geschlechtergerechte Sprache Männerechtsbewegung Satire Sexismus

Was wäre, wenn…Von unsichtbaren Männern und raumgreifenden Frauen

geschrieben von: Lucas Schoppe

Dieser Text ist eher eine kleine Erzählung als ein Blogartikel – nach dem ersten Teil und dem zweiten Teil folgt nun der dritte und letzte. Ein Experiment, das eine einfache Idee durchspielt  – Was wäre denn, wenn es tatsächlich eine männerfixierte Geschlechterpolitik gäbe, die zum Beispiel von dem ehemaligen Schweizer Männerbeauftragten Matthias Theunert beschworen wurde:

Man wähle ein beliebiges, in Ziffern fassbares Merkmal und brandmarke den Unterschied zwischen den Geschlechtern als gewollte Benachteiligung und Diskriminierung von Männern.“

Ich übernehme wieder Daten aus unserer realen Politik, interpretiere sie aber konsequent in Theunerts Sinn. Für die Beschreibung einer geschlechtergerechten Sprache im ersten Teil musste ich etwas kreativer sein und habe mir überlegt: Wie könnten Linguisten argumentieren, die beweisen wollten, dass unsere gegenwärtige Sprache nicht etwa Frauen, sondern Männer unsichtbar mache?

Ansonsten aber habe ich mich sehr eng an reale Zitate und reale Daten gehalten – die Transkription des Tagesschau-Textes zum Mansplaining beispielsweise habe ich so genau, wie es möglich war, übernommen und einen Text zum Womplaining daraus gemacht.

Auch in diesem Teil entsteht, so hoffe ich, der Eindruck, dass einige Argumente ja grundsätzlich durchaus bedenkenswert sind – dass sie aber ins Irrsinnige abgleiten durch die stumpfe Konsequenz, mit der sie verfolgt werden – durch die Feindbilder und Ressentiments, die sie transportieren – und durch die Verweigerung der Empathie für diejenigen, die von diesen Ressentiments betroffen sind. Auch dies ist ein Reflex realer Debatten.

 

Wie unsere Sprache Männer unsichtbar macht

Ein Beispiel dafür, dass Maskulisten leider trotz ihres großen Engagements für soziale Gerechtigkeit Schwierigkeiten bekommen, ihre wichtigen Anliegen einer Mehrheit der Menschen verständlich zu machen, ist die geschlechtergerechte Sprache.

Die Linguistin Anna Stefanowitsch von der Freien Universität Berlin erläutert eine Auffälligkeit der deutschen Sprache: Während in der Einzahl noch er/sie/es, der/die/das unterschieden werden, werde in den Pluralformen allein das weibliche Pronomen resp. der weibliche Artikel verwendet: „der Mensch“ wird zu „die Menschen“, er, sie oder es wird gleichermaßen zu sie. Das Männliche sei also nur im Vereinzelten zu finden, das Weibliche allein repräsentiere das Allgemeine. 

Dass das kein Zufall ist, erläutert Stefanowitsch an Berufsbezeichnungen. Dort gebe es Bezeichnungen, die eine berufliche Funktion ausdrücken (Lehrer, Maurer, Dachdecker, Polizist etc.), und es gebe spezifische weibliche Formen, die durch ein eigenes Suffix markiert würden (Lehrerin, Maurerin, Dachdeckerin, Polizistin etc.). Spezifische männliche Formen aber fehlten so selbstverständlich, dass ihr Fehlen niemandem auffalle.

Das Resultat: Während Männer schon in ihrer sprachlichen Repräsentation ganz in ihrer Funktion aufgingen, würde bei Frauen signalisiert, dass zu ihrer Identität noch ein Surplus gehöre, etwas, was über die bloße Funktion hinausweise. Dieses Menschliche, das nicht in Funktionen aufgehe, werde sprachlich als Spezifikum des Weiblichen dargestellt. Männer hingegen würden als Menschen unsichtbar gemacht.

Das Phänomen des „unsichtbaren Mannes“: Sie trägt ein leuchtend rotes Kostüm, er aber einen grauen Anzug, mit dem er sich von Hintergrund kaum abhebt – so dass er auf den ersten Blick kaum zu erkennen ist. Kein Wunder, dass er verdrießlich in die Kamera schaut.

Medienanstalten und Universitäten empfehlen daher schon lange den Gebrauch einer geschlechtergerechten Sprache, manche Dozenten machen sie auch zur Bedingung bei der Annahme von Arbeiten. Bei Allgemeinbegriffen sollten zum Beispiel spezifisch weibliche Begriffe gemieden werden: statt „die Gerechtigkeit“ lieber „das gerechte Leben“, statt „die Freiheit“ lieber „das Freisein“, statt „die Menscheit“ eher „das Menschentum“. Zusätzlich fordern einige Linguisten, den Gebrauch der weiblichen Formen bei Berufsbezeichnungen ganz zu vermeiden.

Einen anderen Weg geht zum Beispiel Lann Hornscheidt, ehemals Professor an der Humboldt-Universität, der erklärt, dass zusätzlich zur weiblichen Form auch eine männliche benutzt werden müsse: Lehrerus, Maurerus, Dachdeckerus, Polizistus usw. Er fordert seine Studenten auf, ihn als „Professorus Hornscheidt“ anzusprechen oder anzuschreiben.

Die Professoren der Universität Leipzig bezeichnen sich unabhängig vom Geschlecht seit 2013 in ihrer Grundordnung als „Professorusse“.

Wer aber nicht die Geduld und Ausbildung hat, sich mit diesen so wichtigen Feinheiten der Sprache auseinanderzusetzen, wird natürlich schnell dazu neigen, die Bemühungen um eine geschlechtergerechte Sprache als Unsinn abzutun, als Beschäftigung von Menschen, die angeblich keine anderen Probleme hätten.

 

Womanspreading, Womplaining und andere zentrale Probleme der Zivilisation

Das galt lange auch für Belastungen, von denen uns erst heute klar ist, wie sehr sie über Jahrzehnte hinweg Menschen das Leben schwer gemacht haben. Dazu gehört zum Beispiel das „Womanspreading“, also die Angewohnheit von Frauen, in Bussen, U-Bahnen und anderswo deutlich mehr Platz einzunehmen, als ihnen von Rechts wegen zusteht: durch abgestellte Taschen auf dem Nebensitz, durch Füße, die sie auf den Sitz gegenüber legen – aber auch olfaktorisch durch einen übermäßigen Gebrauch von Parfümen, die mit bedrängender Selbstverständlichkeit die Atemluft aller okkupieren – oder akustisch durch lang andauernde, laut geführte Handy-Telefonate. Die Zeitschrift VICE stellt klar, dass dies „ein größeres Problem ist, als viele denken“.

Womanspreading: Die Frau okkupiert gleich vier Sitze, als wär es ihr gutes Recht! Solche Bilder posten Männer gleich massenweise in sozialen Medien – bislang leider ohne nennenswerten Erfolg.

Gequälte Männer machten auf dieses Verhalten aufmerksam, indem sie Frauen dabei fotografierten und die Fotos auf Webseiten veröffentlichten. Angesichts der erschreckenden Fülle des Materials konnten die Einwände vernachlässigt werden – dass die Fotos Persönlichkeitsrechte verletzen würden, dass Männer doch auch öfter mal mehr als ihren einen Sitz belegen würden, sogar häufiger als Frauen breitbeinig in der Bahn säßen, ohne das Frauen sich gleich darüber aufregen würden, etc.

Inzwischen ist das Problem als so gravierend anerkannt, dass die Städte New York und Madrid in ihren U-Bahnen Hinweisschilder gegen das Womanspreading angebracht haben.

Ein ähnlich großes Problem ist das Womplaining. Zum Weltfrauentag, bei dem eigentlich spezifische gesundheitliche Risiken von Frauen im Mittelpunkt stehen sollten, berichtete die tagesschau im Jahr 2016 darüber in einem herrlich ironischen Beitrag. Weil es sich so lohnt, wird im Folgenden das ganze Manuskript der Sendung aus der Rubrik #kurzerklärt dokumentiert:

Wenn Frauen Männern ungebeten Vorträge halten, nennt man das „Womplaining“. Das kommt im Alltag vor, aber auch in Hollywoodfilmen. Der heutige Weltfrauentag ist ein guter Anlass, sich diesem Thema mal zu nähern. Alvin Stiegler tut das.

Wenn Männer ungefragt erzogen werden. Von Frauen. Geht gar nicht – oder nur halb so wild?

Es nennt sich Womplaining. Muss das sein? Womplaining – zusammengesetzt aus den Begriffen „woman“ (Frau) und „complaining“ (sich beschweren) – beschreibt das Phänomen, wenn Frauen ungebeten Männern Vorträge halten. Der Begriff aus der Geschlechterdebatte wurde 2014 sogar ins Oxford English Dictionary übernommen.

Womplaining passiert, wenn Frauen ihrem Gesprächspartner nicht zutrauen, sich selbst angemessen wahrzunehmen. Das Gespräch wird zum Vortrag. Für viele ist das sexistisch. Der Hashtag „Womplaining“ bringt eine Debatte im Netz ins Rollen. „Wie ein Klaps auf den Mund“, schreibt die Zeit. „Baby, ich erklär dir, wer du bist“, titelt die taz. Nur ein Gefühl? Studien liefern dazu Beispiele. Je kleiner die Gruppen, desto mehr sprechen die Frauen. Frauen sprechen bis zu einem Drittel mehr, sobald sie nicht in der Unterzahl sind. Frauen seien sich sicher: Je mehr Frauen beteiligt seien, desto konstruktiver wären auch die Lösungswege einer Gruppe.

Eine weitere Beobachtung der Forscher: Je mächtiger Frauen werden, desto stärker entziehen sie sich den Möglichkeiten, auch selbst einmal auf die Konsequenzen ihrer Handlungen hingewiesen zu werden.

Womplaining auch im Alltag. Schuld daran sind die Geschlechterstereotypen, die wir mit uns rumschleppen. Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Nicht jedes Mal, wenn eine Frau etwas kritisiert, muss es gleich Womplaining sein. 😉

 

Vom vorsätzlichen Missverstehen einer brillanten Satire

Auch diese humorvolle Herangehensweise überzeugt jedoch viele Menschen nicht von den Gefahren des Womplaining – so wie insgesamt der maskulistische Humor vielen Zeitgenossen leider unzugänglich bleibt. Ganz gewiss als Satire zu verstehen war zum Beispiel die Schrift „Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Frauen“, in der ihr Autor Valerio Solanas den Massenmord an den europäischen Juden in seiner Fantasie Stück für Stück als Massenmord an Frauen nacherzählt. Solanas macht deutlich, dass aus seiner Sicht die vollständige Vernichtung von Frauen unabdingbar für eine humane Entwicklung der Menschheit wäre und dass verständige Frauen sich selbst umbringen würden, um anderen Arbeit zu ersparen.

Unglücklicherweise enthält die Schrift keinerlei Ironiemarker, und unglücklicherweise hat der Autor tatsächlich versucht, die berühmte Künstlerin Andrea Warhol zu ermorden – wenn er sie auch lediglich mit einigen Schüssen schwer verletzen konnte. Das ist leider Wasser auf die Mühlen derer, die sich – um dem Maskulismus insgesamt zu schaden – absichtlich unverständig stellen und so tun, als ob Solanas den Text ernst gemeint hätte.

Glücklicherweise attestiert die Bundeszentrale für politische Bildung der Schrift eine „satirische Form“, stellt sie als „umfassende Kritik an den gesellschaftlichen Machtverhältnissen“ heraus,  und der berühmte Schauspieler Jasper Tabatabei hat im steuerlich geförderten Männer-Media-Turm der Stadt Köln daraus öffentlich gelesen. 

 

Vom permanenten Kommentieren der Männerkörper

Obwohl glücklicherweise aus den Parteien oder den Medien die Unterstützung für den emanzipatorischen Maskulismus nicht ausbleibt, gerät er trotzdem mehr und mehr in den Ruf, überdreht, einseitig oder schlicht seltsam zu sein. Zum Bestseller wurde beispielsweise das Buch „Dann mach doch die Hose zu!“, in dem der Journalist Birk Kelle sich über Männer lustig machte, die professionalisiert und ausdauernd immer neue Diskriminierungsformen entdecken würden.

Glücklicherweise nehmen viele Aktivisten solche reaktionären Positionen als Ansporn, ihr Engagement noch zu intensivieren. Gerade erst haben Männer damit begonnen, auf Instagram und anderswo Fotos behaarter Körperteile – Brüste, Rücken, Beine, Hintern, auch Schamgegenden etc. – zu posten.

Gängige Schönheitsnormen erlegen nämlich männlichen Körpern eine Ent-Haarung auf und signalisieren damit einerseits, dass diese Körper für ihre Funktionalisierung gleichsam stromlinienförmig gemacht werden müssen, und andererseits, dass sie nur schön sein können, wenn sie sich der Haarlosigkeit weiblicher Körper annähren. Mit einer bezeichnenden Einschränkung: Das darf natürlich keineswegs die Kopfhaare betreffen – da Glatzen bei Frauen äußerst selten sind, gelten Glatzen auch bei Männern als unschön und unattraktiv.

Bauch und Glatze: Die Karikatur zeigt, wie verletzend Männer lächerlich gemacht werden, sobald sie gängigen Schönheitsnormen nicht entsprechen.

Der maskulistische Spiegel-Kolumnist Mark Stokowski kommentiert:

„Kopfhaar zu wenig, Bauch zu dick und dann auch noch unrasiert: Männerkörper bleiben nie unkommentiert.“

Ally-Gruppen – das heißt:Gruppen pro-maskulistischer Frauen – veranstalten nun Abende, an denen sie sich „ganz bewusst“ Fotos behaarter Männerhintern aussetzen und gemeinsam lernen, ihre Reaktionen des Abgestoßenseins, des Ekels, aber auch des Amüsements als Abwehrreaktionen und Reproduktionen hegemonialer Schönheitsnormen zu verstehen.

Unglücklicherweise erscheint auch dies Menschen, die mit dem mutigen Hinterfragen vom Geschlechternormen nicht vertraut sind, als überdreht, gar als lächerlich.

 

Wie gut, dass Batman anzieht, was er will

Ein anderes Beispiel dafür, dass der Maskulismus leider an allgemeiner Überzeugungskraft verliert, sind die inner-maskulistischen Differenzen um das muslimische Kopftuch. Lange Zeit war es Konsens im emanzipatorischen Maskulismus, das muslimische Kopftuch als tief männerfeindlich und als Zeichen von Unterdrückung abzulehnen. Frauen würden ihnen durch die demonstrative Verhüllung demonstrieren, dass Männer animalische, instinktgesteuere Wesen seien, die sogar schon durch den Anblick weiblichen Haupthaares die Selbstkontrolle verlören.

Von dieser Deutung grenzt sich eine Generation jüngerer Maskulisten ab, die dem Kopftuch emanzipatorischen Wert zuspricht. Durch die Verhüllung würden Frauen weniger offensiv öffentlichen Raum okkupieren, als wenn sie aufreizend gekleidet Aufmerksamkeit auf sich zögen (vgl. Womanspreading). Vor allem würden Frauen sich nur ihren eigenen Männern gegenüber am Kopf unverhüllt zeigen, anderen Männern gegenüber aber Zurückhaltung demonstrieren – womit sie solidarisch darauf verzichten würden, ihren Mann beständig in eine intrasexuelle Konkurrenz mit anderen Männern zu manövrieren.

Die aus Mitteln des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Männer und Jugend geförderte Seite „No Hate Speech“ stellt dieses Bild unentgeltlich zur Verfügung, um eine jüngere Generation von Maskulisten bei der Verteidigung des muslimischen Kopftuchs zu unterstützen. Bravo!

Diese Position wird, zumal sie zugleich antirassistisch ist, auch von der durch das BMFSMJ geförderten Plattform No Hate Speech verbreitet und unterstützt.  Weiten Teilen der Bevölkerung aber ist die Wahlverwandtschaft zwischen emanzipatorischem Maskulismus und einer tief konservativen Islam-Auslegung leider suspekt – was wohl darauf zurückzuführen ist, dass viele Menschen nicht nur sexistischen, sondern auch rassistischen Impulsen folgen.

 

Alles Evolution, Genderama und weitere Widersinnigkeiten einer „linken Frauenpolitik“

Gegnerinnen von Gleichberechtigung und Emanzipation versuchen selbstverständlich, die Irritationen, die heute ein fortschrittlicher Maskulismus notwendigerweise in einer heterosexistischen Gesellschaft auslösen muss, für ihre eigenen Interessen zu nutzen.

Die selbsternannte „Feministin“ Anne Hoffmann beispielsweise verlinkt auf ihrem Blog Genderama nicht nur jeden Tag Beispiele, die suggerieren sollen, dass auch Frauen Opfer gesellschaftlicher Benachteiligungen werden können. In ihrem Buch mit dem widersinnig klingenden Titel „Plädoyer für eine linke Frauenpolitik“ hat sie auch gemeinsam mit der „linken Feministin“ Lesza das Konzept eines „integralen Antisexismus“ entwickelt, der sich gleichermaßen gegen geschlechtsbedingte Benachteiligungen von Männern und Frauen richte.

Christiane Schmidt wiederum diskutiert auf ihrem Blog Alles Evolution täglich über Geschlechterfragen aus maskulismus-kritischer Sicht. Grundtenor: Es sei falsch, die Unterschiede zwischen den Geschlechtern – wie das heute selbstverständlicher Konsens in den Gender Studies ist – lediglich als soziale Konstruktionen anzusehen, die weibliche Herrschaftsinteressen reproduzierten und bedienten. Tatsächlich seien viele Unterschiede biologisch grundiert und evolutionspsychologisch erklärbar.

Glücklicherweise gelangen solche Positionen nicht in den allgemeinen Diskurs der Leitmedien. Das gilt umso mehr für kleinere Blogs. Die Bloggerin Luca Schoppe beispielsweise hat gerade erst einige Texte veröffentlicht, in denen sie das „Experiment“ durchspielt, nicht in einer emanzipatorisch-maskulistischen, sondern in einer „feministischen“ Welt zu leben.

In den wohl satirisch gemeinten Texten ersetzt sie „Männer“ durch „Frauen“, „Jungen“ durch „Mädchen“, und umgekehrt – und entwirft so eine lächerlich und überspannt wirkende Welt, in der Frauen sich erfolgreich als Opfer sexistischer Strukturen präsentieren können.

Was sie natürlich übersieht: Dass eine „feministische“ Welt im Unterschied zu einer emanzipatorisch-maskulistischen lächerlich wirkt, zeigt ja gerade, dass dieser Perspektivenwechsel unsinnig ist und wesentliche Machtdifferenzen überspielt. Sicherlich gibt es einzelne weibliche Benachteiligungen – aber es ist doch Konsens in den Leitmedien, der Politik und der Wissenschaft, dass diese Nachteile im Unterschied zu den Diskriminierungen von Männern nicht auf gesellschaftliche Strukturen zurückzuführen sind.

Schoppe erklärt die Absicht ihres Textes im letzten Abschnitt trotzdem so:

„Mir ging es darum, auf eine eher spielerische Weise zu zeigen, dass unsere Geschlechterpolitik dreifach verengt ist. Erstens verengt sie soziale Probleme und Herrschaftsfragen in einer zwanghaft wirkenden Weise auf Geschlechterfragen. Zweitens verengt sie Geschlechterfragen auf Herrschaftsfragen, ignoriert die weithin notwendige und auch erfolgreiche Kooperation von Männern und Frauen sowie die pragmatischen Gründe für Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Drittens verengt sie Machtfragen, indem sie nur eine Richtung kennt, nämlich dem einen Geschlecht klischeehaft die Täter- und dem anderen klischeehaft die Opferrolle zuweist.“

Beruhigend, dass solche Positionen nicht Teil von Mainstream-Diskursen sind und dass sie schon gar nicht das letzte Wort haben.

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9 Comments

  • „Wenn Frauen Männern ungebeten Vorträge halten, nennt man das „Womplaining“.

    Oder Femsplaining 😉 Das ist inzwischen mein Lieblingswort dafür.

    • „Wenn Frauen Männern ungebeten Vorträge halten, nennt man das „Womplaining“.

      Oder Femsplaining 😉 Das ist inzwischen mein Lieblingswort dafür.“

      Exakt mein erster Gedankengang dazu. Dann habe ich mal mein QuickDic befragt:
      complain=
      Beanstandung, Reklamation, Klagen, Beklagen, Beschweren etc.

      Tja, da war ich dann überzeugt 😉

  • Tja, was wäre die Welt ohne Ironie oder Sarkasmus? The invisible Women, dass ich nicht lache. Sie macht sich wie selbstverständlich breit und meint nun, noch mehr Micro-Aggressions mit der Lupe finden zu müssen.

    Womspreading; ach woher: https://emannzer.wordpress.com/2017/06/13/men-bag-dog-fatspreading/

    – Bagspreading (das Verteilen von Shopping-Tüten)
    – Dogspreading (Tölen die den Gang blockieren)
    – Fatspreading (Gesäß benötigt Zweisitzer)
    – Parfumespreading (Penetrante Parfüme)

    Das sind doch nur naturgemäße Rechte der Frau auf ihre Bedürfnisbefriedigung. „Die Prinzessin auf der Erbse“, die gibt es doch nur im Märchenbuch!

    Das heißt eben politisch korrekt Entfaltung, wann kapiert der Restmann das endlich mal? Wir machen uns nicht breit in der Gegenwart, nein, wir schaffen uns unsere eigene Comfort-Zone und dazu ist ein Womsplaining nicht eine Silbe zuviel.

    Möge der Primat noch so klagen, er ist eben nicht existent; in unserer heilen Welt, welche ein Tabu für alles ander darstellt. Das können wir ach beweisen, in unserem autonomen Freibad, dass wir prima gemanaged haben:

    http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.aufruhr-in-einem-freiburger-frauenbad-erobert-von-musliminnen.8534af5b-a028-4700-bd8d-bea8b4c8d833.html

    • Dem schließe ich mich einfach mal an.
      Man braucht m.E. schon ein wohlsortiertes Ordnungssystem und einige Akribie um so eine Serie so glaubhaft mit Umkehrungen, resp. reziprok-komplementären Analogien u.s.w. auszustatten.
      Mir würde nach wenigen Absätzen dermaßen der Kopf schwirren, daß ich den Überblick verlieren würde.

      M.a.W.: Das ist Spitze!

      • @ uepsilonniks, Fiete Danke! 🙂 Es hat Spaß gemacht, aber ich war am Ende selber verwirrt und wusste manchmal nicht mehr, ob es Blödsinn ist, den ich da schreibe – oder ob ich Blödsinn vorführe….

        • Ein riesengroßes Kompliment für dieses Spiegeln, Lucas. Es ist sicherlich schwer, solchen Irrsinn mal eben so umzudrehen und du hast dir dennoch diese Mühe gemacht.

          Ich habe nun alle drei Artikel durch, musste manchmal schmunzeln und oft blieb mir auch das Grinsen im Hals stecken. Im Grunde hast du die aktuelle Situation für Männer sehr gut konterkariert und mich wundert, dass diese Realsatire nicht weitere Verbreitung findet.

          Eventuell ist ja bei Teil III noch nicht Schluss. Mir fielen für eine Fortsetzung noch die „Rape-Culture“ ein oder beispielsweise die Bevorzugung eines Geschlechts bei „gleicher Eignung“ (NRW). Man könnte auch über eine Frauenbundeswehr nachdenken, unter maskulistischer Führung selbstverständlich …

          PS: Dieser kleine Kommentarbereich ist eine Katastrophe, wie ich finde. Man verliert schnell den Überblick über das Geschriebene bzw. verhunzt sich seine eigenen Meinungen, wenn man versucht, etwas zu formatieren (ist mir gerade bei meinem #Aufkreisch-Outing passiert).

  • Herrlich. Mehr davon. Nur eins muss ich kritisieren. Die wichtige Rolle von FEMdat für das Bekanntmachen von Nachteilen und Benachteiligungen von Mädchen, Müttern und Frauen bleibt völlig unerwähnt.

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