man tau-Wochenshow

Die man tau-Wochenshow vom 11. Juni 2017

Guggenheim Museum
Das Guggenheim Museum in New York erbaut von Frank Lloyd Wright
geschrieben von: Mark Smith

Nachfolgend findet Ihr eine Presseschau der letzten Woche unter anderem mit folgenden Themen:

  • Laurie Penny
  • Terrorverharmlosung mit Statistik und Filterblase
  • Frank Lloyd Wright – Der erste „Starchitect“
  • Homo sapiens lebte schon vor 300.000 Jahren
  • Die politisch Korrekte
  • Letzte Bastion Meinungsfreiheit
  • EU-Kommission erklärt Zensur im Internet zur Norm
  • „Situation in Nahost gerät außer Kontrolle“
  • Glaube an allmächtige russische Hacker als Religion anerkannt
  • Klima: Leugner, Phobiker und Heuchler
  • Trumps törichte Außenpolitik
  • Katar-Krise
  • und als Extra ein Güldener Luftballon für den dämlichsten Artikel der Woche

Auch wenn wir einen Artikel für lesenswert halten, heißt dies selbstverständlich nicht, dass wir allen Aussagen darin zustimmen, und dasselbe Prinzip gilt umgekehrt für diejenigen Artikel, die wir nicht so toll finden: auch dort können Aussagen drin stehen, die wir befürworten. Wenn Sie diese wöchentliche Presseschau für hilfreich halten, dann bitte in den Social-Media-Kanälen teilen oder einfach Bekannten und Freunden weitersagen.


  • Jez, he did! Die Ära der Alternativlosigkeit ist vorbei

Wahlen in Grossbritannien

Damit haben wohl nur eingefleischte Optimisten gerechnet – nach einer desaströsen Wahl müssen sich die britischen Konservativen einen Koalitionspartner suchen und gehen nicht gestärkt, sondern massiv geschwächt in die Brexit-Verhandlungen. Der große Sieger der Wahl ist Jeremy Corbyn, auch wenn Labour trotz sensationeller 40% nur als zweistärkste Kraft ins Unterhaus einzieht. Setzt man dieses Ergebnis in den passenden Kontext, wird jedoch schnell klar, dass diese Wahl eine Zeitenwende darstellt. Plötzlich zeigt sich, dass es sehr wohl Alternativen zum neoliberalen Einheitsbrei gibt. Wir sollten Corbyn die Hand reichen und uns aus unserer Duldungsstarre befreien.

Quelle: NachDenkSeiten

Anmerkung Mark Smith: Für Jens Berger von den NachDenkSeiten ist das Wahlergebnis ein grosser Sieg für Labour und Jeremy Corbyn. Er sieht das Resultat sogar als eine Zeitenwende und zwar in dem Sinne, dass es doch noch Alternativen zum Neoliberalismus gibt. Er interpretiert das Ergebnis von Labour außerdem als ein Zeichen, dass die Deutungshoheit der traditionellen Medien je länger je mehr gebrochen sei, zumal Corbyn sein gutes Resultat vor allem den Sozialen Medien und der jüngeren Generation zu verdanken habe.

Anmerkung Lucas Schoppe: Ich kann mit Corbyn nicht viel anfangen – zum Beispiel mit seinen Forderungen an May, sie solle doch den britischen Männerrechtler Philip Davis suspendieren, dem er ohne Beleg Frauenverachtung unterstellt. Eines aber zeigt das relativ gute Labour-Ergebnis durchaus: Es gibt offenbar ein Bedürfnis nach einer klassischen sozialdemokratischen Politik, die Gerechtigkeitsfragen stark macht. Da könnten sich auch die Demokraten noch einmal fragen, ob denn Sanders im Vergleich zu Clinton nicht vielleicht doch die bessere Wahl gewesen wäre…. Von einer „Zeitenwende“ lässt sich aber, wie ich glaube, nicht sprechen – May hat so viele Fehler gemacht, dass möglicherweise selbst Clinton gegen sie an Boden gewonnen hätte.


  • Halali auf die Meinungsfreiheit: EU-Kommission erklärt Zensur im Internet zur Norm

Dass unser Justizminister Heiko Maas die Vorarbeit zu seinem Facebook-Zensurgesetz von befangenen Rechtslaien hat machen lassen, und keine Ahnung hat, wie die vorgegangen sind, machte ein Rechtsanwalt öffentlich. Die EU-Kommission dagegen hat nun selbst öffentlich gemacht, dass sie ebenso vorgeht, mit dem gleichen Ziel: möglichst viel Zensur.

Quelle: Norbert Häring

Anmerkung Mark Smith: Die EU-Kommission hat offenbar selbst öffentlich gemacht, dass sie mit dem gleichen Ziel wie Heiko Maas vorgehen möchte: möglichst viel Zensur bei den Sozialen Medien. Nach Norbert Häring bleibt schlussendlich die Meinungsfreiheit auf der Strecke, zumal es offenbar genügt, Hate Speech geltend zu machen und dann wird auf Facebook et al. gelöscht.

Anmerkung Lucas Schoppe: Entsprechend sieht auch „der UN-Sonderberichterstatter für Meinungsfreiheit, David Kaye, in dem Gesetzentwurf eine große Gefährdung für die Meinungsfreiheit und Privatsphäre. Das geht aus einem offenen Brief (PDF) an die Bundesregierung hervor.“ Es wird interessant zu sehen, ob Maas zumindest darauf mal irgendwie reagiert.  Vgl netzpolitik.org


  • Frank Lloyd Wright – Der erste „Starchitect“

Vor 150 Jahren geboren

Er baute das Guggenheim Museum und das legendäre „Fallingwater“, ein Haus auf einem Wasserfall: Frank Lloyd Wright. Doch der Architekt, der am 8. Juni 1867 geboren wurde, hatte noch ganz andere Visionen.

Quelle: Deutschlandfunk Kultur

Anmerkung Mark Smith: Vor 150 Jahren wurde der Stararchitekt und bis heute berühmteste Architekt der USA, Frank Lloyd Wright, geboren. Sein berühmtester Bau ist vermutlich das Guggenheim Museum in New York. Kennengelernt habe ich Frank Lloyd Wright vor allem durch den US-amerikanischen Schriftsteller T.C. Boyle, der seinen Roman „Die Frauen“ dem Architekten widmete. Wer also ein bisschen mehr über Frank Lloyd Wright erfahren will, dem sei das Buch von T.C. Boyle empfohlen.

„Er ist genial, er ist exzentrisch und er ist der berühmteste Architekt der USA – wenn nicht gar der Welt: Mit der überlebensgroßen Figur Frank Lloyd Wright erweitert T. C. Boyle seine Darstellung mythischer Amerikaner. Mitten in der Prärie hat Wright einen Traum verwirklicht: das Anwesen Taliesin. Hier lebt und arbeitet er mit seinen treuen Schülern und seinen geliebten Frauen: der aparten Tänzerin aus Montenegro, der exaltierten Morphinistin und – natürlich – Mrs. Wright. Sie alle führen erbitterte Kämpfe gegen ihre Nebenbuhlerinnen und gegen die bigotte amerikanische Gesellschaft. Boyles Geschichte des großartigen Egomanen ist zugleich eine Kritik an der Prüderie der Amerikaner in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.“


  • „Situation in Nahost gerät außer Kontrolle“

Die iranischen Behörden haben nach dem Doppelanschlag auf das Parlament und das Grab von Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini bekannt gegeben, dass alle Attentäter aus dem Iran stammen und sich unbemerkt der Terrororganisation „Islamischer Staat“ angeschlossen hatten. Es ist das erste Mal, dass die sunnitischen Extremisten Anschläge im schiitisch geprägten Iran verübt haben. Die iranische Regierung erklärte, Saudi-Arabien und die USA seien für die Anschläge mitverantwortlich, da sich dort die Hintermänner des Islamischen Staates befänden. Der Nahost-Experte Michael Lüders attestierte der Führung im Iran ein reflexhaftes Verhalten.

Quelle: NDR

Anmerkung Mark Smith: Nach dem Doppelanschlag im Iran auf das Grab des Revolutionsführers Chomeini und auf das Parlament, für den vermutlich der IS verantwortlich ist, sieht der Nahost-Experte Michael Lüders eine zunehmend explosive Entwicklung im Nahen und Mittleren Osten. Mitverantwortlich für diese Entwicklung ist die Isolierung Katars durch Saudi Arabien und andere Staaten sowie der erst kürzlich abgehaltene Besuch von US-Präsident Trumpel, der dazu geführt habe, dass sich Saudi-Arabien nun bestärkt darin sehe, einen Konfrontationskurs mit dem Iran zu wagen.


  • Glaube an allmächtige russische Hacker als Religion anerkannt

Berlin (dpo) – Sie wohnen in jedem Computer auf der ganzen Welt und lenken die Geschicke der Menschheit: Der Glaube an allmächtige russische Hacker, die den Lauf der Weltgeschichte bestimmen, ist heute offiziell als Religion anerkannt worden. Besonders in den USA, aber auch in Deutschland erfreut sich die Glaubensgemeinschaft immer größeren Zulaufs.

Quelle: Der Postillon

Anmerkung Mark Smith: Wenn schon der Postillon über die Mär von den allmächtigen russischen Hacker spottet, dann sollte auch langsam den Leitmedien und den politischen Eliten klar sein, dass das Fußvolk nicht mehr alles glaubt. Das Feindbild vom pösen Russen nützt sich langsam ab.


  • Eine progressive Vision nationaler Souveränität

Die Meinung, dass nationale Souveränität mit rechtsgerichtetem Gedankengut einhergeht, hat bei vielen Linken den Status eines Dogmas und verhindert, das Thema als Antrieb für einen progressiven gesellschaftlichen Wandel zu nutzen.

Quelle: Makroskop

Anmerkung Mark Smith: Ausgangspunkt des Beitrags von Thomas Fazi sind der Brexit, die Wahl Donald Trumps, die Ablehnung der Reformen Matteo Renzis in Italien sowie der wachsende Zuspruch der rechtspopulistischen Parteien in Europa, die er alle als Ablehnung der (neo-)liberalen Ordnung interpretiert. Diese Einschätzung dürfte m.E. zu kurz greifen, zumal er diese Phänomene bloß mit ökonomischen Verteilungsfragen erklären möchte und beispielsweise kulturelle Identitäts- oder politische Repräsentationskrisen außen vor lässt. Die weiteren Überlegungen von Fazi sind jedoch bedenkenswert: Neoliberalismus und Globalisierung haben zu einer Entpolitisierung der ökonomischen Steuerungsfähigkeit des Nationalstaates geführt, die auf supranationaler Ebene wie beispielsweise der EU nicht korrigiert wurden. Für ihn ist es deshalb falsch, wenn Brexit und Trump quasi nur als nationalistisch bzw. reaktionär bezeichnet werden, wie dies die Linke mache, sondern die Rückkehr zur nationalen Souveränität sieht er als Ausdruck einer Repolitisierung der ökonomischen Steuerungsfähigkeit. Nationale Souveränität in ökonomischen Fragen und Kooperation mit internationalen, multilateralen oder supranationalen Institutionen sind für ihn kein Widerspruch.


  • Warum nicht einfach eine „Allee der Diskriminierten“?

Martenstein über Berliner Straßennamen

Ein Afrikaforscher soll in Wedding gegen eine Sklavenhändlerin ausgetauscht werden. Eine Glosse über die Umbenennung von Straßennamen im Auftrag der politischen Korrektheit.

Quelle: tagesspiegel.de


  • Klima: Leugner, Phobiker und Heuchler

Wieder hat die Welt Gelegenheit, sich an Donald Trump abzureagieren. Vergessen wird dabei geflissentlich, dass auch der Rest der Welt keineswegs so eifrig in Sachen Klimawandel ist, wie er gern von sich selbst behauptet.

Quelle: Makroskop


  • Trumps törichte Außenpolitik

Man kann nicht den Islamismus bekämpfen und gleichzeitig Saudi-Arabien unterstützen.

Die erste Auslandsreise von US-Präsident Donald Trump führte in die saudische Hauptstadt Riad. Sein Besuch erregte Aufsehen; nicht nur wegen eines merkwürdigen Fotos, das ihn mit dem ägyptischen Präsidenten und dem saudischen König bei der Eröffnung des Global Center for Combating Extremist Ideology (Globales Zentrum zur Bekämpfung extremistischer Ideologie) zeigt und an eine Szene aus den „Herr der Ringe“-Filmen erinnert.

Quelle: novo argumente

Anmerkung Mark Smith: Der erste Satz des Beitrages sagt eigentlich schon alles: Wer den Islamismus bekämpfen will, kann nicht Saudi-Arabien unterstützen, das Hauptgeldgeber jihadistischer Gruppen und Förderer der fundamentalistischen Wahhabiten-Ideologie ist.


  • Katar-Krise: Expertengespräch mit Michael Lüders am 07.06.17

Anmerkung Mark Smith: Saudi-Arabien und andere Staaten setzen Katar unter Druck. Dabei geht es vor allem um den Konflikt zwischen dem schiitischen Iran und dem sunnitischen Saudi-Arabien um die Vorherrschaft im Nahen Osten. Für den Nahost-Experten Michael Lüders hat diese Krise eine neue Qualität in der Eskalationsstufe dieser Region erreicht.


  • Terrorverharmlosung mit Statistik und Filterblase

Nehmen wir einmal an – rein hypothetisch natürlich – zwei Tage nach der Entdeckung des NSU hätte sich ein weithin bekannter, freier Mitarbeiter des ZDF im Netz hingestellt und auf die Türken in Deutschland beruhigend eingeredet, sie sollten sich von der Angst vor Anschlägen nicht übermannen lassen; die Wahrscheinlichkeit, dem rechtsextremen Terror in Deutschland zum Opfer zu fallen, sei verschwindend gering, und sie sollten mehr Angst vor sich selbst haben, denn Türken würden sich, statistisch gesehen, mehrere hundert mal eher selbst umbringen, als durch Terror deutscher Nazis zu sterben. Was wäre wohl mit so einem Journalisten geschehen?

Quelle: blog.faz.net

Anmerkung Mark Smith: Nur frage ich mich bei Don Alphonso, wo denn die Opfer von Drohnenkriege und Terror des Westens gegenüber Muslimen und arabischen Ländern sind? Und dass der Westen eben auch seinen Anteil am Terror hat, das will man bei Don Alphonso schon überhaupt nicht sehen.


  • Homo sapiens lebte schon vor 300.000 Jahren

Jean-Jacques Hublin kann seine Freude nicht zurückhalten. „Es ist ein wirklich außergewöhnlicher Fund, es ist der eine Fund“, schwärmt er. Sein Fund wird von Kollegen gefeiert, das Fachmagazin „Nature“ featurt ihn auf der Titelseite. „Es ist die Veröffentlichung meines Lebens!“ Der Anthropologe vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig hat zusammen mit seinem Team in Marokko fossile Knochenreste und Steinwerkzeuge ausgegraben, die mindestens 300.000 Jahre alt sind.

Quelle: welt.de

Anmerkung Mark Smith: Der Mensch soll also nicht erst seit 160‘000 Jahren existieren und ursprünglich aus Ostafrika entstammen, sondern bereits seit 300‘000 Jahren existieren und in unterschiedlichen Regionen des afrikanischen Kontinents Spuren hinterlassen haben.


  • Die politisch Korrekte

Lara: Es reicht! Ich bin so sauer. Es geht mir auf die Nerven, dass ich nicht einmal jemanden als Rassisten bezeichnen kann, ohne gleich als «politisch Korrekte» zu gelten. Nur weil man etwas ausspricht, das niemand hören möchte, wird man sofort in die Gutmenschen-Ecke gestellt. Ich bin wirklich überhaupt nicht politisch korrekt, aber man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass einer ein schwulenfeindliches Arschloch ist. Diese Gesinnungspolizei geht mir so auf die Nerven. Nur weil niemand mehr wagt, die Dinge beim Namen zu nennen, wie zum Beispiel, dass Sexismus Gewalt fördert. Nur weil niemand so eine unbequeme Wahrheit hören will, wird das sofort als «Gutdenke» abgestempelt.

Quelle: Der TagesAnzeiger

Anmerkung Mark Smith: Den Gegnern des politisch Korrekten geht es hier an den Kragen! 🙂


  • 50 Jahre israelische Besatzung

Eine Tagung in Frankfurt wirft die Frage auf: Was ist daran Kritik und was Antisemitismus?

Der Einladung folgten Drohungen und die Aufforderung, den Veranstaltern die Räume zu kündigen, was dann auch geschah. Das Amtsgericht widersprach der Kündigung. Die Tagung kann stattfinden … und die Diskussion auch.

Quelle: Rubikon

Anmerkung Mark Smith: In diesem Kontext ist immer wieder mal das Buch von Moshe Zuckermann mit dem Titel „Antisemit!: Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument“ erhellend.


  • Letzte Bastion Meinungsfreiheit

Von der Vorstellung, das Internet solle von staatlichen Eingriffen grundsätzlich frei sein, haben sich die herrschenden Politcliquen des sogenannten freien Westens schon lange verabschiedet.

Quelle: Rubikon

Anmerkung Mark Smith: Der Text ist m.E. doch stark mit Plattitüden vollgespickt, aber der Tendenz nach vermutlich richtig.


  • Kampf den Schneeflocken

Rezension von Terri Murray

Warum sind junge Menschen heute so überempfindlich? Ein neues Buch von Claire Fox beschäftigt sich mit den Ursprüngen der „Generation Schneeflocke“.

Das Buch „I Find That Offensive“ von Claire Fox ist ein Aufruf an die „Generation Schneeflocke“. Die Direktorin des britischen Think-Tanks Institute of Ideas will junge Menschen ermutigen, ihren Schutzpanzer abzuwerfen und die Herausforderung des Erwachsenseins anzunehmen.

Quelle: novo argumente

Anmerkung Mark Smith: Safespace, Triggerwarnungen, Mikroaggressionen sind in aller Munde und primär von den jüngeren Generationen in Umlauf gebracht. Die Rezension bespricht das Buch „I Find That Offensive“ von Claire Fox, das der Verletzlichkeit und dem Opferdasein der heutigen Jugend nachgeht.


  • Die Komplizin

Abgehoben Ivanka Trump hat ein Buch über arbeitende Frauen geschrieben. Es ergänzt die antifeministische Politik ihres Vaters. Eine Abrechnung.

Ivanka Trump hat ein Buch über weibliches Empowerment geschrieben – und es ist ungefähr so feministisch wie ein Bikiniwaxing in Hakenkreuzform. Gäbe es in Women Who Work irgendwelche Ratschläge, die auch nur im Ansatz relevant sein könnten für eine Frau, die schon einmal für ihren Lebensunterhalt arbeiten musste, müssten wir das Buch für sich genommen ernst nehmen. So aber können wir diesen Wirrwarr alberner Plattitüden, zusammengetragen von einer Erbin und Unternehmerin, im kalten, harten Licht der postliberalen Propagandakriege betrachten.

Quelle: Freitag.de

Anmerkung Mark Smith: Der neuste Text von Laurie Penny bringt auch immer die gleiche alte Leier. Auch dieser ist wieder einmal voll von Kampfbegriffen und Plattitüden, die das tiefere Nachdenken über Probleme dieser Welt sicherlich nicht fördert und ein „dezisionistisches“ Denken begünstigt.

  • Leo Fischer: Nichtmehrlinke

Inzwischen scheint der Markt der Exliberalen gesättigt – trotzdem gibt es Nachzügler, die glauben, dass noch ein paar Krumen vom Tisch des Konservatismus fallen könnten. Zuletzt meinte die Verbandszeitschrift der Studienräte »Die Zeit«, auf das tote Pferd »politische Korrektheit« einprügeln zu müssen. (…) In derselben »Zeit« veröffentlichte Verena Friederike Hasel, die ansonsten eher über das eigene Muttersein, Kindergärten, Hebammen und andere BDM-Themen zu schreiben pflegt, eine klare Abrechnung mit dem »linksliberalen Milieu«, dem sie sich anscheinend bisher zurechnete. »Seit einiger Zeit verliere ich mein Gefühl der Zugehörigkeit«, heißt es da klagend. »Das linksliberale Milieu, aus dem ich stamme, befremdet mich mehr und mehr«; »selbstgerecht, intolerant und realitätsfern« gehe es da zu.

Quelle: Neues Deutschland

Anmerkung Lucas Schoppe: Ich würde gern einen Preis vergeben an einen Artikel, den ich in dieser Woche ganz besonders dämlich fand und der sich damit sogar gegen Laurie Penny durchsetzen konnte. Ich weiß noch nicht, wie dieser Preis heißen könnte – vielleicht „Güldener Luftballon“, weil er einen Text auszeichnet, der hohl ist, der trotzdem oder gerade deshalb medial nach oben steigt und der oberflächlich glitzert, ohne tatsächlich etwas zu bieten zu haben. Leo Fischer, ehemals von der Titanic, geht hier auf abtrünnige Linke wie Jan Fleischhauer oder Verena Friederike Hasel los, denen er unterstellt, in einer nach rechts kippenden politischen Landschaft ginge es ihnen einfach nur um „Lob und Schulterklopfen für ihren Last-Minute-Opportunismus“. Boshaft, unterstellend und garantiert argumentfrei agiert Fischer wie ein Schäferhund, der aufgeregt herumläuft und aufpasst, dass sich kein Schaf zu weit von der Herde entfernt. Dabei ist gerade Hasels im April erschienene Kritik an einer Linken, die sich in Identitätspolitiken und Intoleranz verliert, in meinen Augen wirklich lesenswert.

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29 Comments

  • Da haben wir den Don Alphonso aber schön interpretiert.
    Wagt der es sich doch einfach, keine Weltlösungsformel abzudrucken.

    Wir müssen seit 2001 in ganz unterschiedlichen Ländern gelebt haben.
    In meinem war jemand Kanzler, der sich gegen die Einsätze gestellt hatte und es gab eine Bevölkerung, die zu 90% dahinter stand.

    Und Don Alphonsos Artikel handelt von Eingriffen in die Menschenrechte, die übrigens nicht für Muslime gelten, die haben eine eigene Menschenrechtscharta, welche ganz praktisch die Scharia fordert, welche ganz unpraktisch zum Beispiel meinen Kopf fordert, wo ihrer ist Marc Smith, mag ich mir nicht vorstellen.
    Man kann das auf Wikipedia leicht nachlesen.

    Mit dem Eingriff in unsere Menschenrechte und Informationsfreiheit wird nun erstmal eines erreicht, nämlich das die eingangs genannten 90% Widerspruch gegen Krieg und Terror, verstummen und die einzige Möglichkeit, die demokratische, die wir haben dagegen etwas zu unternehmen nur noch mehr eingeschränkt wird.

    Witzeln Sie ruhig weiter über die Scheffel unter welche ich mich stelle, was Sie betreiben ist vollkommen unlustig und einfach dumm…

    • @ vagina > logic

      Keine Ahnung, was Du mit Weltlösungsformel meinst. Hat die jemand gefordert?
       Wie steht es mit Waffenlieferungen in Krisengebiete durch Deutschland?
       Wie steht es mit dem Drohnenkrieg, der offenbar auch mit logistischer Unterstützung Deutschlands stattfindet?
       Wie steht es mit der Unterstützung von gewissen Regierungen, die den Islamismus fördern? Ökonomisch, militärisch, logistisch, symbolisch?
       Wie steht es mit direkter oder indirekter Einmischung im Krieg in Syrien?
       Wie steht es mit einer gerechteren Weltwirtschaftsordnung?
      Das sind alles Faktoren, die m.E. mitberücksichtigt werden müssen, wenn man über den weltweiten Terrorismus, der vom Westen wie von den Islamisten geführt wird, spricht.
      Und wie wäre es, wenn Du ohne ad personam-Bezüge schreiben würdest?

      • Der Don schreibt intelligent, das ist die Haben-Seite; auf der Soll-Seite steht, dass man Geduld braucht, um dahinter zu steigen, was er meint. Eselsgeduld.

        Er notiert zutreffend, dass die Spirale der Überwachung nichts bringt, einerseits, fordert aber – und das ist seine Kernaussage diesmal –, überhaupt mal zur Kenntnis zu nehmen, dass islamische Parallelgesellschaften mitten in Deutschland existieren. Anstelle die Schere im Kopf anzusetzen, „die seien alle nur lieb, nur unverstanden“.

        Das Verbrechen der Drohnenmorde steht in keinem Zusammenhang mit, beispielsweise, Ehrenmorden in Familien, die seit zig Jahren ein Deutschland leben.

        • Grundsätzlich finde ich es völlig richtig zu überlegen, inwieweit wir selbst den Terror mit begünstigen – einfach schon, um nicht in das Gefühl zu rutschen, der Situation ganz ausgeliefert zu sein. Es hilft auch gegen Selbstgerechtigkeit.

          @ Wolf-Dieter „Das Verbrechen der Drohnenmorde steht in keinem Zusammenhang mit, beispielsweise, Ehrenmorden in Familien, die seit zig Jahren ein Deutschland leben.“ Das allerdings sehe ich in diesem Punkt ähnlich.

          Den Drohnenkrieg finde ich auch verbrecherisch, und zudem ungeheuer gefährlich – weil er eine Kriegsführung ermöglicht, die Schwellen erheblich senkt, da eigene Verluste an Menschenleben gar nicht mehr mit einkalkuliert werden müssen. Zudem wird das Töten zu einem vollkommen abstrakten Akt – für die Täter, nicht für die Opfer natürlich.

          Aber das bedeutet noch nicht, dass der Drohnenkrieg auch eine URSACHE für den Terror ist.

          Ich glaube, hier müssen wir aufpassen, dass das diffuse Gefühl des Mitschuldidgseins keine Verbindungen konstruiert, die gar nicht nachweisbar sind. Als ob der Terror irgendwie eine Strafe wäre, mit der wir hätten rechnen müssen. Um mal ein sehr harmloses Beispiel zu wählen: Wenn ein kleines Kind aus dem Geldbeutel der Eltern ein paar Münzen geklaut hat – und wenn es dann bald darauf heftig donnert: Dann wird das Kind den Donner möglicherweise als Reaktion auf die eigene Handlung ansehen. Das sagt aber allein etwas über seine eigenen Schuldgefühle aus, nichts über die Ursachen des Donners.

          Allerdings hat Mark ja noch eine Reihe anderer Beispiele genannt – Waffenlieferungen sowie die Unterstützung von Regierungen, die ihrerseits den Terror unterstützen. Da gibt es natürlich sehr wohl sachliche Zusammenhänge mit dem Terror. Dass Trump ausgerechnet Saudi-Arabien in den Status eines der wichtigsten Verbündeten hebt, finde ich zum Beispiel irre.

          @ Mark Don Alphonso redet übrigens, so wie ich ihn verstehe, die Opfer westlicher Politik überhaupt nicht klein – sein Thema ist einfach der Umgang mit dem Terror in Europa und der rituelle Versuch, die Gewalt dieses Terrors kleinzureden. Da hat er m.E. einfach recht.

          • @ Schoppe

            LIes doch mal den folgenden Text von Heiner Flassbeck und dann den Text von Don Alphonso.
            Klar, Don Alphonso fokussiert auf einen bestimmten Aspekt (Statistikvergleich) und Flassbeck geht die Problematik breiter an. Ich vermute jedoch, auch wenn Don Alphonso die Problematik breiter angehen würde, würde nie ein gleicher Text wie der von Flassbeck herauskommen. Und das kritisiere ich an Don Alphonso.

            Der Tod in Paris und unsere Schuld
            Von Heiner Flassbeck
            http://demokratie-reloaded.de/heiner-flassbeck-der-terror-von-paris-und-die-schuld-des-westens/

          • @Mark:

            auch wenn Don Alphonso die Problematik breiter angehen würde, würde nie ein gleicher Text wie der von Flassbeck herauskommen. Und das kritisiere ich an Don Alphonso.

            Ich verstehe nicht was genau du kritisierst. Dass der Text von Don Alphonso anders ist als der von Flassbeck? So steht es da, aber ich denke so hast du es nicht gemeint…

            Ich habe beide Texte gelesen, und ich denke beide haben valide Punkte. Bei Flassbeck kommt mir ein bisschen zuviel der erhobenen Zeigefinger durch, wir (westl. Europa & Amerika) wären an allem schuld. Das ist m.M.n. dieselbe Polemik die beim politischen Gegner („rechts“) nach Kräften kritisert wird, nur von der anderen Seite.
            Wenn Flassbeck schreibt

            Auch zu uns werden viele traumatisierte Menschen kommen. Was aus ihnen wird, entscheiden wiederum in erster Linie wir, nämlich durch den täglichen Umgang mit ihnen.

            dann verwendet er dieselben Klischees und Simplifizierungen die er auf der anderen Seite kritisiert.
            Was aus jemandem wird entscheidet in erster Linie er selbst. Wer es so wie hier darstellt als hätte die Person selbst überhaupt keinen Einfluss darauf wie sich ihr Leben entwickelt, der entmenschlicht (hier) Flüchtlinge ebenso wie (dort) „die Ausländer, die alle kriminell sind“.
            Ausländer und Flüchtlinge sind ebenso (!) selbstbestimmte Menschen wie andere Bürger auch. Es mag sein, dass sie spezifische Probleme und Schwierigkeiten haben, dann sollten diese gebührend diskutiert werden. Diese Probleme und Schwierigkeiten („unser Umgang mit ihnen“) sind jedoch nicht ursächlich dafür dass einer sich einen Sprengstoffgürtel umschnallt und mitten im Kaufhaus in die Luft sprengt!
            Bei Flassbeck kann der Terrorist eigentlich gar nichts dafür, er musste quasi so handeln weil wir ihm keine andere Wahl ließen. Das ist einfach Unsinn.

          • @pingpong

            Ich gehe davon aus, dass Flassbeck einmal die nicht-hegemoniale Perspekive oder das nicht-hegemoniale Narrativ eingebracht hat. Don Alphonso erzählt m.E. das hegemoniale Narrativ.

            Nun ist es eben immer eine empirische Frage, die insbesondere von den Sozialwissenschaften, teilweise den Kulturwissenschaften beantwortet werden muss, was einen Menschen „determiniert“. Die Frage stellt sich dann soweit, dass man sagen kann: Gibt es überhaupt einen freien Willen oder ist alles quasi durch unterschiedlichste unabhängige Variablen determiniert? Du gehst nun von einem freien Willen aus, aber auch hier stellt sich die Frage, in welchem Ausmass eben unabhängige Variablen (Anlage plus Umwelt) einen Einfluss auf das Verhalten der Menschen haben. Einfach zu propagieren, das Subjekt ist mündig und autonom, sagt ja noch nichts darüber aus, wie hoch dieser Anteil der Autonomie und der Mündigkeit noch ist, wenn unterschiedlichste unabhängige Variablen auf das Subjekt einwirken.

            Natürlich ist die Perspektive von Flassbeck auch unvollständig, aber wie gesagt, Flassbeck bringt vor allem eine nicht-hegemoniale Perspektive ins Spiel, die im Medien-Mainstream vielfach aussen vor gelassen wird.

          • @Mark: Ich halte eine Einteilung in hegemoniales bzw. nicht-hegemoniales Narrativ angesichts des Terrors wie wir ihn zur Zeit in Europa erleben für unangebracht. Lucas hatte kürzlich einen Artikel darüber, wo bleibt die Wut oder so ähnlich, dort ging es auch darum.

            Die Beschäftigung mit solchen „Elfenbeinturm“-Fragen (hegemoniale Perspektive) ist einer der wesentlichen Gründe warum quer durch Europa die linken bzw. sozialistischen Parteien abstürzen.
            Auch die Frage nach dem freien Willen oder Determinierung ist hier fehl am Platz. Angesichts des Mordes an Unschuldigen (!) stellt sich diese Frage nicht, i.a. weiß jeder dass Mord nicht ok ist. Man kann es mit dem Verständnis für schwierige Situationen, in denen Menschen manchmal unbedachte Entscheidungen treffen, auch zu weit treiben.

          • @pingpong

            Du kannst natürlich die Ursachen nicht zur Kenntnis nehmen und lieber den Kopf in den Sand stecken und dann darauf hinweisen, dass die Bürger doch lieber die Hardliner wählen, zumal sie ja nicht die realen Ursachen anschauen wollen. Nur wird Dir das vermutlich im Endergebnis nicht viel helfen.
            Dein Statement ist primär populistisch bzw. politisch.
            In England hat Labour so gut abgeschnitten, wie seit Jahren nicht mehr.
            Auch Jean-Luc Mélenchon hat nicht schlecht abgeschnitten in Frankreich. Auch Bernie Sanders hat nicht soo schlecht abgeschnitten. Aber darum geht es überhaupt nicht.

            Wer die realen Ursachen nicht lösen will, der wird m.E. erst recht die Karre an die Wand fahren. Übrigens ist meine Einschätzung der Situation doch immer wieder durch die Wissenschaft bestätigt worden. Ich verweise einmal auf Jochen Hippler:
            http://www.jochenhippler.de/html/naher_osten_-_terrorismus_und_gewalt.html

          • @Mark
            Du sagst: Du kannst natürlich die Ursachen nicht zur Kenntnis nehmen

            Darauf passt Lucas‘ Antwort, ich kopiere sie hier herein:
            Aber das bedeutet noch nicht, dass der Drohnenkrieg auch eine URSACHE für den Terror ist.

            Ich glaube, hier müssen wir aufpassen, dass das diffuse Gefühl des Mitschuldidgseins keine Verbindungen konstruiert, die gar nicht nachweisbar sind.

            ich sehe das auch so. Weder du noch ich wissen alle realen Ursachen und wie sie miteinander interagieren. Deshalb ist meine Aussage primär realistisch, mit „Kopf in den Sand stecken“ hat das aus meiner Sicht nichts zu tun. Wenn sich jemand in einem Kaufhaus inmitten von Zivilisten in die Luft sprengt, dann ist das ein terroristischer Akt und als solcher zu verurteilen, Punkt. Ob sich ein Flüchtling in Europa oder ein Europäer in Bagdad in die Luft sprengt ist für diese Bewertung egal.
            Bedenklich wird es im Gegenteil gerade dann, wenn du dasselbe Verhalten unterschiedlich wertest je nachdem wer es tut. An einer anderen Stelle habe ich kürzlich die Frage gelesen, warum ich (Europäer) in der Straßenbahn wegen lauten Telefonierens angeschnauzt werde, während man beim Araber der dasselbe tut nichts sagt. Es ist ein plakatives Beispiel, aber es zeigt worum es geht.

            Auch Bernie Sanders hat nicht soo schlecht abgeschnitten. Aber darum geht es überhaupt nicht.
            Doch darum ging es mir. Ich sehe das ähnlich wie andere das schon öfter ausgedrückt haben, es ist keine Rechtsruck sondern eine Linksflucht. Und der Grund dafür ist aus meiner Sicht genau dieser umgekehrte Populismus, der selbst angesichts solcher Terrorattacken keine klaren Worte findet, sondern eine diffuse Schuld der westlichen Welt suggeriert. Realismus tut not, und das kriegen die nationalistischen Parteien zur Zeit besser hin. Dass diese leider noch eine ganze andere Menge durchaus kritikwürdige Positionen vertreten ist da eher ein Kollateralschaden.

            Im Flüchtlingssommer wurde jeder der nicht in die allgemeinen Euphorie „Wie nehmen alle auf“ einstimmte teilnahm als Nazi beschimpft. Und wenn er nur zur Vorsicht mahnte, dass es eventuell Schwierigkeiten mit sich bringt wenn man Tausende Leute unkontrolliert (!) einreisen lässt. Heute ist dieselbe Haltung und dem Druck der Realität Mainstream. Mehr Realismus tut not.

          • @pingpong

            Du darfst das gerne so sehen, ich sehe es anders und es wird wahrscheinlich nicht viel bringen, wenn wir uns weiter die Finger wund schreiben.
            Wenn Du den Text von Jochen Hippler gelesen hast, hast Du gesehen, dass Interventionen und Besatzungen ein wesentlicher Faktor für Terrorismus sein können. Dieser Faktor zu lokalisieren, ist auch nicht so schwierig, weil man in der Politikwissenschaft vor allem über den Vergleich (synchroner und diachroner Vergleich) ziemlich genau sehen kann, ob eine Korrelation vorliegt oder nicht. Das heisst: Dieser Faktor (Interventionen bzw. Besatzung) ist offenbar in der Konfliktforschung gut bestätigt. Du kannst natürlich nun diesen gut bestätigten Faktor ignorieren und somit den Kopf in den Sand stecken, weil Du nämlich den eigenen Anteil des Westens verleugnest.

            Schön wäre es zudem, wenn Du mir nicht Sachen unterstellst, die ich nie geschrieben habe wie z.B., dass ich gewisse Sachen unterschiedlich bewerte.
            Du darfst ja gerne die populistischen oder nationalistischen Parteien wählen sowie die Hardliner, ich habe hier eine total andere Sicht als Du. Wünsche weiterhin angenehmen Aufenhalt hier. 🙂

          • @ Mark & Pingpong:

            Ich denke, es ist sinnlos, ausdiskutieren zu wollen, welches Narrativ geeigneter ist, um Antworten auf die Frage: „Was tun gegen Terrorismus?“, zu finden.
            In einer bestimmten Situation mag das eine oder andere ja scheinbar Lösungen liefern, bspw. daß jemand, der eine Bombe zu zünden droht, erschossen wird ( wobei mich trotzdem wundert, daß die alle so sauber getroffen werden, daß sie gleich tot sind, statistisch gesehen ist das m.E. eher unwahrscheinlich ). Oder, daß Entwicklungshilfe Terrorismus dämpfen kann.

            Eine klare Abgrenzung, im Sinne von: „Wir lösen das jetzt mal ganz pragmatisch nach Schema F, kann es aber nicht geben.

            Es gibt Flüchtlinge, die sind quasi barfuß dem Kugelhagel entkommen. Denen mit Obergrenzen zu kommen, wenn es noch gar keine Not hier gibt, ist mehr als zynisch.
            Und es gibt jede Menge andere Migranten, die gezwungen werden, als Asylanten Regeln zu folgen, die für sie absolut sinnlos sind ( dem Arbeitsverbot z.B. ). Da müßte mehr Wert auf Ursachenbekämpfung schon im bestehenden diplomatischen Austausch Wert gelegt werden ( Mit Georgien und Albanien z.B. ), damit in diesen Ländern bessere Aufklärung betrieben wird. Vermutlich wird das aber durch massive Wirtschaftsinteressen verhindert.

            Schon die „Pragmatik“: „Wer einen Anschlag begeht, ist Terrorist“, haut nicht hin, mal abgesehen davon, daß damit erst nach einem Anschlag eine Identifikation möglich wäre. Sicher, wer einen Sprenggürtel umgeschnallt hat, hatte zumindest Zeit, sich ein paar relativ freie Gedanken zu machen.
            Aber was ist mit dem Axttäter in der bayrischen Nahverkehrsbahn?
            Der kam aus Aleppo. Und wurde als Asylant abgelehnt. Er wurde im Asylcontainer belassen, bis er psychisch auffällig wurde, dann eine Weile in eine Psychiatrie gesteckt. Danach wieder monatelang im Container gehalten.
            Dann ist er ausgerastet, hat sich ein Beil geschnappt und ist in der Bahn Amok gelaufen.
            Und das kann ich halbwegs nachvollziehen.
            Warum wurde er nicht als Flüchtling anerkannt?
            Ich weiß es nicht, aber es riecht nach ganzen zwei Möglichkeiten:
            Entweder gab es beim Interview persönlichen Zwist, oder es gab eine kurzfristige Richtlinie für die Laienentscheider.
            Und warum wurde er nicht ausreichend medizinisch versorgt ( das setze ich einfach mal voraus, sonst hätte es mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen Amoklauf gegeben, zumindest nicht so einen dummen )?
            Weiß ich auch nicht, spekuliere aber naheliegend, daß das nix mit Flüchtlingen direkt zu tun hat, sondern eher mit ganz banalen Unzulänglichkeiten unserer Psychokliniken, die nämlich keineswegs das Ziel haben, sich möglichst umfassend überflüssig zu machen, sondern als profitorientierte Wirtschaftsbetriebe ausgelegt sind.
            Vielleicht war es nur nicht budgetadäquat wg. jedem Furz eines einzelnen Syrers immer gleich einen teuren Dolmetscher anzufordern, oder so.

            Was ich damit sagen will ist: „Mehr Realismus tut Not!“
            Also gerade keine pauschalen Milchmädchenrechnungen!

            Und es wird viel Müll in der Politik zu dem Thema produziert.
            Ich habe auf Diaspora mal erwähnt, daß ich es dusselig finde, daß es zwar Pflicht jeden Bundesbürgers ist, ein biometrisches Foto in Perso o. Pass zu haben, daß aber angebl. Asylbewerber nur ganz normal fotografiert werden und die Fotos nur als Papierausdruck existieren.
            Oha, da bekamen gleich einige Schnappatmung.
            Sicher bin ich für Daten- u. Persönlichkeitsrehtsschutz. Ich specke mein Wondows sorgfältig gab und W10 kommt mir nicht in die Tüte. Eine Konsumhaltung, wie z.B.: „ich fahre Linux, das ist sicher“, ist m.E. mindestens saudämlich.
            Aber gegen eine Erfassung und zentrale Speicherung durch den Zentralruf der Autoversicherer haben scheinbar selbst die progressivsten Möchtegernlinken nix einzuwenden. Auch nicht gegen eine EU-zentrale Speicherung.
            Aber wenn bekannt wird, daß einer schon drei mal eingereist, und insgesamt unter sieben Namen irgendwo in Europa herumgereist ist, überall als „neu“ angenommen wurde, bevor er dann als Terrorist aktiv wurde, dann wird so debattiert: „Sicher, hmmm, das ist ein Problem, aber das mit den Fingerabdrücken funktioniert irgendwie nicht so richtig“.
            Komisch nur, daß mir noch keiner erklären konnte, warum über das naheliegenste überhaupt gar nicht erst geredet wird.
            Tabu, weil ( hier irgendeine lange Verschwurbelung einfügen, die eigentlich nur ein paar so Begriffe wie z.B. „Querfront“, Rassismus, Datenschutz o.ä. möglich zusammenhanglos enthalten muß, dann passt das schon ).
            Das hat m.E. nix, aber rein gar nix, mit Pragmatismus, Ursachenbekämpfung, oder gar Menschenwürde zu tun, es ist einfach gezielt propagierte politische Blödheit.
            Und offenbar fallen die meisten darauf herein und schließen sich einer der beiden Hauptgruppen an, ohne sich auch nur die grundlegendsten Gedanken zur Thematik zu machen.

  • Leo Fischers Kritik an Hasels Text – und insbesondere an ihrem Verständnis von „Links“ – ist korrekt und zu begrüßen.

    Hasel schreibt, sie habe in jungen Jahren gegen Golfkrieg demonstriert (habe ich auch), habe mit Häftlingen ein Stück eingeübt, habe nächteweise Flüchtlinge aufgenommen. Schick. Ist sie ein lieber Mensch? Sicher. Ist sie „links“? Iwo. Nie gewesen. Aber sie denkt das.

    Das – und nichts anderes – schreibt Fischer, und Recht hat er.

    Sein Schlusssatz ist übel, gemein und unbezahlbar gut!

    • Nachtrag, Hasel ist zuzustimmen mit Kritik an „narzisstischer Selbstüberhöhung“ einer Szene, die sie als „links“ missversteht, und von der sie sich verabschiedet. Ich bevorzuge die Bezeichnung Quasi-Linke. Haben linke Attitüde übernommen ohne deren Sinngehalt.

      Und nach dem Abschied wendet sie sich wohin? Genau: nach rechts. Anstatt den Sinngehalt von „Links“ zu hinterfragen; nach genauerer Analyse steht ihr immer noch der Weg ins konservative Lager offen.

      Konvertiten sind ja so was von widerlich!

      • @ Wolf-Dieter „Und nach dem Abschied wendet sie sich wohin? Genau: nach rechts. Anstatt den Sinngehalt von „Links“ zu hinterfragen; nach genauerer Analyse steht ihr immer noch der Weg ins konservative Lager offen.“ Das ist eben der Punkt, den ich bei Hasel auch falsch finde. Anstatt die naheliegende Frage zu stellen, was denn eigentlich an dem von ihr beschriebenen Milieu „links“ sein sollte, verabschiedet sie sich selbst rundweg von der Linken.

        Das macht aber Fischers Text nicht besser. Der stellt nebenbei klar, dass er dieses Milieu – linksliberal, bildungsbürgerlich, rot-grün mit Tendenz zu grün – auch recht unappetitlich findet („Unter solchen Menschen könnte einem schon ganz grundsätzlich unwohl sein“) – aber er übernimmt daraus eben das, was Hasel kritisiert: die ständige Bereitschaft zum Moralisieren und zum radikalen Diskreditieren anderer Meinungen.

        Hasel findet zum Beispiel, „dass man Obergrenzen durchaus sinnvoll finden kann und deshalb noch lange nicht irre ist.“ Aber sie hält damit lieber den Mund, weil es alle ihre Bekannten beim Brunch unglaublich finden, dass jemand überhaupt so eine Meinung haben kann.

        Das ist, zugegeben, ihre eigene Schuld und von ihr so vorsichtig wie möglich formuliert (nicht SIE ist für Obergrenzen, sie findet nur ganz allgemein, dass MAN sie sinnvoll finden KÖNNTE) – aber diese Vorsicht hat ja auch Gründe. Ich zum Beispiel habe nie so recht begriffen, wie jemand kategorisch gegen Obergrenzen sein kann, weil es doch offensichtlich ist, dass eine unbegrenzte Armutseinwanderung eher früher als später jeden Sozialstaat sprengen würde. Mag ja sein, dass ich da irgendwo einen Denkfehler habe, aber ich habe noch nie ein überzeugendes Argument dagegen gehört.

        Und von Fischer kommt eben auch keines. Der schreibt nur: „Hasel fühlt sich vor allem deshalb nicht willkommen, weil sie halt gerne Flüchtlinge im Meer ersaufen sieht.“

        Das ist dämlich. Auch in einer scharfen Polemik ist es schließlich nicht verboten, ab und zu auch mal ein Argument einzuflechten. Statt dessen – und das ist kennzeichnend für den ganzen Text – kommen von Fischer lediglich Unterstellungen im Hinblick auf Motive seiner Gegner und persönliche Diffamierungen.

        Das ist eben das Freund-Feind-Denken, dass Hasel an dem von ihr dargestellten quasi-linken Milieu kritisiert. Eine Kriegslogik, für die es nicht darum geht, Argumente zu formulieren und zu bewerten – sondern darum, zu identifizieren, auf welcher Seite jemand steht.

        Eben diese Kriegslogik unterstellt Fischer dann am Ende den „Rechten“. „Wäre ich ein Rechter, ich würde sie vom Gleis stoßen. Mit solchen Wetterfähnchen lässt sich doch kein Krieg gewinnen.“

        Auch das ist wieder vor allem moralisierend, und zudem falsch. Wer Opportunisten anzieht, ist schließlich logischerweise auf der Gewinnerseite, nicht bei den Verlierern. Opportunisten können Wechselprozesse, die sich andeuten, deutlich verstärken. Um keine Opportunisten anzuziehen, muss man – um hier mal kurz Bloch hineinzuziehen – ins Scheitern verliebt sein, nicht ins Gelingen.

        • @Lucas – im Kern sind wir einig, aaaaber … 😉

          Dass Hasel bei Kriegsflucht eine Obergrenze auch nur thematisiert, ist grenzdebil. Grundrechte (haben auch Ausländer) sind keine Verhandlungsmasse. Vergleiche es mit brennendem Haus, oben will einer durchs Fenster raus, und unten die Feuerwehr macht erstmal die gewerkschaftlich vereinbarte Brotpause. Nein. Hasels Standpunkt ist nicht satisfaktionsfähig. Fischer trifft höchstens der Vorwurf unverhältnismäßiger Zurückhaltung.

          Hasels Kommentar, „… weil sie gern Flüchtliche ersaufen sieht“ ist nicht dämlich, sonder polemisch. Die Spielart, in der er groß ist. Alles andere als Polemik wäre unangebracht. Es ist klar wie Klärchen – und Fischer will nichts anderes suggerieren – dass Hasel selbstverständlich keinem beim Absaufen zuguckt. Sondern dass Sie stattdessen den Rollo runter macht.

          Fischers Schlusssatz. „… Wetterfähnchen … keinen Krieg zu gewinnen …“ – Lieber Lucas, das hast du doch keinen Moment für Bares genommen! Das war doch nicht moralisiert, sondern gehetzt vom Feinsten!

          Ok. Du magst Fischer nicht. Ich finde ihn gut. Kein Streit deswegen. Im Kern sind wir einig, oder?

          • @ Wolf-Dieter Busch

            „Dass Hasel bei Kriegsflucht eine Obergrenze auch nur thematisiert, ist grenzdebil. Grundrechte (haben auch Ausländer) sind keine Verhandlungsmasse.“

            Ich denke, wenn wir bei dieser Sache mal versuchen ernsthaft zwei spezifische Perspektiven einzunehmen, 1. eine sozialwissenschaftliche und 2. eine verantwortungsethische, dann wird es schwer vermeidbar zu erkennen, dass es faktische Obergrenzen gibt, die in der gesellschaftlichen Realität verwurzelt sind und die nicht ignoriert werden können, ohne dass dies gravierende negative Konsequenzen hat.

            Wenn eine moderne westliche Gesellschaft dauerhaft unkontrollierte Masseneinwanderungen von Menschen zulässt, die aufgrund ihrer Sozialisationsbedingungen – für die sie nichts können – prämoderne Einstellungen und Mentalitäten haben, dann passieren ab einem gewissem Punkt drei Dinge:

            1. die Sozialsysteme brechen zusammen,
            2. die Unterbringungsmöglichkeiten erschöpfen sich,
            3. die entsprechende Gesellschaft wird in soziokultureller Hinsicht zerstört.

            Es kommt dann zu eine „Prämodernisierung“ einer ehemals modernen Gesellschaft, anstatt dessen, was wir m.E. eigentlich anstreben sollten – eine Modernisierung und Humanisierung prämoderner Gesellschaften.

            Jener Peter Scholl-Latour zugeschriebene Satz, den politisch korrekte postmoderne Linke nicht gerne hören, ist nämlich aus soziologischer und psychologischer Perspektive zutreffend: „Wer halb Kalkutta aufnimmt, rettet nicht Kalkutta, sondern wird selbst Kalkutta.“

            Die faktischen Obergrenzen einer modernen Gesellschaft nicht wahrhaben zu wollen, sie zu ignorieren anstatt sie von vornherein in eine wissenschaftliche, moralische und pragmatische Reflektion miteinzubeziehen, nützt nämlich am Ende niemandem, sondern schadet allen.

            Dies bedeutet in meiner Perspektive aber keineswegs, dass moderne westliche Gesellschaften Flüchtlinge im Stich lassen dürften, es bedeutet nicht, dass moderne westliche Gesellschaften den weltweiten Flüchtlingsströmen bzw. den Grundrechten der Flüchtlinge gegenüber keine moralische Verpflichtung hätten, die konsequent zu erfüllen ist.

            Es gibt Möglichkeiten den aktuellen Flüchtlingen sehr viel wirksamer zu helfen als durch unkontrollierte Masseneinwanderungen in moderne Gesellschaften. Die beiden linksliberalen Migrationsforscher Alexander Betts und Paul Collier haben hierzu z.B. ein gutes Buch geschrieben:

            Alexander Betts und Paul Collier – Gestrandet. Warum unsere Flüchtlingspolitik allen schadet und was jetzt zu tun ist, Siedler Verlag, 2017:

            https://www.bol.de/shop/home/suchartikel/gestrandet/paul_collier/EAN9783827500908/ID47878320.html

            Eine Rezension zu dem Buch findet sich hier:

            http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/alexander-betts-und-paul-colliers-gestrandet-14962168.html

            Paul Collier war ein Kritiker der deutschen Flüchtlingspolitik, m.E. zu Recht. In seinem Buch geht es u.a. darum, wie Flüchtlingen tatsächlich wirkungsvoll geholfen werden kann.

            Das bedeutet also: Wenn wir versuchen aus einer sozialwissenschaftlichen und verantwortungsethischen Perspektive an die Sache heranzugehen, dann ermöglicht uns dies unserer Verantwortung den Flüchtlingen zu helfen und unserer Verantwortung zum Erhalt moderner westlicher Gesellschaften gleichermaßen nachzukommen.

            Ich persönlich bin z.B. der Ansicht, dass bezüglich islamischer Flüchtlinge folgender Lösungsansatz am besten wäre:

            Konservativ-islamischen Flüchtlingen sollte m.E. geholfen werden, indem moderne westliche Gesellschaften Flüchtlingslager in islamischen Ländern so lange wie nötig finanzieren – und zwar großzügig finanzieren – so dass dort ein sicheres und erträgliches Leben für alle möglich ist, solange die Konflikte in ihren Herkunftsländern andauern. Dies wäre durch Menschenrechtsorganisationen dauerhaft zu überwachen.

            Wenn aus irgendwelchen Gründen keine Fluchtalternativen für sie vorhanden sind, müssten konservativ-islamische Flüchtlinge in modernen westlichen Gesellschaften aufgenommen werden. Dies wäre, wenn die Dinge, wie hier kurz skizziert, umgesetzt würden, aber sehr wahrscheinlich nur sehr selten der Fall, würde sich also auf sehr kleine Gruppen von konservativen Muslimen beschränken.

            Konservative Muslime, die als Flüchtlinge aufgenommen werden, weil für sie aus irgendwelchen Gründen keine Fluchtalternativen bestehen, sollten m.E. dann das Bleiberecht verlieren, wenn 1. die Bedrohung, vor der sie geflohen sind, in ihrem Herkunftsland nachweislich nicht mehr existiert oder wenn 2. eine reale Fluchtalternative in einem islamischen Land für sie gefunden wurde. In diesen Fällen sollten sie ausgewiesen werden. Dies müsste durch Menschenrechtsorganisationen überwacht werden, um sicherzustellen, dass nicht versucht wird, Personen einfach loszuwerden, indem man sie doch in Gebiete abschiebt, wo sie Bedrohungen ausgesetzt sind.

            Und ansonsten könnten moderne westliche Gesellschaften im Rahmen des beschriebenen Konzepts dann eine auswählende Flüchtlingspolitik bezüglich islamischer Flüchtlinge praktizieren, bei der die Integrationsbereitschaft geprüft und berücksichtigt werden kann.

            Hierbei ist allerdings mitzubedenken, dass es für die Herkunftsländer u.U. von Nachteil sein kann, wenn moderne westliche Gesellschaften viele gebildete und liberale Muslime aufnehmen, die dann in den Herkunftsländern später fehlen. Andererseits besteht natürlich eine moralische Verpflichtung liberale/aufgeklärte Muslime aufzunehmen, falls diese Bedrohungen ausgesetzt sind.

            Soweit mal ein paar Überlegungen dazu.

            Statt also abstrakt zu fordern, dass es keine Obergrenzen geben dürfe – und dabei die faktisch in der Realität der Dinge liegenden Obergrenzen zu ignorieren – wäre es m.E. besser das Denken und Handeln bei diesem Thema darauf auszurichten, jene beiden moralischen Verpflichtungen, welche Menschen in modernen westlichen Gesellschaften m.E. haben, so miteinander zu verbinden, dass sie möglichst wenig in Konflikt miteinander geraten – also zu versuchen der Verpflichtung den Flüchtlingen wirksam zu helfen und der Verpflichtung moderne Gesellschaften dauerhaft zu erhalten gleichermaßen gerecht zu werden.

            Und das wäre m.E. auch möglich: Es ist nur leider zur Zeit in politischer Hinsicht von links bis rechts nicht gewollt.
            Ich finde es aber trotzdem sinnvoll zumindest über solche Dinge nachzudenken.

          • @Wolf-Dieter @Lucas

            Richtig erstaunlich finde ich eigentlich, dass in der Frage der Flüchtlinge die *tatsächlichen Verursacher und Anheizer* der Kriege im Irak, Syrien und Libyen komplett außen vor bleiben.

            Man muss nur einmal auf die Liste der „Koalition der Willigen“ schauen und sich dann vergegenwärtigen, dass auf dieser auch die hartnäckigsten Verweigerer stehen, wenn es um die Aufnahme der Flüchtlinge aus den Regionen handelt, die sie selber destabilisiert und zerstört haben.

            Wenn ich Merkel wäre, würde ich fröhlich Rechnungen schreiben – das Haus einer Familie zu zerstören schaffe ich mit jeder Granate für 1000 Euro, diese Familie unter zu bekommen und zu verpflegen kostet 100.000 Euro.

            Aber es ist nicht nur so, dass die Folgekosten der Kriege nicht den Verursachern angehängt werden, sondern diese profilieren sich auch noch politisch damit, keine Verantwortung für ihre Taten zu übernehmen und auch nicht ihren humanitären Verpflichtungen nachzukommen.

            Und werden in einer rechten deutschen Presse dafür gefeiert.
            Bizarre Welt.

            Gruß crumar

          • @crumar – Urheber des Fluchtgrundes – das Thema war primär Fischers Verriss von Hasels Artikel; Lucas findet ihn zu aggressiv (richtig, Lucas?), ich allenfalls zu harmlos angesichts Hasels intergalaktischen Dämlichkeit.

            Urheber des Fluchtgrundes. Guter Punkt. Schaun wir mal, was Hasels Artikel … bzzz … kurze Unterbrechung, in wenigen Augenblicken geht das Programm weiter, wir danken für Ihre Geduld.

  • @Leszek (11.7.17 23:42) – meine Perspektive ist „verantwortungsethisch“. Ein Flüchtling ist in akuter Notlage und braucht Soforthilfe zur Überbrückung, bis er sich selbst helfen kann. Danach ist die Verantwortung zu Ende.

    Zur Erinnerung: es gab auch Zeiten mit umgekehrter Fluchtrichtung.

  • Zur »Preisfrage«: Wie wäre es mit dem »Goldenen Stratosphärenballon«? Beginnt unscheinbar, aber dehnt sich um so mehr aus, je dünner die Luft wird. Entfernt sich außerdem maximal vom Boden der Tatsachen und schwebt garantiert über allen Wolken. 🙂

    • Oh, Klasse. Ein Ideen-Wettbewerb.

      Mein Vorschlag: das „Rosa Wölkchen am Bande“.

      (Aber nicht für Leo Fischers Verriss.)

      • @ Wolf-Dieter Rosa Wölkchen hätten auch etwas Schönes. Ich kann mich an rosa Zuckerwatte erinnern, die ich als Kind auf dem Freimarkt (man sieht, ich komm aus Bremen) gegessen habe… Stimmt, viel Luft, viel Zucker, ein bisschen Farbstoff, irgendwie klebrig – aber irgendwie stimmt es auch nostalgisch.

        @ djadmoros Das mit dem Stratosphärenballon finde ich auch gut, nur fürchte ich, dass einige die Pointe nicht verstehen. Zumindest nicht die, die sich darüber ärgern sollen. Vielleicht wäre auch der Goldene Scheinriese nett (oder der Goldene Tur-Tur, aber da ist schon wieder zu viel literarische Anspielung dabei…) – sieht aus der Entfernung ganz groß aus und wird kleiner, je genauer man es anschaut.

        • Der Stratoballon gefällt mir grundsätzlich am besten. Bringt aber zuviel Umstände mit: ist zu lang und braucht ergänzende Hinweise, wie z.B.: „Abgehoben, Aufgebläht und ganz weit weg“.
          Bleibt wohl nur der Scheinriese ( unter „Herr Tur-Tur“ wird den kaum wer erkennen, befürchte ich ).
          Der Schlangenhut ( Sylvesterartikel, wo aus einem kleinen Kokelfeuer ein sehr langer Streifen Asche quillt ) hat wahrscheinlich zu wenig Erkennungswert.
          Und Popcorn ist nicht ungewöhnlich genug.

          Seifenblase ginge vielleicht noch, ist faszinierend und interessant, bis man ihr nahe kommt, dann – plop – isse wech …..

  • „Goldener Luftballon“ ist schon ganz ok und sogar besser als die „Goldene Himbeere“ (da kann man nämlich gar nicht ahnen, worauf sich diese Frucht überhaupt beziehen soll).

    Ob Leo Fischer den verdient hat, weiss ich nicht so recht. Sein Text jedenfalls ist gesamthaft betrachtet unterirdisch schlecht. Er will eigentlich eine tiefschwarze Parodie sein, aber die Karawane der Selbstverständlichkeiten (der Zeitgeist) ist ihm nicht mehr gewogen und so kann´s nicht mehr die Titanic sein wo er erscheint (weil das nicht mehr lustig ist und Fischers Selbstverständlichkeiten schal), sondern der Text wird zum Fussabtreter einer politischen Zeitschrift, auf dem man mal schnell ein wenig Verachtung für Abweichler verrichten darf.

    Würde mich übrigens überhaupt nicht wundern, wenn es Fischer ist, der mal bei den Rechten ablandet, nicht als „Wetterfähnchen“, eher „Fels in der Brandung“.

      • @Wolf-Dieter
        Deshalb unterstellte ich ja, der Text wolle „eigentlich .. eine Parodie sein“. Von meiner Seite aus natürlich polemisch, aber nicht ganz aus der Luft gegriffen, denn der Text geht schon in Richtung Parodie. Doch die vollkommene Distanzierung zum eigenen Text, die bei einer Parodie gewährleistet oder wenigstens in der Schwebe sein muss, ist hier nicht gegeben.
        „Sarkastisch“ trifft es auch nicht perfekt, nebenbei. Könnte einer jener selten Fälle sein, in dem das stärkere „sardonisch“ zu verwenden wäre.
        Wenn Fischer sind innerlich von seinem imaginierten Feindobjekt frei wäre, wäre ich auch beim Text. An sich mag ich Groteskes. Aber der Text hier kommt mir eher so vor, wie ein terroristischer Amoklauf und ebenso ernst gemeint.

        • Fischer ist übrigens ein ernster Mensch. Der Humor ist ihm nur Werkzeug, Sarkasmus auch, hervorragende Beherrschung der deutschen Sprache dito.

          Mir ist klar, dass er deinen Geschmack nicht trifft. Ich will dich und Lucas nicht auf meine Seite ziehen: ihr findet den Text schlecht, und so soll es sein. Alles ist gut.

          Meine Beweggründe, Fischers Kritik an Hasels Artikel gut zu finden, habe ich oben dargetan. Ich könnte mir denken, dass wir inhaltlich gar nicht weit auseinander liegen.

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