Hate Speech Medien Zivilgesellschaft

Die Tagesschau und der Hass

3 Zeigefinger zeigen auf einen Mann von hinten.
geschrieben von: Lucas Schoppe

Die Tagesschau hat mit ihrer Sag’s mir ins Gesicht-Aktion mit großem Gestus versucht, den Dialog mit den Verfassern von Hasskommentaren zu beginnen. Das Ziel, gegen Hate Speech vorzugehen, hat sie leider nicht erreicht – unter anderem deshalb, weil sie selbst Positionen unterstützt, die erhebliche Aggressionen im Netz fördern. So wird ein guter, wichtiger Ansatz schließlich zum Missbrauch der großen Privilegien eines öffentlich-rechtlichen Senders. Anlass, mal wieder einen offenen Brief zu schreiben.

Sehr geehrte Tagesschau-Redaktion,

mit der Aktion „Sag’s mir ins Gesicht“  wollen Sie sich

gegen Hatespeech positionieren, ein Statement setzen und schlussendlich vor allem die Menschen erreichen, die nur eine diffuse Vorstellung von Hatespeech haben“

– so wird Ihre Social Media-Teamleiterin Anna-Mareike Krause bei Broadly zitiert.

Ich finde die Absicht wichtig und gut, finde es aber auch offensichtlich, dass das, was Sie tun, dieser Absicht leider eher schadet als nützt.

Was ist eigentlich aus dem alten Satz von Gustav Heinemann aus dem Jahr 1968 geworden? „Wer mit dem Zeigefinger allgemeiner Vorwürfe auf den oder die vermeintlichen Anstifter oder Drahtzieher zeigt, sollte daran denken, daß in der Hand mit dem ausgestreckten Zeigefinger zugleich drei andere Finger auf ihn selbst zurückweisen.“ Der Tagesschau würde es ganz gut tun, diesen Satz noch einmal nachzuschlagen.

Die Gründe für den Hass im Netz unterscheiden sich ja nicht vollkommen von den Gründen für Hass außerhalb des Netzes. Grundsätzlich empfinden Menschen, die Hass verbreiten, sich selbst überhaupt nicht als Hater. Sie denken schlicht in klaren Gut-und-Böse Kategorien, oder sie haben sich in Schützengräben häuslich eingerichtet, aus denen sie jederzeit gut unterscheiden können, wer Freund und wer Feind ist.

Hass wird aus dieser Perspektive immer nur von den Feinden verbreitet, während das eigene Agieren lediglich als Gegenwehr gewertet wird, oder gleich als vollständig harmlos. Da auf Seiten der Feinde dummerweise in aller Regel viele genau so denken, können sich Aggressionen ungehindert aufschaukeln. Wichtig dabei: Zur Logik des Eskalation gehört der moralisierende Vorwurf, dass der Gegner Hass verbreite, unbedingt dazu.

Es wäre daher ohnehin gut, wenn nicht der diffuse Begriff „Hass“ verwendet würde, mit dem eigentlich lediglich über die Motive von Menschen spekuliert wird – sondern wenn wir genauere Begriffe nutzen würden, für die es überprüfbare Kriterien gibt. Da das Strafrecht uns schon eine Reihe solcher Begriffe zur Verfügung stellt, ist die Konzentration auf „Hass“ besonders unverständlich: Beleidigung – Verleumdung – üble Nachrede – Bedrohung – Volksverhetzung etc.

Vor allem wird deutlich, was wir eigentlich tun müssten, um Hass im Netz und anderswo abzubauen: Wir müssten Menschen ganz unterschiedlicher politischer Positionen, Herkünfte oder Glaubensrichtungen miteinander ins Gespräch bringen. Wichtig wäre es zum Beispiel, wenn alle Beteiligten verstehen könnten, dass das, was sie selbst als legitime Gegenwehr empfinden, für andere eine offene Aggression ist.

Wenn sie zugestehen könnten, das nicht nur sie selbst, sondern auch die Gegner zum Opfer von Aggressionen werden können – und dass die ANDEREN ebenso schutzwürdig sind wie die Menschen der eigenen Gruppe.

Wenn sie lernen könnten, sich selbst aus der Perspektive der anderen wahrzunehmen.

All das, was ich da schreibe, ist überhaupt nichts Neues, sondern aus der Konfliktforschung lange bekannt. Umso weniger verstehe ich, dass Sie genau das Gegenteil davon tun.

Ich hasse doch nicht, ich wehre mich nur

Yasmina Banaszczuk berichtet in ihrem bereits zitierten Broadly-Text überrascht:

Die über 100 Anrufer wollten lieber über Inhalte diskutieren, als zu beleidigen. Bei den beiden teilnehmenden Journalistinnen bot sich ein ähnliches Bild.“

Das kann aber nun natürlich nicht bedeuten, dass das, was als Hass erscheint, möglicherweise manchmal einfach das Bedürfnis nach einer kontroversen Diskussion ist. Banaszczuk schließt ihren Artikel mit der Mahnung,

sich nicht von dem freundlichen Auftreten der Anrufer beeindrucken zu lassen: ‚Mit Trollen und Hatern ist es wie mit Rassisten sonst auch: ‚Ach, das ist doch der Thomas. Eigentlich ist das ein ganz Netter.'“

Wenn der Hater keinen Hass produziert, liegt das also gewiss nicht daran, dass er kein kein Hater ist – sondern daran, dass er sich bloß verstellt. Das ist eine Haltung, die sich selbst gegen offensichtliche Einwände immunisiert.

Banaszczuk erwähnt wie selbstverständlich ihre eigene Rolle bei der Förderung von Aggressionen im Netz nicht. Im Jahr 2014 hatte sie selbst versucht, einen Shitstorm gegen einen anderen Blogger loszutreten. Sie war ihn zuvor sexuell aggressiv und abwertend angegangen und stellte ihn dann, nach einer entsprechenden Reaktion, öffentlich als Sexisten hin. Banaszczuk scheiterte damals nur deswegen, weil sie die Position des angefeindeten Bloggers im Netz offenbar unterschätzt hatte.

2017, also noch drei Jahre später, versuchte sie dann, die Vorwürfe wieder zu beleben, und übte kaum verblümt Druck auf die Leitung der re:publica aus, den angefeindeten Blogger von der Veranstaltung auszuschließen.

Sie wurde dabei prominent unterstützt.

Dafür, dass Banaszczuk über Ihre Aktion schreibt, können Sie natürlich nichts. Ihr Beispiel aber zeigt, dass ein moralisierendes Freund-Feind-Denken mit doppelten Maßstäben verknüpft ist. Die Broadly-Autorin kommt nicht einmal auf die Idee, dass sie selbst aus der Perspektive anderer auch als Haterin erscheinen könnte – oder ihr sind diese Perspektiven schlicht egal.

Ich kann gar nicht hassen, ich bin doch ein Opfer

Wie sehr Sie eben eine solche ungünstige Wahrnehmung fördern, belegen Sie dann mit ihrem Interview mit Jasna Strick, die Sie als „Zielscheibe für Hasskommentare“ mit einem „Leben unter Dauerbeschuss“ vorstellen.

Die Beispiel für Aggressionen im Netz, denen Strick ausgesetzt war, sind tatsächlich abstoßend. Hier wäre es sehr wichtig, allgemein festzustellen, wo eine legitime Meinungsäußerung endet und wo Beleidigungen und Bedrohungen beginnen. Wichtig wäre es auch, deutlich zu machen, dass diese Grenzen unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder politischer Überzeugung für alle gelten müssten, und dass alle einen Anspruch auf Schutz vor diesen Aggressionen haben.

Eben das aber machen Sie nicht – jedenfalls gibt es überhaupt keinen Hinweis, dass Sie sich von dem schroffen Freund-Feind-Denken, das Strick selbst entfaltet, distanzieren würden.

Strick berichtet zum Beispiel von einer Affäre im Jahr 2013, als sie einen Vortrag bei der Open Mind 13 der Piratenpartei hielt. Die Partei war damals noch einflussreich, der Vortrag wurde über deren Infrastruktur weit im Netz verbreitet.

Sie präsentierte zwischen Angriffen auf Feministinnen, die tatsächlich sehr aggressiv und persönlich waren, auch allgemein gehaltene, krass ablehnende Kommentare des neunzehnjährigen Models ochdomino. „So faschistoide Hipster-Feministinen sind auch so ein widerliches Volk!“ 

Diese meldete sich dann bei den Piraten, machte deutlich, dass sie in der Folge des Vortrags Drohungen und harte Beleidigungen erhalte, und bat dringlich darum, wenigstens ihre Bilder im Stream des Vortrags unkenntlich zu machen. Vergeblich.

Später gab dann ein Mann, ein Leiter einer Werbeagentur an, den Account ochdomino selbst geführt zu haben – er habe die junge Frau erfunden, um feminismuskritische Männer auf seine Model-Seiten zu lenken.

Es ist müßig, heute über die Unglaubwürdigkeit dieser Auskunft – Feminismuskritiker als Zielgruppe für Modeseiten? – zu debattieren oder zu mutmaßen, dass ochdomino trotz aller Versicherungen real war und hier lediglich eine reale junge Frau aus der Schusslininie genommen werden sollte. Wichtig ist allein: Als Strick ihren Vortrag hielt, und als sie – was zu erwarten war – damit eine heftige Welle der Aggressionen ausgelöst hatte, gingen alle Beteiligten davon aus, dass ochdomino eine reale junge Frau war. 

Strick hatte die weit überlegene Infrastruktur einer Partei genutzt, um ungeheuren Druck gegen eine einzelne Kritikerin aufzubauen – die ihre Ablehnung zwar sehr schroff formulierte, die aber niemanden persönlich attackiert hatte.

Heute, bei Ihnen, stellt Strick  das jedoch so dar:

Nach meinem Vortrag erfand der Mann, der hinter dem Profil steckte, einen Suizidversuch dieser Fake-Person. Zu dem Zeitpunkt hielt man diesen für echt, ich wurde also von einigen Nutzern dafür verantwortlich gemacht. Das Gefühl, für den Selbstmordversuch eines jungen Mädchens verantwortlich zu sein, das zieht an den Nerven. Und dann war das nur fingiert, um mich einzuschüchtern.“

Von einem Suizidversuch war damals keine Rede. Anstatt auch nur die leise Möglichkeit einzuräumen, dass an ihrem Verhalten damals irgend etwas nicht in Ordnung gewesen sein könnte, präsentiert sich Strick bei der Tagesschau hier schlicht als sensibles, mitfühlendes Opfer eines ganz besonders perfiden Plans, sie mundtot zu machen.

Dass sie sich selbst die Situation mittlerweile in dieser Weise zurechtgelegt hat, um ihr eigenes Selbstbild zu schützen, mag ja sein – aber dass die Tagesschau diese verzerrte Selbstdarstellung distanzlos verbreitet, ist ganz gewiss eine Desinformation.

Das Ausbleiben der Selbstkritik hatte unter anderem zur Folge, dass Strick gleich noch ein zweites Mal versuchte, im Netz eine Kampagne gegen eine ihr unliebsame Frau loszutreten. Strick sammelte im Jahr 2015 Links der mittlerweile berühmten Bloggerin und Buchautorin Erzählmirnix (Nadja Hermann) und versuchte, diese als Hetzerin gegen den Feminismus und gegen übergewichtige Frauen hinzustellen.

Tatsächlich kritisiert erzählmirnix in ihren Cartoons politische Extreme aller Seiten, in Geschlechterdebatten auch Maskulisten wie Feministinnen. Ihr Bestseller „Fettlogik überwinden“ und das dazugehörige Blog beschämt übergewichtige Menschen nicht, sondern weist auf die gesundheitlichen Gefahren des Übergewichts hin und ist für viele eine echte Hilfe beim Abnehmen.

Erzählmirnix hatte damals über die Auswirkungen des Shitstorms geschrieben, den Strick gegen sie initiiert hatte:

Gleichzeitig habe ich seit einer Woche das beklemmende Gefühl, nicht richtig atmen zu können. Kennt vermutlich jeder: Dieses unangenehme Gefühl, nicht tief einatmen zu können und das man manchmal durch absichtliches Gähnen wegkriegt. Das ist er Beginn einer Panikattacke, denn wenn man nicht gerade zufällig Psychotherapeutin ist und weiß was passiert, neigt man in so einer Situation dazu, zu versuchen schneller zu atmen, hyperventiliert, der Puls rast und Schwindelgefühl kommt dazu, was zum Gefühl von einer Herzattacke führt. Und nach einem solchen Anfall passiert es schnell, dass die Angst vor einem erneuten Anfall wie diesem, zu einer ausgwachsenen Panikstörung führt, denn dieses Nicht-Tief-einatmen-können kommt von Stress, bzw. Verspannungen (so, das war jetzt noch ein kleiner Infotext über Panikattacken).“

Auch hier allerdings hatte Strick sich verkalkuliert: Der berühmte Blogger Fefe wurde durch die verteilte Schand-Liste auf erzählmirnix aufmerksam und empfahl sie weiter, ihr Bekanntschaftsgrad wuchs rapide.

Leider geht es bei der Tagesschau, die nirgends über diese Hintergründe aufklärt, nicht darum, Maßstäbe zu formulieren, nach denen alle Menschen vor Aggressionen geschützt werden. Strick beendet ihr Interview wiederum ganz ohne Distanzierung der Redaktion:

Wenn alle Leute, die von Hatespeech betroffen sind, ihre Twitter-Accounts löschen würden, dann hätten wir dort nur noch die Perspektiven von Menschen, die nicht von Hatespeech betroffen sind, und das sind nun mal eher weiße Männer, weil die weder von Sexismus noch von Rassismus betroffen sind.“

Sie haben auf der Internet-Seite zu Ihrer Aktion ein Video, in dem Sie erklären, woran Hate Speech erkannt werden könnte. Eine Abwertung von Menschen wegen ihres Geschlechts oder wegen ihrer Hautfarbe zählen Sie dazu – und dort ist dann selbstverständlich auch das männliche Geschlecht und eine weiße Hautfarbe aufgeführt. Weißen Männern aber wird von Strick rundweg abgesprochen, einen Anspruch auf Schutz zu haben – mehr noch: Schutz für sie ist in Stricks Denken einer Bedrohung aller anderen.

Privilegien ohne Verantwortung? Öffentliche-rechtliche Parteinahmen

Es mag ja sein, dass einige Menschen der Überzeugung sind, weiße Männer würden niemals hasserfüllten Aggressionen begegnen. Hier wäre es allerdings wichtig, diese Männer selbst einmal dazu zu befragen – sie würden sicherlich oft anderes berichten. Für mich beispielsweise ist es eine sehr große Belastung, dass ich, weil ich ein Mann bin, seit Jahren nur unter großen äußeren Schwierigkeiten Kontakt zu unserem Kind halten kann, und dass ich dabei faktisch ganz ohne Unterstützung dastehe.

Strick findet solche Situationen amüsant:

Jasna Strick spielt hier auf den Male Tears Topos an. „Männer weinen zu sehen, gibt mir Zauberkräfte“ – das etwa bedeutet ihr Satz übersetzt.

Das knüpft an das beliebte Male Tears-Motiv an, das Männern grundsätzlich unterstellt, keine ernsthaften Probleme haben zu können und trotzdem gern grundlos zu jammern. Der Gummibärensaft ist eine infantile Anspielung auf die Disney-Serie Gummibärenbande, in der Gummibärensaft ein Zaubertrank ist.

Strick soll, trotz ihrer tiefen und offensichtlichen gruppenbezogenen Ressentiments, natürlich einen Platz im Diskurs haben. Zum Diskurs aber wird eine Auseinandersetzung ja erst, wenn auch andere ihre Position formulieren können.

Zudem braucht es in der zerklüfteten Landschaft des Internets mit ihren unzähligen voneinander getrennten Filterbubbles ein gemeinsames Forum, das ganz unterschiedliche Menschen miteinander ins Gespräch bringt.

Für ein solches Forum werden eigentlich die öffentlich-rechtlichen Anstalten bezahlt. Das Geld, das wir für Sie aufbringen müssen, sind ja nicht einmal Gebühren, auch keine „Zwangsgebühren“, weil die Zahlungen unabhängig von Gegenleistungen fällig sind. Die Gelder für Sie sind eigentlich zweckgebundene Steuern, die weitgehend einkommensunabhängig stur in gleicher Höhe von jedem Haushalt zu entrichten sind.

Sie agieren also in einer unglaublich privilegierten Position, als Medienunternehmen, die durch gigantische Quasi-Steuern finanziert werden und die dadurch eine große Souveränität dem Markt gegenüber zu haben.

Statt diese enormen Privilegien aber im Interesse aller einzusetzen, machen Sie sich zum Sprachrohr von kleinen Gruppen, aus deren Perspektive andere dann massiv belastet und diskreditiert werden.

Kurz: Sie nutzen Ihre Privilegien, um Hetze verbreiten.

Das ist kein Zufall, sondern wohl, leider, Programm. Ihre Social Media-Teamleiterin hatte nach den massiven sexuellen Übergriffen der Kölner Silvesternacht einen Vergleich mit dem Oktoberfest ins Spiel gebracht, der zwar haltlos war, der aber schnell aufgegriffen wurde. Das Klischee, jeder arabische Mann sei ein potenzieller Vergewaltiger, wurde von Krause und anderen schlicht durch das Klischee ersetzt, jeder Mann sei ein potenzieller Vergewaltiger.

Anstatt dass Sie Ihre gigantische, von anderen finanzierte Position genutzt hätten, um Menschen ins Gespräch zu bringen, um einen Dialog zu fördern zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen, zwischen Flüchtlingen und Einheimischen – ersetzten Sie einfach das eine durch ein anderes Ressentiment.

Damit aber bekämpfen Sie Aggressionen nicht, sondern schüren sie.

Bei Twitter übrigens bin ich seitdem von Anna-Mareike Krause gesperrt. Ich hatte sie nicht beleidigt, ich hatte lediglich Kritik an ihrem Oktoberfest-Vergleich geäußert. Abseits von großen Gesten und Inszenierungen ist es mit Ihrer Dialogbereitschaft offenbar nicht weit her.

Anna-Mareike Krause ist die Social Media-Teamleiterin der Tagesschau. In einem der führenden sozialen Medium, bei Twitter, bin ich von ihr gesperrt, nachdem ich – sachlich, ganz ohne Beleidigungen und auch ohne ausländerfeindlichen Zungenschlag- ihren Vergleich der Übergriffe in der Kölner Silvesternacht mit dem Oktoberfest kritisiert hatte. Öffentlich-rechtliche Dialogbereitschaft.

Daher möchte ich Sie bitten, das zu ändern – und Ihre so großen Privilegien in Zukunft nicht mehr für die Verbreitung von Aggressionen, sondern für die Förderung einer zivilen Gesprächskultur einzusetzen. Für gemeinsame Regeln, die für alle gelten und die alle schützen. Für Gespräche, in der ganz unterschiedliche Beteiligte die Perspektive der jeweils anderen nachvollziehen können, und müssen, anstatt sie lediglich abzuwerten.

Das wäre dringend nötig.

Mit freundlichen Grüßen

Lucas Schoppe

RSS
Follow by Email
Google+
https://man-tau.com/2017/06/03/tagesschau-hatespeech-strick/
PINTEREST
LINKEDIN
Whatsapp
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann verpassen Sie keine Artikel mehr! Drücken sie auf den folgenden Link/Button und geben Sie Ihre Email-Adresse an, um über neue Artikel informiert zu werden.

8 Comments

  • „Wenn der Hater keinen Hass produziert, liegt das also gewiss nicht daran, dass er kein kein Hater ist – sondern daran, dass er sich bloß verstellt.“

    Oder wie es gerade bei Alles Evolution Thema war:

    „Endlich also würde mir mein Freund zeigen, was für ein mieser Sexist er in Wirklichkeit war. Er hatte sich nur verstellt“

    Sargon of Akkad hat auch mal ein Videoabschnitt aus irgendeiner Hollywood-Preisverleihung gezeigt, wo dann allen weißen Menschen ein Rassismus-Problem bescheinigt wurden. Und das größstenteils weiße Publikum war wild am klatschen. Sargon hatte daraufhin sich vorgestellt was bei diesen Menschen im Kopf vorgeht und vermutet das es ungefähr so läuft: „Haha, ihr Weißen hier seid alle Rassisten, nur ich nicht. Ihr Weißen seid alles Rassisten, nur ich nicht. Alle Weißen sind Rassisten, nur ich nicht. Ätschi-Bätsch“

    Wie kann man nur annehmen das man selbst niemals dadurch ausgegrenzt und zum Schweigen gebracht wird. Die Realität zeigt doch dass das immer wieder passiert.

    • „Schutz für sie ist in Stricks Denken einer Bedrohung aller anderen.“

      Das ist immer wieder eine der Begründungen mit denen Feministinnen auch gegen die Hilfe oder Förderungen von männlichen Menschen argumentieren. „Förderung von Jungs in der Schule würde jetzt das falsche Zeichen für Mädchen setzen“ oder wie hier:

      Manchmal wirkt Ponndorf etwas desillusioniert. Das Thema ist wohl heikler als er anfänglich dachte und er fühlte sich in den vergangenen Monaten häufiger mal falsch verstanden. Das lag unter anderem daran, dass man ihm, dem CSU-Mann unterstellte, sein Vorstoß zur Förderung von Buben sei nur ein schlecht verpackter, also verkappter Kampf gegen die Emanzipation der Frau.

      http://www.sueddeutsche.de/karriere/foerderung-von-jungen-geschlechterkampf-naechste-runde-1.8218

      Sie denken alles als Nullsummenspiel. Eine Hilfe für Jungen schadet Mädchen und da Mädchen nichts schaden darf, Jungen aber anscheinend schon, gibt es eben keine Hilfe für Jungen. Und wenn dann Mädchen in allem Bereich besser dastehen, gibt womöglich es eine Änderung in der Vorgehensweise und das System wird auf Begabtenförderung umgestellt – ha!

  • „Die Tagesschau hat mit ihrer Sag’s mir ins Gesicht-Aktion mit großem Gestus versucht, den Dialog mit den Verfassern von Hasskommentaren zu beginnen.“
    Ja? Wo hat sie denn?
    Also, ich habe in den letzten Tagen einige Meldungen der Tagesshow kurz angeschaut und jedesmal fesstellen müssen, daß die Kommentarfunktion abgeschaltet war.
    Wo ist also dieser „Dialog“?

    „gegen Hatespeech positionieren, ein Statement setzen und schlussendlich vor allem die Menschen erreichen, die nur eine diffuse Vorstellung von Hatespeech haben“
    Also sich selbst erreichen? Braucht man dazu ein milliardenschweres Massenmedium?
    Daß die Vorstellung Hatespeech von S.Gabriel, J.Strick, Th.Gesterkamp, M.Schwesig u.s.w. immer kritiklos zu bewerben sei, Kritik daran aber „böse Hatespeech“ sei, ist schon von der Kategorisierung her, doch schon unschlagbar diffus. Wen wollen die denn noch erreichen?

    • @ Fiete Ja, ich glaube schon, dass Medien zu einem großen Teil ein selbstbezügliches System sind, das mit einer Wirklichkeit außerhalb davon nur noch stückchenweise Kontakt hat. Nämlich immer dann, wenn es empirische Daten gibt, die das bestätigen, was MAN eigentlich immer schon gewusst hat.

      Das gilt nicht nur für die Massenmedien, das gilt auch für soziale Netze. Da erkennt man die radikale Selbstbezüglichkeit sogar manchmal noch etwas deutlicher.

      Ein Unterschied ist aber, dass kleine Filterbubbles im Netz nicht von Zig-Millionen an Geldern finanziert werden, die von sämtlichen Haushalten Monat für Monat aufgebracht werden müssen. Dass das wiederum bei den Nutznießern dieses System nicht mit einem entsprechenden Gefühl der Verantwortung verkoppelt ist, ist erklärbar, aber trotzdem enttäuschend.

  • Na klar haben die ihr Ziel erreicht.
    Alleine die Konstruktion der Kampagne, den Hass zu sich zu berufen und dabei selbst die Bühne zu gestallten.
    Wäre ich Feministin und würde eine Frau dort obgrund ihres Hasses beurteilt und würde an Männern des Theaters bewertet, das würde ich als deutlich in Richtung „sozial konstruiert mit dem Zwecke zu unterdrücken“ gehen sehen.

  • Danke! Ich empfand die Aufforderung an das Publikum die Mitarbeiter der ARD anzupöbeln von Beginn an als einen Versuch, mit dem sich Vertreter eines privilegierten Mediums die eigene Überlegenheit attestieren wollten und den Anspruch als Wächter und Schiedsrichter eines ordentlichen Diskurses aufzuspielen. Dass das schief gehen musste, wäre nahezu jedem vorher klar, so dass er den Gedanken an solche Aktion schnell fallen gelasen hätte. Nur den Mitarbeitern der ARD fehlt es offensichtlich an der Fähigkeit zur Selbstkritik. Mit der Einschötzung bin ich in den Augen solcher Journalisten vermutlich bereits „Hater“. Ich kann damit gut leben.

  • „Es wäre daher ohnehin gut, wenn nicht der diffuse Begriff „Hass“ verwendet würde, mit dem eigentlich lediglich über die Motive von Menschen spekuliert wird – sondern wenn wir genauere Begriffe nutzen würden, für die es überprüfbare Kriterien gibt. Da das Strafrecht uns schon eine Reihe solcher Begriffe zur Verfügung stellt, ist die Konzentration auf „Hass“ besonders unverständlich: Beleidigung – Verleumdung – üble Nachrede – Bedrohung – Volksverhetzung etc.“

    Dies ist mMn die wichtigste Bemerkung.

    Die WP definiert Hass als „menschlicher Zustand scharfer und anhaltender Antipathie … Laut Meyers Kleines Lexikon Psychologie ist das Gefühl des Hasses oft mit dem Wunsch verbunden, den Gehassten zu vernichten.“ (oder ihm zumindest zu schaden)

    Da Frau Banaszczuk und die anderen offenbar eine scharfe und anhaltende Antipathie gegen politisch Andersdenkende haben und sie letztere zumindest sozial vernichten wollen, erfüllen sie selber geradezu idealtypisch den Begriff von Hassern. Ich rätsele, wieso ihnen dieser performative Widerspruch nicht selber auffällt.

    Daß sie dabei nicht oder nur selten zu Verbalinjurien greifen, ist unerheblich. Dies demonstiert nur, daß Verbalinjurien, Drohungen etc. nur Beispiele für Mittel sind, den Gehassten zu vernichten, also das Ziel des Hasses zu erreichen. Unsere Feministinnen verfügen über wirksamere Mittel, z.B. über die Erhöhung des eigenen Opferstatus mehr politische und mediale Macht, u.a. Zensurmöglichkeiten, zu bekommen.

    Damit wären wir beim eigentlichen Zweck dieser Veranstaltung: Erhöhung des eigenen Opferstatus. Das hätte am besten mit so richtig unsympathischen Beleidigern und Schreihälsen geklappt, deswegen ging die Einladung auch gezielt an diese Gruppe: „…Stattdessen wollen wir denen in die Augen schauen, die am lautesten schreiben. …“

    Das hat nicht geklappt, es kam zwar viel Kritik, aber keine Beleidigungen. Das war mMn absehbar: (a) Das Risiko, identifiziert und für Beleidigungen abgestraft zu werden, war hier viel zu hoch. (b) Richtige Trolle werden das offizielle Ziel der Aktion, konstruktive Dialoge zu fördern, wohl kaum unterstützen. (c) Es ist ein Riesenunterschied, ob ein Text schriftlich vorliegt und so gelesen wird oder ob dieser Text von einer Person, deren Gesicht ich sehe, gesprochen wird. Tonfall, Gesichtsausdruck. Betonung usw. tragen erheblich zur Einschätzung bei, ob ich den Text als Ausdruck von Haß einschätze.

    Man sollte vermuten, daß diese Gründe für den Fehlschlag unseren Medienprofis eigentlich bestens bekannt sein müßten. Man kann hier nur spekulieren, warum sie die Aktion dennoch durchgeführt haben: Im Sinne der Aufmerksamkeitssteuerung war sie auf jeden Fall ein Erfolg, weil stundenlang dem Publikum die implizite Botschaft verkündet wurde, Haß im Netz sei das zentrale Problem und die Tagesschau und der Feminismus vertreten durch Banaszczuk sei auf der Seite der Guten.

Leave a Comment