man tau-Wochenshow

Die man tau-Wochenshow vom 02. Juli 2017

geschrieben von: Mark Smith

Nachfolgend findet Ihr eine Presseschau der letzten Woche unter anderem mit folgenden Themen:

  • Ehe für alle mit Kalkofes und Postillon;
  • Überwachung: Der Staat ist ein feiger Leviathan;
  • Lenin: Genie des Augenblicks;
  • Syrien: Giftgasmassaker war Inszenierung der USA;
  • Satire: Mit Humor gegen Diskriminierung von Muslimen;
  • Wertedebatte: Der falsche Glanz der Werte;
  • Ein deutsches Leben: Eine Mitläuferin, die nichts gewusst haben will;
  • Realitätsverweigerung à la SPD;
  • Boxskandal vor 20: Tysons legendärer Ohrenbiss;
  • Jean Ziegler: Diktatur der Oligarchen des globalen Finanzkapitals;
  • Grünes Urgestein Ströbele;
  • Die Türkei will nichts mehr von Darwin wissen;
  • Kampf den Steuerpopulisten;
  • Michael Lüders: Washington und seine regime chance in Syrien;
  • Atomwaffen: Diskussion ist von Legenden und Mythen bestimmt;
  • Mossul: Das Ende des Islamischen Staates;
  • Heiner Flassbeck zum Grundeinkommen.

Auch wenn wir einen Artikel für lesenswert halten, heißt dies selbstverständlich nicht, dass wir allen Aussagen darin zustimmen, und dasselbe Prinzip gilt umgekehrt für diejenigen Artikel, die wir nicht so toll finden: auch dort können Aussagen drin stehen, die wir befürworten. Wenn Sie diese wöchentliche Presseschau für hilfreich halten, dann bitte in den Social-Media-Kanälen teilen oder einfach Bekannten und Freunden weitersagen.


Ehe für alle

  • Ratgeber: Alles, was Sie jetzt zum Thema „Ehe für alle“ wissen müssen

Jetzt geht alles ganz schnell: Nachdem Grüne, FDP und SPD die gleichgeschlechtliche Ehe jeweils zur Koalitionsbedingung gemacht haben, könnte der Bundestag bereits in dieser Woche darüber abstimmen. Doch worum geht eigentlich bei der „Ehe für alle“? War Heiraten nicht schon immer irgendwie schwul? Der Postillon hat recherchiert und beantwortet die wichtigsten Fragen:

Quelle: Der Postillon


  • Kalkofes Mattscheibe Rekalked | Ekelerregende Demo

EKELERREGENDE DEMO! Pegida auf Schwäbisch: Kälber werden mit zwei Köpfen geboren, Männer küssen sich! Oh Gott, oh Gott! Wer da keinen Zusammenhang sieht… EKEL ERREGEND!

Quelle: Youtube

Anmerkung Mark Smith:  Das Rechtsinstitut der Ehe geht mir persönlich am Allerwertesten vorbei, also von mir aus könnte man die Ehe vollständig abschaffen, es wäre mir komplett egal. Klar, für die Gleichberechtigung hat die Ehe für alle faktisch für viele Menschen eine grosse Bedeutung und die damit einhergehende Symbolik dürfte für zukünftige Antidiskriminierungspolitiken von grösster Bedeutung sein. Nichtsdestotrotz habe ich mich für zwei eher humoristische bzw. satirische Beiträge in diesem Kontext entschieden.


  • Peter Schaar: Der Staat ist ein feiger Leviathan

Mit der Einführung der Quellen-Telekommunikationsüberwachung und der Online-Durchsuchung in viele deutsche Gesetzestexte setzt der Staat seine Allmachtsfantasien um.

Quelle: heise.de

Anmerkung Mark Smith: Der frühere Bundesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (2003 bis 2013) Peter Schaar macht noch einmal deutlich, dass mit der Einführung der Quellen- und Telekommunikationsüberwachung und der Online-Durchsuchung Grundrechte massiv einschränken, insbesondere das Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme. Keine Ahnung, weshalb sich die Bürger nicht vermehrt gegenüber solchen Allmachtspraktiken des Staates wehren.

Anmerkung Lucas Schoppe: Gerade erst hat Twitter den Account von Patrick Breyer gesperrt, fünf Jahre Abgeordneter der Piratenpartie im Landtag Schleswig-Holsteins und heute Datenschutzbeauftragter der Partei. Warum sein Account gesperrt wurde, ist angesichts seiner letzten Tweets nicht nachvollziehbar – Twitter gibt ohnehin keine Begründungen an. Dass das mit dem Gesetz zusammenhängt, ist Spekulation – aber es bietet einen Eindruck davon, was in der Folge des Gesetzes auf die Kommunikation im Netz und anderswo zukommen könnte.


  • Lenin: Genie des Augenblicks

Lenin will Russland befreien: Von der Herrschaft des Zaren und der Macht des Kapitals. Er führt die kommunistische Revolution zum Sieg, legt den Grundstein für die Sowjetunion – aber mehr Freiheit bringt er der Welt nicht.

Quelle: zeit.de

Anmerkung Mark Smith: Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: Mit Lenin, den Bolschewiki und der Sowjetunion habe ich überhaupt nix am Hut. Aber dieses Jahr jährt sich zum hundertsten Mal die Oktoberrevolution, und da ist Lenin, mit seinem taktischen Geschick, die herausragende Figur.


  • Giftgasmassaker war Inszenierung der USA

Die Trump-Show als Reaktion auf das angebliche Giftgasmassaker von Khan Sheikhun am 4. April 2017 ist ein weltweiter Propagandaerfolg der Weißhelme.

Quelle: Rubikon

Anmerkung Mark Smith: War das Giftgasmassaker von Khan Sheikhun vom 04. April 2017 ein Propagandaerfolg der Weisshelme, wie dies der bekannte investigative Journalist Seymour Hersh nahelegt? Auf jeden Fall hat das Assad-Regime überhaupt kein Motiv dazu, selbst Giftgas einzusetzen, zumal es damit seinen eigenen Untergang vorantreiben würde.


  • Mit Humor und Datteln gegen Diskriminierung von Muslimen

Humor und Islam – geht das zusammen? Die Berliner «Datteltäter» beweisen auf ihrem Youtube-Kanal: Ja, das passt.

Quelle: srf.ch

Anmerkung Mark Smith: Mit Humor Vorurteile abbauen und die muslimische Kultur näherbringen; das dürfte vermutlich der erfolgreichste Weg für „Völkerverständigung“ sein.


  • Der falsche Glanz der Werte

Wo sich kulturelle Gräben öffnen, wird der Ruf nach einer Wertedebatte laut. Das ist müssig. Werte sind nicht verlässlich – und der Staat darf sie den Bürgern nicht verordnen.

Quelle: nzz.ch

Anmerkung Mark Smith: Guter Essay über Werte und was sie bringen und was nicht. Der Autor geht davon aus, dass Werte über Regeln und Gesetze hinausgehen und deshalb ein liberaler Staat seine Bürger nicht auf gemeinsame Werte verpflichten darf. Es reicht völlig aus, wenn sich die Bürger an die Gesetze halten. Dem würde ich im Prinzip zustimmen, aber ev. gewisse Ausnahmen einbauen. 🙂

Anmerkung Lucas Schoppe: „Ob ich frauenfeindlich bin oder linksradikal denke, Schwule hasse oder rassistische Ansichten hege, geht den Staat nichts an. Es muss ihm genügen, dass ich mich an die Gesetze halte.“ Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass ich immer häufiger Artikel der Neuen Zürcher Zeitung lese. Mein Eindruck: Die Texte dort sind spürbar weniger als Texte der meisten deutschen Zeitungen von dem Bemühen geprägt, bloß nichts Falsches zu sage („Oh Gott, könnte den Satz jemand so verstehen, dass ich mich für Frauenfeindlichkeit und Rassimus stark mache??“). Als „Schere im Kopf“ wurde das früher bezeichnet – für den deutschen Journalismus ist es gerade kennzeichnend, dass selbst über diese Schere kaum einmal gesprochen wird. Mein Eindruck ist, dass viele Texte der NZZ, im Vergleich, liberal in einem klassischen Sinn sind. Und das so etwas in Deutschland gerade verloren geht.


  • Eine Mitläuferin, die nichts gewusst haben will

Der Dokumentarfilm porträtiert Goebbels‘ Sekretärin Brunhilde Pomsel – und lässt viele Fragen offen.

Quelle: nzz.ch


  • Realitätsverweigerung à la SPD

Die Genossinnen und Genossen leben in einer Scheinrealität und verweigern sich mit Nachdruck jedem Ankommen in der Wirklichkeit.

Quelle: Rubikon

Anmerkung Lucas Schoppe: „Die Partei aber hat aus ihrer Mitte heraus einen Frontalangriff auf das sozialstaatliche Fundament des Landes gefahren.“ Ja, und vor allem: Die SPD war, deutlich mehr als die CDU, eine Partei, die von der Aktivierung ihrer Basis lebte. Das ist nicht mehr so – die Basis ist der Partei in noch größerem Maße abhanden gekommen als die Wählerschaft. Daher rührt auch der Realitätsverlust, den ihr der Artikel attestiert – wer sich in privilegierten Positionen abschottet und Widerspruch lieber gar nicht mehr durchdringen lassen möchte, der verliert eben den Kontakt zu wesentlichen sozialem Realitäten


  • Boxskandal vor 20 Jahren

Tysons legendärer Ohrenbiss

Es war der vielleicht berühmteste Ohrenbiss der Geschichte und ein handfester Skandal. Mike Tyson, Boxer und langjähriger Weltmeister, biss seinem US-Landsmann Evander Holyfield bei einem WM-Kampf ein Stück vom rechten Ohr ab.

Quelle: Deutschlandfunk

Anmerkung Mark Smith: Ich habe damals den Kampf im TV gesehen und war natürlich bitter enttäuscht, als dieser nach ein paar Runden bereits wieder vorbei war, weil ich hätte natürlich gerne 12 Runden gesehen oder doch einen packenden Kampf bis zum KO. Seither hat sich das Schwergewichtsboxen sowieso stark verändert. Wer heute nicht mindestens 198cm gross ist, hat vermutlich kaum eine Chance, Leute wie Joshua, Wilder oder Klitschko zu schlagen.


  • „Wir leben unter einer Diktatur der Oligarchien des globalisierten Finanzkapitals“

Private Oligarchien haben eine Macht, die „nie auch nur irgendein Kaiser, König, Papst jemals auf diesem Planeten hatte. Sie entziehen sich jeder sozialen, staatlichen und gewerkschaftlichen Kontrolle.“ Das sagt der Vizepräsident des Beratenden Ausschusses des UN-Menschenrechtsrats Jean Ziegler in einem ausführlichen Interview mit den NachDenkSeiten.

Quelle: NachDenkSeiten

Anmerkung Mark Smith: Jean Ziegler wie er leibt und lebt: viel Rhetorik und Polemik, Engagement und Herzblut, aber das Ganze ist mir zu doch zu einseitig, zu manichäisch, zu undifferenziert in der Analyse und in den Lösungsvorschlägen.


  • „Von der parlamentarischen Demokratie habe ich nicht viel gehalten“

Ende dieser Woche geht der Bundestag in die Sommerpause – und für Hans-Christian Ströbele endet die letzte reguläre Sitzungswoche als Abgeordneter. Der 78-Jährige verlässt das Parlament nach mehr als zwanzig Jahren. Zeit für ein Gespräch.

Quelle: faz.net

Anmerkung Mark Smith: Christian Ströbele, das Urgestein der Grünen, tritt nach über 20 Jahren Mitgliedschaft als Abgeordneter des Bundestages ab. Für mich war Ströbele noch einer der glaubwürdigsten Grün_innen, und ich verstehe bis heute nicht, wie er so lange in dieser Partei ausharren konnte.


  • Die Türkei will nichts mehr von Darwin wissen

Ankara streicht die Evolutionstheorie vom Lehrplan der Neuntklässler. In allen neuen Schulen muss künftig ein Gebetsraum oder eine Moschee eingerichtet werden.

Quelle: nzz.ch

Anmerkung Mark Smith: Laizismus und Säkularisierung sollen offenbar in der Türkei wieder rückgängig gemacht werden.

Anmerkung Lucas Schoppe: Warum ist eigentlich Darwin solch eine Provokation für viele Ideologen und Gläubige, für konservative Christen oder Muslime, aber auch für Vertreter von Gender-Ansätzen? Dass wir auf der Basis eines tierischen Erbes basieren, dass wir uns nicht beliebig selbst entwerfen oder im Sinne eines Glaubens neu erschaffen können – das erleben noch mehr als 200 Jahre nach Darwins Geburt viele offenbar als Kränkung.


  • Kampf den Steuerpopulisten

Zahlreiche Lobbyisten wollen uns einreden, dass die Steuern hierzulande viel zu hoch sind. Sie haben unrecht, aber ihre falschen Zuspitzungen sind schwer zu durchschauen.

Quelle: zeit.de

Anmerkung Mark Smith: Solange die Schere zwischen tiefen und hohen Einkommen und Vermögen weiter steigt, solange muss der Staat mit griffigen Steuern dem entgegenwirken.


  • Michael Lüders – Vorlesung 2/3: Wie Washington seit 1949 regime change in Damaskus betreibt

Anlässlich seines 40-jährigen Jubiläums hat der Freundeskreis Trierer Universität e.V. im Jahr 2009 eine Gastprofessur initiiert.

Alle zwei Jahre kann so ein prominenter Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft als Gastredner für die Universität gewonnen werden.

Im Rahmen der Gastprofessur finden jeweils im Laufe des Sommersemesters drei Vorträge statt, in denen der Gast ein aktuelles Thema mit Europa-Bezug für eine breite Öffentlichkeit aufbereitet.

Dr. Michael Lüders ist Nahostexperte und Islamwissenschaftler. Im Sommersemester 2017 hält er an der Universität im Rahmen einer Gastprofessur drei Vorlesungen zum Thema: „Wie nahe ist der Nahe Osten? Über die Folgen einer verfehlten westlichen Interventionspolitik“.

Quelle: Youtube

Anmerkung Mark Smith: Schon wieder Michael Lüders, aber für den Nahen und Mittleren Osten ist er einfach eine Kapazität, der ein anderes Narrativ erzählt als viele Leitmedien. Dieses Mal über die Interventionspolitik der USA in Syrien.


  • „Die Diskussion über Atomwaffen ist von Legenden und Mythen bestimmt“

Interview mit Dieter Deiseroth zur nuklearen Bedrohung und einer U.N.-Konferenz, die derzeit einen Atomwaffenverbotsvertrag ausarbeitet

Bei den Vereinten Nationen in New York findet derzeit eine Konferenz statt, die sich zum Ziel gesetzt hat einen Atomwaffenverbotsvertrag zu erarbeiten. 134 Staaten nehmen an der Konferenz teil, aber nur ein Mitgliedsland der NATO befindet sich darunter: die Niederlande.

Quelle: heise.de

Anmerkung Mark Smith: Guter Beitrag über Mythen und Legenden von Atomwaffen. Ich glaube zwar nicht, dass Atomwaffen wieder vollständig von der Welt verschwinden werden, aber ein Fortschritt wäre, wenn sie nur noch quasi in Besitz einer „Weltpolizei“ wären, die global demokratisch legitimiert ist.


  • „Wir sehen das Ende des IS“

Iraks Premier Haidar al-Abadi hält den „Islamischen Staat“ für beinahe geschlagen. Zuvor hatte die irakische Armee die Große Moschee in Mossul zurückerobert.

Quelle: zeit.de

Anmerkung Mark Smith: Wäre natürlich schön, wenn damit der Islamische Staat vollständig erledigt wäre, aber das dürfte vermutlich nur eine Hoffnung sein, zumal es bald wieder zu einem Machtvakuum in dieser Region kommen wird und sich die unterschiedlichsten Akteure darum streiten werden, wer den Platz des Islamischen Staats einnehmen darf, was wiederum ein Nährboden für islamistische Dschihadisten ist.


  • Wie man das Volk betrügt

Immer irrer werden die Begründungen, mit denen man das Grundeinkommen verkauft. Und die Linke merkt nicht, dass sie genau bei diesem Thema systematisch von den Neoliberalen über den Tisch gezogen wird.

Quelle: Makroskop

Anmerkung Mark Smith:  Ich bin mir noch nicht so sicher, was ich vom Grundeinkommen halten soll, das in Schleswig-Holstein, unter der Führung der CDU, versuchsweise eingeführt werden soll. Für den Ökonomen Heiner Flassbeck ist das Grundeinkommen auf jeden Fall eine Schnapsidee, zumal dies vor allem den Neoliberalen nützen werde.

Anmerkung Lucas Schoppe: Ich habe bisher noch kein Modell kennen gelernt, in dem sich das Grundeinkommen wenigstens erst einmal rechnen würde. Die Entkoppelung von Arbeit und Einkommen – die Gefahr, dass über das Grundeinkommen soziale Sicherung nicht geschaffen, sondern abgebaut wird: Tatsächlich kann ich kaum verstehen, was Linke zum Grundeinkommen treibt. Flassbeck liefert natürlich auch keine Argumente für ein Grundeinkommen, sondern schreibt entschlossen dagegen an. Es wäre schön, einmal eine schlüssige Argumentation dafür zu lesen.

  • Der Vater, ein Mutter-Imitat

„Aber die Idee ist gut. Das würde den Sinn dafür stärken, dass beide Eltern wichtig sind. Und es würde die Entwicklungsbedingungen der Kinder verbessern.“

Anmerkung Lucas Schoppe: Das Spiegel-Interview mit der Psychologin Inge Seiffge-Krenke, das Arne Hoffmann schon ausführlich vorgestellt hat, räumt mit dem Gestus einer großen Selbstverständlichkeit viele Tabus ab, die in den letzten Jahren Entwicklungen in der elterlichen Sorge verhindert haben: Zur Bedeutung der Väter für die emotionale Entwicklung von Kindern – zu ihrer Bedeutung gerade für Töchter – zum Maternal Gatekeeping, wenn Frauen, die durch „eine starke Mutterideologie“ geprägt sind, bei der Kindessorge nur sich allein für  zuständig und kompetent halten.

Und schließlich auch zum Wechselmodell, das Seiffge-Krenke grundsätzlich empfiehlt. Wer beim letzten Thema  noch Zweifel hat: Erst in der vergangen Woche bin ich auf einen Text von Lutz Bierend dazu aufmerksam geworden, der schon 2016 erschienen ist, aber eigentlich ein Standard-Text zum Thema sein müsste: 13 Wahrheiten über das Wechselmodell.

  • Johannes Gabriel: Wir verraten alles, was wir sind

Ein Artikel, der in der Frankfurter Allgemeinen unter dem Pseudonym Johannes Gabriel als Gastkommentar veröffentlicht wurde, spricht sich als einer der wenigen Texte in den Massenmedien klar gegen die „Ehe für alle“ aus. Unterstellungen im Hinblick auf sexuellen Missbrauch – Unterstellungen, dass Narzissmus wesentlicher Beweggrund beim Adoptieren von Kindern sei (als ob die Motive bei Heterosexuellen immer rein wären) – Ignoranz gegenüber Studien, die zeigen, dass Kinder sich in homosexuellen Partnerschaften gut entwickeln: Der Text wirkt wütend, bietet aber kaum Argumente, die nicht bei kurzem Nachdenken haltlos erscheinen.

Dass er zum Goldenen Luftballon wird, der glitzernd aufsteigt, aber hohl bleibt, ist aber auch seinen Gegnern zu verdanken.

Womöglich noch seltsamer als der Text ist nämlich die umfassend-wütende Reaktion darauf. „Der neueste „FAZ“-Artikel zur Ehe für alle ist so schlimm – kaum zu glauben, dass er tatsächlich erschienen ist“ titelt stellvertretend die Huffington Post.

Was ist eigentlich aus der Überzeugung geworden, dass auch das Rederecht von Menschen ganz  anderer Meinung verteidigt werden muss? In der Euphorie um den Bundestagsbeschluss zur „Ehe für alle“ mischt sich gerade ein Mal ein Text, der nicht mit allen anderen zusammen euphorisch ist, sondern den Entschluss kritisiert: Sofort regen sich in Massenmedien und sozialen Medien darüber auf, dass es diesen Text überhaupt gibt.

Er ist auch über die Homepage der faz nicht erreichbar, ich stelle ihn über einen Link in David Bergers Blog vor, wo dieser Text – warum auch immer – ebenfalls veröffentlicht wurde.

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13 Comments

  • Prof. Dr. Jörn Ipsen, Osnabrück, argumentiert gegen die „Ehe für alle“ unter anderem mit diesem Argument:

    Der besondere Schutz der Familie durch den Staat ist unbestritten. Die Ehe ist nun die „Vorstufe zur Familie“. Dazu gehört, dass sie von Natur zur auf „Familie“ angelegt ist. Für Verpartnerung gilt das nicht.

    Nun können Verpartnerte durchaus Kinder adoptieren; ab dem Moment sind sie „Familie“, aber eben nicht auf natürlichem Weg über das Stadium Ehe.

    Darum, argumentiert Ipsen, ist der Status „Ehe“ anderen als verschiedengeschlechtlichen Partnern von Verfassung her verwehrt.

    Und ganz ehrlich? Mich überzeugt das Argument.

    • Der besondere Schutz der Familie durch den Staat ist unbestritten. Die Ehe ist nun die „Vorstufe zur Familie“. Dazu gehört, dass sie von Natur zur auf „Familie“ angelegt ist. Für Verpartnerung gilt das nicht.

      Inwiefern steht die Familie unter dem besonderen Schutz des Staates? Das wird immer wieder behauptet, doch ich kann nicht erkennen, wie sich dieser besondere Schutz konkret darstellt. Das ist für mich nicht viel mehr als eine Politikersprechblase, eine Art Beschwörungsformel ohne konkreten Inhalt.

  • @Mark „Für mich war Ströbele noch einer der glaubwürdigsten Grün_innen ….“

    Ein Chef-Verschwörungstheoretiker, der die Lüge vom „Mord“ an der RAF in Stammheim massgeblich gepusht hat. Absolut miese Type.

    „Giftgasmassaker war Inszenierung der USA“

    Der übliche Antiamerikanismus. Dem angeblichen „investigativen Journalisten“ Seymour Hersh kann man nicht trauen, der hat schon zu Bush-Zeiten zur heimlichen Zusammenarbeit von USA/Syrien in Sachen Folter „berichtet“. Zu Obama-Zeiten hat der wohl Urlaub gemacht (Iran?).

    @Lucas
    „Mein Eindruck ist, dass viele Texte der NZZ, im Vergleich, liberal in einem klassischen Sinn sind. Und das so etwas in Deutschland gerade verloren geht.“

    Das ist natürlich sehr richtig. Aber Werte und Liberalismus sind sicherlich nicht einander ausschliessend – genau an dieser Haltung ist der Liberalismus der deutschen Zeitungen nicht zuletzt zugrunde gegangen, was der Stelle deines berechtigten Lobs für die NZZ eine gewisse Ironie verleiht 😉

    @Mark „Warum ist eigentlich Darwin solch eine Provokation für viele Ideologen und Gläubige, für konservative Christen oder Muslime, aber auch für Vertreter von Gender-Ansätzen?“

    Weil Darwin den ernst genommenen Kosmologien all dieser Glaubenssysteme widerspricht. Wobei interessanterweise die Gender-Ideologie der anti-wissenschaftlichste Glaube von allen ist….

    „Dass er zum Goldenen Luftballon wird, der glitzernd aufsteigt, aber hohl bleibt, ist aber auch seinen Gegnern zu verdanken. …“

    Die faz trollt gar die „Ehe für alles und statt Meinungsfreiheit“-Öffentlichkeit? So kann man es auch machen 😉

    • „Der übliche Antiamerikanismus.“

      Mag sein. Offenkundig ist aber, dass Assad (außer evtl. einem minimalen taktischen Erfolg) durch einen solchen Giftgaseinsatz nichts gewinnen kopnnte, dagegen definitiv davon ausgehen musste, dass ein Giftgaseinsatz für ihn katastrophale politische Folgen haben musste. Demzufolge muss man annehmen, dass entweder Assad (bzw. der jeweilige militärischen Entscheidungsträger) völlig bescheuert ist oder es sich tatsächlich um ein unglückliches Zusammentreffen bzw. sogar eine gezielte false flag Operation von Leuten handelte, die (völlig zurecht) sich einen großen Schaden für Assad davon versprachen. Soll jeder selbst beurteilen, für wie wahrscheinlich er die Alternativen hält.

    • @Alex:

      »Der übliche Antiamerikanismus.«

      Du denkst auch nur noch manichäisch. Die Rolle der USA im Mittleren Osten unterschiedet sich durch nichts vom kurzsichtigen, taktischen Großmachtgezerre der anderen beteiligten Akteure, ob nun die Türkei, der Iran oder Russland. Und die neuerliche Dämonisierung Russlands durch die USA ist ein, wenn nicht das Haupthindernis für einen Frieden in der Region, weil sie einer Kooperation der beiden mächtigsten Einflussgrößen auf den Konflikt im Wege steht.

      Ich wäre ja durchaus geneigt, Assad als Person dasselbe Ende zu wünschen wie Gaddafi. Wäre da nicht das warnende Beispiel Libyens, wo eine westliche Intervention ein weiteres Mal zu einem »failed state« geführt hat.

  • Ich weiß nicht, ob meine Argumentation für ein Grundeinkommen schlüssig wäre, aber ich betrachte es ganz einfach aus der (verpönten) kapitalistischen Perspektive: Es steht außer Frage, dass Bedürftige durch die Gesellschaft unterstützt werden müssen. Das Ziel der Gesellschaft sollte sein, sowenig Ressourcen wie möglich für diese Unterstützung auszugeben.

    Ein Grundeinkommen könnte das Rentensystem mit all seiner Verwaltung ersetzen, die kostenintensive Verwaltung und Kontrolle von Arbeitslosen wäre nicht mehr erforderlich, der Staat müsste sich nicht mehr darum kümmern, ob ein Bedürftiger in einer angemessenen Wohnung lebt oder nicht.

    Aus meiner Perspektive als Steuerzahler kann ich nur sagen: Ich bezahle lieber 100 auskömmliche Grundeinkommen als 75 Hartz-IV-Empfänger unterhalb des Existenzminimums, 20 überflüssige Jobs in Helferindustrie und Verwaltung und 5 Organisatoren irgendwelcher „Maßnahmen“, die sich mit den Lücken dieses Systems ein bequemes Leben finanzieren.

    Allerdings bin ich Realist genug, um den derzeitigen Politikern nicht einmal ansatzweise zuzutrauen, mit einem Grundeinkommen tatsächlich eine Verbesserung zu bewirken – sei es durch Unfähigkeit oder weil verschiedene Lobbys dafür sorgen würden, dass das Geld doch wieder fehlgeleitet wird.

    Ich bin also dafür und dagegen gleichzeitig.

    • Das deckt sich, grob aber weitestgehend, mit meinen Überlegungen dazu.
      Es macht aber nur Sinn, wenn es zweckgebunden ist, w.H. wenn damit einhergehend der riesige Wasserkopf in Verwaltung und Administration, sowie kontraproduktive Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen ( bspw. Tagesmütter für Tagesmütter im Minijob ) weitestmöglich abgebaut werden.
      Und dafür gibt es offenbar bis jetzt noch nicht mal geringsten Denkansatz, jedenfalls ist mir nichts derartiges bekannt.

  • “ Studien, die zeigen, dass Kinder sich in homosexuellen Partnerschaften gut entwickeln“

    Gibt es diesbezüglich seriöse Studien? Mir ist bislang keine bekannt. Auch der verlinkte Artikel bezieht sich auf eine Studie, die offenbar allein auf Befragungen beruht. Ganz abgesehen davon, dass unklar ist, inwieweit die 95 Auskunft erteilenden Kinder repräsentativ ausgewählt wurden und ob die Anzahl überhaupt hinreichend ist, um generelle Schlüsse zu ziehen, bin ich überzeugt davon, dass man derartige Sachverhalte nicht per Befragungen aufklären kann. Welche Kinder und Jugendliche sind denn in der Lage, wirklich zu begreifen, ob ihre psychische Entwicklung vollständig normal verläuft? Und selbst wenn entgegenstehende Anhaltspunkte bestünden, wer würde insoweit denn seine Eltern belasten? Beispielsweise sind die meines Wissens zwischenzeitlich weitgehend anerkannten Defizite von Kindern alleinerziehender Eltern wohl auch kaum durch reine Befragungen ermittelt worden.

  • »Ankara streicht die Evolutionstheorie vom Lehrplan der Neuntklässler.«

    Dazu auch ein interessanter Artikel von Fabian Köhler bei Telepolis: Darwins islamische Vorfahren. Wie eigentlich bei allen religiösen Fundamentalisten gilt auch hier: um einer holzschnittartigen Ideologie willen ruinieren sie auch den Blick auf ihre eigene Geschichte.

  • @Lucas:

    „Ich habe bisher noch kein Modell kennen gelernt, in dem sich das Grundeinkommen wenigstens erst einmal rechnen würde.“

    Laut Wikipedia betrug 2014 allein das Budget des Bundesministerium für Arbeit und Soziales 124 Milliarden Euro. Dazu kommen ja die entsprechenden Behörden in den Bundesländern und Kommunen. Unter der Annahme, dass das Grundeinkommen 1000 € beträgt, wären dann 80 Milliarden Euro notwendig. Da sehe ich zumindestens Potential, das sich das rechnen könnte.

    Mir ist natürlich klar, dass für eine seriöse Rechnung dann z.B. auch Rückkopplungseffekte (Menschen mit geringen Einkommen überlegen gar nicht mehr zu arbeiten etc.) einbezogen werden müssen.

    Auch wenn ich mir z.B. eine Familie mit 2 Kindern sowie Vater und Mutter vorstelle, dann hätte diese Familie schon mal mindestens 4000 € zur Verfügung. Finde ich jetzt auch nicht wirklich wenig.

    Bitte nicht falsch verstehen, ich habe mich bisher überhaupt noch nicht mit dem Grundeinkommen beschäftigt und bin mir sicher, dass es auch sehr viele seriöse Gründe gehen das Grundeinkommen geben wird. Deshalb will ich das auch nicht so verstanden wissen, dass ich für das bedingungslose Grundeinkommen bin.

    Allerdings gibt es aus der Sicht der geschiedenen bzw. getrennten Väter ein interessanter Aspekt: Unterhaltsforderungen sollten weitestgehend ihre Grundlage verlieren und man kann sich tatsächlich auf das Kindeswohl konzentrieren. Im Moment wird ja getrennten Vätern zugemutet, mehr zu arbeiten, um den Unterhalt zu erfüllen, was dann die Möglichkeit reduziert sich um die Kinder zu kümmern.

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