Geschlechterdebatte Wissenschaft

Gender Studies: Eine Stilkritik

geschrieben von: Lucas Schoppe

Diskussionen um Gender Studies leiden zunehmend daran, dass eigentlich alles Wichtige schon gesagt ist. Immerhin bietet der Text von Judith Butler und Sabine Hark, zwei der wichtigsten Vertreterinnen der Gender Studies, die Möglichkeit zu einer kleinen Stilkritik.

Ein „Erstarken autoritär grundierter Ressentiments“ stellen Sabine Hark und Judith Butler in der Zeit erschrocken fest, und dazu hätten

die aggressiven und auf Verletzung gestimmten Volten in den Debatten um die Rechte geschlechtlicher, sexueller und anderer Minderheiten, um die geschlechtergerechte Gestaltung unserer Gesellschaft ganz allgemein oder die Gender-Studies im Besonderen“

beigetragen.

Es geht also tatsächlich nicht um eine Auseinandersetzung mit Ressentiments, nicht um die Frage, ob autoritäre Haltungen erstarken – sondern es geht, wieder einmal, um die Gender Studies. Warum das von allgemeinem Interesse ist, erklären die Autorinnen nicht. Immerhin sind die Gender Studies, was die Einrichtung von Lehrstühlen angeht, nämlich eine enorme akademische Erfolgsstory, für die beträchtliche öffentliche Gelder aufgebracht werden. Da ist die Frage interessant, was mit dem Geld geschieht.

Wie gewohnt aber versuchen Vertreterinnen der Gender Studies gar nicht erst, diese Gelder zu legitimieren, zu zeigen, wie viele wichtige und nützliche Ergebnisse durch diese Investitionen möglich geworden sind. Stattdessen reicht es ihnen, die Gegner als autoritär, ressentimengeladen, gewaltnah, aggressiv, hasserfüllt, roh zu präsentieren.

Doch selbst wenn diese Vorwürfe stimmen würden, könnte das ja nicht von der Verpflichtung entbinden, endlich einmal nachzuweisen, wofür sich die öffentlichen Investitionen in ihr Fach gelohnt haben. Einfach formuliert: Arschlöcher zu Gegnern zu haben rechtfertigt noch keine Ansprüche auf öffentliche Mittel, schon gar nicht in vielfacher Millionenhöhe.

Dass wiederum die Gegner hasserfüllt seien, muss seltsamerweise auch hier nicht nachgewiesen werden. Da die Vertreterinnen der Gender Studies ihr Fach selbst als „emanzipatorisch“ verstehen, müssen die Gegner logischerweise autoritär und gewaltnah sein. Dass die Kritik illegitim ist, erkennen die Fachleute immer schon daran, dass sie überhaupt formuliert wird.

Das ist alles längst bekannt, und nach diesem Muster argumentiert jede mir bekannte Verteidigungsschrift der Gender Studies. Da es wenig Spaß macht, das wieder und wieder nachzuweisen, konzentriere ich mich einfach einmal auf etwas anderes – nämlich auf den Stil, in dem der Text Harks und Butlers verfasst ist. Denn der ist sehr aussagekräftig – auch wenn die Autorinnen das vermutlich gar nicht beabsichtigt haben.

 

Die sind roh, wir sind fein (Stilmittel: Berufung auf Autoritäten)

Auch linke, queerfeministische und antirassistische Kontexte sind von der epidemischen Ausbreitung dieser ‚rohen Bürgerlichkeit’ (Wilhelm Heitmeyer) nicht gänzlich verschont geblieben – eine Entwicklung, die zweifellos dringend der Reflexion und Kritik bedarf.“

Heitmeyers Begriff der „rohen Bürgerlichkeit“ greift auf Kategorien aus vordemokratischen Zeiten zurück – als sich eine Adelsschicht, die ihre eigene Verfeinerung feierte,  mit der Rohheit des Pöbels konfrontiert sah. Sie geben sich als Bürger, sind aber eigentlich Pöbel: Wer tatsächlich kritisch mit den Begriffen umgehen möchte, mit denen er hantiert, kann Heitmeyers Formulierung eigentlich nicht unkommentiert übernehmen.

Klar ist hier auch, warum auch immer, dass „linke, queerfeministische und antirassistische Kontexte“ eigentlich einer solchen Rohheit recht fern, aber „nicht gänzlich verschont geblieben“ sind. Das nun ist keineswegs ein Ansatz zu linker, queerfeministsicher und antirassistischer Selbstkritik, sondern bezieht sich auf die Emma. Die nämlich hat in ihrer letzten Ausgabe eine Reihe von Texten veröffentlicht, die sich sehr kritisch mit den Gender Studies auseinandersetzen, die ihnen nämlich „Beißreflexe“, die Verweigerung offener Diskussionen und Wirklichkeitsfremdheit vorwerfen. Und das aus feministischer Perspektive.

 

Wie man eine Querfront bastelt (Stilmittel: Beschwörung des Feindes)

Um eines billigen, letzten Endes aber teuer erkauften Triumphes willen nehmen sie Allianzen mit jenen Kräften in Kauf, die seit geraumer Zeit gegen die Gender-Studies zu Felde ziehen und denen am Gespräch meist nicht gelegen ist.“

Wenn ich eine Position einnehme, die von Linken, Liberalen und Konservativen, von Männerrechtlern und Feministinnen kritisiert wird, könnte ich natürlich auch auf die Idee kommen, dass an meiner Position vielleicht irgendetwas nicht stimmt. Einfacher aber ist es, eine Querfront zu fantasieren, in der sich – warum auch immer – Rechte und Linke verbündet haben, um mir das Leben schwer zu machen.

 

Wie man wesentliche Kritik in Nebensätze verfrachtet (Stilmittel: Ablenkung)

Anstatt sich mit den Argumenten der Kritik auseinanderzusetzen, kann ich dann den Kritikern vorwerfen, sie würden ominösen, aber eindeutig bösartigen „Kräften“ zuarbeiten. Wie aber sieht denn zum Beispiel eine solche Kritik aus?

Nicht eine Arbeit aus den Gender Studies hat eine gesellschaftspolitische Debatte geprägt oder zumindest vorangetrieben. (…) Nicht eine deutsche Professorin für Geschlechterforschung hat eine bahnbrechende These formuliert, die breite Anerkennung in der internationalen Wissenschaftslandschaft erfahren hätte. Es ist zudem keine Absolventin der jungen Disziplin bekannt geworden, die eine beachtliche Nachwuchskarriere hingelegt hätte.“

Das schreibt Vojin Saša Vukadinović in der neuesten Emma – in seinem Text über die „Sargnägel des Feminismus“, den Butler und Hark ganz besonders ärgerlich finden. Die eigentlich naheliegende Entgegnung, auf die übersehenen wissenschaftlichen Erfolge und Ergebnisse der Gender Studies aufmerksam zu machen, kommt ja leider nicht in Frage, warum auch immer. Also schreiben Hark und Butler:

Denn obwohl die Gender-Studies dafür gerügt werden, keine bahnbrechenden Ideen und Erkenntnisse hervorgebracht zu haben, scheitert der Artikel selbst daran, eine andere Richtung vorzuschlagen.“

Die Kritik wird in einen Nebensatz verfrachtet, um sie sogleich mit dem Vorwurf abzulösen, der Kritiker scheitere daran, eine „andere Richtung vorzuschlagen“. Allerdings ist Vukadinović daran allein schon deshalb nicht gescheitert, weil er es gar nicht versucht hat. Warum auch? Hark und Butler tun so, als wären nicht etwa diejenigen begründungspflichtig, die viele Millionen an öffentlichen Geldern erhalten – sondern diejenigen, die unbotmäßig nachfragen, was denn eigentlich mit dem ganzen Geld gemacht wird.

 

Vom Nutzen komplexer Denkbewegungen (Stilmittel: Einschüchterung)

Statt aber das Unerwartete zu tun und auf eine einfache Frage eine einfach Antwort zu geben, werfen Butler und Hark dem Kritiker der Gender Studies lediglich vor, er würde nicht versuchen, „deren vielfältige und komplexe Denkbewegungen und empirischen Forschungsthemen nachzuzeichnen oder auch nur anzudeuten.“

Nun wirkt es natürlich leicht ein wenig eitel, wenn Menschen sich selbst „vielfältige und komplexe Denkbewegungen“ attestieren, zumal solche Bewegungen nun einmal kein Selbstzweck sind. Vielfältige und komplexe Denkbewegungen könnte schließlich auch jemand vollziehen, der unter Paranoia leidet – während sehr lohnende, überraschende und wichtige Gedanken durchaus sehr klar und einfach sein können.

Wie helfen uns denn nun die Gender Studies, um unsere Wirklichkeit besser zu verstehen, sinnvoller in ihn handeln zu können? Antwort: Nun, das ist nicht so recht klar, aber ihre Denkbewegungen sind immerhin sehr komplex.

Das wiederholt unterschwellig die Dichotomie roh-verfeinert: Die Kritiker seien offenbar nicht in der Lage, die komplexen Ideen der Gender Studies nachzuvollziehen. Statt sich demokratisch zu legitimieren, bauen Hark und Butler akademische Wagenburgen nach klassischem Muster.

 

Die Gefährlichkeit der Freien Rede (Stilmittel: Rhetorische Fragen, Assoziationen mit Negativem)

Aber soll damit gesagt sein, dass freie Rede radikal ungehemmte Rede sein sollte? Dass wir uns als Feministinnen an Boshaftigkeit und Karikatur beteiligen sollten? Dass wir jegliche Form akademischer Redlichkeit verweigern können? Dass wir also dem Vorbild des Emma-Autors folgen sollten? Liefert uns dieser Text nicht vielmehr ein Beispiel für eine ruchlose Rede?

In jedem Fall bietet er Anlass zur Sorge, ob sich inzwischen eine Form von ‚Trumpism‘ im Feld des Feminismus eingerichtet hat: Sag, was immer du willst, beleidige oder verletze nach Belieben und sorge dich nicht, ob das, was du sagst, wahr ist oder ob es Schaden anrichtet in der Welt.“

Rhetorische Fragen anstatt klarer Auskünfte. Der so wichtige Begriff der „freien Rede“ wird hier gleich reihenweise mit negativen Begriffen assoziiert: ungehemmt, boshaft, unredlich, ruchlos, beleidigend, verletzend, Schaden anrichtend und, natürlich, Trump. Da kann schon einmal verloren gehen, dass Hark und Butler an keiner Stelle auch nur einen kleinen Nachweis dafür geführt haben, weshalb denn die Kritik in der Emma „ruchlos“ sein sollte.

Es könnte ja zum Beispiel sein, dass die vielen verschiedenen Zitate von Gender-Forscherinnen, die Vukadinović analysiert, aus dem Zusammenhang gerissen und entstellt sind. Das aber müsste dann zumindest an einem Beispiel auch einmal gezeigt werden. Wenn Butler und Hark sich stattdessen in rhetorische Fragen flüchten, überdecken sie auch hier, dass sie der Kritik eigentlich nichts zu entgegnen haben.

 

Der tapfere Kampf gegen die Kräfte rückhaltloser Zerstörung (Stilmittel: Oppositionen)

Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, uns an die Grundlagen feministischen Denkens und feministischer Praxis zu erinnern. An ein Denken, das uns aufgetragen hat, beharrlich an der Erkenntnis zu arbeiten, auf wie viele Weisen sich patriarchale Verhältnisse und Hindernisse im Leben jeder Einzelnen materialisieren – und diese Kräfte rücksichtsloser Zerstörung zu bekämpfen.“

Wir kämpfen gegen die „Kräfte rückhaltloser Zerstörung“ – und wer uns daran hindert, macht sich mit diesen Kräften gemein. Statt sich mit Argumenten auseinanderzusetzen, imaginieren Butler und Hark einen Kampf des Guten gegen das Böse, in dem es darauf ankommt, auf welcher Seite jemand steht. Spätestens hier wird auch klar, warum sie solch große Probleme mit der freien Rede haben – denn frei reden können dann natürlich auch die „Kräfte rückhaltloser Zerstörung“, und wir wissen ja, dass die dabei nur Böses im Schilde führen.

Einfach formuliert: Freie Rede wäre eine tolle Sache, wenn nur wir reden könnten.

 

Mit Leia in der Widerstand. Wogegen eigentlich? Das ist zum Glück auch immer schon klar, wird aber weiterhin in komplexen Denkbewegungen erforscht.

Natürlich ist auch klar, was für Kräfte das sind, gegen die gekämpft werden muss: „patriarchale Verhältnisse“. Das wird vermutlich nur Menschen überraschen, die glauben, es ginge in den Gender Studies darum, Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Geschlechter zu erforschen.

Das ist tatsächlich nicht der Fall. Tatsächlich geht es gar nicht um empirische Forschung, sondern darum, vorhandene empirische Daten jeweils nach bestimmten Vorannahmen zu interpretieren: dass Geschlechter soziale Konstruktionen seien, dass diese Konstruktionen im Dienste von Machtverhältnissen stünden, dass diese Verhältnisse die Machtposition einer traditionellen Männlichkeit beständig reproduzieren würden.

Die Gender Studies sind mit diesem Vorannahmen wie der Igel in Grimms Märchen vom Hasen und Igel: Was immer auch geschieht, wie aufwändig immer auch in anderen Disziplinen geforscht und gearbeitet wird, wie überraschend und komplex empirische Daten auch sein mögen – die Gender Studies landen zuverlässig immer genau dort, wo sie auch gestartet sind. Ick bün all da.

Dass das Fach so nicht nachweisen kann, dass sich die enormen öffentlichen Investitionen auch lohnen, ist nicht überraschend.

 

Von der Komik der Gender Studies (Stilmittel: Idealisierung des Eigenen)

Es ist ein Mechanismus, der auf die Beseitigung von Binnendifferenzen und empirischer Komplexität, dafür umso mehr auf Homogenität, Abstraktion und Vergleichgültigung im Inneren von Differenz abzielt. Eine gewaltvolle, weil abstrahierende Denkform.“

Das schreiben Hark und Butler nicht etwa selbstkritisch, sondern sie werfen es ihren Kritikern vor. Sich selbst nämlich attestieren sie eine

Haltung, die – anders als das stetig lauter werdende Getöse medialer, die Demokratie zersetzender Debattensurrogate – auf die Tugenden des Differenzierens und der Deeskalation setzt. Die zurückhaltend und bedacht mit apodiktischen Verallgemeinerungen umgeht und Begrifflichkeiten wählt, die Ambivalenzen auszudrücken erlauben. Die totalisierende und versämtlichende Sichtweisen zurückweist, um ein Denken mit der Welt statt über diese zu ermöglichen.“

Das ist unfreiwillig komisch bei Autorinnen, die gerade noch belegfrei über die „Kräfte rückhaltloser Zerstörung“ lamentiert hatten, die diese Kräfte noch vor wenigen Absätzen und ebenfalls belegfrei in allgegenwärtigen „patriarchalen Verhältnissen“ entdeckten und die mit dem Begriff der freien Rede fast zwanghaft einen negativen Begriff nach dem anderen assoziierten.

Wer immer schon im Voraus weiß, wie er die empirische Realität einzuschätzen hat, der kann eben auch kein realistisches Bild von sich selbst entwerfen. Immerhin bieten die Seltsamkeiten Harks und Butlers die Möglichkeit für eine kleine Arbeitshypothese: Wann immer Vertreterinnen der Gender Studies über ihre Kritiker reden, reden sie eigentlich über sich selbst – ohne es zu merken.

 

 

Schon vor Jahren hatte ich hier im Blog einmal eine kleine Serie zu den Gender Studies geschrieben. Stilistisch würde ich mich jetzt vielleicht anders ausdrücken, aber inhaltlich hat sich an den Positionen nichts geändert.

  1. Gender Studies als Wissenschaft von allem und jeder
  2. Gender Studies: Wissenschaft von unten, installiert von oben
  3. Gender Studies und die Logik der Feindschaft
  4. Extra: Survival-Kit für gender Studies-Zwangs-Studis

 

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20 Comments

  • @ Lucas

    Eine wirklich gelungene Analyse.

    Diskussionen mit Genderisten – sofern so etwas wie eine Diskussion denn jemals stattfindet – kranken an der Tatsache, dass Butler und ihre Sprechakttheorie sich nicht über das verständigen will, was als korrekte Wahrnehmung der Realität gelten kann, sondern dass der performative Sprechakt die Realität und insbesondere die Identitäten erst konstituiert und konstruiert. Kritik ist deshalb – das hast Du sehr eindrücklich aufgezeigt – immer ein feindlicher Akt, der die eigene Identität – im vorliegenden Fall insbesondere die geschlechtliche – in Frage stellt.

    Für Butler und ihre Anhänger ist die Frage, ob dies oder jenes korrekt kontastiert wurde bedeutungslos, denn der Sprechakt selbst ist die Quelle all dessen, was als Realität anerkannt wird. Diese Sause wurde, wenn ich mich recht erinnere, von Faucault verbrochen. Im Diskurs wird die soziale Wirklichkeit konstituiert und konstruiert. Da ist kein Platz für wahr oder falsch, mehr noch, es erübrigt sich, auf die Suche nach der Wahrheit zu begeben. Eine solche Herangehensweise führt nie zu Erkenntnis, sondern ist politische Agitation, die einer politischen Agenda folgt. Das aber kann niemals Wissenschaft sein.

    Es ist offensichtlich, dass eine derartige Auffassung dazu führt, dass jede Diskussion ausschliesslich mit dem Ziel geführt wird, die eigene Wirklichkeit als allgemeinverbindlich mittels subversivem Sprachgebrauch durchzusetzen, d.h nicht Erkenntnis ist das Ideal, sondern Macht. Für mich hat das ein faschistisches Gschmäckle.

    Im butlerschen Universum dient die Sprache eben nicht der Verständigung, nicht der Auslotung dessen, was als korrekte Wahrnehmung der Realität gelten darf. Das präsentierte Muster passt haargenau in dieses Schema.

    Ruchlos sind die Genderisten. Viele Menschen, dazu zähle ich auch mich, sind nicht so versiert in ihrem Sprachgebrauch und es fällt ihnen schwer, das manipulierende Element des Butlerismus sprachlich auszudrücken. Die Sprache begegnet uns hier als Herrschaftsinstrument über all jene, die sich diesem Instrument nicht in gleichem Masse bedienen können. Diese Leute sind einfach nur abstossend.

  • „Stattdessen reicht es ihnen, die Gegner als autoritär, ressentimengeladen, gewaltnah, aggressiv, hasserfüllt, roh zu präsentieren.“

    „Smart people criticise ideas, idiots criticise people“

  • Sehr gut!
    Gender Studies sind lupenreiner Antiintellektualismus, dem man natürlich viel besser mit einer Analyse der Rhetorik als vom Inhalt her kommt. Weil es kaum wirklichen Inhalt gibt, sondern nur vage Glaubensinhalte, die mit endlosen Begriffs-Schwurbeleien immer nur beschworen, aber möglichst nie deutlich ausgesprochen werden.

    Der Antiintellektualismus der Genderstudies kommt hier klar und gut zum Ausdruck, als die „abstrahierende Denkform“ (genau das ist Intellektualismus) als „gewaltvoll“ und als „totalisierende und versämtlichende Sichtweise“ bezeichnet wird. Diese „Kräfte rücksichtsloser Zerstörung“ seien „zu bekämpfen.“, es wären „Demokratie zersetzende. Debattensurrogate“. Stattdessen müsse man „ein Denken mit der Welt statt über diese … ermöglichen“.

    Das übliche Glaubensbekenntnis des Antiintellektualismus. Abgedruckt in einer der sich „geistig“ führend dünkenden Zeitschriften Deutschlands anno 2017!

    „Wann immer Vertreterinnen der Gender Studies über ihre Kritiker reden, reden sie eigentlich über sich selbst – ohne es zu merken.“

    Ich glaube, dass dies ein rhetorisches Mittel ist, welches bewusst konstruiert wurde (und natürlich nicht bewusst eingesetzt werden muss, wenn man es mal gelernt hat). Wer das war? Keine Ahnung, wahrscheinlich schon älter, 1920/30er Jahre könnte ich mir vorstellen.

  • Wiederum ein schöner Text und ein wichtiger tagesaktueller Kommentar zum Geschehen!

    Mich fasziniert an diesem Thema vor allem, dass sich da Bruchlinien auftun, mit denen wir vor kurzem in dieser Deutlichkeit nicht gerechnet hätten – Hadmut Danisch ist glatt der Kiefer runtergefallen: Alice Schwarzer plaziert in der »Emma« Texte, die (wie der von Vojin Saša Vukadinović, auf den sich außer Danisch auch Butler und Hark beziehen) nach Inhalt und Schärfe der Kritik auch von einem Männerrechtler stammen könnten. Mir ist noch nicht ganz klar, welchen Reim ich mir darauf machen soll, aber ich glaube, dass das sich darin manifestierende Aufbrechen der monolithischen Front des Feminismus – monolithisch zumindest in der Abwehr jeglicher grundsätzlicher Kritik am Feminismus – ein außerordentlich wichtiger Vorgang und ein historischer Einschnitt in der (bundesdeutschen) Diskurslandschaft ist. Im Lutherjahr 2017 mag man sich daran erinnern, dass die Reformation einen analogen Effekt hatte: zu demonstrieren, dass der Anspruch des katholischen Universalismus, die alleinseligmachende Wahrheit zu verkünden, angreifbar ist.

    Natürlich hinkt das Reformationsbeispiel auch: Alice Schwarzer und die Emma sind, anders als damals Luther, keine Neuankömmlinge auf der Debattenbühne, sondern eher die »Altgläubigen« des feministischen Universums. Schwarzer nimmt im Feminismus schon seit längerem eine randständige Position ein und ist von feministischen Autorinnen wie Bascha Mika und Miriam Gebhardt selbst mit guten Gründen kritisiert worden. Ihr wird es jetzt recht sein, dass sie sich und ihr Verständnis vom Feminismus neu profilieren kann, und im Hinblick auf ihre eigene pointierte Kritik des traditionellen wie des politisch radikalisierten Islam hatte sich der tektonische Grabenbruch zum postmodernen Feminismus schon länger abgezeichnet.

    Das wichtigste an der Intervention der »Emma« ist in meinen Augen, dass es einen »der Kaiser ist nackt!«-Effekt erzeugt: während die männerrechtliche Kritik bislang noch einigermaßen erfolgreich in die rechte Ecke abgedrängt werden konnte, wird das bei Schwarzer schwieriger – nicht, weil sie dazu im Rahmen der traditionellen Links-Rechts-Koordinaten keine Angriffsflächen böte, sondern weil sie im öffentlichen Diskurs außerhalb des Feminismus eine fest etablierte Größe ist. Ihr Angriff auf die Genderforschung ist ein Angriff auf die zumindest quantitativ, in Zahlen und Budgets, vielleicht erfolgreichste Institutionalisierungsform der Frauenbewegung überhaupt.

    Arne hat auf die heute erfolgende Gründung der Liberalen Männer in der FDP hingewiesen – auch das ist ein wichtiger Schritt männerrechtlicher Themen aus der Stigmatisierung hinaus in die öffentliche Debatte. Eine Oktoberrevolution werden wir pünktlich zu diesem weiteren Jubiläum damit wohl nicht vom Zaun brechen, aber das Tor für den Schritt aus der Schmuddelecke steht m. E. nunmehr offen.

    • @djadmoros: „im Hinblick auf ihre eigene pointierte Kritik des traditionellen wie des politisch radikalisierten Islam hatte sich der tektonische Grabenbruch zum postmodernen Feminismus schon länger abgezeichnet.“

      Den Vukadinovic-Text verstehe ich ganz klar als Fortsetzung dieses Flügelkampfs. Vordergründig kritisiert er die Gender Studies, tatsächlich aber die ideologischen Grundlagen des feindlichen Flügels.

      Das kuriose am Text von Vukadinovic ist mMn, daß er zwar viel zutreffende Kritik an diversen Aspekten der Gender Studies (allerdings oft mit anekdotischen und eher zweitrangigen Punkten) enthält, allerdings nicht die fehlende Wissenschaftlichkeit als solche attackiert, sondern ganz im Gegenteil die geringe ideologische Verwertbarkeit und Orientierung der queer-feministischen G.S. Er endet seinen Text mit:

      „An all dem wird der tiefe historisch-politische Graben deutlich, der zwischen Feminismus und Genderforschung liegt. Deren Zustand gibt Anlass zu der Annahme, dass die Gender Studies keineswegs eine kritische Weiterentwicklung feministischen Gedankenguts sind, …“

      Damit bestätigt er einen der wichtigsten Kritikpunkte an den G.S., die fehlende Distanz zur und Abhängigkeit von der feministischen Ideologie. Er fordert sogar noch weniger Distanz, also potentiell mehr Unwissenschaftlichkeit!

      Bei der Antwort von Butler und Hark klappt die Unterscheidung zwischen feministischer Ideologie und Gender Studies auch nicht so richtig (sofern sich überhaupt ein eindeutiger Sinn aus den überkandidelten Formulierungen ableiten läßt).

      Auf die von Schwarzer angekündigte Antwort auf den Butler/Hark-Text darf man gespannt sein.

    • Es gibt i.m.h.o zwei bedeutende Bruchlinien, die den OMMA-Feminismus und den Gender-Feminismus trennen.

      – das Verhältnis zur Prostitution
      – und seit einiger Zeit der Themenkomplex Islam / Islamismus / Kopftuch, Burka etc.

      Beide Themen sind für für A.S absolut zentrale, wo sie als die deutsche feministische Ikone schlechthin keinen Widerspruch dulden kann und absolute Meinungsführerschaft beansprucht. Für Männer wie uns stellt sich die Aufgabe, den Kampf wenn immer möglich anzustacheln. Und Pocorn bereithalten!

    • Ich denke Schwarzer versucht nur ihre Ecke vom Feminismus vor den Selbstentblößungen im Absurden der nachfolgenden Generation zu retten.

      Das Prinzip des Progressivismus besteht darin, dass jede neue Generation ein noch radikaleres Heilsversprechen mit entsprechender Verdammung des sündigen Status Quo bringt um dadurch die letzte Generation Heilsversprecher als überholt absetzen zu können. Dabei geht es eigentlich nur um Macht, die sich daraus generieren lässt, dass die Leute solchen Heilsversprechen gerne folgen.

      In diesem inhärenten Wettrennen ist der Feminismus durch seinen Siegeszug an eine Grenze gestoßen, wo weitere Heilsversprechen und entsprechende Forderungen von Satire nicht mehr zu unterscheiden sind. Dadurch besteht die Gefahr, dass mehr und mehr Leute begreifen, wie albern das von Anfang an war. Diese Gefahr wittert Schwarzer und versucht sich davon abzugrenzen, damit sie und ihr Feminismus nicht mit in den Abgrund gerissen werden.

  • @Lucas: „

    Denn obwohl die Gender-Studies dafür gerügt werden, keine bahnbrechenden Ideen und Erkenntnisse hervorgebracht zu haben, scheitert der Artikel selbst daran, eine andere Richtung vorzuschlagen.“

    Hark und Butler tun so, als wären … diejenigen begründungspflichtig, die unbotmäßig nachfragen“

    Die Antwort von Hark und Butler ist ein klassischer Fehlschluss (tu quoque), was für eine hochdekorierte Philosophin ziemich peinlich ist.

    Viel spannender finde ich aber, was hier nicht steht: eine direkte Widerlegung der Kritik durch eine Liste von bahnbrechenden Ideen und Erkenntnissen! Wenn es eine solche gäbe, wäre es ein leichtes gewesen, sie stichwortartig aufzulisten – aber: da scheint nichts zu sein!

    • Villas Kritik ist schon gefasster als die von Butler und Hark. Sie geht immerhin auf die Inhalte der Kritik ein. Hier hat jetzt mitm recht, wenn er oben sinngemäß schreibt, dass die Kontroverse ein »K2L« ist, ein »Kampf zweier Linien«, ideologischer Linien also. Ein großer Teil von Villas Argumenten bindet sich an die von Vukadonivic aufgeworfene Frage, wie politisch die Gender-Forschung zu sein habe. In der Replik wird klar, dass sich die männerrechtliche Perspektive doch nicht in der Kontroverse unterbringen lässt. Villa zählt ja nun doch kleinteilig auf, womit sich Genderforschung befasst. Was nun fehlt, ist der Einwand, dass all diese Forschung immer noch schwere Schlagseite hat, methodologisch wie empirisch, wenn es um die nominelle Hälfte des Themas, das männliche Geschlecht geht: Raewyn Connell und Michael Kimmel und die »toxic masculinity« sind nichts, was sich die Genderforschung als Orden an die Brust heften kann.

      Villa wäre zu antworten: die Gender-Forschung möge dafür Sorge tragen, dass sie auch von Männerrechtlern aus Staatsmitteln und an bestehenden Lehrstühlen betrieben werden können, ohne dass ihnen ideologische Vorgaben gemacht oder feministische Prämissen vorgeschrieben werden, wie ihre Fragestellungen und Resultate auszusehen haben, und ohne dass sie im Wochentakt politisch als Halbnazis denunziert werden. Und ohne dass die Forschungsbudgets dafür zusätzlich aufgebläht werden, sondern indem bestehende Mittel dafür umgewidmet werden.

      Der Artikel lohnt einen eigenen Blogpost, muss mal schauen, ob ich außer der Reihe dazu Zeit finde.

      • @ djadmoros

        Wäre natürlich super, wenn Du gelegentlich Zeit hättest, auf den Villa Artikel eine Replik zu schreiben.

      • @djadmoros: „Villa zählt ja nun doch kleinteilig auf, womit sich Genderforschung befasst. Was nun fehlt, ist der Einwand, dass all diese Forschung immer noch schwere Schlagseite hat, …“

        Ich bezeichne das inzwischen analog zum true Scotsman-Denkfehler als true Gender Studies-Diskursstrategie: man blickt nur auf das Positive, blendet alle Defizite aus, übrig bleibt die reine Wissenschaft.

      • Die Fragen, die ich an eine Verteidigerin der gender studies richten würde, werden nicht beantwortet, ja nicht einmal angeschnitten.

        Ein erhobener Vorwurf wird gekontert, in dem ein breites Meinungsspektrum in den gender studies behauptet wird und dass dieser Themenkomplex kontrovers diskutiert werde. Damit wird das Ziel zu einem nicht lokalisierbaren Ziel, ein moving target.

        Was aber ist mit den Erkenntnissen, die wir den gender studies zu verdanken haben? Eine kleine Auswahl an Fragen, die ich gerne beantwortet hätte:

        Inwiefern ist die „hegemoniale Männlichkeit“ nicht viel mehr als eine feministische Befindlichkeit, ebenso das Konzept der „toxischen Männlichkeit“. Wie erklärt sich, dass „toxische Männlichkeit“ ein populäreres Konzept der gender studies ist, aber von einer toxischen Weiblichkeit nie die Rede ist?

        Wie können in einer Wissenschaft, die sich gender studies nennt, ein Michael Kimmel und eine Raewyn Connell als Experten für Männlichkeitsforschung gelten, zwei Personen, die Männlichkeit nur als destruktive soziale Kraft charakterisieren und offensichtlich von Ressentiments geleitet werden?

        Die Antwort wäre wahrscheinlich, dass diese Konzepte kontrovers diskutiert würden und es würde wahrscheinlich auf irgendeinen Schmöker verwiesen, der Männlichkeit und Faschismus nicht gleichsetzt.

        Wie ist es möglich, dass eine Wissenschaft eine gesellschaftsumfassende männliche Dominanz behauptet und auf die Spitze der sozialen Pyramide verweist, dabei aber die Männer der untersten sozialen Schichten praktisch völlig ausblendet oder perverserweise wie Connell diese Menschen als Kollaborateure qualifiziert?

        Wie ist es möglich, dass eine üppig subventionierte Wissenschaft, die sich der Erforschung des Verhältnis der Geschlechter verschrieben hat, ein zentrales und prägendes Element dieses Verhältnisses – die männerdiskriminierende Praxis im Ehe- und Scheidungsrecht, insbesondere die Zuteilung des Aufenthaltsrechts der Kinder – praktisch keine Rolle spielt?

        Keine dieser Fragen wurde gestellt, keine dieser Fragen wurde auch nur angeschnitten und keine dieser Fragen wurde beantwortet. Die gender studies haben nicht bloss eine Schlagseite oder einen blinden Fleck, sondern einen gewaltigen confirmation bias.

        Am Anfang war die Ideologie.

    • Danke für den Hinweis … habe dort kommentiert, mein Text wurde aber gelöscht. Dies war mein Kommentar:

      Als wissenschaftlich interessierter Laie stelle ich erstmals bewusst einen Konflikt zwischen Feminismus und Gender Studies fest. Für mich als Außenstehenden interessant.

      Dass die öffentliche Reputation von Gender Studies im freien Fall ist, darauf deuten diverse unbeholfene Verteidigungsversuche, zuletzt die Broschüre „Gender Raus – Zwölf Richtigstellungen“ (PDF) der Böll-Stiftung.

      Angriffe auf Gender Studies also nun auch von Emma. Tenor ist mangelnder Bezug zur Sache der Frauenbewegung; das sei dessen implizite Aufgabe. Ich als außenstehender sah diesen bzw. sehe ihn immer noch als dessen Aufgabe. Freilich gilt dieser Mangel auch für den Femininismus selbst.

      Die Stellungnahme dazu von Butler und Hark in Zeit Online sind nach allen Maßstäben der Welt peinlich.

      (Thematischer Schlenker am Rande: Beispielsweise gibt es für den realen „Pay Gap“ eine höchst simple Erklärung, und die hat nichts mit toxischer Männlichkeit zu tun: das sind die schändlich niedrigen Tarife in den frauendominierten Branchen, also Pflege, Erziehung, Gastronomie, Discounter-Kasse, Bäckereifachverkäuferin. Wann hat sich je der Feminismus zu den Branchentarifen geäußert? Zu Gewerkschaften? Genau: nie – Aufgabe nicht gelöst oder nicht verstanden. Schlenker zu Ende.)

      Zur Replik von Villa. Ich nehme ihren Merksatz als Zusammenfassung und Tenor ihres Artikels:

      „Merke: Das Gender-Paradigma ist das wissenschaftliche Versprechen auf die forschende Thematisierung der Geschlechterdifferenz.“ oder, von mir entschwurbelt: Der Forschungsbereich „Gender Studies“ betrachtet die Geschlechterdifferenz unter dem Gesichtspunkt des gesellschaftlichen Lebens (also des Sozialen).

      Versprechen und Versprechen halten ist zweimal was gutes getan: was hier klafft, ist die Lücke zwischen Anspruch und Realität: Dass ich von keiner seriösen Veröffentlichung der Gender Studies weiß, liegt definitiv nicht an mir, sondern an fehlender (oder nur vorgetäuschter) Forschungstätigkeit.

      • Hi, gehe ich mit FF und Noscript (alle Scripts verboten) auf den Link, dann taucht Dein Kommentar auf, erlaube ich in NoScript das „miss-blabla.de“, dann ist er weg ;o)….

  • Klasse Artikel. Hier noch eine Anmerkung zum zitierten Text:

    „… deren vielfältige und komplexe Denkbewegungen und empirischen Forschungsthemen nachzuzeichnen oder auch nur anzudeuten.“

    Nun, da sollten sich die Damen und Herren mal an die eigene Nase fassen. Wer nicht in der Lage ist, seine „komplexen“ und „vielfältigen“ Gedanken mal verständlich in einfache Worte und Ausagen zusammenzufassen, der hat sie entweder selbst nicht verstanden oder ist zu feige, zuzugeben, dass es eben einfach nur pseudowissenenschaftliches Gelaber oder jede Relevan ist. Oder ganz simpel zu formulieren, dass man eben gerne einen elitären Opferstatus hätte.

    Man könnte das ja mal beginnen mit der Erläuterung, warum „feministische Eisbergforschung“ oder „Bedeutung von Geschlecht für die soziale Vulnerablität in überflutungsgefährdeten Gebieten“ so eminent wichtig sind. Ein einziges Argument, welches überzeugen könnte, würde mir ja schon genügen!

    Sidekick zu Schoppes Artikel:

    Realsatire
    Gender Studies – Jobwunder für Genderisten oder überflüssig wie ein Kropf?“

    https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/josef-kraus-lernen-und-bildung/gender-studies-jobwunder-fuer-genderisten-oder-ueberfluessig-wie-ein-kropf/

  • Gelungene Analyse und meiner Meinung nach der richtige Punkt, um den Hebel anzusetzen. Die Inhalte brauchen gar nicht analysiert zu werden, da es sich im Wesentlichen nur um einen Schuldgenerator handelt, der Mittel zum Zweck ist. Eine Kaste von Funktionären soll über die Reinheit der Lehre wachen und zwischen Gut und Böse unterscheiden. Sie bekommen Macht, die Bösen zu benennen und (vielleicht auch) im Namen der guten Sache Strafen festzulegen.

    Da aber die Funktionäre selbst nichts produzieren, sondern nur eine Gruppe von Wächtern über Gut und Böse sind, wird sich über kurz oder lang das ergeben, was sich in solchen Situationen immer ergibt: Eine Art Feudalismus mit einer priviligierten Gruppe als Herrschern, die es geschafft hat, sich gegen Korrekturen zu immunisieren.

    Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie sehr mich die aktuelle Situation an die Zustände in der DDR erinnern, in denen es eine Gruppe von Funktionären geschafft hatte, den Versuch der Lösung der eigentlichen Probleme des Landes (mit ständigen Verweis auf den Klassenfeind) nahezu vollständig aufzugeben. Es ist frappierend und beängstigend zugleich.

  • Kann Butler eigentlich Deutsch? Für mich liest sich vieles an dem Artikel wie eine schlechte Übersetzung aus dem Englischen. Oder haben Butler und Hark den Text praktisch in der Diskussion entwickelt und letztere hat ihn ausformuliert?

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