man tau-Wochenshow

Die man tau-Wochenshow vom 18. Juni 2017

Bild zeigt Mann, der wie ein Hipster aussieht.
geschrieben von: Mark Smith

Nachfolgend findet Ihr eine Presseschau der letzten Woche unter anderem mit folgenden Themen:

  • Arte-Dokfilm: Auserwählt und ausgegrenzt;
  • Arte-Dokufilm: eine klare propagandistische Linie;
  • Arte-Dokfilm: Politologe kritisiert linken Antisemitismus;
  • Zum Tod von Helmuth Kohl;
  • Herfried Münkler zur „Finis Germania“-Debatte;
  • Missbrauch der Deutungshoheit;
  • Heiner Flassbeck zur Politik von Macron;
  • Trump als Merkels Buhmann;
  • Kongress 50 Jahre israelische Besatzung in Palästina;
  • Neoliberalismus und Demokratie;
  • Kinofilm Wonder Woman;
  • Der Hipster aus philosophischer Sicht;
  • Faschismus – eine Wiederkehr?
  • Keine Chance den Bürgerkrieg zu vermeiden;
  • Wertkritik und Fermi-Paradoxon;
  • und als Extra ein Güldener Luftballon für den dämlichsten Artikel der Woche.

Auch wenn wir einen Artikel für lesenswert halten, heißt dies selbstverständlich nicht, dass wir allen Aussagen darin zustimmen, und dasselbe Prinzip gilt umgekehrt für diejenigen Artikel, die wir nicht so toll finden: auch dort können Aussagen drin stehen, die wir befürworten. Wenn Sie diese wöchentliche Presseschau für hilfreich halten, dann bitte in den Social-Media-Kanälen teilen oder einfach Bekannten und Freunden weitersagen.


  • Auserwählt und ausgegrenzt – der Hass auf Juden in Europa | Arte Dokumentation

Quelle: Youtube

Anmerkung Mark Smith: Die Nichtausstrahlung des Filmes durch Arte hat hohe Wellen in der Öffentlichkeit geschlagen – deshalb zeigt ihn nun man tau exklusiv. 🙂 Obwohl: Wie lange der Film noch auf Youtube zu sehen ist, ist ungewiss.


  • „Er hat eine sehr klare propagandistische Linie“

Antisemitismus-Film

Der von WDR und arte in Auftrag gegebene, aber nicht ausgestrahlte Antisemitismus-Film, zeige die Problematik des Nahost-Konflikts sehr einseitig, sagte die Journalistin Gemma Pörzgen im Dlf. Er lenke damit vom dem eigentlichen Thema ab, „mit dem wir uns auch vor allem in Europa beschäftigen sollten“.

Quelle: Deutschlandfunk

Anmerkung Mark Smith: Ich würde mich der Journalistin Gemma Pörzgen anschließen, dass der Film eine „klare propagandistische Linie“ fährt. Das Thema bzw. der Auftrag an die Filmemacher war dem Antisemitismus in Europa nachzugehen und nicht dem Nahost-Konflikt in einer einseitigen Darstellung.

Anmerkung Lucas Schoppe: Der Film hat eine klare Linie, den Nachweis, das er propagandistisch ist, bleibt Pörzgen schuldig. Ich will hier nicht den ganzen Text mit einer langen Anmerkung füllen, sondern melde mich dazu noch einmal in den Kommentaren. Aber gerade weil sie eigentlich keinen einzigen stichhaltigen Einwand gegen die Dokumentation zu bieten hat, ihr aber mit einer tiefen Abneigung begegnet, wird umso klarer – dass das Zurückhalten des Films politischer Opportunität geschuldet ist. Jedenfalls kann ich mir nach Ansicht des Films höchstens noch juristische Bedenken vorstellen, zum Beispiel zur Frage, ob die harte Kritik an Brot für die Welt wirklich gerichtsfest ist. Klare Mängel aber kann Pörzgen ihm nicht nachweisen, sie bleibt durchgehend ungenau.

Wichtig aber ist: Peter Kapern, der das Interview führt, hat die Dokumentation selbst beim Deutschlandfunk kommentiert. Er bezeichnet den Film, der Gewalt gegen Juden im heutigen Europa auf bedrückende Weise darstellt, als „widerlich“. Wohlgemerkt: Den Film, nicht die Gewalt. Das begründet er, indem er die im Film kritisierte Rede von Abbas vor dem Europapralement höchst selektiv vorstellt: Er zitiert dessen allgemeiner Israelkritik, aber eben nicht die antisemitischen Brunnenvergiftungslegenden, mit denen Abbas auftrumpft. Dass die Dokumentation dann Parallelen zwischen Abbas und dem Nazi-Hetzer Streicher zieht, muss so völlig unerklärlich scheinen. Kapern ist als Interviewer ebenso radikal unseriös und wie Pörzgen als Expertin. Um das mal so vorsichtig wie nur möglich auszudrücken.


  • Politologe kritisiert linken Antisemitismus

Debatte um Arte-Doku

Stephan Grigat im Gespräch mit Liane von Billerbeck

Stephan Grigat ist einer der Experten, die in der von Arte nicht ausgestrahlten TV-Doku „Auserwählt und ausgegrenzt“ zu Wort kommen. Der Politologe kritisiert einen Antisemitismus bei Teilen der europäischen Linken: Es gebe eine Dämonisierung des Staates Israel und eine Verzerrung des Nahostkonflikts.

In der Linken artikuliere sich ein radikaler Anti-Zionismus und eine verzerrende Darstellung des Nahost-Konflikts, bei der die Schuld an diesem Konflikt allein Israel zugeschrieben werde, sagte der Politikwissenschaftler an der Universität Wien, Stephan Grigat im Deutschlandfunk Kultur. Hinzu komme eine Kapitalismuskritik, in der sich eine von Ressentiments bestimmte Sicht auf die bestehende Gesellschaft spiegele und auch dort gebe es „eine offene Flanke“ zum Antisemitismus.

Quelle: Deutschlandfunk Kultur

Anmerkung Mark Smith: Ob es sinnvoll ist, einen Stephan Grigat zu diesem Thema zu befragen, der den Antideutschen nahesteht, wage ich mal zu bezweifeln, zumal auch diese m.E. ziemlich ideologisch vorbelastet sind. Zumindest ein Hinweis auf seine ideologische Position wäre zweckmäßig gewesen. Deshalb noch ein bisschen ein Korrektiv aus einer Diskussion mit Moshe Zuckermann über Antisemitismus, Antideutsche und Antikapitalismus.


  • Von «Wir sind das Volk» zu «Wir sind ein Volk»

«Kanzler der Einheit»

Der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl ist gestorben. Seine Rede 1989 in Dresden ging in die Geschichte ein: «Mein Ziel bleibt die Einheit unserer Nation», sagte er damals. Ein halbes Jahr später legte er zusammen mit dem sowjetischen Parteichef die Basis für die deutsche Einheit.

Quelle: SRF

Anmerkung Mark Smith: Politisch war mir Kohl sicherlich nicht nahe und doch würde ich ihn einer Angela Merkel oder einem Gerhard Schröder vorziehen. Die europäische Zusammenarbeit war ihm wichtig sowie die Freundschaft zu Frankreich und ein gutes Einvernehmen mit Russland. Und klar: Die deutsche Wiedervereinigung war ein Verdienst von ihm. Am besten gefällt mir im Text folgende Aussage: „Kohl war kein großer Theoretiker, kein Gelehrter und außer an jenem Tag in Dresden auch kein großer Rhetoriker. Aber: Ein Politiker mit einem untrüglichen Gespür.

Anmerkung Lucas Schoppe: Als Kohl noch Kanzler war, war er für mich ein Feindbild. Er hat die Technik des Aussitzens in der Politik salonfähig gemacht (oder, nach Adenauer, wieder salonfähig). Dass sich Politiker und Politikerinnen (hier muss die politisch korrekte Sprache mal sein) selbst och für eklatante Fehlleistungen und Skandale nicht verantworten müssten, solange es sich dabei nur nicht um das Erschleichen eines Doktortitels handelt – das ist auch Kohl zu verdanken. Aber trotzdem habe ich seltsamerweise gemerkt, dass ich traurig war, als ich die nachricht von seinem Tod las. Die Wiedervereinigung hat er mit einer Mischung aus politischen Gewicht (kein Wortspiel beabsichtigt) und Vertrauenswürdigkeit für Politiker anderer Länder ermöglicht, die nicht selbstverständlich ist. Merkel hat aus dem Aussitzen endgültig einen Regierungsstil gemacht, und sie hat von Kohl wohl auch gelernt, wie nützlich es sein kann, mögliche Konkurrenten so früh wie möglich wegzubeißen. Trotzdem habe  ich bei Kohl im Verglich zu ihr den Eindruck, dass er zumindest im Hinblick auf die europäische Zusammenarbeit von echten Überzeugungen geleitet war. So etwas fehlt heute, nicht nur in der CDU.


  • „Ein miserables Buch“

Herfried Münkler zur „Finis Germania“-Debatte

Der Politologe Herfried Münkler fühlt sich regelrecht in Geiselhaft genommen. Das Jurymitglied ist über das Vorgehen des „Spiegel“-Journalisten Johannes Saltzwedel empört, der ein rechtslastiges Buch auf die von einer gemeinsamen Jury zusammengestellte NDR-Bestenliste „Sachbücher des Monats“ beförderte.

Quelle: Deutschlandfunk Kultur

Anmerkung Mark Smith: Rolf Peter Sieferles Essayband „Finis Germania“ hat neben dem nicht ausgestrahlten Antisemitismus-Doku durch Arte den zweiten Sturm im Wasserglas verursacht, zumal dieses Buch auf der NDR-Bestenliste „Sachbücher des Monats“ auftauchte. Das Buch ist in Götz Kubitscheks Verlag Antaios erschienen, der insbesondere die Neue Rechte bedient.


  • „Es handelt sich um Missbrauch der Deutungshoheit“

Gellermann, Klinkhammer und Bräutigam im Interview über die Berichterstattung der Tagesschau

Wie seriös ist der Journalismus, den Abend für Abend die Tagesschau bietet, wenn es um weitreichende politische Themen geht? Uli Gellermann, Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam haben gerade ein Buch mit dem Titel „Die Macht um 8: Der Faktor Tagesschau“ veröffentlicht, das den Blick auf kritisierte Untiefen des ARD-Nachrichtenflaggschiffs lenkt.

Im Interview mit Telepolis sprechen die Tagesschaukritiker sogar von „Täuschungsmanöver mittels geschickter Wortwahl“, „politisch motivierter Sprachregelung“ und einem „Missbrauch der Deutungshoheit“.

Quelle: Telepolis

Anmerkung Mark Smith: Gellermann, Klinkhammer und Bräutigam reden Klartext im Interview mit Telepolis, was sie von der ARD-Tagesschau halten – nämlich nicht besonders viel. Mir ist ein bisschen zu viel Gepolter drin, sodass die Angegriffenen dann locker sagen können, die drei Herren seien sicherlich nicht unvoreingenommen und selbst ideologisch durch ihre Perspektive vorbelastet.


  • „Es fehlt eine gemeinsame Vision“

Heiner Flassbeck über Macrons Politik

Macron wird mit seiner Wirtschaftspolitik scheitern, prognostiziert Ökonom Heiner Flassbeck. Auch weil er Deutschland in Sachen Löhne kopieren wolle.

Quelle: taz.de

Anmerkung Mark Smith: Solange Deutschland weiterhin seine Niedriglohnstrategie weiterfährt, wird Macron in Frankreich wirtschaftspolitisch keine Chance haben, auf einen grünen Zweig zu kommen. Sollte Macron ökonomisch scheitern, was für Flassbeck ziemlich sicher ist, wird auch dort die Verzweiflung bei den Menschen überhandnehmen und eine radikalisierte Politik hervorbringen. 


  • Trump als Merkels Buhmann

Angela Merkels Kritik an Donald Trump soll von der Ideenlosigkeit des politischen Establishments ablenken und innenpolitische Gegner diskreditieren.

Gibt es noch ein anderes Thema als Donald Trump? Ende letzten Monats hat die Kanzlerin bei einer Wahlveranstaltung in einem Bierzelt gesagt: „Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei […] Das habe ich in den letzten Tagen erlebt. Und deshalb kann ich nur sagen: Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen.“

Diese Äußerung im typisch vagen Stil der Kanzlerin bezog sich auf den ersten offiziellen Besuch Donald Trumps in Europa. Der US-Präsident hatte den deutschen Handelsüberschuss kritisiert, die Europäer ermahnt, ihren Beitrag für die Nato zu erhöhen und gedroht, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen (eine Drohung, die er inzwischen wahr gemacht hat).

Quelle: Novo Argumente

Anmerkung Mark Smith: Trumpel als nützlicher Idiot, um von den eigenen innenpolitischen Schwächen und Problemen abzulenken und die bisherige Politik als alternativlos hinzustellen im Sinne von: „Schaut her, wenn Ihr uns nicht wählt, dann kommt so etwas wie Trumpel auch in Deutschland!“

Anmerkung Lucas Schoppe: Ein interessantarer Kontrast dazu ist ein Interview mit Camille Paglia vom 15. Juni, in dem sie darauf besteht, dass gerade der überhebliche Blick auf Trump die demokratische Partei davon abhalte, sich eine Chance auf einen Wiedereinzug ins Weiße Haus zu erarbeiten. „In summary: to have any hope of retaking the White House, Democrats must get off their high horse, lose the rabid rhetoric, and reorient themselves toward practical reality and the free country they are damned lucky to live in.“


  • „Ohne große Zwischenfälle“

Der Kongress „50 Jahre israelische Besatzung in Palästina“ in Frankfurt ist vorbei. „Ohne große Zwischenfälle“, titelte die Frankfurter Rundschau ihre Berichterstattung. Von wegen.

Quelle: Rubikon

Anmerkung Mark Smith: Der Kongress „50 Jahre israelische Besatzung in Palästina“ in Frankfurt sorgte für den dritten Sturm im Wasserglas. 150 Personen (u.a. Jutta Ditfurth, der Bürgermeister der Stadt Frankfurt, Uwe Becker, oder der Bundestagsabgeordnete Volker Beck) gaben ihren Protest unter dem Wahlspruch „We stand with Israel“ gegen den Kongress kund. Am besagten Kongress sprachen so Leute wie Moshe Zuckermann oder Ilan Pappe, die vermutlich auch alles Antisemiten sind und am liebsten die Vernichtung Israels hätten. Wolf Wetzel, der Autor des Beitrags, stellt lapidar fest, dass fast jeder, der gegen den Kongress protestierte, seine eigene Antisemitismustheorie hat. Das dürfte dann dazu führen, dass quasi alles und nichts unter Antisemitismus subsumiert werden kann.


  • Der neoliberale Weg in die Autokratie

Die Globalisierung kann ihre Versprechen nicht einlösen und die Demokratie zahlt den Preis.

Quelle: jpg-journal.de

Anmerkung Mark Smith: Die Kernthese von Ann Pettifor lautet wie folgt: Nicht der regulierende Staat hat die Welt in eine Ära des Autoritarismus gestürzt, sondern die Entgrenzung bzw. Globalisierung der Finanzmärkte sowie der Marktfundamentalismus. Was ist dagegen zu tun? Kontrolle der Kapitalflüsse und demokratische Kontrolle über die Besteuerung der weltweiten Unternehmen (Zugriff auf das Offshore-Kapital).


  • Dirty Diana

KINO-FILM «WONDER WOMAN»

Der Hype ist gewaltig, aber wer von der «Wonder Woman»-Verfilmung die feministische Revolution in Hollywood erwartet, wird enttäuscht. Von den fesselnden Ideen der Comics bleibt im Film wenig übrig.

Quelle: woz.ch

Anmerkung Mark Smith: Wonder Woman ist der Film, der bereits am ersten Wochenende in den Kinos in den USA mehr Geld eingespielt hat als jeder andere Film, bei dem eine Frau alleine Regie führte. Die WoZ bedauert offenbar, dass hinter diesem Erfolg keine feministische Agenda steht, sondern bloß ökonomisches Kalkül.


  • Jung und heiter – und trotzdem ein Spießer

Der Hipster aus philosophischer Sicht

Hipster gibt es überall, doch keiner will so genannt werden. Er will etwas Besonderes sein und stellt dabei gerne sein kulturelles Geheimwissen heraus. Das Phänomen des Hipsters spiegele auch eine „Krise von Subjektivität“, meint der Philosoph Robert Zwarg.

Quelle: Deutschlandfunk Kultur

Anmerkung Mark Smith: Hipster gebe es überall, aber keiner möchte so genannt werden. Der Philosoph Robert Zwarg ist der Auffassung, dass das Phänomen Hipster auch eine Krise der Subjektivität in unserer Gesellschaft widerspiegle. Man unterstelle dem Hipster, er wolle etwas Besonderes sein: quasi ein übersteigertes Distinktionsgebaren. In der jetzigen Gesellschaft sei es offenbar schwierig geworden, überhaupt noch etwas Besonderes zu sein und der Hipster sei gleichsam die Projektionsfläche für dieses Phänomen.


  • Faschismus – eine Wiederkehr?

Glaubt man den medialen Kassandra-Rufen, scheint der Faschismus in den westlichen Industrienationen wieder aus der verschlossen geglaubten Gruft der Geschichte aufzuerstehen.

Quelle: makroskop.eu

Anmerkung Mark Smith: Begriffe wie Faschismus bzw. Neofaschismus haben für Sebastian Müller Hochkonjunktur. Insbesondere rechtspopulistische Parteien und deren Protagonisten würden mit dergleichen Attributen etikettiert. Für Müller sind diese Zuschreibungen eher Kampfbegriffe bzw. Nebelkerzen, zumal dem Rechtspopulismus einige wesentliche Merkmale des Faschismus fehlen würden. Gefahren für die Demokratie kommen folglich nicht a priori vom Rechtspopulismus und vom Nationalismus, sondern insbesondere vom autoritären Liberalismus in Gestalt einer „marktkonformen Demokratie“. Mithilfe der Macht privater Unternehmen und deren Lobbygruppen bekommen diese je länger je mehr größeren Einfluss auf Exekutive und Legislative, was schlussendlich zu einer „ökonomistischen Diktatur“ bzw. einer „marktorientierten Gouvernance“ führt.


  • Historiker David Engels: „Wir haben keine Chance, einen Bürgerkrieg zu vermeiden“

David Engels ist Experte für ein Fachgebiet, das selten Aufsehen erregt. Engels ist Althistoriker an der Freien Universität Brüssel.

Aber das hört sich langweiliger an, als es ist. Denn Engels eine These, die hochaktuell und erschreckend zugleich ist: Er sieht Parallelen zwischen dem Untergang der Römischen Republik und der EU.

Für die Nicht-Althistoriker: Die Römische Republik, mit Cäsar und Konsorten, ist nach etwa 500 Jahren kurz vor Christi Geburt gescheitert. Es folgte mit Augustus die Zeit der Kaiser. Die Zeit der Imperatoren.

Quelle: huffingtonpost.de

Anmerkung Mark Smith: Steile Thesen vom Althistoriker David Engels über die Zukunft Europas. Es ist doch fraglich, ob sich die Zukunft Europas aus der Extrapolation des Schicksals der Römischen Republik vorhersagen lässt.


  • Eine Frage der Raumzeit

Wertkritische Annäherungen an das Fermi-Paradoxon

KIC 8462852 gilt derzeit als einer der interessantesten Objekte der Galaxie. Der rund 1400 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernte, im Sterneinbild Schwan gelegene F-Klasse Stern sticht aus der Milliardenmasse von Sonnensystemen durch sein wissenschaftlich schlicht unerklärbares Verhalten heraus.

Bislang ist es Astronomen nicht gelungen, schlüssig zu begründen, wie die heftigen Verdunklungen des Sterns zustande kommen, die zuletzt Mitte Mai wieder zu beobachten gewesen waren. Beobachtungen von Sternen mittels der sogenannten Transitmethode helfen dabei, Exoplaneten zu identifizieren. Die geringe Verdunklung des Sterns, die bei einem Planetentransit von dem Beobachter auf der Erde wahrgenommen werden kann, lässt Rückschlüsse auf dessen Größe zu.

Quelle: Telepolis


  • Nicht eure Party Animals

Könnt ihr Mal bitte aufhören Schwarze Künstler*innen zu exotisieren?

Letztes Wochenende lud mich ein Freund zu einem Musik- und Performancefestival nach Dänemark ein. Als ich mir das Line-up anschaute, überzeugte es mich zu einem Abstecher. Yves Tumor, Cakes da Killa, Mykki Blanco: Künstler*innen, die ich mir gerne anhöre. Also fuhr ich hin, um dann enttäuscht festzustellen, dass sie alle erst ab ein Uhr nachts spielen. Ich war aber schon um 14 Uhr da, denn das Festival begann offiziell um zwölf Uhr. Tagsüber liefen statt meinen Lieblingskünstler*innen ziemlich viele Noise-Konzerte von weißen Musiker*innen und Panels, bei denen es um Politik und Nachhaltigkeit ging. Was mich wunderte, war, dass alle queeren, Schwarzen Musiker*innen nachts spielen und alle explizit hintereinander.

Quelle: missy-magazine.de

Anmerkung Mark Smith: Zum „Luftballon aus Gold“ hat es diese Woche das MISSY MAGAZINE mit deren Autorin Leyla Yenirce geschafft. Ok, dies dürfte ebenfalls damit zusammenhängen, dass mir die „Kultur-Linke“ je länger je mehr auf den Sack geht. Leyla Yenirce echauffiert sich darüber, dass gewisse Bands mit dem Attribut „queere, Schwarze Musiker*innen“ an einem Musik- und Performancefestival erst ganz am Schluss, also tief in der Nacht, spielen durften und demzufolge bloß eingeladen wurden, um die Leute mit tanzbarer Musik in Partystimmung zu halten. O-Ton: „Sie sind laut, weil sie etwas zu sagen haben, und nicht, um eine weiße Menge bei einer von weißen Männern kuratierten Veranstaltung bei Laune zu halten.“ Stellt sich bloß die Frage, was es Leyla Yenirce angeht, wie gewisse Leute ihr Festival zusammenstellen? M.E. überhaupt nix! Leyla Yenirce darf ja selbst ein Festival auf die Beine stellen und dann alles „besser“ machen, was sie an anderen kritisiert. Außerdem weiß sie überhaupt nicht, ob diese „Schwarzen Künstler*innen“ die Situation gleich einschätzen wie sie: man dürfte hier desgleichen von einem maternalistischen Gestus sprechen, der selbst besser weiß, was für die Anderen gut und richtig bzw. wie die Situation einzuschätzen ist. Abgesehen davon, dass niemand die „Schwarzen Künstler*innen“ dazu gezwungen hat, am Festival teilzunehmen: alles freiwillig. Vor lauter „Sensibilität und Empathie“ gegenüber gewissen Gruppen sieht die „Kultur-Linke“ ihren eigenen Maternalismus/Paternalismus nicht mehr und macht flugs alle zum Opfer, denen nun geholfen werden muss, ob diese das wollen oder nicht.

Anmerkung Lucas Schoppe: Die Idee, dass Cultural Appropriation etwas Schlechtes sei, ist ohnehin schon bescheuert. Wenn Menschen unterschiedlicher Kulturen sich überhaupt verständigen können, dann dadurch, dass sie das Fremde im Eigenen spiegeln und umgekehrt. Einschließlich diverser Rückspiegelungen, weil die jeweils anderen das ebenso machen. Ideologen wie die Autorin Leyla Yenirce verteufeln die Vermischung der Kulturen ebenso, wie Rassisten die Rassenvermischung verteufeln. Auffällig ist an dem Text ist zudem das komplette Fehlen jeglichen Zweifels an der eigenen Position. Die anderen machen alles Mögliche falsch – Weiße zum Beispiel wollen doch glatt zur Musik von Schwarzen tanzen (!), als ob die nur dafür da wären, „die Menge bei Laune zu halten.“ Aber Yenirce steht mittendrin und weiß ständig Bescheid. In der Hand einen schönen güldenen Luftballon, den sie für einen Text bekommt, der oberflächlich glänz, innen hohl ist und trotzdem aufsteigt – also, der zumindest in einem überregionalen Magazin veröffentlicht wird.

 

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10 Comments

  • „Hipster gibt es überall…“

    Aufschrei! Und Hipsterinnen? Gibt es die überhaupt, und wenn ja, woran erkennt man sie? Männliche Hipster sind ja leicht an schrulligen Bartformen, eigentlich weiblichen Dutts und sonstigem Retro-Look erkennbar. Bei Frauen funktioniert das nicht als Distinktionsgebaren, weil sie sowieso kunterbunt herumlaufen. Werden die Frauen also mal wieder unterdrückt und unsichtbar gemacht?

  • Der Link zur Doku auf youtube funktioniert nicht mehr. Ist von youtube.com gelöscht worden.
    Man findet aber einen weiteren Upload, wenn man bei youtube sucht.
    Unter archive.org wird man auch fündig.

    • Ok danke! Werde es noch einmal verlinken, aber hat offenbar keinen Sinn, zumal immer wieder gelöscht wird.

  • Bevor Kohl Kanzler war, war er Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Er war es, der das AKW Mülheim-Kärlich gegen alle Widerstände durchboxte.

    Das AKW wurde später verwaltungsgerichtlich stillgelegt, weil es über einer Erdbebenspalte errichtet war (zu erfahren aus Erdkundebüchern der Hauptschule). Der angerichtete Schaden betrug etwa 3% des rheinland-pfälzischen BIP.

    Spätere Schäden entstanden durch die feindliche übernahme von fünf neuen Bundesländern mit der anschließenden Plättung von deren Industrie durch die Treufuß-Gesellschaft.

    Kohl war von jeher eine Mischung aus „böse“ und „dumm“. Dass er in seinen letzten Lebensjahren politisch unschädlich war, geschah ohne eigene Absicht; auch dass die Politik nach ihm in die Ballistik überging, ist kein Anlass, ihm irgendwie nostalgisch nachzutrauern. Er hatte schlicht nicht mehr Gelegenheit zum Beweis, dass es noch bekloppter zugehen kann als die gegenwärtigen Polit-Charaktere vorführen.

  • -> arte-Film
    „Das Thema bzw. der Auftrag an die Filmemacher war dem Antisemitismus in Europa nachzugehen und nicht dem Nahost-Konflikt in einer einseitigen Darstellung.“

    „Dummerweise“ wird der „Nahost-Konflikt“ zum guten Teil *in Europa* generiert.

    Wer ist denn der verlässlichste Zahlmeister für die „Palästinenser“? Wer nimmt denen (gemeint ist natürlich deren Führung) ihren angeblichen Friedenswillen immer ab, egal wie absurd? Das waren zuletzt „Araber“ oder „Muslimische Länder“, sondern ging von den Europäern aus.

    Und genau da legt der Film dankenwerterweise und absolut passend den Finger die Wunde des notorischsten Vorurteils (ich glaube diese Umschreibung habe ich noch nie gelesen). Man kann nur hoffen, dass es eines Tages Geschichte sein wird.

    • …. und dass der stramm links-regressive Deutschlandfunk über den Film not amused ist, sollte sich von selbst verstehen. Schliesslich ist das toxische Gebräu aus „Antizionismus“ und „Postkolonialismus“ zentraler Eckpunkt des links-regressiven Katechismus!

    • @Alex

      Das ist eine sehr einseitige und ideologische Sichtweise.

      Ad 1.: Mit sämtlichen Subventionen, die Israel im Laufe seiner Geschichte von den USA und aus Europa erhalten hat, hätten die Inuit Grönland abschmelzen können und wäre heute der größte Bananenexporteur der Welt.

      Allein die Militärhilfe der USA beträgt 3 Milliarden Dollar im Jahr, von dem Israel (Alleinstellungsmerkmal) 25% für eigene Zwecke ausgeben darf. (s. start-up „Wunder“)

      Ad 2. ist nachweisbar, dass die besetzten palästinensischen Länder ökonomisch ausgeplündert worden sind, indem ihnen a. israelische Waren aufs Auge gedrückt wurden, sie b. Steuern und Abgaben bezahlten, von denen Israel profitierte, sie im Gegenzug dafür jedoch nichts erhielten.

      Ad 3. hält man sich durch das System der check-points selbstverständlich ökonomische Konkurrenz der Palästinenser vom Leibe, die zudem auf dem Agrarsektor mit staatlich subventionierten Siedlern konkurrieren, die natürlich bevorzugt Ressourcen, wie z.B. Wasser und Strom erhalten, was den Palästinensern fehlt – ganz zu schweigen davon, dass sie auf gestohlenem Land Produkte anbauen.

      Ad 4. wird Israel von der EU subventioniert, da für aus Israel exportierte Güter in die EU keine Zölle fällig werden.

      Wenn ich mehr Zeit habe, kann ich die Liste gerne fortsetzen.

      Gruß crumar

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