Sprüche über ihr Äußeres drücken lassen müssen: „Hach Süße, lass mal die Erwachsenen ran.“ Dieses Gedankengut gipfelt mitunter in sexueller Nötigung, Ausbeutung und Gewalt – und das häufiger, als vielen Männern bewusst sein dürfte. In lüsternen und respektlosen Kommentaren gegenüber Frauen, ob sie nun gedacht oder ausgesprochen werden. Darin, dass Männer nicht akzeptieren können oder wollen, was ein Nein ist.

Ob Frauen im Job wirklich diskriminiert sind, dazu gibt es unterschiedliche Auffassungen und empirische Studien darüber, die sich widersprechen. Wenn keine Ergebnisgleichheit zwischen Männern und Frauen herrscht, heißt dies selbstverständlich nicht, dass Frauen diskriminiert werden. Die Unterschiede können ebenso auf unterschiedlichen Präferenzen und Entscheidungen von Frauen und Männern beruhen. Frauen wollen vielleicht lieber eine ausgeglichenere Work-Life-Balance haben als Männer oder mehr Zeit mit der Familie verbringen oder ihnen ist ev. Erfolg im Beruf nicht so wichtig etc. Auch beim Gender-Pay-Gap gibt es eine Vielzahl von empirischen Studien, die sich widersprechen und Studien, die davon ausgehen, dass die Unterschiede nicht auf Diskriminierung beruhen. Der Fall ist hier keineswegs so eindeutig, wie vielfach von gewissen Politiker und Politikerinnen oder Medien verlautbart wird. Und auch was die sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz anbelangt, sind Unterschiede zwischen Männern und Frauen, was die potenziell belästigenden Situationen anbelangt, kaum vorhanden.

Du schreibst:

40 Prozent der Frauen in Deutschland haben seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt. Vierzig Prozent. Das ist fast die Hälfte aller deutschen Frauen. Diese Probleme werden von vielen Männern allzu oft abgetan und belächelt.

Auch hier bist Du leider auf einem Auge blind und Du bist wahrlich nicht der Einzige. Ich selbst habe noch kaum jemals erlebt, dass körperliche und/oder sexuelle Gewalt bei Frauen von Männern abgetan oder belächelt wurde. Was ich jedoch erlebe, ist, dass jegliche Gewalt gegenüber Männern kaum thematisiert wird. Wenn wir jedoch ein bisschen die neusten Forschungsergebnisse anschauen, dann ergibt sich folgendes Bild:

Eine Brille für Till Eckert

Du schreibst:

Das alles entschieden abzulehnen ist für mich alternativlos. Alleine schon deshalb, weil ich nicht möchte, dass Menschen in einer Welt heranwachsen, in der solche Dynamiken abgehen. Wem das als Mann beim Lesen dieser Zeilen ähnlich geht, der ist schon auf dem besten Weg dahin, ein Feminist zu werden.

Es könnte ev. sein, dass Dich die Parteinahme für den Feminismus auf einem Auge blind macht. Mir kommen noch ganz andere Problemlagen und Dynamiken in den Sinn, wenn es um Männer geht, wie beispielsweise:

  • Männer sterben im Durchschnitt 4-5 Jahre früher als Frauen;
  • Männer machen 3x häufiger Selbstmord als Frauen;
  • Männer sind öfters obdachlos als Frauen;
  • Männer sind häufiger Alkoholiker als Frauen (ca. 66%);
  • Männer sind häufiger drogenabhängig als Frauen (ca. 66%);
  • Männer sind häufiger spielsüchtig als Frauen (ca. 90%);
  • Männer sind häufiger von Doping und Aufputschmittel abhängig als Frauen (80%);
  • Männer sind um ein Vielfaches vermehrt betroffen von Berufskrankheiten und Arbeitsunfällen als Frauen;
  • es besteht ein massiver Gender Education Gap, also ein geschlechterspezifisches Bildungsgefälle zu Ungunsten der Jungen (insbesondere für gleiche Leistungen werden Jungen schlechter bewertet als Mädchen);
  • Männer werden bei Straftaten härter bestraft als Frauen;
  • Zwangsdienste wie Militärpflicht, Zivildienst und Zivilschutz bestehen nur für Männer;
  • Geschlechtsspezifische Hilfsangebote im medizinischen und psychosozialen Bereich bestehen vor allem für Frauen (Frauenhäuser, Frauengesundheit, Gewaltprävention etc.);
  • was Väterrechte bzw. Väterangelegenheiten anbelangt, sind Männer im Nachteil im Vergleich zu Frauen;
  • usw., usf.

Ich könnte noch viel mehr aufzählen und verweise deshalb auf Manndat: „Was wir wollen“.

Die Frage stellt sich doch: Weshalb zählst Du bloss Problemlagen von Frauen auf und die von Männer lässt Du aussen vor?

Vier Gründe, weshalb Feminismus noch keine Akzeptanz bei Männern hat

Till Eckert sieht jetzt vier zentrale Gründe dafür, weshalb der Feminismus noch nicht die breite Akzeptanz unter Männern gefunden hat, die er eigentlich verdienen würde.

T. E. schreibt:

ERSTENS: DIE BREITE ÖFFENTLICHKEIT IST FALSCH ÜBER DEN FEMINISMUS INFORMIERT

Damit meint der Till Eckert offenbar, dass die Medien immer bloß über spektakuläre, extreme und radikale Aktionen feministischer Akteure berichten würden, die vielfach den Feminismus in ein schlechtes Licht rücken würden. Das kann sicherlich sein, dass die Medien ebenfalls über extreme feministische Aktionen berichten, die der Idee des Feminismus eher abträglich sind. Aber mein Eindruck ist doch eher so, dass insbesondere die Leitmedien in Deutschland sehr wohlwollend und positiv über den Feminismus berichten: Der feministische Diskurs ist in Deutschland in den Medien und in der Politik gewissermaßen hegemonial. Gerade feminismuskritische Statements haben es doch schwer, überhaupt Eingang in die Leitmedien zu finden.

T. E. schreibt:

ZWEITENS: MÄNNER UNTERSCHÄTZEN FEMINISMUS, WEIL SIE NICHT WISSEN, WAS PATRIARCHAT WIRKLICH BEDEUTET

Patriarchat bedeutet dabei für Till Eckert folgendes:

Es bedeutet nicht Männerherrschaft, sondern Väterherrschaft. Es geht nicht darum, dass alle Männer über alle Frauen herrschen, sondern dass einige wenige Männer über alle anderen Frauen und Männer herrschen. Diese wenigen Männer haben das Patriarchat über Jahrhunderte kultiviert, es gängig und zur Norm gemacht, in der wir alle aufwachsen, der wir alle uns fügen, in allem Denken und Tun, im Kindergarten, in der Schule, bei der Arbeit, in der Familie. Als sei es gottgegeben, dass die einen über die anderen bestimmen und dass die, die bestimmen, Männer sind.

Das finde ich interessante Aussagen, bei denen ich gleich ein bisschen nachhaken muss. Es gibt demzufolge ein paar wenige Männer auf der Welt, die das Patriarchat bilden und gewissermaßen sämtliche Macht auf der Welt zu Eigen haben, und demnach die Fähigkeit besitzen, den 7.47 Milliarden Menschen zu befehlen, wie sie sich zu verhalten haben bzw. ihren Willen aufzudrücken. Wie viele Männer sind das denn, die dieses Patriarchat bilden? Folglich, was muss man sich darunter vorstellen? Sind das 10 oder 100 oder 1000? Und könnte er ein paar Namen nennen, wer da namentlich zum exklusiven Kreis gehört? Der bis letztes Jahr politisch mächtigste Mann der Welt, Barack Obama, dürfte vermutlich nicht zu dieser erlauchten Runde gehört haben, dieser verstand sich ja explizit als Feminist. Auch die politisch mächtigste Frau der Welt, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, dürfte nicht Mitglied dieser Runde sein, zumal sie ja eine Frau ist. Und was mich außerdem interessieren würde: Auf welche Art und Weise schaffen es diese Männer, den 7.47 Milliarden Menschen ihren Willen aufzuzwingen? Erfolgt das per Gesetz, Dekret, Einschüchterung, Geld, Gewalt? Kommt dieses Patriarchat einmal pro Jahr zusammen und bespricht, welche Maßnahmen und Strategien anzuwenden sind, um ihre Herrschaft ebenfalls für das nächste Jahr aufrechtzuerhalten? Also Till Eckert, erklär uns das bitte und lass uns nicht dumm sterben! 🙂

T. E. schreibt:

DRITTENS: MÄNNER BLENDEN AUS, DASS AUCH SIE UNTER DIESEM SYSTEM LEIDEN

Zu diesem Punkt schreibt er:

Männer müssen sich genauso wie Frauen in ein Rollenbild fügen, das sie so vielleicht gar nicht für sich wollen. Sie werden von der patriarchischen Gesellschaft geformt. Sie erleben also mehr oder weniger dasselbe wie Frauen, mit der Ausnahme, dass sie eben keiner sexuellen Ausbeutung und Gewalt ausgeliefert sind, zumindest nicht in diesem Ausmaß. Aber viele Männer sehen das nicht oder wollen es nicht sehen. Das würde ja als Schwäche gelten – wer unter diesem Druck leidet und mehr über die Gründe erfahren möchte, dem empfehle ich das Kapitel Verlorene Jungs in Laurie Pennys Buch Unsagbare Dinge.

Dass es gesellschaftliche Normen und Zwänge und somit auch Rollen und Rollenerwartungen gibt, dürfte eine Binsenweisheit sein. Und dass Frauen wie Männer unter diesen Rollenerwartungen und gesellschaftlichen Normen und Zumutungen leiden können, ist ebenfalls nix Neues, was uns der Feminismus erzählt. Anstatt Laurie Pennys Buch zu lesen, würde ich dem Till Eckart doch lieber ein Buch von Lothar Böhnisch empfehlen, wie beispielsweise „Die Entgrenzung der Männlichkeit. Verstörungen und Formierungen des Mannseins im gesellschaftlichen Übergang“.

VIERTENS: DIE WENIGSTEN MÄNNER WOLLEN WAHRHABEN, DASS AUCH SIE SICH SEXISTISCH VERHALTEN

Damit meint Till Eckert folgendes:

Ich habe in der Vergangenheit schlecht über Frauen gesprochen, hinter ihrem Rücken. Ich habe anzügliche Witze über sie gemacht und sie reduziert. Ich habe mich über Frauen mit kurzen Haaren lustig gemacht, ihnen ihre Weiblichkeit abgesprochen. Ich dachte, es verschaffe mir irgendeinen absurden Respekt unter meinen männlichen Freunden, wenn ich über Frauen lästere, nachdem ich mit ihnen in der Kiste war.

(…)

Die bittere Wahrheit ist, ich kenne kaum Männer, die sich noch nie sexistisch über Frauen geäußert haben. Ich bin mir außerdem ziemlich sicher, dass jeder, der das hier liest, das schon einmal auf die ein oder andere Weise unter Freunden getan hat. Für diejenigen, auf die das zutrifft: Das sollte der beste Grund für euch sein, darüber nachzudenken, warum das so ist. Und warum nie jemand von uns auf die Idee kam, das zu unterbinden.

Auch hier kann man sich fragen, ob es in diesem Kontext bloß eine Einbahnstraße gibt, die lautet: dass immer bloß Frauen abgewertet werden. Es gibt doch desgleichen über Männer viele Vorurteile und Klischees (können nicht reden, wollen nur das Eine, sind selbstverliebt, narzisstisch, Egos etc.). Außerdem stellt sich die Frage, ob solche Sprüche immer nur „böse“ gemeint sind: Wer über die Bayern, die Sachsen, die Schwaben oder die Ostfriesen dumme Sprüche macht, muss dies noch lange nicht in einem bösartigen Sinne tätigen, sondern es kann Ironie, Satire, Sarkasmus etc. sein.

Sechs praktische Tipps von Till Eckert an Männer, wie diese den Feminismus voranbringen können

T.E. schreibt in diesem Zusammenhang:

Aber nur selbst beichten und sich verzeihen genügt nicht – wir müssen dafür sorgen, dass andere Männer und Jungen nicht dieselben Fehler begehen. Denn die Leidtragenden in diesem Spiel sind Frauen.

(…)

Werdet sensibler für das Thema Sexismus und Feminismus, hinterfragt eure Denk- und Verhaltensweisen. Ihr müsst nicht sofort auf die Straße stürmen, kleine Schritte tun es auch. Lest etwas darüber, hört nächstes Mal genauer hin, wenn jemand das F-Wort verwendet. Und wenn Frauen künftig sagen, etwas sei sexistisch, glaubt ihnen.

(…)

Unterstützt die Frauen in eurer Umgebung – emotional und körperlich. In der Beziehung kann das bedeuten, dass ihr euch mit eurer Partnerin darüber austauscht, wie Gleichberechtigung für euch beide aussehen kann. Vielleicht übernehmt ihr künftig 50 Prozent der emotionalen Arbeit in der Beziehung und unterstützt euer familiäres Umfeld mehr. Übernehmt mindestens 50 Prozent der Hausarbeit, wenn ihr zusammen wohnt. Beteiligt euch bei der Verhütung. Nicht nur finanziell, sondern begleitet eure Freundin zum Arzt, wenn sie sich das wünscht. Ihr schlaft schließlich miteinander.

Viel besser würde mir gefallen, wenn er schreiben würde: „Werdet sensibler gegenüber allen Stigmatisierungen, Marginalisierungen, Problemlagen etc. aller Menschen und nicht bloß gegenüber Frauen“. Und wenn eine Frau sagt, etwas sei sexistisch, muss dies noch lange kein Sexismus sein. Das Gleiche gilt allemal auch für Männer. Die individuelle subjektive Befindlichkeit kann ja wohl nicht der Maßstab sein, was Abwertung, Stigmatisierung und Diskriminierung anbelangt. Sonst fühlen sich mit der Zeit sämtliche Menschen irgendwie abgewertet, stigmatisiert und diskriminiert, bloß weil die jeweilig eigene subjektive Befindlichkeit der Nabel der Welt sein soll. Es ist außerdem nicht einsehbar, weshalb ausgerechnet die Population der Frauen insgesamt nun vermehrt in den Genuss von emotionaler und körperlicher Unterstützung gelangen soll. Es sollen alle Menschen in den Genuss von Unterstützung kommen, falls individuelle Problemlagen vorhanden sind und sich die Personen nicht selbst helfen können. Sonst macht man eine gesamte Bevölkerungsgruppe zu Hilflosen und Opfern, die nun wirklich als Gesamtpopulation nicht zu den wenigsten Privilegierten in unserer Gesellschaft gehört. In unseren Breitengraden sind das die unteren Klassen, Schichten sowie gewisse Ethnien, Nationalitäten, Flüchtlinge oder dann eben Leute, die arm, arbeitslos, obdachlos, chronisch krank oder behindert sind oder eine chronische Suchterkrankung etc. haben. Außerdem wüsste ich ebenfalls nicht, was es den Till Eckert oder andere Personen oder die Politik angeht, wie sich Personen in ihrem Privatbereich ihre Arbeit aufteilen. Das ist eine paternalistische Politik, die genau das schafft, was sie eigentlich vorgibt, abzuschaffen.

T. E. schreibt:

Gebt Frauen Raum – emotional und körperlich. Achtet darauf, wie viel Raum ihr in eurem Alltag einnehmt und tretet dort kürzer, wo ihr merkt, dass die Frauen in eurer Umgebung zu kurz kommen.

Schreitet ein, wenn ihr Sexismus bemerkt, vor allem im eigenen Umfeld. Wenn ein Kumpel einen sexistischen Spruch ablässt, dann schweigt nicht länger, sondern macht ihn darauf aufmerksam. Eine echte Freundschaft wird das aushalten. Prangert Sexismus künftig laut und offen an.

Behaltet Kommentare über Frauen künftig für euch. Wenn euch eine Frau gefällt, ist das schön und gut, aber es ist keine Einladung, sie das mit einem platten Spruch wissen zu lassen. Dafür gibt es andere Wege. Beurteilt Frauen nicht von oben herab nach ihren Äußerlichkeiten, auch nicht mit Freunden.

Sucht euch weibliche Vorbilder. Wenn ihr euch fragt, welche Vorbilder aus Popkultur, Film oder Musik ihr habt, werdet ihr feststellen, dass die meisten davon männlich sind. Sucht gezielt nach Schauspielerinnen, Musikerinnen und Künstlerinnen, deren Arbeit euch gefällt. Werdet offen für all die inspirierenden Frauen und lernt zu schätzen, was sie auf dieser Welt alles für unsere Gesellschaft leisten. Erzählt in Gesprächen öfter von den Frauen in eurer Umgebung.

Warum sollte ich gleichsam einer Gesamtpopulation Raum geben, wenn diese sich selbst Raum verschaffen kann. Nötig ist dies doch allein bei den Menschen, die sich selbst nicht zu helfen wissen und hiervon sind dann eben nicht bloß die Frauen betroffen, sondern desgleichen die Männer. Ich würde behaupten, dass gewisse Frauen und Männer nix dagegen haben, wenn man ihnen sagt, dass sie reizend aussehen. Die Menschen sind unterschiedlich und auch die Frauen als Population haben unterschiedliche Präferenzen. Dementsprechend: Ich sehe keineswegs ein, weshalb die Tipps sich nur an Männer richten und bloß Frauen in den Genuss dieser Tipps kommen sollen. M.E. haben sich die Tipps an Männer und Frauen zu richten und alle Menschen auf der Welt sollen in den Genuss dieser Tipps kommen.

Und das mit den weiblichen Vorbildern hat zumindest für mich etwas Oberlehrerhaftes oder eben Paternalistisches. Es ist doch jedem Menschen freigestellt, welche Vorbilder er sich aussuchen will oder nicht. Du kannst es ja für Dich so handhaben, aber anderen Menschen quasi vorschreiben, wie sie sich zu verhalten haben, ist schon ein bisschen dünkelhaft.

T. E. schreibt:

Ich bin weiß, männlich und in einem der reichsten Länder des Westens aufgewachsen. Ich genieße damit ein riesiges Privileg, das unfassbar viele Menschen so nicht haben. Ich habe nie mit systematischer Ausgrenzung zu kämpfen gehabt. Ich habe nie die Ohnmacht gespürt, die viele Frauen verspüren müssen, wenn ihnen ungefragt an den Po gegrapscht wird. Ich wurde auch nie wegen meiner Hautfarbe, Herkunft oder Sexualität diskriminiert. Gerade weil ich all das nie durchmachen musste, fühle ich mich als Mensch in der Verantwortung, dass meine Mitmenschen das nie wieder durchmachen müssen. Der moderne Feminismus steht genau dafür ein.

Das ist sicherlich alles edel, was Du schreibst. Aber Du blendest eben viele andere Problemlagen, Stigmatisierungen, Marginalisierungen aus, von denen außerdem Männer betroffen sein können. Du blendest desgleichen die Kategorie Klasse/Schicht/Milieu aus oder Menschen, die körperlich oder psychisch „behindert“ oder chronisch krank sind oder Menschen mit Sucherkrankungen, Arbeitslose, von Armut Betroffene, Obdachlose usw., usf.

T. E. schreibt:

Schreiben wir bei ze.tt über diese Missstände oder überhaupt über Feminismus, wird das als Genderwahnsinn betitelt, meine Kolleginnen werden mit Hass zugekotzt, als Feminazis beschimpft. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Frauen sprechen an, dass Frauen in der Gesellschaft degradiert werden und werden dafür degradiert. Viele Männer fühlen sich tatsächlich dadurch angegriffen, dass Frauen Ungerechtigkeiten nicht länger akzeptieren wollen. Ja, viele Männer fühlen sich schon alleine dadurch angegriffen, dass eine Frau überhaupt ihre Stimme erhebt. Das wiederum kann ich nicht akzeptieren.

Was denkst Du, wenn Frauen und Männer über Problemlagen von Jungs und Männer schreiben, was dann los ist? Dann werden diese Leute als Frauenhasser, Ewiggestrige, Nazis, Rechtsradikale oder was weiß ich verschrien und zwar insbesondere von den Leitmedien und von Akteuren und Organisationen, die sich für Feminismus und Frauenrechte stark machen. Ich verweise einmal auf den Text von Josef Aigner „Die Einäugigkeit der Geschlechterdebatte“.

Fazit

Also Till Eckert. Ich glaube, ich kann mich im Fazit kurz fassen. Deine Sichtweise ist mir viel zu reduktionistisch, zu einseitig, vielfach zu undifferenziert. Insbesondere hat sie den Nachteil, dass die Problemlagen von Männern nicht berücksichtigt und die Problemlagen von Frauen quasi ins Unermessliche aufbauscht werden und demzufolge viele andere Problemlagen zum Verschwinden bringt oder überhaupt nicht sieht, dass auch Frauen vielfach privilegiert sein können. Wenn wir die Gesamtpopulation der Frauen nehmen, gehört diese Bevölkerungsgruppe gewiss nicht zu der Population, die am stärksten diskriminiert, marginalisiert, stigmatisiert oder von Problemlagen bzw. absoluter oder relativer Deprivation betroffen ist.

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14 Comments

  • Ich wollte die Kommentare untzer dem verlinkten Artikel lesen, aber da kommt nichts. Sehr schade, denn die Kommentare sind bei solchen Artikeln meist viel lesenswerter als dieser „Muddi ist die Beste-Schmarren“.

    Interessanter als konkret auf die verschrobene Wahrnehmung unseres Frauenfreundes einzugehen wäre eine psychologische Deutung solcher frauenidealisierender Rhetorik. Die Erfahrung zeigt, dass rationale Aufarbeitung auf ein Glaubenssystem trifft, dass sich gegen sämtliche Fakten sperrt, die das eigene Narrativ in Frage stellen. Es ist ein weitverbreitetes psychologisches Muster, welches in der Floskel „unter den 89 Opfern waren auch drei Frauen und zwei Kinder“ ihren klarsten Ausdruck findet.

    • @Pjotr

      Nun, es ist natürlich nicht nur ein psychologisches Phänomen, sondern auch ein historisches bzw. gesellschaftliches Phänomen. Vor 20-30 Jahren hätte es so einen Till Eckert noch nicht gegeben, auf jeden Fall nicht in den Mainstream-Medien.

      Bei Till Eckert habe ich eher ein bisschen den Eindruck, dass er noch relativ jung ist und mal ein guter Mensch sein möchte. Und wenn natürlich eine geballte Kraft von „Du bist ein Täter“ von feministischer Seite kommt, dann denkt er wohl, jetzt muss ich Busse tun und schauen, dass ich alles menschenmögliche mache, damit ich nicht ein Täter bin. 🙂

    • Ich wollte die Kommentare untzer dem verlinkten Artikel lesen, aber da kommt nichts.

      Falls du „NoScript“ o.ä. verwendest, mußt du dort neben „ze.tt“ auch „facebook.com“ und „facebook.net“ erlauben.
      Dann werden die Kommentare auch geladen.

      denn die Kommentare sind bei solchen Artikeln meist viel lesenswerter als dieser „Muddi ist die Beste-Schmarren“.

      Stimmt auch in diesem Fall wieder!

      • Aua, hab mir den Kommentarstrang eben mal gegeben. Ist das peinlich! Wenn man sich anschaut, wie da von der einen Seite mit Fakten und Quellenverlinkungen gearbeitet wird und die Verteidiger des Artikels nichts als latent bis klar herablassndes Gesülze ohne erkennbaren Inhalt von sich geben, sich dabei eigentlich nur permanent in dem imaginierten Licht sonnen wollen, die besseren Menschen zu sein, kann man da als noch halbwegs klar denkender Mensch doch eigentlich nur erkennen, auf welcher „Seite“ man noch auf halbwegs in der Lebenswirklichkeit behafteten Grundlagen steht.

        Besonders peinlich der Auftritt der Redaktion von ze.tt. Ihnen nicht gefällige Kommentare werden nur mit „Nö, stimmt nicht!“ abgebügelt ohne auch nur einen Fakt zu benennen, wird nach denen gefragt, versucht man sich in der – nach meiner Erfahrung in postmodern „linken“ Kreisen sehr beliebten – Strategie, einfach nur irgendeinen willkürlichen Buchtitel oder gar nur „Autor“ in den Raum zu werfen. Ist eine der erbärmlichsten Diskussionstaktiken überhaupt. Sie verschafft einem zunächst den Vorteil, sich allein durch die vorgegebene Kenntnis des Textes als einfach schon belesener darzustellen und somit dem ungenehmen Diskutanten zu unterstellen, seine Sichtweisen begründeten sich nur auf mangelnder Sachkenntnis. Es ist also der Versuch, ein Argument zu gewinnen, ohne wirklich zu argumentieren.

        Die Crux daran ist im Anschluss, dass der so Abgefrühstückte quasi genötigt wird, sich durch einen Wälzer zu arbeiten, der, wenn er von Leuten wie der ze.tt-Redaktion in solch einem Zusammenhang empfohlen wird, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nichts anderes ist als hinter pseudointellektuellem Wortgeklingel versteckte, hochkomprimierte Inhaltslosigkeit mit massiver Bullshitballung. Hat man das dann nach der Lektüre erkennen müssen, ist die Diskussion, in deren Verlauf man die Empfehlung bekommen hat, längst tot und der „Tippgeber“ konnte sich mit dem Gefühl des überlegenen Siegers in seinen Safe Space purer Selbstgefälligkeit zurückziehen und werden dabei gesäumt von ihren Spalier stehenden Speichelleckern, wie man sie in der Diskussion auch erleben durfte.

        Und so diskutieren „Journalisten“ oder Redakteure?! Ein Armutszeugnis!

        • „Die Crux daran ist im Anschluss, dass der so Abgefrühstückte quasi genötigt wird, sich durch einen Wälzer zu arbeiten…“

          Ist das nicht genau die Masche, mit der Religiöse operieren? Lies die Bibel! Lies den Koran! Lies und glaube!
          Es ist tatsächlich so: Überzeugte Feministen sind Gläubige, die sich gegen Argumente immunisieren, die ihren Glauben in Frage stellen. Es handelt sich eigentlich nie um eine offene Diskussion, in der Argumente gewogen und für gut oder schlecht befunden werden. Allein der Umstand, dass da jemand nicht dem Glauben folgt, wird als Zeichen der Wirkmächtigjkeit Satans aufgefasst. Mir wurde in einer Diskussion schon mal Homophobie vorgeworfen, ohne dass ich mich in irgendeiner Weise diesbezüglich geäussert hätte. Rational ist so etwas nicht.

          • Ist das nicht genau die Masche, mit der Religiöse operieren? Lies die Bibel! Lies den Koran! Lies und glaube!

            Was sollen eigentlich „Religiöse“ in diesem Zusammenhang sein?

            In all den Jahren habe ich dieses Verhalten viel viel mehr von Feministinnen, SJWs, Linux-Fanatikern, bento/ze.tt/vice Redakteuren (und auch von aufdringlichen Internet-Atheisten Marke Dawkins-Forum-Dauergast) etc etc. gesehen als von überzeugten Christen beispielsweise.

            Die sind mit die am wenigsten aufdringlichen Gestalten im öffentlichen Raum, zumindest in Europa.

    • Ja, was könnte das nur sein, die Story klingt ja an den Haaren herbeigezogen.
      Klar, der hat wie alle Kriegstrauma an der Seele. Nachhall statt Nachhaltig.
      Des Gewächshaus wo all das so fein gedeihen konnte wurde aus Nazis an der Wand gezimmert, die wir dann noch großzügig aus der Hand gaben, damit damit nun Weltgeschichte in die Bücher gepinselt wird.

      Und dann sind die Sueben auf einmal provinziell und eine Stadt mit dem Gemüt einer Teeniegöre, die nachvollziehbar kein Vertrauen in Männer hat und ehrlich ne Schelle braucht, die darf politische Frontlinie und progressiv spielen.

      Freitagsclickbait. Ernst nehmen und so damit umgehen. Keine Aufmerksamkeit schenken. Mit denen reden von denen man annehmen darf, das sie über zwei Grade Vernunft mit einem selbst verbunden sind. Der Deutsche ist ein Bauer. Der weiß alles was richtig ist mit zwei Händen und seinem Verstand.
      Manchen ist der nicht so recht geraten, die brauchen Bücher, damit sie lesen können, was andere sich denken können. Ein Sägeblatt, ein Ziffernblatt, ein Kalenderblatt, ein Notenblatt aus allem kann ein Vernünftiger Mensch schnell bessere Umstände zimmern.
      In den Blättern in denen manch bestimmt bessere Deutsche, als nur ne einfache Bauernseele, was finden können, da sehe ich nur noch Fladen.

      Die Leut sind halt feig. Sonst würden sich ja mal ein paar Trauen als Opfer ihre Geschichten zu erzählen.
      Aber man wird so schnell zum nächsten Täter und dann wird’s schwerer.
      Und wohl möglich müsste man sich noch mit einer statistischen Häufung in GAGAstudies auseinandersetzen, die man ganz besonders nicht mag, und ist heimlich so stolz drauf, weil man wirklich glaubt man sei der erste mit dem … ja was eigentlich?

  • 40 Prozent der Frauen in Deutschland haben seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt. Vierzig Prozent. Das ist fast die Hälfte aller deutschen Frauen. Diese Probleme werden von vielen Männern allzu oft abgetan und belächelt.

    Wie viele Prozent der Männer in Deutschland haben seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt? 70 Prozent? 80? 90? Auf jeden Fall doch wohl ein deutlich höherer Anteil.

    • @Werlauer

      Ich denke auch, dass der Anteil bei den Jungs und Männern höher ist als bei den Frauen. Aber ich kenne keine Zahlen. Aber das dürfte ja auch gerade das Problem sein: Man erhebt hier nur Datenmaterial bei Frauen und vielfach bei Männern eben nicht.

      • Es gab auch eine Pilotstudie des BMFSFJ zum Thema „Gewalt gegen Männer“.
        Eine Folgestudie, wie bei der Gewalt gegen Frauen, blieb jedoch aus.

        Frauenstudie – 2005
        https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/studie–lebenssituation–sicherheit-und-gesundheit-von-frauen-in-deutschland/80694

        Männerstudie –
        https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/studie–gewalt-gegen-maenner/84660

        (Folgende Zitate entstammen der jeweiligen Kurzfassung.)

        40 % der befragten Frauen haben – unabhängig vom Täter-Opfer-Kontext – körperliche oder sexuelle Gewalt oder beides seit dem 16. Lebensjahr erlebt

        (Frauenstudie)

        Bei Männern wird getrennt:
        Gewalt in der Kindheit/Jugend

        Drei von fünf Männern (161 von 266) sagten, dass sie als Kinder oder Jugendliche geschla-
        gen, geohrfeigt, getreten oder verhauen worden sind.

        Also 60 %.

        Und Gewalt als Erwachsene:

        Bis zu zwei Drittel der im Erwachsenenleben berichteten körperlichen Gewalt und etwa ein
        Fünftel der psychischen Widerfahrnisse finden in der Öffentlichkeit oder Freizeit statt.

        66,67 % – allein körperliche Gewalt in Öffentlichkeit und Freizeit!

        Und bei häuslicher Gewalt:

        Rund 25% der in Deutschland lebenden Frauen haben Formen körperlicher oder sexueller Gewalt (oder beides) durch aktuelle oder frühere Beziehungspartnerinnen oder -partner erlebt.

        (Frauenstudie)

        Jedem vierten der befragten rund 200 Männer widerfuhr einmal oder mehrmals minde-
        stens ein Akt körperlicher Gewalt durch die aktuelle oder letzte Partnerin, wobei hier auch
        leichtere Akte enthalten sind, bei denen nicht eindeutig von Gewalt zu sprechen ist.

        (Männerstudie)

        Also ebenfalls 25%!
        Interessant hier auch der letzte Satz. Ein solcher findet sich in der „Frauenstudie“ nicht, obwohl dort ebenfalls „leichtere Akte“ mitberechnet wurden!

      • Der Punkt ist: Genau solche Zahlen werden bei Frauen mit den Brustton der Entrüstung vorgetragen (und ich vermute, der Kniff mit dem Zusammenfassen von sexueller und physischer Gewalt ist dem gezielten Willen, die Zahl auf Empörungsniveau zu steigern, geschuldet). Wenn der Sachverhalt sich aber in der zugrundeliegenden Dichotomie männlich / weiblich gar nicht unterscheidet, dann offenbart die Empörung eigentlich nur die eigene Sicht auf den Sachverhalt: Frauen sind Männern nicht ebenbürtig und müssen deshalb stärker als Männer geschützt werden. Ob Herr Eckert seine Einschätzung wohl ebenfalls so sehen kann?

  • Habe das Machwerk von Eckert mal diagonalisiert und mich bei den Kommentaren verewigt.

    Erlaube mir, mich selbst zu zitieren:

    Ehe man mich zu aktiver Unterstützung motiviert, möge man mir die Notwendigkeit begründen.

    Zu den „Vier Gründen, warum Männer (hier konkret also: ich) es noch nicht raffe“

    Erstens, die breite Öffentlichkeit sei „falsch informiert“? Das ist nun wirklich interessant. Wir haben ein eigenes Ministerium für Frauen, dessen Position in der Kette für Öffentlichkeitsarbeit weit oben steht. Sollte dieses mich etwa angeschwindelt haben?

    Zweitens „… was Patriarchat wirklich bedeutet“ – Ihre Ad-hoc-Definition ist beliebig. Das Patriarchat ist vor allem ein Kampfbegriff ohne echten Sachbezug in der Realität. Der Kampfbegriff entstand beim (erratischen) Ansatz F. Engelsʼ, K. Marxʼ (zutreffende) Wirtschaftsanalyse in den familiären Raum zu übertragen. Wann immer das „Patriarchat“ angezweifelt wird, erscheint wie aus dem Nichts weitere Ad-hoc-Definition – so gerade eben von Ihnen.

    Drittens – Männer blenden ganz generell aus, dass sie leiden, so weit richtig. Jedoch ist ein Bezug zu Feminismus nur mutwillig konstruierbar.

    Viertens – die Männer (also schon wieder: ich) verhalten sich sexistisch? Nur ein Vorschlag, wie wäre es mit einer Sexismus-Definition, idealerweise vor diesem Vorwurf? Beachte, dass ich nicht ausfällig geworden bin.

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