Männerpolitik Männerrechte Top Ten-Beiträge

Julia Korbik und die Liberalen Männer in der FDP

Bild zeigt FDP-Logo
geschrieben von: Mark Smith

Nach der taz und Edition F. hat nun ebenfalls der Vorwärts den Programmentwurf zur Gleichberechtigung der „Liberalen Männer“ in der FDP aufgegriffen und macht ein Problem der Männerrechtler aus, das weit über die FDP hinausgeht.

Der böse Wolf und die 7 unschuldigen Geißlein

Offenbar wittern gewisse Damen in den feministischen Leitmedien Gefahr, und es glühen bereits die roten Lampen auf, die die entsprechenden Protagonisten in Alarmstimmung versetzen, zumal offenbar der böse Wolf im Anmarsch ist und die 7 unschuldigen jungen Geißlein einfach fressen möchte, falls sie sich nicht genügend wappnen.

Dabei ist erst ein Programmentwurf bezüglich Gleichberechtigung auf Genderama veröffentlicht worden, und eine entsprechende Gruppe der Liberalen Männer der FDP muss sich erst noch konstituieren.

Der Titel des Beitrags von Julia Korbik hat es bereits in sich, er lautet nämlich wie folgt:

Wie die „Liberalen Männer“ den Feminismus bekämpfen wollen.

Im entsprechenden Programmentwurf kommt das Wort Feminismus überhaupt nicht vor, und ich kann außerdem keinen Kampf oder ein Gegeneinander feststellen im Sinne von: hier der böse Feminismus und da die guten Liberalen Männer. Das Framing des Titels gibt dementsprechend bereits eine gewisse Sichtweise vor, unter welcher Perspektive (Frame) der Text gelesen werden soll: nämlich die Bekämpfung des Feminismus durch die Liberalen Männer der FDP.

Geht nicht um Gleichberechtigung, sondern darum, wer wahrhaft benachteiligt ist

Julia Korbik schreibt:

Vor ein paar Tagen hatten ein paar FDP-Männer eine tolle Idee: Sie wollen eine Männerorganisation innerhalb der FDP gründen. „Liberale Männer in der FDP“ soll die heißen und sich für die „tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern“ einsetzen. So heißt es zumindest in einem entsprechenden Programmentwurf, der auf dem Blog „genderama“ das Männerrechtlers Arne Hoffmann veröffentlicht wurde. Damit ist die Richtung schon vorgegeben – statt um Gleichberechtigung geht es hier eher darum, dass Männer in den Augen der „Liberalen Männer“ die wahrhaft Benachteiligten sind.

Das heißt folgendes: Wenn der Programmentwurf auf dem Blog „Genderama“ von Arne Hoffmann veröffentlicht wurde, gibt dies bereits eine Richtung vor: Es geht dann keineswegs um Gleichberechtigung, sondern darum, dass Männer die wahrhaft Benachteiligten sind. Wie Julia Korbik auf diese Einschätzung kommt, wird leider nicht begründet, sondern einfach mal behauptet ohne irgendwelche Fakten zu liefern. Und wenn nicht die Männer die wahrhaft Benachteiligten sind, sind es dann die Frauen? Oder gibt es überhaupt keine wahrhaft Benachteiligten? Und warum sollte es nicht so sein, dass Frauen in gewissen Bereichen benachteiligt sind und Männer in gewissen Bereichen? Auch bei einer solchen Konstellation würde das Konzept Gleichberechtigung Sinn ergeben.

Ein schlechter Witz: Frauen sind wahrhaft die Opfer

J.K. schreibt:

Unter Punkt 6 „Gleichberechtigung bei häuslicher und sexueller Gewalt“ wird beharrt: „Für die Erforschung und Bekämpfung von gegen Männer und Jungen gerichteter häuslicher und sexueller Gewalt müssen die gleichen öffentlichen Mittel bereitgestellt werden wie für die Erforschung und Bekämpfung der gegen weibliche Opfer gerichteten.“ Angesichts der Zahlen zu sexualisierter und häuslicher Gewalt in Deutschland liest sich das Ganze wie ein schlechter Witz. Es ist nun einmal nicht zu leugnen, dass die überwältigende Mehrheit der Opfer dieser Form von Gewalt Frauen und die überwältigende Mehrheit der Täter Männer sind.

So schlecht ist dieser Witz eben nicht, wie wir gleich noch sehen werden. Was mir beim Programmentwurf der Liberalen Männer der FDP fehlt, ist, dass nur häusliche und sexuelle Gewalt genannt werden und nicht alle Formen der Gewalt: also beispielsweise psychische Formen der Gewalt oder eben gerade schwere Straftaten gegen Leib und Leben wie Mord, Totschlag, Raub, Körperverletzung, bei denen Männer 1.5 mal häufiger Opfer sind als Frauen.

Den Fokus bloß auf häusliche und sexuelle Gewalt zu richten, verstellt den Blick auf das Ganze, wo eben Männer insgesamt häufiger Opfer schwerer Straftaten gegen Leib und Leben sind als Frauen.

Kommen wir zur sexuellen Gewalt. Neuere Studien kommen hier zu folgendem Schluss:

Kommen wir zur häuslichen Gewalt: Da mache ich es mir heute einfach:

  • Ich verweise auf folgendes Buch: Weibliche Gewalt in Partnerschaften: Eine synontologische Untersuchung. Zumindest was die Quantität anbelangt, haben wir bei häuslicher Gewalt bei Frauen und Männern quasi Gleichstand, was die Täter- und Opferrolle anbelangt. Und ja, es gibt offenbar große Unterschiede zwischen Hell- und Dunkelfeld. Männer sind offenbar im Hellfeld unterrepräsentiert in Relation mit den tatsächlichen Vorkommnissen.

Männerrechtler sind das Problem und nicht nur in der FDP

J.K schreibt:

In der FDP rauft man sich angesichts dieses vermeintlichen Einsatzes für Gleichberechtigung die Haare, und das zu Recht. Doch Männerrechtler sind kein FDP-spezifisches Problem, sondern ein gesellschaftliches. Männerrechtler finden in den letzten Jahren immer mehr Gehör: Der Feminismus ist für sie eine Ideologie des Männerhasses, deren Ziel es ist, die Gesellschaft nach feministischen Leitbildern umzubauen. Die Gleichberechtigung, glauben Männerrechtler, ist nun wirklich zu weit gegangen – so weit, dass nun Jungs und Männer die wahrhaft Benachteiligten sind.

Hat Julia Korbik einen direkten Draht zur FDP, zumal sie offenbar genau weiß, dass sich diese die Haare rauft? Ich selbst habe diesbezüglich noch nicht viel vernommen. Gibt es überhaupt  d i e   Männerrechtler? Und gibt es   d e n   Feminismus? Und was genau ist eigentlich ein Männerrechtler und wer genau gehört dazu? Und was ist daran so schlimm, wenn gewisse Männerrechtler den Eindruck haben, dass „der“ Feminismus eine Ideologie sei, die Männer hasst und die Gesellschaft nach ihren Leitbildern umbauen möchte? Könnte man es nicht auch umdrehen und sagen: Es gibt gewisse Feministinnen, die glauben, dass Männerrechtler eine Ideologie betreiben, die Frauenhass auf ihre Fahne geschrieben haben und die Gesellschaft nach ihren Leitbildern modifizieren möchten? Also hüben wie drüben dasselbe? Und gewisse Feministinnen denken doch sicherlich desgleichen, dass Frauen die wahrhaft Benachteiligten sind und dass die Gleichberechtigung noch längst nicht abgeschlossen sei?!

Wie wäre es, wenn man sagen würde: Es gibt bei Frauen noch gewisse Benachteiligungen und Problemlagen, und es gibt bei Männern noch gewisse Benachteiligungen und Problemlagen, die angegangen werden müssen. Ich sehe den Programmentwurf der Liberalen bis jetzt unter diesen Prämissen.

Es gibt eigentlich keine Benachteiligungen und Problemlagen von Männern

J.K. schreibt:

Aus einzelnen Punkten und Fakten leiten Männerrechtler gerne eine flächendeckende Benachteiligung von Männern ab. Wie der ehemalige Schweizer Männerbeauftragte Markus Theunert prägnant zusammenfasste: „Man wähle ein beliebiges, in Ziffern fassbares Merkmal und brandmarke den Unterschied zwischen den Geschlechtern als gewollte Benachteiligung und Diskriminierung von Männern.“

Dieser Satz von Markus Theunert lässt sich ebenfalls analog auf Frauen übertragen:

Man wähle ein beliebiges, in Ziffern fassbares Merkmal und brandmarke den Unterschied zwischen den Geschlechtern als gewollte Benachteiligung und Diskriminierung von Frauen.

Das heißt: Aus einzelnen Fakten leiten gewisse Frauen/Feministinnen eine intentional flächendeckende Benachteiligung bzw. Diskriminierung der Frauen ab. Hierfür gibt es ausserdem ein umfangreiches Arsenal von Begrifflichkeiten und Konzepten wie Gender-Pay-Gap, Gläserne Decke, Altersarmut der Frauen, Rape Cultur etc., usw, usf.

Bundesforum Männer = gut vs. MANNdat = böse

J.K. schreibt:

Nun ist der Einsatz für die Rechte von Jungen und Männern nicht per se abzulehnen oder zu verdammen. Das Bundesforum Männer beispielsweise versteht sich als Interessenvertretung „für Jungen, Männer und Väter“ und hinterfragt kritisch gesellschaftliche Geschlechternormen und Rollenerwartungen in Bezug auf Männer und Jungen. Eine solche Männerarbeit hat tatsächlich den Anspruch, zu einer geschlechtergerechteren Gesellschaft beizutragen – anders als Vereinigungen wie MANNdat, die nur damit beschäftigt sind, die vermeintliche Diskriminierung von Männern zu beweisen.

Da haben aber die Jungen und die Männer noch Glück gehabt, dass der Einsatz für ihre Rechte nicht per se abzulehnen ist, sonst wären sie ja vollständig auf Gedeih und Verderb vom Wohlwollen von Julia Korbik abhängig gewesen. Das mag sein, dass das Bundesforum Männer sich als Interessenvertretung für „Jungen, Männer und Väter“ versteht, die Frage stellt sich jedoch, ob sich alle „Jungen, Männer und Väter“ von diesem Bundesforum repräsentiert fühlen und ob es deren Anliegen, Interessen, Benachteiligungen und Problemlagen auch genügend vertritt?! Da würde ich zumindest ein großes Fragezeichen dahinter setzen. Setzt sich das Bundesforum energisch dafür ein, dass medizinische, psychische, psychosoziale, soziale, bildungspolitische oder rechtliche Problemlagen und Benachteiligungen von Jungen, Männern und Vätern vermehrt einer nachhaltigen Verbesserung zugeführt werden? Wie steht es mit der höheren Selbstmordrate bei Jungen und Männern, bei Bildungs-, Ausbildungs- und beruflichen Problemen der Männer? Bei Problemlagen, bei denen Männer viel öfter davon betroffen sind als Frauen wie Alkoholerkrankungen, Drogenabhängigkeit, Spielsucht, Obdachlosigkeit, Doping und Aufputschmittel, schweren Gewalttaten wie Mord, Totschlag, Raub, Körperverletzung, Arbeitsunfälle und Berufserkrankungen, Väterrechte, Lebenserwartung, härterer Bestrafung bei Straftaten etc., usw. usf. Wie viele Hilfsangebote für medizinische und psychosoziale Problemlagen gibt es wohl insgesamt für Frauen und wie viele für Männer? Das Verhältnis dürfte vermutlich bei mindestens 10:1 liegen.

Bei MANNdat geht es nicht bloß darum, „vermeintliche Diskriminierungen“ zu beweisen, sondern auf Problemlagen von Männern, Jungen und Vätern hinzuweisen, die das Bundesforum teilweise außen vor lässt. Wer Problemlagen von Jungen, Vätern und Männern gleichsam negiert, der will keine Geschlechternormen und Rollenerwartungen modifizieren, sondern der reproduziert gleichsam die tradierten geschlechtsspezifischen Rollen und Erwartungen.

 Die Liberalen Männer diskreditieren die nachhaltige Männerpolitik

J.K schreibt:

Es gibt also solche und solche Männerrechtler. Fest steht: Männerrechtler wie die „Liberalen Männer“ und alles, was sich auf „genderama“ so tummelt, diskreditieren jene (Männer), die in Form von Männerpolitik die Gesellschaft nachhaltig verändern wollen. Jene, die nicht aus einem Racheimpuls handeln, weil sie das Gefühl haben, nach Jahrzehnten der feministischen Terrorherrschaft seien sie jetzt auch mal dran. Jene, für die Gleichberechtigung ein Ziel ist, an dem gemeinschaftlich gearbeitet werden muss – und kein Nullsummenspiel, bei dem es nur darum geht, wer gewinnt und wer verliert.

Das ist wirklich eine reichlich absonderliche Argumentation, die sich hier Julia Korbik zurechtgelegt hat, wenn sie den Liberalen Männern vorwirft, mit ihrem Programmentwurf die Männerpolitik zu diskreditieren.

Wie es solche und solche Feministinnen gibt, gibt es sicherlich desgleichen solche und solche Männerrechtler, das liegt vermutlich in der Natur der Sache. Die Gruppe der Liberalen Männer hat sich ja bisher noch überhaupt nicht konstituiert, und es liegt erst ein Programmentwurf vor, aber erstaunlicherweise weiß Julia Korbik offenbar bereits im Voraus ganz genau, was das für Männer sind und was diese für eine Programmatik bezüglich Gleichberechtigung in Zukunft fahren werden.

Am Schluss stellt sich die Frage, wie Julia Korbik auf die Idee kommt, dass die Liberalen Männer der FDP aus Racheimpulsen handeln und keine Gleichberechtigung wollen? Steht diesbezüglich irgendetwas im Programmentwurf oder sind das einfach (ideologische) Projektionen ohne irgendwelchen empirischen Gehalt?

Fazit

Julia Korbik geht es primär nicht um eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Programmentwurf der Liberalen Männer der FDP sowie den Problemlagen und den Benachteiligungen, die es nun mal gibt, von Jungen, Vätern und Männern, sondern vornehmlich um Dämonisierung, Feindbilderzeugung und Delegitimierung der Liberalen Männer und deren Anliegen. Es macht den Anschein, dass Benachteiligungen sowie Problemlagen von Jungen, Männern und Vätern von gewissen Feministinnen, wie beispielsweise Julia Korbik, vehement negiert werden sollen. Ihre diskursive Strategie scheint das „Teilen und Herrschen“ zu sein: Hier die guten Männerrechtler in Gestalt des Bundesforums und da die bösen Männerrechtler in Gestalt der Liberalen Männer der FDP.

RSS
Follow by Email
Google+
https://man-tau.com/2017/06/20/julia-korbik-liberalen-maenner-fdp/
PINTEREST
LINKEDIN
Whatsapp
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann verpassen Sie keine Artikel mehr! Drücken sie auf den folgenden Link/Button und geben Sie Ihre Email-Adresse an, um über neue Artikel informiert zu werden.

14 Comments

  • Dass unsere Feministinnen hier nervös werden, ist nur zu verständlich: ihr gesamter Diskurs beruht darauf, dass der primäre Opferstatus der Frauen als unhinterfragte Prämisse bestehen bleibt. Da diese Prämisse einer empirischen Prüfung nicht standhält, kann sie nur bestehen bleiben, wenn die Absicht, sie zu prüfen, tabuisiert bleibt. Sie kann nur dann tabuisiert bleiben, wenn jeder Versuch, sie kritisch zu thematisieren, in den Bereich der illegitimen Diskurse abgedrängt werden kann, also in den Bereich dessen, was erfolgreich als »rechts« oder alternativ als »Verschwörungstheorie« denunziert werden kann.

    Diese Chance einer Tabuisierung wird gefährdet, wenn das Thema von einer Mainstream-Partei auf die Agenda gehoben werden kann, denn diese lässt sich (mit partieller Ausnahme vielleicht noch der CSU) weder als »rechts« noch als »verschwörungstheoretisch« abstempeln. Denn dann befindet sich das Thema, weil Teil einer Mainstream-Agenda per definitionem im Bereich der legitimen Diskurse. Die betreffende Partei schert damit zudem aus dem informellen, parteiübergreifenden Kartell der Lobby-Femininistinnen aus, die den offiziellen Diskurs zum Thema bislang beherrschen.

    Aus diesem Grund sind alle Vertreterinnen und Vertreter dieses Lobby-Feminismus in hohem Maße sensibel für jeden Riss, der sich im alle »Männerfragen« regierenden Denunziations- und Schweigekartell auftut. Wenn »Containment« und »Gatekeeping« des Themas nicht mehr funktionieren, dann ist die feministische Diskursherrschaft als Ganze in Gefahr, das heißt: es droht ein Dammbruch.

    Umgekehrt ist es für uns wichtig, weiterhin beharrlich auch kleine Erfolge zu kumulieren, denn kein Dammbruch ohne vorhergehende Haarrisse.

    • @djad

      „Diese Chance einer Tabuisierung wird gefährdet, wenn das Thema von einer Mainstream-Partei auf die Agenda gehoben werden kann, denn diese lässt sich (mit partieller Ausnahme vielleicht noch der CSU) weder als »rechts« noch als »verschwörungstheoretisch« abstempeln. Denn dann befindet sich das Thema, weil Teil einer Mainstream-Agenda per definitionem im Bereich der legitimen Diskurse. Die betreffende Partei schert damit zudem aus dem informellen, parteiübergreifenden Kartell der Lobby-Femininistinnen aus, die den offiziellen Diskurs zum Thema bislang beherrschen.“

      Großartig geschrieben!
      Ebenso, wie die Positionierung von „Genderama“ als linker Flügel des Maskulismus vor fünf Jahren ein Dammbruch war, ist es die liberale Positionierung heute.

      ES IST VORBEI.
      Es ist hochoffiziell VORBEI mit der Taktik der feministischen Anschmiererei der Männerbewegung als „rechts“.

      IHR KÖNNT NACH HAUSE GEHN, Feminismus. 😉

      Gruß crumar

  • Bravo Mark Smith, ein guter Artikel. Zeigt sehr schön die Betonköpfigkeit der Journalistin.
    Ich bin gespannt wann die übrigen Parteien merken, dass es hier ein riesiges billig abzugreifendes Wählerpotential gibt. Vermutlich erst, nachdem sie sich selbst unter die 10% Marke manövriert haben…
    In diesem Sinne, Nur weiter so!

  • Das ist doch wirklich schlecht. Als ob der erste Gedanke ist, wenn die etwas hören was nicht in ihr Weltbild passt: „Wie kann ich diese Person denunzieren.“

    Die versuchen nicht mal zu argumentieren. „Nein, das ist falsch“ – Quelle ich.

    Und erschreckender weise sind das ja nicht einfach nur Einzelpersonen, die so denken, nein, das ist das Standardvorgehen von Feministinnen überall auf der Welt. Jemand macht etwas für Männer oder weist auf deren Probleme hin. Feministinnen schreien: „Frauenhasser!“

    Und dann behaupten sie das Feminismus auch gut für Männer ist. Aber sobald jemand wieder etwas für Männer machen will: „Frauenhasser!“

  • Die Überschrift ist dann doch sehr erhellend:
    „Wie die „Liberalen Männer“ den Feminismus bekämpfen wollen.“
    Nun – wenn Gleichberechtigung (als zentrale forderung der LM) den Feminismus „bekämpft“, dann sagt das doch einiges über das Bild des Feminismuses der AutorIN aus.

  • Bei häuslicher Gewalt muss man ja aktuell noch nicht einmal auf Studien verweisen, die einen relativ hohen Anteil männlicher Opfer ermittelt haben. Denn die Verteilung öffentlicher Mittel im Bereich häuslicher Gewalt konzentriert sich so stark auf weibliche Opfer, dass selbst nach den Studien mit dem geringsten Anteil männlicher Opfer dennoch bei Letzteren erheblicher Nachholbedarf besteht. Mal ganz davon abgesehen dass es ja auch noch häusliche Gewalt in gleichgeschlechtlichen Beziehungen gibt.

  • „Eine solche Männerarbeit hat tatsächlich den Anspruch, zu einer geschlechtergerechteren Gesellschaft beizutragen -“

    Ich habe mich endlich dazu aufgerafft, den Kampfbegriff „Geschlechtergerechtigkeit“ zu dekonstruieren – sagt man so? 😉

    Das ist einer der subtileren und daher besonders gefährlichen Kampfbegriffe, er enthält zwei gut versteckte falsche Aussagen. Vielleicht überschätze ich ja den Begriffskrieg, aber solange man solche Kampfbegriffe unwidersprochen im Raum stehen läßt, hat man mMn auch in der Sachdiskussion verloren.

    • @ man in the middle

      „Ich habe mich endlich dazu aufgerafft, den Kampfbegriff „Geschlechtergerechtigkeit“ zu dekonstruieren – sagt man so? 😉“

      Streng genommen, nein. 🙂

      Und da ich deine Neigung zur Genauigkeit ja sehr schätze, will ich kurz darauf eingehen, wieso nicht. Wenn ich es richtig verstehe, geht es dir hier vor allem um die kritische Analyse eines Kampfbegriffs zwecks seiner Zurückweisung bzw. Zerstörung.
      Dekonstruktion meint aber eigentlich etwas anderes als kritische Analyse, Begriffszurückweisung oder Begriffszerstörung.

      Der Begriff „dekonstruieren“ wird heutzutage oft inflationär verwendet und von allen möglichen Leuten von links bis rechts in einer Art und Weise gebraucht, die mit den Intentionen des Erfinders des Begriffs wenig zu tun hat. Auch bei mir selbst sind falsche Begriffsverwendungen vor ein paar Jahren schonmal vorgekommen, (aber inzwischen achte ich darauf).

      Bedeutungsverschiebungen von Begriffen finden zwar – und darum geht es bei der Dekonstruktion übrigens wesentlich – immer wieder statt, aber nicht jede Bedeutungsverschiebung ist sinnvoll, manche sollte man m.E. besser zurückweisen und bei „dekonstruieren“ finde ich es sinnvoll jenseits jener falschen und ideologischen Verwendungen, die heute relativ häufig vorkommen, auf das ursprünglich Gemeinte hinzuweisen – es handelt sich ja schließlich um einen philosophischen Fachbegriff.

      Der Begriff „dekonstruieren“ bedeutet, so wie er von seinem Erfinder Jaques Derrida gemeint war, NICHT „zerstören“, „zerlegen“ oder „Abbau“, auch nicht „kritisieren“ oder „kritisch analysieren“, sondern er meint die Analyse sowie die sinnhafte Herstellung von Bedeutungsverschiebungen von Begriffen.

      Hierzu kurz ein Zitat aus einem Einführungsbuch zum Thema:

      „Aus diesem Grunde ist im Falle von Dekonstruktion immer wieder vom Verschieben die Rede. Es heißt gerade nicht einfach zerlegen, kritisieren oder als falsch aufdecken. Dekonstruieren meint immer schon, die Sprecherposition einzubeziehen, geronnene Vorstellungen (…) von innen her in Bewegung zu versetzen. Statt Konstrukte mit der Abrissbirne zu attackieren, geht es um die Kunst, Bedeutungen zu verschieben, was einer schwierigen und mitunter subtilen Arbeit am Begriff gleichkommt.“

      (aus: Robert Feustel – Die Kunst des Verschiebens. Dekonstruktion für Einsteiger, Wilhelm Fink, 2015, S. 14)

      Eine dekonstruktive Textinterpretation unterscheidet sich von anderen klassischen Verfahren der Textinterpretation (die m.E. selbstverständlich auch ihren Wert haben), unter anderem dadurch, dass bei einer dekonstruktiven Textinterpretation im Rahmen einer sehr genauen Lektüre des Textes, 1. besonders darauf fokussiert wird, wo sich Bedeutungsverschiebungen von Begriffen im Text ereignen – sowie auch ob und inwieweit sich im Laufe der Rezeptions- und Ideengeschichte eines Textes solche Bedeutungsverschiebungen ereignet haben – sowie 2. welche für das jeweils behandelte Thema eigentlich ebenfalls wichtigen Aspekte in dem Text ungesagt bleiben oder inwiefern sich implizite oder explizite Bewertungen finden, bei denen ohne vernünftige Begründung ein eigentlich wichtiger Themenaspekt abgewertet wird.

      Der Text wird dann unter der Perspektive neuinterpretiert, dass Bedeutungsverschiebungen ausdrücklich berücksichtigt werden oder – dies soll allerdings in einer textimmanent sinnhaften Weise geschehen und nicht willkürlich – dass Bedeutungsverschiebungen von Begriffen, einschließlich der Konstruktion neuer Begriffe aus den vorhandenen, bewusst hergestellt werden sowie unter Einbeziehung jener für das spezifische Thema wichtigen Aspekte, die im Text „verdrängt“ oder abgewertet wurden.

      Damit diese Analyseperspektive nicht ins Willkürliche abgleitet – was bei manchen seiner weniger begabten heutigen Fans ja leider in kritikwürdiger Weise tatsächlich passiert – hat Jaques Derrida selbst großen Wert darauf gelegt, dass man erst dann einen Text dekonstruieren dürfe, wenn man ihn sehr gut kennt, eine äußerst sorgfältige und genaue Lektüre muss der Dekonstruktion stets vorangehen und des Weiteren sollen nur solche Bedeutungsverschiebungen vorgenommen werden, die textimmanent sinnhaft begründet werden können, um „Über-Interpretationen“ möglichst zu vermeiden.

      In diesem Sinne wäre z.B. der von mir verwendete Begriff „integraler Antisexismus“, der ja eine antisexistische Perspektive bezeichnet, die Diskriminierungen aller Geschlechter (Frauen, Männer, Intersexuelle, Trans-Personen) berücksichtigt und dabei den ungerechtfertigten Ausschluss berechtigter männerrechtlicher Anliegen aus den zeitgenössischen Geschlechterdiskursen beendet, Resultat einer Dekonstruktion des einseitigen, verengten radikal- und gender-feministischen Begriffs von Sexismus/Antisexismus, bei dem es sexistische Diskriminierungen gegenüber Jungen und Männern schon definitionsgemäß nicht geben kann.

      Bei „integraler Antisexismus“ wird jener Themenaspekt, der ungerechtfertigt aus der Sexismus-Definition des Mainstream-Feminismus ausgeschlossen wurde, nämlich gegen Jungen und Männer gerichteter Sexismus in die Definition mithineingeholt und es wird eine sinnhafte Bedeutungsverschiebung der Begriffe Sexismus/Antisexismus vorgenommen, die nun kein Geschlecht mehr ausschließt, wodurch die Ausgrenzung berechtigter Männeranliegen beendet wird.
      Dies stellt also eine Dekonstruktion des mainstream-feministischen Verständnisses von Sexismus und Antisexismus dar.

      Jaques Derrida war der Ansicht – und hier hat er m.E. Recht – dass sich Bedeutungsverschiebungen von Begriffen im Laufe der Zeit oft quasi automatisch ereignen. Tatsächlich ist es, darauf hatte z.B. der Literaturwissenschaftler Peter V. Zima hingewiesen, gerade dieses der Dekonstruktion wesentlich zugrundeliegende Prinzip der Bedeutungsverschiebung, die es philosophischen, politischen oder religiösen Traditionen ermöglicht sich veränderten Zeiten anzupassen und dadurch zu überleben.

      Dies stellt – in einem ganz neutralen Sinne – die konservative Seite der Dekonstruktion dar. Ob wir dies jeweils als positiv beurteilen oder nicht, hängt natürlich wesentlich davon ab, wie wir die jeweilige Tradition, um dies es geht, beurteilen.

      Nehmen wir eine Tradition, die ich persönlich eher nicht so positiv beurteile, sondern kritisch sehe, die Katholische Kirche.

      Wahrscheinlich ließe sich nachweisen, dass Begriffe wie „Gott“, „Jesus“ oder „Kirche“ für einen Katholiken im Mittelalter – und zwar sowohl für einen gewöhnlich Gläubigen als auch für einen Theologen – teilweise andere Bedeutungen hatten als für zeitgenössische Katholiken in modernen Gesellschaften und wahrscheinlich könnte ein auf dieses Thema spezialisierter Ideen- und Mentalitätshistoriker uns einiges dazu erzählen.

      Das bedeutet nun nicht, dass die entsprechenden Begriffe sich vollständig gewandelt hätten, dass quasi überhaupt kein Zusammenhang zu den älteren Bedeutungen mehr bestünde, es heißt nur, dass es im Zuge der Modernisierung westlicher Gesellschaften wahrscheinlich zu gewissen Bedeutungsverschiebungen zentraler christlich-katholischer Begriffe gekommen ist. Eben jene Bedeutungsverschiebungen könnten es aber der katholischen Kirche ermöglicht haben, sich überhaupt an moderne Zeiten anzupassen und als religiöse Tradition dadurch zu überleben.

      Man kann die Dekonstruktion also sowohl zur Kritik als auch zur Bewahrung verwenden – hier beides wiederum neutral gemeint, denn ob Kritik oder Bewahrung (oder eine Mischung aus beidem) jeweils sinnvoll sind oder nicht, hängt ja davon ab, wie wir die Sache, um dies geht, beurteilen.

      Also, so habe ich das „dekonstruieren“ jedenfalls bisher verstanden, natürlich darf Lucas Schoppe, der bei seinem Studium um eine Beschäftigung mit der Dekonstruktion wahrscheinlich nicht herumgekommen ist, mich gerne korrigieren oder ergänzen, falls er möchte.

      • @ Leszek Vielen Dank für Deinen Beitrag. Solltest Du öfter mal machen, sehr gerne auch als Artikel. 🙂

        Und nein, ich kann nicht viel mehr beisteuern, sondern nur kurz aufschreiben, wie ich mir selbst den Begriff „Dekonstruktion“ erklärt habe. Nämlich eben als Zusammensetzung aus den Begriffen „Destruktion“ und „Konstruktion“ – was dazu gehört, dass man ihn „sowohl zur Kritik als auch zur Bewahrung verwenden“ könne.

        Sachverhalte, die Menschen als selbstverständlich erschienen (zum Beispiel die Annahme, dass das Kind zur Mutter gehöre – dass Frauen gesellschaftlich unterdrückst seien – dass Schläge Kindern nicht schaden würden etc. etc.), werden als Konstruktionen nachvollzogen. Wie haben sich diese Positionen entwickelt? – auf welchen Annahmen bauen sei auf? – welche alternativen Positionen, die auch möglich gewesen wären, bleiben ausgeblendet? etc.

        Dieser Nachvollzug von Konstruktionen ist dann zugleich auch eine Destruktion – nämlich eine Zerstörung von Selbstverständlichem, bei dem plötzlich deutlich wird, dass es gar nicht so selbstverständlich ist und dass wir Sachverhalte auch ganz anders betrachten könnten.

        Dazu gehört dann eben auch das Potenzial der Veränderung. Bestehende Konstruktionen können nicht einfach beliebig gegen andere ausgetauscht werden, sondern können nur Stück für Stück variiert werden – aber dafür ist es wichtig, sie zu wiederholen, zu re-inszenieren und sie in der Re-Inszenierung dann teilweise zu ändern. Auch das ist gleichzeitig Konstruktion und Destruktion.

        Das Konzept der Dekonstruktion ist m.E. sinnvoll, wenn es pragmatisch verstanden wird. Unsere Konstruktionen erfüllen für uns wichtige Funktionen, wir können sie in der Regel nicht einfach ablegen und austauschen, sondern nur nachvollziehen und schrittweise verändern.

        Furchtbar wird der Begriff aber, wenn er nicht pragmatisch genutzt wird, sondern mit beständigem Entlarvungsgestus daherkommt: Alles Bestehende wird dann schlankweg als „soziale Konstruktion“ entlarvt, die lediglich Herschaftsinteressen diene. Diese Versimpelung der Dekonstruktion (und mehr noch, des grundsätzlich sehr sinnvollen Begriffs der „sozialen Konstruktion“) führt dazu, dass das Konzept insgesamt einen sehr üblem Leumund bekommt. Was schade ist.

      • @ Leszek: „Wenn ich es richtig verstehe, geht es dir hier vor allem um die kritische Analyse eines Kampfbegriffs zwecks seiner Zurückweisung bzw. Zerstörung.“

        Genau. Ich hatte mit dem Smilie andeuten wollen, daß ich „dekonstruieren“ hier ironisch gemeint habe. Es geht mir auch darum, daß Kampfbegriffe ja i.d.R. bewußt konstruierte Verständnisfallen sind und daß ich genau diese Konstruktion sichtbar machen und damit deren Wirkung zerstören will.

        • @ mitm

          „Genau. Ich hatte mit dem Smilie andeuten wollen, daß ich „dekonstruieren“ hier ironisch gemeint habe.“

          Ich hatte die letzte Zeit mal wieder ein bißchen zum Thema Dekonstruktion recherchiert, daher passte deine ironische Frage gerade, so dass ich mal drauf geantwortet habe. 🙂

          „Es geht mir auch darum, daß Kampfbegriffe ja i.d.R. bewußt konstruierte Verständnisfallen sind und daß ich genau diese Konstruktion sichtbar machen und damit deren Wirkung zerstören will.“

          Ja, du betreibst mit deinem Blog eine m.E. sehr gute und wichtige Aufklärung. Ich habe Artikel von dir auch schon häufiger an Interessierte aus meinem Bekanntenkreis verlinkt.

          • sehr schöner thread!

            Dass „Dekonstruktion“ gar keine Analyse ist, sondern eher ein Ersetzen und Neuaufladen von Begriffen macht die Vorsilbe „De-“ auch so überflüssig, dass man auch gleich (leicht sarkastisch) von „Konstruktion“ reden kann, wenn man „Dekonstruktion“ meint.

            Ich wüsste nicht, wie sich die Methode der „Dekonstruktion“ von der des „dialektischen Materialismus“ wirklich verschieden ist… Das wäre vielleicht eine spannende Frage: ob eine Parallelentwicklung oder ob die Dekonstruktion einfach ein Kind vom „Diamat“ ist.

            Beide jedenfalls sind Methoden des Irrationalismus, Zusammenhänge herzustellen und sprachlich zu schmieden. Der Diamat ist dann sozusagen die Schmiede des „richtigen Bewusstseins“, welches „zu sich selbst kommt“, während die Dekonstruktion an sich das gleiche leistet, aber keine ideologische Begründung für diese Begriffsschmiede dafür gibt (jedenfalls ist mir keine bewusst, ich glaube es gibt auch keine).

  • @Matze

    Das ist doch wirklich schlecht. Als ob der erste Gedanke ist, wenn die etwas hören was nicht in ihr Weltbild passt: „Wie kann ich diese Person denunzieren.“

    Jordan Peterson hat das mal schön detailliert auseinandergenommen (find den Link leider gerade nicht), das es völlig sinnlos ist mit Postmodernisten diskutieren zu wollen, da Sie ein Diskussion nicht als Austausch von Meinungen und Argumenten zum eventuellen Finden einer gemeinsamen Position verstehen, sondern als sich manifestierende Machtpostionen …

Leave a Comment