man tau-Wochenshow

Die man tau-Wochenshow vom 13. August 2017

Photographer: cedrus`
geschrieben von: Mark Smith

Nachfolgend findet Ihr eine Presseschau der letzten Woche unter anderem mit folgenden Themen:

  • Mehmet Scholl – ein „Deserteur“ mit Haltung
  • Hatte Weimar eine Chance?
  • „Es wird gelogen und vertuscht“
  • Tagebuch eines Erlösers
  • Der Rufmord
  • Versklavt in Europa
  • Weitgereiste Bücherfreunde
  • Deutschland droht zu zerfallen
  • Einer der Hauptkriegsverbrecher
  • Der kalte Krieg um Caracas
  • Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen
  • Zukunft ist gut für alle … die paradoxe Parallelwelt der Wahlplakate
  • Vom Nutzen strukturell-institutioneller Erklärungen
  • „Kim Jong Un ist kein Verrückter“
  • Auch Gewerkschafter wählen die AfD
  • Bundestagswahl 2017 – so schneiden die Parteien im Gleichstellungs-Check ab
  • Partei der alten, wohlhabenden Männer
  • „Computer können bald mehr als wir ihnen beibringen“
  • FDP-Chef Lindner sagt einmal etwas Vernünftiges und die Medien laufen Amok … es ist wirklich hoffnungslos
  • Das Ende der Leistungsgesellschaft
  • Das langsame Gift der Symbolpolitik
  • Kapitulation vor Antifeminismus?

Auch wenn wir einen Artikel für lesenswert halten, heißt dies selbstverständlich nicht, dass wir allen Aussagen darin zustimmen, und dasselbe Prinzip gilt umgekehrt für diejenigen Artikel, die wir nicht so toll finden: auch dort können Aussagen drin stehen, die wir befürworten. Wenn Sie diese wöchentliche Presseschau für hilfreich halten, dann bitte in den Social-Media-Kanälen teilen oder einfach Bekannten und Freunden weitersagen.


  • Mehmet Scholl – ein „Deserteur“ mit Haltung

Hätte er es nur angezogen, das Büßerhemd. Wahrscheinlich wäre ihm die Exkommunikation von seiner Position als Kommentator der ARD erspart geblieben. Doch stattdessen hat Mehmet Scholl genau das getan, was die Sittenwächter des „öffentlichen Wortes“ nur als Frevel auffassen können: Er hat keinerlei Einsicht in sein „Fehlverhalten“ gezeigt. Man könnte aber auch sagen, er hat sich so verhalten, wie es gerade Vertreter großer Medien seit geraumer Zeit immer wieder fordern: Er hat Haltung gezeigt.

Quelle: NachDenkSeiten

Anmerkung Mark Smith: Wer beim Russland-Bashing nicht mitmacht, sei dies auch im Kontext des Sports, wird exkommuniziert.


  • Hatte Weimar eine Chance?

Die Weimarer Republik gilt vielen Zeitgenossen als ungeliebtes Kind der Kriegsniederlage. Der Stachel von Revolution und Versailles sitzt tief, die alten Eliten bleiben argwöhnisch. Und nicht nur die Inflation grassiert, auf den Straßen tobt die im Weltkrieg entfesselte Gewalt. Angesichts dieser Erblasten und brüchigen Fundamente: Besaß die Weimarer Republik überhaupt eine Chance? Oder fehlte ihr die Luft zum Atmen, war das Scheitern nur eine Frage der Zeit? Woran zerbrach die erste deutsche Demokratie? Zwei Historiker, zwei Standpunkte

Quelle: zeit.de

Anmerkung Mark Smith: Der zweite Standpunkt scheint mir realistischer zu sein. Als Schweizer kann ich jedoch die Abneigung gegen eine plebiszitäre Demokratie nicht verstehen, damit meine ich keine Demokratie ohne repräsentativen Parlamentarismus, sondern eine halbdirekte Demokratie wie in der Schweiz, die eben direktdemokratische Elemente mit dem repräsentativen Parlamentarismus verbindet.

Anmerkung Lucas Schoppe: Wichtig ist der Hinweis, dass die erste deutsche Demokratie nicht zwangsläufig scheitern musste, dass in ihr vieles auch funktionierte. Sie scheiterte eben auch daran, dass sie zu viele Feinde hatte. Für die heutige Situation bedeutet das: Demokratie und Zivilität haben ungeheure Möglichkeiten, sie können sich auch immer wieder stabilisieren – aber grundsätzlich sind sie fragil. Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine eher unwahrscheinliche Möglichkeit des Zusammenlebens, die sich dadurch aufrecht erhalten kann, dass sie von vielen unterstützt wird.


  • „Es wird gelogen und vertuscht“

Interview Opferanwalt Yavuz Narin hält die Aufklärung des NSU-Terrors für gescheitert. Er kritisiert die Staatsvertreter

Quelle: Freitag.de


  • Tagebuch eines Erlösers

«Ich bin ein menschliches Wrack», schrieb einer 1967 ins Tagebuch. Die Chronik einer Niederlage, die mit Tod und Auferstehung endet.

Quelle: Infosperber

Anmerkung Mark Smith: Sehr schöne Analyse von Helmut Scheben über den Revolutionär Che Guevara: Die zentralen Sätze dürften wohl folgende sein:

Die Verklärung des Che Guevara zum Märtyrer war ein Medikament gegen die Frustrationen des realpolitischen Alltags und gegen die wachsende Enttäuschung der europäischen Linken über den realexistierenden Sozialismus. Dieses Aspirin wirkte und wirkt bis heute. Über den Che als Popstar der Unangepasstheit schlechthin konnten sich alle einig werden: Linke und Rechte, Sozialisten, Polizisten, Philanthropen und Hersteller von Unterwäsche.


  • Der Rufmord

Judith Butler und Sabine Hark werfen mir und der Zeitschrift „Emma“ Rassismus vor. Da zeigt sich die Kluft zwischen Theorie und Wirklichkeit dieser Berufs-Denkerinnen.

Quelle: zeit.de

Anmerkung Mark Smith: Je länger je mehr bin ich der Ansicht, dass Alice Schwarzer nicht fähig ist, differenziert zu denken: Auch wenn ich vermutlich bei Vielem von Hark und Butler nicht einverstanden bin: Schwarzer ist gegen diese zwei eine Dampfwalze, die primär in einem schwarz-weiß-Denken verharrt. Frage mich immer, ob sich überhaupt eine Auseinandersetzung mit Schwarzer lohnt?!

Anmerkung Lucas Schoppe: Im Konflikt zwischen klassischen Radikalfeministinnen und neueren Genderfeministinnen treffen zwei Positionen aufeinander, die jeweils längst betoniert sind. Wer nicht dazu gehört, hat weder von der einen noch von der anderen Gruppe viel zu erwarten. Keine von beiden kommt beispielsweise auf die Idee, dass im Rahmen der Geschlechterpolitik die Perspektiven von Männern natürlich dieselbe Bedeutung haben müssten wie die von Frauen.


  • Versklavt in Europa

In Süditalien sind allein seit Jahresbeginn 100.000 Migranten angekommen. Viele werden als Arbeiter ausgebeutet – davon profitiert die Mafia.

Quelle: zeit.de


  • Weitgereiste Bücherfreunde

Die Grünen haben nur noch im bürgerlichen Lager Erfolg? Eine Umfrage unter aktuellen Wählern zeigt: Es ist komplizierter.

Quelle: zeit.de

Anmerkung Mark Smith: Der durchschnittliche Grünen-Wähler ist weiblich, jung und gebildet; er reist gerne, hat großes Vertrauen in die Politik und ist weniger kritisch. Wichtigstes politisches Anliegen ist der Klimawandel, für Wirtschaft interessiert er sich nicht besonders, und er ist offen für Einwanderung und gegen die Diskriminierung von LGBT. Also: nicht wahnsinnig überraschend.


  • Deutschland droht zu zerfallen

Hier Boomstädte mit überhitzten Mieten, dort verödende Orte in der Provinz: Der Bund muss dringend gegensteuern.

Quelle: Süddeutsche Zeitung


  • Einer der Hauptkriegsverbrecher

In einer Ausstellung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände wird in Nürnberg die Legende vom «guten Nazi» Albert Speer dekonstruiert.

Quelle: NZZ


  • Der kalte Krieg um Caracas

Venezuela wird zur Diktatur – ob auf Dauer, ist nicht ausgemacht. Russland und China dürften Maduro nicht ewig stützen, auf sein Militär ist kein Verlass.

Quelle: zeit.de


  • Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen

Mafia-Killer richten in einem idyllischen Städtchen ein Massaker an. Die Kultur des Schweigens schützt die Täter.

Quelle: srf.ch

Anmerkung Mark Smith: Eigentlich unglaublich, dass es der italienische Staat und die Zivilgesellschaft nicht schaffen, die Mafia auszurotten und das im 21. Jahrhundert!


  • Zukunft ist gut für alle … die paradoxe Parallelwelt der Wahlplakate

Nun sind es nur noch sieben Wochen bis zum Wahlsonntag. Alle Jahre wieder buhlen die Parteien mit bunten, mal mehr, meist weniger originellen Plakaten um Wählerstimmen. Wobei der Begriff „Wahlkampf“ eigentlich nicht mehr zutreffend ist. Die CDU sitzt die Wahlen ganz einfach aus, ist ihr Sieg doch ohnehin nicht ernsthaft bedroht und die SPD weigert sich beharrlich, inhaltliche Alternativen anzubieten, wie am Dienstag bereits Albrecht Müller treffend analysierte. Zwei der vier „kleinen Parteien“ bewerben sich handzahm um die Juniorpartnerschaft, die Linkspartei appelliert einsam auf weiter Flur an die unteren 90% und die AfD suhlt sich in der Rolle des Parias. Jens Berger hat sich für die NachDenkSeiten einmal die Plakate angeschaut, mit denen ganz Deutschland in den kommenden Wochen verunstaltet wird.

Quelle: NachDenkSeiten


  • Vom Nutzen strukturell-institutioneller Erklärungen

Auch wenn die Öffentlichkeit in Deutschland es kaum mehr wahrnimmt, ist die Eurokrise noch lange nicht überwunden. Angesichts der Hartnäckigkeit der Krise ist die Bestimmung ihrer Ursachen nach wie vor von großer Brisanz.

Quelle: Makroskop


  • „Kim Jong Un ist kein Verrückter“

Der nordkoreanische Diktator will keinen Krieg, sagt Rüstungsexperte Oliver Thränert. Er versuche nur, sich als starker Führer zu zeigen – genauso wie Donald Trump.

Quelle: zeit.de


  • Auch Gewerkschafter wählen die AfD

Im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung haben Politikforscher 4900 Menschen dazu befragt, welche Rolle Erfahrungen in der Arbeitswelt bei der Wahl von rechten Parteien spielen.

Besonders interessierten sich die Forscher für die soziale Lebenslage der Befragten und ob die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft eine Rolle spielt.

Eines der zentralen Ergebnisse: Abstiegsängste und Unsicherheit über die eigene Zukunft lassen Wähler ihr Kreuz bei der AfD machen.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Anmerkung Mark Smith: Welche Erfahrungen in der Arbeitswelt spielen eine Rolle bei der Wahl rechter Parteien? Primär Abstiegs- und Zukunftsängste. Diese Menschen fühlen sich zusätzlich von den etablierten Parteien im Stich gelassen. Dazu kommen Verunsicherungen durch Globalisierung und Einwanderung. Dies betrifft insbesondere auch Menschen aus der unteren Mittelschicht.


  • „Dass es einfach Wahnsinn war“

Im Sommer 1947 wurde der indische Subkontinent frei – und geteilt. Die Muslime erhielten einen eigenen Staat: Pakistan. Doch diese Teilung nach Religionen geriet zu einer monströsen Tragödie. Sie belastet die Weltpolitik bis heute.

Quelle: zeit.de


  • Bundestagswahl 2017 – so schneiden die Parteien im Gleichstellungs-Check ab

Der Deutsche Frauenrat hat heute einen Gleichstellungs-Check zur Bundestagswahl im September veröffentlicht und die Programme der einzelnen Parteien dahingehend analysiert, was eine Regierungsbeteiligung für Gleichberechtigung bedeuten könnte.

Quelle: Edition F

Anmerkung Mark Smith: Die Autorin Teresa Buecker schreibt. „

Strukturell eint Frauen dennoch, dass sie in ihrem Leben viel häufiger als Männer Gewalt erfahren, sich mit ihrem Einkommen nicht selbst versorgen können und eine viel niedrigere Rente haben – und dennoch länger leben.

Das mit der Gewalt ist natürlich Nonsens und somit eine antiquierter Landehüter von Buecker. Ich denke, ich muss ihr mal die entsprechende wissenschaftliche Literatur  persönlich übermitteln, damit ihr eindimensionaler Tunnelblick ein bisschen aufgehellt wird. 🙂


  • Partei der alten, wohlhabenden Männer

Christian Lindner gibt den jungen, wirtschaftsfreundlichen Internetversteher. Die FDP-Wähler haben jedoch deutlich andere Prioritäten: Sicherheit und Flüchtlinge.

Quelle: zeit.de

Anmerkung Mark Smith: Der durchschnittliche FDP-Wähler ist ein Mann, über 50 Jahre alt, gutverdienend, sportlich, mit sich selbst zufrieden, jedoch nicht mit der Politik, wirtschaftsliberal und rekrutiert sich vor allem aus ehemaligen CDU-Wählern. Und eher überraschend: politische Hauptsorgen sind, wie bei Parteien der CDU/CSU und der AfD, die innere Sicherheit und die Einwanderung.

Anmerkung Lucas Schoppe: Das Thema „Einwanderung und Flüchtlinge“ ist den Anhängern aller Parteien sehr wichtig, zwischen 56 (Linke) und 69 % (CDU), das Thema „Schutz vor Verbrechen und Terror“ zwischen 63% (Linke) und 85 % (CDU). Ausreißer nach oben ist jeweils nur die AfD (82 bzw. 91%). Gleichwohl versucht die Zeit, die FDP als eine Art AfD der Mitte zu präsentieren, als „Protestpartei der Mitte“, von der „vor allem alte, besserverdienende Männer“ angezogen werden. So ist der Artikel auch ein Beispiel für einen tendenziösen Umgang mit Statistiken,

Die klassische Bedeutung des Liberalismus spielt hier gar keine Rolle, nämlich die Toleranz für abweichende Meinungen. Gerade das aber ist in einer Zeit ja wichtig, in der Rechte wie Linke ihre Gegner verteufeln und als Feinde wahrnehmen, mit denen besser gar nicht erst geredet werden sollte.


  • 222 Millionen Euro gegen die Demokratie

Vergangenen Donnerstag stand es dann endlich fest. Der brasilianische Fußballspieler Neymar wechselt für 222 Millionen Euro von Barcelona nach Paris. Ein Deal, der unsere „demokratische Ordnung“ gefährdet?

Quelle: Makroskop

Anmerkung Mark Smith: Problematisiert wird die immer noch zunehmende Schere bei den Vermögen und Einkommen. Das scheint mir jedoch nicht das einzige Problem zu sein. Wer Unmengen von ökonomischem Kapital zur Verfügung hat, kann eben auch vermehrt in der Politik seinen Einfluss geltend machen und somit repräsentativ demokratische Strukturen konterkarieren.

Anmerkung Lucas Schoppe: Kein Mensch kann im Alleingang Werte von 220 Millionen Euro erarbeiten – schon gar nicht dadurch, dass er gegen einen Ball tritt. Das ist, natürlich, eine populistische Feststellung, die aber wirkt, weil sie ein echtes Problem ausdrückt – das der verschwiegenen Kosten. Der ungeheure Reichtum Katars, der sich in irrwitzigen Ausgaben für irrwitzige Projekte wie die Fußball-WM ausdrückt, baut auf „auf dem Leid der anderen, der Unsichtbaren, weniger Glanzvollen“.  Das aber, so Nico Beckert, gelte nicht allein für Katar, sondern auch für den westlichen Lebensstil.

Das ist ein zentrales Gerechtigkeitsproblem, das selbst Donald Trump anspricht – auch wenn er es eher ausnutzt als löst: Wie können diejenigen, deren Existenz anderen ihren Wohlstand ermöglicht, selbst in den Fokus gelangen?


  • „Computer können bald mehr als wir ihnen beibringen“

John Cohn beschäftigt sich seit mehr als vierzig Jahren mit Künstlicher Intelligenz. Er erklärt im FAZ.NET-Interview, warum der große Durchbruch jetzt da ist und was man nun nicht mehr weiß.

Quelle: faz.net


  • Neues Wirtschaftswunder

Sich inhaltlich mit der ZDF-Sendung gleichen Titels auseinanderzusetzen, ist verschwendete Zeit. Eine Auseinandersetzung aber lohnt trotzdem, weil die Sendung eindrucksvoll vorführt, wie man effektiv neoliberale Propaganda betreibt.

Quelle: Makroskop


  • FDP-Chef Lindner sagt einmal etwas Vernünftiges und die Medien laufen Amok … es ist wirklich hoffnungslos

Die Äußerungen zur Ostpolitik, die FDP-Chef Lindner an diesem Wochenende in einem Interview mit der Funke-Mediengruppe kundtat, sind durchaus lesenswert. Lindner plädiert für pragmatische Lösungen, um den unseligen Konflikt mit Russland endlich zu begraben und eine neue europäische Friedensordnung zu entwerfen. Dabei gibt er nichts preis, was nicht ohnehin schon verloren wäre und empfiehlt politische Schritte, die abseits der Sanktionen im Kleinen schon längst gegangen werden. Warum also die ganze Aufregung? Und warum der hyperventilierende Ton einiger Kommentatoren, der kaum noch zu ertragen ist?

Quelle: NachDenkSeiten

Anmerkung Mark Smith: Guter Artikel von den NDS!


  • Das Ende der Leistungsgesellschaft

Die Nachkriegsgeneration brachte es durch Arbeit zu Wohlstand. Heute kann man kaum noch Vermögen aufbauen, ohne zu erben, sagen Wissenschaftler. Ein Millionär stimmt zu.

Quelle: zeit.de

Anmerkung Mark Smith:  Der entscheidende Passus dürfte folgender sein:

Weil fast immer diejenigen erben, denen es sowieso schon gut geht, verstärken Erbschaften die Ungleichheit in der Gesellschaft. „Haushalte mit einem hohen Einkommen erhalten in der Regel hohe Erbschaften und Schenkungen, denn Kinder haben meistens einen ähnlichen sozialen Status wie ihre Eltern“, sagt Anita Tiefensee, die für die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung zu Erbschaften, Vermögen und Einkommen forscht. Oder anders: Wer sowieso schon gut verdient, bekommt noch ein Erbe obendrauf.

Das heisst: Es braucht eine griffige Erbschaftssteuer! 🙂


  • Das langsame Gift der Symbolpolitik

Ob Reform des Sexualstrafrechts, Videoüberwachung oder Mietpreisbremse: Manche politischen Maßnahmen gaukeln Lösungen vor, die keine sind.

Quelle: Süddeutsche Zeitung


  • Wie Europa die Welt eroberte

Nach dem Historiker Philip Hoffman erreichten die Europäer vor allem durch ihre aufgrund der vielen rivalisierenden Staaten fortgeschrittene Waffentechnik die globale Vormachtstellung

Quelle: Telepolis


  • Schrumpft den Bürger nicht zum Datensatz

Immer mehr Länder setzen auf datengestützte Regierungsformen. Aber Dirk Helbing, Professor für Computational Social Science an der ETH Zürich, warnt vor einer Erosion der Demokratie.

Quelle: nzz.ch

  • Kapitulation vor Antifeminismus?

Der Heinrich-Böll-Stiftung hat ihr Online-Lexikon „Agent*In“ vom Netz genommen. Ein Kommentar

Quelle: Telepolis

Anmerkung Mark Smith: Wieder einmal ein unterirdischer Artikel von Peter Nowak von Telepolis. Bin überrascht, dass der dort immer noch regelmäßig seinen Schrott abliefern darf und auch noch Geld damit verdient. Djadmoros hat bereits in den Kommentarspalten von Telepolis das Nötigste dazu gesagt, und ich erlaube mir mal, hier seinen Kommentar vollständig zu zitieren:

»Antifeminismus« als Popanz

Mit der Vokabel »Antifeminismus« fährt Nowak dieselbe Strategie wie zuvor die nun vom Netz genommene Webseite: schmeiße wohlbegründete und hysterische Kritik in denselben Topf und erkläre alle Kritik zu hysterischer Kritik. Schmeiße Kritik aus dem linken politischen Spektrum in denselben Topf wie Kritik aus dem rechten politischen Spektrum und erkläre alle Kritik zu Kritik aus dem rechten politischen Spektrum.

Denn mal abgesehen davon, dass auch Kritik aus dem rechten politischen Spektrum noch nicht zwangsläufig falsch sein muss, möchten unsere feministischen Bonzen und Apparatschiks eines vermeiden wie der Teufel das Weihwasser: dass ihnen vonseiten einer emanzipatorischen Linken öffentlich wahrnehmbar intellektueller und politischer Verrat an linken und emanzipatorischen Werten und Idealen vorgeworfen wird – beispielsweise, weil die Chefankläger des »Sexismus« selbst zu einem Inbegriff von Sexismus geworden sind.

Und darum ist den Bonzen des Feminismus keine Denunziation, keine üble Nachrede, keine Lüge dummdreist und grobschlächtig genug, um auf sie zu verzichten.

Und all diese Anschmierereien werden unter dem Label »Antifeminismus« in Umlauf gebracht.

Mit dem Peter Nowak sich hier gemein macht.

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6 Comments

  • „Grünen-Wähler ist weiblich, jung und gebildet …“

    Weiblich verstehe ich, es geht um eigene Vorteile.
    Jung und naiv …

    Gebildet widerspricht aber dem Zustand „Grünen-Wähler“, oder sollte die Bildung inzwischen so auf den Hund gekommen sein?

  • Keine von beiden kommt beispielsweise auf die Idee, dass im Rahmen der Geschlechterpolitik die Perspektiven von Männern natürlich dieselbe Bedeutung haben müssten wie die von Frauen.

    Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Ist es aber nicht. Und das hat seine Gründe.

    – eine Emanzipation des Mannes würde ihn teilweise von Pflichten befreien, die traditionell als Pflichten des Mannes verstanden werden. Dazu gehört insbesondere die Pflicht, Frauenundkinder materiell zu versorgen. Weder der Staat noch die Frauen in ihrer Mehrheit können daran ein Interesse haben.

    Von dieser Feststellung gelange ich zum beklagten Gender-Gap, insbesondere den geringen Anteil von Frauen in den MINT-Fächern. Die Argumentation der Feminismus- und Genderkritiker geht etwa so:

    Es gibt biologische Unterschiede, die zumindest teilweise den Gender-Gap erklären. Je freier die Gesellschaft, je freier die Frauen ihre Wahl treffen, je weniger die Vorstellungen traditioneller Geschlechterrollen gesellschaftlich wirken, desto eher folgen sie ihren Neigungen und wählen Studienrichtungen, die sich mehr mit Menschen als mit Dingen beschäftigen, also Psychologie anstatt Maschinenbau, Soziologie anstatt Physik u.s.w.

    Interessant an dieser Argumentation ist, dass die „Frau des Westens“ ganz selbstverständlich als die in ihrer Entscheidung freiere angenommen wird. Tatsächlich gibt es in den westlichen Gesellschaften keine gesetzlichen Beschränkungen, die Frauen in ihrer Studienwahl einschränken. Aber trifft dies auch auf die psychologische Seite zu? Oder anders gefragt: ist die Iranerin, die sich für das Studium Physik entscheidet nicht emanzipierter – trotz aller gesetzlichen Beschränkungen – als die Westfrau, die sich für ein Studium der Pädagogik entscheidet?
    Emanzipation ist wesentlich mehr als die Gleichstellung vor dem Gesetz, ist wesentlich mehr als gleiches Recht. Emanzipation hat eine psychologische Dimension. Die unhinterfragbare Behauptung, dass die Westfrau die emanzipierteste Frau der Welt sei, das bezweifle ich. Der geringe Anteil in den MINT-Fächern und die Wahl von traditionell weiblich konnotierten Berufsfeldern spricht nämlich dagegen, solange man nicht mit der (notwendigen) ad-hoc-Hypothese aufwartet, dass die Frauen hier freier sind und deshalb gemäss ihren Neigungen entscheiden. Ich halte die ad-hoc-Hypothese für zweifelhaft.

    Der Grund, warum die Westfrauen ihre Wahl selten für MINT-Fächer entscheiden ist i.m.h.o der tradierten Vorstellung geschuldet, dass;

    – der Mann der „primäre breadwinner“ ist, es seine Pflicht ist, die materiellen Grundlagen zu sichern
    – und MINT-Studien sehr viel abverlangen, mehr als die Geisteswissenschaften, sie in der Regel den beschwerlicheren Weg darstellen, der allerdings auch höheren Verdienst verspricht, was gemäss des tradierten Rollenverständnisses den Mann adressiert.

    Ich glaube nicht an die Mär von der superemanzipierten Westfrau, die sich ihren Zugang zu lukrativen Anstellungen mit einer Beschämungstaktik erschwindelt anstatt Studien zu wählen, die ihr diese Möglichkeiten durch die erworbenen Kompetenzen und Wissen ermöglichten.

  • zu „die paradoxe Parallelwelt der Wahlplakate“:

    Eine interessante, wenn auch nach meinem Eindruck sehr subjektive Analyse des (Nicht-) Wahlkampfs. Man kann in die stark verkürzten Sprüche auf den Wahlkampfplakaten sehr viel hineininterpretieren, und Prognosen über deren Wirkung bei bestimmten Wählergruppen kann man glauben oder auch nicht.

    Ansonsten gilt es den faktischen Verlust eines deutschen Worts zu beklagen: Wahlprüfstein(e). Wobei dieser bildliche Ausdruck ja nur für detaillierte politische Einzelfragen stand, mit denen man die Parteien „verhörte“.

    Nicht nur das Wort ist verschwunden, sondern nach meinem Eindruck auch derartige thematischen Vernehmungen.

    Wenn ich mir im Archiv die Antworten auf die Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl 2013 ansehe, dann sehe ich heute nicht entfernt vergleichbare Aktivitäten.

  • Zum Artikel zur Weimarer Republik:
    Kann den Artikel aus Zeitgründen nur überfliegen, aber die erste Interpretation ist kompletter Unfug. Die politische Gewalt war ständig im Alltag präsent, die Herrschenden hatten keine Strategie dagegen, die nationalistische Rechte hatte sich gewiss nicht deshalb an der Regierung beteiligt, weil sie eine wie auch immer geartete Demokratie wollte, sondern weil sie hoffte, das Ruder in ihrem Sinne herumreißen zu können, und vor allem wurde das Gewaltmonopol des Staates ununterbrochen herausgefordert, von links wie von rechts. Außerdem haben auch die häufig (mit-)herrschenden Sozialdemokraten das Ihre dazu beigetragen, der Weimarer Republik den Todesstoß zu versetzen, indem sie gegen die Interessen ihrer Wähler gehandelt haben (wie heute, könnte man boshaft hinzufügen). Das auszuführen habe ich jetzt leider nicht die Zeit.

    Darüber hinaus hat ein großer Teil der Menschen von 1914 an in unsäglichem Elend gelebt: Krieg – Revolution – Inflation, das sind bereits zehn Jahre, in denen bitter gehungert wurde. Dann ein bisschen Stabilisierung, die auf tönernen Füßen stand und 1929 bereits wieder in die Brüche ging (Weltwirtschaftskrise).

    Falls ich darf, würde ich an dieser Stelle gern Werbung für meine Krimiserie machen, mit der ich die Geschichte der Weimarer Republik mit all den oben genannten Punkten erzähle, dazu gibt es auf meiner Website auch Hintergrundinfos:
    http://www.gunnarkunz.de/krimi

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