Männerpolitik Männerrechte

Teresa Buecker und das Programm der Liberalen Männer in der FDP

Bild zeigt Teresa Bücker
Teresa Buecker
geschrieben von: Mark Smith

Die Chefredakteurin, Teresa Buecker, vom Frauen-Onlinemagazin Edition F. hat sich in einem Artikel unter dem Titel „Eine ‚Männergruppe‘ in der FDP möchte gegen ihre Benachteiligung kämpfen“ mit dem Programm der Liberalen Männer in der FDP auseinandergesetzt. Eine inhaltliche Beschäftigung findet jedoch mehrheitlich nicht statt. Sie setzt lieber auf Delegitimierung der Männerrechtler und deren Anliegen.

Wie bereits Arne Hoffmann auf Genderama bekannt gegeben hat, findet im August 2017 eine Gründungsversammlung der liberalen Männer der FDP statt, die u.a. ein Programm zur Gleichberechtigung herausgegeben haben, auf das sich Teresa Buecker in ihrem Artikel bezieht.

Eine fortschrittliche und differenzierte Geschlechterpolitik und das Wechselmodell

Teresa Buecker schreibt:

Wem eine fortschrittliche und differenzierte Geschlechterpolitik wichtig ist, der denkt im Hinblick auf die Bundestagswahl vermutlich nicht zuerst an die FDP. Diese Themen finden im Wahlprogramm der Liberalen so gut wie nicht statt.

Stellt sich natürlich die Frage, was unter einer „fortschrittlichen und differenzierten Geschlechterpolitik“ verstanden wird bzw. was Teresa Buecker darunter versteht?!

T.B. schreibt:

Sucht man beispielsweise dort nach dem Begriff „Alleinerziehende“, findet man dort zwei Treffer: einen schwammigen Punkt zu „verlässlicheren“ Kitas und einen zur Anhebung von Kinderfreibeträgen. Das einzige konkrete Vorhaben der FDP für getrennte Eltern ist, das Wechselmodell zu Regel zu machen, was im starken Kontrast zur aktuellen gesellschaftlichen Realität steht, in der Eltern nach der Trennung überwiegend nicht schaffen, die Kindern abwechselnd zu betreuen und die Kinder mehrheitlich bei den Müttern leben.

Das dürfte vermutlich richtig sein, dass sich die FDP bisher noch nicht gross um Geschlechterpolitik gekümmert hat. Bloß unterschlägt Teresa Buecker den wirklich fortschrittlichen Vorschlag der FDP: das Wechselmodell. Bei Wikipedia heisst es diesbezüglich nämlich:

In vielen Ländern wurde das Wechselmodell gesetzlich verankert (z. B. Frankreich, Belgien, Italien, Tschechien, Slowakei, Dänemark, Schweden, Norwegen, Spanien, Griechenland, USA, Kanada und Australien). Am 2. Oktober 2015 verabschiedete der Europarat einstimmig die Resolution zur „Gleichheit und gemeinsamen elterlichen Verantwortung“ (Resolution 2079), dessen Kernpunkte der Abbau der Diskriminierung von Vätern, die Verankerung der paritätischen Doppelresidenz in den nationalen Gesetzen und ein Hinwirken auf konsensorientierte Lösungen der Eltern sind.

In Deutschland steht dieser Schritt noch aus.

Deutschland hinkt folglich in diesem Fall einer fortschrittlichen und modernen Geschlechterpolitik hinterher, obwohl Teresa Buecker ja genau dies nicht möchte.

Das Programm der liberalen Männer in der FDP: „Verschwörungstheorien und haarsträubende Ansätze“

T.B. schreibt:

Wie Heide Oestreich in der Taz berichtet, planen nun einige Männer in der FDP, Geschlechterpolitik stärker in der Partei zu verankern. Sie wollen die Gruppe „Liberale Männer in der FDP“ gründen, deren Zielsetzung ist, die Benachteiligung von Jungen und Männern zu beseitigen – und das klingt hochtrabend: „Die kompromisslose Umsetzung des Artikels 3 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.“

Ein Blick in das Kurzprogramm, das auf dem antifeministischen Blog „Genderama“ veröffentlicht wurde, enthält jedoch statt moderner Geschlechterpolitik, die sich, wenn es tatsächlich um Artikel 3 des Grundgesetztes ginge, schließlich mit Männern UND Frauen beschäftigen müsste, vor allem haarsträubende Ansätze, die mehr nach Verschwörungstheorie als politischen Ideen klingen, wie zum Beispiel der Teil zum Strafrecht „Es kann nicht angehen, dass von Frauen verübte Straftaten seltener verfolgt und deutlich milder bestraft werden als von Männern verübte“ oder zu Trennungen „Männer werden bis heute von den Gerichten häufig so behandelt, als trügen sie die Schuld am Scheitern der Ehe“. Da überrascht es kaum, dass die Partei von offizieller Stelle das Vorhaben der „Männergruppe“ nicht kommentieren wollte.

Auch hier würde sich wieder die Frage stellen, was Teresa Buecker unter einer „modernen Geschlechterpolitik“ genau versteht? Vermutlich meint sie damit, dass sich die Geschlechterpolitik mit Frauen und Männern beschäftigen müsste. Jetzt können wir fragen, welche Partei sich denn mit den Problemlagen und Benachteiligungen von Männern beschäftigt? Finden wir diesbezüglich eine ausgewogene Thematisierung in den Parteiprogrammen der Linken, der Grünen, der SPD, der CDU/CSU? Geschlechterpolitik heisst bei diesen Parteien primär und vornehmlich Frauenpolitik – ergo keine moderne Geschlechterpolitik! Warum hören wir davon nix von Teresa Buecker, die doch sicherlich eine moderne Geschlechterpolitik anstrebt? Und wenn sich wenigstens innerhalb einer Partei, hier die FDP, mal jemand für Problemlagen und Diskriminierungen von Männern interessiert und einsetzt, dann sollte dies eigentlich für Teresa Buecker ein Grund zur Freude sein, wenn schon alle anderen wichtigen Parteien Problemlagen von Männern nicht oder kaum thematisieren.

Kommen wir nun zu den „haarsträubenden Ansätzen“ und den „Verschwörungstheorien“, die Teresa Buecker im Kurzprogramm glaubt entdeckt zu haben und zwar zur Aussage, dass Männer bei Delikten strafrechtlich schlechter wegkommen als Frauen. Wenn man sich nicht mit Diskriminierungen und Problemlagen von Männern beschäftigt, wie dies offenbar Teresa Buecker macht, der kann bloß Verschwörungstheorien bzw. haarsträubende Ansätze hinter solchen Aussagen vermuten.

Leider ist es so, dass empirische Studien zu folgendem Ergebnis kommen:

Staatsanwälte neigen dazu, Männer härter zu bestrafen als Frauen, aber Ausländer nicht härter als Schweizer. Das zeigt eine neue Studie.

Ausserdem wird in der Kriminologie u.a. auch die Hypothese diskutiert, ob es eine geschlechtsspezifische Selektion gibt, indem „Straftaten von Männern (…) häufiger entdeckt, angezeigt und verfolgt“ werden und sie demzufolge häufiger verurteilt werden.

Geschlechterquoten: ein Widerspruch

T.B. schreibt:

Zudem widerspricht sich das Programm zum Beispiel beim Thema Quote. Während die „liberalen Männer“ feststellen, dass Frauenquoten den Gleichbehandlungsgrundsatz verletzten, fordern sie eine 30-Prozent-Quote für Erzieher und Lehrer, um ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in Bildungseinrichtungen zu ermöglichen und dort auch männliche Vorbilder zu haben. Weibliche Vorbilder in der Berufswelt scheinen folglich verzichtbar.

Das ist tatsächlich ein Widerspruch und m.E. noch nicht so durchdacht von den liberalen Männern in der FDP. Ausser die liberalen FDP-Männer sind Dialektiker, dann würde es ev. und vielleicht wieder stimmig sein. 🙂

Der Genderkongress und die bösen Maskulisten

T.B. schreibt:

Dass die Anmeldung für Gründungsveranstaltung der „liberalen Männer“ ausgerechnet über die Veranstalter des „Genderkongresses“ stattfinden soll, rückt die Ideengeber ebenfalls in kein gutes Licht. Die teilnehmenden Organisationen des Kongresses stammen zu großen Teilen aus dem maskulistischen Umfeld, also Gruppen, die an die Bevorzugung von Frauen in der Gesellschaft glauben, frauenfeindliche Ideologien und Hass gegen feministisch Engagierte verbreiten.

Liebe Teresa Buecker: Gehen Sie doch mal auf den Blog von Genderama, der eine linke Männerpolitik vertritt und schauen Sie doch mal ganz genau nach, ob sie irgendwelche „frauenfeindliche Ideologien“ bzw. „Hass gegen feministisch Engagierte“ finden. Sollte dies nicht der Fall sein, dann dürfte es Ihnen vor allem um Stereotypenbildung, Dämonisierung, Feindbilderzeugung, Stigmatisierung und Marginalisierung gehen und um keine inhaltliche Debatte. Aber mich würde von Ihnen interessieren, was Sie dazu meinen, wenn eine Autorin von Edition F, Elisa Gutsche, gewisse Männer in der SPD als eine „Riege an alten Säcken“ tituliert? Würden Sie sagen, dass dies Beschimpfung oder Hate Speech oder Sexismus ist? Ich selbst würde es unter Beschimpfung und Sexismus subsumieren.

Auf dem besagten Genderkongress haben Fachpersonen sowie Vertreter u.a. von den politischen Parteien der FDP, CSU und Die Linke einen Vortrag gehalten, offenbar auch alles üble Frauenhasser, die frauenfeindliche Ideologien verbreiten – oder?

Nun zu Ihrer besagten Verlinkung auf den Artikel von Vice, der offenbar die gesamte Männerrechtsbewegung charakterisieren soll. Ich würde sagen, da liegt wieder einmal ein Fall vor, wie ihn Joseph Aigner in seinem Essay mit dem Titel „Die Einäugigkeit der Geschlechterdebatte“ thematisiert hat, er schreibt nämlich:

Und wie Männeranliegen dadurch ins rechte Eck gerückt werden: Replik auf die feministischen Empörungsentladungen zu Hollstein-Kommentar.

Dass Walter Hollsteins Kommentar zur „ungestellten Männerfrage“ jede Menge Entrüstung – vor allem wegen des Datums seines Erscheinens – auslösen würde, war nicht schwer vorherzusehen. Dass und wie die Entrüstung sich – nicht nur in diesem Fall – ausdrückt, stimmt allerdings nachdenklich: Autoren, die auf diese Weise ihre Meinung äußern, sind dann sehr schnell einmal „sexistisch“, „reaktionär“, „Väterrechtler“, „ultrarechts“ – auf jeden Fall: „das Letzte vom Letzten“. Diese extreme Spaltungsneigung in Gut und Böse habe ich selbst als zu Vater- und Männerthemen Referierender x-mal erlebt: Sagst du etwas zu den Problemen von Männern, verleugnest du die Frauenprobleme; sagst du etwas zum häufigeren Vorkommen nichtsexueller Gewalt gegen Kinder in der Familie, bist du ein Verharmloser sexuellen Missbrauchs durch Männer; sagst du etwas zum Anteil von Müttern an der familiären Gewalt, wirst du bezichtigt, den Frauen die Schuld an der Gewalt gegen Kinder zu geben; sagst du etwas zu den Problemen von Burschen und Männern, gerätst du in die Nähe eines verdächtigen „Maskulisten“ (wobei die Pendants zu „Feminismus“ und „Frauenrechtlerin“ interessanter Weise politisch unkorrekt sind!); man könnte die Liste fortsetzen: Hickhack! Diese Art moralischer Empörung (von der schon Brecht sagte, dass sie immer erkenntnismindernd sei), wie sie sich in Zuschriften an den Standard Luft machte, lässt denn auch bezeichnender Weise die realen Probleme völlig aus dem Blick geraten: nämlich jene, die zeigen, dass das Patriarchat sozusagen auch seine männlichen Kinder frisst und die im Sinne einer egalitären Geschlechterpolitik einfach nicht unter den Tisch fallen dürfen! Vaterlosigkeit, Bubenprobleme, höhere Krankheits- und Suizidraten, Bildungsprobleme usw. werden flugs zu „antifeministischen“ Allgemeinplätzen heruntergemacht.

Progressive Männer- und Jungenpolitik

T.B. schreibt:

Wirklich progressive Männer- und Jungenpolitik findet man bei maskulistischen Gruppen nicht, denn anders als feministische Gruppen sehen sie Gleichberechtigung nicht als komplexes System, in das alle einbezogen werden müssen, sondern als Gegeneinander von Männern und Frauen. Moderne Geschlechterpolitik ist ist von der FDP ebenfalls kaum zu erwarten, denn, so kommentiert Heide Oestreich treffend, werde die FDP kaum „den ,Leistungsträger‘, der keine Zeit für seine Familie hat“, in Frage stellen.

Nun würde natürlich interessieren, was genau „progressive Männer- und Jungenpolitik“ ist?! Dazu verweist Teresa Buecker auf Heide Oestreich in der taz, die diese wie folgt expliziert:

Progressive Männerpolitik aber sucht die Kooperation und ist in der Lage, das ganze Bild zu sehen. Sie will deshalb auch nicht einfach nur mehr Macht für Männer generieren und damit die alte Geschlechterrolle restaurieren.

Aber genau das will ja der Deutsche Genderkongress seinem Selbstverständnis nach, dieser schreibt nämlich auf seiner Website:

Gender bedeutet Geschlecht. Nicht weibliches oder männliches Geschlecht. Seit den 90´er Jahren jedoch galt: Wo Gender draufsteht, ist Frauenpolitik drin.Diese Einseitigkeit wird auf dem DEUTSCHEN GENDER KONGRESS aufgehoben. Geschlechterpolitik wird hier in einem ganzheitlichen Sinne interpretiert.

Eingeladen sind sowohl Frauen- als auch Männerverbände, die Politik, Medien, Justiz und das Bildungswesen. Grundlage des Diskurses sind gegenseitige Wertschätzung und ein paritätisches und partnerschaftliches Verständnis von Mann und Frau auf Augenhöhe.

Der Kongress möchte einen Beitrag leisten zur Überwindung der bestehenden Polarisierung und der tradierten Rollenmuster in der vorherrschenden Gleichstellungs-, Bildungs- und Familienpolitik in Deutschland.

Stellt sich bloß die Frage, was Teresa Buecker gegen den Deutschen Genderkongress hat, zumal der ja genau Polarisierungen vermeiden will und Geschlechterpolitik in einem ganzheitlichen Sinne angehen möchte und nicht bloß wie bisher Frauenpolitik betreiben? Man bekommt den Eindruck, dass Heide Oestreich und Teresa Buecker doch lieber nur Frauenpolitik möchten.

Fazit

Beim Beitrag von Teresa Buecker bekommt man den Eindruck, dass sie sich nicht groß inhaltlich mit den Positionen von Männerrechtlern, den liberalen Männern in der FDP oder dem Deutschen Genderkongress auseinandersetzen möchte, sie setzt lieber auf Dämonisierung, Feindbilderzeugung und Delegitimierung, zumal Sie sich davon offenbar mehr Erfolg verspricht, als eine ehrliche und ernsthafte Auseinandersetzung mit Problemlagen, Benachteiligungen und Diskriminierungen von Männern.

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14 Comments

  • @Mark

    Bücker, inzwischen (seit 2014) Chef-Redakteurin bei der Edition F, ist ein Beispiel dafür, wie die Karrierepfade des quicklebendigen Bundes deutscher Mädchenmannschaften so verlaufen.

    Die sie damals und heute kennzeichnende Methode ist die Etablierung eines medialen Netzwerks mit dem Ziel, den feministisch-bürokratischen Alleinvertretungsanspruch für Geschlechter- und Familienpolitik durch Meinungsmache abzusichern.

    Ich kenne sie noch aus früheren Zeiten (2011), als sie als Bestandteil eines mediales Netzwerk von Feministinnen (erfolgreich) versuchte, in die parteiinterne Willensbildung der „Piraten“ einzugreifen.
    Damals in ihrer Funktion als Referentin beim SPD-Parteivorstand (2010-2012) und über diese Arbeit wird sie sich für die „Süddeutsche“ empfohlen haben.

    Damit kurze Beleuchtung des Zustands in der SPD: 1988 wurde Frauen-Quote von mindestens 40% übergangsweise für 25 Jahre beschlossen, seit 2013 läuft sie unbegrenzt.

    Versprochen wurde natürlich seitens der ASF, durch die legendären weiblichen Vorbilder in Partei und politischen Ämtern diese Partei für insbesondere, besonders und vor allem (!) für Frauen attraktiver zu machen.

    Die Bilanz: Der Frauenanteil der Mitglieder der SPD stieg von 1988 bis 2014 von 26% auf 32%.
    Die Kehrseite: Von ca. 910.000 Mitgliedern im Jahr 1988 entwickelte sich die SPD zu einer Partei mit 470.000 Mitgliedern 2013 (ca. 435.000 2016).
    Pi mal Daumen hat sich die Zahl der Mitglieder halbiert.
    Hatte die SPD im Jahr 1988 236.600 weibliche Mitglieder, waren es 25 Jahre später 150.400 – die Quote hat also selbst zu einem *Rückgang weiblicher Mitglieder* um 36% geführt.
    Die These, wonach Frauen nur besser in den Parteien repräsentiert sein müssten,
    sichtbarer werden müssten, hat zwar zur quotierten parteiinternen Besetzung von Funktionen mit Frauen in den Parteien geführt aber der prognostizierte Effekt, nämlich ein höherer Anteil weiblicher Mitglieder ist nicht nur nicht eingetreten, sondern das genaue Gegenteil.

    Wenn dieser Zustand der SPD als Partei nicht nützt, wem nützt er dann?
    Ein kurzer Blick auf die CV von Schwesig hilft – eine solche Blitzstarterkarriere wäre völlig unmöglich, wenn man mit dem falschen, dem männlichen Geschlecht geboren wird.
    Wenn SPD-intern und bei den politischen Mandaten inoffiziell eine Quote von 50% gilt und nur 32% der Mitglieder Frauen sind, hat man einen automatisierten Fahrstuhleffekt für alle Frauen mit Karriereambitionen. Damit hat man auch den Grund, warum es als SPD-Frau wesentlich sinnvoller ist, diesen „gap“ permanent anzuklagen, statt ihn tatsächlich zu schließen.
    Nebenbei bemerkt: Die Chuzpe, mit der sozialdemokratische Frauen die Frauenfeindlichkeit der „boys networks“ anklagen ist sagenhaft. Denn nur Männer können Angesichts der Tatsache, dass Frauen die MINDERHEIT in der SPD stellen dafür gesorgt haben, dass es die Quote überhaupt gibt.
    Wäre Sicherung „männlicher Dominanz“ tatsächlich ein Thema von Männern, würde jeder Appell an „Gerechtigkeit“ selbstverständlich auf taube Ohren stoßen, denn die herrschenden Gerechtigkeitsvorstellungen wären die Gerechtigkeitsvorstellungen der Herrschenden.
    Zum Glück glauben Feministinnen den Quatsch selber nicht, den sie predigen.

    Das Modell, eine abstrakte „Repräsentanz“ von Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen einzufordern, nur weil sie *biologisch* als Frauen 51% der Bevölkerung stellen ist zwar sagenhaft blöd, allerdings bisher auch sagenhaft erfolgreich gewesen.

    Selbstverständlich ist Bücker et. al. ambitioniert genug, dieses Blatt weiter auszureizen. Es hat sich historisch bewährt – nicht für die SPD, aber immerhin für sie

    Gruß crumar

    • Sag mal Crumar, ist es nicht deprimierend, wenn man als Marxist in einem gesellschaftspolitischen Aspekt die FDP als vergleichsweise fortschrittlich anerkennen muss? Sagt uns viel über die real existierende Pseudolinke.

      Es ist wirklich erstaunlich, welche Blitzkarrieren der Feminismus ihrem Klientel ermöglicht. Für einen Regierungsposten genügt mittlerweile die Qualifikation „feministische Twitteraktivistin“. Für den Job „Handlanger auf dem Bau“ wird mehr verlangt.

    • Exemplarisch für toxische Weiblichkeit.
      Wie sich die erwartbaren destruktiven Verläufe gleichen – ob bei Grünen, SPD, den Piraten, Universitäten, Hochschulen, Verwaltung, Medien, Wirtschaft…

      • @Pjotr

        Es sind wunderliche Zeiten und es ist nahe gekommen das Ende aller Dinge! 🙂

        Nein, es ist nicht deprimierend, denn sonst wären es ja keine „Pseudo-Linken“, die zu Gange sind. Und ja, die Jungs von der FPD haben die existierende fortschrittliche Marktlücke erkannt – mit dem Thema lässt sich wirklich zauberhaft Aufmerksamkeit generieren.

        Gruß crumar

        • Sign!
          Ich bin zwar nicht angesprochen, weil nix mit dem ollen Karl am Hut, aber die Erwiderung unterschreibe ich blind und vollumpfänglich ( Doppelgrins! ).
          Wahrlich, interessante Zeiten!

  • also Gruppen, die an die Bevorzugung von Frauen in der Gesellschaft glauben, frauenfeindliche Ideologien und Hass gegen feministisch Engagierte verbreiten.

    Okay, wo ist da dann der Unterschied zu feministischen Gruppen?

    Bzgl. der FDP-Männer sind jetzt ja einige Feministen ganz aus dem Häuschen. Da ich das doch ein bisschen witzig finde, gebe ich dann auch gleich noch eine feministische Lebensphilosophie zum Besten:
    „Je mehr Kritik man erhält, umso mehr beweist dass das man richtig liegt!“

    😁😁😁

    • “ und Hass gegen feministisch Engagierte verbreiten“

      Das muss nicht verbreitet werden, das stellt sich ganz natürlich von selbst ein.

      „Progressive Männerpolitik aber sucht die Kooperation und ist in der Lage, das ganze Bild zu sehen.“

      In ihrem Verständnis heisst „progressiv“ nichts anderes als „feministisch“. Doch ist der Feminismus längst zu einer Veranstaltung privilegierter bürgerlicher Frauen und ihrem Frauenversteheranhang geworden, wenn er denn je etwas anderes war. Deutlich wird der Befund, wenn man sich vergegenwärtigt, dass der Versorgungsgedanke an erster Stelle steht.

  • @Mark

    “ T.B. schreibt: ‚Zudem widerspricht sich das Programm zum Beispiel beim Thema Quote. …‘
    Das ist tatsächlich ein Widerspruch“

    Dieser Widerspruch funktioniert nur wenn (unbewusst?) Quote mit Frauenquote und Sollquote gleichgesetzt wird. Es sind aber drei unterschiedliche Begriffe. Quote bezeichnet (laut Wikipedia) einen Anteil einer Gesamtmenge oder -anzahl. Die tatsächliche Bedeutung hängt erheblich vom Kontext ab. Wenn z.B. darüber gesprochen wird, wieviel Zuschauer eine bestimmte Fernsehsendung gesehen haben, dann ist mit Quote in diesem Zusammenhang wohl eher die Einschaltquote gemeint. Frauenquote würde demzufolge lediglich den Anteil der Frauen innerhalb einer Gruppe/Firma/Behörde etc. bezeichnen. In der Praxis und besonders im Bereich der Politik ist aber tatsächlich die Priviligierung von Frauen bei der Besetzung von lukrativen Positionen gemeint. Damit ist gleichzeitig auch die Benachteiligung von Männern verbunden. Bei den liberalen Männern steht nun folgendes:

    „Frauenquoten verletzen den Gleichbehandlungsgrundsatz und diskriminieren. Bei Einstellungen und Beförderungen dürfen ausschließlich Qualifikation, Leistung und Erfahrung entscheidend sein, nicht aber das Geschlecht. Gleichzeitig müssen für Väter die gleichen Möglichkeiten wie für Mütter geschaffen werden, Elternzeit zu nehmen und in erziehungsbedingter Teilzeit zu arbeiten.“

    Wichtig sind aus meiner Sicht dabei, dass einerseits die reine Frauenquote als diskriminierend anzusehen ist und gleichzeitig betont wird, dass ausschließlich geschlechtsunabhängige Kriterien für die Auswahl entscheidend sind.

    Mit der Sollquote befinde ich mich im Bereich der Spekulation.

    „Unter Erziehern/-innen und Lehrkräften muss eine Soll-Quote von 30% eingeführt werden, um ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis, männliche Erziehungswerte und -vorstellungen und männliche Rollenvorbilder zu ermöglichen.“

    Ich verstehe hier die Sollquoten so, dass ebend nichtdiskriminierende Massnahmen getroffen werden, wie z.B. Werbung die gezielt Jungen bzw. Männer anspricht.

    Unterschlagen haben ich dabei absichtlich, dass es einen widersprüchlichen Teil im Programm gibt:

    „Das Allgemeine Gleichstellungsgesetz ist auf Bundes- und Länderebene zu ändern von „Frauen“ auf „das unterrepräsentierte Geschlecht“. Denn heute gibt es zahlreiche Unternehmen, Behörden und Institutionen, wo Männer signifikant unterrepräsentiert sind, z.B. Lehrer an Grundschulen.“

    Das ist dann der Teil, wo die Theorie aufhört und die praktische Politik anfängt. Das die (Frauen-)Quoten in absehbarer Zeit abgeschafft werden, halte ich für eine Illusion. Realistischer ist aber die Forderung, dass wenn es schon Quoten gibt, dass diese dann für Frauen und Männer in gleicher weise gelten. Eine solche Forderung kann nicht so leicht zur Seite geschoben werden, dass man nur gegen die Gleichstellung ist, weil man angeblich priviligiert ist, denn damit ist man ja für die Gleichstellung, aber für alle Seiten. Die reine Frauenquote wäre als Priviligierung der Frauen und gleichzeitige Diskriminierung der Männer entlarved.

    Würde eine Quote für das unterrepräsentierte Geschlecht im öffentlichen Dienst gelten, müssten Männer bervorzugt eingestellt werden, da sie tatsächlich unterrepräsentiert sind.

    • @Kibo

      Die Quotierung im Bereich der Erziehung ist deshalb richtig, weil es eine SchulPFLICHT gibt und Eltern haben ein RECHT auf einen Kindergartenplatz.

      Es gibt keine Verpflichtung in einem DAX-Unternehmen zu arbeiten und die meisten mittelständischen Unternehmen haben auch keinen Aufsichtsrat. Der Vergleich ist einfach albern.

      Wenn inzwischen 98% aller Erzieher weiblich sind und 92% Grundschullehrerinnen und nicht „Lehrerinnen und Lehrer“, dann wachsen Jungen in einem homogen weiblichen Milieu auf, das sie erst nach der vierten Klasse verlassen.

      D.h., wenn man die Grenze von Kindheit zum Jugendlichen auf das Alter von 14 datiert, verbringen Jungen 10 davon unter geschlechterbündischen Zuständen.

      Als gesellschaftliche Institution mit ähnlichen Zuständen auf Seiten der Männer fällt mir nur die Bundeswehr ein.
      Nur erfolgt der Zugang dort im Erwachsenenalter und ist zur Zeit freiwillig.

      Die Zusammensetzung des Erziehungspersonals nach Geschlecht für den gesellschaftlichen Auftrag „Erziehung“ ist erkennbar schlecht dafür geeignet NICHT zu vermitteln, Erziehung von Kindern sei Frauensache.

      Die bürgerlich-feministische „Erkenntnis“, dass Perpetuierung von Geschlechterstereotypen gaaaaaaanz wichtig zu durchbrechen bei DAX-Vorständen ist, hingegen in der Kindererziehung nicht, liegt ausschließlich am sozialen Milieu, aus dem sich diese Feministinnen rekrutieren.

      Wo dieses Milieu sich in Zukunft sieht, nämlich jenseits der „gläsernen Decke“, hat man für Kinder ein „Au Pair“ und eine „Nanny“ und braucht sich um Fragen dieser *fortschrittlichen Kackscheiße* nicht zu kümmern.

      Gruß crumar

    • Ich glaube, Du kommst da einem wichtigen inhaltlichen Aspekt der scheinbar ziemlich verunglückten Formulierung schon sehr nahe, @Kibo. Jedenfalls hatte ich recht ähnliche Gedankengänge beim Nachdenken über das „Programm“. Hinzu kommt, daß es vermutlich noch gar kein endgültig ausgefuchstes Programm ist, sondern eher ein Grobentwurf, der mir auch ein wenig auf Zeitdruck hinzudeuten scheint.

      Ein weiterer ganz dicker Punkt ist m.E. daß das Sprachverständnis durch mediale Dauerbeschallung mit sprachlichem Unfug so dermaßen verkommen ist, daß es immer schwieriger wird, einen Inhalt sachlich richtig und gleichzeitig allgemeinverständlich und ansprechend darzustellen.
      Wenn selbst hochgebildete Männerechtler nicht bemerken, daß es nicht „das“, sondern „der“ Elternteil heißen muß, wenn eine M. Schwesig dutzende Male öffentlich unwidersprochen sagen kann, daß ihrer Meinung Frauen 21% weniger VERDIENEN als Männer ( offenbar bei gleicher Bezahlung ), dann habe ich durchaus Verständnis dafür, daß ein Text, der eindeutig, kurz und knackig, aber hochdifferenziert und gleichzeitig möglichst populistisch sein soll ( es geht immerhin u.a. auch darum, mal eben schnell eine kleine, aber möglw. entscheidende Chance zu nutzen, wieder beide Füße in die Bundesschwatzbude zu bekommen ), zum Eiertanz auf dem Schlappseil wird.
      Zumal es vorher klar war, daß dieser Text, völlig unabhängig von inhaltlichem Gelingen o. Vergurken, zu heftigsten Abwehrkreischereien führen muß. Und ich vermute, das ist den Jungs der „Man’s Lib-Group“ durchaus bewußt.
      Und tatsächlich meine ich an den bis jetzt dazu erschienenen Empörungen erkennen zu können, daß es am inhaltlichen Kern offenbar kaum ernsthafte Kritikpunkte gibt. Denn warum sonst versteifen sich die jeweiligen Autoren auf Ablenkungen und Stellvertretergebashe, also z.B. daß es ja nicht sein könne, daß Gleichstellung mal einen Sinn haben soll und mal nicht, oder, daß das ganze ja nur Mist sein könne, weil die FDP angebl. eine Männerbündnispartei wäre ( was per se nur Sinn machen kann, wenn man wiederum Kapital- u. Machtinteressen mit „rein männlich“, also frauenfeindlich, quasi gleichsetzt )?

      Am schönsten finde ich aber das hübsche Vexierbildchen in dem schröcklichen Vorwurf:
      „Progressive Männerpolitik aber sucht die Kooperation und ist in der Lage, das ganze Bild zu sehen.“

      Ja! Recht hat sie! Nur, warum schreibt sie dann einen so verbissenen Artikel dagegen?
      Die progressive Männerpolitik ( weg vom klassischen Zahlesel ) setzt sich umfassend mit den Problemen von Mutterkult und Feminismus, einseitiger Polemik und Versorgungsmenthalitäten auseinander und bietet hartnäckig immer wieder Kooperation – und als Grundlage dafür Dialoge auf allen möglichen Ebenen an.
      Feministen kreischen herum, boykottieren, rufen zu „kauft nicht…“ ähh, sorry, „sprecht nicht mit Maskus“ auf, verweigern jede sachliche Auseinandersetzung, veranstalten äußerst unzivilisierte Gegenaktionen u.s.w..

      Oder wollte sie damit ausgerechnet auf das, in der Gesellschaft praktisch unbekannte, BuFoMä und die Allies in den Femigruppen und -Parteien anspielen? Das wäre allerdings allzu dumm, da ausschließlich für Mitbewohner ihrer Filterblase überhaupt erkennbar ( und natürlich für pöse Maskus, wie uns hier, aber ich glaube nicht, daß sie uns damit gezielt ansprechen wollte ).

      Der Versuch, in diesen Satz das exakte Gegenteil zu transportieren, auf der Basis von: „Wir Femis sind die einzig progressive Religion der ganzen Welt“, kann doch nur zu breitem Grinsen führen, zumindest bei denen, die sich auch mal zwischendurch außerhalb ihrer hermetischen Echokammer umschauen.
      Merke: Auch und besonders, wo moderne Vielfalt(TM) draufsteht, ist same old soup drin!
      Oder, um mal beim anglisierten Essensvergleich zu bleiben:
      Wenn ein Stew, im Laufe der Woche über Scouse zum Bubble&Squeak geworden ist, kann der Versuch, es als Basis des nächsten Stews zu verwenden, nur zu einer ziemlich widerlichen Pampe geraten. Und eine solche hat sich diese Mutter Teresa da zusammengerührt.
      V.dh. bin ich schon ein wenig gespannt, was die Vereinsgründer im Herbst, nach ihrer Gründungsversammlung, als erste Verlautbarungen raushauen. Denn Dummies sind das sicherlich nicht, mit etwas Gehirnschmalz können die sich schon vorstellen, was da warum an Gegeifere gegen ihr Vorhaben zu erwarten ist.
      Wenn die Jungs das vorher einigermaßen bedacht und sich entsprechend vorbereitet haben, können da noch ein paar lustige Schachzüge zu kommen.
      Würde ich ihnen jedenfalls herzlich gönnen.

    • “ Geschlechterquote
      Auch Frauenquote genannt. Schreibt einen prozentualen Frauenanteil für bestimmte Unternehmen vor und soll die Chancengleichheit für Frauen auf dem Arbeitsmarkt verbessern.“

      heißt es beim Bundesministerium Arbeit und Soziales.

      Parallel dazu wurde die Geschlechterquote mit der Begründung gekippt, dass eine Unterrepräsentanz ja noch lange keine Benachteiligung darstelle.
      Hier geht es ganz sicher nicht um ‚Chancengleichheit‘. Hier geht es, für jeden erkennbar, um die dauerhafte Sicherung der Extrawurst. Deshalb mauern sie sich auch ein – polemisieren, stigmatisieren, denunzieren, zensieren, denn sie wissen ganz genau, dass ihre hohen moralischen Zielsetzungen nichts als verlogene Phrasen sind.

  • Bueckers Text ist ein Meinungsartikel ohne Bezugnahme zu konkreten Fakten. Jede Stellungnahme ist ein Kampf mit Windmühlen. Just forget it.

    • Auch ein Meinungsartikel sollte grundsätzlich seine Meinung auf Fakten bilden. Und ich bin der Auffassung, dass „steter Tropfen“ eben auch wirksam sein kann. Zudem sind nicht alle Journalisten so Kaliber wie eine Alice Schwarzer, sodass in mehrfacher Hinsicht Hoffnung besteht.

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